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Der Unterschied zwischen FIFA-Präsident und Papst in Kriegswirren

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(causasportnews / red. / 7. Mai 2022) Bis vor dem Ausbruch des immer noch schrecklich tobenden Angriffskriegs Russlands gegen die Ukraine am 24. Februar 2022 war «Katar» in vielerlei Hinsicht ein Reizwort. Mit Blick auf die Fussball-WM-Endrunde in diesem Jahr ab 21. November hat sich die Lage allerdings schlagartig geändert. Katar ist wegen des Erdgases begehrt, und jedes von Russland abhängige Land hütet sich, die Katari in jeglicher Hinsicht zu reizen. Sogar der grüne Wirtschafts- und Klimaminister und Vizekanzler Deutschlands, Robert Habeck, flog, natürlich klimaneutral, nach Doha und warf sich vor den Scheichs in den Wüstenstaub, um den drohenden Versorgungsengpass für Deutschland wegen des Russlandkriegs abzuwenden. Seit dem 24. Februar 2022 ist Katar in der Welt zwangsläufig «salonfähig» geworden. Dass der Kleinstaat mit unermesslichem Reichtum noch «salonfähiger» wird, ist ein besonderes Anliegen von Katar-Freund Gianni Infantino, FIFA-Präsident mit derzeit unbekanntem Wohnsitz (ist es allenfalls doch Katar?). Der FIFA-Lenker vom «Zürichberg» ist jedenfalls kaum mehr in Zürich zu sehen, sondern macht sich ein schönes Leben in …Katar. Das wird so bleiben bis zum Beginn der WM-Endrunde in der Vorweihnachtszeit. Grund genug also für den durchwegs dödlig agierenden FIFA-Präsidenten, um bei den Scheichs im Wüstenstaat zu antichambrieren. Dass solche Aktionen schief gehen müssen, hat Gianni Infantino soeben erneut bewiesen. Öffentlich hat er einer Version von «Amnesty International» mit Blick auf die WM-Baustellen widersprochen. Die Organisation spricht von mehreren tausend Arbeitern, die während des Baus der WM-Stadien bisher umgekommen sein sollen. Dass diese wie Sklaven gehalten wurden und werden, ist wieder ein anderes Thema. Und was meint der FIFA-Präsident dazu? Er spricht von drei (!) toten Arbeitern; die andern könnten auch anderweitig zu Tode gekommen sein, hält der 52jährige, Walliser mit Augureneigenschaften den Ball zugunsten des WM-Endrunden-Austragungslandes flach. «Die FIFA ist nicht die Polizei der Welt oder verantwortlich für alles, was auf der Welt passiert», äusserte er sich zudem generell. Dass seine Tollpatschigkeit noch steigerungsfähig ist, bewies er mit der Aussage: «Wenn man jemandem Arbeit gibt, selbst unter schwierigen Bedingungen, gibt man ihm Würde und Stolz.». Das Statement des FIFA-Obersten empört nicht nur «Human Rights Watch»: «Der FIFA-Präsident verhöhnt Arbeiter in Katar», titeln auch die Gazetten weltweit.

Noch nicht konkret geäussert zu Katar und zum Los der Arbeiter auf den WM-Baustellen hat sich Papst Franziskus, der sich aber generell in einem Formtief zu befinden scheint. Mit Blick auf den Krieg Russlands schob das 86jährige Oberhaupt der Katholischen Kirche dem Nordatlantikpakt eine Mitschuld an den von Russland entfesselten Zerstörungs- und Vernichtungskrieg zu. Die NATO habe die russische Aggression erleichtert, gab der nun mehr greise statt weise Mann im Vatikan zum besten; statt Russland in aller Schärfe zu verurteilen. FIFA-Präsident und Papst tun seit jeher relativ viel dafür, um ja kein Fettnäpfchen auszulassen. Sie sind wiederum derzeit bemüht, um der Bezeichnung «PPP» (Präsident und Papst peinlich) gerecht zu werden. A propos Papst und FIFA-Präsident: Da feiert das Bonmot, das zur Zeit von Joseph Blatter als FIFA-Präsident eine Hochkonjunktur erlebte, eine Wiederauferstehung. Wie manifestiert sich der Unterschied zwischen FIFA-Präsident und Papst?-

Antwort: Der Papst meint nicht, er sei FIFA-Präsident.

Das kann wohl auch als besondere Art eines Investiturstreits bezeichnet werden…

News von innerhalb und ausserhalb der Gerichtssäle

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(causasportnews / red. / 15. April 2022) Im Sport geschieht derzeit fast mehr innerhalb und ausserhalb der Gerichtssäle als auf den Sportplätzen und in den Wettkampfstätten.

Da ist soeben der ehemalige CEO der Raiffeisenbank Schweiz, Pierin Vinzenz, vom Bezirksgericht Zürich wegen diverser Wirtschaftsdelikte zu einer Freiheitsstrafe von fast vier Jahren verurteilt worden (das Urteil ist noch nicht rechtskräftig; es gilt also für Pierin Vinzenz nach wie vor die Unschuldsvermutung). Aus sportlicher Sicht ist das nicht weiter interessant, und es ist wohl damit zu rechnen, dass das Zürcher Obergericht das Strafmass im Berufungsprozess reduzieren wird. Das meinen jedenfalls die Rechtsexperten ohne Aktenkenntnisse und die Stammtischrunden. Der Gefallene und in erster Instanz Verurteilte war massgeblich verantwortlich dafür, dass die Raiffeisenbank vor zehn Jahren das Titelsponsoring der Professional-Abteilung im Schweizer Fussball übernahm. Seit der Saison 2012/13 hiess die Liga «Raiffeisen Super League». Vor einem Jahr löste die Grossbank «Credit Suisse» die Banking-Kollegen aus St. Gallen im Rahmen dieses Titel-Sponsorings ab. Die Liga heisst seit 2021/22 «Credit Suisse Super League».

