Star-Koch mit Hang zur Dekadenz setzt Klagegrund gegen die FIFA

causasportnews.com – 3/2026, 10. Januar 2026

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(causasportnews / red. / 10. Januar 2026) Kaum jemand kennt den Star-Koch Nusret Gökce unter diesem Namen. Jedoch ist er vielen, vor allem Fussball-affinen Fans, unter dem Spitz- oder Künstlernamen «Salt Bae» («Salz-Schatz») bekannt. Der bald 43jährige türkische Gastronom und gelernter Metzger sorgte vor allem für Schlagzeilen, als er dem französischen Top-Spieler Franck Ribéry im Jahr 2029 in Dubai ein mit Blattgold angereichertes Ribeye-Steak servierte (vgl. auch causasportnews vom 24. November 2025; Causa Sport 2019, 112); 1200 Euro soll diese Extravaganz gekostet haben. Dank oder wegen sozialer Medien ging das Bild dieses kulinarischen Exzesses um die Welt. Nusret Gökce sorgte mit dekadenter Luxus-Gastronomie immer wieder für Schlagzeilen. Er war stets bestrebt, die Nähe zu prominenten Menschen, vor allem aus der Sport-Szene, zu suchen. So kam es auch, dass FIFA-Präsident Gianni Infantino im Umfeld von «Salt Bae» gesichtet wurde, wie gepostete Fotoaufnahmen belegen.

Einigermassen verwundert nahm die Fussball-Welt anlässlich des WM-Finals am 18. Dezember 2022 in Katar (Weltmeister wurde Argentinien nach einem Finalsieg über Frankreich), zur Kenntnis, dass der zwischenzeitlich als Koch mit Hang zur kulinarischen Extravaganz bekannte Nusret Gökce im Rahmen der Siegerehrung den WM-Pokal in die Höhe stemmte und andeutete, diesen mit Salz zu bestreuen. Offensichtlich hatte es «Salt Bae» trickreich geschafft, nach dem WM-Finalspiel, das er auf Einladung des FIFA-Präsidenten im VIP-Bereich besuchte, auf das Spielfeld zu gelangen und bei den Sieges-Feierlichkeiten mitzuwirken. Er liess sich für ihn werbeträchtig sogar mit Lionel Messi ablichten. Diese Selbstinszenierung im WM-Finaltaumel fand dann die FIFA weniger lustig und recherchierte, wie dieses «Ambush Marketing» durch Nusret Gökce möglich wurde und dieser auf das Spielfeld gelangen konnte. Ersan Gökay, ein Deutscher FIFA-Mitarbeiter mit Wohnsitz in der Schweiz, soll von «Salt Bae» übertölpelt worden sein, damit sich dieser unter die feiernden Argentinier mischen konnte. Der Weltverband sanktionierte den Mitarbeiter danach arbeitsrechtlich. Dieser wurde depressiv, und die Ärzte schrieben ihn arbeitsunfähig. Schliesslich erhielt Ersan Gökay die Kündigung, weil die FIFA an seiner Arbeitsunfähigkeit zweifelte, was der Mitarbeiter vehement bestritt. Es kam, wie es in solchen Fällen kommen muss: Der letztlich ausserordentlicherweise gekündigte Mitarbeiter, der sich in diesem Fall als «Bauernopfer» sieht und seine Loyalität zur FIFA betont, zieht nun vor Gericht, wie der Weltverband entsprechende Medienberichte bestätigte. Demnächst wird sich das Zürcher Arbeitsgericht mit der Klage von Ersan Gökay gegen die FIFA wegen dieser in den Augen des Klägers ungerechtfertigten Entlassung befassen müssen. Beide Parteien, Ersan Gökay und die FIFA, sind wohl letztlich Opfer des eitlen Star-Kochs Nusret Gökce geworden. Oder auch diese anfängliche Freundschaft des FIFA-Präsidenten mit den umstrittenen türkischen Gastronomen «Salt Bae» hat nun ihren Preis.

Was kümmert mich mein Geschwätz von gestern?

causasportnews.com – 2/2026, 7. Januar 2026

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(causasportnews / red. / 7. Januar 2026) Politik und Sport weisen insbesondere zwei Parallelen auf: In beiden Domänen wird geschwätzt, was das Zeug hält. In der Politik ist dies etwa gleich verheerend wie im Sport; der einzige Unterschied zwischen Politik und Sport ist evident: Im Sport wird auch noch etwas getan, zumindest, und in der Regel weit mehr, i.S. von «disportare» (lateinisch, übersetzt: sich zerstreuen). Der erste Nachkriegs-Kanzler der Bundesrepublik Deutschland, Konrad Adenauer (1876 – 1967), brachte es einst auf den Punkt, indem er zum Thema «Meinungsänderungen» in der Politik einmal gesagt haben soll: «Was kümmert mich mein Geschwätz von gestern?». Der charismatische Politiker, der am 5. Januar 2026 vor 150 Jahren geboren wurde und der durchaus selbstironische Züge aufwies, sprach dadurch vor allem das Windfahnen-Gebaren in der Politik an; er nahm sich selber nicht aus. Wer heute A sagt, darf morgen also durchaus B sagen. In diesem Zusammenhang soll sich der gebürtige Kölner komplementär auch einmal so artikuliert haben: «Es kann mich niemand daran hindern, jeden Tag klüger zu werden.».

