Archiv für den Monat April 2016

„Sommermärchen“ dank Erinnerungsschwächen weiter intakt

(causasportnews / red. / 27. April 2016) Das „Sommermärchen“ 2006 (Fussball-WM-Endrunde in Deutschland) bleibt märchenhaft. Die Hoffnungen auf Klärung der Vorgänge im Zusammenhang mit dem WM-Zuschlag an Deutschland im Jahr 2000 ruhten jüngst auf dem Landgericht Köln, das heute die Unterlassungsklage von Günter Netzer gegen Theo Zwanziger hätte verhandeln sollen, wobei das „Sommermärchen“ durchaus von der Realität hätte entzaubert werden können. Da hatte nämlich der ehemalige DFB-Präsident Theo Zwanziger gesagt, der ehemalige Fussball-Professional Günter Netzer hätte ihm gegenüber in einem Gespräch im Jahr 2012 eingestanden, für den WM-Zuschlag an Deutschland seien vier Stimmen von FIFA-Exekutivkomitee-Mitgliedern „gekauft“ worden (vgl. auch causasportnews vom 24. April 2016). Dem widersprach Günter Netzer, der von Theo Zwanziger die Unterlassung der Behauptung verlangte. Der Inhalt des besagten Dialogs wäre nun Gegenstand der beim Landgericht Köln eingereichten Unterlassungsklage in der Causa Netzer c. Zwanziger gewesen. Eine Entscheidung hätte wohl auch Klarheit in Bezug auf das seit letztem Jahr nicht mehr ganz so märchenhafte „Sommermärchen“ 2006 bringen können. Daraus wurde nun allerdings nichts, denn weil sich die Parteien vor der Verhandlung auf einen Vergleich geeinigt haben, ist der mit Spannung erwartete Prozess in Köln entfallen. Die beiden Protagonisten könnten sich an den Inhalt des Gesprächs nicht mehr genau erinnern, liessen die involvierten Anwälte verlauten. Item. Theo Zwanziger erklärte vergleichsweise, die getätigte Aussage nicht mehr zu wiederholen; Günter Netzer bekräftigte, er habe die Aussage mit Bezug zum Stimmenkauf nicht getätigt. Folge des Vergleichs: Das deutsche „Sommermärchen“ bleibt (weiterhin bzw. vorläufig) intakt – offensichtlich dank Erinnerungsschwächen zweier in die Jahre gekommener, ehemaliger Fussball-Protagonisten. Es wird mithin immer schwieriger, noch einen Beweis dafür beizubringen, dass die WM-Endrunden-Vergabe an Deutschland dank einem „Stimmenkauf“ zu Stande gekommen ist.

Max Kruse/Marco Reus: Si duo idem faciunt (non) idem est?

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DFB-Bundestrainer Joachim Löw: Zweierlei Mass? (Bild: User:Steindy)

(causasportnews / man / 26. April 2016) Die Fussball-Europameisterschaft steht vor der Tür, und die deutsche Nationalmannschaft hat ein grosses Ziel. Als amtierender Weltmeister will sie selbstverständlich auch Europameister werden. Dafür bedarf es einer starken Mannschaft. Die Nominierungen von Nationalspielern stehen unter medialer Beobachtung. Dasselbe gilt für Suspendierungen. Der jüngste Fall ist derjenige von Max Kruse. Dessen Rauswurf beruht auf mehreren Vorfällen. Ende vergangenen Jahres „vergass“ der Spieler nach durchzechter Pokernacht 75 000 Euro in einem Taxi. Dann kursierte ein Nacktvideo mit ihm im Internet. Nun nahm der Fussball-Star einer Reporterin den Fotoapparat ab und löschte Bilder, die ihn beim nächtlichen Tanz in einer Berliner Diskothek zeigten. Das war dem Bundestrainer Joachim Löw zu viel. Er sah sich zum Handeln veranlasst und suspendierte Max Kruse, weil dieser seiner Vorbildrolle als fokussierter und konzentrierter Nationalspieler zum wiederholten Male nicht entsprochen und sich trotz eindringlicher Mahnungen abermals unprofessionell verhalten habe. Die Massnahme des Bundestrainers darf als richtig qualifiziert werden und ist als deutliches Signal an jeden Nationalspieler zu verstehen. Die „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ (FAS) sah dies jedoch anders. Sie empörte sich und bescheinigte dem deutschen Fussball eine zur „Triplemoral“ gesteigerte Form doppelmoralischen Verhaltens. Dabei verwies die FAS auf einen anderen Nationalspieler (Marco Reus), der trotz Fahrens ohne Führerschein nicht aus dem Kader gestrichen worden sei. Für die FAS schienen die Fälle offenbar miteinander vergleichbar zu sein, frei nach dem Motto: „Si duo idem faciunt (non) idem est“. Aus sportfachlicher Sicht sind sie es indessen nicht. Denn schliesslich besteht ein Unterschied darin, ob ein Nationalspieler Nächte durchzecht und Ermahnungen des Bundestrainers ignoriert (Max Kruse) oder aber ein Fehlverhalten ohne Bezug zum Fussball einräumt und sich geläutert zeigt (Marco Reus). Nicht allen Medien will dieser Unterschied einleuchten. Schlimmer noch: Indem die FAS eine nachvollziehbare Entscheidung als „Triplemoral abkanzelt, schwingt sie sich selbst zum moralischen Oberrichter auf. Diesem fehlt zwar bekanntlich jegliche Bindung an eine Prozessordnung. Ein Blick ins Matthäus-Evangelium täte ihm gleichwohl gut. Denn dort steht die Moral von dieser Geschicht‘: „Richtet nicht, auf dass ihr nicht gerichtet werdet“!

