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Europameisterschafts-Endspurt und Schiedsrichter unter Druck

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(causasportnews / red. / 6. Juli 2021) Im Londoner «Wembley»-Stadion werden die letzten Kapitel der Fussball-Europameisterschaft 2020, die erst in diesem Jahr ausgetragen werden konnte, geschrieben. Bereits kurz vor dem Höhepunkt, dem Finalspiel am Sonntag, ist das Fazit zu ziehen, dass dieses Turnier, ausgetragen an elf Orten, glücklich durchgezittert worden ist – bis hin zum Höhepunkt in London. Um die im vergangenen Jahr verschobene Meisterschaft 2021 durchführen zu können, brauchte es eines: Das «Damoklesschwert Corona» zu ignorieren. Das war an etlichen Austragungsorten offensichtlich (z.B. in Budapest oder in St. Petersburg). Und just auf die letzten Spiele hin, die alle in England stattfinden werden, hat der britische Premierminister, Boris Johnson, selbst ein «Corona-Opfer», «COVID-19» als besiegt erklärt und die Stadion-Tore des legendären «Wembley» für die Halbfinalspiele und den Final aufgewuchtet – obwohl die Infektions-Zahlen breitgefächert in eine besorgniserregende Richtung deuten. Es ist fast so wie jeweils im Weltfussballverband FIFA, als der damalige FIFA-Präsident Joseph Blatter Krisen für beendet erklärt hatte, als ihn diese nur noch nervten. Natürlich ist die Politik im Zusammenhang mit «Corona» und der Europameisterschaft nicht nur seitens des organisierenden Kontinentalverbandes (UEFA) unter Druck geraten; Stadien ohne Publikum und ohne damit zusammenhängende Emotionen sind für das Geschäft verheerend. Die Politik beugt sich den Wünschen und Forderungen der Bürgerinnen und Bürger: Gegen Klaumauk und Spiele zu sein, bringt keine Wählerstimmen (was die japanische Politik vor der nächsten Grossveranstaltung dieses Jahres, den Olympischen Sommerspielen, derzeit schmerzlich erfährt). So wird nun die Gesundheit der Menschen dieser Welt, insbesondere in Europa, auf dem Altar des Mammons geopfert. Und niemand stoppt den Wahnsinn, der dann wohl im Herbst spürbar sein wird, zumal Impf-Gegner und -Querulanten Oberwasser erhalten haben. In dieser Jahreszeit muss auch die Ferien- und die Freizeit-Industrie laufen wie geschmiert; «Corona» ist als Störfaktor zu verdrängen und zu ignorieren – vox populi vox Dei.

Kurz vor Beendigung der Europameisterschaft stehen zwar die Mannschaften im Zentrum des Interesses. Ins Visier der Kritiker sind allerdings die Schiedsrichter geraten. Trotz mordernster Überwachungstechnologie stossen krasse Fehlentscheide zuhauf für Unverständnis und Verärgerung. VAR (Video Assistant Referee) und weitere technische Unterstützungs- und Überwachungsmittel haben die Autorität und den vormals unantastbaren Status der Schiedsrichter untergraben und teilweise zerstört. Die Referees sind von der Überwachungs-Technologie regelrecht demontiert worden und verhalten sich im Rahmen der Spielleitungen wie Kaninchen vor der Schlange.- In diesem Zusammenhang erregt eine Medienmeldung aus Deutschland für Aufsehen: Der langjährige Bundesliga-Schiedsrichter Manuel Gräfe hat angekündigt, juristisch gegen die Schiedsrichter-Altersbegrenzung von 47 Jahren anzukämpfen. Es gibt sie also doch noch, die Schiedsrichter-Masochisten, die sich das alles bis ins hohe Alter antun wollen, wäre man geneigt zu sagen; offenbar spielen jedoch auch finanzielle Aspekte eine Rolle. Der Spitzen-Schiedsrichter will sich jedenfalls diese «Altersdiskriminierung» nicht gefallen lassen, wie er gegenüber Medien erklärt hat. Juristisch dürfte dem streitbaren Schiedsrichter, der vor einem Jahr seine Pfeife abgeben musste, keine grosse Hoffnung gemacht werden. Womit der Bogen auch wieder zu Joseph Blatter gespannt wäre. Dieser empfand eine Altersbeschränkung für das Präsidentenamt stets als diskriminierend. Eine lebenslängliche Amtszeit war für ihn das Mass aller Dinge; an seine Unsterblichkeit glaubte er eh. Bekanntlich wurde er dann aus anderen Gründen aus dem Amt katapultiert.

Können die Schweizer noch (Sport-)Diplomatie?

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(causasportnews / red. / 9. Juni 2021) Lange Zeit galt sie als Aushängeschild der Schweiz, die Diplomatie. In letzter Zeit wurde gewahr, dass vom einst stolzen und renommierten diplomatischen Dienst der Schweiz nur noch die Erinnerungen an bessere Zeiten übriggeblieben sind. Das hohe Lied der Diplomatie wird derzeit von der Landesregierung, welche gerade im Zeitalter von «Corona» bewiesen hat, dass sie nicht alles falsch, aber kaum etwas richtig macht, angestimmt: US-Präsident Joe Biden wird Präsident Vladimir Putin in Genf zu einem Gespräch treffen. Der Bundesrat ist ausser sich vor Freude und unterstreicht mit stolzer Brust die Wichtigkeit des Standortes Schweiz als der Hort, an dem Friedenspfeifen aller Art geraucht werden (können). Die beiden Präsidenten werden allerdings den Namen des Bundespräsidenten (Guy Parmelin) weder buchstabieren noch memorieren können. «Zufallsort Genf» aufgrund geographischer Gegebenheiten wäre die richtige Einschätzung des wohl nutzlosen, bevorstehenden Gesprächs zwischen Amerika und Russland gewesen. Die Schweizer Diplomatie und die Regierung, nichts anderes als ein unnötiger Wurmfortsatz eines desolaten Parlaments (auch «Parlament peinlich» genannt), haben bei den Verhandlungen zu einem angedachten Rahmenabkommen mit der Europäischen Union (EU) versagt. Nach siebenjährigem Herumlabern ohne jegliches Konzept sind die «Verhandlungen», welche wohl nie solche waren, eingestellt worden. Die Schweizer können Diplomatie nicht mehr.

