Rechtsbeugung, Sport-Integritätsverletzung und unerlaubte Einflussnahme – Der juristische Scherbenhaufen nach der «Causa Folarin Balogun»

causasportnews.com – 62/2026, 7. Juli 2026

Two men in suits placing a red card on a wooden table during a formal event
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(causasportnews / red. / 7. Juli 2026) Wetten, dass es FIFA-Präsident Gianni Infantino und seine Funktionärs-Claqueure des Welt-Fussballverbandes FIFA irgendwann fertigbringen könnten, den Fussball zu zerstören? Falls nicht jetzt, dann wohl in absehbarer Zeit. Was macht die Faszination des Fussballs aus? Das Spiel funktioniert nach wenigen, einfachen Regeln. Im Fussball werden gemeinhin zwei Ebenen (Sportebene und Rechtsebene) unterschieden, auf denen sich der organisierte Fussball-Spielbetrieb bewegt. Diese Unterscheidung wird auch etwa vom Schweizerischen Bundesgericht vorgenommen und basiert auf den dogmatischen Entwicklungen des längst verstorbenen, genialen Berner Rechts-Professors Max Kummer, der seine bis heute anerkannte Theorie vor mehr als 50 Jahren in einer bemerkenswerten Abhandlung veröffentlicht hat (Max Kummer, Spielregel und Rechtsregel, Bern 1973). Es wird unterschieden zwischen Spielregel– und Rechtsregel-Sphäre. Kurz gesagt: Im Spielregelbereich ist die Juristerei durchwegs ausgeschlossen (was auch für die Gerichtsbarkeit gilt), im Rechtsregelbereich dürfen sich hingegen auch Juristen «austoben».

Die «Causa Folarin Balogun» hat an der laufenden WM-Endrunde in Mexiko, in den USA und in Kanada die Fussballwelt auf den Kopf gestellt und, zumindest temporär, weltweite Empörung ausgelöst. Nicht deswegen, weil der amerikanische Super-Star gegen Belgien trotz einer zuvor eingehandelten Roten Karte – reglementswidrig – auf dem Platz stand; zumindest der Fussball-Gott hatte ein Einsehen und sorgte dafür, dass die amerikanische Klopper-Truppe gegen Belgien aus dem WM-Turnier flog. Es war dies die Folge eines klassischen Falls einer Verbands-Rechtsbeugung, weil die Fussballregeln klar sind: «Nach ‘Rot’ bist Du tot», weiss jedes Kind. So präsentiert sich die Sachlage auch im aktuellen WM-Turnier. Die Fussballregeln sind, vgl. oben, so etwas von einfach. Dann wurde seitens der FIFA zur Fussball-Rabulistik gegriffen. Art. 27 des FIFA-Disziplinarreglements lasse diese Interpretation zu, dass die FIFA-Disziplinarkommission berechtigt sei, die Umsetzung von Disziplinarmassnahmen auszusetzen. Nur war die Sache mit Folarin Balogun eben keine Disziplinarsache, sondern ein Vorgang, der sich in der Spielregelsphäre ereignete. Was der Schiedsrichter auf dem Platz entscheidet, wird reglementsgemäss perpetuiert. Konkret war die Folge der Roten Karte für den US-Spieler eine Spielsperre nach seiner Verfehlung auf dem Platz, die ihm «rot» eintrug.

FIFA-Präsident Gianni Infantino wäre aber nicht Gianni Infantino gewesen, wenn er, der erklärte «Bauch»-Jurist aus dem Wallis, nicht eine Möglichkeit gesehen hätte, um seinem «Bauchgefühl» zu folgen. Gefühle können auch geweckt werden, wenn sie etwa vom aktuellen US-Präsidenten, der seinem kruden Gerechtigkeitsgefühl alles unterordnet und der von Sportregeln so gut wie nichts versteht, in eine bestimmte Richtung gelenkt werden. Das lief dann alles nach den bekannten und bewährten Automatismen: Telefon von US-Präsident Donald Trump an den FIFA-Präsidenten Gianni Infantino – und die FIFA-Disziplinarkommission beliess Folarin Balogun im WM-Spiel; bis Belgien die Angelegenheit auf dem Sportfeld mit einem fulminanten Auftritt regelte und die Amerikaner aus dem Turnier warf. Eigentlich hat Donald Trump mit seiner Wildwest-Intervention der US-Equipe den Todesstoss versetzt. Müssig zu sagen, dass die Intervention eines Politikers mit der Hilfe eines Sport-Politikers in der Spielregelsphäre eine Sport-Integritätsverletzung ersten Ranges darstellt. Gegen den US-Präsidenten ist natürlich kein Kraut gewachsen. Er könnte, als Person ausserhalb des Spiels, an sich aus dem Fussballsport entfernt werden. Dumm nur, dass ihm exakt diese FIFA, ein Verein mit Sitz in der Schweiz, vor einem halben Jahr den «FIFA-Friedenspreis» verliehen hat. Das Agieren des FIFA-Präsidenten, von welchem Teufel er letztlich wie geritten worden ist, wäre genau abzuklären, ruft jedenfalls nach einem Tätigwerden der FIFA-Ethikkommission. Aber: «Schaun mer mal, dann sehn mer scho», hätte hier die verstorbene Fussball-Legende Franz Beckenbauer resignierend gesagt. Ja, die politische und andere Einflussnahmen auf den organisierten Sport sind immer wieder Themen (wahrscheinlich ist es beispielsweise der aktuellen FIFA-Führung nicht bekannt, dass der Welt-Verband immer wieder Normalisierungsverfahren in Gang setzt, wenn die Unabhängigkeit von nationalen Verbänden, also von FIFA-Mitgliedern, durch staatliche Einflüsse bedroht ist).

