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The Ugly Side of the Beautiful Game

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(causasportnews / red. / 14. Juli 2021) Das Ende der Fussball-Europameisterschaft 2020, ausgetragen 2021, wirkt nach dem denkwürdigen Finalspiel vom Sonntagabend in London immer noch nach. Die Welt gönnt Italien den Triumph, trauert aber mit England. Nach einer Niederlage, so, wie sie England erlitten hat, wird vor allem nach «Schuldigen» gesucht. Auf der Insel und im übrigen Europa ist zumindest einer dieser Missetäter rasch ausgemacht: Gareth Southgate, der Trainer der Engländer. Dabei hat er weder gespielt noch einen Elfmeter «verschossen». Es wird ihm jedoch angekreidet, drei blutjunge Spieler in die alles entscheidende Penalty-Schlacht geschickt zu haben. Es entspricht einer notorischen Tatsache, dass Elfmeter-Schützen erfahren, abgeklärt und nervenstark sein müssen. Gareth Southgate ignorierte diese Gesetzmässigkeit und setze im Penalty-Schiessen fatalerweise auf die «Karte Jugend». An dieser Last sind Bukayo Saka (19), Jadon Malik Sancho (21) und Marcus Rashford (23) zerbrochen und haben die Engländer statt ins Glück in den Nachthimmel Londons und sonstwohin geschossen. Mit der in der Tat schwer nachvollziehbaren, personellen Entscheidung hat der integre und faire Coach der Engländer vor allem auch diesen Jung-Spielern einen Bärendienst erwiesen und sie zu sportlichem «Kanonenfutter» gemacht. Nicht nur haben diese drei Fussball-Talente Italien den Sieg ermöglicht, sie sind nun auch Objekte von Anfeindungen übelster Art und aus allen Richtungen geworden. Dass die drei Spieler nicht weisser Hautfarbe sind, hat den Hass, der vor allem über das Netz wie Kübel über den Köpfen dieser Nationalspieler ausgeschüttet wird, geschürt oder vielleicht erst möglich gemacht. Ein Protest gegen diese Hasstiraden ist zwar wahrnehmbar, fällt aber einigermassen flau aus. Keine Reaktionen hat das Unhaltbare in Nyon, am Sitz der UEFA, und in Zürich, am Sitz der FIFA, ausgelöst. Beide Verbände pflegen zwar immer stramm zu stehen, wenn für Fairplay, Respekt und gegen Rassismus theoretisch Flagge gezeigt werden soll. Diese Aufgabe gilt aber von den Verbänden in der Regel als erfüllt, wenn entsprechende Leuchtschriften in den Stadien und Kleber auf Fussballer- und Schiedsrichter-Dresses erscheinen. Rückgrat und Mut sind bekanntlich nicht unbedingt die Charakter-Stärken von Alexander Ceferin (UEFA), Gianni Infantino (FIFA) & Konsorten. Man kann heute den ehemaligen FIFA-Präsidenten Joseph Blatter verteufeln und für alles Mögliche und Unmögliche verantwortlich machen, aber er hätte gegen diese ungebührlichen und unhaltbaren Attacken gegen die drei jungen Spieler des englischen National-Teams donnernd seine Stimme erhoben. Er hätte es dabei nicht nur bei der Feststellung bewenden lassen: «The Ugly Side of the Beautiful Game».

Doch auch diese Nachwehen des Europameisterschafts-Finals werden bald Geschichte sein. Die Welt richtet den Fokus nun nach Japan. Im Lande der aufgehenden Sonne werden in zehn Tagen die Olympischen Spiele beginnen. Wenigstens werden sie, teils gezwungenermassen, ökologisch vertretbar ausgerichtet. Weil die Wettkämpfe ohne Publikum ausgetragen werden, müssen lediglich die Athletinnen und Athleten sowie das Begleitpersonal sowie Medienschaffende aus der ganzen Welt nach Tokio geflogen und gekarrt werden. «Klimapositiv» nennt das Internationale Olympische Komitee (IOK) diese Situation im Zuge von «Corona». Die schadhaften Emissionen, die auch ohne Publikum in Tokio die Umwelt belasten, will der in Lausanne domizilierte Verein mit Pflanzungen kompensieren. 355 000 Bäume sollen demnächst in Afrika gesetzt werden. «Placebo» heisst diese Substanz, die auch keine Dopingkontrolle zu fürchten braucht.

