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Sperre gegen Schurtenberger Sven aufgehoben

(causasportnews / red. / 12. Dezember 2019) Der Schwingsport erregt und erhitzt grundsätzlich die Gemüter. Geht es aber um Werbung in dieser traditionellen, helvetischen Sportart, gehen die Wogen jeweils besonders hoch. Wie unlängst im Zusammenhang mit dem Top-Schwinger Sven Schurtenberger, oder wie dies im Schwinger-Jargon gehandhabt wird mit den Namen, mit Schurtenberger Sven. Dieser trat in einem Kampf anlässlich des diesjährigen Eidgenössischen Schwing- und Älplerfestes im August in Zug mit einer Wettkampf-Bekleidung an, welche zwischen Schuh und Hosenbein Werbung sichtbar machte. Ersichtlich wurde der „Swoosh“ der Sportartikel-Marke „Nike“, einem persönlichen Sponsor des Athleten. Das ging in den Augen des Eidg. Schwingerverbandes (ESV) gar nicht, vor allem nicht am wichtigsten Sportanlass der Schweiz: Der 28jährige Luzerner wurde deswegen vom Sanktionsgremium des Verbandes wegen Verstosses gegen die Werbevorschriften für ein Jahr gesperrt (vgl. dazu auch causasportnews vom 6. November 2019). Der Athlet hatte gegen diese Sanktion rekurriert; die Rekurskommission Werbung des ESV hob die Sperre nun wieder auf. Entscheidend für die Aufhebung der Sanktion, eine Strafe des Privatrechts, war der Umstand, dass Schurtenberger Sven aus der Sichtbarmachung des Logos der Weltmarke keinerlei finanzielle Vorteile ziehen konnte. Gemäss Verbands-Erklärung konnte dem Sportler in dieser helvetischen Ur-Disziplin auch kein vorsätzliches Handeln, bzw. Unterlassen nachgewiesen werden. Nach dieser Entscheidung ist die Welt der Schwinger(innen) wieder in Ordnung: Der Athlet fühlt sich rehabilitiert, der auf keim- und werbefreien Sport bedachte Verband hat in generalpräventiver Hinsicht einen Nagel eingeschlagen und das Bestreben bekräftigt, gegenüber unerlaubter Werbung im Schwingsport rigoros durchgreifen zu wollen – falls es denn notwendig ist…

Sanel Kuljic: Die „Kurve“ im Leben verpasst

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Sanel Kuljic © Steindy

causasportnews / red. / 11. Dezember 2019) Es gibt Sportler, an die erinnert man sich vor allem wegen den früheren, sportlichen Leistungen. Und es gibt Fussballspieler, an die Erinnerungen als Sportler wach werden, obwohl sie aktuell in anderem Zusammenhang für Schlagzeilen sorgen. So geschehen bezüglich des ehemaligen Österreichischen Internationalen Sanel Kuljic, der in der Schweiz zweimal in der höchsten Leistungsklasse aktiv war (beim FC Sion und bei Neuchâtel Xamax FCS) und seine Karriere 2018 in der Unterklassigkeit bei der Sportunion Schönbrunn in Wien beendete. In den letzten Tagen wurde wieder über den heute 42jährigen Sanel Kuljic gesprochen und berichtet – vornehmlich über den Mensch Kuljic mit Schwächen, kaum über den ehemaligen Leistungssportler. Und das alles in negativem Zusammenhang. In Wien ist der ehemalige Österreichische Internationale soeben mit einer Haftstrafe von einem Jahr unbedingt belegt worden, weil er mit Kokain-Geschäften in Zusammenhang gebracht worden war. Im September wurde Sanel Kuljic in Wien verhaftet und sass seither in Untersuchungshaft. An mehrere Abnehmer soll der geständige ehemalige Fussball-Star von 2017 bis 2019 Kokain weitergegeben haben. Das Urteil könnte, wenn es denn rechtskräftig wird, dazu führen, dass Sanel Kuljic um einen Gefängnisaufenthalt herumkommt, weil er, ebenfalls süchtig, als therapierfähig qualifiziert worden ist und sich einer solchen Therapie auch unterziehen will.

