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Fehlgelenkte Sportler(innen) im Zeitalter der «Social Media»

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(causasportnews / red. / 8. November 2022) Sportlerinnen und Sportler haben sich im Verlaufe der Zeit nicht eklatant verändert. Die Leistungen auf den Sportplätzen wurden und werden wie bis anhin registriert, aber was sich neben den Arenen, vorwiegend im privaten Bereich, bisher abspielte, bildete eine eigentliche «Black Box». Doch diese Lage hat sich in den letzten Jahren massiv verändert. Was früher privat war, wird heute in der Öffentlichkeit ausgebreitet und verbreitet. Den «Social Media» sei Dank. Kamen Sportlerinnen und Sportler im privaten Bereich bis vor einigen Jahren nicht zurecht, blieb das so verborgen wie durchwegs etwa die Gewalt in Beziehungen. Das ist heute anders. Die «Social Media» und damit die privaten und intimen Lebensbereiche sind ein Teil der Öffentlichkeit geworden, die von den Protagonisten des Sports weitgehend gesucht und akzeptiert werden. Hiess es früher noch, wie es der ehemalige Deutsche Bundespräsident Christian Wulff einmal gesagt hat, die Medien würden mit Prominenten wie in einem Lift hochfahren, aber auch mit ihnen wieder herunter, hat modern eine Adaptierung erfahren. Dank oder wegen der «Social Media» dürfen, können oder müssen wir am Privatleben der Sportlerinnen und Sportler teilnehmen; bei den Influencerinnen und Influencern geht das noch weiter: Hier erstreckt sich die Beteiligung der Öffentlichkeit am Intimleben dieser Personen auf die hintersten und letzten Körperteile. Sportlerinnen und Sportler nutzen heute die sozialen Medien, um die Menschheit an ihren sportlichen und anderen Höhenflügen teilnehmen zu lassen. Sie sind dann allerdings auch dabei, wenn der sportliche und persönliche Sinkflug einsetzt und sie dann von denen, welche sich mit der Flucht in die Öffentlichkeit einiges oder viel versprechen, auch entsprechend genutzt werden.

Grundsätzlich ist die Öffentlichkeit heute geradezu verdammt, alles zu erfahren, was man oft gar nicht erfahren möchte. Zum Beispiel bezüglich des Fussballspielers Jérôme Boateng. Der Weltmeister von 2014 im Deutschen Nationalteam ist offensichtlich im Privatbereich völlig fehlgelenkt. Prügelvorwürfe einer ehemaligen Lebensgefährtin sind nicht nur deshalb transparent geworden, weil der Grundsatz der Gerichtsöffentlichkeit immer noch existiert. Vor allem die «Social Media» haben wesentlich dazu beigetragen, dass über den heute 34jährige Deutsche, der seine besten Jahre im FC Bayern München erlebte, seit geraumer Zeit mehr als nur Unappetitliches bekannt wurde. Im privaten Umfeld ist der Fussballstar derart vom Pfad der Tugend und von den gängigen Verhaltensnormen abgekommen, dass Dinge in die Öffentlichkeit getragen werden, die eigentlich vernünftigerweise gar niemand vernehmen und mitverfolgen möchte. Im Berufungsverfahren am Landgericht in München ist Jérôme Boateng soeben wegen verschiedener Delikte, wie Körperverletzungen und Beleidigungen, zu einer Strafe von 120 Tagessätzen à 10 000 Euro verurteilt worden, womit der Akteur von Olympique Lyon als vorbestraft gilt (das Amtsgericht in München verurteilte den Fussballer vor einem Jahr zu 60 Tagessätzen, d.h., er galt nach jenem Urteil als nicht vorbestraft), falls das Urteil letztlich Bestand haben sollte (woran an sich nicht zu zweifeln ist, weil im Berufungsverfahren das Verdikt der ersten Instanz bestätigt und die Strafe verschärft wurde; im Moment gilt für den Fussballspieler die Unschuldsvermutung). Das Landgericht München war, wie die Vorinstanz, überzeugt, dass der Beschuldigte seine frühere Lebensgefährtin mehrmals körperlich attackiert und beleidigt hatte, selbstverständlich im privaten Rahmen. Die sozialen Medien tragen dazu bei, dass die «Causa Jérôme Boateng» genüsslich in der Öffentlichkeit ausgebreitet wird – nicht nur, wie es früher der Fall gewesen wäre, in den Boulevardmedien. Die mediale Entwicklung ist faszinierend und erschreckend zugleich: In den sozialen Medien sind die Menschen und deren Aktivitäten «gläsern» geworden. Im positiven Sinne sind «Social Media» Segen, im negativen Kontext Fluch.

