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«Webinar»-Spezial zum Sport-Arbeitsrecht

(causasportnews / red. / 1. Dezember 2020) Die «COVID-19»-Pandemie wirkt auch auf den Sport wie ein unkontrollierbarer Impakt. Abgebrochene und verkürzte Sportveranstaltungen kosten durchwegs mehr als mit ihnen Mittel generiert werden können. Angesichts der regelmässig überdurchschnittlich hohen Aufwandposition „Personalkosten“ suchen Klubs in den gängigen Mannschaftssportarten nach Mittel und Wegen, um etwa die Gehaltskosten der Sport-Protagonisten zu reduzieren. Diskussionen über Gehaltsverzichte und -kürzungen wurden schon während und nach dem «Lockdown» in der ersten Jahreshälfte meist emotional geführt. Aber es stellen sich hierzu auch diverse, vor allem juristische Fragen, wie beispielsweise: Wie ist ein Gehaltsverzicht oder eine Salärkürzung rechtlich zu qualifizieren? Dürfen Sportler-Saläre einseitig gekürzt werden und wird Einvernehmlichkeit benötigt? Was ist in Arbeitsverträgen allenfalls vorzukehren, um für künftige Krisenfälle mit Mittelknappheit gewappnet zu sein? Welche Vergütungsstrukturen im Sport-Arbeitsrecht lassen sich aufgrund der «COVID-19»-Thematik allenfalls andenken? Diese und weitere Fragen und Themenbereiche behandeln Fachleute für Sport-Arbeitsrecht aus der Schweiz, aus Deutschland und aus Österreich im Rahmen eines speziellen Webinars, das am 9. Dezember 2020 zwischen 16.00 und 17.30 Uhr durchgeführt wird.

Die Teilnahme ist kostenlos, die Anmeldung erfolgt über den Link http://zoom.vinber.org/

Organisation: Dr. iur. Marco Del Fabro, Zürich (E-Mail: bfms-law.ch); Prof. Dr. iur. Philipp S. Fischinger, Mannheim (E-Mail: philipp.fischinger@jura.uni-mannheim.de)

«COVID-19» und Sport: An den Resultaten lässt es sich erkennen…

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(causasportnews / red. / 31. Oktober 2020) Im zu Ende gehenden Monat lässt sich mit Blick auf «COVID-19» eine ernüchternde Bilanz ziehen: Die sog «zweite Welle» hat die Länder dieser Erde mit voller Wucht erfasst. Überall steigende Fallzahlen, rundum ein Desaster bei der Bekämpfung der Pandemie und panische Reaktionen seitens der Politik, der an sich die Aufgabe zukäme, der Seuche rigoros entgegen zu treten; zu agieren statt nur zu reagieren. Statt sich nach dem Abklingen der «ersten Welle» im Frühjahr/Sommer auf die von Fachleuten prognostizierte «zweite Welle» vorzubereiten, wurden die Expertenmeinungen in den Wind geschlagen und vor allem um Kompetenzen und politische Macht gerungen. Mit dem Resultat, dass uns «COVID-19» nun schlicht unvorbereitet trifft und die Politik hierauf konzeptlos reagiert. Dabei hätte die Zeit im Sommer genützt werden müssen, um der nun erneut aufgetretenen Bedrohung wirksam begegnen zu können. Die Wirtschaft, die man immer noch mit lauen Massnahmen zu schützen glaubt, wird mit diesem chaotischen, panischen Gebaren wohl kaum effizient gestützt werden können. Keine Linie, keine stringente Führung, kein Mut, kein Konzept, wie man diesem unsichtbaren Feind begegnen müsste – so wird nun etwa die Schweiz von «Corona» wiederum erneut voll getroffen. Es wird uns wiederum vorgeführt, dass ein Krieg mit einer lauen, weitgehend unqualifizierten Polit-Kaste, die vorwiegend auf Machterhalt bedacht ist, nicht zu gewinnen sein wird. Aber wie sagte es unlängst ein Zürcher Unternehmer: «Mit diesem Volk kann man eben keinen Krieg gewinnen». Das Verhalten des «Volkes» ist in der Tat so unverständlich wie gruslig; und das entlastet die kopf- und konzeptlos Reagierenden etwas. Die immer wieder pathetisch beschworene «Eigenverantwortung» der Bürgerinnen und Bürger ist nichts als ein schlechter Scherz, «Disziplin» ein Fremdwort, und «Solidarität» ist ein schön tönendes Relikt aus Wohlfühl-Zeiten. Dass nun (erneut) der wirtschaftliche Kollaps verhindert werden soll, ist zwar ein sinnvolles Ziel, aber tatsächlich wird die Bekämpfung der Seuche auf dem Altar des Wirtschaftlichen geopfert. Man will zwar die Pandemie bekämpfen und besiegen, jedoch nur so, dass die Wirtschaft keinen Schaden nimmt. Als ob der Schaden nicht schon voll angerichtet wäre – mit derzeit einem Heer von Arbeitslosen und Teil-Arbeitslosen sowie konkursiten Unternehmen; mit undurchdachten Finanzspritzen und dem Abwurf von «Helikoptergeld» wird versucht, wenigstens den Eindruck zu erwecken, dass alles gar nicht so schlimm sei. Dazu kommen geradezu dümmliche Aussagen von Politikerinnen und Politikern, unter denen es ebenso viele Ignoranten, Querulanten und Egoisten gibt wie in der Bevölkerung. Durchwegs lässt sich die Politik in der Krise von Interessenvertreterinnen und -vertretern jedwelcher Couleur zu Kompromissen zu Lasten der Pandemiebekämpfung nötigen. Die Wirtschaft treibt die Politik vor sich her. «Die Wissenschafter sind sehr wichtig für uns, aber sie regieren nicht die Schweiz», lässt sich etwa derzeit in den Medien der Schweizerische Gesundheitsminister zitieren. Die Experten sagen und warnen – die Regierenden ignorieren. Aber auch so war es schon immer: Ab und zu gibt es zudem bekanntlich auch heute noch Fälle, in denen Frauen nur ein bisschen schwanger werden.

