Spezielle Geldflüsse im Sport-Verbandswesen

euro-447214_1280(causasportnews / red. / 12. September 2019) Die Enthüllungsplattform „Football Leaks“ ist für den Sport eher ein Fluch (weil durchwegs negativ besetzt), für die Medien tendenziell ein Segen. Letztere können die Geschichten, welche das umfangreiche Recherche-Material hergibt, jedenfalls trefflich in der „Sauregurkenzeit“ ausbreiten. Wie nun etwa die Enthüllung zu Geldflüssen im organisierten Weltfussball, welche das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ in der aktuellen Nummer (37/ 7. September 2019) der Öffentlichkeit zur Kenntnis bringt. Erstaunlich ist die Story alleweil. Sie beginnt am Sitz des Europäischen Fussballverbandes (UEFA) in Nyon und könnte durchaus dereinst vor Gericht enden. So soll die UEFA dem Ukrainischen Fussballverband (FFU) seit ungefähr 15 Jahren Geld, das dem Verband diskussionslos zusteht, an eine Unternehmung auf den Britischen Jungferninseln bezahlt haben. Hinter dieser „Newport Management Ltd.“ im bekannten Steuerparadies soll ein bekannter Oligarch aus der Ukraine, der gleichzeitig als Präsident des Fussballklubs Dynamo Kiew amtet, stehen. Sein Bruder ist offenbar ein einflussreicher Funktionär der UEFA und war auch während vieler Jahre Präsident von Dynamo Kiew. Wie auch immer die personellen Verflechtungen sind: Sonderbar ist, dass Gelder, welche einem Mitgliedsverband der UEFA zustehen, nicht dem berechtigten Verband direkt, sondern einem Dritten in einer Steueroase bezahlt werden; Verbandsverantwortliche, hier der FFU, sind verpflichtet, dass Gelder ausschliesslich dem berechtigten Verband für dessen Aktivitäten im Dienste des Fussballs zufliessen. Das macht ein weiteres, grosses Problem manifest: An sich ist es einem Verein nach Schweizerischem Recht – und als solcher ist die UEFA organisiert – nicht gestattet, ein Vereinsmitglied (hier die FFU) derart grosszügig zu begünstigen; es müssen ideale Zwecke verfolgt werden. Im konkreten Fall ist immerhin von rund 400 Millionen Franken, die auf diese Weise während mehrerer Jahre an die FFU bezahlt worden sind, die Rede. Schleierhaft scheint, dass mit diesem Betrag aus der Sicht der UEFA Dritte ideell gefördert worden sein sollen. Aber vielleicht war es doch so. Es sei niemandem irgendetwas unterstellt und es gilt für alle die Unschuldvermutung, doch grundsätzlich ist vor Augen zu halten, dass eine vereinsrechtlich unzulässige Zweckverfolgung immer dann vorliegt, wenn einem Vereinsmitglied ein konkreter ökonomischer, geldwerter Vorteil verschafft wird. Sollte die zentrale Bestimmung von Art. 60 des Schweizerischen Zivilgesetzbuches (ZGB) hier „geritzt“ worden sein, könnte dies zumindest vereinsrechtliche Folgen nach sich ziehen. Die Organe eines Verbandes, konkret die UEFA, hat erstens die Pflicht dafür zu sorgen, dass, wenn schon, einem Mitglied, hier der FFU; direkt Gelder zufliessen; zweitens hat sie, zusammen mit der UEFA, zu beachten, dass bei einer solchen Konstellation keine unerlaubte, wirtschaftliche Zweckverfolgung angestrebt werden darf. Dies alles sind lediglich theoretische Überlegungen, die sich aufdrängen, sollten die vom Nachrichtenmagazin verbreiteten Fakten zutreffen. Nicht ganz wohl scheinen sich nun die Verantwortlichen der UEFA zu fühlen, allen voran der langjährige UEFA-Chefjurist Alasdair Bell und weitere Exponenten, durchwegs Weg-Gefährten des amtierenden FIFA-Präsidenten Gianni Infantino. Niemand scheint in diesem Vorgang die Übersicht zu haben. Jedenfalls sind sie alle nicht mehr in Nyon anzutreffen; die Funktionärs-„Karawane“ ist weitergezogen: Alasdair Bell & Co. sind seit rund einem Jahr beim Weltfussballverband FIFA in Zürich tätig und ihrem ehemaligen Chef gefolgt…Für den „Spiegel“ passt das alles zusammen. Der Vorgang dokumentiere „ein Ausmass an Misswirtschaft, das die Uefa auf eine Stufe mit dem Fussballweltverband stellt. Und tiefer als die Fifa kann eine Institution kaum sinken“, schreibt das Hamburger Magazin zur Enthüllung.

