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Fussball-Spielbeginn nun auch in der Schweiz – mit Klageandrohungen

© Brian Hargadon

(causasportnews / red. / 1. Juni 2020) Was für Deutschland (und etwa demnächst auch für Österreich) recht ist (und demokratisch entschieden und allgemein akzeptiert wird), soll nun auch für die Schweiz billig werden: Am 20. Juni wird die Professional-Fussball-Meisterschaft 2019/2020 fortgesetzt. Das hat am Wochenende eine ausserordentliche Generalversammlung der Swiss Football League (SFL) beschlossen. Das Votum war klar: 17 von 20 Vereinen der Super League und der Challenge League (insgesamt 20 Klubs, je 10 Vereine) stimmten für „Geisterspiele“; an derselben Versammlung wurde eine Aufstockung der obersten Spielklasse (von 10 auf 12 Klubs) ebenso klar abgelehnt (mit 14 Gegen-Stimmen). Letzterer Agendapunkt wurde auf Antrag des Spitzenreiters der Challenge League, FC Lausanne-Sport, behandelt. Die Westschweizer wollten auf diese Weise vor allem die künftige Zughörigkeit zur obersten Spielklasse sichern, was nun nach regulärem Abschluss der Saison so oder so der Fall sein wird (die Lausanner führen die Tabelle mit grossem Vorsprung an). Gegen die Aufnahme von „Geisterspielen“ votierten vor allem die Klubs von Sion und Lugano. Der FC Sion, ein Klub mit grosser Tradition, was insbesondere das juristische Terrain betrifft (erinnert sei an die zahlreichen Verfahren gegen die Relegation 2003, an die Prozesslawine gegen die FIFA und andere Verbände und die Liga ab 2011; vgl. dazu ausführlich Urs Scherrer / Remus Muresan / Kai Ludwig, Sportrecht, 3. Aufl., 2014, 292 f.), droht nach dem Entscheid der SFL wieder einmal mit juristischen Schritten gegen die Liga und gegen alles, was sich sonst noch bewegt. Der Hauptgrund hierfür ist offenbar, dass der Klub bezüglich der nun bis anfangs August 2020 dauernden Meisterschaft (die formell am 30. Juni beendet worden wäre; an diesem Datum laufen auch einige Spielerverträge aus) an Personalnot leiden könnte – ein Umstand, den der Verein, für seine ruppige Personalpolitik bekannt und berüchtigt, selbstverständlich eigenständig zu verantworten hat. „Schuld“ sollen nun auch diesmal wieder andere sein; der FC Sion fühlt sich stets zu kurz gekommen, ungerecht behandelt sowie von der ganzen Welt missverstanden und gemobbt. Drohen und einschüchtern gehört zu diesen Planspielen – und zumindest ein Teil der Medien spielt dieses üble Spiel immer willfährig mit. Jetzt sollen es also gemäss Ankündigungen aus dem Wallis die Gerichte richten. Doch es braucht keine hellseherischen Fähigkeiten dafür, dass auch diese angekündigten, juristischen Auseinandersetzungen mit Niederlagen des FC Sion enden werden. Aber immerhin hat man für Aufruhr, schlechte Stimmung und unsägliches Kesseltreiben gesorgt. Es fragt sich dabei, wie lang sich die andern Liga-Mitglieder von diesem Klub noch piesacken lassen wollen. Es waren in den letzten Tag vor der Generalversammlung auch Stimmen zu hören, die eine Ausschliessung des Vereins aus dem organisierten Fussball andachten…

Der Fussball zurück in der Normalität (?)

