Ohne Fans keine Europameisterschaftsspiele?

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(causasportnews / red. / 17. April 2021) Der europäische Fussballverband (UEFA) verlangt von den Austragungsorten Zusicherungen, dass die Spiele der Fussball-Europameisterschaft 2021 mit (etwas mehr oder weniger) Publikum, und nicht nur als «Geisterspiele», ausgetragen werden (causasportnews vom 15. April 2021). Acht der zwölf betroffenen Städte haben dem Verband diese Zusicherungen bereits vor ein paar Tagen abgegeben und haben in der Folge die Zulassungsbestätigungen erhalten. Nun hat die UEFA auch Rom als Gastgeberstadt zugelassen. In der italienischen Metropole soll am 11. Juni das Eröffnungsspiel zwischen Italien und der Türkei angepfiffen werden; mindestens ein Viertel der Plätze im Stadio Olimpico sollen den Fans zur Verfügung stehen; falls es die Lage («Corona») dann erlaubt, soll die Zuschauer-Auslastung auch mehr als 25% betragen. Demnächst wird die UEFA im Weiteren darüber befinden, ob Bilbao, Dublin und München als Austragungsorte bestätigt werden können. Delikat ist die Ausgangslage in München. Der Deutsche Fussball-Bund (DFB) befasst sich im Moment mit drei Austragungsszenarien. Entweder sollen die Europameisterschaftsspiele in der «Allianz-Arena» als «Geisterspiele» über den Rasen gehen, oder das Stadion wäre mit 20 oder 40 Prozent an Zuschauerinnen und Zuschauern zu belegen. Aufgrund der dramatischen Entwicklungen auch in Deutschland scheint die Variante mit einer Stadion-Zuschauerauslastung von 40 Prozent unrealistisch zu sein. Werden lediglich «Geisterspiele» ins Auge gefasst, könnte München jedoch den Austragungsstatus verlieren. Der DFB wird sich wohl entscheiden müssen, weiterhin strikte die Seuchenbekämpfung zu favorisieren und diese konsequente Linie nicht den Bedürfnissen von Sport und Business zu opfern. Derweil reibt man sich vor allem in München die Augen, dass die Schweiz trotz katastrophaler «Corona»-Entwicklungen Lockerungen der in den letzten Monaten verordneten Massnahmen an allen Fronten vorantreibt. Das zementiert wieder einmal das Vorurteil gegenüber der Schweiz, dass das Wirtschaftliche gegenüber dem Wohlbefinden der Bevölkerung prävaliere. Teils hämisch wird kommentiert, dass die UEFA mit Sitz in der Schweiz die Augen vor den Auswirkungen der Pandemie nicht überraschend verschliesse und die Warnungen von medizinischer Seite mehr oder weniger ignoriere. Letztlich des schnöden Mammons willen…

Sport stärker als Politik

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(causasportnews / red. / 15. April 2021) In zwei Monaten wird die um ein Jahr verschobene Fussball-Europameisterschaft zum Teil bereits Geschichte sein (das Turnier beginnt am 11. Juni und endet am 11. Juli), und trotz der verschlechterten Pandemie-Lage in Europa nimmt das Projekt nun im Vorfeld Fahrt auf. Insbesondere in einem Punkt hat der organisierende Verband (UEFA) einen wichtigen Durchbruch erzielt. Vor rund drei Wochen stellte der Verbandspräsident des Europäischen Verbandes, der Slowene Aleksander Ceferin, ultimativ in den Raum, dass das Turnier nur an denjenigen Standorten stattfinden werde, an denen auch Zuschauer zugelassen würden (vgl. auch causasportnews vom 24. März 2021). «Corona» hin oder her. Die Drohung aus der UEFA-Zentrale hat gewirkt, denn der Verband konnte melden, dass an acht von zwölf Austragungsorten Zuschauende zugelassen werden. Die entsprechenden Staaten haben hierzu die vom privaten schweizer Verein UEFA aufgenötigten Zustimmungen erteilt. Männiglich reibt sich nun die Augen: Sport und Wirtschaft werden also gegenüber der Pandemiebekämpfung prioritär behandelt? So scheint es; zumindest hat sich der Sport (verbunden mit der Wirtschaft) auch in diesem Fall klar durchgesetzt. Schliesslich rechnen derzeit auch in der Schweiz die Arbeitgeber vor, wieviele «Corona»-Infektionen pro Tag (nämlich 30’000) tragbar seien, um die Wirtschaft nicht weiter zu gefährden. Dass sich Wirtschaftsführer durchwegs und auch ausserhalb von Krisen nicht gerade mit grosser Empathie bekleckern, beweisen sie aktuell krass. Dass aber Sportfunktionäre die wirtschaftlichen Interessen unverhohlen über die Gesundheit und das Wohlergehen der Menschen stellen, verwundert zumindest auf den ersten Blick. Auf den zweiten Blick allerdings weniger. Die Durchführung einer Fussball-Europameisterschaft um jeden Preis bedeutet letztlich insbesondere, dass die Sport-Geldmaschinerie wie vor dem viralen Impakt auf Staat und Gesellschaft am Laufen gehalten werden soll. Das ist auch bitter nötig, wenn die bereits bekannt gewordenen Jahresabschlüsse 2020 der Verbände betrachtet werden. Es zeigt sich vor allem, dass der organisierte Sport ohne Zuschauer/innen weit weniger abwirft als zu Beginn der Pandemie vermutet; diesbezüglich lautete die Devise aufgrund der «Geisterspiel»-Diskussion: Für die Ertragslage des organisierten Sportes ist es vor allem entscheidend, dass TV-Übertragungen sowie die Sport-Berichterstattung über digitale Kanäle garantiert sind. Einmal mehr sei’s gesagt: Ein Fussballspiel ohne Zuschauer vor Ort ist nur ein Spiel – und kein Event, das Geld ohne Ende abwirft.

