Joseph Blatters definitives Ende als Sportfunktionär

(causasportnews / red. / 7. Dezember 2016) Mit dem Entscheid des Lausanner Sportschiedsgerichts (TAS) vom Montag ist der definitive Schlusspunkt unter die jahrzehntelange Sport-Funktionärspraxis des ehemaligen FIFA-Präsidenten Joseph Blatter gesetzt worden. Wie zuvor die Berufungskommission der FIFA, sah das TAS keine Veranlassung, die Entscheidung der Ethikkommission des Weltfussballverbandes zu korrigieren. Das bedeutet, dass Joseph Blatter eine Sperre von sechs Jahren verbüssen muss. Gleich nach Bekanntwerden des Verdikts liess er informieren, dass er den Entscheid nicht an das Schweizerische Bundesgericht weiterziehen würde. Die Erfolgsaussichten hierfür wären in der Sache selber wohl auch nicht zu gross gewesen. Auf diese Weise endet nun die Sportfunktionärs-Karriere von Joseph Blatter definitiv.

Dem Vorgänger von Gianni Infantino wurde eine Zahlung von zwei Millionen Franken aus der FIFA-Kasse an seinen ehemaligen Weggefährten und UEFA-Präsidenten Michel Platini zum Verhängnis. Auch das TAS sah für eine solche Zahlung offenbar keine beweisbare, irgendwie nachvollziehbare Rechtsgrundlage und nahm somit einen Verstoss gegen das FIFA-Ethikreglement (Art. 20) durch den damaligen, höchsten Verantwortlichen der FIFA an. In der gleichen Angelegenheit wurde vor einigen Monaten gegen Michel Platini als Empfänger der ominösen Zahlung eine Sperre von vier Jahren ausgefällt. Sowohl Joseph Blatter als auch Michel Platini wurden von der FIFA-Ethikkommission mit Sperren von je acht Jahren belegt, die FIFA-interne Berufungskommission reduzierte die Strafen danach bei beiden Funktionären um zwei Jahre. Am TAS erreichte Michel Platini eine weitere Strafreduktion um zwei Jahre, bei Joseph Blatter wurde das Strafmass der FIFA-Berufungskommission bestätigt. Diese differenzierte Betrachtungsweise des TAS mag damit zusammenhängen, dass Joseph Blatter im TAS-Verfahren einen „Freispruch“ verlangt hatte und etwa keinen (Eventual-)Antrag auf Reduktion der Strafe gestellt hatte. Der langjährige FIFA-Präsident hatte immer betont, vor dem TAS einen „Freispruch“ erreichen zu wollen. Da wäre es in seinen Augen wohl inkonsequent gewesen, einen Antrag zu stellen, im Falle eines „Schuldspruchs“, den er eben kategorisch negierte, eine Reduktion des Strafmasses zu verlangen. Ob vier oder sechs Jahre, ist im Gesamtkontext der „Causa Blatter“ ohnehin irrelevant. Der über 80jährige Walliser ist so oder so am Ende seiner Funktionärskarriere angelangt. Die tragische Komponente dieser Angelegenheit sei an dieser Stelle nicht verschwiegen. Gemessen an seinen Leistungen für den organisierten Sport hätte der Fussballfunktionär durch und durch einen würdigeren Abgang verdient. Noch nicht abgeschlossen sind die strafrechtlichen Untersuchungen der Schweizerischen Bundesanwaltschaft gegen Joseph Blatter.

