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Irrtümer um Olympia

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NZZ vom 22. November 2019

(causasportnews / red. / 30. November 2019) In etwas mehr als einem Jahr, am 24. Juli 2020, beginnt in Tokio einer der grössten Sportanlässe der Welt, die Olympischen Sommerspiele (bis zum 9. August 2020). Dieses Ereignis wirft seine Schatten voraus – in jeder Hinsicht, also auch medial. Wird über diesen Anlass berichtet, ist dies oft mit insbesondere terminologischen Fehlleistungen verbunden. Fokussieren etwa Journalisten diese Sportwettkämpfe, sprechen sie meistens und zutreffend von „Olympischen Spielen“; aber es sind durchaus auch Divergenzen feststellbar, getreu nach dem Motto: Man meint es zwar richtig, sagt es aber falsch. Im konkreten Fall sprechen Medienschaffende, auch der Sportredaktionen, immer wieder von der „Olympiade“, meinen aber die regelmässig ausgetragenen Sportwettkämpfe unter der Schirmherrschaft des Internationalen Olympischen Komitees (IOK), einem Verein nach Schweizerischem Recht mit Sitz in Lausanne. Sogar in den Intelligenzblättern herrscht diesbezüglich ein Begriffswirrwarr. So auch kürzlich in der „Neuen Zürcher Zeitung“, die (im Wirtschaftsteil!) einen Beitrag so betitelte: „Japan will eine Olympiade ohne Hürden“. Die Titelsetzer sind einem weit verbreiteten Irrtum erlegen. „Olympiade“ bedeutet einen (mehrjährigen) Zeitraum zwischen zwei Olympischen Spielen. Der Terminus „Olympische Spiele“ steht für die regelmässig ausgetragenen Sportwettkämpfe unter der Ägide des IOK. Wer sich in der griechischen Historie auskennt, ist sich dieser Unterschiede bewusst. Nach neueren, edukativen Meinungen ist die Geschichte generell allerdings eh ein Auslaufmodell, weshalb solche Feinheiten offenbar zu vernachlässigen sind. Aber dennoch sei’s festgehalten: „Olympiade“ bedeutet ein Zeitraum; mit „Olympischen Spielen“ sind die konkreten Wettkämpfe gemeint. 2016 fanden die Olympischen Winterspiele in Pyeongchang (Korea) statt, die Olympischen Sommerspiele im gleichen Jahr in Rio (Brasilien). Im kommenden Jahr werden also die Olympischen Sommerspiele in Tokio ausgetragen, die Olympischen Winterspiele 2022 in Peking (vom 4. bis 20. Februar); Peking war (zusammen mit Hongkong) bereits Austragungsort der Olympischen Sommerspiele 2008 – ein Unikum, dass im selben Austragungsort (Peking) sowohl Sommer- als auch Winterspiele stattfanden oder stattfinden.- Ein anderer, weit verbreiteter Irrtum um Olympia: Olympische Spiele werden vom IOK nicht an ein Land vergeben, bestimmt wird ein Austragungsort (in der Regel eine Stadt). So finden die Olympischen Sommerspiele 2020 nicht in Japan, sondern eben in Tokio statt.

Das allerdings sind die kleineren Sorgen, mit denen die Olympioniken derzeit (wieder) zu kämpfen haben. Mehr Kummer bereitet der Umstand, dass der Fussball dem olympischen Sport immer mehr den Rang abläuft, was sich letztlich negativ auf die Vermarktung der Olympische Spiele auswirkt.