Die „Causa Kuljic“ ist auch ein Beispiel dafür, dass Sportler – glücklicherweise eher selten – in ihrem Leben insbesondere nach der sportlichen Karriere die „Kurve“ nicht mehr richtig bekommen. Konkret hat der ehemalige Fussballer die Justiz schon früher beschäftigt. 2014 kassierte er nach der Verwicklung in einen Wettskandal eine Gefängnisstrafe und wurde vor zweieinhalb Jahren wegen guter Führung vorzeitig entlassen. Trotz dieser erneuten Verfehlung ist der Name „Sanel Kuljic“ mit äusserst positiven, sportlichen Erinnerungen verbunden. Für die Nationalmannschaft Österreichs absolvierte er 20 Länderspiele, und in der Saison 2006/07 schoss er für den FC Sion in 22 Spielen 12 Tore; ebensoviele Treffer realisierte er 2010 für den Neuenburger Klub.

„Streitfall Emiliano Sala“ geht in die nächste, juristische Runde

(causasportnews / red. / 8. Dezember) Was zu erwarten war, ist nun Tatsache geworden: Der Cardiff City Association Football Club (Wales) hat im Transferstreit mit dem FC Nantes im Nachgang zum Entscheid des Weltfussballverbandes (FIFA) Berufung am Tribunal Arbitral du Sport (TAS) in Lausanne eingelegt. Strittig ist, ob und allenfalls in welcher Höhe der walisische Verein dem französischen Klub eine Transferzahlungen für den Spieler Emiliano Sala zu entrichten hat. Tragisch bei dieser Konstellation: Der Fussballspieler, um den es konkret geht, ist am 21. Januar dieses Jahres mit dem Flugzeug abgestürzt und verstorben. Zwei Tage vor seinem Tod hatte der argentinische Stürmer, der im kommenden Jahr 30 Jahre alt geworden wäre, bei Cardiff City unterschrieben (vgl. auch causasportnews vom 5. Oktober 2019). Die Modalitäten des Transfers wurden in üblicher Weise geregelt. Vereinbart wurde eine Transfersumme von 17 Millionen Euro. Nachdem der neue Verein des verunglückten Spielers keinen Nutzen mehr aus dem Übertritt ziehen konnte, sank auch dessen Bereitschaft, die an sich vereinbarte Transfersumme nach Frankreich zu zahlen. So wurde denn vom FC Nantes, der die vereinbarte Transferentschädigung fordert, die FIFA angerufen, welche den Transferstreit zu erledigen versuchte; sie sprach dem FC Nantes 6 Millionen Euro zu. Der FC Cardiff sieht keine Veranlassung, nur einen Euro nach Nantes zu überweisen. Er vertritt die Meinung, dass gar nichts geschuldet sei, weil die Registration für den Spieler zum Zeitpunkt seines Todes noch nicht erfolgt gewesen sei, er also zu diesem Zeitpunkt über keine Spielberechtigung für den Waliser Verein verfügt habe. Nun geht dieser Transferstreit zwischen den beiden Klubs am TAS in die nächste Runde, wie offiziell bestätigt worden ist. Über den Verfahrensausgang kann im Moment nicht einmal spekuliert werden.