In diesem Chaos und im Rahmen dieser Führungslosigkeit und Ignoranz werden Massnahmen angeordnet, die der aktuellen Situation nicht einmal ansatzweise gerecht werden. An den Resultaten kann man die Lage allerdings glasklar erkennen, könnte man frei nach dem Apostel Johannes die derzeitige Lage zusammenfassen. Katastrophale Zustände beherrschen nun die Schweiz, in Deutschland versucht Bundeskanzlerin Angela Merkel wenigstens das im Rahmen des politisch Möglichen mit Blick auf die Bekämpfung von «COVID-19» zu erreichen. Die in dieser Woche in Deutschland angeordneten Massnahmen, die das öffentliche Leben zwar herunterfahren, sind aber effizienter als das, was die Schweizer Politik trotz Warnrufen der Fachleute verordnet. Die Gesamtsituation in der Eidgenossenschaft ist derzeit schlicht katastrophal. An den Fallzahlen kann man das wahre Ausmass des Desasters erkennen; Schönfärberei dient nur noch zur Beruhigung der Lage.

Ehrlichkeit prägt jedenfalls den Sport. An den Resultaten lässt sich bekanntlich erkennen, ob Sportlerinnen und Sportler reüssieren oder nicht. Obwohl der Sport, wenn er überhaupt und dann vor leeren Zuschauerrängen stattfindet, derzeit nur noch ein künstliches Blasendasein fristet, ist es evident, dass er sich in der Agonie befindet (causasportnews vom 26. Oktober 2020). Wäre nicht der Glaube an das Wirtschaftliche die Triebfeder der aktuellen sportlichen Betätigung, würde er gar nicht mehr stattfinden. Der organisierte Sport wird nur noch mit staatlichem Interventionismus zu retten sein. Vor allem im Fussball und im Eishockey wird jetzt laut nach staatlicher Direkthilfe gerufen. Dieser Ruf wird zweifelsfrei erhöht werden, denn aufgrund wirtschaftlicher Kriterien (sic!) ist es zur Staatsaufgabe geworden, dass der organisierte und ehemals nur privat finanzierte Sport als Teil der Bespassungsindustrie am Leben erhalten werden soll. Nicht nur die Sicherung der Elementarbedürfnisse ist Sache des Staates; dieser hat auch dafür zu sorgen, dass sich die Bürgerinnen und Bürger ausgiebig bespassen lassen können – in der Freizeit, im Urlaub, kulturell – und im Sport. «Bespassung» als Grundrecht also. Das alles ist aber nichts neues. Nicht nur «Brot» soll der Staat sichern, sondern auch für «Spiele» sorgen. «Panem et circenses» – auch diesbezüglich wiederholt sich die Geschichte.

Der Sport vor dem Total-Kollaps

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(causasportnews / red. / 26. Oktober 2020) Es wäre selbstverständlich wünschenswert und würde jeder Wunschvorstellung entsprechen, wenn die obige Überschrift zumindest mit einem Fragezeichen versehen werden könnte. Die Realität ist allerdings eine andere, im Allgemeinen und im Besonderen. «Corona» beschert der Welt und letztlich auch dem Sport, um den es sich an dieser Stelle jeweils direkt und indirekt geht, einen Total-Kollaps (Kollaps, aus dem Lateinischen «collabi», zusammenbrechen).