Der höchste Sportler im politischen Machtgefüge

(causasportnews / red. / 2. Juli 2019) Der organisierte Sport ist apolitisch – oder hat es zumindest zu sein. Das war aber wohl nicht die Triebfeder des höchsten Sportfunktionärs der Welt, Dr. Thomas Bach, der anlässlich des G20-Gipfels in Osaka der versammelten Polit-Prominenz die vereinende Rolle der Olympischen Spiele erklärte und beschwor. Der Auftritt des IOK-Präsidenten in Japan war vorgezeichnet, finden in Tokio doch die nächsten Olympischen Sommerspiele (vom 24. Juli bis zum 9. August 2020) statt. Thomas Bach, der gewiefte Rhetoriker, brilliante Taktiker und ein eigentliches Funktionärs-Fossil aus dem Land der Dichter, Denker und Fechter, wusste, wie die Botschaft des Sportes in Politiker(innen)-Kreisen ankommen würde und punktete bei den Polit-Kolleginnen und Kolleginnen in Osaka wacker. Seine Äusserungen ähnelten in den wichtigsten Punkten den Theorien von Karl Marx und Friedrich Engels. Die Olympische Charta wird sich demnach noch mehr zum Kommunistischen Manifest des Sportes mausern. So betonte der IOK-Präsident die hehre, völkerverbindende Wirkung des Sportes – genau, wie es der ehemalige Präsident des Weltfussballverbandes FIFA, Joseph Blatter, in seinen besten Funktionärs-Jahren getan hatte; mit einem Fussballspiel konnte er allerdings den Konflikt zwischen Israeli und Palästinensern doch nicht lösen. Und mit dem Friedens-Nobelpreis wollte es dann doch nicht klappen. Keine Diskriminierung. Jede(r) respektiert jede(n). Der Sport läuft für alle nach den gleichen Regeln ab. Der Spitzensport verwirklicht zudem die höchsten Ideale. Im Sport sind alle gleich – und alle haben sich selbstverständlich lieb; der „Fall Caster Semenya“ ist ja auch noch nicht abschliessend entschieden (vgl. dazu causasportnews vom 4. Juni 2019). Ob soviel Kommunismus im kommerziellen Sport hätten sich Marx/Engels wohl bestens bestätigt gefühlt. Sportler/innen aller Länder vereinigt euch also und betrügt nächstes Jahr nicht zuviel in Tokio, könnte der Olympischen Vorbild-Familie, wie sie vom obersten Olympioniken beschworen wird, mit Überzeugung zugerufen werden.

Nach fünf Jahren endlich Olympia-Gold!

(causasportnews / red. / 1. April 2019) Nicht einmal insgesamt vier Minuten war der Schweizer Zweierbob mit Beat Hefti und Alex Baumann anlässlich der Olympischen Winterspiele 2014 in Sotschi unterwegs. Lange sah es danach aus, als hätte das Team Hefti/Baumann die olympische Silbermedaille gewonnen. Doch nun, nach etwas mehr als fünf Jahren, ist es definitiv, dass nicht die in ihrem Heimrennen schnellsten von 2014, die Russen Alexander Subkow / Alexej Wojewoda, als Goldmedaillen-Gewinner in die Olympia-Annalen eingehen werden, sondern eben die beiden Schweizer. Nach langem Hin und Her und einer üblen Dopinggeschichte ist klar, wer sich als Bob-Olympiasieger feiern lassen darf (vgl. auch causasportnews vom 7. Januar 2019): Die Schweizer, die sich nun endlich offiziell Zweierbob-Olympiasieger nennen dürfen, wie das Internationale Olympische Komitee (IOK) soeben verlauten liess. Zweifelsfrei wird den beiden Athleten auch je eine Goldmedaille ausgehändigt; ob es diejenigen sein werden, deren Rückgabe von den Russen lange verweigert wurde, ist allerdings zur Zeit unklar.

Wie dem auch sei: Die Gerechtigkeit hat gesiegt, und der olympische Sport verfügt über ein Unikum mehr. Es kann durchaus Jahre dauern, bis die Sieger einer nicht einmal vierminütigen Fahrt im Bobrun definitiv feststehen. Im Medaillenspiegel der Olympischen Spiele von Sotschi hat die Korrektur an der Spitze des Bob-Klassements keine Auswirkungen: Auch nach dem Gewinn einer zusätzlichen Goldmedaille im Zweiter-Bob bleibt die Schweiz mit sieben Mal Edelmetall auf dem siebten Platz – knapp hinter Deutschland (mit acht Goldmedaillen).

