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In den «Darkräumen» des Weltfussballs

causasportnews, Nr. 1004/04/2023, 8. April 2023

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(causasportnews / red. / 8. April 2023) Obwohl der frühere FIFA-Präsident Joseph Blatter längst (2016) das höchste Amt im Weltfussball verloren hat, seine Würde jedoch keineswegs, hält der Rachefeldzug seines Antipoden aus dem Wallis und Nachfolgers auf dem FIFA-Thron, Gianni Infantino, unvermindert an. Weshalb auch immer – echte Gründe gibt es sichtbarerweise keine –, wird weiter aus dem «Home of FIFA», vom Zürichberg aus allen, auch juristischen Rohren gegen den Ex-Präsidenten und seine frühere Entourage «geschossen». Eine Armada willfähriger Anwälte und PR-Menschen aller Art werden immer wieder in Marsch gesetzt, um Blatter & Co. zu brüskieren und um diesen zu plagen – koste es (den Weltverband!), was es wolle. Apropos Pekuniäres: Es werden von Infantino & Co. weder Kosten noch Aufwendungen gescheut, um das Kesseltreiben gegen den jetzt immerhin 87jährigen Blatter nicht abflauen zu lassen. Mit Fug darf dabei die Frage gestellt werden, ob derartige Angriffe auf die Integrität von unbescholtenen Menschen mit den Idealvorstellungen des von der Funktionärskaste glorifizierten Weltfussballs zu vereinbaren sind; allerdings werden durch diese Agitationen vom Zürichberg aus auch immer wieder die öffentliche Hand und die Steuerzahlenden belastet.

Da fühlt es sich geradezu anachronistisch-zynisch an, wenn von der neusten, juristisch krass fehlgeschlagenen Attacke vom Zürichberg und aus dem Zürcher Enge-Quartier auf Blatter & Co. zu berichten ist. Dabei steht das moderne und luxuriöse Fussball-Museum («FIFA-World») im Zentrum, das Gianni Infantino und seinen Getreuen seit jeher ein Dorn im Auge ist; das war schliesslich auch nicht deren Idee. Nach einem teuren Mieterausbau und immensen Investitionen werden seit dem Abschluss des Mietvertrages zwischen der FIFA und der Eigentümerschaft, Swiss Life AG, bis 2045 jährlich 8,9 Millionen Franken an Mietzinsen an den Versicherungskonzern überwiesen. Das müsse zumindest als ungetreue Geschäftsbesorgung qualifiziert werden, wurde in einer Strafanzeige Ende 2020 der Staatsanwaltschaft des Kantons Zürich vermeldet. Verzeigt wurden von der FIFA und der FIFA Museum AG nebst dem Urheber des Museums-Projekts, Joseph Blatter, der damalige Generalsekretär Jérôme Valcke, der Finanzchef Markus Kattner sowie der damalige FIFA-Hausarchitekt Karl Botta. Von einer ungetreuen Geschäftsbesorgung könne keine Rede sein, fasste die Staatsanwaltschaft des Kanton Zürich nun verfahrensbeendend zusammen, wobei der Mietzins für die Museumsnutzung nicht zu beanstanden sei. Letztlich sei die FIFA mit der Swiss Life AG in seriöse Verkaufsverhandlung getreten, und es sei der Museums-Deal auch nach sorgfältiger Evaluation des Museums-Standortes und des Gebäudes (Mietobjektes) sowie nach der Festlegung der Gesamtkosten durch die FIFA-Finanzkommission und das FIFA-Exekutivkomitee (das Exekutivorgan der FIFA) abgesegnet worden. Mit Datum vom 22. März 2023 stellte die Staatsanwaltschaft das Verfahren gegen Joseph Blatter und Jérôme Valcke ein, gegen Markus Kattner und Karl Botta wurde es sogar nicht einmal an die Hand genommen. Ärgerlich ist es für die Steuerzahlenden, dass die Verfahrenskosten mangels gesetzlicher Grundlagen auf die Staatskasse genommen werden (müssen) und dem ehemaligen FIFA-Präsidenten eine Entschädigung für seine Anwaltskosten ausgerichtet wird.

Bemerkenswert muten die Ausführungen der Staatsanwaltschaft mit Blick auf das von den Anzeigeerstattern Vorgebrachte an. Die Anwälte von FIFA und FIFA-Museum haben den Untersuchungsbehörden geradezu Skurriles aufgetischt, etwa, zwischen Joseph Blatter und Exponenten der Museums-Vermieterschaft seien in einem «abhörsicheren Raum» im Kloster Einsiedeln konspirative Treffen, auch zum Thema Museums-Mietzinskosten, usw. abgehalten worden. Die FIFA-Anwälte, mit dem sinnigen Namen «Klein», scheuten keine, auch keine grossen Kosten (zu Lasten des Weltfussballs) und reichten im Verfahren zur Untermauerung der Thesen der Absprachen von Beteiligten rund um das Kloster Einsiedeln den Bericht einer sog. «Spezialfirma» ein, die sich mit den Besonderheiten des Klosterwesens befasste; konkret gab das Kloster Einsiedeln demnach die Kulisse für die «Darkräume» des Weltfussballs ab – gleichsam im Namen des Sportes. Für einmal ging es im traditionellen Welttheater im Klosterdorf um die «schrägen» Seiten des Weltfussballs. In diesem Bericht wird auch von mystischen Treffen Joseph Blatters mit (schwarzen) Übersee-Fussballfunktionären berichtet, wobei wahrscheinlich die von der FIFA beauftragten Forensiker die wohl teils dunkelhäutigen Fussball-Funktionäre mit der «schwarzen Madonna» in der Klosterkirche Einsiedeln vermengt haben…Eine geradezu mystische, grossartige «Darkraum»-Saga bildet das Kernstück der Darlegungen der «Klein»-Anwälte im Auftrag des Verbandes. Dass dieser Unsinn nun von den Strafverfolgungsbehörden vom Tisch gefegt wurde, hat aber auch dargelegte, durchaus juristische Gründe, welche der FIFA jedoch von der Staatsanwaltschaft erläutert, werden mussten: Ein Museums-Projekt eines gemäss Art. 60 ff. des Zivilgesetzbuches (ZGB) organisierten Sportverbandes ist grundsätzlich selbstverständlich konform und mit dem Zweck der FIFA (Art. 2 der FIFA-Statuten) zu vereinbaren. Damit hängt auch zusammen, dass eben ein Verband zur Verfolgung des idealen Zweckes wirtschaftliche Mittel einsetzen darf. Ein Verein oder Verband unterliegt schliesslich nicht den Gesetzmässigkeiten und Ausrichtungen von Kapitalgesellschaften.

