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Steht die FIFA vor einem Umzug nach Paris?

(causasportnews / red. / 4. Februar 2019) Wo Rauch ist, ist auch Feuer- Das ist auch im Sport-Business nicht anders als anderswo. Seit geraumer Zeit hält sich das Gerücht, der Weltfussballverband (FIFA), ein Verein im Sinne der Art. 60 ff. des Schweizerischen Zivilgesetzbuches (ZGB), wolle seinen Sitz von Zürich nach Paris verlegen. Unmittelbarer Grund dafür ist, dass sich FIFA-Präsident Gianni Infantino und Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron mehr als nur gut verstehen. Beide verbindet in etwa das gleiche Schicksal: Der Politiker aus dem Land des amtierenden Fussball-Weltmeisters verliert immer mehr an Glanz und muss Positives vorweisen, will er langfristig politisch überleben; könnte er die FIFA nach Frankreich holen, wäre ihm Applaus wohl sogar der „Gelbwesten“ („gilets jaunes“) sicher. Der FIFA-Präsident fühlt sich in Frankreich zweifellos wohler als in der Schweiz, in der ihm und seinem Verband seit Jahren ein eisiger Wind insbesondere seitens der Politik ins Gesicht bläst. Ein Umzug würde also nur Sieger hervorbringen. Zwar dementiert der Weltfussballverband einigermassen lau, dass ein Wegzug der FIFA aus Zürich (derzeit) kein Thema sei und begründet dies insbesondere damit, dass Dutzende neu eingestellter Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in eine von der FIFA kürzlich gemietete Geschäftsliegenschaft in der Stadt Zürich dislozieren würden. Auch das FIFA-Museum in Zürich beweise doch, dass der Weltverband in Zürich fest verankert sei. Doch was derzeit im „Gerüchte-Nebel“ an Vermutungen, Mutmassungen und angeblichen Fakten herumschwirrt, hat seit ein paar Tagen eine andere, ernsthaft(er) zu wertende Dimension erhalten: In „Inside Paradeplatz“, einer vielbeachteten, gewichtigen, aber auch umstrittenen Internet-Zeitung aus Zürich, berichtet die Kommunikations-Legende Klaus Stöhlker relativ konkret vom Wegzug der FIFA nach Paris. Pikant an der Story ist, dass Klaus Stöhlker während Jahren der Kommunikations-Berater des ehemaligen FIFA-Präsidenten Joseph Blatter war… Das heisst jedoch im besagten „Fall“ nicht, dass die Geschichte lediglich ein (mittelbarer) (Gift-)Pfeil von Joseph Blatter gegenüber dem jetzigen Amtsinhaber im Home of FIFA beim Zürcher Zoo wäre. In der Tat drängt sich die Frage auf, ob ein Wegzug der vielgeschmähten FIFA aus der Schweiz nicht Sinn machen würde: Der vor allem von linken Politiker/innen stets gebashte Weltverband wäre für die Schweiz kein (angebliches) Reputationsrisiko mehr, zumal die Innovationskraft dieser Politiker/innen dafür sorgen würde, dass die dann fehlenden Gelder nach einem FIFA-Wegzug aus der Schweiz anderweitig generierbar wären. Doch noch ist es nicht soweit, dass der 1904 in Paris gegründete Weltverband aus der Schweiz, in die er 1932 dislozierte, wieder in das Gründungsland zurückkehren wird. Vielleicht sieht die Lage jedoch dann definitiv anders aus, falls Gianni Infantino im Juni erneut zum Präsidenten gewählt werden sollte. Und daran zweifelt an sich niemand.

