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Die Folgen von „Corona“ in „Causa Sport“ 2/2020

(causasportnews / red. / 30. Juni 2020) Das „Corona“-Virus hat das Leben auf diesem Planeten innert weniger Monate total verändert. Obwohl im Moment fieberhaft versucht wird, dem Virus Herr zu werden, die Welt sich also im Kampf gegen einen unsichtbaren Feind befindet, stellen sich auch für den organisierten Sport vor allem Fragen der Rechtsfolgen im Zusammenhang mit „Corona“. Der Sport ist zum Erliegen gekommen und erholt sich nur zaghaft; ein sonst blühender Wirtschaftszweig befindet sich mehr oder weniger weiterhin und weitgehend in Schockstarre. Was geschieht also mit Fussballclubs, die sich nun insolvent erklären oder erklären müssen (Prof. Dr. Philipp S. Fischinger und Sven Knauer)? Wie sind Vertragsverhältnisse im „Lockdown“ zu behandeln und wie verhält es sich mit Mitgliedschaftsverhältnissen im Vereins- und Verbandswesen (Dr. Heinrich Andreas Müller)? Haftet der Staat bei der Anordnung von „Geisterspielen“ (Prof. Dr. Martin Nolte)? Wie funktioniert die Dopingbekämpfung, wenn der Sport praktisch zum Erliegen kommt (Dr. Tanja Haug)? Wie verhält sich der Sport und seine Vermarktung im Absage- bzw. Verschiebungsmodus (Rechtsanwalt Jean Brogle)?- Diese und weitere Themenbereiche werden im neuen Heft „Causa Sport“ (2/2020, mit heutigem Datum erschienen) beleuchtet (vgl. auch www.causasport.org). Wie bedeutsam für das Leben im Allgemeinen und somit ebenfalls für den Sport im Besonderen eine gut funktionierende Justiz in Krisenzeiten ist, wird am Beispiel des Obergerichts des Kantons Zürich aufgezeigt (Dr. Dorothe Scherrer). Das Thema „Corona“ und die Konsequenzen dominiert in dieser Ausgabe von „Causa Sport“; sie erscheint deshalb als „causa sport spezial“. Neben weiteren Beiträgen rund um den Sport und „Corona“ finden sich im aktuellsten Heft auch einige Beiträge und Gerichtsurteile zu andern Themen (so der Beschluss des Obersten Gerichtshofs zu einer tödlichen Kuh-Attacke beim Wandern und ein Urteil des Arbeitsgerichts Brandenburg zur Pferde-Tierhalterhaftung).

Ignorantentum um COVID-19

© Bündnis 90/Die Grünen NRW

(causasportnews / red. / 25. Juni 2020) „Weshalb ist das ‚Corona‘-Virus ungefährlich?“- „Weil man es nicht sieht.“. – Ungefähr so verhalten sich viele Menschen auf dem Erdball und sorgen mit dieser Ignoranz dafür, dass die Verbreitung der Seuche immer schlimmere Formen annimmt. Diese Haltung ist betrüblicherweise auch im Sport „en vogue“. Gemeinhin wird der Sport als Vorbildmaterie für das gemeine Volk qualifiziert. Das mag grundsätzlich so sein; aber es gibt zweifelsfrei die Ausnahmen, welche die Regel bestätigen. Ausnahmen?

Da wäre etwa die Nummer 1 im Welttennis, der Serbe Novak Djokovic. Dieser exzellente Sportler fällt seit geraumer Zeit mit Weltverschwörungstheorien und kruden Dogmen zu „Corona“ auf. Dass alles, was sich um COVID-19 dreht, nur ein Scherz sei, wurde nun drastisch wiederlegt. Der 33-Jährige versammelte aus seiner Sparte Gleichgesinnte und tourte mit diesem exklusiven Tenniszirkus im Adria-Raum herum. Dabei wurde das Gegenteil von dem demonstriert und gelebt, was Virologen für gefährlich halten: Missachtung der Abstandsregeln, Vermeidung von Menschenansammlungen, Verzicht auf Hygienevorgaben – und dazu natürlich nächtelange Partys, Körper an Körper. Ignoranz und Dummheit wird sonst im Sport allgemein und pauschal den Vertreter/innen von Sportarten mit grossen Bällen entgegengehalten; nun hat es jedoch Zunft der kleinen Bälle erwischt, gleichsam nach dem simplen Erfahrungswert: Kleine Bälle, kleines Hirn. Novak Djokovic und seinen Jüngerinnen und Jüngern fliegt nun das verantwortungslose Tun auf der „Adria-Tennistour“ richtig um die Ohren. Allen voran hat sich die Tennis-Nummer 1 mit dem Virus infiziert. Auf dass er es selber merken sollte, dass COVID-19 nicht nur ein Hirngespinst ist. Über den Schaden auf vielen Ebenen, den die Tennis-Ignoranten nun angerichtet haben, könnten Abhandlungen zuhauf verfasst werden. Sicher ist auch, dass die verantwortungslosen Tennis-Cracks und ihre Umfelder etwa der Werbeplattform Tennis masslos schaden. Das wird sich letztlich in Geld auswirken, die einzige Sprache, welche von diesen Sportlern offenbar verstanden wird. Jeder dem Ethos verpflichtete Sponsor wird sich künftig fragen, ob er in der Tat seine Produkte oder Werbebotschaften in einem solchen Umfeld platzieren soll. Das Verhalten von Novak Djokovic & Co. ist schlicht die schlechteste Werbung für den Tennissport. Und sie wird nachhaltig sein, solange die Verbreitung des Virus nicht eingedämmt werden kann; und darüber hinaus. Fast mutet es zufällig an, dass heute die Corona-Infektionszahlen z.B. in der Schweiz wieder gestiegen sind – das Virus wurde gemäss Behördenangaben vor allem von Menschen aus Serbien (!) eingeschleppt…

