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Tokio verliert den „Olympia-Macher“

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(causasportnews / red. 31. August 2020) Vor fast genau sieben Jahren erhielt Tokio den Zuschlag für die Austragung der Olympischen Sommerspiele 2020. Diese mussten bekanntlich in diesem Frühjahr wegen der weltweit grassierenden „Corona“-Pandemie verschoben werden und sollen nun im kommenden Sommer stattfinden. Doch an die Austragung von „Olympia 2021“ in der japanischen Metropole glaubt kaum mehr jemand; auch die japanische Bevölkerung wäre offenbar nicht unglücklich, wenn das kostspielige Projekt definitiv begraben würde (causasportnews vom 27. August 2020). Eine weitere Verschiebung der Spiele würde es nicht geben, hat der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOK), Dr. Thomas Bach, bei Bekanntgabe des Verschiebungs-Entscheides erklärt. Nur ein Wunder, also das zügige Abklingen der Pandemie, könnte die Spiele von Tokio im kommenden Jahr noch retten. Die Austragungs-Verantwortlichen in Japan und in der IOK-Zentrale in Lausanne haben mit dem erwarteten Rücktritt des japanischen Ministerpräsidenten Shinzo Abe einen argen Dämpfer erhalten. Der Politiker, der sich seit acht Jahren im Amt befindet, hat, nicht unerwartet, aus gesundheitlichen Gründen seinen Rücktritt erklärt. Damit verlieren die vorgesehenen Spiele im kommenden Sommer den eigentlichen „Olympia-Macher“ im Austragungsland, wie der Ministerpräsident auch immer wieder genannt wurde. Die Olympischen Sommerspiele 2021 zu Grabe zu tragen wird nun eine Aufgabe der Nachfolgerin oder des Nachfolgers von Shinzo Abe werden. Ausser, das Wunder (vgl. oben) würde doch noch Tatsache…

Olympia 2021 in Tokio: 2021 oder gar nicht?

(causasportnews / red. / 27. August 2020) Mit gequältem Gesichtsausdruck und als ob ihm ein schwergewichtiger Sumo-Ringer auf den Füssen stehen würde, teilte Japans Premierminister Shinzo Abe vor genau fünf Monaten der Stadt Tokio, seinem Land und der Welt mit, dass „Olympia Tokio 2020“ genau ein Jahr später stattfinden würde. Lange liessen sich im Frühjahr das Internationale Olympische Komitee (IOK) und die japanische Metropole Zeit, um die längst überfällige Entscheidung bezüglich Verschiebung der Olympischen Spiele um ein Jahr zu kommunizieren. Als im März der „Corona“-Tsunami die Welt mit voller Wucht erfasste, liess sich das „Projekt Tokio 2020“ trotz Beteuerungen und Durchhalteparolen seitens des IOK nicht mehr halten. IOK-Präsident Thomas Bach legte damals erläuternd nach und erklärte überdies, dass Olympische Spiele ohne Zuschauer undenkbar seien (vgl. dazu auch causasportnews vom 23. Juli 2020).

Statt vom 23. Juli bis 8. August 2020 soll nun also das grösste Sportfest der Welt vom 23. Juli bis 8. August 2021 stattfinden. Doch daran mögen, obwohl es bis zur in Aussicht gestellten Eröffnung der Spiele am 23. Juli 2021 kaum mehr ein Jahr dauert, immer weniger Menschen glauben; COVID-19 hat den Globus fest im Griff – und ein Ende des epidemischen Spuks ist nicht in Sicht. Der japanischen Bevölkerung ist die Lust auf Olympia längst abhanden gekommen. Im Juli sprachen sich gemäss Umfragen weniger als 25 Prozent der Bevölkerung für eine Verschiebung der Gross-Veranstaltung auf den Sommer 2021 aus. Gegen 40 Prozent traten für eine weitere Verschiebung ein, und fast ebensoviele Japanerinnen und Japaner sprachen sich für eine endgültige Absage der Sommerspiele in der 10 Millionen-Metropole aus. Der langjährige Premierminister Shinzo Abe dürfte man kaum mehr am eingangs wiedergegebenen Statement gemessen werden: Er kämpft seit geraumer Zeit mit gesundheitlichen Problemen, und es käme keiner Überraschung gleich, wenn bald einmal sein Nachfolger auch die Spiele von 2021 als abgesagt erklären würde. Realistischerweise wird sich die Menschheit auf diesem Planeten wohl auf eine Langzeit-Pandemie einrichten müssen. Grosse Sportveranstaltungen werden nicht mehr so, wie vor „Corona“ üblich, auszutragen sein. Das gilt wohl auch für die vom 21. November bis 18. Dezember 2022 vorgesehene WM-Endrunde der Fussballer in Katar und weitere, bedeutende Sport-Grossanlässe.