Deshalb kann das Ultimatum der UEFA bis zu einem gewissen Grad nachvollzogen werden. Welche Sportverbände nehmen schon – trotz Pandemie – gerne wirtschaftliche Einbussen in Kauf? Noch nicht weichgeklopft sind mit Blick auf die Europameisterschaft Irland (Dublin), Italien (Rom), Spanien (Bilbao) und Deutschland (München). Vor allem in Deutschland dürfte die Problemlösung zu einem nicht zu unterschätzenden Politikum werden. Schliesslich stehen im Herbst Bundestagswahlen an – und die Parteien dürften sich vor der zentralen Frage schaudern: Was bringt mehr Wählerstimmen? Für den Sport oder das gesundheitliche Wohlergehen der Menschen einzustehen? Letztlich wird sich auch bei dieser Frage der Sport durchsetzen. Geht es um diesen, erträgt es bekanntlich keinen Spass. Und Humor bedeutet nicht nur in Deutschland, wenn man trotzdem lacht.

Konkrete wirtschaftlichen Folgen der Pandemie auf den Sport

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(causasportnews / red. / 12. April 2021) Es wäre blauäugig anzunehmen, «Corona» würde keine wirtschaftlichen Folgen auf den Sport zeitigen. Jetzt wird es allmählich konkret, und die Hoffnung, dass die Pandemie bald vorbei sein könnte und sich damit auch die wirtschaftlichen Gegebenheiten im Sport zumindest nicht verschlechtern würden, ist nicht allzu gross. Dass «Geisterspiele» im Fussball nicht exorbitant werbewirksam sind, liegt auf der Hand. Fehlen in den Stadien die Zielgruppen für Sponsoren, bildet der Fussball weitgehend nur noch eine bescheidene Werbeplattform. Auch Veranstaltungen, die im Fernsehen mitverfolgt werden können, sind nicht gerade ein Marketing-«Rennen». Aufgrund der aktuellen Gesamtsituation wird der FC Zürich seinen Hauptsponsor «AntePAY» (Anbieter von Zahlungsmitteln für den bargeldlosen Zahlungsverkehr und Herausgeber einer Prepaid-Kreditkarte) verlieren, wie verschiedene Medien berichten; dies wurde von der Leitung des Zürcher Stadtklubs zwischenzeitlich bestätigt. «AntePAY» hat seinen Betrieb eingestellt; nicht zuletzt die Schliessung vieler Geschäfte haben dem Unternehmen das Genick gebrochen. Der Sponsoringvertrag zwischen «AntePAY» und dem FC Zürich wird per Ende dieser Saison nicht mehr weitergeführt werden, doch aufgrund der Einstellung aller Geschäftsaktivitäten des Sponsors kommt die jetzige Ankündigung der Beendigung der werblichen Partnerschaft im Wert von jährlich einer Million Schweizer Franken nicht überraschend. Der Klub wird deswegen im Moment zwar kein Geld verlieren, da dieses Sponsoring über eine Agentur abgewickelt worden ist, doch dürfte es, z.B. auch über eine gut vernetzte Vermarktungs-Agentur, schwierig werden, ab 1. Juli 2021 einen neuen Hauptsponsor für den Zürcher Renommier-Klub zu finden, falls «Corona» und allfällige Mutanten weiter wüten werden. Das Schicksal des FC Zürich wird sich im Rahmen der Schweizer Professional-Liga und auch in ausländischen Ligen und in diversen Klubs zweifelsfrei wiederholen.

Es werden nun wohl immer mehr pekuniäre Schäden im Zuge der Seuche zu Lasten des Sportes manifest werden. Geschädigt werden etwa auch Pay-TV-Sender und Rechteinhaber an Sportveranstaltungen. Vor allem das Internet lässt kostenfreie Übertragungsmodelle zu, und das illegale «Streaming» via dubiose «Piratensender» verzeichnet einen Boom. Gemäss einer Untersuchung in Grossbritannien könnten (legale) «Streaming»-Dienstleister und Pay-TV-Sender gegen 30 Milliarden Dollar mehr einnehmen, falls Nutzer illegaler Anbieter in den legalen Markt wechseln und für die genutzten Dienstleistungen auch zahlen würden. Das scheint ebenfalls eine Folge von «Corona» zu sein: Viele Konsumenten des Produktes «Sport» bedienen sich kostenlos – wenn es geht. Und es geht fast immer…

Zur Thematik illegaler Fernsehübertragungen sei in diesem Zusammenhang auf einen Aufsatz, der in der nächsten Ausgabe von «Causa Sport» erscheinen wird, hingewiesen (Sabrina und Malte Frank, Ein Piratensender auf Sport-Raubzug – und die WTO zappt weg).