Am 8. Juni 2022 wird am Bundesstrafgericht in Bellinzona der Prozess gegen den ehemaligen FIFA-Präsidenten Joseph Blatter beginnen. Es geht um zwei Millionen Schweizer Franken, die der heute 86jährige Walliser seinem ehemaligen Ziehsohn und UEFA-Präsidenten Michel Platini aus der Kasse des Weltverbandes rechtsgrundlos, bzw. ohne lauteren Grund, habe zukommen lassen, so die Anklage. Joseph Blatter ist der Auffassung, die Zahlung sei rechtmässig (für angebliche Beratungsleistung von Michel Platini in den Jahren 1998 bis 2002) erfolgt und von den zuständigen FIFA-Kontrollgremien auch autorisiert worden. Wie Joseph Blatter ist in Bellinzona auch Michel Platini angeklagt worden. Die beiden ehemaligen Top-Fussballfunktionäre müssen sich wegen Wirtschaftsdelikte vor dem Bundesstrafgericht im Tessin verantworten. Pikant an der Sache ist, dass der ehemalige FIFA-Präsident im Prozess vom gleichen Anwalt vertreten wird wie Pierin Vinzenz im soeben zu Ende gegangenen Strafverfahren in Zürich. Ob das ein gutes Omen ist?

Der heute 66jährige ehemalige Star-Fussballspieler und später ausser Traktanden gefallene Sportfunktionär Michel Platini war immer auch ein offensiver Sportler und Mensch. Deshalb hat er den aktuellen FIFA-Präsidenten, Gianni Infantino, nun bei der französischen Justiz angezeigt. Der Walliser Putin-Freund und Scheich Fan mit Affinitäten zu Katar, der im kommenden Jahr noch- und wohl letztmals für eine vierjährige Amtsperiode als FIFA-Präsident kandidieren will, soll seinen ehemaligen Chef, UEFA-Präsident Michel Platini, bei seiner Bewerbung als FIFA-Präsident (nach dem Abgang von Joseph Blatter) hintergangen haben. Gianni Infantino, damals UEFA-Generalsekretär, «erbte» 2016 das FIFA-Präsidium teils aus undurchsichtigen Gründen, weil Michel-Platini in den FIFA-Strudel um Joseph Blatter geriet und von der Ethikkommission des Weltverbandes aus dem Präsidenten-Rennen genommen wurde.

Letztlich hat auch die stets wirtschaftlich klamme Tennis-Legende Boris Becker für Schlagzeilen aus einem Londoner Gerichtssaal gesorgt. Der 54jährige Deutsche wurde von einer Jury wegen diverser Konkursdelikte schuldig gesprochen. Ende Monat wird das Strafmass verkündet, doch ist damit zu rechnen, dass «Bobele», wie ihn die Deutschen liebevoll nennen, in Berufung gehen wird, weshalb an dieser Stelle natürlich auch für ihn die Unschuldsvermutung gilt.

Fazit: Der professionelle Sport ist immer für Schlagzeilen gut. Ab und zu reicht es auch für News von innerhalb und ausserhalb der Gerichtssäle.

Die Kraft des Fussballs ist stärker als diejenige des Krieges

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(causasportnews / red. / 4. April 2022) Der diesjährige FIFA-Kongress vom 31. März 2022 ist Geschichte. Die Generalversammlung des Weltfussballverbandes mit Sitz in Zürich wurde diesmal traditionell am Austragungsort der bevorstehenden WM-Endrunde durchgeführt: In Katar. Dem Funktionärs-Ereignis der Welt-Fussballer wurde einigermassen erwartungsneutral entgegengeblickt, trotz zweier Impakte, mit der sich die «Fussball-Familie», wie sie von FIFA-Präsident Gianni Infantino salbungsvoll genannt wird, konfrontiert sieht. Da ist immer noch «Corona», das alles andere als besiegte Virus, das den organisierten Sport seit mehr als zwei Jahren durcheinanderwirbelt. Viel schlimmer und undiskutabel von Menschenhand gemacht ist allerdings der vor bald eineinhalb Monaten von Russland angezettelte Krieg gegen die Ukraine, der nachhaltige Folgen auf den Sport zeitigen wird. Unter diesen Vorzeichen traf sich also die «Fussball-Familie» in Doha, in einem Land, das seit der Vergabe der WM-Endrunde an Katar die Fussballwelt entzweit. Die Katari nennt der FIFA-Präsident dennoch «seine Brüder» (nicht einfach «Brüder», so, wie er vor genau vier Jahren vor Beginn der WM-Endrunde in Russland den Kriegstreiber Wladimir Putin als «seinen Freund» bezeichnet hat). So verschloss der tapsige FIFA-Funktionär in seinen präsidialen lucida momenta seine Augen nicht vor dem Negativen und Bösen in der Welt, und meinte mit Blick auf den schrecklichen Krieg in der Ukraine, dass es solches auch in anderen Teilen der Welt geben würde. Na ja. Doch der Sport und vor allem der Fussball stehen gemäss Gianni Infantino für eine bessere Welt, dank der «Kraft des Fussballs».

Es wundert nicht, dass dann eine Frau, die Verbandspräsidentin Norwegens, Lise Klaveness, die Realitäten ins richtige Licht rückte und vor der versammelten Kongressgemeinde in Doha Klartext sprach zur unglücklichen Vergabe der WM-Endrunde 2022 und zum brutalen Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine. Sehr zum Missfallen der Katari selbstverständlich und des stets opportunistisch agierenden FIFA-Präsidenten. Mit ihren warnenden und demaskierenden Worten erntete sie jedenfalls in der katarischen Höhle des Löwen weit mehr Applaus als Gianni Infantino mit seiner Ankündigung, im kommenden Jahr für eine letzte Amtszeit von vier Jahren kandidieren zu wollen, was wie eine Drohung wirkte. Die Zeit dieses Funktionärs-Schwurblers läuft langsam aber sicher ab. Was er denn bis jetzt und seit 2016 erreicht habe, fragt sich die Zürcher «Sonntags-Zeitung»: «Er wollte viel und ist mit allem gescheitert. Und jetzt bekommt er auch keine WM alle zwei Jahre», meint ein Sportredaktor. Und stöhnt: «Ach, immer dieses Grinsen. Diese geschauspielerte Leichtigkeit. Immer diese Selbstinszenierung. Gianni Infantinos Auftritte auf der grossen Bühne des Fussballs sind kein Vergnügen», heisst es resigniert in einem Kommentar.

