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Manchester City-Ausschluss: Am Schluss wohl eine „Win-win-Situation“

Ozzy Delany

(causasportnews / red. / 17. Februar 2020) „Manchester City für zwei Spielzeiten aus den UEFA-Klubwettbewerben ausgeschlossen“. Solche und ähnliche Schlagzeilen sorgten vor dem letzten Wochenende für zumindest grosses Erstaunen. Da hat es der Europäisch Fussball-Verband (UEFA) gewagt, einen „Krösus“ im internationalen Fussball auszuschliessen. Auf den ersten Blick scheint es, als habe sich die UEFA von der wirtschaftlichen Macht aus den Vereinigten Arabischen Emiraten unbeeindruckt gezeigt und im Gegenteil mit dem Verdikt Entschlossenheit demonstriert, Verfehlungen gegen das „Financial Fair Play“ ungeachtet der (pekuniären) Machtverhältnisse hart zu sanktionieren. Relativierung tut allerdings not. In der Tat ist die Entscheidung des Verbandes (im Augenblick) schnörkellos hart – vor allem der zweijährig Ausschluss des Klubs von Josep Guardiola, dem exzentrischen Star-Trainer, trifft den Klub ins Herz. Die zusätzliche 30 Millionen Euro Busse wird die von den VAR alimentierten Engländer nicht gross stören; apropos Finanzen: Manchester City verfügt wohl unter Transfer-Gesichtspunkten weltweit über das teuerste Klub-Spielerkader. Und dieses soll nun auf europäischer Eben zwei Jahre lang nur zuschauen…

Zumindest der Sachverhalt, den die UEFA unter sanktionsrechtlichen Gesichtspunkten geprüft hat, schein klar erstellt zu sein: Bereits 2018 hat das Deutsche Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ Dokumente veröffentlicht, die zu belegen schienen, dass aus den VAR rund 70 Millionen Euro ohne Nachvollziehbarkeit bezüglich des Rechtsgrundes und im Rahmen von angeblichen Sponsoringaktivitäten bezahlt worden sein sollen. Verschleierung werden derartige Aktivitäten in der (juristischen) Fachsprache genannt. Oder Umgehung, im konkreten Fall der Financial Fair Play-Regelung der UEFA (vgl. dazu grundsätzlich Urs Scherrer / Remus Muresan / Kai Ludwig, Sportrecht, Eine Begriffserläuterung, 3. Aufl., 2014, 133 f.). Diese will eine Chancengleichheit der Klubs im Wettbewerb durch ausgeglichene Einnahmen-und Ausgabenaktivitäten gewährleisten (es soll von den Klubs grundsätzlich nicht mehr ausgegeben als eingenommen werden); neben dem „Fairplay“ auf dem Spielfeld geht es demnach um das allgemein in allen Bereichen des Sportes beschworene „Fairplay“, hier neben den Fussballplätzen. Dagegen hat nach Auffassung der UEFA der englische Top-Klub verstossen, oder, wie es in einer dürren Medienmitteilung heisst: „Ernsthaft Verletzungen des Financial Fair Play-Reglements“ begangen . Konkret sollen die Engländer also mit VAR-Support Sponsoringvereinbarungen frisiert haben.

Selbstverständlich ist in der „Causa Manchester United“ das letzte Wort noch nicht gesprochen. Der Klub hat unmittelbar nach Bekanntwerden des Verdiktes aus Nyon angekündigt, die UEFA-Entscheidung am Internationalen Sport-Schiedsgerichtshof (Tribunal Arbitral du Sport; TAS) in Lausanne anzufechten. Dieses institutionalisierte Sport-Schiedsgericht ist weder für hochstehende Juristerei noch für besonderen Mut bekannt. Die Gerichtsinstanz, welche bezüglich ergangener Entscheide vom Schweizerischen Bundesgericht regelmässig geschützt wird, urteilt oft opportunistisch und (sport-)politisch. Das weiss auch Manchester City. Und es würde erstaunen, wenn der UEFA-Entscheid vom Freitag letztlich Bestand haben würde. Das TAS wird wohl den Ausschluss der Engländer zu deren Gunsten korrigieren und dafür die Busse erhöhen (was kaum jemanden schmerzen wird). Das wäre dann für die wirtschaftliche Macht des Sports und unter (sport-)politischen Gesichtspunkten eine „Win-win-Situation“ für alle Betroffenen. Die UEFA müsst sich jedenfalls dann nicht vorwerfen lassen, der eh umstrittenen Regelung nicht mit Härte zum Durchbruch verholfen zu haben. Schliesslich hat dann eine Gerichtsinstanz korrigiert…

