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Gianni Infantino – der Fussball-Messias wieder unter uns

(causasportnews / red. / 28. November 2022) Seit seiner Wahl zum FIFA-Präsidenten im Jahr 2016 ist der Walliser Gianni Infantino dieser Welt entrückt, lebt in einer Parallelwelt und umkreist unseren Planeten in verschiedenen Sphären. Von der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen, bedient er sich an den Honigtöpfen des Weltfussballs und manifestiert so irdisch-menschliche Züge; sonst ist er aber weitgehend kein Individuum dieser Welt. Seine «Projekte», die er in verschiedenster Art dem Planeten Erde verkündet, was zuweilen auch als Drohungen zu verstehen sind, müssen als Rohrkrepierer ohne Umsetzungschancen bezeichnet werden; oder es sind einfach Lebenszeichen aus dem Universum. Nun ist er zurück auf dieser Welt, und wie! Nachdem die Empörungsgesellschaft seit dem Beginn der Fussball-WM-Endrunde in Katar den Ausrichterstaat geradezu basht (der Ball rollt nun trotzdem), ist seit ein paar Tagen Gianni Infantino ins Fadenkreuz der medialen Schriftgelehrten und Pharisäer geraten. Seit seiner kruden Rede, welche seinen Wohlfühlzustand illustrieren sollte, ist Gianni Infantino zum Gespött der Welt geworden. Hätte er es doch so gehandhabt wie mehrheitlich bis zum WM-Endrunden-Auftakt in Katar: Si tacuisses… (hättest Du doch geschwiegen!). Der 52jährige Walliser aus Brig ist sogar zum Feindbild (fast) aller geworden. «Vom Briger Bub zum Bösewicht», titeln etwa die Zeitungen und gelangen zur Konklusion, dass der aktuelle FIFA-Präsident nicht besser sei als sein Vorgänger im Amt, der aus Visp stammende Joseph Blatter. Mit derartigen Qualifikationen wird man allerdings beiden Personen nicht gerecht, denn insbesondere hat Joseph Blatter für den Welt-Fussball auch Enormes geleistet und bewegt. Das kann von Gianni Infantino nicht gerade behauptet werden, doch er hat nun noch fünf Jahre Zeit, um seine Erfolgsbilanz aufzupolieren. Gemäss FIFA-Statuten soll der Briger 2027 abtreten. Doch die Meinungen gehen eher dahin, dass es Gianni Infantino schaffen wird, diese Alters-Guillotine in der Verfassung des Weltverbandes auszuhebeln. Wie würde es Joseph Blatter in Anlehnung an den Messias sagen: «Meine Mission ist noch nicht beendet». Will wohl besagen, dass zumindest die Grundsatzphilosophie der beiden Walliser in etwa die gleiche ist und unter Gianni Infantino gleich bleiben wird. Beide haben die Bedeutung des Fussball-Ökosystems erkannt: Man mache den «Fussball-Kuchen grösser und lasse alle (Nationalverbände = Präsidentenmacher) noch mehr am Erlös des «Kuchenverkaufs» teilhaben; das stimmt mehr als fröhlich. Apropos Joseph Blatter und Gianni Infantino: Derzeit wird vor allem am FIFA-Hauptsitz in Zürich darüber befunden, was den Mann aus Visp (Joseph Blatter) vom Emporkömmling aus Brig (Gianni Infantino) unterscheidet. Der eine komme aus Visp, der andere aus Brig…

Der FIFA-Präsident wird so rasch nicht in den Himmel, wo er her kommt, zurückkehren, auch wenn er sagt, man könne ihn kreuzigen; dafür sei er da. Typisch Messias halt. Im Moment erfüllt er eine wichtige Mission, man solle ihn kritisieren, nicht Katar, nimmt er die Last der umstrittenen WM-Vergabe auf sich. Dabei ist allerdings klar: Er hat gar nichts gemacht! Der Englische «Guardian» bringt es wohl auf den Punkt, wenn er meldet: «Hier ist er: Fussball-Jesus. Seht, denn er wandelt unter uns.». Wie wahr, denn zwischenzeitlich hat sich auch die Diskussion um den Wohnsitz des FIFA-Präsidenten entschleunigt. Gianni Infantino ist, wie nun eindeutig belegt ist, nie in Katar wohnhaft gewesen (wie dies die Medien seit Monaten kolportieren) und ist es auch jetzt nicht. Der FIFA-Präsident ist lediglich vom steuergünstigen Küsnacht ZH ins noch steuergünstigere Zug übersiedelt, wo sein Jahressalär von rund vier Millionen Franken selbstverständlich, jedoch favorisiert, besteuert wird. Kreuzigt also den FIFA-Präsidenten! Wofür jedoch? Aber das hatten wir doch schon alles einmal.