Öffnung der Olympia-Werbemöglichkeiten dank Bundeskartellamt

(causasportnews / th. / 28. März 2019.) Olympische Spiele bescheren dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC) Millioneneinahmen; grosszügige Sponsoren machen es möglich und bilden einen gigantischen Markt. Die Hauptakteure der Spiele, die Athletinnen und Athleten, unterliegen hingegen einschneidenden Wettbewerbsbeschränkungen. So sieht die massgebende Regel 40 Nr. 3 der „IOC Charta“ vor, dass kein Sportler, der an Olympischen Spielen teilnimmt, seine Person, seinen Namen, sein Bild oder seine sportlichen Leistungen an einigen Tagen vor, während und nach den Spielen (sog. „frozen period“) zu Werbezwecken nutzen lassen darf – was auch für Social Media-Aktivitäten gilt.

Dieser Praxis wurde nunmehr, als Abschluss eines zweijährigen Verfahrens, welches das Deutsche Bundeskartellamt wegen des Verdachts auf Missbrauch einer marktbeherrschenden Stellung gegen den Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) und das IOC eingeleitet hatte, ein erster Riegel geschoben. So haben sich DOSB und IOC kürzlich verpflichtet, die Werbemöglichkeiten für deutsche Athleten und ihre Sponsoren erheblich zu erweitern und den Sportlern künftig deutlich mehr Spielraum bei der Vermarktung ihrer Person während der Olympischen Spiele einzuräumen.

Die erweiterten Werbemöglichkeiten für Athletinnen und Athleten beinhalten unter anderem die Verwendung bestimmter „olympischer“ Begriffe, eine freizügigere Nutzung von Social Media sowie die Veröffentlichung von Wettkampfbildern, sofern auf ihnen keine olympischen Symbole zu sehen sind. Auch sollen künftig nicht mehr Gruss- und Gratulationsbotschaften (etwa über Inserate in den Medien) sowie Danksagungen der Athleten an ihre Sponsoren unterbunden werden. Das bisherige langwierige Anmelde- und Genehmigungsverfahren für Werbemassnahmen muss nicht mehr durchlaufen werden – weder für aktuelle noch neue Aktionen. Sollte es dennoch zu Streitigkeiten über Werbemassnahmen kommen, dürfen deswegen in Zukunft keine sportlichen Sanktionen mehr verhängt werden, und für allenfalls notwendige Entscheidungen hierüber steht nunmehr der Rechtsweg zu den ordentlichen Zivilgerichten offen. Dokumentiert sind diese Neuerungen in einem Leitfaden des DOSB, dessen Vorgaben das IOC in Bezug auf Deutschland als seinen eigenen Regeln vorgehend anerkannt hat.

Dieser Entwicklung vorausgegangen war eine vorläufige Bewertung des Bundeskartellamtes, wonach DOSB und IOC als marktbeherrschend auf dem Markt für die Organisation und Vermarktung der Olympischen Spiele zu qualifizieren sind. Zwar hat die Behörde dabei durchaus die regelmässige Veranstaltung der Olympischen Spiele als legitimes Ziel für Wettbewerbsbeschränkungen zur Verhinderung von rechtlich unzulässigen Werbeformen rund um „Olympia“ anerkannt; zugleich hat sie aber auch der Eigenvermarktung der teilnehmenden Sportler während Olympischer Spiele, die für diese oftmals Höhepunkte in ihren Karrieren bilden, einen sehr hohen Stellenwert zugemessen und die bisherige Anwendung der Regel 40 als zu weitgehend und daher missbräuchlich eingestuft. Mit den nunmehr erfolgten Zusagen seitens des Sports soll dieser Einschätzung Rechnung getragen werden. Indem das Bundeskartellamt diese für verbindlich erklärt hat, konnte das Missbrauchsverfahren mit einer sog. „Verpflichtungszusagenentscheidung“ abgeschlossen werden. Ob die Zugeständnisse tatsächlich eingehalten werden, wird das Bundeskartellamt jedoch auch künftig kontrollieren.