So endet wohl auch diese juristische Attacke des Weltfussball-Verbandes gegen Blatter & Co. mit einem veritablen, juristischen Debakel, auf Kosten der Allgemeinheit sowie zu Lasten der FIFA-Kasse. Die Verzeigung belegt in jedem Fall, dass der Begriff der ungetreuen Geschäftsbesorgung durchaus auch schillernd-vielseitig interpretierbar ist.

Auch in diesem Fall wäre die FIFA nicht die FIFA, wenn sie gegen die Einstellung, bzw. die Nichtanhandnahme und zur Abwendung dieser neusten Justiz-Pleite nicht noch mit Beschwerde an das Zürcher Obergericht gelangen würde. Was dann heissen würde: Affaire à suivre…

Weissrussland-Spiel der Schweizer in Serbien?

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(causasportnews / red. / 21. März 2023) Ziemlich oder sogar ganz sicher wird die Schweizer Fussball-Nationalmannschaft ihr nächstes EM-Qualifikationsspiel gegen Weissrussland am kommenden Samstagabend austragen, aber wohl nicht, wie es an sich vorgesehen wäre, in Minsk, sondern offenbar in Serbien. In Serbien? Hierzu kann man nur sagen: Ein Unglück kommt selten alleine…

Dass sich das mit Russland verbündete Weissrussland überhaupt an den Ausscheidungsspielen zur Fussball-Europameisterschaft 2024 in Deutschland beteiligen darf, ist eigentlich schon einigermassen degoutant. Wie Russland müsste auch Weissrussland vom internationalen Sportgeschehen ausgeschlossen werden. Aber weil der Sport den Aggressoren im Krieg gegen die Ukraine nicht geschlossen und entschieden entgegentritt, verwundert es nicht, dass der willfährige, Europäische Fussball-Kontinentalverband (UEFA) auch diesbezüglich schwächelt. So soll das Ausscheidungsspiel vom kommenden Wochenende halt nicht in Weissrussland, sondern eben in Serbien ausgetragen werden. Wahrscheinlich ist es eher der Einfältigkeit und der mangelnden Empathie der UEFA-Funktionäre zuzuschreiben, dass diese delikate Partie ausgerechnet in Serbien gespielt werden soll. Immerhin gehört Serbien zu den Gesinnungsländern, die sich auf die Seite des verbrecherischen Kreml-Regimes und des windigen Weissrussischen Diktators Alexander Lukaschenko gestellt haben. Derzeit rebellieren Gutmenschen-Vereinigungen, Pharisäer und Politiker dagegen, dass die Schweiz überhaupt gegen Weissrussland antritt. Das wird natürlich vergeblich sein, weil die UEFA als berechnend und opportunistisch bekannt ist und das Qualifikationsprogramm für die EM 2024 unbedingt durchdrücken will. Schliesslich ist der Sport apolitisch, und die Moral kommt auch hier nach dem «Fressen» (gemäss Bertolt Brecht aus der «Dreigroschenoper»). Allerdings bereitet die Qualifikationsgruppe der Schweizer, die nun gegen die Equipe aus dem Schurkenstaat Belarus antreten müssen, auch allgemein wenig Freude: Andorra, Kosovo, Rumänien und Israel setzen in der Regel nicht gerade fussballerische Glanzlichter.

Nicht nur die UEFA, ein Schweizer Verein mit Sitz in Nyon bei Lausanne, setzt Diplomatie und Opportunismus grundsätzlich über Moral und Gradlinigkeit. Diesbezüglich steht der Weltfussballverband FIFA mit Sitz in Zürich der Kontinentalföderation in nichts nach. Das geschieht bereits an höchster Stelle, sprich: Unter anderem bei der soeben vollzogenen Wahl des FIFA-Präsidenten. Obwohl vor der Präsidentenwahl in Kigali (Ruanda) Opposition gegen den amtierenden FIFA-Präsidenten angekündigt wurde (vor allem seitens des norwegischen Verbandes) drückte Gianni Infantino die Wahl opportunistisch mit «Akklamation» (zustimmender Beifall) durch, was an sich in einem Verein gemäss Art. 60 ff. des Schweizerischen Zivilgesetzbuches nur möglich ist, wenn eine Personalie unbestritten ist. Das kümmert den FIFA-Präsidenten des Vereins, der intensiver an seinem Sessel klebt wie die Klima-Terroristen an den Strassen, allerdings nicht; letztere werden jeweils entfernt. Machterhalt und ein ungestörter, weiterer Zugang zu den Honigtöpfen der FIFA ist alles. Nur am Rande sei erwähnt, dass nach dem FIFA-Kongress am 16. März im Osten Afrikas der Weltverband jetzt doch mit dem Thema «Entschädigung der Arbeiter», welche in den WM-Stadien in Katar gewirkt und dort teils Schaden genommen haben, weiterkommen will – auf sanften Druck hin. Das ist letztlich verständlich, die WM-Endrunde in Katar zum Jahresende 2022 ist längst Geschichte, und was kümmert die FIFA und deren Exponenten schon das Geschwätz von gestern (frei nach Konrad Adenauer)?

