Archiv für den Monat Juni 2022

Unglück auf Erden, Glück im Himmel?

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(causasportnews / red. / 29. Juni 2022) Mit dem Jenseits ist es so eine Sache. Signifikant ist es bekanntlich mit den Ehen, die im Himmel geschlossen, jedoch auf Erden gelebt werden. Diese Erfahrung, wenn auch auf einer etwas anderen Ebene, machte der ehemalige, katholische Pfarrer in Küssnacht am Rigi (von 2009 bis 2018). Von Gläubigen seiner Gemeinde erbettelte der Gottesmann mehrere Millionen Franken zur Befriedigung seiner Spielsucht. Der Priester versuchte sein Glück auf Erden, weil er offenbar insofern mit seinem Glauben in Konflikt geriet, dass dieses eben umfassend nur im Jenseits zu finden sei. Der 52jährige hatte jedoch kein Glück, dann kam noch Pech dazu, wie Lothar Matthäus eine solche Situation beurteilen würde. Jedenfalls verzockte der ehemalige Küssnachter Pfarrer das Geld vorwiegend im Casino in Konstanz, insgesamt über drei Millionen Franken. Seine 70 Gläubigen und Gläubiger schauten in die Röhre und sahen vom erbettelten Geld, das vor allem beim Roulette und beim Blackjack draufgingen, nichts mehr. Das Desaster endete nun vor dem Luzerner Kriminalgericht, das den Pfarrer wegen gewerbsmässigen Betrugs, mehrfacher Urkundenfälschung und mehrfacher Veruntreuung zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren verurteilte; sechs Monate muss der Priester absitzen. Der Gottesmann, der heute in einem Kloster lebt und arbeitet und seinen Lohn weitgehend zur Tilgung der Schulden verwendet, erlebte wegen seiner Spielsucht ein riesiges Unglück auf Erden und wird nun auf Glückseligkeit im Himmel hoffen. Weil der von menschlichen Schwächen ereilte Schweizer im Ausland (in Konstanz) spielte, wären für ihn Spielsperren gemäss Schweizer Geldspielgesetz vom 29. September 2017, in Kraft getreten am 1. Januar 2019, so oder so nutzlos gewesen.

Geldspiele zum zweiten: Im Zusammenhang mit ausländischen Online-Geldspielen hat das Schweizerische Bundesgericht soeben markante, wenn auch nicht überraschende Urteile gefällt und Netzsperren in der Schweiz gegen drei ausländische Anbieter von Online-Geldspielen bestätigt. Solche Anbieter könnten sich gemäss Bundesgericht nicht auf die Wirtschaftsfreiheit berufen. Wegen der mangelhaften Aufsichtsmöglichkeiten in der Schweiz rechtfertige es sich, ausländische Geldspielanbieter nicht zuzulassen; dies sei verhältnismässig und stehe auch im Einklang mit der Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs, EuGH (Urteile des Schweizerischen Bundesgerichts vom 18. Mai 2022; 2C_336, 337, 338, 2022; Causa Sport wird auf diese Entscheidungen zurückkommen).

