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Sport und Politik im Gleichschritt

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(causasportnews / red. / 6. April 2021) Der Sport ist seit jeher grundsätzlich darauf bedacht, sich aus der Politik herauszuhalten. Oder sich von der Politik nicht vereinnahmen zu lassen. Zu oft ist die Plattform «Sport» allerdings von Despoten, Diktatoren und anderen Misanthropen für ihre durchwegs unlauteren Zwecke und Ziele missbraucht worden. Ab und zu kann sich der Sport der politischen Einflussnahme entziehen. Aber nicht immer. Nicht selten leben Sport und Politik ambivalent. Wer erinnert sich nicht an grosse Zeiten der Deutschen Nationalmannschaft, etwa, als Bundeskanzlerin Angela Merkel, oft an Spielen auf der Tribüne mit dabei, zum glühendsten Fan des Nationalteams wurde? Sogar das Mannschafts-Duschen fand unter Mitwirkung der Regierungschefin statt. Die Kanzlerin in der Kabine; das war klar mehr als die Erotik des Fussballs. Die Kicker und Trainer Joachim Löw genossen den direkten Support aus dem Kanzleramt sichtlich. Welch ein Zufall, dass die Kanzlerin und der Bundestrainer derzeit etwa dasselbe «Fegefeuer» ertragen (müssen). Sport und Politik nun also im Gleichschritt.

Bundestrainer Joachim Löw ist nach bald 16 Jahren auf höchster Trainer-Ebene ebenso am Ende seiner Karriere angelangt wie Bundeskanzlerin Angela Merkel, seit 2005 im Amt. Nach der Europameisterschaft im Sommer soll Schluss sein; so verhiess es vor kurzer Zeit aus der DFB-Zentrale. Wahrscheinlich ist aber schon vorher Schluss. Die anhaltenden Klatschen auf dem Spielfeld, zuletzt ein schmachvolles 1:2 gegen Nordmazedonien, werden den vorzeitigen Abgang von «Jogi» Löw beschleunigen. Wenn dem Trainer in der DFB-Chefetage (verbal in der Öffentlichkeit) der Rücken gestärkt wird, bedeutet dies letztlich ein rascher Abgang. Dieser wird im Fall des Bundestrainers von den Medin nun durchwegs energisch gefordert; mit einem angeschlagenen Trainer eine Europameisterschaft durchzustehen – das ist zwar möglich, aber sinnlos. Der Druck der Öffentlichkeit wird unabwendbar werden. Gemäss dem deutschen Leitmedium «Bild» wollen 87 Prozent der von der Zeitung befragten 250 000 Menschen, dass Joachim Löw sofort abgelöst wird. Das Hauptproblem: Wer soll den Bundestrainer ersetzen? Die einen können nicht, die anderen wollen noch weniger. Die Kardinalfrage lautet: Wieviel steuert ein Bundestrainer zu sportlichen Erfolgen bei? Im Misserfolg ist er eh verantwortlich.

Ähnlich sehen die Nachfolgeperspektiven bei der amtierenden Bundeskanzlerin aus. In jeder Hinsicht wäre ein sofortiger Rücktritt angebracht. Sie agiert längst als «lame duck» und verwaltet vor allem die seit über einem Jahr anhaltende «Corona»-Krise, statt das Virus effizient zu bekämpfen. Bei ihr ist allerdings dasselbe Problem zu orten wie beim Bundestrainer: Wer soll nach ihr kommen? Schliesslich will sie mit ihrem Festhalten bis zum Schluss als treue Parteigenossin der Union das Kanzleramt sichern. Diese Sorge wird sie bis zum Ende ihrer Amtszeit in Berlin halten.

Es braucht nicht einmal Auguren um vorauszusehen, dass Joachim Löw die Europameisterschaft als Bundestrainer nicht mehr erleben wird – trotz offizieller Ankündigung; Angela Merkel dürfte hingegen tendenziell bis zur Bundestagswahl im September im Zentrum der politischen Macht ausharren. Das Ende ist für beide Persönlichkeiten nahe, welche es durch längst fällige Rücktritte verpasst haben, sich sportlich, bzw. politisch, unsterblich zu machen. Danach werden die Top-Politikerin und der langjährig Bundestrainer Zeit finden, sich bei Kaffee und Kuchen über für beide glorreiche(re) Zeiten zu unterhalten – in Sport und Politik.

Lothar Matthäus als Bundestrainer? Vom Feeling her ein gutes Gefühl!