Entsprechend wird Novak Djokovic für seine Fehlleistungen geprügelt. Nicht so hingegen etwa der „Fleischbaron“ Clemens Tönnies, u.a. auch Aufsichtsratsvorsitzender des legendären Clubs aus Gelsenkirchen, Schalke 04. In seinem industriellen Fleischverarbeitungsbetrieb haben sich hunderte von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern mit „Corona“ angesteckt (vgl. auch causasportnews vom 20. Juni 2020). Es wurde offensichtlich, dass in der Unternehmung tausende von Menschen unter übelsten Bedingungen zu Tiefstlöhnen schuften und auch sonst wie moderne Sklaven gehalten werden. Derart menschenunwürdige Zustände würden zu entsprechenden Reaktionen und zu einem Aufschrei in der Bevölkerung führen. Nichts dergleichen geschieht jedoch. Die Erklärung hierfür liegt auf der Hand: Die deutsche Regulierungsmaschinerie lässt solche, menschenverachtende Ausbeutung auf dem Territorium Deutschlands schlicht zu. Deshalb reagiert die deutsche Politik auffallend zurückhaltend, wenn es um den „Corona“-Schlamassel im Familienbetrieb Tönnies geht. Die geduldete Sklaverei der Moderne, in der vor allem Arbeitende aus Osteuropa ausgebeutet werden, liegt weitgehend auf der gängigen Linie, die vom Billig-Konsum der Mehrheit der Deutschen geprägt und auf diese Weise mitgetragen wird. Wäre die Bevölkerung bereit, auch für Fleischprodukte angemessene Preise zu bezahlen, wären menschenunwürdige Produktionsbedingungen wie in der Industrie-Fleischverarbeitung der Familie Tönnies ausgeschlossen. Der Staat lässt solches Gebaren zu und ignoriert, was an sich nicht zu ignorieren ist. Kein Wunder also, dass etwa der Deutsche Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier im Zusammenhang mit dem „Corona“-Skandal in Rheda-Wiedenbrück noch kein einziges Mal die Deutsche Bundesverfassung, die er sonst immer wieder hervorholt, zitiert hat. Dort könnte er gleich mit Art. 1 des Grundgesetzes beginnen, der da lautet: „Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.“.- Dem ist an sich nichts mehr beizufügen.

Ring frei für Vereinsversammlungen

Alfred Broger, Versammlung, 2002

(causasportnews / red. / 21. Juni 2020) Nicht nur im Fussball-Arbeitsvertragswesen bedeutet das Datum 30. Juni ein besonderer, terminlicher Schnitt: An diesem Tag laufen jeweils zahlreiche der befristeten Arbeitsverträge ab, dies in Einklang mit etlichen, nationalen Meisterschaften, die üblicherweise dann formell beendet sind. Im „Corona“-Jahr 2020 ist alles anders. Zufolge des Spiel-Unterbruchs werden die Meisterschaftsbetriebe teils weit über Ende Juni weitergeführt werden. Vertragsverhältnisse sind den Umständen angepasst worden, und auch die im Zuge der Sommerpause anstehenden Spieler-Transfers werden in ihren zeitlichen Abläufen den gegebenen Umständen angepasst.