Präsidenten-Pleiten in der Swiss Football League (SFL)

Kapellbrücke in Luzern; Photo by Corinna Widmer on Pexels.com

(causasportnews / red. / 26. November 2022) Die Feststellung, es klebe Blut am Präsidentenstuhl der Fussball-Professional-Abteilung in der Schweiz (Swiss Football League, SFL), wäre bei weitem übertrieben. Aber so ganz ohne scheint dieses Nebenamt in der renommiertesten Abteilung der drei Unternehmenseinheiten des Schweizerischen Fussball-Verbandes (SFV) nicht zu sein. Der amtierende Präsident der SFL ist zwar aktuell nicht wegen Verfehlungen im Amt angezählt, sondern im Zusammenhang mit dem Krieg, den Russland nun seit genau neun Monaten gegen die Ukraine mit unvorstellbarer Brutalität führt. Philipp Studhalter war bis vor vier Jahren als Anwalt in eine Unternehmung involviert, deren Eigner, Oligarch Suleiman Kerimow, eine besondere Nähe zum Kreml-Kriegstreiber Vladimir Putin aufweist. Immer noch aktiv in dieser Hinsicht ist der Bruder des SFL-Präsidenten, der Treuhänder Alexander Studhalter. Dieser ist nun auf die berüchtigte US-Sanktionsliste im Zusammenhang mit dem Russland-Krieg gesetzt worden. Das allein hat zwar keinerlei juristische Konsequenzen, aber die politischen Dimensionen einer solchen Ächtung sind enorm; auch für das Umfeld eines so Geächteten, im konkreten Fall für den Bruder des umtriebigen Treuhänders, eben Philipp Studhalter. Für die SFL und den organisierten Fussball im Allgemeinen ist es zudem nicht gerade image-fördernd, wenn das familiäre Umfeld des Liga-Präsidenten international auf diese Weise in die Schlagzeilen gerät. Dass es den ehemaligen Anwalt und Präsidenten des FC Luzern sowie jetzigen Liga-Vorsitzenden mittelbar, und seinen Bruder unmittelbar erwischt hat, ist kein Zufall. Die Innerschweiz gilt als Eldorado (auch) russischer Oligarchen, die mit Hilfe von Anwälten und Treuhändern ihre Gelder im Herzen der Schweiz bunkern oder ihre meist trüben, dubiosen Geschäfte über die Zentralschweiz abwickeln. Auch wenn der unter Druck geratene, amtierende SFL-Präsident betont, dass es zwischen seiner abgeschlossenen Anwaltstätigkeit im Dienste der Russen und seinem aktuellen Präsidentenamt im Fussball keinen Zusammenhang geben würde, ist es in jeder Hinsicht als nicht gerade ideal zu werten, wenn sich die Nummer 1 der SFL im Fadenkreuz der unberechenbaren Amerikaner befindet, obwohl lediglich sein Bruder auf der Sanktionsliste figuriert. Sippenhaftung ist eine Eigenheit auf diesem Planeten. Was das heisst, musste etwa die FIFA (mit Sitz in Zürich) vor einigen Jahren schmerzlich erfahren, wobei hier strafrechtliche Verfehlungen von Fussball-Funktionären im Vordergrund standen, auch wenn sich letztlich die Amerikaner auf diese Weise für die WM-Endrunden-Vergabe an Katar (statt an die USA) am Verein FIFA «rächten».

Auch der Vorgänger des amtierenden SFL-Präsidenten war nicht frei von Fehl und Tadel. Heinrich Schifferle hat sich während seiner Zeit als Leader der Professional-Abteilung im SFV offensichtlich Verfehlungen geleistet, die zwar ebenfalls nichts mit seinem Fussball-Amt zu tun hatten, aber mehr als nur Schönheitsfehler im CV des rührigen Sportfunktionärs darstellten. Das Obergericht Zürich hat den 2021 als SFL-Präsidenten zurückgetretenen Winterthurer nach dem Bezirksgericht Winterthur im Juli des vergangenen Jahres wegen ungetreuer Geschäftsbesorgung (zum Nachteil seines damaligen Arbeitgebers) ebenfalls schuldig gesprochen. Dieses Urteil ist noch nicht rechtskräftig, wie das Obergericht Zürich auf Anfrage von «causasportnews» bestätigte; der Vorgang ist derzeit am Schweizerischen Bundesgericht pendent. Für Heinrich Schifferle gilt also nach wie vor die Unschuldsvermutung.

Zwei Beispiele, zwei zumindest unappetitliche Vorgänge oder Vorfälle mit Exponenten an der Spitze der SFL. Zwei eigentliche Fussball-Präsidenten-Pleiten sind es in jedem Fall.