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(causasportnews / red. / 23. März 2021) Seit dem Bekanntwerden, dass der Deutsche Bundestrainer Joachim Löw nach der Fussball-Europameisterschaft im Sommer seinen Posten im Deutschen Fussball-Bund (DFB) verlassen werde (causasportnews vom 10. März 2021), interessiert die (Fussball-)Welt nur noch eine Frage: Wer wird dessen Nachfolger? Lanciert wird derzeit vor allem von den Medien die Fussball-Legende Lothar Matthäus. Schliesslich soll der Nachfolger des oft spröden «Jogi» nach drei Jahren anhaltender Erfolglosigkeit etwas mehr «Glamour» versprühen als der zurückgetretene Freiburger. Das Fussball-Leben kann durchaus farbiger sein als dies Joachim Löws schwarzer Rollkragenpullover während über zehn Jahren symbolisierte. Etwas mehr «Pep» im deutschen Nationalmannschaftsfussball würde allen dienen; Joachim Löw galt nicht gerade als Garant von (Fussball-)Spiel und Spass. Mit Lothar Matthäus würde alles anders werden. Wer über einen gewissen Bekanntheitsgrad verfügt, die Medien hinter sich weiss und ihnen genug zum (über)leben lässt, ist in Deutschland schon fast Bundestrainer. Der soeben 60 Jahre alt gewordene Weltmeister von 1990 hechelt derzeit von Interview-Termin zu Talk-Show. Es könnte gut kommen mit Lothar Matthäus. Oder, wie es ein anderer, ehemaliger Star-Kicker, Andy Möller, sagen würde: Vom Feeling her darf Lothar Matthäus durchaus ein gutes Gefühl haben mit individuellem Blick in Richtung Bundestrainer-Job. Er würde zweifelsfrei den (medialen) Erwartungen gerecht. In einem Interview mit der Schweizer Boulevard-Zeitung «Sonntags-BLICK» (21. März 2021) erzählt Lothar Matthäus schon einmal alles über seine Karriere, seine vier Ex-Ehefrauen, sein Familienleben, Schicksalsschläge und den Fussball. Er sagt viel zu diesen Themen, er sagt es «fadengerade» hinaus, und das meiste, das er kommuniziert, hat er zweifellos richtig gedacht. «So begleitete ich meine Mutter in den Tod», titelte die Zeitung vielsagend. Nein, «Loddar», wie er auch liebevoll genannt wird, hat keine Ambitionen auf Sterbebegleitung. Im Interview spricht er vor allem über seine Mutter, die ihm sehr nahestand. «Sie ist bei ihrem Mittagsschlaf auf der Couch einfach eingeschlafen», erinnert sich die Fussball-Legende an den plötzlichen Tod der Mutter. Derzeit ist Lothar Matthäus in fünfter Ehe verheiratet, aber: «Ich habe zu allen meinen Ex-Frauen ein super Verhältnis», legt er seine persönliche Familien-Konstellation vielsagend offen. Selbstverständlich würde sich der ambitionierte, derzeitige TV-Fussball-Experte eine DFB-Anfrage bezüglich des Amtes als Bundestrainer überlegen – und selbstverständlich zugreifen, falls sich die Chance dazu bieten würde. Auch wenn es um die Deutsche Nationalmannschaft geht. Denn Lothar Matthäus lässt, im Zusammenhang mit seiner beeindruckenden Laufbahn im Fussball und seinem Privatleben, nicht viele gute Haare an seinen Landsleuten. «Ich bin nicht stolz, Deutscher zu sein», sagt er. Generell werde in Deutschland respektlos mit Menschen, die etwas erreicht haben, umgegangen. «Man ist hämisch und schadenfroh, wenn einer vom Sockel geholt wird. Wenn man den Führerschein verliert oder irgendwelche Frauengeschichten öffentlich werden, dann wirst du mit Häme überschüttet»; mit Blick etwa auf die gestürzten Helden Franz Beckenbauer und Boris Becker seien die Deutschen sehr hart in ihren Urteilen. Aber so sei die Neidgesellschaft, die er nicht verstehe, sagt «Loddar». Der Rekordnationalspieler seines Landes hat durchaus eine sanfte Seite: «Ich bin auch sensibel und weine, wenn mich etwas trifft», sagt er und meint damit zweifelsfrei nicht den Ball. Dennoch würde er einigermassen sicher als Bundestrainer des deutschen Nationalteams zur Verfügung stehen, als Trainer jedoch sicher nicht mehr im «Tagesgeschäft», das heisst wohl, nicht mehr im Klub-Fussball. Ob es mit Lothar Matthäus und der «Mannschaft» soweit kommen wird? Wohl eher nicht. Falls doch, würde sich der fite 60jährige, der auch ab und zu «den Schweinebraten nicht liegen» lässt, wohl sagen: «Humor ist, wenn die Deutschen trotzdem lachen».

Joachim Löw und die Gesetzmässigkeiten des Fussballs

Jogi Löw, deutscher Bundestrainer, an einer Veranstaltung des Swiss Sport Forum im FIFA World Football Museum

