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Eine Geschichte, die «Corona» schrieb

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(causasportnews / red. / 15. Februar 2021) Nebst allem Negativem im Zusammenhang mit «Corona» gibt es durchaus auch Amüsantes am Rande der Pandemie zu vermelden. Etwa die Reisegeschichte des FC Bayern-München – fürwahr eine Menschenrechtsverletzung an den fussballerischen Aushängeschildern Deutschlands. Oder eine Geschichte zum Nachdenken?

Nach dem 1:0-Sieg bei Hertha BSC in der Bundeshauptstadt wollten die Bayern-Stars noch in der Nacht von Berlin nach Doha fliegen, um im Fussball-WM-Austragungsland 2022 den letzten Titel der Saison 2020 zu holen: Denjenigen eines Klub-Weltmeisters 2020. Das ist dann auch gelungen. In der neusten Ausgabe des «Spiegels» (7/2021) bringt es das Nachrichten-Magazin bezüglich des sportlichen Wertes des Klub-Turniers, das üblicherweise jeweils im Dezember stattfindet und heuer wegen «Corona» auf den Februar verschoben werden musste, auf den Punkt: Der sportliche Wert der Klub WM sei «mit der Stadtmeisterschaft von Elmshorn vergleichbar und deren alleiniger Reiz» seien die vielen Millionen, die der Trip einbringe (zur Erörterung: Elmshorn ist eine Stadt in Schleswig – Holstein mit knapp 50 000 Einwohnern). Trotzdem wollten die Bayern den Sieg an diesem Turnier, das vor Jahren vom ehemaligen FIFA-Präsidenten Joseph Blatter inszeniert worden war, um ihm in der Vorweihnachtszeit jeweils etwas Abwechslung zu verschaffen. Und die Bayern taten alles auch für diesen Sieg, ebenfalls in logistischer Hinsicht. Dass Planung und Realität zwei verschiedene Dinge sind, musste die Mannschaft aus München plus Staff am Berliner Flughafen BER erfahren. Nach dem Abend-Spiel gegen Hertha hatten es die Bayern offenbar nicht mehr so eilig und kamen (zu) spät am Flughafen an. Die Bitte um Starterlaubnis für den Flug nach Doha erfolgte drei Minuten nach der Deadline: Um 00:03 statt vor 00:00. Weil im grün-roten Deutschland Nachflugverbote so restriktiv gehandhabt wie Steuerdelikte bestraft werden, blieb der Rekordmeister in jener Nacht in der Hauptstadt am Boden. Die Behörden gaben sich unerbittlich. Auch die Erklärung, dass es sich hier schon nicht einfach um irgendwer handle, sondern um Millionäre in kurzen Hosen und um die wichtigsten Sport-Aushängeschilder Deutschlands, fruchtete nicht. So kam es, dass die Bayern erst nach knapp sieben Stunden auf dem Flugplatz in Berlin in Richtung Katar abhoben. Die Spieler schienen sich deswegen weniger enerviert zu haben als die Bayern-Exponenten Karl-Heinz Rummenigge und Uli Hoeness, die es eigentlich wissen sollten, dass Pünktlichkeit im Fluggeschäft genau so wichtig ist wie ein Torerfolg, über den schon auch einmal drei Zentimeter entscheiden können. Der nicht gerade als Meister der tiefschürfenden Denk-Analytik bekannte Funktionär Karl-Heinz Rummenigge und der an sich an formelle Genauigkeiten gewohnte Uli Hoeness wüteten wie die Berseker und suchten die Fehler für die selbstverschuldete Verspätung bei allen – nur nicht bei sich selber. Wieder einmal frei nach dem Motto: Lob der Schuldigen – Tadel der Unschuldigen. Es sei eine Zumutung für die Spieler, sich soviele Stunden nachts im Flughafengelände aufhalten zu müssen; ja eben, das sei an sich geradezu ein krasser Verstoss gegen die Europäische Menschenrechtskonvention. Die Spieler nahmen das alles relativ gelassen hin; ob sie wo an ihren Geräten herummachen, ist für sie eigentlich ziemlich irrelevant.- Aber die Schimpf-Tiraden der Bayern-Funktionäre brachten Deutschland in Aufruhr. In «Corona»-Zeiten Derartiges erleben zu müssen, war nun doch schlimmer als jedes Sakrileg. Trotz dieses Frevels am Fussball durch engstirnige Behörden konnte der Klub das gesteckte Ziel in Katar locker erreichen. Der letzte Pokal, den es im Fussballjahr 2020 noch zu erringen gab, wurde souverän gewonnen. Wenigstens verlief dann der Heimflug der siegreichen Helden problemlos. Auch der Solo-Flug von Weltmeister Thomas Müller: Von «Corona» befallen wurde er schon vor dem Spiel von der Mannschaft separiert, schaute sich das Finale der Klub-WM in Quarantäne an und reiste dann im Privatjet zwar einsam, aber sicher nach München zurück. Die Prioritäten in der «Corona»-Zeit waren wieder richtig gesetzt.