© Nummer 17

(causasportnews / red. / 18. Mai 2020) Seit dem vergangenen Wochenende befindet sich der Professional-Fussball zurück in der Normalität. Wirklich? Die Vorzeige-Liga Europas, die Deutsche Bundesliga, hat es vorgemacht, wie es geht. Und es geht! Schon der ehemalige FIFA-Präsident Joseph Blatter hat es immer gesagt: Wenn es nicht mehr weitergeht, muss es der Fussball richten. Letzterer hat es gerichtet in Deutschland. In der Tat schafft das nur der Fussball: In die Normalität zurückkehren bei anormalen Verhältnissen, die jedoch real immer noch vorherrschen. Das Volk und eine Vielzahl seiner Sprachrohre haben es verlangt – und so die wichtigste Bespassungs-Industrie Deutschlands zu neuem Leben erweckt. Wer es beim Bundesliga-Auftakt nicht oder weniger gut fand, dass in dieser Kampfsportart die Grundsätze, an die sich jede Frau und jeder Mann im Alltag halten sollten, zur Theorie wurden, ist von der Volksseele und ihren Sprachrohren niedergeschrien oder in die Schranken gewiesen worden. Schliesslich war in den leeren Stadien alles paletti – die Fans vergnügten sich anderswo und anderswie. Polizei und Politiker/innen lobten die vorbildliche Haltung der Fans. Körperkontakt in den Restaurant, Bars und Erholungsräumen statt in den Stadien war angesagt. So spielt der Fussball im engeren Sinne weiterhin glaubwürdig seine Vorbildrolle. Und mit dem unsichtbaren, aber immer noch grassierenden Virus verhält es sich fast wie mit dem ungläubigen Thomas, der erst glaubte, als er seinen Finger in die Wunde von Jesus Christus legen konnte. Ignorieren wirkt oft Wunder.

Der derzeitige Gang zurück in die Normalität treibt auch neben den Fussballstadien spezielle Blüten. Nach Wochen, in denen Politiker/innen Geld ohne Ende auch über den organisierten Sport ausschütteten, ist nun das grosse (und teils böse) Erwachen gekommen. Kaum mehr jemand weiss etwa in der Schweiz, wieviel hundert Millionen Franken bis jetzt gesamthaft dem Sport versprochen worden sind; Bundesrat und Parlament überbieten sich diesbezüglich in Grosszügigkeit; die Gewaltenkontrolle ist zur Farce verkommen. Die dem Sport in der vergangenen Woche überdies zugesicherten 350 Millionen Franken entpuppen sich allerdings immer mehr als regelrechtes „Danaergeschenk“, nachdem es zuerst den Eindruck gemacht hatte, es ging nun im Sport zu und her wie nach einem Banküberfall: Nach diesen Taten verkrachen sich die Räuber/innen regelmässig, wenn es um die Verteilung der Beute geht. Jetzt ist allerdings mit Blick auf den Fussball in der Schweiz bei den Professional-Klubs so etwas wie Ernüchterung eingekehrt. An die am besten gefüllten Honigtöpfe gelangen diese kommerziellen Unternehmen nur, wenn sie die Löhne des kickenden Personals in den nächsten drei Jahren um mindestens 20 Prozent senken. Das wollen die Klubs aus verschiedenen Gründen selbstverständlich nicht. Man beabsichtigt weiterhin an einem Produkt festzuhalten, das sich konventionell nicht finanzieren lässt. Ausfälle und rote Zahlen werden mit Jammern, rührigen Mäzenen und oft halbseidenen Investoren wettgemacht; diese dürfen im Moment, wie das nun besiegte Virus, auch aus China kommen, wie es soeben der Zürcher Grasshopper Club vorexerziert hat (causasportnews vom 14. April 2020 ). Diese Entwicklungen belegen vor allem eines: Auch hier kehrt der Fussball in die Normalität zurück; in die Normalität, wie wir sie vor „Corona“ kannten. Die Bundesliga ist seit dem Wochenende jedenfalls wieder die traditionelle, erfolgreiche Geldmaschine, die auch ohne Fans wieder zum Funktionieren gebracht worden ist.