(causasportnews / red. / 10. März 2021) Es war an sich nur noch eine Frage der Zeit, bis der vorzeitige Abgang von Joachim Löw als deutscher Bundestrainer auch formell besiegelt sein würde. Seit der verunglückten WM-Expedition 2018 der Deutschen nach Russland galt der Weltmeister-Trainer der Nationalmannschaft (2014, WM-Titel in Brasilien) als «angeschossen», und ginge es nicht wieder einmal um das liebe Geld, wäre der Schnitt zwischen dem Deutschen Fussball-Bund (DFB) und dem Erfolgstrainer längst Realität geworden. Nun sorgte der 61jährige Fussball-Lehrer selbst für klare Verhältnisse und kündigte seinen Rücktritt nach der im Sommer wohl stattfindenden Fussball-Europameisterschaft an. Es ist davon auszugehen, dass sich der Verband und Joachim Löw auf eine vorzeitige Vertragsauflösung bzw. Vertragsaufhebung des an sich noch bis nach der WM-Endrunde 2022 in Katar laufenden Kontraktes geeinigt haben. Der Freiburger hat mit seinem vorzeitigen Rücktritt, oder wie auch immer die soeben bekannt gewordene Vertragsbeendigung qualifiziert werden soll, den Gesetzmässigkeiten des Fussballs Rechnung getragen. Diese wären vor allem, dass der Trainer immer ein Thema ist, nicht nur dann, wenn der Erfolg ausbleibt; dann aber umso mehr. Eine weitere Usanz bildet der Umstand, dass derartige Trennungen jeweils opportunistisch vorgenommen werden. Es ist im Fussball wie in einer kriselnden Ehe: Die entscheidenden Schritte müssen sinnvollerweise umgehend vorgenommen werden. Dass der Bundestrainer noch bis zum Abschluss der Europameisterschaft im Amt bleiben soll, ist eine geradezu fahrlässig herbeigeführte Situation mit Kollateralschaden-Potential. Joachim Löw wird mit der Mannschaft das bedeutende Turnier für Nationalmannschaften als «lame duck» («lahme Ente») bestreiten. Die Gegner der Deutschen an der EM wird es freuen. Der Zeitpunkt der Beendigung der Tätigkeit von Joachim Löw im DFB ist aus unternehmerischer Sicht in Berücksichtigung der Sitten, Gebräuche und Gesetzmässigkeiten im Top-Fussball als krasse Fehlleistung zu qualifizieren. Entscheide zur «Gesichtswahrung» aller Beteiligten sind für ein Unternehmen immer schlecht. So, wie sich die Dinge im DFB seit der verunglückten Russland-Mission der Deutschen vor knapp drei Jahren entwickelt haben, müsste ein Neustart umgehend erfolgen. Nicht zu vermeiden ist nun, dass die Nachfolgediskussion die Szene beherrschen und nicht mehr Joachim Löws Arbeit mit der Deutschen Mannschaft im Fokus stehen wird. Die Europameisterschaft überstehen – e poi morire, wäre der Betrachter der Szene geneigt zu sagen.

Der Nationalmannschafts-Fussball hat sich vom angestammten Produkt-Inhalt und aufgrund seiner Bedeutung in den letzten, wenigen Jahren markant verändert. Für die Fans steht im Zuge der Globalisierung eher der Klub-Fussball im Zentrum des Interesses, was sich auch in der bereits im Gang befindlichen Nachfolgediskussion um Joachim Löw manifestiert. Hansi Flick, der Trainer des erfolgreichen FC Bayern München und jahrelang engster Mitarbeiter des Bundestrainers, wird sich hüten, einen der besten Jobs im international bedeutenden Klub-Fussball aufzugeben und in den immer mehr an Bedeutung verlierenden Nationalmannschafts-Fussball zurückzukehren. Apropos Hansi Flick: Seit er aus dem Stab von Joachim Löw zurückgetreten ist, hat letzteren auch das (vor allem sportliche) Glück verlassen. Das führt zur folgerichtigen Frage, ob Hansi Flick der «heimliche» Bundestrainer war, welcher der Deutschen Nationalmannschaft aus der zweiten Linie den Stempel des Erfolgs aufgedrückt hatte. Zeit, um ein paarmal im Jahr die Deutsche Nationalmannschaft zu coachen, hätte Ralf Rangnick, derzeit ohne Job und Hoffnung auf ein sinnvolles Klub-Engagement. Dass diese Personalie nun vordergründig thematisiert wird, zeigt, in welchem Dilemma der Nationalmannschafts-Fussball im Allgemeinen steckt.

Entzweit der Skisport die (europäische) Einheit?