Wenn sich zwei Walliser streiten, leidet der Sport

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(causasportnews / red. / 10. März 2023) Es ist ein offenes Geheimnis auch ausserhalb des Welt-Fussballverbandes (FIFA), dass der ehemalige Präsident des in Zürich domizilierten, internationalen Verbandes, Joseph Blatter, und der aktuelle Präsident, Gianni Infantino, nicht gerade Freunde sind. Die Frage ist überdies, ob sie es jemals waren. Seit dem mehr oder weniger durch äussere Umstände erzwungenen Abgang des heute 87 Jahre alten Joseph Blatter als Präsident im Jahr 2016 sind sich der aus Visp stammende Ex-Präsident und der aktuelle Präsident aus dem benachbarten Brig immer spinnefeinder geworden. Die Gründe hierfür seien an dieser Stelle offen gelassen. Die andauernden Gehässigkeiten und Streitereien zwischen den beiden Wallisern haben nicht dafür gesorgt, dass die FIFA immer mehr in ein noch schlechteres Licht gerückt wird als dies seit geraumer Zeit der Fall ist. Das miese Verhältnis zwischen dem ehemaligen und dem aktuellen Präsidenten manifestiert sich in vielerlei Hinsicht, so gehören seit Jahren juristische Streitigkeiten und Gerichtsverfahren, die teils mit der Fehde der beiden Walliser zusammenhängen, zum Alltag und schaden letztlich dem organisierten Sport im Allgemeinen und dem Image der FIFA im Besonderen. Die Entwicklungen und Vorkommnisse spalten auch den Kanton Wallis. Hier ist Joseph Blatter der Platzhirsch, Gianni Infantino, der Immigrant aus Italien, gilt als Aussenseiter. Man vergisst im zweisprachigen Kanton nicht, dass der aktuelle FIFA-Präsident jede Gelegenheit wahrnimmt, um seinen Vorgänger im höchsten Fussball-Amt zu demontieren. Ein «Leserbrief» im gewichtigen Lokalmedium «Walliser Boten» unter der Überschrift «Sepp Blatter unser Ehrenburger» sagt zwar nicht alles aus, aber doch vieles: «Seit in der FIFA einiges drunter und drüber geht und auch Sepp Blatter nicht zuletzt aufgrund der Intrigen seines zweifelhaften Nachfolgers sein Fett abkriegt, …, bleibt Sepp Blatter ein Burger, ein Ehrenburger». («Walliser Bote» vom 7. März 2023). Dies zum Thema «Sympathieverteilung» in der Causa Joseph Blatter gegen Gianni Infantino – und umgekehrt.
Das Leben geht für beide Walliser weiter. Für Joseph Blatter, geboren am 10. März 1936 in Visp, der heute seinen 87.Geburtstag feiert, altersbedingt wohl ziemlich entspannt. Etwas anders in jedem Fall für Gianni Infantino, der in der kommenden Woche, anlässlich des FIFA-Kongresses am 17. März in Rwanda, für weitere vier Jahre zum FIFA-Präsidenten gewählt werden wird. Es ist gemäss FIFA-Statuten an sich die letzte Amtsperiode für den Walliser aus Brig, der in zwei Wochen seinen 53. Geburtstag feiert. Gemäss FIFA-Statuten wäre das die dritte und letzte Amtsperiode (die Amtsdauer für den FIFA-Präsidenten beträgt gesamthaft höchstens zwölf Jahre), doch Gianni Infantino hat kürzlich schon einmal verlauten lassen, dass er ab 2027 nochmals für vier Jahre FIFA-Präsident bleiben wolle. Wie dem auch sei. Just vor der FIFA-Generalversammlung in einer Woche wurde bekannt, dass die Schweizerische Bundesanwaltschaft das Verfahren gegen Gianni Infantino wegen ungetreuer Geschäftsbesorgung und Betrugs eingestellt habe. Der Privatjet-Flug des FIFA-Präsidenten am 11. April 2017 von Surinam nach Genf sei strafrechtlich nicht zu beanstanden (Anmerkung: Die Strafverfolgung der Bundesanwaltschaft, wegen der nicht protokollierten Treffen mit der Strafverfolgungs- und Anklagebehörde des Bundes wird fortgesetzt).
So werden die weiteren Lebensjahre des Ex-FIFA-Präsidenten und des aktuellen Verbands-Oberen die FIFA und die Öffentlichkeit wohl weiterhin beschäftigen – alles zweifellos nicht immer zum Wohle des Fussballsports – und auch nicht gemäss dem FIFA-Motto: «for the good oft the game».

Promi-Todesfall im Ex-FIFA-Hotel

Rive Gauche im Hotel Baur au Lac Zürich
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(causasportnews / red. / 7. Februar 2023) Das Hotel «Baur au Lac» in Zürich gehört zu den renommiertesten Herbergen in der Limmatstadt. Dort steigen regelmässig neben begüterten und vermeintlich begüterten Normal-Sterblichen Stars, Sternchen und Prominente ab. Zumindest bis im Mai 2015 war das «Baur au Lac» auch der bevorzugte Übernachtungsort der ausländischen Fussballfunktionäre, die beispielsweise aufgrund von Aktivitäten im Rahmen des Weltfussballverbandes FIFA in Zürich weilten. Eben bis 2015. Am 27. Mai 2015, kurz vor dem FIFA-Kongress in Zürich in jenem Monat, wurden mehrere unter Korruptionsverdacht stehende, vorwiegend aus Südamerika stammende Fussball-Funktionäre frühmorgens aus ihren Betten im «Baur au Lac» geholt und in Auslieferungshaft gesetzt (vgl. etwa auch causasportnews vom 10. Januar 2020). Es war dies eine konzentrierte Aktion der amerikanischen Anti-Korruptionsbehörden mit den Schweizerischen Strafverfolgungsbehörden. Im Morgengrauen jenes Mai-Tages hielten sich ausgewählte, vorinformierte Journalisten aus Übersee in der Lobby des Hotels auf, um die Welt über die Verhaftungsaktion aus erster Hand zu informieren. Die Vorgehensweise war in vielerlei Hinsicht speziell; nicht klar ist etwa bis heute, weshalb die Funktionäre, welche über die USA nach Zürich angereist waren, nicht gleich von den amerikanischen Strafverfolgungsbehörden in den USA inhaftiert wurden. Jedenfalls konnten die Amerikaner mit dieser konzentrierten, gut vorbereiteten Aktion mit Hilfe der dienstbeflissenen Schweizer Polizeibehörden einen weltweit beachteten «Coup» landen. Auf einen Schlag erlangte das Hotel «Baur au Lac» in Zürich weltweiten Bekanntheitsgrad, natürlich mit der Folge, dass Fussballfunktionäre aus aller Welt bis heute die Luxus-Herberge, die seit jenem Ereignis im Jahr 2015 als «sport-kontaminiert» gilt, weitgehend meiden.