Das schlägt sich offenbar auf den organisierten Sport, dem immer eine Nähe zur Politik nachgesagt wird, nieder.

Seit 70 Jahren war der Internationale Skiverband (FIS) mit Sitz am Thunersee fest in Schweizer Hand – auch was das höchste Verbandsamt anbelangte. Für den abtretenden Schweizer Langzeit-Präsidenten Gian Franco Kasper sollte der ehemalige Schweizer Ski-Weltmeister und nationale Skiverbands-Präsidenten Urs Lehmann den prestigeträchtigen Posten erben. Das Unterfangen scheiterte kläglich. Sport-Diplomatie machten andere, und als neuer FIS-Präsident wird der britische Milliardär Johan Eliasch, der in die Oberhofer Verbands-Zentrale einziehen. Der 59jährige Eigentümer des Ski-Produzenten «HEAD» verzichtet auf ein Präsidentensalär und legt sein Amt als CEO der bekannten Skimarke nieder; Vermeidung von Interessenkollisionen wird so etwas genannt, auch wenn in der Tat niemand so richtig daran glauben mag. Gegen professionelles Lobbying und internationale Sportdiplomatie wirkten die Bemühungen, den hölzern wirkenden Urs Lehmann ins Amt zu hieven, geradezu unbeholfen. Sport-Diplomatie geht heute eben anders. Eine weitere schlechte und eine gute Nachricht bleiben für Urs Lehmann: Nach der Weltcupsaison 2021/22 steigt der Hauptsponsor von «Swiss-Ski» (nationaler Verband) nach 20jähriger Partnerschaft aus (schlechte Nachricht). Mit dem «Swisscom»-Konkurrenten «Sunrise UPC» konnte eine neue Partnerschaft auf zehn Jahre begründet werden (gute Nachricht).

Auch im internationalen Eishockey weht den Schweizern ein steifer Wind um die Ohren. Nach 27 Jahren als Präsident der IIHF wird der rührige Freiburger, Dr. med. dent. René Fasel, einem Nachfolger Platz machen (müssen). Das hat nichts damit zu tun, dass sich der 71jährige Schweizer aus der Verbandszentrale in Zürich im Umgang mit dem Weissrussischen Präsidenten Alexander Lukaschenko geradezu tölpelhaft benommen und diesen öffentlich geherzt, statt nachhaltig gescholten hat. Der Nachfolger von René Fasel wird kein Schweizer mehr sein. In der Pole-Position für das höchste Amt im Welt-Eishockey steht der deutsche Verbandspräsident Franz Reindl, der allerdings im eigenen nationalen Verband wegen undurchsichtiger Finanzgebaren unter Beschuss steht. Falls in dieser «Causa» nicht noch Weiterungen erfolgen, wird der 67jährige, ehemalige Eishockeyspieler (aus Schweizer Sicht) nicht mehr zu verhindern sein. Für Franz Reindl wäre die Dislokation an den Verbandssitz nach Zürich nicht mit einem Kulturschock verbunden: Der amtierende IIHF-Generalsekretär heisst Horst Lichtner ist deutscher Nationalität. In Zürich lässt es sich unter Deutschen bekanntlich eh gut leben: Hunderttausende von Deutschen bevölkern seit Jahren die Limmatstadt und deren Umgebung und verdrängen die Schweizer Mentalität; Schweizer  Diplomatie ist auch hier nicht mehr gefragt.

Schliesslich noch der Weltfussball-Verband FIFA mit Sitz in Zürich: Die FIFA ist hier eher unbeliebt (geworden) und spürt in jeder Hinsicht Gegenwind – auch aus der Politik. Die Schweizer Diplomatie wird die Sitzverlegung, wohl nach Frankreich, nicht mehr bremsen können. Im Chaos der französischen Politik wird der Weltverband Sport- und Funktionärspolitik wie zu den Zeiten von Joseph Blatter und Gianni Infantino unbehelligt weiter betreiben. Fakt ist: Die FIFA wird in diesen Tagen einen ersten Ableger des Weltverbandes in Paris Tatsache werden lassen. Die Funktionäre vom Zürcher «Sonnenberg» beteuern zwar, dass der Hauptsitz der FIFA weiterhin in Zürich verbleiben wird. Soweit – so gut. Doch wie sagte es damals schon Walter Ulbricht zwei Monate vor dem Mauerbau in Berlin ehrlich und selbstverständlich glaubwürdig: «Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten.». «Fakes» gab es in der Tat schon vor Donald Trump

