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Der Sport vor einem Rechteverwertungs-Kollaps?

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(causasportnews / red. / 27. Dezember 2020) Es gibt sicher Attraktiveres im Sport als Fussballspiele vor wenigen oder gar keinen Zuschauern. Seit «Corona» wie ein Impakt auch über die Sportwelt hereingebrochen ist, wird in den Ligen der Welt und im Nationalmannschafts-Fussball fleissig weitergespielt – «Geisterspiele» prägen das Geschehen. Nach bald einem Jahr «COVID-19» und droht dem Sport eine empfindliche Störung in der Wertschöpfungskette – was etwa sinkende Einnahmen durch die Sport-Rechteverwertung bedeutet. Es ist evident, dass bspw. ein Fussballspiel in einem leeren Stadion kein umfassend vermarktbares Event mehr ist, sondern eben nur noch ein simples Fussballspiel. Das Interesse an diesen Veranstaltungen scheint nun immer mehr nachzulassen; das wiederum schlägt sich negativ auf die Erträge aus der Rechteverwertung nieder, denn schwindendes Fan-Interesse am so produzierten «Produkt Fussball» bedeutet letztlich mangelnde Nachfrage seitens der Werbewirtschaft. Sinkendes Publikumsinteresse an den durch «Corona» geprägten Sport bedeutet aber nicht nur nachlassende Erträge aus der Rechteverwertung; wer hat im Moment schon Lust, sich mit dem Gedanken zu befassen, für die nächste Saison (wieder) eine Jahres-Zuschauerkarte zu erwerben? Manch eine Liga hätte den Sportbetrieb aufgrund der Krise längst eingestellt, wenn es nicht um laufende Rechteverwertungserlöse gehen würde. Bestehende Verträge mit Verwertern sind zu erfüllen – oder, wie es simplifiziert gesagt werden könnte: «Ohne Spiel kein Geld».

Diese Entwicklung hat nun bereits die beiden französischen obersten Ligen ins Schlingern gebracht; immerhin ist der Spitzenfussball des aktuellen Fussball-Weltmeisters betroffen. Die Unternehmung «Mediapro», die Rechteinhaberin der beiden oberen Ligen, ist zahlungsunfähig und hat die erworbenen Liga-Rechte zurückgeben müssen. Wie sich dieser Zusammenbruch der Rechteinhaberin auswirken wird (und wer die Rechte allenfalls übernehmen wird), lässt sich im Moment nicht sagen. Vertraglich hatte «Mediapro» ab 2020 bis 2024 jährlich 800 Millionen Euro zugesagt. Was in Frankreich nun Tatsache geworden ist, könnte sich auch im nationalen und globalen Top-Fussball ereignen – falls «Corona» weiterhin die Ausübung des organisierten Sportes in der Form vor «COVID-19» verunmöglichen sollte. Lediglich hinter vorgehaltener Hand wird in Funktionärskreisen das Szenario «Kollaps» der Rechteverwertung diskutiert – zumindest der «Kollaps light». Sollten sich die Verhältnisse nicht bald normalisieren, könnte dies auch massiven, wirtschaftlichen Einfluss auf die im kommenden Jahr (vom 11. Juni bis 11. Juli 2021) vorgesehene Fussball-Europameisterschaft an elf Standorten (!) haben. Bemerkenswerterweise ist zu diesem Thema seitens der Europäischen Fussball-Union (UEFA) derzeit nichts zu vernehmen. Der unter dem Einfluss von «Corona» nur noch rudimentär stattfindende Sport hat selbstverständlich nicht nur Auswirkungen auf das wirtschaftliche Niveau in der Rechteverwertung (so ist z.B. vielerorts das in vielen Klubs einträgliche Merchandising praktisch zum Erliegen gekommen). Unbesorgt, was die Vermarktung des Filet-Stücks im internationalen Fussball angeht, zeigt sich derzeit der Weltfussballverband (FIFA). Dass bei länger anhaltender Pandemie auch die WM-Endrunde 2022 in Katar bzw. deren wirtschaftliche Verwertung gefährdet sein könnte, ist dem Verband offenbar (noch) kein Gedanke wert. Das Interesse schon an WM-Ausscheidungsspielen ohne Zuschauer könnte bald einmal einen massiven Knick erleiden.

