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Zum Olympia-Start: Leichtathletik im Elend

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(causasportnews / red. / 24. Juli) Kurz vor Beginn der Olympischen Sommerspiele in Tokio platzte im Schweizer Sport eine «Doping-Bombe»; als ob «Corona» nicht schon genug Probleme bereiten würde: Die Schweizer Medaillen-Hoffnung Kariem Hussein wurde (offenbar) wegen der Verwendung einer Gly-Coramin-Lutschtablette Doping-positiv getestet und gleich für neun Monate gesperrt. Der 32jährige Hürdenspezialist stand sofort zur Verfehlung und akzeptiert die ausgefällte Sanktion. Anlässlich eines Leichtathletik-Meetings in Langenthal Ende Juni lief der ausgebildete Arzt in die Doping-Falle und muss nun die Spiele in Tokio im Fernsehen verfolgen. Nebst dem Reputationsschaden hat der Hürdenläufer nach dem Doping-Befund massive, pekuniäre Einbussen zu gewärtigen. Der erfolgreiche Sportler, der in den letzten Jahren als «Marke» aufgebaut worden ist, dürfte wohl vor allem Sponsoringgelder verlustig gehen. Derzeit ist allerdings noch unklar, wie die teils attraktiven Sponsoring-Partner des Doping-Delinquenten, wie Nike, BMW oder Geberit, auf den Dopingfall reagieren werden. Der «Fall Kariem Hussein» manifestiert auch die Risiko-Problematik, wenn Sponsoren auf Individual-Athleten setzen.

Die Schweizer Leichtathletik stand im Vorfeld von Olympia unter keinem guten Stern: Die Medaillen-Hoffnung über 100 und 200 Meter, Alex Wilson, stellte in Atlanta (USA) über die beiden Distanzen gleich zwei Fabelrekorde auf: 9,84 Sekunden (über 100 Meter) und 19,89 Sekunden (über 200 Meter). Danach begannen die Diskussionen über die Rechtmässigkeit der erzielten Zeiten; von Manipulation und Betrug war und ist die Rede, und auch der Umgang des Athleten mit einem lebenslang gesperrten «Doping-Trainer» sorgte zumindest für gewaltige Negativ-Stimmung gegen das «Kraftpaket» mit Jamaika-Wurzeln. Tendenziell sieht es derzeit danach aus, als würden die vom 30jährigen Alex Wilson erzielten Zeiten nicht homologiert werden. Diese Ausgangslage ist wohl nicht gerade als ideal mit Blick auf Tokio zu werten.

Nichts zu tun mit Olympia 2020, ausgetragen 2021, hat eine andere, in der Westschweiz lebende Leichtathletik-Hoffnung ohne Schweizer Pass. Tolossa Chengere, ein begnadeter Langenstreckenläufer aus Äthiopien, versucht seit rund 20 Jahren, mit Tricks und Schlichs das Schweizer Bürgerrecht zu erlangen. Vor einer Woche liess der Zürcher «Tages-Anzeiger» diese «Bombe» platzen: Nachdem sein Asylantrag abgelehnt worden sei, habe sich der Sportler, Jahrgang 1979 oder 1984, während Jahren gegen die Ausschaffung zur Wehr gesetzt. Bis jetzt erfolgreich; der Läufer befindet sich nach wie vor in der Schweiz. Seine Leistungen verschlechterten sich im Verlaufe der Jahre zusehends. Mit der Geschichte im «Tages-Anzeiger» vom 17. Juli 2021 wurden die Machenschaften, Betrügereien und Lügengebäude des Äthiopiers schonungslos angeprangert. Das alles unter dem für die linke Zeitung ungewohnt scharfen Titel «Das Lügenkonstrukt des Laufstars». Auch diese Geschichte ist für die Leichtathletik nicht gerade image-fördernd…

Absage der Olympischen Sommerspiele in letzter Minute?

