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Keine Fast Food- und keine Glücksspiel-Werbung mit Kylian Mbappé Lottin

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(causasportnews / red. / 26. September 2022) Es gibt Menschen und Sportler, die in ihrem eigenen Universum leben und wie eigene Planeten in einer Parallelwelt um sich selbst kreisen. Zu diesen gehört etwa der Super-Spieler von Paris Saint-Germain, der 23jährige Kylian Mbappé Lottin, kurz und ergreifend «Mbappé» genannt. Bei ihm zählt vor allem, wieviel er als potentieller Milliardär in kurzen Hosen verdient. Aber er scheint das Geld, welches quantitativ gar nicht mehr beziffert werden kann, auch wert zu sein. Wenn er im Klub der Katari in Paris antritt oder im französischen Nationalteam die eigenen und die gegnerischen Akteure schwindlig spielt, hat er bezüglich seiner Tätigkeit im Nationalteam in diesem Jahr ein erklärtes Ziel: Die WM-Endrunde 2022, die in rund zwei Monaten beginnen wird. Deshalb sind im Moment insbesondere die meisten Blicke der globalen Fussball-Betrachter auf Titelverteidiger Frankreich gerichtet. Mit erst 19 Jahren errang Mbappé mit seinem Team 2018 in Russland, als dieses Land noch friedlich war, die WM-Krone, die er sich am kommenden 18. Dezember 2022 in Katar, nach gewonnenem Finalspiel, erneut aufsetzen will. Er würde sich dann zwei Tage vor seinem 24. Geburtstag am 20. Dezember 2022 gleich sein schönstes Geschenk in diesem Jahr machen.

Mit Blick auf die WM-Endrunde im Wüstenstaat, der eben auch den Klub und Arbeitgeber des französischen Super-Stars stützt und dirigiert, stehen derzeit die Test- und Vorbereitungsspiele der Franzosen besonders im Fokus. Tendenz: Frankreich schiesst sich derzeit in WM-Laune. So etwa vor ein paar Tagen, als die Mannschaft um Mbappé Österreich im Rahmen der Nations League (ein zur Turnierform aufgedunsene Freundschaftsspiel-Veranstaltung des Kontinentalverbandes UEFA) bezwang – (auch) dank eines Treffers von Mbappé natürlich. Für Gesprächsstoff sorgte der Star vom eigenen Planeten allerdings auch vor dem Spiel: Beim Zusammenzug der Nationalmannschaft weigerte sich Mbappé, für Nationalmannschafts-Bilder zu posieren. Mit den Fotos sollte Werbung für Partner des Teams aus der Fast Food- und Glücksspiel-Branche gemacht werden. Dafür war der Spieler nicht zu haben. Das war nicht nur in persönlicher Hinsicht konsequent. Vor allem das Glücksspiel ist in Katar verboten, und offensichtlich wollte es sich Mbappé als Arbeitnehmer des Katar-Klubs Paris Saint-Germain mit diesem Land nicht verscherzen und stand für die Glücksspiel-Werbung nicht zur Verfügung, ebenso nicht für Fast Food-Promotion. Diese Form der Ernährung findet angepasst zwar im Wüstenstaat statt, man kann zu ihr jedoch durchaus ein heterogenes Verhältnis haben; vgl. die Haltung von Kylian Mbappé Lottin. Apropos Nations League und Launen aller Art: Im Spiel vom Wochenende tauchte Frankreich mit Mbappé & Co. gleich 0:2 gegen Dänemark und gab mit diesem Resultat eine unmissverständliche Antwort auf den Stellenwert dieses Wettbewerbs ohne Wert; auch nach diesem Resultat steigen die Franzosen nicht ab.