WM-Endrunde in Katar: FIFA-Kongress verfügt über Entscheidkompetenz

(causasportnews / red. / 20. April 2020) Die kürzlich bekanntgewordene Anklageschrift der US-Justiz im Zusammenhang mit den WM-Endrundenvergaben an Russland (2018) und an Katar (2022) wirft immer grössere Wellen (vgl. auch causasportnews vom 12. April 2020). Im Fokus stehen dabei drei Fussball-Funktionäre, denen im Zusammenhang mit den beiden Vergaben die Entgegennahm von Schmiergeldern vorgeworfen wird. Der Weltfussballverband (FIFA) mit Sitz in Zürich tritt im Verfahren als Geschädigter auf. Aktuell rückt die Frage in den Vordergrund, ob, je nach Verfahrensausgang, Katar das Austragungsrecht bezüglich der WM-Endrunde 2022 entzogen werden könnte; was Russland betrifft, ist dieser Entzug zufolge der Durchführung der Endrunde vor zwei Jahren kein Thema mehr, auch wenn der „Fall Russland“ offenbar gravierendere Dimensionen zeitigt als die Vergabe an Katar. Ein Entzug bezüglich Katar 2022 ist selbstverständlich juristisch möglich. Und nun melden sich in diesem Zusammenhang auch zwischenzeitlich aus dem Weltverband ausgeschiedene FIFA-Protagonisten zu Wort. Der ehemalig FIFA-Präsident Joseph Blatter, nicht gerade ein Freund von Katar als WM-Austragungsort, würde die WM-Endrunde am liebsten gleich den Amerikanern überlassen (diese werden jedoch 2026 die WM-Endrunde mit Mexiko und Kanada austragen). In einem Interview unterstreicht er, dass nur die FIFA Katar das Austragungsrecht entziehen könne. Recht hat er: Falls sich die Schmiergeldvorwürfe gegen Einzelpersonen des damaligen FIFA-Exekutivkomitees beweisen lassen sollten, wäre Katar 2022 wohl nicht mehr zu halten. Bezüglich einer Entscheidung zuständig ist (neu) der Kongress der FIFA, also die Vollversammlung aller Mitglieder des Weltverbandes. Dies sieht auch der ehemalige deutsche Richter Hans-Joachim Eckert so, der 2015 als Präsident der rechtsprechenden Kammer der FIFA-Ethikkommission sowohl Joseph Blatter als auch Michel Platini aus dem Fussball verbannte. Indessen würde der Deutsche Jurist in diesem Fall gemäss Medienberichten immense Schadenersatzforderungen seitens des Verbands von Katar sehen, falls den Arabern das Austragungsrecht entzogen würde. Das scheint allerdings ein eher theoretisches Szenario zu sein. Sollte sich beweisen lassen, dass bei Schmiergeldzahlungen oder allgemein bei Unregelmässigkeiten Katar mit von der Partie oder irgendwie involviert gewesen ist, wäre ein Entzug des Austragungsrechts wohl ohne Kostenfolgen möglich.

Verliert Katar die Fussball-WM-Endrunde 2022?

Al Wakrah Stadium – Doha, Qatar; © Matt Kieffer

(causasportnews / red. / 12. April 2020) Es war die wohl schlimmste Niederlage der Amerikaner in der internationalen Sportpolitik, als das Komitee (Exekutive) des Weltfussballverbandes FIFA am 2. Dezember 2010 am selben Tag die WM-Endrunden 2018 an Russland (2018) und an Katar (2022) vergab. Katars Verband schwang zum Erstaunen der ganzen Welt mit 14 Stimmen obenaus (WM-Endrunde 2022); der Verband Amerikas blieb mit 8 Stimmen auf der Strecke. Nicht besser erging es England (0 Stimmen), das bezüglich der WM-Endrunde 2018 gegen Russland (13 Stimmen) regelrecht gedemütigt wurde. Nach diesen WM-Endrunden-Vergaben zum gleichen Zeitpunkt erhob sich ein Sturm der Entrüstung. Vor allem England geriet damals mehr in Wallung als beispielsweise nach dem beschlossenen „Brexit“. Auch Amerika hat die Schmach von Zürich nie verwunden, auch wenn der US-Verband, zusammen mit Mexiko (!) und Kanada, vor rund zwei Jahren den Zuschlag für 2026 erhielt. Sicher ein damals kluger Schachzug der FIFA, über der seit 2015, nach Verhaftungen von FIFA-Funktionären in Zürich, das Damoklesschwert der US-Justiz bedrohlich tief hängt. Mit dieser Vergabe an den US-Verband verschaffte sich die FIFA politisch etwas Luft bezüglich der „Bedrohung“ durch die amerikanische Justiz. Aber Amerikaner vergessen nicht: So wundert es nicht, dass nun in einer neusten Anklageschrift des US-Justizministeriums zu den Vorgängen und Verfahren rund um den „Komplex FIFA“ diese Vergaben 2018 und 2022 in den Fokus der amerikanischen Justiz rücken (nebst den ebenfalls umstrittenen Vergaben 2006, 2010 und 2014). Die Rede ist insbesondere von gekauften Stimmen. Und es werden in diesem Zusammenhang damalige FIFA-Exekutivkomitee-Mitglieder namentlich genannt. Einigermassen unlauter oder sogar deliktisch sollen Aktivitäten von Wahlmännern bezüglich der WM-Vergabe 2018 (Russland) gewesen sein. Auch mit Blick auf Katar (2022) sei es zu gravierenden Verfehlungen gekommen. Eine Schlüsselrolle soll dabei dem langjährigen UEFA-Präsident Michel Platini zugekommen sein, dem neuerdings Gelüste auf das FIFA-Präsidium nachgesagt werden (vgl. dazu auch causasportnews vom 31. Dezember 2019). Wie sich das US-Verfahren weiterentwickeln wird, ist derzeit nicht auszumalen. Sicher ist hingegen, dass, falls sich Unregelmässigkeiten und eine getürkte Beschlussfassung mit gekauften Stimmen erhärten sollte, „Katar 2022“ wankt. In einem solchen Fall müsste dem Verband von Katar das Austragungsrecht entzogen werden – allenfalls auch kurz vor der WM-Endrunde. Rechtlich ist das durchaus möglich und allenfalls sogar geboten: Auch Vergabebeschlüsse des Vereins FIFA (Art. 60 ff. des Schweizerischen Zivilgesetzbuches) erwachsen nicht in materielle Rechtskraft und liessen sich durchaus abändern bzw. neu fassen, falls z.B. Vergabe-Unregelmässigkeiten oder Bestechungsvorgänge nachgewiesen werden könnten (und dann etwa Sponsoren Druck machen würden). Diesbezüglich ist das noch mehr belastete Turnier in Russland aus dem „Schneider“, weil die Endrunde im Lande von Wladimir Putin bereits Geschichte ist. Zwischenzeitlich hat sich die FIFA auch neue Vergaberegeln gegeben: Seit kurzer Zeit wird die WM-Endrunde-Vergabe durch die Vollversammlung der FIFA (Kongress – Versammlung aller Mitgliederverbände der FIFA) vorgenommen und nicht mehr durch die (damals) bestechungsanfällige(re) Exekutive (FIFA-Exekutivkomitee). Der WM-Vergabebeschluss betreffend 2026 wurde von der FIFA-Vollversammlung gefasst…