Eine Geschichte zum Schmunzeln – oder doch nicht ganz?

Der Sport vor einem Rechteverwertungs-Kollaps?

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(causasportnews / red. / 27. Dezember 2020) Es gibt sicher Attraktiveres im Sport als Fussballspiele vor wenigen oder gar keinen Zuschauern. Seit «Corona» wie ein Impakt auch über die Sportwelt hereingebrochen ist, wird in den Ligen der Welt und im Nationalmannschafts-Fussball fleissig weitergespielt – «Geisterspiele» prägen das Geschehen. Nach bald einem Jahr «COVID-19» und droht dem Sport eine empfindliche Störung in der Wertschöpfungskette – was etwa sinkende Einnahmen durch die Sport-Rechteverwertung bedeutet. Es ist evident, dass bspw. ein Fussballspiel in einem leeren Stadion kein umfassend vermarktbares Event mehr ist, sondern eben nur noch ein simples Fussballspiel. Das Interesse an diesen Veranstaltungen scheint nun immer mehr nachzulassen; das wiederum schlägt sich negativ auf die Erträge aus der Rechteverwertung nieder, denn schwindendes Fan-Interesse am so produzierten «Produkt Fussball» bedeutet letztlich mangelnde Nachfrage seitens der Werbewirtschaft. Sinkendes Publikumsinteresse an den durch «Corona» geprägten Sport bedeutet aber nicht nur nachlassende Erträge aus der Rechteverwertung; wer hat im Moment schon Lust, sich mit dem Gedanken zu befassen, für die nächste Saison (wieder) eine Jahres-Zuschauerkarte zu erwerben? Manch eine Liga hätte den Sportbetrieb aufgrund der Krise längst eingestellt, wenn es nicht um laufende Rechteverwertungserlöse gehen würde. Bestehende Verträge mit Verwertern sind zu erfüllen – oder, wie es simplifiziert gesagt werden könnte: «Ohne Spiel kein Geld».