Diese Worte Konrad Adenauers zur Meinungsänderung in der Politik erlebten eine Aktualität in einem Vorgang im Schweizer Fussball dieser Tage. Es ging um den renommierten Klub der Stadt Zürich, den FC Zürich (FCZ). Der 1896 gegründete Verein hat seine besten Tage längst hinter sich. Derzeit müht er sich in der obersten Spielklasse (Super League) ab, und seine Haupt-Ambition scheint zu sein, den Stadt-Rivalen Grasshopper Club Zürich, hinter sich zu lassen; was derzeit der Fall ist. Trainer und Sportchefs kommen und gehen im FCZ, und gegangen ist im letzten Dezember nach relativ kurzem Gastspiel als Sportchef, Milos Malenovic. Nicht nur bei der FCZ-Anhängerschaft hat man sich die Augen gerieben, als vom aktuellen Präsidenten des FC Zürich, Ancillo Canepa, im Herbst 2023 eben Milos Malenovic als Sportchef installiert wurde. Nicht nur, weil der gebürtige Serbe Spielervermittler ist und sich in seiner Funktion als Sportchef des FCZ permanent in Interessenkonflikten befand, wurde diese Personalie im Zürcher Stadtklub zum Rohrkrepierer. Der Präsident des FC Zürich war nach dem Abgang von Sportchef Milos Malenovic bestrebt, möglichst rasch einen neuen Sportchef präsentieren zu können. Weil ein Fehler erst ein Fehler ist, wenn man ihn zweimal begeht, engagierte Ancillo Canepa als neuen Sportchef des FCZ den … Spielervermittler Dino Lamberti! Bezüglich dieses Namens muss man wissen, dass im FC Zürich eine («schwarze») Liste geführt wird mit Namen von Personen, die im Fussball-Business engagiert sind, im Zürcher Klub aber als personae non gratae gelten. Weshalb Dino Lamberti den Sprung auf diese Liste schaffte, ist bekannt. Der 51jährige Spielervermittler mit italienischen Wurzeln und der FCZ gerieten vor Jahren wegen eines Spielers aneinander. Nie mehr ein Geschäft mit Dino Lamberti – so lautete danach das «Credo» des Stadt-Klubs. Wahrscheinlich hat sich nun der FCZ-Präsident Ancillo Canepa in der Not an den rührigen und besonnenen Spielervermittler erinnert – und ihn flugs, trotz «schwarzer Liste der personae non gratae», für den FC Zürich engagiert. Wahrscheinlich frisst der Teufel in der Not eben doch die sprichwörtlichen Fliegen. Oder der oft hilflos wirkende Präsident des Stadt-Klubs hat sich eben an die legendäre Äusserung von Konrad Adenauer erinnert, eben: «Was kümmert mich mein Geschwätz von gestern?». Oder nahm Ancillo Canepa lediglich eine Lagebeurteilung, wie sie im Militär gang und gäbe ist, vor: «Neue Lage, neue Lagebeurteilung»? Es könnten nun Wetten abgeschlossen werden, ob Dino Lamberti für den FCZ auch noch im Frühjahr tätig ist…

Umstrittene «Enhanced Games» sollen in Las Vegas stattfinden

causasportnews.com – 1/2026, 3. Januar 2026

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(causasportnews / red. / 3. Januar 2026) Im Mai des soeben angebrochenen Jahres soll in Las Vegas ein ganz besonderer Sportanlass über die Bühne gehen: «The Enhanced Games», was ungefähr übersetzt werden kann mit erweiterten, verbesserten oder optimierten Spielen. Bei diesem Event soll die Verwendung von Dopingmitteln erlaubt sein. Die Veranstaltung setzt insbesondere eine Marketingidee um. Im Fokus steht die körperliche Leistungssteigerung und Langlebigkeit. Nicht zufällige treten in den Wettbewerben, bei denen Schnellkraft entscheidend ist, Gewichtheber, Sprinter und Schwimmer, und zwar gedopte und ungedopte Athleten, gegeneinander an. In den drei Sportarten ermöglicht Doping den grössten, sichtbaren Leistungsschub, der ideal vermarktet werden kann. Letztlich soll bei diesen Spielen die Idee des Jungbrunnens – die Quelle der ewigen Jugend und des ewigen Lebens – verkauft werden, weniger oder kaum geht es um den konventionellen Sport. Den Siegern winken happige Prämien von 250 000 US-Dollar. Weltrekorde, z.B. im 100 Meter-Sprint oder im Schwimmen auf der 50 Meter Bahn, werden mit je einer Million US-Doller belohnt.

Der Gründer und Haupt-Organisator der Spiele, Aron D’Souza, ein erfolgreicher, ehemaliger Schwimmer aus Indien, will mit den «Enhanced Game» die freie Verfügbarkeit von Athleten über ihre Körper ermöglichen. An den Wettbewerben im Mai in der Spielerstadt Las Vegas kommen deshalb die Regeln der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) nicht zur Anwendung. Aussen vor bleibt auch das Internationale Olympische Komitee (IOK), dessen angeblich korruptes System dem bald 34jährigen Aaron D’Souza ein Dorn im Auge ist. Fachspezialisten warnen vor den Gesundheitsrisiken von Dopingmitteln, die auch bei den «»Enhanced Games» eingesetzt werden können. Sie weisen etwa auf klare Zusammenhänge zwischen anabolen Steroiden (künstlich hergestellte Substanzen zur Zunahme von Muskelmassen) und Nebenwirkungen (z.B. hormonelle Störungen und Herzproblemen) hin. Die beiden britischen Forscher, Ian Boardley und Martin Chandler, räumen ein, dass vieles im Bereich des Dopings auf Beobachtungen basiert und nicht auf systematischen Langzeitstudien und sprechen im Zusammenhang mit den Spielen von einer «medizinischen Lotterie» (vgl. «Der Spiegel» vom 28. Juni 2025), was zum Austragungsort der Spiele, Las Vegas, passt.