Spionage im Weltfussball – jetzt hilft nur noch der Fussball-Schutzpatron

Der Heilige Luigi Scrosoppi ist der Schutzpatron des Fussballs («franziskus 4/2021»)

(causasportnews / red. / 2. November 2022) In wenigen Tagen, am 20. November, wird in Katar die Fussball-WM-Endrunde 2022 mit dem Auftaktspiel Katar gegen Ecuador angepfiffen. Das Fussball-Ereignis (erstmals) im Winter, in einem allgemein eher unbeliebten Land (Katar) und eine WM-Endrundenvergabe, die von übelsten Gerüchten und negativen Gegebenheiten aller Art begleitet wurde. Wurde? Es ist offenbar alles viel schlimmer, was das Austragungsland Katar anbelangt. Soeben ist bekannt geworden, dass offenbar der Staat Katar verschiedenste Aktivitäten (Spionagen, Überwachungen, fragwürdiges Lobbying, Druck auf Personen, welche in der Politik, in der Wirtschaft und im Sport etwas zu sagen haben) seit Jahren finanziert hat, um die Gefährdung der WM-Endrundenaustragung im Wüstenstaat abzuwenden. Unter dem Projektnamen «Gnadenlos» (sic!) sollen Bespitzelungen, nicht nur von hochrangigen Fussball-Funktionären, stattgefunden haben und Entscheidträger aller Art entsprechend «gefügig» gemacht worden sein. Generell wurden offenbar Kritiker der WM-Endrunde und des Austragungsortes Katar beeinflusst. Das Ausmass des «Projektes Gnadenlos» ist zur Zeit noch unklar; und wird es wohl weitgehend auch bleiben. An Geld fehlt es in Katar bekanntlich nicht, sonst wäre der Zuschlag für die WM-Endrunde in diesem Staat auch ausgeblieben. Gegen 400 Millionen Dollar soll Katar in den letzten Jahren ausgegeben haben, um mit allen erdenklichen Mitteln die Gefahr zu bannen, dass dem weitgehend ungeliebten Wüstenstaat die WM-Endrunde wieder entzogen werden könnte. Das alles scheint gefruchtet zu haben, denn in etwas mehr als zwei Wochen wird die WM-Endrunde, die am 18. Dezember mit dem Finalspiel beendet werden soll, in jedem Fall beginnen. Ziel erreicht also, darf in Katar bilanziert werden.

Doch vor dem Beginn des wichtigsten internationalen Sport-Events, der WM-Endrunde, fehlt es vor allem an einem: An der Vorfreude auf den Anlass, der sonst zum Fussballfest mutiert. Nach dem Bekanntwerden des «Projektes Gnadenlos» wünscht sich ein Teil nicht nur der Fussballwelt, dass der Anlass baldmöglichst (Fussball-)Geschichte werde. Es ist umgekehrt mit Blick auf das Weihnachtsfest, das von den Christen in aller Welt nur eine Woche nach Abschluss der WM-Endrunde in Katar gefeiert wird: Auf Weihnachten freut man sich meistens; die Pleiten folgen dann in der Regel unter den Christbäumen. Bezüglich der WM-Endrunde im Wüstenstaat ist die Vorfreude kaum feststellbar, aber vielleicht ändert sich das mit dem Anpfiff zum Eröffnungsspiel. In der modernen TV- und Digital-Welt ist es an sich irrelevant, wo ein grosses Sportereignis ausgetragen wird.