13. Mai 2020: Ein Glückstag für den Schweizer Sport

(causasportnews / red. / 13. Mai 2020) Dem 13. Mai wird gemeinhin eine gewisse Symbolik, tendenziell in negativer Hinsicht, zugeordnet. Das Datum lässt immer wieder Raum für Spekulationen und Deutungen. Auch was den Sport betrifft. Für ihn ist der 13. Mai 2020 in der Schweiz in jedem Fall ein Glückstag. Mit Genugtuung und Stolz hat die helvetische Sportministerin Viola Amherd verkündet, dass nun nach dem Geldsegen, der in den letzten Wochen über die offenbar marode Wirtschaft niedergeprasselt ist, nun auch der Sport mit pekuniärer Glückseligkeit bedacht wird. 350 Millionen Schweizer Franken sollen die Schweizer Fussball- und Eishockeyligen vom Staat erhalten; zu einem grossen Teil handelt es sich dabei um A-fonds-perdu-Zahlungen, die über der Sportindustrie ausgeschüttet werden; teils handelt es sich um Darlehen. Begründet wird die generöse Handlung der Schweizer Regierung mit dem Faktum, dass der organisierte Sport viele Arbeitsplätze am Leben erhalten müsse, die im Zuge der „Corona“-Pandemie gefährdet sind.

Apropos Arbeitsrecht: Obwohl noch nicht klar ist, wann und ob die Professionalliga im Fussball ihren Betrieb (mit „Geisterspiele“) demnächst aufnehmen wird, haben lediglich zwei Klubs am vergangenen Montag wieder mit dem Trainingsbetrieb begonnen: Der aktuelle Leader in der Super League, der FC St. Gallen, sowie der Challenge Club mit Aufstiegsambitionen, der Grasshopper Club Zürich, der neuerdings von Chinesen über Wasser gehalten wird (causasportnews vom 14. April 2020). Die anderen Professional-Klubs verzichten derweil auf einen organisierten Trainingsbetrieb, um der Kursarbeitsentschädigung nicht verlustig zu gehen. Die Behörden haben unmissverständlich klargestellt, dass die Ansprüche für Kurzarbeitsentschädigungen umgehend entfallen würden, sobald der Klub-Trainingsbetrieb wieder aufgenommen wird. Das Verhalten der meisten Vereine, ausgenommen der aktuelle Leader FC St. Gallen und GC Zürich, zeigt nicht nur, wie der sportliche Gehalt einer wieder aufgenommenen Meisterschaft einzustufen ist: Spielbetrieb ohne Training – eine seriöse Vorbereitung für einen Wettkampfbetrieb sieht wohl anders aus. Man muss dann bei Aufnahme des Spielbetriebs wohl von einer klaren Verzerrung des Wettbewerbs sprechen, wenn Mannschaften aus rein pekuniären Gründen auf geordnete Trainings verzichten. Aber nach der frohen Botschaft aus der Bundeshauptstadt vom 13. Mai sind die Klubs eh aller finanzieller Sorgen enthoben, und auf die angedachten, künftigen „Geisterspiele“ bei Fortsetzung der Fussball-Meisterschaft kann somit auch getrost verzichtet werden. Die politisch motivierte Grosszügigkeit des Bundesrates stösst allerdings bereits auf massive Kritik. Dass mit Bundesbeiträgen gut bezahlt Fussball- und Eishockey-Professionals alimentiert werden, ist alles andere als unumstritten. Frau und Herr Schweizer haben zudem weitgehend Probleme damit, dass von Misswirtschaft, Hooliganismus und anderen Negativpunkten gebeutelte Sportarten grosszügig mit Steuergeldern bedacht werden. Aber was sich für die Wirtschaft im Allgemeinen ziemt, soll auch im Sport gelebt werden. Und an den Umstand, dass der Sport in der Schweiz weitgehend eine rein private Angelegenheit ist, mag sich in der aktuellen Krisenzeit schon gar niemand mehr erinnern.