Wer letztlich im Mai an den Spielen teilnehmen soll, ist noch nicht klar. Es könnten durchaus auch sehr valable Sportler an den Start gehen. Aus dem traditionellen Schwimmsport zurückziehen und an den «Doping-Spielen» teilnehmen will etwa der erfolgreiche britische Schwimmer Benjamin Proud. Dessen Ankündigung, in Las Vegas an den Start gehen zu wollen, löste in der Sportwelt einen Schock aus.  Kein Glück hatten die Organisatoren der Spiele auf der juristischen Ebene. Ein Bundesgericht in New York lehnte deren Kartellklage in der Höhe von 800 Millionen US-Dollar gegen die WADA, den Schwimm-Dachverband (World Aquatics), sowie den US-Schwimmverband (USA Swimming) ab. In diesem Zusammenhang ist zu berücksichtigen, dass die «Enhanced Games» wohl nur einmal, im Mai dieses Jahres, durchgeführt werden; falls die Marketingziele der Veranstaltung erreicht werden.

Abschied von 2025 – 2026 wird wohl alles besser!

causasportnews.com – 120/2025, 30. Dezember 2025

Die Anbiederungen des FIFA-Präsidenten – es könnte 2026 noch schlimmer kommen… (unbekannter Künstler)

(causasportnews / red. / 30. Dezember 2025) Derzeit wird zurückgeblickt, auf das Jahr 2025, das bald der Vergangenheit angehört. Nüchtern betrachtet war das zu Ende gehende Jahr ein eigentliches «annus horribile» (Schreckensjahr), so, wie Königin Elisabeth II. damals das für das britische Königshaus von Skandalen geprägte Jahr 1992 bezeichnete. Viel besser präsentierte sich das Jahr 2025 für die Welt auch nicht. Kriege, Unfrieden, Hass, Not, Elend, Negativa aller Art, beherrschten die Schlagzeilen. Der Mensch als die Krone der Schöpfung (ursprünglich 1. Buch Mose, Schöpfungsgeschichte) zeigte, zu was er eigentlich fähig ist. Irre Visionen und Schreckens-Szenarien haben sich 2025 erfüllt. Nicht nur im Ukraine- und im Gaza-Krieg. Praktisch täglich präsentierte sich die Welt als Tag der offenen Türe im Irrenhaus. Es war das Jahr, an dem senile und greise Machtmenschen – die Macho-Kultur erlebte in den  höchsten Sphären eine Renaissance – täglich ihre niedersten Instinkte auslebten und das internationale Recht, teils auch das eigene, nationale Recht, weitgehend ausser Kraft setzten; das Völkerrecht ist zum Scherz (ohne Anführungsstriche) verkommen. Polarisierungen oder soziale Differenzierungen statt konstruktives Zusammenwirken oder sozialer Zusammenhalt. Glücklicherweise ist dieses Medium, das Sie sich, verehrte Leserinnen und Leser, im Moment zu Gemüte führen, an sich unpolitisch, so, wie es der Sport gemeinhin ist, bzw. sein sollte. Doch der Sport hatte 2025 politische Dimensionen erlangt, wie noch nie zuvor seit den Olympischen Sommerspielen in Berlin 1936, die auch «Hitler-Spiele», missbraucht vom grossen Diktator für seine verbrecherischen Ideen und Zwecke, genannt wurden.

Seit die kriegstreibenden Russen nach dem Überfall auf die Ukraine weitgehend, aber nicht ganz, aus dem internationalen Sport ausgeschlossen sind, ist derzeit noch nicht klar, ob sich bspw. russische Biathletinnen und Biathleten an den bald beginnenden Olympischen Winterspielen in Italien («Milano Cortina» vom 6. – 22. Februar 2026) mit Ukrainerinnen und Ukrainern messen sollen; tendenziell eher nicht, geschossen wird in dem Krieg zwischen Russland und der Ukraine schliesslich schon genug. In anderen Disziplinen, in denen nicht geschossen wird, sollen Russinnen und Russen allerdings unbelastet um Olympia-Gold kämpfen können. Das Russland affine Internationale Olympische Komitee (IOK) in Lausanne und das juristische Sprachrohr dieses Vereins, das Internationale Sport-Schiedsgericht (TAS), ebenfalls in Lausanne, machen es möglich. Israel, das Gaza in Schutt und Asche gebombt und geschossen hat, soll nun, so fordert es teils die Schweizer Politik, aus dem Weltfussballverband (FIFA) mit (noch) Sitz in Zürich ausgeschlossen werden. Apropos FIFA: Der Weltverband hat 2025 dafür gesorgt, dass der Sport seine politische Unschuld definitiv verloren hat. Die irre Show anlässlich der Auslosung der Gruppenspiele zur Fussball-WM-Endrunde 2026 in Washington und die Vergabe des FIFA-Friedenspreises an Donald Trump hat sogar die Mitglieder der FIFA, die nationalen Verbände, irritiert. So sagte es der neue Präsident des Schweizerischen Fussball-Verbandes (SFV), ein Mann mit Weitblick in der Fussball-Szene, Peter Knäbel, in einem Interview deutlich: «Und dann gab es diese Preisverleihung mit dem Friedenspreis für Donald Trump. … Es ist schwierig, nach dieser Veranstaltung zu sagen, dass Sport und Politik zwei ganz unterschiedliche Paar Schuhe sind und nichts miteinander zu tun haben sollen. Das wird in Zukunft jedem und jeder vorgehalten werden, der etwas anderes behauptet. Die Bilder sind jetzt in der Welt. Für mich war die Gewichtung nicht sportgerecht. An einem Tag, an dem es um Fussball gehen sollte.» («Blick» vom 29. Dezember 2025). Die peinliche Übergabe des Friedenspreises durch FIFA-Präsident Gianni Infantino an den US-Präsidenten wird wohl als das Negativ-Ereignis in die Sport-Chronik 2025 eingehen. Oder wie die «Bild»-Zeitung die Anbiederung des FIFA-Präsidenten gegenüber dem US-Präsidenten in Washington sah: «Ein Moment zum Fremdschämen: Trump hängt sich bei der Gruppenauslosung … selbst eine goldene Medaille um. Die FIFA hat ihm den eigens geschaffenen Friedenspreis verliehen, vor allem für seine Verdienste um die Beendigung des Gaza-Krieges. Die Anbiederung von FIFA-Boss Gianni Infantino an Trump lässt für die WM Schlimmes ahnen.» («Bild am Sonntag», 28. Dezember 2025). Was Donald Trump angeht, der zu Lasten von Europa mit Wladimir Putin paktiert, brachte es das deutsche Nachrichtenmagazin «Der Spiegel» in einer Titelgeschichte unter dem Titel: «Zwei Schurken, ein Ziel» («Der Spiegel», 12. Dezember 2025) auf den Punkt. Das musste ja von der FIFA mit einem Sport-Friedenspreis gewürdigt werden. Immerhin hat der US-Präsident keine Menschen umbringen lassen…

