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Vor dem Ausschluss Belarus’ von der EM-Qualifikation 2024?

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(ausasportnews / red. / 3. Oktober 2022) Am 9. Oktober findet in Frankfurt die Auslosung für die Qualifikation zur Fussball-Europameisterschaft 2024 in Deutschland statt. Russland wird nicht dabei sein, das ist seit geraumer Zeit klar. Nun soll auch Weissrussland (Belarus) aus dem EM-Vorspiel (Qualifikation) mit Blick auf die Kontinentalmeisterschaft in Deutschland ausgeschlossen werden. Das verlangt vor allem die für den Sport in Deutschland zuständige Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD). Die Magistratin fordert vom organisierenden Kontinentalverband UEFA diesen Ausschluss. Belarus unterstütze den Kriegstreiber Russland derart, dass auch nur schon eine Teilnahme des Vasallenstaates an der Auslosung für die Qualifikation nicht angehe, meint sie. Russland führe einen grausamen Krieg in Missachtung jeglichen Völkerrechts; Weissrussland unterstützte Russland dabei. Die Ministerin, welche auch seitens des Sportes eine konsequente Haltung gegen jede Form von Menschenrechts-Verletzungen fordert, hat ihren Standpunkt bereits mehrmals gegenüber dem UEFA-Präsidenten Aleksander Ceferin bekräftigt und ihre Forderung bezüglich eines Ausschlusses (auch) von Weissrussland nochmals unterstrichen. Noch ist nicht entschieden, wie die UEFA die «Causa Belarus» erledigen wird. In Anbetracht der immer stärker eskalierenden Situation im Ukraine-Krieg dürfte es der UEFA nicht schwer fallen, Weissrussland, wie Russland, schon in der Qualifikationsphase vom EM-Turnier 2024 auszuschliessen. Bis jetzt hat sich der europäische Kontinentalverband mit Blick auf das Thema Russland relativ konsequent verhalten, jedoch Belarus zur Auslosung zur EM-Qualifikation 2024 an sich zugelassen. Sportpolitik ist selbstverständlich noch unberechenbarer als die ordentliche Politik. Der 9. Oktober rückt irreparabel näher…

Der Krieg Russlands vor der nächsten Eskalationsstufe

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(causasportnews / red. / 22. September 2022) Die Kriegstreiber im Kreml haben mit der soeben angeordneten Teilmobilmachung der russischen Streitkräfte die nächste Eskalationsstufe im Krieg gegen die Ukraine eingeläutet. Je länger desto mehr wird nun manifest, dass sich diese von Russland angezettelte Auseinandersetzung zu einem globalen Flächenbrand entwickeln könnte. Die Wahnsinnigen an den Schalthebeln der Macht in Moskau scheuen weder gegnerische noch eigene Verluste, um die Vernichtung der Ukraine und der dort lebenden Menschen zu einem Ende zu führen. Es wird nun auch der Einsatz von Atomwaffen nicht mehr ausgeschlossen – eine Folge der Misserfolge der russischen «Steinzeit-Armee», deren Befehlshaber deshalb unberechenbarer denn je geworden sind. Auch der «Wirtschaftskrieg» gegen den Westen bringt nicht den erwarteten Erfolg. Dass sich wenigstens Teile des russischen Volkes gegen den Wahnsinn auflehnen, ist ein gutes Zeichen, obwohl nur ein Ausschalten der Diktatoren im Kreml ein Ende der unsinnigen Gewalt und Vernichtung in der Ukraine bringen würde. Russland ist mit seiner Aggression, die auch im eigenen Land kaum mehr jemand als «Spezialoperation» bezeichnet, diversen Fehleinschätzungen erlegen. Vor allem das entschlossene Verhalten der westlichen Welt gegen diese Barbarei war nicht abzusehen. Ausgenommen von ein paar Schurkenstaaten ausserhalb Russlands stösst das totalitäre Regime in Russland auf strikte Ablehnung. Der Krieg gegen die Ukraine ist zur «Schlacht» gegen die westliche Weltordnung geworden. Die Ukraine führt gegen die russische Aggressoren einen klassischen Stellvertreterkrieg.

Die von Russland nicht zu erwartende Front der zivilisierten Länder gegen die Aggressoren wird auch vom organisierten Sport breitflächig mitgetragen, was im Zuge des Kriegsbeginns am 24. Februar 2022 nicht unbedingt zu erwarten war. Der Sport setzt mit der Fernhaltung russischer Sportverbände und -organisationen, von Klubs sowie Sportlerinnen und Sportlern ein starkes Zeichen. Heterogen präsentiert sich die Lage bei den Funktionären, welche, wie die Oligarchen ausserhalb Russlands in der Wirtschaft, weiterhin mehr oder weniger ungestört im globalen Sport ihr Unwesen treiben. Eine ganz üble Rolle spielt dabei das Internationale Olympische Komitee (IOK), ein Verein nach schweizerischem Recht mit Sitz in Lausanne. Unter einem opportunistischen Präsidenten werden nach wie vor russische Funktionäre im Weltsport protegiert (dies nicht nur im Schachsport, in dem kürzlich ein Russe zum Präsidenten des Welt-Schachverbandes, FIDE, gewählt wurde! Vgl. dazu auch causasportnews vom 19. August 2022 sowie der Beitrag «Die Welt und der Sport im Krisenmodus» im neusten Heft «Causa Sport», 2/2022).