Die Last, Olympische Spiele austragen zu müssen

(causasportnews / red. / 23. Juli 2020) Am kommenden Wochenende hätten die XXXII. Olympischen Sommerspiele in Tokio beginnen sollen. Wie seit Ende März bekannt, wird der grösste Sportanlass der Welt allerdings nicht stattfinden. „Corona“ verunmöglicht es. In Abstimmung mit dem Austragungsort und der Regierung Japans hat das Internationale Olympische Komitee (IOK) entschieden, die nun verschobenen Spiele genau in einem Jahr durchzuführen. Nachdem nun aber die Entwicklungen mit COVID-19 nicht absehbar sind und niemand weiss, wie lange diese Pandemie die globale Welt im Griff haben wird, wackelt auch der Austragungstermin im Sommer 2021. Vor allem die kürzlich getätigte Aussage des IOK-Präsidenten Thomas Bach, dass Olympia-„Geisterspiele“, also Wettkämpfe ohne Zuschauer/innen, nicht denkbar seien, macht hellhörig und lässt einiges vermuten. Hinzu kommt, dass sich in Japan die öffentliche Meinung unter dem Druck der sich verschärfenden Pandemie contra die Spiele gewendet hat. War es bei der Vergabe des Anlasses an Tokio vor allem für Japan eine Ehre, nach 1964 jetzt wiederum Olympische Sommerspiele austragen zu dürfen, würde man die Veranstaltung im kommenden Jahr bereits jetzt gerne ganz ungeschehen machen. Statt Freude mit Blick auf den Anlass tritt die spürbare Last, Olympia 2021 austragen zu müssen. An Stelle des Olympia-Fiebers also Pandemie-Angst. Aber vielleicht wird es so oder so nicht soweit kommen und die Spiele werden definitiv abgesagt. Oder sie würden in einer abgespeckten Form durchgeführt. Die täglich steigenden Infektionszahlen sind im Moment die Hauptsorge der Japaner. So ist Olympia 2021 in weite Ferne gerückt; und doch belastend nahe. Das IOK gibt sich bedeckt, bis wann bezüglich der Austragung der Spiele 2021 ein Entscheid gefällt werden müsste. Im Moment ist alles möglich. Am wahrscheinlichsten scheint die Variante, dass die Olympischen Sommerspiele in Tokio gemäss derzeitiger Lage nicht stattfinden werden, es sei denn, das heimtückische Virus würde demnächst, wie es weitsichtige Menschen, wie US-Präsident Donald Trump, glauben, bald einmal quasi über Nacht verschwinden.

Olympische Spiele gelten als grösster Sportanlass der Welt. Doch im Zusammenhang mit dem geplanten Austragungsort Tokio im kommenden Jahr rückt auch der zweitgrösste Sportanlass der Welt in den Fokus nicht nur der sport-interessierten Öffentlichkeit: Sogar in Fussballkreisen herrscht je länger desto mehr nur noch verhaltener Optimismus vor, was die Durchführung der Fussball-Weltmeisterschafts-Endrunde 2022 in Katar betrifft. Vielleicht kann auf diese Weise der gordische Knoten im Zusammenhang mit dem üblicherweise grössten Fussballfest auf diesem Planeten durchschlagen werden. In diesem Fussball-WM-Endrunde-Projekt steckt seit dem Vergabeentscheid des Weltfussballverbandes (FIFA) im Jahr 2010 in Zürich der „Wurm“ drin. Ginge „Katar 2022“ nicht über die Bühne, würde dies in den Augen der meisten Menschen kein Schaden bedeuten. Apropos Schaden: Verschiebungen oder Absagen von Grossanlässen können zu Schäden aller Art führen. Im Moment sind Veranstaltungs-Ausfallversicherer daran, Rückstellungen für allfällige, derart versicherte Schäden vorzunehmen.