Dass am diesjährigen Kongress das Thema Russland / Ukraine pfleglich und sport-diplomatisch abgehandelt oder eher ignoriert wurde (trotz der mutigen Worte von Lise Klaveness), versteht sich; die Verbandsvertreterinnen und -vertreter sind noch schwächer als der FIFA-Präsident. Fürwahr keine Plattform, auf der auch einmal grundsätzlich Klartext gesprochen oder mutige Entscheide gefällt würden. So war es auch in Doha. Eine Suspension Russland im Rahmen der FIFA-Mitgliedschaft war kein Thema, noch weniger eine Ausschliessung des Russischen Verbandes aus dem Schweizer Verein mit Sitz in Zürich. Entsprechende Anträge fehlten und schliesslich blieben die Vertreter des Ukrainischen Verbandes im Kriegsgebiet – im Gegensatz zum Russischen Verband, der mit zwei Vertretern am Kongress in Doha teilnahm. Weil die Versammlung auch digital durchgeführt wurde, galt der Verband der Ukraine dennoch als anwesend. So funktioniert die Harmonie in der FIFA-Familie auch in Kriegszeiten.

Neues aus der russischen Trickkiste der Sportjuristerei

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(causasportnews / red. / 31. März 2022) Dass die Isolation Russlands auch im organisierten Sport in Moskau und Umgebung nicht auf Begeisterung stösst, ist nachvollziehbar. Die Ausschliessung des Landes etwa aus dem Fussball aktiviert auch die kreativen Geister im Land, welche bestrebt sind, die Wirkungen dieser Isolation abzufedern. Neues ist diesbezüglich aus der Trickkiste der Sportjuristerei zu vermelden. So wird derzeit angedacht, dass der Fussballverband Russlands, der durch die UEFA (Europäischer Fussballverband) und die FIFA (Weltverband) in seinen Spiel-Aktivitäten lahmgelegt worden ist, diese Massnahmen umgehen will. Ein Konföderationswechsel des russischen Fussballverbandes soll es möglich machen. Offensichtlich wird in Erwägung gezogen, dass der Nationalverband Russlands den Europäischen Verband (UEFA) verlassen und sich der Asiatischen Konföderation (AFC, Asian Football Confederation) anschliessen soll. In der Konföderation Asiens geniesst Russland offensichtlich, nicht nur wegen China, weit mehr Goodwill als bei den Europäern. So einfach wird ein Konföderationswechsel des Russischen Verbandes allerdings nicht zu bewerkstelligen sein (die sechs Kontinental-Konföderationen sind sog. «selbständige Sektionen» des Vereins FIFA). Zuerst müssten die Russen aus der UEFA austreten (und somit wohl auch aus der FIFA) was erst zum Jahresende möglich wäre. Oder die FIFA könnte den russischen Verband aus einem sog. «wichtigem Grund» aus dem Weltverband ausschliessen. Die AFC müsste jedenfalls ein Aufnahmeprozedere in Gang setzen, was einige Zeit in Anspruch nehmen würde. Die FIFA-Statuten sind in dieser Hinsicht rigoros: «Eine Mitgliedschaft (in der FIFA) ist nur möglich, wenn der Verband derzeit Mitglied einer Konföderation ist», heisst es in Art. 11 des FIFA-Grundgesetzes). Oder anders: Ohne Konföderationsmitgliedschaft ist eine FIFA-Mitgliedschaft unmöglich!

Bevor diese Szenarien weiterverfolgt werden, ist nun der FIFA-Kongress (Generalversammlung des Weltverbandes, der als Verein, Art. 60 ff. ZGB, nach Schweizerischem Recht organisiert ist), am letzten Tag dieses Monats in Doha/Katar über die Runden zu bringen. Mit Spannung wird zu verfolgen sein, ob und allenfalls in welcher Form der Krieg Russlands gegen die Ukraine ein Kongressthema werden wird. Der FIFA-Präsident wird dabei mit Blick auf das heisse Thema den Ball zweifellos flach halten und die apolitische Seite des Fussballsports betonen. Und das traurige Ereignis im Rahmen der vielbeschworenen «Welt-Fussballfamilie», der sowohl die Verbände Russlands als auch der Ukraine als Mitglieder angehören, aussitzen.

Eine WM-Endrunde ohne Italien ist möglich, aber (ziemlich) sinnlos…

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(causasportnews / red. / 26. März 2022) Die Niederlage der Nationalmannschaft Italiens gegen Nordmazedonien war für Bella Italia ein sportlicher Super-GAU. Schon vor vier Jahren fehlte der aktuell amtierende Europameisterschaft in Russland, als die Barbarei durch diese Nation ziemlich weit weg war – und nun das! Dass das eigene Unglück immer stärker gewichtet wird als es in den Augen der übrigen Welt erscheinen mag, ist evident. Doch fühlt man sich nach dem «WM-Aus» der Italiener an Vicco von Bülow, alias Loriot, erinnert, der den Spruch, zwar auf seine geliebten, vierbeinigen Möpse gemünzt, zum Kult werden liess, dass eben ein Leben ohne Möpse möglich, aber sinnlos sei. So ist es nun wohl ein bisschen mit dem Land des Europameisters: Eine WM-Endrunde ohne Italien, der besten Nationalmannschaft auf dem Planeten, in diesem Jahr ist natürlich möglich, aber zumindest sportlich ein klein wenig sinnlos(er). Zumal der Anlass in Katar stattfinden wird, im Land, das vor fünf Wochen noch mit Spott und Häme überschüttet wurde und nun wegen der praktizierten Bestialitäten der Russen zum Rettungsanker der (Energie-)Welt mutierte. Sollen wir im nächsten Winter, wenn die WM-Endrunde in Katar über den Retorten-Rasen gehen wird, nicht frieren, so geht es nun offenbar nur mit den Rohstoffen aus Katar! Die Regierenden dieser Welt, welche sich derzeit für Gas und Öl aus alternativen Quellen geradezu prostituieren, sehen sich gezwungen, sich von den Herrschern in Katar in den Wüstenstaub zu werfen und um Gas und Öl zu betteln. Besonders peinlich exerziert diese Praxis der Deutsche, «grüne» Vizekanzler Robert Habeck vor, der seinen ersten, soeben erfolgten Bittgang zum Emir von Katar und zu seinem Gefolge noch ohne Ergebnis hinter sich hat; weitere Gänge nach Doha werden folgen. Die derzeitige Situation für die «Grünen» ist eh ein Desaster: Sie wagen es nicht einmal, die durch den Krieg inszenierte Umweltkatastrophe nur schon zu thematisieren. Aber wer kennt sie noch die Geschichte von «Boule de suif» («Fettklösschen») von Guy de Maupassant? Die Vorgänge wiederholen sich bekanntlich immer wieder. Weshalb denn die Historie bemühen?

