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Der Zuschauer-«Wert» mit Blick auf die Fussball-Euro und Olympia

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(causasportnews / red. / 24. März 2021) Erst machte UEFA-Präsident Aleksander Ceferin Dampf (der Zürcher «Tages-Anzeiger» sprach unverholen von «Erpressung»), dann liess sich die Regierung Japans vernehmen – beide Male ging es um Zuschauer/innen, und beide Mal um die beiden grössten und wichtigsten Sport-Veranstaltungen dieses Jahres: Die Fussball-Europameisterschaft im Sommer (11. Juni bis 11. Juli) an zwölf Standorten quer durch Europa sowie die Olympischen Sommerspiele gleich danach (23. Juli bis 8. August) in der japanischen Metropole Tokio. Mit Blick auf beide Veranstaltungen stehen, wegen «COVID 19», zuzüglich derzeit grassierende Mutationen, die Zuschauer/innen im Zentrum des Interesses. Unterschiedlich bezüglich beider Veranstaltungen ist nur das derzeitige, kommunikative Handling der Organisatoren und Schirmherren. Auf der einen Seite steht an der Spitze des Europäischen Fussballverbandes der nicht gerade für eine gewählte Kommunikation bekannte 53jährige Verbands-Präsident aus Slowenien; auf der anderen Seite beweisen die disziplinierten und höflichen Asiaten, dass sie auch in Krisensituationen die Contenance nicht so rasch verlieren. Auch wenn es um die Zuschauer/innen geht, die zwar in «Corona»-Zeiten im Rahmen von Sportveranstaltungen weltweit ein Problem darstellen, jedoch vor allem auch einen pekuniären Wert verkörpern, was den führenden Sportverbänden und -organisationen allmählich bewusst wird. Aleksander Ceferin möchte (deshalb) an der Europameisterschaft Zuschauer/innen in den Stadien haben und setzt die Verantwortlichen der Austragungsorte mehr oder weniger stark unter Druck, bzw. «erpresst» sie, wie nicht nur der «Tages-Anzeiger» kommentiert. Selbstverständlich wird sich weder das «Corona»-Virus noch die zuständigen Regierungen dem pekuniären Diktat der der Wirklichkeit entrückten Fussball-Funktionäre beugen. Der Fussball und das Fussball-Geschäft müssen wohl anders gerettet werden.

Weit gesitteter und vernünftig sind die Töne, welche aus Japan und seitens des Internationalen Olympischen Komitees (IOK) in der «Causa Zuschauer/innen) zu vernehmen sind. Die Sommerspiele werden ohne ausländisches Publikum stattfinden, hiess es aus Japan und Lausanne, dem Sitz des IOK. Sicherheit für alle sei das oberste Gebot nach der vorgenommenen Lagebeurteilung, wurden die Olympia-Verantwortlichen zitiert. Je nach Entwicklung der Pandemie würden wohl auch die Olympischen Wettkämpfe als «Geisterspiele» ausgetragen. Mit seiner «Forderung» bezüglich der Zuschauersituation rund um die Fussball-Europameisterschaft hat der UEFA-Präsident nicht nur zu einem unklugen, stillosen und offensichtlich verzweifelten Rundumschlag angesetzt, sondern sich bereits weitgehend selber unter (unnötigen) Druck gesetzt. Falls zufolge der Pandemie keine Zuschauer/innen die Europameisterschafts-Spiele verfolgen können, gibt der Mann aus Slowenien an der Spitze der UEFA wohl nur noch eine Karikatur ab.

Kein „Nulltoleranz“-Entscheid nach Rassismus-Ausfällen

(causasportnews / red. / 31. Oktober 2019) Es waren schlimme Szenen, die sich anlässlich des Fussball-Europameisterschafts-Qualifikationspartie in Sofia am 14. Oktober abspielten. Nicht auf dem Rasen, als das englische Nationalteam gegen Bulgarien mit 6:0 alles klar machte; ausser Rand und Band geriet das Publikum bzw. Teile davon. Affenlaute gegen dunkelhäutige Akteure und der allgegenwärtige Hitlergruss schockierten. Rassistischer ging es kaum mehr. UEFA-Präsident Aleksander Ceferin und FIFA-Präsident Gianni Infantino zeigten sich „entsetzt“ und beschworen die „Nulltoleranz“-Haltung der Verbände i.S. „Rassismus“. Nach rund zwei Wochen, als die Fussball-Karawane in einer schnelllebigen Zeit längst weiter gezogen war und fast täglich eine andere Sau durchs (mediale) Dorf getrieben wird, hat das Entsetzen nach den Vorfällen von Sofia der Vergesslichkeit Platz gemacht. Was „Nulltoleranz“ bedeutet, zeigen die kürzlich bekannt gewordenen Sanktionsentscheide gegen den Verband Bulgariens: Zwei „Geisterspiele“ und eine „Busse“ von 85 000 Euro lautet das Verdikt aus der UEFA-Zentrale in Nyon am beschaulichen Genfersee. Höhepunkt dieser vom Sanktionsgremium der UEFA umgesetzten „Nulltoleranz“-Strategie: Das zweite „Geisterspiel“ wurde zur Bewährung ausgesetzt. Gingen die Wogen unmittelbar nach den Vorfällen am 14. Oktober noch hoch, erinnert sich jetzt schon kaum mehr an die Schande von Sofia. Sie ist den Medien nur noch eine Randnotiz wert. Die nächsten Rassismus-Ausfälle kommen bestimmt.

Wetten, dass solche Urteile weder general- noch spezialpräventive Wirkung zeitigen? Soll mit der Rassismus-Bekämpfung wirklich ernst gemacht werden, dürfen solche Urteile nicht gesprochen werden. Dann lieber nichts. Da nützte es relativ wenig, dass im Zuge der Ereignisse von Sofia sowohl der Verbandspräsident als auch der Trainer von ihren Ämtern zurücktraten. Die insbesondere (verbands-)politisch motivierten Entscheide der UEFA sind eher ein Scherz denn eine Umsetzung der von den Verbandspolitikern schwatzhaft propagierten „Nulltoleranz“-Strategie, die sich auch in diesem Fall als Lippenbekenntnisse erweist. Betrüblich bei der ganzen Angelegenheit für die Präsidenten von UEFA und FIFA: So wird es auch nächstes Jahr nichts mit dem Friedens-Nobelpreis…

Und schliesslich noch eine Randbemerkung: Keine verbandsrechtlichen Folgen hatten bisher die Sympathie-Kundgebungen der beiden deutschen Nationalspieler mit türkischen Wurzeln, Ilkay Gündogan und Emre Can, für die Offensive der türkischen Armee in Syrien ebenfalls vor zwei Wochen. Seitens der FIFA und des Deutschen Fussball-Bundes (DFB) wird dieser eklatante Missbrauch des Sports wohl ausgesessen. Immerhin leben in Deutschland mehrere Millionen Türkinnen und Türken. Überdies werden regelmässig nicht nur Fussballer eingebürgert.