„Olympischer Friede“ einmal anders

(causasportnews / red. / 26. März 2020) Weit vor Christi Geburt schlossen im alten Griechenland die permanent verfeindeten Stämme den „Olympischen Frieden“, um die ungestörte Durchführung der Olympischen Spiele zu sichern. Das wird von Historikern angenommen; die nicht vollends gesicherte Überlieferung besagt dies jedenfalls (vgl. dazu Horst Hilpert, Die Olympische Bewegung und der Friede, Die Olympischen Spiele der Antike und Moderne im Rechtsvergleich, Schriftenreihe Causa Sport, Bd. 9, 2014, 131 ff.). Heute ist es umgekehrt. Finden einschneidende Kriege statt, ruht Olympia, wie etwa in der Moderne fünf Mal während der beiden Weltkriege. Nun fallen wegen der weltweiten „Corona“-Pandemie die Olympischen Spiele in Tokio, die am 24. Juli hätten beginnen sollen, aus. Das hat das Internationale Olympische Komitee in Lausanne (IOK) (endlich) entschieden. Die Entscheidung musste jetzt überstürzt und unter Druck gefällt werden, nachdem sich das IOK, das wichtigste Gremium des Weltsports, lange Zeit zierte, das Unausweichliche noch zu formalisieren und zu Ende zu bringen (vgl. auch causaportnews vom 22. März 2020). Noch vor zwei Wochen wurde das Olympische Feuer im Heiligen Hain zu Olympia in Griechenland mit etwas weniger Getöse als sonst entzündet. Das IOK zierte sich noch am vergangenen Wochenende und stellte einen Entscheid betreffend Tokio für in etwa vier Wochen in Aussicht. Unter dem Druck insbesondere von Athletinnen und Athleten, von politischen Organisationen, Regierungen und der Medien rund um den Erdball und nachdem Kanada und Australien mitgeteilt hatten, in Tokio nicht teilzunehmen zu wollen, wurde für tot erklärt, was sich längst in einem Todeskampf befunden hatte: „Corona“ hat auch den grössten Sportanlass der Welt in die Knie gezwungen. Aus wirtschaftlichen Gründen verschob das IOK, ein Gremium von weitgehend älteren Herren, das in Anlehnung an ein amerikanisches Filmdrama („Der Club der toten Dichter“) auch der „Club der schein-toten Funktionäre“ genannt wird, den Giga-Sportanlass mit 33 Disziplinen (einstweilen) um ein Jahr. Eine Absage hätte für den Verein Internationales Olympisches Komitee wohl den Todesstoss bedeutet. Zu gigantisch wurde „Tokio 2020“ in jeder Hinsicht aufgezogen, weshalb eine Absagte im Moment verhindert werden muss(te). Bei Verschiebungen solcher Grossanlässe stirbt die Hoffnung zuletzt. Für die bejahrten Männer um den IOK-Präsidenten, den Deutschen Dr. Thomas Bach, wurde die Luft immer dünner und der Entscheidungsdruck immer grösser. Der Präsident, ein Sport-Funktionär ältester Schule und mit dem Charisma einer Tontaube ausgestattet, fürchtet nichts mehr als den Verlust des höchsten Amtes im Weltsport. Deshalb wird ausgesessen, was ausgesessen werden kann, und eine Scheinwelt in Schwung gehalten, an die er als einziger selber glaubt. In der Regel will er in seinem Parallel-Universum nur das Beste, vor allem für sich und seine Machtposition, und erreicht meistens das Gegenteil, nicht zuletzt deshalb, weil für ihn Begriffe wie „Sensorium“ oder „Empathie“ Fremdwörter sind. Mit dem unabwendbaren Verschiebungs-Entscheid rettete sich Thomas Bach und den organisierten Weltsport ins kommende Jahr – einstweilen wenigstens. Um in der Sprache der Fechter, zu deren Aktiven der 66jährige Jurist und Olympiasieger von 1976 aus der Fecht-Hochburg Tauberbischofsheim gehört, zu sprechen: Thomas Bach, der Herr über die fünf olympischen Ringe, geht in die Verlängerung und hofft, nun im kommenden Jahr den entscheidenden Treffer zu setzen, das heisst, Tokio zu revitalisieren. Noch nie erhielt das „Prinzip Hoffnung“ im organisierten Weltsport derart zentrale Bedeutung.