Nach dem EM-Titelgewinn Italiens: Schafft das Elfmeter-Schiessen ab!

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(causasportnews / red. / 12. Juli 2021) Harry Kane, der bald 28jährige Captain der Engländer, brachte es nach dem Finalspiel anlässlich der Fussball-Europameisterschaft, die von Italien nach einem Penalty-Krimi gewonnen worden ist, auf den Punkt, nachdem für die Engländer der Traum zum Trauma mutierte: «Es ist das brutalste im Fussball, ein solches Spiel im Penalty-Schiessen zu verlieren.». Dabei meinte der Spieler von Tottenham Hotspur nicht etwa, Italien hätte den Sieg gestohlen – im Gegenteil: England ertrug die bittere Niederlage mit Stil und Würde – Fairplay ist in jedem Fall Sache der Sportler von der Insel und die oberste Maxime des Sports. Die (Fussball-)Welt ist sich ebenfalls einig: Italien ist verdient Europameister geworden. Doch der Erfolg der «Blauen» hing an einem dünnen Faden, und es hätte nicht viel gefehlt, und England hätte im eigenen, berühmten «Wembley»-Stadion triumphiert; über die Squadra Azzura aus dem schillerenden EU-Land. Das wäre dann für Europa, bzw. die Länder der Europäischen Union wohl eine (erneute) Klatsche gewesen. Rund ein halbes Jahr nach dem «Brexit» hätte England Europa gleich nochmals vorgeführt.

Nicht nur das Finalspiel wurde im Elfmeter-Schiessen entschieden, sondern auch einige Spiele zuvor. Deshalb ist die Frage nach dem sportlichen Wert dieser Penalty-Lotterie durchaus berechtigt. Selbstverständlich prävalieren in einem Penalty-Krimi, wie im Finalspiel erlebt, die Emotionen. Was in einem Fussballspiel an sich schon einmal nicht angeht. Ein vierwöchiges Turnier darf nicht zufällig entschieden werden, auch wenn konkret gegen den neuen Europameister Italien gar nichts einzuwenden ist – im Gegenteil. Eine Kontinentalmeisterschaft muss ausgespielt werden, zumal auch die Verlängerungen von jeweils 2 x 15 Minuten mit Blick auf das dann meist unvermeidliche Elfmeter-Schiessen von sportlich geringem Wert sind; die Mannschaften zittern sich eben in die Penalty-Lotterie. Schafft also diese Elfmeter-Schiessen in wichtigen Wettbewerben und Turnieren ab! Selbstverständlich sind Alternativen gefragt. Zurück zum «golden goal» also? Das ist eine Möglichkeit. Oder ein zweites Spiel, falls eine Partie nach 90 Minuten unentschieden endet? Das ist ebenfalls eine Möglichkeit; vielleicht aber keine ideale Variante, weil das die TV- und Übertragungsplanungen erschwert; die wirtschaftliche Kalkulierbarkeit ist das A und das O der modernen Sport-Unterhaltungsindustrie. Die Technokraten des Kontinental-Fussballverbandes UEFA werden sich mit den Fragestellungen nach dem in London zu Ende gegangenen Turnier befassen müssen. Was auch für die Schiedsrichter-Thematik gilt. Die Unparteiischen fielen im Turnier durch Fehlentscheide, Unsicherheiten und durchwegs durch wenig souveränes Agieren auf; das Finalspiel wurde vom Holländer Björn Kuipers allerdings tadellos gepfiffen. Die Problematik ist wohl (auch) auf die ausgeklügelten Überwachungstechniken (VAR, etc.) zurückzuführen. Wenn der Schiedsrichter in einem derartigen Turnier allerdings nie zum Thema wird (Fussball-Weisheit: «Der Schiedsrichter ist immer ein Thema»), läuft etwas falsch (zur «Entwertung» des Schiedsrichters und Minimierung seiner Stellung im Zuge der elektronischen Überwachungen wird sich «Causa Sport» in der nächsten Ausgabe befassen: «Causa Sport» 2/2021 erscheint am 30. August 2021; http://www.causasport.org.