Was „Der Spiegel“ im Zusammenhang mit Dynamo Kiew auch noch zu berichten wusste: Der während kurzer Zeit in Kiew aktive Schweizer Nationalspieler Admir Mehmedi erhielt sein Salär nicht etwa vom Klub als Arbeitgeber bezahlt, sondern – von der selben Firma „Newport Management Ltd.“ auf den Britischen Jungferninseln. Der derzeit beim VfL Wolfsburg tätige Kicker kassierte so im ersten Vertragsjahr in Kiew steuergünstig rund eine Million Euro netto.

Vom Stellenwert des Nationalmannschafts- und Klub-Fussballs

(causasportnews / red. / 6. September 2019) Es kommt immer wieder vor, dass ein Fussballspiel im Vorfeld mehr zu reden gibt als dann das Spiel selbst. So war es etwa vor dem gestrigen EM-Qualifikationsspiel Irland – Schweiz, das 1:1 endete. Es war ein freudloses Spiel, „zum vergessen“, würde der Stammtisch zusammen fassen. Nicht aber das, was zuvor geschah. Da hat sich doch ein Mannschaftsträger des Schweizer Teams, Xherdan Shaqiri vom FC Liverpool, aus dem National-Team verabschiedet. Weshalb genau weiss eigentlich niemand. Deshalb belässt der Vorgang Raum für Spekulationen. Die Absage des Spielers an die Adresse der Nationalmannschaft könnte aber durchaus als Fingerzeig gedeutet werden. Dafür, dass das Thema „Nationalmannschaft“ für Fussballspieler an Bedeutung verliert – sowohl weltweit als auch in Europa (Spiele, wie gestern das 0:6 ausgegangene EM-Qualifikationsspiel Gibraltar gegen Dänemark sind letztlich nur noch Folklore und interessieren kaum, höchstens mit Blick auf die Qualifikations-Tabellen). Was durchaus dem Trend der Zeit entspricht. Die Akteure sind mit ihren Klubs arbeitsvertraglich verbunden und sehen dort mehr Chancen, mit ihren Arbeitgebern Titel zu gewinnen oder generell Erfolge zu erzielen. Im konkreten Fall kommt hinzu, dass Xherdan Shaqiri in der erfolgreichen Klopp-Truppe hart um einen Stammplatz kämpfen muss. Dass die Klubs ihre Spieler für Nationalmannsschafts-Einsätze ungern abstellen, ist seit Jahren bekannt. Da meinte doch kürzlich der Fussball- und Gourmet-Experte Reiner Calmund in diesem Zusammenhang: „Mit der Nationalmannschaft habe ich als Spieler nur alle vier Jahre die Chance, Weltmeister zu werden. Die Champions League kann ich jedes Jahr gewinnen.“. Mit andern Worten: Der Klub ist den Spielern näher am Herzen als die Nationalmannschaft. Unter dieser Prämisse könnte mit dem Verhalten des Liverpool-Akteurs vor dem Irland-Spiel der Schweizer durchaus ein signifikanter Trend eingeläutet worden sein. Das würde auch den heutigen, gesellschaftlichen Tendenzen entsprechen, sich vom Länderdenken abzuwenden und global zu denken und zu handeln. Was national (geprägt) ist, wird auch im Sport immer mehr an Bedeutung verlieren. Das gilt für die Weltmeisterschaften der FIFA wohl ebenso wie für die Europameisterschaften der UEFA. Zweifelsfrei auch aufgrund der heutigen Völkermobilität. Deshalb ist es keine graue Theorie (mehr), dass in der nächsten Ausgabe von „Causa Sport“ (Heft 3/2019 erscheint am 30. September 2019: http://www.causasport.org) ein Urteil des Gerichtshofs der Europäischen Union wiedergegeben und von der Sportrechtsspezialistin und Leichtathletin Dr. Caroline Bechtel, Deutsche Sporthochschule Köln, kommentiert wird unter dem vielsagenden Titel: „Kann ein Italiener Deutscher Meister werden?“.