Glücklicherweise lässt sich das Hotel einen Steinwurf vom Zürichsee entfernt auch auf andere Weise füllen, eben mit Stars, Sternchen, Prominenten und Vertreterinnen und Vertreter des Jet-Set. Aber wo (gut) gelebt wird, wird auch gestorben. So rückte das «Baur au Lac» kürzlich wieder in die Schlagzeilen, als es den Tod eines Millionärsfamilien-Sprosses zu vermelden gab. Zuerst wurde verklausuliert kommuniziert, doch die Illustrierte «BUNTE» hielt sich in ihrer neusten Nummer nicht mehr zurück und vermeldete den mysteriösen Tod von «Philly», mit vollem Namen Louis Philip Schuler-Voith, der tot in einem Zimmer des «Baur au Lac» aufgefunden worden war. Eine leblose Person konnte nicht mehr wiederbelebt (!) werden, verlautete aus Deutschland, was die «BUNTE» zu folgendem Fazit verleitete: «Louis Philip Schuler-Voith wurde leblos in einem Hotel in Zürich gefunden und konnte nicht wiederbelebt werden. Die Society ist in tiefer Trauer» («BUNTE» vom 2. Februar 2023). Der vom gelernten Schlosser Louis Schuler begründete, heutige Schuler-Konzern ist ein bedeutender Zulieferer der Automobilindustrie. Die Eltern des Verstorbenen bewegen sich offenbar zumindest im mehrstelligen Millionenbereich. Noch ist unklar, welches die Gründe für den Tod des jungen Mannes, der nur 38 Jahre alt wurde, im «Baur au Lac» sind. Die «BUNTE» wird diesbezüglich zweifellos «dran» bleiben und es der Welt zu gegebener Zeit mitteilen.

Prozessniederlagen für FIFA / Gianni Infantino, für den FC Sion / Christian Constantin und für Paul Estermann

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(causasportnews / red. / 18. Januar 2023) Derzeit hagelt es Gerichtsentscheide in teils brisanten Vorgängen im Sport: Der Weltfussballverband mit Gianni Infantino als Präsident an der Spitze verliert einen prestige-trächtigen Arbeitsrechts-Fall gegen den ehemaligen Generalsekretär und Finanzchef, Dr. Markus Kattner, am Zürcher Obergericht; der FC Sion mit dem streitbaren Präsidenten Christian Constantin taucht am Bezirksgericht Martigny gegen den ehemaligen Trainer und aktuellen Nationalcoach Murat Yakin, und der Springreiter Paul Estermann wird offenbar demnächst wegen mehrfacher, vorsätzlicher Tierquälerei rechtskräftig verurteilt sein (bis dann gilt für ihn die Unschuldsvermutung). In den beiden Vorgängen aus dem Fussball dürfte es bis zur rechtskräftigen Erledigung noch eine gewisse Zeit dauern: Gegen den Beschluss des Obergerichts Zürich hat die FIFA in der Forderungssache von Markus Kattner am Bundesgericht Beschwerde eingereicht; in der Angelegenheit des FC Sion (Olympique des Alpes SA) scheint es so sicher wie das Amen in der Kirche, dass Christian Constantin diese besondere Schmach einer Prozessniederlage nicht auf sich sitzen lassen wird.

«Causa Markus Kattner / FIFA»: Seit der fristlosen Entlassung des damaligen Generalsekretärs und Finanzchefs durch die FIFA 2016 liefern sich die beiden Parteien einen erbitterten Rechtsstreit. Es geht dabei darum, ob die Entlassung der Nummer 2 der FIFA damals zu Recht oder Zu Unrecht erfolgte. Zur Rechtfertigung der sofortigen Trennung machte die FIFA teils krude Gründe geltend; die gerichtliche Auseinandersetzung wird teils als persönlicher Rachefeldzug des amtierenden FIFA-Präsidenten, Gianni Infantino, angesehen. Nachdem das Arbeitsgericht Zürich Jahre brauchte, um festzustellen, dass die FIFA Gründe gehabt hätte, um das Arbeitsvertragsverhältnis mit Markus Kattner per sofort und gerechtfertigterweise zu beenden, drehte das Zürcher Obergericht den Entscheid und wies den Fall zur Festlegung der Folgen der nicht-gerechtfertigten Entlassung an das Arbeitsgericht Zürich zurück. Dieser Rückweisungsbeschluss der zweiten Zürcher Instanz wurde nun vom Weltfussballverband mit Beschwerde an das Bundesgericht gezogen, wo der Vorgang seit einigen Wochen pendent ist. Die Chancen der FIFA, den Rückweisungsbeschluss des Obergerichts Zürich noch abzuwenden, werden als eher gering angesehen. In diesem Fall der ungerechtfertigt erfolgten Entlassung müsste dann das Arbeitsgericht die (finanziellen) Folgen der ungerechtfertigten Entlassung des heute 52jährigen Markus Kattner festlegen. Es geht dabei um eine Entschädigung in der Höhe von rund zehn Millionen Schweizer Franken. Affaire à suivre also.