Die WM-Endrunde in Katar lässt sich nicht mehr ungeschehen machen, aber vielleicht hilft der Schutzpatron des Fussballs, der für gute Stimmung und ein schönes Fussballfest sorgen könnte. Diesen gibt es in der Tat, wie der Zeitschrift «franziskus» der Franziskaner-Minoriten zu entnehmen ist (Heft 4/21). Vor der WM-Endrunde 2010 in Südafrika recherchierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Ethikinstituts der Universität Jena unter 13 000 Heiligen, wer als Schutzpatron des Fussballs in Frage kommen könnte. Im Vordergrund stand bald einmal ein Heiliger, der in seinem Leben (1804 – 1884) in Udine sozial engagiert und, positiv zu verstehen, ein Kinderfreund war. Fündig wurden die Forscher bei Luigi Scrosoppi, der am 22. August 2010 mit einer in Pörtschach aufgebauten Statue mit allen notwendigen, kirchlichen Autorisationen zum Schutzpatron des Fussballs ernannt wurde. Seine Heiligsprechung erfolgte 2001.

Schauen wir mal, was dieser Heilige der katholischen Kirche als Schutzpatron des Fussballs im Land, in dem der Islam die Staatsreligion ist, bewirken kann…

Vom Wert von Sanktionen im Sport

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(causasportnews / red. / 31. Oktober 2022) Nur wenige Tage nach dem Tod des Österreichischen Milliardärs, Unternehmers und «Red Bull»-Eigners Dietrich Mateschitz (vgl. auch causasportnews vom 23. Oktober 2022) gab es gute Nachrichten für das Team des Verstorbenen, «Red Bull Racing»: Wegen Verstössen gegen die Budgetobergrenzen im Jahr 2021, als Max Verstappen souverän den Fahrer-Weltmeistertitel in der Formel 1 im «Red Bull» holte, wurde das Team von der Fédération Internationale de l’Automobile (FIA) in Paris mit sieben Millionen US-Dollar gebüsst. Sieben Millionen sind natürlich auch in diesem Sport, in dem gesamthaft pro Saison Milliarden umgesetzt werden, nicht nichts. Aber «Red Bull» dürfte diese Busse mit einem Augenzwinkern aus der Portokasse bezahlen. Bis zur FIA-Entscheidung war man sich bei «Red Bull» noch nicht ganz sicher, dass der Titel im letzten Jahr auf sicher sei. Die Sanktion hätte auch massiver ausfallen und das sportliche Ergebnis des letzten Jahres tangieren können. Allerdings war es realistischerweise unvorstellbar, dass das sportliche Resultat durch eine Sanktion wegen Missachtung der Budgetobergrenze noch umgestossen würde. Immerhin holte Max Verstappen im Auto dieses Teams erstmals den WM-Titel; den Triumph wiederholt er in dieser Saison und brillierte soeben im Rennen vom Wochenende in Mexiko mit dem 14. Laufsieg (!) in dieser Saison. Doch nun ist alles paletti. Die FIA erkannte, dass der Dietrich Mateschitz’ Rennstall die Budget-Obergrenze von erlaubten 148,6 Millionen nicht einmal um 5% überschritten habe, nämlich um 2,15 Millionen. Ein solches Vergehen wird als «geringfügig» qualifiziert. Die ausgefällte Sanktion durfte demnach als durchaus angemessen gewertet werden. Neben der Busse von sieben Millionen wird «Red Bull Racing» im Sinnen einer Zusatzsanktion mit zehn Prozent weniger aerodynamischen Entwicklungsressourcen auskommen müssen. Auch das dürfte für das auch heuer überlegene Renn-Team verschmerzbar sein, auch wenn die Aerodynamik die Grundlage für sportliche Erfolge in der Königsklasse des Automobilrennsports bildet. Diese den Sport tangierende Strafe dürfte grundsätzlich eher schmerzen als die auferlegte Millionen-Busse. Die FIA-Entscheidung hat (vor allem bei der «Red Bull»-Konkurrenz) die Diskussionen um den Wert von (Geld-)Sanktionen mit Blick auf deren Art und Ausfällung befeuert und auch Kritiken ausgelöst. Vor allem im Milliardengeschäft Formel 1 dürfte die Devise lauten: «Was mit Geld zu regeln ist, tangiert den Sport nicht und ist mit Geld zu regeln». Und ebenso gilt zweifelsfrei auch der immer wieder bemühte Rechtsgrundsatz: «Geld hat man zu haben». Das trifft für die Formel 1 zweifelsfrei zu. Wohl auch für das natürlich nicht so begüterte Team Aston Martin: Wegen des gleichen Vergehens wurde der Rennstall von Sebastian Vettel ebenfalls gebüsst.