Apropos Katar: Im Retortenstaat wird am letzten Tag des laufenden Monats die Generalversammlung des Weltfussballverbandes (FIFA) stattfinden. Die Verbände Russlands und der Ukraine werden dann einträchtig im selben Tagungssaal in Doha zusammensitzen. Der Sport ist schliesslich apolitisch. So wird sich in diesem Rahmen auch der FIFA-Präsident Gianni Infantino nicht von seinem erklärten Freund und Schlächter im Kreml distanzieren müssen, und die Vorfreude auf die WM-Endrunde im kommenden Winter in Katar wird durch nichts mehr getrübt werden. Die aktuelle Weltlage macht es möglich; auch wenn Italien dann eben an der WM-Endrunde fehlen wird. Ob die Ukraine dabei sein kann, wird sich weisen. Sie hat sich sportlich noch zu bewähren. Sicher wird Russland fehlen. Die Russen erhalten so die Gelegenheit, in dieser Zeit vielleicht parallel zur WM-Endrunde ein Freundschaftsspiel für den Frieden und gegen den Frust – gegen Italien austragen…

Das die Momentaufnahme. Im Zuge des Russland-Feldzuges und der Luftschläge gegen die Ukraine haben u.a. die Sport-Funktionäre mit Gegenwind zu kämpfen. Der FIFA-Präsident muss sich zwar erst im kommenden Jahr zu Wiederwahl stellen. Ob aber demnächst ein Ethikverfahren gegen den Italo-Schweizer wegen seiner Putin-Nähe vorbereitet wird, ist ein gut gehütetes Geheimnis in der FIFA-Zentrale auf dem Zürcher «Sonnenberg». Müsste es eigentlich. Anders sieht es derzeit für einen anderen, allerdings ehemaligen Sport-Funktionär aus der Schweiz aus: René Fasel, der 25 Jahre den Internationalen Eishockey-Verband (IIHF) mit Sitz in Zürich geführt hat. Der unempathische Schwätzer aus dem Freiburgerland sprach nach dem Ausschluss von Russland und Weissrussland für die anstehende Eishockey-WM von einem «traurigen Moment in der IIHF-Geschichte». Diese Unsensibilität hängt wohl mit der (erklärten) Freundschaft des Alt-Funktionärs mit dem Weissrussischen Putin-Steigbügelhalter Alexander Lukaschenko zusammen. Fürwahr, auch hier wiederholt sich die Geschichte. Hinzu kommt das Bonmot: Wer solche Freunde hat, braucht keine Feinde mehr!

Sport Sponsoring – «pecunia non olet»

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(causasportnews / red. / 23. März 2022) In Kriegszeiten erlebt das Bonmot «pecunia non olet», das auf den römischen Kaiser Vespasian (verstorben 97 n. Chr.) zurückgeht, eine Renaissance. Wie jetzt wieder während des russischen Angriffskrieges, der seit einem Monat tobt. Aus der Sicht des Sportes steht unter den aktuellen Bedingungen das Sport-Sponsoring mit seinen diversen Facetten und Auswirkungen im Fokus. Unter den als durchwegs egoistisch qualifizierten Athletinnen und Athleten, gibt es noch Beispiele, welche das Gegenteil beweisen. Zum Beispiel der Star-Fussballer Robert Lewandowski, der sich von seinem chinesischen Sponsoring-Partner Huawei getrennt hat, weil dieser den Krieg Russlands gegen die Ukraine begünstigt. Der Torjäger des FC Bayern München mag das reichliche Geld, das ihm seit Jahren aus China zufliesst, nicht mehr annehmen; die Moral prävaliert. Der Telekommunikationskonzern hat damit sein bekanntestes Werbegesicht in Europa verloren. Zeichen setzen in dieser Richtung auch Fussball-Ikone David Beckham und seine Frau, das ehemalige «Spice Girl» Victoria. Vor allem aus der persönlichen Schatulle des Paares fliesst derzeit viel Geld in Richtung Ukraine. Selbstverständlich gibt es Sportlerinnen und Sportler zuhauf, die nun in diesem schrecklichen Krieg Gutes tun und nicht darüber sprechen. So verhält es sich wohl mit dem seit langer Zeit pausierenden Tennis-Ass Roger Federer. Der Schweizer ist nicht dafür bekannt, publikumswirksam Gutes zu tun. Im Moment sorgt er sich eh um sein Engagement mit der Schweizer Grossbank Credit Suisse (CS), die dem Maestro des Tennis-Sports seit 13 Jahren ungefähr eine Million Schweizer Franken jährlich in die Kasse spült. Die Probleme bei der schlecht geführten Grossbank werden seit Monaten allerdings immer grösser, Skandal reiht sich an Skandal, während die CS-Aktien immer mehr an Wert verlieren. Das hat mit Roger Federer natürlich nichts zu tun, doch wird zwischenzeitlich auch die Frage aufgeworfen, ob sich der über 40jährige Tennis-Star im sportlichen Vorruhestand diese Liaison mit der angeschlagenen Bank noch leisten kann. Dass sich ein Sportler diese Frage stellen muss, ob er sich weiterhin zu einem schlingernden Unternehmen bekennen und so auch einen Reputationsschaden des Sponsoring-Partners gefallen lassen will und kann, ist eine eher seltene Konstellation. Meistens ist es umgekehrt, dass sich ein Sponsoring-Geber von einem Sportler trennt, weil dieser aus welchen Gründen auch immer (es muss nicht immer Doping sein), in Ungnade gefallen ist. Zudem in der «Causa Roger Federer» auf eine Million Franken pro Jahr zu verzichten ist überdies eine Entscheidung, die wohl überlegt sein will. Derzeit sind mit Blick auf den Krieg Russlands gegen die Ukraine wenigstens Oligarchen-Konten bei der CS kein Thema. Oder werden sie es doch noch? Positiv mutet zudem der Umstand an, dass Katar, an der CS beteiligt, derzeit von Bittstellern aus der ganzen Welt mit Blick auf Rohstoffe geradezu bedrängt wird. Nicht nur der grüne Deutsche Wirtschafts- und Klimaminister Robert Habeck ist im energiesparenden Sonderflugzeug in Katar eingetroffen und hat sich vor den Herrschern in Doha in den Wüstenstaub geworfen. Dank und wegen des tobenden Krieges ist Katar als Energie-Alternative plötzlich salonfähig geworden. Eben, «pecunia non olet». Es ist wie eine Fata Morgana wie diese seit vier Wochen anhaltende Katastrophe die Welt umzukrempeln im Stande ist und welche Weltbilder nun zusammenkrachen! Wer hätte das gedacht, dass allen Unkenrufen gegen Katar zum Trotz, das Ende Jahr die Fussball-WM-Endrunde austragen wird, verstummen. Der Auftakt auf das freudigste Fussballereignis im Jahr 2022 bildet die Generalversammlung des Weltfussballverbandes FIFA, die am letzten März-Tag dieses Jahres stattfinden wird; in Katar natürlich. So läuft auch alles optimal für den erklärten Putin-Freund und FIFA-Präsidenten Gianni Infantino. Ja, was kümmert einen Sport-Funktionär das Geschwätz von gestern? So sah es schon der legendäre deutsche Bundeskanzler Konrad Adenauer. Damals wurde in der Tat noch nachhaltige Politik betrieben.