Und endlich rollt der Ball…

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(causasportnews / red. / 21. November 2022) Nun hat sie also begonnen, die Fussball-WM-Endrunde 2022 in Katar. Es ist so etwas wie die Reinkarnation des Bösen, die am 2. Dezember 2010, als die WM-Endrunden an Russland (2018) und eben an Katar (2022) im FIFA-Hauptquartier in Zürich vergeben wurden, ihren Anfang genommen hat und sich nun die düsteren Prophezeiungen im Wüstenstaat erfüllen. Russland vor mehr als vier Jahren war selbstverständlich kein Problem, die WM-Endrunde war «die Beste aller Zeiten» (so sagte es der FIFA-Präsident damals zu seinem Freund Wladimir Putin); die Schergen im Kreml hatten die Krim 2014 lediglich elegant annektiert und auch sonst mit ihren menschenfreundlichen Aktivitäten rund um den Globus nicht viel Unfug in der Welt angerichtet. Aber nun Katar – das menschgewordene Feindbild der übrigen Welt! Was seit 12 Jahren bekannt ist und beschlossen wurde (und längst hätte korrigiert werden können: vgl. etwa causasportnews vom 11. November 2022), hat kurz vor dem Eröffnungsspiel und ein paar Wochen vorher zunehmend Argumente für die Empörungs- und Moralistengesellschaft abgegeben. Vor allem die modernen Schriftgelehrten (Journalistinnen und Journalisten) und Pharisäer auf der ganzen Welt können sich seit einiger Zeit kaum mehr erholen und triefen vor Selbstgerechtigkeit und moralisieren in unerträglicher Weise gegen den Wüstenstaat und diesen Teil der arabischen Welt. Fussball in Katar – geht gar nicht; das Geld der Katari einheimsen (nicht nur in Frankreich) – geht; um Energieressourcen betteln, wie insbesondere die Deutsche Regierung in Katar – geht; sich verlustieren im arabischen Luxus – geht; Urlaub in Dubai und Katar machen – geht; mit Blattgold überzogene Steaks essen wie Franck Ribéry in Dubai – geht natürlich; im Reichtum in Doha mitschwelgen – geht auch; nur Fussball soll nicht gehen.
Was nicht mehr abzuwenden ist, muss angenommen werden. So einfach ist das. Also wird jetzt in Katar Fussball gespielt. Man wünscht sich das Pharisäertum und die Doppelmoral um die WM-Endrunde in Katar nun einfach weg. So muss für den FIFA-Präsidenten Gianni Infantino sogar Verständnis aufgebracht werden, wenn er sich wegen des mundialen Trommelfeuers gegen Katar enerviert. Bei einem solchen Fait accompli, wie wir es derzeit haben, bleibt in Gottes Namen nur noch die Gefühlsebene. Da ist der FIFA-Präsident nahe zu Lothar Matthäus gerückt, der die Welt einmal wissen liess, dass er vom Feeling her ein gutes Gefühl habe. Gianni Infantino hat es wohl richtig gedacht, als er sich kurz vor dem Katar-Event den Balanceakt mit den Gefühlen wagte und sich gemäss seinen Worten sogar als Homosexueller fühlte. Bizarr findet die Weltpresse, seien die Artikulationen des obersten Fussballers gewesen, Zweifel an der geistigen Fitness des Nachfolgers von Joseph Blatter auf dem FIFA-Thron wurden geäussert. Loriot hätte jedenfalls seine helle Freude am bemitleidenswerten Schweiz-Einwanderer aus Italien gehabt. Dass dem 52jährigen Walliser das ewige Genörgel der modernen Schriftgelehrten und Pharisäer (die aktuell perpetuieren, was der andere Matthäus in seinem Evangelium festhielt) um den Austragungsort Katar zuviel wurde, ist irgendwie verständlich. Nicht gut kommt es in der Empörungs- und Neidgesellschaft an, wenn an sich Evidentes von einem eh schon umstrittenen und unbeliebten Fussball-Präsidenten mit fliegenbeinschwacher Artikulation verbreitet wird.
Doch nun rollt der Ball – und nicht nur die Sport-Welt wird sich während vier Wochen mit dem abfinden (müssen), was unabänderlich ist, jedoch durchaus hätte abwenden können – auch nach dem Vergabeentscheid am 2. Dezember 2010 in Zürich. On verra. Eines hat das Gerangel um den WM-Endrunden-Austragungsort bewiesen und das ist ein Gütesiegel für diese Sportart: Der Fussball ist wohl das Wichtigste auf dem in letzter Zeit arg durchgeschüttelten Planeten.

Peinliches im Sport-Medien-Business

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(causasportnews / red. / 18. November 2022) Vor allem die Boulevardmedien zeichnen immer wieder verantwortlich für Peinlichkeiten aller Art. Einmal wird das Paarungsverhalten Prominenter falsch interpretiert, Politik gemacht statt klare Fakten vermittelt oder es werden auch schon ab und zu noch Lebendige als tot gemeldet. In dieser Hinsicht in schlechtester Erinnerung bleibt der Fauxpas der Schweizer Zeitung «Blick», die einmal den Tod des Papstes in grossen und fetten Lettern vermeldete, als dieser zwar nicht mehr in alter Frische wirkte, aber zumindest noch am Leben war. «Blick» rühmt sich stets, News vor allen andern Medien zu verbreiten im Stande zu sein. Dieselbe Zeitung leistete sich diese Woche wieder einmal eine spezielle Peinlichkeit im Sport-Teil: Es wurde der Tod des längst zur Legende gewordenen ehemaligen Rennfahrers und Automobilsport-Funktionärs Paul Gutjahr (soeben 80 geworden) verkündet. Am Folgetag dann die «Entschuldigung» (atypisch für die Zeitung, die Meldung in eher kleinen Buchstaben gehalten). Der rüstige Berner erfreue sich bester Gesundheit, vermeldeten die Blattmacher aus Zürich ziemlich kleinlaut. Es folgte eine Bekreuzigung gegenüber der Leserschaft der Boulevardzeitung und der Familie des am Leben gebliebenen Paul Gutjahr. Unverzeihlich sei dieser Fehler, hiess es dann – das «mea culpa» für Medienschaffende im heute durchwegs für sich in Anspruch genommenen und zelebrierten Qualitätsjournalismus, an den nur noch die Medien selber zu glauben pflegen. Sogar die «Blick»-Chefredaktion musste nach diesem journalistischen Flop ran; solche Missetaten werden dann eben zur Chefsache erklärt: Sie habe sich in einem persönlichen Gespräch mit dem Totgeschriebenen erklärt und entschuldigt, verlautete aus der Chefredaktion. Es ist nicht bekannt, dass Paul Gutjahr darob einen tödlichen Schock erlitten habe. Vgl. für weitere Informationen den «Blick» von morgen…