«Causa Murat Yakin / FC Sion»: Im Moment scheint der Präsident des FC Sion, Christian Constantin, vom juristischen Fortune verlassen worden zu sein. Auf die Gerichte in «seinem» Kanton kann er sich jedenfalls offenbar nicht mehr verlassen. Vor ein paar Tagen wurde bekannt, dass der 66jährige Unternehmer in den Fussangeln eines steuerlichen Sponsoring-Tricks hängen geblieben ist (vgl. causasportnews vom 16. Januar 2023). Nun ging vor Weihnachten des letzten Jahres beim FC Sion (Olympique des Alpes SA) knüppeldicke Gerichts-Post im Entlassungsfall Murat Yakin ein. Der aktuelle Nationaltrainer wurde als Klubtrainer des FC Sion 2019 nach einem Zerwürfnis mit dem Klub-Präsidenten regelrecht unmöglich gemacht, was sich der Trainer nicht gefallen liess. Er beendigte den Trainervertrag per sofort und aus wichtigen Gründen. Das Vorliegen dieser Gründe wurden vom Klub bestritten. Das Bezirksgericht Martigny folgte jedoch den Argumenten von Murat Yakin. Im Gerichtsurteil wird u.a. von einem damals «bösartigen Klima» im Klub gesprochen. Die Folgen dieser aus der Sicht des damaligen Klub-Trainers gerechtfertigten, ausserordentlichen Vertragsbeendigung sind für den FC Sion finanziell einschneidend und bedeuten eine Schmach vor allem für Christian Constantin. Der Klub muss Murat Yakin fast 1,2 Millionen Schweizer Franken bezahlen. Diese frohe Botschaft erreichte den 48jährigen Nationalcoach Ende Dezember, nur ein paar Tage, nachdem die Schweizer Nationalmannschaft an der WM-Endrunde in Katar nicht gerade brilliert hatte und mit einer Kanterniederlage gegen Portugal (1:6) aus dem WM-Endrunden-Turnier flog. Das Urteil des Bezirksgerichts Martigny ist noch nicht rechtskräftig. Affaire à suivre also auch hier.

Wohl strafrechtlich erledigt dürfte hingegen die «Causa Paul Estermann» sein. In diesem unappetitlichen Fall von Tierquälerei hat sich der bald 60jährige Springreiter offenbar mit der Verurteilung abgefunden und will das letzte Urteil des Kantonsgerichts Luzern von Ende 2022 gemäss aktuellen Verlautbarungen nicht mehr an das Bundesgericht weiterziehen (vgl. insbesondere auch causasportnews vom 21. Dezember 2020, vom 22. Januar 2021 und vom 23. Juni 2021). Vom Schweizerischen Verband für Pferdesport (SVPS) soll der Reiter nun umgehend vorläufig gesperrt werden. Bis zum Entscheid einer definitiv verhängten Sperre (Vereinsstrafe) dürfte es dann allerdings noch einige Zeit dauern.

Wer oder was stoppt den «Präsidenten peinlich»?

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(causasportnews / red. / 5. Januar 2023) Seit seinem denkwürdigen Auftritt anlässlich der Fussball-WM-Endrunde 2022 zur persönlichen Gefühlslage ist FIFA-Präsident Gianni Infantino zum weltweiten Gespött geworden (vgl. auch causasportnews vom 18. Dezember 2022), à la Andreas Möller, ebenfalls eine allerdings erst 55jährige Fussball-Legende («Vom Feeling her hatte ich ein gutes Gefühl»). Seit der Offenlegung seiner Gefühlsstruktur in Katar gilt der oberste Repräsentant des Weltfussball-Verbandes als «Präsident peinlich». Nach dem Tod der brasilianischen Ikone Pelé ist es allerdings erwiesen, dass es noch peinlicher gehen kann. Nur Stunden nach dem Tod der Fussball-Legende eilte Gianni Infantino an die Aufbahrungs-Stätte in Brasilien und nahm vor Ort Abschied von dem im Alter von 82 Jahren verstorbenen Fussball-Sonderkönner und dreimaligem Weltmeister. Dazu muss vermerkt werden: Seit dem Amtsantritt von Gianni Infantino als FIFA-Präsident setzt er marketinggerecht auf Fussball-Legenden, frei nach dem Motto: «Die Fussball-Zukunft gehört der Jugend und den Frauen». Allerdings kommen dem FIFA-Oberen nach und nach die Fussball-Legenden abhanden, zuletzt eben Pelé. Diese Umstände animierten den 52jährigen Walliser, der sich grundsätzlich als Italiener fühlt, offensichtlich, neben dem Leichnam Pelés Selfies zu machen! Was offenbar Bilder für die Ewigkeit werden sollten, mutierten eben zur aktuellsten Peinlichkeit des FIFA-Präsidenten, der pietätlos und unempathisch mit diesen Selfies wohl Pelés und seine eigene Unsterblichkeit dokumentieren wollte.

Diese neuste Gefühls-Entgleisung des FIFA-Präsidenten wirft verschiedene Fragen auf: Einmal, ob Gianni Infantino für den Welt-Fussballverband nicht verstärkt zum Reputationsrisiko wird und als Grossverdiener für diese Institution, einem Verein nach Schweizerischem Recht mit ideeller Zweckausrichtung, überhaupt noch tragbar ist (gemunkelt wird, Gianni Infantino generiere derzeit ein Jahresgehalt von fast 5 Millionen Schweizer Franken). In der Tat wäre dies, sollte dem so sein, ein gigantisches Salär im Rahmen eines ideell ausgerichteten, globalen Sportverbandes. Hierzu drängt sich ein Blick in die FIFA-Statuten auf. Art. 35 der FIFA-Verfassung sieht explizit vor, dass der Präsident ein positives Image der FIFA zu verbreiten hat; mit seinen Aktionen in Katar und in Brasilien ist dies Gianni Infantino wohl fast gelungen. Etwas unverbindlicher heisst es in der zitierten Statuten-Bestimmung: Er (der Präsident) «vertritt die FIFA im Allgemeinen». Darunter lassen sich zweifelsfrei auch Entgleisungen aller Art subsumieren. Schon aufgrund der Statuten und Regularien des Weltverbandes ist offensichtlich klar, dass niemand und nichts diesen «Präsidenten peinlich» stoppen kann.