FC Chelsea im Oligarchen-Strudel

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(causasportnews / red. / 20. März 2022) Wenn die Engländer etwas unternehmen, dann tun sie es gründlich. Das Vereinigte Königreich macht beispielsweise ziemlich ernst mit dem schillernden russischen Oligarchen Roman Abramowitsch, der zu den erklärten Freunden des russischen Kriegstreibers Wladimir Putin zählt und von dem er sich bis jetzt auch nicht losgesagt hat. So gesehen befindet sich der Russe, der 2003 den Londoner Nobelclub FC Chelsea übernommen hat, in guter, bzw. schlechten Oligarchen-Gesellschaft ausserhalb Russlands. Seit die Sanktionen gegen Russland und gegen die Russen ausserhalb Russlands greifen, gilt Roman Abramowitsch im Westen nicht nur als geächtet, sondern regelrecht als kaltgestellt (auf der Insel hat man wohl zuerst erkannt, dass die Oligarchen im Westen tragende Säulen des aggressiven Russlands sind und deren Ächtung noch Schlimmeres verhindern kann). Mit «seinem» Club FC Chelsea kann der 55jährige Wirtschafts-Strippenzieher aus dem Osten derzeit praktisch nichts mehr, ihn nicht einmal mehr verkaufen. Gemäss Regierungsdekret darf der Club nur noch Minimalbeträge für Spesen ausgeben. Verlängert sich der Krieg Russlands gegen die Ukraine, was zu befürchten ist, könnte der FC Chelsea bald Geschichte sein und im Oligarchen-Strudel versinken.

Allgemein gewahrt die Welt, dass der losgetretene Ukraine-Feldzug nicht nur das satanische Werk eines Einzelnen ist, sondern Russlands Aggression als systemimmanent bezeichnet werden muss. Vom teuflischen Werk eines Individuums also keine Spur. Der «Führer», wie er offiziell auch genannt wird, lässt sich öffentlich von adretten Stewardessen und in Sportstadien vom Volk feiern. Das hatten wir doch alles schon vor rund 80 Jahren. Damals verlief der Angriff auf rechtschaffene Völker und friedlich Nationen von Westen nach Osten, nun von Osten nach Westen. Die Ausgangslage heute ist identisch mit derjenigen in den Jahren 1939 ff., die Art der Kriegsführung ebenfalls. Der russische Krieg wird vor allem durch das Oligarchen-System in der westlichen Welt begünstigt. Einem der schlimmsten dieser Zeitgenossen, eben Roman Abramowitsch, geht es nun an den Kragen. Jedenfalls ist es ziemlich schwierig geworden mit den vermögenden Russen im Westen, von denen man nicht so genau weiss, wie sie zu Multi-Milliardären werden konnten. Diese wurden seit Jahren sekundiert von dubiosen Anwälten, Treuhändern, Unternehmensberatern und Claqueuren, vor allem auch in der Schweiz. Diese waren und sind ebenfalls Teil eines umfassenden Netzwerkes in der Politik, in der Wirtschaft und in der Gesellschaft. Beim FC Chelsea-Beherrscher ist dennoch der Versuch misslungen, sich in der Schweiz zu etablieren – trotz der Unterstützung willfähriger Anwälte, die teils zugleich im Umfeld des professionellen Fussballs und für den Weltfussballverband FIFA tätig sind; zumindest in einem Fall ist dies belegt. Wenn sogar die Schweiz einen Oligarchen wegweist bzw. ihn nicht aufnimmt, und in ihm ein Reputationsrisiko erkennt, muss alles noch viel schlimmer als angenommen sein.

Apropos FIFA: Der Weltfussballverband FIFA hat soeben, untermalt von Schalmeienklängen, kommuniziert, Sachspenden für Ukrainische Kriegsopfer zur Verfügung stellen zu wollen. Verbandsmaterial soll es sein; wahrscheinlich gehören auch ein paar Bälle dazu, mit denen sich in den zerbombten Städten trefflich spielen lässt. Gianni Infantino, der sich bis jetzt auch nicht von seinem Freund im Kreml losgesagt hat, musste ein opportunistisches Zeichen setzen. Immerhin findet Ende Monat der FIFA-Kongress in … Doha statt. Mit dabei natürlich das FIFA-Mitglied Russischer Verband, das gegen die Lieferung von Verbandsmaterial aus der FIFA-Zentrale kaum etwas einwenden wird. Mit Geld wäre der FIFA-Familienfrieden wohl nachhaltig gestört worden.

Apropos Doha: Dort ist im Moment der Deutsche Vize-Kanzler Robert Habeck (Grüne) tätig, mit dem Ziel, Gas für Deutschland für den nächsten Winter zu erbetteln. In der Not frisst der Teufel bekannterweise Fliegen. Wetten, dass nun in Deutschland sofort alle Stimmen gegen die Fussball-WM-Endrunde in Katar verstummen? Wie würde es Bertold Brecht einschätzen? Eben zuerst das Fressen, dann die Moral…

In der derzeitig weltweit chaotischen Situation, in der sich der Russland-Krieg immer mehr zur globalen Auseinandersetzung zwischen Ost (Russland, China) und West ausweitet, kommt eine Meldung aus Lausanne nicht überraschend: Der Internationale Sport-Schiedsgerichtshof (TAS) hat einen Einspruch des Verbandes Russlands abgelehnt und den Ausschluss der Russen von den Qualifikationsspielen für die WM-Endrunde in Katar bestätigt. Somit steht Polen in der zweiten Playoff-Phase und spielt dann gegen den Sieger aus der Partie Schweden gegen Tschechien.