Der Deutschen liebste Kinder

© Daniel Timm

(causasportnews / red. / 10. Mai 2020) Nein, eine Hungersnot brachte uns „Corona“ nicht, die Hamsterkäufe zu Beginn der Pandemie erwiesen sich als überflüssig, und nun herrscht, beim angesagten Abflauen der Krise und mit der Lockerung des „Shutdown“, Aufbruchstimmung. Wenn es um die Bespassung der Menschheit geht, die getreu dem zweiten Teil des Mottos „panem et circenses“ (Brot und Spiele) nun wieder im Vordergrund steht, erträgt es keine Kompromisse. Deshalb ist nun auch der Druck gegenüber dem Staat, der das Leben der Menschen aus purer Lust am Quälen unverschämterweise eingeschränkt hat, für diesen unerträglich geworden: Der Staat kapituliert vor dem Volkswillen und dem Volkszorn. Zum Beispiel, was des Deutschen liebstes Kind Nummer 1 anbelangt: Die Fussball-Bundesliga, die es ab dem nächsten Wochenende den kickenden Millionären in kurzen Hosen wieder ermöglicht, ranzugehen; wenn auch in absentia von Zuschauern. Wichtig ist, dass die Show im Kleinformat weitergehen kann. Die Deutsche Fussball-Liga (DFL) will das so – es geht schliesslich um hunderte von Millionen Euro. Nur das zählt. Und wer sich dem Willen der DFL-Macher widersetzt, der weiss um die Konsequenzen. Wie etwa der deutsche Innen- und Sportminister aus Bayern, Horst Seehofer, der vor wenigen Tagen eingeknickt ist und sich für die umgehende Weiterführung der Bundesliga ausgesprochen hat. Kaum wegen des FC Bayern München, der die Meisterschale 2019/20 so oder so holen wird. Vielmehr aus politisch-opportunistischen Gründen: Gegen den Fussball zu sein bringt keine Wählerstimmen. Da wird ein bisschen Körperkontakt auf dem grünen Rasen auch in Kauf genommen – ungeachtet der Patentrezepte, wie „Corona“ beizukommen ist: Hygiene und „Distancing“. Das letzte Gebot tönt natürlich wenig bayrisch; schliesslich heisst es in München und Umgebung ja auch nur „mia san eben mia“. Deshalb hat der Angehörige der bedeutendsten Risikogruppe, der 70jährige Horst Seehofer wohl auch nicht verinnerlicht, dass Fussball alles andere als distanziert abläuft, sondern eine Kampfsportart mit Voll-Kontakt ist. Kritiker der „Öffnung“ in der Bundesliga finden natürlich kaum Gehör oder werden mundtot gemacht, und der warnende Philosoph Gunter Gebauer, der so die Vorbildfunktion des Fussballs ins Zentrum seiner Antithese zur aktiven Bundesliga setzt, wird (diesmal) mit seinen 76 Jahren als nicht zu hörender Parteivertreter der entsprechenden Risikogruppe abqualifiziert. Vollkontakt im Sport also „Ja“, „Distancing“ im Fussball „Nein“. Und die Spieler? Diese halten sich mit Äusserungen zur Aufnahme des Spielbetriebs kluger- oder gezwungenermassen zurück. In der Schweiz wurden Spieler befragt, ob sie unter den vorgegebenen Bedingungen gerne wieder wettkampfmässig kicken würden. Die Mehrheit sei dagegen, verlautet aus Kreisen der Spielergewerkschaft. Dem sei nicht so, kontert unvermittelt die Vereinigung der Spieleragenten. In der Schweiz stehen die Sterne eher auf Nicht-Wiederaufnahme des Professional-Spielbetriebs. In keinem Fall wird die Fussball-Meisterschaft bis zum 30. Juni 2020 beendet werden können, was mit Blick auf eine zeitliche Meisterschaftsverlängerung zusätzlich zumindest arbeitsvertragliche und transferrechtliche Konsequenzen hätte. Verschiedene Länder – verschiedene Usanzen. „Corona“ hat nicht nur das Leben im Allgemeinen entschleunigt, sondern den Fussball entglobalisiert. Die „Champions League“ (CL) ist zum historischen Relikt geworden – im Fernsehen werden die besten CL-Spiele von früher als historische Konserven präsentiert.