„Just do it“ (zu) wörtlich genommen

(causasportnews / red. / 6. November 2019) Der Schwingsport erlebte in diesem Jahr mit dem Eidgenössischen Schwing- und Älplerfest im August in Zug einen nationalen Höhepunkt (vgl. auch causasportnews vom 26. August 2019 sowie „Causa Sport“ 2/2019). In vielerlei Hinsicht wirkt die grösste Sportveranstaltung der Schweiz nachhaltig. So muss etwa der OK-Präsident des Anlasses und SVP-Politiker Heinz Tännler den angepeilten Ständeratssitz für den Kanton Zug in einem zweiten Wahlgang erobern; ob der ehemalige FIFA-Direktor und Eishockey-Einzelrichter den Sprung in die „Kleine Kammer“ des Schweizer Parlaments schaffen wird, ist offen und wird sich am 17. November entscheiden. Die Zuger Veranstaltung hat ihm zweifelllos bei der Verfolgung seiner politischen Ziele geholfen und ihm einen Popularitäts-Schub verliehen, obwohl der umtriebige, ehemalige Sport-Funktionär bis anhin mit dem „Schwingsport“ wenig bis nichts am Hut hatte.

Mit Zuger Nachwehen sieht sich zudem ein Spitzen-Schwinger auf etwas andere Art und Weise konfrontiert. Sven Schurtenberger hat den Slogan der Sportartikel-Weltmarke „Nike“ wohl etwas gar wörtlich genommen („just do it“) und liegt nun mit dem Eidgenössischen Schwinger-Verband im juristischen Clinch. Der Verband ist bekannt dafür, Werbung in dieser ehernen, traditionellen Sportart nur sehr restriktiv zu tolerieren. Die Regularien betreffend Werbung für die Aktiven sind streng. Der Sägemehlring gilt grundsätzlich als werbefreie Zone. Das scheint nun dem Schwinger Schurtenberger Sven (so werden die Schwinger gemäss Etikette bezeichnet: Zuerst Familien-, dann Vornamen) zum juristischen Verhängnis zu werden. In Zug wurde nämlich beim 28jährigen Super-Schwinger bei einem Kampf der „Swoosh“ der amerikanischen Sportartikel-Marke „Nike“ zwischen Schuh und Hosenbein sichtbar, was offenbar ein Verstoss gegen die Werberegularien des Verbandes bedeutet. Schwinger Schurtenberger Sven hatte „es“ einfach gemacht – ohne Vorsatz selbstverständlich, wie er auch beteuert. Er steckt nun in einem zivilrechtlichen Verbands-„Strafverfahren“, das wohl eher nicht mit einem „Freispruch“ enden wird. Geht es um Werbung, versteht der Verband seit Jahrzehnten keinen Spass. Immer wieder kommt es deshalb zwischen ihm und werbe-aktiven Schwingern zu juristischen Auseinandersetzungen wegen Verstosses gegen Werberegularien. In den meisten Fällen enden solche Verfahren mit Vereins-, bzw. Verbandsstrafen (vgl. zur Rechtsnatur und die Auswirkungen etwa Urs Scherrer / Rafael Brägger, in: Basler Kommentar Zivilgesetzbuch I, 2018, Rz. 18 ff. zu Art. 70 ZGB). Obwohl „Nike“ gemäss Homepage des Sägemehl-Cracks nicht zu seinen Sponsoren zählt – er wirbt vielmehr für Käse, ein Bestattungsinstitut, für ein Restaurant, ein Autohaus, usw. – ist der Werbeeffekt aufgrund dieser Auseinandersetzung für diese Marke nun bedeutend. Vielleicht zahlt es sich für Schurtenberger Sven am Ende sogar noch aus, dass er getreu dem Slogan des Sportartikel-Weltkonzerns gehandelt hat.