Kommt bald „Sepp – Der Film“?

1459926539(causasportnews / red. / 25. April 2016) Seit einigen Tagen ist das angekündigte Buch des ehemaligen FIFA-Präsidenten Joseph Blatter, geschrieben vom langjährigen FIFA-Mitarbeiter Thomas Renggli, im Verkauf (Thomas Renggli/Sepp Blatter, Mission & Passion Fussball, Werd & Weber Verlag, 2016; als speziell darf hervorgehoben werden, dass der SP-Politiker und ehemalige Nationalrat Andreas Gross und der Ex-Chefredaktor der „Schweizer Illustrierten“, Peter Rothenbühler – beide nicht gerade als Verfechter bürgerlichen Gedankengutes bekannt – mitgewirkt haben). Nach der Buchvernissage im FIFA-Restaurant „Sonnenberg“ in Zürich (vgl. auch causasportnews vom 18. April 2016) folgte in den letzten Tagen in den Medien Verriss um Verriss. In der Tat sind die Reflexionen des zwischenzeitlich 80 Jahre alt gewordenen Wallisers nach über 40 Jahren Tätigkeit für die FIFA auch bei objektiver Betrachtung kein „Gassenhauer“. Begegnungen, Fussball-Höhepunkte, Emotionales, Reminiszenzen und Erkenntnisse aus der Warte von Joseph Blatter werden zwar unterhaltsam geschildert, die „Räubergeschichten“, auf die die Welt gewartet hat, fehlen jedoch – und das will heute das Publikum, wenn sich eine Persönlichkeit wie Joseph Blatter aufmacht, dem Globus die Welt aus subjektiver Sicht zu erklären. In der Publikation findet sich nichts, das die Welt aus dem Munde des ehemaligen FIFA-Präsidenten nicht schon mindestens einmal vernommen hätte. Alles in allem scheint es sich eher um Papier gewordene Frustbewältigung zu handeln. Und nun soll die begonnene publizistische Tätigkeit von Joseph Blatter eine Fortsetzung finden: Er wird Kolumnist einer Sonntags-Zeitung. Die Protagonisten der „Neuen Zürcher Zeitung“ übergiessen den künftigen Journalisten-Kollegen mit Häme auf Vorschuss und schreiben, das Schlimme an Blatters Buch sei, dass man die Vorfreude auf die angekündigte Kolumne verliere („NZZ“ vom 25. April 2016, 35). „Schau’n mer mal“, würde Franz Beckenbauer sagen. Und was kommt danach? „Sepp – Der Film“ vielleicht? Bei Otto Waalkes bedeutete das 1985 auch den grossen Durchbruch –  seit „Otto – Der Film“ finden Otto (fast) alle lustig…

