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Superliga-Projekt beschleunigt UEFA-Monopolmacht-Zerfall

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(causasportnews / red. / 23. September 2021) Derzeit weiss niemand, wo das «Projekt Superliga» hinführen wird. Die Vereinigung von Top-Klubs, die ausserhalb des Europäischen Fussball-Verbandes UEFA (ein Verein mit Sitz in Nyon am Genfersee) eine Alternative zur «cash cow» des Verbandes, der Champions League, realisieren will, ist zwar in einem ersten Anlauf am Sport- und Machtmonopol der UEFA gescheitert (vgl. dazu auch causasportnews vom 28. April 2021), doch so schnell geben die Klubs der Vereinigung, die zwischenzeitlich von zwölf auf drei aktive Mitglieder (Real Madrid, FC Barcelona, Juventus Turin; vgl. causasportnews vom 29. August 2021) geschrumpft ist, nicht auf. Die UEFA und auch der Weltfussballverband FIFA mit Sitz in Zürich liessen zwar ihre Muskeln gegen die sezessionswilligen Klubs richtig spielen und drohten allen Klubs mit Verselbständigungsgelüsten mit Sanktionen, insbesondere mit dem Ausschluss aus den UEFA-Wettbewerben. Doch das Thema ist nach wie vor aktuell. Die Superliga-Klubs, gemäss eigener Ankündigung die «Vereinigung der Besten der Besten», haben es zwar zu spüren bekommen, dass das Fussball-Monopol der Verbände (hier der UEFA und der FIFA) nur schwer aufzuweichen oder gar zu knacken sein wird, doch sie geben nicht auf und haben u.a. juristische Schritte gegen die UEFA eingeleitet. Die vom Kontinentalverband angedrohten, zwischenzeitlich «ausser Kraft gesetzten» Sanktionen (Ausschluss von allen UEFA-Wettbewerben) wollen die Klubs mit Verselbständigungs-Gelüsten nicht akzeptieren. Eine entsprechende Klage gegen die UEFA ist in Madrid hängig. Das zuständige Handelsgericht wird wohl demnächst entscheiden und anordnen, dass die UEFA die angedrohten Sanktionen gegen die Top-Klubs aufheben muss. Ein derartiges Urteil wäre ein erster wichtiger, juristischer Schritt, um das eh schon fragile UEFA-Machtmonopol im organisierten Fussball zu sprengen. Ein entsprechender Entscheid würde bedeuten, dass der Kontinentalverband, gemäss Schweizerischem Vereinsrecht eine selbständige Sektion des Weltverbandes FIFA (ebenfalls ein Verein nach Schweizerischem Recht), durchaus damit rechnen muss, dass früher oder später ein Konkurrenzwettbewerb zur «Champions League» ausserhalb des Fussball-Monopols installiert wird. Dass die (Erfolg-)«Reichen» auch im Fussball unter sich sein wollen, lässt sich auch durch zementierte Monopole und Kartelle nicht verhindern.

Nervensägen

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(causasportnews / red. / 17. September 2021) Protagonisten des Sportes weisen durchwegs einen besonderen Stellenwert auf und bewegen sich in besonderen Sphären, doch ab und zu nehmen sie auch sehr menschliche Züge an: Beispielsweise wenn sie nerven.

Etwa der FIFA-Präsident. Nein, nicht nur der amtierende Präsident des Weltfussball-Verbandes, Gianni Infantino, sondern schon früher sein Vorgänger aus dem Wallis, Joseph Blatter. Lief in «Sachen Fussball» nichts, versuchte sich der bald 86jährige anderweitig in die Schlagzeilen zu bringen oder sich in diesen zu halten. Nebst allen guten Dingen, die der 2015 mit Schimpf und Schande aus dem Amt gedrängte Joseph Blatter zum Wohle des Fussballs getan hat, waren Ideen, die der Mann aus dem Rhonetal vor allem in Flauten im Fussballgeschäft platzierte, oft Nebelpetarden, die sich rasch wieder verflüchtigten (Forderungen waren etwa: Grössere Tore, Spieldauer unterteilt in drei Drittel, Lösung des Palästina-Problems mit einem Fussballspiel, Einführung einer «Klub-WM» vor Weihnachten, usw.). Apropos «Klub-WM»: In der Tat schaffte es Joseph Blatter, dieses Turnier seit 2002 regelmässig im mundialen Spielkalender unterzubringen. Böse Zungen behaupten, es sei dem 1998 zum FIFA-Präsidenten gewählten Walliser mit der Einführung der «Klub-WM» insbesondere darum gegangen, seine persönliche Einsamkeit mit entsprechender Präsenz an den Austragungsorten in der Vorweihnachtszeit zu überbrücken. Die Klubs wünschen sich diese Veranstaltung seit der Implementierung des Turniers in den internationalen Spielkalender ins Pfefferland, doch der ungeliebte und kaum beachtete Wettbewerb ist irgendwie zum unkontrollierbaren Selbstläufer geworden; er soll sogar ausgebaut werden. Oft nervte Joseph Blatter mit kruden Vorschlägen und Ideen, vor allem dann, wenn sie dazu dienten, Medienflauten zu überbrücken. Der Joseph Blatter- Nachfolger knüpft immer wieder an diese Gepflogenheit an. Vor einigen Tagen liess er medienträchtig den Vorschlag in der Öffentlichkeit platzieren, die Fussball-Weltmeisterschaft der Männer alle zwei Jahre auszutragen. Sekundiert von Trainer-Legende Arsène Wenger, mit seinen bald 72 Jahren nun ebenfalls in der FIFA-Zentrale in Zürich angekommen, und abgehalfterten Fussball-Legenden liess Gianni Infantino die Vorzüge eines neuen WM-Rhythmus’ herausstreichen. Vor allem sollten dadurch die Erträge für die FIFA verdoppelt werden. Statt alle vier Jahre alle zwei Jahre also Fussball um die WM-Krone; das macht gemäss Rechnung des FIFA-Präsidenten in Abkehr vom Vierjahres-Zyklus Mehreinnahmen von 100% aus. Was der schlaue Rechner aus Brig nicht bedacht hat, bzw. offenbar nicht bedenken wollte: Werbe- und TV-Einnahmen lassen sich nicht beliebig mathematisch verdoppeln. Es kommt hinzu, dass mit dieser Schnaps-Idee durch eine Erhöhung des Angebotes die Nachfrage nach dem «Produkt Fussball» sinken könnte – und damit der Wert des Angebotenen. Gianni Infantinos neuste Idee ist durchschaubar und plump – im Gegensatz zu Vorgänger Joseph Blatter geht ihm jede Cleverness ab. Der Mann wird innerhalb und ausserhalb der FIFA immer mehr als selbstgefällige Nervensäge abqualifiziert.