Weil Folarin Balogun mit seiner US-Mannschaft nun von Belgien auf dem Spielfeld zerlegt worden ist, kann konstatiert werden, dass der von Donald Trump und Gianni Infantino aufgeschüttete, juristische Scherbenhaufen einerseits dank und wegen der sportlichen Selbst-Reinigungskraft (Belgien sei Dank) unnötig war und andererseits wohl Spuren im organisierten Fussball-Sportgefüge hinterlassen wird. Affaire à suivre also auch hier…

Es war doch einfach nur ein Fussballspiel…

causasportnews.com – 61/2026, 5. Juli 2026

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(causasportnews / red. / 5. Juli 2026) So ging es also aus, das Sechzehntel-Finalspiel zwischen Paraguay (knapp 7 Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern) gegen Deutschland (etwas mehr als 83 Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern): Mit 3:4 Toren verloren die Deutschen im Elfmeterschiessen. Das Faktum war klar: «Deutsche im Elend! Nicht nur an der WM», so sah es beispielsweise die Schweizer Boulevardzeitung «Blick» (1. Juli 2026) nach der «Nacht der Schande» («Bild» 1. Juli 2026), und wähnte gleich das «ganze Land auf Verliererkurs» (1. Juli 2026). Tapfer hielt Bundeskanzler Friedrich Merz dagegen: «Was für ein Spiel, DFB-Team! Wir sind stolz auf euch». Er hatte «es» wohl richtig gedacht, kein anderes Spiel gesehen und gemeint, er müsse die Spieler und den gescheiterten Bundestrainer mit beschwichtigenden Worten vor der Rache der über 80 Millionen Bundestrainerinnen und -trainer sowie vor dem Medien- und Kommentatoren-Mob schützen. Wenn Frustration und Depression überhandnehmen, müssen vor allem Schuldige, auch in einer «Fussball-Katastrophe», beim Namen genannt werden. Konkret waren es die Spieler, die wohl einfach nicht besser sind als die Leistungen, die sie abgeliefert haben. Absichtlich haben sie zweifelsfrei gegen Paraguay nicht verloren. Vielleicht sind sie einfach Kinder ihrer Zeit, die zu stark von der in der Gesellschaft herrschenden, eher reduzierten Leistungsbereitschaft, von fehlendem Willen zum totalen Erfolg und von den Annehmlichkeiten der Gepflogenheiten im Rahmen der «Work-Life-Balance» geprägt sind. Im Schweisse des Angesichts Erfolg zu haben, das war einmal; hier muss nicht einmal auf das Alte Testament zurückgegriffen werden. Die sportliche Pleite der Deutschen Mannschaft an der WM-Endrunde sei mit dem Gesamtzustand der Nation im Tiefflug vergleichbar, versucht Deutschland die Total-Frustration erträglicher zu machen. Die intellektuelle Hilfe zur Schmerz-Bewältigung kommt von allen Seiten, natürlich auch aus der Schweiz, dem Land, in dem Hundertausende von Deutschen dem Elend an allen Fronten in ihrer Heimat entronnen sind. Trost spendet die Zeitung «Blick» (1. Juli 2026), die es mit dem längst verstorbenen Heinrich Heine (1797 – 1856) versucht, der die Nacht, in der Deutschland an Paraguay scheiterte, heranzieht, wenn auch weder mit Fussballbezug noch zur Begründung der herrschenden Tristesse in Deutschland: «Denk ich an Deutschland in der Nacht, dann bin ich um den Schlaf gebracht». In aktuellem Zusammenhang Heinrich Heini, der damals an alles andere als Fussball gedacht hat, aus der intellektuellen Mottenkiste zu zaubern, ist wohl etwa gleich schwurblig wie des Kanzlers realitätsfremder Post zur WM-Pleite der Deutschen.

Wenn schon, müssen bei einer derartigen Misere Schuldige her. Klar, das ist in erster Linie der zwischenzeitlich verabschiedete Trainer und Fussball-Messias Julian Nagelsmann, wohl seit seinem Amtsantritt als Bundestrainer ein einziges Missverständnis. Dabei hat der bedauernswerte Trainer-Novize gegen Paraguay gar nicht gespielt!  Wer hat noch nicht, wer will nochmal? Das ist nun die Kardinalfrage in der Chefetage des Deutschen Fussball-Bundes (DFB). «Jetzt muss Klopp kommen», trompetete «Bild» schon ein paar Stunden nach der WM-Blamage. Mit diesem Hintergedanken: «Klopp muss her – dann sind wir wieder wer». Das wird dann wohl so kommen (vox «Bild» – vox «Dei»). Im Roulette im Rahmen der seit Jahren unprofessionellen Trainer-Politik im DFB und nun bei der aktuellsten Trainer-Suche könnte die Glücks- oder Unglückskugel in der Tat beim bald 60jährigen Jürgen Klopp stoppen. Diesen könnte man beispielsweise mindestens mit einem 12 Jahres-Vertrag als Bundestrainer ausstatten, damit er im Falle des vorgängigen Scheiterns – oder verleihen ihm ungeahnte, vermeintliche Kräfte weiterhin Flügel? – noch vergoldet werden könnte. Schauen wir mal, was die dilettantisch agierende DFB-Funktionärsclique in der Nachfolge-Causa «Nagelsmann» ausheckt.