Das «Nachtreten» des ehemaligen a.o. Staatsanwalt des Bundes

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(causasportnews / red. / 4. Juni 2021) Mit Getöse ist der ehemalige Staatsanwalt des Bundes, Dr. Stefan Keller, aus dem Amt eines ausserordentlichen Staatsanwalt des Bundes und damit aus dem Untersuchungskomplex «FIFA» hinauskatapultiert worden. Seine Schwatzhaftigkeit in der «Causa Gianni Infantino, Michael Lauber, et alteri) ist ihm zum Verhängnis geworden (vgl. auch causaspornews vom 5. Mai und vom 31. Mai 2021). Einfach so lässt sich der streitbare Obwaldner allerdings nicht abservieren – wenigstens nicht, ohne deftig nachzutreten. Oder war es nicht einfach nur ein «Nachtreten» eines frustrierten, in der Funktion gescheiterten, eitlen Juristen, der mit viel Vorschusslorbeeren ein zweifelsfrei nicht einfaches Amt angetreten hatte? Jedenfalls lässt aufhorchen, wie sich Stefan Keller derzeit in verschiedenen Medien erklärt. Verhält es sich in der Tat so, wie der Jurist schildert? Sind die Untersuchungsbehörden des Bundes verfilzt bis zur Grenze der Korruption? Sind die Gerichte des Bundes (insbesondere das Bundesstrafgericht in Bellinzona, welches die Beschwerde des FIFA-Präsidenten gegen Stefan Keller wegen Befangenheit gutgeheissen und in aus dem Amt getrieben hat) vom Weltfussballverband unterwandert? War gegen ihn eine Verschwörung im Gange, um ihn kurz nach der Ernennung wieder abzuservieren, weil er zur Gefahr für die FIFA und führender Organpersonen wurde? Nachvollziehbar wirft der aktuelle Innerschweizer  Oberrichter dem Bundesstrafgericht vor, es habe etwa den «Sommermärchen»-Prozess bewusst verjähren lassen (diese deshalb geplatzten Verfahren kosten die Steuerzahler Millionen, nicht nur an Entschädigungen an die damals Beschuldigten, den früheren DFB-Präsidenten Dr. Theo Zwanziger et alteri). Die Vorwürfe gegenüber den Untersuchungsbehörden und vor allem gegenüber dem Bundesstrafgericht sind happig, und gegenüber Richtern den Vorwurf der Rechtsbeugung zu erheben, ist wohl etwa so gravierend, wie der Vorwurf seitens des soeben abgetretenen DFB-Präsidenten Fritz Keller an die Adresse seines Vize-Präsidenten, Dr. Rainer Koch, der letzteren mit dem berüchtigten NS-Richter und Rechtsbeuger Roland Freisler verglichen hatte. In der «Causa Fritz Keller/Rainer Koch» herrscht markanterweise eisiges Schweigen darüber, was Fritz Keller wohl bewogen haben dürfte, das Vokabular aus der Finsternis Deutschlands zu bemühen und gegenüber Rainer Koch einzusetzen. Stille herrscht auch mit Blick auf die Vorwürfe von Stefan Keller gegenüber der Bundesanwaltschaft und den Gerichten des Bundes, was die Konklusion zulässt, dass sich wohl in der Bundesanwaltschaft und am Bundesstrafgericht einiges nicht im Lot befindet. Die Schweizerische Bundesanwaltschaft ist in der Tat seit Jahrzehnten ein «Problem-Behörde», die schadensgeeignet und imageschädigend auftritt und längst abgeschafft gehört. Mit Blick auf das Bundestrafgericht in Bellinzona wird seit Jahren hinter vorgehaltener Hand getuschelt, dass sich dort nicht gerade die Gerichts-Elite versammelt. Es gelingt offenbar kaum, einigermassen passable Juristinnen und Juristen zu finden, welche bereit sind, am Gericht im Tessin zu richten. Der Standort des Bundesstrafgerichts in Bellinzona war eine Konzession an den Standortkanton Tessin und erweist sich als Handikap. Die Juristengilde ist nämlich kaum bereit, in die Schweizer Sonnenstube zu wechseln. Richterinnen und Richter und das übrige, juristische Personal am Bundesstrafgericht kann denn auch nicht als  juristische «Sahnehäubchen» qualifiziert werden. Auch hier fordert der Föderalismus, der in der heute praktizierten Form, auch in der Politik, längst auf den Müllhaufen des Staatsrechts gehört, seinen Tribut. Zu reden gibt auch immer wieder die Personalpolitik im Rahmen der Schweizerischen Bundesanwaltschaft. Dass nun ein gutbetuchter 70jähriger, ehemaliger Staatsanwalt und bekennendes SP-Mitglied (!) seine Rente auf diese Weise massiv aufbessern soll, stösst kaum mehr auf grosse Kritik. Diese wird von Resignation überlagert.

Ein Eigentor des FIFA-Präsidenten?

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(causasportnews / red. / 31. Mai 2021) Der kürzlich ergangene Entscheid des Bundessstrafgerichts in Bellinzona wurde im Lager des FIFA-Präsidenten Gianni Infantino als grosser Sieg gefeiert, als der seit ein paar Monaten im Amt befindliche, ausserordentliche Staatsanwalt des Bundes, Dr. Stefan Keller, in den Ausstand, das heisst, ins juristische Offside, versetzt wurde. Der schwatzhafte Jurist und Obergerichtspräsident aus dem Kanton Obwalden hatte gemäss Urteil aus Bellinzona den FIFA-Präsidenten vorverurteilt und Unwahrheiten verbreitet, weshalb Gianni Infantinos Begehren – nach Auffassung von Rechtsexperten völlig zurecht – gestützt wurde (vgl. auch causasportnews vom 5. Mai 2021). Da sich der peinliche Sonderermittler, der die Vorwürfe gegen Gianni Infantino und den abgetretenen Bundesanwalt Michael Lauber wegen undurchsichtiger, gemeinsamer Treffen hätte untersuchen müssen, nach der Gutheissung des Ausstandsbegehrens vor allem in Richterschelte übte, sich öffentlich zu Rundumschlägen gegen das Gericht hinreissen liess und sich völlig uneinsichtig zeigte, waren die Tage des Sonderermittlers aus der Innerschweiz gezählt. Schon bald nach der Ernennung von Stefan Keller zum ausserordentlichen Staatsanwalt des Bundes im Juli 2020 wurde manifest, dass in der «Causa Geheimtreffen FIFA/Bundesanwalt Lauber» ein selbstverliebter Egoman als Ermittler am Werk war. Oder eben nicht am Werk. Der Jurist, der sich wohl zu Unrecht als ausserordentlicher Bundesanwalt» (richtig: Ausserordentlicher Staatsanwalt des Bundes) bezeichnete, war eher mit Medienarbeit in eigener Sache, denn mit dem Fall «Gianni Infantino / Michael Lauber» beschäftigt. Dabei hätten schon bei der Ernennung des Gerichtspräsidenten aus Obwalden alle Warnlampen leuchten sollen: Die Justiz in Ob- und Nidwalden gilt fachlich als äusserst schwach, wegen der Kleinheit der Halbkantone personell verfilzt, politisch durchdrungen und dennoch weitgehend undurchsichtig. In Anlehnung an das Evangelium könnte etwa adaptiert werden: «Was kann denn schon juristisch Gutes aus Unterwalden kommen?».

Nach dem Abgang von Stefan Keller werden die Ermittlungen ab sofort von einem neuen Mann aus dem Kanton Zürich fortgeführt: Der 70jährige ehemalige Zürcher Staatsanwalt Ulrich Weder soll nun richten, was der Obwaldner Gerichtspräsident als Sonderermittler versiebt hat: Nämlich in diesem FIFA-Komplex zu Ende zu untersuchen. Vor allem die Links-Presse überbietet sich in Vorschusslorbeeren bezüglich des reaktivierten Justiz-Rentners, der sich ideologisch als strammes SP-Mitglied dem sozialistischen Gedankengut verpflichtet fühlt und derzeit von einer satten Pension lebt. Dass in derartigen Fällen ehemalige Spezialisten aus dem Ruhestand beordert werden müssen, zeigt vor allem, dass es um valable, personelle Alternativen im Justiz-Land Schweiz schlecht bestellt ist. Seilschaften, Verfilzungen und zumindest Kungeleien sind in einem kleinen Land, wie es die Schweiz präsentiert, aber wohl unvermeidbar. Das alles hat der ehemalige Präsident des Deutschen Fussball-Bundes (DFB) und Jurist, Dr. Theo Zwanziger im Zusammenhang mit den Ermittlungen der Schweizer Justiz in der «Sommermärchen-Affäre» (auch gegen ihn) in Rage gebracht; der Ausdruck «Bananenrepublik» war noch die anständigste Qualifikation für die Schweiz aus dem Mund des blitzgescheiten Juristen.

