causasportnews.com – 64/2026, 13. Juli 2026
(causasportnews / red. / 13. Juli 2026) Sie war angetreten, um den Weltmeister-Titel heuer in Übersee abzuholen, doch dieses Unterfangen ging, wie bekannt, schief. Die deutsche Fussball-Nationalmannschaft flog rund drei Wochen vor dem WM-Ende gegen Paraguay aus dem Turnier. Statt Finalspiel am Sonntag, 19. Juli, heisst es seit dem 29. Juni: Zurück in die Heimat. Alles war schon vor Beginn des Turniers am 11. Juni angerichtet, um nach einem Finalsieg den Weltmeistertitel zu würdigen und zu feiern. Doch seit dem Rauswurf der deutschen Nationalmannschaft aus dem Turnier durch den Fussball-Zwerg Paraguay herrscht in Deutschland Tristesse und Katerstimmung. Die WM-Endrunde wird, was den Sport angeht, seit dem fussballerischen Super-GAU praktisch ignoriert, es herrscht im Land der Dichter, Denker und Fussball-Experten WM-Frust statt WM-Lust. Nur ein Thema ist geeignet, die «Schmach von Boston» zu übertünchen: Die Nachfolgefrage des im noch laufenden Turnier gescheiterten Bundestrainers Julian Nagelsmann. Das geht dann so: «Ein neuer Bundestrainer muss her, und zwar subito, dann sind wir wieder wer». An der WM-Endrunde 2030 soll der Faux pas dieses Jahres in Übersee mit dem Gewinn des WM-Titels vergessen gemacht werden. Doch weshalb nun diese Eile mit der Wahl eines neun Fussball-Messias’ an der Seitenlinie? Wohl deshalb, weil es einen Messias nur einmal gibt. Ein fussball-relevantes Thema muss es sein, um zumindest die Medien im Spiel zu halten, solange der Weltmeister 2026 noch nicht feststeht. Der Drang, zu den Siegern und Auserwählten zu gehören, treibt nicht nur Menschen in Deutschland in der Not zu Höchstleistungen an. Die Krönung eines neun Fussball-Nationaltrainers wird demnach als Event zelebriert, wie wenn die deutsche Nationalmannschaft auf die Besteigung aller Berge dieser Welt über 8000 Meter vorbereitet werden müsste, und dies ohne Sauerstoff selbstverständlich. Jetzt einfach die Wunden der WM-Endrunde in Mexiko, in den USA und in Kanada verheilen lassen, das ist die Devise der Königsmacher im Deutschen Fussball-Bund (DFB), dem grössten, nationalen Sport-Fachverband auf der Welt. Verständlich, wenn auch, nüchtern betrachtet, ein wenig bekloppt.
Vor allem von der Boulevard-Presse wird seit dem Debakel gegen Paraguay an Stelle des geschassten Julian Nagelsmann der aktuelle Notnagel des Fussballs in Deutschland gefordert: Der 59jährige Jürgen Klopp, der an der WM-Endrunde im Jahr 2030 kurz vor der Pensionierung stehen wird, falls er bis dann sportlich «überlebt». Der offenbar einzige Hoffnungsträger wird rundherum hofiert, von den Medien, von der Fussball-Öffentlichkeit, inklusive von den über 80 Millionen Geheim-Bundestrainerinnen und -Bundestrainern in Deutschland. Würde es die «Caus Jürgen Klopp» derzeit nicht geben, wäre die «Causa Fussball» in Deutschland inexistent. Deshalb darf mit dem Thema auch stressig umgegangen werden, obwohl die Evaluation eines Bundestrainers derzeit so wenig eilt wie die Vorbereitungen auf den kommenden Winter. Mit Berichten über «Geheimtreffen» der DFB-Funktionäre, etwa im Land des WM-Ausrichters Amerika, wird das «Prinzip Hoffnung» mit Blick auf eine glorreiche Zukunft im deutschen Fussball geschürt. Einen «Bundestrainer-Gipfel», auch «Geheim-Gipfel» genannt, hat soeben in New York stattgefunden, wie die «BILD»-Zeitung exklusiv vermeldete (12. Juli 2026). Die Funktionärs-Rentner Bernd Neuendorf (DFB-Präsident) und Hans-Joachim Watzke (DFB-Vize-Präsident) bestritten den Fussball-Gipfel mit Jürgen Klopp. Nach genau 4:14 Stunden wurde froh und glücklich über die «BILD»-Zeitung vermeldet, dass Deutschlands-Fussball-Messias einen Vertrag mit dem DFB bis 2030 unterzeichnen soll. Über die wesentlichen Punkte (will in der Juristensprache heissen: über die «essentialia negotii» eines Vertrages) sei eine Einigung erzielt worden. So rasch wie erwartet, geht es mit dem Vertragsabschluss jedoch nicht vorwärts, da es noch einiges mit dem aktuellen Arbeitgeber von Jürgen Klopp zu bereinigen gibt; will heissen: Der als neuer Bundestrainer vorgesehene Kandidat muss noch aus dem «Red Bull»-Kosmos herausgelöst, wohl herausgekauft werden. Es muss eben alles, was dem DFB künftig Flügel verleihen könnte, getan, oder, falls notwendig, bezahlt werden.
Die Personalie Jürgen Klopp wird kaum mehr während der noch laufenden WM-Endrunde erledigt sein. Diese kann nach dem WM-Final am kommenden Sonntag ohne Stress finalisiert werden. Auch Deutschland wird sich dann von der Last des diesjährigen WM-Debakels befreit haben. Dank des Fussball-Alltags, der dann wieder einkehren wird.