Was hat nun dieses sportliche Desaster um die Deutsche Nationalmannschaft ausgelöst! Jedenfalls sind alle Ebenen des Lebens in Nördlichen Nachbarland der Schweiz von Frustration, Elend, Not und Verzweiflung erfasst worden. Dabei gilt in Deutschland seit Jahren das Tagesmotto: «Ein Tag ohne Probleme ist ein langweiliger Tag».; oder: « Heute ist immer ein schlechter Tag». Das gilt offenbar auch für Fussballspiele, die nachts stattfinden. Wenigstens war der Match zwischen Deutschland und Paraguay nicht der Auslöser für einen Fussballkrieg, wie er sich nach einem WM-Qualifikationsspiel zwischen Honduras und El Salvador im Juli 1969 ereignet hatte. Hätte ja auch noch so kommen können…

Was das WM-Gruppenpartie zwischen Deutschland und Paraguay ausgelöst hat, ist teils erschreckend, teils geradezu grotesk oder pathologisch gefärbt. Dabei war doch alles nur ein Fussballspiel! Die Deutschen trösten sich nun damit, dass die Nationalmannschaft der Schweiz dank zwei Spielern, die in der Bundesliga ihr Geld verdienen (Gregor Kobel, Johan Manzambi) eine Runde weiter ist. So können die Deutschen trotz allem ein wenig am Kelch des Erfolgs (mit)nippen, denn die Schweiz erfüllte die Erwartungen gegen Algerien tadellos und hat sich für das Achtelfinale qualifiziert. Lieber unspektakulär erfolgreich statt spektakulär gescheitert.

Spitzensportler unsterblich gemacht

causasportnews.com – 60/2026, 29. Juni 2026

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(causasportnews / red. / 29. Juni 2026) Spitzensportler (dies gilt auch für Athletinnen) machen sich oft durch eine besondere sportliche Leistung unsterblich. Will heissen: Daran erinnert sich die Menschheit auch weit über den Tod der Koryphäe hinaus. Zum Beispiel ist an den legendären, argentinischen Nationalhelden Diego Armando Maradona zu denken, der u.a. 1986 Argentinien zum Fussball-Weltmeistertitel führte. Der 2020 im Alter von 60 Jahren verstorbene Ausnahmekönner am Ball machte das Unmögliche möglich; und wenn die Füsse seine Fussballkunst nicht perfektionierten, stand ihm die «Hand Gottes» bei – an der Unsterblichkeit Gottes geht schliesslich kein Weg vorbei. Als Diego Armando Maradona im WM-Turnier in Mexiko mit Gott paktierte und im Spiel gegen England, natürlich irregulär, Gottes Hand zu Hilfe nahm, um den Ball ins Tor zu befördern, sprach und spricht die Welt noch heute vom berühmtesten, nicht geahndeten Regelverstoss, der sich je auf einem Fussballplatz zutrug.

Es grenzt natürlich an Gotteslästerung, um nun von der Auferstehung des Fussball-Gottes aus Argentinien zu sprechen. Aber ganz abwegig ist ein solcher Vergleich nicht, der sich im Rahmen der aktuellen Fussball-WM-Endrunde in Mexiko, in den USA und in Kanada zuträgt. Argentinien spielt mit Super-Star Lionel Messi in anderen Sphären. Sein Team befindet sich ziemlich stringent auf dem Weg ins WM-Finalspiel am 19. Juli 2026. Zumindest gegen Kap Verde (auch schon gehört, liebe Leserinnen und Leser?) sollte nichts schiefgehen…

 Zurück zu Diego Armando Maradona, der vor allem in Argentinien so präsent wie lange nicht mehr ist. In den Werbepausen während der WM-Spiele wird in Argentinien ein Werbespot mit dem Helden des Fussballs ausgestrahlt. Im Hintergrund ist während fast einer Minute seine Stimme zu hören, und am Ende des Werbeauftritts wird der junge Maradona, der 1986 sein Land in Fussball-Ekstase versetzte, ins Bild gerückt. Eine Auferstehung des gottbegnadeten Fussballspielers ist dies nicht. KI ermöglicht die Stimme und die Bewegten-Bilder. In Argentinien hat diese Werbeform, unterstützt von KI-Technik, eine breite Diskussion ausgelöst, ob «man» das mit einem zumindest «Gott ähnlichen» Vertreter des Fussballs machen darf. Erschwerend kommt hinzu, dass diese Werbung von einem Sportwetten-Unternehmen initiiert wird. Das finden viele Menschen in Argentinien unpassend, weil in diesem Land die Online-Spielsucht sehr verbreitet ist. Das Uno-Kinderhilfswerk «Unicef» warnt sogar vor dieser Art von Spielsucht, die vor allem unter Jungen grassiert. Erschwerend kommt hinzu, dass Diego Armando Maradona zeitlebens mit seiner Alkohol- und Kokainsucht zu kämpfen hatte. Es ist eher anzunehmen, dass er zu Lebzeiten eine solche Art Werbung nicht getätigt hätte. Neben ethischen Bedenken mit Blick auf diese Aktivitäten eines online-Anbieters aus der Wett-Branche werden auch rechtliche Erwägungen vorgebracht. Die Rechte an der Stimme und den Bildern des verstorbenen Fussballers sind zwar ein Diskussionsthema, «Bet Warrior», so heisst das Wett-Portal, hat sich aber diese Rechte von den Angehörigen Maradonas abtreten lassen. Das hat den Zurückgebliebenen der Sport-Ikone auch Vorwürfe eingetragen, etwa dergestalt, das moralische Erbe von Diego Armando Maradona werde auf diese Weise im unrühmlichen Sportwetten-Business verhökert.

Es ist halt so eine Sache mit der Unsterblichkeit. Sie verkörpert die vielfältigsten Seiten. Mit der Unsterblichkeit eines verstorbenen Sportlers umzugehen ist wohl schwieriger als sich unsterblich zu machen.