Sport und Politik im Gleichschritt

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(causasportnews / red. / 6. April 2021) Der Sport ist seit jeher grundsätzlich darauf bedacht, sich aus der Politik herauszuhalten. Oder sich von der Politik nicht vereinnahmen zu lassen. Zu oft ist die Plattform «Sport» allerdings von Despoten, Diktatoren und anderen Misanthropen für ihre durchwegs unlauteren Zwecke und Ziele missbraucht worden. Ab und zu kann sich der Sport der politischen Einflussnahme entziehen. Aber nicht immer. Nicht selten leben Sport und Politik ambivalent. Wer erinnert sich nicht an grosse Zeiten der Deutschen Nationalmannschaft, etwa, als Bundeskanzlerin Angela Merkel, oft an Spielen auf der Tribüne mit dabei, zum glühendsten Fan des Nationalteams wurde? Sogar das Mannschafts-Duschen fand unter Mitwirkung der Regierungschefin statt. Die Kanzlerin in der Kabine; das war klar mehr als die Erotik des Fussballs. Die Kicker und Trainer Joachim Löw genossen den direkten Support aus dem Kanzleramt sichtlich. Welch ein Zufall, dass die Kanzlerin und der Bundestrainer derzeit etwa dasselbe «Fegefeuer» ertragen (müssen). Sport und Politik nun also im Gleichschritt.

Bundestrainer Joachim Löw ist nach bald 16 Jahren auf höchster Trainer-Ebene ebenso am Ende seiner Karriere angelangt wie Bundeskanzlerin Angela Merkel, seit 2005 im Amt. Nach der Europameisterschaft im Sommer soll Schluss sein; so verhiess es vor kurzer Zeit aus der DFB-Zentrale. Wahrscheinlich ist aber schon vorher Schluss. Die anhaltenden Klatschen auf dem Spielfeld, zuletzt ein schmachvolles 1:2 gegen Nordmazedonien, werden den vorzeitigen Abgang von «Jogi» Löw beschleunigen. Wenn dem Trainer in der DFB-Chefetage (verbal in der Öffentlichkeit) der Rücken gestärkt wird, bedeutet dies letztlich ein rascher Abgang. Dieser wird im Fall des Bundestrainers von den Medin nun durchwegs energisch gefordert; mit einem angeschlagenen Trainer eine Europameisterschaft durchzustehen – das ist zwar möglich, aber sinnlos. Der Druck der Öffentlichkeit wird unabwendbar werden. Gemäss dem deutschen Leitmedium «Bild» wollen 87 Prozent der von der Zeitung befragten 250 000 Menschen, dass Joachim Löw sofort abgelöst wird. Das Hauptproblem: Wer soll den Bundestrainer ersetzen? Die einen können nicht, die anderen wollen noch weniger. Die Kardinalfrage lautet: Wieviel steuert ein Bundestrainer zu sportlichen Erfolgen bei? Im Misserfolg ist er eh verantwortlich.

Ähnlich sehen die Nachfolgeperspektiven bei der amtierenden Bundeskanzlerin aus. In jeder Hinsicht wäre ein sofortiger Rücktritt angebracht. Sie agiert längst als «lame duck» und verwaltet vor allem die seit über einem Jahr anhaltende «Corona»-Krise, statt das Virus effizient zu bekämpfen. Bei ihr ist allerdings dasselbe Problem zu orten wie beim Bundestrainer: Wer soll nach ihr kommen? Schliesslich will sie mit ihrem Festhalten bis zum Schluss als treue Parteigenossin der Union das Kanzleramt sichern. Diese Sorge wird sie bis zum Ende ihrer Amtszeit in Berlin halten.

Es braucht nicht einmal Auguren um vorauszusehen, dass Joachim Löw die Europameisterschaft als Bundestrainer nicht mehr erleben wird – trotz offizieller Ankündigung; Angela Merkel dürfte hingegen tendenziell bis zur Bundestagswahl im September im Zentrum der politischen Macht ausharren. Das Ende ist für beide Persönlichkeiten nahe, welche es durch längst fällige Rücktritte verpasst haben, sich sportlich, bzw. politisch, unsterblich zu machen. Danach werden die Top-Politikerin und der langjährig Bundestrainer Zeit finden, sich bei Kaffee und Kuchen über für beide glorreiche(re) Zeiten zu unterhalten – in Sport und Politik.

Das «FIFA-Prinzip» ist in der Politik angekommen

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(causasportnews / red. / 3. April 2021) Krisen lassen vieles manifest werden. Im Moment geht es um die nackte Wahrheit – und um’s Überleben. Mit Bezug auf die immer dramatischer werdenden Auswirkungen der Pandemie drängt sich um die Ostertage herum das Fazit auf: Wir schaffen das nicht – wenigstens nicht in absehbarer Zeit. Wegen der staatlichen Rahmenbedingungen, der gesellschaftlichen Vorgaben und der mangelnden Individual-Disziplin hilft wohl nur noch eines:  beten. Was in der Osterzeit eh nicht abwegig ist. Politiker/innen, die erkannt haben, dass sie dem Virus kaum etwas entgegensetzen können, resignieren schon einmal, ohne es zu kommunizieren. Oder wie es der CDU-Politiker Armin Laschet in Deutschland gesagt haben soll und was von den Medien, ebenfalls resignierend, weitergetragen worden ist: «Zahlen steigen zuletzt stark: Laschet will Ostern zum Nachdenken nutzen». Denken ist selbstverständlich immer gut. Wie bekannt, kann man für’s Denken nicht henken. Aber dieses letzte Polit-Rezept zur Bekämpfung der wütenden Pandemie lässt auch nicht gerade Hoffnung aufkommen. So dürfte nach Ostern das «Prinzip Hoffnung» der einzige Strohhalm sein, an dem sich die Menschheit derzeit realistischerweise hält. «Lockdown» ja, «Lockdown» nein – das ist die zentrale Frage.