Allgemein: Die zweite «Welle» von «Corona» hat die Welt mit voller Wucht getroffen. In der Schweiz schnellen die Infektionszahlen in die Höhe; nur im Vatikan sind die Zahlen noch alarmierender. Konnte im Frühjahr noch das Überraschungsmoment der Pandemie als Entschuldigung für das Versagen vorwiegend der Politik bei der Bekämpfung des unsichtbaren Gegners ins Feld geführt werden, haben die politisch Verantwortlichen mit Blick auf die seit Monaten angekündigte nächste «Welle» schlicht nichts Notwendiges getan – und die Warnungen der Experten in den Wind geschlagen: Die Krise wurde ignoriert, heruntergespielt und verwaltet. Noch nie hat es ich so drastisch gezeigt, dass Politiker/innen nicht in der Lage sind, den Kampf gegen eine solche Pandemie effizient und nachhaltig zu führen. Hinzu kam und kommt eine katastrophale Kommunikation, welche weder ehrlich noch glaubwürdig war – und immer noch ist. Die Regierungen reagierten weltweit kopflos und panisch. Agieren war und ist für sie ein Fremdwort. Wie soll einer Bevölkerung nun vertrauenserweckend erklärt werden, dass Schutzmasken bei der Krisenbekämpfung wichtig sind, wenn man zuvor deren Wirksamkeit marginalisiert hat (weil schlicht keine vorhanden waren), wie das etwa der Schweizerische Bundesrat getan hat? Apropos Nutzeffekt von Schutzmasken: In der Medizin werden Masken seit Jahrzehnten verwendet – wohl eben, weil sie nutzlos sind…Dass beispielsweise im Kanton Zürich die verantwortliche Gesundheitsdirektorin in einer Panikreaktion für viel (Steuer-)Geld zwei Masken-Produktionsmaschinen gekauft hat, und diese Maschinen wegen technischer Schwierigkeiten bis heute keine einzige Maske produziert haben, ist geradezu ein Schulbeispiel einer Panikreaktion, die den entsprechenden Schluss auf das heutig Polit-Niveau zulässt. Die Verfolgung ideologischer Ziele scheint oft im Vordergrund zu stehen; in der Schweiz hat sich mit der Entschleunigung des gesellschaftlichen Lebens im Zuge von «Corona» die Hinwendung zu bereits vorhandenen kommunistischen Verhältnissen beschleunigt. Nach dem im März gesprochenen Geldsegen wird wohl demnächst wieder «Helikoptergeld» verteilt und demnächst ein bedingungsloses Grundeinkommen eingeführt werden. Die Frage, wer das alles bezahlen soll, wird, wie in kommunistischen Verhältnissen üblich, nie hinterfragt, schon gar nicht einmal gestellt. Der Geldregen, der im Frühjahr auf die Schweiz niederprasselte, war teils ein Abbild der Verhältnisse im organisierten Fussball: Durch Geldgeschenke sichert man sich (Wähler-)Stimmen. Allerding ist festzuhalten, dass nicht nur «Corona» das Wirtschaftsleben weitgehend zum Erliegen gebracht hat, sondern diesbezüglich in Staat und Gesellschaft seit Jahren an potemkinschen Dörfern gezimmert und an des Kaisers neuen Kleidern gewoben worden ist. Die Wirtschaft war schon vor «COVID-19» in Teilbereichen eine Blase, die das Virus nun zum Platzen gebracht hat. Mit «Corona» lässt sich derzeit alles entschuldigen – auch  den Crash in wichtigen Bereichen der Wirtschaft. Die Situation präsentiert sich derzeit, nüchtern betrachtet, katastrophal – nicht nur mit Blick auf das Heer von Arbeitslosen. Dabei hat es sich im Kampf gegen das Virus gezeigt, dass die Demokratie als Staatsform lediglich ein Schönwetter-Konstrukt darstellt, dieses aber zur Krisenbewältigung absolut ungeeignet ist. Dass sich derzeit Bund und Kantone über Kompetenzen bezüglich notwendiger Massnahmen in den Haaren liegen und Diskussionen rund um den helvetischen Föderalismus geführt werden, statt zu handeln, sagt alles (auch in Deutschland ist der entsprechende Streit zwischen Bund und Ländern in vollem Gange; hier mischt auch noch die Justiz mit, und angeordnete Massnahmen werden von Gerichten wieder aufgehoben). Bedenklich ist etwa, dass Fachleute, die eine «Task-Force» bilden, die Schweizer Regierung und die Kantone zur Ergreifung von Massnahmen auffordern, jedoch diese Empfehlungen von der Politik ignoriert werden; das spricht für sich. Allerdings darf und muss in der Schweiz zu Gunsten der nun dem immer mehr dem Volkszorn ausgesetzten nationalen Regierung und der kantonalen Exekutiven ins Feld geführt werden, dass sie es mit dem «Volk» auch nicht leicht haben, wobei sie gewisse Verhaltensweisen in der Bevölkerung aber auch provoziert haben. Im «Volk» finden sich nicht wenige Ignoranten, Dilettanten, Querulanten und Egoisten, weshalb die Appelle an Vernunft, Eigenverantwortung und Disziplin weitgehend wirkungslos verpuffen. Direkt oder indirekt wird durch das Wahlvolk Druck auf die Regierenden ausgeübt, um zu erwirken, dass bei an sich dringlichen Massnahmen «pro libertate», zugunsten der individuellen Freiheit und mit Blick auf die Wirtschaft entschieden wird. Das Volk will Brot und Spiele! Die Politik hat jedenfalls das gesundheitliche Wohl des «Volkes» nicht primär im Auge, sondern wirtschaftliche und hedonistische  Aspekte prävalieren durchwegs. Die Wirtschaft mit ihren Lobbyisten, Mischlern und Mauschlern treibt die Politik auch mit Blick auf den Kampf gegen die unheimliche Seuche vor sich her. So lässt sich der unsichtbare Gegner jedenfalls nicht bezwingen, und es muss die heutige, allgemeine Lage in jeder Hinsicht als katastrophal qualifiziert werden.