Die Entglobalisierung gefährdet hingegen akut das zweite, wichtige Bespassungs-Segment der Deutschen: Der jährliche Urlaub in Italien, Spanien, in der Türkei oder noch weiter weg dürfte in diesem Jahr schlicht ausfallen. „Costa Corona“ also auf Rügen statt Küsten im Süden. Selbstverständlich „würden“ die Deutschen wollen, doch die Disposition des Urlaubs ausserhalb Deutschlands liegt nicht alleine in der Entscheidungssphäre der Deutschen. Das ist evidentermassen eine Folg der Entglobalisierung des Lebens zufolge der „Krise“. Im Moment wird national über die Öffnung der Grenzen entschieden. Wie sich diese Einschränkung der persönlichen Freiheiten und Bedürfnisse auswirken werden, dürfte schon bald zu spüren sein. Gebeutelt sind in dieser Hinsicht übrigens auch die Schweizer, welche von der Regierung angehalten werden, den Sommerurlaub – horribile est dictu et auditu – im eigenen Land zu verbringen. Der entsprechende Aufruf: „Machen Sie Ferien im eigenen Land“ wird aber dennoch als Anordnung zur kollektiven Reiseverweigerung und natürlich als rechtswidrig qualifiziert. Allerdings gibt es vielleicht doch Schlimmeres auf der Welt, als Urlaub im eigenen Land verbringen zu müssen

Bundesanwalt Michael Lauber vor der Kreuzigung

© Trending Topics 2019

(causasportnews / red. / 4. Mai 2020) „Sagen, was ist“ – das war der grosse Slogan des Gründers des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“. Wenn sich der Journalismus in der Zeit von „Corona“ an diese zur Grundweisheit des publizistischen Schaffens gewordene, jedoch kaum mehr beachtete Maxime halten würde, blieben TV-Schirme derzeit dunkel, und Print-Medien hätten kaum mehr Stoff.

Was ist: „Corona“ und alles drum herum; kaum jemand mag es mehr sehen, lesen oder hören.

Was man möchte: Dass der Spuk bald ein Ende haben würde. So befassen sich die Medien hauptsächlich mit der Welt nach „Corona“ – und wie sie denn sein müsste. Und sie beginnen die Folgen der Pandemie, deren Ende nicht abzusehen ist, zu sezieren. „Corona“ dient auch als Alibi, etwa für Maturanden, denen die Unmenschlichkeit von Abschlussprüfungen nun erspart werden soll. Allmählich denken einige Menschen zumindest an, wie es mit der Wirtschaft weitergehen soll, die sich bei Ausbruch der Krise als potemkinsches Dort entpuppt hat; bereits nach zehn Tagen „Lockdown“ wurde sie mit Milliardenbeträgen in schwindelerregender Höhe gestützt  – eine gesunde, solide Wirtschaft mit den üblichen Reserven sieht in der Tat anders aus. Oder war der Geldsegen, der seit März auf die Menschen niederprasselt und als Basis für ein bedingungsloses Grundeinkommen dienen wird, nur politisches Kalkül, so etwa nach dem „FIFA-Prinzip“: „Freunde macht man sich durch (Geld-)Geschenke“. Politiker halten das Volk ebenso bei Laune und werden deshalb auch wieder gewählt, wenn sie ihm primär „Brot“ geben – „Brot und Spiele der Neuzeit“ heisst dieses Game. Jetzt befinden wir uns in der Phase der Bespassung (Spiele), nachdem die Komponente „Brot“ wenigstens in unseren Breitengraden unproblematisch ist. Da kann man beim Volk sehr viel Goodwill verlieren, wenn die Spass-Komponente des Lebens verhindert oder nicht (mehr) gewährt wird. In Deutschland muss Fussball um jeden Preis her – „Corona“ hin oder her; wer sich dafür einsetzt, ist sich der Gunst des Volkes sicher (wie jetzt etwa, nicht überraschend, Horst Seehofer). In der Schweiz muss seit ein paar Tagen an erster Stelle die Lifestyle-Branche wieder ran. Jetzt wissen wir wenigstens, dass Friseusen und Friseure das Rückgrat der Wirtschaft bilden – neben den Betreibern von Tattoo-Studios. Und die Tourismus- und Reisebranche wird selbstverständlich auch gestützt, vor allem die Airlines, die, real gesehen, so notwendig sind wie getunte Fahrzeuge. Der Staat soll auch hier helfen, denn schliesslich geht es darum, „staatlich verordnete Reisebeschränkungen“ auszugleichen, wie die „Neue Zürcher Zeitung“ wörtlich schreibt („NZZ“ vom 2. Mai 2020). Genau, nicht das Virus ist schuld an der Misere, in der wir im Moment stecken, sondern der Staat, der uns deswegen die Bespassung vermiest. Ja, „sagen, was ist“ – das ist es dann wohl.