Nicht nur wegen „Corona“ steht auch der höchste Funktionär der Disziplin „Fussball“ unter Druck. Gianni Infantino, seit Anfang dieses Jahres nach der Eliminierung aller Widerstände gegen seine Person ebenfalls IOK-Mitglied, der eine Ausdehnung und Neupositionierung der Klub-Weltmeisterschaft für das kommende Jahr angekündigt hatte, zeigt sich im Moment demütig. Weniger Spiele und weniger Turniere soll es künftig geben, erklärte er soeben, nachdem er das Teilnehmerfeld für Fussball-WM-Endrunden erweitert und die an sich ungeliebte Klub-Weltmeisterschaft aufgebläht hatte. Letztere wird nun im kommenden Jahr gar nicht gespielt. Und das Schlimmste an der Sache: Die Sponsoren- und TV-Gelder werden künftig auch im Fussball spärlicher fliessen. Blöd, wenn man seinem Wahlgremium mehr Geld versprochen hat.

Fazit für den Weltsport: Vor „Corona“ kapitulieren im Moment auch die Mächtigsten.

Das autonome Leben in der IOK-Parallelwelt

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(causasportnews / red. / 22. März) Die Zahl der Infizierten und Toten im Zuge der „Corona“-Pandemie schnellt regelrecht in die Höhe. Europa befindet sich im Katastrophen-Modus. In diesem regelrechten Bürgerkrieg der Moderne, in dem der Mitmensch der ärgste Feind seines Nächsten (geworden) ist, geht es um Überleben. Und es ist realistischerweise nicht davon auszugehen, dass der Spuk bald vorüber sein wird. Nicht überall ist es offenbar, trotz Horror-Todeszahlen, angekommen, dass es jetzt um Leben und Tod geht und alle Menschen krass gefährdet sind. Die Behörden sehen sich veranlasst, undisziplinierte junge Ignoranten und alte Querulanten zur Räson zu bringen. Teils mit mässigem Erfolg. Noch immer wird nicht überall gewahr, dass das unsichtbare Virus eben doch eine äusserst reale Gefahr bildet und sich die Menschheit in einer unkriegerischen Auseinandersetzung im Sinne des „homo homini lupus“-Grundsatzes befindet: Der Nächst ist zum unbekannten Feind, von dem man sich fernhalten muss, geworden.

Wie in jedem Krieg gibt es auch in dieser Katastrophe mit nicht wahrnehmbaren Gegnern Exzesse zu Hauf – eben auch im Sport oder im sportlichen Umfeld, nachdem der aktive Sport zwischenzeitlich vollends zum Erliegen gekommen ist. So kündigte ein Fussballpräsident im Schweizer Kanton Wallis die befristeten Arbeitsverträge der Professional-Fussballspieler ausserordentlicherweise aus „wichtigem Grund“ (falls ein solcher Grund effektiv vorliegt, was konkret selbstverständlich nicht der Fall ist, kann grundsätzlich jedes, auch befristete Vertragsverhältnis per sofort aufgelöst werden). Ein geradezu perverse Aktion des Sport-Funktionärs unter schamloser Ausnützung der Situation, die wohl in Deutschland als Verstoss gegen das Grundgesetz, Art. 1 („Die Würde des Menschen ist unantastbar“), qualifiziert würde. Der betreffende Mann ist allerdings seit Jahren immer wieder durch menschenverachtende Aktionen aufgefallen und gehört, quasi als „Wiederholungstäter, längst aus dem organisierten Fussball verbannt.

