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Hauptsache Geld

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(causasportnews / red. / 18. Februar 2021) Was wäre der Weltfussballverband FIFA ohne die alle vier Jahre stattfindende Weltmeisterschaftsendrunde der Männer? Was der Europäische Fussballverband UEFA ohne die Goldesel Champions League und Europa League? Es wären wohl zwei einfache Vereine, die in bescheidenen Mietobjekten hausen müssten, und nicht so, wie die FIFA im eigenen Fussball-Tempel am Zürcher Sonnenberg und die UEFA in einem Glaspalast in Nyon an bester Lage am Genfersee.

Deshalb wird im Moment unter dem Einfluss von COVID-19 und allen Mutationen alles getan, um in Europa die Geldmaschinen «Champions League» und «Euro League» am Leben zu erhalten. Die umfassend-globalen Fussballer verfügen über ein wenig mehr Zeit, bis die nächste WM-Endrunde im kommenden Winter in Katar über die Bühne bzw. den Kunstrasen gehen soll. Das führt im Zeitalter von «Corona» auch zu Absurditäten, welche im Moment zwar weitgehend goutiert werden, aber mittel- und langfristig zum Bumerang werden könnten. Das Motto «Hauptsache Geld» ist durchaus geeignet, das so gehandhabte «Produkt Fussball» künftig zu entwerten. Aber wer schaut im organisierten Fussball schon in die Zukunft, wenn mit dem aktuell vorhandenen Geld möglichst schöne Begleitklänge zur biederen Fussballkost ertönen sollen? Ohne den europäischen Fussball marschieren die Klubs, die kontinental mitspielen dürfen, innert kürzester Zeit am Bettelstab. Immerhin hat der FC Liverpool für den Gewinn der letzten Champions League von der UEFA mehr als 100 Millionen Euro kassiert.

Glücklicherweise findet der Fussball derzeit weitgehend ohne Zuschauer statt. Und da «Corona» zwar pandemische Ausmasse angenommen hat, jedoch national bekämpft wird, bzw. bekämpft werden sollte, kommt den internationalen Wettbewerben der UEFA das nationale Krisen-Element entgegen. Die UEFA zwingt ihre Klubs, die Heimspiele, je nach allgemeiner Pandemie-Lage, auch fernab von zu Hause auszutragen. Dabei müssen unter Umständen tausende von Kilometern geflogen werden. Liverpool reist nach Budapest statt nach Leipzig, Benfica Lissabon spielt gegen Arsenal London in Rom, und Molde aus Norwegen trägt sein Heimspiel gegen Hoffenheim in Villarreal aus. Fussball-Internationalität pur also mit nationalen Eigenheiten bei unterschiedlichen «Corona»-Lagen in den verschiedenen Ländern. Das funktioniert alles bestens, solange die Zuschauer vom Spielbetrieb ausgeschlossen bleiben. Wo gespielt wird, ist egal. Hauptsache, die TV-Übertragungen können stattfinden. Der Ausschluss der oft problematischen Zuschauer, insbesondere der «Hooligans», hat auch Vorteile und drückt die gewaltigen Kosten für die Sicherheit in den Stadien und drum herum. Da wird die rasante Mobilität, die es an sich bei der Bekämpfung von «Corona» einzudämmen gilt, schnell einmal zur erlaubten Ausnahme – welche eben die berühmte Regel bestätigt. Die Devise: «Ja nicht reisen!», gilt im Spitzensport selbstverständlich nicht. Der Fussball darf sich schon ein wenig eines Sonderstatus’ erfreuen. Die vor kurzem von Fussball-Funktionären geforderte Sonderbehandlung von Fussballspielern bei den «Corona»-Schutzimpfungen löste allerdings einen Sturm der Empörung aus. Die Impfung kam für den Spieler des FC Bayern München, Thomas Müller, eh zu spät. In Katar fing das Münchner Sportidol vor dem Final zur Klub-Weltmeisterschaft die Infektion ein; wenigstens beim individuellen Rücktransport im Privatflieger funktionierte die Sonderbehandlung des Sportes dann glücklicherweise wieder (vgl. auch causasportnews vom 15. Februar 2021).