Das Datum 30. Juni ist auch für viele Sportvereine und -verbände, die nach Art. 60 ff. des Schweizerischen Zivilgesetzbuches (ZGB) organisiert sind, von besonderer Wichtigkeit. In nicht wenigen Statuten dieser Körperschaften finden sich Bestimmungen, wonach die alljährlich abzuhaltende, ordentliche Vereinsversammlung (Art. 64 ff. ZGB) in der ersten Jahreshälfte, also bis zum 30. Juni, durchzuführen seien. Im Zuge der ausserordentlichen Lag hatte die Landesregierung in Anbetracht der ausserordentlichen Lage im März angeordnet, dass Versammlungen nicht mehr durchgeführt werden dürften; darunter fielen auch die in der ersten Jahreshälfte anstehenden ordentlichen Versammlungen der Vereine und Verbände (vgl. causasportnews vom 8. März 2020).- Grundsätzlich kann festgehalten werden, dass der Bundesrat im Krisenmanagement zwar nicht alles falsch, aber auch nicht allzu vieles gut gemacht hat. Es war und ist nicht zu beanstanden, dass die Abhaltung von Versammlungen verboten wurde. Jedoch liess sich dann die Landesregierung zur Anordnung von (zusätzlichen) „Massnahmen“ hinreissen, die letztlich als rechtwidrig zu qualifizieren sind. Der Bundesrat verbot (richtigerweise) die Versammlungen, gab dann aber (fälschlicherweise) gleichzeitig vor, wie das „Problem“ zu lösen sei, und fordert u.a. Vereine und Verbände auf, ihre Versammlungen auf schriftlichem Weg oder unter Zuhilfenahme elektronischer Mittel abzuhalten. Rechtlich konform hätten die Körperschaften trotz der gängigen, statutarischen Vorschriften bezüglich Durchführung der Versammlungen (diese sind als „Ordnungsvorschriften“ zu qualifizieren), die ordentlichen, bereits terminierten Zusammenkünfte verschieben oder Versammlungen auf später im Jahr 2020 ansetzen müssen. Die unkritischen Vereinsvorstände folgten der bundesrätlichen Anordnung und führten die Versammlungen auf schriftlichem oder digitalem Weg (bereits) durch – oder werden sie in nächster Zeit noch durchführen. Nachdem ab kommender Woche auch grössere Vereinsversammlungen wieder gesetzes- und statutenkonform durchgeführt werden dürfen, ergeben sich nun teils groteske Situationen. Es werden in nächster Zeit bereits angesetzt „Vereinsversammlungen“ schriftlich oder auf elektronischem Weg durchgeführt (in den meisten Fällen lässt sich die entsprechend angerollte Organisationslawine bequemerweise nicht mehr aufhalten), obwohl auch in dieser Hinsicht Normalität eingekehrt ist. Die Autoritätsgläubigkeit in Vereinen und Verbänden gegenüber staatlichen Direktiven (die, q.e.d., nicht immer gesetzeskonform sind) und in Anbetracht der aktuellen Situation, drängt sich folgendes Fazit auf: Auch im Vereinsrecht lohnt es sich ab und zu, die Nerven zu behalten…Sowohl für bereits auf dem von der Regierung angeordneten Weg abgehaltenen Versammlungen als auch für solche, die nun ebenfalls in gleicher Weise, trotz der ab kommender Woche geltenden Lockerung durchgeführt werden, gilt: Die auf diese Weise gefassten Vereinsbeschlüsse sind nichtig, in jedem Fall anfechtbar (Art. 75 ZGB).

Das Ende der totalen, „zuschauerlosen“ Zeit naht

© EpicTop10.com

(causasportnews / red. / 20. Juni 2020) Eigentlich wird niemand ernsthaft behaupten wollen, „Geisterspiele“ im Fussball seien exzessive Freudenspender. Mit den Spielen ohne Zuschauer sollte vielmehr die totale, durch das „Corona“-Virus verursachte Depression im Bespassungs-Segment „Sport“ situationsadäquat etwas eingedämmt werden. Jetzt naht jedoch das Ende der „zuschauerlosen“ Zeit – zum Beispiel in der Schweiz. Die Landesregierung hat sich dazu durchgerungen, ab kommender Woche Veranstaltungen, auch solche mit sportlichem Gehalt, bis zu 1000 Personen wieder zu gestatten; wenigstens auf Stehplätzen lässt die sich nun auch in der Schweiz geltende Abstandsregelung von 1,5 Metern problemlos praktizieren. In rund zwei Monaten kann sich dann das Veranstaltungs-Business praktisch wieder einschränkungsfrei entfalten; ab September sind auch grössere Veranstaltungen wieder durchführbar.

Wenn dann die „Corona“-Krise wieder der Vergangenheit angehören soll…

Im Moment lassen die Infektions- und insbesondere die Reproduktionszahlen eher pessimistische Zukunftsaussichten aufkommen. Und Vorkommnisse, wie um die Betriebe des Fleisch-Grossproduzenten und Präsidenten von Schalke 04, Clemens Tönnies, animieren nicht gerade zu überbordendem Optimismus. Bei Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in seinem Schlachtbetrieb breitet sich derzeit eine flächendeckende „Corona“-Infektion aus. Der Schalke-Präsident steht also wieder einmal in den Schlagzeilen – diesmal nicht aus Gründen im Zusammenhang mit dem Sport oder seinem Klub in Gelsenkirchen, sondern wegen seiner angeblichen Sorglosigkeit in der COVID-19-Krise. Doch auch deswegen haben Schalke-Fans ihre Stimmen gegen den Klub-Patriarchen erhoben.

Trotz aller derzeitiger Lockerungsmassnahmen und dem verkündeten Ende der ausserordentlichen Lage gemäss Epidemiengesetz mutet die derzeitig, virale Lage auch in der Schweiz nicht gerade erwartungsfroh an. Eines ist sicher: Den vom Bund im März verordneten, totalen „Lockdown“ wird es nicht mehr geben. Sollte sich die Situation um COVID-19 jedoch wieder verschlimmern, haben die Kantone prioritär über allfällige Massnahmen zu befinden – und dafür die finanziellen Konsequenzen zu tragen. Eine erneute, ausserordentlicher Lage bleibt vorbehalten.

