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Prozessniederlagen für FIFA / Gianni Infantino, für den FC Sion / Christian Constantin und für Paul Estermann

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(causasportnews / red. / 18. Januar 2023) Derzeit hagelt es Gerichtsentscheide in teils brisanten Vorgängen im Sport: Der Weltfussballverband mit Gianni Infantino als Präsident an der Spitze verliert einen prestige-trächtigen Arbeitsrechts-Fall gegen den ehemaligen Generalsekretär und Finanzchef, Dr. Markus Kattner, am Zürcher Obergericht; der FC Sion mit dem streitbaren Präsidenten Christian Constantin taucht am Bezirksgericht Martigny gegen den ehemaligen Trainer und aktuellen Nationalcoach Murat Yakin, und der Springreiter Paul Estermann wird offenbar demnächst wegen mehrfacher, vorsätzlicher Tierquälerei rechtskräftig verurteilt sein (bis dann gilt für ihn die Unschuldsvermutung). In den beiden Vorgängen aus dem Fussball dürfte es bis zur rechtskräftigen Erledigung noch eine gewisse Zeit dauern: Gegen den Beschluss des Obergerichts Zürich hat die FIFA in der Forderungssache von Markus Kattner am Bundesgericht Beschwerde eingereicht; in der Angelegenheit des FC Sion (Olympique des Alpes SA) scheint es so sicher wie das Amen in der Kirche, dass Christian Constantin diese besondere Schmach einer Prozessniederlage nicht auf sich sitzen lassen wird.

«Causa Markus Kattner / FIFA»: Seit der fristlosen Entlassung des damaligen Generalsekretärs und Finanzchefs durch die FIFA 2016 liefern sich die beiden Parteien einen erbitterten Rechtsstreit. Es geht dabei darum, ob die Entlassung der Nummer 2 der FIFA damals zu Recht oder Zu Unrecht erfolgte. Zur Rechtfertigung der sofortigen Trennung machte die FIFA teils krude Gründe geltend; die gerichtliche Auseinandersetzung wird teils als persönlicher Rachefeldzug des amtierenden FIFA-Präsidenten, Gianni Infantino, angesehen. Nachdem das Arbeitsgericht Zürich Jahre brauchte, um festzustellen, dass die FIFA Gründe gehabt hätte, um das Arbeitsvertragsverhältnis mit Markus Kattner per sofort und gerechtfertigterweise zu beenden, drehte das Zürcher Obergericht den Entscheid und wies den Fall zur Festlegung der Folgen der nicht-gerechtfertigten Entlassung an das Arbeitsgericht Zürich zurück. Dieser Rückweisungsbeschluss der zweiten Zürcher Instanz wurde nun vom Weltfussballverband mit Beschwerde an das Bundesgericht gezogen, wo der Vorgang seit einigen Wochen pendent ist. Die Chancen der FIFA, den Rückweisungsbeschluss des Obergerichts Zürich noch abzuwenden, werden als eher gering angesehen. In diesem Fall der ungerechtfertigt erfolgten Entlassung müsste dann das Arbeitsgericht die (finanziellen) Folgen der ungerechtfertigten Entlassung des heute 52jährigen Markus Kattner festlegen. Es geht dabei um eine Entschädigung in der Höhe von rund zehn Millionen Schweizer Franken. Affaire à suivre also.

«Causa Murat Yakin / FC Sion»: Im Moment scheint der Präsident des FC Sion, Christian Constantin, vom juristischen Fortune verlassen worden zu sein. Auf die Gerichte in «seinem» Kanton kann er sich jedenfalls offenbar nicht mehr verlassen. Vor ein paar Tagen wurde bekannt, dass der 66jährige Unternehmer in den Fussangeln eines steuerlichen Sponsoring-Tricks hängen geblieben ist (vgl. causasportnews vom 16. Januar 2023). Nun ging vor Weihnachten des letzten Jahres beim FC Sion (Olympique des Alpes SA) knüppeldicke Gerichts-Post im Entlassungsfall Murat Yakin ein. Der aktuelle Nationaltrainer wurde als Klubtrainer des FC Sion 2019 nach einem Zerwürfnis mit dem Klub-Präsidenten regelrecht unmöglich gemacht, was sich der Trainer nicht gefallen liess. Er beendigte den Trainervertrag per sofort und aus wichtigen Gründen. Das Vorliegen dieser Gründe wurden vom Klub bestritten. Das Bezirksgericht Martigny folgte jedoch den Argumenten von Murat Yakin. Im Gerichtsurteil wird u.a. von einem damals «bösartigen Klima» im Klub gesprochen. Die Folgen dieser aus der Sicht des damaligen Klub-Trainers gerechtfertigten, ausserordentlichen Vertragsbeendigung sind für den FC Sion finanziell einschneidend und bedeuten eine Schmach vor allem für Christian Constantin. Der Klub muss Murat Yakin fast 1,2 Millionen Schweizer Franken bezahlen. Diese frohe Botschaft erreichte den 48jährigen Nationalcoach Ende Dezember, nur ein paar Tage, nachdem die Schweizer Nationalmannschaft an der WM-Endrunde in Katar nicht gerade brilliert hatte und mit einer Kanterniederlage gegen Portugal (1:6) aus dem WM-Endrunden-Turnier flog. Das Urteil des Bezirksgerichts Martigny ist noch nicht rechtskräftig. Affaire à suivre also auch hier.

Wohl strafrechtlich erledigt dürfte hingegen die «Causa Paul Estermann» sein. In diesem unappetitlichen Fall von Tierquälerei hat sich der bald 60jährige Springreiter offenbar mit der Verurteilung abgefunden und will das letzte Urteil des Kantonsgerichts Luzern von Ende 2022 gemäss aktuellen Verlautbarungen nicht mehr an das Bundesgericht weiterziehen (vgl. insbesondere auch causasportnews vom 21. Dezember 2020, vom 22. Januar 2021 und vom 23. Juni 2021). Vom Schweizerischen Verband für Pferdesport (SVPS) soll der Reiter nun umgehend vorläufig gesperrt werden. Bis zum Entscheid einer definitiv verhängten Sperre (Vereinsstrafe) dürfte es dann allerdings noch einige Zeit dauern.