Theo Zwanziger gegen Schweizerische Bundesanwaltschaft

strafanzeige(causasportnews / red. / 6. Dezember 2016) Die Versuche, die Hintergründe im Zusammenhang mit der Fussball-WM-Vergabe 2006 zu erhellen, nehmen teils auch groteske Formen an. Die Schweizerische Bundesanwaltschaft ist in dieser Angelegenheit seit einiger Zeit ermittelnd tätig, ohne dass allerdings bisher ein zählbares Resultat hätte vermeldet werden können. Die Ermittlungen führen nun auch zu „Nebenkriegsschauplätzen“. So ist gegen die ermittelnde Bundesanwaltschaft durch den ehemaligen deutschen DFB-Präsident, der auch während Jahren der FIFA-Exekutive angehörte, Dr. Theo Zwanziger, eine Strafanzeige eingereicht worden. Gegen den 71-jährigen ehemaligen Fussball-Funktionär wird wegen des Verdachts auf Betrug, Geldwäscherei und Veruntreuung im Zusammenhang mit der WM-Vergabe 2006 an Deutschland im Dezember 2000 ermittelt; betroffen von den Ermittlungen sind in diesem Zusammenhang u.a. auch Franz Beckenbauer, der vor etwas mehr als einem Jahr zurückgetretene DFB-Präsident Wolfgang Niersbach sowie der ehemalige DFB-Generalsekretär Horst R. Schmidt. Theo Zwanziger sieht in diesen angehobenen Ermittlungen gegen ihn nicht begründete, ehrverletzende Tatsachenbehauptungen und hat deswegen bei der Staatsanwaltschaft Koblenz (Deutschland) eine entsprechende Anzeige gegen die Schweizerische Bundesanwaltschaft deponiert. In Abrede gestellt wird von Theo Zwanziger und seinem Anwalt vor allem die Zuständigkeit der ermittelnden Schweizer Behörden. „Wir haben im Schweizer Strafgesetzbuch keine Zuständigkeitsvorschrift gefunden, die das ermöglicht“, lässt sich Theo Zwanziger durch seinen Rechtsvertreter zitieren. – Theo Zwanziger ist dafür bekannt, keinem (juristischen) Kampf aus dem Wege zu gehen. Mit seiner Strafanzeige gegen die Bundesanwaltschaft dürfte der streitbare Jurist allerdings kaum mehr als etwas Aufmerksamkeit erregen.