Geradezu zumindest abwegig, wenn auch in anderer Hinsicht, verhält sich das Internationale Olympische Komitee (IOK), ein Verein im Sinne der Art. 60 ff. des Zivilgesetzbuches (ZGB) mit natürlichen, durchwegs älteren Menschen als Mitglieder. Für die Fussballer Europas war es an sich klar, und dies wurde entsprechend auch vor einigen Tagen beschlossen, dass die im Sommer vorgesehene Fussball-Europameisterschaft an 12 Standorten wegen „Corona“ nicht durchgeführt würde. Anders das IOK: Der greise Herrenklub in Lausanne hält nach wie vor an der Austragung der Olympischen Sommerspiele vom 24. Juli bis 9. August in Tokio unabrückbar fest. Diese Haltung hat Tradition: Bisher fielen Olympische Spiel nur kriegerischen Ereignissen zum Opfer. Nun herrscht allerdings ein derartiger Zustand, an der Erkenntnis hierfür mangelt es offensichtlich (noch) in der Westschweizer Metropole. Dass sich die an Olympia teilnehmenden Athletinnen und Athleten teils unter Wettkampfbedingungen auf diesen Grossanlass vorbereiten müssten, ist den Gralshütern des Weltsportes offenbar so unbekannt wie die anderen Parameter, die mit Blick auf derartige Wettkämpfe berücksichtigt werden müssten, jedoch ignoriert werden. Das IOK lebt und wirkt fernab der Realitäten in einer eigenen Welt mit eigenen Gesetzmässigkeiten. Eine Parallelwelt, die demnächst dennoch von der Wirklichkeit in den Hintergrund gedrängt werden dürfte. Mit dem praktizierten Slogan „Ist der Ruf erst ruiniert, lebt es sich in der IOK-Parallelwelt ungeniert“, würde dann diese vom IOK ebenfalls hoch gehaltene Imagination zur Realität. Frustrierend an der Sache ist, dass die IOK-Oberen diese Welt als authentisch betrachten…

Irrtümer um Olympia

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NZZ vom 22. November 2019

(causasportnews / red. / 30. November 2019) In etwas mehr als einem Jahr, am 24. Juli 2020, beginnt in Tokio einer der grössten Sportanlässe der Welt, die Olympischen Sommerspiele (bis zum 9. August 2020). Dieses Ereignis wirft seine Schatten voraus – in jeder Hinsicht, also auch medial. Wird über diesen Anlass berichtet, ist dies oft mit insbesondere terminologischen Fehlleistungen verbunden. Fokussieren etwa Journalisten diese Sportwettkämpfe, sprechen sie meistens und zutreffend von „Olympischen Spielen“; aber es sind durchaus auch Divergenzen feststellbar, getreu nach dem Motto: Man meint es zwar richtig, sagt es aber falsch. Im konkreten Fall sprechen Medienschaffende, auch der Sportredaktionen, immer wieder von der „Olympiade“, meinen aber die regelmässig ausgetragenen Sportwettkämpfe unter der Schirmherrschaft des Internationalen Olympischen Komitees (IOK), einem Verein nach Schweizerischem Recht mit Sitz in Lausanne. Sogar in den Intelligenzblättern herrscht diesbezüglich ein Begriffswirrwarr. So auch kürzlich in der „Neuen Zürcher Zeitung“, die (im Wirtschaftsteil!) einen Beitrag so betitelte: „Japan will eine Olympiade ohne Hürden“. Die Titelsetzer sind einem weit verbreiteten Irrtum erlegen. „Olympiade“ bedeutet einen (mehrjährigen) Zeitraum zwischen zwei Olympischen Spielen. Der Terminus „Olympische Spiele“ steht für die regelmässig ausgetragenen Sportwettkämpfe unter der Ägide des IOK. Wer sich in der griechischen Historie auskennt, ist sich dieser Unterschiede bewusst. Nach neueren, edukativen Meinungen ist die Geschichte generell allerdings eh ein Auslaufmodell, weshalb solche Feinheiten offenbar zu vernachlässigen sind. Aber dennoch sei’s festgehalten: „Olympiade“ bedeutet ein Zeitraum; mit „Olympischen Spielen“ sind die konkreten Wettkämpfe gemeint. 2016 fanden die Olympischen Winterspiele in Pyeongchang (Korea) statt, die Olympischen Sommerspiele im gleichen Jahr in Rio (Brasilien). Im kommenden Jahr werden also die Olympischen Sommerspiele in Tokio ausgetragen, die Olympischen Winterspiele 2022 in Peking (vom 4. bis 20. Februar); Peking war (zusammen mit Hongkong) bereits Austragungsort der Olympischen Sommerspiele 2008 – ein Unikum, dass im selben Austragungsort (Peking) sowohl Sommer- als auch Winterspiele stattfanden oder stattfinden.- Ein anderer, weit verbreiteter Irrtum um Olympia: Olympische Spiele werden vom IOK nicht an ein Land vergeben, bestimmt wird ein Austragungsort (in der Regel eine Stadt). So finden die Olympischen Sommerspiele 2020 nicht in Japan, sondern eben in Tokio statt.

Das allerdings sind die kleineren Sorgen, mit denen die Olympioniken derzeit (wieder) zu kämpfen haben. Mehr Kummer bereitet der Umstand, dass der Fussball dem olympischen Sport immer mehr den Rang abläuft, was sich letztlich negativ auf die Vermarktung der Olympische Spiele auswirkt.