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(causasportnews / red. / 21. Juli 2021) Zum Glück für das Internationale Olympische Komitee (IOK) ist Japans Premierminister Yoshihide Suga mit seinen bald 73 Jahren auch nicht mehr der Jüngste. Sonst könnte es durchaus sein, dass der seit September des letzten Jahres als Regierungschef tätige Liberal-Demokrat die kurz vor der Eröffnung stehenden Olympischen Sommerspiele in Tokio abblasen würde. Aufgrund der steigenden Infektionszahlen im Olympia-Tross und der sich allgemein verschlechternden «Corona»-Lage wäre diese Entscheidung folgerichtig. Das Volk hat Angst und verlangt quasi in letzter Minute immer lauter eine Absage der bereits um ein Jahr verschobenen Wettkämpfe in der japanischen Metropole. Nun werden auch Stimmen aus den Kreisen der Organisation immer lauter, den Anlass, der eigentlich nur noch vom IOK gewollt ist, in letzter Minute abzusagen und die bald 100’000 Sportlerinnen und Sportler, Funktionäre und Medienschaffende wieder auszufliegen. IOK-Präsident Thomas Bach ist derzeit in Japan der meistgehasste Mann. Doch die durchwegs als höflich geltenden Japanerinnen und Japaner geben sich zurückhaltend. Dass der deutsche Funktionär die Spiele einzig aus wirtschaftlichen Gründen durchdrücken will, wird ihm im Land der aufgehenden Sonne nicht nachgesehen. Wäre der Premierminister nicht schon bald im Greisenalter, und müsste seine Partei (für ihn) nochmals zur Wahl antreten, würde sich Yoshihide Saga zweifellos dem Diktat der Strasse beugen. Doch damit ist (einstweilen) nicht zu rechnen. Der rührige Nachfolger des «Treibers» der Spiele von Tokio, Shinzo Abe, kann jegliches politisches Kalkül ausblenden und des Volkes Willen mit Blick auf die eigene politische und persönliche Zukunft ignorieren. Irgendwelche Interessenvertretungen sind für ihn irrelevant geworden, getreu nach der für Politikerinnen und Politiker nicht genug hochzuhaltenden Lebensweisheit, die einmal vom Mathematiker und Ökonom Helmar Nahr geprägt worden ist: «Interessenvertreter sind Leute, die in unserem Namen ihre Interessen vertreten.». Zum Glück also für Olympia und Japan, muss Yoshihide Suga bei allen seinen Entscheidungen nur noch sein persönliches Wohl im Auge behalten. Es sei denn, die Pandemie schlage in den nächsten Tagen Kapriolen. Dann lässt sich der opportunistisch motivierte Durchführungsplan des  Sport-Wahnsinns in Tokio immer noch ändern – oder stoppen…

Die «Corona-Spiele» in Tokio in den Entscheidungsfallen

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(causasportnews / red. / 20. Juli 2021) Die Fussball-Europameisterschaft ist vor etwas mehr als einer Woche glücklich beendet bzw. bis zum Abschluss durchgezittert worden. «Corona» schwebte wie ein Damoklesschwert über der Veranstaltung, und der organisierende Kontinentalverband UEFA zwang letztlich die Austragungsorte dazu, sekundiert von Impf-Unwilligen, Querulanten und Querdenkern, die Stadien zu öffnen – zuletzt das «Wembley»-Stadion in London. Der «Corona»-Ignorant, Boris Johnson, glaubte, dank 60’000 Engländerinnen und Engländern, der Mannschaft von der Insel auf diese Weise zu Europameister-Ehren verhelfen zu können. Wie bekannt, ohne finalen Erfolg. Der nicht gerade mit intelligenter Weitsicht gesegnete Polit-Haudegen, der im Zuge seiner «Corona»-Ignoranz alle Schutz- und Vorsichtsmassnahmen auf der Insel über Bord geworfen hat(te), befindet sich derzeit wieder einmal selber in Quarantäne; seine Infektion hat er schon vor Monaten eingezogen.

Nur knapp zwei Wochen nach dem Europameisterschafts-Erfolg Italiens steht der zweite Sport-Grossanlass dieses Jahres vor der Türe: Die Olympischen Spiele in Tokio. Diese sollen ohne Zuschauerinnen und Zuschauer durchgeführt werden. «Corona» wütet allerdings unvermindert im Lande der aufgehenden Sonne und wird immer schlimmer. Trotzdem verlangt IOK-Präsident Thomas Bach nun Spiele mit Publikum. Ohne Zuschauerinnen und Zuschauer sind Sportanlässe weniger lustig als jedes Begräbnis. Es könnte jedoch durchaus sein, dass die höflichen Japaner zuletzt vor der Geldmaschinerie IOK und den geldgierigen Funktionären einknicken werden, denn «Tokio» muss stattfinden! Das wäre ihnen teils wohl auch willkommen, denn wegen der Publikums-Sperre gehen ihnen gewaltige Zuschauer-Einnahmen verloren. Nach Tokio werden, Stand heute, lediglich 100’000 Sportlerinnen und Sportler, Funktionäre und Medienschaffende reisen. Wegen «Corona» verkommen die Sommerspiele zu einer Einheit der Gegensätze. Thomas Bach möchte aus finanziellen Gründen Publikum in den Sportstätten; Premier-Minister Yoshihide Suga will aus politischen Gründen die Spiele durchführen, steht aber unter dem Druck seines (Wahl-)Volkes, das den Grossanlass aus Angst vor «Corona» am liebsten gar nicht möchte; gleichzeitig ist er ein Opfer seiner Prestige-Gehabe: Wie würde Japan dastehen, wenn die Spiele nicht stattfinden und in einem halben Jahr im Lande des Rivalen China die Olympischen Winterspiele eröffnet werden! Eine verzwickte Situation also, bestückt mit diversen Entscheidungsfallen, vor allem für die bemitleidenswerten Japaner, die kaum mehr anders können, als wohl zu guter Letzt auch noch die Sportstätten für das Publikum zu öffnen. Darauf, dass die Gross-Veranstaltung am Wochenende nicht beginnen wird, wettet niemand (mehr) einen Rappen. Schliesslich soll Japan mit den Spielen auch Stärke demonstrieren und die Nation das Fukushima-Trauma überwinden; exakt von dort aus wurde das Olympische Feuer nach Tokio getragen – das sagt alles. Ob der interdisziplinäre Anlass zum stets beschworenen, grandiosen Sportfest 2021 für die Menschheit auf diesem Globus werden wird, dürfte sich bald weisen. Wahrscheinlicher ist, dass die im letzten Jahr um ein Jahr verschobenen Sommerspiele als «Corona-Spiele», die aus verschiedenen Gründen durchgezwängt werden müssen, in die Sport-Geschichte eingehen werden. Libido, gepaart mit Kalkül, statt Ratio, könnte die allgemeine Lage kurz vor Beginn des Grossanlasses zusammengefasst werden.

