Archiv für den Monat Dezember 2017

FIFA ist personelle WM-„Hypothek“ los

(causasportnews / red. / 28. Dezember 2017) Eine gute Nachricht für den Welt-Fussballverband FIFA zum Jahresende: Einer der namhaftesten, jedoch auch umstrittensten Exponenten des Fussball-WM-Endrunden-Projekts 2018 in Russland hat sich selber aus dem Rennen um Macht und Einfluss im organisierten Fussball und den Kritikern den Wind aus den Segeln genommen. Vitaly Mutko, bis anfangs dieser Woche noch Präsident des Russischen Fussballverbandes, hat nach seinem Rücktritt als Chef des Verbandes nun zudem, was viel gewichtiger ist, das Amt des Vorsitzenden des lokalen Organisationskomitees der FIFA-Fussball-Weltmeisterschaft 2018 niedergelegt. Durch diesen Schritt hat der ehemalige Sportminister Russlands und Vize-Ministerpräsident des Landes die FIFA mit Blick auf die WM-Endrunde von einer immer stärker drückenden „Hypothek“ befreit. Weiterlesen

Von der juristischen „Mücke“ zum „Prozess-Elefanten“

(causasportnews / red. / 28. Dezember 2017) Der Bomben-Angriff auf den Mannschaftsbus von Borussia Dortmund am 11. April dieses Jahres hat einen Schock ausgelöst. Nachdem klar wurde, dass die Attacke das Verbrechen eines Einzelnen, und kein Terror-Anschlag, war, stellte sich eine gewisse Erleichterung ein. Als Täter wurde bald nach der abscheulichen Tat ein aus Russland stammender 28jähriger Mann überführt, der mit dem Bomben-Angriff auf das Fussball-Team Börsen-Spekulationsgeschäfte tätigte (vgl. auch Causa Sport News vom 26. April 2017). Kurz vor Weihnachten hat der Prozess vor dem Dortmunder Landgericht gegen Sergej W. (der Familienname darf nicht genannt werden) begonnen. Bereits der Prozessauftakt Weiterlesen

Die Attraktivität des Firmensports sinkt

(causasportnews / red./ 27. Dezember 2017) Gesellschaftliche Trends zeitigen oft auch Auswirkungen auf den Sport. Das jederzeit zugängliche,

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source wikimedia, author Angelo Romano

unverbindliche Fitness-Zentrum hat bspw. das organisierte Turnen im Verein mit starren Trainings- und Spielplänen abgelöst, und das immer mehr schwindende, gesellschaftliche Zusammengehörigkeitsgefühl lässt Mannschaftssportarten auch nicht gerade boomen. Schwer hat es demnach der Firmensport, wie die „Neue Zürcher Zeitung“ kürzlich umfassend darlegte („NZZ“ vom 19. Dezember 2017, „Der gute alte Firmensport hat es schwer“). Das Blatt nimmt die Entwicklungen dieses an sich traditionellen Sportsegments mit den Sportschwerpunkten Fussball, Faustball und Schach Weiterlesen

Weihnachtsgeschenk für Christian Constantin

gift-184574_1280(causasportnews / red. / 20. Dezember 2017) Das war voraussehbar: Im Rahmen der Swiss Football League (SFL) des Schweizerischen Fussballverbandes (SFV) geistert seit Jahren das Bonmot herum, dass Sanktionsorgane der Liga zumindest um die Weihnachtszeit herum gegenüber Missetätern besonders nachsichtig und gnädig gestimmt sind. Von diesem Umstand profitiert nun auch der im wahrsten Sinne des Wortes streitbare Präsident des FC Sion, Christian Constantin, der in seinem Verfahren vor dem Rekursgericht der SFL auch aus diesem Grund mit Nachsicht rechnen durfte.- Der Präsident hatte im Stadion des FC Sion gegenüber dem ehemaligen Nationaltrainer der Schweiz und heutigen TV-Kommentator Rolf Fringer in Hooligan-Manier Gewalt angewendet. Vor den Augen der Zuschauer im Stadion, vor Erwachsenen und Jugendlichen und vor laufenden TV-Kameras. Weiterlesen

Sportlärm an der Goldküste beschäftigt das Bundesgericht

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ZSZ:Archivbild Moritz Hager

(causasportnews / red. / 14. Dezember 2017) Es liegt im Trend: In einer lärmigen Zeit in einem an Immissionen reichen Ballungsraum stören sich Anwohner am Betrieb einer Sportanlage. Die diesbezügliche Auseinandersetzung zwischen dem FC Herrliberg an der Zürcher „Goldküste“ und zwei Anwohnern des Sportplatzes „Langacker“ im Rahmen einer Lärmklage wird nun das Bundesgericht beschäftigen. Die beiden Kläger stören sich am Lärm und am Scheinwerferlicht, welches der Fussballbetrieb des FC Herrliberg auf dem Spiel- und Trainingsgelände verursache und zogen gegen die Gemeinde Herrliberg als Eigentümerin der Anlage vor Gericht. Ihre Klage wurde sowohl vom zuständigen Baurekursgericht als auch vom anschliessend angerufenen Verwaltungsgericht abgewiesen. Die beiden streitbaren Anwohner Weiterlesen