«Apocalypse now» – ein Desaster nach drei Wochen Krieg

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(causasportnews / red. / 17. März 2022) Seit drei Wochen tobt der Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine. Die Weltordnung ist innert kurzer Zeit mehr als durchgeschüttelt worden. Die Welt befindet sich in einem Desaster in jeder Hinsicht. Geht die Welt dem Ende entgegen? «Apocalypse now» in erneuter Auflage also? Man wäre nach der Pandemie, die von der Politik zu Unrecht für beendet erklärt worden ist, zu dieser Annahme geneigt. Wer mag bei dieser Entwicklung noch über den Sport sprechen? Jedoch ist der weltumspannende Sport eines der drei Segmente, neben der Politik und der Wirtschaft, das derzeit von Bedeutung ist, auch wenn klar sein dürfte, dass militärische Gewalt, wie sie derzeit von Russland in noch kaum je gesehener Brutalität und Skrupellosigkeit praktiziert wird, nur durch Gewalt beendet werden kann. Es ist auch nicht nur ein Wahnsinniger am Werk, sondern ein totalitäres Regime, leider mehrheitlich getragen von einem Volk, und begünstigt von Claqueuren, Profiteuren aller Art; nicht nur von Oligarchen, die sich auf der ganzen Welt tummeln und ihre dem russischen Volk abgestohlenen Reichtümer zur Schau stellen und widerlich prassen. Was kann also, wenn nicht mit militärischen Mitteln, getan werden auf den drei genannten Ebenen, um dem Wahnsinn Einhalt zu gebieten, wenn überhaupt? Klar ist, dass innerhalb von drei Wochen Weltbilder und Ideologien zusammengekracht sind und etwa bei den Kommunisten und Sozialdemokraten in der westlichen Welt der Glaube an den übernommenen, historischen Kommunismus auf einen Schlag zertrümmert worden ist. Deshalb herrscht von dieser Seite auch vornehme Zurückhaltung, wenn es darum geht, die russische Barbarei zumindest zu verurteilen. In Zürich ist die Spiegelgasse 14, an der ein gewisser Wladimir, nein, nicht Putin, sondern Lenin, gewohnt hat, immer noch ein Wallfahrtsort, an welchem dem Kommunismus gehuldigt wird; getragen und gefördert von der Stadtregierung, die diese Ideologie seit Jahrzehnten lobt, preist und umzusetzen versucht. Deshalb wird in Zürich für den Frieden demonstriert und nicht gegen die russische Aggression. Auch die von den Linken vorgetragene Geschichtsklitterung, der aktuelle Krieg sei nur das Werk eines Einzelnen, verfängt so wenig wie die heuchlerischen Aktivitäten des SPD-Mitglieds Gerhard Schröder und seiner Frau in Moskau. Letztere liess sich in einem Luxushotel nah des Kreml in geradezu blasphemischer Art beim Gebet (für was und wen auch immer) ablichten. Solche Parteimitglieder, wie Ex-Kanzler Gerhard Schröder, werden in der Deutschen Regierungspartei (!) SPD geduldet. Verstummt sind seit drei Wochen die Genossinnen und Genossen sowie die ihnen zugewandten, strammen Kommunisten, Grüne und andere Gesinnungsgenossen. Der Zusammenbruch ihrer bisherigen Ideal-Welt, wie bald die in Trümmern gebombten Metropolen der Ukraine, will zuerst verkraftet sein…

Die Politik kann und will Russland nicht stoppen. Das hat enttäuscht auch bald einmal die Regierung der Ukraine zur Kenntnis nehmen müssen. Die Angst vor einer Ausweitung des Krieges ist berechtigt, dass der Ukraine mit Solidaritätsbeteuerungen und Applaus (hatten wir doch schon am Anfang der Pandemie) nicht geholfen ist, scheint ebenso auf der Hand zu liegen. Allein mit einem Bekenntnis zur moralischen Unterstützung kann der Krieg nicht gestoppt werden, ebenso hat das Land wenig davon, wenn ihm die westliche Welt Flüchtlinge abnimmt und so etwas zur (eigenen!) Gewissensberuhigung beiträgt. Was geschieht mit den Menschen in der Ukraine, die nicht flüchten können oder wollen? Dass die Flüchtlinge im Westen aufgenommen werden, löst das Problem aber nicht einmal ansatzweise. Die Politik beschwört zu einem grossen Teil den Zusammenhalt in der Welt. Mehr als politische Isolation Russlands und Aufrufe zur Feuereinstellung erfolgen jedoch nicht. Das (Kriegs-)Völkerrecht entpuppt sich als das, was es immer war: Als ein Scherz. So wird der Chef-Kriegstreiber im Kreml wohl eher bald vor dem jüngsten, also vor einem weltlichen Gericht stehen.

Etwa gleich untauglich ist die Wirtschafts-Sanktionspraxis des Westens und der Welt Russland gegenüber; soweit sie für die Sanktionierenden schmerzlos sind, werden die Sanktionen Russland nicht zur Einstellung der Gewalttätigkeiten bewegen können. Es kommt hinzu, dass im Westen und in der ganzen Welt mit Repräsentanten Russlands aller Art (gemeint sind nicht nur die sog. «Oligarchen») pfleglich umgegangen wird; schliesslich soll weiterhin von ihnen profitiert werden. Dass diese Waffe der wirtschaftlichen Sanktionen stumpf bleibt, ist auch einer ureigenen Anlage des Menschen zuzuschreiben: Auch wenn es an sich opportun wäre, ist die Inkaufnahme von Einschränkungen und Verzicht nicht das oberste Kredo des Menschen als «Krone der Schöpfung».