Wer oder was stoppt den «Präsidenten peinlich»?

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(causasportnews / red. / 5. Januar 2023) Seit seinem denkwürdigen Auftritt anlässlich der Fussball-WM-Endrunde 2022 zur persönlichen Gefühlslage ist FIFA-Präsident Gianni Infantino zum weltweiten Gespött geworden (vgl. auch causasportnews vom 18. Dezember 2022), à la Andreas Möller, ebenfalls eine allerdings erst 55jährige Fussball-Legende («Vom Feeling her hatte ich ein gutes Gefühl»). Seit der Offenlegung seiner Gefühlsstruktur in Katar gilt der oberste Repräsentant des Weltfussball-Verbandes als «Präsident peinlich». Nach dem Tod der brasilianischen Ikone Pelé ist es allerdings erwiesen, dass es noch peinlicher gehen kann. Nur Stunden nach dem Tod der Fussball-Legende eilte Gianni Infantino an die Aufbahrungs-Stätte in Brasilien und nahm vor Ort Abschied von dem im Alter von 82 Jahren verstorbenen Fussball-Sonderkönner und dreimaligem Weltmeister. Dazu muss vermerkt werden: Seit dem Amtsantritt von Gianni Infantino als FIFA-Präsident setzt er marketinggerecht auf Fussball-Legenden, frei nach dem Motto: «Die Fussball-Zukunft gehört der Jugend und den Frauen». Allerdings kommen dem FIFA-Oberen nach und nach die Fussball-Legenden abhanden, zuletzt eben Pelé. Diese Umstände animierten den 52jährigen Walliser, der sich grundsätzlich als Italiener fühlt, offensichtlich, neben dem Leichnam Pelés Selfies zu machen! Was offenbar Bilder für die Ewigkeit werden sollten, mutierten eben zur aktuellsten Peinlichkeit des FIFA-Präsidenten, der pietätlos und unempathisch mit diesen Selfies wohl Pelés und seine eigene Unsterblichkeit dokumentieren wollte.

Diese neuste Gefühls-Entgleisung des FIFA-Präsidenten wirft verschiedene Fragen auf: Einmal, ob Gianni Infantino für den Welt-Fussballverband nicht verstärkt zum Reputationsrisiko wird und als Grossverdiener für diese Institution, einem Verein nach Schweizerischem Recht mit ideeller Zweckausrichtung, überhaupt noch tragbar ist (gemunkelt wird, Gianni Infantino generiere derzeit ein Jahresgehalt von fast 5 Millionen Schweizer Franken). In der Tat wäre dies, sollte dem so sein, ein gigantisches Salär im Rahmen eines ideell ausgerichteten, globalen Sportverbandes. Hierzu drängt sich ein Blick in die FIFA-Statuten auf. Art. 35 der FIFA-Verfassung sieht explizit vor, dass der Präsident ein positives Image der FIFA zu verbreiten hat; mit seinen Aktionen in Katar und in Brasilien ist dies Gianni Infantino wohl fast gelungen. Etwas unverbindlicher heisst es in der zitierten Statuten-Bestimmung: Er (der Präsident) «vertritt die FIFA im Allgemeinen». Darunter lassen sich zweifelsfrei auch Entgleisungen aller Art subsumieren. Schon aufgrund der Statuten und Regularien des Weltverbandes ist offensichtlich klar, dass niemand und nichts diesen «Präsidenten peinlich» stoppen kann.

Nach der WM-Endrunde ist vor der WM-Endrunde

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(causasportnews / red. / 22. Dezember 2022) Es ist im Nationalmannschafts-Fussball wie sonst im Sport im Allgemeinen: Nach der Fussball-WM-Endrunde in Katar schaut die (Fussball-)Welt auf ein durchwegs positives Sport-Event im Wüstenstaat zurück, blickt aber nun vor allem in die Zukunft. In Richtung USA, Mexiko und Kanada; in diesen drei Ländern wird die Fussball-WM-Endrunde 2026 ausgetragen werden. Nach der WM ist immer vor der WM.

Es ist nicht davon auszugehen, dass die Ausrichter-Länder der WM-Endrunde, 2026 erstmals mit 48 Nationalmannschaften (in Katar waren es 32), was fast ein Viertel aller FIFA-Mitgliedsverbände (211) ausmacht, nun in die Kritik geraten, wie dies bei Katar seit dem Vergabeevent im Dezember 2010 der Fall war. Die USA 2026 – das war ein Vergabeentscheid, der es (politisch) in sich hatte, gleichsam eine Hommage an die Vereinigten Staaten, welche die Wahl Katars 2010 nicht verdaut hatten. Die Todesstrafe in den USA, Rassendiskriminierungen sowie Grenzbauprojekte gegenüber dem Mit-Ausrichter Mexiko sind nichts Neues; die Gefahr, dass Donald Trump zusammen mit FIFA-Präsident Gianni Infantino im Juni 2026 die WM-Endrunde eröffnen wird, ist relativ gering, weil dann wohl nur der FIFA-Präsident im Amt sein wird (causasportnews vom 18. Dezember 2022). Bis jetzt ist von Empörung vor allem aus Europa wegen der Austragung der WM-Endrunde in den USA und den dort herrschenden Missständen nichts zu hören und nichts zu spüren. Das kann sich ja nun ändern, weil das Feindbild Katar definitiv ausgedient hat; wird es aber wohl nicht.