Alles für das Team – das Team ist alles

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(causasportnewes / red. / 27. Juni 2022) In einem halben Jahr wird die Fussball-WM-Endrunde 2022 in Katar Geschichte sein; am 18. Dezember soll der (neue oder alte) Fussball-Weltmeister erkoren werden. Derzeit ruht der aktive Fussball mehrheitlich, Zeit also, um sich dennoch mit der beliebtesten Sportart Europas zu befassen. Noch ist es zu früh für Prognosen mit Blick auf das Turnier in Katar, doch das Thema wird allmählich hochgekocht. Zum Beispiel in Deutschland, im Land des vierfachen Weltmeisters, der 2018 in Russland allerdings kläglich gescheitert ist. Deutschland ist voller Hoffnung; nach einem Bundestrainer-Wechsel sind die Weichen in Richtung WM-Erfolg unmissverständlich gestellt worden, auch wenn anerkannt wird, dass auch in den anderen Ländern, wie etwa in Frankreich, in Spanien oder in England, das Ziel Katar mit Nachdruck fokussiert wird. In den Umfeldern der Nationalmannschaften wird das Spezialistentum geradezu zelebriert, der Sport noch ein bisschen mehr verwissenschaftlicht: Spezialisten aller Art und für alle Fussball-Positionen, so neuerdings sogar Spezialisten für Spiel-Standardsituationen, sollen den Erfolg garantieren. In den Nationalmannschaften steht der Teamgedanke an erster Stelle. Elf Freunde sollen es richten, nicht elf Millionäre als Geschäftspartner in kurzen Hosen. Dass im Rahmen der aktuellen Weltlage auch Marketingstrategisches von Bedeutung ist, liegt auf der Hand. Zum Beispiel in Deutschland. In der Bezeichnung «Nationalmannschaft» steckt seit jeher das Wort «national». Doch dieses wurde seit geraumer Zeit immer mehr entwertet oder aus allen Facetten des Lebens eliminiert. Was «national» ist oder danach riecht, ist verpönt, vor allem in Deutschland. So wurde die «Deutsche Nationalmannschaft» flugs zur «Die Mannschaft»; eine Abkehr von unguten Erinnerungen an historische Erinnerungen mit Blick auf den Nationalmannschaftsfussball. Vater dieser Idee, welche auch ab und zu als «Bier-Idee» bezeichnet wird, ist der Manager der Deutschen Nationalmannschaft, Oliver Bierhoff. Nun regt sich, vielleicht auch unter dem Eindruck des Krieges, den Russland (Nation) gegen die Ukraine (Nation) führt, Widerstand, und so fordert etwa der Dortmund-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke eine formelle Umbenennung der Nationalmannschaft (wiederum) in «Deutsche Nationalmannschaft». Das nationale Element im Fussball und im Sport dürfte eine Renaissance erfahren. Nicht nur wegen der russischen Barbarei, sondern weil der Krieg eine Deglobalisierung der Welt eingeläutet hat. Wie auch immer: Ob «Die Mannschaft» oder «Deutsche Nationalmannschaft»: Im Vordergrund steht das Team als Repräsentant eines Landes, einer Nation. In Anlehnung an den Pfadfinder-Slogan: «Alle für einen, einer für alle»: «Alles für das Team – das Team ist alles».

Apropos Team: Wie wichtig der Team-Gedanke nicht nur im Sport, sondern auch im Geschäfts- und Berufsleben sein soll, jedoch natürlich nicht ist, hat die Schweiz vor ein paar Tagen erfahren. Was als Teambildungsaktion eines Medien- und Webeunternehmens geplant war, endete im individuellen Desaster. Nach einem Feuerlauf (frei nach Peter Maffay: «Über heisse Kohlen musst Du gehn») mussten über zehn Personen mit Brandverletzungen ins Spital gebracht werden. Womit wieder einmal bewiesen war, dass der Geist nicht immer über die Materie zu siegen in der Lage ist, um etwa das Beispiel mit dem Fallschirmspringer zu nennen: Auch wenn sich der Fallschirm nicht öffnet, muss man nur daran glauben, dass es dennoch gut wird. Ob die Mannschaft Deutschlands in Katar reüssieren wird, dürfte also letztlich kaum mit der Benennung des Teams zusammenhängen. Welches nationale Team in Katar den WM-Pokal 2022 abholen darf, wird weder auf der Marketingebene oder in Teambildungsevents entschieden, sondern letztlich kurz vor dem christlichen Weihnachtsfest im Lusail Iconic-Stadium bei Doha.

Jetzt wird es eng für Ex-FIFA-Generalsekretär Jérôme Valcke

Bundesstrafgericht, Bellinzona
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(causasportnews / red. / 25. Juni 2022) Es läuft etwas am Bundesstrafgericht in Bellinzona, an dem derzeit dem ehemaligen FIFA-Präsidenten Joseph Blatter und dem Ex-UEFA-Präsidenten Michel Platini der Prozess gemacht wird; am 8. Juli sollen dann in dieser Causa die Urteile verkündet werden (vgl. auch causasportnews vom 12. Juni 2022).

Rabenschwarze Wolken in der Schweizer Sonnenstube haben sich soeben über dem ehemaligen FIFA-Generalsekretär Jérôme Valcke entleert. Der 61jährige Franzose wurde in einem Berufungsprozess der passiven Bestechung und der Urkundenfälschung schuldig gesprochen und mit einer Freiheitsstrafe von 11 Monaten bedingt belegt. Vom Vorwurf der ungetreuen Geschäftsbesorgung wurde der seit dem Abgang im Weltfussballverband stellenlose Ex-Manager freigesprochen. Erstinstanzlich erfolgte die Verurteilung einzig wegen Urkundenfälschung. Gegenstand des Strafprozesses war der Verkauf von TV-Rechten. Dass Jérôme Valcke der strafrechtlichen Verurteilung nach diesem zweitinstanzlichen Urteil nun noch entkommen kann, scheint eher fraglich zu sein, oder anders: Weil ihm nur noch der Gang an das Schweizerische Bundesgericht in Lausanne bleibt, um das Blatt noch zu wenden, wird es strafrechtlich eng für den gelernten Sportrechte-Händler.

