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Neuste Ausgabe von «Causa Sport» erschienen

(causasportnews / red. / 31. Januar 2023) Die neuste Ausgabe von «Causa Sport», 3/2022, Erscheinungsdatum 31. Dezember 2022, ist erschienen. Nebst zahlreichen sport-bezogenen Gerichtsurteilen aus der Schweiz, aus Österreich und aus Deutschland bildet der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine mit den zahlreichen Implikationen auf den Sport ein Heft-Schwerpunkt. Aktuell aufbereitet worden ist das immer wieder in den wissenschaftlichen Fokus rückende Thema der Optionen im organisierten Sport. Z.B. führen Vertragsverlängerungs-Optionen, wie sie etwa in Fussball-Professional-Verträgen fast an der Tagesordnung sind, immer wieder zu Diskussionen nicht nur unter Fach-Spezialisten, sondern auch in der Öffentlichkeit. Der Zürcher Sportrechtsspezialist, Rechtsanwalt Dr. Marco Del Fabro, fasst die Lehre und die Rechtsprechung zu dieser Thematik profund zusammen und weist auf Tücken und Fallstricke im Zusammenhang mit Optionen im Sport hin.

Sport-politischer Super-GAU am Australian Open

Foto: div. Medien

(causasportnews / red. / 30. Januar 2023) Vor einem Jahr beherrschten die Abschiebung aus Australien und damit der Ausschluss des Serben Novak Djokovic vom Australian Open 2022 die Schlagzeilen weltweit über Tage (vgl. auch causasportnews vom 9. Januar 2023, mit weiteren Hinweisen); die «Corona»-Restriktionen im fünften Kontinent verhinderten, dass der bald 36jährige Top-Tennis-Spieler und «Corona»-Impfgegner das prestige-trächtige Turnier zum zehnten Mal gewinnen konnte. Das hat er nun in diesem, noch jungen Jahr nachgeholt und den Turniererfolg eindrücklich realisiert. An der sportlichen Leistung des Ausnahme-Könners gibt es nichts zu deuteln. Doch die sport-politische Dimension dieses 22. Grand Slam-Titels des Serben ist für den Sport ein Super-GAU. Da wurde anlässlich des Viertel-Finalspiels zwischen dem Russen Andrey Rublev und Novak Djokovic ein Sportanlass für politische Manifestationen missbraucht, und es ist unbehelflich zu detaillieren, wer sich nun wie und weshalb auf den Tribünen in Melbourne mehr als nur daneben benommen hat. Dabei muss vor Augen gehalten werden, dass die Serben, natürlich nicht alle, zu den intensivsten und auch militantesten Gesinnungstätern der russischen Aggression gegen die Ukraine zu zählen sind. Der serbisch-russische Schulterschluss manifestierte sich in widerlichster Weise nach dem Sieg des Serben gegen den Russen. «Fans» verschiedenster Provenienz skandierten auf den Tribünen Parolen für den Krieg, grölten Schlachtrufe, stimmten Sprechhöre an und entrollten Transparente mit eindeutigen Inhalten – pro Krieg, pro Putin, pro Russland. Ohne den Serben, der nach seinem Melbourne-Sieg wieder die Nummer 1 im Welttennis sein wird, wäre dem Sport diese kriegstriefende Manifestation drei Tage vor dem Final erspart geblieben. Es war für diese Sportart ein sport-politischer Super- GAU, der Missbrauch dieser Plattform durch die serbischen «Fans» und russischen Anhänger sowie Familienangehörigen von Novak Djokovic eine Bankrotterklärung der hehren Ideale des Sportes, der sich bekanntlich als apolitisch bezeichnet und versteht. Erschreckend war der Umstand in Australien, dass gegen diese Manifestation von Russen und Serben niemand einschritt. Somit rächte es sich (einmal mehr), dass das Welt-Sportfunktionärstum nicht entschlossen genug oder gar nicht gegen alle und alles einschreitet, was direkt oder indirekt zur Kriegsverherrlichung im Umfeld des Sportes beiträgt.

In Melbourne kam es allerdings am Tage vor dem Männer-Finalspiel noch schlimmer. Aryna Sabalenka aus dem Land des Russen-Satellitenstaates Weissrussland gewann das Finale bei den Frauen. So erhielt Russland durch Weissrussland indirekt eine weitere Propaganda-Plattform, auch wenn die Reaktionen auf diesen Erfolg natürlich geringer ausfielen als nach dem Spiel des Serben Novak Djokovic gegen den Russen Andrey Rublev.

