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Max Verstappens Weltmeistertitel 2021 auch juristisch definitiv

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(causasportnews / red. / 19. Dezember 2021) Nach manifest gewordener Wut und entsprechenden   Frustbewältigungsversuchen erfolgte die Einsicht: «Mercedes» verzichtet auf weitere, rechtliche Schritte gegen Max Verstappen nach dem «Herzschlag-Finale» zum Ende der Formel 1-Saison 2021 in Abu Dhabi. Diese wären so oder so aussichtslos gewesen (vgl. causasportnews vom 15. Dezember 2021) und hätten der Nobel-Marke aus Stuttgart letztlich nur noch grösseren Image-Schaden, den Makel des schlechten Verlierers, zugefügt. Es war vor allem die Wut über das eigene Unvermögen – insbesondere «Mercedes»-Motorsportchef Toto Wolff gab sich als schlechter Verlierer -, die dazu führte, dass das Team von Ex-Weltmeister Lewis Hamilton gleich nach Rennschluss in der Wüste alle möglichen Schritte gegen das Verdikt von Abu Dhabi ankündigte, vor allem mit Blick auf die ins Feld geführte, mangelhafte Renn-Schiedsrichterleistung von FIA-Funktionär Michael Masi (Australien). So wurde ein Gang vor das Berufungsgericht des Internationalen Automobilverbandes (FIA) angekündigt und danach, falls notwendig, auch der Gang vor das Internationale Sport-Schiedsgericht in Lausanne (TAS, Tribunal Arbitral du Sport) erwogen. Nachdem sich nun die Wut gelegt hat und klares Denken an Stelle des Frustes getreten ist, verlautete jetzt seitens der Stuttgarter relativ kleinlaut, auf angedachte, rechtliche Schritte in der «Causa WM-Titel 2021» zu verzichten. Weitere Verfahren hätten wohl nur noch klarer manifest werden lassen, dass «Mercedes» die Weltmeisterschaft nicht im letzten Saisonrennen verloren hat und das Versagen der Rennstrategie in der Endphase des Rennens in Abu Dhabi nur noch peinlicher geworden wäre. «Red Bull» war 2021 in den entscheidenden Momenten einfach besser und agierte im entscheidenden Moment in Abu Dhabi cleverer als «Mercedes». Mit dem erklärten Verzicht auf weitere juristische Schritte hat «Mercedes» Max Verstappen nun auch juristisch zum neuen Formel 1-Weltmeister gemacht. 

Die Angst des Rennsport-Schiedsrichters vor Fehlentscheidungen

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(causasportnews / red. / 15. Dezember 2021) Die Wogen sind nach dem WM-Finale in der Formel 1 in Abu Dhabi noch nicht geglättet; die Emotionen gehen immer noch hoch. Die Entscheidung nach einer spannenden Saison im letzten Rennen und auf den letzten Metern in den Emiraten war allerdings  spektakulärer als die Diskussionen, die nun immer noch anhalten. Eine Safety-Car-Phase ermöglichte es dem Niederländer Max Verstappen, seinen ersten WM-Titel ins Trockene zu bringen. Dank Cleverness, der neue Champion holte sich in dieser Renn-Neutralisationsphase umgehend frische Reifen, die es ermöglichten, den Rivalen um den Titel, Lewis Hamilton, zu überholen und definitiv zum Verlierer zu machen. Vor allem im «Mercedes»-Team herrschte nach der Niederlage des Titelverteidigers Heulen und Zähneknirschen, und «Mercedes»-Motorsportchef Toto Wolff wütete in seiner Rennleiter-Lounge wie ein Berserker. An sich hätte er über sich und seine Fehlstrategie in dieser Safety-Car-Phase erbost und frustriert sein müssen (Max Verstappen war und agierte einfach klüger), doch verlief alles nach dem hehren Motto: Lob der Schuldigen, Tadel der Unschuldigen.

Wie immer in solchen Momenten im Sport braucht es, um vom eigenen Versagen abzulenken , zumindest einen Schuldigen. Im Fussball ist es der Schiedsrichter, im entscheidenden Formel 1-Rennen der zu Ende gegangenen Saison fokussierte sich die Wut auf den Schiedsrichter des Rennens, den Australier Michael Masi. Diesem wurde von Mercedes-Seite vorgeworfen, bezüglich der Safety-Car-Phase und was damit zusammenhing, falsch entschieden zu haben, was adäquat kausal gewesen sei für den Coup des neuen Weltmeisters. Klar, Max Verstappen im «Red Bull» war vom Rennglück begünstigt, tat aber, im Gegensatz zu Lewis Hamilton, im richtigen Moment das Richtige. Zwar begleitet den Schiedsrichter auch im Rennsport die Angst vor Fehlentscheiden. Diese Angst ist allerdings relativiert zu betrachten in dieser technischen Sport-Disziplin, in der das Auto und nicht der Sportler an erster Stelle steht.