FIFA verliert „Fans“

Flag_of_FIFA.svgWie üblich, wenn das Negative prävaliert, lichten sich die Reihen der Treuen. Nicht anders ergeht es zur Zeit der FIFA, die skandal- und Affären umwittert ist. Obwohl nach den Verhaftungen von sieben Fussball-Funktionären Zürich im Vorfeld des FIFA-Kongresses Ende Mai weder irgendeine eine Verurteilung erfolgt ist (die Verhafteten sitzen lediglich in Auslieferungshaft) und etwa auch gegen den FIFA-Präsidenten nicht einmal ein konkreter Vorhalt existiert, scheint es unopportun geworden zu sein, sich im Umfeld des Weltfussballverbandes zu bewegen. Interpol hat bekannt gegeben, eine mit der FIFA abgeschlossene Vereinbarung mit der Hauptstossrichtung, gegen Sportmanipulationen im Zusammenhang mit Sportwetten anzukämpfen, sistieren zu wollen; es bleibt das Geheimnis der Kriminalpolizei-Organisation, wie sich ein Konnex zwischen der sog. „FIFA-Affäre“ und der Bekämpfung von Sportmanipulationen konstruieren lässt (Unschuldsvermutung!). Auch der Vatikan hat erklärt, „aufgrund des Korruptionsskandals im Weltfussballverband“ auf Zuwendungen der südamerikanischen Fussballkonföderation CONMEBOL zur Finanzierung eines vom Papst initiierten Schulnetzwerkes „Scholas Occurentes“ verzichten zu wollen; Korruption gab es ja bekanntlich im Vatikan nie (vgl. aber etwa den Skandal um die „Banco Ambrosiana“). Ins Horn der ethisch Erhabenen bläst nun auch das Nobelkomitee in Oslo, das eine Zusammenarbeit (Projekt „Handschlag für den Frieden“) mit der FIFA nicht mehr weiter führen will. Die Friedenapostel aus dem Norden haben selbstverständlich allen Grund, sich so zu verhalten: Das Nobelkomitee hat längst vor der FIFA jede Glaubwürdigkeit verspielt, als es dem amtierenden US-Präsidenten 2009 den Friedensnobelpreis zusprach (die Medien sprachen damals vom „Kriegsnobelpreisträger“). Ein Trost bei dieser Entwicklung bleibt der arg gebeutelten FIFA: Auf gewisse „Fans“ kann man getrost verzichten.

„FIFA-Skandal“: Keine substantiellen News von der Bundesanwaltschaft

SeitFeatured image der Verhaftung von sieben Fussballfunktionären vor dem diesjährigen FIFA-Kongress Ende Mai in Zürich werden alle Vorkommnisse innerhalb und um den Weltfussballverband FIFA unter dem Generalthema „FIFA-Skandal“ abgehandelt. Die Bundesanwaltschaft in Bern hatte die Verhaftungen auf Ersuchen der amerikanischen Behörden vorgenommen. Seither befinden sich die betroffenen Funktionäre in Zürich in Auslieferungshaft. Die Bundesanwaltschaft ermittelt aber auch gegen „Unbekannt“ aufgrund einer Strafanzeige der FIFA selber; dabei geht es um allfällige Delikte im Zusammenhang mit den WM-Vergaben 2018 (Russland) und 2022 (Katar). Diese Vorgänge sind verbandsintern von Michael Garcia, seines Zeichens amerikanischer Staatsbürger, untersucht worden. Der entsprechende, sog. „Garcia-Bericht“ kann derzeit aus juristischen Gründen nicht veröffentlicht werden.

Die Bundesanwaltschaft hat zu den Ermittlungen im „FIFA-Skandal“ nun eine Medienorientierung abgehalten. Ausser der „bahnbrechenden“ Erkenntnis von Bundesanwalt Michael Lauber, er könne im Rahmen dieser Ermittlungen auch den FIFA-Präsidenten und den FIFA-Generalsekretär befragen, hat die Medienorientierung vor zahlreichen in- und ausländischen Medienschaffenden nichts Neues erbracht. Der Bundesanwalt zeigte sich aber erfreut, dass die Banken 53 Verdachtsfälle von Geldwäsche registriert hätten. Zu den erfolgten Verhaftungen von Fussball-Funktionären versuchte der Bundesanwalt die immer stärker aufkommende Vermutung in der Öffentlichkeit zu entkräften, die Bundesanwaltschaft bzw. die Schweiz befinde sich am „Gängelband“ der USA. Die Fakten (rechtshilfeweise Verhaftungen in Zürich in Anwesenheit der vororientierten New York Times kurz vor dem FIFA-Kongress) sprechen indessen für sich.

Rechtliche Schritte gegen Theo Zwanziger

Dem ehemaligen DFB-Präsidenten Theo Zwanziger drohen gemäss Medienberichten rechtliche Schritte seitens des Staates Katar und des Fussballverbandes von Katar. Der 70jährige deutsche Funktionär hatte Katar im Zusammenhang mit der Vergabe der FIFA-Fussball-Weltmeisterschafts-Endrunde 2022 als „Krebsgeschwür des Weltfussballs“ bezeichnet. Katar sieht sich nach diesen Äusserungen von Theo Zwanziger verleumdet und beleidigt. Dem inzwischen auch aus dem FIFA-Exekutivkomitee ausgeschiedenen Theo Zwanziger soll inzwischen eine Aufforderung zur Abgabe einer Unterlassungsverpflichtungserklärung zugestellt worden sein, wie offenbar aus Kreisen der Botschaft Katars in Berlin zu vernehmen war. Auf die rechtlichen Schritte hat der ehemalige DFB-Präsident offenbar mit Ironie reagiert, wie der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) zu entnehmen ist. „Dieses Vorgehen wird der Popularität Katars als WM-Austragungsort und sein Image in der Welt bestimmt entscheidend voranbringen“, wird der Beschuldigte von der FAZ zitiert.