Der kurze Prozess der Wettbewerbskommission mit dem FC Sion

(causasportnews / red. / 14. Juni 2020) Es war zu erwarten, doch es ging nun alles viel schneller und „schmerzloser“ als gedacht. Kurz vor Beginn der Wiederaufnahme der Meisterschaft in der obersten Spielklasse im Schweizer Fussball am kommenden Wochenende gab die Wettbewerbskommission „grünes Licht“ für die Fortsetzung und den Abschluss des Championnats 2019/2020: Der FC Sion hatte versucht, die Wiederaufnahme des Spielbetriebs mittels begehrter Massnahmen seitens der Wettbewerbshüter zu verhindern (vgl. auch causasportnews vom 6. Juni 2020), natürlich fühlte sich der Klub benachteiligt und durch das Fussball-Monopol geschädigt. Dieses Unterfangen erlebte nun ein jähes Ende; die Kommission watschte den Walliser Klub bzw. dessen Präsidenten, Christian Constantin, ab und sah im Beschluss der Swiss Football League (SFL) von Ende Mai, die Meisterschaft fortzusetzen, kein von der SFL zu verantwortender, wettbewerbswidriger Tatbestand. Es gehe dem FC Sion lediglich um Individualinteressen, verlautete nüchtern und sachlich aus Bern. Zwischenzeitlich hat der streitbare Präsident eingesehen, dass dem bevorstehenden Meisterschaftsbeginn mit juristischen Mitteln nicht beizukommen ist. Er werde die entsprechenden „Akten“ schliessen, liess er Medienvertreter wissen. Apropos Medien: Diese tragen zu einem grossen Teil Verantwortung dafür, dass das permanente allgemeine und juristische Querulieren aus dem Wallis immer wieder zu Unruhen und Gezänk im Schweizer Fussball führt. Das könnt auch zumindest eingeschränkt werden, wenn dem Präsidenten mit den speziellen Allüren nicht stets Plattformen zur Ausbreitung seiner kruden Weltanschauung, nicht nur in juristischer Hinsicht, geboten würden. Die Print-Medien füllen so in dieser auch für den Sport einschneidenden Phase der Ereignislosigkeit im Zuge von „Corona“ ihre Spalten. Letztlich alles zum Image-Schaden des Schweizer Professional-Fussballs.-

Auch wenn der Präsident des FC Sion nach diesem letzten juristischen „Dämpfer“ inzwischen temporär kleinlaut geworden ist, hat er bereits (nun noch weitere, bescheidene) juristisch Schritte gegen die im Zuge der Pandemie notwendig Spieler-Qualifikationspraxis der Verbände angekündigt (der Klub will nun für die Fortsetzung der Meisterschaft neue Spieler qualifizieren lassen). Gegen den FC Sion unpässliche Qualifikationsentscheide will Christian Constantin an das Rekursgericht der SFL ziehen; danach werde das Sport-Schiedsgericht in Lausanne (TAS) angerufen, droht er – so sieht allerdings juristische Hilflosigkeit im Moment auch aus Walliser Sicht aus…