Bundesanwalt Lauber stolpert wohl über den „Fall FIFA“

img_2739(causasportnews / red. / 5. September 2019) Das war kein guter Tag gestern für den amtierenden Bundesanwalt Michael Lauber: Zuerst wurde bekannt, dass der oberste Ermittler des Bundes in den Vorgängen, welche den Weltfussballverband (FIFA) betreffen, nicht mehr amten darf und in den Ausstand treten muss (Urteil des Bundesstrafgerichts in Bellinzona vom 3. September 2019; CA.2019.13 – 16), danach erklärte die Gerichtskommission, dem Schweizerischen Parlament den Bundesanwalt nicht mehr zur Wiederwahl vorschlagen zu wollen. Das bedeutet nach menschlichem Ermessen, dass Bundesanwalt Michael Lauber am 25. September wohl nicht mehr gewählt werden dürfte und somit über den „Fall FIFA“ stolpern wird.

Eigentlich sind die Fakten klar: Der Bundesanwalt hat im Zusammenhang mit Treffen mit FIFA-Präsident Gianni Infantino Bestimmungen der Strafprozessordnung verletzt. Deshalb ist er selbstverständlich nicht mehr tragbar, zumal der höchste Strafverfolger der Schweiz nicht nur an Gedächtnislücken leidet; er erinnert sich nicht mehr, wann und wo und wie oft er mit dem FIFA-Präsidenten gesprochen hat (auf Protokolle kann er sich unglücklicherweise nicht abstützen), sondern auch völlig uneinsichtig ist. Die Wahl des Bundesanwalts durch das Parlament ist ein politischer Prozess. Und wenn Politiker/innen aktiv werden, ist bei umstrittenen Personalentscheiden das Chaos in der Regel vorgezeichnet. Auch in der „Causa Lauber“. Da erklärte der Sprecher der Gerichtskommission, SP-Mann Matthias Aebischer, ein ehemaliger TV-Mitarbeiter, kürzlich, die Kommission könne gar nicht anders, als Michael Lauber zur Wiederwahl zu empfehlen. Allerdings meinte er verunsichert, man sei sich auch nicht ganz im Klaren, ob im konkreten Vorgang juristisch oder politisch entschieden werden müsse. Tatsächlich? Selbstverständlich ist in einem solchen Fall aufgrund der Rechtslage politisch zu urteilen. Auch wenn der Antrag der Kommission nun contra den amtierenden Bundesanwalt vorliegt, ist die Personalie noch nicht ganz durch. Zu wählen haben letztlich die Parlamentarier/innen. Und diese fallen derzeit durch die wildesten Theorien auf. So etwa der Freisinnige Genfer Nationalrat und Anwalt (!) Christian Lüscher, der Michael Lauber wieder wählen will, weil sich einzelne Parlamentarier/innen nur emotional entscheiden würden und sich auf Kosten des Bundesanwalts profilieren wollten. Auch möglich. Nur auf die Idee, in der „Causa Lauber“ zu würfeln oder eine Entscheidung per Los herbeizuführen, ist noch niemand gekommen. Das ist aber auch noch möglich bis zum Wahltag.

Das ist an sich das Schöne an der Politik, dass noch so absurd dahingeredet werden kann – von irgendeiner Seite wird stets applaudiert. Diesmal von der CVP, die den Bundesanwalt (nachvollziehbar) wieder wählen will. Das Gerangel um die Wiederwahl von Bundesanwalt Michael Lauber ist u.a. Wasser auf die Mühle des ehemaligen DFB-Präsidenten und Juristen, Dr. Theo Zwanziger, gegen den die Bundesanwalt Anklage im Vorgang „Sommermärchen“ erhoben hat (vgl. auch causasportnews vom 14. August 2019). Er nannte die Ermittlungen der Schweizer Behörden im FIFA-Komplex eine Absurdität und bezeichnete die Vorgänge im Rahmen der Schweizer Justiz als Trauerspiel und die Schweiz sinngemäss als „Bananenrepublik“. Zumindest ein gewisses Verständnis für derartige Qualifikationen kann man schon haben…