Stav Jacobi – der «Christian Constantin» des Volleyballsports

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(causasportnews / red. / 15. Juli 2021) Nicht nur Sport-Insider kennen ihn, der Strippenzieher im Schweizer Volleyballsport, Stav Jacobi. In dieser Sportart im Besonderen und im Sport im Allgemeinen versucht der russisch-stämmige Geschäftsmann mit dem ursprünglichen Familiennamen «Jakubowski» seit Jahren in der Schweiz Fuss zu fassen. Insbesondere im Frauen-Volleyball. Die Liebe zur dieser Sportart lässt ihn umtriebig erscheinen; sein Engagement beim zwischenzeitlich von chinesischen Geschäftsleuten beherrschten Zürcher Fussballklub Grasshopper war eher halbherziger Art und weniger sportlich motiviert. Als Präsident des traditionsreichen Zürcher Klubs «Volero», bzw. als Verwaltungsratspräsident der Betriebsgesellschaft Volero Zürich AG will er vor allem mit einer teuer zusammengekauften B-Frauenmannschaft an die Spitze des helvetischen Volleyballsport gelangen. Das ermöglicht ihm letztlich vor allem das Mitwirken im internationalen Geschäft. Einen entscheidenden Schritt hierzu wollte Stav Jacobi in der Saison 2020/21 tun, doch «Corona» machte einen dicken Strich durch seine Kalkulationen. Der nationale Verband (Swiss Volley) sagte alle Auf- und Abstiegsspiele ab, was bedeutete, dass der Klub mit seinem sportlich hervorragenden Frauen-Team den Aufstieg nicht bewerkstelligen konnte und weiterhin in der B-Klasse spielen muss. Der Volero-Präsident hat nie verstanden, weshalb der Meisterschaftsbetrieb im Volleyballsport wegen der Pandemie minimiert wurde, während in anderen Mannschaftssportarten Meisterschaften mit Auf- und Abstiegen durchgepeitscht werden konnten. «Mutlos» nannte er die Verbands- und Ligafunktionäre; diese Qualifikation hat in der Tat etwas für sich. Der Vorgang ist allerdings ein Faktum. Gegen den entsprechenden Entscheid des nationalen Dachverbandes zogen «Volero», ein weiterer Klub sowie acht Spielerinnen schliesslich vor Gericht. Allerdings erkannte das Regionalgericht Bern-Mittelland im April, dass es unter den besonderen und gegebenen Umständen («COVID-19») keinen Rechtsanspruch auf Auf- und Abstiegsspiele geben würde (vgl. dazu den Entscheid sowie die Kommentierung hierzu in «Causa Sport» 1/2021, 112 ff., «Volley» in die Pandemie-Prozess-Niederlage; www.causasport.org). Doch Stav Jacobi wäre nicht Stav Jacobi, wenn er diese Prozess-Niederlage einfach so hinnehmen würde. Vielmehr kündigt er derzeit weitere Klagen gegen den Verband an; vor allem will er den erlittenen Schaden, der seinem Klub durch den Nicht-Aufstieg in die höchste Spielklasse entstanden ist, abwälzen. Die Klageandrohungen für die finanziellen Verluste, die Stav Jacobi durch den verunmöglichten Aufstieg geltend machen will, unterstützt er durch Medienkampagnen (vgl. etwa «Tages-Anzeiger» vom 13. Juli 2021, «Schon erwägt er die nächste Klage»; dadurch soll Druck auf den Verband und die in seinen Augen mutlosen Funktionäre aufgebaut werden. Der 54jährige Geschäftsmann, von dem niemand so genau weiss, mit was und wie er sein Geld verdient, ist zwischenzeitlich eine «Kopie» des Wallisers Christian Constantin geworden, der Verbände und Ligen immer wieder mit Gerichtsverfahren aller Art überzieht (vgl. dazu etwa Urs Scherrer, in: Causa Sport 2012, 319 ff., sowie Schweizerische Juristen-Zeitung, SJZ, 2013, 5 ff.). Die Medien berichten jeweils genüsslich über die juristischen Attacken des ebenfalls umtriebigen Architekten aus Sion. Die juristischen Kämpfe des Präsidenten des FC Sion enden meistens erfolglos, aber die Klagen lehren Verbände, Ligen und Sportfunktionäre das Fürchten und müssen als unangenehme Erscheinungen irgendwie aus der Welt geschafft werden. Die Vorgehensweise von Stav Jacobi ähneln den Aktivitäten und den Vorgehensweisen von Christian Constantin. Die Ankündigungen des am Zürichsee lebenden Geschäftsmannes weisen eine gewisse Parallelität zu den Vorgehensweisen von Christian Constantin auf. Beiden Präsidenten ist jedenfalls gemeinsam, dass die inszenierten Gerichtsverfahren durchwegs ein juristisches Desaster bilden. Zum Aufbau eines gewissen Druckes sind sie alleweil geeignet.