Die definitive Ankunft des (Fussball-)Sports im globalen Öko-System

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(causasportnews / red. / 19. Dezember 2022) Das war sie also, die Fussball-WM-Endrunde in Katar. Was mit einem auch ausserhalb des Sportes speziellen Turnier in der Wüste begann, wurde am Finaltag zum absoluten Sport-Knaller der letzten Jahrzehnte. Kaum je war ein Fussballspiel in jeglicher Hinsicht derart herausragend wie die Finalissima zwischen Argentinien und Frankreich. Das Endspiel war der Abschluss einer grossen Party während rund eines Monats, zu der viele nicht hingehen wollten und dann doch gingen – und sich teils gezwungenermassen frühzeitig wieder verabschiedeten (Deutschland, die Schweiz, England, Spanien, Portugal, usw. Italien umging den moralischen Elchtest aus sportlichen Gründen). Hingehen, obwohl man nicht wollte. Auch im Sport ist Inkonsequenz ebenso erlaubt wie Scheinheiligkeit und das Setzen von Moralspritzen, wie die Endlos-Diskussionen von in Katar Beteiligten und Nicht-Beteiligten belegten. Am Schluss, am Finaltag, ging es nur noch um den Sport; und das war gut so. Und wie! Die Superlativen bezüglich der Qualität des Finalspiels überschlagen sich zu Recht. Was wäre gewesen, wenn sich Argentinien zum Weltmeister gemogelt hätte? Nein, Lionel Messi & Co. zeigten, dass ein Fussballspiel die höchste Potenz sportlicher Qualität erreichen kann, wenn man nur will; und wenn man es kann. Besser geht Fussball kaum mehr. War das so etwas wie Gerechtigkeit, die Katar und dem Weltfussball widerfahren ist, was sich in Doha zum Schluss der WM-Endrunde 2022 ereignet hat? Letztlich zählt eben doch der Sport, und an einer Fussball-WM-Endrunde soll letztlich der Sport prävalieren, obwohl in Katar unübersehbar war, dass die Fussball-Marketingmaschinerie den schlagenden Beweis erbracht hat: Der organisierte Sport auf diesem Niveau ist vollumfänglich im globalen Öko-System angekommen.

Fussball, Fernsehen, Flaschenbier – das war einmal die Trias der modernen Sportvermarktung. Heute ist der Fussball global geworden, und Europa ist auch nicht mehr der Fussball-«Nabel» der Welt. Die Globalität prägt den Sport, ebenso bilden die Wirtschaft und die Medien aller Art Pfeiler des globalen Sport-Establishments. In Katar setzte sich diese neu aufgestellte Trilogie im organisierten Sport durch.

Nun steht der neue Weltmeister fest. Mittelmass und Peinlichkeiten ereigneten sich lediglich nach dem Elfmeterschiessen, in dem der Weltmeister ermittelt wurde, als es endlos dauerte, bis Argentinien mit dem herausragenden Lionel Messi die Trophäe in die Höhe stemmen konnte. Die WM-Pokalübergabe war seit jeher insbesondere die Inszenierungsplattform des jeweils amtierenden FIFA-Präsidenten. Aktuell durfte sich der Walliser Gianni Infantino in Szene setzen. Er war Hauptverantwortlicher für die zähflüssige, sich mühsam dahinziehende Siegerehrung, da sich der FIFA-Herrscher, wie ein Deutscher Kommentator meinte, einfach nicht aus dem Bild drängen lassen wollte. Bis der Emir von Katar und Gianni Infantino den Pokal (zusammen!) den neuen Weltmeistern überreichten, mussten die Fussballanhängerinnen und -anhänger im Stadion und auf der ganzen Welt endlos warten. Ein geradezu peinliche FIFA-Choreographie wurde, je länger sie dauerte, zum Ärgernis. Die geschlagenen Franzosen wurden auf einem Fussball-Laufsteg regelrecht vorgeführt, der bemitleidenswert Kylian Mbappé als ausgezeichneter Spieler öffentlich regelrecht gegrillt und Funktionärs-Kitsch killten zwischenzeitlich die tolle Stimmung im Stadion. In einem dümmlichen Harry Potter-Mäntelchen musste dann Lionel Messi, allerdings erst nach der Pokalübergabe, als zum Fussball-Messias gewordenen Neo-Weltmeister auftreten; nichts war der FIFA zu einfältig, um sich in und bei Katar anzubiedern.

Nach dem grandiosen Fussballfest war diese Präsidenten- und FIFA-Selbstinszenierung auch ein Beweis dafür, dass der Weltverband mit seinen Funktionärs-Apparatschiks aus vergangenen Sport-Zeiten die Interdependenzen im modernen Sports noch nicht verstanden haben. Nämlich, was sich aus dem globalisierten Fussball herausholen liesse, nicht nur mit Blick auf die moderne Fussball-Trilogie. «Football, for the game, for the world, for the future», lautete vor Jahren ähnlich ein Slogan des Weltfussballverbandes. Und jetzt?

P-Verlängerung für Gianni Infantino?