Football Leaks macht’s möglich – ein Sittengemälde zum Fussball

(causasportnews / red. / 5. Dezember 2016) Während einiger Monate herrschte um die Enthüllungsplattform „Football Leaks“ Ruhe, jetzt wartet der europäische Verbund von Medienschaffenden (European Investigative Collaborations, EIC), welche die Millionen Dokumente der Plattform auswerten, mit Neuigkeiten zu den Sitten und Gebräuchen im Top-Fussballbereich auf. Insider sind allerdings wenig erstaunt über das Enthüllte, die Öffentlichkeit ist es vielleicht eher. Im Wesentlichen geht es immer um die selbe Vorgehensweise: Super-Spieler, wie Cristiano Ronaldo, Mesut Özil oder Star-Trainer, wie José Mourinho, versuchen seit Jahren, Teile ihrer Einkünfte „steueroptimiert“ ins Trockene zu bringen. Dazu werden mit Hilfe windiger Anwälte, Steuerberater und Spieleragenten Konstrukte aktiviert, die nun im Fokus der Kritik stehen. Signifikanterweise betreffen die von den Medien ausgewerteten Fälle Spieler und Trainer, die (ausgerechnet) in Spanien, einem Land, das in einer tiefen Wirtschafskrise steckt, tätig sind oder waren. Und immer erfolgen die „Steueroptimierungen“ nach dem gleichen Schema: Weil es an den Salären nichts zu deuteln gibt und dieser Arbeitserwerb vertragsgemäss versteuert werden muss, die Top Shots des Fussballs aber auch markante Werbeträger sind, werden deren Bild- und Namensrechte (die auch unter den Generalbegriff „Marketingrechte“ subsumiert werden könnten; die Rede ist auch ab und zu von „Persönlichkeitsrechten“, die auf eine aussenstehende Unternehmung übertragen werden) an Firmen in steuergünstigen Destinationen rund um den Globus verkauft. Diese Firmen versteuern zwar die Erträge, jedoch zu verschwindend kleinen Sätzen. Von dort werden die minimal, aber formell korrekt versteuerten Gelder dann an die Spieler und Trainer weitergeleitet. Dieses Steueroptimierungsmodell wird nun massiv gebrandmarkt. Die europäischen Medien, welche die Auswertung der Football Leaks-Papiere vorgenommen haben, geisseln diese Usanzen im Fussball, ohne den Vorwurf der juristischen Unkorrektheit zu erheben. Gleichsam wird ein Sittengemälde des modernen Fussballs gezeichnet, das an die Exzesse im Bankenbusiness erinnert. Letztlich wird auch der Fussballkonsument sensibilisiert, der Top-Spieler und Trainer fordert, sich aber offensichtlich nicht bewusst ist, dass er so mithilft, den Entschädigungswahnsinn zu befeuern. In Spanien werden für Top-Spieler und Trainer Unsummen ausgegeben; investiert Real Madrid das Geld für Cristiano Ronaldo nicht, tut dies einfach der FC Barcelona. Ein weiterer Aspekt ist, dass die Werbewirtschaft, welche Spieler und Trainer in Werbekampagnen einbindet, an dieser Spirale mitdreht und die Nutzung der Bildrechte von Top-Spielern über Marketingfirmen der Spieler und Trainer abzugelten gewillt ist. Ein ziemlich düsteres Bild zu Raffgier und Missgunst in einer Parallelwelt wird hier gezeichnet, die Spieler werden als „Geldfussballer“ und „“Geldmeister“ angeprangert. Dieses wird wohl kaum zu korrigieren sein, obwohl Steuerumgehungen an sich kaum deutlicher manifestiert werden können wie bei diesen Konstrukten. Vielleicht steckt Spanien eben auch gerade deshalb in einer Wirtschaftskrise, weil solche Machenschaften quasi als Gott gegeben hingenommen werden und Steuerpflichtigen, die auch nach ordentlicher Besteuerung aller Einnahmen immer noch Geld in Hülle und Fülle zur Verfügung hätten, schonen.

Oesterreichischer OGH qualifiziert Optionsvereinbarung als unwirksam

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Urherber: Gryffindor

(causasportnews / red. / 2. Dezember 2016) Befristete Spielerverträge in Mannschaftssportarten sind an sich (juristisch) unproblematisch. Als weit schwieriger präsentiert sich die Rechtslage, wenn in der Praxis Optionsvereinbarungen bezüglich Verlängerung von befristeten Verträgen getroffen werden, die entweder zu Gunsten des Spielers (Arbeitnehmer), zu Gunsten des Klubs (Arbeitgeber) oder sogar gegenseitig stipuliert werden. Nach verschiedenen nationalen Rechtsordnungen (z.B. in der Schweiz oder in Deutschland) sind derartige Verlängerungsoptionen teils unwirksam (nichtig). Der Oberste Gerichtshof Österreichs (OGH) hat der bereits reichen Judikatur zu dieser Thematik nun ein weiteres klärendes Urteil hinzugefügt und eine Optionsvereinbarung, die dem Arbeitgeber (Verein) das Recht einräumte, den auf ein Jahr befristeten Arbeitsvertrag mit einem Professional-Spieler ohne Verbesserung der Vertragsbedingungen für den Spieler um weitere Vertragsjahre vorzusehen, als unwirksam qualifiziert (Urteil des OGH vom 28. Oktober 2016; 9 ObA 88/16f). Im konkreten Fall liess sich der Verein im Rahmen eines befristeten Arbeitsvertrags mit einer Laufzeit von einem Jahr eine Verlängerungsoption für zwei weitere Vertragsjahre einräumen; eine Verbesserung der Konditionen für den Spieler im Falle der Optionsausübung war im Vertrag nicht vorgesehen. Nach einem in der Praxis oft üblichen juristischen Gerangel verlangte der Fussballspieler schliesslich die gerichtliche Feststellung, dass der Vertrag nach Ablauf der vereinbarten, befristeten Zeit, also nach dem ursprünglich vereinbarten Vertragsjahr, nicht mehr fortbestehe. Die Optionsvereinbarung sei wegen Verstosses gegen den Kollektivvertrag für Fussballspieler/innen der Österreichischen Fussball-Bundesliga unwirksam. Diese Rechtsauffassung wurde nun vom OGH bestätigt; bereits das Erstgericht sowie das Berufungsgericht gelangten zu dieser Folgerung. Die Begründung des Urteils steht noch aus.

