Schlagwort-Archive: Gianni Infantino

Präsidenten von der Rolle

© U.S. Embassy Bern, Switzerland

(causasportnews / red. / 27. Januar 2020) Was ist nur los mit den Präsidenten und Präsidentinnen auf dieser Welt? Weshalb muss es oft derart peinlich werden, wenn diese Aktivitäten entfalten? Am zu Ende gegangenen Weltwirtschaftsforum (WEF) in Davos stand vor allem ein Präsident im Fokus des Interesses: US-Präsident Donald Trump (Greta Thunberg ist bekanntlich noch nicht Präsidentin; das dürfte aber nur eine Frage der Zeit sein). Die Welt, und dazu gehören auch Politikerinnen und Politiker sowie die Medien werden zwar nicht müde zu betonen, wie peinlich und verachtenswert sie den wohl mächtigsten, aber wohl auch ungeliebtesten Mann der Welt finden, doch wenn er dem WEF in der Schweiz seine Aufwartung macht, wie in der vergangenen Woche, wirft sich die Wirtschafts-, Polit- und Medien-Prominenz vor ihm in den Davoser Schnee und erstarrt in Ehrfurcht. Keine Ausnahme bildete etwa die stramme Schweizer Bundespräsidentin, die den aus ihrer (linken) Sicht Schlechten dieser Welt jeweils den Spiegel vorzuhalten pflegt, Simonetta Sommaruga, die vor dem US-Präsidenten derart fasziniert zu sein schien, dass sie darob vergass, was sie mit einem aus Schweizer Sicht angedachten Freihandelsabkommen mit den USA eigentlich zu erreichen gedachte und von Donald Trump kurzerhand ins politische Abseits manövriert wurde. Als Präsidentin peinlich müsste Simonetta Sommaruga nach diesem Auftritt bezeichnet werden. Apropos Abseits: Da wurde anlässlich des WEF ein Abendprogramm mit dem US-Polit-Star abgehalten, den angeblich die Welt nicht mag und auch auf allen Ebenen bekämpft wird, obwohl er in einem höchst-demokratischen Verfahren gewählt worden ist und auch die zweite Amtsperiode als US-Präsident absolvieren dürfte. Mit von der Partie war sonderbarerweise der FIFA-Präsident Gianni Infantino, dem die Ehre zukam, den Abend mit dem US-Präsidenten zu eröffnen. Vor allem die Wirtschafts- und Polit-Vertreter fragten sich, weshalb gerade der oberste Fussball-Funktionär. Klar, der Fussball ist weltumspannend weit wichtiger als Wirtschaft und Politik zusammen. Schliesslich soll 2026 die WM-Endrunde der Männer in den USA, in Kanada und in Mexiko ausgetragen werden; bezüglich Mexiko bleibt die Ausgangslage speziell spannend, zumal bis dann der von Donald Trump angekündigte Mauerbau an der Grenze zwischen den USA und Mexiko vollzogen sein wird, aber zweifelsfrei zumindest per Flugzeug überwunden werden kann. Die Anbiederung des FIFA-Präsidenten, der sich bescheiden als zweitwichtigsten Mann in Davos bezeichnete, gegenüber seinem Freund aus dem Oval Office hinterliess in den Bündner Bergen den erwartet sonderbaren Eindruck, und was sich „Johnny“ (so nannte Donald Trump seinen zum persönlichen Sportsfreund mutierten Gianni Infantino) und „Donny“ eigentlich zu sagen hatten, gelangte nicht an die Öffentlichkeit. Zumindest der FIFA-Präsident wird, falls in Davos etwas Substantielles besprochen worden sein sollte, das auch schon wieder vergessen haben; er gilt seit der Affäre um den Schweizer Bundesanwalt Michael Lauber eh als nicht gerade „gedächtnisstark“, konnten sich beide Protagonisten Michael Lauber und Gianni Infantino bekanntlich weder an Gespräche noch an allfällige Inhalte solcher Besprechungen erinnern. Wenigstens hatte das Treffen Trump – Infantino in Davos eine humoristische Seite – früher hiess es „Dick und Doof“, heute „Johnny und Donny“. Am WEF darf es ja auch lustig sein. Diesbezüglich hat die Schweizer Bundespräsidentin ohne Zweifel dazugelernt…