Oder Roger Federer. Keine Frage, der 40jährige Basler ist ein Top-Sportler mit einem gigantischen Leitungsausweis. Allmählich neigt sich nun seine beispiellose Karriere dem Ende entgegen. Seit Monaten fällt er vor allem durch Werbeaktivitäten aller Art auf, neu mit einem Engagement, bzw. Invest beim Sportschuh-Unternehmen «On» – mit Börsengang. Kaum mehr ein Mensch auf diesem Planeten weiss, für was und für wen die Tennis-Ikone werblich in Erscheinung tritt. Dabei leidet Roger Federers Glaubwürdigkeit («Roger Federer ist kaum mehr greifbar. Dabei war er doch immer so authentisch»), beklagt der «Tages-Anzeiger» die Mutation des Stars vom Super-Sportler zum Werbevehikel (11. September 2021). Natürlich gönnt jedermann dem Maestro die sprudelnden Werbegelder, doch zuviel ist nun offenbar zuviel; eine «Überdosis Federer» also im Werbemarkt. Auch wenn es der «Tages-Anzeiger» nicht gerade direkt auf den Punkt bringt, ist wohl dieser Schluss zu ziehen: Auch Roger Federer nervt. Allerdings kann man dem Star keinen Vorwurf machen, wenn er abkassiert, solange es geht – auch ohne das grandiose Tennisspiel. Zu hinterfragen wären eher Roger Federers Werbepartner, die mit den unüberblickbar gewordenen Engagements des Stars in der Masse der Werbenden untergehen.

Integritätsschutz im Sport aktueller denn je

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(causasportnews / red. / 12. September 2021) Obwohl das Thema nicht mehr im Vordergrund steht, ist es dennoch allgegenwärtig: Spielmanipulationen im Zusammenhang mit Sportwetten. Ein Vorgang aus dem deutschen Fussball zeigt, dass Manipulateure immer noch entsprechend aktiv sind, wie aus dem Umfeld des ehemaligen Bundesligisten Energie Cottbus, nun in der Regionalliga spielend, bekannt wurde. Spieler hatten Angebote über Instagram erhalten, die auf dubiose Weise dazu aufgefordert wurden, gegen 100 000 Euro bei Spielmanipulationen mitzuwirken. Akteure unterrichteten die Klubführung über die «unmoralischen» Angebote; diese entschloss sich, die zuständigen Fussballbehörden sowie die Öffentlichkeit zu informieren. Selbstverständlich blieb es in Cottbus beim Versuch. Der Vorgang wird derzeit untersucht. Er zeigt jedoch, dass Manipulationen im Sport im Allgemeinen und insbesondere im Fussball im Zusammenhang mit Sportwetten immer noch eine grosse Gefahr für die Integrität des Sports darstellen. Bezeichnenderweise betraf der neuste, bekannt gewordene Manipulationsversuch eine wenig beachtete Regionalliga (konkret die Regionalliga Nordost). Klar, dass es im Rahmen eines WM-Spiels oder eines Champions League-Finals nie zu einer Spielmanipulation kommen würde; diese Spiele stehen zu stark im unmittelbaren und mittelbaren (TV) Publikums-Fokus.

Die Bekämpfung von Sportmanipulationen auf allen Ebenen des Sportes ist wohl ein permanenter Kampf, auch wenn in letzter Zeit kaum mehr entsprechende Vorfälle bekannt geworden sind. Das bedeutet allerding auch nicht, dass Manipulationen oder Versuche hierzu immer aufgedeckt oder bekannt werden. Im Umfeld des Sportes dürfte es mehr Manipulationen geben als vermutet. Wie sagte es einst Franz Beckenbauer in seiner typischen Art allgemein: «Bschissen worden is immer». Seit dem «Fall Robert Hoyzer» (2005) bilden Manipulationen des Sportes im Zusammenhang mit Sportwetten ein neuartiges Phänomen – vor allem den «neuen Medien» und dem Sportwetten-Business sei Dank. Das bedeutet zugleich, dass der Schutz der Integrität des Sports von permanenter, zentraler Bedeutung ist und der Kampf hierfür mit Entschlossenheit geführt werden muss. Oder, wie es der aktuell FIFA-Präsident Gianni Infantino einmal fast resignierend, aber folgerichtig, bilanzierte: «Wenn vor dem Spiel bekannt wird, wie es ausgeht, ist sein Wert gleich null». Und damit ist es natürlich wertlos geworden, ebenfalls in pekuniärer, und nicht nur in sportlicher Hinsicht, hat er wohl gemeint.