Absage der Skirennen am Matterhorn: Kein Prestige-Verlust für Zermatt

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(causasportnews / red. / 27. Oktober 2022) Es ist und war eine verwegene Idee, Weltcup-Skirennen vor der Kulisse des weltberühmten Matterhorns zu veranstalten und durchzuführen (vgl. dazu auch causasportnews vom 3. Oktober 2022). In diesen Tagen hätte es soweit sein sollen. Doch es kam alles anders. Die Natur machte den Skisport-Machern einen dicken Strich durch die Rechnung. Nach der geplanten Männerabfahrt musste auch das nun vorgesehene Rennen der Frauen abgesagt werden. Kein Schnee auf Teilen der Rennstrecke – oder: Die Natur setzte den Menschen auch am wohl am berühmtesten Berg der Welt Grenzen. Es herrscht nun allenthalben ein Heulen und Zähneknirschen. Doch das Desaster war voraussehbar. Skirennen im Oktober durchzuführen, wenn Menschen teils noch in Sommerbekleidung in den Bergen bei spätsommerlichen Temperaturen wandern, ist nun in der Tat ein geradezu hirnrissiges Unterfangen. Es rächt sich jetzt, dass eine an sich nicht so schlechte (Marketing-)Idee nicht gerade von den befähigtesten Leuten umgesetzt werden sollte. Auch in diesem Projekt waren Seilschaften am Werk, die auch schon anderweitig in Sport-Projekten versagt haben, vor allem die Führung des Internationalen Ski-Verbandes (FIS) mit Sitz in Oberhofen am Thunersee. Zermatt mit dem Matterhorn ist eine derart starke Marke, dass mit diesem «Brand» im Rücken die Abhaltung dieser Rennen durchaus hätte in die schneesicheren Monate durchgedrückt werden können. Die Harmonie im organisierten, internationalen Skisport ist allerdings die oberste Maxime der Funktionärs-Gilde der FIS. Diese linientreuen, eingefahrenen Funktionärs-Apparatschiks sowie die rührigen Organisatoren vor Ort stehen nach diesem Absage-Desaster weit schlechter da als Zermatt mit dem Welt-Symbol «Matterhorn» im Rücken. Die Absagen der Rennen am Fuss des 4478 Meter hohen Berges mit Weltruf werden der Marke «Zermatt» nichts anhaben können. Kein Prestige-Verlust also für das rund 6000 Seelen zählende Dorf im hintersten Winkel des Mattertals, das zwischendurch durchaus auch ein paar 10 000 Touristinnen und Touristen beherbergt und als Touristenmagnet par excellence gilt. Lächerlich gemacht haben sich nach diesem Absage-Debakel einzig Skisport-Funktionäre der FIS und ein paar selbstherrliche Dilettanten in der Organisation im Walliser Fremdenkurort, Menschen also, denen die Natur gleich die Grenzen auch in dieser Hinsicht aufgezeigt hat.

Der Tod eines Marketing-Genies

(causasportnews / red. / 23. Oktober 2022) Obwohl er sich seit Monaten krankheitshalber fast vollständig zurückgezogen hatte, überraschte die Nachricht vom Tod des Österreichers Dietrich Mateschitz und sorgt für Trauer und Konsternation. Der Unternehmer aus der Steiermark wurde 78 Jahre alt und erlag einer Krebserkrankung. Seinen Bekanntheitsgrad verdankt der innovative Unternehmer dem Soft-Getränk «Red Bull», als dessen Schöpfer er gilt und das ihn zum reichsten Österreicher machte. In kurzer Zeit baute er sich ein gigantisches Konzern-Imperium auf; sein Vermögen wird auf rund 25 Milliarden Franken geschätzt. Dietrich Mateschitz nutzte für die Bewerbung und Platzierung von «Red Bull» den Sport in grösster Intensität und in absoluter Perfektion. Fussball, Skisport und Formel 1 waren die Disziplinen, in denen Dietrich Mateschitz werblich besonders in Erscheinung trat. In der Formel 1 war er während Jahren Unternehmens-Partner des Teams von Peter Sauber in Hinwil im Zürcher Oberland. Die Erfolge in diesem Wettbewerb der Ingenieure stellten sich dann vor allem ein, als er selber ein von ihm alleine finanziertes Team an den Start schickte (Red Bull Racing); Sebastian Vettel fuhr mit «Red Bull» zwischen 2010 und 2013 vier-Fahrer-WM-Titel heraus. Max Verstappen wird heuer nach dem WM-Titel des letzten Jahres den WM-Titel Nr. 6 im «Red Bull» realisieren.