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(causasportnews / red. / 5. Dezember 2020) Gemeinhin wird dem Sport völkerverbindende Bedeutung nachgesagt, aber er kann offenbar auch «entzweiend» wirken, wie das Beispiel des Skisports zeigt. Beziehungsweise wird aktuell ersichtlich, wie nationales Denken und Handeln im Zeitalter von «Corona» prävaliert. Die Rede ist nun allerdings nicht vom kommerziell geprägten, organisierten Spitzen-Sport, sondern vom alpinen Skizirkus für alle, den sog. Alpinen Breitensport. Auch dieser weist bekannterweise bedeutende wirtschaftliche Komponenten auf. In den Skigebieten wird nicht nur Sport getrieben, sondern auch gegessen, (reichlich) getrunken; zudem erfolgt eine breitgefächerte Verlustierung; siehe Ischgl. Und das ist bei diesem Problem auch der springende Punkt. Frankreich, Italien und Deutschland tendieren dazu, ihre traditionellen Skigebiete erst nach den Feiertagen wieder frei zu geben – oder die angekündigten Restriktionen erst allmählich im neuen Jahr zu lockern. Falls es «Corona» dann zulässt. Österreich als klassisches Wintersportland ist sich (auch) der wirtschaftlichen Verantwortung in der «Corona»-Zeit bewusst und möchte eher einen liberalen Weg einschlagen, was Lockerungen von angeordneten Massnahmen anbelangt. Soweit, so gut. Wenn nun nicht die Schweiz einfach hineingrätschen würde: Das in den Augen insbesondere der Deutschen «sonderbare Bergvolk» stört die europäische Harmonie, indem es auch hier einen Sonderweg beschreiten will. Das kann die Schweiz natürlich. Immerhin gehört die Eidgenossenschaft nicht der Europäischen Union (EU) an und darf sich (einstweilen) auf die nationale Eigenständigkeit besinnen. «Im Wallis wird über die Festtage Ski gefahren und in den Restaurants gegessen», brachte es der Walliser Staatsrat Christoph Darbellay kürzlich auf den Punkt. Und der Schweizer Tourismus applaudierte. Das sorgt in den Alpenländern Frankreich, Italien und Deutschland für Verstimmung; Österreich hält sich in dieser Frage aus naheliegenden Gründen ziemlich bedeckt. Dafür schlägt der Eidgenossenschaft aus Brüssel nun ein eisiger Wind entgegen. Das alles in einem Zeitpunkt, da die Schweiz ein sog. «Rahmenabkommen» mit der EU anstrebt und eine grundsätzliche getroffene Einigung in delikaten Punkten nachverhandeln will. Da würde in der EU-Zentrale schon ein wenig Solidarität in der Krise erwartet. Klar ist, dass die Bekämpfung von «Corona» und die zu ergreifenden Massnahmen nationale Aufgaben sind. Aber ein wenig Solidarität würde die EU von der Schweiz in dieser Frage im Rahmen des Breitensportes, bei dem es sich nicht spassen lässt, durchaus erwarten. Die (vermeintliche) Aufmüpfigkeit und die harte Haltung sind unter dem Aspekt des europäischen Solidargedankens in der Tat erstaunlich, auch wenn es bei der liberalen Handhabung der «Corona»-Massnahmen vor allem um nationale Belange geht. Erstaunlich auch deshalb, weil vor allem die Schweizer Politik vor Europa geradezu kuscht und sich vor den EU-Repräsentanten jeweils unterwürfig in den Staub zu werfen pflegt. Doch jetzt zeigt das Bergvolk, europäisch gesprochen, «Cojones». Wirtschaftliche Überlegungen, auch im Zusammenhang mit dem traditionellen Skisport, sind in einem Land ohne Bodenschätze von derartiger Relevanz, dass sogar die so gefährdete, europäische Harmonie hintanstehen muss. Aber irgendwann wird «Corona» Geschichte sein; ebenso die Gefahr, dass der europäische Einheitsgedanke aufgrund der Auswüchsen dieser Pandemie auch ausserhalb der Union nachhaltig Schaden nehmen könnte.

Nur noch «sauberes» Geld im Sport

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(causasportnews / red. / 25. November 2020) Geht es nach dem Willen der Justizminister der Deutschen Bundesländer, soll das im Sport zirkulierende, bzw. «schwimmende» Geld bald nur noch ganz «sauber» sein. Die Justizministerkonferenz will in diesen Tagen entsprechende Vorstösse beschliessen, unter anderem eine Anpassung und Verbesserung der Geldwäsche-Gesetzgebung.

Die Anfälligkeiten des professionellen Sportes für «schmutziges» Geld sei längst bekannt; jedoch werde immer noch zuwenig getan, um diesem Übel beizukommen, verlautete aus Justizkreisen. Insbesondere die Fussball-Bundesliga müsse ein ureigenes Interesse haben, nicht nur die Tore auf dem Sportplatz, sondern auch das ganze Haus des Fussballs sauber zu halten. Immer mehr Geld im organisierten Sport begünstige üble pekuniäre Machenschaften, wie dies im Nachgang zum «Sommermärchen» anlässlich der Fussball-WM-Endrunde 2006 in Deutschland offenkundig geworden sei. Angestrebt werden eine bessere, transparentere Überwachung der Geldströme und Meldepflichten bei gewissen Finanz-Transaktionen im organisierten Sport. In die Regulierungsbestrebungen soll auch das Sportler-Vermittlungsgewerbe miteinbezogen werden. Bekanntlich werden auf nationaler und internationaler Ebene immer wieder undurchsichtige Transfers abgewickelt. Juristische Konstrukte in diesem Zusammenhang, aber auch etwa Werbe-Vereinbarungen von Sportlern, begünstigen die unkontrollierten Zirkulation der Gelder nicht nur im Spitzen-Fussball. Oft dienen auch «Steuer-Spar-Modelle» der Hinterziehung von Steuern durch Verschleierung von Finanzströmen. Nicht bekannt wurde, ob der Kampf gegen die Geldwäsche im Sport letztlich auch international geführt werden soll. Um die «dicken Fische» zu fangen und die Geldflüsse, soweit notwendig, transparent zu halten, ist eine globale Harmonisierung der Anti-Geldwäscherei-Aktivitäten im Sport jedoch unabdingbar.