Dass die Titelverteidigung schief gehen könnte, konnte vor dem Saison-Finale nicht ausgeschlossen werden, schliesslich hatte Max Verstappen vor dem letzten Rennen vorgelegt und hatte während der Saison 2021 des öfteren von umstrittenen Rennentscheidungen von Michael Masi profitiert. «Mercedes» fuhr letztlich in die Schicksals-Falle. War dieses Ende einer spannenden WM-Saison also irgendwie vorauszusehen? Wohl schon, denn es ist bezeichnend, dass die beiden Teams «Red Bull» und «Mercedes» mit einer Armada von Anwälten zum letzten Saison-Rennen in Abu Dhabi einfuhren. Die Advokaten-Zunft wurde dann auf «Mercedes»-Seite nach dem Herzschlag-Finale auch aktiv. Was für das deutsche Werk auf der Rennstrecke verloren ging, sollte am grünen Tisch zurückerobert  werden. Erfolglos, wie es sich zeigte. «Mercedes» entpuppte sich vielmehr als schlechter Verlierer (was bezüglich Lewis Hamilton gar nicht gesagt werden kann), und erwägt allenfalls noch den Gang vor das Internationale Sport-Schiedsgericht (Tribunal Arbitral du Sport, TAS) in Lausanne. Auch eine solche, juristische Attacke würde das auf dem Sportplatz Versäumte nicht mehr ändern können. «Mercedes» arbeitet bekanntlich immer wieder daran, auch jetzt, das nicht allerbeste Image noch nachhaltig ein wenig mehr zu schädigen.

Sich auf den Schiedsrichter einzuschiessen ist im Motorsport noch weniger erfolgsversprechend als beispielsweise im Fussball. Oft geht es bei Zwistigkeiten in der Vollgas-Branche um das «Sportgerät Auto» und seine Reglements-Konformitäten, selten um den Rennverlauf. Grundsätzlich ist zu konstatieren, dass das, was auf der Rennstrecke geschieht, letztlich auch die objektive Wahrheit bildet. Oder anders: Rennen werden mehrheitlich definitiv auf dem Sportplatz entschieden. Das wird auch in der «Causa Verstappen / Hamilton» nicht anders sein. Der Schiedsrichter am vergangenen Sonntagabend, Michael Masi, mag allenfalls im einen oder anderen Punkt diskutabel oder sogar umstritten entschieden haben; es waren jedoch Tatsachenentscheide, die er fällte, die nicht justiziabel sind. Das würde wohl sogar auch das TAS, eine bekanntermassen juristische Wundertüte, so sehen.

Letztlich kann niemand etwas dafür, dass sich «Mercedes», Fahrer und Motorsport-Chef, im Finale in Abu Dhabi einfach geistig und renn-sportlich zumindest etwas unbeweglich verhielten. Dafür kann der clevere, mit Renninstinkt versehene Max Verstappen allerdings reichlich wenig.

Magnus Carlsen, der König bleibt König der 64 Felder

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(causasportnews / red. / 14. Dezember 2021) Schneller als nach der längsten Denk-Schlacht in der Schachgeschichte gedacht und erwartet, die sechste Partie ging während fast acht Stunden über 136 Züge (causasportnews vom 7. Dezember 2021), machte der amtierende Weltmeister, Magnus Carlsen, vorzeitig alles klar und setzte sich nach elf Runden erneut die Weltmeister-Krone, die er seit 2013 trägt, auf (Endstand 7,5:3,5). Seit jener denkwürdigen Partie Nummer 6 im Turnier in Dubai vor etwas mehr als einer Woche schickte der 31jährige Norweger in der 11. des auf 14 Runden angesetzten Weltmeisterschafts-Fights den Herausforderer Jan Nepomnjaschtschi (Russland) endgültig auf die Verliererstrasse. Von der spektakulären Niederlage nach 136 Zügen erholte sich der Herausforderer nicht mehr, Magnus Carlsen zermürbte ihn in der Folge regelrecht, so dass die letzten drei Spiele in diesem Kampf nun nicht mehr ausgetragen werden mussten. Der alte und neue Weltmeister zeigte sich schon bereits in den ersten Partien des WM-Turniers vor allem mental stärker als sein gleichaltriger Gegner und lief nie Gefahr, als Verlierer aus Dubai abreisen zu müssen.