FIFA: Verzogener Pulverdampf – vernebelte Fakten

Flag_of_FIFA.svgWeltweit steht der sog. „FIFA-Skandal“ immer noch im Fokus der Interessen und der Spekulationen, auch wenn insbesondere der Medien-Tsunami, der über die FIFA hereinbrach, zwischenzeitlich etwas abgeflaut ist. Nach den Verhaftungen von sieben Fussball-Funktionären, die sich immer noch in Auslieferungshaft befinden, und dem angekündigten Rücktritt des FIFA-Präsidenten Joseph Blatter wird, nachdem sich der Pulverdampf etwas verzogen hat, das Ausmass des „Skandals“ offenkundig: Die von den USA inszenierte Verhaftungs- und Auslieferungsaktion vor dem FIFA-Kongress in Zürich war vor allem ein amerikanischer Propaganda-Coup (beflissen unterstützt etwa von der New York Times, die „rein zufällig“ just anlässlich der Polizeiaktion in Zürich am Ort des Geschehens war), und was am Schluss bleiben wird, ist reichlich ungewiss. Noch ist kein Fussball-Funktionär verurteilt worden, und auch dem FIFA-Präsidenten, auf den sich die Öffentlichkeit und die Medien eingeschossen haben, kann im Moment kaum etwas Substantielles angelastet werden. Obwohl eigentlich individuelle Funktionäre (fälschlicherweise wird durchwegs von „FIFA-Funktionären“ gesprochen) im Visier der Ermittlungen in den USA stehen (für welche die Unschuldsvermutung gilt bzw. gelten sollte), wird insbesondere gegen den Weltfussballverband FIFA insgesamt Stimmung gemacht und eben vom „FIFA-Skandal“ gesprochen und geschrieben. In diesem Zusammenhang muss vor allem der FIFA-Präsident ein mediales Trommelfeuer über sich ergehen lassen. So zierte Joseph Blatter bspw. am 30. Mai 2015 das Titelblatt des deutschen Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“, das den FIFA-Präsidenten, obwohl dieser noch nie sanktioniert worden ist und gegen den keinerlei Beweise vorliegen (und er demnach im Sinne der Unschuldsvermutung als unbescholten gilt), als „korrupt“ diffamiert (eine Stossrichtung, die schon andere Prominente zu spüren bekamen, zuletzt etwa der ehemalige deutsche Bundespräsident Christian Wulff, der zuerst wegen angeblicher juristischer Verfehlungen medial gejagt und nach dessen Freispruch dann eben mit „der ethischen Keule“ erlegt wurde (vgl. hierzu etwa Alexander Görlach, Wir wollen euch scheitern sehen! Wie die Häme unser Land zerfrisst (Anmerkung der Red.: mit „unser Land“ ist Deutschland gemeint) zerfrisst, 2014). Offenkundig wird im momentanen Faktennebel, dass die auf Geheiss der schweizerischen Justizministerin – einer ausgebildeten Musiklehrerin, die schon deswegen auf Harmonie mit den USA bedacht scheint – durchgeführte Aktion der schweizerischen Bundesanwaltschaft auf Ersuchen des US-Justizministeriums gegen die Fussballfunktionäre offensichtlich eine vorbereitende Aktion war. Dies um letztlich der FIFA zu gegebener Zeit eine Rechnung präsentieren zu können (wohl dann mit dem Argument, die FIFA sei eine kriminelle Organisation), so wie es seit einiger Zeit die schweizerische Bankenwelt zu spüren bekommt – Seal_of_the_United_States_Department_of_Justice.svgzuerst im Rahmen der Holocaust-Gelder, nun wegen steuerlicher Aspekte. Juristisch wird das Resultat der bundespolizeilichen Verhaftungsaktion, die von Fachleuten nota bene als völlig unverhältnismässig qualifiziert wird (weshalb wurden die Verhafteten z.B. nicht in den USA festgenommen?), am Schluss wohl nicht allzu ergiebig ausfallen. Geradezu notorisch ist die Tatsache, dass Aktionen der schweizerischen Bundesanwaltschaft oft im Desaster zu enden pflegen und ausser Schall, Rauch und anfänglichem medialen Getöse selten etwas übrig bleibt (vgl. etwa zuletzt die Fälle „Hells Angels“, „Behring“, „Holenweger“, „Rütli-Bomber“). Geht es um Fakten, ist in der Regel etwa eher nicht auf den „Spiegel“, sondern vorzugsweise auf die „Neue Zürcher Zeitung“ (NZZ) abzustellen, die allerdings bei der Gewichtung