Fussball-WM-Endrunde 2022: Wunsch und Wirklichkeit

(causasportnews / red. / 25. Mai 2019) Es war nicht einmal richtig gedacht; und nun hat sich wenigstens alles relativ rasch in Luft aufgelöst: Die Idee der FIFA-Spitze, das Format der Fussball-WM-Endrunde 2022 zu erweitern, ist so klammheimlich beerdigt worden, wie es der Öffentlichkeit vor einiger Zeit mit Brimborium aufgetischt worden ist. Nüchtern und knapp hat der Weltfussballverband kommuniziert, dass das eh schon umstrittene WM-Endrunden-Turnier in Katar wie geplant und vergeben definitiv mit 32 Mannschaften durchgeführt werden soll. Vor Monaten hat FIFA-Präsident Gianni Infantino darauf gedrückt, das Teilnehmer-Tableau in Katar auf 48 Mannschaften zu erweitern. Mehr Mannschaften, mehr Spiele, mehr Erträge – das war wohl das Leitmotiv der FIFA-Spitze, um die in dreieinhalb Jahren stattfindende WM-Endrunde kommerziell interessanter zu gestalten. Nun haben die Fussball-Strategen auf dem Zürcher „Sonnenberg“ resigniert und das Vorhaben, auch im Rahmen einer offiziellen Verlautbarung, begraben. Zweifellos war der Wunsch bei dieser Idee Vater des Gedankens. Schon als erstmals das Erweiterungsprojekt Katar 22 des FIFA-Präsidenten manifest wurde, war es klar, dass sich dieses Vorhaben schon aus juristischen Gründen nicht würde realisieren lassen. Die FIFA hat die WM-Endrunde zu klar definierten Konditionen dem Verband Katars zur Durchführung übertragen. An eine mit einer Aufstockung des Turniers einhergehende infrastrukturelle und organisatorische Erweiterung der WM-Endrunde im Zwergstaat Katar war nicht zu denken. Und eine Ausweitung der Austragungsmodalitäten auf die Nachbarstaaten von Katar wäre politisch nicht machbar gewesen; zu stark ist die arabische Welt, gelind ausgedrückt, uneins und unsolidarisch. „Übungsabbruch“ verlautete somit vor wenigen Tagen aus der FIFA-Zentrale in Zürich. Die FIFA-Spitze musste einsehen, dass Wunsch und Wirklichkeit einzig mit denselben, identischen Buchstaben beginnen, Ideen und Realitäten aber in diesem Fall diametral auseinanderklaffen. Erstmals wird also die WM-Endrunde 2026 in USA, Mexiko und in Kanada mit 48 Mannschaften durchgeführt. Platz für dieses Format gibt es in diesen drei Ländern schliesslich genug. Und eine allfällige Mauer zwischen den USA und Mexiko würde dann, falls sie doch noch gebaut werden sollte, im Rahmen des Turniers jeweils locker überflogen. Der internationale Fussball ist schliesslich in jedem Fall völkerverbindend – auch wenn ab und zu etwas Beton dazwischenkommt (vgl. weitere Beispiele aus der Geschichte…).