Mit dieser nicht überraschenden Titelverteidigung festigte der Norweger den Nimbus seiner Überlegenheit; zu den Schach-Besten aller Zeiten gehört er nicht erst seit seinem jüngsten WM-Sieg. Magnus Carlsen wird oft im gleichen Zug genannt wie etwa der legendäre Mathematiker und Philosoph Emanuel Lasker (1894 – 1921), der während 27 Jahren der unbestrittene König der 64 Felder war. Obwohl der Norweger erst seit 2013 der Beste seines Faches ist und inzwischen den fünften WM-Titel erspielen konnte, werden dem 31jährigen Jung-Star durchaus Chancen eingeräumt, dereinst Manuel Lasker bezüglich Weltmeisterjahre abzulösen, zumal in der Schachwelt weit und breit kein Gegner auszumachen ist, der Magnus Carlsen vom Thron stürzen könnte. Nun, die weltbesten Schachspieler sind durchwegs genial und den irdischen Sphären entrückt, sie gelten jedoch oft als unberechenbar und exzentrisch; erinnert sei etwa an den Werdegang des amerikanischen Schach-Wunders Bobby Fischer, den das (Schach-)Leben in den Wahnsinn getrieben hatte und der 2008 erst 64jährig starb. Eine konventionelle Karriereplanung, wie sonst bei Spitzensportler üblich, funktioniert bei Schachspielern eben nicht.

Gianni Infantinos WM-Projekt vor dem Scheitern

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(causasportnews / red. / 25. Oktober 2021) Wenigstens ist er ins Rampenlicht gerückt; allerdings nicht so erfolgreich und magistral, wie er sich das ausgemalt hat. Das WM-Projekt von FIFA-Präsident Gianni Infantino steht vor dem Scheitern. Der 51jährige Walliser wollte den WM-Endrunden-Rhythmus von vier auf zwei Jahre erhöhen (causasportnews vom 22. Oktober 2021), nun muss er in seinen Bemühungen einen herben Rückschlag hinnehmen. Nach Meinung von Beobachtern ist das WM-Projekt nun tot – zumindest klinisch. Am 20. Dezember hätten die 211 Mitglieds-Verbände des Weltfussballverbandes an einem ausserordentlichen Kongress über die WM-Endrunde im Zwei-Jahres-Rhythmus abstimmen sollen. Gianni Infantino konnte sich dabei hervorragende Chancen ausrechnen, dass die Mehrheit der kleinen und eher unbedeutenden Verbands-Mitglieder im Kongress für «sein» Projekt votieren würden; die beiden Kontinentalverbände Europas (UEFA) und Südamerikas (Conmebol), die geschlossen gegen die Idee des FIFA-Präsidenten ankämpfen, verfügen zusammen über lediglich 65 von 211 Stimmen. Wie hatte es Joseph Blatter mit Blick auf die Stimmenverhältnisse im FIFA-Kongress (Generalversammlung des Vereins) einmal gesagt: «Man muss die Schafe zählen, nicht wägen». Doch diese Zeit ist längst Historie. Das Gewicht der nationalen Verbände kommt vor der Quantität. Der FIFA-Präsident ist jetzt am Druck der Mächtigen im Fussball, den Europäern und den Südamerikanern, gescheitert. Am 20. Dezember soll das Projekt «WM-Endrunde alle zwei Jahre» lediglich noch informell beraten werden. Eine endgültige Entscheidung könnte dann am ordentlichen FIFA-Kongress am 31. März 2022 in Doha (Katar) fallen. Falls der Walliser nicht vorher zum Rückzug bläst. So, wie sich die Dinge nun (sport)politisch entwickeln, scheint klar, dass Gianni Infantino auch mit diesem Projekt scheitern wird.