Joachim Löw: Die Schuld des Trainers in der fussballerischen Baisse

Joachim Löws Höhepunkt: Der World Cup 2014, © Swiss Sport Forum

(causasportnews / red. / 19. November 2020) Wird einem Fussballtrainer in Bedrängnis das Vertrauen ausgesprochen, wie dies der DFB-Nationalmannschafts-Direktor Oliver Bierhoff gegenüber Joachim Löw nach der 0:6-Klatsche, welche die Deutsche Nationalmannschaft gegen Spanien anfangs Woche eingefangen hatte, tat, ist der Abgang des Bundestrainers wohl nur noch eine Frage der Zeit. Im «Fall Joachim Löw» wiederholt sich die schicksalshafte Trainer-Geschichte, die sich immer und auf allen Ebenen zu wiederholen pflegt. Diesmal jedoch auf höchstem Niveau. Immerhin ist Joachim Löw mit «Der Mannschaft», wie die Deutsche Nationalmannschaft seit geraumer Zeit heisst (und womit der Terminus «national» aus dem Fussball eliminiert worden ist), 2014 in Brasilien Weltmeister geworden. Doch seither hat ihn (auch) das Glück verlassen. Genau genommen, seit der aktuelle Bayern München-Trainer Hansi Flick als Assistent von «Jogi», wie Joachim Löw von den Massen genannt wird, das «Mannschafts»-Schiff nach dem in Brasilien errungenen Fussball-WM-Titel verlassen hat. Und nun glauben es auch die letzten Häretiker, dass der WM-Macher von 2014 eben eigentlich nicht Joachim Löw war, sondern…Hansi Flick! Wie dem auch sei. Bereits werden in den Deutschen Medien die ersten Namen für die Nachfolge von Joachim Löw herumgeboten, laufender Vertrag hin oder her – unter ihnen, wen wundert’s, Hansi Flick, der sich natürlich hüten wird, seinen Renommier-Posten beim FC Bayern München zu Gunsten der «Mannschaft» aufzugeben, auch wenn er sich als Klub-Trainer im Dauer-Einsatz befindet und als Bundestrainer für ebenfalls schönes Geld im Jahr nur ein paar Mal ran müsste; und sonst weidlich Golf spielen und sich im Fitness-Studio verlustieren darf.

Es lässt sich wohl nüchtern und sachlich feststellen, dass Joachim Löw den richtigen Zeitpunkt seines Abgangs nach dem WM-Titel verpasst hat. Statt als Säulenheiliger verehrt zu werden, dürfte er nun zum Buhmann der Nation, und nicht nur der «Mannschaft» verkommen. So abzutreten hinterlässt meistens Flurschaden und verbrannte Erde zugleich. Allerdings wäre es ungerecht, das Malaise der «Mannschaft» nach Brasilien alleine Joachim Löw in die Schuhe zu schieben, auch wenn das in der sportlichen Praxis so ist. Die «Mannschaft» ist gut, nur der Trainer schlecht – so lässt sich die Einsamkeit des Trainers in der fussballerischen Baisse, die konkret in ein kaum je da gewesenes Desaster in Spanien ausmündete, auf den Punkt bringen. Wobei es letztlich um die Schuldfrage geht, die im Fussball immer zuungunsten des Trainers beantwortet wird. Obwohl diese Schuld auch im «Fall Löw» evident bist, muss dieser und jener Negativ-Punkt dennoch relativiert werden. So ist das Marketingvehikel «Nationalmannschaft» mit der Umbenennung in «Die Mannschaft» in eine vom (nationalen) Publikum wenig goutierte Richtung gelenkt worden. Diese «Bieridee» von Oliver Bierhoff hat zweifelsfrei zur generellen Entfremdung der Deutschen Nationalmannschaft nicht nur vom Fussball-Volk geführt.

Mit der fortschreitenden, allgemeinen Globalisierung und weg vom nationalen Denken und Handeln wird der Nationalmannschafts-Fussball immer stärker entwertet. Ein WM-Titel wird bald weniger «wert» sein als ein Champions League-Triumph. Die Spieler aller Nationen sind lieber für ihre Klubs statt für die Nationalmannschaften tätig.