Die Politik kann allerdings auch nicht mehr, als es der staatliche und gesellschaftliche Rahmen zulässt. Das Wort «Eigenverantwortung» der Menschen ist längst aus dem Wortschatz der (vermeintlich) Mächtigen im Rahmen der Krisen-Bekämpfung verschwunden. In diesen dramatischen Zeiten zeigt sich, was ist. Auch Ländervergleiche belegen in der Zeit von «COVID-19» + Mutationen, dass das Polit-Gewerbe verfilzter und korrupter ist, als es die vielgescholtene FIFA je war. Die Weltfussball-Organisation mit Sitz in Zürich ist zwischenzeitlich etwas aus den Schlagzeilen verschwunden, wenn es um Filz, Nepotismus und Korruption geht. Nun sorgen diejenigen selber für Aufsehen, welche die Zustände im Weltfussballverband stets angeprangert haben: Die Politiker/innen. Geradezu unhaltbare Zustände sind um den Österreichischen Bundeskanzler Sebastian Kurz bekannt geworden. Deutsche Politiker werden fast täglich als üble Parasiten des Volkes entlarvt, weil sie im Zusammenhang mit der Bekämpfung der Pandemie unglaubliche Profite gescheffelt haben. Sich als Diener des Volkes an diesem zu bereichern ist mehr als unschön. Schlimm treiben es die Genossinnen und Genossen, die sich stet auf der moralisch «richtigen» Seite fühlen, in der Schweiz. Kurz vor Ostern kündigte die linke und vor allem stets klassenkämpferisch agierende SP-Bundesrätin Simonetta Sommaruga, an, dass die Landesregierung ihren Klassenkampf-Kollegen, den Berufs-Politiker der SP, Christian Levrat, zum Präsidenten des Verwaltungsrates der staatlichen Post ernannt habe. Dieser Job ist einer der lukrativsten Aufgaben im staatlichen Unternehmertum der Schweiz. Von Unternehmensführung oder Betriebswirtschaft hat der Freiburger, der nun ein Millionen-Salär kassieren wird, keine Ahnung. So auch die strippenziehende Ministerin ohne relevante, berufliche «Basics» nicht. Ihre berufliche Höchstleistung, bevor sie sich an den ebenfalls äusserst lukrativen Regierungs-Tropf hängen konnte, war das Klavierspiel, das sie während kurzer Zeit der musisch veranlagten Jugend beibrachte. Umso gewiefter hat sie nun die Ernennung ihres Partei-Genossen Christian Levrat zum Post-Oberen regelrecht orchestriert und damit die nicht gerade als clever geltende Landesregierung düpiert. Bürgerliche heulen nun wegen dieses in Polit-Bern Tatsache gewordenen Filzes auf. Doch das alles wird nichts nützen. Die Linken werden die Krise auch weiterhin ausnützen, um den Klassenkampf zu ihren Gunsten zu entscheiden. Aktuell liesse sich folgendes Fazit ziehen: Die Pandemie hat den Kommunismus, nicht nur in der Schweiz, wohl um 50 Jahre vorangebracht. Nicht nur in punkto bedingungsloses Grundeinkommen.

Das alles ist natürlich kein «Bashing» von bürgerlicher Seite. Doch geht es vielmehr um das Predigen von Wasser und das Trinken von Wein. Stichwort FIFA: Seit Jahren kommt insbesondere von linker Seit nicht nur beissende Kritik an den Zuständen in der FIFA. Es wird alles versucht, diese Organisation bzw. die von ihr angeblich verkörperten Negativa, wie eben Filz, Nepotismus und Korruption, unmöglich zu machen; teils allerdings zu Recht. Offenbar haben die Linken aber das «FIFA-Prinzip» nun selber verinnerlicht. Nicht nur die Krise macht’s möglich. Sie macht zudem viele Menschen noch dreister als sie es zuvor schon waren.

Ein Schutz für Fussballtrainer? Ein Schutz für den Fussball?