Der Kampf um das Ökosystem des Fussballs

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(causasportnews / red. / 22. Oktober 2021) Die alle vier Jahre stattfindende Fussball-WM-Endrunde ist das Filetstück der internationalen Fussballvermarktung. Dank dieses Wettbewerbs werden dem Weltfussballverband (FIFA) permanent Milliardenbeträge in die Kasse gespült. Jetzt sollen die Erträge verdoppelt werden, wenn es nach dem FIFA-Präsidenten Gianni Infantino geht. Seine Rechnung ist simpel: Wenn künftig die WM-Endrunden alle zwei, statt alle vier Jahre stattfinden, können die Vermarktungserträge verdoppelt werden. Das ist offenbar Mathematik, wie es im oberen Rhonetal gelehrt und gelernt wird; der ungeliebte Präsident stammt aus Brig. Seit 2016 sitzt der Walliser Verwalter des Fussballs als Nachfolger des charismatischen Joseph Blatter (ebenfalls aus dem Rhonetal, Visp) auf dem FIFA-Thron, doch sein Erfolgspalmarès ist, um es gelinde auszudrücken, bescheiden. Bis jetzt hat er in seiner Funktion als höchster Fussballer schlicht nichts erreicht und den Weltfussball lediglich verwaltet und gut gelebt, weshalb nach über fünfjähriger Regentschaft nun Resultate her müssen; der Mann will schliesslich wieder gewählt werden. So präsentierte der 51jährige Italo-Schweizer kürzlich folgende, auch für Juniorinnen und Junioren nachvollziehbare Gleichung: Mehr WM-Endrunden (Sport) – mehr Erträge (Geld). Was der rührige FIFA-Präsident nicht bedacht hat, ist, dass auf diese Weise das Ökosystem des Fussballs durcheinandergewirbelt und das «Produkt WM-Fussball» entwertet würde (causasportnews vom 17. September 2021). Weil sich der starrköpfige Walliser nicht einfach so von seinen Ideen abbringen lässt – diverse Projekte aus seiner individuellen Denkfabrik scheiterten bisher kläglich (so etwa der Milliarden-Deal um die FIFA-Klub-WM) -, sind nun die Mitglieder-Verbände der FIFA gefordert, um dem präsidialen Treiben Einhalt zu gebieten. Der schlaue Präsident hatte es vielleicht sogar richtig gedacht: Er wollte die Verbände für seine Idee, oder wie man das immer nennen mag, gewinnen und mit der Zustimmung der Mehrheit der nationalen Verbände das Projekt ins nächste Jahr retten. Zu diesem Zweck will er kurz vor Weihnachten einen ausserordentlichen FIFA-Kongress (Generalversammlung des Vereins) abhalten und von den Verbänden die Absolution für sein Projekt erwirken. Auch diesmal wird der Schuss wohl nach hinten los gehen. Derzeit äussern sich die europäische und die südamerikanische Konföderation gegen das Ansinnen von Gianni Infantino. Die beiden Kontinentalverbände vereinen zwar nicht lediglich 65 von 211 Stimmen. Aber vor allem in Europa spielt die Fussball-Musik; dieser starke Kontinentalverband lässt sich nicht einfach brüskieren. Gegen die Reform brandet dem Präsidenten jedenfalls derzeit heftiger Widerstand entgegen. Namhafte Länder-Verbände treten fast militant gegen die Ansichten des FIFA-Präsidenten auf. Bereits jetzt werden seitens der nationalen Verbände sogar Austritts-Szenarien entwickelt. Das würde dann wohl eine Spaltung des Weltfussballs bedeuten. Nun ist Gianni Infantino gefragt, vor allem, wie er diese Pandora-Büchse, die er geöffnet hat, ohne eigenen Reputationsschaden wieder schliessen kann.

