
causasportnews.com – 59/2026, 27. Juni 2026
(causasportnews / red. / 27. Juni 2026) Grosse Sportprojekte werfen ihre Schatten voraus. Sie sind in der Regel das Resultat jahrelanger Planung und Vorbereitung. Derzeit wird in Mexiko, in den USA und in Kanada im Rahmen der WM-Endrunde 2026 der neue Fussball-Weltmeister gekürt. Das WM-Endrunden-Turnier schlägt mit neu 48 National-Teams, die bis zum 19. Juli insgesamt 104 Spiele austragen werden, alle Teilnehmer- und Zuschauerrekorde. Mehr Spiele, mehr Geld, aber auch mehr Langeweile, könnte man das bisher Geschehene zusammenfassen. «Gurken»-Mannschaften, «Steinzeit»-Resultate und unmotivierte Kickereien prägen das Geschehen in Übersee. Am Finaltag wird FIFA-Präsident Gianni Infantino dennoch mit stolzer Brust auf die «beste WM-Endrunde, die es je gab» zurückblicken. Positiv mutet der Umstand an, dass im Fussball grundsätzlich durchwegs erfolgreich an der Geldvermehrungs-Schraube gedreht werden kann. Mit Blick auf die aktuelle Fussball-WM-Endrunde ist vom Fussball-Weltverband (FIFA) während Jahren das laufende Turnier minutiös vorbereitet worden (längst haben die Vorbereitungen für die WM-Endrunde 2030 in Marokko, in Portugal und in Spanien begonnen). Dennoch ist zu bedenken: Der Fussball ist als einzige Sportart auf der Welt ein Selbstläufer. Die Turniere können emotionslos und langweilig sein, sie rechnen sich dennoch. Das gilt auch für das aktuelle Turnier in Mexiko, in den USA und in Kanada.
Anders sieht es beim anderen sportlichen Grossanlass aus: Den Olympischen Spielen. Austragungsorte zu finden, wird für das Internationale Olympische Komitee (IOK) immer schwieriger. Fussball geht überall. Olympia mit einer Mehrzahl von Sportarten hat es stets schwieriger, aus wirtschaftlichen, ökologischen, nachhaltigen und anderen Gründen Austragungsorte zu finden. Das gilt auch für die Olympischen Winterspiele 2038, die in der Schweiz ausgetragen werden könnten. Wenn die Schweiz nur will…Die Schweiz steht mit Blick auf diese Spiele mit dem IOK in einem «privilegierten Dialog»; das will heissen: Die Schweiz kann ihre Kandidatur für 2038 bis 2027 konkurrenzlos vorantreiben. Rund 120 Wettkämpfe sollen an verschiedenen Orten (von Crans-Montana bis Zürich) ausgetragen werden. Ein «Verein Switzerland 2038» ist längst gegründet worden. Dieser soll die Bewerbungsaktivitäten bündeln und vor allem die Finanzierung des Grossanlasses sicherstellen. Und hier wird der Unterschied zwischen einer Fussball-WM-Endrunde und Olympischen Spielen manifest. Im Fussball findet so etwas wie eine kontinuierliche, wundersame Geldvermehrung statt, die Olympioniken müssen Himmel und Hölle in Bewegung setzen, um den Finanzierungsnachweis für Olympische Spiele zu erbringen. So waren in den letzten Tagen in den Medien Schlagzeilen wie diese zu lesen: «Bundesrat will Schweizer Olympiakandidatur mit 200 Millionen Franken unterstützen» («Tages-Anzeiger, Zürich, 23. Juni 2026). Die Gesamtkosten des Olympia-Projektes 2038 belaufen sich auf rund 2,2 Milliarden Franken. Dieses Geld muss nun mühsam zusammengekratzt werden. Dass die Landesregierung 200 Millionen Schweizer Franken in Aussicht stellt, kommt einem Wunder gleich. Der Bund hat kein Geld für die 13. AHV, kein Geld für die Armee, die sich materialmässig bereits geschlagen am Boden befindet, kein Geld für gar nichts, usw. Es herrscht totale Verzweiflung in der Schweiz, wenn nun ein Unterstützungsbeitrag des Bundes für Olympia 2038 Tatsache werden soll. Im Moment wird noch darüber gestritten, ob die Ausgabe von nicht vorhandenem Geld dem fakultativen Referendum zu unterstellen sei. Die Regierung zeigt sich, wen wundert’s, sehr zuversichtlich, was das Potenzial dieses grossen Sportanlasses in der Schweiz angeht. Die Bedeutung Olympischer Winterspiele wird etwa mit den sinnlosen Konferenzen auf dem «Bürgenstock» zur Beendigung von Kriegen aller Art verglichen und der PR-Effekt für die Schweiz unterstrichen. Auch diese kosten Unsummen von nicht vorhandenem Geld. Friedenskonferenzen oder Olympische Spiele sollen den gesellschaftlichen Zusammenhalt und die soziale Integration fördern, meint die Landesregierung, die wohl kaum versteht, was mit diesen schönfärberischen Worten gemeint werden soll. Ist auch egal. Sport- und andere Politik muss ja auch nicht kohärent sein. So dürfen auch die Olympia-Macher aus Politik und Sport als Phantasten an grossen Sport-Würfen basteln. Letztlich gilt für Sport- und Polit-Funktionäre in etwa das, was, leicht abgewandelt, auch im Matthäus-Evangelium verewigt ist: «An den Taten, und nicht an den grossen Worten sollt ihr sie erkennen».