Nach heutiger Einschätzung steht der Austragung der Europameisterschaft an elf oder zwölf Standorten in Europa im Juni/Juli nichts mehr im Wege. Die Ausschliessung des «Stör- und Belastungsfaktors Zuschauer» erleichtert vieles. Die Erträge aus einer Europameisterschaft sind für die UEFA (und ihre Klubs) geradezu so wichtig wie die Impfung gegen das Virus, mit der man die Pandemie glaubt total bekämpfen zu können. Schön wäre es – nicht nur für den Sport, der dann allerdings der Sonderbehandlung verlustig gehen würde.

«Systemrelevante Geisterspiele» auch 2021?

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(causasportnews / red. / 31. Dezember 2020) Der letzte Tag eines Jahres ist speziell: Es wird insbesondere Rückschau gehalten, Bilanz gezogen, gelobt und getadelt. Gekürt wird zum Jahresende auch das «Wort» oder das «Unwort» des Jahres. Aus diesem Reigen gekürter Wörter sticht 2020 die Bezeichnung «Systemrelevanz» heraus. Als «systemrelevant» ist in diesem «Corona»-Jahr auch der Sport als Teil der Bespassungsindustrie qualifiziert worden. Was bedeutet, dass der Sport, der letztlich in seinem Umfeld auch für viele Menschen Broterwerb bedeutet, staatliche Unterstützung erfährt. Zum geflügelten Wort wurde im zu Ende gehenden Jahr in der Sport-Branche das Wort «Geisterspiel». Trotz «COVID-19» wurde der Sport 2020 rudimentär am Leben erhalten, auch mit Staatshilfe; und vor allem wegen des Fernsehens und der neuen Medien, welche den organisierten Sport entscheidend alimentieren. Er fand weitgehend unter Ausschluss des tragenden Elementes im Sport statt: Dem Zuschauer. Noch nie wurde es so klar, dass der Sport, der längst zum Event mutierte, ohne das Publikum nur noch simpler Sport ist. Das wurde vor allem in den Mannschaftssportarten, insbesondere im Fussball, klar, während sich etwa die Formel 1-Autos auch weitgehend ohne unmittelbare Publikums-Präsenz im Kreise drehten, was im Fernsehen eh besser verfolgt werden kann als an der Rennstrecke. Aber auch Motorsportanlässe wurden 2020 zu reinen Sport-Veranstaltungen, ohne das von den Menschen so sehr geliebte Klamauk-Element, der ebenfalls systemrelevant ist. «Geisterspiele» im Fussball erlebten 2020 dennoch eine andere Dimension als «Geisterrennen» etwa in der Formel 1. Dauert «Corona» weiterhin an, schwindet das Publikumsinteresse an der jeweiligen Sportart – «Geisterspiele» im Fussball sind keine nachhaltige Option im Sport-Business. Merchandising ohne Stadion-Besuch ist lediglich ein Scherz.

Die grosse Frage zum Jahreswechsel dürfte also sein, wie lange der globale Pandemie-Zustand noch andauern wird. Derzeit wird das Heil in der Impfung gesucht, welche soeben Tatsache geworden ist. Im Moment werden die ersten Menschen, die sich impfen lassen dürfen, wie Sportidole oder Pop-Stars gefeiert. Die ersten Impfaktionen werden in den Medien etwa so inszeniert wie die erste Mondlandung von 1969. Der damals getätigte Ausspruch von Neil Armstrong passt auch in das angebrochene Impf-Zeitalter. Jeder Geimpfte darf sich entsprechend artikulieren: «Ein kleiner Schritt für einen Menschen, aber ein grosser Schritt für die von der Pandemie befallene Welt». Die Hoffnung stirbt zuletzt, auch in der «Corona»-Zeit, welche Unglück und Tod über die Menschen gebracht hat und immer noch bringt.