Home of FIFA, Zürich, © Ed Coyle

(causasportnews / red. / 18. Dezember 2022) Zuerst fühlte er sich gemäss seinem skurrilen Auftritt in Katar unter anderem als Homosexueller, nun befasst sich der 52jährige Gianni Infantino mit der Zukunft, vor allem mit seiner eigenen, die für ihn nur heissen kann: «Wie lange bleibe ich noch FIFA-Präsident»?.- Möglichst lange natürlich. Mit der Länge ist es in vielerlei Hinsicht halt so eine Sache, auch mit der Länge der Präsidentschaft im Welt-Fussballverband. Drei Amtsperioden oder 3 x 4 Jahre darf der allseits ungeliebte Walliser als FIFA-Präsident (Kürzel «P» genannt) amten. So sehen es die FIFA-Statuten vor, die unter dem Vorgänger von Gianni Infantino, Joseph Blatter, gleichsam als Instrumentarium gegen das Sesselklebertum im Fussball-Verbandswesen, eingeführt worden ist. Gianni Infantino gehörte damals zu den treibenden Kräften, um die Präsidentschaft von Joseph Blatter zeitlich nicht ausufern zu lassen. Nach 17 Jahren FIFA-Präsidentschaft wurde der Vorgänger von Gianni Infantino regelrecht aus Amt und Würde gejagt. Es erbte eben Gianni Infantino. Männiglich ging davon aus, dass der aktuelle FIFA-Präsident bei der Wahl im kommenden Jahr letztmals für vier Jahre zum FIFA-Präsidenten gewählt würde. Wie von Insidern erwartet, würde Gianni Infantino alles unternehmen, um diese Amtszeitbeschränkung zu umgehen. Vermutet wurde, dass er die für ihn hindernde Statutenbestimmung bald einmal kippen lassen würde (causasportnews vom 28. November 2022). Nun versucht es der gelernte Anwalt mit einem juristischen «Bubentrick», wie er vor dem WM-Endspiel der nicht wahnsinnig erstaunten Fussballwelt und seinen Fussball-Kollegen mitteilte: Weil er 2016 lediglich das Amt von Joseph Blatter übernommen habe, befinde er sich nun in der ersten Amtsperiode (und nicht schon in der zweiten), was bedeute, dass seine dritte Amtsdauer dann bis 2031 dauern würde. Diese selbstverständlich nicht als Drohung zu verstehende Ankündigung wird vor allem in den Nationalverbänden, welche den Präsidenten jeweils zu wählen haben, keine grossen Wellen werfen. Gianni Infantino versucht permanent, den zu verteilenden «Fussball-Kuchen» grösser, lukrativer, zu machen, und bei den Verbänden zählt letztlich das, was auf deren Konti fliesst. Also gibt es keine Gründe, dem durchwegs bizarr auftretenden FIFA-Präsidenten aus dem Wallis künftig die Gefolgschaft zu verweigern oder sogar einen Gegenkandidaten in Stellung zu bringen. Wie kündigte und bekräftigte es Gianni Infantino doch in Doha? Mehr Teilnehmer an der WM-Endrunde, eine Aufblähung der Klub-Weltmeisterschaft, Schaffung einer FIFA World Series (ein alle zwei Jahre stattfindendes Mini-Turnier mit Teams aus unterschiedlichen Kontinenten); also mehr Spiele = mehr Erlöse aus der Vermarktung, also mehr Geld, das an die Nationalverbände verteilt werden kann. So funktioniert heute das Prinzip Fussball auf höchster Ebene. Zum Wohle des Sportes und vor allem zum Wohle der Funktionäre, die bestrebt sind, möglichst lange an den Fussball-Honigtöpfen zu kleben.

Gianni Infantino – der Fussball-Messias wieder unter uns

(causasportnews / red. / 28. November 2022) Seit seiner Wahl zum FIFA-Präsidenten im Jahr 2016 ist der Walliser Gianni Infantino dieser Welt entrückt, lebt in einer Parallelwelt und umkreist unseren Planeten in verschiedenen Sphären. Von der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen, bedient er sich an den Honigtöpfen des Weltfussballs und manifestiert so irdisch-menschliche Züge; sonst ist er aber weitgehend kein Individuum dieser Welt. Seine «Projekte», die er in verschiedenster Art dem Planeten Erde verkündet, was zuweilen auch als Drohungen zu verstehen sind, müssen als Rohrkrepierer ohne Umsetzungschancen bezeichnet werden; oder es sind einfach Lebenszeichen aus dem Universum. Nun ist er zurück auf dieser Welt, und wie! Nachdem die Empörungsgesellschaft seit dem Beginn der Fussball-WM-Endrunde in Katar den Ausrichterstaat geradezu basht (der Ball rollt nun trotzdem), ist seit ein paar Tagen Gianni Infantino ins Fadenkreuz der medialen Schriftgelehrten und Pharisäer geraten. Seit seiner kruden Rede, welche seinen Wohlfühlzustand illustrieren sollte, ist Gianni Infantino zum Gespött der Welt geworden. Hätte er es doch so gehandhabt wie mehrheitlich bis zum WM-Endrunden-Auftakt in Katar: Si tacuisses… (hättest Du doch geschwiegen!). Der 52jährige Walliser aus Brig ist sogar zum Feindbild (fast) aller geworden. «Vom Briger Bub zum Bösewicht», titeln etwa die Zeitungen und gelangen zur Konklusion, dass der aktuelle FIFA-Präsident nicht besser sei als sein Vorgänger im Amt, der aus Visp stammende Joseph Blatter. Mit derartigen Qualifikationen wird man allerdings beiden Personen nicht gerecht, denn insbesondere hat Joseph Blatter für den Welt-Fussball auch Enormes geleistet und bewegt. Das kann von Gianni Infantino nicht gerade behauptet werden, doch er hat nun noch fünf Jahre Zeit, um seine Erfolgsbilanz aufzupolieren. Gemäss FIFA-Statuten soll der Briger 2027 abtreten. Doch die Meinungen gehen eher dahin, dass es Gianni Infantino schaffen wird, diese Alters-Guillotine in der Verfassung des Weltverbandes auszuhebeln. Wie würde es Joseph Blatter in Anlehnung an den Messias sagen: «Meine Mission ist noch nicht beendet». Will wohl besagen, dass zumindest die Grundsatzphilosophie der beiden Walliser in etwa die gleiche ist und unter Gianni Infantino gleich bleiben wird. Beide haben die Bedeutung des Fussball-Ökosystems erkannt: Man mache den «Fussball-Kuchen grösser und lasse alle (Nationalverbände = Präsidentenmacher) noch mehr am Erlös des «Kuchenverkaufs» teilhaben; das stimmt mehr als fröhlich. Apropos Joseph Blatter und Gianni Infantino: Derzeit wird vor allem am FIFA-Hauptsitz in Zürich darüber befunden, was den Mann aus Visp (Joseph Blatter) vom Emporkömmling aus Brig (Gianni Infantino) unterscheidet. Der eine komme aus Visp, der andere aus Brig…