Einen Freispruch auch im Berufungsverfahren setze es für den Präsidenten des Fussballklubs Paris Saint-Germain, Nasser Al-Khelaiti, ebenfalls Vorsitzender des katarischen Medienunternehmens beIN Media Group, ab. Die Anklage gegen den 48jährigen Funktionär und Manager stand auf tönernen Füssen, und der Vorwurf der Anstiftung zu ungetreuer Geschäftsbesorgung liess sich auch im Berufungsverfahren nicht rechtsgenüglich beweisen.

Nicht nur die Sportwelt blickt nun als nächstes gespannt dem 8. Juli 2022 entgegen, wenn, ebenfalls am Bundesstrafgericht in Bellinzona, die Urteile in den Strafprozessen gegen Joseph Blatter und Michel Platini gesprochen werden sollen. Alles andere als Freisprüche wären aber wohl veritable Sensationen.

Nun ein juristischer Kampf um das FIS-Präsidium

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(causasportnews / red. / 22. Juni 2022) In den nationalen und internationalen Sportverbänden und -organisationen stehen die Präsidenten (und wenige Präsidentinnen) immer wieder im Fokus auch einer breiten Öffentlichkeit. Präsidenten gebärden sich durchwegs als Sonnenkönige und Alleinherrscher, denen die Macht so wichtig wie die Omnipräsenz auf den verschiedensten Bühnen dieser Welt. Das Präsidentenamt ebnet den Zugang zu den Honigtöpfen, die materiellen Belange sind den Präsidenten oft so wichtig wie der Lobbyismus, der die Türen zur Politik, zur Wirtschaft und Gesellschaft öffnet. Oft geht das Präsidentenamt einher mit Verflechtungen und Korruption. Nicht selten stehen Präsidenten synonym für Pleiten, Pech und Peinlichkeiten. In keinem Amt wird die Vertrottelung der obersten Chefs der Verbände und Organisationen ab und zu so manifest wie in den höchsten Ämtern im organisierten Sport. Kein Wunder, dass es bei der Besetzung von Präsidentenämtern immer wieder zu Dissonanzen, Reibereien und zu einem Hauen und Stechen kommt; wenn nicht in dieser Wahl-Phase, dann ist das Präsidentenamt stets nach dem Amtsantritt des Gewählten meist mehr als nur eine Diskussion wert. Das oben Erwähnte weist selbstverständlich keinen direkten Zusammenhang mit Johan Eliasch, dem Ende Mai gewählten Präsidenten des Internationalen Skiverbandes (FIS) mit Sitz in Oberhofen am beschaulichen Thunersee in der Schweiz, auf.

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Eigentlich weiss niemand so genau, weshalb der schwerreiche britische Geschäftsmann vielerorts in Ungnade gefallen ist. Vielleicht ist es das Problem, dass sich der 60jährige Milliardär ziemlich unabhängig gebärdet und sein Amt so ähnlich wie eine Axt im Wald versieht. Demnach dürften es die Machtgelüste und die individuell geprägte Ausübung dieser Macht sein, welche Johan Eliasch zum Buhmann des Skisports gemacht haben. Jedenfalls ist die erneute Wahl des damaligen Nachfolgers von Gian Franco Kasper (Schweiz) ein Desaster geworden. Zwar wurde der Brite mit 100 Prozent der abgegebenen Stimmen gewählt. Einen Gegenkandidaten für den Briten gab es nicht, doch das Wahlprozedere ist umgehend in die Kritik geraten. Offensichtlich war es in der geheim durchgeführte Wahl nicht möglich, mit «Nein» abzustimmen. Diese vereinsrechtliche Nuss wird nun das Internationale Sport-Schiedsgericht (TAS) in Lausanne zu knacken haben. Die Verbände Deutschlands, Österreichs und Kroatiens sowie der Schweiz haben die Wahl zwischenzeitlich angefochten. Nicht ganz ohne Hintergrund gilt der Umstand, dass der Schweizer Verbandspräsident, Urs Lehmann, damals Nachfolger des verstorbenen Gian Franco Kasper werden wollte, in der Kampfwahl gegen Johan Eliasch aber scheiterte. Der juristische Kampf um das FIS-Präsidium wird nun also in der Schweiz entschieden (das TAS urteilt als echtes Schiedsgericht an Stelle des an sich für Anfechtungsklagen, Art. 75 des Schweizerischen Zivilgesetzbuches, zuständigen ordentlichen Gerichts). Eine Erfolgsprognose bezüglich der Aussichten der Wahl-Anfechtung fällt derzeit schwer. Aufgrund der bekannten Fakten scheinen die Chancen, den ungeliebten ehemaligen CEO der Skimarke «Head» aus dem Präsidentenamt zu kippen, durchaus intakt zu sein. Da im Moment keine gegenteiligen, vorsorglichen Massnahmen erwirkt worden sind, amtet Johan Eliasch im Moment weiterhin als FIS-Präsident.