Ein „Schwergewicht“ im IOK – und was in der „Causa Gewichtheben“ (nicht) geschieht

© hjalmarGD

(causasportnews / red. / 14. Januar 2019) Seit dem Bekanntwerden der Zustände im Internationalen Gewichtheber-Verband (IWF), die federführend vom Deutschen Journalisten und Publizisten Hans-Joachim Seppelt aufgedeckt bzw. transparent gemacht worden sind (vgl. auch causasportnews vom 6. Januar 2020) herrscht Betroffenheit und einigermassen gespenstische Ruhe. Allenthalben wundert sich die Öffentlichkeit, dass die (Straf-)Behörden bisher nicht zum grossen Schlag gegen Unregelmässigkeiten, Betrügereien, Filz und Nepotismus im Weltverband ausgeholt haben. Auch der autoritäre IWF-Präsident Tamas Ajan lässt sich ob der Aufdeckungen seines Machtkartells mit teils mehr als haarsträubenden Auswirkungen nicht aus der Ruhe bringen. Das Internationale Olympische Komitee (IOK) in Lausanne scheint sich ebenfalls nicht stark für die „Causa Gewichtheben“ zu interessieren, obwohl Vermarktungsgelder des IOK zu Gunsten des Gewichtheber-Weltverbandes auf kaum nachvollziehbaren Pfaden versickert sein sollen. Im Fokus stehen dabei zwei Konten, die angeblich auf der Schweizer Bank UBS geführt werden, für die einzig der soeben 81 Jahre alt gewordene Präsident aus Ungarn die Verfügungsgewalt besitzt. Geschwiegen und ausgesessen wird die unappetitliche Sache auch seitens des IOK, das offenbar kaum ein grosses Interesse an der Erhellung von Geldmittelflüssen bezüglich Zahlungen mit Absender Lausanne zugunsten des IWF an den Tag legt. Wichtiger war im Moment für die Olympioniken des IOK, dessen über 100 Mitglieder natürliche Personen sind, die Wahl des aktuellen FIFA-Präsidenten Gianni Infantino, der nun nach einigen politischen Manövern den Sprung an die Spitze des Olympischen Sports geschaffen hat. Gleich nach dem Amtsantritt 2016 sollte der FIFA-Präsident im IOK Einsitz nehmen, was jedoch in einem ersten Anlauf misslang. Nach ziemlich genau vier Amtsjahren an der Spitze der FIFA wählte die IOK-Session den 50jährigen Walliser nun in das IOK; er erhielt 63 Stimmen. 13 IOK-Mitglieder stimmten gegen ihn, 3 Mitglieder enthielten sich der Stimme. Dass der amtierende FIFA-Präsident als natürliche Person in das als Verein gemäss Schweizerischem Recht (Art. 60 ff. ZGB) organisierte IOK aufgenommen wird, hat Tradition: Von 1999 bis 2015 war Gianni Infantinos Vorgänger, der Walliser Josef Blatter, Mitglied des Komitees. Im Zuge seines abrupten Abgangs 2016 im Welt-Fussballverband verzichtete er danach auf eine Wiederwahl.