Und der Sport? Dieser wird bekanntlich geprägt durch Fussball, Fernsehen und Flaschenbier. Der Sport bedeutet also sportlich Aktivität, wirtschaftliches Bestreben und die Einbindung der Medien in das Sport-Business als Überbringer sportlicher Botschaften. Die Medien manifestieren in dieser Krise verstärkt vor allem die seit geraumer Zeit bestehende Orientierungslosigkeit. Interessengruppierungen und Ideologen aller Schattierung verschaffen sich Gehör. Die Medien-Konsumenten werden mit Kommentaren und Meinungen aus verschiedensten, medialen Küchen überhäuft und regelrecht desinformiert. Zu sagen und zu schreiben, was ist – das war einmal, vor allem zur Zeit von «Spiegel»-Gründer Rudolf Augstein. Der Zustand der Wirtschaft wird sich in nächster Zeit zweifelsfrei noch negativer als jetzt schon auf den organisierten Sport auswirken. Dieser befindet sich regelrecht in der «Agonie». Einmal ehrlich: Welche Unternehmung wird eine «Plattform Sport» so, wie sie sich derzeit präsentiert, noch werblich nutzen wollen? Vermitteln «Geisterspiele» in Mannschaftssportarten wirklich die dem Sport eigene Emotion? Ohne oder mit wenig Publikum ist «König Fussball» doch nichts anderes als ein wirtschaftlich nicht mehr nutzbares Spiel. Kein Event mehr, das bewegt und nur deshalb auch für die Werbewirtschaft attraktiv ist. Demnach eine blutleere, sterile Angelegenheit, die sich so auf lang Sicht nicht mehr vermarkten lässt. Nochmals ehrlich: Dass im Moment überhaupt noch Fussball-Wettbewerbe stattfinden, hängt, realistisch gesehen, nur noch einem dünnen, wirtschaftlich gesponnenen Faden. Im Moment zittern sich Fussball- oder Eishockey-Meisterschaften durch. Die Ungewissheit, wann «Corona»-befallene Mannschaften das nächste Spiel vor keinen oder wenigen Zuschauern austragen können, verhilft dem Sportbetrieb nicht gerade zu Glanz und Glanz und Gloria. Aktuell betrachtet ist er bereits kollabiert und wird nur noch aus wirtschaftlichen Gründen künstlich am Leben erhalten – aber kaum jemand will das eingestehen. Die Hoffnung stirbt zuletzt, obwohl sich die «Corona»-Ansteckungen bspw. in Sport-Mannschaften mehren und an einen geordneten, sportlichen Wettbewerb nicht mehr zu denken ist. Und das alles soll uns unter anderem die Dosis «Hoffnung» applizieren, dass der virale «Spuk» bald vorbei sein wird. Erst dann wird der Sport, in welchen Formen auch immer, eine Renaissance erleben; «Corona» wird auch den künftigen Sport jedoch zweifelsfrei prägen. Die Ungewissheit bleibt, weshalb sich derzeit auch kaum jemand mit den verschobenen Olympischen Spielen in Tokio, die in wenigen Monaten nachgeholt werden sollen, auseinandersetzen mag. Oder etwas mehr als in einem halben Jahr soll die Fussball-Europameisterschaft an zwölf Austragungsorten durchgeführt werden. Zwölf Austragungsorte ohne Publikum vielleicht? Hierzu hüllt sich der Europäisch Fussballverband (UEFA) in Schweigen. Auch die seit 2019 Qualifikationsspiele zur Fussball-WM-Endrunde 2022 in Katar sind derzeit kein Thema. Der Welt-Fussballverband FIFA darf sich plötzlich glücklich schätzen, dass die Endrunde in Katar erst zu jenem Jahresende stattfinden wird und nicht schon im Sommer 2022 ausgetragen werden muss. Dieses halbe Jahr könnte bezüglich Durchführung oder Nicht-Durchführung der WM-Endrunde entscheidend werden. So wartet auch die Sportwelt sowie der organisierte Sport, der im Moment faktisch so tot ist wie die gesamte, weltweite Bespassungsindustrie, darauf, dass es bald vorbei sein möge. In dieser Situation ist letztlich auch das Bonmot «Der Sport ist tot – es lebe der Sport» reiner Zynismus. Nobody knows…

(Autor: Prof. Dr. iur. Urs Scherrer)

Zunahme von Sportmanipulationen im Zusammenhang mit Wetten

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(causasportnews / red. / 12. Oktober 2020) Seit geraumer Zeit ist es eher ruhig um das Thema Sportmanipulationen im Zusammenhang mit Sportwetten geworden. COVID-19 und das weltweit reduzierte sowie eingeschränkte Sportangebot haben nun aber dazu geführt, dass die Vorgänge aus dem Ruder laufen. Das will heissen: Verknappter Sport – verwildertes Sportwettenangebot. Bei den soeben zu Ende gegangenen French Open der Tennisspieler/innen untersuchen die französischen Strafverfolgungsbehörden derzeit zumindest eine Partie im Frauendoppel. Seit «Corona» wütet, spielt auch der Sportwettenmarkt verrückt. Will heissen: Es wird mehr manipuliert im Sport – mit Blick auf Sportwetten. Nicht die Wetten werden dabei beeinflusst, sondern der Sport, auf den dann gezielt gewettet wird. Die abgekarteten Spiele haben einen umtriebigen Schweizer Politiker dazu bewogen, mit einer Eingabe an den Europarat zu gelangen. Nationalrat Roland Rino Büchel ist stets präsent, wenn es gilt, die Integrität des Sportes zu schützen; er gehört zu den grössten Kritikern der «alten» FIFA unter Joseph Blatter. Notiz am Rande: Der St. Galler Politiker der Schweizerischen Volkspartei (SVP) nennt sich auch «Sportmanager»; allerdings ist für ihn seine frühere Tätigkeit bei der Zuger Rechte-Vermarktungsgesellschaft «Infront», zur Zeit von Roland Rino Büchel etwa als «ISL» auftretend, kein Ruhmesblatt. Aber in diesem vom Blatter-Neffen Philippe Blatter geführten Unternehmen, das wegen Unregelmässigkeiten soeben das langjährige, äusserst lukrative Mandat des Deutschen Fussball-Bundes (DFB) verloren hat (vgl. auch causasportnews vom 23. Juni 2020), ist er wohl bezüglich dieses «heiklen» Segmentes im Sport sensibilisiert worden.