«Tour de Suisse 2022»: Ende gut, (fast) alles gut

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(causasportnews / red. / 20. Juni 2022) Noch vor wenigen Tagen war es eine reale Gefahr, dass die «Tour de Suisse 2022» nicht würde zu Ende geführt werden können. Etwa ein Drittel des Teilnehmerfeldes wurde durch das «Corona» eliminiert. Weil das Virus nicht nur unter den Fahrern wütete, sondern auch der Begleittross von ihm befallen wurde, musste das Schlimmste befürchtet werden: Ein Rennabbruch (vgl. auch causasportnews vom 19. Juni 2022). Dass es nicht soweit kam, war so unerklärlich wie der Umstand, dass die Schweizer Rundfahrt plötzlich doch noch bis zum Ende durchgezittert werden konnte. Das lag vielleicht daran, dass die «Tour de Suisse» am Wochenende im Ausland, im Fürstentum Liechtenstein, beendet wurde. Der Brite Geraint Thomas liess sich in Vaduz als sicherer Gesamtsieger feiern. Ende gut, und, trotz «Corona», (fast) alles gut, könnte ein aktuelles Fazit gezogen werden. Die im internationalen Verhältnis bescheidene Tour, die 2020 wegen «Corona» nicht durchgeführt werden konnte, ist nun nicht mehr viel mehr als Geschichte. Nicht nur die Randsport-Community hat den Fokus bereits auf das berühmteste und auch härteste Radrennen auf dem Planeten gerichtet: Auf die «Tour de France 2022», die am 1. Juli 2022 in Kopenhagen beginnen soll. Die «grande boucle» soll zum Radsport-Leckerbissen dieses Jahres werden, doch hängt das «Corona»-Damoklesschwert bedrohlich über der Tour. Die steigenden Fallzahlen in weiten Teilen Europas haben die Organisatoren der «Tour de France» dazu bewogen, die Massnahmen im Kampf gegen das Virus mit allen seinen Mutationen zu verstärken. Das Damoklesschwert «Corona» wird ab 1. Juli 2022 über dem Peloton schweben, verbunden mit der Hoffnung, dass es bis zum Ende der Tour am 24. Juli in Paris nicht plötzlich heruntersausen möge…

«Tour de Suisse» wird zur «Tour de Covid»

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(causasportnews / red. / 19. Juni 2022) Das war vorauszusehen und ist nun nicht mehr zu ignorieren: Die Schweizer Radrundfahrt «Tour de Suisse» wird von der neuen «Covid-Welle», die immer heftiger wird, überrollt. Zur Etappe am Freitag von Locarno (TI) nach Moosalp (VS) mussten gegen 30 Fahrer wegen akut gewordenen Infektionen auf eine Weiterfahrt verzichten; einige Akteure gaben wegen Magen-Darm-Beschwerden auf. «COVID-19» grassiert überdies im Tour-Tross. Von «Corona»-Kranken entlang der Strecke gar nicht zu sprechen. «COVID-19» ist zurück, und die Lage wird immer dramatischer. Diese wird zwar sonst in der Bevölkerung ignoriert (schliesslich soll die Urlaubszeit nicht durch diese Seuche negativ beeinträchtigt werden), doch die Fallzahlen sprechen für sich. Für die am Wochenende in Vaduz (Liechtenstein) zu Ende gehende «Tour de Suisse 2022» könnte es zu einem dramatischen Finale kommen, falls das Radrennen weitere Ausfälle im Teilnehmerfeld und im Begleit-Tross verzeichnen sollte. Die Rede ist sogar davon, die Rundfahrt nun nicht mehr zu Ende zu führen. Das wollen die Tour-Organisatoren selbstverständlich mit allen Mitteln verhindern und den grössten Sportanlass der Schweiz «durchzittern», wobei die Mittel insbesondere bezüglich der Bekämpfung der Seuche nicht unbedingt der Logik entsprechen. Es wird vor allem kommuniziert, es werde intensiv und ausreichend getestet; entscheidender wäre allerdings, die vorbeugenden Massnahmen zu verstärken und sich an die allgemein empfohlenen Schutzkonzepte zu halten. Aktuell haben sich nicht nur Fahrer aus dem Teilnehmerfeld wegen «Corona» verabschiedet. Das holländische Team «Jumbo Visma» musste sich wegen vier «Corona»-positiver Fahrer gleich als ganzes Team zurückziehen. So verwundert es nicht, dass bei dieser Ausgangslage die Regularität des Rennens zum Thema wird; es wird auch von einer «Farce» gesprochen. Als exogener Impakt muss derzeit mit «COVID-19»-Ansteckungen gerechnet werden, weshalb die Seuche, die sich wiederum stärker ausbreitet, im Sport als einzukalkulierender Unwegsamkeits-Faktor gewertet werden muss. Die aktuelle «Tour de Suisse» ist nur eine Sportveranstaltung, die von «COVID-19», bzw. von Mutanten, beeinflusst ist. Der Sport wird sich auch in Europa darauf einrichten müssen, dass ihn jetzt die nächste, grosse Seuchen-Welle überspült.