Irrtümer um Olympia

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NZZ vom 22. November 2019

(causasportnews / red. / 30. November 2019) In etwas mehr als einem Jahr, am 24. Juli 2020, beginnt in Tokio einer der grössten Sportanlässe der Welt, die Olympischen Sommerspiele (bis zum 9. August 2020). Dieses Ereignis wirft seine Schatten voraus – in jeder Hinsicht, also auch medial. Wird über diesen Anlass berichtet, ist dies oft mit insbesondere terminologischen Fehlleistungen verbunden. Fokussieren etwa Journalisten diese Sportwettkämpfe, sprechen sie meistens und zutreffend von „Olympischen Spielen“; aber es sind durchaus auch Divergenzen feststellbar, getreu nach dem Motto: Man meint es zwar richtig, sagt es aber falsch. Im konkreten Fall sprechen Medienschaffende, auch der Sportredaktionen, immer wieder von der „Olympiade“, meinen aber die regelmässig ausgetragenen Sportwettkämpfe unter der Schirmherrschaft des Internationalen Olympischen Komitees (IOK), einem Verein nach Schweizerischem Recht mit Sitz in Lausanne. Sogar in den Intelligenzblättern herrscht diesbezüglich ein Begriffswirrwarr. So auch kürzlich in der „Neuen Zürcher Zeitung“, die (im Wirtschaftsteil!) einen Beitrag so betitelte: „Japan will eine Olympiade ohne Hürden“. Die Titelsetzer sind einem weit verbreiteten Irrtum erlegen. „Olympiade“ bedeutet einen (mehrjährigen) Zeitraum zwischen zwei Olympischen Spielen. Der Terminus „Olympische Spiele“ steht für die regelmässig ausgetragenen Sportwettkämpfe unter der Ägide des IOK. Wer sich in der griechischen Historie auskennt, ist sich dieser Unterschiede bewusst. Nach neueren, edukativen Meinungen ist die Geschichte generell allerdings eh ein Auslaufmodell, weshalb solche Feinheiten offenbar zu vernachlässigen sind. Aber dennoch sei’s festgehalten: „Olympiade“ bedeutet ein Zeitraum; mit „Olympischen Spielen“ sind die konkreten Wettkämpfe gemeint. 2016 fanden die Olympischen Winterspiele in Pyeongchang (Korea) statt, die Olympischen Sommerspiele im gleichen Jahr in Rio (Brasilien). Im kommenden Jahr werden also die Olympischen Sommerspiele in Tokio ausgetragen, die Olympischen Winterspiele 2022 in Peking (vom 4. bis 20. Februar); Peking war (zusammen mit Hongkong) bereits Austragungsort der Olympischen Sommerspiele 2008 – ein Unikum, dass im selben Austragungsort (Peking) sowohl Sommer- als auch Winterspiele stattfanden oder stattfinden.- Ein anderer, weit verbreiteter Irrtum um Olympia: Olympische Spiele werden vom IOK nicht an ein Land vergeben, bestimmt wird ein Austragungsort (in der Regel eine Stadt). So finden die Olympischen Sommerspiele 2020 nicht in Japan, sondern eben in Tokio statt.

Das allerdings sind die kleineren Sorgen, mit denen die Olympioniken derzeit (wieder) zu kämpfen haben. Mehr Kummer bereitet der Umstand, dass der Fussball dem olympischen Sport immer mehr den Rang abläuft, was sich letztlich negativ auf die Vermarktung der Olympische Spiele auswirkt.

Der Druck wurde zu gross – Paul Estermann zieht sich zurück

(causasportnews / red. / 26. November 2019) Offensichtlich wurde der Druck zu gross: Der Springreiter Paul Estermann, soeben vom Bezirksgericht Willisau der Tierquälerei schuldig gesprochen, hat eine erste Konsequenz nach dem Schuldspruch gezogen, obwohl das Urteil noch nicht rechtskräftig ist (vgl. dazu auch causasportnews vom 23. November 2019). Mit sofortiger Wirkung ist der Luzerner Top-Reiter aus dem Elitekader der Schweizer Springreiter zurückgetreten. Damit soll, so der Schweizerische Verband für Pferdesport (SVPS), der Equipe mit Blick auf die Olympischen Spiele im kommenden Jahr in Tokio eine störungsfreie Vorbereitungszeit ermöglicht werden. Kurz nach Bekanntwerden des für den Springreiter geradezu vernichtenden, bezirksgerichtlichen Urteils, das weitergezogen wird, gab sich Paul Estermann noch kämpferisch und beteuerte seine Unschuld – trotz an sich klarer Fakten; der Verband sah von Schritten gegen den Springreiter ab, weil noch kein rechtskräftiges Urteil vorliegt. Ein solches wird, falls der Instanzenzug durchlaufen wird, in vielleicht zwei oder drei Jahren vorliegen; sicher weit nach Abschluss der Olympischen Sommerspiele in Japan. Experten kamen nach Gewichtung der Fakten tendenziell zum Schluss, dass der Schuldspruch auch vor höheren Instanzen wohl kaum mehr abzuwenden sei. Die Haltung des Springreiters, sich bezüglich des nicht-rechtskräftigen Urteils auf die „Unschuldsvermutung“ zu stützen, entfesselte einen vor allem medialen Sturm des Unverständnisses. Diesem Druck hat sich der Luzerner nun mit dem Rücktritt aus dem Elitekader der Springreiter gebeugt. Für den Sport und für den Betroffenen selbst zweifelsfrei eine sinnvolle Entscheidung.