«Ninja Warrior» statt Springreiten im Modernen Fünfkampf

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(causasportnews / red. / 16. November 2022) Nach dem Skandalritt der Deutschen Annika Schleu anlässlich der Olympischen Spiele 2021 in Tokio war es klar, dass die Disziplin Springreiten im Modernen Fünfkampf nicht mehr zu halten war. Die Horror-Bilder aus der japanischen Metropole, die festhielten, wie die 32jährige Sportlerin, angeheizt durch eine ebenfalls von der Rolle geratenen Bundestrainerin, Kim Raisner, mit der wehrlosen Kreatur Pferd umging und brutal Gerte und Sporen einsetzte, bildeten die Sargnägel für diese Pferdesport-Disziplin im Rahmen des Modernen Fünfkampfes. Lange wurde darüber diskutiert, wie und durch was das unhaltbar gewordene Springreiten ersetzt werden könnte; von Radfahren war die Rede, aber auch von allen möglichen und unmöglichen Event-Sportarten (vgl. etwa auch causasportnews vom 7. November 2021 und vom 14. Januar 2022). Jetzt folgte die auf den ersten Blick überraschende Ankündigung: Nach den Olympischen Sommerspielen 2024 in Paris wird das Springreiten durch die Game-Sportart «Ninja Warrior» ersetzt. Diese körperlich anspruchsvolle Show-Variante japanischer Provenienz garantiert vor allem eine gute Medienpräsenz. Dass nun diese Game-Show, bei der es gilt, einen trickreichen Hindernisparcours gekonnt und rasch zu überwinden, berücksichtigt wird, hängt mit dem Konsumverhalten der modernen Mediengesellschaft und garantiert hohen Zuschauerquoten zusammen. Den Modernen Fünfkampf in Tokio und die Disziplin Springreiten hätte kaum jemand wahrgenommen, wenn nicht die Bilder von Annika Schleu und ihrem Horror-Ritt um die Welt gegangen wären. «Ninja Warrior» liegt auf der Linie der Sport-Events, die vom Internationalen Olympischen Komitee (IOK) gefördert werden. Mehr Show, mehr Spektakel, mehr Geld – so lautet die Devise am IOK-Hauptquartier in Lausanne. Dass die Disziplin-Änderung im Modernen Fünfkampf nicht sofort erfolgt, hängt vor allem damit zusammen, dass der Reitsport an sich im internationalen, sport-politischen Kontext immer noch von grosser Bedeutung ist und sich die Reiter-Community natürlich damit schwer tut, diese traditionelle Reiter-Disziplin nun aus den internationalen Wettbewerben verschwinden zu lassen. Dass die Umsetzung der Neuerung erst nach den Spielen von Paris erfolgen wird, ist alles andere als ein Zufall und mag auch damit zusammenhängen, dass der Reitsport in Frankreich eine relativ starke Positionierung aufweist. Die Gastgeber-Stadt Paris der Olympischen Spiele soll dem Springreiten einen (denk-)würdigen Abgang nach den für Tier und Mensch entwürdigenden Auftritt von Annika Schleu in Tokio ermöglichen.