FC Sion inszeniert erneut ein juristisches Gemetzel

(causasportnews / red. / 6. Juni 2020) Bekanntlich gibt es diverseste Möglichkeiten, um sich lächerlich zu machen. Oder um aufzufallen, oder um zu querulieren. Authentische Beispiele hierfür liefert regelmässig der FC Sion, der von einem schillernden Präsidenten (manchmal auch ins Elend) geführt wird. Im organisierten Fussball kursiert längst das Bonmot, dass nur ein verrückter oder irgendwie in Not geratener Spieler beim Klub im Wallis einen Vertrag unterschreibt. Der Präsident ist dann auch dafür bekannt, mit Angestellten des Klubs, Spielern, Trainern, engen Mitarbeitern, „ruppig“ umzugehen. Des liebstes Feindbild des FC Sion sind aber die Organisationseinheiten im Fussball. Da legt man sich nicht nur mit der Swiss Football League (SFL) und dem nationalen Verband (SFV) an, sondern zwischendurch auch einmal mit den internationalen Verbänden UEFA oder FIFA (vgl. auch causasportnews vom 1. Juni 2020). Allerdings praktisch immer erfolglos. Nun hat der unberechenbare Präsident wieder einmal ein juristisches Gemetzel angezettelt, das letztlich allerdings schlicht rechtsmissbräuchlich ist und wohl auch von den Adressaten der juristischen Botschaften aus dem Wallis so qualifiziert werden könnte. So hat die Generalversammlung der SFL vor einer Woche über die Fortsetzung der Fussball-Meisterschaft 2019/2020 im Zuge von „Corona“ entschieden und mit deutlicher Mehrheit beschlossen, die Meisterschaft am 19. Juni 2020 fortzusetzen. Weil Professional-Verträge in der Regel bis jeweils 30. Juni befristet sind, die Meisterschaft nun aber über dieses Datum hinaus weitergeführt wird, kann es durchaus sein, dass einigen Klubs die Spieler ausgehen. Sicher dem FC Sion, der noch im März immerhin neun Spieler ausserordentlicherweise auf die Strasse gesetzt hat. Der Klub hat dann alles getan, um eine Weiterführung der Meisterschaft – in seinen Augen eine veritable Wettbewerbsverzerrung – zu verhindern, so auch im Rahmen der Liga-Versammlung. Nun moniert der FC Sion Nachteile für kleine Klubs, weil die Spieler oft auf Leihbasis verpflichten und etliche solcher Leihverträge im Walliser Klub per 30. Juni 2020 beendet sind. Die FC Sion fordert nun von der Schweizerischen Wettbewerbskommission eine Untersuchung gegen die SFL, der Liga, welcher er als Mitglied selber angehört. Als marktbeherrschendes Unternehmen habe die SFL mit dem Beschluss betreffend Weiterführung der Meisterschaft unfaire, wettbewerbsverzerrende Wettkampfbedingungen geschaffen und die Monopolstellung missbraucht, argumentieren die Anwälte aus dem Wallis. An sich gäbe es für solche Eingaben nur eine Erledigungsart: Ab in den Papierkorb. Doch die Wettbewerbskommission ist selbstverständlich gehalten, derartige Eingaben formell zu behandeln, auch wenn sie inhaltlichen Nonsens bilden. Allerdings hat sie die Möglichkeit, derartiges, juristisches Querulantentum mit einem „Nichteintreten“ zu erledigen. Auch wenn der FC Sion juristisch einmal mehr auf dem Holzweg herumirrt, erreicht er zumindest ein Ziel: Für Unruhe, Zoff und provozierte Publizität ist gesorgt. Es kann ja auch Freude und Genugtuung bereiten, Gerichte, Behörden und die Liga, der man angehört, zu piesacken und zu beüben. Und der unberechenbare Präsident des Klubs ist bekannt dafür, durchwegs auch auf den „Mann“ zu spielen, wenn seinen kruden Ideen Substantielles gegenüber gestellt wird. Es entspricht einer notorischen Tatsache, dass sich jeweils mindestens die halbe Welt einschüchtern lässt, wenn der FC Sion zu juristischen Amok-Läufen ansetzt. Doch irgendwann könnt das Fass auch zum Überlaufen gebracht werden: Es mehren sich die Stimmen innerhalb und ausserhalb der SFL, welche wohl aufgrund dieser Aktivitäten eine Ausschliessung des FC Sion aus der Liga und somit aus dem organisierten Fussball befürworten. Es fragt sich nur, wer den Mut hat, einen solchen Antrag einzubringen.

Fussball-Spielbeginn nun auch in der Schweiz – mit Klageandrohungen

© Brian Hargadon

(causasportnews / red. / 1. Juni 2020) Was für Deutschland (und etwa demnächst auch für Österreich) recht ist (und demokratisch entschieden und allgemein akzeptiert wird), soll nun auch für die Schweiz billig werden: Am 20. Juni wird die Professional-Fussball-Meisterschaft 2019/2020 fortgesetzt. Das hat am Wochenende eine ausserordentliche Generalversammlung der Swiss Football League (SFL) beschlossen. Das Votum war klar: 17 von 20 Vereinen der Super League und der Challenge League (insgesamt 20 Klubs, je 10 Vereine) stimmten für „Geisterspiele“; an derselben Versammlung wurde eine Aufstockung der obersten Spielklasse (von 10 auf 12 Klubs) ebenso klar abgelehnt (mit 14 Gegen-Stimmen). Letzterer Agendapunkt wurde auf Antrag des Spitzenreiters der Challenge League, FC Lausanne-Sport, behandelt. Die Westschweizer wollten auf diese Weise vor allem die künftige Zughörigkeit zur obersten Spielklasse sichern, was nun nach regulärem Abschluss der Saison so oder so der Fall sein wird (die Lausanner führen die Tabelle mit grossem Vorsprung an). Gegen die Aufnahme von „Geisterspielen“ votierten vor allem die Klubs von Sion und Lugano. Der FC Sion, ein Klub mit grosser Tradition, was insbesondere das juristische Terrain betrifft (erinnert sei an die zahlreichen Verfahren gegen die Relegation 2003, an die Prozesslawine gegen die FIFA und andere Verbände und die Liga ab 2011; vgl. dazu ausführlich Urs Scherrer / Remus Muresan / Kai Ludwig, Sportrecht, 3. Aufl., 2014, 292 f.), droht nach dem Entscheid der SFL wieder einmal mit juristischen Schritten gegen die Liga und gegen alles, was sich sonst noch bewegt. Der Hauptgrund hierfür ist offenbar, dass der Klub bezüglich der nun bis anfangs August 2020 dauernden Meisterschaft (die formell am 30. Juni beendet worden wäre; an diesem Datum laufen auch einige Spielerverträge aus) an Personalnot leiden könnte – ein Umstand, den der Verein, für seine ruppige Personalpolitik bekannt und berüchtigt, selbstverständlich eigenständig zu verantworten hat. „Schuld“ sollen nun auch diesmal wieder andere sein; der FC Sion fühlt sich stets zu kurz gekommen, ungerecht behandelt sowie von der ganzen Welt missverstanden und gemobbt. Drohen und einschüchtern gehört zu diesen Planspielen – und zumindest ein Teil der Medien spielt dieses üble Spiel immer willfährig mit. Jetzt sollen es also gemäss Ankündigungen aus dem Wallis die Gerichte richten. Doch es braucht keine hellseherischen Fähigkeiten dafür, dass auch diese angekündigten, juristischen Auseinandersetzungen mit Niederlagen des FC Sion enden werden. Aber immerhin hat man für Aufruhr, schlechte Stimmung und unsägliches Kesseltreiben gesorgt. Es fragt sich dabei, wie lang sich die andern Liga-Mitglieder von diesem Klub noch piesacken lassen wollen. Es waren in den letzten Tag vor der Generalversammlung auch Stimmen zu hören, die eine Ausschliessung des Vereins aus dem organisierten Fussball andachten…