The Ugly Side of the Beautiful Game

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(causasportnews / red. / 14. Juli 2021) Das Ende der Fussball-Europameisterschaft 2020, ausgetragen 2021, wirkt nach dem denkwürdigen Finalspiel vom Sonntagabend in London immer noch nach. Die Welt gönnt Italien den Triumph, trauert aber mit England. Nach einer Niederlage, so, wie sie England erlitten hat, wird vor allem nach «Schuldigen» gesucht. Auf der Insel und im übrigen Europa ist zumindest einer dieser Missetäter rasch ausgemacht: Gareth Southgate, der Trainer der Engländer. Dabei hat er weder gespielt noch einen Elfmeter «verschossen». Es wird ihm jedoch angekreidet, drei blutjunge Spieler in die alles entscheidende Penalty-Schlacht geschickt zu haben. Es entspricht einer notorischen Tatsache, dass Elfmeter-Schützen erfahren, abgeklärt und nervenstark sein müssen. Gareth Southgate ignorierte diese Gesetzmässigkeit und setze im Penalty-Schiessen fatalerweise auf die «Karte Jugend». An dieser Last sind Bukayo Saka (19), Jadon Malik Sancho (21) und Marcus Rashford (23) zerbrochen und haben die Engländer statt ins Glück in den Nachthimmel Londons und sonstwohin geschossen. Mit der in der Tat schwer nachvollziehbaren, personellen Entscheidung hat der integre und faire Coach der Engländer vor allem auch diesen Jung-Spielern einen Bärendienst erwiesen und sie zu sportlichem «Kanonenfutter» gemacht. Nicht nur haben diese drei Fussball-Talente Italien den Sieg ermöglicht, sie sind nun auch Objekte von Anfeindungen übelster Art und aus allen Richtungen geworden. Dass die drei Spieler nicht weisser Hautfarbe sind, hat den Hass, der vor allem über das Netz wie Kübel über den Köpfen dieser Nationalspieler ausgeschüttet wird, geschürt oder vielleicht erst möglich gemacht. Ein Protest gegen diese Hasstiraden ist zwar wahrnehmbar, fällt aber einigermassen flau aus. Keine Reaktionen hat das Unhaltbare in Nyon, am Sitz der UEFA, und in Zürich, am Sitz der FIFA, ausgelöst. Beide Verbände pflegen zwar immer stramm zu stehen, wenn für Fairplay, Respekt und gegen Rassismus theoretisch Flagge gezeigt werden soll. Diese Aufgabe gilt aber von den Verbänden in der Regel als erfüllt, wenn entsprechende Leuchtschriften in den Stadien und Kleber auf Fussballer- und Schiedsrichter-Dresses erscheinen. Rückgrat und Mut sind bekanntlich nicht unbedingt die Charakter-Stärken von Alexander Ceferin (UEFA), Gianni Infantino (FIFA) & Konsorten. Man kann heute den ehemaligen FIFA-Präsidenten Joseph Blatter verteufeln und für alles Mögliche und Unmögliche verantwortlich machen, aber er hätte gegen diese ungebührlichen und unhaltbaren Attacken gegen die drei jungen Spieler des englischen National-Teams donnernd seine Stimme erhoben. Er hätte es dabei nicht nur bei der Feststellung bewenden lassen: «The Ugly Side of the Beautiful Game».

Doch auch diese Nachwehen des Europameisterschafts-Finals werden bald Geschichte sein. Die Welt richtet den Fokus nun nach Japan. Im Lande der aufgehenden Sonne werden in zehn Tagen die Olympischen Spiele beginnen. Wenigstens werden sie, teils gezwungenermassen, ökologisch vertretbar ausgerichtet. Weil die Wettkämpfe ohne Publikum ausgetragen werden, müssen lediglich die Athletinnen und Athleten sowie das Begleitpersonal sowie Medienschaffende aus der ganzen Welt nach Tokio geflogen und gekarrt werden. «Klimapositiv» nennt das Internationale Olympische Komitee (IOK) diese Situation im Zuge von «Corona». Die schadhaften Emissionen, die auch ohne Publikum in Tokio die Umwelt belasten, will der in Lausanne domizilierte Verein mit Pflanzungen kompensieren. 355 000 Bäume sollen demnächst in Afrika gesetzt werden. «Placebo» heisst diese Substanz, die auch keine Dopingkontrolle zu fürchten braucht.