Die Lehre nach dem Australien Open, die allerdings niemand ziehen wird und offenbar niemand zu ziehen gewillt ist: Wichtig wäre es, russische und weissrussische Athleten aus dem organisierten Sport zu verbannen, bis der Aggressionskrieg beendet ist; Sportfunktionäre gehören teils ebenfalls zu den Gesinnungstätern der russischen Aggression. Dass Sympathisanten der russischen Aggression in Sportarenen zudem sanktionslos wüten und diese für politische Propagandazwecken missbrauchen können, ist ebenso widerlich wie unverzeihlich. Selbstverständlich wird dieser in Melbourne erlebte Super-GAU für den organisierten Sport anderswo eine Fortsetzung finden; das lehrt die (Sport-)Geschichte.

Nun ein «Sommer»-Märchen in München?

Photo by Marco Verch

(causasportnews / red. / 27. Januar 2023) Letztlich hat es doch noch geklappt, dass der Schweizer Nationaltorhüter Yann Sommer beim FC Bayern München (FCB) untergekommen ist. Der Grund dafür ist, dass der Stamm-Keeper des FCB, Manuel Neuer, verletzungsbedingt bis auf weiteres ausfällt und der Klub von der Münchner Säbener Strasse zum Meisterschafts-Neustart anfangs 2023 eine valable Ersatzlösung für diese zentrale Position brauchte, auch mit Blick auf den Champions League-Gegner des FCB, Paris Saint-Germain, frei nach dem Motto: «Yann Sommer muss her, dann sind wir immer noch wer». Schon bald fokussierte sich die verzweifelte Suche der Münchner zum Jahreswechsel auf eben Yann Sommer, der bei Borussia Mönchengladbach während der letzten achteinhalb Jahren das Tor hütete und dabei in der Bundesliga, aber auch immer wieder als Torhüter der Schweizer Nationalmannschaft, glänzte. Die Krux an der Geschichte war lediglich, dass der 34jährige Eidgenosse bei den Borussen noch in einem Arbeitsvertragsverhältnis stand. Mönchengladbach wurde rasch gewahr, dass ein abwanderungswilliger Spieler trotz eines laufenden Vertrages nicht mehr zu halten ist. Also hiess es, sich wenigstens in finanzieller Hinsicht schadlos zu halten. Es begann, wie üblich in solchen Fällen, konkret ein Poker um den Schweizer. Die ersten Reaktion auf das Werben des FCB um Yann Sommer (Gladbach: «Der Spieler wird in keinem Fall abgegeben») folgten immer höhere Forderungen seitens der Borussen, nachdem die Bayern für’s Erste schon mal vier Millionen Euro für diesen Vertragsauskauf geboten hatten (der Schweizer musste aus dem laufenden Vertrag herausgekauft werden; es war dies also keine «Transfersumme», um die es in diesem Fall ging, wie vor allem die Medien fälschlicherweise berichteten). Bei knapp zehn Millionen Euro war Gladbach dann bereit, Yann Sommer aus dem Vertrag freizugeben.

Die Bayern wollen in der laufenden Bundesliga-Saison den elften Meistertitel in Serie sicherstellen. Dass das gelingen wird, steht ausser Frage. Das einzig Prickelnde von nationalem Fussball-Interesse bildet nur die Unbekannte, wer wohl in der laufenden Saison 2022/23 hinter dem FCB Vize-Meister werden wird. «Schauen wir mal», heisst es in der Deutschen Fussball-Community exklusive FCB. Ob es am fehlenden Konkurrenzdruck fehlt, dass der Saison-Start des FC Bayern München in diesem Monat, natürlich mit Yann Sommer im Tor, alles andere als berauschend ausfiel? Ein Märchen wird es wohl heuer in München, wie damals das «Sommermärchen» anlässlich der Fussball-WM-Endrunde 2006 in Deutschland, nicht geben, obwohl der FCB einen Meisterschafts-Serien-Rekord erreichen wird. Zum «Sommer»-Märchen wird die Geschichte wohl einzig für Yann Sommer, der im fortgeschrittenen Fussball-Alter mit den Münchnern zu unerwarteten Titel-Ehren kommen wird (und in der Champions League gegen den Katar-Klub Paris Saint-Germain erstmals am 14. Februar 2023 ran darf). In der Tat ist diese Torhüter-Konstellation speziell: Des einen Leid (Manuel Neuer), des andern Freud (Yann Sommer).