Diese Entwicklung hat nun bereits die beiden französischen obersten Ligen ins Schlingern gebracht; immerhin ist der Spitzenfussball des aktuellen Fussball-Weltmeisters betroffen. Die Unternehmung «Mediapro», die Rechteinhaberin der beiden oberen Ligen, ist zahlungsunfähig und hat die erworbenen Liga-Rechte zurückgeben müssen. Wie sich dieser Zusammenbruch der Rechteinhaberin auswirken wird (und wer die Rechte allenfalls übernehmen wird), lässt sich im Moment nicht sagen. Vertraglich hatte «Mediapro» ab 2020 bis 2024 jährlich 800 Millionen Euro zugesagt. Was in Frankreich nun Tatsache geworden ist, könnte sich auch im nationalen und globalen Top-Fussball ereignen – falls «Corona» weiterhin die Ausübung des organisierten Sportes in der Form vor «COVID-19» verunmöglichen sollte. Lediglich hinter vorgehaltener Hand wird in Funktionärskreisen das Szenario «Kollaps» der Rechteverwertung diskutiert – zumindest der «Kollaps light». Sollten sich die Verhältnisse nicht bald normalisieren, könnte dies auch massiven, wirtschaftlichen Einfluss auf die im kommenden Jahr (vom 11. Juni bis 11. Juli 2021) vorgesehene Fussball-Europameisterschaft an elf Standorten (!) haben. Bemerkenswerterweise ist zu diesem Thema seitens der Europäischen Fussball-Union (UEFA) derzeit nichts zu vernehmen. Der unter dem Einfluss von «Corona» nur noch rudimentär stattfindende Sport hat selbstverständlich nicht nur Auswirkungen auf das wirtschaftliche Niveau in der Rechteverwertung (so ist z.B. vielerorts das in vielen Klubs einträgliche Merchandising praktisch zum Erliegen gekommen). Unbesorgt, was die Vermarktung des Filet-Stücks im internationalen Fussball angeht, zeigt sich derzeit der Weltfussballverband (FIFA). Dass bei länger anhaltender Pandemie auch die WM-Endrunde 2022 in Katar bzw. deren wirtschaftliche Verwertung gefährdet sein könnte, ist dem Verband offenbar (noch) kein Gedanke wert. Das Interesse schon an WM-Ausscheidungsspielen ohne Zuschauer könnte bald einmal einen massiven Knick erleiden.

Die Last, Olympische Spiele austragen zu müssen

(causasportnews / red. / 23. Juli 2020) Am kommenden Wochenende hätten die XXXII. Olympischen Sommerspiele in Tokio beginnen sollen. Wie seit Ende März bekannt, wird der grösste Sportanlass der Welt allerdings nicht stattfinden. „Corona“ verunmöglicht es. In Abstimmung mit dem Austragungsort und der Regierung Japans hat das Internationale Olympische Komitee (IOK) entschieden, die nun verschobenen Spiele genau in einem Jahr durchzuführen. Nachdem nun aber die Entwicklungen mit COVID-19 nicht absehbar sind und niemand weiss, wie lange diese Pandemie die globale Welt im Griff haben wird, wackelt auch der Austragungstermin im Sommer 2021. Vor allem die kürzlich getätigte Aussage des IOK-Präsidenten Thomas Bach, dass Olympia-„Geisterspiele“, also Wettkämpfe ohne Zuschauer/innen, nicht denkbar seien, macht hellhörig und lässt einiges vermuten. Hinzu kommt, dass sich in Japan die öffentliche Meinung unter dem Druck der sich verschärfenden Pandemie contra die Spiele gewendet hat. War es bei der Vergabe des Anlasses an Tokio vor allem für Japan eine Ehre, nach 1964 jetzt wiederum Olympische Sommerspiele austragen zu dürfen, würde man die Veranstaltung im kommenden Jahr bereits jetzt gerne ganz ungeschehen machen. Statt Freude mit Blick auf den Anlass tritt die spürbare Last, Olympia 2021 austragen zu müssen. An Stelle des Olympia-Fiebers also Pandemie-Angst. Aber vielleicht wird es so oder so nicht soweit kommen und die Spiele werden definitiv abgesagt. Oder sie würden in einer abgespeckten Form durchgeführt. Die täglich steigenden Infektionszahlen sind im Moment die Hauptsorge der Japaner. So ist Olympia 2021 in weite Ferne gerückt; und doch belastend nahe. Das IOK gibt sich bedeckt, bis wann bezüglich der Austragung der Spiele 2021 ein Entscheid gefällt werden müsste. Im Moment ist alles möglich. Am wahrscheinlichsten scheint die Variante, dass die Olympischen Sommerspiele in Tokio gemäss derzeitiger Lage nicht stattfinden werden, es sei denn, das heimtückische Virus würde demnächst, wie es weitsichtige Menschen, wie US-Präsident Donald Trump, glauben, bald einmal quasi über Nacht verschwinden.