„Corona“ muss sich aber dennoch einiges entgegen halten lassen. So ist das Virus schuld daran, dass der Prozess um Geldflüsse im Zusammenhang mit dem „Sommermärchen“ der Fussball-WM-Endrunde 2006 letzte Woche am Bundesstrafgericht in Bellinzona zufolge Verjährung geplatzt ist. Die Richter an diesem Gericht, vom Schweizerischen Parlament gewählt (!), waren in letzter Zeit allerdings vor allem mit sich selber beschäftigt (causasportnews vom 22. April 2020). Verfahren waren da nur ungebetene Störfaktoren. Aber klar, das alles passierte nur im Zuge von „Corona“. Wegen der Pandemie tritt das eidgenössisch Parlament in den nächsten Tagen ausserhalb des Bundeshauses in Bern zusammen. Was sind schon Infrastrukturkosten von drei Millionen Schweizer Franken für ein solches Auswärtsspiel im Rahmen des veranlassten Geldregens? Dabei geht es natürlich auch um „Corona“, ein Thema, das geeignet ist, von Politikern zerredet zu werden, aber auch um die Person des Bundesanwaltes Michael Lauber, der in den „Sommermärchen“-Ermittlungen fast alles getan hat, nur den Job nicht so, wie er ihn hätte machen müssen. Ihm als Ankläger in Bellinzona wird eine grosse Mit-Schuld dafür in die Schuhe geschoben, dass der Prozess im Umfeld des Weltfussballverbandes letztlich geplatzt ist. In der Tat ist der Mann seit geraumer Zeit völlig unhaltbar und soll nun vom Parlament, das ihn im September des vergangenen Jahres für eine weitere Amtsdauer gewählt hat, abgesetzt werden. Bereits damals waren die Verfehlungen des Bundesanwaltes allerdings bestens bekannt. Sinnigerweise setzten sich vor allem bürgerliche Parlamentarierinnen und Parlamentarier dafür ein, dass Michael Lauber, obwohl knapp, aber immerhin, wieder gewählt wurde (causasportnews vom 28. September 2019)! Als Wortführer, der im September 2019 mit einer Brandrede den umstrittenen Bundesanwalt zur Wiederwahl vorschlug, betätigte sich ein schillernder freisinniger Genfer Nationalrat (FDP) und Rechtsanwalt. Jetzt fordert sogar das Parteiblatt der FDP, die „NZZ“, dass Michael Lauber abgewählt gehöre. „Ein unwürdiges Schauspiel“, schreibt die „NZZ“ am 2. Mai 2020 in fetten Lettern auf der Frontseite und manifestiert damit wohl den selbsternannten Qualitätsjournalismus, der in einem ganzseitigen Selbstinserat in derselben „NZZ“-Ausgabe beschworen wird („Weil Qualität keine Ausgangssperre kennt“). In einem Super-Staat muss die Bespassung der Staatsbürgerinnen und Bürger zumindest nach Meinung des Blattes im Umbruch (vgl. dazu etwa Friedemann Bart, Umbruch, Die Neue Zürcher Zeitung, Ein kritisches Porträt, Zürich, 2020) würdig ablaufen – sekundiert selbstverständlich von selbsternannten Qualitätsmedien, die sich ebenso selbstverständlich durchaus auch widersprüchlich verhalten dürfen. Zu „sagen, wie es ist“, wäre zumindest ehrlicher: Aktuelles Pharisäertum kurz nach Ostern also. In jener Zeit vor rund 2000 Jahren hiess es: „Kreuzigt ihn“ – heute: Dem unwürdigen Schauspiel, das man selber sekundiert hat, ein Ende setzen und so der (dieser) Bespassung des Volkes Grenzen setzen!