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(causasportnews / red. / 30. März 2021) Gegen 60 Trainer hat der streitbare und umstrittene Präsident des Klubs FC Sion bisher entlassen. Der Job im Wallis gilt in der Branche als Himmelfahrtskommando. Schlimmer als im Kanton Wallis scheint es nur noch in Brasilien zu sein. Wer einen Trainervertrag mit einem Klub abschliesst, unterschreibt damit in der Regel gleichzeitig sein berufliches Todesurteil. Kein Wunder in einem Land, das von einem wahnsinnigen Ignoranten präsidiert wird. Mühsam ist das Trainerleben allerdings auch in den arabischen Ländern. Wer sich für einen Job bei einem arabischen Klub entschieden hat, fordert bei Dienstantritt sicherheitshalber schon einmal die ganze Salärzahlung für die gesamte Vertragszeit. Ein vorzeitig entlassener Trainer hat Einschüchterung und Mobbing zu gewärtigen; Geld sieht er in einen solchen Situation eh nicht mehr. Teils gewalttätig sind die Verhältnisse in Brasilien, einem Land ausser Rand und Band. In einem der etabliertesten Fussball-Länder sind Klub-Präsidenten die Schatten-Könige und benehmen sich teils wie Berserker. Dass auf diese Weise der Fussball als Ganzes zerstört werden kann, leuchtet nun zumindest auch den Liga-Bossen der Professional-Abteilung des Brasilianischen Fussball-Verbandes (CBF) ein. In einer Form von Selbst-Beschränkung wollen sie künftig das Trainerkarussell in der obersten Liga (Série A) fortan beschränken. Ab der Saison 2021, die Ende Mai beginnen wird, soll nur noch ein Trainerwechsel zugelassen werden. Jeder Coach eines A-Klubs darf dann also höchstens pro Saison nacheinander zwei Klubs trainieren. Der Sinn der Regelung soll weniger dem Schutz der Trainer vor ungerechtfertigten Entlassungen dienen; vielmehr gehen die Bemühungen dahin, den Abwerbungen von Trainern, meist aufgrund lukrativer Angebote von Konkurrenten, in der höchsten Liga den Riegel zu schieben und so die Glaubwürdigkeit des Fussballs zu schützen. CBF-Präsident Rogério Caboclo hat bei der Bekanntgabe der Selbstbeschränkungsregel das Ende des Sesselrückens der Trainer im brasilianischen Fussball verkündet. Ob diese Regulierungsaktion rechtlich konform ist (teils wird gegen den Beschluss vorgebracht, er verletze das Selbstbestimmungsrecht der Klubs und die Vertragsfreiheit) und auch Bestand haben wird, dürfte sich weisen. Das scheint jedenfalls fraglich zu sein. Für die Regelung haben sich lediglich elf der 20 A-Klubs ausgesprochen. Von einer breiten Akzeptanz für die Selbstbeschränkung also keine Spur, auch wenn zwei Zahlen zu denken geben: Seit 2003 bleibt ein Trainer in der obersten Spielklasse in Brasilien im Durchschnitt sechs Monate im (Trainer-)Amt. In der vergangenen Saison überlebten lediglich drei Trainer das Meisterschaftsende bei ihren Arbeitgebern. Kurios: Gegen die Neuregelung votierte der berühmte Klub Porto Alegre. Der aktuelle Trainer sitzt dort, kaum zu glauben, seit viereinhalb Jahren auf der Trainerbank! Ob er zu schlecht für die Konkurrenz ist, lässt sich nicht sagen. Wohl eher schon, sonst wäre er längst von einem Liga-Konkurrenten abgeworben worden.

Gewinner und Verlierer in der Krise

Home of FIFA, Zürich, © Ed Coyle

(causasportnews / red. / 27. März 2021) Das war sogar für die stramm bürgerliche und wirtschafts-freundliche «Neue Zürcher Zeitung» (NZZ) zuviel: Im «Corona»-Jahr vermeldete der Welt-Fussballverband FIFA einen Verlust von über 700 Millionen Dollar; das sei zwar in der Krise verständlich. Das fürstliche Salär des FIFA-Präsidenten Gianni Infantino von satten drei Millionen Schweizer Franken sind für das Blatt von der Zürcher Falkenstrasse jedoch zumindest unverständlich. Eine etwas mutigere Einschätzung wäre wohl gewesen: Das geht gar nicht! Schliesslich präsidiert der 51jährige Waliser immerhin einen idealen, nicht-wirtschaftlichen Zwecken verpflichtenden Verband nach schweizerischem Vereinsrecht. Das Salär des FIFA-Präsidenten bildete bei seinem Amtsantritt 2016 ein Haupt-Diskussions- und Streitpunkt. Seit Gianni Infantino das damals in den Raum gestellte Salär von zwei Millionen pro Jahr als Geringschätzung seiner Person und seiner Arbeit bezeichnet hat, ist sein eh nicht berauschender Beliebtheitsgrad nicht mehr aus dem Keller gekommen. Zwischenzeitlich hat der Verband die Arbeit des Funktionärs, um dessen Leistungsausweis nach fünfjähriger Präsidialzeit eigentlich niemand so richtig weiss, aber doch honoriert und entrichtet dem Walliser aus Brig ein für einen nicht wirtschaftlich ausgerichteten Sportverband horrendes Salär von offiziell drei Millionen Schweizer Franken – Krise hin oder her. Auch die längst aus der Öffentlichkeit verschwundene Generalsekretärin Fatma Samoura streicht für ihre unsichtbare Aktivität im Weltfussball jährlich weit über eine Million Schweizer Franken ein. Was in der Finanzindustrie gang und gäbe ist, geziemt sich offenbar auch für den Weltverband mit Sitz in der Schweiz.