Der höchste Sportler im politischen Machtgefüge

(causasportnews / red. / 2. Juli 2019) Der organisierte Sport ist apolitisch – oder hat es zumindest zu sein. Das war aber wohl nicht die Triebfeder des höchsten Sportfunktionärs der Welt, Dr. Thomas Bach, der anlässlich des G20-Gipfels in Osaka der versammelten Polit-Prominenz die vereinende Rolle der Olympischen Spiele erklärte und beschwor. Der Auftritt des IOK-Präsidenten in Japan war vorgezeichnet, finden in Tokio doch die nächsten Olympischen Sommerspiele (vom 24. Juli bis zum 9. August 2020) statt. Thomas Bach, der gewiefte Rhetoriker, brilliante Taktiker und ein eigentliches Funktionärs-Fossil aus dem Land der Dichter, Denker und Fechter, wusste, wie die Botschaft des Sportes in Politiker(innen)-Kreisen ankommen würde und punktete bei den Polit-Kolleginnen und Kolleginnen in Osaka wacker. Seine Äusserungen ähnelten in den wichtigsten Punkten den Theorien von Karl Marx und Friedrich Engels. Die Olympische Charta wird sich demnach noch mehr zum Kommunistischen Manifest des Sportes mausern. So betonte der IOK-Präsident die hehre, völkerverbindende Wirkung des Sportes – genau, wie es der ehemalige Präsident des Weltfussballverbandes FIFA, Joseph Blatter, in seinen besten Funktionärs-Jahren getan hatte; mit einem Fussballspiel konnte er allerdings den Konflikt zwischen Israeli und Palästinensern doch nicht lösen. Und mit dem Friedens-Nobelpreis wollte es dann doch nicht klappen. Keine Diskriminierung. Jede(r) respektiert jede(n). Der Sport läuft für alle nach den gleichen Regeln ab. Der Spitzensport verwirklicht zudem die höchsten Ideale. Im Sport sind alle gleich – und alle haben sich selbstverständlich lieb; der „Fall Caster Semenya“ ist ja auch noch nicht abschliessend entschieden (vgl. dazu causasportnews vom 4. Juni 2019). Ob soviel Kommunismus im kommerziellen Sport hätten sich Marx/Engels wohl bestens bestätigt gefühlt. Sportler/innen aller Länder vereinigt euch also und betrügt nächstes Jahr nicht zuviel in Tokio, könnte der Olympischen Vorbild-Familie, wie sie vom obersten Olympioniken beschworen wird, mit Überzeugung zugerufen werden.

Nach fünf Jahren endlich Olympia-Gold!

(causasportnews / red. / 1. April 2019) Nicht einmal insgesamt vier Minuten war der Schweizer Zweierbob mit Beat Hefti und Alex Baumann anlässlich der Olympischen Winterspiele 2014 in Sotschi unterwegs. Lange sah es danach aus, als hätte das Team Hefti/Baumann die olympische Silbermedaille gewonnen. Doch nun, nach etwas mehr als fünf Jahren, ist es definitiv, dass nicht die in ihrem Heimrennen schnellsten von 2014, die Russen Alexander Subkow / Alexej Wojewoda, als Goldmedaillen-Gewinner in die Olympia-Annalen eingehen werden, sondern eben die beiden Schweizer. Nach langem Hin und Her und einer üblen Dopinggeschichte ist klar, wer sich als Bob-Olympiasieger feiern lassen darf (vgl. auch causasportnews vom 7. Januar 2019): Die Schweizer, die sich nun endlich offiziell Zweierbob-Olympiasieger nennen dürfen, wie das Internationale Olympische Komitee (IOK) soeben verlauten liess. Zweifelsfrei wird den beiden Athleten auch je eine Goldmedaille ausgehändigt; ob es diejenigen sein werden, deren Rückgabe von den Russen lange verweigert wurde, ist allerdings zur Zeit unklar.