PS 1: Wetten, dass Bundesanwalt Michael Lauber seiner Absetzung durch Rücktritt zuvorkommen wird? Das Parlament wird dies hinter den Kulissen mit Geld (des Volkes) zu regeln versuchen. Wie soll es der ehemalige FIFA-Präsident Joseph Blatter einmal gesagt haben (und meinte und wollte damit selbstverständlich nichts Unlauteres): „Was man mit Geld regeln kann, muss man mit Geld regeln“.

PS 2: Niemand stört sich übrigens daran, dass Bundesanwalt Michael Lauber vom selben Rechtsanwalt vertreten wird wie Joseph Blatter. Das alles läuft dann wohl unter dem Label: Es darf auch in der Justiz gelacht werden…Ja, wenn es nur nicht derart traurig wäre.

Versammlungen im „Lockdown“: Was Vereine und Verbände dürfen

© adfc.sachsen

(causasportnews / red. / 30. April 2020) Die Verlautbarungen der Schweizerischen Regierungen mit Blick auf die Lockerungen der restriktiven Massnahmen im Zusammenhang mit der momentanen Pandemie sind meistens klar – jedoch nicht immer. Letztere Feststellung betrifft etwa die Detaillierungen des Eidgenössischen Justiz- und Polizeidepartementes (EJPD) mit Blick auf Vereinsversammlungen. Vereine und Verbände gemäss Art. 60 ff. des Schweizerischen Zivilgesetzbuches (ZGB) geben den meisten Sportorganisationen mit Sitz in der Schweiz (dazu gehören auch zahlreiche, internationale Verbände) den rechtlichen, organisatorischen Rahmen. Vereine und Verbände regeln durchwegs in den Statuten ihr Vereins- und Verbandsleben. Hierzu gehören etwa auch die Bestimmungen mit Blick auf das höchste Organ dieser Körperschaften, die Vereinsversammlungen (Art. 64 ff. ZGB). Auch wenn in den Statuten vorgesehen ist, dass ordentliche Vereinsversammlungen jedes Jahr im ersten Halbjahr durchzuführen sind, dürfen oder müssen solche Versammlungen gemäss Anordnungen der Regierung aufgrund der aktuellen Krise abgesagt oder verschoben werden. Das ist, weil solche statutarischen Vorgaben ordnungsrechtlich motiviert sind, zulässig. Das EJPD stellt nun Vergleiche mit dem Recht der Aktiengesellschaften an (Art. 620 ff. des Obligationenrechts, OR). Hierzu gilt es klarzustellen: In Vereinen ist beispielsweise eine physische Vertretung in der Generalversammlung grundsätzlich nicht möglich (zulässig ist selbstverständlich eine Organisation nach dem Recht für Delegiertenversammlungen, allenfalls sind auch andere Varianten der Willensbildung im Verein gemäss Statuten zu berücksichtigen); der Verein ist personenbezogen strukturiert, deshalb geht es nicht an, nun einfach etwa eine Vereinsversammlung mit (sogar externen) Stimmrechtsvertretern (wie bei der AG) durchzuführen. Und: Sollen Vereinsversammlungen mit modernen Kommunikationsmitteln durchgeführt werden, bedarf es hierzu einer statutarischen Grundlage. Oft missverstanden (offenbar auch vom EJPD) wird Art. 66 ZGB. Diese Bestimmung besagt lediglich, dass die schriftliche Zustimmung aller Mitglieder zu einem Antrag einem Beschluss der Vereinsversammlung gleichgestellt wird (Bedingung ist also eine Zustimmung aller Mitglieder zu einem Antrag). Etwas anderes wird unter „Urabstimmung“ verstanden: Im Rahmen einer solchen Beschlussfassung können auch Mehrheitsentscheidungen gefasst werden.

Fazit: Mit Notrecht kann nicht durchwegs in die Rechtsbeziehungen zwischen Mitglied und der juristischen Person „Verein“ (oder Verband) eingegriffen werden.