Der Fussball zurück in der Normalität (?)

© Nummer 17

(causasportnews / red. / 18. Mai 2020) Seit dem vergangenen Wochenende befindet sich der Professional-Fussball zurück in der Normalität. Wirklich? Die Vorzeige-Liga Europas, die Deutsche Bundesliga, hat es vorgemacht, wie es geht. Und es geht! Schon der ehemalige FIFA-Präsident Joseph Blatter hat es immer gesagt: Wenn es nicht mehr weitergeht, muss es der Fussball richten. Letzterer hat es gerichtet in Deutschland. In der Tat schafft das nur der Fussball: In die Normalität zurückkehren bei anormalen Verhältnissen, die jedoch real immer noch vorherrschen. Das Volk und eine Vielzahl seiner Sprachrohre haben es verlangt – und so die wichtigste Bespassungs-Industrie Deutschlands zu neuem Leben erweckt. Wer es beim Bundesliga-Auftakt nicht oder weniger gut fand, dass in dieser Kampfsportart die Grundsätze, an die sich jede Frau und jeder Mann im Alltag halten sollten, zur Theorie wurden, ist von der Volksseele und ihren Sprachrohren niedergeschrien oder in die Schranken gewiesen worden. Schliesslich war in den leeren Stadien alles paletti – die Fans vergnügten sich anderswo und anderswie. Polizei und Politiker/innen lobten die vorbildliche Haltung der Fans. Körperkontakt in den Restaurant, Bars und Erholungsräumen statt in den Stadien war angesagt. So spielt der Fussball im engeren Sinne weiterhin glaubwürdig seine Vorbildrolle. Und mit dem unsichtbaren, aber immer noch grassierenden Virus verhält es sich fast wie mit dem ungläubigen Thomas, der erst glaubte, als er seinen Finger in die Wunde von Jesus Christus legen konnte. Ignorieren wirkt oft Wunder.

Der derzeitige Gang zurück in die Normalität treibt auch neben den Fussballstadien spezielle Blüten. Nach Wochen, in denen Politiker/innen Geld ohne Ende auch über den organisierten Sport ausschütteten, ist nun das grosse (und teils böse) Erwachen gekommen. Kaum mehr jemand weiss etwa in der Schweiz, wieviel hundert Millionen Franken bis jetzt gesamthaft dem Sport versprochen worden sind; Bundesrat und Parlament überbieten sich diesbezüglich in Grosszügigkeit; die Gewaltenkontrolle ist zur Farce verkommen. Die dem Sport in der vergangenen Woche überdies zugesicherten 350 Millionen Franken entpuppen sich allerdings immer mehr als regelrechtes „Danaergeschenk“, nachdem es zuerst den Eindruck gemacht hatte, es ging nun im Sport zu und her wie nach einem Banküberfall: Nach diesen Taten verkrachen sich die Räuber/innen regelmässig, wenn es um die Verteilung der Beute geht. Jetzt ist allerdings mit Blick auf den Fussball in der Schweiz bei den Professional-Klubs so etwas wie Ernüchterung eingekehrt. An die am besten gefüllten Honigtöpfe gelangen diese kommerziellen Unternehmen nur, wenn sie die Löhne des kickenden Personals in den nächsten drei Jahren um mindestens 20 Prozent senken. Das wollen die Klubs aus verschiedenen Gründen selbstverständlich nicht. Man beabsichtigt weiterhin an einem Produkt festzuhalten, das sich konventionell nicht finanzieren lässt. Ausfälle und rote Zahlen werden mit Jammern, rührigen Mäzenen und oft halbseidenen Investoren wettgemacht; diese dürfen im Moment, wie das nun besiegte Virus, auch aus China kommen, wie es soeben der Zürcher Grasshopper Club vorexerziert hat (causasportnews vom 14. April 2020 ). Diese Entwicklungen belegen vor allem eines: Auch hier kehrt der Fussball in die Normalität zurück; in die Normalität, wie wir sie vor „Corona“ kannten. Die Bundesliga ist seit dem Wochenende jedenfalls wieder die traditionelle, erfolgreiche Geldmaschine, die auch ohne Fans wieder zum Funktionieren gebracht worden ist.