Fussball: Am Schluss war «Corona» wie weggeblasen

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(causasportnews / red. / 7. September 2021) «Corona» ist im Sport nach wie vor allgegenwärtig. Nach den beiden grossen Sport-Anlässen in diesem Sommer, der Fussball-Europameisterschaft sowie der  Olympischen Sommerspiele in Tokio, Veranstaltungen, die in mehr oder weniger kompakten und wenig durchlässigen «Blasen» stattfanden, hat sich in letzter Zeit trotz steigender Infektionszahlen die Lage geändert. Auch der Sport hat mit «COVID-19» irgendwie zu leben gelernt. Das Thema «Impfen» steht dabei im Vordergrund, und das Volk soll derzeit motiviert werden, sich impfen zu lassen. Für Pro Impf-Bestrebungen werden Motivations-Spritzen aller Art (ein)gesetzt. Thüringer Würste werden als Köder ebenso ausgeworfen wie Natural-Geschenke aller Art und Geldprämien. Vor allem werden auch Sportlerinnen und Sportler in Motivations-Kampagnen für’s Impfen involviert, wobei, neben den überzeugten Impf-Willigen, die einen nicht wollen und die andern nicht können. Somit wären wir beim Fussball angelengt. Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) hat die Schweizer Nationalmannschaft angefragt, ob sie für eine Pro-Impf-Kampagne zur Verfügung stehen würde. «Jein», hiess es in einer ersten Stellungnahme aus dem Nationalmannschafts-Hauptquartier in Bern. Im Prinzip würden die Fussballer zur Verfügung stehen, doch sei dies nur im Rahmen einer bezahlten (Werbe)-Aktion denkbar. Womit die Diskussionen um Geld, Geist und Moral entfacht waren. Während die Diskussionen um das Thema, ob die hochbezahlten Kicker für eine (bezahlte) Impf-Werbeaktion zur Verfügung stehen sollten, in den Medien und an den wieder besser zugänglichen Stammtischen tobten, half «Kommissar Zufall», um den gordischen Knoten zu durchschlagen. Bekannt ist, dass nicht alle Kaderspieler des Schweizer Nationalteams «impfwillig» sind, bzw. gehören diese teils zu den Impf-Gegnern. So der Captain der helvetischen Kicker, Granit Xhaka – sein Vorname hat allerdings nur ansatzweise mit seinen Charaktereigenschaften zu tun. Noch tobte die Auseinandersetzung um die Involvierung der Nationalmannschaft im Rahmen der besagten Pro-Impf-Kampagne, als bekannt wurde, dass eben dieser Impf-Verweigerer Granit Xhaka zweimal positiv auf das «Corona»-Virus getestet wurde. So war dann auch diese Diskussion um eine Kampagnen-Partnerschaft mit dem Nationalteam mit einem Schlag beendet. Zum WM-Qualifikationsspiel der Schweiz gegen Italien traten die Eidgenossen mit einer gegenüber dem Europameisterschafts-Turnier stark veränderten Mannschaft an. Und siehe da, auch ohne Granit Xhaka knüpften die Schweizer an die grandiosen Leistungen der Fussball-Europameisterschaft an, als immerhin Weltmeister Frankreich aus dem Turnier gespielt wurde. Gegen den frisch gebackenen Europameister Italien resultierte ein herausragendes 0:0; Torhüter Yann Sommer, der einen Penalty der Italiener unschädlich machte, und seine Kollegen sorgten dafür, dass auf einmal nur noch der Sport im Zentrum des Interesses stand. «Les absents ont toujours tort» (die Abwesenden haben immer Unrecht), mussten sich Granit Xhaka und Gesinnungsgenossen wohl eingestehen. Das Thema «Impf-Verweigerung» und überhaupt «Corona» war plötzlich inexistent geworden; die erneut dramatisch werdende Pandemie quasi wie weggeblasen dank der überzeugenden Leistung der Schweizer Fussballer gegen Italien. Klar, der Sport findet derzeit kaum mehr in «Blasen» statt – der Kampf gegen das Virus ist aufgegeben worden, und man hat mit ihm zu leben gelernt, sich mit ihm arrangiert…

(mehr zu diesem Thema in der nächsten Ausgabe von «Causa Sport», 2/2021, www.causasport.org, «Vom ‘Bubble’-Sport ins Sport-Chaos»)

Weitere, juristische Schritte im «FIFA-Komplex»