Kein „Nulltoleranz“-Entscheid nach Rassismus-Ausfällen

(causasportnews / red. / 31. Oktober 2019) Es waren schlimme Szenen, die sich anlässlich des Fussball-Europameisterschafts-Qualifikationspartie in Sofia am 14. Oktober abspielten. Nicht auf dem Rasen, als das englische Nationalteam gegen Bulgarien mit 6:0 alles klar machte; ausser Rand und Band geriet das Publikum bzw. Teile davon. Affenlaute gegen dunkelhäutige Akteure und der allgegenwärtige Hitlergruss schockierten. Rassistischer ging es kaum mehr. UEFA-Präsident Aleksander Ceferin und FIFA-Präsident Gianni Infantino zeigten sich „entsetzt“ und beschworen die „Nulltoleranz“-Haltung der Verbände i.S. „Rassismus“. Nach rund zwei Wochen, als die Fussball-Karawane in einer schnelllebigen Zeit längst weiter gezogen war und fast täglich eine andere Sau durchs (mediale) Dorf getrieben wird, hat das Entsetzen nach den Vorfällen von Sofia der Vergesslichkeit Platz gemacht. Was „Nulltoleranz“ bedeutet, zeigen die kürzlich bekannt gewordenen Sanktionsentscheide gegen den Verband Bulgariens: Zwei „Geisterspiele“ und eine „Busse“ von 85 000 Euro lautet das Verdikt aus der UEFA-Zentrale in Nyon am beschaulichen Genfersee. Höhepunkt dieser vom Sanktionsgremium der UEFA umgesetzten „Nulltoleranz“-Strategie: Das zweite „Geisterspiel“ wurde zur Bewährung ausgesetzt. Gingen die Wogen unmittelbar nach den Vorfällen am 14. Oktober noch hoch, erinnert sich jetzt schon kaum mehr an die Schande von Sofia. Sie ist den Medien nur noch eine Randnotiz wert. Die nächsten Rassismus-Ausfälle kommen bestimmt.

Wetten, dass solche Urteile weder general- noch spezialpräventive Wirkung zeitigen? Soll mit der Rassismus-Bekämpfung wirklich ernst gemacht werden, dürfen solche Urteile nicht gesprochen werden. Dann lieber nichts. Da nützte es relativ wenig, dass im Zuge der Ereignisse von Sofia sowohl der Verbandspräsident als auch der Trainer von ihren Ämtern zurücktraten. Die insbesondere (verbands-)politisch motivierten Entscheide der UEFA sind eher ein Scherz denn eine Umsetzung der von den Verbandspolitikern schwatzhaft propagierten „Nulltoleranz“-Strategie, die sich auch in diesem Fall als Lippenbekenntnisse erweist. Betrüblich bei der ganzen Angelegenheit für die Präsidenten von UEFA und FIFA: So wird es auch nächstes Jahr nichts mit dem Friedens-Nobelpreis…

Und schliesslich noch eine Randbemerkung: Keine verbandsrechtlichen Folgen hatten bisher die Sympathie-Kundgebungen der beiden deutschen Nationalspieler mit türkischen Wurzeln, Ilkay Gündogan und Emre Can, für die Offensive der türkischen Armee in Syrien ebenfalls vor zwei Wochen. Seitens der FIFA und des Deutschen Fussball-Bundes (DFB) wird dieser eklatante Missbrauch des Sports wohl ausgesessen. Immerhin leben in Deutschland mehrere Millionen Türkinnen und Türken. Überdies werden regelmässig nicht nur Fussballer eingebürgert.

Frauen als Zuschauerinnen: Setzt sich die FIFA durch?

(causasportnews / red. / 29. September 2019) Am 10. Oktober wird die Nationalmannschaft Irans in Teheran ein Fussball-WM-Qualifikationsspiel gegen Kambodscha austragen. Das alleine ist an sich noch keine Sensation. Diese könnte sich jedoch am besagten Tag neben dem Spielfeld ereignen. Denn die Fussballwelt schaut gespannt nach Teheran, ob der revolutionäre Schritt seitens des Verbandes von Iran gewagt wird, Frauen als Zuschauerinnen am Spiel teilnehmen zu lassen; was bis anhin verboten war. Das könne so nicht weiter toleriert werden, verlautete aus der Zentrale des Welt-Fussballverbandes FIFA in Zürich; und auch FIFA-Präsident Gianni Infantino hat Druck auf den Iran ausgeübt, damit die Frauen im Stadion dabei sein dürfen – sehr zum Missfallen der Politik im islamischen Staat, für die eine Teilnahme von Frauen an Fussballspielen, zusammen mit kreischenden Männern, ein regelrechtes Sakrileg darstellt. Nicht so für die FIFA, die aufgrund der Statuten sogar verpflichtet ist, den Menschenrechten zum Durchbruch zu verhelfen und jede Diskriminierung zu unterbinden hat. Somit muss die FIFA dafür sorgen, dass an Fussballveranstaltungen im Iran Frauen als Zuschauerinnen dabei sein dürfen. Setzt sich die FIFA diesbezüglich nicht durch, verletzt sie die eigenen Statuten, was Sanktionen der Ethikkommission gegenüber den verantwortlichen Organpersonen des Weltverbandes, so gegen den Präsidenten, führen müsste. Lässt der Verband Irans nun am 10. Oktober Frauen nicht oder nur beschränkt als Zuschauerinnen zu oder hält er sie durch Druck fern, müsste er folgerichtig von der FIFA ausgeschlossen werden. Was sich also im Teheraner Asadi-Stadion am 10. Oktober auf den Zuschauerrängen ereignen könnte, wird die Sportwelt mehr interessieren als das Resultat des WM-Qualifikationsspiels.