„Fall Tönnies“: Nach den Moralisten die Juristen

(causasportnews / red. / 2. September 2019) Es war sicher kein kluger Einfall, als sich der Präsident des derzeit zehntplatzierten Bundesliga-Vereins FC Schalke 04, Clemens Tönnies, zu Afrika und den Afrikanern äusserte (vgl. auch causasportnews vom 13. August 2019). Zumindest war die Äusserung ungeschickt und geht natürlich gar nicht. Doch gesagt war gesagt. Und so fegte umgehend ein Shitstorm über den Präsidenten des Klubs aus Gelsenkirchen. Die Medien schossen während Tagen auf den 63jährigen Unternehmer in der Lebensmittelbranche. Prominente und weniger Prominente feuerten mit der gesamten Digitalisierungs-Maschinerie auf den nebenamtlichen Sportfunktionär. So verlangte Ex-Fussballprofessional-Spieler Hans Sarpei Abbitte, und Schauspieler („Der Alte“) und Ex-Politiker Charles Muhamed Huber trat unter Protest aus der CDU aus, weil diese die Worte von Clemens Tönnies zu stark relativiert habe. Der Schalke-Präsident kündigte nach einer Sitzung des Ehrenrates des Klubs an, sein Amt für drei Monate ruhen zu lassen. Mehr passierte nicht, weil immerhin ein ehemaliger Richter am Bundesgerichtshof in einer Analyse zum Schluss kam, die Äusserungen von Clemens Tönnies seien nicht rassistisch. Mit diesem Schritt überstand der Unternehmer und Sportfunktionär zumindest den ethisch motivierten Shitstorm einigermassen unbeschadet. Die „heisse, juristische Kartoffel“ wurde danach der Ethikkommission des Deutschen Fussball-Bundes (DFB) weitergereicht. Dieses Sanktionsorgan des grössten Sportverbandes der Welt hatte zu entscheiden, ob Clemens Tönnies‘ Äusserungen als rassistisch zu qualifizieren seien. Das waren sie offensichtlich nicht, und die DFB-Sanktionsbehörde konnte und wollte wohl kaum einer Richter-Expertise entgegentreten. So kam es im privatrechtlich motivierten Verfahren so, wie es zu erwarten war: Das DFB-Sanktionsorgan verzichtet auf ein Verfahren gegen den Schalke-Präsidenten. In einer Anhörung habe dieser überzeugend dargetan, dass er kein Rassist sei…Das alles war dann für die Medien kaum mehr als eine dürre Meldung wert. Die Lehre aus der Geschichte: Ethik und Recht bilden zwei verschiedene Ebenen. Und: Die juristische Welt sieht oft anders aus als die moralische. Übrigens: Clemens Tönnies will seine „Auszeit“ als Vereins-Funktionär aufgrund der rechtlichen Sachlage nicht abkürzen.

Wenn sich Wanderer und Kühe ins Gehege kommen

(causasportnews / red. / 29. August 2019) Wandern ist beliebt, boomt gleichsam, weist aber auch Tücken auf, wenn es etwa darum geht, die Interessen von Wanderern und Bikern in Einklang zu bringen. Wandern ist aber auch allgemein nicht ganz gefahrlos – ja, viel dramatischer: Wanderer gilt als gefährlichste Sportart überhaupt (vgl. causasportnews vom 10. August 2015). Friktionspunkte ergeben sich auch etwa dann, wenn Wanderer mit Kühen oder Stieren, z.B. auf Bergweiden, miteinander in den Clinch geraten. Dass Wanderer etwa Weiden durchqueren, ist keine Seltenheit. Seltener entstehen dabei aber Schwierigkeiten; oder sogar Zusammenstösse mit (Verletzungs-)Folgen – meist zum Nachteil der Wanderer. Die Kernfrage lautet dann oft so: Hat etwa ein verletzter Wanderer einen durch Kühe, Stiere oder Rinder erlittenen Schaden selber zu tragen oder muss dafür der Eigentümer der Tiere geradestehen? Selbstverständlich kommt es auf die genauen Umstände eines Vorfalls an. Nicht selten enden solche Auseinandersetzungen auch vor Gericht. Jedenfalls geben derartige Unfälle trefflich Stoff für Versicherungsspezialisten ab.