Alles kein «Ambush Marketing»?

„Ambush Marketing“ oder nicht? Das ist hier die Frage.

(causasportnews / red. / 14. Juni 2022) Während Jahren war das «Ambush Marketing» (auch «Assoziationsmarketing», «Trittbrettfahrermarketing», «Schmarotzer-Marketing» genannt) das alles beherrschende Thema in der Werbebranche und vor allem im Sport. Umschrieben wird dieses Phänomen als das «nicht autorisierte Verhalten eines Dritten im Hinblick auf die unentgeltliche Assoziation mit einer Veranstaltung oder einem Imageträger» (Urs Scherrer et alt., Sportrecht, Eine Begriffserläuterung, 3. Aufl., 2014, 32). Der Schmarotzer erzeugt mit seinem insbesondere werblichen Verhalten die Assoziation, z.B. Werbepartner einer Veranstaltung oder eines Sportlers zu sein – obwohl dem nicht so ist und die Plattform vom Schmarotzer unautorisiert, unentgeltlich und meist entschädigungslos benutzt wird.

Daran fühlte sich der aufmerksame Zeitungsleser kürzlich an diese unfaire Unsitte erinnert, als ganzseitige Inserate der Schweizer Bank «Credit Suisse» in den Print-Medien erschienen. In diesen Inseraten gratulierte die Bank den Männern und Frauen des FC Zürich, die Schweizer Meister 2021/22 geworden waren. Als «langjähriger Sponsor des Schweizer Frauen und Männerfussballs» freut sich die «Credit Suisse» «doppelt über den Titel beider Teams», heisst es im Gratulations-Inserat.

Es sei dabei nur folgendes angedacht: Die «Credit Suisse» hat mit dem FC Zürich, mit dem er sich in dieser Werbung solidarisiert, relativ wenig bis nichts zu tun. Insbesondere ist die Bank z.B. nicht Sponsor des Klubs. Das wird jedoch suggeriert, das heisst, die Leistungen der beiden Mannschaften des FC Zürich werden dazu benutzt, sich selber auf dieses meisterliche Niveau zu heben (und hiervon werblich zu profitieren), was natürlich im Zusammenhang mit der Grossbank besonders «schräg» erscheint. Denn gerade in der «Sonntags-Zeitung» vom 12. Juni 2022, in der sich das besagte Inserat (auch) fand (!), titelte das Medium: «Credit Suisse ist die ineffizienteste Bank Europas». In den letzten 15 Jahren ist die einstige Top-Bank vor allem durch ausländische Star-Manager regelrecht zugrunde gerichtet und ausgeplündert worden; die Aktienkurse der Bank dümpeln nun gegen O. In der Tat war dieser werbliche Auftritt der schlingernden Bank im Rahmen der Erfolge des FC Zürich dazu angetan, mehr als ein Stirnerunzeln zu bewirken. Zum einen, weil dieses Marketing, das vermutlich ein «Ambush Marketing» darstellt, falsche Assoziationen erzeugt, und sich zum andern in die heute immer wieder feststellbaren Peinlichkeiten in der Werbung einreiht. Das «Gratulieren» auf diese Weise mit dem gesuchten Effekt ist so unsinnig wie einfältig; und zudem meist, mit Hintergedanken, nur anbiedernd. Das wären noch weitere Ideen dieser Art: «Credit Suisse gratuliert Roger Federer zur Geburt weiterer Zwillinge»; «Credit Suisse gratuliert Hansi Hinterseer zur neuen Föhnfrisur»; «Credit Suisse gratuliert Beatrice Egli zur Besteigung des Matterhorns». Oder ein bisschen Politik darf es auch sein: «Credit Suisse gratuliert Olaf Scholz zur mutigen Ukraine-Politik». Die Bank profitiert wenigstens davon. Lob der Schuldigen – Tadel der Unschuldigen; das kommt in der Werbung immer gut an.

