Schlagwort-Archive: Vermarktung

Nervensägen

Photo by Jose Francisco Fernandez Saura on Pexels.com

(causasportnews / red. / 17. September 2021) Protagonisten des Sportes weisen durchwegs einen besonderen Stellenwert auf und bewegen sich in besonderen Sphären, doch ab und zu nehmen sie auch sehr menschliche Züge an: Beispielsweise wenn sie nerven.

Etwa der FIFA-Präsident. Nein, nicht nur der amtierende Präsident des Weltfussball-Verbandes, Gianni Infantino, sondern schon früher sein Vorgänger aus dem Wallis, Joseph Blatter. Lief in «Sachen Fussball» nichts, versuchte sich der bald 86jährige anderweitig in die Schlagzeilen zu bringen oder sich in diesen zu halten. Nebst allen guten Dingen, die der 2015 mit Schimpf und Schande aus dem Amt gedrängte Joseph Blatter zum Wohle des Fussballs getan hat, waren Ideen, die der Mann aus dem Rhonetal vor allem in Flauten im Fussballgeschäft platzierte, oft Nebelpetarden, die sich rasch wieder verflüchtigten (Forderungen waren etwa: Grössere Tore, Spieldauer unterteilt in drei Drittel, Lösung des Palästina-Problems mit einem Fussballspiel, Einführung einer «Klub-WM» vor Weihnachten, usw.). Apropos «Klub-WM»: In der Tat schaffte es Joseph Blatter, dieses Turnier seit 2002 regelmässig im mundialen Spielkalender unterzubringen. Böse Zungen behaupten, es sei dem 1998 zum FIFA-Präsidenten gewählten Walliser mit der Einführung der «Klub-WM» insbesondere darum gegangen, seine persönliche Einsamkeit mit entsprechender Präsenz an den Austragungsorten in der Vorweihnachtszeit zu überbrücken. Die Klubs wünschen sich diese Veranstaltung seit der Implementierung des Turniers in den internationalen Spielkalender ins Pfefferland, doch der ungeliebte und kaum beachtete Wettbewerb ist irgendwie zum unkontrollierbaren Selbstläufer geworden; er soll sogar ausgebaut werden. Oft nervte Joseph Blatter mit kruden Vorschlägen und Ideen, vor allem dann, wenn sie dazu dienten, Medienflauten zu überbrücken. Der Joseph Blatter- Nachfolger knüpft immer wieder an diese Gepflogenheit an. Vor einigen Tagen liess er medienträchtig den Vorschlag in der Öffentlichkeit platzieren, die Fussball-Weltmeisterschaft der Männer alle zwei Jahre auszutragen. Sekundiert von Trainer-Legende Arsène Wenger, mit seinen bald 72 Jahren nun ebenfalls in der FIFA-Zentrale in Zürich angekommen, und abgehalfterten Fussball-Legenden liess Gianni Infantino die Vorzüge eines neuen WM-Rhythmus’ herausstreichen. Vor allem sollten dadurch die Erträge für die FIFA verdoppelt werden. Statt alle vier Jahre alle zwei Jahre also Fussball um die WM-Krone; das macht gemäss Rechnung des FIFA-Präsidenten in Abkehr vom Vierjahres-Zyklus Mehreinnahmen von 100% aus. Was der schlaue Rechner aus Brig nicht bedacht hat, bzw. offenbar nicht bedenken wollte: Werbe- und TV-Einnahmen lassen sich nicht beliebig mathematisch verdoppeln. Es kommt hinzu, dass mit dieser Schnaps-Idee durch eine Erhöhung des Angebotes die Nachfrage nach dem «Produkt Fussball» sinken könnte – und damit der Wert des Angebotenen. Gianni Infantinos neuste Idee ist durchschaubar und plump – im Gegensatz zu Vorgänger Joseph Blatter geht ihm jede Cleverness ab. Der Mann wird innerhalb und ausserhalb der FIFA immer mehr als selbstgefällige Nervensäge abqualifiziert.