PS: Der ernüchternde Rückrunden-Start von Borussia Mönchengladbach ohne Yann Sommer, eine eigentliche Winter-Tragödie, beweist natürlich die Torhüter-Qualitäten des zum FCB abgewanderten Schweizer National-Torhüters.

Sepp Zellweger – oder ein bemerkenswerter Transfer im Banking

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(causasportnews / red. / 23. Januar 2023) Wechsel von Führungskräften und anderen Protagonisten sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern von einer Bank zur andern gehören im Banking zum Alltag. Vor allem in letzter Zeit hat sich dieser Trend verstärkt. Meistens werfen derartige, personelle Transfers keine grossen Wellen; doch es gibt Ausnahmen, wenn etwa Sportler von solchen Übertritten betroffen sind, auch wenn es sich nicht um (ehemalige) Fussballspieler handelt. So sorgte kürzlich ein bemerkenswerter Banken-Wechsel eines ehemaligen Spitzensportlers für mehr als nur eine nüchterne Medienmitteilung. Verkündet wurde der Wechsel des ehemaligen Spitzenturners, der Schweizer Sport-Legende Josef Zellweger, von allen liebevoll «Sepp» genannt. Der Turner, der während seiner Aktivzeit auch international zu den besten Schweizer Sportlern zählte, wurde schon damals von der Grossbank «Credit Suisse» (CS) gefördert. Nur logisch war es deshalb, dass Sepp Zellweger nach Beendigung seiner Sportler-Karriere und nach dem Abschluss seines Studiums in die Dienste der CS trat. Der gelernte Jurist, der in diesem Jahr 60 Jahre alt wird, und die «Credit Suisse» pflegten eine jahrzehntelange, regelrechte Liaision im Banking. Bei der Grossbank, die im Sport stets äusserst engagiert ist und derzeit u.a. mit Roger Federer trotz der angeschlagenen Lage einen offenbar mit einer Million Franken dotierten Werbevertrag unterhält, herrscht allerdings seit einiger Zeit das Chaos vor. Die Zukunft des Geldinstituts ist mehr als ungewiss. Um es in einfachen Worten zu sagen, ist die Bank als relativ «pleite» zu qualifizieren. Um nicht zu kollabieren, mussten der «Credit Suisse» kürzlich vier Milliarden Franken frisches Kapital, fast die Hälfte davon kommt aus Saudi-Arabien (!), zugeführt werden. Ob der kommunizierte CS-Abgang von Sepp Zellweger mit der unsicheren Zukunft der Bank zusammenhängt und ob der renommierte Ex-Turner und immer mehr Mitarbeiterinnen und Mitarbeiten das sinkende Schiff aufgrund der diffusen Lage und wegen der unsicheren Zukunft verlassen, bleibt eine offene Frage. Jedenfalls kann es um die Bank nicht optimal bestellt sein, wenn Leute wie die Turner-Legende aus dem Rheintal, der während Jahrzehnten als eingefleischter «Credit Suisse»-Mann galt, die Grossbank verlassen; und zu einer Privatbank wechseln, deren Name mit Blick auf eine Übernahme der «Credit Suisse» genannt wurde. Seit anfangs Monat ist das Kapitel «Credit Suisse» für Sepp Zellweger jedenfalls abgeschlossen. Er wirkt nun als Leiter des neuen Bereichs für gemeinnützige Stiftungen in der Schweiz bei der Bank Julius Bär & Co. AG. Diese Privatbank mit Sitz an der Zürcher Bahnhofstrasse, die sich, teils wie die «Credit Suisse», immer wieder im Sport engagiert, gehört zu den renommiertesten Privatbanken der Schweiz. Das verwaltete Vermögen belief sich Ende 2022 auf rund 430 Milliarden Schweizer Franken. Wetten, dass Sepp Zellweger als äusserst fachkundiger, sympathischer und im wahrsten Sinnen des Wortes gewinnender Stiftungsspezialist im Banking diese beachtliche Zahl des verwalteten Vermögens noch etwas vergrössern wird?