(Quellen: Agenturen; «Neue Zürcher Zeitung» vom 20. Juni 2026)

Olympia-Projekt 2038 in der Schweiz: Phantasten basteln

Engadin Olympic Arena in St. Moritz during a winter sporting event with crowds and snowy mountains

causasportnews.com – 59/2026, 27. Juni 2026

(causasportnews / red. / 27. Juni 2026) Grosse Sportprojekte werfen ihre Schatten voraus. Sie sind in der Regel das Resultat jahrelanger Planung und Vorbereitung. Derzeit wird in Mexiko, in den USA und in Kanada im Rahmen der WM-Endrunde 2026 der neue Fussball-Weltmeister gekürt. Das WM-Endrunden-Turnier schlägt mit neu 48 National-Teams, die bis zum 19. Juli insgesamt 104 Spiele austragen werden, alle Teilnehmer- und Zuschauerrekorde. Mehr Spiele, mehr Geld, aber auch mehr Langeweile, könnte man das bisher Geschehene zusammenfassen. «Gurken»-Mannschaften, «Steinzeit»-Resultate und unmotivierte Kickereien prägen das Geschehen in Übersee. Am Finaltag wird FIFA-Präsident Gianni Infantino dennoch mit stolzer Brust auf die «beste WM-Endrunde, die es je gab» zurückblicken. Positiv mutet der Umstand an, dass im Fussball grundsätzlich durchwegs erfolgreich an der Geldvermehrungs-Schraube gedreht werden kann. Mit Blick auf die aktuelle Fussball-WM-Endrunde ist vom Fussball-Weltverband (FIFA) während Jahren das laufende Turnier minutiös vorbereitet worden (längst haben die Vorbereitungen für die WM-Endrunde 2030 in Marokko, in Portugal und in Spanien begonnen). Dennoch ist zu bedenken: Der Fussball ist als einzige Sportart auf der Welt ein Selbstläufer. Die Turniere können emotionslos und langweilig sein, sie rechnen sich dennoch. Das gilt auch für das aktuelle Turnier in Mexiko, in den USA und in Kanada.
Anders sieht es beim anderen sportlichen Grossanlass aus: Den Olympischen Spielen. Austragungsorte zu finden, wird für das Internationale Olympische Komitee (IOK) immer schwieriger. Fussball geht überall. Olympia mit einer Mehrzahl von Sportarten hat es stets schwieriger, aus wirtschaftlichen, ökologischen, nachhaltigen und anderen Gründen Austragungsorte zu finden. Das gilt auch für die Olympischen Winterspiele 2038, die in der Schweiz ausgetragen werden könnten. Wenn die Schweiz nur will…Die Schweiz steht mit Blick auf diese Spiele mit dem IOK in einem «privilegierten Dialog»; das will heissen: Die Schweiz kann ihre Kandidatur für 2038 bis 2027 konkurrenzlos vorantreiben. Rund 120 Wettkämpfe sollen an verschiedenen Orten (von Crans-Montana bis Zürich) ausgetragen werden. Ein «Verein Switzerland 2038» ist längst gegründet worden. Dieser soll die Bewerbungsaktivitäten bündeln und vor allem die Finanzierung des Grossanlasses sicherstellen. Und hier wird der Unterschied zwischen einer Fussball-WM-Endrunde und Olympischen Spielen manifest. Im Fussball findet so etwas wie eine kontinuierliche, wundersame Geldvermehrung statt, die Olympioniken müssen Himmel und Hölle in Bewegung setzen, um den Finanzierungsnachweis für Olympische Spiele zu erbringen. So waren in den letzten Tagen in den Medien Schlagzeilen wie diese zu lesen: «Bundesrat will Schweizer Olympiakandidatur mit 200 Millionen Franken unterstützen» («Tages-Anzeiger, Zürich, 23. Juni 2026). Die Gesamtkosten des Olympia-Projektes 2038 belaufen sich auf rund 2,2 Milliarden Franken. Dieses Geld muss nun mühsam zusammengekratzt werden. Dass die Landesregierung 200 Millionen Schweizer Franken in Aussicht stellt, kommt einem Wunder gleich. Der Bund hat kein Geld für die 13. AHV, kein Geld für die Armee, die sich materialmässig bereits geschlagen am Boden befindet, kein Geld für gar nichts, usw. Es herrscht totale Verzweiflung in der Schweiz, wenn nun ein Unterstützungsbeitrag des Bundes für Olympia 2038 Tatsache werden soll. Im Moment wird noch darüber gestritten, ob die Ausgabe von nicht vorhandenem Geld dem fakultativen Referendum zu unterstellen sei. Die Regierung zeigt sich, wen wundert’s, sehr zuversichtlich, was das Potenzial dieses grossen Sportanlasses in der Schweiz angeht. Die Bedeutung Olympischer Winterspiele wird etwa mit den sinnlosen Konferenzen auf dem «Bürgenstock» zur Beendigung von Kriegen aller Art verglichen und der PR-Effekt für die Schweiz unterstrichen. Auch diese kosten Unsummen von nicht vorhandenem Geld. Friedenskonferenzen oder Olympische Spiele sollen den gesellschaftlichen Zusammenhalt und die soziale Integration fördern, meint die Landesregierung, die wohl kaum versteht, was mit diesen schönfärberischen Worten gemeint werden soll. Ist auch egal. Sport- und andere Politik muss ja auch nicht kohärent sein. So dürfen auch die Olympia-Macher aus Politik und Sport als Phantasten an grossen Sport-Würfen basteln. Letztlich gilt für Sport- und Polit-Funktionäre in etwa das, was, leicht abgewandelt, auch im Matthäus-Evangelium verewigt ist: «An den Taten, und nicht an den grossen Worten sollt ihr sie erkennen».

Urs Lehmanns Rückkehr zur FIS nach dem Präsidenten-Sturz

causasportnews.com – 58/2026, 23. Juni 2026

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(causasportnews / red. / 23. Juni 2026) Das war abzusehen und wurde u.a. von «Causa Sport» vermeldet (vgl. causasportnews vom 9. und vom 12. Juni 2026). Ein paar Tage nach der Wahl des Liechtensteiners Alexander Ospelt, dem es gelang, den unbeliebten Präsidenten des Internationalen Skiverbandes (FIS), Johan Eliasch, zu stürzen, regelte der Schneesportverband intern auch die «Personalie CEO». Der ehemalige Ski-Abfahrtsweltmeister von Morioka (1993), Urs Lehmann, der das Amt des CEO der FIS ein paar Tage vor dem Wahlgeschäft in Belgrad (11. Juni 2026; Johan Eliasch wurde mit einer Stimme weniger als Alexander Ospelt nicht mehr zum FIS-Präsidenten für die nächsten vier Jahre gewählt) niederlegte, kehrte in der Funktion als Generalsekretär in den Ski-Weltsport zurück, als Nachfolger des zurückgetretenen, bald 69jährigen, ehemaligen Skirennfahrers Michel Vion.