Der Jahreswechsel bietet allerdings nicht nur Gelegenheit, um ausgiebig zurückzuschauen. Der Blick geht an einem Tag wie dem heutigen in Richtung Zukunft. Um Mitternacht wird ein neues Jahr begrüsst und dieses schon einmal vorweg abgefeiert, obwohl nur die Ungewissheit gewiss ist. 2021 wird wohl nicht so rasch zu einer Verbesserung der Verhältnisse führen. Regierende werden die derzeitige Krise weiterhin verwalten, statt den Kampf gegen die Pandemie entschieden zu führen. Etwas anderes lassen auch unsere auf «gutes Wetter» ausgerichteten Staatsformen nicht zu. Und letztlich wird die Krise trotz flächendeckender Impfungen nicht so schnell vorbei sein, wenn sich die Individuen auch 2021 nicht entsprechend, adäquat verhalten werden («Verhaltens-Adäquanz» wäre auch noch ein herauszuhebender Begriff aus dem Jahr 2020). «Eigenverantwortung», «Disziplin» und «Solidarität» sind zwar schöne Worte, welche das zu Ende gehende Jahr ebenfalls geprägt haben. Allein, es fehlt der Glaube, dass der Mensch sich 2021 entsprechend verhalten wird; obwohl das Virus nur auf diese Weise besiegt werden kann. Geht es um Urlaub, Festtage und Feiern im Familienkreis, auf die partout nicht verzichtet werden will, erträgt der Mensch trotz Todesgefahr keinen Spass – auch in der aktuellen «Spassgesellschaft» nicht. Aber vielleicht verinnerlicht dies der Mensch doch noch, wenn er seine Neujahrsvorsätze andenkt. Diese weisen allerdings die Besonderheit auf, dass sie kaum den Neujahrstag überleben. Sonst dürften weiterhin «Geister-Sportveranstaltungen» – auch wenn sie «systemrelevant» bleiben sollen, das sportliche Geschehen auch im Jahr 2021 beherrschen; zumindest solange, als der mittelbar vermittelte Sport noch jemanden interessiert.

Der Sport vor einem Rechteverwertungs-Kollaps?

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(causasportnews / red. / 27. Dezember 2020) Es gibt sicher Attraktiveres im Sport als Fussballspiele vor wenigen oder gar keinen Zuschauern. Seit «Corona» wie ein Impakt auch über die Sportwelt hereingebrochen ist, wird in den Ligen der Welt und im Nationalmannschafts-Fussball fleissig weitergespielt – «Geisterspiele» prägen das Geschehen. Nach bald einem Jahr «COVID-19» und droht dem Sport eine empfindliche Störung in der Wertschöpfungskette – was etwa sinkende Einnahmen durch die Sport-Rechteverwertung bedeutet. Es ist evident, dass bspw. ein Fussballspiel in einem leeren Stadion kein umfassend vermarktbares Event mehr ist, sondern eben nur noch ein simples Fussballspiel. Das Interesse an diesen Veranstaltungen scheint nun immer mehr nachzulassen; das wiederum schlägt sich negativ auf die Erträge aus der Rechteverwertung nieder, denn schwindendes Fan-Interesse am so produzierten «Produkt Fussball» bedeutet letztlich mangelnde Nachfrage seitens der Werbewirtschaft. Sinkendes Publikumsinteresse an den durch «Corona» geprägten Sport bedeutet aber nicht nur nachlassende Erträge aus der Rechteverwertung; wer hat im Moment schon Lust, sich mit dem Gedanken zu befassen, für die nächste Saison (wieder) eine Jahres-Zuschauerkarte zu erwerben? Manch eine Liga hätte den Sportbetrieb aufgrund der Krise längst eingestellt, wenn es nicht um laufende Rechteverwertungserlöse gehen würde. Bestehende Verträge mit Verwertern sind zu erfüllen – oder, wie es simplifiziert gesagt werden könnte: «Ohne Spiel kein Geld».