Prozessniederlagen für FIFA / Gianni Infantino, für den FC Sion / Christian Constantin und für Paul Estermann

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(causasportnews / red. / 18. Januar 2023) Derzeit hagelt es Gerichtsentscheide in teils brisanten Vorgängen im Sport: Der Weltfussballverband mit Gianni Infantino als Präsident an der Spitze verliert einen prestige-trächtigen Arbeitsrechts-Fall gegen den ehemaligen Generalsekretär und Finanzchef, Dr. Markus Kattner, am Zürcher Obergericht; der FC Sion mit dem streitbaren Präsidenten Christian Constantin taucht am Bezirksgericht Martigny gegen den ehemaligen Trainer und aktuellen Nationalcoach Murat Yakin, und der Springreiter Paul Estermann wird offenbar demnächst wegen mehrfacher, vorsätzlicher Tierquälerei rechtskräftig verurteilt sein (bis dann gilt für ihn die Unschuldsvermutung). In den beiden Vorgängen aus dem Fussball dürfte es bis zur rechtskräftigen Erledigung noch eine gewisse Zeit dauern: Gegen den Beschluss des Obergerichts Zürich hat die FIFA in der Forderungssache von Markus Kattner am Bundesgericht Beschwerde eingereicht; in der Angelegenheit des FC Sion (Olympique des Alpes SA) scheint es so sicher wie das Amen in der Kirche, dass Christian Constantin diese besondere Schmach einer Prozessniederlage nicht auf sich sitzen lassen wird.

«Causa Markus Kattner / FIFA»: Seit der fristlosen Entlassung des damaligen Generalsekretärs und Finanzchefs durch die FIFA 2016 liefern sich die beiden Parteien einen erbitterten Rechtsstreit. Es geht dabei darum, ob die Entlassung der Nummer 2 der FIFA damals zu Recht oder Zu Unrecht erfolgte. Zur Rechtfertigung der sofortigen Trennung machte die FIFA teils krude Gründe geltend; die gerichtliche Auseinandersetzung wird teils als persönlicher Rachefeldzug des amtierenden FIFA-Präsidenten, Gianni Infantino, angesehen. Nachdem das Arbeitsgericht Zürich Jahre brauchte, um festzustellen, dass die FIFA Gründe gehabt hätte, um das Arbeitsvertragsverhältnis mit Markus Kattner per sofort und gerechtfertigterweise zu beenden, drehte das Zürcher Obergericht den Entscheid und wies den Fall zur Festlegung der Folgen der nicht-gerechtfertigten Entlassung an das Arbeitsgericht Zürich zurück. Dieser Rückweisungsbeschluss der zweiten Zürcher Instanz wurde nun vom Weltfussballverband mit Beschwerde an das Bundesgericht gezogen, wo der Vorgang seit einigen Wochen pendent ist. Die Chancen der FIFA, den Rückweisungsbeschluss des Obergerichts Zürich noch abzuwenden, werden als eher gering angesehen. In diesem Fall der ungerechtfertigt erfolgten Entlassung müsste dann das Arbeitsgericht die (finanziellen) Folgen der ungerechtfertigten Entlassung des heute 52jährigen Markus Kattner festlegen. Es geht dabei um eine Entschädigung in der Höhe von rund zehn Millionen Schweizer Franken. Affaire à suivre also.

«Causa Murat Yakin / FC Sion»: Im Moment scheint der Präsident des FC Sion, Christian Constantin, vom juristischen Fortune verlassen worden zu sein. Auf die Gerichte in «seinem» Kanton kann er sich jedenfalls offenbar nicht mehr verlassen. Vor ein paar Tagen wurde bekannt, dass der 66jährige Unternehmer in den Fussangeln eines steuerlichen Sponsoring-Tricks hängen geblieben ist (vgl. causasportnews vom 16. Januar 2023). Nun ging vor Weihnachten des letzten Jahres beim FC Sion (Olympique des Alpes SA) knüppeldicke Gerichts-Post im Entlassungsfall Murat Yakin ein. Der aktuelle Nationaltrainer wurde als Klubtrainer des FC Sion 2019 nach einem Zerwürfnis mit dem Klub-Präsidenten regelrecht unmöglich gemacht, was sich der Trainer nicht gefallen liess. Er beendigte den Trainervertrag per sofort und aus wichtigen Gründen. Das Vorliegen dieser Gründe wurden vom Klub bestritten. Das Bezirksgericht Martigny folgte jedoch den Argumenten von Murat Yakin. Im Gerichtsurteil wird u.a. von einem damals «bösartigen Klima» im Klub gesprochen. Die Folgen dieser aus der Sicht des damaligen Klub-Trainers gerechtfertigten, ausserordentlichen Vertragsbeendigung sind für den FC Sion finanziell einschneidend und bedeuten eine Schmach vor allem für Christian Constantin. Der Klub muss Murat Yakin fast 1,2 Millionen Schweizer Franken bezahlen. Diese frohe Botschaft erreichte den 48jährigen Nationalcoach Ende Dezember, nur ein paar Tage, nachdem die Schweizer Nationalmannschaft an der WM-Endrunde in Katar nicht gerade brilliert hatte und mit einer Kanterniederlage gegen Portugal (1:6) aus dem WM-Endrunden-Turnier flog. Das Urteil des Bezirksgerichts Martigny ist noch nicht rechtskräftig. Affaire à suivre also auch hier.