Von Wichtigkeit ist es trotzdem und auf jeden Fall, dass sich der Fussball in den Schlagzeilen hält, auch nach Katar 2022 und vor den USA, Mexiko und Kanada 2026. Dafür sorgt aktuell der FIFA-Präsident, der sich anlässlich der Pokalübergabe-Zeremonie an Weltmeister Argentinien hartnäckig im Vordergrund und im Fernsehbild hielt. Er und sein Freund, der Emir, konnten vor dem weltweiten TV-Publikum die Hände von Superstar Lionel Messi nicht lassen und zerrten ihn vor der Pokalübergabe herum, obwohl es dieser auch ohne Hilfe von Gianni Infantino und von Katars Emir geschafft hatte, Argentinien zum Weltmeistertitel zu führen. Wenigstens gelang es dem Duo Infantino/Emir, dem irritierten Argentinier im Wüstenstaat in skurriler Weise den WM-Mantel («Bischt») umzuhängen – ein Akt wider mehrere FIFA-Regeln; aber was soll’s. Nun versucht sich der FIFA-Präsident nur wenige Tage nach dem Abschluss der WM-Endrunde in Katar sport-politisch in den Schlagzeilen zu halten. Aber auch dieser Versuch hat sich bis jetzt als relativ untauglich erwiesen. «Präsident peinlich», wie er vor allem in Deutschland genannt wird, reiht Misstritt an Misstritt. Die Vorweihnachtszeit in den christlichen Ländern ist auch geradezu prädestiniert, um Unfug aller Art zu verbreiten. So will Gianni Infantino wieder einmal den WM-Zyklus verringern. WM-Endrunde nun alle zwei oder als Kompromiss (gegenüber Europa) alle drei Jahre? Mehr WM = mehr Erträge. So einfach wie unrealistisch ist diese Rechnung des FIFA-Oberhauptes. Aufgebläht wird auch die Klub-Weltmeisterschaft. 32 Klub-Mannschaften werden künftig diesen Wettbewerb bestreiten, obwohl dieses Turnier der besten und auserwählten Klubs auf der Welt noch nie in das FIFA-Sport-Konglomerat gepasst hat (die FIFA ist traditionell für Nationalmannschafts-Wettbewerbe zuständig). Mehr Spiele = mehr Erträge. Mehr Erträge = mehr Mittel, auch für die 211 Nationalverbände der FIFA, welche jeweils alle vier Jahre den Präsidenten des Weltverbandes wählen – und das möglichst lange, solange sich der schnöde Mammon über die «FIFA-Familie» regnen lässt. Allmählich gerät Gianni Infantino unter Zugzwang. Seit er 2016 zum FIFA-Präsidenten gewählt worden ist, hat er einige Aktivitäten im Fussball entfaltet, doch etwas Zählbares kann er bis heute nicht vorweisen. Was im Moment um den FIFA-Präsidenten geschieht, ereignet sich immer auf diese Art und Weise wohl auch künftig und traditionell alle vier Jahre nach einer WM-Endrunde. Das war schon unter Joseph Blatter so. Eben, nach der WM-Endrunde ist vor der WM-Endrunde.

Die definitive Ankunft des (Fussball-)Sports im globalen Öko-System

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(causasportnews / red. / 19. Dezember 2022) Das war sie also, die Fussball-WM-Endrunde in Katar. Was mit einem auch ausserhalb des Sportes speziellen Turnier in der Wüste begann, wurde am Finaltag zum absoluten Sport-Knaller der letzten Jahrzehnte. Kaum je war ein Fussballspiel in jeglicher Hinsicht derart herausragend wie die Finalissima zwischen Argentinien und Frankreich. Das Endspiel war der Abschluss einer grossen Party während rund eines Monats, zu der viele nicht hingehen wollten und dann doch gingen – und sich teils gezwungenermassen frühzeitig wieder verabschiedeten (Deutschland, die Schweiz, England, Spanien, Portugal, usw. Italien umging den moralischen Elchtest aus sportlichen Gründen). Hingehen, obwohl man nicht wollte. Auch im Sport ist Inkonsequenz ebenso erlaubt wie Scheinheiligkeit und das Setzen von Moralspritzen, wie die Endlos-Diskussionen von in Katar Beteiligten und Nicht-Beteiligten belegten. Am Schluss, am Finaltag, ging es nur noch um den Sport; und das war gut so. Und wie! Die Superlativen bezüglich der Qualität des Finalspiels überschlagen sich zu Recht. Was wäre gewesen, wenn sich Argentinien zum Weltmeister gemogelt hätte? Nein, Lionel Messi & Co. zeigten, dass ein Fussballspiel die höchste Potenz sportlicher Qualität erreichen kann, wenn man nur will; und wenn man es kann. Besser geht Fussball kaum mehr. War das so etwas wie Gerechtigkeit, die Katar und dem Weltfussball widerfahren ist, was sich in Doha zum Schluss der WM-Endrunde 2022 ereignet hat? Letztlich zählt eben doch der Sport, und an einer Fussball-WM-Endrunde soll letztlich der Sport prävalieren, obwohl in Katar unübersehbar war, dass die Fussball-Marketingmaschinerie den schlagenden Beweis erbracht hat: Der organisierte Sport auf diesem Niveau ist vollumfänglich im globalen Öko-System angekommen.

Fussball, Fernsehen, Flaschenbier – das war einmal die Trias der modernen Sportvermarktung. Heute ist der Fussball global geworden, und Europa ist auch nicht mehr der Fussball-«Nabel» der Welt. Die Globalität prägt den Sport, ebenso bilden die Wirtschaft und die Medien aller Art Pfeiler des globalen Sport-Establishments. In Katar setzte sich diese neu aufgestellte Trilogie im organisierten Sport durch.

Nun steht der neue Weltmeister fest. Mittelmass und Peinlichkeiten ereigneten sich lediglich nach dem Elfmeterschiessen, in dem der Weltmeister ermittelt wurde, als es endlos dauerte, bis Argentinien mit dem herausragenden Lionel Messi die Trophäe in die Höhe stemmen konnte. Die WM-Pokalübergabe war seit jeher insbesondere die Inszenierungsplattform des jeweils amtierenden FIFA-Präsidenten. Aktuell durfte sich der Walliser Gianni Infantino in Szene setzen. Er war Hauptverantwortlicher für die zähflüssige, sich mühsam dahinziehende Siegerehrung, da sich der FIFA-Herrscher, wie ein Deutscher Kommentator meinte, einfach nicht aus dem Bild drängen lassen wollte. Bis der Emir von Katar und Gianni Infantino den Pokal (zusammen!) den neuen Weltmeistern überreichten, mussten die Fussballanhängerinnen und -anhänger im Stadion und auf der ganzen Welt endlos warten. Ein geradezu peinliche FIFA-Choreographie wurde, je länger sie dauerte, zum Ärgernis. Die geschlagenen Franzosen wurden auf einem Fussball-Laufsteg regelrecht vorgeführt, der bemitleidenswert Kylian Mbappé als ausgezeichneter Spieler öffentlich regelrecht gegrillt und Funktionärs-Kitsch killten zwischenzeitlich die tolle Stimmung im Stadion. In einem dümmlichen Harry Potter-Mäntelchen musste dann Lionel Messi, allerdings erst nach der Pokalübergabe, als zum Fussball-Messias gewordenen Neo-Weltmeister auftreten; nichts war der FIFA zu einfältig, um sich in und bei Katar anzubiedern.

