causasportnews.com – 27/2026, 20. März 2026
(causasportnews / red. / 20. März 2026) «Wo wird eigentlich kein Krieg geführt?», fragte das kleine Mädchen im Religionsunterricht den Lehrer. «Wohl nirgends im Diesseits», antwortete dieser beinahe resignierend, und fügte nachdenklich hinzu: «Deshalb ist es so wichtig, sich mit dem Jenseits zu befassen.».
In der Tat ist die derzeitige Lage auf dieser Welt mehr als nur deprimierend. Es herrscht Krieg, soweit das Auge reicht. Und ein Ende dieses Wahnsinns, der nach den Attacken der USA und Israels im entfesselten Krieg gegen den Iran in weite Ferne gerückt ist, lässt sich nicht ausmachen; wobei im Sinne der Ausgewogenheit zu sagen ist, dass auch der Iran für diese Gewalteskalation und den entfachten «Flächenbrand» im Nahen Osten Verantwortung trägt. Ein Ende der kriegerischen Ereignisse «around the world» scheint in weite Ferne gerückt zu sein. Alles ist noch viel schlimmer, weil sich die Menschheit geradezu an Kriege gewöhnt hat, vgl. die Aggression Russlands gegen die Ukraine, die bald die zeitliche Dimension des zweiten Weltkriegs erreicht haben wird. Nach über vier Kriegsjahren ist das Leid, das vor allem die Menschen in der Ukraine tagtäglich trifft, allgegenwärtig, doch hat sich die Menschheit irgendwie mit diesem Wahnsinn arrangiert. Im Fokus steht derzeit und aktuell vor allem der «Lautsprecher» im «Weissen Haus» in Washington, dessen Unberechenbarkeit und Egoismus Konflikte noch und noch anheizt und der eine neue Dimension des «Wilden Westens» geschaffen hat . Die globale Bilanz, die derzeit zu ziehen ist, nämlich, dass das (Völker-)Recht abgedankt hat und durch die Macht der Mächtigen und Egomanen ersetzt worden ist, könnte die Menschen, die guten Willens sind, in zumindest mentale Bedrängnis treiben.
Was soll denn noch der Sport in diesem Weltchaos? Wer will sich in diesem globalen Wirrwarr noch zerstreuen wollen? Sport, das ist allgemein bekannt, darin enthalten ist das lateinischen Wort «disportare», deutsch: sich zerstreuen, vergnügen, unterhalten. Ist uns in dieser irren Welt überhaupt danach zumute? Offenbar doch noch. Gerade in einer solchen tristen Zeit bilden «lucida intervalla» (lichte, also unbelastete und fröhliche Momente) wohl ein Lebenselixier. Doch der Sport bekommt derzeit auch sein Fett ab; er muss sich den kriegerischen Verhältnissen auf dieser Welt anpassen. Oder sogar: Der globale Sport befindet sich im Würgegriff des Kriegs-Wahnsinns und in Geiselhaft der Kriegstreiber, weitgehend alte, uneinsichtige und in ihren Fähigkeiten limitierte Erdenbürger, die auf diesem Planeten nichts mehr zu verlieren haben.
Zum Beispiel der globale Formel 1-Zirkus. Wegen des Krieges im Nahen Osten wird es in diesem Jahr, Stand heute, mindestens zwei Formel 1-Grand-Prix’ weniger geben. Die Rennen in Bahrein (12. April) und Jeddah in Saudi-Arabien (19. April) können wegen der kritischen Lage und aus Sicherheitsgründen nicht ausgetragen werden. Erstmals in der Geschichte des Automobilrennsports werden Grand-Prix’s wegen kriegerischer Ereignisse abgesagt. Gemäss TV-Verträgen mit den Rechteinhabern sind pro Jahr 22 Rennen garantiert. 24 Rennen sollten 2026 ausgetragen werden; nun sind es noch 22 Rennen.
Klarheit herrscht also in der Formel 1. Unsicherheit jedoch mit Blick auf die am 11. Juni 2026 beginnende Fussball-WM-Endrunde in den USA, in Kanada und in Mexiko. Die Mannschaft des Irans hat sich für dieses Turnier qualifiziert und sollte mindestens drei Spiele in den Vereinigten Staaten austragen. Natürlich ist es möglich, gegeneinander Krieg zu führen und dennoch sportliche Wettkämpfe gegeneinander auszutragen, doch das dürfte dann doch im Sinne Loriots doch relativ sinnlos sein. Derzeit stellen sich Fragen, wie: Soll der Iran in den USA spielen oder wäre es opportun, dieses Turnier im Lande des Kriegsgegners zu boykottieren? Müssten die in den USA vorgesehenen Spiele der Nationalmannschaft Irans sinnvollerweise nicht in den Mit-Ausrichterländern Mexiko oder Kanada ausgetragen werden? Ist es für den Iran zumutbar, in den USA überhaupt anzutreten? Es sind dies Fragen, die der Fussball-Weltverband FIFA längst beantworten sollte. Das Chaos auf dieser Welt scheint jedoch dem sonst geschwätzigen und profilierungssüchtigen FIFA-Präsidenten die Sprache verschlagen zu haben. Oder er hat wohl noch nicht begriffen, dass die Vorfreude auf die Fussball-WM-Endrunde nicht per Knopfdruck bewirkt werden kann. «Disportare» ist wohl ein grosses Wort im Sport. Aber, schon die alten Griechen haben es auf den Punkt gebracht: Erga logon chalepotera (zu deutsch: Taten sind schwieriger als Worte). Oder es herrscht derzeit sogar die grosse Sprachlosigkeit des vom US-Präsidenten abhängigen FIFA-Präsidenten.