Der Aktionismus von Roland Rino Büchel in Strassburg dient dem ehrgeizigen Ostschweizer wohl am meisten persönlich. Die Situation im Sportwettenbereich bietet ihm auch in «Corona»-Zeiten die Gelegenheit zur Selbstdarstellung. Dass der Europarat das Problem wird lösen können, glaubt Roland Rino Büchel wohl selbst nicht. Wer denn? Sicher nicht die Sportverbände und -organisationen. Nach grossen Bestrebungen zum Integritätsschutz nach der Affäre «Robert Hoyzer» in Deutschland (2005, ein Jahr vor der Fussball-WM-Endrunde in Deutschland, das als «Sommermärchen» in die Sportgeschichte einging), hat der Integritätsschutz seitens des organisierten Sports in den letzten Jahren an Bedeutung und Aufmerksamkeit verloren. Nur die staatlichen Strafverfolgungsbehörden sind offensichtlich in der Lage, dieser für den Sport gewaltigen Bedrohung Herr zu werden. Aber das scheint aufgrund der Entwicklungen, die sich im Zeitalter von «Corona» noch akzentuiert haben, zu wenig zu sein. Der Ruf aus der politischen Schweiz nach Europa, und das aus dem Munde eines Anti-Europa-Parteivertreters, lässt den Schluss zu, dass der Kampf gegen den Integritätsverlust im Sport nur auf europäischer Ebene effizient geführt werden kann. Nach Auffassung von Roland Rino Büchel sind in diesem Segment längst die grossen, international aktiven Verbrechersyndikate tätig. Mit dieser Feststellung liegt er sicher nicht falsch – nur: Wie lässt sich diese Gefahr letztlich vom Sport abwenden?

Rausschmiss nach Lohnverzichts-Weigerung

(causasportnews / red. / 9. Oktober 2020) Im Zuge von «Corona» werden auch viele Klub-Kassen klammer und klammer. Oft werden deshalb, insbesondere im Fussball, nicht nur von den teils teuren Akteuren  Lohnverzichts-Erklärungen verlangt. Diese werden von diesen durchwegs sang- und klanglos hingenommen, doch es existieren auch Konstellationen, bei denen es die betroffenen Arbeitnehmer, teils selber wirtschaftlich unter Druck, schwer trifft und deshalb Lohnverzichte dornenvolle Angelegenheiten bilden. Wie die Dinge genau beim Deutschen Fussball-Weltmeister Kevin Grosskreutz liegen, kann derzeit nicht schlüssig nachvollzogen werden. Allein das Geld kann es aber nicht sein, was den 32jährigen Weltmeister von 2014 bewogen hat, bei seinem derzeitigen Klub, dem KFC Uerdingen 05 in der 3. Liga, nicht auf 30% seines Salärs zu verzichten. Die Reaktion des Vereins auf die Lohnverzichts-Weigerung liess jedoch nicht auf sich warten: Kevin Grosskreutz wurde fristlos entlassen. Natürlich zu Unrecht, denn ein aufgenötigter Lohnverzicht berechtigt einen Klub nicht, ein Arbeitsvertragsverhältnis ausserordentlicherweise zu beenden. Der smarte und kämpferische Top-Fussballspieler, der seine gefürchteten, polysportiven Fähigkeiten in den letzten Jahren auch ausserhalb des Sportfeldes mehrfach unter Beweis gestellt und durch die eine oder andere Aktion oder Attacke auf sich aufmerksam gemacht hat, versucht nun, die gesamten Lohnansprüche gegen Uerdingen gerichtlich durchzusetzen. Er wird wohl auch die ausserordentliche Kündigung des Arbeitsvertragsverhältnisses anfechten. Die Medien berichten süffisant und teils moralisch entrüstet über den neusten «Eklat» des so genannten «Skandal-Fussballers». Das stört den ehemaligen Weltmeister, der über Borussia Dortmund, Galatasaray Istanbul, den VfB Stuttgart und den SV Darmstadt 2018 beim KFC Uerdingen landete, nicht gross. Er kämpft wie gewohnt gradlinig um seine Rechte – im Moment, weil es unausweichlich scheint – auch vor Gericht. Bei guter, juristischer Chancenauswertung kann der Sieger in diesem Rechtsstreit, wie 2014 in Brasilien mit dem Deutschen WM-Team, nur Kevin Grosskreutz heissen.

Der Wertfaktor „Zuschauer/in“ im (Fussball-)Sport

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(causasportnews / red. / 24. September 2020) Ob man sich allmählich an den teilweisen oder gesamthaften Zuschauerausschluss in Sportstätten im Zeitalter von „Corona“, insbesondere im Zusammenhang mit Fussballspielen gewöhnt, ist eine Sache. Die andere Sache, die immer mehr Gesprächsstoff liefert, bildet der Umstand, dass offenbar nicht oder teils präsente Zuschauer/innen an Sportveranstaltungen durchaus einen Einfluss auf das Spielgeschehen, etwa über die Schiedsrichter, haben können. Sind dies also Wettbewerbsverzerrungen und falls ja: Sind diese hinzunehmen?

Der Einfluss von Zuschauern auf ein Spiel ist grundsätzlich unbestritten. Ein Fussball-Match ohne Zuschauer ist zwar eine relativ triste Sache; jedenfalls ist bei dieser Konstellation der Beeinflussungsfaktor bezüglich des Spiels gleich null. Werden bei einem Spiel allerdings ein paar hundert oder sogar mehrere tausend Zuschauer/innen zugelassen, kann der Wertfaktor „Zuschauer/in“ mit Blick auf das Spiel durchaus relevant werden. Zuschauermassen sind geeignet, etwa den Schiedsrichter zu beeinflussen. Sinnigerweise werden anlässlich der Fussballspiele seit dem Ausbruch der Pandemie die Video-Schiedsrichter (Video Assistant Referee, VAR) weniger bemüht; der Einfluss der Zuschauer auf den digitalen Spielrichter ist also evident. Derzeit laufen Untersuchungen in verschiedenen Ländern, um den Einfluss von Zuschauern auf den Spielverlauf zu untersuchen. Wahrscheinlich wird dereinst festgestellt werden, dass die Anzahl Zuschauer, die Zuschauer-Struktur sowie das Zuschauer-Verhalten an einem Spiel durchaus geeignet sind, das Spiel zu beeinflussen. Die zugelassenen Zuschauerzahlen sind von endogenen Faktoren, z.B. regionale Aspekte, allgemeine Pandemie-Lage am Austragungsort des Spiels) abhängig. Deshalb kann auch nicht von Wettbewerbsverzerrungen gesprochen werden. Auch hier gilt: Ungleichheiten gleichen sich (wieder) aus.