Der 57jährige Urs Lehmann, der nach seinem sensationellen Weltmeistertitel 1993 in Japan den Schweizer Verband («Swiss Ski») 17 Jahre lang als Präsident führte und überdies auch Funktionär der FIS war, tritt sein Amt als Generalsekretär der FIS am 1. Juli dieses Jahres an; der Posten des CEO wird einstweilen nicht mehr besetzt. Der Vertrag des Aargauers als Generalsekretär mit dem in Oberhofen bei Thun domizilierten Ski-Weltverband soll einstweilen bis zum 31. März 2027 dauern. Für die künftige Position des Generalsekretärs im kommenden Jahr will der Weltverband ein übliches Bewerbungs- und Berufungsverfahren durchführen. Noch nicht klar ist, ob im Verband die Charge des CEO künftig neu besetzt wird; nicht mehr mit Urs Lehmann selbstverständlich. Alles deutet im Moment darauf hin, dass der Schweizer Ex-Weltmeister Abfahrt nicht nur ein «Generalsekretär auf Zeit» wird, sondern im kommenden Jahr von der FIS in dieser Funktion längerfristig bestätigt werden soll. Im Zuge des «Präsidenten-Sturzes» von Johan Eliasch, der in der Kampfwahl von Belgrad mit nur einer Stimme dem Liechtensteiner Alexander Ospelt unterlag, pokerte Urs Lehmann erfolgreich richtig. Wäre der umstrittene Präsident erneut gewählt worden, hätte Urs Lehmann kaum mehr eine Chance auf eine Rückkehr zur FIS gehabt.

Neue Ausgabe von «Causa Sport» erschienen

causasportnews.com – 57/2026, 20. Juni 2026

(causasportnews / red. / 20. Juni 2026) Zwischen den Olympischen Winterspielen im Winter 2026 in Milano und Cortina d’Ampezzo sowie dem Beginn der Endrunde der Fussball-Weltmeisterschaft in Mexiko, in den USA sowie in Kanada ist die neuste Ausgabe von «Causa Sport» erschienen (www.causasport.org). Die beiden sportlichen Grossereignisse werden selbstverständlich in dieser Publikation abgehandelt (z.B. im Editorial: «Nach Olympia und vor der Fussball-WM-Endrunde»). Weitere Beiträge und Urteile verschiedenster Gerichte sowie Entscheide von Verwaltungsbehörden insbesondere aus der Schweiz und aus Österreich finden sich in dieser Ausgabe von «Causa Sport». Von besonderem Interesse und grosser Aktualität ist das behandelte Urteil des Schweizerischen Bundesgerichts von anfangs 2026 zur Frage einer Dispensationserteilung für einen heute zehnjährigen Knaben, dessen Eltern die Teilnahme des Kindes am obligatorischen Schwimmunterricht ablehnten. Sie stützten sich dabei (erfolglos) auf die verfassungsrechtlich garantierte Glaubens- und Gewissensfreiheit. In Österreich befasste sich der Wiener Verwaltungsgerichtshof in einem Entscheid von Ende 2025 mit der Verwendung pyrotechnischer Gegenstände im Zusammenhang mit einer Sportveranstaltung. Mit den Folgen einer Fahrt mit einem E-Trottinet hatte sich das Bezirksgericht Winterthur auseinander zu setzen. Die Frage der Gebührenpflicht im Rahmen eines E-Tretroller-Verleihs hatte das Verwaltungsgericht des Kantons Zürich zu beantworten.

Diese und weitere Themen zu den Berührungs-Schwerpunkten von Sport und Recht werden in der neuen Ausgabe von «Causa Sport» abgehandelt (abrufbar wie folgt: Schweiz: swisslex.ch; Österreich: manz.at oder rdb.at; Deutschland: duncker-humblot.de).

Temperaturen und SAC-Hüttenpreise steigen

causasportnews.com – 56/2026, 18. Juni 2026

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(causasportnews / red. / 18. Juni 2026) Der 1863 gegründete Schweizerische Alpen-Club (SAC) ist der führende Verband für Bergsport in der Schweiz. Er ist als Verein gemäss Art. 60 ff. des Zivilgesetzbuches (ZGB) organisiert, dem auf dem Gebiet der Schweiz rund 180 000 Mitglieder angehören; der Club gliedert sich in Sektionen, die insgesamt 152 Berghütten betreiben, bzw. betreiben lassen. Von diesen Hütten müssen in nächster Zeit rund 50 Objekte saniert, umgebaut oder mit Sicherungsvorrichtungen versehen werden. Der Zahn der Zeit nagt an den meist exponierten Hütten, aber auch der Klimawandel fordert seinen Tribut. Der SAC hat kürzlich entschieden, dass künftig mehr Geld generiert werden soll, um die Sanierungs- und Umbauvorhaben in den Hütten zu finanzieren. Die Preiserhöhungen für Übernachtungen sind notwendig, doch hat diese beschlossene Massnahme auch eine Grundsatzdiskussion im Verband entfacht. Es entspricht irgendwie der DNA des SAC, dass die Hütten, die über die Schweizer Bergwelt verteilt sind, relativ kostengünstig durch die Nutzer dieser Beherbergungsmöglichkeiten frequentiert werden können, wie die «Neue Zürcher Zeitung» (11. Mai 2026 – «Beim SAC herrscht Streit über Hüttenpreise») festgehalten hat. Es hat sich bezüglich der Berghütten ein Spannungsfeld zwischen traditioneller, kostengünstiger Nutzungsmöglichkeit und wirtschaftlich bedingtem Investitionsbedarf ergeben. Doch auch im Bergsport prävaliert die finanzielle Seite gegenüber den ideellen, traditionellen Werten. So wurde im SAC, teils mit wenig Begeisterung, beschlossen, ab kommendem Jahr zwei neue Abgaben, sog. Solidaritätsbeiträge, bei Übernachtungen in den SAC-Hütten einzuführen. Je nach Hütteninfrastruktur bezahlt eine Person pro Übernachtung aktuell zwischen 25 und 50 Franken. Ab 2027 haben SAC-Mitglieder zusätzlich einen Solidaritätsbeitrag von drei Franken zu bezahlen, Nicht-Mitglieder einen solchen von fünf Franken. Die Solidaritätsbeiträge fliessen direkt in einen «Hüttenfonds», aus dem Gelder für Hüttensanierungen usw. verwendet werden können. Neu werden auch Bergführerinnen und Bergführer zur Kasse gebeten, wenn sie in den Hütten des Clubs übernachten. Sie haben neu 20 Franken pro Übernachtung zu bezahlen. Bis anhin nächtigten Bergführerinnen und Bergführer in den Hütten kostenlos. Die Disziplin der Menschen scheint auch in den Bergen zumindest verbesserungsfähig zu sein. Oft werden Übernachtungsplätze gebucht, doch die Gäste erscheinen dann doch nicht. Wer trotz einer erfolgten Reservation ausbleibt, bezahlt eine Storno-Gebühr von zehn Franken.