Das alles, und insbesondere das «Ambush Marketing» in der «Causa FC Zürich», sei der «Credit Suisse» nun einfach einmal unterstellt, da sich die Vermutungen zwischenzeitlich auch nicht verifizieren liessen. Die einzige, bekannte Verbindung der Bank (indirekt) zum FC Zürich besteht darin, dass die «Credit Suisse» die Namensrechte am neuen Stadion in Zürich erworben hat. Dort sollen dann einmal die beiden Zürcher Grossklubs FC Zürich und Grasshopper Club ihre Heimspiele austragen. Wohl deshalb figuriert die «Credit Suisse» im Rahmen des Auftritts des FC Zürich in der Öffentlichkeit als «Arena Partner». Was es nicht alles gibt, um zu verschleiern und dennoch davon zu profitieren…

Justizposse um Joseph Blatter und Michel Platini in der Schweizer Sonnenstube

Michel Platini darf es mit Humor nehmen: „Die Zeit vergeht, aber die Farben bleiben dieselben“…

(causasportnews / red. / 12. Juni 20022) Bereits eine gute Woche dauert der Strafprozess gegen die ehemaligen Fussball Top-Funktionäre Joseph Blatter und Michel Platini am Bundesstrafgericht in Bellinzona. Obwohl noch gute drei (Prozess-)Wochen bevorstehen, bis am 8. Juli 2022 die Urteile verkündet werden sollen, ist eines klar: Vor allem der ehemalige FIFA-Präsident Joseph Blatter sorgt für eine regelrechte Demaskierung der Schweizer Justiz, die in Bellinzona wohl einer der grössten Pleiten in ihrer Geschichte erleben wird. Eine Anklage durch eine inkompetente Behörde (Bundesanwaltschaft), ein Gericht in der Sonnenstube der Schweiz (Bundessstrafgericht), das niemand so richtig ernst nimmt, und eine Anklage, die dem ehemaligen FIFA-Präsidenten und seinem damals vorgesehenen Nachfolger im höchsten Weltfussballverbands-Amt eine perfekte Show-Bühne liefert – das ist der Stoff für diese Justizposse, die den Schweizer Steuerzahlern letztlich wohl ein paar Millionen Franken kosten wird. Nicht nur nach den ersten Prozesstagen in Bellinzona zweifelt eigentlich niemand daran, dass Joseph Blatter und Michel Platini im Juli mit überwältigenden Freisprüchen im Gepäck ihre Heimreisen antreten werden. An sich war es völlig unverständlich, dass überhaupt Anklage gegen den 86jährigen Schweizer sowie den 66jährigen Franzosen, der einst bei AS Saint-Etienne und Juventus Turin Erfolg an Erfolg reihte und 1984 mit Frankreich Fussball-Europameister wurde, erhoben wurde. Aus dem sattsam bekannten «FIFA-Komplex» rechnete sich die Anklagebehörde in diesem Fall wohl die grössten Chancen aus, auch einmal einen Prozesssieg landen zu können. Die Vorhalte gegenüber den beiden Funktionären sind in sachverhaltsmässiger Hinsicht glasklar: Die FIFA, personifiziert durch Joseph Blatter, hat Michel Platini für Beratungsleistungen, was auch immer darunter zu verstehen sein soll, zwei Millionen Franken bezahlt. Da der Rechtsgrund dieser Zahlung unklar ist, wurde nach jahrelangen Untersuchungshandlungen Anklagen wegen Vermögensdelikten und wegen Urkundenfälschung erhoben. Die Tatsache der Zahlung der FIFA an Michel Platini ist unbestritten, einzig der Grund der Zahlung bleibt bis jetzt und auch nach der ersten Prozesswoche im Dunkeln. Und wird es wohl auch bleiben. Es fehlen letztlich die Beweise, dass die beiden ehemaligen Funktionäre die ihnen vorgeworfenen Strafbestimmungen erfüllt haben. Daran, dass den angeklagten Fussball-Oldies z.B. ungetreue Geschäftsführung nachgewiesen werden könnte, glauben offenbar nicht einmal die Anklagevertreter so richtig. Auf der Bühne der Justiz inszeniert sich Joseph Blatter wohl ein letztes Mal als Show-Talent und entlarvt die Anklage gegen ihn als Rachefeldzug von wem auch immer. Bei seinen Auftritten vor Gericht führt der bejahrte Walliser, der ab und zu von gesundheitlichen Schwächen befallen wird, die Schweizer Justiz regelrecht ad absurdum. Geradezu peinlich mutet zudem etwa der Umstand an, dass ein Richter des Bundesstrafgerichts, der vorher, auch im «FIFA-Komplex», als Ermittler tätig war, nun ähnlich eines «Kronzeugen» der Anklage aufgetreten ist. Der Mann, zwischenzeitlich nach dem unrühmlichen Abgang bei der Bundesanwaltschaft nun eben Richter in Bellinzona, ist zudem in einem anderen Verfahrensteil des «FIFA-Komplexes» zwischenzeitlich selber Mit-Beschuldigter! Derartige Vorkommnisse sind letztlich das Resultat der kleinmassstäblichen Verhältnisse in der Schweiz, welche den in allen Staatsgewalten grassierenden «Filz» begünstigen.