Frauen statt Männer und Bettler sponsert weiterhin Tennis-Krösus

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(causasportnews / red. / 14. November 2022) Wer am Boden liegt, muss damit rechnen, dass weiterhin auf ihm herumgetrampelt wird. So ergeht es derzeit der Bank «Credit Suisse» (CS), die arg ramponiert ist. Was sie derzeit macht, macht sie falsch. Nicht nur die CS-Aktien dümpeln gegen null, die Bank als ehemaliges Flaggschiff des Schweizer Bankenplatzes gehe, so wird hinter vorgehaltener Hand analysiert, angeschlagen am Bettelstab. Aber wohl nicht deshalb muss die ehemals so stolze Bank CS Hohn und Spott ernten, und das ausgerechnet bezüglich ihres Werbeengagements im Zusammenhang mit der in ein paar Tagen beginnenden Fussball-WM-Endrunde in Katar; diesen Event wird CS nicht speziell nutzen, was kaum jemand versteht, ausser, es werde die finanzielle Situation entsprechend gewichtet. Die Bank setzt seit Jahrzehnten auf verschiedene Sportarten als Werbeplattformen. Insbesondere im Fussball engagiert sie sich kontinuierlich mit gewaltigen Beträgen. Nun aber nicht im Rahmen des bevorstehenden Grossereignisses im Wüstenstaat. Dass sich die CS diesbezüglich, wie andere Unternehmen auch, werblich vornehm zurückhält, ist an sich erstaunlich, denn immerhin ist der Katar-Staatsfonds mit 5% am Schweizer Geldinstitut beteiligt. Es kann nur spekuliert werden, ob es am Geld liegt, oder ob der aktuelle, prekäre pekuniäre Zustand der Bank den Entscheid, im Zusammenhang mit der WM-Endrunde 2022 inaktiv zu bleiben, nicht ganz unwillkommen, befeuert hat. Das wird natürlich ebenfalls hinter vorgehaltener Hand gemunkelt. Einigermassen bedeckt zu diesem Thema äusserte sich die CS selber auf Anfrage von «causasportnews»: «Unser Fokus liegt auf dem Frauenfussball-Nationalteam». Frauen statt Männer – lautet also die Devise der Bank, die es offenbar hält wie die Sozialdemokratische Partei der Schweiz bezüglich der Bundesrats-Kandidatinnen. Aus Imagegründen halten sich viele Unternehmen werblich bedeckt, wenn es um die ungeliebte WM-Endrunde in Katar geht. Das führt logischerweise zu Werbeeinbrüchen. Keine Berührungsängste weisen die grossen Sponsoren des Weltfussballverbandes FIFA auf, die auch in diese Werbeschlacht um einen Grossanlass ziehen wie seit jeher. Ihnen ist wichtig, global in Erscheinung zu treten, ob das positiv oder negativ wahrgenommen wird, ist ihnen ziemlich egal. Hauptsache, sie sind präsent; das Kesseltreiben um Katar berührt sich in keiner Weise. Zum Spannungsfeld, in dem sich die CS durch die werbliche Nichtaktivität im Zusammenhang mit der Männer-WM-Endrunde befindet (keine besondere werbliche Nutzung des Katar-Events trotz Beteiligung der Katari an der Schweizer Bank), bleibt die CS eine Antwort schuldig.

Keine Hemmungen hat die CS in der aktuellen, wirtschaftlich angespannten Situation, wenn es um die Tennis-Legende Roger Federer geht. Die CS äussert sich nicht im Detail zur seit 2010 eingeläuteten Partnerschaft mit dem zurückgetretenen Super-Sportler. In der Werbebranche wird kolportiert, dass sich die CS den sog. «Markenbotschafter» und Werbepartner Roger Federer eine satte Million Schweizer Franken jährlich kosten lässt. Auch jetzt, nach dem Rücktritt des Tennis-Krösus. Offiziell verlautete aus der CS-Zentrale in Zürich, dass sich die Bank am Bettelstab auf die Fortsetzung der langjährigen Partnerschaft mit Roger Federer freue. Das wird vor allem einen der besten Sportler, den die Schweiz je hatte, glücklich stimmen. Weniger amused dürften einige CS-Kunden und Aktionäre sein, die um die Existenz und die Zukunft der Bank bangen, sowie Mitarbeitende, welche aus Gründen der Kostenersparnis ihre Arbeitsplätze verlieren werden. Nun, was ist schon eine Million Franken jährlich bei derartigen Schuldenbergen! Werbung und Banking sind eh zwei unkonventionelle Ebenen und passen wohl deshalb auch nicht zusammen.

Wie Katar die WM-Endrunde hätte verlieren können

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(causasportnews / red. / 11. November 2022) Es sind unmögliche Zustände im Wüstenstaat Katar: Frauen werden wie Sklavinnen gehalten, auch was nicht mit Geld geregelt werden darf, wird mit Geld erledigt, Schwule und Lesben werden diskriminiert, Arbeiter (wohl keine Arbeiterinnen) werden ausgebeutet, wer Katar gefährlich werden könnte, wird ausspioniert und tagtäglich wird neuer Unsinn aus dem Land am Persischen Golf verbreitet, wie soeben durch den katarischen WM-Botschafter und Ex-Nationalspieler Khalid Salman, der Homosexualität als «geistigen Schaden» (was auch immer darunter zu verstehen sein könnte) gebrandmarkt hat. Nicht einmal englische Hooligans dürfen sich im islamischen, arabischen Staat öffentlich betrinken; eine Bankrotterklärung für den Fussball also. Das Ausmass der Vergabetragödie mit Korruption und anderen, negativen Begleiterscheinungen an Katar wird, obwohl teils bekannt, sichtbar und sichtbarer, je näher der 20. November rückt, der Tag, an dem die Fussball-WM-Endrunde, von der man wünschen würde, sie sei bereits vorbei, mit dem Eröffnungsspiel beginnt.

Im Zuge der aktuellsten Disharmonien im Zusammenhang mit der Vergabe der WM-Endrunde an Katar durch das Exekutivkomitee des Weltfussballverbandes (FIFA) im Jahr 2010 (Zweifach-Vergabe an Russland 2018 und an Katar 2022) ist nicht nur Seufzen und Wehklagen zu hören, sondern auch der Ausspruch: Wie konnte man nur! Und: Hätte man die Entscheide der FIFA-Regierung am 2. Dezember 2010, an diesem schwarzen Tag für den organisierten Weltfussball, an dem der Fussball seine Unschuld durch die Vergabe an das ungeliebte Katar definitiv verloren hat, nicht rückgängig machen können? Hätte man; jedoch nun ist es natürlich zu spät. Das hätte bald einmal, um etwa Schadenersatzforderungen abzublocken, nach der Vergabe an jenem 2. Dezember 2010 geschehen müssen und wäre juristisch praktikabel gewesen.