Ein (nicht) ganz gewöhnliches Fussballspiel

Deutschland – Schweiz, Stuttgart, 22. November 1950 © Deutscher Fussball Bund

(causasportnews / red. / 14. Oktober 2020) Es war an sich ein ganz gewöhnliches Fussballspiel – aber doch nicht ganz. In Köln standen sich am gestrigen 13. Oktober die Nationalteams Deutschlands und der Schweiz gegenüber. Allerdings «nur» in einem Freundschaftsspiel, das es in der konventionellen Form nicht mehr gibt. Heute werden auch Freundschaftsspiele «formatiert», d.h., es geht bei diesen Spielen um ein bisschen etwas – mehr also nur um die Ehre oder um Tests, wie das bis vor kurzer Zeit bei Freundschaftsspielen üblich war. Der Wettbewerb, bzw. das «Format», heisst heute «Nations League», und der Zufall will es, dass in der selben Spielgruppe Deutschland und die Schweiz gegeneinander anzutreten haben. Nicht, weil Deutschland selbstverständlich über das stärkere Nationalteam verfügt als die Eisgenossen, ist ein Match der Deutschen gegen die Schweizer immer etwas Besonderes. Der Hintergrund ist trotz der Apolitizität des (Fussball-)Sportes ein politischer. Die Schweiz und Deutschland sind Nachbarn, und immerhin leben und arbeiten geschätzte eine Million Deutsche, teils in den letzten Jahren eingebürgert, in der Schweiz. Von den Deutschen lassen sich die Schweizer je länger desto mehr die Welt erklären; die «Neue Zürcher Zeitung» hat sich zwischenzeitlich zum Publikationsorgan der Deutschen in der Schweiz gemausert. Selbstverständlich leben Schweizer und Deutsche in der Schweiz friedlich zusammen – und mögen sich recht gut, auch wenn der Schweizer seine Komplexe gegenüber dem Deutschen noch immer nicht vollständig abgelegt hat. In fussballerisch-politischer Hinsicht ist es als speziell zu werten, dass nach dem 2. Weltkrieg die Schweiz 1950 als erstes Land auf der Welt den deutschen Fussballern die Hand zur Versöhnung gereicht hat, was im ersten Freundschaftsspiel zwischen Deutschland und der Schweiz in Stuttgart sportlich besiegelt wurde. Auch wenn jenes Fussballspiel für die Schweiz verloren ging (1:0), bleibt diese Geste des Friedens seitens der Schweiz fünf Jahre nach Kriegsende offenbar für immer präsent. Der Deutsche Fussball-Bund (DFB) hat jenes Freundschaftsspiel bis heute nicht vergessen. Eine schöne Erinnerungen an die Schweiz bildet aber auch der Weltmeistertitel, den sich die Deutschen in der Schweizer Bundeshauptstadt 1954 überraschend und sensationell erspielt hatten – neun Jahre nach dem Ende des Krieges, der für Deutschland desaströs und mit einer Total-Niederlage geendet hatte. Somit war das gestrige Spiel in Köln, das 3:3 ausging, eben mehr als nur ein Freundschaftsspiel. Trotz zweimaligem Rückstand erkämpfte sich die Mannschaft von WM-Trainer Joachim Löw einen für Deutschland wichtigen Punkt in der Gruppe mit den weiteren Mannschaften Spaniens und der Ukraine. Weil Spanien in der Ukraine patzte, könnte Deutschland noch den Gruppensieg schaffen; für die Schweiz folgt auf dieses Ergebnis gegen Deutschland nun wohl der Abstieg. Evident war es allerdings, dass die deutsche National-Elf weiterhin nicht auf Touren kommt. Und das Unentschieden gegen die Schweiz bildet Munition für die Kritiker von Bundestrainer Joachim Löw. Diese werfen ein, der «wahre» Bundestrainer sei so oder so Hansi Flick gewesen, und ohne den jetzigen Bayern-Trainer als «Assistent» und eigentlicher «Schattentrainer» sei Joachim Löw auch das Glück abhanden gekommen. Wie dem auch sei: Mit dem gewaltigen Reservoir an Top-Spielern wird nun von der Deutschen Mannschaft eine gewaltige Steigerung erwartet. Oder die Tage von Joachim Löw als DFB-Bundestrainer könnten bald gezählt sein. Das gestrige Spiel der hochkotierten Deutschen gegen die klar schwächeren Schweizer lässt Raum für Interpretationen und Spekulationen. Auch in einem Freundschaftsspiel geht es heute eben um mehr als noch vor wenigen Jahren.

Neuer Skandal um Vermarktungsmillionen im Fussball

© Marco Verch

(causasportnews / red. / 23. Juni 2020) Für einmal ist in einen Vorgang im globalen Fussball-Vermarktungsgeschäft nicht etwa der Weltfussballverband (FIFA) involviert, sondern von Verbandsseite der grösste Sportverband der Welt, der Deutsche Fussball-Bund (DFB). Es geht um Vermarktungsverträge, die der DFB mit der schweizerischen Vermarktungsgesellschaft Infront Sports & Media AG (Infront) in Zug bezüglich Nationalmannschaften des DFB abgeschlossen hat. Wie das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ in der aktuellen Ausgabe exklusiv berichtet (Nr. 26/2020 vom 20. Juni 2020), sollen Deutsche Top-Funktionäre im DFB die von Philippe Blatter, Neffe des ehemaligen FIFA-Präsidenten Josef Blatter, geführte Vermarktungsgesellschaft in der Innerschweiz begünstigt und so auf Millionen von Franken bzw. Euros verzichtet haben. Zum gesamten Thema existiert offenbar ein „Geheimbericht“, der kürzlich dem DFB-Präsidium zugestellt worden sein soll und offenbar Unappetitliches enthält. Dieser offensichtliche, neue Skandal im organisierten Fussball reiht sich an andere, eigenartiger Vorkommnisse. Erst vor rund einem Jahr wurde beispielsweise bekannt (causasportnews vom 12. Juli 2019), dass die Zuger Unternehmung Bandenwerbung für 30 Sekunden verkaufte, aber jeweils eine Sekunde weniger sendete (und jede gewonnene Sekunde nochmals verkaufte) – ein veritabler Betrug an Unternehmungen, die Bandenwerbungen belegten. Wie auch aktuell wurde damals im Zusammenhang mit dem „Sekundenklau“ der Name eines ehemaligen Star-Fussballers und heutigen Sport-Lobbyisten mit Nähe zu Infront genannt: Günter Netzer. Für ihn gilt selbstverständlich die Unschuldsvermutung, wie auch für den ehemaligen DFB-Präsidenten Wolfgang Niersbach, der im „Geheimbericht“ offenbar nicht gerade vorteilhaft wegkommt. In der neusten Fussball-Affäre wird, wie bereits früher, eines klar: Die Beziehungen zwischen dem DFB und Infront waren und sind derart eng, dass andere Marketingfirmen, nicht nur wenn es um den Verkauf von Bandenwerbung geht, kaum reelle Chancen haben, ins Geschäft mit dem DFB zu kommen. Zufall ist beispielsweise etwa, dass der Sohn des damaligen DFB-Generalsekretär Helmut Sandrock, ein eloquenter, ehemaliger Red Bull-Mann, relativ zügig zu einer Anstellung bei Infront kam. Ein Schelm, der Unlauterkeit vermutet…

Dass dieser nun bekannt gewordene Komplex nun vollständig aufgedeckt werden soll, ist vor allem der Initiative des aktuellen DFB-Präsidenten Fritz Keller sowie dem Generalsekretär des Verbandes, Friedrich Curtius, zuzuschreiben. Fritz Keller hat schon bei seinem Amtsantritt erklärt, mit „Altlasten“ im Verband aufräumen zu wollen. Zu diesen zählen zweifelsfrei die eigenartigen Verbindungen zwischen DFB und Infront. Affaire à suivre.