Nach dem EM-Titelgewinn Italiens: Schafft das Elfmeter-Schiessen ab!

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(causasportnews / red. / 12. Juli 2021) Harry Kane, der bald 28jährige Captain der Engländer, brachte es nach dem Finalspiel anlässlich der Fussball-Europameisterschaft, die von Italien nach einem Penalty-Krimi gewonnen worden ist, auf den Punkt, nachdem für die Engländer der Traum zum Trauma mutierte: «Es ist das brutalste im Fussball, ein solches Spiel im Penalty-Schiessen zu verlieren.». Dabei meinte der Spieler von Tottenham Hotspur nicht etwa, Italien hätte den Sieg gestohlen – im Gegenteil: England ertrug die bittere Niederlage mit Stil und Würde – Fairplay ist in jedem Fall Sache der Sportler von der Insel und die oberste Maxime des Sports. Die (Fussball-)Welt ist sich ebenfalls einig: Italien ist verdient Europameister geworden. Doch der Erfolg der «Blauen» hing an einem dünnen Faden, und es hätte nicht viel gefehlt, und England hätte im eigenen, berühmten «Wembley»-Stadion triumphiert; über die Squadra Azzura aus dem schillerenden EU-Land. Das wäre dann für Europa, bzw. die Länder der Europäischen Union wohl eine (erneute) Klatsche gewesen. Rund ein halbes Jahr nach dem «Brexit» hätte England Europa gleich nochmals vorgeführt.

Nicht nur das Finalspiel wurde im Elfmeter-Schiessen entschieden, sondern auch einige Spiele zuvor. Deshalb ist die Frage nach dem sportlichen Wert dieser Penalty-Lotterie durchaus berechtigt. Selbstverständlich prävalieren in einem Penalty-Krimi, wie im Finalspiel erlebt, die Emotionen. Was in einem Fussballspiel an sich schon einmal nicht angeht. Ein vierwöchiges Turnier darf nicht zufällig entschieden werden, auch wenn konkret gegen den neuen Europameister Italien gar nichts einzuwenden ist – im Gegenteil. Eine Kontinentalmeisterschaft muss ausgespielt werden, zumal auch die Verlängerungen von jeweils 2 x 15 Minuten mit Blick auf das dann meist unvermeidliche Elfmeter-Schiessen von sportlich geringem Wert sind; die Mannschaften zittern sich eben in die Penalty-Lotterie. Schafft also diese Elfmeter-Schiessen in wichtigen Wettbewerben und Turnieren ab! Selbstverständlich sind Alternativen gefragt. Zurück zum «golden goal» also? Das ist eine Möglichkeit. Oder ein zweites Spiel, falls eine Partie nach 90 Minuten unentschieden endet? Das ist ebenfalls eine Möglichkeit; vielleicht aber keine ideale Variante, weil das die TV- und Übertragungsplanungen erschwert; die wirtschaftliche Kalkulierbarkeit ist das A und das O der modernen Sport-Unterhaltungsindustrie. Die Technokraten des Kontinental-Fussballverbandes UEFA werden sich mit den Fragestellungen nach dem in London zu Ende gegangenen Turnier befassen müssen. Was auch für die Schiedsrichter-Thematik gilt. Die Unparteiischen fielen im Turnier durch Fehlentscheide, Unsicherheiten und durchwegs durch wenig souveränes Agieren auf; das Finalspiel wurde vom Holländer Björn Kuipers allerdings tadellos gepfiffen. Die Problematik ist wohl (auch) auf die ausgeklügelten Überwachungstechniken (VAR, etc.) zurückzuführen. Wenn der Schiedsrichter in einem derartigen Turnier allerdings nie zum Thema wird (Fussball-Weisheit: «Der Schiedsrichter ist immer ein Thema»), läuft etwas falsch (zur «Entwertung» des Schiedsrichters und Minimierung seiner Stellung im Zuge der elektronischen Überwachungen wird sich «Causa Sport» in der nächsten Ausgabe befassen: «Causa Sport» 2/2021 erscheint am 30. August 2021; http://www.causasport.org.

In jedem Fall hat am Sonntagabend eine spannende, abwechslungsreiche, schlicht attraktive Fussball-Europameisterschaft ihren Abschluss gefunden. Während eines Monats war «Corona» wie weggeblasen. In den Fussball-Stadien wurde das Leben weitgehend wie vor der Pandemie gelebt sowie Emotionen und Gemeinschaftssinn zelebriert. Relativ volle Stadien (wie etwa am Finalabend im «Wembley» mit rund 60 000 Zuschauerinnen und Zuschauern, alle weitgehend ohne Masken und sich um Schutzkonzepte foutierend, toleriert von einer Regierung, deren Premierminister als unkontrollierbare Polit-Rakete gilt, ermöglichten eine emotionale, von Gemeinschaft geprägte Erlebniswelt. Kein europäischer Politiker (oder europäische Politikerin) stemmte sich gegen diese unbeschreibliche «Corona»-Ignoranz; das bringt auch keine Wählerstimmen. Das Publikum wurde zum Teil einer Sport-«Blase», in der sich der Fussball während eines Monats bewegte. Ein Monat ohne «Corona» also – und nun hoffentlich keine Monate der Reue danach…