Das dürfte im Falle, der sich soeben im Gebiet der „Bannalp“ im Kanton Nidwalden ereignet hat, so sein. Dort wurden vor wenigen Tagen zwei Wanderer verletzt, als sie von Tieren einer Kuhherde angegriffen wurden. Dieselbe Herde ist offenbar ziemlich von der Rolle, denn bereits im Hochsommer trampelten die gleichen Herden-Tiere den Hund einer Wandergruppe zu Tode. Die Kühe sind zwischenzeitlich von der Alp getrieben worden. Nach verschiedenen Berichten hätten sich die Wanderer korrekt verhalten. Die Versicherung des Eigentümers der Herde (oder dieser selber) wird für den (erneuten) Ausraster seiner Tiere hier mit grosser Wahrscheinlichkeit für den angerichteten Personen-Schaden und die nachfolgende, kostspielige Helikopter-Rettungsaktion gerade stehen müssen. Das Verhalten der aggressiven Kühe ist zudem zweifelsfrei auch ein Fall für den Tier-Psychiater… – Derweil ist soeben ein Gerichtsurteil im Zusammenhang mit einem ähnlichen Vorfall in Österreich bekannt geworden. Fünf Jahre nach einer tödlichen Kuh-Attacke auf eine deutsche Wanderin ist das zweitinstanzliche Urteil in dieser juristischen Auseinandersetzung ergangen. Nachdem das Erstgericht entschieden hatte, den Bauer treffe am Vorfall eine Voll-Schuld, korrigierte das Innsbrucker Oberlandesgericht das Urteil und erkannte, dass die getötete Wanderin, die mit ihrem Hund unterwegs war, eine hälftige Mitschuld trage (Entscheid vom 27. August 2019) Weil sich die Wanderin völlig sorglos verhalten habe, jedoch hätte realisieren müssen, dass Mutterkühe auch eine Gefahr für Hunde und damit ebenfalls für Menschen, welche Hunde führen, bildeten, trage sie eine Mitschuld am tragischen Vorfall. Dem Bauer wurde zur Last gelegt, dass er die Weide zum Wanderweg hätte abzäunen müssen. Sowohl der Witwer des Opfers als auch der Bauer haben Revision angekündigt. „Causa Sport“ wird auf das Urteil des Oberlandesgerichts Innsbruck zurückkommen.