13. Mai 2020: Ein Glückstag für den Schweizer Sport

(causasportnews / red. / 13. Mai 2020) Dem 13. Mai wird gemeinhin eine gewisse Symbolik, tendenziell in negativer Hinsicht, zugeordnet. Das Datum lässt immer wieder Raum für Spekulationen und Deutungen. Auch was den Sport betrifft. Für ihn ist der 13. Mai 2020 in der Schweiz in jedem Fall ein Glückstag. Mit Genugtuung und Stolz hat die helvetische Sportministerin Viola Amherd verkündet, dass nun nach dem Geldsegen, der in den letzten Wochen über die offenbar marode Wirtschaft niedergeprasselt ist, nun auch der Sport mit pekuniärer Glückseligkeit bedacht wird. 350 Millionen Schweizer Franken sollen die Schweizer Fussball- und Eishockeyligen vom Staat erhalten; zu einem grossen Teil handelt es sich dabei um A-fonds-perdu-Zahlungen, die über der Sportindustrie ausgeschüttet werden; teils handelt es sich um Darlehen. Begründet wird die generöse Handlung der Schweizer Regierung mit dem Faktum, dass der organisierte Sport viele Arbeitsplätze am Leben erhalten müsse, die im Zuge der „Corona“-Pandemie gefährdet sind.

Apropos Arbeitsrecht: Obwohl noch nicht klar ist, wann und ob die Professionalliga im Fussball ihren Betrieb (mit „Geisterspiele“) demnächst aufnehmen wird, haben lediglich zwei Klubs am vergangenen Montag wieder mit dem Trainingsbetrieb begonnen: Der aktuelle Leader in der Super League, der FC St. Gallen, sowie der Challenge Club mit Aufstiegsambitionen, der Grasshopper Club Zürich, der neuerdings von Chinesen über Wasser gehalten wird (causasportnews vom 14. April 2020). Die anderen Professional-Klubs verzichten derweil auf einen organisierten Trainingsbetrieb, um der Kursarbeitsentschädigung nicht verlustig zu gehen. Die Behörden haben unmissverständlich klargestellt, dass die Ansprüche für Kurzarbeitsentschädigungen umgehend entfallen würden, sobald der Klub-Trainingsbetrieb wieder aufgenommen wird. Das Verhalten der meisten Vereine, ausgenommen der aktuelle Leader FC St. Gallen und GC Zürich, zeigt nicht nur, wie der sportliche Gehalt einer wieder aufgenommenen Meisterschaft einzustufen ist: Spielbetrieb ohne Training – eine seriöse Vorbereitung für einen Wettkampfbetrieb sieht wohl anders aus. Man muss dann bei Aufnahme des Spielbetriebs wohl von einer klaren Verzerrung des Wettbewerbs sprechen, wenn Mannschaften aus rein pekuniären Gründen auf geordnete Trainings verzichten. Aber nach der frohen Botschaft aus der Bundeshauptstadt vom 13. Mai sind die Klubs eh aller finanzieller Sorgen enthoben, und auf die angedachten, künftigen „Geisterspiele“ bei Fortsetzung der Fussball-Meisterschaft kann somit auch getrost verzichtet werden. Die politisch motivierte Grosszügigkeit des Bundesrates stösst allerdings bereits auf massive Kritik. Dass mit Bundesbeiträgen gut bezahlt Fussball- und Eishockey-Professionals alimentiert werden, ist alles andere als unumstritten. Frau und Herr Schweizer haben zudem weitgehend Probleme damit, dass von Misswirtschaft, Hooliganismus und anderen Negativpunkten gebeutelte Sportarten grosszügig mit Steuergeldern bedacht werden. Aber was sich für die Wirtschaft im Allgemeinen ziemt, soll auch im Sport gelebt werden. Und an den Umstand, dass der Sport in der Schweiz weitgehend eine rein private Angelegenheit ist, mag sich in der aktuellen Krisenzeit schon gar niemand mehr erinnern.