Olympische Spiele in Tokio ohne Sun Yang

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(causasportnews / red. / 8. Juli 2021) Jetzt scheint es klar zu sein, dass die Olympischen Sommerspiele vom 23. Juli bis zum 8. August 2021 mehr oder weniger programmgemäss und weitgehend mit den selektionierten Athletinnen und Athleten durchgeführt werden, jedoch, wie soeben bekannt geworden ist, ohne Publikum! Die japanische Regierung und das Internationale Olympische Komitee (IOK) sind übereingekommen, in Anbetracht der sich verschärfenden «Corona»-Situation, diese drastische Massnahme zu beschliessen. Erstmals in der Geschichte der modernen Spiele werden diese also ohne Zuschauerinnen und Zuschauer vor Ort stattfinden. Damit bewahrheitet sich das Bonmot, dass grosse Sportveranstaltungen durchaus auch ohne Publikum vor Ort durchführbar sind – Hauptsache, die Wettkämpfe können medial verwertet werden. Was die Teilnehmerinnen und Teilnehmer anbelangt, sind mit Blick auf die Teilnehmenden die meisten Unsicherheiten beseitigt. Sicher ist etwa auch, dass der chinesische Top-Schwimmer, Sun Yang, in Tokio nicht dabei sein wird. Der 29jährige Athlet, der stets als ein Garant für Titel und Medaillen gilt, aber über eine schillernde Vita verfügt, ist vom Internationalen Sport-Schiedsgericht (TAS, Tribunal Arbitral du Sport) in Lausanne mit einer Doping-Sperre von vier Jahren und drei Monaten belegt worden. 2020 wurde der Ausnahmekönner vom TAS sogar für acht Jahre gesperrt. Weil der vorsitzende TAS-Richter befangen war, wurde die Schiedsgerichts-Entscheidung vom Schweizerischen Bundesgericht aufgehoben und die Sache zur Neubeurteilung an das TAS zurückgeschickt (causasportnews vom 30. Dezember 2020). Dieses hat nun neu entschieden und das Strafmass massiv reduziert, was bereits zu Kritiken, vor allem aus Athletenkreisen, geführt hat. In dieser «Causa» dürfte das letzte Wort noch nicht gesprochen sein. Sicher ist jedoch, dass Sun Yang die Spiele in Tokio nun im besten Fall am Bildschirm zu Hause in China mitverfolgen kann.

Europameisterschafts-Endspurt und Schiedsrichter unter Druck

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(causasportnews / red. / 6. Juli 2021) Im Londoner «Wembley»-Stadion werden die letzten Kapitel der Fussball-Europameisterschaft 2020, die erst in diesem Jahr ausgetragen werden konnte, geschrieben. Bereits kurz vor dem Höhepunkt, dem Finalspiel am Sonntag, ist das Fazit zu ziehen, dass dieses Turnier, ausgetragen an elf Orten, glücklich durchgezittert worden ist – bis hin zum Höhepunkt in London. Um die im vergangenen Jahr verschobene Meisterschaft 2021 durchführen zu können, brauchte es eines: Das «Damoklesschwert Corona» zu ignorieren. Das war an etlichen Austragungsorten offensichtlich (z.B. in Budapest oder in St. Petersburg). Und just auf die letzten Spiele hin, die alle in England stattfinden werden, hat der britische Premierminister, Boris Johnson, selbst ein «Corona-Opfer», «COVID-19» als besiegt erklärt und die Stadion-Tore des legendären «Wembley» für die Halbfinalspiele und den Final aufgewuchtet – obwohl die Infektions-Zahlen breitgefächert in eine besorgniserregende Richtung deuten. Es ist fast so wie jeweils im Weltfussballverband FIFA, als der damalige FIFA-Präsident Joseph Blatter Krisen für beendet erklärt hatte, als ihn diese nur noch nervten. Natürlich ist die Politik im Zusammenhang mit «Corona» und der Europameisterschaft nicht nur seitens des organisierenden Kontinentalverbandes (UEFA) unter Druck geraten; Stadien ohne Publikum und ohne damit zusammenhängende Emotionen sind für das Geschäft verheerend. Die Politik beugt sich den Wünschen und Forderungen der Bürgerinnen und Bürger: Gegen Klaumauk und Spiele zu sein, bringt keine Wählerstimmen (was die japanische Politik vor der nächsten Grossveranstaltung dieses Jahres, den Olympischen Sommerspielen, derzeit schmerzlich erfährt). So wird nun die Gesundheit der Menschen dieser Welt, insbesondere in Europa, auf dem Altar des Mammons geopfert. Und niemand stoppt den Wahnsinn, der dann wohl im Herbst spürbar sein wird, zumal Impf-Gegner und -Querulanten Oberwasser erhalten haben. In dieser Jahreszeit muss auch die Ferien- und die Freizeit-Industrie laufen wie geschmiert; «Corona» ist als Störfaktor zu verdrängen und zu ignorieren – vox populi vox Dei.