WM-Endrunde in Katar mit Fussball, Fernsehen – aber mit wenig Flaschenbier

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(causasportnews / red. / 15. August 2022) Die am 20. November 2022 mit dem Eröffnungsspiel beginnende Fussball-WM-Endrunde in Katar wird in vielerlei Hinsicht anders sein als WM-Endrunden zuvor. Das Turnier, das am 18. Dezember 2022 mit dem Finalspiel abgeschlossen wird, ist seit 1978 (in Argentinien) das kürzeste WM-Endrundenevent; innerhalb von lediglich 29 Tagen soll der Weltmeister gekürt werden. Als einmalig ist der Umstand zu werten, dass die beste Mannschaft der Welt nun aktuell in der Winterzeit ermittelt wird. Katar ist in vielerlei Hinsicht speziell. Vor allem wird im Wüstenstaat an der traditionellen Fussball-«Drei F– Trilogie» gerüttelt, die da seit jeher lautet: Insbesondere eine WM-Endrunde basiert auf drei Pfeilern: Auf Fussball, Fernsehen und Flaschenbier. Mit dem Bier ist es in diesem muslimisch geprägten Land nun allerdings so eine Sache. Das Fussball-Traditionsgetränk wird wohl während der WM-Endrunde grundsätzlich verboten werden. Damit dürften sich vor allem die englischen Fans, inklusive «Hooligans», schwertun. Aus Kreisen des WM-Gesamtorganisators FIFA verlautete, dass das Alkoholverbot während der WM-Endrunde nicht absolut gelten soll. In speziellen Fan-Bereichen wird der Alkoholkonsum wohl eingeschränkt möglich werden, und in den VIP-Logen der WM-Stadien sollen Bier, Champagner, Wein und Spirituosen zumindest moderat ausgeschenkt werden können. Das ist wohl insbesondere auch als Entgegenkommen gegenüber einem grossen FIFA-Biersponsor zu qualifizieren.

Verbote stossen selten auf Begeisterung. Vielleicht ist es jedoch gar nicht so schlecht, dass an einem solchen Anlass für einmal Alkohol-Fanexzesse zufolge religiöser Gepflogenheiten schon im Ansatz erstickt werden.

Alles für das Team – das Team ist alles

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(causasportnewes / red. / 27. Juni 2022) In einem halben Jahr wird die Fussball-WM-Endrunde 2022 in Katar Geschichte sein; am 18. Dezember soll der (neue oder alte) Fussball-Weltmeister erkoren werden. Derzeit ruht der aktive Fussball mehrheitlich, Zeit also, um sich dennoch mit der beliebtesten Sportart Europas zu befassen. Noch ist es zu früh für Prognosen mit Blick auf das Turnier in Katar, doch das Thema wird allmählich hochgekocht. Zum Beispiel in Deutschland, im Land des vierfachen Weltmeisters, der 2018 in Russland allerdings kläglich gescheitert ist. Deutschland ist voller Hoffnung; nach einem Bundestrainer-Wechsel sind die Weichen in Richtung WM-Erfolg unmissverständlich gestellt worden, auch wenn anerkannt wird, dass auch in den anderen Ländern, wie etwa in Frankreich, in Spanien oder in England, das Ziel Katar mit Nachdruck fokussiert wird. In den Umfeldern der Nationalmannschaften wird das Spezialistentum geradezu zelebriert, der Sport noch ein bisschen mehr verwissenschaftlicht: Spezialisten aller Art und für alle Fussball-Positionen, so neuerdings sogar Spezialisten für Spiel-Standardsituationen, sollen den Erfolg garantieren. In den Nationalmannschaften steht der Teamgedanke an erster Stelle. Elf Freunde sollen es richten, nicht elf Millionäre als Geschäftspartner in kurzen Hosen. Dass im Rahmen der aktuellen Weltlage auch Marketingstrategisches von Bedeutung ist, liegt auf der Hand. Zum Beispiel in Deutschland. In der Bezeichnung «Nationalmannschaft» steckt seit jeher das Wort «national». Doch dieses wurde seit geraumer Zeit immer mehr entwertet oder aus allen Facetten des Lebens eliminiert. Was «national» ist oder danach riecht, ist verpönt, vor allem in Deutschland. So wurde die «Deutsche Nationalmannschaft» flugs zur «Die Mannschaft»; eine Abkehr von unguten Erinnerungen an historische Erinnerungen mit Blick auf den Nationalmannschaftsfussball. Vater dieser Idee, welche auch ab und zu als «Bier-Idee» bezeichnet wird, ist der Manager der Deutschen Nationalmannschaft, Oliver Bierhoff. Nun regt sich, vielleicht auch unter dem Eindruck des Krieges, den Russland (Nation) gegen die Ukraine (Nation) führt, Widerstand, und so fordert etwa der Dortmund-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke eine formelle Umbenennung der Nationalmannschaft (wiederum) in «Deutsche Nationalmannschaft». Das nationale Element im Fussball und im Sport dürfte eine Renaissance erfahren. Nicht nur wegen der russischen Barbarei, sondern weil der Krieg eine Deglobalisierung der Welt eingeläutet hat. Wie auch immer: Ob «Die Mannschaft» oder «Deutsche Nationalmannschaft»: Im Vordergrund steht das Team als Repräsentant eines Landes, einer Nation. In Anlehnung an den Pfadfinder-Slogan: «Alle für einen, einer für alle»: «Alles für das Team – das Team ist alles».