Theo Zwanziger vor nächstem juristischen Gefecht

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Dr. Theo Zwanziger

(causasportnews / red. / 24. April 2016) Kaum hat der ehemalige DFB-Präsident Dr. Theo Zwanziger eine juristische Attacke seitens des Fussballverbands von Katar (QFA) abgewehrt (vgl. causasportnews vom 20. April 2016), erwartet ihn bereits die nächste rechtliche Herausforderung: Am 27. April wird er (erneut) als Beklagter vor Gericht erscheinen müssen, diesmal vor dem Landgericht Köln. Verhandelt wird dann die Causa Günter Netzer c. Theo Zwanziger. Prozessgegenstand ist eine Unterlassungsklage des Ex-Fussballspielers Günter Netzer gegen den langjährigen DFB-Präsidenten. Im weitesten Sinne dreht sich das Verfahren um das angeblich gekaufte „Sommermärchen“, also die WM-Endrunde 2006 in Deutschland. Dieses Märchen ist zwischenzeitlich – je nach Sichtweise – zur Tragödie oder Komödie geworden. Gemäss Medienberichten soll diese WM-Vergabe manipuliert worden sein – eventuell mit 6,7 Millionen Euro, von denen immer noch nicht klar ist, für was sie von Deutschland aus in Richtung weite Welt geflossen sein sollen (causasportnews berichtete verschiedentlich darüber). Gegenüber dem Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ hatte Theo Zwanziger im vergangenen Jahr gesagt, Günter Netzer hätte ihm im Jahr 2012 eingestanden, dass beim WM-Zuschlag für Deutschland (im Jahr 2000) vier Stimmen von FIFA-Exekutivkomitee-Mitgliedern gekauft worden seien. Günter Netzer bestreitet, eine solche Aussage getätigt zu haben und reichte die Unterlassungsklage ein, nachdem sich Theo Zwanziger geweigert hatte, eine Unterlassungserklärung zu unterzeichnen. Nun soll das Landgericht nach dem Begehren des ehemaligen Weltklasse-Fussballers die Unterlassung der Äusserung anordnen. Günter Netzer will seine Behauptung durch seine Frau, die beim fraglichen Gespräch in Zürich dabei gewesen sei soll, erhärten lassen. Theo Zwanziger meint hierzu, Elvira Netzer sei nicht einmal während der ganzen Zeit des Gesprächs dabei gewesen. Der ehemalige DFB-Präsident und versierte Jurist scheint auch dieser Klage entspannt entgegen zu blicken und meinte, Elvira Netzer solle ruhig einen Meineid schwören. Ob Theo Zwanziger nach der „Causa Katar“ auch in diesem Verfahren siegreich bleiben wird, soll sich nun in Köln weisen. Kaum erhellen wird das Verfahren am 27. April 2016 die seit Monaten diskutierte Frage, wofür aus einer Kasse des DFB 6,7 Millionen Euro bezahlt worden sind. Eines der bestgehüteten Geheimnisse im organisierten Fussball dürfte so schnell nicht enthüllt werden – auch nicht im Kölner Verfahren.

Menschenrechte, Nichtdiskriminierung, Gleichheit der Geschlechter – Die FIFA als philantropische Vorreiterin?

Flag_of_FIFA.svg(causasportnews / red. / 22. April 2016) Mitte kommender Woche, am 27. April 2016, werden die signifikant geänderten Statuten des Weltfussballverbandes FIFA in Kraft treten. Im Fokus des Interesses werden dabei vor allem diejenigen Statutenbestimmungen stehen, die die Organisation der FIFA sowie die Tätigkeit ihrer Funktionäre (insbesondere etwa Amtszeitbeschränkungen und Offenlegung der Vergütungen) betreffen; diese machen den Kern der jüngsten, allgemein als eminent wichtig empfundenen FIFA-Reformen aus.

Mit der Statutenrevision einher geht jedoch auch eine weitere, für die Zukunft der FIFA richtungsweisende Bestimmung: Gemäss dem neuen Art. 3 der FIFA-Statuten verpflichtet sich die FIFA, „alle international anerkannten Menschenrechte zu respektieren“ und sich für den Schutz dieser Rechte einzusetzen. Zusammen mit dem bereits vorbestehenden, im Zuge der jüngsten Statutenrevision nur marginal ergänzten „Nichtdiskriminierungsartikel“ (Art. 4 der FIFA-Statuten, in dessen Titel nun aber auch der Ausdruck „Gleichheit der Geschlechter“ prominent figuriert) werden die Aktivitäten des Sportverbandes zusehends mit einem „guten Gewissen“ unterlegt. Es wird interessant sein zu sehen, wo die FIFA schliesslich die Grenze ziehen wird – Umwelt- und Tierschutz, Armutsbekämpfung, Minderheitenschutz? Die Liste von potenziell (auch) noch aufzunehmenden Aspekten ist lang.

