causasportnews.com – 62/2026, 7. Juli 2026
(causasportnews / red. / 7. Juli 2026) Wetten, dass es FIFA-Präsident Gianni Infantino und seine Funktionärs-Claqueure des Welt-Fussballverbandes FIFA irgendwann fertigbringen könnten, den Fussball zu zerstören? Falls nicht jetzt, dann wohl in absehbarer Zeit. Was macht die Faszination des Fussballs aus? Das Spiel funktioniert nach wenigen, einfachen Regeln. Im Fussball werden gemeinhin zwei Ebenen (Sportebene und Rechtsebene) unterschieden, auf denen sich der organisierte Fussball-Spielbetrieb bewegt. Diese Unterscheidung wird auch etwa vom Schweizerischen Bundesgericht vorgenommen und basiert auf den dogmatischen Entwicklungen des längst verstorbenen, genialen Berner Rechts-Professors Max Kummer, der seine bis heute anerkannte Theorie vor mehr als 50 Jahren in einer bemerkenswerten Abhandlung veröffentlicht hat (Max Kummer, Spielregel und Rechtsregel, Bern 1973). Es wird unterschieden zwischen Spielregel– und Rechtsregel-Sphäre. Kurz gesagt: Im Spielregelbereich ist die Juristerei durchwegs ausgeschlossen (was auch für die Gerichtsbarkeit gilt), im Rechtsregelbereich dürfen sich hingegen auch Juristen «austoben».
Die «Causa Folarin Balogun» hat an der laufenden WM-Endrunde in Mexiko, in den USA und in Kanada die Fussballwelt auf den Kopf gestellt und, zumindest temporär, weltweite Empörung ausgelöst. Nicht deswegen, weil der amerikanische Super-Star gegen Belgien trotz einer zuvor eingehandelten Roten Karte – reglementswidrig – auf dem Platz stand; zumindest der Fussball-Gott hatte ein Einsehen und sorgte dafür, dass die amerikanische Klopper-Truppe gegen Belgien aus dem WM-Turnier flog. Es war dies die Folge eines klassischen Falls einer Verbands-Rechtsbeugung, weil die Fussballregeln klar sind: «Nach ‘Rot’ bist Du tot», weiss jedes Kind. So präsentiert sich die Sachlage auch im aktuellen WM-Turnier. Die Fussballregeln sind, vgl. oben, so etwas von einfach. Dann wurde seitens der FIFA zur Fussball-Rabulistik gegriffen. Art. 27 des FIFA-Disziplinarreglements lasse diese Interpretation zu, dass die FIFA-Disziplinarkommission berechtigt sei, die Umsetzung von Disziplinarmassnahmen auszusetzen. Nur war die Sache mit Folarin Balogun eben keine Disziplinarsache, sondern ein Vorgang, der sich in der Spielregelsphäre ereignete. Was der Schiedsrichter auf dem Platz entscheidet, wird reglementsgemäss perpetuiert. Konkret war die Folge der Roten Karte für den US-Spieler eine Spielsperre nach seiner Verfehlung auf dem Platz, die ihm «rot» eintrug.
FIFA-Präsident Gianni Infantino wäre aber nicht Gianni Infantino gewesen, wenn er, der erklärte «Bauch»-Jurist aus dem Wallis, nicht eine Möglichkeit gesehen hätte, um seinem «Bauchgefühl» zu folgen. Gefühle können auch geweckt werden, wenn sie etwa vom aktuellen US-Präsidenten, der seinem kruden Gerechtigkeitsgefühl alles unterordnet und der von Sportregeln so gut wie nichts versteht, in eine bestimmte Richtung gelenkt werden. Das lief dann alles nach den bekannten und bewährten Automatismen: Telefon von US-Präsident Donald Trump an den FIFA-Präsidenten Gianni Infantino – und die FIFA-Disziplinarkommission beliess Folarin Balogun im WM-Spiel; bis Belgien die Angelegenheit auf dem Sportfeld mit einem fulminanten Auftritt regelte und die Amerikaner aus dem Turnier warf. Eigentlich hat Donald Trump mit seiner Wildwest-Intervention der US-Equipe den Todesstoss versetzt. Müssig zu sagen, dass die Intervention eines Politikers mit der Hilfe eines Sport-Politikers in der Spielregelsphäre eine Sport-Integritätsverletzung ersten Ranges darstellt. Gegen den US-Präsidenten ist natürlich kein Kraut gewachsen. Er könnte, als Person ausserhalb des Spiels, an sich aus dem Fussballsport entfernt werden. Dumm nur, dass ihm exakt diese FIFA, ein Verein mit Sitz in der Schweiz, vor einem halben Jahr den «FIFA-Friedenspreis» verliehen hat. Das Agieren des FIFA-Präsidenten, von welchem Teufel er letztlich wie geritten worden ist, wäre genau abzuklären, ruft jedenfalls nach einem Tätigwerden der FIFA-Ethikkommission. Aber: «Schaun mer mal, dann sehn mer scho», hätte hier die verstorbene Fussball-Legende Franz Beckenbauer resignierend gesagt. Ja, die politische und andere Einflussnahmen auf den organisierten Sport sind immer wieder Themen (wahrscheinlich ist es beispielsweise der aktuellen FIFA-Führung nicht bekannt, dass der Welt-Verband immer wieder Normalisierungsverfahren in Gang setzt, wenn die Unabhängigkeit von nationalen Verbänden, also von FIFA-Mitgliedern, durch staatliche Einflüsse bedroht ist).
Weil Folarin Balogun mit seiner US-Mannschaft nun von Belgien auf dem Spielfeld zerlegt worden ist, kann konstatiert werden, dass der von Donald Trump und Gianni Infantino aufgeschüttete, juristische Scherbenhaufen einerseits dank und wegen der sportlichen Selbst-Reinigungskraft (Belgien sei Dank) unnötig war und andererseits wohl Spuren im organisierten Fussball-Sportgefüge hinterlassen wird. Affaire à suivre also auch hier…