Apropos Team: Wie wichtig der Team-Gedanke nicht nur im Sport, sondern auch im Geschäfts- und Berufsleben sein soll, jedoch natürlich nicht ist, hat die Schweiz vor ein paar Tagen erfahren. Was als Teambildungsaktion eines Medien- und Webeunternehmens geplant war, endete im individuellen Desaster. Nach einem Feuerlauf (frei nach Peter Maffay: «Über heisse Kohlen musst Du gehn») mussten über zehn Personen mit Brandverletzungen ins Spital gebracht werden. Womit wieder einmal bewiesen war, dass der Geist nicht immer über die Materie zu siegen in der Lage ist, um etwa das Beispiel mit dem Fallschirmspringer zu nennen: Auch wenn sich der Fallschirm nicht öffnet, muss man nur daran glauben, dass es dennoch gut wird. Ob die Mannschaft Deutschlands in Katar reüssieren wird, dürfte also letztlich kaum mit der Benennung des Teams zusammenhängen. Welches nationale Team in Katar den WM-Pokal 2022 abholen darf, wird weder auf der Marketingebene oder in Teambildungsevents entschieden, sondern letztlich kurz vor dem christlichen Weihnachtsfest im Lusail Iconic-Stadium bei Doha.

Der Unterschied zwischen FIFA-Präsident und Papst in Kriegswirren

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(causasportnews / red. / 7. Mai 2022) Bis vor dem Ausbruch des immer noch schrecklich tobenden Angriffskriegs Russlands gegen die Ukraine am 24. Februar 2022 war «Katar» in vielerlei Hinsicht ein Reizwort. Mit Blick auf die Fussball-WM-Endrunde in diesem Jahr ab 21. November hat sich die Lage allerdings schlagartig geändert. Katar ist wegen des Erdgases begehrt, und jedes von Russland abhängige Land hütet sich, die Katari in jeglicher Hinsicht zu reizen. Sogar der grüne Wirtschafts- und Klimaminister und Vizekanzler Deutschlands, Robert Habeck, flog, natürlich klimaneutral, nach Doha und warf sich vor den Scheichs in den Wüstenstaub, um den drohenden Versorgungsengpass für Deutschland wegen des Russlandkriegs abzuwenden. Seit dem 24. Februar 2022 ist Katar in der Welt zwangsläufig «salonfähig» geworden. Dass der Kleinstaat mit unermesslichem Reichtum noch «salonfähiger» wird, ist ein besonderes Anliegen von Katar-Freund Gianni Infantino, FIFA-Präsident mit derzeit unbekanntem Wohnsitz (ist es allenfalls doch Katar?). Der FIFA-Lenker vom «Zürichberg» ist jedenfalls kaum mehr in Zürich zu sehen, sondern macht sich ein schönes Leben in …Katar. Das wird so bleiben bis zum Beginn der WM-Endrunde in der Vorweihnachtszeit. Grund genug also für den durchwegs dödlig agierenden FIFA-Präsidenten, um bei den Scheichs im Wüstenstaat zu antichambrieren. Dass solche Aktionen schief gehen müssen, hat Gianni Infantino soeben erneut bewiesen. Öffentlich hat er einer Version von «Amnesty International» mit Blick auf die WM-Baustellen widersprochen. Die Organisation spricht von mehreren tausend Arbeitern, die während des Baus der WM-Stadien bisher umgekommen sein sollen. Dass diese wie Sklaven gehalten wurden und werden, ist wieder ein anderes Thema. Und was meint der FIFA-Präsident dazu? Er spricht von drei (!) toten Arbeitern; die andern könnten auch anderweitig zu Tode gekommen sein, hält der 52jährige, Walliser mit Augureneigenschaften den Ball zugunsten des WM-Endrunden-Austragungslandes flach. «Die FIFA ist nicht die Polizei der Welt oder verantwortlich für alles, was auf der Welt passiert», äusserte er sich zudem generell. Dass seine Tollpatschigkeit noch steigerungsfähig ist, bewies er mit der Aussage: «Wenn man jemandem Arbeit gibt, selbst unter schwierigen Bedingungen, gibt man ihm Würde und Stolz.». Das Statement des FIFA-Obersten empört nicht nur «Human Rights Watch»: «Der FIFA-Präsident verhöhnt Arbeiter in Katar», titeln auch die Gazetten weltweit.