Die Erhebung von Solidaritätszuschlägen bei Hütten-Übernachtungen haben zwar zu Kritiken innerhalb des SAC geführt, obwohl die Übernachtungspreise als moderat zu bezeichnen sind (auch die Jahresbeiträge für die Club-Mitgliedschaft zwischen grundsätzlich 115 und 150 Franken sind nicht exorbitant hoch). Da deren Notwendigkeit aber evident ist, dürfte die DNA des Hüttenlebens der Menschen in den Bergen dadurch nicht nachhaltig gestört werden. Nicht nur seit «Corona» hat der Bergsport einen Boom erfahren, was auch mit den stets steigenden Temperaturen, denen in den Bergen ausgewichen werden kann, zusammenhängen könnte. Die SAC-Hütten haben 2025 mit Glanzergebnissen abgeschlossen.

11./12. Juni 2026 – keine Glückstage für Präsidenten

causasportnews.com – 55/2026, 14. Juni 2026

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(causasportnews / red. / 14. Juni 2026) Der 11. und der 12. Juni 2026 waren keine Glückstage für Präsidenten, zumindest nicht für den Vorsitzenden des Internationalen Ski- und Snowboard-Verbandes (FIS). Eine Stimme fehlte dem amtierenden Präsidenten, Johan Eliasch, um sich in Belgrad für weitere vier Jahre als FIS-Präsident der Schneesportlerinnen und -sportler bestätigen lassen. Mit 65 Stimmen machte der Liechtensteiner Alexander Ospelt das Rennen und verdrängte damit Johan Eliasch vom FIS-Thron; der bisherige Präsident erhielt 64 Stimmen (vgl. auch causasportnews vom 12. Juni 2026). Der neue Präsident, der vor allem von den Skisport-Grossmächten Schweiz, Österreich, Deutschland, Norwegen und den USA unterstützt wurde, muss nun daran gehen, die Gräben zwischen grossen und kleinen Verbänden zuzuschütten und die finanzielle Schieflage der FIS wieder zu korrigieren. Unter Johan Eliasch, einem Milliardär (!), soll der Verband mit Sitz in Oberhofen im Kanton Bern 100 Millionen aus dem FIS-Vermögen verbraucht haben. Verwendungszweck: bisher unbekannt.

Ein anderer Weltverband, der Internationale Fussballverband (FIFA), macht in anderer Hinsicht von sich reden. Unter der Ägide dieses weltumspannenden Verbandes hat die Endrunde der Fussball-Weltmeisterschaft begonnen. Eigentlich spielt es keine Rolle, wer diesen Verband, ebenfalls ein Verein mit Sitz in der Schweiz (in Zürich), präsidiert. Der organisierte Fussball ist ein Selbstläufer. Die FIFA kann machen, was sie will, die Fussball-Vermarkungsmaschinerie läuft in jedem Fall wie geölt, und das Geld schneit geradezu zum Fenster des Home of FIFA in Zürich herein. Zwar wird der Weltverband der Fussballer immer wieder kritisiert, doch spätestens beim erfolgten Kickoff zu einer WM-Endrunde, wie jetzt in Mexiko, in den USA und in Kanada, verstummen alle Negativ-Stimmen um die früher als «schönste Nebensache der Welt» bezeichnete Angelegenheit, die längst zur Hauptsache geworden ist. Da kann der FIFA-Präsident den grössten Unsinn von sich geben, wie jetzt vor der WM-Endrunde wieder, wenn der Ball rollt, wird auch das zur Nebensache. Apropos Präsident: Mit Fug kann man feststellen, dass der FIFA-Präsident im Milliardengeschäft Fussball so auswechselbar ist wie eine Glühbirne. Wäre es anders, wäre der aktuelle, ungeliebte Präsident längst abgewählt, spätestens nach den irren und wirren Äusserungen vor der WM-Endrunde in Katar 2022. Mit unsinnigem und wahnsinnigem Gerede hat sich der FIFA-Präsident vor Beginn der laufenden WM-Endrunde erneut in Szene setzen wollen. Mit dem artikulierten Unsinn zur Teilnahme der Mannschaft Irans an der WM-Endrunde und den dümmlichen, verächtlichen Äusserungen zur nicht teilnahmeberechtigten Nationalmannschaft Italiens erntet der FIFA-Präsident höchstens noch Mitleid.