Die Verluste, welche die FIFA derzeit einfährt, sind darauf zurückzuführen, dass zahlreiche Wettbewerbe und Turniere abgesagt oder verschoben werden mussten. Spiele ohne Zuschauer bringen zwar (zufolge der TV-Vermarktung) Geld, aber ohne Zuschauer leidet die Ticketingbranche ebenso wie der Hospitality-Bereich oder das Marketingbusiness. Nachdem nun bekannt geworden ist, dass der Vorgänger von Gianni Infantino, Joseph Blatter, sowie der ehemalige Generalsekretär, Jérôme Valcke, von der FIFA-Ethikkommission u.a. mit je einer Million Franken gebüsst worden sind, wird gemunkelt, dass die FIFA auf diesem Wege versuche, die schrumpfenden Erträge zu kompensieren. Wird noch die im vergangenen Jahr ausgefällte Busse von einer Million Schweizer Franken gegenüber dem ehemaligen FIFA-Finanzchef, Dr. Markus Kattner, hinzugezählt, reichen diese Bussen von insgesamt drei Millionen Schweizer Franken wenigstens aus, um den Präsidenten während eines Jahres durchzufinanzieren. Allerdings werden diese ausgefällten Geldstrafen kaum einbringlich gemacht werden können. Keiner der gebüssten, ehemaligen Fussball-Protagonisten wird insbesondere diese pekuniäre Schmach auf sich sitzen lassen. Schon aus juristischen Gründen sind die ausgefällten Bussen kaum zu halten, nicht nur weil sie unverhältnismässig hoch sind. Vor allem die Busse und die ebenfalls verhängte Fussball-Sperre von fast sieben Jahren gegen den 85jährigen Joseph Blatter kommen in der Öffentlichkeit nicht gut an und werden vor allem als unfaires «Nachtreten» des aktuellen FIFA-Präsidenten und seinen Claqueuren qualifiziert. Auch das geht nicht: Dass ein betagter, ehemaliger Funktionär auf diese Weise drangsaliert wird, ist für die Massen ein «no go», auch wenn Joseph Blatter Verfehlungen begangen haben sollte und während seiner Präsidentschaft zweifelsfrei nicht immer alles richtig gemacht hat. Aktuell ist er, obwohl der FIFA-Jurisdiktion und dem Verband längst entrückt, wegen Vorteilsannahme, Interessenkonflikten und Illoyalitäten vom FIFA-Organ «Ethikkommission» sanktioniert und eben für mehrere Jahre gesperrt und mit einer Million Franken gebüsst worden. Drei Ethik-Richter aus Griechenland, den Vereinigten Arabischen Emiraten und aus Belgien haben den wohl untauglichen Versuch unternommen, auf diese Weise mit harter Hand Schweizerisches Vereinsrecht anzuwenden. Die Gallier Asterix und Obelix würden die Vorkommnisse auf dem FIFA-Hügel wohl knapp und knackig werten: «Die spinnen, die FIFA-Funktionäre».

Der Zuschauer-«Wert» mit Blick auf die Fussball-Euro und Olympia

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(causasportnews / red. / 24. März 2021) Erst machte UEFA-Präsident Aleksander Ceferin Dampf (der Zürcher «Tages-Anzeiger» sprach unverholen von «Erpressung»), dann liess sich die Regierung Japans vernehmen – beide Male ging es um Zuschauer/innen, und beide Mal um die beiden grössten und wichtigsten Sport-Veranstaltungen dieses Jahres: Die Fussball-Europameisterschaft im Sommer (11. Juni bis 11. Juli) an zwölf Standorten quer durch Europa sowie die Olympischen Sommerspiele gleich danach (23. Juli bis 8. August) in der japanischen Metropole Tokio. Mit Blick auf beide Veranstaltungen stehen, wegen «COVID 19», zuzüglich derzeit grassierende Mutationen, die Zuschauer/innen im Zentrum des Interesses. Unterschiedlich bezüglich beider Veranstaltungen ist nur das derzeitige, kommunikative Handling der Organisatoren und Schirmherren. Auf der einen Seite steht an der Spitze des Europäischen Fussballverbandes der nicht gerade für eine gewählte Kommunikation bekannte 53jährige Verbands-Präsident aus Slowenien; auf der anderen Seite beweisen die disziplinierten und höflichen Asiaten, dass sie auch in Krisensituationen die Contenance nicht so rasch verlieren. Auch wenn es um die Zuschauer/innen geht, die zwar in «Corona»-Zeiten im Rahmen von Sportveranstaltungen weltweit ein Problem darstellen, jedoch vor allem auch einen pekuniären Wert verkörpern, was den führenden Sportverbänden und -organisationen allmählich bewusst wird. Aleksander Ceferin möchte (deshalb) an der Europameisterschaft Zuschauer/innen in den Stadien haben und setzt die Verantwortlichen der Austragungsorte mehr oder weniger stark unter Druck, bzw. «erpresst» sie, wie nicht nur der «Tages-Anzeiger» kommentiert. Selbstverständlich wird sich weder das «Corona»-Virus noch die zuständigen Regierungen dem pekuniären Diktat der der Wirklichkeit entrückten Fussball-Funktionäre beugen. Der Fussball und das Fussball-Geschäft müssen wohl anders gerettet werden.

Weit gesitteter und vernünftig sind die Töne, welche aus Japan und seitens des Internationalen Olympischen Komitees (IOK) in der «Causa Zuschauer/innen) zu vernehmen sind. Die Sommerspiele werden ohne ausländisches Publikum stattfinden, hiess es aus Japan und Lausanne, dem Sitz des IOK. Sicherheit für alle sei das oberste Gebot nach der vorgenommenen Lagebeurteilung, wurden die Olympia-Verantwortlichen zitiert. Je nach Entwicklung der Pandemie würden wohl auch die Olympischen Wettkämpfe als «Geisterspiele» ausgetragen. Mit seiner «Forderung» bezüglich der Zuschauersituation rund um die Fussball-Europameisterschaft hat der UEFA-Präsident nicht nur zu einem unklugen, stillosen und offensichtlich verzweifelten Rundumschlag angesetzt, sondern sich bereits weitgehend selber unter (unnötigen) Druck gesetzt. Falls zufolge der Pandemie keine Zuschauer/innen die Europameisterschafts-Spiele verfolgen können, gibt der Mann aus Slowenien an der Spitze der UEFA wohl nur noch eine Karikatur ab.