Der Deutschen liebste Kinder

© Daniel Timm

(causasportnews / red. / 10. Mai 2020) Nein, eine Hungersnot brachte uns „Corona“ nicht, die Hamsterkäufe zu Beginn der Pandemie erwiesen sich als überflüssig, und nun herrscht, beim angesagten Abflauen der Krise und mit der Lockerung des „Shutdown“, Aufbruchstimmung. Wenn es um die Bespassung der Menschheit geht, die getreu dem zweiten Teil des Mottos „panem et circenses“ (Brot und Spiele) nun wieder im Vordergrund steht, erträgt es keine Kompromisse. Deshalb ist nun auch der Druck gegenüber dem Staat, der das Leben der Menschen aus purer Lust am Quälen unverschämterweise eingeschränkt hat, für diesen unerträglich geworden: Der Staat kapituliert vor dem Volkswillen und dem Volkszorn. Zum Beispiel, was des Deutschen liebstes Kind Nummer 1 anbelangt: Die Fussball-Bundesliga, die es ab dem nächsten Wochenende den kickenden Millionären in kurzen Hosen wieder ermöglicht, ranzugehen; wenn auch in absentia von Zuschauern. Wichtig ist, dass die Show im Kleinformat weitergehen kann. Die Deutsche Fussball-Liga (DFL) will das so – es geht schliesslich um hunderte von Millionen Euro. Nur das zählt. Und wer sich dem Willen der DFL-Macher widersetzt, der weiss um die Konsequenzen. Wie etwa der deutsche Innen- und Sportminister aus Bayern, Horst Seehofer, der vor wenigen Tagen eingeknickt ist und sich für die umgehende Weiterführung der Bundesliga ausgesprochen hat. Kaum wegen des FC Bayern München, der die Meisterschale 2019/20 so oder so holen wird. Vielmehr aus politisch-opportunistischen Gründen: Gegen den Fussball zu sein bringt keine Wählerstimmen. Da wird ein bisschen Körperkontakt auf dem grünen Rasen auch in Kauf genommen – ungeachtet der Patentrezepte, wie „Corona“ beizukommen ist: Hygiene und „Distancing“. Das letzte Gebot tönt natürlich wenig bayrisch; schliesslich heisst es in München und Umgebung ja auch nur „mia san eben mia“. Deshalb hat der Angehörige der bedeutendsten Risikogruppe, der 70jährige Horst Seehofer wohl auch nicht verinnerlicht, dass Fussball alles andere als distanziert abläuft, sondern eine Kampfsportart mit Voll-Kontakt ist. Kritiker der „Öffnung“ in der Bundesliga finden natürlich kaum Gehör oder werden mundtot gemacht, und der warnende Philosoph Gunter Gebauer, der so die Vorbildfunktion des Fussballs ins Zentrum seiner Antithese zur aktiven Bundesliga setzt, wird (diesmal) mit seinen 76 Jahren als nicht zu hörender Parteivertreter der entsprechenden Risikogruppe abqualifiziert. Vollkontakt im Sport also „Ja“, „Distancing“ im Fussball „Nein“. Und die Spieler? Diese halten sich mit Äusserungen zur Aufnahme des Spielbetriebs kluger- oder gezwungenermassen zurück. In der Schweiz wurden Spieler befragt, ob sie unter den vorgegebenen Bedingungen gerne wieder wettkampfmässig kicken würden. Die Mehrheit sei dagegen, verlautet aus Kreisen der Spielergewerkschaft. Dem sei nicht so, kontert unvermittelt die Vereinigung der Spieleragenten. In der Schweiz stehen die Sterne eher auf Nicht-Wiederaufnahme des Professional-Spielbetriebs. In keinem Fall wird die Fussball-Meisterschaft bis zum 30. Juni 2020 beendet werden können, was mit Blick auf eine zeitliche Meisterschaftsverlängerung zusätzlich zumindest arbeitsvertragliche und transferrechtliche Konsequenzen hätte. Verschiedene Länder – verschiedene Usanzen. „Corona“ hat nicht nur das Leben im Allgemeinen entschleunigt, sondern den Fussball entglobalisiert. Die „Champions League“ (CL) ist zum historischen Relikt geworden – im Fernsehen werden die besten CL-Spiele von früher als historische Konserven präsentiert.

Die Entglobalisierung gefährdet hingegen akut das zweite, wichtige Bespassungs-Segment der Deutschen: Der jährliche Urlaub in Italien, Spanien, in der Türkei oder noch weiter weg dürfte in diesem Jahr schlicht ausfallen. „Costa Corona“ also auf Rügen statt Küsten im Süden. Selbstverständlich „würden“ die Deutschen wollen, doch die Disposition des Urlaubs ausserhalb Deutschlands liegt nicht alleine in der Entscheidungssphäre der Deutschen. Das ist evidentermassen eine Folg der Entglobalisierung des Lebens zufolge der „Krise“. Im Moment wird national über die Öffnung der Grenzen entschieden. Wie sich diese Einschränkung der persönlichen Freiheiten und Bedürfnisse auswirken werden, dürfte schon bald zu spüren sein. Gebeutelt sind in dieser Hinsicht übrigens auch die Schweizer, welche von der Regierung angehalten werden, den Sommerurlaub – horribile est dictu et auditu – im eigenen Land zu verbringen. Der entsprechende Aufruf: „Machen Sie Ferien im eigenen Land“ wird aber dennoch als Anordnung zur kollektiven Reiseverweigerung und natürlich als rechtswidrig qualifiziert. Allerdings gibt es vielleicht doch Schlimmeres auf der Welt, als Urlaub im eigenen Land verbringen zu müssen