Nach dem grandiosen Fussballfest war diese Präsidenten- und FIFA-Selbstinszenierung auch ein Beweis dafür, dass der Weltverband mit seinen Funktionärs-Apparatschiks aus vergangenen Sport-Zeiten die Interdependenzen im modernen Sports noch nicht verstanden haben. Nämlich, was sich aus dem globalisierten Fussball herausholen liesse, nicht nur mit Blick auf die moderne Fussball-Trilogie. «Football, for the game, for the world, for the future», lautete vor Jahren ähnlich ein Slogan des Weltfussballverbandes. Und jetzt?

P-Verlängerung für Gianni Infantino?

Home of FIFA, Zürich, © Ed Coyle

(causasportnews / red. / 18. Dezember 2022) Zuerst fühlte er sich gemäss seinem skurrilen Auftritt in Katar unter anderem als Homosexueller, nun befasst sich der 52jährige Gianni Infantino mit der Zukunft, vor allem mit seiner eigenen, die für ihn nur heissen kann: «Wie lange bleibe ich noch FIFA-Präsident»?.- Möglichst lange natürlich. Mit der Länge ist es in vielerlei Hinsicht halt so eine Sache, auch mit der Länge der Präsidentschaft im Welt-Fussballverband. Drei Amtsperioden oder 3 x 4 Jahre darf der allseits ungeliebte Walliser als FIFA-Präsident (Kürzel «P» genannt) amten. So sehen es die FIFA-Statuten vor, die unter dem Vorgänger von Gianni Infantino, Joseph Blatter, gleichsam als Instrumentarium gegen das Sesselklebertum im Fussball-Verbandswesen, eingeführt worden ist. Gianni Infantino gehörte damals zu den treibenden Kräften, um die Präsidentschaft von Joseph Blatter zeitlich nicht ausufern zu lassen. Nach 17 Jahren FIFA-Präsidentschaft wurde der Vorgänger von Gianni Infantino regelrecht aus Amt und Würde gejagt. Es erbte eben Gianni Infantino. Männiglich ging davon aus, dass der aktuelle FIFA-Präsident bei der Wahl im kommenden Jahr letztmals für vier Jahre zum FIFA-Präsidenten gewählt würde. Wie von Insidern erwartet, würde Gianni Infantino alles unternehmen, um diese Amtszeitbeschränkung zu umgehen. Vermutet wurde, dass er die für ihn hindernde Statutenbestimmung bald einmal kippen lassen würde (causasportnews vom 28. November 2022). Nun versucht es der gelernte Anwalt mit einem juristischen «Bubentrick», wie er vor dem WM-Endspiel der nicht wahnsinnig erstaunten Fussballwelt und seinen Fussball-Kollegen mitteilte: Weil er 2016 lediglich das Amt von Joseph Blatter übernommen habe, befinde er sich nun in der ersten Amtsperiode (und nicht schon in der zweiten), was bedeute, dass seine dritte Amtsdauer dann bis 2031 dauern würde. Diese selbstverständlich nicht als Drohung zu verstehende Ankündigung wird vor allem in den Nationalverbänden, welche den Präsidenten jeweils zu wählen haben, keine grossen Wellen werfen. Gianni Infantino versucht permanent, den zu verteilenden «Fussball-Kuchen» grösser, lukrativer, zu machen, und bei den Verbänden zählt letztlich das, was auf deren Konti fliesst. Also gibt es keine Gründe, dem durchwegs bizarr auftretenden FIFA-Präsidenten aus dem Wallis künftig die Gefolgschaft zu verweigern oder sogar einen Gegenkandidaten in Stellung zu bringen. Wie kündigte und bekräftigte es Gianni Infantino doch in Doha? Mehr Teilnehmer an der WM-Endrunde, eine Aufblähung der Klub-Weltmeisterschaft, Schaffung einer FIFA World Series (ein alle zwei Jahre stattfindendes Mini-Turnier mit Teams aus unterschiedlichen Kontinenten); also mehr Spiele = mehr Erlöse aus der Vermarktung, also mehr Geld, das an die Nationalverbände verteilt werden kann. So funktioniert heute das Prinzip Fussball auf höchster Ebene. Zum Wohle des Sportes und vor allem zum Wohle der Funktionäre, die bestrebt sind, möglichst lange an den Fussball-Honigtöpfen zu kleben.

“…and the winner is …Katar”

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(causasportnewsw / red. / 12. Dezember 2022) So, wie in der Überschrift wiedergegeben, verkündete der damalige FIFA-Präsident Joseph Blatter am 2. Dezember 2010 das Resultat der Fussball-WM-Endrundenvergabe 2022 an Katar. Er tat dies leicht angesäuert, denn die USA, die nun in vier Jahren (mit Kanada und Mexiko) zum Zuge kommen, sollten das Turnier ausrichten; doch Katar grätschte dazwischen. Auch sonst sass der Vergabe-Schock tief, so tief, dass in den letzten zwölf Jahren niemand das Vergabe-Steuer noch herumreissen konnte und wollte (vgl. dazu auch causasportnews vom 11. November 2022). Vor allem dank der Hilfe Frankreichs, an der Spitze mit der ehemaligen Fussball-Ikone Michel Platini, nahm der Siegeszug Katars global und in Europa seinen Anfang. Katar gewann 2010 die Vergabe, und wird nun auch auf den Spielfeldern im Wüstenstaat zum Sieger. Zwar nicht gerade, was die Aktivitäten der Mannschaft Katars auf dem Spielfeld anbelangt, aber Katar wird als globaler Sieger der WM-Endrunde hervorgehen. Wer derzeit auf die Franzosen als alte und neue Weltmeister tippt, könnte goldrichtig liegen. In jedem Fall steht ein Freund Katars im Endspiel: Frankreich oder Marokko; ohne die seit Jahren praktizierte Unterstützung Frankreichs durch Katar wäre der französische Fussball wohl nicht derart herausragend. Apropos Marokko: Der Aussenseiter beschert Afrika und dem arabischen Raum vor dem Halbfinale ein unvorstellbares Glücks- und Bestätigungsgefühl. Nur in den Ländern, in denen es in Vergessenheit geraten zu sein scheint, dass Erfolg und Wohlstand vor allem durch Arbeit und/oder dank Bodenschätzen zu realisieren sind, werden die Wunden der missglückten WM-Expeditionen nach Katar geleckt.