Gewaltiger Erlös aus einer Sportveranstaltung, die nie stattfand

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(causasportnews / red. / 4. Februar 2021) Was für das Arbeitsrecht seit langer Zeit gilt, wird nun auch bezüglich Sportveranstaltungen zur Geld gewordenen Wirklichkeit: Was gibt es schöneres, als nicht arbeiten zu müssen und doch zu kassieren? (vgl. dazu auch Causa Sport 4/2020, 414 f.). Auf den organisierten Sport gemünzt: Was gibt es schöneres, als eine Sportveranstaltung nicht durchzuführen und trotzdem einen erklecklichen Gewinn einzustreichen? Diese Feststellung gilt selbstverständlich nur für den Sport in der rundum einschränkenden «Corona»-Zeit, die nun immerhin bereits ein gutes Jahr andauert. Auch wenn der Sport teils in Blasen und unter Ausschluss der unmittelbaren Öffentlichkeit stattfindet, gibt es Veranstaltungen, welche der Pandemie zum Opfer fallen – was insbesondere aus sportlicher Sicht durchwegs bedauerlich ist. Traurig mussten die Organisatoren der für 2020 geplanten Eishockey-Weltmeisterschaft in der Schweiz vor einem Jahr bekannt geben, dass der Grossanlass «Corona» zum Opfer fallen würde. Es war für den Organisator des Anlasses, den Schweizer Eishockeyverband (Swiss Ice Hockey Federation), schon bei der Absage der Weltmeisterschaft in der Schweiz rasch klar, dass es keine Verschiebungsmöglichkeit geben würde – anders, als etwa bezüglich der um ein Jahr verschobenen Fussball-Europameisterschaften oder der Olympischen Sommerspiele in Tokio (wobei insbesondere die Durchführung des polysportiven Anlasses in Japan in diesem Jahr auf der Kippe stehen dürfte). Wenn schon kein Sport, dann schon wenigstens keine wirtschaftlichen Einbussen. So versicherten die Organisatoren der Eishockey-Weltmeisterschaft 2020 den Grossanlass entsprechend und stehen nun wenigstens nach der Absage des Welt-Top-Ereignisses im Eishockey als wirtschaftliche Sieger da. Offenbar wurden insbesondere die Rechte an der Veranstaltung versichert, auch gegen die Folgen einer Pandemie. So wurde in dieser ermüdenden und zermürbenden «Corona»-Zeit wenigstens ein kleines, wirtschaftliches Wunder Tatsache, indem der Schweizer Verband und die Rechte-Vermarktungsagentur Infront mit Sitz in Zug nun insgesamt 13,4 Millionen Schweizer Franken an Versicherungsleistungen für den versicherten Umsatz einkassieren dürfen. Diese Summe wird zwischen Verband und Vermarktungsagentur geteilt werden.  Die Versicherungsprämie von rund 350’000 Schweizer Franken war also gut investiertes Geld. Nur nebenbei sei angemerkt, dass der Internationale Eishockeyverband (IIHF) seine Veranstaltungen schon seit geraumer Zeit auch gegen die Risiken im Zuge von Pandemien versichern lässt. Die Verantwortlichen der «Corona» zum Opfer gefallenen Eishockey-Weltmeisterschaft in der Schweiz haben also unternehmerisch richtig und vor allem weitsichtig agiert und werden nun wenigstens für die finanziellen Einbussen, die bei der Nicht-Austragung eines derartigen Anlasses unvermeidlich sind, entschädigt. Die nun fällige Versicherungssumme darf jedenfalls als schöne Ausfallentschädigung gewertet werden. Auch wenn sich die Zeiten geändert haben, ist in diesem Zusammenhang eine Vergleichszahl von besonderem Interesse: Anlässlich der letzten, durchgeführten Eishockey-Weltmeisterschaft 2009 in der Schweiz resultierte nach Durchführung der Veranstaltung an zwei Standorten ein Gewinn von etwas mehr als drei Millionen Franken. Kein Sport, und trotzdem mehr als viermal soviel wie damals zu kassieren, darf aktuell als ökonomisches Kabinettstück qualifiziert werden. Aber, da im Sport in der Regel eben das Sportliche vor dem Pekuniären kommt, ist die Absage eines solchen Anlasses immer ein bedauerliches Ereignis. Die Schweizer werden wohl versuchen, seitens des Internationalen Verbandes eine Zusage für die Ausrichtung der Eishockey-Weltmeisterschaft 2026 zu erhalten.  COVID-19 wird dann wohl längst Geschichte sein…