So verabschieden wir nun das (Sport-)Jahr 2025 und sind überzeugt, dass 2026 mit den internationalen Schwerpunkten Olympische Winterspiele und Fussball-WM-Endrunde in den Vereinigten Staaten, in Kanada und in Mexiko besser wird. Oder bestehen Zweifel? Hoffen wir jedenfalls auf ein «annus mirabilis» (wundersames Jahr). Ab und zu geschehen bekanntlich Wunder, auch wenn sie immer seltener Realität werden.

Ihnen, verehrte Leserinnen und Leser von «causasportnews» wünschen wir jedenfalls nur das Beste im neuen Jahr!

                                                                                                       Redaktion «causasportnews»

Pleite-Staaten und ihr wertungsfreier Umgang mit dem Sport

causasportnews.com – 119/2025, 27. Dezember 2025

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(causasportnews / red. / 27. Dezember 2025) Ein Gespenst gehe um in Europa, mit dieser Nachricht schockten 1848 Karl Marx und Friedrich Engels im Kommunistischen Manifest die Welt; und meinten damit das Gespenst des Kommunismus, dem huldigten. Vor der kommunistischen Bewegung fürchtete sich das Establishment. Karl Marx und Friedrich Engels wollten mit diesem angeblichen Märchen vom Kommunismus-Gespenst auf sarkastische Weise mit Irrmeinungen aufräumen und redeten der kommunistischen Bewegung auf diese Weise das Wort. So sollten sich die Proletarier aller Länder gegen den Kapitalismus vereinigen, und vereint würden sich die Schwachen als mächtig erweisen. So Karl Marx (1818 – 1883). Und dann also auf zum Klassenkampf – Bourgeoisie (Kapital) gegen Proletariat (Arbeiterklasse) und umgekehrt!

An jene Zeiten des Klassenkampfes fühlt sich die Menschheit heute aktuell erinnert. Derzeit herrschen in Staaten und Gesellschaften Blockbildungen oder der Kampf der Pole vor. Beispielsweise links gegen rechts, Super-Reiche gegen den Rest der Welt, Theisten gegen Atheisten, usw. Konsensbildungen in Staatsgefügen sind praktisch unmöglich geworden. Der Staat muss jedenfalls auffangen, was durch die Thesen- und Antithesen-Bildungs-Resultate in Form von Synthesen verunmöglicht wird. So kam und kommt es, dass Staaten heute immer mehr zu Pleite-Gebilden verkommen. Statt über andere Ertragsmöglichkeiten als Steuern zur Finanzierung der Staaten nachzudenken (was durchaus möglich wäre), ist, wenig innovativ, Sparen angesagt! Die Verteilung und Umverteilung von Ressourcen und insbesondere von Geldern (Kapital) ist angesagt. Ähnlich und sogar die identische Thematik, die Verteilung und Um-Verteilung des Kapitals, war zu den Zeiten von Karl Marx und Friedrich Engels en vogue. Dass die Mitglieds-Staaten der Europäischen Union (EU) vom Spar-Thema beherrscht werden, ist noch einigermassen nachvollziehbar. Die Mittel reichen nirgends mehr hin, die Begehrlichkeiten wachsen und die Aufgaben der Staaten lassen sich offensichtlich nur noch durch Schuldenwirtschaft erfüllen. Kein Wunder, dass die EU alles daran setzt, um die Schweiz, der vermeintlich solvente Staat, als potente Mit-Zahlerin in den kontinentalen Staatenbund aufzunehmen (aktuell im Rahmen des derzeit vieldiskutierten sog. Vertragspaketes «Bilaterale III»).