Home of FIFA, Zürich
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(causasportnews / red. / 5. September 2021) Gegen den Ex-Ermittler des Bundes im «FIFA-Komplex», Dr. Stefan Keller, soll nun selber ermittelt werden. Dem ehemaligen, ausserordentlichen Staatsanwalt des Bundes, der im Frühjahr nach nur wenigen Monaten im Amt, aufgab und abtrat, wird gemäss Medienberichten vorgeworfen, Amtsgeheimnisverletzungen begangen zu haben. Der Jurist aus der Innerschweiz sollte vor allem die sog. nicht protokollierten «Geheimtreffen», an denen der ehemalige Bundesanwalt Michael Lauber und FIFA-Präsident Gianni Infantino und teils weitere Personen teilnahmen, untersuchen. Der 51jährige Jurist aus dem Kanton Obwalden nahm seine Arbeit vor etwas mehr als einem Jahr engagiert und vielversprechend zielstrebig auf. Bald einmal wurde ihm allerdings seine Schwatzhaftigkeit zum Verhängnis, die ihn jetzt nochmals einzuholen scheint. Er sprach zuweilen mehr als erlaubt; nach seinem Abgang übte er zudem beissende Kritik am Bundesstrafgericht und am Schweizer Justizsystem, die ihn für die «geschlossene Gesellschaft» der Juristinnen und Juristen unmöglich machte. Das Fass zum Überlaufen brachte offensichtlich ein Beitrag in einer juristischen Fachzeitschrift. In dieser ist er wie folgt zitiert worden: «Am Bundesstrafgericht laufen mehrere Verfahren in dieser Sache. Infantino will genau wissen, wer meine Hilfspersonen sind». Damit hatte der Sonderermittler in der «Causa FIFA» Vorgänge öffentlich gemacht, bezüglich derer er offensichtlich zur Geheimhaltung verpflichtet war. Das soll nun gemäss der Aufsichtsbehörde über die Bundesanwaltschaft Folgen haben. Ein ausserordentlicher Staatsanwaltschaft wird in einem ersten Schritt die Aufhebung der Immunität von Stefan Keller durch das Schweizer Parlament erwirken; sobald dies geschehen ist, kann gegen den ehemaligen Ermittler wegen Amtsgeheimnisverletzung (Art. 320 des Strafgesetzbuches, StGB) ermittelt werden. Brisant ist, dass die Anträge zur Strafverfolgung gegen den Juristen von der gleichen Behörde veranlasst worden sind, die im Sommer 2020 Stefan Keller ins Amt gehievt hat.

Für den ehemaligen, ausserordentlichen Staatsanwalt des Bundes, Dr. Stefan Keller, gilt die Unschuldsvermutung.

Fussball-Zahlungen immer noch und wieder «Juristen-Futter»

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(causasportnews / red. / 14. August 2021) Nach dem kürzlichen Abschluss der Fussball-Europameisterschaft sind nun i.S. «Fussball-Ungereimtheiten» wieder die Juristen an der Arbeit. Das ist allerdings nur die halbe Wahrheit. Denn bereits während des Kontinental-Championnats, das letztlich Italien zum Europa-Meister werden liess, soll es am Sitz des die Europa-Meisterschaft organisierenden Kontinentalverbandes (UEFA) in Nyon am Genfersee zu Polizeiaktionen gekommen sein, in deren Verlauf offenbar zwei UEFA-Mitarbeitende verhaftet worden sind. Es soll um Schmiergeldzahlungen und Korruption im Zusammenhang mit Auftragsvergaben gehen, wie verschiedene Medien berichten. Die UEFA hüllt sich (natürlich) in Schweigen, nachdem es ihr schon einmal gelungen ist, die strafprozessualen Massnahmen im Hauptquartier während der laufenden Europameisterschaft unter Verschluss zu halten. Die UEFA wäre allerdings nicht die UEFA, wenn sie die betroffenen Mitarbeiter nicht sofort nach deren Verhaftung entlassen hätte. Entlassene, natürliche Personen, allenfalls «Organpersonen», haben selbstverständlich nichts (mehr) mit dem Verein UEFA zu tun; der Kontinentalverband schlüpfte dann auch umgehend in die Geschädigtenrolle. Ein übliches Vorgehen bei unappetitlichen Vorgängen im organisierten Fussball. Über die Anwendbarkeit von Art. 55 des Schweizerischen Zivilgesetzbuches (ZGB) wird man sich zu gegebener Zeit Gedanken machen (können).

Derzeit rückt eine andere Affäre im Zusammenhang mit dem Weltfussballverband FIFA wieder ins Zentrum des Interesses. Dieser Tag ist der ehemalig FIFA-Präsident Josef Blatter als Beschuldigter von der Bundesermittlungsbehörde zur ominösen Zahlung von zwei Millionen Franken im Jahr 2011 an seinen damaligen, vermeintlichen Thronfolger für das Amt des FIFA-Präsidenten, den Ex-UEFA-Präsidenten Michel Platini, befragt worden. Es geht bezüglich des 85jährigen, derzeit gesundheitlich stark angeschlagenen Wallisers, der nach seinem Abgang in der FIFA 2016 von seinem Kontrahenten, Gianni Infantino, beerbt worden ist, um Betrug, ungetreue Geschäftsbesorgung und Veruntreuung. In Anbetracht der fachlichen Schwächen der Schweizer Bundesanwaltschaft prävaliert die Prognose, dass die Beschuldigungen gegenüber Josef Blatter früher oder später in sich zusammenfallen werden (für Josef Blatter gilt selbstverständlich die Unschuldsvermutung). Der «Fall Josef Blatter» erinnert an eine ominöse Zahlung von 6,7 Millionen Euro vom Deutschen Fussball-Bund (DFB) an die FIFA, die nie richtig durchleuchtet werden konnte. Insbesondere gelang es nie zu beweisen, dass es sich bei diesem Betrag um Schmiergeldzahlungen mit Blick auf die WM-Endrunden-Vergabe für 2006 an Deutschland handelte. Alle strafrechtlichen Verfahren gegen Protagonisten dieses Vorganges endeten im juristischen Desaster, das von der Bundesanwaltschaft angerichtet worden war. Es resultierten letztlich Verfahrenseinstellungen und Freisprüche. Die Untersuchungen der Ermittlungsbehörde des Bundes kosteten die Schweizer Steuerzahlerinnen und -zahler Millionen von Franken. So wird es wohl auch bezüglich Josef Blatter ausgehen. Es wird kaum zu eruieren sein, für was die Zahlung von zwei Millionen Franken an Michl Platini erfolgt ist. Die Vermutung, Josef Blatter hätte die Zahlung an Michel Platini veranlasst, um diesen zum Verzicht auf eine Gegenkandidatur für das FIFA-Präsidenten-Amt zu motivieren, dürfte nie zu beweisen sein.