Vorweihnächtliches Hauen und Stechen in der FIFA

Zürich-20150911-00421(causasportnews / red. / 15. Dezember 2019) Um den Weltfussballverband FIFA ist es seit geraumer Zeit ruhig geworden. Sicher auch deshalb, weil der amtierende FIFA-Präsident Gianni Infantino das Personal im Home of FIFA, in der Zentrale des Verbandes in Zürich, neu aufgestellt und sich von allen früheren Spitzenleuten getrennt hat (die Generalsekretärin, die „Nummer 2“ des Verbandes, ist zwar noch formell im Amt, jedoch seit geraumer Zeit wie vom Erdboden verschluckt). Vielleicht aber auch deshalb, weil am Zürichberg kommunikativ getreu dem Motto verfahren wird: „Nur wer nichts sagt wird nicht widerlegt oder nicht kritisiert“. Jetzt hat allerdings eine Meldung die Runde gemacht, die in der vorweihnachtlichen Stille aufhorchen lässt: Die FIFA will offenbar vom ehemaligen FIFA-Präsidenten Joseph Blatter und dem Ex-Top-Funktionär Michel Platini zwei Millionen Franken auf dem Klageweg zurückfordern, also wieder einmal ein Hauen und Stechen im Weltverband . Dieser Betrag, der offensichtlich von der FIFA als ungerechtfertigt erfolgte Zahlung qualifiziert wird, wurde seinerzeit unter der Ägide des Vorgängers von Gianni Infantino an Michel Platini, seit kurzer Zeit nach Ablauf seiner Sperre sanktionsrechtlich wieder ein freier Mann (vgl. auch causasportnews vom 14. Oktober 2019), ausbezahlt. Mit der von der FIFA bestätigten Klage dürfte auch bezweckt werden, Michel Platini als allfälligen, künftigen FIFA-Präsidenten zu verunmöglichen. Ein Präsident, der sich mit dem Verband in einem Rechtsstreit befindet, ist natürlich für das höchste Amt ebendieses Verbandes untragbar. Innerhalb der FIFA ist immer noch bestens bekannt, dass der ehemalige französische Star-Spieler an sich die Nachfolge von Joseph Blatter hätte antreten sollen. Wegen einer gegen Michel Platini ausgefällten Sperre wurde schliesslich der bis anhin praktisch unbekannte Gianni Infantino 2016 zum Präsidenten und Nachfolger von Joseph Blatter gewählt. Der Vorgang, der nun zu einer Zivilklage führt, hat auch strafrechtliche Dimensionen erfahren. Von den Strafverfolgungsbehörden wird seit längerer Zeit und immer noch ermittelt wegen ungetreuer Geschäftsbesorgung und Veruntreuung gegen Joseph Blatter und Michel Platini.

Kein „Nulltoleranz“-Entscheid nach Rassismus-Ausfällen

(causasportnews / red. / 31. Oktober) Es waren schlimme Szenen, die sich anlässlich des Fussball-Europameisterschafts-Qualifikationspartie in Sofia am 14. Oktober abspielten. Nicht auf dem Rasen, als das englische Nationalteam gegen Bulgarien mit 6:0 alles klar machte; ausser Rand und Band geriet das Publikum bzw. Teile davon. Affenlaute gegen dunkelhäutige Akteure und der allgegenwärtige Hitlergruss schockierten. Rassistischer ging es kaum mehr. UEFA-Präsident Aleksander Ceferin und FIFA-Präsident Gianni Infantino zeigten sich „entsetzt“ und beschworen die „Nulltoleranz“-Haltung der Verbände i.S. „Rassismus“. Nach rund zwei Wochen, als die Fussball-Karawane in einer schnelllebigen Zeit längst weiter gezogen war und fast täglich eine andere Sau durchs (mediale) Dorf getrieben wird, hat das Entsetzen nach den Vorfällen von Sofia der Vergesslichkeit Platz gemacht. Was „Nulltoleranz“ bedeutet, zeigen die kürzlich bekannt gewordenen Sanktionsentscheide gegen den Verband Bulgariens: Zwei „Geisterspiele“ und eine „Busse“ von 85 000 Euro lautet das Verdikt aus der UEFA-Zentrale in Nyon am beschaulichen Genfersee. Höhepunkt dieser vom Sanktionsgremium der UEFA umgesetzten „Nulltoleranz“-Strategie: Das zweite „Geisterspiel“ wurde zur Bewährung ausgesetzt. Gingen die Wogen unmittelbar nach den Vorfällen am 14. Oktober noch hoch, erinnert sich jetzt schon kaum mehr an die Schande von Sofia. Sie ist den Medien nur noch eine Randnotiz wert. Die nächsten Rassismus-Ausfälle kommen bestimmt.