Wie dem auch sei: Die Ernennung von Ulrich Weder ist für Gianni Infantino letztlich wohl eher kein verfahrensmässiger Vorteil. In Stefan Keller hatte er einen leichten «Gegner», bezüglich des Zürchers Ulrich Weder ist davon auszugehen, dass dieser sein Metier versteht und während seiner Aktivzeit als Staatsanwalt als klug und hart, aber dennoch als fair galt. Ob sich die Wegbeförderung des schwachen und peinlichen Stefan Keller und die deshalb erfolgte Einsetzung des «starken» Ulrich Weder letztlich als juristisches «Eigentor» erweisen wird, dürfte sich bald zeigen.

Ein Opfer des Juristen-Geschwätzes

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(causasportnews / red. / 5. Mai 2021) Es darf als notorische Tatsache qualifiziert werden, dass sich Juristinnen und Juristen (fast) aller Art und in den meisten Funktionen auf einem speziellen Jahrmarkt der Eitelkeit bewegen. Diese Menschen finden sich in der Regel unwiderstehlich und schwingen, je nach Standpunkt, den sie zu vertreten haben, gerne die Moralkeule für ihre Auftraggeber und sich selber. Das hängt vor allem damit zusammen, dass die Jurisprudenz eine Wertungs-Wissenschaft ist und nicht etwa mit Mathematik gleichgesetzt werden kann; dort ergeben 2 + 2 immer 4. Demut und Selbstkritik sind jedenfalls keine übermenschliche Tugenden, mit der sich Juristinnen und Juristen zu stark bekleckern würden. Mit allem hängt letztlich zusammen, dass sie sich gerne vor Ihrer Klientschaft oder vor Auftraggebern aufzuplustern pflegen. Und das vor allem in der Öffentlichkeit. Fragen Medienschaffende Juristinnen und Juristen nach ihren Meinungen, ist das für diese Gattung ein wahres Glücksgefühl, das bis zur Ekstase ausgekostet wird. Das Gefühl, von der Öffentlichkeit begehrt zu werden, lässt jedes andere Glücksgefühl marginal werden. Ist zudem die Plattform «Sport» betroffen, akzentuieren sich diese Eigenheiten insbesondere noch. Es ist fast wie bei den Sponsoren: Diese wären oft so unbedeutend wie die abgestellten Fahrräder in China, die ab und zu am Bahnhof in Peking umstürzen. Denn Sponsoren im Sport und deren Vertreterinnen und Vertreter werden fast so intensiv beachtet wie der Sport selber.

Schwatzhaftigkeit und Profilierungssucht sind soeben dem ausserordentlichen Staatsanwalt des Bundes, Stefan Keller, zum Verhängnis geworden. Dieser fiel nach seiner Bestellung als Ermittler insbesondere gegen den FIFA-Präsidenten Gianni Infantino durch ein ausserordentliches Mitteilungsbedürfnis auf; für die Arbeit bleib dann offenbar kaum mehr Zeit, denn seit Monaten herrscht bezüglich der juristischen Aktivitäten des Ermittlers aus dem beschaulichen Kanton Nidwalden Schweigen. Soeben hat ihn die Beschwerdekammer des schweizerischen Bundesstrafgerichts ins «offside» befördert, das heisst in der Juristen-Sprache: Stefan Keller hat in der «Causa Gianni Infantino» in den Ausstand zu treten. Zum Verhängnis geworden sind dem Ermittler gemäss Begründung des Entscheids Aussagen in Medienmitteilungen und in einer juristischen Fachzeitschrift. Si tacuisses philosophus mansisses (hättest Du geschwiegen, wärst Du ein Philosoph geblieben) also, wäre man hier geneigt zu sagen. Zum Philosophieren wird Stefan Keller nun viel Zeit haben. Durch seine Kommunikationsbeflissenheit verschafft er dem FIFA-Präsidenten, der selber Jurist ist, zudem etwas Luft. Die bisherigen Ermittlungsarbeiten des nun abgesägten Untersuchungsrichters bleiben auch nach dem angeordneten Ausstand von Stefan Keller gültig.

Diese unschöne Konstellation im Segment «Juristerei» befeuert die negative Grundhaltung des Publikums gegenüber der Juristen-Zunft. Und die Vorurteile gegenüber einer Berufsgattung, für die beispielsweise Selbst-Reflexion so oder so ein Fremdwort darstellt. Einkehr, Demut und Selbstkritik sind Lebens-Attribute, welche für Juristinnen und Juristen offensichtlich erst nach dem Tod eine gewisse Bedeutung erlangen. Oder wie es ein Jurist retrospektiv auf seinen Grabstein eingravieren liess: «Er war Jurist und auch sonst bescheidenen Geistes.».

(PS: Der Schreibende gehört der Juristen-Zunft an)

Fussball-«Klassenkampf» dank der Fans (einstweilen) entschieden

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(causasportnews / red. / 22. April 2021) Seit nicht einmal einer Woche ist die Absonderungsliga mit dem sinnlichen Titel «European Super League» (ESL) der Fussball-Schocker des Jahres – oder sogar des Jahrzehnts. Zwölf europäische Top-Klubs haben den Aufstand gewagt und die Sezession vom organisierten Klubfussball der Verbände geprobt. Es bleibt beim Versuch: Der «Klassenkampf» der grosskapitalistischen Klubs, welche sich von jeglicher Fussball-Solidarität verabschieden wollten, ist zu Gunsten des sportlichen Proletariats ausgegangen – das Kapital hat eine Abfuhr erlebt; die Fans, das fussballerische Proletariat in den kapitalistischen Klubs, gaben den Ausschlag dafür, dass «arm» gegen «reich» obsiegte. Einmal mehr zeigte es sich, dass die «Kraft von der Strasse» auch im Sport-Klassenkampf den Ausschlag über Sieg und Niederlage geben kann.