ihrer Berichterstattung zum sog „FIFA-Skandal“ auch nicht durchwegs durch Sachlichkeit und Verbreitung traditionellen liberalen Gedankenguts, sondern eher durch weltverbessernde Sozialromantik und eigenartige Fokussierungen glänzt: So berichtet die „NZZ am Sonntag“ am 7. Juni 2015 bereits auf Seite 2 weltbewegend, dass der FIFA-Film „United Passions“ bei seiner Erstaufführung in Los Angeles von lediglich zwei Personen angeschaut worden sei (was in diesem Land, in dem der Fussball keinen nennenswerten Stellenwert aufweist, auch nicht verwunderlich ist); eine krude Karikatur rundet die Anti-FIFA-Berichterstattung dann ab (es sagt ein Trainer zu den Fussball-Kids: „Eure Hände dürfen nicht an den Ball“ – Antwort eines Jungspielers: „Aber ans Schmiergeld schon?“). Signifikanterweise ein Sozialdemokrat, der jeden Sonntag in der „NZZ am Sonntag“ eine originelle Schlagzeile platzieren darf, versucht es auf den Punkt zu bringen und kommentiert die Rücktrittsankündigung des FIFA-Präsidenten aus Visp im Kanton Wallis im Zürcher Weltblatt so: „Oberwalliser Gämschi von heuchlerischer Weltgemeinschaft gnadenlos gewildert“. In der „NZZ“ vom 9. Juni 2015 scheint dann auch die Redaktion der NZZ den Blick für die Realitäten wieder entdeckt zu haben, allerdings lediglich auf der Medienseite. „Böse FIFA, gute USA“ heisst es in einem Beitrag, welchem an sich nichts beizufügen ist („Die Klage über die Amerikaner, welche im Irak einmarschierten und in Gefängnissen Folter zuliessen, scheint nun zu verstummen angesichts der moralischen Kraft, mit der die USA in das dunkle abendländische Reich des Filzes und der Korruption hineinleuchten“ (NZZ vom 9. Juni 2015, S. 50)). Mit Blick auf die moralisierende Berichterstattung des „Spiegel“ schreibt der NZZ-Journalist Rainer Stadler, den bösen Protagonisten Sepp Blatter, Wladimir Putin und Marine Le Pen als finsteres Trio werde nun die Heldin in der Gestalt der amerikanischen Justizministerin Loretta Lynch, welche „aufräume“, gegenüber gestellt – wozu sie als Ministerin in der Administration eines weltweit in kriegerische Handlungen involvierten Präsidenten mit Friedens-Nobelpreis-Auszeichnung selbstverständlich prädestiniert ist. Obwohl die USA vorgeben, juristisch Ordnung zu schaffen, scheint deren Stossrichtung klar zu sein, wie es der „Weltwoche“-Chefredakteur Roger Köppel skizziert: „Natürlich ist das US-Justizverfahren gegen die FIFA politisch motiviert“, schreibt er in seinem Blatt (Weltwoche vom 4. Juni 2015, S. 4). Praktisch die ganze Medienwelt beteiligt sich im Augenblick am FIFA-Bashing – die Amerikaner wird’s freuen. Im Trend liegt nun in Anbetracht des „Skandals“ auch, sich von der FIFA zu distanzieren, wie es etwa die ohnehin aufgeblähte internationale Polizeiorganisation INTERPOL, über deren Nutzen für die Menschheit durchaus geteilte Meinungen existieren, soeben getan hat, welche in Anbetracht des Vorgefallenen die vor ein paar Jahren abgeschlossene Vereinbarung mit der FIFA zur Bekämpfung von Betrügereien im Zusammenhang mit Sportwetten sistierte. Noch pharisäerischer gibt sich derzeit der Vatikan, der, wie Radio Vatikan am 12. Juni 2015 mitteilte, wegen des Korruptionsskandals in der FIFA auf Spendengelder des südamerikanischen Kontinentalverbandes CONMEBOL verzichten will. Fussball und Katholische Kirche bildeten bis anhin eine klassische Leidensgemeinschaft. Wer etwas auf sich hielt, auf mediale Auflagensteigerung bedacht war oder seine Beliebtheit zu verbessern beabsichtigte, drosch vor allem öffentlich auf die Katholische Kirche oder die FIFA ein. Seit Armuts-Papst Franziskus in Rom auf dem Stuhl Petri sitzt, eignet sich der Katholizismus als Bashing-Opfer nur noch bedingt. Übrig bleibt der Weltfussballverband. Ob auch für die FIFA bessere Zeiten nach dem Blatter-Rücktritt kommen werden? Ein Papst-Wechsel kann jedenfalls Wunder bewirken.