Schwindende Reserven und schwindendes Vertrauen im Weltfussball

Home of FIFA, Zürich, © Ed Coyle

(causasportnews / red. / 21. September 2020) Im Zuge von „Corona“ hielten die 211 Mitglieder des Weltfussballverbandes FIFA, ein Verein gemäss Art. 60 ff. des Schweizerischen Zivilgesetzbuches (ZGB) mit Sitz in Zürich, kürzlich die alljährlich stattfindende Vereinsversammlung („Kongress“ genannt) als „Onlinekonferenz“ (Selbstankündigung) ab. Zwar ist diese Form der Durchführung nicht satzungs- und rechtskonform; doch das störte die Teilnehmer am virtuell ausgetragenen Schauspiel nicht gross, denn immerhin sollen jetzt 1,5 Milliarden Dollar an COVID-19 geschädigte Nationalverbände ausgeschüttet werden. Das war doch schon einmal eine frohe Botschaft aus der FIFA-Zentrale an die Mitglieder des Weltverbandes. Wer sollte sich hier an Formalitäten stören? Nicht gross berührte auch die Ankündigung, dass die FIFA wegen „Corona“ einen Verlust von immerhin 794 Millionen Dollar erleiden soll. Allerdings ist diese Position in zeitlicher Hinsicht relativ undurchsichtig. Thema des Kongresses war das Vereinsjahr 2019. COVID-19 hält die Welt allerdings erst seit Beginn dieses Jahres in Atem. Wie dem auch sei: Weil der Verband in einem Vierjahres-Zyklus geschäftet und kalkuliert, schlägt die Stunde der wirtschaftlichen Wahrheit erst nach der WM-Endrunde 2022 in Katar – sofern sie dann stattfindet. Das „Corona“-Jahr 2020 wird aber auf jeden Fall ein Loch in die immer noch prall gefüllten FIFA-Schatullen reissen; die angehäuften Reserven dürften schwinden.

Zentral anlässlich der Onlinekonferenz war die Position des aus juristischer Sicht unter Beschuss stehenden FIFA-Präsidenten Gianni Infantino. Auch in diesem digitalen Rahmen versuchte sich der Präsident zu rechtfertigen und echauffierte sich über die Dreistigkeit der Ermittlungsbehörde, gegen ihn ein Strafverfahren zu eröffnen und zu führen. Klar, dass Gianni Infantino innerhalb der „FIFA-Familie“, wie der Verband unter Freunden genannt wird, deswegen nicht ins Wanken geraten wird. Problematisch könnte es für den Walliser erst dann werden, falls die „Corona“-Pandemie andauert und der Weltverband die Krise in finanzieller Hinsicht zu spüren bekommt. Jedenfalls war anlässlich des 70. FIFA-Kongresses kein Wort davon zu hören und es wurde keine Forderung dergestalt erhoben, der FIFA-Präsident solle Platz für eine unbelastete Person machen – auch wenn offensichtlich ist, dass das Vertrauen in Gianni Infantino nicht grenzenlos ist. Oder auch geschwunden sein dürfte.

Ein Reinigungsprozess des Sportes in Gerichtssälen

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(causasportnews / red. / 18. September 2020) Auch wenn man sich allgemein in Durchhalteparolen übt, ist es trist geworden im Sport. Gemeint ist an dieser Stelle der Sport, wie er derzeit in den Medien dargestellt wird. Dort findet er praktisch nicht mehr statt – weil an Aktuellem kaum etwas läuft, es wenig Freudvolles oder Dramatisches zu berichten gibt und über den Sportveranstaltungen durchwegs das Damoklesschwert von „Corona“ hängt. Formel 1-Rennen und Tennisturniere bereiten im derzeitigen Erscheinungsmodus nur beschränkt Freude; auch Fussballspiele ohne oder mit kaum Zuschauern schmälern die Attraktivität dieses Zweiges der Bespassungs-Industrie. Im Moment ist glücklicherweise noch die Tour de France unterwegs. Zwar ist der Ruf des Radsports längst ramponiert (allgegenwärtiges Doping, sicher in der Vergangenheit!), doch in der aktuellen Not an der Medienfront frisst der Teufel eben Fliegen. „La grande boucle“ zum Notnagel der aktuellen Sport-Berichterstattung geworden.

Auf die Sportteile in den gedruckten und auf Sport-Magazin-Sendungen in den elektronischen Medien könnte realistischerweise verzichtet werden. Glücklicherweise läuft derzeit einiges ab in den Gerichtssälen dieser Welt; mit Protagonisten aus und mit Vorkommnissen rund um den Sport. Das Sportrecht in dieser Form hat sich in dieser Krisenzeit den Hauptplatz in der aktuellen Berichterstattung erobert.