Bayern München und Swiss Olympic – Sport-Personalien ohne Überraschungen

(causasportnews / red. / 29. November 2016) Dass Uli Hoeness wiederum zum Präsidenten des FC Bayern München gewählt werden würde, war seit Monaten klar (vgl. auch Causa Sport News vom 13. Oktober 2016). Am vergangenen Freitag war es dann auch formell soweit: In der Jahreshauptversammlung des Münchner Top-Klubs wurde der ehemalige Spitzen-Fussballer mit über 7000 Stimmen bei nur 108 Gegenstimmen und 58 Enthaltungen zum obersten Repräsentanten des FC Bayern München nicht nur gewählt, sondern regelrecht gekrönt. Die jüngste, juristisch geprägte Vergangenheit hat Uli Hoeness in keinster Weise geschadet. Im Gegenteil. Die Massen haben ihm verziehen und seine neu aufgelegte missionarische Sendung mit einem überwältigenden Wahlergebnis legitimiert. Müssig zu hinterfragen, wie das kommen konnte. Weshalb verzeiht zum Beispiel das Fuss(ball)volk dem einen (juristisch) gefallenen Helden (Uli Hoeness) alles, dem andern (Franz Beckenbauer, der in keiner Weise strafrechtlich beschädigt ist) nichts (mehr)? Die Antwort scheint klar: Uli Hoeness hat seinen Kredit beim Fussballvolk (noch) keineswegs aufgebraucht, Franz Beckenbauer, ebenfalls im Münchner Fussball während Jahrzehnten ein Monument, offensichtlich schon. Der Grund für Sympathie und Antipathie weist immer die selbe Ursache auf: Auch einem Kaiser, der mehr für sich als für seine Untertanen wirkt, verzeiht das Volk nicht. Uli Hoeness hat es bis dato geschafft, das Volk zu überzeugen, dass er sich für Brot und Spiele verwendet, aber sein persönliches Wohl nicht im Vordergrund sieht.

Wenige Stunden vor der Wahl von Uli Hoeness zum Bayern-Präsidenten erfolgte auch in der Schweiz eine Wahl, die keinen Staub aufwirbelte, sondern erwartet wurde.

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copyright: René Kappeler, CH-8623 Wetzikon