Einigermassen erstaunt und auch geschockt wird in der Schweiz derzeit zur Kenntnis genommen, dass auch in diesem Staat und in diesem Land, in dem bekanntlich Milch und Honig fliessen, gespart werden soll wie kaum je zuvor. Die Schweiz scheint ziemlich pleite zu sein! Die Regierung ist gehalten, Sparpläne vorzulegen, welche im Verlaufe dieses Monats im Parlament geradezu seziert wurden. Sparen ja, aber möglichst bei den andern und anderweitig, lautet das Motto dieser an den klassischen Klassenkampf erinnernden Auseinandersetzung. Das Spiel der Interessenvertreterinnen und -vertreter orientierte sich an den oben dargelegten Grundsätzen, also links gegen rechts, usw. Für einmal scheint der Sport allerdings über einen Ausnahmestatus zu verfügen, der von links bis rechts getragen wird. Sich beim Sport für Mittel-Kürzungen stark zu machen, sorgt allgemein für keine gute Stimmung – auch nicht beim Stimmvolk, welches für die Wahl der Parlamentarierinnen zuständig ist. Die Regierung schlug vor, in den nächsten drei Jahren Sportfördergelder von über 50 Millionen Franken zu kürzen. Ein chancenloses Unterfangen. Der Sport geniesst partei- und ideologie-übergreifend derart viel Goodwill, dass beschlossen wurde, Sportfördergelder auch in den nächsten drei Jahren sprudeln zu lassen. Die von der Landesregierung vorgesehene Halbierung der Beiträge an internationale Sportanlässe hatte im Parlament keine Zustimmungs-Chance (vgl. zur Förderung des Breitensports auch causasportnews vom 21. September 2025). Inwiefern es jedoch Sinn macht, z.B. das berühmte Golfturnier von Crans-Montana, an dem Preisgelder in der Höhe von drei Millionen Franken (!) ausbezahlt werden, weiter zu subventionieren, bildet ein Rätsel, das von den Bundes-Politikerinnen und -Politikern im Rahmen der allgemeinen Sparwut noch nicht gelöst werden konnte. Klar ist jedoch, dass der Sport apolitisch, wertungsneutral und frei von Ideologien und Weltanschauungen ist. Er ist demnach prädestiniert, alle staatlichen Sparanstrengungen zu überstehen sowie Links- und Rechtsgräben zu überwinden. Offenbar ist einzig der Sport in der Lage, polarisierende Konsensbildungen im politischen Kontext zu verhindern.

Karl Egloffs Vorsatz für 2026: «Seven Summits-Sammlung» vervollständigen

causasportnews.com – 118/2025, 23. Dezember 2025

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(causasportnews / red. / 23. Dezember 2025) Der 44jährige Extrembergsteiger Karl Egloff sorgt immer wieder für Schlagzeilen. Höchstleistungen aller Art, so «Speed»-Rekorde, sind seine Leidenschaft. Vor einem halben Jahr versuchte sich der schweizerisch-ecuadorianische Doppelbürger am Mount Everest, den er in einer Zeit von unter 20 Stunden besteigen wollte, jedoch fürs Erste scheiterte (vgl. auch causasportnews vom 2. Juni 2025). Er kündigte an, diesen Rekordversuch baldmöglichst erneut unternehmen zu wollen. Wohl im Zuge des bevorstehenden Jahreswechsels, der meistens mit Vorsätzen einhergeht, hat Karl Egloff mitgeteilt, im neuen Jahr seine «Seven Summit Sammlung» zu vervollständigen und zu komplettieren. Unter die «Seven Summits» werden die jeweils höchsten Berge der sieben Kontinente subsumiert. Bezüglich der Besteigung dieser Berge in Rekordzeit und ohne Verwendung von zusätzlichem Sauerstoff hat sich unter Extrembergsteigern ein weiterer Wettbewerb entwickelt.

Die «Seven Summits» sind 1985 erstmals vom US-Amerikaner Richard «Dick» Bass ohne «Speed»-Ambitionen bezwungen worden. Seither dürften etwa 500 Alpinistinnen und Alpinisten das Kunststück vollbracht haben, die jeweils sieben höchsten Berge aller Kontinente bestiegen zu haben. Als erste Frau liess sich 1992 die Japanerin Junko Tabei in diese Rekordliste eintragen.

Nun hat sich Karl Egloff das ehrgeizige Ziel für 2026 gesetzt und will im kommenden Jahr die in seiner «Sieben-Berge-Sammlung» noch fehlenden Mount Everest (Asien; 8848 Meter ü.M.), die Carstensz-Pyramide (Australien; 4884 Meter ü.M.) und das Vinson Massif (Antarktis; 4892 Meter ü.M.) besteigen; die restlichen vier höchsten Kontinental-Berge hat er bereits bezwungen. Vor allem vor dem Mount Everest hat der Extrembergsteiger mit «Speed»-Ambitionen offenbar am meisten Respekt. Wie erwähnt, musste Karl Egloff seinen «Speed»-Versuch am höchsten Berg der Erde im Frühjahr vorzeitig abbrechen. Massive Schneemengen und herrschende Feuchtigkeit machten ihm zu schaffen. Zudem fühlte er sich nach eigenen Angaben nicht ganz wohl.

Ein ganz gewöhnlicher Arbeitsrechtsprozess nur mit ungewöhnlich hohem Streitwert?

causasportnews.com – 117/2025, 19. Dezember 2025

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(causasportnews / red. / 19. Dezember 2025) Es war zweifelsfrei eine spezielle Partei-Konstellation: Am Arbeitsgericht in Paris kreuzten der ehemalige Paris Saint-Germain-Spieler Kylian Mbappé und eben der Nobel-Klub Paris Saint-Germain die juristischen Klingen (vgl. auch causasportnews vom 24. November 2025). Der bei Real Madrid unter Vertrag stehende Ausnahmekönner, der am 20. Dezember 2025 27 Jahre alt wird, hat seinen ehemaligen Klub auf 55 Millionen Euro eingeklagt; ausstehende Saläre und Boni bildeten die Anspruchsgrundlage des französischen Nationalspielers, der sich 2024 mit Getöse aus Paris verabschiedete und (ablösefrei) nach Spanien zog. Weil eine Einigung in dieser arbeitsrechtlichen Streitigkeit nicht zustande kam, trafen sich Kylian Mbappé und Paris Saint Germain dieser Tage vor dem Arbeitsgericht in Paris. Dieses fällte nun zugunsten des Superstars ein Urteil: 60,9 Millionen Euro hat der Klub der Katari dem abgewanderten Spieler zu bezahlen, und zwar tout de suite. Das Urteil trägt den Vermerk »exécution provisoire». 1:0 für den Spieler also, könnte man im Fussball-Jargon festhalten.