Wie effizient ist die «Waffe Sport» gegen das russische Kriegstreiben? In noch nie dagewesener Einigkeit ist der organisierte Sport weltweit daran gegangen, den russischen Sport zu isolieren. Das ist allerdings noch nicht genug: Russisch Sportlerinnen und Sportler werden nicht konsequent aus den Sport- und Wettkampfstätten verbannt. Löchrig ist die Anti-Russland-Front etwa im Tennis. In dieser Sportart werden russisch Spielerinnen und Spieler immer noch zugelassen. Ein Sündenfall, der allerdings schon Jahre zurückliegt, sind die Sanktionen nach dem in Russland praktizierten Staatsdoping, das nach den Olympischen Spielen in Sotschi (2014) aufgeflogen ist: Das Internationale Olympischen Komitee (IOK) räumte russischen Sporttreibenden, auch solchen, die erklärte Putin-Anhänger sind, die Möglichkeit ein, ohne Bezug zu Russland, quasi neutral, am Sportgeschehen teilzunehmen, wie kürzlich an den Olympischen Spielen in Peking (Teilnahme der Russen als «ROC», Russisches Olympisches Komitee). Der Sport ist ein potenter Faktor, um die Isolierung Russlands in der Welt gesamthaft zu stützen und zu fördern. Solange aber Funktionäre, die sich gegenüber dem Russischen Machthaber nicht klar distanziert haben, im Sport mittun, wirkt dieser nicht kriegs-hemmend. Dass bspw. der FIFA-Präsident und erklärte Putin-Freund Gianni Infantino seit Wochen einfach abgetaucht ist und sich von diesem Kriegstreiber nicht distanziert, macht seine Abberufung als Präsident des Verbandes am nächsten FIFA-Kongress notwendig – was aber natürlich nicht geschehen wird. Der Sport ist im Kampf gegen Russland eine schnittige Waffe der zivilisierten Welt, auch deshalb, weil der Sport keine Insel mehr von Spiel und Spass ist, sondern beinharter Kommerz. Wer sich im Krieg befindet, hat im Sport nichts verloren; das ist die Perpetuierung des Gedankens des «Olympischen Friedens».

Diese Auslegordnung stimmt nicht gerade positiv mit Blick auf die Beendigung des Wahnsinns. «Apocalypse now» also in Neuauflage.

(mehr zu diesem Thema in der nächsten Ausgabe von «Causa Sport» 1/2022, erscheint am 30. April 2022).

Die (Sport-)Welt in Schockstarre

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(causasportnews / red / 3. März 2022) Wieder einmal geht ein Gespenst um in Europa. Es ist aktuell das Gespenst des Krieges, der vor über einer Woche von Russland entfesselt wurde und jetzt mit dem Angriff auf ein Atomkraftwerk in der Ukraine eine neue Eskalationsstufe erreicht hat. Russland ist zu allem fähig und wird nicht davor zurückschrecken, auch zum Preis der Selbstzerstörung, nicht nur die westliche Welt in Asche und Trümmer zu legen. Die Welt ist ratlos, wie dieser Aggression, die ein modernes Abbild dessen ist, was sich 1939 auf dem Kontinent und danach sukzessive in der Welt ereignet hat, begegnet werden könnte. Nachdem nun die Bedrohung auch Europa erfasst hat und der von Russland angezettelte Krieg keine innerstaatliche Angelegenheit des Angreifers und des Angegriffenen mehr ist, dürfte es abzusehen sein, dass dem mundialen Terror nur noch mit Gewalt beizukommen ist. Wer Gewalt sät, wird die Folgen dieses Tuns zu spüren bekommen. Das sieht nicht nur die Bibel so. Oder anders: Das Gespenst, das nun umgeht in Europa, ist in seiner Entfaltung durch diejenigen Kreise begünstigt worden, die sich das alles, auch das aktuelle Gespenst in Europa, so nicht vorgestellt haben und nun sogar kleinlaut und contre coeur verkünden müssen, Aufrüstung tue not – Frieden lässt sich bedauerlicherweise nicht dadurch realisieren, dass sich die Bedrohten zur Bildung von Lichterketten treffen und Abrüstung auf Kosten der Wehrbereitschaft erzwungen wird.

Die Ursache des aktuellen Übels ist beileibe nicht nur auf ein terroristisches Regime und auf einen einzigen Mann zurückzuführen, wie das dem Kommunismus nahe Kreise weltweit suggerieren. Eine Individualperson ist auch nicht in der Lage, eine solche Katastrophe anzurichten. Es braucht Regime-Treue, Sympathisanten, Claqueure, Parasiten und Gesinnungsgenossen und -täter innerhalb und ausserhalb einer kriegsführenden Nation. Diese bilden den Nährboden, vom dem aktuell die Gewalt aus Russland ausgeht. Es sind die Gesinnungsaktivisten aus Politik, Gesellschaft, Sport und Kultur, die sich aktuell vom Anführer im Kreml partout nicht einmal klar distanzieren wollen: Der Herrscher in Weissrussland, die von Russland durch permanenten Geldsegen bei Laune gehaltenen Regierungen, die Oligarchen, die ihre zusammengestohlenen Vermögen in der ganzen Welt verstecken (oder, um ihre Haut und die Privilegien im Westen weiterhin geniessen zu können, ihre Fussballklubs geradezu verschenken, wie etwa Roman Abramovich), es sind Stars und Künstler (wie diese Woche Anna Netrebko), es sind Sport-Funktionäre, wie Thomas Bach (IOK) oder Gianni Infantino (FIFA) oder der Ex-IIHF-Präsident René Fasel. Ein besonders penibles Bild bietet, nicht unerwartet, der ehemalige Deutsche Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) ab, der von seinem SPD-Gesinnungsgenossen und aktuellen Bundeskanzler Olaf Scholz im staatlichen Fernsehen soeben geradezu angefleht wurde, sich vom Kreml-Herrscher und Kriegstreiber zu distanzieren und seine Partei-Mitgliedschaft abzugeben. Das macht er natürlich nicht, wobei ihm wohl zu Gute zu halten ist, dass er das Russen-Geld sicherlich braucht, um die pekuniären Folgen seiner vier gescheiterten Ehen zu mildern. Damit hängt wohl auch zusammen, dass sich der Schweizer Ringier-Medien-Konzern Gerhard Schröder immer noch als Berater (sic!) hält. Auf jährlich eine Million an Honoraren will der lustige Ex-Kanzler nicht einfach verzichten. Die Ringier-Medien, ideologisch pseudo-sozialistisch ausgerichtet, brüsten sich in der Schweiz damit, die Regierung am Gängelband zu führen. Staat, opportunistische und kungelnde Medien, zwielichtige Gestalten aus Wirtschaft und Politik bilden seit geraumer Zeit unheilige Allianzen. Apropos Sozialdemokratie: Diese verhält sich in Europa auffallend ruhig und zurückhaltend, wenn es um den Krieg, den Russland führt, geht. Ist ja auch alles mehr als peinlich, dass die Genossinnen und Genossen miterleben müssen, was ihre Genossinnen und Genossen derzeit in Russland und in der Ukraine so alles anstellen. Nach wie vor vereinen sich Gesinnungsgenossinnen und -genossen aller Länder. Die Sozialisten und die Linken im Allgemeinen äussern sich dann auch nicht entschieden gegen den von Russland angezettelten Krieg, sondern sie treten unverbindlich und feige lapidar für den Frieden ein. «Sprachregelung» wird so etwas genannt. Es ist eben Krieg, und man geht hin. Die Vorstellung, es sei Krieg und keiner würde hingehen, wäre zu ideal.