Damit wäre der Bogen zur (Sport-)Politik gespannt. Der beste Freund des FIFA-Präsidenten ist nach seinen eigenen Angaben der US-Präsident. Trotz einem Riesen-Brimborium nahm der Präsident der Amerikanerinnen und Amerikaner allerdings weder am WM-Eröffnungsmatch in Mexiko-City teil, noch verfolgte er das Auftakt-Spiel der US-Amerikaner gegen Paraguay (Schlussresultat 4:1). So, wie der FIFA-Präsident, ist auch der US-Präsident auswechselbar wie eine Glühbirne (vgl. oben). Zudem war eine WM-Endrunde noch nie so politisch wie das aktuelle WM-Turnier in den drei Ländern. Die Demütigungen durch den US-Präsidenten gegenüber der Mannschaft des Irans werden vom amerikanischen Präsidenten sowie von der amerikanischen Regierung geradezu zelebriert: Die USA und der Iran führen im Moment einen erbitterten Krieg gegeneinander. Die für die WM-Endrunde qualifizierten Iraner haben ihr WM-Quartier in Tijuana (Mexiko) aufgeschlagen und fliegen zur Austragung ihrer drei Qualifikationsspiele am 16. Juni und am 21. Juni nach Los Angeles sowie am 27. Juni nach Seattle. Gleich nach den Spielen muss die Mannschaft des Irans wieder in ihr WM-Quartier nach Tijuana zurückfliegen. Kein Zweifel: Die WM-Endrunde 2026 wird derart viele Fussball-Herzen erfreuen wie dies noch nie anlässlich eines solchen Turniers der Fall war; was selbstverständlich einigermassen nachvollziehbar ist: schliesslich haben noch nie so viele Mannschaften (48) an einer WM-Endrunde teilgenommen wie in diesem Jahr (2022 in Katar waren es noch 32 nationale Teams). So darf FIFA-Präsident Gianni Infantino schon jetzt vom grössten und grossartigsten WM-Turnier aller Zeiten schwärmen. Es ist in jedem Fall «die politischste WM der Geschichte», wie es die «Neue Zürcher Zeitung» (11. Juni 2026) sieht. Dies nicht nur wegen der grossen Freundschaft zwischen den Präsidenten der FIFA und der USA. In jedem Fall muss folgendes Fazit gezogen werden: Glückstage für Präsidenten sehen anders aus, wie an diesen Tagen im Juni 2026.

FIS-Kongress wählt Alexander Ospelt mit dem knappsten aller möglichen Resultate zum neuen Präsidenten

causasportnews.com – 54/2026, 12. Juni 2026

Two men standing on a mountain trail with binoculars overlooking snow-covered alpine mountains

(causasportnews / red. / 12. Juni 2026) Oft gehen Skirennen knapper als knapp aus. Nicht selten entscheiden Hundertstelsekunden über Sieg oder Niederlage. Etwa gleich endete das wichtigste Geschäft anlässlich des FIS-Kongresses am 11. Juni 2026 in Belgrad. Mit einem Minimalvorsprung von einer Stimme (65 Stimmen) machte der Liechtensteiner Alexander Ospelt das Rennen und sorgte dafür, dass der bisherige Präsident des Internationalen Schnee- und Snowboardsport-Verbandes, Johan Eliasch, nach einer fünfjährigen Amtstätigkeit mit dem knappsten aller möglichen Resultate (64 Stimmen) nicht mehr gewählt wurde. Das Wahlresultat manifestiert, dass die FIS als globaler Dachverband zerrissen wie nie zuvor ist. Es ging nicht einfach darum, bei dieser Präsidentenwahl die «Schafe» (nationale Verbände) nicht zu wägen, sondern zu zählen; das machen mitunter die Eigenheiten eines Vereins, wie die FIS, nach Schweizerischem Recht aus. Dennoch dürfte ausschlaggebend gewesen sein, dass die wichtigsten Verbände der Schweiz und Österreichs sowie der USA keine Zukunft mehr mit dem umstrittenen und ziemlich unbeliebten britisch-schwedischen Doppelbürger Johan Eliasch sahen, der sich für die Präsidentenwahl vom Verband Georgiens portieren lassen musste, weil weder Schweden noch Grossbritannien den Strippenzieher der Skimarke «Head», nicht nur wegen des Vorwurfs von Interessenkollisionen, als Präsident nicht nominieren wollten (vgl. auch causasportnews vom 9. Juni 2026).

Nun wird also der 58jährige Rechtsanwalt und Doktor der Rechtswissenschaften, Alexander Ospelt, das Steuer des unter Johan Eliasch ins Schlingern geratenen FIS- Verbandsschiffs für mindestens die nächsten vier Jahre übernehmen. Wie er in einer ersten Stellungnahm nach der knappen Wahl ausführte, will er Gräben (innerhalb der FIS) zuschütten und den Verband einen («Wir sind immer noch gespalten»). Insbesondere wird er Transparenz bei den finanziellen Belangen der FIS schaffen müssen. Ein wesentlicher Punkt wird sein, die Entschädigungsthematik (höhere Erfolgsprämien) für Athletinnen und Athleten zur Zufriedenheit aller im Schneesport aktiven Player zu lösen. Im Moment unklar ist, ob der vor ein par Tagen zurückgetretene CEO des Verbandes, der ehemalige Schweizer Abfahrtsweltmeister Urs Lehmann, wieder auf diesen Posten zurückkehren wird. Dies wird die Exekutive des Verbandes demnächst entscheiden. Der Schweizer könnte also zum Profiteur des Johan Eliasch-Abgangs werden.