Bei soviel «Juristen-Futter» bleibe das Kapitel «Schweizer Justiz und FIFA-Präsident Gianni Infantino» nun an dieser Stelle einmal ausgeklammert…Auch für ihn gilt selbstverständlich die Unschuldsvermutung.

Europameisterschafts-Endspurt und Schiedsrichter unter Druck

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(causasportnews / red. / 6. Juli 2021) Im Londoner «Wembley»-Stadion werden die letzten Kapitel der Fussball-Europameisterschaft 2020, die erst in diesem Jahr ausgetragen werden konnte, geschrieben. Bereits kurz vor dem Höhepunkt, dem Finalspiel am Sonntag, ist das Fazit zu ziehen, dass dieses Turnier, ausgetragen an elf Orten, glücklich durchgezittert worden ist – bis hin zum Höhepunkt in London. Um die im vergangenen Jahr verschobene Meisterschaft 2021 durchführen zu können, brauchte es eines: Das «Damoklesschwert Corona» zu ignorieren. Das war an etlichen Austragungsorten offensichtlich (z.B. in Budapest oder in St. Petersburg). Und just auf die letzten Spiele hin, die alle in England stattfinden werden, hat der britische Premierminister, Boris Johnson, selbst ein «Corona-Opfer», «COVID-19» als besiegt erklärt und die Stadion-Tore des legendären «Wembley» für die Halbfinalspiele und den Final aufgewuchtet – obwohl die Infektions-Zahlen breitgefächert in eine besorgniserregende Richtung deuten. Es ist fast so wie jeweils im Weltfussballverband FIFA, als der damalige FIFA-Präsident Joseph Blatter Krisen für beendet erklärt hatte, als ihn diese nur noch nervten. Natürlich ist die Politik im Zusammenhang mit «Corona» und der Europameisterschaft nicht nur seitens des organisierenden Kontinentalverbandes (UEFA) unter Druck geraten; Stadien ohne Publikum und ohne damit zusammenhängende Emotionen sind für das Geschäft verheerend. Die Politik beugt sich den Wünschen und Forderungen der Bürgerinnen und Bürger: Gegen Klaumauk und Spiele zu sein, bringt keine Wählerstimmen (was die japanische Politik vor der nächsten Grossveranstaltung dieses Jahres, den Olympischen Sommerspielen, derzeit schmerzlich erfährt). So wird nun die Gesundheit der Menschen dieser Welt, insbesondere in Europa, auf dem Altar des Mammons geopfert. Und niemand stoppt den Wahnsinn, der dann wohl im Herbst spürbar sein wird, zumal Impf-Gegner und -Querulanten Oberwasser erhalten haben. In dieser Jahreszeit muss auch die Ferien- und die Freizeit-Industrie laufen wie geschmiert; «Corona» ist als Störfaktor zu verdrängen und zu ignorieren – vox populi vox Dei.

Kurz vor Beendigung der Europameisterschaft stehen zwar die Mannschaften im Zentrum des Interesses. Ins Visier der Kritiker sind allerdings die Schiedsrichter geraten. Trotz mordernster Überwachungstechnologie stossen krasse Fehlentscheide zuhauf für Unverständnis und Verärgerung. VAR (Video Assistant Referee) und weitere technische Unterstützungs- und Überwachungsmittel haben die Autorität und den vormals unantastbaren Status der Schiedsrichter untergraben und teilweise zerstört. Die Referees sind von der Überwachungs-Technologie regelrecht demontiert worden und verhalten sich im Rahmen der Spielleitungen wie Kaninchen vor der Schlange.- In diesem Zusammenhang erregt eine Medienmeldung aus Deutschland für Aufsehen: Der langjährige Bundesliga-Schiedsrichter Manuel Gräfe hat angekündigt, juristisch gegen die Schiedsrichter-Altersbegrenzung von 47 Jahren anzukämpfen. Es gibt sie also doch noch, die Schiedsrichter-Masochisten, die sich das alles bis ins hohe Alter antun wollen, wäre man geneigt zu sagen; offenbar spielen jedoch auch finanzielle Aspekte eine Rolle. Der Spitzen-Schiedsrichter will sich jedenfalls diese «Altersdiskriminierung» nicht gefallen lassen, wie er gegenüber Medien erklärt hat. Juristisch dürfte dem streitbaren Schiedsrichter, der vor einem Jahr seine Pfeife abgeben musste, keine grosse Hoffnung gemacht werden. Womit der Bogen auch wieder zu Joseph Blatter gespannt wäre. Dieser empfand eine Altersbeschränkung für das Präsidentenamt stets als diskriminierend. Eine lebenslängliche Amtszeit war für ihn das Mass aller Dinge; an seine Unsterblichkeit glaubte er eh. Bekanntlich wurde er dann aus anderen Gründen aus dem Amt katapultiert.