Der bürgerliche Politiker Jürg Stahl, gestern vom Parlament zum Nationalratspräsidenten, zum „höchsten“ Schweizer, gewählt, schaffte an der Generalversammlung von „Swiss Olympic“, dem Dachverband des schweizer Sports (Zusammenschluss aller Sport-Fachverbände), die Wahl zum Präsidenten bereits im ersten Wahlgang. Festzuhalten bleibt, dass Jürg Stahl bei der Wahl zum obersten Sportfunktionär noch zwei (chancenlose) Gegenkandidaten hatte, als Nationalratspräsident war er aber gleichsam „gesetzt“. – Da unterlässt der organisierte schweizer Sport nichts, um zu unterstreichen, dass er u.a. politisch „neutral“ sei, so steht es auch ausdrücklich im ersten Artikel der Statuten von „Swiss Olympic“, um dann den höchsten Politiker der Schweiz zum obersten Sport-Funktionär des Verbandes zu küren. Wobei das Prozedere konkret umgekehrt verlief: Zuerst Wahl zum höchsten Sportfunktionär, danach die nur noch pro forma-Ernennung zum höchsten Politiker. Verhältnisse wie im vielgescholtenen Russland? Nun, der Sport sorgt bisweilen für Überraschungen, vor allem, wenn es um Personalien geht. Da fallen hehre Grundsätze auch einmal ausser Rang und Traktanden. Wie im „Fall“ von Jürg Stahl. Kaum jemand, auch nicht die sonst ethisch aufgeladenen Medien, fragt sich, wie der Sport auf höchster Ebene politisch neutral bleiben kann, wenn der oberste Sportfunktionär zugleich der höchste Politiker der Schweiz ist. Dass die Politik seit jeher den Sport für eigene Zwecke einsetzt, ist allerdings kein Novum, wie es die Geschichte immer wieder zeigt.

Gewaltbereitschaft in sportlichen Umfeldern auch gegen Polizei

od_symbolbild01(causasportnews / red. / 25. November 2016) Die Thematik ist nicht neu, akzentuiert sich aber immer mehr. Die Gewalt im Allgemeinen und auch die Gewaltbereitschaft etwa gegen Polizeikräfte nimmt Dimensionen an, die erschrecken, jedoch beispielsweise in der Stadt Zürich mit ihren herrschenden politischen Kräften und dem sonderbaren Verständnis einer offenen Gesellschaft nicht verwundern. Die allgemeinen Medienberichte nach jedem Wochenende ähneln je länger desto mehr Kriegsreportagen: Sachbeschädigungen, Saubannerzüge, Attacken von Vermummten, Angriffe auf im Einsatz befindliche Sanitäts- und Feuerwehrleute, Massenschlägereien, Messerstechereien, Angriffe gegen Leib und Leben unschuldiger Personen sowie Gewalt und Drohungen gegen die Repräsentanten des Staates. Die weiterhin zunehmende Gewaltbereitschaft, die sich auch permanent in Gewalt entlädt, ist ein Faktum. Und ein allgemeines Phänomen (in der Schweiz musste die Polizei innerhalb eines Jahres über 14000 Mal, wegen häuslicher Gewalt intervenieren; das sind immerhin 38 Fälle pro Tag). Der Sport macht vor dieser Entwicklung nicht halt. Im Gegenteil.

„Die Gewaltbereitschaft im Sport ist von 2013 bis 2015 massiv angestiegen. 2016 ist ein erklärbarer rückläufiger Trend ersichtlich. In der Stadt Zürich ist aufgrund des Wegfalls des Derbys Grasshoppers gegen den FC Zürich die Situation generell etwas entspannter. Dennoch besteht aufgrund des Vorhandenseins einer gewaltbereiten Kernszene ein immenses Gewaltpotenzial, wie z.B. am letzten Samstag beim Spiel GC-Thun“, sagt der Mediensprecher der Stadtpolizei Zürich, Marco Cortesi. Der seit Jahrzehnten im Polizeidienst stehende Medienchef des städtischen Polizeikorps spricht unter anderem von gezielten Angriffen auf Polizistinnen und Polizisten in Zürich. Vor allem in den Jahren 2013 bis 2015 stellt er auch im „Fan“-Umfeld der Fussball- und Eishockeyklubs eine Radikalisierung fest; Neuerdings werden „Fans“ von Sportklubs vermehrt sogar dann gewalttätig, wenn „ihr“ Klub gar nicht im sportlichen Einsatz steht. So wurden kürzlich „Fans“ des FC Zürich (!) anlässlich eines Spiels des Zürcher Grasshoppers Klubs gegen den FC Thun gegen deren „Fans“ gewalttätig. Eine schwierige Situation für die Polizei. „Zum Teil wurden auch schwerste Verletzungen in Kauf genommen. Polizistinnen und Polizisten, die etwa in Zivilkleidung erkannt werden, werden immer wieder angegriffen und zum Teil verletzt “, sagt Marco Cortesi und verschweigt nicht, dass er selber auch schon angegriffen wurde und bei vorhersehbaren Ausschreitungen  mit Polizeischutz unterwegs ist.