Olympische Spiele gelten als grösster Sportanlass der Welt. Doch im Zusammenhang mit dem geplanten Austragungsort Tokio im kommenden Jahr rückt auch der zweitgrösste Sportanlass der Welt in den Fokus nicht nur der sport-interessierten Öffentlichkeit: Sogar in Fussballkreisen herrscht je länger desto mehr nur noch verhaltener Optimismus vor, was die Durchführung der Fussball-Weltmeisterschafts-Endrunde 2022 in Katar betrifft. Vielleicht kann auf diese Weise der gordische Knoten im Zusammenhang mit dem üblicherweise grössten Fussballfest auf diesem Planeten durchschlagen werden. In diesem Fussball-WM-Endrunde-Projekt steckt seit dem Vergabeentscheid des Weltfussballverbandes (FIFA) im Jahr 2010 in Zürich der „Wurm“ drin. Ginge „Katar 2022“ nicht über die Bühne, würde dies in den Augen der meisten Menschen kein Schaden bedeuten. Apropos Schaden: Verschiebungen oder Absagen von Grossanlässen können zu Schäden aller Art führen. Im Moment sind Veranstaltungs-Ausfallversicherer daran, Rückstellungen für allfällige, derart versicherte Schäden vorzunehmen.

WM-Endrunde in Katar: FIFA-Kongress verfügt über Entscheidkompetenz

(causasportnews / red. / 20. April 2020) Die kürzlich bekanntgewordene Anklageschrift der US-Justiz im Zusammenhang mit den WM-Endrundenvergaben an Russland (2018) und an Katar (2022) wirft immer grössere Wellen (vgl. auch causasportnews vom 12. April 2020). Im Fokus stehen dabei drei Fussball-Funktionäre, denen im Zusammenhang mit den beiden Vergaben die Entgegennahm von Schmiergeldern vorgeworfen wird. Der Weltfussballverband (FIFA) mit Sitz in Zürich tritt im Verfahren als Geschädigter auf. Aktuell rückt die Frage in den Vordergrund, ob, je nach Verfahrensausgang, Katar das Austragungsrecht bezüglich der WM-Endrunde 2022 entzogen werden könnte; was Russland betrifft, ist dieser Entzug zufolge der Durchführung der Endrunde vor zwei Jahren kein Thema mehr, auch wenn der „Fall Russland“ offenbar gravierendere Dimensionen zeitigt als die Vergabe an Katar. Ein Entzug bezüglich Katar 2022 ist selbstverständlich juristisch möglich. Und nun melden sich in diesem Zusammenhang auch zwischenzeitlich aus dem Weltverband ausgeschiedene FIFA-Protagonisten zu Wort. Der ehemalig FIFA-Präsident Joseph Blatter, nicht gerade ein Freund von Katar als WM-Austragungsort, würde die WM-Endrunde am liebsten gleich den Amerikanern überlassen (diese werden jedoch 2026 die WM-Endrunde mit Mexiko und Kanada austragen). In einem Interview unterstreicht er, dass nur die FIFA Katar das Austragungsrecht entziehen könne. Recht hat er: Falls sich die Schmiergeldvorwürfe gegen Einzelpersonen des damaligen FIFA-Exekutivkomitees beweisen lassen sollten, wäre Katar 2022 wohl nicht mehr zu halten. Bezüglich einer Entscheidung zuständig ist (neu) der Kongress der FIFA, also die Vollversammlung aller Mitglieder des Weltverbandes. Dies sieht auch der ehemalige deutsche Richter Hans-Joachim Eckert so, der 2015 als Präsident der rechtsprechenden Kammer der FIFA-Ethikkommission sowohl Joseph Blatter als auch Michel Platini aus dem Fussball verbannte. Indessen würde der Deutsche Jurist in diesem Fall gemäss Medienberichten immense Schadenersatzforderungen seitens des Verbands von Katar sehen, falls den Arabern das Austragungsrecht entzogen würde. Das scheint allerdings ein eher theoretisches Szenario zu sein. Sollte sich beweisen lassen, dass bei Schmiergeldzahlungen oder allgemein bei Unregelmässigkeiten Katar mit von der Partie oder irgendwie involviert gewesen ist, wäre ein Entzug des Austragungsrechts wohl ohne Kostenfolgen möglich.