Es dürfen nun getrost Wetten darauf abgeschlossen werden, dass die beiden ehemaligen Fussball-Funktionäre am 8. Juli 2022 freigesprochen werden und sich an satten Entschädigungen erfreuen dürfen. Die Tessiner Justizposse um Geld und Geist im Professional-Fussball wird die Ansicht im Ausland bestärken, dass die Schweiz zur «Bananenrepublik» verkommen ist, wie es der ehemalige Präsident des Deutschen Fussball-Bundes (DFB) und im Sommermärchen-Prozess freigesprochene Dr. Theo Zwanziger bei jeder sich bietenden Gelegenheit zu sagen pflegt. Recht hat er leider, und der laufende Prozess in Bellinzona wird ihn in seiner Meinung bestärken.

Trauriges und Unerfreuliches aus dem Pferdesport

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(causasportnews / red. / 8. Juni 2022) Er galt als Jockey-Legende, ritt souverän zu 5300 Siegen in seiner langen Karriere, die im Kindesalter begann und die er mit 59 Jahren, natürlich mit einem Sieg, beendete. Kürzlich verstarb der erfolgreichste Reiter in der Geschichte des Turf-Sports, Lester Piggott, in einem Genfer Spital im Alter von 86 Jahren. Der britische Gentleman-Reiter war ein sicherer Wert in seinem Metier. Wer bei den Wettanbietern das Geld gegen den unaufgeregten, fairen, aber ehrgeizigen englischen Jockey setzte, verlor dieses jeweils meistens mit Sicherheit. Lester Piggott war nicht nur ein herausragender Jockey, sondern auch ein erfolgreicher Trainer. Seine Karriere und sein Leben waren durchwegs skandalfrei; lediglich wegen Steuerhinterziehung kassierte der Ausnahmesportler dieser Sparte einmal eine kurze Gefängnisstrafe.

Im Modernen Fünfkampf sind die Folgen des Skandalritts der Deutschen Annika Schleu anlässlich der Olympischen Sommerspiele 2021 in Tokio noch nicht absehbar, vor allem mit Blick auf die Zukunft der Disziplin Reiten im Rahmen des Pentathlon. Zwar ist ein Verfahren wegen Vergehen gegen Tierschutzbestimmungen gegen die 32jährige Reiterin, welche ihr Pferd malträtiert hatte, was zu einem Aufschrei in der Öffentlichkeit führte, eingestellt worden. Doch nach dem Horror-Ritt der Fünfkämpferin in Tokio und ihrem brutalen, jedoch erfolglosen Einsatz von Gerte und Sporen geriet die Disziplin «Reiten» in diesem Kontext unter Druck. (causasportnews vom 7. November 2021). Bereits 2024 soll die Disziplin «Springreiten» durch eine «Hindernisdisziplin» (wohl durch den Schlamm und über Hindernisse) ersetzt werden. Das jedenfalls war seitens des Weltverbandes Union Internationale de Pentathlon Moderne (UIPM) zu vernehmen. Mit der Streichung des Springreitens beugt sich der Verband dem Shitstorm, der nach dem Skandalritt von Annika Schleu über den Modernen Fünfkampf fegte. So gesehen, haben ein paar Sekunden der Horror-Bilder aus Tokio genügt, um diese Sportart grundlegend zu «reformieren». Die Proteste der Athletinnen und Athleten gegen diese Neuerungen verpufften ungehört; ihnen hätte eine Reform des Springreitens genügt. Auch ohne das Reiten wird der Fünfkampf eine Randsportart bleiben, die so oder so kaum mehr ins Konzept von Olympischen Spielen passt. Gefragt sind vor allem Trendsportarten – und darunter ist der Moderne Fünfkampf zweifelsfrei nicht zu subsumieren. Der «vollständige Athlet» gemäss Idee der Olympia-Erfinder, der sich im Fünfkampf soll verwirklichen können, ist Geschichte.