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Rund um Vorgänge im Weltfussball laufen Ermittlungen, oder diese sind Gegenstände von aktuellen Verfahren (etwa am Schweizer Bundesstrafgericht in Bellinzona).- In Deutschland wird derzeit der Strafprozess gegen den als „Doping-Arzt“ bezeichneten Sport-Mediziner Mark Schmidt und weitere Angeklagte geführt. Bezüglich des „Doping-Netzwerks“ des Erfurter Sport-Mediziners schaut seit Mitte dieser Woche nicht nur ganz Deutschland interessiert nach München (vgl. auch causasportnews vom 15. September 2020). Es wird mit Verurteilungen von Mark Schmidt und den Mitangeklagten gerechnet.- Ein Strafgericht in Paris hat soeben sein Urteil gegen den 87jährigen Ex-Präsidenten des Leichtathletik-Weltverbandes (IAAF), Lamine Diack, gefällt. Der langjährige, schillernde Spitzen-Funktionär aus Senegal ist wegen Doping-Vertuschungen, Schmiergeldzahlungen, Korruption und Geldwäscherei zu vier Jahren Haft verurteilt worden. Zwei Jahre davon soll er absitzen, doch wegen seines Alters dürfte der Strafvollzug ausgesetzt werden. Der „Pate“, wie Lamine Diack genannt wird, will zudem auch in Berufung gehen. Der Apfel fällt übrigens nicht weit vom Stamm, auch in der „Causa Diack“ nicht: Der Sohn des ehemaligen IAAF-Funktionärs wurde in Abwesenheit mit fünf Jahren Haft bestraft. Insbesondere soll er Dopingsperren gegen russische Athleten im Vorfeld grosser, internationaler Sportwettkämpfe verhindert haben.

Wenn es an Aktualität mangelt, bleibt Zeit und Raum für Aufarbeitungen im Umfeld des Sportes. Ein offenbar sich aufdrängende Reinigungsprozesse in Gerichtssälen stehen im Fokus des Sport-Interesses. Die hässlichen Seiten des Sportes sind das Glück der aktuellen Medien-Berichterstattung.

Einsiedeln“Kein Geldsegen für den „schiefen Turm von Einsiedeln“

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(causasportnews / red. / 11. September 2020) COVID-19 macht es möglich: Die weltweite Pandemie und der damit verbundene Geldsegen für die Wirtschaft haben in der Schweiz noch nie dagewesene Ausmasse angenommen. Kaum wurde der „Lockdown“ im März dieses Jahres angeordnet, begann die Regierung, der Bundesrat, das Füllhorn über der Schweiz auszuschütten. Das „Prinzip FIFA“ (die Gunst des Wahlvolkes kann man sich insbesondere durch pekuniäre Grosszügigkeit sichern) erlebte in der Politik ein Novum. Der Bundesrat liess die Milliarden praktisch willkürlich und nach Lust und Laune über das Land niederregnen, und sobald auch das Parlament wieder einigermassen funktionsfähig wurde, versuchte dieses alles, um die Exekutive in Sachen Grosszügigkeit noch zu übertrumpfen. In der aktuellen Session der Eidgenössischen Räte (National- und Ständerat) nimmt das Geldverteilen noch intensivere Formen an. Das Parlament will sich die Ausgabenhoheit in schwierigen Zeiten weitgehend selber zurückerobern. Die Grosszügigkeit der Räte in Ausnahmesituationen soll sogar gesetzlich normiert werden, und klar ist, dass nun auch die Bespassungsindustrie flächendeckend alimentiert werden soll. Was nützt z.B. eine breite Unterstützung der Luftfahrtindustrie, wenn die Reisebranche kollabiert? Weil auch die Linken Grünen und sogar Öko-Aktivisten gerne in der Welt herumfliegen, muss nun auch alles, was mit Aviatik zusammenhängt, gestützt werden; so vor allem die Reiseveranstalter und Reisebüros. Von entscheidender Bedeutung für die Parlamentarierinnen und Parlamentarier ist schliesslich, dass die staatlich unterstützte Luftfahrtindustrie von der öffentlichen Hand mitgetragen Billigflüge anzubieten im Stande ist. Das Terrain für ein bedingungsloses Grundeinkommen für alle ist geebnet.

Auch der Bespassungszweig „Sport“ kann von der Ausgabenlaune der Politik profitieren. Es werden nun die pekuniären Schleusen geöffnet, um die ganze Sport- und Eventindustrie flächendeckend zu stützen. Die ganze Branche? Nein, es gibt Ausnahmen wie im Gallischen Dorf bei Asterix, vor allem in den Segmenten, welche bezüglich der Stimmlaunen der Bürgerinnen und Bürger keine grossen Rollen spielen. Das betrifft etwa das historisch bedeutsam Dorf Einsiedeln in der Innerschweiz, das durch das berühmte Benediktinerkloster weltbekannt (geworden) ist. In diesem Dorf steht auch ein aus dem finanziellen Lot geratener Turm, der „schiefe Turm von Einsiedeln“. So wird die vor 15 Jahren in Einsiedeln gebaute Grossschanze genannt. Seit dem Baubeginn ist diese Sportstätte mit vier Schanzen eine finanzielle Leidensgeschichte. Bei der Projektierung der ambitionierten Anlage ist mehr oder weniger vergessen gegangen, dass Sprungschanzen nicht nur Bau- sondern auch Betriebskosten verursachen. Auch heute noch. Die Schanzenbetreiber hangeln sich diesbezüglich von Jahr zu Jahr durch. Derzeit müssten zudem die vier Anlaufspuren der Schanzen dringend saniert werden. In der Verantwortung steht seit Jahren eine alteingesessen Familie, die kein grosse Lust zu verspüren scheint, die im Moment notwendigen, ein paar hunderttausend Franken bereit- oder sicherzustellen. Gemäss verschiedenen Berichten scheint die finanzielle Lage katastrophal zu sein, und offenbar muss mit einem baldigen Kollaps des Einsiedler Sprungschanzenprojekts gerechnet werden. Es sei denn, ein Einsiedler Mirakulix warte noch mit einem Zaubertrank auf, nachdem das reiche Kloster, welches den nordischen Skisport in Einsiedeln auf vielfältig weise unterstützt, kaum zu einem Sonderopfer bereit sein wird und der klerikale Support ausbleiben dürfte. Klar, Skispringen fasziniert die breiten Massen kaum mehr, und der Schweizer Mehrfach-Olympiasieger Simon Ammann taugt als Projekt-Zugpferd auch nur noch bedingt. An „Corona“-Gelder heranzukommen ist auch keine Option, da das Schanzen-Projekt in der Innerschweiz noch nie eine „cashcow“ war. So wird das Schicksal und der Weiterbestand des „schiefen Turms von Einsiedeln“ realistischerweise einzig von der Effizienz von Mirakulix‘ Zaubertrank abhängen. Sich derzeit auf das ausgabefreudige Parlament zu verlassen, wäre eine Illusion: Gelder für die seit Jahren klammen Sprungschanzen zu sprechen bringt in der Tat keine Wählerstimmen. Das Sprungschanzen-Projekt ist zweifelsfrei alles andere als „Corona“-geschädigt. Das ist allerdings auch in anderen Betriebszweigen, die gestützt werden, nicht anders…