Oder Roger Federer. Keine Frage, der 40jährige Basler ist ein Top-Sportler mit einem gigantischen Leitungsausweis. Allmählich neigt sich nun seine beispiellose Karriere dem Ende entgegen. Seit Monaten fällt er vor allem durch Werbeaktivitäten aller Art auf, neu mit einem Engagement, bzw. Invest beim Sportschuh-Unternehmen «On» – mit Börsengang. Kaum mehr ein Mensch auf diesem Planeten weiss, für was und für wen die Tennis-Ikone werblich in Erscheinung tritt. Dabei leidet Roger Federers Glaubwürdigkeit («Roger Federer ist kaum mehr greifbar. Dabei war er doch immer so authentisch»), beklagt der «Tages-Anzeiger» die Mutation des Stars vom Super-Sportler zum Werbevehikel (11. September 2021). Natürlich gönnt jedermann dem Maestro die sprudelnden Werbegelder, doch zuviel ist nun offenbar zuviel; eine «Überdosis Federer» also im Werbemarkt. Auch wenn es der «Tages-Anzeiger» nicht gerade direkt auf den Punkt bringt, ist wohl dieser Schluss zu ziehen: Auch Roger Federer nervt. Allerdings kann man dem Star keinen Vorwurf machen, wenn er abkassiert, solange es geht – auch ohne das grandiose Tennisspiel. Zu hinterfragen wären eher Roger Federers Werbepartner, die mit den unüberblickbar gewordenen Engagements des Stars in der Masse der Werbenden untergehen.

Impf-Diplomatie des IOK brüskiert Japan

Photo by Frans Van Heerden on Pexels.com

(causasportnewes / red. / 14. März 2021) In rund vier Monaten sollen die 2020 um ein Jahr verschobenen Sommerspiele in Tokio beginnen (vom 23. Juli bis zum 8. August), doch ist im Moment immer noch unklar und unsicher, ob der polysportive Grossanlass in der japanischen Metropole überhaupt stattfinden wird. Könnte Japan über die Durchführung befinden, würden die Spiele wohl abgesagt. Allerdings entscheidet nicht Japan, sondern letztlich das Internationale Olympische Komitee (IOK), das den grössten Sportanlass der Welt aus wirtschaftlichen Gründen wohl durchsetzen wird. Auch wenn IOK-Präsident Thomas Bach im Zuge der Verschiebung der Spiele in Tokio im letzten Jahr erklärt hat, dass es in Tokio keine Sport-Wettkämpfe ohne Publikum geben würde. Doch was kümmert den IOK-Präsidenten, frei nach Konrad Adenauer, heute das Geschwätz von gestern? Gemeint war ja eh, dass es nicht verboten sei, klüger zu werden… Vor allem dürften Thomas Bach und seine meist greisen IOK-Mitglieder realisiert haben, dass auch das IOK ohne Spiele wirtschaftlich wohl mehr als schwierigen Zeiten entgegenblicken würde. Im Zeitalter der (neuen) Medien und der fortgeschrittenen Digitalisierung lassen sich, wie Beispiele zuhauf zeigen, Sportveranstaltungen locker auch ohne Zuschauende durchführen. Mehr