Dabei ist bereits die (rechtliche) Tragweite des neuen Art. 3 der FIFA-Statuten nicht ohne Brisanz. Der Schutz von Menschenrechten ist primär Aufgabe der Staaten und der internationalen Staatengemeinschaft, nicht von privaten Einrichtungen und Organisationen wie der FIFA. Im Grunde haben die einzelnen Staaten sicherzustellen, dass private Einrichtungen im ihrem Hoheitsbereich die Menschenrechte achten – und nicht umgekehrt. Mit der (demnach etwas „konzeptionsfremden“) Selbstverpflichtung der FIFA zur Respektierung „aller international anerkannten Menschenrechte“ könnte die FIFA eine Türe öffnen, die ihr einiges Ungemach einbringen könnte. Zudem ist vollkommen unklar, was unter den Begriff der „international anerkannten Menschenrechte“ fällt. Sollen zu diesen beispielsweise auch sog. „Sozialrechte“ gehören? Über solche und ähnliche Fragen besteht bereits im Rahmen der Diskussionen über den Schutz der Menschenrechte im (zwischen-)staatlichen Kontext Uneinigkeit.

Ein vom renommierten Menschenrechtsexperten Prof. Dr. John Ruggie von der Harvard Kennedy School (Boston, USA) im Auftrag der FIFA kürzlich vorgelegter Bericht zu „FIFA & Human Rights“ hat diesbezüglich nur wenig Erhellendes erbracht. Der Bericht fokussierte hauptsächlich darauf, wie die FIFA die Respektierung der Menschenrechte konkret in ihre weltweiten Aktivitäten einbetten kann. Gestützt auf die Empfehlungen von Prof. Ruggie, dem früheren UN-Sonderbeauftragten für Unternehmen und Menschenrechte, beabsichtigt die FIFA nunmehr, eine eigenständige „FIFA Human Rights Policy“ auszuarbeiten, welche die Grundlage für alle künftigen Geschäftsbeziehungen der FIFA bilden soll. Die neue Policy soll dabei insbesondere die Erwartungen definieren, welche die FIFA an ihre Geschäftspartner hat und – als entscheidenden Punkt – als Voraussetzung für das Eingehen einer Geschäftsbeziehung betrachtet. Es scheint, als wolle die FIFA mit solchen Bestrebungen, die im nicht-sportbezogenen Wirtschaftsleben schon länger verbreitet sind (etwa in Form der sog. Business Social Compliance Initiative BSCI), auch im Bereich der immer wichtiger werdenden „Corporate Social Responsibility“ eine Vorreiterrolle unter den internationalen Sportverbänden in Sachen Philantropie übernehmen.

Von besonderer Bedeutung wird allerdings sein, wie die Human Rights Policy schlussendlich um- und durchgesetzt werden wird – ob sie beispielsweise dazu führt, dass Mitgliedsverbände aus bestimmten Ländern vom Bewerbungsprozess für eine Fussballweltmeisterschaft ausgeschlossen oder im Extremfall einem Verband, der den Zuschlag erhalten hat, die Austragungsrechte gar wieder entzogen werden. Oder ob die FIFA bestimmten Unternehmen, die gewisse Menschenrechtsstandards nicht erfüllen, Geschäftsbeziehungen verweigert. Im Zusammenhang mit solchen Vorgängen sind rechtliche Komplikationen freilich nicht weit; so ist nicht ausgeschlossen, dass entsprechend betroffene Unternehmen gegen die FIFA auf der Grundlage des Wettbewerbsrechts vorzugehen versuchen werden. Dabei ist zwar grundsätzlich anzunehmen, dass die FIFA aufgrund der hehren Motive (Schutz der Menschenrechte) eine gute Argumentationsposition haben wird. Ob diese jeweils vor den zuständigen gerichtlichen Instanzen oder Wettbewerbsbehörden letztlich Bestand haben werden, muss sich zeigen.