„Black Friday“ für den Schweizer Sport

In der Aufstellung unserer Grundsätze sind wir strenger als in ihrer Befolgung. (Theodor Fontane)

(causasportnews / red. / 23. November 2019) Das war in der Tat ein (etwas anderer) „Black Friday“ für den Schweizer Sport: Zuerst wurde gestern bekannt, dass der Springreiter Paul Estermann vom Bezirksgericht Willisau wegen mehrfacher, vorsätzlicher Tierquälerei verurteilt worden ist. Der Luzerner, einer der Cracks im Schweizer Pferdesport, hatte gegen einen Strafbefehl gerichtliche Beurteilung verlangt – und wurde nun noch härter bestraft als gemäss Strafbefehl (vgl. auch causasportnews vom 20. November 2019). Klar, der Sportler, der seine „Sportgeräte“ (Pferde) deliktisch behandelt haben soll, geht in die Berufung. Somit gilt, mangels rechtskräftigen Urteils, die Unschuldsvermutung für ihn. Was die verbandsrechtliche Ebene betrifft, sieht der Schweizerische Verband für Pferdesport (SVPS) selbstverständlich keinen Handlungsbedarf. Paul Estermann gilt bei den Springreitern als eine grosse Hoffnung mit Blick auf die Olympischen Spiele 2020 in Tokio. Und solange kein rechtskräftiges Urteil gegen den Sportler vorliegt, will der SVPS am vom Bezirksgericht Willisau verurteilten Springreiter festhalten. Wetten, dass das Verfahren in der „Causa Estermann“ erst nach Beendigung der Olympischen Spiele im fernen Japan abgeschlossen sein wird?

Spezielles trug sich gleichentags im Rahmen der Professional-Abteilung des Schweizerischen Fussballverbandes (SFV) zu: Da wurde der bisherige Präsident der Swiss Football League, Heinrich Schifferle, gleich für zwei weitere Jahre als Präsident der SFL gewählt; vorher wurden die Funktionäre jeweils für ein Jahr bestätigt… Legitimiert wurde diese Wahl mit dem Argument, der vor rund einem Monat wegen ungetreuer Geschäftsbesorgung vom Bezirksgericht Winterthur verurteilte, langjährige Sportfunktionär habe das Urteil weiter gezogen. Der Entscheid sei nicht rechtskräftig, deshalb gelte für Heinrich Schifferle die Unschuldsvermutung (vgl. auch causasportnews vom 26. Oktober 2019). Wetten, dass ein rechtskräftiges Urteil in der „Causa Schifferle“ weit nach dem Ablauf der aktuellen Amtszeit als Liga-Präsident ergehen wird?- Pikant: Gegen das Urteil des Bezirksgericht haben der mit Glanz gewählte Beschuldigte und die Privatklägerschaft (die angeblich geschädigte, frühere Arbeitgeberin des erstinstanzlich Verurteilten) Berufung erklärt, wie das Bezirksgericht Winterthur auf Anfrage von „causasportnews“ bestätigte.

Der gestrige Freitag war mit Bezug auf die beiden „Vorgänge“ (so werden die Fälle sowohl von SVPS und SFL eingeordnet) speziell und werfen Fragen auf. Der Sport ist stets darauf bedacht, starke Grenzlinien zwischen staatlichem Recht und Verbandsrecht zu ziehen. Das gilt nicht nur für das Spannungsfeld zwischen Kriminalstrafe (Strafrecht) und Verbandsrecht (etwa im Sanktionsbereich). Beide Verbände verschanzen sich nun aber bequem hinter dem Umstand, dass beide Urteile noch nicht rechtskräftig seien und die Unschuldsvermutungen gelten würden. Das ist an sich korrekt. Aber, Sportverbände haben in solchen Fällen aufgrund ihrer Warte eigenständig, eben aus verbandsrechtlicher Sicht unter Anwendung etwa des eigenen Sanktionsrechts, zu entscheiden. Wie war das schon mit den Ethikbestrebungen, einem hochgejubelten Mittel der Selbstregulierung der Verbände? Klar, das gilt dann doch letztlich nur für den Weltfussballverband FIFA…

PS Am gestrigen Freitag wurde zudem bekannt, dass sich ein Coach von Swiss Tennis am 9. Dezember 2019 vor dem Bezirksgericht Siders wird verantworten müssen. Eine Frau wirft dem Funktionär vor, er habe sie vor fünf Jahren anlässlich einer Tenniskonferenz in Tallinn sexuell genötigt und vergewaltigt. In diesem Fall gilt selbstverständlich die Unschuldsvermutung. Diese, dem Coach zur Last gelegten Verfehlungen sind auch nicht zu vergleichen mit Vermögensdelikten oder mit Tierquälerei.