Aufarbeitung der Geschichte des FC Bayern München

(causasportnews / red. / pd. / 27. August 2019) Die Zeitschrift gehört zu den „Bijous“ der Fach-Publizistik und wartet aktuell nach einer dreijährigen Pause mit einer bemerkenswerten Nummer auf: Die Zeitschrift „STADION“, herausgegeben vom „Academia Verlag“, einer Unternehmenseinheit des zur Beck-Verlagsgruppe gehörenden, renommierten Wissenschaftsverlags „Nomos“ in Baden-Baden. In der neuen Ausgabe sticht ein sport-historischer Beitrag des Mit-Herausgebers Dr. Markwart Herzog heraus. Der Wissenschafter befasst sich in seinem Aufsatz „Der FC Bayern München im ‚Dritten Reich‘. Ein Beitrag zur Geschichtspolitik des deutschen Rekordmeisters“ mit der Grundthematik der Stellung des deutschen Rekordmeisters im „Dritten Reich“. Hinterfragt wird dabei die bis anhin herrschende Meinung zum FC Bayern München, der Verein sei ein „Opfer“ des Nationalsozialismus gewesen und habe eine entsprechende „Heldengeschichte“ geschrieben – nicht nur sporthistorisch, sondern auch medien- gesellschaftlich und kulturhistorisch eine „interessante“ Betrachtungsweise. Die bisherige Geschichte des Vereins in der Zeit des Nationalsozialismus habe sich bisher auf Chroniken, Festschriften und Zeitzeugen gestützt; Archivrecherchen seien jedoch bis dato unterblieben, kommt der Autor zum Schluss. Der über Jahrzehnte hinweg festgeschriebene Mythos habe vereinsintern jedenfalls eine starke gemeinschaftsbildende und sinnstiftende Kraft entfaltet. In der Realität sei die Rolle des Vereins als „Opfer“ des Nationalsozialismus zu relativieren. Tatsache ist etwa, dass der damalige Präsident jüdischer Herkunft, Kurt Landauer, nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten zurückgetreten und schliesslich im Konzentrationslager Dachau interniert gewesen sei. Von dort floh der Ex-Präsident in die Schweiz. Von 1938 bis 1942 war ein Nationalsozialist Präsident des Klubs: Josef Kellner, eingeschriebenes Mitglied der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP), der unter anderem im besetzten Sudetenland als Landrat tätig war. Über die sportliche und politische Rolle dieses Vereins-Präsidenten berichtete kürzlich das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ (34/2019, 17. August 2019, 122 f.). Der Beitrag basiert auf dem Aufsatz von Markwart Herzog in „STADION“. Das Forschungsresultat aus der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift trägt dank präsentierter Faktenlage einiges zu einem authentischen, realen Geschichtsverständnis rund um den FC Bayern München bei. Dazu vermeldet der „Spiegel“ in der genannten Nummer unter dem Titel „Penibler Tyrann“ genüsslich: „Der FC Bayern München sieht sich selbst als Opfer des Nationalsozialismus. Neue Dokumente belegen nun, dass ein früherer Präsident ein einflussreicher Nazi war.“. Im Auftrag des Vereins arbeitet derzeit das Institut für Zeitgeschichte in München die Geschichte des Klubs im Nationalsozialismus auf.

Ein Schwingfest ausserhalb des Mainstream

(causasportnews / red. / 26. August 2019) Seit gestern hat die Schweiz einen neuen „König“: Es ist der Berner Christian Stucki, der sich am Eidgenössischen Schwing- und Älplerfest in Zug nach einem fulminanten Schlussgang die Krone für die nächsten drei Jahre aufsetzen liess. Die Veranstaltung war und ist der grösste Sportanlass dieses Jahres in der Schweiz und lockte über das vergangene Wochenende mehr als 400 000 Besucherinnen und Besucher an. Die Sportart ist für Linke und Nette ein Horror. Kein Wunder, denn der Anlass verkörpert letztlich genau diese Werte, welche wider dem Mainstream sind. Man könnte auch sagen: Der Anlass wird von der von den meisten Medien verhassten Schweizerischen Volkspartei (SVP) und gesinnungsverwandten Kreisen getragen. Das beginnt damit, dass der Präsident des Organisations-Komitees ein senkrechter SVP-Mann ist, der Zuger Regierungsrat Heinz Tännler, früher einmal Einzelrichter im professionellen Eishockey, danach Legal Director beim Weltfussballverband FIFA und selber begeisterter Sportler, u.a. mit einschlägiger, erfolgreicher „Engadiner“-Erfahrung (Langlauf-Marathon).