Wetten, dass solche Urteile weder general- noch spezialpräventive Wirkung zeitigen? Soll mit der Rassismus-Bekämpfung wirklich ernst gemacht werden, dürfen solche Urteile nicht gesprochen werden. Dann lieber nichts. Da nützte es relativ wenig, dass im Zuge der Ereignisse von Sofia sowohl der Verbandspräsident als auch der Trainer von ihren Ämtern zurücktraten. Die insbesondere (verbands-)politisch motivierten Entscheide der UEFA sind eher ein Scherz denn eine Umsetzung der von den Verbandspolitikern schwatzhaft propagierten „Nulltoleranz“-Strategie, die sich auch in diesem Fall als Lippenbekenntnisse erweist. Betrüblich bei der ganzen Angelegenheit für die Präsidenten von UEFA und FIFA: So wird es auch nächstes Jahr nichts mit dem Friedens-Nobelpreis…

Und schliesslich noch eine Randbemerkung: Keine verbandsrechtlichen Folgen hatten bisher die Sympathie-Kundgebungen der beiden deutschen Nationalspieler mit türkischen Wurzeln, Ilkay Gündogan und Emre Can, für die Offensive der türkischen Armee in Syrien ebenfalls vor zwei Wochen. Seitens der FIFA und des Deutschen Fussball-Bundes (DFB) wird dieser eklatante Missbrauch des Sports wohl ausgesessen. Immerhin leben in Deutschland mehrere Millionen Türkinnen und Türken. Überdies werden regelmässig nicht nur Fussballer eingebürgert.

Wird Michel Platini der nächste FIFA-Präsident?