Erstinstanzlich endet damit ein an sich ganz gewöhnlicher Arbeitsrechtsprozess – allerdings mit ungewöhnlich hohen Forderungen hüben (Spieler) und drüben (Paris Saint-Germain). Gewöhnlich war in diesem Verfahren das Verhalten der Parteien. Es wurde geklagt, die Gegenseite klagte auch, die eingeklagten Summen wurden immer höher, und am Schluss hatte das Arbeitsgericht das Recht anzuwenden. Nichts blieb von der alten Weisheit übrig: «Im Gerichtssaal und auf hoher See befindet man sich in Gottes Hand». Vor dem Arbeitsgericht schraubten die Anwälte des Spielers den Forderungsbetrag schliesslich auf 263 Millionen Euro. Plötzlich ging es nicht mehr nur um nicht bezahlte Saläre und Boni, sondern um eine angeblich ungerechtfertigte Entlassung, illegale Beschäftigung, Mobbing, usw. Der Klub konterte mit einer Forderung über 440 Millionen Euro wegen angeblicher Transferabsprachen im Vorfeld des Klubwechsels des Stürmers nach Madrid, usw. So verlief dieser Prozess am Pariser Arbeitsgericht in den letzten Tagen wie viele arbeitsrechtliche Verfahren auf der ganzen Welt. Die Parteien warfen alles noch so Absurde in die Waagschale, und das Gericht hat aus diesem Sammelsurium von Behauptungen und Vorgebrachtem das objektive Recht herauszuschälen und dieses anzuwenden. Das Arbeitsgericht qualifizierte schliesslich nur die Forderungen von Kylian Mbappé für stichhaltig und sprach ihm die Summe von 60,9 Millionen Euro wegen unbezahlter Saläre, Boni und Ferienansprüche zu. Die juristische Konter-Strategie des Klubs im Verfahren wurde haushoch verworfen.

Nach diesem Urteil dürfte es allerdings so klar sein wie oft auch sonst in Arbeitsrechts-Prozessen, auch mit niedrigen Streitwerten: Die nächste Instanz wird sich mit diesem Fall befassen müssen. Befriedigt äusserten sich die Anwälte des Spielers nach der Urteils-Eröffnung in Paris (gemäss Tages-Anzeiger, Zürich, vom 17. Dezember 2025: «Dieses Urteil stellt eine einfache Wahrheit wieder her: Selbst in der Welt des Professional-Fussballs gilt das Arbeitsrecht für alle.» – Wie wahr, denn auf die Höhe der Forderungen kommt es in dieser Rechts-Disziplin nicht an. Paris erlebte also in der Causa Kylian Mbappé gegen Paris Saint-Germain und umgekehrt einen ganz gewöhnlichen Arbeitsrechtsprozess, einzig mit ungewöhnlich hohem Streitwert.

Vor 30 Jahren platzte im internationalen Fussball eine sport-juristische «Bombe»