Der Vergabeentscheid des FIFA-Exekutivkomitees war ein sog. Verbandsbeschluss des nach Schweizerischem Zivilrecht (ZGB; Art. 60 ff.) organisierten Vereins FIFA, der seinen Sitz in Zürich hat. Ein derartiger Beschluss erwächst nicht, wie etwa ein Gerichtsurteil, in materielle Rechtskraft, sondern kann auch wieder geändert werden. So wäre es möglich gewesen, den Vergabeentscheid zugunsten von Katar zu korrigieren, indem die FIFA-Generalversammlung, der sog. Kongress, den Vergabeentscheid des Exekutivkomitees vom 2. Dezember 2010 aufgehoben und einen neuen Beschluss bezüglich der Vergabe, z.B. an die USA, gefasst hätte (die USA, welche auf die WM-Endrunde 2022 gehofft hatten, wurden dann mit der Vergabe der WM-Endrunde 2026 etwas schadlos gehalten; die Vergabebehörde der FIFA war 2010 die Exekutive des Verbandes, später wurde die Vergabekompetenz an die Generalversammlung übertragen). Eine derartige, korrigierende Beschlussfassung hätte nicht einmal gross begründet werden müssen. Im Vereinsrecht kann nämlich ein Beschluss durchaus durch einen anderen Beschluss ersetzt werden. Da das Desaster mit Blick auf Katar erst allmählich sichtbar wurde, blieb das Anfechtungsrecht (Art. 75 ZGB) bezüglich des Exekutivkomitee-Beschlusses eine rechts-theoretische Spielwiese. Die Anfechtung hätte innerhalb eines Monats erfolgen müssen; zudem hätten Gesetzes- oder Satzungsverletzungen (der FIFA) geltend gemacht und bewiesen werden müssen. Somit bleibt einzig das a posteriori zu ziehende Fazit, dass man Katar die WM relativ locker wieder hätte entziehen können. Das FIFA-Parlament (der Kongress) wusste aber wohl nicht einmal von dieser Möglichkeit. Stimmt die Kasse für die FIFA-Mitglieder (Nationalverbände), will sich niemand exponieren. Resigniert könnte kurz vor dem Anpfiff zur WM-Endrunde im Mini-Staat Katar zusammengefasst werden: Nun spielen und spielen lassen! – Damit der Sport nun doch die zunehmende Frustration verdrängen möge.

Vor der unbeliebtesten Fussball-WM-Endrunde

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(causasportnews / red. / 10. November 2022) Bald geht’s los in Katar mit der in den Winter gelegten Fussball-WM-Endrunde 2022. Seit der Vergabe der Turniere an Russland (2018) und Katar (2022) im Jahr 2010 sind die Filet-Stücke des internationalen Fussball-Marketings 2018 und 2022 zur Ungeniessbarkeit verkommen. Russland 2018 ist noch einigermassen passabel über die Fussball-Bühne gebracht worden (das dortige Regime hat sein wahres Gesicht erst später gezeigt), doch bezüglich Katar, der Wüstenstaat, in dem ab dem 20. November unwiderruflich der Sport dominieren wird, herrscht auf diesen Austragungsort gemünzt ein mundiales Heulen und Zähneknirschen. Kurz vor dem Turnier-Start in der Vorweihnachtszeit wird es immer grotesker, was «Katar» anbelangt. Es sei an dieser Stelle nicht mehr wiederholt, was derzeit und immer heftiger gegen den Wüstenstaat als Ausrichter des wichtigsten Sport-Events auf dem Planeten vorgebracht wird. Bis zum WM-Endrundenstart in ein paar Tagen werden sich die Kritiken in ihrer Heftigkeit noch steigern und die Negativ-Spirale wird sich immer noch heftiger drehen. Insbesondere in den Medien wird derzeit alles mobilisiert, was geeignet ist, die herannahende Sport-Katastrophe zu erklären und zu werten. Die moderne Empörungsgesellschaft ist empfänglich für solche News.

Zum Beispiel der ehemalige Präsident des Internationalen Fussballverbandes (FIFA), Joseph Blatter. Nach seinem Freispruch im Strafverfahren um frühere FIFA-Zahlungen an den ehemaligen UEFA-Präsidenten (und FIFA-Exekutivkomitee-Mitglied), Michel Platini (vgl. etwa causasportnews vom 8. Juli 2022) , wittert der 86jährige Walliser vor allem emotionale Morgenluft und äussert sich zu Katar engagiert und sarkastisch wie zu Themen aller Art in seinen besten Zeiten. Den Medien hat er verraten, dass er die Vergabe des Top-Ereignisses als «Irrtum» und als Machwerk des mit Katar verbandelten Michel Platini qualifiziere; dieser habe den Austragungsort USA auch aus Eigennutz verhindert. Der Vorgänger des ungeliebten, aktuellen FIFA-Präsidenten hätte die WM-Endrunde 2022 lieber den USA zur Durchführung übertragen, dies vor allem auch aus sport- und verbandspolitischen Gründen (Amerika wird die Endrunde nun 2026 zusammen mit Kanada und Mexiko durchführen). Insbesondere echauffiert sich Joseph Blatter bezüglich des Umstandes, dass die französische Politik (damals mit dem Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy) schwergewichtig über Michel Platini die Weichen zugunsten von Katar stellte. Die Beziehungen zwischen Katar und Frankreich sind auf verschiedenen Ebenen derart intensiv, dass etwa der französische Spitzenklub Paris Saint-Germain massgeblich von den Katari dominiert, beherrscht und finanziert wird. Wieder einmal schiesst Geld eben doch Tore.