Wie dem auch sei: Die Gerechtigkeit hat gesiegt, und der olympische Sport verfügt über ein Unikum mehr. Es kann durchaus Jahre dauern, bis die Sieger einer nicht einmal vierminütigen Fahrt im Bobrun definitiv feststehen. Im Medaillenspiegel der Olympischen Spiele von Sotschi hat die Korrektur an der Spitze des Bob-Klassements keine Auswirkungen: Auch nach dem Gewinn einer zusätzlichen Goldmedaille im Zweiter-Bob bleibt die Schweiz mit sieben Mal Edelmetall auf dem siebten Platz – knapp hinter Deutschland (mit acht Goldmedaillen).

Öffnung der Olympia-Werbemöglichkeiten dank Bundeskartellamt

(causasportnews / th. / 28. März 2019.) Olympische Spiele bescheren dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC) Millioneneinahmen; grosszügige Sponsoren machen es möglich und bilden einen gigantischen Markt. Die Hauptakteure der Spiele, die Athletinnen und Athleten, unterliegen hingegen einschneidenden Wettbewerbsbeschränkungen. So sieht die massgebende Regel 40 Nr. 3 der „IOC Charta“ vor, dass kein Sportler, der an Olympischen Spielen teilnimmt, seine Person, seinen Namen, sein Bild oder seine sportlichen Leistungen an einigen Tagen vor, während und nach den Spielen (sog. „frozen period“) zu Werbezwecken nutzen lassen darf – was auch für Social Media-Aktivitäten gilt.

Dieser Praxis wurde nunmehr, als Abschluss eines zweijährigen Verfahrens, welches das Deutsche Bundeskartellamt wegen des Verdachts auf Missbrauch einer marktbeherrschenden Stellung gegen den Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) und das IOC eingeleitet hatte, ein erster Riegel geschoben. So haben sich DOSB und IOC kürzlich verpflichtet, die Werbemöglichkeiten für deutsche Athleten und ihre Sponsoren erheblich zu erweitern und den Sportlern künftig deutlich mehr Spielraum bei der Vermarktung ihrer Person während der Olympischen Spiele einzuräumen.

Die erweiterten Werbemöglichkeiten für Athletinnen und Athleten beinhalten unter anderem die Verwendung bestimmter „olympischer“ Begriffe, eine freizügigere Nutzung von Social Media sowie die Veröffentlichung von Wettkampfbildern, sofern auf ihnen keine olympischen Symbole zu sehen sind. Auch sollen künftig nicht mehr Gruss- und Gratulationsbotschaften (etwa über Inserate in den Medien) sowie Danksagungen der Athleten an ihre Sponsoren unterbunden werden. Das bisherige langwierige Anmelde- und Genehmigungsverfahren für Werbemassnahmen muss nicht mehr durchlaufen werden – weder für aktuelle noch neue Aktionen. Sollte es dennoch zu Streitigkeiten über Werbemassnahmen kommen, dürfen deswegen in Zukunft keine sportlichen Sanktionen mehr verhängt werden, und für allenfalls notwendige Entscheidungen hierüber steht nunmehr der Rechtsweg zu den ordentlichen Zivilgerichten offen. Dokumentiert sind diese Neuerungen in einem Leitfaden des DOSB, dessen Vorgaben das IOC in Bezug auf Deutschland als seinen eigenen Regeln vorgehend anerkannt hat.

Dieser Entwicklung vorausgegangen war eine vorläufige Bewertung des Bundeskartellamtes, wonach DOSB und IOC als marktbeherrschend auf dem Markt für die Organisation und Vermarktung der Olympischen Spiele zu qualifizieren sind. Zwar hat die Behörde dabei durchaus die regelmässige Veranstaltung der Olympischen Spiele als legitimes Ziel für Wettbewerbsbeschränkungen zur Verhinderung von rechtlich unzulässigen Werbeformen rund um „Olympia“ anerkannt; zugleich hat sie aber auch der Eigenvermarktung der teilnehmenden Sportler während Olympischer Spiele, die für diese oftmals Höhepunkte in ihren Karrieren bilden, einen sehr hohen Stellenwert zugemessen und die bisherige Anwendung der Regel 40 als zu weitgehend und daher missbräuchlich eingestuft. Mit den nunmehr erfolgten Zusagen seitens des Sports soll dieser Einschätzung Rechnung getragen werden. Indem das Bundeskartellamt diese für verbindlich erklärt hat, konnte das Missbrauchsverfahren mit einer sog. „Verpflichtungszusagenentscheidung“ abgeschlossen werden. Ob die Zugeständnisse tatsächlich eingehalten werden, wird das Bundeskartellamt jedoch auch künftig kontrollieren.