Dietrich Mateschitz galt nicht nur als gewiefter Unternehmer, sondern als ausserordentliches Marketing-Genie, das die Plattform «Sport» wie kaum jemand sonst zu nutzen wusste. Sein Marketing-Strategie sei, so wurde jeweils durchaus ernsthaft argumentiert, die Kunst, den Menschen (auch) etwas zu verkaufen, was sie gar nicht brauchen und unter Umständen nicht einmal mögen würden. In der Tat polarisierte «Red Bull». Wegen der Zusammensetzung des Getränks (mit Zucker, Koffein, Taurin) wurde es immer wieder kritisiert, und böse Zungen behaupteten sogar, «Red Bull» könne wegen des «Gummibärchen»-Geschmacks gar nicht munden. Sportler, die durchaus Werbepartner von «Red Bull» hätten werden können, winkten aus grundsätzlichen Überlegungen ab. So verzichtete der Schweizer Skistar Marco Odermatt darauf, ein reicher, totaler «Red Bull»-Mann zu werden. «Red Bull» und Dietrich Mateschitz polarisierten. Das wird bezüglich des Getränks auch so sein nach dem Tod des Grandseigneur des (Sport-)Marketings. Wetten, dass es Dietrich Mateschitz nun auch im Himmel schaffen wird, den Engeln noch grössere Flügel zu verleihen…

(Vermeintlicher) Betrugsfall wird zum bizarren Rechtsstreit

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(causasport / red./ 23. Oktober 2022) Der (vermeintliche) Betrugsfall um den US-amerikanischen Schach-Spieler Hans Moke Niemann erreicht die nächste Eskalations-Stufe. Der 19jährige Grossmeister will die Verdächtigungen, Verleumdungen und Angriffe auf seine Person und seine Integrität nicht weiter dulden und bemüht die Justiz. Ein Gericht im US-Bundesstaat Missouri muss sich mit einer 100 Millionen-Klage, die sich gegen den besten Schachspieler der Welt, Magnus Carlsen und dessen Unternehmen «Play Magnus» richtet, befassen. Betroffen, bzw. beklagt, sind auch die beiden US-Schachspieler Danny Rensch und Hikaru Nakamura, denen, wie dem Weltmeister Magnus Carlsen, vorgeworfen wird, falsche (Betrugs-)Vorwürfe erhoben (und teils verbreitet) zu haben. Der bald 32jährige Norweger Magnus Carlsen hat die Verdächtigungen unlauteren Verhaltens gegen Hans Moke Niemann zumindest ins Rollen gebracht (vgl. auch causasportnews vom 9. Oktober 2022). Weitere Spieler, wie nun die ebenfalls verklagten Amerikaner, haben nach Auffassung des Klägers Hans Moke Niemann diese zumindest (mit-)verbreitet. Seit geraumer Zeit halten sich die Vorwürfe des Betrugs am Brett durch den US-Grossmeister, für die es bis anhin allerdings keine Beweise gibt, hartnäckig (so gilt für alle involvierten Protagonisten die Unschuldvermutung). Das amerikanische Gericht wird letztlich, falls es zu keiner Einigung zwischen den Betroffenen und Verfahrensparteien kommt, vorweg zu klären haben, ob Hans Moke Niemann in über 100 Schach-Partien betrogen hat, darunter auch an Turnieren, an denen Preisgelder geflossen sind; oder ob die Anwürfe der Niemann-Gegner in der Tat Verleumdungen sind. Eine Klage vor einem amerikanischen Gericht kann zwar in der Regel rein juristisch nicht so ernst genommen werden, ist aber in den Auswirkungen grundsätzlich nicht zu unterschätzen, weil das Rechtssystem einigermassen verschoben ist. In der «Micky Maus-Justiz» in den USA muss deshalb mit allem gerechnet werden – auch mit Überraschungen. Das ist auch in diesem bizarren Rechtsstreit, in dem es unter anderem um eine gewaltige Streitsummen geht, nicht anders. Wie sich die Justiz mit diesem Hauen und Stechen der Schach-Heroen schlagen wird, dürfe auch eine breite Öffentlichkeit interessieren. Die Vorgänge aus dem Schach-Sport, dessen Protagonisten oft krude und verschoben wirken, sind in dieser Form auch für die Justiz ohne Beispiel.