Zum Beispiel in Deutschland: Die Deutschen machten keinen Hehl daraus, in Katar Weltmeister werden zu wollen. Der Abstecher in die Wüste misslang, und retrospektiv ist die Erkenntnis gereift, dass das, was gewollt und beabsichtigt war, eine «mission impossible» war (so der aktuelle «Spiegel» mit übergrossen Buchstaben). Wie hoffnungslos sich die Aufarbeitung der Tatsache gewordenen Verhältnisse in Deutschland präsentiert, belegt der Umstand, dass die Ursache am Scheitern Deutschlands immer noch vor allem in der «One Love»-Binde gesucht und gefunden wird. Dabei ist im Sport klar, dass solche Umwertungen aller Werte nur möglich sind, wenn die sportliche Leistung stimmt. Diese stimmt aktuell nur dann, wenn die Verschiebung der Machtverhältnisse im globalen Sport erkannt und anerkannt wird. Diese begann in punkto Katar akut an jenem 2. Dezember 2010, als es hiess: «an the winner is… Katar». Dass es auch im Rahmen der laufenden WM-Endrunde so bleiben wird, ist ein nicht mehr zu erschütterndes Faktum. Erkannt worden ist in Deutschland nun offensichtlich, dass die angestrebte, westliche Werteverschiebung in Richtung Katar und bezüglich des arabischen Raums gescheitert ist. Da hilft wohl nur noch eine Alternativbetätigung, sagte sich wohl Torhüter-Legende Manuel Neuer, der allerdings soeben auch im Skisport scheiterte. Wie sagten es die Marokkaner: «Unsere Erfolge sind die Frucht harter Arbeit». Ein zentraler Satz in einer Gesellschaft, welche Arbeit immer mehr als Sakrileg auffasst.

Zum Beispiel in der Schweiz: Auch die vom qualifizierten Sozialismus unterwanderte Gesellschaft in der Schweiz erlebte in Katar eine Enttäuschung. Dass Erfolge nur dann möglich ist, wenn man sich mit Akribie auf ein Ziel vorbereitet und dieses entsprechend anstrebt, steht ausser Diskussion. Obwohl die Schweiz so unnötig wie kläglich an Portugal gescheitert ist, beherrscht immer noch ein Thema die Diskussionen um die Schweizer Nationalmannschaft: Wie soll mit den gegenseitigen, unnötigen und dummen Provokationen im Zuge des Spiels Schweiz gegen Serbien (3:2) umgegangen werden? Im Moment beansprucht eine im Kosovo lebende Feministin Sicherheitsschutz, weil sie die Geste des Schweizer Captains Granit Xhaka (er fasste sich provokativ in den Schritt) öffentlich verurteilt hat. Auch die Schweiz hat nun im Zuge unüberwundener, ethnischer Konflikte auf und ausserhalb des Sportplatzes ihre «Binden»-Frage: Soll Granit Xhaka wegen seiner Unbeherrschtheit mit politischen Dimensionen weiterhin die Captain-Binde tragen dürfen oder nicht?- Auch das ist Vergangenheitsbewältigung, wenn auch keine zielführende; vgl. die sportlichen Ergebnisse.

Allenthalben wissen es nur die «Fussball-Götter», wie sich die Dinge im Sport oder nun eben in Katar entwickeln (können). Da half allerdings beim Englischen Trainer Gareth Southgate auch der Glaube, den er vor dem Frankreich-Spiel beschworen hatte, nicht mehr weiter (und der Fussball-Schutzpatron Luigi Scrosoppi war offensichtlich ebenfalls eher angetan vom Spiel der Franzosen; causasportnews vom 2. November 2022), als Harry Kane, der sonst todsichere Penalty-Schütze, den zweiten, zugesprochenen Elfmeter im Spiel gegen Frankreich in den Wüsten-Nachthimmel in Katar schlenzte. Sogar FIFA-Präsident Gianni Infantino dürfte sich nun auch noch «ungläubig», jedoch kaum unglücklich gefühlt haben.

Somit steht vor dem Finalspiel der Fussball-WM-Endrunde am 18. Dezember 2022 fest: The winner ist Katar! Da helfen auch letzte Nadelstiche aus dem untergegangenen Europa nicht mehr. Der Kontinent im Würgegriff des Überhand nehmenden Sozialismus’ reklamiert soeben einen neuen Skandal, diesmal um die EU-Parlamentsabgeordnete Eva Kaili. Geld soll sie von Katar bekommen und genommen haben. Ein Vorgang, der in der Schweiz und in Deutschland als simpler «Lobbyismus» bezeichnet wird, im Zusammenhang mit Katar jedoch unter den Begriff «Korruption» fällt. Dumm nur, dass eine Sozialistin von diesem «Skandal» (Weltpresse) betroffen ist; immerhin geben diese Kollektivisten vor, was moralisch und was unmoralisch ist und welche Werteordnung gut zu sein hat…

WM-Endrunde Katar: Schuld ist (fast) immer der Trainer

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(causasportnews / red. 7. Dezember 2022) Da soll noch jemand behaupten, die Fussball-WM-Endrunde in Katar sei langweilig! Es ist das Turnier der Überraschungen, Dramen und Enttäuschungen; die Proteste gegen Katar und die FIFA sind längst versiegt. Sie ist jetzt auch die WM-Endrunde, in der Europa nicht mehr der unbestrittene Nabel der Fussballwelt darstellt; was Fussball-Globalisierung genannt wird, die mit dem Austragungsort in der Wüste von Katar ihren Anfang genommen hat. Letztlich ist es auch die Endrunde der Trainer (nein, Trainerinnen gibt es keine), die, wenn es nicht läuft oder die Erwartungen von wem auch immer nicht erfüllt werden, (fast) immer die Schuldigen sind.