Auch der Sportwettenmarkt kollabiert

© Westend. Public Relations GmbH

(causasportnews / red. / 26. April 2020) Niemand weiss es genau, doch die Schätzungen decken sich in etwa: Mit Sportwetten werden im offiziellen, legalen oder „weissen“ Markt pro Jahr weltweit gegen 500 Millionen US-Dollars umgesetzt – Tendenz steigend. So war es jedenfalls bis jetzt, genauer vor „Corona“. Nun ist dem Markt, der vor allem online boomt, innert weniger Wochen die Grundlage entzogen worden. So gibt es kaum mehr Fussballspiele, auf die gewettet werden könnte, ausser etwa in wenigen autonom gewordenen Ländern der ehemaligen Sowjetrepublik. Fussballspiele machen den Hauptteil des Sportwettenmarktes aus. Aber weil auch sonst der Sport zur Passivität verurteilt ist, bleiben Wettfreudigen nur noch wenige Segmente. Aber auf Sieg oder Niederlagen von Schachweltmeister Magnus Carlsen zu setzen, ist auch nicht die Sache einer jeden Wetterin oder eines jeden Wetters. Das Deutsche Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ hat soeben kalkuliert, dass der Sportwettenmarkt in Deutschland regelrecht kollabiert ist: Nur noch 10% betragen derzeit die Wetteinsätze in Deutschland. Die Wetteinsätze beliefen sich 2019 immerhin auf 9,3 Milliarden Euro („Der Spiegel“, 18/25.4.2020). Auch im Schweizer Sportwettenmarkt wird von verhältnismässig ähnlichen Umsatzzahlen ausgegangen. Der „Sporttip“ verzeichnete vor „Corona“ Wetteinsätze von ungefähr einer Million Franken pro Wochenende; jetzt sind es kaum mehr 100 000 Schweizer Franken. Dank den Sportwettenerträgen flossen in der Schweiz 2019 134 Millionen Franken in den Sport.

Der Kollaps des Sportwettengeschäfts bzw. der Entzug der Geschäftsgrundlage dieses Wertschöpfungssegments begünstigen erwartungsgemäss auch kriminelle Elemente. So treiben derzeit Betrüger ihr Unwesen, denen es gelingt, unmittelbar oder mittelbar etwa Fussballspiele anzubieten, die gar nicht ausgetragen werden. Diese „ghost matches“ werden demnach entweder gar nicht gespielt, oder sie werden so angelegt, dass ein bestimmter Verlauf oder ein bestimmtes Ergebnis vorgegeben ist und die Drahtzieher diese Konstellation im Rahmen von Wetten ausnützen. Bei diesen manipulierten Sportwetten sind die Betrüger die pekuniären Sieger. Das alles hat in der Regel mit der Integrität des Sportes nichts zu tun, sondern es geht meistens um organisiert Banden-Kriminalität. Nur wenn Protagonisten des Sports bei Sportmanipulationen durch Beeinflussung z.B. eines Spiels aktiv werden, ist der Sport in seiner Integrität betroffen. Alle andern Aktivitäten gehören in den Ermittlungsbereich der staatlichen Strafverfolgungsbehörden. Ein derartiges Verfahren läuft im Moment in Kiew. Geht es um den sportlichen Integritätsschutz, sind die Sportorganisationen und –verbände ebenfalls gefordert. Auch in Bezug auf den Sportwettenbereich. Nachdem Manipulationen des Sports durch Protagonisten aus dem Sport nicht mehr die gleiche Bedeutung und Brisanz aufweisen wie etwa der Fussball nach dem „Hoyzer-Skandal“ in Deutschland (2005), sind die Sportorganisatoren der Verbände in den letzten Jahren bezüglich des Sport-Integritätsschutzes nachlässiger geworden. Immer mehr bilden deren Aktivitäten zum Schutz des Sports lediglich „Feigenblätter“, so etwa dann, wenn im Auftrag von Sportverbänden Überwachungsgesellschaften auch als Datenlieferanten für die Wettindustrie tätig sind.