Können die Schweizer noch (Sport-)Diplomatie?

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(causasportnews / red. / 9. Juni 2021) Lange Zeit galt sie als Aushängeschild der Schweiz, die Diplomatie. In letzter Zeit wurde gewahr, dass vom einst stolzen und renommierten diplomatischen Dienst der Schweiz nur noch die Erinnerungen an bessere Zeiten übriggeblieben sind. Das hohe Lied der Diplomatie wird derzeit von der Landesregierung, welche gerade im Zeitalter von «Corona» bewiesen hat, dass sie nicht alles falsch, aber kaum etwas richtig macht, angestimmt: US-Präsident Joe Biden wird Präsident Vladimir Putin in Genf zu einem Gespräch treffen. Der Bundesrat ist ausser sich vor Freude und unterstreicht mit stolzer Brust die Wichtigkeit des Standortes Schweiz als der Hort, an dem Friedenspfeifen aller Art geraucht werden (können). Die beiden Präsidenten werden allerdings den Namen des Bundespräsidenten (Guy Parmelin) weder buchstabieren noch memorieren können. «Zufallsort Genf» aufgrund geographischer Gegebenheiten wäre die richtige Einschätzung des wohl nutzlosen, bevorstehenden Gesprächs zwischen Amerika und Russland gewesen. Die Schweizer Diplomatie und die Regierung, nichts anderes als ein unnötiger Wurmfortsatz eines desolaten Parlaments (auch «Parlament peinlich» genannt), haben bei den Verhandlungen zu einem angedachten Rahmenabkommen mit der Europäischen Union (EU) versagt. Nach siebenjährigem Herumlabern ohne jegliches Konzept sind die «Verhandlungen», welche wohl nie solche waren, eingestellt worden. Die Schweizer können Diplomatie nicht mehr.

Das schlägt sich offenbar auf den organisierten Sport, dem immer eine Nähe zur Politik nachgesagt wird, nieder.

Seit 70 Jahren war der Internationale Skiverband (FIS) mit Sitz am Thunersee fest in Schweizer Hand – auch was das höchste Verbandsamt anbelangte. Für den abtretenden Schweizer Langzeit-Präsidenten Gian Franco Kasper sollte der ehemalige Schweizer Ski-Weltmeister und nationale Skiverbands-Präsidenten Urs Lehmann den prestigeträchtigen Posten erben. Das Unterfangen scheiterte kläglich. Sport-Diplomatie machten andere, und als neuer FIS-Präsident wird der britische Milliardär Johan Eliasch, der in die Oberhofer Verbands-Zentrale einziehen. Der 59jährige Eigentümer des Ski-Produzenten «HEAD» verzichtet auf ein Präsidentensalär und legt sein Amt als CEO der bekannten Skimarke nieder; Vermeidung von Interessenkollisionen wird so etwas genannt, auch wenn in der Tat niemand so richtig daran glauben mag. Gegen professionelles Lobbying und internationale Sportdiplomatie wirkten die Bemühungen, den hölzern wirkenden Urs Lehmann ins Amt zu hieven, geradezu unbeholfen. Sport-Diplomatie geht heute eben anders. Eine weitere schlechte und eine gute Nachricht bleiben für Urs Lehmann: Nach der Weltcupsaison 2021/22 steigt der Hauptsponsor von «Swiss-Ski» (nationaler Verband) nach 20jähriger Partnerschaft aus (schlechte Nachricht). Mit dem «Swisscom»-Konkurrenten «Sunrise UPC» konnte eine neue Partnerschaft auf zehn Jahre begründet werden (gute Nachricht).

Auch im internationalen Eishockey weht den Schweizern ein steifer Wind um die Ohren. Nach 27 Jahren als Präsident der IIHF wird der rührige Freiburger, Dr. med. dent. René Fasel, einem Nachfolger Platz machen (müssen). Das hat nichts damit zu tun, dass sich der 71jährige Schweizer aus der Verbandszentrale in Zürich im Umgang mit dem Weissrussischen Präsidenten Alexander Lukaschenko geradezu tölpelhaft benommen und diesen öffentlich geherzt, statt nachhaltig gescholten hat. Der Nachfolger von René Fasel wird kein Schweizer mehr sein. In der Pole-Position für das höchste Amt im Welt-Eishockey steht der deutsche Verbandspräsident Franz Reindl, der allerdings im eigenen nationalen Verband wegen undurchsichtiger Finanzgebaren unter Beschuss steht. Falls in dieser «Causa» nicht noch Weiterungen erfolgen, wird der 67jährige, ehemalige Eishockeyspieler (aus Schweizer Sicht) nicht mehr zu verhindern sein. Für Franz Reindl wäre die Dislokation an den Verbandssitz nach Zürich nicht mit einem Kulturschock verbunden: Der amtierende IIHF-Generalsekretär heisst Horst Lichtner ist deutscher Nationalität. In Zürich lässt es sich unter Deutschen bekanntlich eh gut leben: Hunderttausende von Deutschen bevölkern seit Jahren die Limmatstadt und deren Umgebung und verdrängen die Schweizer Mentalität; Schweizer  Diplomatie ist auch hier nicht mehr gefragt.