Fussball-Prozess in Bellinzona: Schuld ist nur die Fledermaus

(causasportnews / red. / 25. März 2020) In gut einem Monat, am 27. April 2020, wird es formell besiegelt sein, doch bereits jetzt wird klar: Der Prozess um eine dubiose Zahlung rund um das „Sommermärchen“ 2006 in Deutschland ist faktisch so gut wie geplatzt. Will heissen: Die zur Anklage gegen die ehemaligen Funktionäre Dr. Theo Zwanziger, Wolfgang Niersbach (beide ehemalige DFB-Präsidenten), Horst R. Schmidt (WM-OK-Mitarbeiter 2006) und Dr. Urs Linsi (ehemaliger FIFA-Generalsekretär) gebrachten Vorhalte wegen Betrugs werden verjähren. Derzeit ist der Prozess am Bundessstrafgericht unterbrochen, doch niemand rechnet ernsthaft damit, dass das Verfahren gegen die vier vom „Corona“-Virus bedrohten, angeklagten Rentner, welche der „Corona“-Risikogruppe angehören, im arg verseuchten Tessin, wie vorgesehen, ab 20. April weitergeführt und bis Ende April mit Schuldsprüchen beendet werden kann. „Corona“ wirkt in diesen Tagen und für alle Verfahrensbeteiligte wie ein „deus ex machina“; damit können alle leben und teils ihre Haut retten: Die Anklageschrift ist von der Anklagebehörde derart katastrophal verfasst worden, dass nach Auffassung von Prozessbeobachtern nach einer gerichtlichen Beurteilung glatte Freisprüche die Folge gewesen wären. Der Volkszorn hätte die umstrittenen Bundesanwaltschaft mit voller Wucht getroffen. Hätte das Gericht die Angeklagten freigesprochen, wäre diesem Spott und Häme sicher gewesen; nicht die Bundesanwaltschaft, diese hat bekanntlich die Anklage gegen die vier ehemaligen Fussball-Funktionäre nach jahrelangen Irrungen und Wirrungen im Sinne der Weitergabe der „heissen Kartoffel“ noch vor Ablauf der Verjährung am Gericht eingebracht. Natürlich ist die Verjährung auch für die Angeklagten ein schöner Erfolg, auch wenn Freisprüche auf der Hand lagen. Bei der Schluder-Arbeit der Bundesanwaltschaft war es allerdings auch ein Leichtes, die Vorhalte in die Verjährung zu „schaukeln“. Franz Beckenbauer hat sich bereits früher aus dem Verfahren verabschiedet (vgl. dazu auch causasportnews vom 29. Januar 2020)

Ende gut – alles gut also für alle Beteiligte, und wichtig: Es sind dafür keine konkreten Verantwortlichen auszumachen. Das Desaster um diese Fussballprozesse, welche den Schweizer Steuerzahler Millionen kosten und der Schweizer Justiz einen veritablen Reputationsschaden bescheren, sind auch nicht die Schweizer Parlamentarierinnen und Parlamentarier, welche den an sich untragbaren Bundesanwalt Michael Lauber im letzten Herbst wieder gewählt haben (vgl. dazu etwa causasportnews vom 25. September 2019); er hat schliesslich rechtzeitig anklagen lassen (in den Verfahren selbst ist er in den Ausstand gedrängt worden). Schuld an der ganzen Verfahrensentwicklung und an allen eingetretenen Umständen ist letztlich das „Corona“-Virus, das die Welt derzeit lähmt. Und schliesslich ist auch nicht klar, wer die Schuld am „Corona“-Virus trägt. Offenbar sollen die Erreger von Fledermäusen übertragen worden sein, wie chinesische Virologen glauben. Schuld am Prozessverlauf in Bellinzona ist sicher nicht der Champagner, der von Johann Strauss in der „Fledermaus“ als Teufelsgebräu entlarvt wird, sondern die Fledermaus gleich selber. Und weil sich die Ursachen der Epidemie, und wer für deren Verbreitung verantwortlich ist, nicht eruieren lassen, bleibt die Schuldfrage auch hier im Dunkeln.

Wenn in diesem Fussball-Prozess, der für alle Beteiligten ein ideales Ende nimmt, schon kein Schuldiger auszumachen ist (in der Schweiz ist diese Reihenfolge einzuhalten: Zuerst Schuldige feststellen, dann allenfalls, wenn es unbedingt sein muss, Lösungen anstreben) lässt es sich in helvetischen Gefilden wenigstens trefflich über Kompetenzen, wie derzeit bei der Bekämpfung des „Corona“-Virus, streiten: Statt mit gebündelten Kräften die Krise zu meistern, streiten sich Bund und einige Kantone um Führungsansprüche und –kompetenzen. Der längst überholte Föderalismus feiert in diesen schwierigen Tagen und auf Kosten der Volksgesundheit wieder einmal Orgien. Hier allerdings mit verheerenden Auswirkungen. Die Schweiz ist vom „Corona“-Virus verhältnismässig sehr stark betroffen – vor allem der opportunistischen, führungsschwachen Schweizer Regierung sei Dank.- Um das zu verstehen und zu verkraften hilft wirklich nur noch Champagner in ausreichender Menge. Schuld ist er aber für diese Misere nicht, sondern ein alternativloses Heilmittel.