Schweizer Top-Sportfunktionäre in der Polit-Falle

René Fasel, Photo by swisssportforum

(causasportnews / red. / 18. Januar 2021) Es ist das typische Bild alternder Sport-Funktionäre, das nun der Präsident des Internationalen Eishockeyverbandes (IIHF) abgibt: Erst die Katastrophe, konkret die unsägliche Verbrüderung des 71jährigen Schweizers René Fasel mit dem Weissrussischen Präsidenten Alexander Lukaschenko (vgl. auch causasportnews vom 14. Januar 2021), dann das uneinsichtige Verhalten. Und nun die Rechtfertigung, wie «ich habe es nur gut gemeint» (es wäre ja noch schöner, wenn es der seit 27 Jahren im Präsidentenamt befindliche René Fasel nicht gut gemeint hätte), danach die plumpen Erklärungsversuche («der Sport kann vieles, auch völkerverständigend wirken») mit Blick auf das Bestreben des Funktionärs, das Weissrussland-Problem zu lösen, letztlich der Rundumschlag («in den sozialen Medien kann jeder Moralapostel spielen»). Somit reiht sich René Fasel in den Reigen anderer bekannter Sport-Funktionäre ein, die in der Sportpolitik gestrauchelt oder zumindest in die Polit-Falle getappt sind und die Ambitionen auf den Friedens-Nobelpreis begraben mussten (nach dem Motto: Wenn Barack Obama als kriegsführender Präsident «preiswürdig» war, warum denn nicht wir als Friedensstifter des völkerverbindenden Sportes?). Zum Beispiel der ehemalige FIFA-Präsident Joseph Blatter (84), der glaubte, mit einem Fussballspiel zwischen den Israeli und den Palästinensern diesen jahrzehntealten Konflikt lösen zu können; oder der FIS-Präsident Gian Franco Kasper (77), der fand, grosse Skisportveranstaltungen liessen sich in Diktaturen einfacher organisieren als in demokratischen Verhältnissen. Der jüngste Funktionär dieses Trios versucht sich nun in Schadensbegrenzung; und macht aufgrund seiner Uneinsichtigkeit alles noch schlimmer. Im Moment wird er selektiv von Interview-Termin zu Interview-Termin gereicht; darin darf er sich ausgiebig ausweinen und den Misstritt bagatellisieren: «Eine Umarmung im Osten ist wie ein Handschlag» (bei uns), lässt er sich etwa im Zürcher «Tages-Anzeiger» zitieren. Auch «Corona» ist in Minsk offenbar soweit weg wie menschenrechtskonforme Verhältnisse in Weissrussland. Peinlich ist die Angelegenheit des IIHF-Präsidenten auch für das Internationale Olympische Komitee (IOK) mit Sitz in Lausanne/Schweiz. Die Gralshüter über den weltweiten, apolitischen Sport suspendierten anfangs Dezember letzten Jahres u.a. den Präsidenten des Nationalen Olympischen Komitees Weissrusslands. Sein Name: Alexander Lukaschenko! So war das natürliche unpolitische Treffen des IOK-Mitglieds René Fasel (!) mit dem Weissrussischen Präsidenten wohl nur eine marginale Begegnung unter langjährigen Olympia-Gesandten. Die tiefere Verbindung unter Sports-Freunden wird im Zusammenhang mit der «Causa René Fasel» selbstverständlich ausgeblendet. Kein Zufall ist es überdies, dass die drei genannten, ehemaligen und aktuellen Sport-Top-Funktionäre allesamt Schweizerischer Nationalität sind. Die wichtigsten internationalen Sportverbände und das IOK haben ihre Domizile in der Schweiz. Da liegt es fern, die höchsten Verbandsämter mit Nicht-Schweizern zu bestücken.

PS Soeben ist bekannt geworden, dass die Eishockey-WM in Weissrussland nicht stattfinden wird.

Alternde Sport-Funktionäre und die Träume des Ikarus

René Fasel, Photo by swisssportforum

(causasportnews / red. / 14. Januar 2021) Je älter die Sport-Funktionäre, desto mehr ähneln sie Ikarus, der sich in seinem Übermut und seinem Grössenwahn mit Wachsflügeln immer näher der Sonne näherte – und irgendwann, als das Wachs der Wärmeeinwirkung der Sonne nicht mehr standzuhalten vermochte, brutal abstürzte.- So verhält es sich immer wieder im Sport-Funktionärswesen. In der Parallelwelt des Sportes geben sich Funktionäre mit zunehmender Funktionärsdauer unantastbar und unangreifbar; und verhalten sich immer dreister. Sie halten es mit Ikarus: see the invisible, reach the unreachable, touch the untouchable – das war die Welt des Sohnes von Daidalus, der letztlich mit seinem Flug in Richtung Sonne kläglich scheiterte. Sport-Funktionäre geht es oft entsprechend, wenn sie sich von den Realitäten immer mehr entfernen und die Wunsch-Vorstellungen mit der Wirklichkeit gleichsetzen. So ging es etwa dem 2016 aus dem Amt des FIFA-Präsidenten gejagten, heute 84jährigen Joseph Blatter. Seinem Kollegen vom Internationalen Eishockeyverband (IIHF), René Fasel, ergeht es nun ungefähr gleich. Mit einem unglaublichen Auftritt in Minsk hat er sich um die Würde, und nun wohl auch definitiv um sein Amt als Präsident der IIHF, gebracht, das er seit 1994 innehat. Nur dank oder wegen der weltweiten «Corona»-Pandemie ist der Schweizer, der in vielen Belangen seinem Pendant aus dem Fussball gleicht, derzeit überhaupt noch im Amt. Zufälligerweise haben sowohl der Weltfussballverband FIFA als auch die IIHF ihre Sitze in Zürich/Schweiz. Joseph Blatter und René Fasel stammen überdies aus Schweizer Randregionen. Nur ein Zufall ist es zudem, dass beide, jahrzehntelang als Sportfunktionäre tätigen Männer in etwa die gleiche Körperlänge aufweisen wie der auf anderer Ebene gescheiterte und dennoch geliebte und fast bis zum Ende hofierte Napoleon Bonaparte.