In jedem Fall hat am Sonntagabend eine spannende, abwechslungsreiche, schlicht attraktive Fussball-Europameisterschaft ihren Abschluss gefunden. Während eines Monats war «Corona» wie weggeblasen. In den Fussball-Stadien wurde das Leben weitgehend wie vor der Pandemie gelebt sowie Emotionen und Gemeinschaftssinn zelebriert. Relativ volle Stadien (wie etwa am Finalabend im «Wembley» mit rund 60 000 Zuschauerinnen und Zuschauern, alle weitgehend ohne Masken und sich um Schutzkonzepte foutierend, toleriert von einer Regierung, deren Premierminister als unkontrollierbare Polit-Rakete gilt, ermöglichten eine emotionale, von Gemeinschaft geprägte Erlebniswelt. Kein europäischer Politiker (oder europäische Politikerin) stemmte sich gegen diese unbeschreibliche «Corona»-Ignoranz; das bringt auch keine Wählerstimmen. Das Publikum wurde zum Teil einer Sport-«Blase», in der sich der Fussball während eines Monats bewegte. Ein Monat ohne «Corona» also – und nun hoffentlich keine Monate der Reue danach…

Kein „Nulltoleranz“-Entscheid nach Rassismus-Ausfällen

(causasportnews / red. / 31. Oktober 2019) Es waren schlimme Szenen, die sich anlässlich des Fussball-Europameisterschafts-Qualifikationspartie in Sofia am 14. Oktober abspielten. Nicht auf dem Rasen, als das englische Nationalteam gegen Bulgarien mit 6:0 alles klar machte; ausser Rand und Band geriet das Publikum bzw. Teile davon. Affenlaute gegen dunkelhäutige Akteure und der allgegenwärtige Hitlergruss schockierten. Rassistischer ging es kaum mehr. UEFA-Präsident Aleksander Ceferin und FIFA-Präsident Gianni Infantino zeigten sich „entsetzt“ und beschworen die „Nulltoleranz“-Haltung der Verbände i.S. „Rassismus“. Nach rund zwei Wochen, als die Fussball-Karawane in einer schnelllebigen Zeit längst weiter gezogen war und fast täglich eine andere Sau durchs (mediale) Dorf getrieben wird, hat das Entsetzen nach den Vorfällen von Sofia der Vergesslichkeit Platz gemacht. Was „Nulltoleranz“ bedeutet, zeigen die kürzlich bekannt gewordenen Sanktionsentscheide gegen den Verband Bulgariens: Zwei „Geisterspiele“ und eine „Busse“ von 85 000 Euro lautet das Verdikt aus der UEFA-Zentrale in Nyon am beschaulichen Genfersee. Höhepunkt dieser vom Sanktionsgremium der UEFA umgesetzten „Nulltoleranz“-Strategie: Das zweite „Geisterspiel“ wurde zur Bewährung ausgesetzt. Gingen die Wogen unmittelbar nach den Vorfällen am 14. Oktober noch hoch, erinnert sich jetzt schon kaum mehr an die Schande von Sofia. Sie ist den Medien nur noch eine Randnotiz wert. Die nächsten Rassismus-Ausfälle kommen bestimmt.

Wetten, dass solche Urteile weder general- noch spezialpräventive Wirkung zeitigen? Soll mit der Rassismus-Bekämpfung wirklich ernst gemacht werden, dürfen solche Urteile nicht gesprochen werden. Dann lieber nichts. Da nützte es relativ wenig, dass im Zuge der Ereignisse von Sofia sowohl der Verbandspräsident als auch der Trainer von ihren Ämtern zurücktraten. Die insbesondere (verbands-)politisch motivierten Entscheide der UEFA sind eher ein Scherz denn eine Umsetzung der von den Verbandspolitikern schwatzhaft propagierten „Nulltoleranz“-Strategie, die sich auch in diesem Fall als Lippenbekenntnisse erweist. Betrüblich bei der ganzen Angelegenheit für die Präsidenten von UEFA und FIFA: So wird es auch nächstes Jahr nichts mit dem Friedens-Nobelpreis…

Und schliesslich noch eine Randbemerkung: Keine verbandsrechtlichen Folgen hatten bisher die Sympathie-Kundgebungen der beiden deutschen Nationalspieler mit türkischen Wurzeln, Ilkay Gündogan und Emre Can, für die Offensive der türkischen Armee in Syrien ebenfalls vor zwei Wochen. Seitens der FIFA und des Deutschen Fussball-Bundes (DFB) wird dieser eklatante Missbrauch des Sports wohl ausgesessen. Immerhin leben in Deutschland mehrere Millionen Türkinnen und Türken. Überdies werden regelmässig nicht nur Fussballer eingebürgert.