Die Welt befindet sich nach über einer Woche Krieg in Schockstarre und wird wohl bald eine Ausdehnung von Krieg, Leid und Elend erleben. Nach wie vor hält die zuvor nicht einmal ansatzweise feststellbare Solidarität der zivilisierten Staatengemeinschaft gegenüber dem Aggressor an. Nach einem Hin und Her werden die nun in Peking ausgetragenen Paralympics ohne die Mannschaften Russlands und Weissrusslands stattfinden. Na dann auf geht’s, nach Peking, ins Land des anderen idealisierten Kommunismus’. Der «Olympische Frieden» galt auch nur für die «richtigen» Winterspiele 2022. Nüchtern betrachtet lähmt der Krieg durchwegs den Sport, vor allem in seinen internationalen Dimensionen. Und das ist gut so, würden nicht nur die altbekannten Kreise sagen.

Es lebe der Sport!

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causasportnews / red. / 1. März 2022) In Anbetracht des brutalen Aggressionskriegs, den Russland gegen die Ukraine führt, wird die Welt von einer Solidaritätswelle erfasst. Lichterketten, Friedenskundgebungen (durchwegs für den Frieden, nicht gegen den Krieg) und schöne Worte, vor allem durch die politische Garde, sind zwar gut und recht. Dennoch fühlt sich die Ukraine verständlicherweise im Stich gelassen. Wenn die Schweizer Regierung nach tagelangem Herumlavieren erst auf Druck der Europäischen Union halbherzige Sanktionen gegen russische Parasiten und Volksschädlinge beschliesst, obwohl die Schweiz zu einem grossen Teil von den Oligarchen und dubiosen Unternehmen aus Russland profitiert, ist das nur noch beschämend. Herausgeredet hat sich die Regierung mit einer längst antiquierter Neutralitätsduselei und beseelt vom Wunsch, im Krieg zwischen Russland und der Ukraine zu vermitteln (wohl mit den gleichen Vermittlern und Vermittlerinnen, welche nicht einmal befähigt sind, mit der EU Abkommen auszuhandeln!).

Stolpert FIFA-Präsident Gianni Infantino über die Freundschaft mit Wladimir Putin?
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Mit Erstaunen hat die Welt erlebt, und sie erlebt es immer noch, wie der Sport in dieser Kriegssituation Flagge zeigt. Fussballmannschaften wollen nicht mehr gegen russische Teams antreten, Tennisspielerinnen und -spieler weigern sich, sich mit der Gegnerschaft aus dem kriegsführenden Land zu messen, und Funktionäre aus aller Welt, meistens nicht als überaus mutig bekannt, wollen sogar von ihren russischen Kollegen nichts mehr wissen. Noch eindrücklicher: Der Sport bietet dem russischen Geldadel im Westen keine Bühne mehr zur Präsentation. Kein russischer Sponsor-Stein bleibt auf dem andern. Im Sport hat sich eine Bewegung gegen die russische Aggression formiert, die so weder erwartet wurde noch erahnt werden konnte. Das hängt vielleicht damit zusammen, dass es Sportlerinnen und Sportler gewohnt sind, bis an die physischen und psychischen Limiten zu gehen. Der Kampf, den die Gebrüder Wladimir und Vitali Klitschko derzeit in der Ukraine führen, ist nicht nur heldenhaft, sondern erfordert geradezu Demut seitens der westlichen Zivilisation. Der Sport steht derzeit für mehr ein als für laue Solidarität mit schönen Worten, die aus den politischen Lagern zu vernehmen sind; er will die totale Isolation alles Russischen. Dieser Schulterschluss war nicht zu erwarten. Auch wenn die russische Tötungsmaschinerie weiterhin alles niederwalzt, kann in der schönsten Hauptsache der Welt dennoch nur eines festgestellt werden: Es lebe der Sport! Nach den ersten Massnahmen aus der Welt des Sports gegen Russland wird nun wohl die zweite Widerstandswelle aus dieser Sparte auf das kriegsführende Land zukommen: Die formellen Ausschlüsse aus Verbänden und Organisationen. Trotz Verquickungen zwischen Sport, Wirtschaft und Politik dürfte der Sport weiterhin ein starkes Zeichen gegen die abscheuliche Aggression setzen und die Integrität des Sportes durch Player, die sich ausserhalb dieser Sparte unmöglich und menschenverachtend verhalten, nicht besudeln lassen. Der Weltfussballverband FIFA mit Sitz in Zürich dürfte Russland wohl demnächst formell aus der Fussball-Gemeinschaft ausschliessen, ebenso der Europäische Verband UEFA. Das Internationale Olympische Komitee (IOK) wird wahrscheinlich Einzelmitglieder und Funktionäre aus Russland (Mitglieder des IOK sind nur natürliche Personen) in die Wüste schicken. Sport-Funktionäre, wie FIFA-Präsident Gianni Infantino, der sich seit Jahren mit der Freundschaft zu Wladimir Putin brüstet, werden Abbitte leisten müssen; sonst dürften sie von der politischen Bühne verbannt werden.

Immer wieder werden Sport und Kultur synonym genannt. Auch in der Kultur soll Russland weltweit isoliert werden, bis der rechtmässige Zustand in der Ukraine wieder hergestellt ist. So wird die Putin-Getreue Anna Netrebko Ende März nicht im Zürcher Opernhaus auftreten, wie soeben bekannt wurde. Die Star-Sopranistin will sich nicht vom Russen-Führer distanzieren. So etwas geht nicht einmal in der Stadt Zürich, die von Linken beherrscht wird. Die Kultur beginnt also auf den Spuren des Sportes zu wandeln.