Schliesslich noch der Weltfussball-Verband FIFA mit Sitz in Zürich: Die FIFA ist hier eher unbeliebt (geworden) und spürt in jeder Hinsicht Gegenwind – auch aus der Politik. Die Schweizer Diplomatie wird die Sitzverlegung, wohl nach Frankreich, nicht mehr bremsen können. Im Chaos der französischen Politik wird der Weltverband Sport- und Funktionärspolitik wie zu den Zeiten von Joseph Blatter und Gianni Infantino unbehelligt weiter betreiben. Fakt ist: Die FIFA wird in diesen Tagen einen ersten Ableger des Weltverbandes in Paris Tatsache werden lassen. Die Funktionäre vom Zürcher «Sonnenberg» beteuern zwar, dass der Hauptsitz der FIFA weiterhin in Zürich verbleiben wird. Soweit – so gut. Doch wie sagte es damals schon Walter Ulbricht zwei Monate vor dem Mauerbau in Berlin ehrlich und selbstverständlich glaubwürdig: «Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten.». «Fakes» gab es in der Tat schon vor Donald Trump

Das «Nachtreten» des ehemaligen a.o. Staatsanwalt des Bundes

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(causasportnews / red. / 4. Juni 2021) Mit Getöse ist der ehemalige Staatsanwalt des Bundes, Dr. Stefan Keller, aus dem Amt eines ausserordentlichen Staatsanwalt des Bundes und damit aus dem Untersuchungskomplex «FIFA» hinauskatapultiert worden. Seine Schwatzhaftigkeit in der «Causa Gianni Infantino, Michael Lauber, et alteri) ist ihm zum Verhängnis geworden (vgl. auch causaspornews vom 5. Mai und vom 31. Mai 2021). Einfach so lässt sich der streitbare Obwaldner allerdings nicht abservieren – wenigstens nicht, ohne deftig nachzutreten. Oder war es nicht einfach nur ein «Nachtreten» eines frustrierten, in der Funktion gescheiterten, eitlen Juristen, der mit viel Vorschusslorbeeren ein zweifelsfrei nicht einfaches Amt angetreten hatte? Jedenfalls lässt aufhorchen, wie sich Stefan Keller derzeit in verschiedenen Medien erklärt. Verhält es sich in der Tat so, wie der Jurist schildert? Sind die Untersuchungsbehörden des Bundes verfilzt bis zur Grenze der Korruption? Sind die Gerichte des Bundes (insbesondere das Bundesstrafgericht in Bellinzona, welches die Beschwerde des FIFA-Präsidenten gegen Stefan Keller wegen Befangenheit gutgeheissen und in aus dem Amt getrieben hat) vom Weltfussballverband unterwandert? War gegen ihn eine Verschwörung im Gange, um ihn kurz nach der Ernennung wieder abzuservieren, weil er zur Gefahr für die FIFA und führender Organpersonen wurde? Nachvollziehbar wirft der aktuelle Innerschweizer  Oberrichter dem Bundesstrafgericht vor, es habe etwa den «Sommermärchen»-Prozess bewusst verjähren lassen (diese deshalb geplatzten Verfahren kosten die Steuerzahler Millionen, nicht nur an Entschädigungen an die damals Beschuldigten, den früheren DFB-Präsidenten Dr. Theo Zwanziger et alteri). Die Vorwürfe gegenüber den Untersuchungsbehörden und vor allem gegenüber dem Bundesstrafgericht sind happig, und gegenüber Richtern den Vorwurf der Rechtsbeugung zu erheben, ist wohl etwa so gravierend, wie der Vorwurf seitens des soeben abgetretenen DFB-Präsidenten Fritz Keller an die Adresse seines Vize-Präsidenten, Dr. Rainer Koch, der letzteren mit dem berüchtigten NS-Richter und Rechtsbeuger Roland Freisler verglichen hatte. In der «Causa Fritz Keller/Rainer Koch» herrscht markanterweise eisiges Schweigen darüber, was Fritz Keller wohl bewogen haben dürfte, das Vokabular aus der Finsternis Deutschlands zu bemühen und gegenüber Rainer Koch einzusetzen. Stille herrscht auch mit Blick auf die Vorwürfe von Stefan Keller gegenüber der Bundesanwaltschaft und den Gerichten des Bundes, was die Konklusion zulässt, dass sich wohl in der Bundesanwaltschaft und am Bundesstrafgericht einiges nicht im Lot befindet. Die Schweizerische Bundesanwaltschaft ist in der Tat seit Jahrzehnten ein «Problem-Behörde», die schadensgeeignet und imageschädigend auftritt und längst abgeschafft gehört. Mit Blick auf das Bundestrafgericht in Bellinzona wird seit Jahren hinter vorgehaltener Hand getuschelt, dass sich dort nicht gerade die Gerichts-Elite versammelt. Es gelingt offenbar kaum, einigermassen passable Juristinnen und Juristen zu finden, welche bereit sind, am Gericht im Tessin zu richten. Der Standort des Bundesstrafgerichts in Bellinzona war eine Konzession an den Standortkanton Tessin und erweist sich als Handikap. Die Juristengilde ist nämlich kaum bereit, in die Schweizer Sonnenstube zu wechseln. Richterinnen und Richter und das übrige, juristische Personal am Bundesstrafgericht kann denn auch nicht als  juristische «Sahnehäubchen» qualifiziert werden. Auch hier fordert der Föderalismus, der in der heute praktizierten Form, auch in der Politik, längst auf den Müllhaufen des Staatsrechts gehört, seinen Tribut. Zu reden gibt auch immer wieder die Personalpolitik im Rahmen der Schweizerischen Bundesanwaltschaft. Dass nun ein gutbetuchter 70jähriger, ehemaliger Staatsanwalt und bekennendes SP-Mitglied (!) seine Rente auf diese Weise massiv aufbessern soll, stösst kaum mehr auf grosse Kritik. Diese wird von Resignation überlagert.