Nun hat sich der rührige René Fasel aus Fribourg im Uechtland, im vergangenen Jahr 70 Jahre alt geworden, selber und wohl definitiv ins Funktionärs-Grab befördert. Wie Ikarus fühlte er sich nach bald 30 Jahren an der Spitze der IIHF allem entrückt und fern jeglicher Realität und herzte in seiner jovialen Art den Diktator Weissrusslands, Alexander Lukaschenko. In der Hauptstadt Weissrusslands wollte René Fasel mit dem  zwielichtigen Präsidenten, der nicht nur die Menschenrechte in seinem Land mit Füssen tritt, die Durchführbarkeit der Eishockey-Weltmeisterschaft im Juni in Minsk sowie in Riga besprechen; selbstverständlich wird dieser Anlass wegen «Corona» dann nicht durchgeführt werden. Dass sich der IIHF-Präsident und der brutale Diktator in den Armen lagen, stösst in «Corona»-Zeiten auf spezielles Unverständnis. Die Verhaltensweise scheint aber typisch: Abstandsregeln und Maskenpflicht gelten für dem Volk Entrückte nicht. Die offen zur Schau getragene Verbrüderung zwischen Alexander Lukaschenko und René Fasel verursachte ein Sturm der Empörung. Der IIHF-Präsident hat seinen unverzeihlichen Fehltritt auf politischem Parkett zwischenzeitlich eingesehen und übt sich, zwecks Schadenbegrenzung, in Selbstkritik. Nicht deswegen also, weil Sport und Politik vor allem in den Augen des Internationalen Olympischen Komitees (IOK), dem René Fasel angehört, in jeder Hinsicht getrennt bleiben müssen, sondern weil er mit seiner Aktion einer üblen Polit-Figur Satisfaktion erteilt hat. Er habe mit dem «Feuer gespielt», gibt sich der gelernte Zahnarzt zwischenzeitlich reumütig und zugleich tapsig. Mit dem Feuer ist das so eine Sache. Wie es damals Ikarus, dem die Hitze der Sonne zum Verhängnis wurde, am eigenen Leib erfahren musste, bevor er definitiv abstürzte.

WM-Endrunde in Katar: FIFA-Kongress verfügt über Entscheidkompetenz

(causasportnews / red. / 20. April 2020) Die kürzlich bekanntgewordene Anklageschrift der US-Justiz im Zusammenhang mit den WM-Endrundenvergaben an Russland (2018) und an Katar (2022) wirft immer grössere Wellen (vgl. auch causasportnews vom 12. April 2020). Im Fokus stehen dabei drei Fussball-Funktionäre, denen im Zusammenhang mit den beiden Vergaben die Entgegennahm von Schmiergeldern vorgeworfen wird. Der Weltfussballverband (FIFA) mit Sitz in Zürich tritt im Verfahren als Geschädigter auf. Aktuell rückt die Frage in den Vordergrund, ob, je nach Verfahrensausgang, Katar das Austragungsrecht bezüglich der WM-Endrunde 2022 entzogen werden könnte; was Russland betrifft, ist dieser Entzug zufolge der Durchführung der Endrunde vor zwei Jahren kein Thema mehr, auch wenn der „Fall Russland“ offenbar gravierendere Dimensionen zeitigt als die Vergabe an Katar. Ein Entzug bezüglich Katar 2022 ist selbstverständlich juristisch möglich. Und nun melden sich in diesem Zusammenhang auch zwischenzeitlich aus dem Weltverband ausgeschiedene FIFA-Protagonisten zu Wort. Der ehemalig FIFA-Präsident Joseph Blatter, nicht gerade ein Freund von Katar als WM-Austragungsort, würde die WM-Endrunde am liebsten gleich den Amerikanern überlassen (diese werden jedoch 2026 die WM-Endrunde mit Mexiko und Kanada austragen). In einem Interview unterstreicht er, dass nur die FIFA Katar das Austragungsrecht entziehen könne. Recht hat er: Falls sich die Schmiergeldvorwürfe gegen Einzelpersonen des damaligen FIFA-Exekutivkomitees beweisen lassen sollten, wäre Katar 2022 wohl nicht mehr zu halten. Bezüglich einer Entscheidung zuständig ist (neu) der Kongress der FIFA, also die Vollversammlung aller Mitglieder des Weltverbandes. Dies sieht auch der ehemalige deutsche Richter Hans-Joachim Eckert so, der 2015 als Präsident der rechtsprechenden Kammer der FIFA-Ethikkommission sowohl Joseph Blatter als auch Michel Platini aus dem Fussball verbannte. Indessen würde der Deutsche Jurist in diesem Fall gemäss Medienberichten immense Schadenersatzforderungen seitens des Verbands von Katar sehen, falls den Arabern das Austragungsrecht entzogen würde. Das scheint allerdings ein eher theoretisches Szenario zu sein. Sollte sich beweisen lassen, dass bei Schmiergeldzahlungen oder allgemein bei Unregelmässigkeiten Katar mit von der Partie oder irgendwie involviert gewesen ist, wäre ein Entzug des Austragungsrechts wohl ohne Kostenfolgen möglich.