(causasportnews / red. / 14. Oktober 2019) Wie gemeldet (vgl. causasportnews vom 7. Oktober), ist der ehemalige französische Fussball-Star und Spitzen-Funktionär Michel Platini nach abgelaufener Sanktion wieder frei von Schuld und Strafe. Seit dem 8. Oktober 2019 darf er u.a. auch wieder als Fussball-Funktionär amten. Nun steht die Frage im Raum, ob der 64 Jahre alte Franzose die Funktion, für die er 2016 auserkoren war, nochmals anstrebt: Das FIFA-Präsidium. Hätte ihn die Sperre damals nicht daran gehindert, als Präsident des Welt-Fussballverbandes zu kandidieren, hiesse der Präsident des Weltfussballverbandes heute nicht Gianni Infantino, sondern eben…Michel Platini. Seit Ablauf der Sperre brodelt es in der Gerüchteküche, und es gibt eine Vielzahl von Gründen, die dafür sprechen, dass Michel Platini sein grosses Ziel, wenn nun auch mit „Verspätung“, doch noch zu realisieren versuchen wird. Der Rückhalt für den amtierenden FIFA-Präsidenten ist vor allem in der wichtigsten Konföderation im Rahmen der FIFA, der UEFA, seit geraumer Zeit stark geschwunden. Würde sich Michel Platini als Kandidat dem Wahlgeschäft stellen, hätte er wohl die meisten Stimmen der UEFA-Nationalverbände – immerhin 55 an der Zahl – auf sicher. In der UEFA herrscht immer noch die Meinung vor, dass Michel Platini mit der Verhängung der Sperre durch die FIFA Unrecht geschehen sei; Gianni Infantinos Vorgehensweise, um seinen ehemaligen Chef zu beerben, wird weitgehend nicht goutiert. Gianni Infantino gilt im Weltfussball nach wie vor als präsidialer „Notnagel“; die Chemie zwischen der UEFA und dem FIFA-Präsidenten soll zudem seit einiger Zeit nicht mehr stimmen. Es kommt hinzu, dass viele Nationalverbände mit der Amtsführung durch Gianni Infantino unzufrieden sind, auch wenn sich diese ob des stets reicheren Geldregens vom „Zürichberg“ in pekuniärer Hinsicht nicht beklagen können. Geld versprechen und dieses entsprechend auf die Nationalverbände niederprasseln zu lassen, wird natürlich auch Michel Platini zugetraut. Dem FIFA-Präsident wird vor allem (hinter vorgehaltener Hand) vorgeworfen, sich nicht längst vom altgedienten Broadcasting-Vermarktungs-Modell verabschiedet zu haben und die FIFA generell in eine neue Zukunft zu führen, sondern sich mit undurchsichtigen Investoren zu umgeben, sonst aber das konventionelle Funktionärs-Gebaren, aus welchen Gründen auch immer, weiter zu treiben. Mit einem, so ein Insider, „schrägen Angebot“ solcher Investoren hat Gianni Infantino den FIFA-Rat brüskiert und auch in der Sport-Vermarktungsszene für mehr als nur für Stirne-Runzeln gesorgt; der von ihm inszenierte 25 Milliarden-Deal zur Verwertung von FIFA-Rechten aller Art ist jedenfalls brüsk gescheitert. Dem amtierenden FIFA-Präsidenten wird vorgeworfen, vor allem aus eigenem Machterhaltungstrieb an veralteten Vermarktungs-Modellen festzuhalten. Dem wiederauferstandenen Michel Platini wird zugetraut, die FIFA in neue Vermarktungssphären führen zu können. Es bestehen jedenfalls Anhaltspunkte dafür, dass Michel Platini ein Comeback ins Auge fasst, auch wenn von ihm in dieser Hinsicht noch kein konkretes Votum vorliegt. Wohl eher theoretischer Natur ist aus der Sicht des amtierenden FIFA-Präsidenten, dass ein Kandidat Platini über den Integritätscheck stolpern könnte. Auch der Umstand, dass Gianni Infantino bis 2023 gewählt ist, dürfte allerdings kein grosses Hindernis im Rahmen eines Comebacks für Michel Platini sein. So sieht Art. 65 des Schweizerischen Zivilgesetzbuches (ZGB) zwingend vor, dass ein Vereinsorgan (das ist der FIFA-Präsident im Rahmen des Vereins „FIFA“) jederzeit abberufen werden kann. Zu den Präsidentschafts-Mutmassungen um die Person Michel Platini ist zu konstatieren: Wenn er will, dürfte er der nächste FIFA-Präsident werden.

Frauen als Zuschauerinnen: Setzt sich die FIFA durch?

(causasportnews / red. / 29. September 2019) Am 10. Oktober wird die Nationalmannschaft Irans in Teheran ein Fussball-WM-Qualifikationsspiel gegen Kambodscha austragen. Das alleine ist an sich noch keine Sensation. Diese könnte sich jedoch am besagten Tag neben dem Spielfeld ereignen. Denn die Fussballwelt schaut gespannt nach Teheran, ob der revolutionäre Schritt seitens des Verbandes von Iran gewagt wird, Frauen als Zuschauerinnen am Spiel teilnehmen zu lassen; was bis anhin verboten war. Das könne so nicht weiter toleriert werden, verlautete aus der Zentrale des Welt-Fussballverbandes FIFA in Zürich; und auch FIFA-Präsident Gianni Infantino hat Druck auf den Iran ausgeübt, damit die Frauen im Stadion dabei sein dürfen – sehr zum Missfallen der Politik im islamischen Staat, für die eine Teilnahme von Frauen an Fussballspielen, zusammen mit kreischenden Männern, ein regelrechtes Sakrileg darstellt. Nicht so für die FIFA, die aufgrund der Statuten sogar verpflichtet ist, den Menschenrechten zum Durchbruch zu verhelfen und jede Diskriminierung zu unterbinden hat. Somit muss die FIFA dafür sorgen, dass an Fussballveranstaltungen im Iran Frauen als Zuschauerinnen dabei sein dürfen. Setzt sich die FIFA diesbezüglich nicht durch, verletzt sie die eigenen Statuten, was Sanktionen der Ethikkommission gegenüber den verantwortlichen Organpersonen des Weltverbandes, so gegen den Präsidenten, führen müsste. Lässt der Verband Irans nun am 10. Oktober Frauen nicht oder nur beschränkt als Zuschauerinnen zu oder hält er sie durch Druck fern, müsste er folgerichtig von der FIFA ausgeschlossen werden. Was sich also im Teheraner Asadi-Stadion am 10. Oktober auf den Zuschauerrängen ereignen könnte, wird die Sportwelt mehr interessieren als das Resultat des WM-Qualifikationsspiels.