Europäische Kommission: ISU-Zulassungsregeln definitiv kartellrechtswidrig

flag_yellow_high(causasportnews / red. / 11. Dezember 2017) Nach einer über zwei Jahren dauernden Untersuchung haben die Wettbewerbshüter der Europäischen Kommission nun definitiv entschieden: Die Regeln des Internationalen Eislaufverbandes (International Skating Union; ISU) über die Zulassung von Athletinnen und Athleten zu Wettkämpfen verstossen gegen das Wettbewerbsrecht der Europäischen Union. Die Kommission hat die ISU aufgefordert, die entsprechenden Bestimmungen anzupassen. Kommt die ISU dem nicht nach, droht ihr die Verhängung von Zwangsgeldern.

Ausgelöst wurde das Verfahren vor der Europäischen Kommission durch eine Beschwerde zweier niederländischer Eisschnellläufer, die Weiterlesen

Kehrtwende der UCI im Fall Peter Sagan

(causasportnews / rbr. / 8. Dezember 2017) Buchstäblich in letzter Minute haben sich der Weltverband des Radsports UCI (Union Cycliste Internationale) und der slowakische Weltklasse-Rennfahrer Peter Sagan (zuletzt dreimal in Folge Strassenweltmeister) aussergerichtlich geeinigt und verhinderten so, dass das internationale Sportschiedsgericht CAS (Court of Arbitration for Sport) über den zwischen den Parteien bestehenden Streitfall urteilte. Die Gerichtsverhandlung hätte vergangenen Dienstag, 5. Dezember 2017, stattfinden sollen.

Anlass der Auseinandersetzung bildete der Ausschluss Peter Sagans von der Tour de France 2017. Im Zielsprint der 4. Etappe vom 4. Juli 2017 in Vittel brachte Peter Sagan seinen Konkurrenten Mark Cavendish zu Fall. Die Rennkommission machte nach Studium der Fernsehbilder Peter Sagan für diesen Sturz verantwortlich, indem es sein Verhalten als absichtlich qualifizierte (er hatte seinen Ellbogen in Richtung Mark Cavendish ausgefahren). Sie schloss ihn gestützt auf Regel 12.1.040, Ziff. 10.2, der UCI-Regeln (irregulärer Sprint) mit sofortiger Wirkung von der Tour de France aus und büsste ihn mit zweihundert Franken. Mark Cavendish konnte die Rundfahrt verletzungshalber ebenfalls nicht fortsetzen. Das Team Peter Sagans (Denk Pro Cycling Team/BORA – hansgrohe) und der Fahrer legten gegen den entsprechenden Sanktionsentscheid Berufung beim CAS ein. Unmittelbar nach dem Ausschluss Peter Sagans stellten sie beim CAS zudem ein Gesuch um vorsorgliche Massnahmen, welches dieses am 5. Juli 2017 jedoch abwies (CAS 2017/A/5225). Das Team Peter Sagans und die UCI liessen nun unmittelbar vor Beginn der Schiedsverhandlung in einer gemeinsamen Erklärung verlauten, dass im Verfahren vor dem CAS neues Videomaterial eingereicht worden sei, das im Zeitpunkt der Entscheidung noch nicht zur Verfügung gestanden hätte. Gestützt darauf sei von einem „unglücklichen und unabsichtlichen Zwischenfall“ auszugehen. Gleichwohl hätte die UCI, so die Erklärung weiter, ihre Entscheidung damals nach bestem Wissen und Gewissen gefällt. Entsprechend zogen Peter Sagan und sein Team ihre Berufung gegen den Entscheid zurück, woraufhin das CAS das Verfahren abschrieb.

Der Abschluss des Verfahrens mutet salomonisch an, indem beiden Seiten in bestimmter Weise Recht gegeben wird. Im Kern bedeutet der Vergleich freilich eine Anerkennung der UCI, dass ihr Entscheid vom 4. Juli 2017, Peter Sagan von der Tour de France auszuschliessen, falsch war. Rückgängig machen lässt sich der (nun wohl als ungerechtfertigt zu qualifizierende) Ausschluss allerdings nicht mehr, und wirtschaftlich ist der Schaden für Peter Sagan und sein Team bereits angerichtet (entgangene Marketing- und Werbemöglichkeiten, Preisgelder, usw.). Für die UCI wird es in erster Linie darum gegangen sein, für diesen Schaden, der eine beträchtliche Höhe erreicht haben dürfte, nicht zur Kasse gebeten zu werden; im Gegenzug war sie offenbar bereit, Peter Sagan zu rehabilitieren. Der Fall zeigt exemplarisch, dass für Sportler in der Regel der vorsorgliche Rechtsschutz – mit dem sie beispielsweise wieder in einen Wettbewerb integriert werden können – viel wichtiger ist als ein späteres ordentliches Verfahren.