Das mediale und sonstige Kesseltreiben gegen den Austragungsort in der Wüste wird nun wohl bis zum Anpfiff des Eröffnungsspiels zwischen Katar und Ecuador anhalten. Joseph Blatter zeigt sich (wohl zurecht) zuversichtlich, dass ab dem 20. November dann nur noch der Ball im Zentrum des globalen Interesses stehen oder gespielt wird. Nach dem Finalspiel am 18. Dezember dürfte das «Kapitel Katar» dann zu Ende geschrieben sein, die Probleme um den Austragungsort werden kaum mehr jemanden interessieren, die Welt dürfte sich mit Katar arrangieren, und FIFA-Präsident Gianni Infantino wird am Sonntagabend des 18. Dezembers verlauten lassen, dass die WM-Endrunde in Katar die Beste war, welche die Welt je gesehen hat.

Fehlgelenkte Sportler(innen) im Zeitalter der «Social Media»

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(causasportnews / red. / 8. November 2022) Sportlerinnen und Sportler haben sich im Verlaufe der Zeit nicht eklatant verändert. Die Leistungen auf den Sportplätzen wurden und werden wie bis anhin registriert, aber was sich neben den Arenen, vorwiegend im privaten Bereich, bisher abspielte, bildete eine eigentliche «Black Box». Doch diese Lage hat sich in den letzten Jahren massiv verändert. Was früher privat war, wird heute in der Öffentlichkeit ausgebreitet und verbreitet. Den «Social Media» sei Dank. Kamen Sportlerinnen und Sportler im privaten Bereich bis vor einigen Jahren nicht zurecht, blieb das so verborgen wie durchwegs etwa die Gewalt in Beziehungen. Das ist heute anders. Die «Social Media» und damit die privaten und intimen Lebensbereiche sind ein Teil der Öffentlichkeit geworden, die von den Protagonisten des Sports weitgehend gesucht und akzeptiert werden. Hiess es früher noch, wie es der ehemalige Deutsche Bundespräsident Christian Wulff einmal gesagt hat, die Medien würden mit Prominenten wie in einem Lift hochfahren, aber auch mit ihnen wieder herunter, hat modern eine Adaptierung erfahren. Dank oder wegen der «Social Media» dürfen, können oder müssen wir am Privatleben der Sportlerinnen und Sportler teilnehmen; bei den Influencerinnen und Influencern geht das noch weiter: Hier erstreckt sich die Beteiligung der Öffentlichkeit am Intimleben dieser Personen auf die hintersten und letzten Körperteile. Sportlerinnen und Sportler nutzen heute die sozialen Medien, um die Menschheit an ihren sportlichen und anderen Höhenflügen teilnehmen zu lassen. Sie sind dann allerdings auch dabei, wenn der sportliche und persönliche Sinkflug einsetzt und sie dann von denen, welche sich mit der Flucht in die Öffentlichkeit einiges oder viel versprechen, auch entsprechend genutzt werden.

Grundsätzlich ist die Öffentlichkeit heute geradezu verdammt, alles zu erfahren, was man oft gar nicht erfahren möchte. Zum Beispiel bezüglich des Fussballspielers Jérôme Boateng. Der Weltmeister von 2014 im Deutschen Nationalteam ist offensichtlich im Privatbereich völlig fehlgelenkt. Prügelvorwürfe einer ehemaligen Lebensgefährtin sind nicht nur deshalb transparent geworden, weil der Grundsatz der Gerichtsöffentlichkeit immer noch existiert. Vor allem die «Social Media» haben wesentlich dazu beigetragen, dass über den heute 34jährige Deutsche, der seine besten Jahre im FC Bayern München erlebte, seit geraumer Zeit mehr als nur Unappetitliches bekannt wurde. Im privaten Umfeld ist der Fussballstar derart vom Pfad der Tugend und von den gängigen Verhaltensnormen abgekommen, dass Dinge in die Öffentlichkeit getragen werden, die eigentlich vernünftigerweise gar niemand vernehmen und mitverfolgen möchte. Im Berufungsverfahren am Landgericht in München ist Jérôme Boateng soeben wegen verschiedener Delikte, wie Körperverletzungen und Beleidigungen, zu einer Strafe von 120 Tagessätzen à 10 000 Euro verurteilt worden, womit der Akteur von Olympique Lyon als vorbestraft gilt (das Amtsgericht in München verurteilte den Fussballer vor einem Jahr zu 60 Tagessätzen, d.h., er galt nach jenem Urteil als nicht vorbestraft), falls das Urteil letztlich Bestand haben sollte (woran an sich nicht zu zweifeln ist, weil im Berufungsverfahren das Verdikt der ersten Instanz bestätigt und die Strafe verschärft wurde; im Moment gilt für den Fussballspieler die Unschuldsvermutung). Das Landgericht München war, wie die Vorinstanz, überzeugt, dass der Beschuldigte seine frühere Lebensgefährtin mehrmals körperlich attackiert und beleidigt hatte, selbstverständlich im privaten Rahmen. Die sozialen Medien tragen dazu bei, dass die «Causa Jérôme Boateng» genüsslich in der Öffentlichkeit ausgebreitet wird – nicht nur, wie es früher der Fall gewesen wäre, in den Boulevardmedien. Die mediale Entwicklung ist faszinierend und erschreckend zugleich: In den sozialen Medien sind die Menschen und deren Aktivitäten «gläsern» geworden. Im positiven Sinne sind «Social Media» Segen, im negativen Kontext Fluch.