Bundesanwaltschaft verbrennt weiterhin Geld in der Strafsache Joseph Blatter und Michel Platini

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(causasportnews / red. / 20. Oktober 2022) Wer gedacht hätte, nach den klaren Freisprüchen für Joseph Blatter und Michel Platini am Bundesstrafgericht in Bellinzona (vgl. auch causasportnews vom 8. Juli 2022) würde die Anklagebehörde des Bundes, die Bundesanwaltschaft, sich nun darauf besinnen, der Geldverbrennung in dieser Causa ein Ende zu setzen, sieht sich getäuscht oder wieder einmal in den weltfremden Kosmos der Bundesanwaltschaft zurückversetzt. Die Anklagebehörde gelangt an die Berufungskammer des Bundesstrafgerichts und will an dieser Instanz die Freisprüche gegen die ehemaligen Fussball-Top-Funktionäre in Schuldsprüche mit geradezu magischer Kraft in Schuldsprüche verwandeln lassen. Im Zusammenhang mit einer Zwei-Millionen-Zahlung des Fussball-Weltverbandes (FIFA) unter dem Präsidium von damals Joseph Blatter an Michel Platini verlangte die Anklagebehörde eine Verurteilung wegen Betrugs und weiterer Wirtschaftsdelikte. Am Bundesstrafgericht erlitt die Bundesanwaltschaft im Hochsommer allerdings eine krachende Niederlage; die beiden Angeklagten liefen mit Total-Freisprüchen im Gepäck und mit zugesprochenen Entschädigungen aus dem Gerichtssaal. Das Verfahren hatte die Schweiz bis zu jenem Zeitpunkt Millionen gekostet und dem Land international einen grandiosen Image-Schaden beschert. Die unsinnige Geldverschwendung zu Lasten der Steuerzahlenden geht nun aber zufolge der Anrufung der Berufungskammer des Bundesstrafgerichts durch die Bundesanwaltschaft weiter. Offensichtlich gebärdet sich der neue oberste Ermittler und Ankläger aus dem beschaulichen Kanton Nidwalden, Stefan Blättler, geradezu «beratungs-immun», denn Rechtsexperten gehen davon aus, dass die am Bundesstrafgericht erfolgten Freisprüche nicht mehr zu kippen sein werden. Es wird also auch in dieser Sache weiterhin Geld der öffentlichen Hand zum Fenster hinausgeworfen. Geschickter, bzw. opportunistischer scheint sich die Privatklägerin FIFA in diesem Verfahren zu verhalten und wird im Berufungsverfahren nicht mehr aktiv. Mit gutem Grund: Immerhin versenkt auch die FIFA mit unnötigen Verfahren, die durchwegs im juristischen Desaster endeten, Geld zuhauf. Am Zürichberg dürfte die Erkenntnis eingekehrt sein, dass Geld, welches so vergeudet wird, das Vereinsvermögen des Verbandes massiv schädigt und dass das für die aktuelle Führung des Weltverbandes durchaus persönliche, verbandsrechtliche Konsequenzen haben könnte. Keine Rolle spielt für die streitlustige Bundesanwaltschaft, die einmal mehr einer juristischen Apokalypse entgegensegelt, der Umstand, den immerhin bald 87jährige Joseph Blatter, der in seinem Funktionärsleben kaum alles falsch gemacht haben dürfte (vgl. auch causasportnews vom 15. Juli 2022), auch einmal zur Ruhe kommen zu lassen…

Empathie war allerdings noch nie die Stärke der Ermittlungs- und Anklagebehörde des Bundes.

Darf Novak Djokovic oder darf er nicht?