noch: Ohne Publikum wird alles viel einfacher und kostengünstiger, auch wenn der Olympische Sport nicht gerade ein akutes, kosten-intensives Hooligan-Problem aufweist. Wegen «Corona» sind mit Blick auf den Beginn der Spiele am 23. Juli 2021 allerdings noch ein paar Klippen zu meistern. Schliesslich müssen Sporttreibende, Funktionäre und Medienschaffende aus aller Welt nach Asien gekarrt werden. Dem Thema «Impfung» kommt dabei zentrale Bedeutung zu. Auch diesbezüglich hat der ehemalige Fechter aus dem putzigen Tauberbischofsheim in Baden-Württemberg, und Jurist Thomas Bach vorgesorgt. Dank ausgeklügelter Impf-Diplomatie ist es dem IOK-Präsidenten gelungen, das Olympische Komitee Chinas dazu zu bewegen, den Impfstoff für die Teilnehmer/innen an den Spielen in Tokio anzubieten. Die Chinesen haben dieser Problemlösung wohl mit Freude zugestimmt; sie liefern schliesslich aus Philanthropismus auch Impfstoff in alle Welt, vor allem in ärmere Länder, die es den scheinbaren Verursachern der Pandemie alles damit zusammenhängende Negative nachsehen werden. Der nicht gerade als überaus empathisch einzuschätzende IOK-Präsident hat mit diesem Durchschlag des gordischen «Corona»-Knotens die Keule des klassischen Sport-Funktionärs geschwungen. Das «freundliche» Angebot aus China, wie der Deal nun dargestellt wird, zeigt für den 67jährigen Deutschen die «Kraft der olympischen Familie». «Familie» verfängt immer, so wie etwa Kinder- und Tiersendungen im Fernsehen. Man hilft sich, mag sich und impft sich gegenseitig. Die IOK-Spitze kungelt also ausgerechnet mit dem Land, das für die Pandemie verantwortlich zu sein scheint. Es ist ein wenig so wie mit dem Pyromanen, der nach der Entfachung der Feuersbrunst als Feuerwehrmann die gelegten Brände zu bekämpfen hilft. Weil IOK-Präsident Thomas Bach eben ein Funktionär alter Schule ist und den Zeitgeist längst ausgeblendet hat, brüskiert er auf diese Weise die an sich höflichen, disziplinierten Japaner. Dass sich diese und die Chinesen nicht wahnsinnig mögen, ist ein nicht erst seit gestern bekanntes Faktum. Die Japaner gelten jedoch eben als höfliche Zeitgenossen und werden diese Schmach wohl schlucken wie die berühmte Kröte. Was bedeutet, dass die Spiele wohl durchgeführt und die Teilnehmenden mit chinesischem Impfstoff immunisiert werden. Es wäre ja auch gelacht, wenn die Spiele von Tokio nur wegen der Pandemie abgesagt würden und China ein halbes Jahr später im eigenen Land (zweifellos) die Olympischen Winterspiele mit Pauken und Trompeten austragen würde. Das verstehen die Japaner sehr wohl und lassen sich deshalb auf diese Weise vom IOK verzwergen.