Die Disqualifikation von Novak Djokovic: Wenn das fehlende Glück zum Pech wird

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(causasportnews / red. / 8. September 2020) Eines kann nicht behauptet werden: Dass die Weltnummer 1 im Tennis, Novak Djokovic, in dieser „Corona“-Saison über Gebühr vom Glück begünstigt worden wäre. Doch das Jahr ist noch nicht zu Ende, und jede Pechsträhne hat schliesslich auch einmal ein Ende.

Zuerst profilierte sich der 33jährige Serbe als Impfgegner, dann drückte er die unsägliche „Adria Tour“ durch und missachtete dabei – zusammen mit seinen Tennis-Weggefährten und dem teils speziellen Umfeld – alle Schutz- und Vorsichtsmassnahmen, feierte provozierend wilde Partys wie vor „Corona“ und infizierte sich schliesslich selber mit dem Virus. Mit seiner Frau, ebenfalls positiv auf COVID-19 getestet, landete er schliesslich in Quarantäne. Die „Adria Tour“ endete im Desaster und musste abgebrochen werden. Der Tennisstar hat also im Verlaufe des bisherigen Jahres alles getan, um seinen schon arg ramponierten Ruf noch stärker zu schädigen. Doch das war immer noch nicht alles. Am Sonntag bewies der cholerische Vollblut-Athlet, dem nicht gerade überbordende Feinfühligkeit nachgesagt wird, dass es noch schlimmer werden kann. Völlig unbeabsichtigt schmetterte ein frustrierter Novak Djokovic am US Open einen Ball weg und traf unglücklicherweise eine Linienrichterin, die vom hart geschlagenen Geschoss am Kopf getroffen wurde und zu Boden ging. Diese Bilder gingen um die Welt und schockierten. Das Verdikt gegen den Serben liess nach langen Diskussionen nicht auf sich warten: Disqualifikation und Turnierausschluss. War das eine gerechte Sanktion?, fragt sich nun nicht nur die Tennis-Welt. War es wohl nicht. Vielerorts wurde die Frage gestellt, ob etwa auch ein Roger Federer so bestraft worden wäre, wäre ihm dasselbe Missgeschick passiert. Wohl nicht, denn der Schweizer verfügt über masslose Sympathien und zeigt auch in Ausnahmesituationen kaum Nerven.

Die Disqualifikation gegen Novak Djokovic war zweifelsfrei hart und lässt sich, gemessen am US-Micky Maus-Rechtssystem, zweifelsfrei rechtfertigen. Nach europäischen Massstäben dürfte die Sanktion zu einschneidend ausgefallen sein. Eine solche muss dem Verschulden (Vorwerfbarkeit) Rechnung tragen und hat verhältnismässig zu sein. Der Serbe hat mit dem Wegschlagen des Balles unglücklich agiert, und das Pech führte dazu, dass die Linienrichterin vom Ball getroffen wurde. Frei nach dem Zitat des ehemaligen Fussballspielers Jürgen „Kobra“ Wegmann: Zuerst hatten wir kein Glück, dann kam noch Pech dazu. Jedenfalls war der Volltreffer zu Lasten der Linienrichterin von Novak Djokovic keinesfalls beabsichtigt, was natürlich grundsätzlich keine Entschuldigung für die Unbeherrschtheit des Spielers ist und auch nicht für die Tat. Die ausgefällte Sanktion wurde jedoch dem Verschulden des Athleten nicht gerecht; ein gewisser Vorwurf ist ihm zu machen, doch das rechtfertigt eine derartige, einschneidende Sanktion nicht. Zum Verhängnis wurde Novak Djokovic zweifelsfrei sein „Vorleben“, das nicht gerade für ihn spricht. Dieses ist etwa bei Roger Federer als weitaus positiver zu qualifizieren. In Berücksichtigung des im Sanktionsrecht (etwa in der im Sport bedeutungsvollen Schweiz) herrschenden Verschuldensgrundsatzes lässt es sich nicht einfach tel quel argumentieren, Roger Feder wäre für dieselbe Tat milder bestraft worden. In Anwendung des Verschuldensprinzips wäre dem aber wohl so gewesen.