Kurz vor Beendigung der Europameisterschaft stehen zwar die Mannschaften im Zentrum des Interesses. Ins Visier der Kritiker sind allerdings die Schiedsrichter geraten. Trotz mordernster Überwachungstechnologie stossen krasse Fehlentscheide zuhauf für Unverständnis und Verärgerung. VAR (Video Assistant Referee) und weitere technische Unterstützungs- und Überwachungsmittel haben die Autorität und den vormals unantastbaren Status der Schiedsrichter untergraben und teilweise zerstört. Die Referees sind von der Überwachungs-Technologie regelrecht demontiert worden und verhalten sich im Rahmen der Spielleitungen wie Kaninchen vor der Schlange.- In diesem Zusammenhang erregt eine Medienmeldung aus Deutschland für Aufsehen: Der langjährige Bundesliga-Schiedsrichter Manuel Gräfe hat angekündigt, juristisch gegen die Schiedsrichter-Altersbegrenzung von 47 Jahren anzukämpfen. Es gibt sie also doch noch, die Schiedsrichter-Masochisten, die sich das alles bis ins hohe Alter antun wollen, wäre man geneigt zu sagen; offenbar spielen jedoch auch finanzielle Aspekte eine Rolle. Der Spitzen-Schiedsrichter will sich jedenfalls diese «Altersdiskriminierung» nicht gefallen lassen, wie er gegenüber Medien erklärt hat. Juristisch dürfte dem streitbaren Schiedsrichter, der vor einem Jahr seine Pfeife abgeben musste, keine grosse Hoffnung gemacht werden. Womit der Bogen auch wieder zu Joseph Blatter gespannt wäre. Dieser empfand eine Altersbeschränkung für das Präsidentenamt stets als diskriminierend. Eine lebenslängliche Amtszeit war für ihn das Mass aller Dinge; an seine Unsterblichkeit glaubte er eh. Bekanntlich wurde er dann aus anderen Gründen aus dem Amt katapultiert.

Joachim Löw: Wenn der Vorhang fällt

Joachim Löw am Swiss Sport Forum (photo by http://www.swisssportforum.ch)

(causasportnews / red. / 30. Juni 2021) Das war also der letzte Arbeitstag des Deutschen Bundestrainers Joachim Löw. Im berühmten Wembleystadion in London unterlag das Team von «Jogi», wie sie ihn einmal liebevoll, einmal abschätzig-hämisch nennen, dem Team aus dem Mutterland des Fussballs, sang- und klanglos 0:2. Eine Mannschaft ohne «Feuer», Teamgeist und Spielwitz verabschiedete sich vorzeitig vom Europameisterschafts-Turnier, und lieferte in etwa dasselbe Desaster ab wie anlässlich der Fussball-WM-Endrunde 2018 in Russland.

Das Ausscheiden des an sich hochkarätigen Teams bot soviel Tristesse wie das Ende von Joachim Löw als Bundestrainer. Der Mann konnte einem leidtun. Es war nach Spielschluss im «Wembley» so, wie wenn ein Vorhang fällt und der Applaus des Publikums ausbleibt. So, wie das Recht eine Bühne braucht, bot der Abgang des Bundestrainers eine Parallelität zum Recht der Bühne, das im Sport oft dann, wenn es beispielsweise um die Facetten von Arbeitsvertragsverhältnissen in dieser Entertainment-Branche geht, herangezogen wird. Juristisch war alles einwandfrei. Längst wurde es angekündigt, dass Joachim Löw, seit Jahren dem Erfolg nach dem grandiosen WM-Titel 2014 in Brasilien nacheilend, nach der Europameisterschaft sein 15jähriges Engagement im Deutschen Fussball-Bund (DFB) beenden würde. Ob es geschickt war, mit einem angekündigten Abgänger in ein solches Turnier zu steigen, ist eine andere Frage (vgl. dazu auch causasportnews vom 10. März 2021). Diese Personaldisposition hätte allenfalls Sinn gemacht, wenn «Yogi» nach 2014 die Erfolgsspur nicht verlassen hätte; womit sich auch, wie immer (auch) in solchen Fällen, die Frage nach dem verpassten Abgang stellt. Letztlich ist es nachweislich so, dass sich nicht zuletzt das (Wettkampf-)Glück von Joachim Löw abwendete, als ihn sein Co-Trainer im Nationalteam, Hansi Flick, nach dem WM-Erfolg in Brasilien verliess. Dass der Nachfolger von Joachim Löw während Jahren der Assistent seines Vorgängers war, entbehrt nicht einer gewissen Ironie. Vielleicht bekommen jetzt alle diejenigen Expertinnen und Experten, von denen es auch in Deutschland mehr als 80 Millionen gibt, Recht, die es immer gesagt haben, dass Hansi Flick in der «Ära Joachim Löw» eigentlich stets der faktische Bundestrainer war. Hansi Flick, nach einem grandiosen Intermezzo beim FC Bayern München, wird nun das Nationalteam von Grund auf erneuern müssen; bis zur Fussball-WM-Endrunde dauert es (nur) noch knapp eineinhalb Jahre.