Spionage im Weltfussball – jetzt hilft nur noch der Fussball-Schutzpatron

Der Heilige Luigi Scrosoppi ist der Schutzpatron des Fussballs («franziskus 4/2021»)

(causasportnews / red. / 2. November 2022) In wenigen Tagen, am 20. November, wird in Katar die Fussball-WM-Endrunde 2022 mit dem Auftaktspiel Katar gegen Ecuador angepfiffen. Das Fussball-Ereignis (erstmals) im Winter, in einem allgemein eher unbeliebten Land (Katar) und eine WM-Endrundenvergabe, die von übelsten Gerüchten und negativen Gegebenheiten aller Art begleitet wurde. Wurde? Es ist offenbar alles viel schlimmer, was das Austragungsland Katar anbelangt. Soeben ist bekannt geworden, dass offenbar der Staat Katar verschiedenste Aktivitäten (Spionagen, Überwachungen, fragwürdiges Lobbying, Druck auf Personen, welche in der Politik, in der Wirtschaft und im Sport etwas zu sagen haben) seit Jahren finanziert hat, um die Gefährdung der WM-Endrundenaustragung im Wüstenstaat abzuwenden. Unter dem Projektnamen «Gnadenlos» (sic!) sollen Bespitzelungen, nicht nur von hochrangigen Fussball-Funktionären, stattgefunden haben und Entscheidträger aller Art entsprechend «gefügig» gemacht worden sein. Generell wurden offenbar Kritiker der WM-Endrunde und des Austragungsortes Katar beeinflusst. Das Ausmass des «Projektes Gnadenlos» ist zur Zeit noch unklar; und wird es wohl weitgehend auch bleiben. An Geld fehlt es in Katar bekanntlich nicht, sonst wäre der Zuschlag für die WM-Endrunde in diesem Staat auch ausgeblieben. Gegen 400 Millionen Dollar soll Katar in den letzten Jahren ausgegeben haben, um mit allen erdenklichen Mitteln die Gefahr zu bannen, dass dem weitgehend ungeliebten Wüstenstaat die WM-Endrunde wieder entzogen werden könnte. Das alles scheint gefruchtet zu haben, denn in etwas mehr als zwei Wochen wird die WM-Endrunde, die am 18. Dezember mit dem Finalspiel beendet werden soll, in jedem Fall beginnen. Ziel erreicht also, darf in Katar bilanziert werden.

Doch vor dem Beginn des wichtigsten internationalen Sport-Events, der WM-Endrunde, fehlt es vor allem an einem: An der Vorfreude auf den Anlass, der sonst zum Fussballfest mutiert. Nach dem Bekanntwerden des «Projektes Gnadenlos» wünscht sich ein Teil nicht nur der Fussballwelt, dass der Anlass baldmöglichst (Fussball-)Geschichte werde. Es ist umgekehrt mit Blick auf das Weihnachtsfest, das von den Christen in aller Welt nur eine Woche nach Abschluss der WM-Endrunde in Katar gefeiert wird: Auf Weihnachten freut man sich meistens; die Pleiten folgen dann in der Regel unter den Christbäumen. Bezüglich der WM-Endrunde im Wüstenstaat ist die Vorfreude kaum feststellbar, aber vielleicht ändert sich das mit dem Anpfiff zum Eröffnungsspiel. In der modernen TV- und Digital-Welt ist es an sich irrelevant, wo ein grosses Sportereignis ausgetragen wird.

Die WM-Endrunde in Katar lässt sich nicht mehr ungeschehen machen, aber vielleicht hilft der Schutzpatron des Fussballs, der für gute Stimmung und ein schönes Fussballfest sorgen könnte. Diesen gibt es in der Tat, wie der Zeitschrift «franziskus» der Franziskaner-Minoriten zu entnehmen ist (Heft 4/21). Vor der WM-Endrunde 2010 in Südafrika recherchierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Ethikinstituts der Universität Jena unter 13 000 Heiligen, wer als Schutzpatron des Fussballs in Frage kommen könnte. Im Vordergrund stand bald einmal ein Heiliger, der in seinem Leben (1804 – 1884) in Udine sozial engagiert und, positiv zu verstehen, ein Kinderfreund war. Fündig wurden die Forscher bei Luigi Scrosoppi, der am 22. August 2010 mit einer in Pörtschach aufgebauten Statue mit allen notwendigen, kirchlichen Autorisationen zum Schutzpatron des Fussballs ernannt wurde. Seine Heiligsprechung erfolgte 2001.

Schauen wir mal, was dieser Heilige der katholischen Kirche als Schutzpatron des Fussballs im Land, in dem der Islam die Staatsreligion ist, bewirken kann…