Zum Beispiel Hans-Dieter «Hansi» Flick: Der Deutsche Trainer hat seine Unschuld verloren, als er zu stark in Opportunismus machte, zum Verbandsfunktionär mutierte und zum nationalen Interessenvertreter etwa des FC Bayern-München wurde sowie letztlich das Wunschdenken den Realitäten unterzuordnen begann. Deutschland zerbrach letztlich an Japan, als die «Deutsche Nationalmannschaft» die von DFB-Management-Direktor Oliver Bierhoff verordnete Gehirnwäsche, welche die Nationalmannschaft zur «Mannschaft» werden liess, über sich ergehen liess und zur Fussball-Makulatur wurde. Nach dem Ausscheiden Deutschlands aus dem Turnier in Katar wurde die Schuld, wie (fast) immer, beim Trainer gesucht und gefunden. Hansi Flick zu entlassen geht natürlich im Moment politisch nicht, da der Kurzzeit-Bundestrainer in dieser Phase nicht geopfert werden kann. Der Volks-Zorn wurde jedoch mit der überfälligen Absetzung von Oliver Bierhoff beschwichtigt, der Mann, der in den letzten Jahren wesentlichen Anteil an den Irrungen und Wirrungen im Deutschen Nationalmannschafts-Fussball hatte.

Zum Beispiel Murat Yakin: Der Schweizer Nationaltrainer genoss bis zum Abschluss der Gruppenspiele viel Kredit und machte (fast) alles richtig. Im Achtelfinale gegen Portugal kam es allerdings knüppeldick. Der ehemalige Top-Spieler vergeigte mit Organisations- und Coaching-Fehlern das Spiel gegen Portugal. Die Schweizer wollten nach dem Spiel gegen Serbien, bei dem sie offensichtlich alles für Sonderleistungen erforderliche Adrenalin ausgeschüttet hatten, die Fussball-Sterne vom Himmel holen und landeten krachend auf dem Fussballboden der Realitäten. Murat Yakin musste als Trainer-Novize eineinhalb Lehrstunden von seinem Portugiesischen Kollegen Fernando Santos über sich ergehen lassen, bis klar war, dass er gegen diesen Gegner, der sich im Achtelfinale gegen die Schweiz mit Cristiano Ronaldo den teuersten Bankdrücker der Welt leistete, nicht nur keine Chance hatte, sondern regelrecht deklassiert wurde. Die Schweizer spielten letztlich schlicht und ergreifend minimal, die Portugiesen maximal. Es war in Katar ein Freudentag für Portugal, zumal Spanien nach der Niederlage gegen Marokko Nordafrika in kollektive Ekstase versetzte. Schuld an dieser Niederlage war nicht einmal Spaniens Trainer Luis Enrique, der nach dem Ausscheiden natürlich dennoch unter Druck geriet. Primär für dieses Debakel verantwortlich waren vielmehr die Spieler selber.

Wo gewonnen wird, haben in der Regel die Trainer alles richtig gemacht, wo Niederlagen zu verkraften sind, gehört der Trainer (fast) immer zu den Schuldigen. Die Schuldzuweisungen sind im Fussball jedenfalls nie so einfach wie etwa in der Oper oder in der Operette, zum Beispiel in der «Fledermaus», wo es keine Zweifel gab, dass an allem nur der Champagner Schuld war…

Nach den Gruppenspielen in Katar: Fussball ist eben doch mehr als «ding»

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(causasportnews / red. / 4. Dezember 2022) Noch 16 Mannschaften bleiben nach den Gruppenspielen an der WM-Endrunde in Katar im Turnier; die besten 16 der Welt machen nun den WM-Titel 2022 unter sich aus. Wer es werden wird, steht derzeit nicht im Vordergrund. Die Spiele in den acht Gruppen hatten es in sich und rückten die Diskussionen um den Austragungsort Katar endlich in den Hintergrund. In diesem von Moral triefenden, wichtigsten Sportevent in diesem Jahr war das Tragen oder Nicht-Tragen der «Regenbogen-Binde» spätestens kein Thema mehr, als der mehrfache Weltmeister Deutschland krachend aus dem Turnier flog und, wie 2018, die Gruppenphase nicht überstand. Nun herrscht in Deutschland Heulen und Zähneknirschen, und die «Grande Nation» im Norden macht in Trauerbewältigung, wobei es sogar dem Leader dieser Sparte, dem rührigen Verfechter von Moral und Gutmenschentum im «Schloss Bellevue», Frank-Walter Steinmeier, die Sprache verschlagen hat; gar nicht zu sprechen vom hilflosen Bundeskanzler Olaf Scholz, der nur noch «Baustellen» anderer Art um sich sieht. Das war unter Angela Merkel schon noch anders. Ihr Engagement endete jeweils auch nicht vor der Kabinentüre.

