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Aufarbeitung der Geschichte des FC Bayern München

(causasportnews / red. / pd. / 27. August 2019) Die Zeitschrift gehört zu den „Bijous“ der Fach-Publizistik und wartet aktuell nach einer dreijährigen Pause mit einer bemerkenswerten Nummer auf: Die Zeitschrift „STADION“, herausgegeben vom „Academia Verlag“, einer Unternehmenseinheit des zur Beck-Verlagsgruppe gehörenden, renommierten Wissenschaftsverlags „Nomos“ in Baden-Baden. In der neuen Ausgabe sticht ein sport-historischer Beitrag des Mit-Herausgebers Dr. Markwart Herzog heraus. Der Wissenschafter befasst sich in seinem Aufsatz „Der FC Bayern München im ‚Dritten Reich‘. Ein Beitrag zur Geschichtspolitik des deutschen Rekordmeisters“ mit der Grundthematik der Stellung des deutschen Rekordmeisters im „Dritten Reich“. Hinterfragt wird dabei die bis anhin herrschende Meinung zum FC Bayern München, der Verein sei ein „Opfer“ des Nationalsozialismus gewesen und habe eine entsprechende „Heldengeschichte“ geschrieben – nicht nur sporthistorisch, sondern auch medien- gesellschaftlich und kulturhistorisch eine „interessante“ Betrachtungsweise. Die bisherige Geschichte des Vereins in der Zeit des Nationalsozialismus habe sich bisher auf Chroniken, Festschriften und Zeitzeugen gestützt; Archivrecherchen seien jedoch bis dato unterblieben, kommt der Autor zum Schluss. Der über Jahrzehnte hinweg festgeschriebene Mythos habe vereinsintern jedenfalls eine starke gemeinschaftsbildende und sinnstiftende Kraft entfaltet. In der Realität sei die Rolle des Vereins als „Opfer“ des Nationalsozialismus zu relativieren. Tatsache ist etwa, dass der damalige Präsident jüdischer Herkunft, Kurt Landauer, nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten zurückgetreten und schliesslich im Konzentrationslager Dachau interniert gewesen sei. Von dort floh der Ex-Präsident in die Schweiz. Von 1938 bis 1942 war ein Nationalsozialist Präsident des Klubs: Josef Kellner, eingeschriebenes Mitglied der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP), der unter anderem im besetzten Sudetenland als Landrat tätig war. Über die sportliche und politische Rolle dieses Vereins-Präsidenten berichtete kürzlich das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ (34/2019, 17. August 2019, 122 f.). Der Beitrag basiert auf dem Aufsatz von Markwart Herzog in „STADION“. Das Forschungsresultat aus der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift trägt dank präsentierter Faktenlage einiges zu einem authentischen, realen Geschichtsverständnis rund um den FC Bayern München bei. Dazu vermeldet der „Spiegel“ in der genannten Nummer unter dem Titel „Penibler Tyrann“ genüsslich: „Der FC Bayern München sieht sich selbst als Opfer des Nationalsozialismus. Neue Dokumente belegen nun, dass ein früherer Präsident ein einflussreicher Nazi war.“. Im Auftrag des Vereins arbeitet derzeit das Institut für Zeitgeschichte in München die Geschichte des Klubs im Nationalsozialismus auf.