Lothar Matthäus als Bundestrainer? Vom Feeling her ein gutes Gefühl!

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(causasportnews / red. / 23. März 2021) Seit dem Bekanntwerden, dass der Deutsche Bundestrainer Joachim Löw nach der Fussball-Europameisterschaft im Sommer seinen Posten im Deutschen Fussball-Bund (DFB) verlassen werde (causasportnews vom 10. März 2021), interessiert die (Fussball-)Welt nur noch eine Frage: Wer wird dessen Nachfolger? Lanciert wird derzeit vor allem von den Medien die Fussball-Legende Lothar Matthäus. Schliesslich soll der Nachfolger des oft spröden «Jogi» nach drei Jahren anhaltender Erfolglosigkeit etwas mehr «Glamour» versprühen als der zurückgetretene Freiburger. Das Fussball-Leben kann durchaus farbiger sein als dies Joachim Löws schwarzer Rollkragenpullover während über zehn Jahren symbolisierte. Etwas mehr «Pep» im deutschen Nationalmannschaftsfussball würde allen dienen; Joachim Löw galt nicht gerade als Garant von (Fussball-)Spiel und Spass. Mit Lothar Matthäus würde alles anders werden. Wer über einen gewissen Bekanntheitsgrad verfügt, die Medien hinter sich weiss und ihnen genug zum (über)leben lässt, ist in Deutschland schon fast Bundestrainer. Der soeben 60 Jahre alt gewordene Weltmeister von 1990 hechelt derzeit von Interview-Termin zu Talk-Show. Es könnte gut kommen mit Lothar Matthäus. Oder, wie es ein anderer, ehemaliger Star-Kicker, Andy Möller, sagen würde: Vom Feeling her darf Lothar Matthäus durchaus ein gutes Gefühl haben mit individuellem Blick in Richtung Bundestrainer-Job. Er würde zweifelsfrei den (medialen) Erwartungen gerecht. In einem Interview mit der Schweizer Boulevard-Zeitung «Sonntags-BLICK» (21. März 2021) erzählt Lothar Matthäus schon einmal alles über seine Karriere, seine vier Ex-Ehefrauen, sein Familienleben, Schicksalsschläge und den Fussball. Er sagt viel zu diesen Themen, er sagt es «fadengerade» hinaus, und das meiste, das er kommuniziert, hat er zweifellos richtig gedacht. «So begleitete ich meine Mutter in den Tod», titelte die Zeitung vielsagend. Nein, «Loddar», wie er auch liebevoll genannt wird, hat keine Ambitionen auf Sterbebegleitung. Im Interview spricht er vor allem über seine Mutter, die ihm sehr nahestand. «Sie ist bei ihrem Mittagsschlaf auf der Couch einfach eingeschlafen», erinnert sich die Fussball-Legende an den plötzlichen Tod der Mutter. Derzeit ist Lothar Matthäus in fünfter Ehe verheiratet, aber: «Ich habe zu allen meinen Ex-Frauen ein super Verhältnis», legt er seine persönliche Familien-Konstellation vielsagend offen. Selbstverständlich würde sich der ambitionierte, derzeitige TV-Fussball-Experte eine DFB-Anfrage bezüglich des Amtes als Bundestrainer überlegen – und selbstverständlich zugreifen, falls sich die Chance dazu bieten würde. Auch wenn es um die Deutsche Nationalmannschaft geht. Denn Lothar Matthäus lässt, im Zusammenhang mit seiner beeindruckenden Laufbahn im Fussball und seinem Privatleben, nicht viele gute Haare an seinen Landsleuten. «Ich bin nicht stolz, Deutscher zu sein», sagt er. Generell werde in Deutschland respektlos mit Menschen, die etwas erreicht haben, umgegangen. «Man ist hämisch und schadenfroh, wenn einer vom Sockel geholt wird. Wenn man den Führerschein verliert oder irgendwelche Frauengeschichten öffentlich werden, dann wirst du mit Häme überschüttet»; mit Blick etwa auf die gestürzten Helden Franz Beckenbauer und Boris Becker seien die Deutschen sehr hart in ihren Urteilen. Aber so sei die Neidgesellschaft, die er nicht verstehe, sagt «Loddar». Der Rekordnationalspieler seines Landes hat durchaus eine sanfte Seite: «Ich bin auch sensibel und weine, wenn mich etwas trifft», sagt er und meint damit zweifelsfrei nicht den Ball. Dennoch würde er einigermassen sicher als Bundestrainer des deutschen Nationalteams zur Verfügung stehen, als Trainer jedoch sicher nicht mehr im «Tagesgeschäft», das heisst wohl, nicht mehr im Klub-Fussball. Ob es mit Lothar Matthäus und der «Mannschaft» soweit kommen wird? Wohl eher nicht. Falls doch, würde sich der fite 60jährige, der auch ab und zu «den Schweinebraten nicht liegen» lässt, wohl sagen: «Humor ist, wenn die Deutschen trotzdem lachen».