Eine «Sportvermarktungs-Scheidung» mit Fragezeichen

Photo by JESHOOTS.com on Pexels.com

(causasportnews / red. / 28. Dezember 2020) Es war so wie in unzähligen Ehen. Jahrelang praktizierten der grösste Sportverband der Welt, der Deutsche Fussball-Bund (DFB), und die Schweizer Rechte-Vermarktungsgesellschaft Infront Sports & Media AG (Infront) mit Sitz in der Schweizer Steueroase Zug, die grosse Liebe und arbeiteten intensivst im Fussball-Vermarktungsbusiness zusammen. Doch plötzlich verdüsterten sich die Wolken am «Ehe»-Himmel. Grund der Dissonanz, die kürzlich zur Scheidung und zur Regelung der Nebenfolgen führte, war ein Werbekunden-Deal, bei dem einem einzelnen Mitarbeiter von Infront die Schuld zugeschoben wurde: Er soll der Urheber dafür gewesen sein, dass bei Bandenwerbungen Kunden z.B. 30 Sekunden Werbung verkauft wurde, jedoch nur während 29 Sekunden eine Gegenleistung erbracht wurde. Gewinn: Auf einen 30 Sekunden-Vorgang eine teure Werbesekunde. Als der Vorgang bekannt wurde, errechneten Vermarktungs-Spezialisten einen Schaden zu Lasten des DFB in Millionenhöhe – die Schummeleien, die als «Sekundenklau» bekannt wurden, sollen mehr als 40 Millionen an Schäden verursacht haben (wobei in diesem Betrag offenbar noch andere Unsauberkeiten seitens Infront hochgerechnet worden sein sollen). Die Rede ist von mehreren Vorgängen, bei denen der DFB über Jahre um teils happige Vermarktungserlöse gebracht worden sein soll. Zwischenzeitlich ist die «Scheidung» zwischen dem DFB und Infront vollzogen worden; überdie  ökonomischen Folgen dieser Trennung sind abschliessende Regelungen erzielt worden. Nun meldet das Deutsche Nachrichtenmagazin «Der Spiegel» Zweifel an der Einzeltäter-Theorie bei Infront an. Der Sekundenklau sei auch nach dem Abgang des offiziell Allein-Verantwortlichen weitergegangen, was Fragen aufwerfe, schreibt das Magazin (Nr. 51/2020, 98). «Der Spiegel» vermutet, «dass Infront dem DFB nur einen scheinbar saftigen Bissen hingeworfen hat, damit der Verband sich zufrieden gibt und nicht auf heiklere Dingte stösst.». Eigenartig mute es auch an, dass Infront gar nicht versucht habe, die Ansprüche des DFB juristisch abzuwehren; das sei rechtlich durchaus möglich gewesen. Erwähnt werden in diesem Zusammenhang zudem (weitere) Beispiele, gemäss denen der Verband durch um Verkaufserlöse gebracht worden sein soll. In den Fokus von Vermutungen geraten jetzt auch die Infront-Vorgängerunternehmen CWL (Cesar W. Lüthi) und Kirch Sport – allerdings geht es dabei gemäss «Spiegel» insbesondere um die nicht abwegige Theorie, dass offenbar mit «schmierigen Methoden» im Juli 2000, also vor 20 Jahren, die Fussball-WM-Endrunde 2006 nach Deutschland geholt worden sei (damit hatte die Gesellschaft Infront allerdings nichts zu tun). Wie meistens bei Scheidungen nach jahrelanger Ehe, muten die nun erzielte Einigung bezüglich der Nebenfolgen zwischen dem DFB und Infront einigermassen speziell an. Wie dem auch sei: Die Parteien haben sich jedenfalls als auseinandergesetzt erklärt – ob «per Saldo aller Ansprüche» ist nicht bekannt geworden. Die investigativen Journalisten werden in diesem Komplex auch nach der vollzogenen Trennung «am Ball» bleiben…

Et tu, Robert Lewandowski?