Kaum ein Insider der Fussball-Szene hat das Bestreben der renommierten Klubs, sich vom Verbandsfussball zu verabschieden, wirklich ernst genommen. Das blieb den Medien, die sich ob des Themas regelrecht ereiferten und diesen Vorgang kommentierten, als ginge es um den Beitritt der Schweiz zur oder um den Austritt des Vereinigten Königsreichs aus der Europäischen Union, durchwegs verborgen. Wahrscheinlich war alles nur ein Test, um die Reaktionen auf Pläne, die durchaus einmal in die manifest gewordene Richtung gehen könnten, abzufühlen. Hätte das Projekt eine profunde, zielstrebige und insbesondere realitäts-ausgerichtete Umsetzung erfahren, wäre es nicht bereits nach ein paar Tagen seit Bekanntgabe der Pläne wieder eingestampft worden. Dass der Versuchs-Ballon nicht einmal eine Woche wie ein Damoklesschwert über dem Klubfussball schweben sollte, war wohl ein Teil des Marketings. Dafür spricht vor allem, dass sich die Protagonisten des kapitalistischen Projektes umgehend reumütig vor den mobilisierten Fans, die derzeit eh vom unmittelbaren Fussball ausgeschlossen sind, in den Staub geworfen und letztere um Verzeihung gebeten haben. Zu vieles bei diesem Wellenschlag schien geplant und alles andere als zufällig. Juristisch wäre die angedachte Liga zweifelsfrei nicht zu stoppen gewesen. Das schweizerische Kartellrecht hätte den in der Schweiz domizilierten Verbänden UEFA und FIFA den juristischen Dolchstoss versetzt. Bei derartigen Auswirkungen von Sport-Monopolbetrieben verstehen eidgenössische Behörden und Gerichte keinen Spass.

Die Niederlage des Kapitals bei diesem Aufstand des Klub-Proletariats war vorgezeichnet und von den Initianten der ESL wohl auch so einkalkuliert worden. Es sollte letztlich (nur) ein Zeichen gesetzt und sensibilisiert werden. Das ist gelungen. Die abtrünnigswilligen Klubs stemmten sich auf diese Weise wohl gegen die Verbände, vor allem gegen die UEFA, welche die internationalen Klub-Wettbewerbe immer mehr aufbläht und (wirtschaftliche) Solidarität über sportliche Leistungen zu stellen gewillt ist. Auch die FIFA könnte die Lehre aus dem Geschehenen ziehen und sich durchaus überlegen, ob die für den Weltfussballverband systemfremde «Klub-Weltmeisterschaft» in der Tat weitere, teilnehmende Klubs erträgt.

Sicher zu Unrecht ist gegenüber den sezessionswilligen Klubs der Vorwurf des pekuniär-egoistischen Verhaltens erhoben worden. Selbstverständlich geht es im kommerziellen Fussball immer um Finanzielles. Das leben die Verbands-Funktionäre, die sich selber ungeniert die Taschen füllen, durchwegs vor. Solidarität im Klubfussball fordern und sich individuell, insbesondere pekuniär, ideal positionieren, ist ein Modell, das in der Politik seit jeher verbreitet ist. Beispielsweise in der ehemaligen «DDR». Da liessen es sich Erich Honecker und seine roten Brüder in der SED und im Staatsrat gut gehen, während ein Grossteil des Volkes noch nie eine Banane von nahem gesehen hatte. Kommunismus predigen und Kapitalismus geniessen ist eben auch eine Eigenheit des Klassenkampfes, der in den letzten Tage im Fussball-Business in spezieller Art ausgetragen und vom Klub-Proletariat gewonnen wurde. Das Kapital hat eine wohl ausgewogen kalkulierte Niederlage erlitten. Doch, wie faltete Uli Hoeness damals die Fans der Bayern zusammen: «Was glaubt ihr eigentlich, wer euch alle finanziert?».

Das «FIFA-Prinzip» ist in der Politik angekommen

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(causasportnews / red. / 3. April 2021) Krisen lassen vieles manifest werden. Im Moment geht es um die nackte Wahrheit – und um’s Überleben. Mit Bezug auf die immer dramatischer werdenden Auswirkungen der Pandemie drängt sich um die Ostertage herum das Fazit auf: Wir schaffen das nicht – wenigstens nicht in absehbarer Zeit. Wegen der staatlichen Rahmenbedingungen, der gesellschaftlichen Vorgaben und der mangelnden Individual-Disziplin hilft wohl nur noch eines:  beten. Was in der Osterzeit eh nicht abwegig ist. Politiker/innen, die erkannt haben, dass sie dem Virus kaum etwas entgegensetzen können, resignieren schon einmal, ohne es zu kommunizieren. Oder wie es der CDU-Politiker Armin Laschet in Deutschland gesagt haben soll und was von den Medien, ebenfalls resignierend, weitergetragen worden ist: «Zahlen steigen zuletzt stark: Laschet will Ostern zum Nachdenken nutzen». Denken ist selbstverständlich immer gut. Wie bekannt, kann man für’s Denken nicht henken. Aber dieses letzte Polit-Rezept zur Bekämpfung der wütenden Pandemie lässt auch nicht gerade Hoffnung aufkommen. So dürfte nach Ostern das «Prinzip Hoffnung» der einzige Strohhalm sein, an dem sich die Menschheit derzeit realistischerweise hält. «Lockdown» ja, «Lockdown» nein – das ist die zentrale Frage.