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(causasportnews / red. / 19. Oktober 2022) Rund drei Monate dauert es noch bis zur nächsten Auflage des Australian Open, und bereits jetzt nimmt eine Diskussion, die lieber nicht geführt würde, Fahrt auf: Darf Novak Djokovic 2023 an diesem prestige-trächtigen Turnier teilnehmen oder nicht? Anfangs Jahr hielt diese «Causa» nicht nur die Tenniswelt in Atem, bis feststand, dass der 35jährige Serbe Australien verlassen musste, bzw. ihm die Einreise nach Down Under wegen seiner Weigerung, sich gegen COVID-19 impfen zu lassen, per Gerichtsbeschluss verweigert wurde (vgl. etwa auch causasportnews vom 16. Januar 2022). Jenes Urteil enthielt das in solchen Fällen übliche Verbot, das Land für drei Jahre zu betreten. Trotz einem Aufgebot sog. «Star»-Anwälte, die glaubten, gegen die Wegweisung des Tennis-Cracks mit Tricks aus der juristischen Mottenkiste das Verdikt der Einreisebehörde ungeschehen zu machen, setzte sich der Serbe wohl oder übel vor Wettkampfbeginn wie ein geschlagener Hund ins Flugzeug. Eine spezielle Rolle spielten offenbar die Organisatoren des Turniers, welche zwar die Rechtslage kannten, jedoch glaubten, die entsprechenden Normierungen durch Fakten und politischen Druck aushebeln zu können. Das Schlupfloch für den serbischen Vekazin-Verweigerer öffnete sich nicht, und es resultierte ein peinliches Tauziehen, bis die aktuelle Nummer 7 der Weltrangliste frustriert und verärgert von dannen zog, bzw. flog. Ebenso zerknirscht waren die Turnier-Organisatoren in Melbourne, die um das sportliche Aushängeschild des Events kämpften. Nun, drei Monate vor dem Australian Open 2023, wird an allen Fronten geweibelt und gewirbelt. Auf der einen Seite scheint die Regierung Australiens, beeindruckt vom Prominenten Status des Tennis-Stars, nicht abgeneigt zu sein, einen gangbaren Teilnahme-Weg zu finden, um die Situation nicht noch einmal aus dem Ruder laufen zu lassen. Sie steht aber auch unter dem Druck der Öffentlichkeit, für Novak Djokovic keine Ausnahme von dem für alle geltenden Recht zu billigen. Zwar sind es noch drei Monate, bis in Melbourne aufgeschlagen wird. Ob es gelingen wird, diese Zeit zu nutzen, um den Vorgang kontrolliert in die eine oder andere Richtung zu lenken, wird sich zeigen. Ob das Einreiseverbot für den Januar 2023 temporär gelockert wird, dürfte allerdings nicht so rasch definitiv entschieden sein. Die Abwägung der verschiedenen Interessen beinhaltet weitreichende Folgen. Insbesondere im Sport muten drei Monate lange an. Geht es allerdings um (Sport-)Politik, könnte die Zeit in der «Einreise-Causa» des Top-Sportlers auch mit Blick auf das Turnier im kommenden Januar letztlich doch noch knapp werden. Im Moment lässt sich realistischerweise keine Prognose wagen, ob Novak Djokovic in Australien um seinen 22. Grand-Slam-Titel wird spielen können oder nicht.

Zuerst «Pro GC», nun «Pro Schweiz»

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(causasportnews / red. / 16. Oktober 2022) Dr. med. Stephan Rietiker gehört nicht zu den lauten Menschen in der Schweiz, auch wenn er in vielerlei Hinsicht einiges zu sagen hat. Zweifelsfrei zählt er jedoch zu den eher umtriebigen Persönlichkeiten. Der 66jährige Unternehmer im Medizinal-Technikbereich fühlt sich zu vielerlei berufen. Einer breiten Öffentlichkeit wurde der Arzt mit Wohnsitz in Zug vor dreieinhalb Jahren bekannt, als er das Präsidium des Nobel-Klubs Grashopper Zürich (GC) übernahm. Kaum konnte insbesondere die Sportwelt den Namen «Rietiker» richtig buchstabieren, war das Fussball-Präsidium des Zugers «Pro GC» auch schon wieder Geschichte. Bis heute bleibt es unklar, weshalb der Arzt, Unternehmer und ehemalige Generalstabs-Offizier das dornenvolle Amt im GC nach kurzer Zeit bereits wieder abgab. Dass der Klub von chinesischen Investoren beherrscht wird, scheint eher nicht der Abgangsgrund gewesen zu sein.

