causasportnews.com – 73/2026, 11. August 2026

(causasportnews / red. / 11. August 2026) Er jagte von Rekord zu Rekord. Nun ist ihm, dem 43 Jahre alt gewordenen Extrembergsteiger Nirmal Purja, das Streben nach dem nächsten Rekord zum Verhängnis geworden, wie die «Neue Zürcher Zeitung» (3. August 2026) berichtete. Der britisch-nepalesische Bergsportler starb allerdings nicht spektakulär, wie man das von einem Mann, der in den von ihm geliebten Bergen von Gipfel zu Gipfel eilte, hätte erwarten werden können. Mit neun weiteren Bergsteigern wurde «Nimsdai», wie er sich nannte und genannt werden wollte, am Broad Peak (8051 Meter) in Pakistan von einer Lawine erfasst und in den Tod gerissen. Die Besteigung des zwölfthöchsten Berges der Welt im Grenzgebiet zwischen Pakistan und China hatte Nirmal Purja kurzfristig angestrebt, um die Besteigung aller 14 Achttausender in diesem Jahr abzuschliessen. Dieses Unterfangen war ihm schon dreimal gelungen, zweimal ohne die Hilfe von Flaschensauerstoff.
«Nimsdai», 1983 am Fuss des Dhaulagiri, dem siebthöchsten Berg der Welt (8167 Meter) geboren, war durch Zufall zum Bergsteigen gekommen. Im nepalesischen Tiefland aufgewachsen, diente der britische und nepalesische Staatsangehörige in einer Spezialeinheit der «Royal Navy», bevor er durch Zufall der Faszination des Mount Everest erlag. Insgesamt 57 Mal stand er auf den Gipfeln von Achttausendern. Schliesslich machte Nirmal Purja das Höhenbergsteigen zum Beruf. Für Schlagzeilen sorgte der auch als knallharter Geschäftsmann bekannte Bergsteiger, als ihm 2021 mit einem nepalesischen Team die erste Winterbesteigung des K2 (8611), dem zweithöchsten Berg der Welt, gelang; Nirmal Purja soll bei dieser Erstbesteigung sogar ohne Zuhilfenahme von Flaschensauerstoff unterwegs gewesen sein. 2019 bestieg er innerhalb von sechs Monaten alle Achttausender der Welt, 14 an der Zahl; diese Berge befinden sich alle im Himalaya- und Karakorum-Gebirge. «Nimsdai» galt als eigenwillig, einer, der sich auch schon mal über Regeln und Gepflogenheiten, die nicht nur am Berg zu beachten sind, hinwegsetzte. Als «Corona» die Welt im Griff hatte, feierte er im Everest-Basislager eine ausschweifende Party. Die ehemalige «Miss Finnland» und Bergsteigerin Lotta Hinta beschuldigte Nirmal Purja einmal, sie in Kathmandu belästigt zu haben. Der nun verstorbene Bergsteiger liess die Vorwürfe umgehend von einem Anwalt dementieren. «Nimsdai» plante noch einige Rekorde in seinen geliebten Bergen. Eine Lawine am Broad Peak machte nun seine Pläne jäh zunichte.
Eher zwiespältig muten die Meldungen an, welche die Spiel- und Spassgesellschaft derzeit aus den Bergen in Europa erreichen. Auf dem Gipfel des Matterhorns sorgte ein Rückwärtssalto eines Berggängers in den sozialen Medien für Aufsehen. Soeben stellte eine Australierin einen neuen Aufstiegs-Geschwindigkeitsrekord von Cervinia (Italien) über den Liongrat auf den 4478 Meter hohen Matterhorn-Gipfel und zurück auf. Milly Young unterbot mit einer Zeit von 5 Stunden, 17 Minuten und 43 Sekunden die bisherige Bestmarke für dieselbe Route der Schwedin Emelie Forsberg aus dem Jahr 2013 um mehr als eine halbe Stunde, wie der «Walliser Bote» (30. Juli 2026) berichtete, der im Zusammenhang mit dem exzessiven Verhalten der Menschen in den Alpen den zunehmenden, fehlenden Respekt vor den Bergen beklagt. Und gleichzeitig auf die damit zusammenhängende, derzeitige Gefahrenlage hinweist: «Die Situation auf der Schweizer Seite am Matterhorn bleibt gefährlich.» Auf der Jagd nach Rekorden sind jedoch viele Menschen bereit, dies zu ignorieren und im Extremfall ihr Leben auf’s Spiel zu setzen.