Unschönes um das „Sportgerät Tier“

(causasportnews / red. / 20. November 2019) Geht es um das „Sportgerät Tier“, sind damit oft auch ungute Gefühle verbunden. Wenn Pferde zu Höchstleistungen oder zu widernatürlichem Verhalten „gepeitscht“, Hunde mit speziellen Methoden auf Renn-Ausdauer „getrimmt“ werden oder sich nur schon Ferkel zur Volksbelustigung im Schweinerennen-Einsatz befinden, wie kürzlich wieder anlässlich der Messe für Landwirtschaft und Ernährung (OLMA) in St. Gallen, stösst solches Tun mit wehrlosen Kreaturen oft auf Skepsis. Tiere sind allerdings eher weniger bei der Sportausübung gefährdet als im Trainingsbetrieb.

So hat jüngst die Verurteilung des Pferdsport-Cracks Paul Estermann für Schlagzeilen gesorgt: Der 56jährige Springreiter ist vor zwei Monaten wegen Tierquälerei in zwei Fällen mittels Strafbefehls verurteilt und bestraft worden. Dagegen hat der Luzerner Einsprache erhoben. Die „Causa Estermann“ ist gestern am Bezirksgericht Willisau verhandelt worden. Das Urteil soll in den nächsten Tagen eröffnet werden. Weiterhin gilt für den Reiter die Unschuldsvermutung. Paul Estermann soll im April 2016 auf seiner Reitanlage im Luzernischen Hildisrieden eine Stute mehrmals geschlagen haben; sie wurde dabei offenbar verletzt. Auch in einem weiteren Fall soll der Spitzensportler rüde mit einem Pferd umgesprungen sein. Paul Estermann ist nicht zum ersten Mal durch speziellen Umgang mit Pferden aufgefallen. Bereits 1995 ist er wegen mangelhafter Pferdebetreuung gebüsst worden; im Raum standen damals sogar Vorwürfe des „Barrens“ (Methode, um Pferde im Springsport zu höherem Springen zu „erziehen“). Diese liessen sich aber nicht beweisen bzw. wurde der Reiter mangels Vorsatzes freigesprochen. Untätig ist bis anhin in der „Causa Estermann“ der Schweizerische Verband für Pferdesport (SVPS) geblieben, der abwarten will, ob Paul Estermann rechtskräftig verurteilt wird. Danach scheint es allerdings im Moment nicht auszuschauen.

International steht der Pferdesport in den USA bezüglich des Umgangs mit den oft geschundenen Kreaturen ebenfalls im Fokus. Auf Pferde-Rennstrecken in Amerika sterben jährlich Dutzende von Pferden. Mitschuld an dieser Entwicklung trägt offenbar die Wettindustrie, in der es nicht immer tadellos zu und hergehen soll. Pferderennen sind Glücksspiele, und offenbar bewegen sich diejenigen Pferde auf glücklichen Pfaden bzw. Rennbahnen, welche nicht mit allen Mitteln zu Höchstleistungen getrieben werden. Inzwischen ermitteln die Untersuchungsbehörden in mehreren Fällen. Dem Pferderennsport droht ein behördlich verordnetes Verbot. Dass sich zahlreiche Sponsoren nicht mehr in diesem Umfeld positionieren wollen, versteht sich von selber. Wer allerdings die Verhältnisse in den USA kennt, wird von einem Pferdesport-Verbot warnen. Diese „Sportart“ würde dann wohl einfach in die Illegalität gedrängt – und die Pferde wären noch schutzloser dem üblen Treiben der Menschen ausgesetzt. Geht es um das „Sportgerät Tier“ wird der Mensch dem Attribut „Krone der Schöpfung“ oft nicht gerecht.