Diese Entwicklung hat nun bereits die beiden französischen obersten Ligen ins Schlingern gebracht; immerhin ist der Spitzenfussball des aktuellen Fussball-Weltmeisters betroffen. Die Unternehmung «Mediapro», die Rechteinhaberin der beiden oberen Ligen, ist zahlungsunfähig und hat die erworbenen Liga-Rechte zurückgeben müssen. Wie sich dieser Zusammenbruch der Rechteinhaberin auswirken wird (und wer die Rechte allenfalls übernehmen wird), lässt sich im Moment nicht sagen. Vertraglich hatte «Mediapro» ab 2020 bis 2024 jährlich 800 Millionen Euro zugesagt. Was in Frankreich nun Tatsache geworden ist, könnte sich auch im nationalen und globalen Top-Fussball ereignen – falls «Corona» weiterhin die Ausübung des organisierten Sportes in der Form vor «COVID-19» verunmöglichen sollte. Lediglich hinter vorgehaltener Hand wird in Funktionärskreisen das Szenario «Kollaps» der Rechteverwertung diskutiert – zumindest der «Kollaps light». Sollten sich die Verhältnisse nicht bald normalisieren, könnte dies auch massiven, wirtschaftlichen Einfluss auf die im kommenden Jahr (vom 11. Juni bis 11. Juli 2021) vorgesehene Fussball-Europameisterschaft an elf Standorten (!) haben. Bemerkenswerterweise ist zu diesem Thema seitens der Europäischen Fussball-Union (UEFA) derzeit nichts zu vernehmen. Der unter dem Einfluss von «Corona» nur noch rudimentär stattfindende Sport hat selbstverständlich nicht nur Auswirkungen auf das wirtschaftliche Niveau in der Rechteverwertung (so ist z.B. vielerorts das in vielen Klubs einträgliche Merchandising praktisch zum Erliegen gekommen). Unbesorgt, was die Vermarktung des Filet-Stücks im internationalen Fussball angeht, zeigt sich derzeit der Weltfussballverband (FIFA). Dass bei länger anhaltender Pandemie auch die WM-Endrunde 2022 in Katar bzw. deren wirtschaftliche Verwertung gefährdet sein könnte, ist dem Verband offenbar (noch) kein Gedanke wert. Das Interesse schon an WM-Ausscheidungsspielen ohne Zuschauer könnte bald einmal einen massiven Knick erleiden.

Der Wertfaktor „Zuschauer/in“ im (Fussball-)Sport

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(causasportnews / red. / 24. September 2020) Ob man sich allmählich an den teilweisen oder gesamthaften Zuschauerausschluss in Sportstätten im Zeitalter von „Corona“, insbesondere im Zusammenhang mit Fussballspielen gewöhnt, ist eine Sache. Die andere Sache, die immer mehr Gesprächsstoff liefert, bildet der Umstand, dass offenbar nicht oder teils präsente Zuschauer/innen an Sportveranstaltungen durchaus einen Einfluss auf das Spielgeschehen, etwa über die Schiedsrichter, haben können. Sind dies also Wettbewerbsverzerrungen und falls ja: Sind diese hinzunehmen?