Somit bietet die Empörungsgesellschaft, die sich für einmal in Schockstarre befindet, wenn das Nationalgut Nummer 1 vom Untergang bedroht ist, alles. Was, wenn ein derartiges, sportliches Debakel aufgearbeitet werden muss – und vor allem durch wen?, Das ist nun die Frage. Eine schwierige Situation also, vor allem deshalb, weil die Fakten (das WM-Aus) dem Wunschdenken (wir sind die Besten) diametral gegenüberstehen. Somit heisst es nun für’s Erste: Wer trägt Schuld? Klar, die Spieler hätten vielleicht mehr gekonnt – aber sie haben spielerisch mit ihren Mitteln die aktuelle Fussballrealitäten bestätigt. Klar, der Trainer, der nun in den Augen der 80 Millionen Bundestrainerinnen und -trainer in Deutschland alles falsch gemacht hat. Klar, der nicht gerade als intellektueller Höhenflieger bekannte Manager der Mannschaft, die nun wieder «Nationalmannschaft» heisst. Klar, der Präsident aus dem Amateur-Fussball, der den modernen Professional-Fussball nur aus den Medien kennt. Klar, die Funktionärs-Seilschaften im Deutschen Fussball, die den Interessen der Fussball-Hochburg aus München fast alles unterordnen. Klar, eine Bundesliga mit ausländischer Beteiligung (auch aus der Schweiz), bei der die zentrale Frage ist, mit wieviel Punkten Vorsprung der FC Bayern-München wieder nationaler Fussballmeister wird, usw. Also ist Frustbewältigung angesagt, die sich in Deutschland mit den Mitteln der modernen Empörungsgesellschaft manifestiert. Die Spieler, die in Katar in Einsatz waren, werden beschimpft und niedergemacht, unglaubliche Flegeleien erleben dank sozialer Netzwerke, deren Niveau so stark abgesunken ist, dass sie sich neben dem Fertigmachertum eines revitalisierten, flegelhaften Dieter Bohlen und anderer dümmlicher Komödiantinnen und Komödianten in schlechtester Gesellschaft befindet. Nicht besser ist es um die mehr oder weniger konventionellen Medien als immer noch beachtete Sprachrohre der modernen Empörungs- und Moralistengesellschaft bestellt. «Zu schlecht, zu lieb, zu blöd», titelt etwa «Bild», die Zeitung mit den grossen Buchstaben und dem geringen Sachverstand; der Anstand bleibt natürlich ausgeklammert. Das Elend von Katar wird in perfider Art personifiziert und gefordert, wer nun «weg» muss – vor allem gewisse Spieler, der Trainer, der Manager, der DFB-Präsident – und wer kommen muss – gewisse Spieler, ein Trainer als eierlegende Wollmilchsau, andere Funktionäre, und wohl auch andere Gegner in künftigen, internationalen Turnieren und Wettbewerben der Nationalmannschaften. Nur noch peinlich und unempathisch machten die Fernseh-Moderatorinnen und -Moderatoren ihrer Enttäuschung Luft. Die Frage des Abends, zehn Minuten nach dem WM-Aus an Hansi Flick: «Haben Sie eine Zukunft als Bundestrainer?». Und so weiter.

Von Fussball, und wie er allenfalls besser, also erfolgreicher werden könnte, spricht in dieser Hexenjagd auf die Schuldigen am WM-Aus Deutschlands nach den Gruppenspielen niemand. Vielleicht würde es sich lohnen, sich wieder einmal der Worte von Trainer-Legende Giovanni Trapattoni, der es einst richtig dachte, zu erinnern: «Im Fussball gibt es nicht nur ‘ding’; Fussball ist ‘ding, dang, dong’». Der Auftritt der Deutschen in Katar war eben nur «ding». Ein Trost für die gebeutelte Fussballnation bildet die Schweiz (ein in den Augen der Deutschen merkwürdiges Bergvolk mit acht Millionen Bewohnerinnen und Bewohnern), welche nach heldenhaftem Kampf gegen die mehr als unbequemen Serben die Achtelfinal-Qualifikation schafften. Das war eben «ding, dang, dong», was die kleinen und kleingeredeten Eidgenossen in der Wüste ablieferten. Derweil freut sich Japan nach den glanzvollen Leistungen der eigenen Mannschaft, nämlich diszipliniert, respektvoll, würdig und anständig. Die Japaner, welche in Katar den Deutschen den Turnier-Todesstoss versetzt haben, verhalten sich allerdings auch nach Niederlagen so. Von ihnen könnte das morsche und entartete Europa lernen, nicht nur im Fussball.

Gianni Infantino – der Fussball-Messias wieder unter uns

(causasportnews / red. / 28. November 2022) Seit seiner Wahl zum FIFA-Präsidenten im Jahr 2016 ist der Walliser Gianni Infantino dieser Welt entrückt, lebt in einer Parallelwelt und umkreist unseren Planeten in verschiedenen Sphären. Von der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen, bedient er sich an den Honigtöpfen des Weltfussballs und manifestiert so irdisch-menschliche Züge; sonst ist er aber weitgehend kein Individuum dieser Welt. Seine «Projekte», die er in verschiedenster Art dem Planeten Erde verkündet, was zuweilen auch als Drohungen zu verstehen sind, müssen als Rohrkrepierer ohne Umsetzungschancen bezeichnet werden; oder es sind einfach Lebenszeichen aus dem Universum. Nun ist er zurück auf dieser Welt, und wie! Nachdem die Empörungsgesellschaft seit dem Beginn der Fussball-WM-Endrunde in Katar den Ausrichterstaat geradezu basht (der Ball rollt nun trotzdem), ist seit ein paar Tagen Gianni Infantino ins Fadenkreuz der medialen Schriftgelehrten und Pharisäer geraten. Seit seiner kruden Rede, welche seinen Wohlfühlzustand illustrieren sollte, ist Gianni Infantino zum Gespött der Welt geworden. Hätte er es doch so gehandhabt wie mehrheitlich bis zum WM-Endrunden-Auftakt in Katar: Si tacuisses… (hättest Du doch geschwiegen!). Der 52jährige Walliser aus Brig ist sogar zum Feindbild (fast) aller geworden. «Vom Briger Bub zum Bösewicht», titeln etwa die Zeitungen und gelangen zur Konklusion, dass der aktuelle FIFA-Präsident nicht besser sei als sein Vorgänger im Amt, der aus Visp stammende Joseph Blatter. Mit derartigen Qualifikationen wird man allerdings beiden Personen nicht gerecht, denn insbesondere hat Joseph Blatter für den Welt-Fussball auch Enormes geleistet und bewegt. Das kann von Gianni Infantino nicht gerade behauptet werden, doch er hat nun noch fünf Jahre Zeit, um seine Erfolgsbilanz aufzupolieren. Gemäss FIFA-Statuten soll der Briger 2027 abtreten. Doch die Meinungen gehen eher dahin, dass es Gianni Infantino schaffen wird, diese Alters-Guillotine in der Verfassung des Weltverbandes auszuhebeln. Wie würde es Joseph Blatter in Anlehnung an den Messias sagen: «Meine Mission ist noch nicht beendet». Will wohl besagen, dass zumindest die Grundsatzphilosophie der beiden Walliser in etwa die gleiche ist und unter Gianni Infantino gleich bleiben wird. Beide haben die Bedeutung des Fussball-Ökosystems erkannt: Man mache den «Fussball-Kuchen grösser und lasse alle (Nationalverbände = Präsidentenmacher) noch mehr am Erlös des «Kuchenverkaufs» teilhaben; das stimmt mehr als fröhlich. Apropos Joseph Blatter und Gianni Infantino: Derzeit wird vor allem am FIFA-Hauptsitz in Zürich darüber befunden, was den Mann aus Visp (Joseph Blatter) vom Emporkömmling aus Brig (Gianni Infantino) unterscheidet. Der eine komme aus Visp, der andere aus Brig…