Verliert Katar die Fussball-WM-Endrunde 2022?

Al Wakrah Stadium – Doha, Qatar; © Matt Kieffer

(causasportnews / red. / 12. April 2020) Es war die wohl schlimmste Niederlage der Amerikaner in der internationalen Sportpolitik, als das Komitee (Exekutive) des Weltfussballverbandes FIFA am 2. Dezember 2010 am selben Tag die WM-Endrunden 2018 an Russland (2018) und an Katar (2022) vergab. Katars Verband schwang zum Erstaunen der ganzen Welt mit 14 Stimmen obenaus (WM-Endrunde 2022); der Verband Amerikas blieb mit 8 Stimmen auf der Strecke. Nicht besser erging es England (0 Stimmen), das bezüglich der WM-Endrunde 2018 gegen Russland (13 Stimmen) regelrecht gedemütigt wurde. Nach diesen WM-Endrunden-Vergaben zum gleichen Zeitpunkt erhob sich ein Sturm der Entrüstung. Vor allem England geriet damals mehr in Wallung als beispielsweise nach dem beschlossenen „Brexit“. Auch Amerika hat die Schmach von Zürich nie verwunden, auch wenn der US-Verband, zusammen mit Mexiko (!) und Kanada, vor rund zwei Jahren den Zuschlag für 2026 erhielt. Sicher ein damals kluger Schachzug der FIFA, über der seit 2015, nach Verhaftungen von FIFA-Funktionären in Zürich, das Damoklesschwert der US-Justiz bedrohlich tief hängt. Mit dieser Vergabe an den US-Verband verschaffte sich die FIFA politisch etwas Luft bezüglich der „Bedrohung“ durch die amerikanische Justiz. Aber Amerikaner vergessen nicht: So wundert es nicht, dass nun in einer neusten Anklageschrift des US-Justizministeriums zu den Vorgängen und Verfahren rund um den „Komplex FIFA“ diese Vergaben 2018 und 2022 in den Fokus der amerikanischen Justiz rücken (nebst den ebenfalls umstrittenen Vergaben 2006, 2010 und 2014). Die Rede ist insbesondere von gekauften Stimmen. Und es werden in diesem Zusammenhang damalige FIFA-Exekutivkomitee-Mitglieder namentlich genannt. Einigermassen unlauter oder sogar deliktisch sollen Aktivitäten von Wahlmännern bezüglich der WM-Vergabe 2018 (Russland) gewesen sein. Auch mit Blick auf Katar (2022) sei es zu gravierenden Verfehlungen gekommen. Eine Schlüsselrolle soll dabei dem langjährigen UEFA-Präsident Michel Platini zugekommen sein, dem neuerdings Gelüste auf das FIFA-Präsidium nachgesagt werden (vgl. dazu auch causasportnews vom 31. Dezember 2019). Wie sich das US-Verfahren weiterentwickeln wird, ist derzeit nicht auszumalen. Sicher ist hingegen, dass, falls sich Unregelmässigkeiten und eine getürkte Beschlussfassung mit gekauften Stimmen erhärten sollte, „Katar 2022“ wankt. In einem solchen Fall müsste dem Verband von Katar das Austragungsrecht entzogen werden – allenfalls auch kurz vor der WM-Endrunde. Rechtlich ist das durchaus möglich und allenfalls sogar geboten: Auch Vergabebeschlüsse des Vereins FIFA (Art. 60 ff. des Schweizerischen Zivilgesetzbuches) erwachsen nicht in materielle Rechtskraft und liessen sich durchaus abändern bzw. neu fassen, falls z.B. Vergabe-Unregelmässigkeiten oder Bestechungsvorgänge nachgewiesen werden könnten (und dann etwa Sponsoren Druck machen würden). Diesbezüglich ist das noch mehr belastete Turnier in Russland aus dem „Schneider“, weil die Endrunde im Lande von Wladimir Putin bereits Geschichte ist. Zwischenzeitlich hat sich die FIFA auch neue Vergaberegeln gegeben: Seit kurzer Zeit wird die WM-Endrunde-Vergabe durch die Vollversammlung der FIFA (Kongress – Versammlung aller Mitgliederverbände der FIFA) vorgenommen und nicht mehr durch die (damals) bestechungsanfällige(re) Exekutive (FIFA-Exekutivkomitee). Der WM-Vergabebeschluss betreffend 2026 wurde von der FIFA-Vollversammlung gefasst…