Wohl strafrechtlich erledigt dürfte hingegen die «Causa Paul Estermann» sein. In diesem unappetitlichen Fall von Tierquälerei hat sich der bald 60jährige Springreiter offenbar mit der Verurteilung abgefunden und will das letzte Urteil des Kantonsgerichts Luzern von Ende 2022 gemäss aktuellen Verlautbarungen nicht mehr an das Bundesgericht weiterziehen (vgl. insbesondere auch causasportnews vom 21. Dezember 2020, vom 22. Januar 2021 und vom 23. Juni 2021). Vom Schweizerischen Verband für Pferdesport (SVPS) soll der Reiter nun umgehend vorläufig gesperrt werden. Bis zum Entscheid einer definitiv verhängten Sperre (Vereinsstrafe) dürfte es dann allerdings noch einige Zeit dauern.

Der Wembley-Torschütze der Schweiz wird Rentner

(causasportnews / red. / 17. Januar 2023) Der 18. Juni 1994 war einer der wichtigsten Tage im Leben des Fussballspielers Georges Bregy. An jenem Tag schoss er gegen die USA anlässlich der WM-Endrunde 1994 in Detroit das Führungstor für die Eidgenossen, das als Schweizer-Wembley-Tor in die Schweizer Fussball-Sportgeschichte eingehen sollte, und weil der Walliser nach 28jähriger Tor-Abstinenz der Schweiz an WM-Endrunden mit einem Wundertreffer zum helvetischen und europäischen Mythos wurde. In der 39. Minute lief der bereits 36jährige Mittelfeldspieler damals an, um den gewährten Freistoss zu treten. Sieben, acht Schritte Anlauf, rund sieben Meter Distanz, der Ball fliegt nicht über die Mauer der Amerikaner, sondern Georges Bregy zirkelt ihn in die Torhüterecke. Die Schweiz gerät in Ekstase. «So etwas kann nur Georges Bregy», brüllte der TV-Reporter aus der Schweiz in das Mikrophon. Dieses Tor hat den Oberwalliser aus Raron, dem kleinen Dorf nahe von Visp, gleichsam unsterblich gemacht; daran ändert auch nichts, dass die Amerikaner damals nach dem Führungstor der Schweizer vor der Pause den Ausgleich schafften. Beim 1:1 blieb es in jenem Spiel schliesslich, das wegen des Freistosstreffers von Georges Bregy unvergesslich bleibt. Auch heute noch ist das Tor der Tore jener WM-Endrunde in den USA mit dem Namen Georges Bregy eng verknüpft. Genau heute ist es zudem ein besonderer Tag für den sportlich und bescheiden gebliebenen Ex-Fussball-Internationalen, der nach Beendigung seiner aktiven Fussball- und Trainer-Laufbahn in eine Führungsposition bei einer grossen Versicherungsgesellschaft berufen wurde und immer wieder in den Medien als Fussball-Experte und -Kommentator auftritt. Vor 65 Jahren wurde Georges Bregy geboren und ist nun ab heute formell Rentner. Formell, weil bei ihm ein Berufsende nicht absehbar ist und ihm die Arbeit, inklusive seine Tätigkeiten im Fussball ausserhalb der Spielfelder, den er jeweils profund zu analysieren und zu kommentieren pflegt, nach wie vor Freude bereitet. Der exzellente Fussballkenner wird auch von diesem Medium immer wieder gerne als Experte etwa für regeltechnische Fragen beigezogen, weshalb es an dieser Stelle erlaubt sei und der «causasportnews»-Redaktion vor allem ein Bedürfnis ist, Georges Bregy für die stets hervorragende und angenehme Kooperation, verbunden mit den besten Wünschen für die Zukunft im Unruhestand, herzlich zu danken und ihm zu diesem besonderen Wiegenfest ebenso herzlich zu gratulieren!

