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Im Stil eines Hooligans – Klubpräsident greift ehemaligen Nationaltrainer tätlich an

(causasportnews / rbr. / 23. September 2017) Der schweizerische Fussball hat einen waschechten Skandal: Nach Abpfiff des Super League-Spiels zwischen dem FC Lugano und dem FC Sion (21. September 2017) attackierte der Präsident des FC Sion, Christian Constantin, einen Experten des Fernsehsenders Teleclub tätlich und vor laufender Kamera. Bei diesem Experten handelte es sich um niemand Geringeren als Rolf Fringer,  dem ehemaligen Trainer der Schweizer Fussballnationalmannschaft, zweifacher Meistertrainer mit dem FC Aarau und dem Grasshopper Club Zürich sowie Übungsleiter bei diversen weiteren nationalen und internationalen Spitzenklubs (u.a. VfB Stuttgart, PAOK Saloniki, FC Zürich).

Der Sachverhalt ist mittlerweile hinlänglich bekannt: Christian Constantin rannte nach Spielschluss auf Rolf Fringer zu, verpasste ihm mehrere Schläge ins Gesicht sowie einen Tritt in den Rücken, und stürmte wieder davon. Als Grund für seinen feigen Angriff – er schlug noch zu, als Rolf Fringer bereits am Boden lag – machte Christian Constantin danach geltend, er sei von Rolf Fringer schon seit Monaten und insbesondere in einem Interview vor dem Spiel verbal beleidigt und verunglimpft worden.

Juristisch wird der Vorfall zweifellos Konsequenzen haben. Weiterlesen

UEFA nimmt Klub- und Ligenvertreter in ihr Exekutivkomitee auf

(causasportnews / rbr. / 21. September 2017) Die europäische Fussballkonföderation UEFA (Union des Associations Européennes de Football) beschloss gestern (20. September 2017), dass künftig die Vertreter des professionellen Fussballs – insbesondere der Klubs und der Ligen – als offizielle Anspruchsgruppen (Stakeholder) der UEFA anerkannt und in ihre Strukturen integriert werden sollen. Insbesondere sollen diese Vertreter – konkret die European Club Association (ECA) als Vertreter der Klubs und die Association of European Professional Football Leagues (EPFL) als Vertreter der Ligen – künftig Einsitz in das UEFA-Exekutivkomitee nehmen. In der ECA sind 230 Klubs aus 54 UEFA-Mitgliedsverbänden (u.a. Real Madrid, Bayern München oder Manchester United) vertreten, die EPFL besteht aus 32 europäischen Profiligen (u.a. der spanischen La Liga, der englischen Premier League und der deutschen Bundesliga).

Den erwähnten Beschluss fasste die UEFA, die als Verein nach Art. 60 ff. des Schweizerischen Zivilgesetzbuches organisiert ist, gestern im Rahmen eines ausserordentlichen Kongresses in Genf. Der Kongress wählte dabei einerseits zwei Vertreter der ECA (bzw. bestätigte die Wahl der beiden von der ECA selbst gewählten Vertreter), wie in Art. 21 der UEFA-Statuten vorgesehen, in ihr Exekutivkomitee. Es handelt sich um den Präsidenten von Juventus Turin, Andrea Agnelli, und den CEO des FC Arsenal London, Ivan Gazidis. Andererseits Weiterlesen