Mehr „Recht + Sport“ statt Sport

(causasportnewss / red. / 20. Juni 2019) Der Sport-Medienkonsument stellt derzeit fest, dass das Thema „Recht + Sport“ die Szenerie mehr beherrscht als der Sport selber, obwohl etwa die Fussball-WM der Frauen in Frankreich ein dominierendes Element der Sportberichterstattung abgeben sollte. Aber der Funken i.S. Frauenfussball will nicht so richtig springen. In Deutschland sollte das ATP-Turnier in Halle die Menschen fesseln, in der Schweiz sollte die Tour de Suisse Menschenmassen mobilisieren. Diese Sportanlässe stossen aber nur auf geringe und nur insoweit auf Resonanz, als die Medien sich diesbezüglich teilweise mit der Vermittlung von Resultaten begnügen. Dass Mats Hummels zu Borussia Dortmund zurückkehr, ist der „Neuen Zürcher Zeitung“ fast eine ganze Seite wert. Das sagt eigentlich alles aus über die aktuellen Gewichtungen in der Sport-Berichterstattung.

Anders eben, wenn es um Recht im Zusammenhang mit Sport geht. Seit Tagen werden die Vorgänge in der Schweizerischen Bundesanwaltschaft im Zusammenhang mit den internationalen Sportverbänden, insbesondere der FIFA in Zürich, debattiert und kommentiert (vgl. auch causasportnews vom 19. Juni 2019). Und nun reichert ein weiterer Protagonist des internationalen Fussballs die Palette rechtlicher Vorgänge im Sport an: Michel Platini, der ehemalige Star-Fussballspieler und langjährige Sport-Funktionär, ist von seiner Vergangenheit eingeholt worden. Er soll massgeblich verantwortlich dafür sein, dass die Fussball-WM-Endrunde der Männer (!) 2022 in Katar auf zumindest unlautere Art und Weise zustande gekommen sein soll. Von „aktiver“ und „passiver“ Bestechung ist die Rede, und zu diesem Thema ist Michel Platini soeben ausgiebig von der französischen Polizei als Zeuge befragt worden. Dieser Umstand hat die Medien bewogen, den gesamten Rahmen der WM-Vergaben an Katar und an Russland (2018) ausgiebig abzustecken. Nüchtern betrachtet war die nun erfolgte Befragung des damaligen Kandidaten für die Nachfolge des FIFA-Präsidenten Joseph Blatter nur eine Bagatelle. Im weitesten Sinne ging es um ein gemütliches Essen im Elysée-Palast kurz vor den besagten WM-Endrunden-Vergaben, in Anwesenheit des damaligen Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy und Vertretern aus Katar. Niemand glaubt allerdings noch ernsthaft daran, dass bald einmal Licht ins Dunkel der Zweifach-Vergabe der WM-Endrunden 2018 und 2019 am 2. Dezember 2010 in Zürich dringen könnte. Auch der Umstand, dass die Katari nur kurz nach der Vergabe, bei der Michel Platini mit seinen europäischen Funktionärs-Kollegen das Zünglein an der Waage spielte, mit Brimborium und wirtschaftlicher Potenz beim heutigen Top-Klub Paris Saint-Germain einstiegen, war selbstverständlich nur ein Zufall. Trotz dieser Umstände dürfte das Thema Recht im Sport die Medien und die Öffentlichkeit noch eine zeitlang beschäftigen. Es gibt in diesem Zusammenhang bekanntlich noch ein paar juristische Spielwiesen.

PS: Die von der FIFA verhängte Sperre gegen Michel Platini endet in diesem Herbst…