Die Politik kann allerdings auch nicht mehr, als es der staatliche und gesellschaftliche Rahmen zulässt. Das Wort «Eigenverantwortung» der Menschen ist längst aus dem Wortschatz der (vermeintlich) Mächtigen im Rahmen der Krisen-Bekämpfung verschwunden. In diesen dramatischen Zeiten zeigt sich, was ist. Auch Ländervergleiche belegen in der Zeit von «COVID-19» + Mutationen, dass das Polit-Gewerbe verfilzter und korrupter ist, als es die vielgescholtene FIFA je war. Die Weltfussball-Organisation mit Sitz in Zürich ist zwischenzeitlich etwas aus den Schlagzeilen verschwunden, wenn es um Filz, Nepotismus und Korruption geht. Nun sorgen diejenigen selber für Aufsehen, welche die Zustände im Weltfussballverband stets angeprangert haben: Die Politiker/innen. Geradezu unhaltbare Zustände sind um den Österreichischen Bundeskanzler Sebastian Kurz bekannt geworden. Deutsche Politiker werden fast täglich als üble Parasiten des Volkes entlarvt, weil sie im Zusammenhang mit der Bekämpfung der Pandemie unglaubliche Profite gescheffelt haben. Sich als Diener des Volkes an diesem zu bereichern ist mehr als unschön. Schlimm treiben es die Genossinnen und Genossen, die sich stet auf der moralisch «richtigen» Seite fühlen, in der Schweiz. Kurz vor Ostern kündigte die linke und vor allem stets klassenkämpferisch agierende SP-Bundesrätin Simonetta Sommaruga, an, dass die Landesregierung ihren Klassenkampf-Kollegen, den Berufs-Politiker der SP, Christian Levrat, zum Präsidenten des Verwaltungsrates der staatlichen Post ernannt habe. Dieser Job ist einer der lukrativsten Aufgaben im staatlichen Unternehmertum der Schweiz. Von Unternehmensführung oder Betriebswirtschaft hat der Freiburger, der nun ein Millionen-Salär kassieren wird, keine Ahnung. So auch die strippenziehende Ministerin ohne relevante, berufliche «Basics» nicht. Ihre berufliche Höchstleistung, bevor sie sich an den ebenfalls äusserst lukrativen Regierungs-Tropf hängen konnte, war das Klavierspiel, das sie während kurzer Zeit der musisch veranlagten Jugend beibrachte. Umso gewiefter hat sie nun die Ernennung ihres Partei-Genossen Christian Levrat zum Post-Oberen regelrecht orchestriert und damit die nicht gerade als clever geltende Landesregierung düpiert. Bürgerliche heulen nun wegen dieses in Polit-Bern Tatsache gewordenen Filzes auf. Doch das alles wird nichts nützen. Die Linken werden die Krise auch weiterhin ausnützen, um den Klassenkampf zu ihren Gunsten zu entscheiden. Aktuell liesse sich folgendes Fazit ziehen: Die Pandemie hat den Kommunismus, nicht nur in der Schweiz, wohl um 50 Jahre vorangebracht. Nicht nur in punkto bedingungsloses Grundeinkommen.

Das alles ist natürlich kein «Bashing» von bürgerlicher Seite. Doch geht es vielmehr um das Predigen von Wasser und das Trinken von Wein. Stichwort FIFA: Seit Jahren kommt insbesondere von linker Seit nicht nur beissende Kritik an den Zuständen in der FIFA. Es wird alles versucht, diese Organisation bzw. die von ihr angeblich verkörperten Negativa, wie eben Filz, Nepotismus und Korruption, unmöglich zu machen; teils allerdings zu Recht. Offenbar haben die Linken aber das «FIFA-Prinzip» nun selber verinnerlicht. Nicht nur die Krise macht’s möglich. Sie macht zudem viele Menschen noch dreister als sie es zuvor schon waren.

Gewinner und Verlierer in der Krise

Home of FIFA, Zürich, © Ed Coyle

(causasportnews / red. / 27. März 2021) Das war sogar für die stramm bürgerliche und wirtschafts-freundliche «Neue Zürcher Zeitung» (NZZ) zuviel: Im «Corona»-Jahr vermeldete der Welt-Fussballverband FIFA einen Verlust von über 700 Millionen Dollar; das sei zwar in der Krise verständlich. Das fürstliche Salär des FIFA-Präsidenten Gianni Infantino von satten drei Millionen Schweizer Franken sind für das Blatt von der Zürcher Falkenstrasse jedoch zumindest unverständlich. Eine etwas mutigere Einschätzung wäre wohl gewesen: Das geht gar nicht! Schliesslich präsidiert der 51jährige Waliser immerhin einen idealen, nicht-wirtschaftlichen Zwecken verpflichtenden Verband nach schweizerischem Vereinsrecht. Das Salär des FIFA-Präsidenten bildete bei seinem Amtsantritt 2016 ein Haupt-Diskussions- und Streitpunkt. Seit Gianni Infantino das damals in den Raum gestellte Salär von zwei Millionen pro Jahr als Geringschätzung seiner Person und seiner Arbeit bezeichnet hat, ist sein eh nicht berauschender Beliebtheitsgrad nicht mehr aus dem Keller gekommen. Zwischenzeitlich hat der Verband die Arbeit des Funktionärs, um dessen Leistungsausweis nach fünfjähriger Präsidialzeit eigentlich niemand so richtig weiss, aber doch honoriert und entrichtet dem Walliser aus Brig ein für einen nicht wirtschaftlich ausgerichteten Sportverband horrendes Salär von offiziell drei Millionen Schweizer Franken – Krise hin oder her. Auch die längst aus der Öffentlichkeit verschwundene Generalsekretärin Fatma Samoura streicht für ihre unsichtbare Aktivität im Weltfussball jährlich weit über eine Million Schweizer Franken ein. Was in der Finanzindustrie gang und gäbe ist, geziemt sich offenbar auch für den Weltverband mit Sitz in der Schweiz.