Sponsoring-Trick des Sion-Präsidenten verfängt vor Bundesgericht nicht

Photo by Pascal Dubosson

(causasportnews / red. / 16. Januar 2023) Würde es den Preis für kreative Lösungen im organisierten Fussball-Geschäft geben, hätte ihn der umtriebige Präsident des FC Sion, Christian Constantin, regelmässig auf sicher. Der 66jährige Unternehmer und Paradiesvogel im Fussball geht, wenn es um «seinen» FC Sion geht, weder Kämpfen aller Art noch Auseinandersetzungen mit und gegen wen auch immer aus dem Wege. Wenn er es für notwendig erachtet, bemüht er auch die Gerichte. Noch in (schlechter) Erinnerung ist der weit über die Schweizer Landesgrenzen hinaus bekannt gewordene «Fall FC Sion». Nach einer Registrierungssperre des Weltfussballverbandes FIFA überzogen der FC Sion und die Basisgesellschaft des Klubs, die Olympique des Alpes SA, die Schweiz Liga, den Schweizerischen Fussball-Verband, den Europäischen Konföderationsverband (UEFA) und auch die FIFA ab 2011 gleich im Dutzend (erfolglos) mit Gerichtsverfahren (vgl. hierzu grundsätzlich Urs Scherrer / Kai Ludwig / Remus Muresan, Sportrecht, Eine Begriffserläuterung, 3. Aufl., 2014, 292 f.). Wenn sich eine Gelegenheit bietet und er sich ungerecht behandelt fühlt, marschiert der streitbare Christian Constantin vorne weg; er droht, schüchtert ein und setzt Druck auf – auch gegenüber Behörden und Gerichten. Das mag im kleinmassstäblichen Kanton Wallis, in dem dem potenten Architekten kaum jemand entgegentreten will und sich grundsätzlich niemand mit ihm anlegen möchte, teils verfangen; z.B. am Schweizerischen Bundesgericht wird jedoch zumindest versucht, einigermassen ausgewogen Recht zu sprechen, auch wenn es direkt oder indirekt um Christian Constantin geht.

In einem unlängst bekannt gewordenen Fall zog der Sion-Präsident mit seiner Unternehmung, Christian Constantin SA, vor dem höchsten Schweizer Gericht den Kürzeren und verlor gegen die Steuerbehörden einen Rechtsfall (es ist, das muss der guten guten Ordnung halber gesagt werden, allgemein schwierig, in Steuersachen vor den Gerichten zu reüssieren, auch am Bundesgericht). Die Christian Constantin SA überwies, so die Ausgangslage des Rechtsstreits, der Kapitalgesellschaft des FC Sion, der Olympique des Alpes SA, 3,7 Millionen Franken und setzte diesen Betrag als Sponsoring seiner Christian Constantin SA von den Steuern ab. Die Walliser Steuerbehörden akzeptierten das, obwohl der Betrag selbstverständlich alles andere als ein Sponsoring war und u.a. für Mieten im FC Sion, für Kost und Logis verschiedener Personen, für Fussballspieler, Anwaltskosten und Kosten für den Privatjet des Präsidenten (!) verwendet wurde. Aufgeflogen ist diese «kreative Lösung» von Christian Constantin nicht wegen der Walliser Steuerbehörden, die stramm zum Präsidenten des Fussballklubs hielten, sondern weil auch der Kanton Freiburg Anspruch auf einen Teil der Steuern von Christian Constantins Gesellschaft hat und gegen diese Sponsoring-Deklaration intervenierte. Es handle sich um eine «verdeckte Gewinnausschüttung», urteilte kürzlich das Bundesgericht, das dem Sponsoring-Trick eine Abfuhr erteilte. Demnach wird die Gesellschaft des Präsidenten und Unternehmers demnächst eine Nachzahlungsaufforderung der Steuerbehörden erhalten und diese Gewinnausschüttung versteuern müssen.