Die Schweiz besiegt Weltmeister Frankreich: Plus qu’un miracle!

© jung & frei

(causasportnews / red. / 29. Juni 2021) Unglaublich, sensationell, eine Sternstunde, ein Wunder – die Attribute überschlagen sich nach dem gestrigen Sieg der Schweizer Fussball-Nationalmannschaft im Achtelfinal gegen Weltmeister Frankreich. Wahrscheinlich war es mehr als ein Wunder, plus qu’un miracle, und eine fabelhafte Geschichte, die nur der Fussball zu schreiben im Stande ist. Da steckte die schweizer Multi-Kulti-Truppe nach viel Prügel und Häme zu Beginn der Europameisterschaft, vor allem nach dem blamablen 0:3 gegen Italien und unmöglichen Eskapaden ausserhalb des Rasens, richtig ein, und nun alles Negative weg. Jetzt das: Das Wunder von Bern (1954 mit dem WM-Sieg Deutschlands und der Viertelfinal-Qualifikation der Schweiz) wiederholte sich in Bukarest zum einen auf wunderbare Weise (Deutschland hat es in den Füssen, neuer Europameister zu werden). Wer sich nach dem verschossenen Elfmeter von Ricardo Rodriguez und der Spielwende durch die Franzosen enttäuscht vom Spielgeschehen abwandte, wurde erst nach Mitternacht durch Hupen und Jubeln aus dem Schlaf, falls er denn gefunden wurde, gerissen (mit Ausnahme etwa in der kommunistischen Metropole Zürich, in der es an Werktagen nach zehn Uhr abends auch in Ausnahmefällen verboten ist, akustische Gefühlsregungen zu zeigen). Der Mannschaft der verschiedensten Charaktere, Herkünfte und Einstellungen gelang das, wovon in der Schweiz seit Jahrzehnten geträumt wurde: Die Nation hinter sich zu bringen. Auch so geht geerdeter Nationalismus. Die Nacht von Bukarest zeigte grundsätzlich auf, dass Fussball zwar ein Spiel ist, aber mehr sein kann als nur ein Spiel. Der Sport im Allgemeinen und der Fussball im Besonderen verkörpern in einem solchen Augenblick das, was das Leben lebenswert macht: Emotion pur! Es war gestern irrelevant, dass der Fussball auf diesem Niveau mehrheitlich verkaufte Emotion darstellt.

Vielleicht kommt es immer gut an, wenn David Goliath bezwingt. Was in der rumänischen Kapitale geschah, war sogar weit mehr, und aufgrund der Team-Konstellationen fühlte sich die Welt, nicht nur die Fussball-Welt, an Asterix und Obelix erinnert – die Geschichte der renitenten Kämpfer wiederholte sich gleichsam vor 25 000 Zuschauerinnen und Zuschauern. Les petits Suisses traten beherzt gegen die gallische Übermacht an. Der Abend in Bukarest endete für die Schweizer zwar nicht mit einem Wildscheinessen, höchstens mit ein paar Bier-Duschen. Die Schweizer glauben nämlich daran, dass sich das Wunder von Bukarest noch perpetuieren lässt. Vielleicht schon am Freitagabend gegen Spanien. Nach dem Spiel ist vor dem Spiel, und ein Sieg gegen Spanien liegt durchaus drin; erinnert sei an die Fussball-WM-Endrunde 2010 in Südafrika, als die Schweizer ihr erstes Gruppenspiel gewann: Gegen den nachmaligen Weltmeister Spanien! Es war die einzige Niederlage der Iberer in diesem WM-Turnier.

Obwohl Sport und Politik streng zu trennen sind, kann zumindest die Schweizer Politik von den Fussballern, die sich nach Anfangsschwierigkeiten phänomenal steigerten, lernen: Nach dem geplatzten Rahmenabkommen mit der Europäischen Union (EU) überbieten sich Politikerinnen und Politiker derzeit in Schreckensszenarien und Negativ-Prognosen, was die Zukunft der Schweiz, ohne starke Bindung an die EU, angeht. Aber: Die Schweiz hat nicht nur eine Top-Nationalmannschaft, sondern durchaus weitere «Assets». Dessen sollte sich die Politik, in aller Demut selbstverständlich, bewusst sein; und danach handeln, statt permanent zu kuschen und sich selber klein zu machen. Liebe Politikerinnen, liebe Politiker, wie wäre es mit ein wenig mehr Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen zwecks Wahrung berechtigter nationaler Interessen? Der Sport lehrt es, und die Schweizer Fussball-Nationalmannschaft hat es gestern eindrücklich demonstriert: Nur wer den Kampf aufgibt und sich verzwergen lässt, ist verloren.