Der Einfluss von Zuschauern auf ein Spiel ist grundsätzlich unbestritten. Ein Fussball-Match ohne Zuschauer ist zwar eine relativ triste Sache; jedenfalls ist bei dieser Konstellation der Beeinflussungsfaktor bezüglich des Spiels gleich null. Werden bei einem Spiel allerdings ein paar hundert oder sogar mehrere tausend Zuschauer/innen zugelassen, kann der Wertfaktor „Zuschauer/in“ mit Blick auf das Spiel durchaus relevant werden. Zuschauermassen sind geeignet, etwa den Schiedsrichter zu beeinflussen. Sinnigerweise werden anlässlich der Fussballspiele seit dem Ausbruch der Pandemie die Video-Schiedsrichter (Video Assistant Referee, VAR) weniger bemüht; der Einfluss der Zuschauer auf den digitalen Spielrichter ist also evident. Derzeit laufen Untersuchungen in verschiedenen Ländern, um den Einfluss von Zuschauern auf den Spielverlauf zu untersuchen. Wahrscheinlich wird dereinst festgestellt werden, dass die Anzahl Zuschauer, die Zuschauer-Struktur sowie das Zuschauer-Verhalten an einem Spiel durchaus geeignet sind, das Spiel zu beeinflussen. Die zugelassenen Zuschauerzahlen sind von endogenen Faktoren, z.B. regionale Aspekte, allgemeine Pandemie-Lage am Austragungsort des Spiels) abhängig. Deshalb kann auch nicht von Wettbewerbsverzerrungen gesprochen werden. Auch hier gilt: Ungleichheiten gleichen sich (wieder) aus.

Wieder einmal „Sonderfall Schweiz“ – liberal und unter Alkoholeinfluss

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(causasportnews / red. / 3. September 2020) Das Land unternimmt, trotz permanenten Anbiederungen in Europa durch die Politik, ziemlich viel, um den „Sonderfall Schweiz“ bei jeder sich bietenden Gelegenheit zu perpetuieren. So verhält es sich auch in der „Corona“-Krise. Permanent steigt in der Schweiz die Zahl der Neuinfektionen; sie ist im internationalen Vergleich sehr hoch. Und wenn ab 1. Oktober die Zuschauerrestriktionen in Sportstätten gelockert werden sollen (für mehr als 1000 Zuschauerinnen und Zuschauer ist eine kantonale Bewilligung notwendig), wie die Landesregierung erklärt hat, werden sich die Grippe-Kranken zu den COVID-19-Infizierten gesellen. Die liberale Öffnung im Rahmen der Bespassungsindustrie ist mit Blick auf das Ausland zumindest speziell: Deutschland und Österreich verhalten sich mit Bezug auf allfällige Lockerungen zurückhaltender; auch Italien hat aus dem anfänglichen „Corona“-Chaos gelernt. In der Schweiz ist eben doch alles anders. Die Landesregierung hat mit der angeordneten Öffnung auch für den Sport dem Druck der Wirtschaft und Interessenvertretungen nachgegeben; die Argumente der medizinischen Wissenschaften wurden durchwegs ignoriert. Der Bundesrat scheint sich bei seiner Lockerungspolitik an Loriot zu orientieren: Ein Sportanlass ohne Publikum vor Ort ist möglich aber sinnlos.

Sportstätten können nun also zu zwei Dritteln gefüllt werden. Es dürfen nur Sitzplätze angeboten werden, und das Publikum trifft eine Maskentragpflicht. Die Veranstalter müssen für die Events mit mehr als 1000 Personen Schutzkonzepte unterbreiten, welche von den Kantonen zu genehmigen sind, ebenso sind Risikoanalysen vorzunehmen. So hat die Landesregierung die Bewilligungspflicht, sprich: Die „heisse Kartoffel“, den Kantonen weitergereicht. Im Sinne der hehren Werte der menschlichen Bespassung hat die Landesregierung zudem davon abgesehen, Alkoholika an Sportanlässen zu verbieten, was auf der politischen Linie der Regierung liegt: Auch die entsprechende Getränkeindustrie ist schliesslich ein bedeutender Wirtschaftsfaktor, und dass sich in einer von Alkohol-, Drogen- und Medikamenten-Konsum (mit-)geprägten Gesellschaft dieser Industriezweig nicht talis qualis ausschalten lässt, scheint evident zu sein. Zu ergänzen ist allerdings, dass der Bundesrat in diesem Punkt doch noch ein wenig in realen Philanthropismus gemacht hat: Der Alkohol in Sportstätten darf Schutzkonzepte nicht gefährden. Eine wirklich glasklare Ausgangslage, und man darf gespannt sein, wie eine solche Vorgabe umgesetzt werden soll. Das ist etwa so, wie wenn für die Jagd eine Einschränkung angeordnet würde: Wild darf nur geschossen werden, wenn der Fortbestand der betroffenen Tiergattung durch Abschüsse nicht nachhaltig gefährdet wird.