causasportnews.com – 116/2025, 18. Dezember 2025

(causasportnews / red. / 18. Dezember 2025) Vor ziemlich genau 30 Jahren, am 15. Dezember 1995, platzte in Europa eine sport-juristische «Bombe», die den organisierten Fussball in Europa nachhaltig veränderte. Der Europäische Gerichtshof (EuGH) in Luxemburg entschied in einem Vorabentscheidungsverfahren zu Gunsten des belgischen Berufs-Fussballspielers Jean-Marc Bosman und erkannte im konkreten Fall, dass die im Gemeinschaftsrecht (Art. 48 des EWG-Vertrages; heute Unionsrecht) verankerte Arbeitnehmerfreizügigkeit des Fussball-Professionals verletzt worden sei. Gewichtiger als diese Entscheidung des EuGH vom 15. Dezember 1995 (Rs. C-415/93, Slg. 1995 I-4921) im konkreten Fall wog der Umstand, dass das internationale Transfersystem im Fussball durch dieses Gerichtsurteil zur Makulatur wurde, und dies letztlich nicht nur im EU-Raum. Der in Zürich domizilierte Internationale Fussballverband (FIFA) und vor allem der Europäische Fussballverband (UEFA) mit Sitz in Nyon bei Genf sahen sich im Nachgang zum «Fall Jean-Marc Bosman» gezwungen, das internationale Transfersystem im Fussball zu ändern und das Spannungsfeld zwischen Arbeits- und Transferrecht zu entschärfen. Dies war insofern bemerkenswert, weil bis zum Urteil des EuGH in der «Causa Bosman» die genannten Verbände warnende Stimmen seitens der Rechtswissenschaft bezüglich des damals geltenden Transfersystems in den Wind schlugen und darauf vertrauten, dass keine Gerichte dieser Welt der FIFA und der UEFA, zwei Verbände ausserhalb der EU, juristisch etwas anhaben konnten. Bis zum Entscheid aus Luxemburg war es möglich, dass ein Fussball-Professional trotz eines beendeten Arbeitsvertrages seinen (ehemaligen) Klub und Arbeitgeber nur gegen Bezahlung einer Ablösesumme (Transferzahlung) an den ehemaligen Arbeitgeber des Spielers verlassen konnte und zu einem neuen Klub (Arbeitgeber) wechseln durfte. Diese «Freigabe» für einen wechselwilligen Spieler wurde vom abgebenden Klub nur erteilt, falls ein Konsens der beiden an einem Transfer beteiligten Klubs über die Bezahlung einer reglementarisch, verbandsrechtlich festgelegten Ablösesumme erzielt wurde. Kam eine solche Einigung nicht zustande, konnten die involvierten Verbände die Erteilung der Transfer-Freigabe grundsätzlich verweigern; der Spieler durfte mit dem neuen Klub arbeitsvertraglich nicht kontrahieren. Das Kernstück des Urteils aus Luxemburg bildete der Umstand, dass u.a. die Arbeitnehmerfreizügigkeit verletzt und ein wechselwilliger Spieler diskriminiert werde, falls sich ein Berufs-Fussballspieler nach beendetem Arbeitsvertrag einen neuen Klub (Arbeitgeber) suchen wollte (vgl. zu den Details des Falles des belgischen Professionals Jean-Marc Bosman u.a. Urs Scherrer / Remus Muresan / Kai Ludwig, Sportrecht, Eine Begriffsbestimmung, 3. Auflage, 2014, 69 ff.). Mit der Entscheidung des Luxemburger Gerichtshofs zu Gunsten des belgischen Akteurs wurde das Ende des «Freigabe-Systems» im Fussball eingeläutet. Dies bedeutete eben, dass ein Fussballspieler bei beendetem Arbeitsvertrag grundsätzlich nicht am Übertritt zu einem anderen Arbeitgeber gehindert werden konnte und ein solcher Transfer auch nicht mehr durch bis dahin reglementarisch vorgesehene Ablösezahlungen zu verhindern war. Der Entscheid aus Luxemburg veranlasste die Sportverbände insbesondere in Europa, aber auch weltweit (die FIFA musste also Folge des Urteils das Transfersystem global harmonisieren), die bis dahin geltenden, jedoch das Freizügigkeitsrecht verhindernden und verletzenden Verbandsbestimmungen aufzuheben. Seither und bis heute gelten die unisono angewendeten Bestimmungen zu den Ausbildungsentschädigungen. Kein sport-juristischer Vorgang nach 1995 und bis heute verfügte über eine derartige Sprengkraft wie damals der «Fall Jean-Marc Bosman», der als «sport-juristische Bombe» in die Sportgeschichte einging. Der belgische Fussball-Professional, der sportlich nicht gerade als «Überflieger» galt, machte sich mit seinem erfolgreichen Gang bis zum EuGH jedenfalls unsterblicher als noch so berühmte Stars der Fussball-Szene, die Juristenfutter abgaben. Auch heute noch wird der «Fall Jean-Marc Bosman» bemüht, wenn ein spektakulärer Gerichtsfall ins Haus steht. In den Medien wird dies dann etwa so vermeldet: «Ein neuer ‘Fall Bosman’ im Sport?».

Marginalisiert ein NHL-Boykott die Bedeutung des Olympia-Eishockey-Turniers 2026?

causasportnews.com – 115/2025, 15. Dezember 2025

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(causasportnews / red. / 15. Dezember 2025) Bis die Olympischen Winterspiele 2026 in Mailand und in Cortina d’Ampezzo am 6. Februar beginnen werden, dauert es noch rund eineinhalb Monate. Am Olympia-Eishockey-Turnier sollen an den XXV. Olympischen Spielen in Italien auch erstmals die Eishockey-Professionales der nordamerikanischen National Hockey League (NHL) teilnehmen. Die NHL kann als mächtigste und renommierteste Eishockey-Liga der Welt bezeichnet werden. Die erstmalige Teilnahme der NHL-Professionals bedeutet für die Olympischen Spiele und das Internationale Olympische Komitee (IOK) als Veranstalter des grössten Sport-Spektakels der Welt eine entsprechende Aufwertung. Die Spieler der NHL, die für Olympia vorgesehen sind, wollen selbstbewusst unter dem Schlagwort auftreten: « Die Besten treffen auf die Besten».

Nun sorgt, kurz vor dem Olympia-Countdown, eine Drohung von Übersee für Unruhe und Verunsicherung. Die Rede ist von einem Olympia-Boykott seitens der NHL-Berufsspieler, die sich an zwei Gegebenheiten in der Multifunktionsarena im Mailänder Stadtteil Santa Giulia stören und am bereits aufgetragenen Lack des Prunkstücks der Olympischen Winterspiele 2026, am Olympia-Eishockey-Turnier mit NHL-Berufsspieler-Beteiligung, kratzen. Es würde für das Turnier und das IOK eine Blamage sondergleichen bedeuten, wenn die NHL-Professionals statt vom 6. bis zum 22. Februar 2026 in Italien um Olympisches Edelmetall kämpfen in Nordamerika bleiben würden. Dass ein Olympia-Boykott der NHL-Spieler überhaupt angedacht und jetzt offen ausgesprochen wird, hat zweierlei Gründe: Einmal ist der Ärger um das Eishockey-Turnier wegen der Grösse der Spielfläche in der «Santagiulia Ice Hockey Arena» entbrannt. Eine Eisfläche nach NHL-Standards ist 200 Fuss lang und 85 Fuss breit. Die Fläche in Mailand ist allerdings nur 197 Fuss lang; sie ist also rund einen Meter kürzer als Diejenige, auf dem die NHL-Professionals zu spielen pflegen. Gravierender scheint jedoch der Umstand zu sein, dass die Eisqualität in der Mailänder Arena zu wünschen übriglässt und offenbar ein Verletzungsrisiko darstellt. Die ungenügende Bespielbarkeit des Eises könnte zudem zu vermehrten Spielunterbrüchen führen. Kurz und knackig hiess es aus der NHL-Zentrale: «Wenn die Spieler das Eis für unsicher halten, werden wir natürlich in Mailand nicht spielen.». Die beiden monierten Mängel sind aus der Sicht der NHL behebbar. Doch die Zeit bis zum Olympia-Beginn wird knapp. Den Italienern ist die Boykottdrohung aus Nordamerika in die Knochen gefahren. Das Problem der Abmessungen der Eisfläche kann wohl im Rahmen eines Olympia-NHL-Kompromisses gelöst werden; letztlich ist dies eine Diskussion im Spannungsfeld zwischen IOK-Vorgaben und NHL-Standards. Die Eisqualität lässt sich wohl optimieren, allenfalls mit Hilfe von Spezialisten aus Nordamerika, welche dort auch für diesen Faktor geradestehen. Auch wenn die Olympia-Boykottdrohung durchaus ernst zu nehmen ist, sei an dieser Stelle die Prognose gewagt, dass die NHL-Spieler am Olympia-Turnier in Italien teilnehmen werden. Die Bedeutung des Olympia-Eishockey-Turniers mit NHL-Beteiligung dürfte also nicht durch einen Boykott marginalisiert werden.