News von ausserhalb der Sportstätten bezüglich grosser und kleiner Bälle

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(causasportnews / red. / 6. Juni 2022) News ausserhalb der Sportstätten in England, die indirekt mit grossen und kleinen Bällen zu tun haben oder hatten, sind derzeit bemerkenswert.

Zum einen ist es nun als definitiv zu vermelden, dass der 86jährige Berner Multimilliardär Hansjörg Wyss, der bisher mit Fussball soviel am Hut hatte wie der Deutsche Bundeskanzler Olaf Scholz mit der Aufrüstung der Bundeswehr, im Rahmen eines Finanz- und Investment-Konsortiums den berühmten Londoner Fussballklub FC Chelsea definitiv übernommen hat. Nicht ganz bedeutungslos ist diese Information insofern, als Verkäufer des Klubs der schillernde russische Oligarch Roman Abramowitsch ist. Der 55jährige (ebenfalls) Multimilliardär mit im Weiteren einem israelischen und einem portugiesischen Pass geriet ab Beginn des Überfalls Russlands auf die Ukraine am 24. Februar 2022 unter Druck, weil er zumindest in Teilbereichen dem engeren Umfeld des Russischen Diktators Wladimir Putin zugerechnet wird. Jedenfalls ist der Oligarch mit nicht ganz makellosen Ruf sein Prestige-Projekt in der berühmtesten und besten Fussball-Liga der Welt auf der Insel los – auch dank der britischen Regierung, welche zufolge der Sanktionen gegen Russland den Verkauf des FC Chelsea bewilligen musste. Das ist nun geschehen; das Konsortium um den US-Milliardär Todd Lawrence Boehly, u.a. ebenfalls ein Philanthrop wie Hansjörg Wyss, darf sich Eigentümer des Renommierklubs im Londoner Stadtteil Fulham nennen. Der erstaunliche Schweizer Hansjörg Wyss verkörpert auch die Geschichte eines Mannes, der von ganz unten kam und es sukzessive nach oben geschaffen hat. Und wohl für immer auch oben bleiben wird.

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Nach den Fussbällen ist die Welt der Milliardäre zu verlassen, und es sind die derzeitigen Niederungen eines ehemaligen Millionärs aus dem Bereich der kleineren Tennis-Bälle zu fokussieren. Dabei geht es um niemanden Geringeren als den früheren Tennis-Superstar Boris Becker, der vor etwas mehr als einem Monat, ebenfalls in London, wegen Insolvenzdelikten zu fast drei Jahren Haft verurteilt worden ist. Die Welt nahm einigermassen erstaunt zur Kenntnis, dass der Ex-Tennisspieler umgehend nach Urteilseröffnung in Haft gesetzt worden ist. Nun hat der 54jährige ehemalige Ball-Virtuose bekannt gegeben, das ausgefällte Strafurteil akzeptieren zu wollen; er wird somit wohl mehr als ein Jahr im Gefängnis wohnen statt in Luxus-Hotels. Dem «Fall Boris Becker» ist allerdings auch eine gewisse Tragik eigen: Berühmter Sportler, Millionär, das Leben eher nicht im Griff – und am Schluss ganz unten. Sogar sein Verteidiger qualifizierte ihn vor Gericht als naiv, aber unschuldig. Das sah das Gericht anderes. Da der Entscheid des Londoner Gerichts wohl auch teils politisch motiviert ist, dürfte es nicht unklug sein, die Gerichtssache nun auf sich beruhen zu lassen.

Hans Jörg Wyss (86) und Boris Becker (55), der eine neuerdings eine grosse Nummer in der Fussballwelt, der andere, der in der Welt der kleineren Filzbälle ganz oben war und nun unten angekommen ist, stehen für die Ausnahme bezüglich des vielzitierten Grundsatzes mit Bezug auf die kleinen Tennis- und die grösseren Fussbälle: «Je älter der Mann, desto kleiner der Ball». Die nächste Eskalationsstufe in dieser Sport-Trilogie wäre dann noch der Golfsport. Tiger Woods hat sich bekanntlich nach seinen sportlichen und privaten Abstürzen wieder aufgefangen.