Für den faktisch abgewählten, formell nicht wiedergewählten Johan Eliasch ist dieser 11. Juni 2026 ein denkwürdiger Tag. Dass ein amtierender Präsident eines Monopol-Weltverbandes nicht mehr gewählt wird, ist eher als ausserordentliches Ereignis zu qualifizieren. Doch es kam letztlich einiges zusammen, was gegen eine Wiederwahl des  Amtsinhabers sprach. Der 64jährige Milliardär nahm seine Niederlage in Belgrad relativ sportlich hin, sparte aber nach dem Wahlgeschäft nicht mit einigen Vorwürfen an die Adresse des Internationalen Olympischen Komitees (IOK). Was er ausser Acht liess: Wahlen werden auch aufgrund von Sympathien und Antipathien gewonnen oder verloren. Diesbezüglich hat sich Johan Eliasch sowohl gegenüber dem IOK als auch im Umgang mit anderen wichtigen Protagonistinnen und Protagonisten des Schnee-Weltsports nicht gerade mit Ruhm bekleckert und sich nicht immer besonders klug verhalten. Sein ruppiger und selbstherrlicher Führungsstil innerhalb der FIS wirkte dann auch allgemein nicht gerade imagefördernd…

Taktieren vor dem FIS-Kongress – Urs Lehmanns Vabanquespiel im Präsidenten-Poker

causasportnews.com – 53/2026, 9. Juni 2026

Woman speaking at podium during FIS presidential election as a man places a ballot in a voting box with international flags in the background

(causasportnews / red. / 9. Juni 2026) Dem Schweizer Urs Lehmann kann kaum entgegengehalten werden, er verfüge nicht über ausreichende Leistungsausweise. Der heute 57jährige Aargauer gewann 1993 den begehrtesten Titel in der Königsdisziplin des alpinen Skirennsports und krönte sich im Japanischen Morioka zum Abfahrtsweltmeister. Danach legte er eine eindrückliche, akademische Karriere hin. Auch als Sportfunktionär ist Urs Lehmann erprobt. Unter anderem amtete er von 2008 bis 2025 als Präsident des Schweizerischen Skiverbandes («Swiss Ski»). Seit neun Monaten war der Aargauer CEO des Internationalen Ski- und Snowboard-Verbandes (Fédération Internationale de Ski, FIS) mit Sitz in Oberhofen bei Thun; seit ein paar Tagen ist er dies nicht mehr. Seinen Vertrag mit der FIS hat er ausserordentlicherweise gekündigt – kurz vor dem diesjährigen FIS-Kongress am 10./11. Juni 2026 in Belgrad. Das herausragende Traktandum anlässlich der Vollversammlung der FIS ist die Wahl des Präsidenten des Internationalen Verbandes. Der aus vielerlei Gründen bei Verbänden, Funktionären sowie Sportlerinnen und Sportlern in Ungnade gefallene amtierende Präsident Johan Eliasch, ein schwedisch-britischer Doppelbürger, stellt sich für eine weitere Amtsdauer zur Wahl, doch dieses Unterfangen scheint auf tönernen Füssen zu stehen. Einmal wird der Milliardär und Unternehmer, dem unter anderem die Skimarke «Head» gehört, mit seiner aktuellen Präsidentschaftskandidatur weder vom Verband Grossbritanniens noch von demjenigen Schwedens unterstützt und nominiert, was selbstredend ist. Flugs liess sich Johan Eliasch in Georgien einbürgern und lässt ich nun für das Präsidentschafts-Wahlgeschäft am FIS-Kongress von diesem Nationalverband portieren. Das kommt in der FIS-Community schlecht an, und dem amtierenden Präsidenten schlägt Ablehnung entgegen. Neben seinem stark kritisierten, egozentrischen Führungsstil wiegt der Umstand schwer, dass das FIS-Verbandsvermögen in den letzten beiden Jahren wie Schnee an der Sonne geschmolzen sein soll und der Präsident die effektive Finanzlage beschönigt und in Finanzgebaren intransparent bleibt. Aber auch bei der FIS ist es so wie anderswo, nicht nur im Sport: Geht es um’s Geld, verträgt es keinen Spass. Gegen Johan Eliasch macht sich nicht nur Opposition etwa einer Splittergruppe breit. Für die «Schneesport-Familie» ist der 64jährige Top-Funktionär der FIS mit drei Staatsbürgerschaften untragbar geworden. Die anstehende Präsidenten-Neuwahl des Ski- und Snowboard-Weltverbandes wird somit zum Präsidenten-Poker. Als Favorit auf die Nachfolge des aktuellen FIS-Präsidenten gilt der Liechtensteiner Rechtsanwalt Alexander Ospelt, der offenbar in der FIS-Community über einen grossen Rückhalt verfügt.

Was hat dies nun alles mit Urs Lehmann zu tun, der den im letzten Jahr eigens für ihn geschaffenen CEO-Posten der FIS nach nur rund neun Monaten verlassen hat? Für den ehemaligen Abfahrts-Weltmeister gehört dies wohl zum Vabanquespiel im aktuellen FIS-Präsidentenpoker. Selber kommt der Schweizer als neuer Präsident des Weltverbandes aus statutarischen Gründen nicht (mehr) in Frage. Auch der Umstand, dass der ehemalige Spitzensportler dem aktuellen Präsidenten anlässlich der FIS-Präsidentenwahl 2021 deutlich unterlag, ist im Moment irrelevant. Die Karten um die Macht im Skisport werden in diesen Tagen und anlässlich der Wahl des Präsidenten neu gemischt. Es ist wohl auch nicht auszuschliessen, dass Urs Lehmann nach einem Wahlerfolg von Alexander Ospelt zum FIS-Präsidenten wieder als CEO des Weltverbandes auf diesen Posten, den er vor einigen Tagen verlassen hat, zurückkehrt. Mit Johan Eliasch konnte es Urs Lehmann aus verschiedenen Gründen, nicht nur wegen der Geldsorgen, welche die FIS belasten, nicht mehr. Wird der Präsidentenstuhl mit einer neuen Person besetzt, ist er mit grosser Wahrscheinlichkeit Mit-Gewinner im aktuellen Präsidentenpoker mit Nebenwirkung. Dank seiner vielseitigen Erfahrungen gilt der Abfahrtsweltmeister von Morioka bekannterweise als gewiefter Taktiker.