Olympia: Die Abwendung des Super-GAU

(causasportnews / red. /17. September 2017) Die soeben beendete Vollversammlung des Internationalen Olympischen Komitees (IOK) in Lima brachte nichts, was nicht bereits zuvor schon klar gewesen wäre: In einem Zug wurden die Olympischen Sommerspiele 2024 und 2028 an Paris und Los Angeles vergeben. Die gleichzeitige Vergabe zweier Austragungen erfolgte nicht etwa aus denselben Gründen, welche den Weltfussballverband FIFA 2010 bewogen hatten, die WM-Endrunden im Rahmen einer Beschlussfassung an Russland (2018) und Katar (2022) zu vergeben; den Olympioniken kommen schlicht immer mehr an Olympischen Spielen interessierte Metropolen abhanden. Insbesondere in Europa fallen bei Volksabstimmungen Olympia-Projekte regelmässig durch. Dass Frankreich (Paris) die Spiele wollte, ist wohl die Ausnahme, welche die Tendenz bestätigt, dass konventionelle Städte insbesondere in Europa kaum mehr Lust auf Olympia haben. Deshalb ist es kein Zufall, eher aber folgerichtig, dass die nächsten Olympischen Spiele in Südkorea, nicht gerade ein Mekka des Wintersports, stattfinden werden. Oder stattfinden sollen. Weiterlesen

Jan Ullrich zu bedingter Freiheitsstrafe verurteilt

BG Weinfelden

Bezirksgericht Weinfelden

(causasportnews / rbr. / 14. September 2017) Jan Ullrich, ehemaliger und erfolgreicher professioneller Radrennfahrer (u.a. Tour de France-Sieger 1997), musste sich heute vor dem Bezirksgericht Weinfelden (Kanton Thurgau/Schweiz) für einen Autounfall aus dem Jahr 2014 verantworten. Die Staatsanwaltschaft Bischofszell hatte gegen ihn im November 2016 Anklage wegen grober Verletzung der Verkehrsregeln (Art. 90 Abs. 2 des Schweizerischen Strassenverkehrsgesetzes, SVG) und mehrfachen Fahrens in fahrunfähigem Zustand (Art. 91 SVG) erhoben. Das Gericht sah die betreffenden Tatbestände als erfüllt an und verurteilte Jan Ullrich zu einer Freiheitsstrafe von 21 Monaten, unter Gewährung des bedingten Strafvollzugs bei einer Probezeit von vier Jahren, sowie zu einer Busse von CHF 10‘000. Damit ging das Gericht leicht über die Anträge der Staatsanwaltschaft und Jan Ullrichs hinaus, die übereinstimmend eine bedingte Freiheitsstrafe von 17 Monaten beantragt hatten. Der Ex-Athlet – der den Sachverhalt übrigens weder in tatsächlicher noch in rechtlicher Hinsicht bestritt – muss somit seine Freiheitsstrafe nicht verbüssen, sofern er sich während der Probezeit wohlverhält.

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IPC mit neuem Präsidenten und neuer Hoffnung für russische Sportler

(causasportnews / red. / 8. September 2017) Rund fünf Monate vor den Olympischen Winterspielen in Pyeongchang im Februar 2018 dürfte die Hoffnung russischer Parasportler, an den einen Monat später an gleicher Stätte stattfindenden Winter-Paralympics teilzunehmen, markant gestiegen sein. Zwar ist das Russische Paralympische Komitee (RPC) nach wie vor von dem Internationalen Paralympischen Komitee (IPC) aufgrund institutionellen Dopings suspendiert; die vom IPC in dieser Causa eingesetzte Task Force berichtete nunmehr jedoch von signifikanten Fortschritten des RPC bei der Erfüllung der Kriterien zur Wiederaufnahme. So könnten offenbar fünf der sieben noch offenen Kriterien schon in naher Zukunft erfüllt werden.

Daher hat das IPC unter Führung seines Präsidenten Sir Philip Craven am 6. September 2017 entschieden, seine Vorgaben zu lockern und russischen Athleten in den Sportarten Ski alpin, Langlauf und Biathlon vorerst die Möglichkeit eröffnet, als neutrale Athleten bei Qualifikationswettkämpfen für die Paralympischen Spiele 2018 zu starten. Dadurch will das IPC zum einen Anreize setzen für die weitere Erfüllung der Wiederaufnahmekriterien, zum anderen will es sicherstellen, dass den russischen Athleten ausreichend Möglichkeiten für die sportliche Qualifikation offenstehen.