Ein Eigentor des FIFA-Präsidenten?

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(causasportnews / red. / 31. Mai 2021) Der kürzlich ergangene Entscheid des Bundessstrafgerichts in Bellinzona wurde im Lager des FIFA-Präsidenten Gianni Infantino als grosser Sieg gefeiert, als der seit ein paar Monaten im Amt befindliche, ausserordentliche Staatsanwalt des Bundes, Dr. Stefan Keller, in den Ausstand, das heisst, ins juristische Offside, versetzt wurde. Der schwatzhafte Jurist und Obergerichtspräsident aus dem Kanton Obwalden hatte gemäss Urteil aus Bellinzona den FIFA-Präsidenten vorverurteilt und Unwahrheiten verbreitet, weshalb Gianni Infantinos Begehren – nach Auffassung von Rechtsexperten völlig zurecht – gestützt wurde (vgl. auch causasportnews vom 5. Mai 2021). Da sich der peinliche Sonderermittler, der die Vorwürfe gegen Gianni Infantino und den abgetretenen Bundesanwalt Michael Lauber wegen undurchsichtiger, gemeinsamer Treffen hätte untersuchen müssen, nach der Gutheissung des Ausstandsbegehrens vor allem in Richterschelte übte, sich öffentlich zu Rundumschlägen gegen das Gericht hinreissen liess und sich völlig uneinsichtig zeigte, waren die Tage des Sonderermittlers aus der Innerschweiz gezählt. Schon bald nach der Ernennung von Stefan Keller zum ausserordentlichen Staatsanwalt des Bundes im Juli 2020 wurde manifest, dass in der «Causa Geheimtreffen FIFA/Bundesanwalt Lauber» ein selbstverliebter Egoman als Ermittler am Werk war. Oder eben nicht am Werk. Der Jurist, der sich wohl zu Unrecht als ausserordentlicher Bundesanwalt» (richtig: Ausserordentlicher Staatsanwalt des Bundes) bezeichnete, war eher mit Medienarbeit in eigener Sache, denn mit dem Fall «Gianni Infantino / Michael Lauber» beschäftigt. Dabei hätten schon bei der Ernennung des Gerichtspräsidenten aus Obwalden alle Warnlampen leuchten sollen: Die Justiz in Ob- und Nidwalden gilt fachlich als äusserst schwach, wegen der Kleinheit der Halbkantone personell verfilzt, politisch durchdrungen und dennoch weitgehend undurchsichtig. In Anlehnung an das Evangelium könnte etwa adaptiert werden: «Was kann denn schon juristisch Gutes aus Unterwalden kommen?».

Nach dem Abgang von Stefan Keller werden die Ermittlungen ab sofort von einem neuen Mann aus dem Kanton Zürich fortgeführt: Der 70jährige ehemalige Zürcher Staatsanwalt Ulrich Weder soll nun richten, was der Obwaldner Gerichtspräsident als Sonderermittler versiebt hat: Nämlich in diesem FIFA-Komplex zu Ende zu untersuchen. Vor allem die Links-Presse überbietet sich in Vorschusslorbeeren bezüglich des reaktivierten Justiz-Rentners, der sich ideologisch als strammes SP-Mitglied dem sozialistischen Gedankengut verpflichtet fühlt und derzeit von einer satten Pension lebt. Dass in derartigen Fällen ehemalige Spezialisten aus dem Ruhestand beordert werden müssen, zeigt vor allem, dass es um valable, personelle Alternativen im Justiz-Land Schweiz schlecht bestellt ist. Seilschaften, Verfilzungen und zumindest Kungeleien sind in einem kleinen Land, wie es die Schweiz präsentiert, aber wohl unvermeidbar. Das alles hat der ehemalige Präsident des Deutschen Fussball-Bundes (DFB) und Jurist, Dr. Theo Zwanziger im Zusammenhang mit den Ermittlungen der Schweizer Justiz in der «Sommermärchen-Affäre» (auch gegen ihn) in Rage gebracht; der Ausdruck «Bananenrepublik» war noch die anständigste Qualifikation für die Schweiz aus dem Mund des blitzgescheiten Juristen.

Wie dem auch sei: Die Ernennung von Ulrich Weder ist für Gianni Infantino letztlich wohl eher kein verfahrensmässiger Vorteil. In Stefan Keller hatte er einen leichten «Gegner», bezüglich des Zürchers Ulrich Weder ist davon auszugehen, dass dieser sein Metier versteht und während seiner Aktivzeit als Staatsanwalt als klug und hart, aber dennoch als fair galt. Ob sich die Wegbeförderung des schwachen und peinlichen Stefan Keller und die deshalb erfolgte Einsetzung des «starken» Ulrich Weder letztlich als juristisches «Eigentor» erweisen wird, dürfte sich bald zeigen.