Wie diesen Gewaltexzessen Einhalt geboten werden könnte, scheint ein Buch mit sieben Siegeln zu sein. Die Stadtpolizei Zürich betreibt diesbezüglich auch Ursachenforschung, etwa im Rahmen des Projektes „PIUS“ (Polizei im urbanen Spannungsfeld) unter Einbezug aussenstehender Spezialisten. Ein umsetzbares Rezept gegen die flächendeckende Gewalt und Gewaltbereitschaft scheint bisher nicht gefunden worden zu sein. Was seitens der Polizei niemand sagen kann, will und darf, scheint aber offenkundig: Solange in der Stadt Zürich derartige politische Verhältnisse herrschen, dürfte sich die urbane Gewaltspirale weiter drehen – auch im Zusammenhang mit dem Sport.

Zum zweiten Mal Anklage gegen Jan Ullrich – unbestimmter Verhandlungstermin

swisslaw2016_3332(causasportnews / red. / 23. November 2016) Grundsätzlich ist es nicht schlecht, wenn Gerichte in Strafsachen „Deals“ zwischen Anklage und Verteidigung nicht einfach „durchwinken“. Fast immer werden solche Absprachen nicht genehmigt, wenn die von den Parteien ausgehandelte und dem Gericht zur Genehmigung vorgeschlagene Strafe in den Augen von Justizia als zu milde betrachtet wird. Der ehemalige Rad-Professional Jan Ullrich scheint die berühmte Ausnahme von der Regel zu bestätigen. Nach seinem Unfall im Frühjahr 2014 im Kanton Thurgau hatte das Bezirksgericht Weinfelden den von Anklage und Verteidigung vorgelegten strafrechtlichen Abschluss 2015 nicht genehmigt und die Akten an die Untersuchungsbehörde zurückgewiesen. Verlangt wurden Zusatzabklärungen bezüglich der Geschwindigkeit, mit der Jan Ullrich vor dem Unfallereignis unterwegs war; ebenso wurden Erhebungen zur Fahr(un)fähigkeit des ehemaligen Rad-Stars gefordert. Diese Resultate scheinen zu Gunsten des bald 43jährigen ausgefallen zu sein. Vor allem wäre dann das Delikt nicht als „Raserunfall“ zu qualifizieren (dafür müsste eine Geschwindigkeit von mindestens 140 km/h nachgewiesen werden; die damalige Geschwindigkeit soll jedoch „nur“ 132 km/h betragen haben). In der neuen Anklageschrift wird dann auch eine leicht mildere Bewährungsstrafe als beim ersten Anlauf verlangt, ebenso eine tiefere Busse. Die Anklage der Staatsanwaltschaft Bischofszell lautet auf vorsätzliche, grobe Verkehrsregelverletzung und mehrfaches vorsätzliches Fahren in qualifiziert fahrunfähigem Zustand. Noch ist unklar, wann die „Causa Ullrich“ am Bezirksgericht Weinfelden verhandelt wird. Wie das Gericht heute auf Anfrage bestätigte, ist noch kein Verhandlungstermin angesetzt worden. Offenbar als Folge dieses Unfalls mit dem entsprechenden, medialen Echo hat Jan Ullrich seinen Wohnsitz von der Schweiz (Scherzingen/Thurgau) nach Mallorca verlegt. Da Jan Ullrich stets zu seinen Verfehlungen gestanden ist und das Unrecht seines Verhaltens bedauert, kann dieser Domizilwechsel allerdings nicht als „Flucht vor der Justiz“ gewertet werden.