Das Schwing- und Älplerfest ist national verwurzelt wie kein anderer Anlass in der Schweiz. Die Veranstaltung verlief friedlich, Sicherheitschecks gibt es keine, Schwing-Hooligans lassen sinnvollerweise die Finger von einem solchen Sportanlass (weil sie hier auf keine Gesinnungsgenossen treffen), und der Gesamt-Bilanz nach der Veranstaltung kann nichts Negatives entnommen werden. Das Schwing-Publikum ist zweifelsfrei bodenständig und normal (und hat eben nicht einen „abnormalen“ Anlass besucht, wie heute die „Neue Zürcher Zeitung suggeriert) – und das kommt vielerorts nicht gut an. Die Schwinger (PS Es gibt auch Schwingerinnen) biedern sich bei den Medien nicht an wie Showstars jedwelcher Couleur; und das an sich erzürnt die Medienzunft, die gerne hofiert werden will, bereits. Dass sie sich fragt, weshalb herrenlose Rucksäcke auf dem Festgelände keine Bombenwarnung auslösen, spricht für sich. Und dass es auch ohne Öko-Gretas Präsenz in Zug keine Abfallprobleme gab, ist bei den Schwingern eine Selbstverständlichkeit. Zweifelsfrei haftet dem Schwingsport das Spezielle, Mythische an. Es kommt hinzu, dass diese Disziplin eine rein helvetische, typisch nationale Angelegenheit ist. Im Ausland wird diese Sportart höchstens als folkloristische Eigenheit der Schweiz wahrgenommen. Dass das Schwingen den grössten Sportanlass in der Schweiz abgibt, ärgert die uniformen, weltoffenen Europäer der Medien in der Schweiz. Mit dem Schwingen ist in der Tat keine Europapolitik zu machen. Schwinger sind zwar Spitzensportler; auf ihnen hacken die Medien jedoch unablässig herum. Kassiert Roger Federer an einem Tennisturnier in den USA eine Million Franken, ist das für die Medien ein Gott gewolltes Faktum. Wird der Titel des Schwinger-„Königs“ nur schon auf einen Wert von einer Million Franken geschätzt, reden sie von Unehrlichkeit und Realitätsverlust. Dass 400 000 begeisterte Menschen den grössten Sportanlass der Schweiz besuchen und wohl etwa eine Millionen Menschen den Schlussgang am TV verfolgt haben, bedeutet für Medienschaffende die Verklärung einer Sportart, die man am liebsten gar nicht als solche qualifizieren würde. Im Gegensatz etwa zu Roger Federer spricht man den Top-Schwingern die Eigenschaft, schweizerischer Projektionsfiguren zu sein, rundum ab. Für die Medien, und nicht mehr erstaunlich auch für die zum Sprachrohr der gehobenen Linken mutierte NZZ, bedeutet das Spektakel fehlende Authentizität. Für die regelrecht senil gewordene Tante von der Zürcher Falkenstrasse wird im Zusammenhang mit dem Spitzen-Schwingsport der verbale Zweihänder ausgegraben. Wie die permanenten Giftpfeile gegen die SVP hat die NZZ (teils durch das flächendeckende Engagement linker Journalisten und ehemaliger linker Politiker) im Schwingsport auf höchstem Niveau ein neues Feindbild entdeckt. Dabei wird ein derartiger publizistischer Unsinn in die für die NZZ wichtige europäische Welt gesandt, dass wohl damit die seit einiger Zeit intensive Anbiederung der NZZ bei den Deutschen in der Schweiz und bei den Deutschen in Deutschland eine Zäsur erleiden wird – falls das selbsternannte Weltblatt aus Zürich in diesen weltoffenen Kreisen überhaupt noch ernst genommen wird (Beispiel für die klassenkämpferischen Links-Parolen der NZZ: „Der anhaltende Boom des Schwingsports basiert auf seiner Verklärung. Die gelingt nur noch, weil das Schwingen strikt vom internationalen Sport abgeschottet ist.“; „Niemand soll sich täuschen lassen vom Umstand, dass die Arena im Schwenkbereich der Kameras werbefrei ist. Am Tennisturnier in Wimbledon oder an Olympischen Spielen sind die Fernsehbilder ebenso clean. […] Das Eidgenössische ist ebenso ausgeprägter Sportkommerz.“; „Kein Wunder, haben die politisch konservativen Kräfte den Nationalsport für sich besetzt.“). Klar, der Schwingsport weist heute auf diesem Niveau eine kommerzielle Komponente auf. Roger Federer ist nicht Christian Stucki – und Christian Stucki ist nicht Roger Federer. Und klar, der Schwingsport spielt im internationalen Sport keine Rolle. Und klar, das Publikum in dieser Sportart ist ein anderes als das Publikum, das die Street Parade in Zürich gut findet. Und klar, die Verantwortlichen werden es sich überlegen müssen, den Anlass zuschauermässig nicht ausufern zu lassen. So what? – Den Schwingsport als Klassenkampf-Thema zu besetzen, wie dies die Medien teilweise tun, ist so töricht wie aussichtslos. Diese Sportart wird zweifelsfrei den Untergang der Print-Medien überdauern.