Anschuldigungen, Ärger und Streit um das «Citius» in den Bergen

causasportnews.com – 114/2025, 13. Dezember 2025

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(causasportnews / red. / 13. Dezember 2025) Aufsehen erregende Erstbesteigungen in den Bergen gehören der Vergangenheit an. Die berühmtesten Gipfel sind durchwegs nicht nur einmal, sondern gleich mehrmals bezwungen worden. Seit einiger Zeit hat sich nun eine Bergsport-Disziplin etabliert, bei der nicht das Erklimmen von Bergen im Vordergrund steht, sondern es geht um das «Citius» am Berg: Wer besteigt einen Berg oder durchsteigt eine Wand am schnellsten? In dieser Disziplin lassen sich dann auch flankierende Varianten ausmachen: Wer besteigt einen Berg am schnellsten ohne Seil-Hilfe oder ohne Sicherung? Wer ist alleine oder zu zweit unterwegs? Wer steigt am schnellsten auf in einer Zweier-Gruppe, gleichgeschlechtliche Bergsportler(innen) oder  gemischte Gruppen? Bei diesem «Speed»-Bergsteigen ist unbestrittenermassen eine objektive Grösse auszumachen: Die Zeit. Wie diese Zeit erreicht wird, ist eine andere Sache. Es hat sich nun ergeben, dass in dieser Disziplin offenkundig geworden ist, dass eine «Speed»-Leistung am Berg nicht nur auf dem messbaren und immer gleichbleibenden Faktor «Zeit» beruht. Es kann also bekanntlich nur Gleiches mit Gleichem und Ungleiches mit Ungleichem gemessen werden. Beispielsweise lässt sich eine «Speed»-Leistung am Berg korrekterweise nur bei Begehung einer gleichen Route vergleichen. Wer die Zeit für die Durchsteigung der Eigen-Nordwand unterbieten will, kann dies vergleichsweise nur bei genau gleicher Routenwahl und unter Verwendung gleicher (Hilfs-)Mittel realisieren. «Speed»-Aktivitäten am Berg lassen sich demnach nur vergleichen, wenn alle Neben-Faktoren klar, transparent und nachweislich vergleichbar sind.

Seit Monaten schwelt in der Schweizer Extrem-Bergsteiger-Szene ein Streit über die Begehung der drei Nordwände von Eiger, Mönch und Jungfrau («Nordwand-Trilogie») im Berner Oberland. Der 2017 in Nepal tödlich verunfallte Professional-Bergsteiger Ueli Steck schaffte vor mehr als 20 Jahren die Durchsteigung dieser drei Nordwände, zusammen mit seinem Kletter-Partner Stephan Siegrist, in knapp 25 Stunden. Die Leistung der beiden Extrem-Alpinisten wurde in den Folgejahren von niemandem mehr erreicht. Bis es in diesem Jahr dem Berner Professional-Bergsteiger Nicolas Hojac mit seinem Österreichischen Kletterpartner Philipp Brugger gelang, diese drei Nordwände im Berner Oberland in einer Rekordzeit von 15,5 Stunden zu bezwingen. Seither ist im Extrem-Bergsteiger-Milieu Feuer im Dach. Der 33jährige Berner Nicolas Hojac ist mit happigen Vorwürfen an die Adresse von Ueli Steck und Stephan Siegrist an die Öffentlichkeit getreten. Die Rede ist von unkorrekten Vorgehensweisen, von Intransparenz, von Manipulation, ja sogar von Betrug. Steck / Siegrist hätten es bezüglich ihrer Nordwand-Durchsteigungen im Jahr 2004 an der erforderlichen Transparenz fehlen lassen und etwa nie erwähnt, dass sie an der Jungfrau-Nordwand auf den letzten 50 Metern ein Fixseil benutzt hätten – ein krasser Vorteil am Berg. Nicolas Hojac ist zu diesem Thema mit einer Dokumentation an die Öffentlichkeit getreten, mit einem Ingress, der es in sich hat: «In dieser Dokumentation geht es um die Beweislage der Begehung der drei Nordwände von Eiger, Mönch und Jungfrau durch Stephan Siegrist und Ueli Steck im Jahr 2004, den damaligen Betrug und die anschliessenden Manipulationen durch Stephan Siegrist im Jahr 2025.» – Eine wahrlich unrühmliche Angelegenheit mit Anschuldigungen, mit Ärger und Streit, die an sich gar nicht zu den Schönheiten der Bergwelten und der Bergsport-Aktivitäten passen. Aber eben: Soll Gleiches mit Gleichem verglichen werden, was an sich oft schon schwierig anmutet, ist zumindest Transparenz das Mass aller Dinge.

(Quelle: «Tages-Anzeiger», Zürich)