Der FIFA-Präsident wird so rasch nicht in den Himmel, wo er her kommt, zurückkehren, auch wenn er sagt, man könne ihn kreuzigen; dafür sei er da. Typisch Messias halt. Im Moment erfüllt er eine wichtige Mission, man solle ihn kritisieren, nicht Katar, nimmt er die Last der umstrittenen WM-Vergabe auf sich. Dabei ist allerdings klar: Er hat gar nichts gemacht! Der Englische «Guardian» bringt es wohl auf den Punkt, wenn er meldet: «Hier ist er: Fussball-Jesus. Seht, denn er wandelt unter uns.». Wie wahr, denn zwischenzeitlich hat sich auch die Diskussion um den Wohnsitz des FIFA-Präsidenten entschleunigt. Gianni Infantino ist, wie nun eindeutig belegt ist, nie in Katar wohnhaft gewesen (wie dies die Medien seit Monaten kolportieren) und ist es auch jetzt nicht. Der FIFA-Präsident ist lediglich vom steuergünstigen Küsnacht ZH ins noch steuergünstigere Zug übersiedelt, wo sein Jahressalär von rund vier Millionen Franken selbstverständlich, jedoch favorisiert, besteuert wird. Kreuzigt also den FIFA-Präsidenten! Wofür jedoch? Aber das hatten wir doch schon alles einmal.

Und endlich rollt der Ball…

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(causasportnews / red. / 21. November 2022) Nun hat sie also begonnen, die Fussball-WM-Endrunde 2022 in Katar. Es ist so etwas wie die Reinkarnation des Bösen, die am 2. Dezember 2010, als die WM-Endrunden an Russland (2018) und eben an Katar (2022) im FIFA-Hauptquartier in Zürich vergeben wurden, ihren Anfang genommen hat und sich nun die düsteren Prophezeiungen im Wüstenstaat erfüllen. Russland vor mehr als vier Jahren war selbstverständlich kein Problem, die WM-Endrunde war «die Beste aller Zeiten» (so sagte es der FIFA-Präsident damals zu seinem Freund Wladimir Putin); die Schergen im Kreml hatten die Krim 2014 lediglich elegant annektiert und auch sonst mit ihren menschenfreundlichen Aktivitäten rund um den Globus nicht viel Unfug in der Welt angerichtet. Aber nun Katar – das menschgewordene Feindbild der übrigen Welt! Was seit 12 Jahren bekannt ist und beschlossen wurde (und längst hätte korrigiert werden können: vgl. etwa causasportnews vom 11. November 2022), hat kurz vor dem Eröffnungsspiel und ein paar Wochen vorher zunehmend Argumente für die Empörungs- und Moralistengesellschaft abgegeben. Vor allem die modernen Schriftgelehrten (Journalistinnen und Journalisten) und Pharisäer auf der ganzen Welt können sich seit einiger Zeit kaum mehr erholen und triefen vor Selbstgerechtigkeit und moralisieren in unerträglicher Weise gegen den Wüstenstaat und diesen Teil der arabischen Welt. Fussball in Katar – geht gar nicht; das Geld der Katari einheimsen (nicht nur in Frankreich) – geht; um Energieressourcen betteln, wie insbesondere die Deutsche Regierung in Katar – geht; sich verlustieren im arabischen Luxus – geht; Urlaub in Dubai und Katar machen – geht; mit Blattgold überzogene Steaks essen wie Franck Ribéry in Dubai – geht natürlich; im Reichtum in Doha mitschwelgen – geht auch; nur Fussball soll nicht gehen.
Was nicht mehr abzuwenden ist, muss angenommen werden. So einfach ist das. Also wird jetzt in Katar Fussball gespielt. Man wünscht sich das Pharisäertum und die Doppelmoral um die WM-Endrunde in Katar nun einfach weg. So muss für den FIFA-Präsidenten Gianni Infantino sogar Verständnis aufgebracht werden, wenn er sich wegen des mundialen Trommelfeuers gegen Katar enerviert. Bei einem solchen Fait accompli, wie wir es derzeit haben, bleibt in Gottes Namen nur noch die Gefühlsebene. Da ist der FIFA-Präsident nahe zu Lothar Matthäus gerückt, der die Welt einmal wissen liess, dass er vom Feeling her ein gutes Gefühl habe. Gianni Infantino hat es wohl richtig gedacht, als er sich kurz vor dem Katar-Event den Balanceakt mit den Gefühlen wagte und sich gemäss seinen Worten sogar als Homosexueller fühlte. Bizarr findet die Weltpresse, seien die Artikulationen des obersten Fussballers gewesen, Zweifel an der geistigen Fitness des Nachfolgers von Joseph Blatter auf dem FIFA-Thron wurden geäussert. Loriot hätte jedenfalls seine helle Freude am bemitleidenswerten Schweiz-Einwanderer aus Italien gehabt. Dass dem 52jährigen Walliser das ewige Genörgel der modernen Schriftgelehrten und Pharisäer (die aktuell perpetuieren, was der andere Matthäus in seinem Evangelium festhielt) um den Austragungsort Katar zuviel wurde, ist irgendwie verständlich. Nicht gut kommt es in der Empörungs- und Neidgesellschaft an, wenn an sich Evidentes von einem eh schon umstrittenen und unbeliebten Fussball-Präsidenten mit fliegenbeinschwacher Artikulation verbreitet wird.
Doch nun rollt der Ball – und nicht nur die Sport-Welt wird sich während vier Wochen mit dem abfinden (müssen), was unabänderlich ist, jedoch durchaus hätte abwenden können – auch nach dem Vergabeentscheid am 2. Dezember 2010 in Zürich. On verra. Eines hat das Gerangel um den WM-Endrunden-Austragungsort bewiesen und das ist ein Gütesiegel für diese Sportart: Der Fussball ist wohl das Wichtigste auf dem in letzter Zeit arg durchgeschüttelten Planeten.