Die Verluste, welche die FIFA derzeit einfährt, sind darauf zurückzuführen, dass zahlreiche Wettbewerbe und Turniere abgesagt oder verschoben werden mussten. Spiele ohne Zuschauer bringen zwar (zufolge der TV-Vermarktung) Geld, aber ohne Zuschauer leidet die Ticketingbranche ebenso wie der Hospitality-Bereich oder das Marketingbusiness. Nachdem nun bekannt geworden ist, dass der Vorgänger von Gianni Infantino, Joseph Blatter, sowie der ehemalige Generalsekretär, Jérôme Valcke, von der FIFA-Ethikkommission u.a. mit je einer Million Franken gebüsst worden sind, wird gemunkelt, dass die FIFA auf diesem Wege versuche, die schrumpfenden Erträge zu kompensieren. Wird noch die im vergangenen Jahr ausgefällte Busse von einer Million Schweizer Franken gegenüber dem ehemaligen FIFA-Finanzchef, Dr. Markus Kattner, hinzugezählt, reichen diese Bussen von insgesamt drei Millionen Schweizer Franken wenigstens aus, um den Präsidenten während eines Jahres durchzufinanzieren. Allerdings werden diese ausgefällten Geldstrafen kaum einbringlich gemacht werden können. Keiner der gebüssten, ehemaligen Fussball-Protagonisten wird insbesondere diese pekuniäre Schmach auf sich sitzen lassen. Schon aus juristischen Gründen sind die ausgefällten Bussen kaum zu halten, nicht nur weil sie unverhältnismässig hoch sind. Vor allem die Busse und die ebenfalls verhängte Fussball-Sperre von fast sieben Jahren gegen den 85jährigen Joseph Blatter kommen in der Öffentlichkeit nicht gut an und werden vor allem als unfaires «Nachtreten» des aktuellen FIFA-Präsidenten und seinen Claqueuren qualifiziert. Auch das geht nicht: Dass ein betagter, ehemaliger Funktionär auf diese Weise drangsaliert wird, ist für die Massen ein «no go», auch wenn Joseph Blatter Verfehlungen begangen haben sollte und während seiner Präsidentschaft zweifelsfrei nicht immer alles richtig gemacht hat. Aktuell ist er, obwohl der FIFA-Jurisdiktion und dem Verband längst entrückt, wegen Vorteilsannahme, Interessenkonflikten und Illoyalitäten vom FIFA-Organ «Ethikkommission» sanktioniert und eben für mehrere Jahre gesperrt und mit einer Million Franken gebüsst worden. Drei Ethik-Richter aus Griechenland, den Vereinigten Arabischen Emiraten und aus Belgien haben den wohl untauglichen Versuch unternommen, auf diese Weise mit harter Hand Schweizerisches Vereinsrecht anzuwenden. Die Gallier Asterix und Obelix würden die Vorkommnisse auf dem FIFA-Hügel wohl knapp und knackig werten: «Die spinnen, die FIFA-Funktionäre».

Brig und Visp: Positiv Trennendes und negativ Gemeinschaftliches

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(causasportnews / red. / 4. März 2021) Als der derzeitige Präsident des Weltfussballverbandes FIFA, Gianni Infantino, vor ziemlich genau fünf Jahren eher überraschend an die FIFA-Spitze geschwemmt worden war (der Vorgänger Joseph Blatter wurde sanktionsrechtlich aus dem Präsidentschafts-Rennen genommen, und der heisseste Anwärter auf den Thron im Weltfussball, Michel Platini, stolperte im letzten Moment über andere Hindernisse), machte bald einmal folgende Denksportfrage die Runde: «Was unterscheidet den neuen FIFA-Präsidenten vom abgetretenen Joseph Blatter?»- Antwort: Gianni Infantino stammt aus Brig, Joseph Blatter aus Visp. Die beiden Dörfer im Kanton Wallis, unweit des Matterhorns, liegen ca. zehn Kilometer auseinander. Wie hat es der Sohn italienischer Einwanderer geschafft, sich innert kürzester Zeit ein derartiges, alles andere als positives Image zuzulegen, dass eben zwischen den beiden Wallisern offenbar nur dieser Unterschied signifikant scheint?

Joseph Blatter hat zweifelsfrei während seiner 18 Präsidialjahre nicht alles richtig gemacht; er hat aber auch nicht nur falsch agiert. Gianni Infantino aus Brig trat in die Fussstapfen seines Nachbarn aus Visp und handelte sich seit Beginn der Präsidentschaft Negativ-Reaktionen zuhauf ein, obwohl er bestrebt war, alles besser zu machen als sein Vorgänger an der FIFA-Spitze. 2016, nach dem abrupten, erzwungenen Abgang von Joseph Blatter ins Amt gehievt, agierte er zu Beginn derart unglücklich, dass die (öffentliche) Meinung über ihn rasch gemacht war. Seine Äusserungen und das Lamentieren über den mikrigen Lohn von zwei Millionen Schweizer Franken im Jahr brachen ihm imagemässig das Genick; ein Genickbruch ist in der Regel irreparabel.

In der Tat haben die beiden «Alpha-Tiere» mehr gemeinsam als sie Unterschiede aufweisen; der Unterschied zwischen Brig und Visp ist relativiert zu betrachten. Wie Joseph Blatter ist Gianni Infantino beseelt, im Fussball eine Mission zu erfüllen. Er ist im Stile der 13 Apostel (Joseph Blatter inbegriffen) unterwegs. Nicht auszuschliessen ist, dass Gianni Infantino mit seinen 51 Jahren schon in Richtung Friedens-Nobelpreis schielt; ein Ziel, das Joseph Blatter beinahe erreicht hätte. Weil derzeit an eine intensive Reisetätigkeit zu den Fussball-Schäfchen, wie sie etwa auch Papst Johannes Paul I. in seinem Segment geradezu zelebrierte, nicht zu denken ist (vielsagendes Motto: «Die FIFA zurück zum Fussball, der Fussball zurück zur FIFA»), hat der aktuelle FIFA-Präsident Zeit, etwas gegen das schlechte Image zu tun. So empfängt er in dieser entschleunigten «Corona»-Zeit selektiv Journalisten, die den «wahren FIFA-Präsidenten» kennen lernen sollen. Auch sind sie gehalten, der Welt mitzuteilen, dass dem Walliser aus Brig das gelungen ist, was der andere Walliser aus Visp offenbar nicht geschafft haben soll: Nämlich mit Korruption, Nepotismus und Verschwendung im Fussball aufzuräumen. Einigermassen erstaunlich ist, dass gerade das sonst FIFA-kritische deutsche Nachrichtenmagazin «Der Spiegel» in der aktuellen Nummer (9/2021 vom 27. Februar 2021) den besseren Walliser aus Brig porträtieren darf – selbstverständlich unter Ausklammerung heikler Themenbereiche, wie Fragen von Entschädigungen und Aufwendungen für die permanenten Reisetätigkeiten von Gianni Infantino mit Cortège. Und dabei wird manifest, dass es zwischen den beiden Fussball-Freaks mit einem Hang zum Idealismus doch mehr positiv Trennendes als negativ Gemeinschaftliches gibt. So isst der aktuelle FIFA-Präsident am Morgen im Büro ein ausgiebiges Frühstücks-Birchermüesli und am Mittag etwas Währschaftes in einer nahen Pizzeria. Das wird dann als volksnahes Präsidentenleben dargestellt. Bei Joseph Blatter begann der Tag offenbar jeweils mit einem Champagner-Frühstück. Welch’ vorbildliche Wendung auf dem «Zürichberg»: Dort, wo im Home of FIFA unter Joseph Blatter teure Weine lagerten, trainiert Gianni Infantino heute auf einem «Stepper». Lebte der 85jährige Joseph Blatter während seiner Zeit als FIFA-Präsident tendenziell in der Gegenwart und in der Zukunft, umgibt sich Romantiker Gianni Infantino mit Fussball-Legenden und zieht mit diesen um die Welt. Es wird nun alles gut, und die Bedeutung des Frauenfussballs wird dank den bilateralen Kontakten von Gianni Infantino + Legenden Überhand nehmen, was die Fussballwelt gut zu finden hat. Wenn nur die Schwierigkeiten mit den Schweizer Strafverfolgungsbehörden nicht wären. Diese stehen der Verleihung des Friedens-Nobelpreises an den Doppelbürger aus Brig einstweilen noch im Wege. Gianni Infantino wird auch das schaffen und so für einen weiteren, markanten Unterschied zu Vorgänger Joseph Blatter sorgen. Auf dass Brig und Visp definitiv nicht mehr die relevantesten Abgrenzungskriterien bezüglich der beiden Präsidentschaften bilden werden.