Die Drohung von Christian Constantin nach dem Bekanntwerden des Urteils, er lasse den FC Sion nun fallen und ziehe sich zurück, wird eigentlich von niemandem ernst genommen. Sie erfolgte in den letzten Jahren zu oft…

Querschnittlähmung nach Skisprung-Horrorsturz: «Dumm gelaufen»

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(causasportnews / red. / 12. Januar 2023) Am 13. Januar 2023 vor acht Jahren hielt ein Skisprungunfall die Welt in Atem. Auf der Kulm-Flugschanze in Bad-Mitterndorf (Österreich) rutschte der damals 24jährige Vorspringer Lukas Müller nach 50 Metern in der Luft aus einem der beiden Skisprung-Schuhe und stürzte bei Tempo 120 brutal ab. Ein Genickbruch und eine irreversible Querschnittlähmung waren die Folgen dieses Schicksal-Sprungs anfangs 2016, von dem sich der damals hoffnungsvolle Athlet nicht mehr ganz erholen konnte. Im Gegenteil. Aufgrund der erlittenen Lähmungen lebt der bald 31jährige Österreicher weitgehend im Rollstuhl (causasportnews vom 5. November 2020), unternimmt aber immer wieder Gehversuche. Der ehemalige Skispringer und dreimalige Junioren-Weltmeister hat dieses Leben mit den erlittenen Behinderungen geradezu heldenhaft angenommen. «Ich führe ein lebenswertes Leben», bilanziert er die Folgen des Horror-Sturzes. Mehr zu schaffen machten ihm die versicherungsrechtlichen Auseinandersetzungen, vor allem gegen den Österreichischen Skiverband (ÖSV), die er jedoch letztlich erfolgreich beenden konnte (causasportnews vom 15. Juni 2019). Die Lähmungen und das Leben weitgehend im Rollstuhl hätten ihm zwar einiges an Spass genommen, sagt Lukas Müller zur aktuellen Situation; vor allem hätte er das Verlangen, den missglückten Sprung mit den tragischen Folgen vom 13. Januar 2016 zu einem Ende führen zu können. Er weiss, dass das nie mehr möglich sein wird. Den Humor hat der frühere Österreichische Erfolgs-Sportler trotz allem nicht verloren. Auf die Folgen des Sturzes und sein schwieriges Leben danach im Rollstuhl angesprochen, fasste Lukas Müller das Geschehen mit einem Augenzwinkern knapp und knackig zusammen: «Dumm gelaufen». Seine Zukunft sieht der verunfallte ehemalige Spitzen-Athlet eher nicht mehr im Sport. Wahrscheinlich würde er die Kraft und die Leidenschaft nicht mehr finden, dem Sport und einer allfälligen paralympischen Karriere alles unterzuordnen, sagte er gegenüber den Medien. Neben dennoch stattfindenden sportlichen Aktivitäten (Mono-Skifahren, Rollstuhl-Rugby) setzt Lukas Müller neue Lebens- und Berufs-Schwerpunkte. Er studiert Sportrecht und Sport-Management und ist als selbständiger Vermögensberater tätig. Zur Erledigung der notwendigen Verrichtungen ist er nur minim auf fremde Hilfe angewiesen.

Der verlorene Sohn am Australian Open 2023

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(causasportnews / red. / 9. Januar 2023) Es war ein unglaubliches Gezerre, ein eigentliches Hauen und Stechen, das die Welt in Atem hielt, als es vor einem Jahr um die Teilnahme von Novak Djokovic am Australian Open 2022 ging (vgl. causasportnews vom 7. und 11. Januar 2022). Schliesslich wurde der Serbische «Corona»-Impfverweigerer mit Schimpf und Schande aus dem fünften Kontinent gejagt; Justiz, Politik und die öffentliche Meinung statuierten ein Exempel in der «Corona»-Politik am bald 36jährigen Tennis-Ausnahmekönner.

Nun ist alles anders: Die «Corona»-Seuche hat ihren Schrecken verloren, auch wenn die Pandemie weltweit immer noch grassiert. Wie sehr sich die globale Welt an «Corona» gewöhnt hat, zeigt der Umstand, dass Chinesen und Chinesen praktisch wieder restriktionslos herumreisen können, obwohl uns China höchstwahrscheinlich diese Seuche beschert hat und unter den rund 1,5 Milliarden Menschen immer noch wütet. Da wäre es in der Tat skurril, den Top-Favoriten für das Australian Open, das in ein paar Tagen beginnen wird, wegen einer verweigerten Impfung vom Turnier auszuschliessen! (causasportnews vom 19. Oktober 2022). Wie sich die Welt innerhalb eines Jahres auch in punkto «Corona» verändert hat, belegt der Umstand, dass nun an diesem prestige-trächtigen Tennis-Turnier in Melbourne sogar positiv-getestete Spielerinnen und Spieler teilnehmen dürfen, wenn sie sich wohl fühlen…