Der FIFA-Präsident wird so rasch nicht in den Himmel, wo er her kommt, zurückkehren, auch wenn er sagt, man könne ihn kreuzigen; dafür sei er da. Typisch Messias halt. Im Moment erfüllt er eine wichtige Mission, man solle ihn kritisieren, nicht Katar, nimmt er die Last der umstrittenen WM-Vergabe auf sich. Dabei ist allerdings klar: Er hat gar nichts gemacht! Der Englische «Guardian» bringt es wohl auf den Punkt, wenn er meldet: «Hier ist er: Fussball-Jesus. Seht, denn er wandelt unter uns.». Wie wahr, denn zwischenzeitlich hat sich auch die Diskussion um den Wohnsitz des FIFA-Präsidenten entschleunigt. Gianni Infantino ist, wie nun eindeutig belegt ist, nie in Katar wohnhaft gewesen (wie dies die Medien seit Monaten kolportieren) und ist es auch jetzt nicht. Der FIFA-Präsident ist lediglich vom steuergünstigen Küsnacht ZH ins noch steuergünstigere Zug übersiedelt, wo sein Jahressalär von rund vier Millionen Franken selbstverständlich, jedoch favorisiert, besteuert wird. Kreuzigt also den FIFA-Präsidenten! Wofür jedoch? Aber das hatten wir doch schon alles einmal.

Und endlich rollt der Ball…

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(causasportnews / red. / 21. November 2022) Nun hat sie also begonnen, die Fussball-WM-Endrunde 2022 in Katar. Es ist so etwas wie die Reinkarnation des Bösen, die am 2. Dezember 2010, als die WM-Endrunden an Russland (2018) und eben an Katar (2022) im FIFA-Hauptquartier in Zürich vergeben wurden, ihren Anfang genommen hat und sich nun die düsteren Prophezeiungen im Wüstenstaat erfüllen. Russland vor mehr als vier Jahren war selbstverständlich kein Problem, die WM-Endrunde war «die Beste aller Zeiten» (so sagte es der FIFA-Präsident damals zu seinem Freund Wladimir Putin); die Schergen im Kreml hatten die Krim 2014 lediglich elegant annektiert und auch sonst mit ihren menschenfreundlichen Aktivitäten rund um den Globus nicht viel Unfug in der Welt angerichtet. Aber nun Katar – das menschgewordene Feindbild der übrigen Welt! Was seit 12 Jahren bekannt ist und beschlossen wurde (und längst hätte korrigiert werden können: vgl. etwa causasportnews vom 11. November 2022), hat kurz vor dem Eröffnungsspiel und ein paar Wochen vorher zunehmend Argumente für die Empörungs- und Moralistengesellschaft abgegeben. Vor allem die modernen Schriftgelehrten (Journalistinnen und Journalisten) und Pharisäer auf der ganzen Welt können sich seit einiger Zeit kaum mehr erholen und triefen vor Selbstgerechtigkeit und moralisieren in unerträglicher Weise gegen den Wüstenstaat und diesen Teil der arabischen Welt. Fussball in Katar – geht gar nicht; das Geld der Katari einheimsen (nicht nur in Frankreich) – geht; um Energieressourcen betteln, wie insbesondere die Deutsche Regierung in Katar – geht; sich verlustieren im arabischen Luxus – geht; Urlaub in Dubai und Katar machen – geht; mit Blattgold überzogene Steaks essen wie Franck Ribéry in Dubai – geht natürlich; im Reichtum in Doha mitschwelgen – geht auch; nur Fussball soll nicht gehen.
Was nicht mehr abzuwenden ist, muss angenommen werden. So einfach ist das. Also wird jetzt in Katar Fussball gespielt. Man wünscht sich das Pharisäertum und die Doppelmoral um die WM-Endrunde in Katar nun einfach weg. So muss für den FIFA-Präsidenten Gianni Infantino sogar Verständnis aufgebracht werden, wenn er sich wegen des mundialen Trommelfeuers gegen Katar enerviert. Bei einem solchen Fait accompli, wie wir es derzeit haben, bleibt in Gottes Namen nur noch die Gefühlsebene. Da ist der FIFA-Präsident nahe zu Lothar Matthäus gerückt, der die Welt einmal wissen liess, dass er vom Feeling her ein gutes Gefühl habe. Gianni Infantino hat es wohl richtig gedacht, als er sich kurz vor dem Katar-Event den Balanceakt mit den Gefühlen wagte und sich gemäss seinen Worten sogar als Homosexueller fühlte. Bizarr findet die Weltpresse, seien die Artikulationen des obersten Fussballers gewesen, Zweifel an der geistigen Fitness des Nachfolgers von Joseph Blatter auf dem FIFA-Thron wurden geäussert. Loriot hätte jedenfalls seine helle Freude am bemitleidenswerten Schweiz-Einwanderer aus Italien gehabt. Dass dem 52jährigen Walliser das ewige Genörgel der modernen Schriftgelehrten und Pharisäer (die aktuell perpetuieren, was der andere Matthäus in seinem Evangelium festhielt) um den Austragungsort Katar zuviel wurde, ist irgendwie verständlich. Nicht gut kommt es in der Empörungs- und Neidgesellschaft an, wenn an sich Evidentes von einem eh schon umstrittenen und unbeliebten Fussball-Präsidenten mit fliegenbeinschwacher Artikulation verbreitet wird.
Doch nun rollt der Ball – und nicht nur die Sport-Welt wird sich während vier Wochen mit dem abfinden (müssen), was unabänderlich ist, jedoch durchaus hätte abwenden können – auch nach dem Vergabeentscheid am 2. Dezember 2010 in Zürich. On verra. Eines hat das Gerangel um den WM-Endrunden-Austragungsort bewiesen und das ist ein Gütesiegel für diese Sportart: Der Fussball ist wohl das Wichtigste auf dem in letzter Zeit arg durchgeschüttelten Planeten.