Weltfussballverband will Spieleragenten an die kurze Leine nehmen

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(causasportnews / red. / 23. Februar 2021) Seit der organisierte Fussball zum Business für viele wurde, ist er vor allem den Verbänden, insbesondere dem Weltfussballverband FIFA, ein Dorn im Auge. Nicht alle Fussballtransfers werfen zwar für die involvierten Agenten teils horrende Beträge ab, aber diese Vermittler und Berater, wie sie gemeinhin auch genannt werden, haben den Ruf, sich am Fussball oft geradezu dreist und rücksichtslos zu bereichern. So sieht es zumindest die FIFA, welche den Kampf gegen die Agenten seit Jahrzehnten auf besondere Weise führt: Mit Regularien, welche diese «Parasiten des Fussballs» (Verbandsterminus) in ihren Begehrlichkeiten und Möglichkeiten einschränken sollen. Zwar sind die Berater und Vermittler im Fussball-Business nicht mehr wegzudenken, und kaum ein transferwilliger Fussballspieler setzt sich mit einem neuen, potentiellen Arbeitgeber (Klub) alleine an den Verhandlungstisch. Obwohl die Agenten für die FIFA eine «quantité négliegeable» darstellen, sind sie verpönt, weil ihre Honorare und Entschädigungen dem Geldkreislauf des organisierten Fussballs entzogen werden. Es kommt noch hinzu, dass Spieler zwar einen Agenten z.B. mit Transferverhandlungen beauftragen, dieser dann aber vom übernahmewilligen Klub entschädigt wird (oder gleich auch noch vom abgebenden Klub) – und nicht vom Spieler (als Auftraggeber).

Seit Jahrzehnten versucht die FIFA, das Spieleragentengewerbe unter Kontrolle zu bekommen; der Verband hat aber längst eingesehen, dass dieser florierende Wirtschaftszweig, in dem jährlich Milliarden umgesetzt werden, im Moment nicht zu eliminieren ist. Wieder einmal wird der Entwurf zu einem (neun) Fussballagenten-Reglement diskutiert. Eine Kommission unter dem Vorsitz des FIFA-Präsidenten hat einen entsprechenden Vorschlag in die Vernehmlassung geschickt. Ohne auf Inhaltliches einzugehen, lässt ich zu diesem neusten Anti-Agenten-Projekt der FIFA grundsätzlich sagen: Es wird einmal mehr ein «Papiertiger» werden! Generell ist nämlich festzuhalten, dass die Regulierung eines Gewerbes durch einen privaten Verein (die FIFA ist ein Verein gemäss Art. 60 ff. des Schweizerischen Zivilgesetzbuches) nicht greifen kann. Vor allem sind die Agenten dem Regelwerk und allfälligen Sanktionen durch den Weltfussballverband nicht unterworfen. So wird denn von der FIFA-Zentrale in Zürich aus versucht, den Druck auf die Spieleragenten über die den FIFA-Satzungen Unterstellte zu erzeugen, nämlich über die Fussballspieler und die Klubs. Dass es auch bei dieser aktuellen Auflage der erneuten Revision einer Spieleragentenreglung zu einem «Hornberger Schiessen» kommen wird, ist evident. 2002 hat die FIFA juristische Morgenluft gewittert, als die Deutsche Stephanie Jungheim in ihrer Dissertion zum Schluss gekommen war, die FIFA (als privater) Verein sei zur weltweiten Reglung des Spieleragenten-Geschäftes befugt (Stephanie Jungheim, Berufsregelungen des Weltfussballverbandes für Spielervermittler, Verlag Duncker & Humblot, Berlin, 2002). Die engagierte Autorin sah sich in der Folge weitgehend widerlegt, von Wissenschaftlern, nationalen und internationalen Gerichten, von Kartellbehörden, von der EU-Kommission, usw. Dass die FIFA diesen Markt reguliert, bzw. diesen (erneut) regulieren will, ist nichts weiter als eine originelle Theorie. Dass dabei die beiden Vertragstypen Spielervermittlung und Spielermanagement vermischt werden, ist nur eine Randnotiz wert (hierzu insbesondere immer noch Urs Scherrer, Sportlervermittlung & Sportlermanagement, Verlag Stämpfli, Bern, 2003).

Es braucht keine hellseherischen Fähigkeiten, um das Scheitern auch der neusten FIFA-Reform zur Regulierung, Eindämmung und zielgerichteten Eliminierung des Agentengewerbes im Fussball zu prognostizieren. Dass ein Agent anlässlich eines Fussballer-Transfers gerade mal 50 Millionen Schweizer Franken verdient (wie der Berater Mino Raiola anlässlich des Klubwechsels von Paul Pogba von Juventus Turin zu Manchester United) mag zwar eigenartig berühren, wird aber auch künftig durch Verbandsvorgaben nicht zu verhindern sein. Sowenig, wie Super-Profite von Managern und Unternehmern der Vergangenheit angehören werden. Auch die Spielersaläre stehen immer wieder zur Diskussion. Der Sturm darüber, dass Lionel Messi in Barcelona derzeit pro Tag über 200 000 Euro verdient, wie kürzlich bekannt wurde, entpuppte sich letztlich als laues Protest-Lüftchen.