So ist der Weg zufolge der verletzungsbedingten Abwesenheit der Welt-Nr. 1, Carlos Alcaraz Garfia (Spanien), zum ersten Grand-Slam-Turniererfolg in diesem Jahr für Novak Djokovic geebnet. Der Serbe spielte sich soeben am Turnier in Adelaide schon einmal warm und gewann den hochklassigen Final gegen den US-Amerikaner Sebastian Korda. Das Publikum feierte ihn frenetisch, fast wie einen verlorenen Sohn. In Melbourne wird der Weg zum Sieg auch auf dem Court von Melbourne nur über Novak Djokovic führen. Auf exogene Teilnahme-Hinderungsgründe wie vor einem Jahr werden die Gegner des Top-Stars heuer nicht mehr setzen und hoffen können.

Wer oder was stoppt den «Präsidenten peinlich»?

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(causasportnews / red. / 5. Januar 2023) Seit seinem denkwürdigen Auftritt anlässlich der Fussball-WM-Endrunde 2022 zur persönlichen Gefühlslage ist FIFA-Präsident Gianni Infantino zum weltweiten Gespött geworden (vgl. auch causasportnews vom 18. Dezember 2022), à la Andreas Möller, ebenfalls eine allerdings erst 55jährige Fussball-Legende («Vom Feeling her hatte ich ein gutes Gefühl»). Seit der Offenlegung seiner Gefühlsstruktur in Katar gilt der oberste Repräsentant des Weltfussball-Verbandes als «Präsident peinlich». Nach dem Tod der brasilianischen Ikone Pelé ist es allerdings erwiesen, dass es noch peinlicher gehen kann. Nur Stunden nach dem Tod der Fussball-Legende eilte Gianni Infantino an die Aufbahrungs-Stätte in Brasilien und nahm vor Ort Abschied von dem im Alter von 82 Jahren verstorbenen Fussball-Sonderkönner und dreimaligem Weltmeister. Dazu muss vermerkt werden: Seit dem Amtsantritt von Gianni Infantino als FIFA-Präsident setzt er marketinggerecht auf Fussball-Legenden, frei nach dem Motto: «Die Fussball-Zukunft gehört der Jugend und den Frauen». Allerdings kommen dem FIFA-Oberen nach und nach die Fussball-Legenden abhanden, zuletzt eben Pelé. Diese Umstände animierten den 52jährigen Walliser, der sich grundsätzlich als Italiener fühlt, offensichtlich, neben dem Leichnam Pelés Selfies zu machen! Was offenbar Bilder für die Ewigkeit werden sollten, mutierten eben zur aktuellsten Peinlichkeit des FIFA-Präsidenten, der pietätlos und unempathisch mit diesen Selfies wohl Pelés und seine eigene Unsterblichkeit dokumentieren wollte.

Diese neuste Gefühls-Entgleisung des FIFA-Präsidenten wirft verschiedene Fragen auf: Einmal, ob Gianni Infantino für den Welt-Fussballverband nicht verstärkt zum Reputationsrisiko wird und als Grossverdiener für diese Institution, einem Verein nach Schweizerischem Recht mit ideeller Zweckausrichtung, überhaupt noch tragbar ist (gemunkelt wird, Gianni Infantino generiere derzeit ein Jahresgehalt von fast 5 Millionen Schweizer Franken). In der Tat wäre dies, sollte dem so sein, ein gigantisches Salär im Rahmen eines ideell ausgerichteten, globalen Sportverbandes. Hierzu drängt sich ein Blick in die FIFA-Statuten auf. Art. 35 der FIFA-Verfassung sieht explizit vor, dass der Präsident ein positives Image der FIFA zu verbreiten hat; mit seinen Aktionen in Katar und in Brasilien ist dies Gianni Infantino wohl fast gelungen. Etwas unverbindlicher heisst es in der zitierten Statuten-Bestimmung: Er (der Präsident) «vertritt die FIFA im Allgemeinen». Darunter lassen sich zweifelsfrei auch Entgleisungen aller Art subsumieren. Schon aufgrund der Statuten und Regularien des Weltverbandes ist offensichtlich klar, dass niemand und nichts diesen «Präsidenten peinlich» stoppen kann.