Seit dem Ausbruch des Krieges vor rund sieben Monaten ist vor allem die Europäische Fussball-Konföderation (UEFA) durch Konsequenz gegenüber dem russischen Sport aufgefallen. Vom Sponsor «Gazprom» hat man sich trotz Millionen-Einbussen umgehend getrennt. Nun ist bekannt geworden, dass der russische Fussballverband (RFS) nicht an der Auslosung der Qualifikation zur Fussball-Europameisterschaft 2024 teilnehmen kann. Dabei ist natürlich der definitive Ausschluss Russlands von der in Deutschland ausgetragenen Kontinental-Europameisterschaft noch nicht besiegelt. Es könnte auch sein, dass der von Russland angezettelte Krieg bis dann beendet sein wird und eine neue Lagebeurteilung der Fussball-Strategen im UEFA-Hauptquartier in Nyon vorgenommen werden muss…

Schweizer Top-Sportfunktionäre in der Polit-Falle

René Fasel, Photo by swisssportforum

(causasportnews / red. / 18. Januar 2021) Es ist das typische Bild alternder Sport-Funktionäre, das nun der Präsident des Internationalen Eishockeyverbandes (IIHF) abgibt: Erst die Katastrophe, konkret die unsägliche Verbrüderung des 71jährigen Schweizers René Fasel mit dem Weissrussischen Präsidenten Alexander Lukaschenko (vgl. auch causasportnews vom 14. Januar 2021), dann das uneinsichtige Verhalten. Und nun die Rechtfertigung, wie «ich habe es nur gut gemeint» (es wäre ja noch schöner, wenn es der seit 27 Jahren im Präsidentenamt befindliche René Fasel nicht gut gemeint hätte), danach die plumpen Erklärungsversuche («der Sport kann vieles, auch völkerverständigend wirken») mit Blick auf das Bestreben des Funktionärs, das Weissrussland-Problem zu lösen, letztlich der Rundumschlag («in den sozialen Medien kann jeder Moralapostel spielen»). Somit reiht sich René Fasel in den Reigen anderer bekannter Sport-Funktionäre ein, die in der Sportpolitik gestrauchelt oder zumindest in die Polit-Falle getappt sind und die Ambitionen auf den Friedens-Nobelpreis begraben mussten (nach dem Motto: Wenn Barack Obama als kriegsführender Präsident «preiswürdig» war, warum denn nicht wir als Friedensstifter des völkerverbindenden Sportes?). Zum Beispiel der ehemalige FIFA-Präsident Joseph Blatter (84), der glaubte, mit einem Fussballspiel zwischen den Israeli und den Palästinensern diesen jahrzehntealten Konflikt lösen zu können; oder der FIS-Präsident Gian Franco Kasper (77), der fand, grosse Skisportveranstaltungen liessen sich in Diktaturen einfacher organisieren als in demokratischen Verhältnissen. Der jüngste Funktionär dieses Trios versucht sich nun in Schadensbegrenzung; und macht aufgrund seiner Uneinsichtigkeit alles noch schlimmer. Im Moment wird er selektiv von Interview-Termin zu Interview-Termin gereicht; darin darf er sich ausgiebig ausweinen und den Misstritt bagatellisieren: «Eine Umarmung im Osten ist wie ein Handschlag» (bei uns), lässt er sich etwa im Zürcher «Tages-Anzeiger» zitieren. Auch «Corona» ist in Minsk offenbar soweit weg wie menschenrechtskonforme Verhältnisse in Weissrussland. Peinlich ist die Angelegenheit des IIHF-Präsidenten auch für das Internationale Olympische Komitee (IOK) mit Sitz in Lausanne/Schweiz. Die Gralshüter über den weltweiten, apolitischen Sport suspendierten anfangs Dezember letzten Jahres u.a. den Präsidenten des Nationalen Olympischen Komitees Weissrusslands. Sein Name: Alexander Lukaschenko! So war das natürliche unpolitische Treffen des IOK-Mitglieds René Fasel (!) mit dem Weissrussischen Präsidenten wohl nur eine marginale Begegnung unter langjährigen Olympia-Gesandten. Die tiefere Verbindung unter Sports-Freunden wird im Zusammenhang mit der «Causa René Fasel» selbstverständlich ausgeblendet. Kein Zufall ist es überdies, dass die drei genannten, ehemaligen und aktuellen Sport-Top-Funktionäre allesamt Schweizerischer Nationalität sind. Die wichtigsten internationalen Sportverbände und das IOK haben ihre Domizile in der Schweiz. Da liegt es fern, die höchsten Verbandsämter mit Nicht-Schweizern zu bestücken.