Sport ist auch Politik – diesmal zu Gunsten der Rad-WM

(causasportnews / red. / 21. Februar 2019) Grosse Sportveranstaltungen haben es gemeinhin schwer, einigermassen passable Austragungsorte und -bedingungen zu finden. Es müssen nicht einmal Gross-Events, wie Olympische Spiele, Fussball-Weltmeisterschafts-Endrunden oder tatsächlich oder vermeintlich umweltbelastende Veranstaltungen sein. Oft erwächst auch bescheideneren Anlässen Opposition, wenn es etwa um Austragungsmodalitäten geht. Fand letztes Jahr ein an sich als umweltverträglich eingestuftes Elektro-Autorennen, ein sog. Formel-E-Rennen, in Zürich erfolgreich statt, so erwuchs dem (privat finanzierten) Anlass dennoch seitens des Zürcher Stadtrates derartige Opposition, dass dieser Grossanlass in diesem Jahr nun in Bern, eine ebenfalls dunkelrote Stadt, wirtschaftlich allerdings weit schwächer als Zürich, durchgeführt wird. Prinzipien sind Prinzipien – und Ideologien bleiben Ideologien. Geht es insbesondere um Autos oder vierrädrige Mobilität im Allgemeinen, verstehen die Politiker/innen in Zürich kaum Spass. Erstaunlich war, dass der Formel-E-Renn-Anlass überhaupt einmal in Zürich ausgetragen werden konnte; die privaten Initianten legten allerdings ein derartiges (organisatorisches) Tempo vor, dass die träge Politik nicht mehr dagegen steuern konnte. In dieser Stadt, in welcher der erste Reformator, Huldrych Zwingli, gross und berühmt wurde, bedeutet eben einmal soviel wie keinmal. Da verfügt die zweirädrige Mobilität in der von links dominierten Welt-Metropole an der Limmat einen anderen Stellenwert. Das Velo ist (fast) alles, die motorisierte Mobilität gilt als Teufels-Werk. Zürich ist längst das Miniatur-Peking Europas geworden – vor allem, was die nicht-motorisierte Zweirad-Politik anbelangt. Deshalb erstaunte es nur bedingt, dass kürzlich das Zürcher Stadtparlament einen Betrag von rund acht Millionen Franken bewilligte, um die Rad-Strassen-Weltmeisterschaft 2024 nach Zürich zu holen. In der zwinglianisch geprägten Stadt, in der mehr Radwege unvermindert ge- und Strassen permanent abgebaut werden, verfügen Grossanlässe im Zusammenhang mit dem Velo über jeglichen, nicht nur finanziellen, Kredit. Bemerkenswert ist allerdings, dass sich auch die (in krasser Minderheit befindlichen) bürgerlichen Parteien positiv zu dieser Kreditvorlage äusserten und entsprechend bei der Beschlussfassung votierten. Für einmal herrschte im dunkelroten Zürich Einigkeit über alle Parteigrenzen hinweg. Offensichtlich wollte sich das bürgerliche Lager bewusst nicht gegen die Umsetzung des Grundsatzes „Brot und Spiele“ im Rahmen dieses Velo-Projektes stemmen; gegen eine Rad-WM zu sein, bringt zweifelsfrei keine Wähler-Stimmen. So wird Zürich wohl gute Chancen haben, mit staatlicher Finanzspritze eine umweltverträgliche Gross-Veranstaltung an die Limmat zu bringen. Dass die Kreditvorlage derart klar angenommen wurde, dürfte allerdings auch einer gewissen Unwissenheit zuzuschreiben sein. Der Begleittross im Rahmen von einzelnen Radsport-Veranstaltungen kann in der Regel nicht gerade als ökologisch verträglich qualifiziert werden. Derartiges entzieht sich aber dem TV-Konsumenten.