Aber vielleicht werden die ganzen Anordnungen und Konzeptionen eh obsolet, sollten sich die Auswirkungen der Pandemie wieder verschärfen – was zwar niemand hofft, aber dennoch Tatsache werden kann.

Fussball im „Corona“-Zeitalter: Eine andere Form der Relativität

(causasportnews / red. / 29. August 2020). Dass die „Corona“-Pandemie und deren Bekämpfung nationale Phänomene sind, liegt auf der Hand. Noch nie ist den Befürwortern grenzüberschreitender Lösungen und Massnahmen aller Art derart drastisch vor Augen geführt worden, dass die Bedeutung der Nationalstaaten trotz flächendeckender Europa-Euphorie alles andere als marginal geworden ist. So wird der Kampf gegen die unberechenbare Seuche national geführt, das wurde offenkundig, als die einzelnen Ländern anfingen, vor allem Schutzmasken nur noch für sich selber zu beschaffen. Die Bekämpfung von COVID-19 erfolgt rund um den Globus national. Diese Situation hat auch Auswirkungen auf den Sport. Beispielsweise auf den organisierten, professionellen Fussball. Soeben ist bekannt geworden, dass eine der besten Fussball-Ligen der Welt, die Deutsche Fussball-Bundesliga, ihre Spiele bis Ende Oktober grundsätzlich ohne Zuschauer/innen austragen wird (das gilt auch für die 2. Bundesliga). Anders die Schweiz: Es kann gemäss behördlichen Ankündigungen gemutmasst werden, dass die Stadien bereits ab 1. Oktober bis zu zwei Dritteln gefüllt werden dürfen. Eine verkehre Welt ohne jegliche internationale Harmonisierung also? Dieser Schluss liesse sich aufdrängen, wenn die Fallzahlen in Deutschland und in der Schweiz betrachtet und verglichen werden. Diese liegen im Durchschnitt in der Schweiz weit höher als in Deutschland. Doch die Deutsche Bundesliga weist einen ganz anderen Stellenwert auf als der Fussball in der Schweiz; immerhin sind doch einige, wichtige Schweizer Fussballspieler bei deutschen Klubs unter Vertrag. Viele Rückschlüsse lassen die Zuschauerzahlen zu. Die Öffnung dieser Sportveranstaltungen für das Publikum dürfte jedenfalls unter dem Damoklesschwert von COVID-19 relativiert zu betrachten sein. Immerhin leben 83 Millionen Menschen in Deutschland, in der Schweiz sind es lediglich 8,5 Millionen, davon rund eine Million eingewanderte und eingebürgerte Deutsche. Die „Allianz-Arena“ in München mit rund 75 000 Zuschauern wäre bei einer 2/3-Auslastung immer noch eine gewaltige Massenveranstaltung mit 50 000 Besuchern. Von solchen Zahlen kann in der Schweiz (im Rahmen ordentlicher Verhältnisse) generell nur geträumt werden. Im Stadion des Meisters BSC Young Boys Bern kann etwas mehr als 30 000 Zuschauern Einlass geboten werden. Bei einer Stadion-Frequentierung von zwei Dritteln sind dies erst 20 000 Zuschauer. Die Verhältnisse und die Dimensionen in den beiden Ländern sind schlicht nicht vergleichbar. Deshalb entspricht es einer gewissen Logik, dass in Deutschland aufgrund der Pandemie-Lage die Stadien erst Ende Oktober wieder grosszügiger geöffnet werden sollen. Der Vergleich zwischen den beiden Ländern manifestiert eine andere Form der Relativität.