Nun tritt Stephan Rietiker auf einer ganz anderen als der Sportbühne auf. Eher überraschend, wenn auch nicht mit Glanz und Gloria, ist der Zuger soeben zum Präsidenten der neu gegründeten Vereinigung «Pro Schweiz» gewählt worden, ein kämpferischer Verein, der die Unabhängigkeit und Souveränität der Schweiz auf seine Fahne geschrieben hat und die Nachfolgeorganisation der jahrzehntelang erfolgreichen «AUNS», der Aktion für eine unabhängige und neutrale Schweiz, des ehemaligen Politikers, Juristen und Unternehmers Dr. Christoph Blocher bildet. Die Organisation hatte 1992 den Beitritt der Schweiz zum Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) verhindert und kämpft seit Jahren beispielsweise gegen den Beitritt der Schweiz zur Europäischen Union. «Pro Schweiz» ist ein Fusionsprodukt von drei Vereinigungen (u.a. der AUNS), die nun den Kampf der Schweiz gegen eine Öffnung des Landes mit Blick auf Europa gebündelt führen wollen. Das Präsidium dieses Vereins scheint genau das Richtige für den ehemaligen Top-Offizier der Schweizer Armee zu sein; dies, obwohl gegen den neuen Präsidenten mehr als ein Dutzend Mitglieder von «Pro Schweiz» stimmten. Jedenfalls ist die Prognose zu wagen, dass Stephan Rietiker dieses Amt länger versehen wird als sein kurzes Gastspiel im organisierten Fussball im Jahr 2019 dauerte.

Weissrussland mischelt sich in die Fussball EM-Qualifikation 2024

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(causasportnews / red. / 11. Oktober 2022) Die mit einiger Spannung erwartete Qualifikations-Auslosung zur Fussball-Europameisterschaft 2024 in Deutschland ist in Frankfurt über die Bühne gegangen. Grosse Überraschungen sind ausgeblieben, auch wenn etwa die Gruppe C mit Italien, England, Ukraine, Nordmazedonien und Malta einiges an Spannung verspricht. Gastgeber Deutschland ist für das europäische Kontinentalturnier direkt qualifiziert, Russland ist aus den bekannten Gründen ausgeschlossen.

Einigermassen verwundert nahm die Öffentlichkeit davon Kenntnis, dass sich Weissrussland trotz Protesten und Interventionen seitens der Politik beim Europäischen Fussballverband (UEFA) doch noch ins Qualifikationstableau gemischelt hat. Vor allem die Deutsche Bundes-Innenministerin Nancy Faeser hatte energisch den Ausschluss des Russland ergebenen Vasallenstaates Weissrussland aus der EM-Qualifikation gefordert (vgl. causasportnews vom 3. Oktober 2022). Vergeblich. Von der UEFA wurde das Thema letztlich ausgesessen, und offensichtlich kalkulierte die UEFA-Spitze mit den sportlichen Fakten und Möglichkeiten. Am Hauptsitz des Kontinentalverbandes in Nyon darf nun davon ausgegangen werden, dass Weissrussland in Deutschland aus sportlichen Gründen in Deutschland so oder so nicht dabei sein würde. Mit den Gruppengegnern Schweiz, Israel, Rumänien, Kosovo und Andorra wird es den Weissrussen kaum gelingen, die beiden ersten Gruppenplätze zu belegen und sich so direkt für das Turnier 2024 zu qualifizieren; die Rechnung der UEFA und die wohl insgeheime Hoffnung, dass Weissrussland die Qualifikation für Deutschland nicht schaffen wird, dürfte also letztlich wohl aufgehen. Chancenlos wird Weissrussland wahrscheinlich schon im ersten Qualifikationsspiel sein, wenn die Schweiz in Minsk antreten wird. Ausgerechnet die Schweiz muss sich also mit Weissrussland messen! Aber vielleicht kommt es dann im März des kommenden Jahres gar nicht zu diesem Qualifikationsspiel. Die Lage im Russland-Krieg spitzt sich (leider) derzeit Tag für Tag zu, und das «Problem Weissrussland» könnte sich zufolge der Haltung Weissrusslands als Supporterin der russischen Aggression auch aufgrund der Gegebenheiten neben dem Spielfeld erledigen.