Über die Aufhebung der Suspendierung des RPC selbst wird das IPC erst nach der Sitzung der Welt-Anti-Doping-Agentur WADA im November entscheiden. Massgeblich wird hierbei insbesondere die Erfüllung der zwei noch offenen Kriterien sein: die Bestätigung der Zulassung der russischen Anti-Doping-Agentur durch die WADA und die Anerkennung des McLaren-Berichts über systematisches Doping in Russland durch die Verantwortlichen des russischen Sports.

Zu diesem Zeitpunkt wird das IPC bereits unter neuer Führung agieren, denn Sir Philip Craven, der für seine konsequente Haltung in dieser Angelegenheit weltweit sehr viel Respekt erntete, sieht dem Ende seiner sechzehnjährigen Präsidentschaft entgegen – heute wurde in Abu Dhabi der Brasilianer Andrew Parsons als sein Nachfolger gewählt.

 

Unter Berufung auf das Arztgeheimnis

(causasportnews / red. / 6. September 2017) In letzter Minute platzte der Transfer von Raphael Dwamena, dem ghanaischen Stürmer, der derzeit beim FC Zürich in der Schweizer Super League engagiert ist. Rund 15 Millionen Franken hatte der englische Premier League-Klub Brighton & Hove Albion für den sofortigen Übertritt Raphael Dwamenas angeboten. Der Transfer scheiterte jedoch schliesslich daran, dass der Spieler den medizinischen Check in England nicht bestand (vgl. „Erzwungene und geplatzte Transfers“, Causa Sport News vom 28. August 2017).

Beim FC Zürich ist Raphael Dwamena ein Leistungsträger; gerade einmal 22 Jahre alt wird er nächste Woche werden. Die Meldung, dass er den medizinischen Anforderungen an einen professionellen Fussballspieler – jedenfalls so, wie sie in der Premier League gestellt werden – nicht genügen soll, lässt deshalb aufhorchen. Weiterlesen

UEFA untersucht den Transferfall „Neymar“

(causasportnews / red. / 4. September 2017) Wie nicht zuletzt nach den verschiedenen Statements von Exponenten des europäischen Kontinentalverbandes UEFA zum Sensationstransfer des Brasilianers „Neymar“ vom FC Barcelona zu Paris Saint-Germain (PSG; vgl. dazu auch die bereits zu diesem Thema erschienenen Beiträge auf Causa Sport News, zuletzt am 19. August 2017) zu erwarten war, ist eingetroffen: Die Untersuchungskammer der UEFA-Finanzkontrolle wird verschiedene Transfervorgänge im Zusammenhang mit PSG untersuchen, so insbesondere die Modalitäten des Übertritts von Neymar. Letztlich wird die Behörde abzuklären haben, ob im Rahmen des Transfers Bestimmungen der UEFA-Financial Fairplay-Regelung („UEFA-Reglement zur Klublizenzierung und zum finanziellen Fairplay“) verletzt worden sind. Dieser reglementarische Sicherungsmechanismus der UEFA bezweckt vor allem die Verhinderung von Überschuldungen der Klubs. Dieses Ziel soll durch eine Balance zwischen Einnahmen und Ausgaben erreicht werden. Insbesondere will die UEFA durch die Regulierung die Ausgabendisziplin der Klubs fördern. Auch sollen dadurch inflationäre Entwicklungen bei Transfer- und Salärzahlungen bewirkt werden. Ob es insbesondere im „Fall Neymar“ zu Verletzungen des Reglementes gekommen ist, wird sich weisen. Beobachter der Szene rechnen eher damit, dass die Folgen des „Neymar“-Transfers zu PSG sanktionsrechtlich, falls überhaupt, bescheiden sein werden. Vor allem wird sich am vollzogenen Übertritt nichts mehr ändern. Letztlich dürfte entscheidend sein, dass die Vertragsauskaufssumme von 222 Millionen Euro vom Spieler selber an den FC Barcelona bezahlt worden ist. Dass ihm diese Mittel von einem Dritten (konkret von Katar) zur Verfügung gestellt worden sind, dürfte den Transfer unter dem Financial Fairplay-Gesichtspunkt als eher unproblematisch erscheinen lassen.