Photo by Markus Spiske on Pexels.com

(causasportnews / red. / 28. September 2020) Die besten und teuersten Millionäre in kurzen Hosen bekunden oft Mühe, ihre finanziellen Belange so zu regeln, dass sie nicht nur finanziell ausgesorgt haben. Die Stars der Fussball-Szene umgeben sich nicht selten mit unqualifizierten Beratern und falschen Freunden, unfähigen Familienmitgliedern, dubiosen Treuhändern und Anwälten mit krimineller Energie und Steuerspezialisten von zweifelhaftem Ruf. Vor allem, um Steuern zu sparen oder diese am Fiskus vorbei zu schleusen, werden nicht selten internationale Gesellschafts-Konstrukte (z.B. Offshore-Gesellschaften und Trusts in Steueroasen) aufgebaut, welche den betroffenen Sportlern letztlich meistens schaden und lediglich den Beratern und Claqueuren dienen. Und oft fliegen diese aufwändigen Machwerke auf, und der Sportler hat sich wegen ein paar Millionen, welch er am Schluss auch noch verliert, vor den Straf-, Verwaltungs- und Zivilbehörden zu verantworten. Es könnten an dieser Stelle die Namen vieler Top-Fussballer mit einschlägigen Erfahrungen genannt werden; als Beispiel seien etwa Cristiano Ronaldo und Lionel Messi angeführt. Im Fussball-Top-Segment wird oft auch die Binsenwahrheit des menschlichen Zusammenlebens zur Fleisch gewordenen Realität: „Dein heutiger Freund ist Dein künftiger Feind“. Das gilt auch etwa im Verhältnis Fussballer – persönlicher Berater oder Manager. So erlebt es derzeit der Bayern-Star Robert Lewandowski, der sich längst mit einem Jugendfreund und früheren Manager, dem 48jährigen Cezary Kucharski, zumindest krass auseinander gelebt hat. Wie „Der Spiegel“ vor einer Woche berichtete, hat der frühere Berater des 32jährigen Polen, der als aussichtsreichster Kandidat für den Fussballer des Jahres 2020 gehandelt wird, den Torjäger des Münchner Klubs bzw. seine Unternehmung in Warschau verklagt, weil Robert Lewandowski unrechtmässig mehrere Millionen aus einer früheren, gemeinsam gehaltenen Vermarktungsfirma abgezweigt haben soll. Mit einem Schlag sind Finanzströme im Umfeld des Fussball-Stars manifest geworden, die ein Bild über die heute im Spitzen-Sport üblichen Vermarktungs-Usanzen vermitteln. Klar, dass es bei dem publizierten Vorgang auch um finanzielle Aspekte geht, welche die Steuerbehörden interessieren dürften. Die Darstellungen des deutschen Magazins sind in der Sache selber nur schwierig nachzuvollziehen, und evident ist, dass hier ein abgehalfteter Berater eine Abrechnung mit seinem früheren, kickenden Freund und Klienten vornimmt und entsprechend die Medien aufmunitioniert hat. Aber die bevorstehende gerichtliche Auseinandersetzung zwischen dem Berater und Robert Lewandowski lässt auch vermuten, dass Rahmen und Inhalte der „Vermarktungsorganisation Robert Leandwowski“ alles andere als transparent gehalten worden sind. Offensichtlich sind bei den Aktivitäten steuerliche Aspekte mitentscheidend gewesen. Geht es nach dem „Spiegel“, der in der „Causa Robert Lewandowski“ in der neusten Ausgabe (26. September 2020) nachlegt, sieht es für den Bayern-Star nun alles andere als „rosig“ aus. Et tu, Robert Lewandowski, also? Die Zivilklage des ehemaligen Beraters gegen den Fussballspieler wird wohl einen gewichtigen Teil des Finanz-Konstrukts um die Sport-Wirtschaftsfigur Robert Lewandowski offenbaren. Es sei denn, der polnische Ausnahmekönner „kauft“ sich demnächst frei; doch auch dann bleibt wohl der Schaden in steuerlicher Hinsicht angerichtet.

Eines zeigt der unschöne Vorgang um den polnischen Super-Star: Von den gesellschaftsrechtlichen Konstrukten, die weltweit um Sportler aufgezogen werden, verliert die Hauptperson, um die sich (oft vermeintlich) alles dreht, regelmässig. Geradezu tödlich sind irgendwelche Unternehmenskonstrukte, die Übertragung von Werbe- und Persönlichkeitsrechten von Sportlern auf Firmen in Steueroasen oder verschleiernde Geldmittelflüsse zum Gegenstand haben. Hieb und stichfest ist die Sachlage nur dann, wenn die Vermarktung von Athleten vertraglich auch rechtlich und formal an seine Person geknüpft ist. Eine Vermarktung funktioniert nur dann einwandfrei, wenn z.B. Werbe- und Verwertungsverträge zwischen den entsprechenden Unternehmen und dem Sportler abgeschlossen werden. Zahlungen gehen so direkt an den Sportler und können und müssen von diesem auch entsprechend versteuert werden. Alles nach dem Grundsatz: Wer (gut) verdient, soll auch (angemessen) Steuern bezahlen.