Theo Zwanzigers Prozessieg gegen Katars Fussballverband

(causasportnews / red. / 20. April 2016) Die Äusserung des ehemaligen DFB-Präsidenten Theo Zwanziger, Katar sei ein „Krebsgeschwür des Weltfussballs“ bleibt für diesen ohne juristische Konsequenzen. Die 6. Zivilkammer des Landgerichts Düsseldorf (6 O 226/15) hat am 19. April 2016 eine entsprechende Unterlassungsklage des Fussballverbands von Katar (Qatar Football Association, QFA) abgewiesen. Der unterlegen Verband hat Berufung beim Oberlandesgericht Düsseldorf angekündigt. Das Gericht erkannte, die Äusserung von Theo Zwanziger sei zwar ein beleidigendes Werturteil, jedoch durch die Meinungsfreiheit gedeckt und keine Schmähkritik. Der Satz des Anstosses fiel anlässlich eines Interviews, das Theo Zwanziger am 2. Juni 2015 dem Hessischen Rundfunk gewährt hatte. Im Rahmen dieses Interviews, bei dem verschiedene Probleme im Weltfussball zur Sprache kamen, so auch die umstrittene Vergabe der WM-Endrunde 20122 durch die FIFA an Katar, sagte der ehemalige DFB-Präsident und einstiges Mitglied des FIFA-Exekutivkomitees: „Ich habe immer gesagt, dass Katar ein Krebsgeschwür des Fussballs ist“ (vgl. hierzu auch causasportnews vom 15. Juni 2015 und 12. Februar 2016). Das abweisende Urteil war erwartet worden; das Berufungsverfahren dürfte kaum mit einem anderen Resultat enden. Insbesondere in Deutschland ist das Düsseldorfer Urteil weitgehend positiv aufgenommen worden. Allerdings unzutreffenderweise sind auf Grund dieses Entscheids bereits Prognosen für den „Fall Böhmermann“ gestellt worden. Der „Fall Zwanziger/QFA“ kann mit der „Causa Böhmermann“ allerdings nicht einmal ansatzweise verglichen werden. Falsch ist auch die von Medien verbreitete „Glücksmeldung“, Theo Zwanziger dürfe nun Katar unbesehen als „Krebsgeschwür des Fussballs“ bezeichnen. Das Gericht hat einzig die getätigte Äusserung im Kontext des gewährten Interviews beurteilt.

Einmal mehr: Deutsche Glücksspielregelung rechtswidrig

index(causasportnews / red. / 20. April 2016) Der in Deutschland vieldiskutierte Glücksspielstaatsvertrag sieht unter anderem die zahlenmässige Begrenzung von erteilbaren Sportwettenkonzessionen auf 20 vor. Diese Normierung verstösst nach einem soeben bekannt gewordenen Urteil des Verwaltungsgerichts Wiesbaden allerdings gegen das Recht der Europäischen Union (EU). Nach Auffassung des Gerichts krankt das Konzessionsverfahren an der notwendigen Transparenz; zudem sei es unverhältnismässig. Die Begrenzung der Anzahl Sportwettenkonzessionen auf 20 stelle einen nicht gerechtfertigten Eingriff in die EU-Grundfreiheiten dar und könne demnach nicht angewendet werden. Dem Urteil lag der Fall eines Sportwettenanbieters zugrunde, der sich um eine bundesweite Konzession bemüht und auch die herfür erforderlichen Voraussetzungen erfüllt hatte, jedoch wegen der Konzessionserteilungsbegrenzung keine Konzession erhielt. Das Verwaltungsgericht Wiesbaden erkannte nun, dass das zuständige hessische Innenministerium dem klagenden Sportwettenunternehmen eine Konzession erteilen müsse. Die Feststellungen des Gerichts dürften auch Auswirkungen auf die politische Diskussion haben. Die Ministerpräsidenten der Bundesländer hatten sich noch vor dem Bekanntwerden der Wiesbadener Entscheidung darauf verständigt, an der zahlenmässigen Begrenzung der erteilbaren Konzessionen zwar festzuhalten, die Zahl aber auf 40 zu erhöhen. Der Präsident des Deutschen Sportwettenverbandes, Mathias Dahms, hat jedoch auch für diese Vorgehensweise kein Verständnis und betrachtet die Begrenzung auf 40 Konzessionen ebenfalls als rechtswidrig, da jeder Bewerber, welcher die Voraussetzungen erfülle, auch Anspruch auf eine Konzession habe. „Eine Beschränkung auf 40 Konzessionen ist genauso willkürlich wie eine Beschränkung auf 20“, sagt er. Mathias Dahms fordert nun von den Ministerpräsidenten, ihre Pläne zu überdenken. Es gelte, Rechtssicherheit herzustellen und den Glücksspielstaatsvertrag grundlegend zu reformieren.