Schweizer Justiz in Fussballverfahren vor dem Total-Crash

(causasportnews / red. / 29. Januar 2020) Alles begann so schön spektakulär-öffentlich, und die Schweiz sah die Chance gekommen, sich durch vorbehaltlos devotes Verhalten Freunde in den USA zu schaffen und sich der Welt-Öffentlichkeit als Sauber-Nation zu präsentieren, als am 27. Mai 2015 die Schweizer Behörden auf Ersuchen der US-Justiz frühmorgens im Zürcher Nobel-Hotel „Baur au Lac“ mehrere FIFA-Funktionäre aus den Betten holten und abführten. Es erfolgten Auslieferungen der Verhafteten, Schlammschlachten zwischen Funktionären und Ermittlungen  seitens der Bundesanwaltschaft. 25 Verfahren werden seither von der Schweizer Bundesanwaltschaft geführt; und in einem einzigen Fall ist seither Anklage wegen der sog. „Sommermärchen-Affäre“ im Zuge der WM-Endrunde 2006 in Deutschland erhoben worden. Es geht um dubiose Zahlungen, durch die sich zumindest vier Personen strafrechtlich verantworten müssen: Theo Zwanziger, Wolfgang Niersbach und Horst R. Schmidt sowie der Schweizer Urs Linsi, ehemaliger FIFA-Generalsekretär. Das Verfahren gegen Franz Beckenbauer ist zwischenzeitlich abgetrennt worden. Seit einem halben Jahr liegt die Anklageschrift gegen die vier Beschuldigten beim Bundesstrafgericht in Bellinzona, und am 9. März 2020 soll nun der Prozess im Tessin abgehalten werden. Diese Zeitspanne von einem halben Jahr gibt zu Diskussionen Anlass, könnte aber damit zu tun haben, dass das Bundesstrafgericht seit geraumer Zeit ebenso vor allem mit sich selber beschäftigt ist wie die Bundesanwaltschaft. Animositäten, Querelen, ein Hauen und Stechen auf allen Ebenen und weiteres sollen Gründe dafür sein, dass die Behörden „Bundesanwaltschaft“ und „Bundesstrafgericht“ juristischen Tollhäusern ähneln. Das für sich alleine ist schon eine Bankrotterklärung des Schweizer Justizapparates; erschwerend kommt nun im zur Anklage gebrachten Vorgang hinzu, dass bezüglich der eingeklagten Taten die Verjährung droht; eingeklagte ist der Tatbestand des Betrugs (Art. 146 Strafgesetzbuch), der in der Praxis kaum je greift. Bis zum 27. April 2020 müssen gegen die Beschuldigten Verurteilungen vorliegen, ansonsten die Taten in jedem Fall verjährt sind.- Niemand glaubt mehr daran, dass dies gelingen wird. Hinter vorgehaltener Hand wird getuschelt, dass es allen Involvierten nicht ungelegen käme, wenn auf diese Weise die Verjährung eintreten würde. „In die Verjährung gleiten lassen“ wird in der Justiz diese Form der Verfahrenserledigung genannt. Die Bundesanwaltschaft würde sich jedenfalls nicht dem Ruf aussetzen, die Anklage nicht rechtzeitig erhoben zu haben (wobei aufgrund der Aktenlagen nach Meinung von Experten Freisprüche allerdings vorprogrammiert sind); falls das Bundesstrafgericht die Fälle in die Verjährung schlittern lässt, käme sie darum herum, die Funktionäre freisprechen zu müssen. Dass das Gericht also nicht unglücklich wäre, die Vorgänge nicht materiell-rechtlich beurteilen zu müssen, liegt auf der Hand.

So könnte der bevorstehende Prozess gegen die vier Fussball-Funktionäre dazu führen, dass sich die Schweiz am 9. März 2020 noch einmal global in Szene setzen könnte. Allerdings kaum mehr so spektakulär-saubermännisch wie am 27. Mai 2015 anlässlich der Verhaftungen im „Baur au Lac“ in Zürich. Die Welt könnte dann allerdings den Total-Crash der Schweizer Justiz im wohl grössten Fussball-Skandal aller Zeiten mitverfolgen. Das ganze könnte „garniert“ werden mit einem Prominenten-Schaulaufen in Bellinzona. Befragt werden sollen am Prozess nämlich der ehemalige FIFA-Präsident Joseph Blatter und die Fussball-Ikone Günter Netzer. Logisch, dass sich der abgehalfterte, ehemalige FIFA-Spitzenfunktionär diese Gelegenheit, wieder einmal in der Öffentlichkeit stehen zu können, nicht nehmen lassen wird. Geladen zur Befragung ist übrigens auch Franz Beckenbauer, der eigentlich ebenfalls auf der Anklagebank sitzen müsste. Allerdings gilt er (als Beschuldigter) als nicht einvernahmefähig; hingegen ist das Bundesstrafgericht der Meinung, dass er im Verfahren gegen seine (ehemaligen)Kollegen dennoch befragt werden könnte. Wetten, dass der „Kaiser“ aber auch als Auskunftsperson nicht dabei sein wird!