PS Soeben ist bekannt geworden, dass die Eishockey-WM in Weissrussland nicht stattfinden wird.

Alternde Sport-Funktionäre und die Träume des Ikarus

René Fasel, Photo by swisssportforum

(causasportnews / red. / 14. Januar 2021) Je älter die Sport-Funktionäre, desto mehr ähneln sie Ikarus, der sich in seinem Übermut und seinem Grössenwahn mit Wachsflügeln immer näher der Sonne näherte – und irgendwann, als das Wachs der Wärmeeinwirkung der Sonne nicht mehr standzuhalten vermochte, brutal abstürzte.- So verhält es sich immer wieder im Sport-Funktionärswesen. In der Parallelwelt des Sportes geben sich Funktionäre mit zunehmender Funktionärsdauer unantastbar und unangreifbar; und verhalten sich immer dreister. Sie halten es mit Ikarus: see the invisible, reach the unreachable, touch the untouchable – das war die Welt des Sohnes von Daidalus, der letztlich mit seinem Flug in Richtung Sonne kläglich scheiterte. Sport-Funktionäre geht es oft entsprechend, wenn sie sich von den Realitäten immer mehr entfernen und die Wunsch-Vorstellungen mit der Wirklichkeit gleichsetzen. So ging es etwa dem 2016 aus dem Amt des FIFA-Präsidenten gejagten, heute 84jährigen Joseph Blatter. Seinem Kollegen vom Internationalen Eishockeyverband (IIHF), René Fasel, ergeht es nun ungefähr gleich. Mit einem unglaublichen Auftritt in Minsk hat er sich um die Würde, und nun wohl auch definitiv um sein Amt als Präsident der IIHF, gebracht, das er seit 1994 innehat. Nur dank oder wegen der weltweiten «Corona»-Pandemie ist der Schweizer, der in vielen Belangen seinem Pendant aus dem Fussball gleicht, derzeit überhaupt noch im Amt. Zufälligerweise haben sowohl der Weltfussballverband FIFA als auch die IIHF ihre Sitze in Zürich/Schweiz. Joseph Blatter und René Fasel stammen überdies aus Schweizer Randregionen. Nur ein Zufall ist es zudem, dass beide, jahrzehntelang als Sportfunktionäre tätigen Männer in etwa die gleiche Körperlänge aufweisen wie der auf anderer Ebene gescheiterte und dennoch geliebte und fast bis zum Ende hofierte Napoleon Bonaparte.

Nun hat sich der rührige René Fasel aus Fribourg im Uechtland, im vergangenen Jahr 70 Jahre alt geworden, selber und wohl definitiv ins Funktionärs-Grab befördert. Wie Ikarus fühlte er sich nach bald 30 Jahren an der Spitze der IIHF allem entrückt und fern jeglicher Realität und herzte in seiner jovialen Art den Diktator Weissrusslands, Alexander Lukaschenko. In der Hauptstadt Weissrusslands wollte René Fasel mit dem  zwielichtigen Präsidenten, der nicht nur die Menschenrechte in seinem Land mit Füssen tritt, die Durchführbarkeit der Eishockey-Weltmeisterschaft im Juni in Minsk sowie in Riga besprechen; selbstverständlich wird dieser Anlass wegen «Corona» dann nicht durchgeführt werden. Dass sich der IIHF-Präsident und der brutale Diktator in den Armen lagen, stösst in «Corona»-Zeiten auf spezielles Unverständnis. Die Verhaltensweise scheint aber typisch: Abstandsregeln und Maskenpflicht gelten für dem Volk Entrückte nicht. Die offen zur Schau getragene Verbrüderung zwischen Alexander Lukaschenko und René Fasel verursachte ein Sturm der Empörung. Der IIHF-Präsident hat seinen unverzeihlichen Fehltritt auf politischem Parkett zwischenzeitlich eingesehen und übt sich, zwecks Schadenbegrenzung, in Selbstkritik. Nicht deswegen also, weil Sport und Politik vor allem in den Augen des Internationalen Olympischen Komitees (IOK), dem René Fasel angehört, in jeder Hinsicht getrennt bleiben müssen, sondern weil er mit seiner Aktion einer üblen Polit-Figur Satisfaktion erteilt hat. Er habe mit dem «Feuer gespielt», gibt sich der gelernte Zahnarzt zwischenzeitlich reumütig und zugleich tapsig. Mit dem Feuer ist das so eine Sache. Wie es damals Ikarus, dem die Hitze der Sonne zum Verhängnis wurde, am eigenen Leib erfahren musste, bevor er definitiv abstürzte.