Sportler verlieren nicht selten auch Geld durch krumme Anlagen oder bei Investitionen in dubiose Projekte. Einen solchen Schaden ist bei Robert Lewandowski (im Moment) nicht auszumachen. Im selben Heft, in dem das Hamburger Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ die „Causa Robert Lewandowski“ aufrollt, ist allerdings auch eine bemerkenswerte Meldung abgedruckt, die belegt, dass es in Finanzgeschäften auch ausserhalb des Sportes Ungkücksraben gibt. So musste der ehemalige Bundesfinanzminister und bekennende Schweiz-Hasser Peer Steinbrück kleinlaut eingestehen, dass er mit einem Aktien-Investment beim inzwischen kollabierten Zahlungsdienstleistungsunternehmen „Wirecard“ rund 30‘000 Euro verloren habe. Der konsequente Genosse mit offensichtlichem Hang zum Kapitalismus hätte sich besser vertrauensvoll an Schweizer Unternehmen und Banken gewendet…

Anachronismus prägt das Klub-WM-Projekt der FIFA

euro-447214_1280(causasportnews / red. / 19. Dezember 2019) Derzeit findet in Doha (Katar) die sog. „Klub-Weltmeisterschaft“ (Klub-WM) im Fussball mit sieben teilnehmenden Mannschaften statt. Doch kaum jemand schaut hin. Den Medien sind die Resultate dieses Wettbewerbs höchstens Kurzmeldungen wert. Am Samstag stehen sich im Final der FC Liverpool und CF Monterrey (Mexiko) gegenüber. Jetzt will der organisierende Weltverband FIFA den Wettbewerb zur Geldmaschine machen. Derzeit messen sich die Kontinentalbesten und machen unter sich den „Klub-Weltmeister“ aus. Ab übernächstem Jahr soll alles besser werden. Im Sommer 2021 treten in China 24 Klubs an, die um den WM-Pokal der Klubs spielen sollen. Bis dann wird auch ein neues Marketingkonzept für den Wettbewerb greifen, wie die FIFA mitteilt; heute läuft die Eingabefrist für an der Rechtevermarktung des Wettbewerbs interessierte Agenturen ab. Die FIFA erblickt in diesem Wettbewerb der Klubs auf höchster Ebene ein gewaltiges Potenzial. Realisten und Experten jedwelcher Couleur sehen es nicht so rosig. Vor allem ist im Zusammenhang mit diesem Wettbewerb ein Anachronismus nicht zu übersehen:

Die Klub-Weltmeisterschaft wird seit 2000 sinnigerweise vom Weltfussballverband FIFA durchgeführt. Jedoch ist der Klub-Fussball traditionell, historisch und auch vereinsrechtlich bedingt eine Domäne der Konföderationen. Diese sind selbständige Sektionen (Vereine gemäss Art 60 ff. des Schweizerischen Zivilgesetzbuches) der FIFA (ebenfalls ein Verein). Der wichtigste und einträglichste Wettbewerb im organisierten Fussball ist heute die Champions League, die von der europäischen Fussballkonföderation UEFA organisiert wird. Mitglieder der FIFA sind jedoch einzig und alleine 211 nationalen Verbände, was e contrario bedeutet, dass der Klubfussball keine Angelegenheit der FIFA ist. Das ist vielleicht ein stichhaltiges Argument der UEFA, welche sich grundsätzlich gegen den vorgesehenen, aufgeblähten Wettbewerb der FIFA stemmt und mit der „neuen“ Klub-WM eine wirtschaftliche Abwertung der Champions League befürchtet. Deshalb herrscht zwischen FIFA und UEFA im Moment in dieser Hinsicht auch „dicke Luft“. Der Weltfussballverband sieht in der Vermarktung des immer attraktiver werdenden Klubfussballs insbesondere auf europäischer Ebene eine Nische und will am Kuchen, welcher dieses Segment bietet, teilhaben. Die Krux bei diesem Projekt dürfte allerdings sein, dass für die Sportkonsumentinnen und –konsumenten ein erweiterter Klub-Wettbewerb auf globaler Ebene bei weitem nicht das Interesse finden dürfte wie etwa die Champions League der UEFA. Ein Finalspiel zwischen dem FC Liverpool und CF Monterrey ist kaum mit der Attraktivität einer Finalpaarung in der Champions League zu vergleichen. Es ist letztlich eben nicht davon auszugehen, dass im Rahmen der geplanten, künftigen Klub-Weltmeisterschaft jeweils (nur attraktive) europäische Klubs in den Final vordringen.