Parlament peinlich

Switzerland, Bern, 01.12.2010 Parlament mit Schnee.  © 2010 Béatrice Devènes

© Béatrice Devènes

(causasportnews / red. / 25. September 2019) Also sprach der immer wieder (erfolgreich tätige) investigativ agierende Journalist der „Süddeutschen Zeitung“ (SZ), Thomas Kistner, vor ein paar Tagen anlässlich des traditionellen Sportrechtseminars des Württembergischen Fussballverbandes e.V. in Wangen im Allgäu: Sollte der amtierende Schweizer Bundesanwalt Michael Lauber für eine weitere Amtsperiode gewählt werden, hätte die Schweiz definitiv am 25. September 2019 den Beweis erbracht, dass sie eine „Bananenrepublik“ sei (vgl. auch causasportnews vom 5. September 2019). „Was in diesem Land im Zusammenhang mit dem Bundesanwalt und die Ermittlungen um die FIFA abgeht, wäre hier, in Deutschland, undenkbar“, sagte der Journalist vor bestandenen Richtern, Anwälten und Verbandsfunktionären.- Und so kam es nun, wie von Thomas Kistner befürchtet und vermutet, auch: Das Schweizerische Parlament hat am Mittwoch Bundesanwalt Michael Lauber, der im FIFA-Komplex eine mehr als schlechte Rolle gespielt hat und in diesem Segment nicht mehr amten darf (!), für eine weitere Amtsdauer, wenn auch knapp, wieder gewählt. Nun ist die Schweiz in den Augen des kritischen Auslandes also eine „Bananenrepublik“. Vielleicht ist es nicht ganz so schlimm; aber peinlich ist die erneute Wahl von Bundesanwalt Michael Lauber alleweil. Das Schweizerische Parlament lieferte bei diesem Wahlgeschäft in der Tat ein Bild von „Filz“, unsäglicher, politischer Kungelei, Verflechtungen und Opportunismus. Was dem Land wohl einen gewaltigen Reputationsschaden zufügen wird. Ein Bundesanwalt, der Gesetze verletze und an Amnesie leide, sei schlicht nicht (mehr) tragbar, meinte Thomas Kistner unwidersprochen vor versammelter, deutscher Sportrechtsprominenz. Mit den Gedächtnisstörungen spielte der Journalist auf den Umstand an, dass sich Michael Lauber nicht mehr an Gespräch mit FIFA-Präsident Gianni Infantino erinnern konnte. Bei der Wahl des Bundesanwaltes gab das Parlament in Bern in der Tat ein desaströses und deprimierendes Bild ab. Aber so funktioniert eben der Schweizer Polit-„Filz“, dem die Eigeninteressen durchwegs näher stehen als die Sachpolitik und das Wohl des Landes. Die Rechtsstaatlichkeit ist jedenfalls an diesem Mittwoch stark malträtiert worden und in den Augen des unbefangenen Auslandes auf der Strecke geblieben. Dass Michael Lauber für seine Wiederwahl noch die Dienst einer PR-Agentur in Anspruch nahm, sagt an sich alles. Die Parlamentarierinnen und Parlamentarier im Schweizer Parlament gelten weitgehend als besonders anfällig für Beeinflussungen jeglicher Art.