causasportnews.com – 41/2026, 3. Mai 2026

(causasportnews / red. / 3. Mai 2026) In Italien, im Land der Lebens- und Gaumenfreuden sowie weiterer, lebenswerter Vorzüge, herrscht Tristesse, wie die Franzosen diese Situation benennen würden. Vor allem im Spitzenfussball muss die Lage als besonders dramatisch bezeichnet werden. Zum dritten Mal in Folge hat es die Nationalmannschaft Italiens nicht geschafft, sich für eine WM-Endrunde zu qualifizieren. Dies, obwohl das WM-Teilnehmerfeld mit Blick auf die am 11. Juni in Kanada, in den USA und in Mexiko beginnende Fussball-WM-Endrunde auf 48 Nationalteams (vorher 32 Mannschaften) aufgestockt wurde. Die «Squadra Azzurra» wird das bis zum 19. Juli dauernde Turnier an den Fernsehschirmen mitverfolgen müssen. Seit dem definitiven Ausscheiden der einst gefürchteten Star-Kicker aus dem Land, das die Welt wegen der ausserordentlichen Kultur und der exzellenten Küche und auch wegen der sportlichen Sonderleistungen, die immer wieder von Italienerinnen und Italienern in vielerlei Disziplinen erbracht werden, liebt, herrscht derzeit auch ausserhalb des Vatikans und im Sinne des Matthäus-Evangeliums ein veritables Heulen und Zähneknirschen. Der letzte Strohhalm, an dem sich Italien mit Blick auf die in fünf Wochen beginnende Fussball-WM-Endrunde festhält, ist wohl weniger als ein Hoffnungsschimmer. Vor allem Amerika, eine Nation, die derzeit völlig durch den Wind geht, hat nach dem Scheitern der Italiener in der WM-Qualifikation das Gerücht gestreut, die «Azzurri», weil eh attraktiver und beliebter, könnten im WM-Endrunden-Turnier den Platz von US-Kriegsgegner Iran einnehmen. Dieser unsinnige Vorschlag aus Amerika ist zweifelsfrei eher ein Akt der psychologischen Kriegsführung, in welcher die USA unbestrittenermassen Weltmeister sind; hier war wohl vor allem der Wunsch Vater des Gedankens.
Dass die Schmach der Nicht-Qualifikation der Mannschaft Italiens Folgen haben würde, war vorauszusehen. Seit das Unabänderliche nicht mehr abwendbar ist, wird die Schuldfrage am sportlichen Malaise in Italien ebenso engagiert wie emotional gestellt. Ins Kreuzfeuer der Kritik sind vor allem die Sportfunktionäre geraten. Unter diesen hat ein geradezu übles Hauen und Stechen eingesetzt, zumal diese für die erneut missratenen WM-Qualifikation herzlich wenig können. Die Spieler sind als Sündenböcke eher nicht geeignet, weil auch die Hoffnung im Fussball zuletzt stirbt und die nächste Qualifikationschance für ein grosses Turnier gepackt werden soll.
Apropos Fussballspieler: Als ob das Obgenannte nicht genug des Elends abgeben würde, hat kürzlich die bekannte Tageszeitung «Gazzetta dello Sport» eine süffisante Bombe platzen lassen: In Mailand soll ein grosses Prostitutionsnetzwerk zerschlagen worden sein, ein offenbar eher unappetitliches System aus wirtschaftlicher und körperlicher Potenz (Sex) sowie mit gewaltigem Einfluss in vielen Lebens- und Gesellschaftsbereichen. Speziell unschön ist an diesem Escort-Ring, dass etliche Frauen zu sexuellen Handlungen gezwungen worden sein sollen. Mittendrin und nicht nur dabei sollen sich Dutzende von Professional-Fussballspielern in diesem Netzwerk verlustiert haben. In den Unterlagen der Mailänder Ermittler sollen die Namen bekannter Fussballspieler, etwa der Klubs von Inter Mailand, der AC Milan, Juventus Turin, Lazio Roma, Como, Turin, Verona, usw., aber auch der Nationalmannschaft, aufgeführt sein. Auch Sportler aus anderen Bereichen, etwa aus dem Eishockey und aus dem Motorsport, sollen die Dienste der Prostitutionsring-Betreiber genutzt haben. Zur Ehrenrettung der Fussballer sei erwähnt, dass diese offenbar tendenziell im Umfeld des Netzwerkes bewegt haben und weniger stringent vom Angebot sexueller Dienstleistungen profitiert hätten. Der Kauf und Verkauf solcher Dienstleistungen ist übrigens in Italien nicht verboten. Die Spieler, die sich in diesem Netzwerk, wie und mit wem auch immer, vergnügt haben, können wohl etwa die gleiche Konklusion ziehen wie einige der Spieler der «Squadra Azzura», die allenfalls (auch und eventuell teilweise) in den Mailänder Skandal verwickelt sind: «Haben wir nichts gewonnen, so haben wir doch lustig gelebt».
(Quellen: Media-Agenturen, Gazetta dello Sport, Neue Zürcher Zeitung)