Verzogener Pulverdampf, bleibende Realität

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(causasportnews / red. / 18. März 2021) Es sind gerade einmal zehn Tage vergangen, seit die Stimmenden der Schweiz (dazu gehören, das Ausland glaubt es kaum, auch die Schweizerinnen) im Rahmen einer Volksabstimmung dafür votiert haben, dass es künftig verboten sein soll, das Gesicht in der Öffentlichkeit zu verhüllen. Die Abstimmung ging denkbar knapp aus: Etwas mehr als 51% der Stimmenden votierten für das «Verhüllungsverbot», knapp 49% sprachen sich dagegen aus. Obwohl das Verbot auch etwa vermummt auftretende «Hooligans» betrifft, wurde die Debatte vor der Abstimmung entsprechend politisch aufgeladen, auch von den Initianten. Die Vorlage eines der rechten Schweizerischen Volkspartei (SVP) nahestehenden Komitees wurde letztlich zur Glaubensfrage emporstilisiert, bei der einzig die Thematik die Diskussionen beherrschte, wer nun islamfeindlich und wer -freundlich sei. Solche Vorlagen erzeugen in den letzten Jahren gewaltigen Pulverdampf. Sie polarisieren entsprechend und zeigen, dass es bei Grundsatzfragen in der Schweiz zwei Lager gibt, die sich in zentralen Fragen unversöhnlich gegenüberstehen. Oder für sich in Anspruch nehmen, sich auf der moralisch «richtigen» Seite zu befinden, was letztlich dazu berechtigt, missbeliebige Volksentscheide nicht nur nicht mehr mitzutragen, sondern (weiter) zu bekämpfen. Dieses Faktum manifestiert sich bei kernigen Abstimmungsvorlagen, die vom Volk hauchdünn gutgeheissen oder ebenso knapp verworfen werden – je nachdem, aus welcher Ecke sie kommen. Es ist dies vor allem auch ein zwischenzeitlich geradezu zur Norm gewordenes Zeichen, dass, nüchtern betrachtet, vom ursprünglichen Demokratie-Gedanken in der Schweiz nicht mehr viel übrig geblieben ist. Vielmehr sogar grundsätzlich, dass eine Demokratie zur Farce wird, wenn in entscheidenden oder brisanten Sachfragen keine soliden Mehrheiten auszumachen sind. Bei knappen Abstimmungsausgängen erweisen sich die Unterlegenen, vor allem, wenn das linke Lager betroffen ist, als eher schlechte Verlierer. Nach der Abstimmung zum «Verhüllungsverbot» kündigten islamfreundliche Kreise an, die zu schaffende, gesetzliche Regelung vor internationale Gerichte bringen zu wollen. Die Ja-Sager/innen wurden teils regelrecht beschimpft. Echte Demokratie manifestiert sich wohl anders. Hinzukommt, dass der Föderalismus längst ein «Auslaufmodell» darstellt; er funktioniert schlicht nicht mehr. Heute dominieren Polarisierungen verschiedenster Ausprägung das zentral regierte Leben in der Schweiz. Typisch ist es deshalb, dass nach dem angenommenen «Verhüllungsverbot» nur die Rede ist von den wenigen, betroffenen Nikabträgerinnen in der Schweiz, nicht aber etwa von den «Hooligan»-Horden im Umfeld von Mannschaftssportarten, welche für den organisierten Sport ein reales Bedrohungsbild abgeben. Oder von den Wahnsinnigen, welche die Demonstrationen jeweils am 1. Mai zu Saubannerzügen werden lassen. Nach der denkbar knapp ausgegangenen Abstimmung vor zehn Tagen hat sich der in heissen Diskussionen und gehässigen Nachbearbeitungen erzeugte Pulverdampf zwar wieder etwas verzogen – vor allem wegen des Dauerbrenners «Corona», doch nun steht erst einmal die Umsetzung des beschlossenen Verbotes an. Hierzu hat die zuständige Justizministerin (bezeichnenderweise eine Liberale ohne juristischen Background) schon einmal dergestalt politisch unglücklich vorgelegt, dass die Kantone das vom Volk beschlossene «Verhüllungsverbot» umsetzen müssten, wie sie sagte. Bezüglich der in der Regel vermummt auftretenden und wütenden «Hooligans» bestehen in teils Kantonen bereits seit geraumer Zeit Verhüllungsverbots-Bestimmungen, die jedoch meist eher schlecht als recht greifen. Das gilt auch bezüglich der Vandalen am 1. Mai. Nun wird das Eidgenössische Parlament für die ganze Schweiz ein entsprechendes Gesetz zur Umsetzung der Initiative schaffen müssen. Das bedeutet wohl, dass die Abstimmungs-Verlierer/innen das Verbot auf diesem Wege nochmals torpedieren werden. Die Wahrscheinlichkeit, dass dieses zeitnah in einem Gesetz einen Niederschlag finden wird, dürfte relativ gering sein. Das ist aktuelle Demokratie in der modernen Zeit: Verdikte des Volkes bekämpfen, solange es geht. Vor allem dann, wenn es um polarisierende Glaubensfragen geht und (vermeintlich) nicht auch um den organisierten Sport gefährdende «Hooligans», die zwar im Moment keine Gefahr bilden, da sie durch «Corona» eingebremst werden.