Noch nicht konkret geäussert zu Katar und zum Los der Arbeiter auf den WM-Baustellen hat sich Papst Franziskus, der sich aber generell in einem Formtief zu befinden scheint. Mit Blick auf den Krieg Russlands schob das 86jährige Oberhaupt der Katholischen Kirche dem Nordatlantikpakt eine Mitschuld an den von Russland entfesselten Zerstörungs- und Vernichtungskrieg zu. Die NATO habe die russische Aggression erleichtert, gab der nun mehr greise statt weise Mann im Vatikan zum besten; statt Russland in aller Schärfe zu verurteilen. FIFA-Präsident und Papst tun seit jeher relativ viel dafür, um ja kein Fettnäpfchen auszulassen. Sie sind wiederum derzeit bemüht, um der Bezeichnung «PPP» (Präsident und Papst peinlich) gerecht zu werden. A propos Papst und FIFA-Präsident: Da feiert das Bonmot, das zur Zeit von Joseph Blatter als FIFA-Präsident eine Hochkonjunktur erlebte, eine Wiederauferstehung. Wie manifestiert sich der Unterschied zwischen FIFA-Präsident und Papst?-

Antwort: Der Papst meint nicht, er sei FIFA-Präsident.

Das kann wohl auch als besondere Art eines Investiturstreits bezeichnet werden…

Die Kraft des Fussballs ist stärker als diejenige des Krieges

Doha/Katar; Photo by Abdullah Ghatasheh on Pexels.com

(causasportnews / red. / 4. April 2022) Der diesjährige FIFA-Kongress vom 31. März 2022 ist Geschichte. Die Generalversammlung des Weltfussballverbandes mit Sitz in Zürich wurde diesmal traditionell am Austragungsort der bevorstehenden WM-Endrunde durchgeführt: In Katar. Dem Funktionärs-Ereignis der Welt-Fussballer wurde einigermassen erwartungsneutral entgegengeblickt, trotz zweier Impakte, mit der sich die «Fussball-Familie», wie sie von FIFA-Präsident Gianni Infantino salbungsvoll genannt wird, konfrontiert sieht. Da ist immer noch «Corona», das alles andere als besiegte Virus, das den organisierten Sport seit mehr als zwei Jahren durcheinanderwirbelt. Viel schlimmer und undiskutabel von Menschenhand gemacht ist allerdings der vor bald eineinhalb Monaten von Russland angezettelte Krieg gegen die Ukraine, der nachhaltige Folgen auf den Sport zeitigen wird. Unter diesen Vorzeichen traf sich also die «Fussball-Familie» in Doha, in einem Land, das seit der Vergabe der WM-Endrunde an Katar die Fussballwelt entzweit. Die Katari nennt der FIFA-Präsident dennoch «seine Brüder» (nicht einfach «Brüder», so, wie er vor genau vier Jahren vor Beginn der WM-Endrunde in Russland den Kriegstreiber Wladimir Putin als «seinen Freund» bezeichnet hat). So verschloss der tapsige FIFA-Funktionär in seinen präsidialen lucida momenta seine Augen nicht vor dem Negativen und Bösen in der Welt, und meinte mit Blick auf den schrecklichen Krieg in der Ukraine, dass es solches auch in anderen Teilen der Welt geben würde. Na ja. Doch der Sport und vor allem der Fussball stehen gemäss Gianni Infantino für eine bessere Welt, dank der «Kraft des Fussballs».

Es wundert nicht, dass dann eine Frau, die Verbandspräsidentin Norwegens, Lise Klaveness, die Realitäten ins richtige Licht rückte und vor der versammelten Kongressgemeinde in Doha Klartext sprach zur unglücklichen Vergabe der WM-Endrunde 2022 und zum brutalen Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine. Sehr zum Missfallen der Katari selbstverständlich und des stets opportunistisch agierenden FIFA-Präsidenten. Mit ihren warnenden und demaskierenden Worten erntete sie jedenfalls in der katarischen Höhle des Löwen weit mehr Applaus als Gianni Infantino mit seiner Ankündigung, im kommenden Jahr für eine letzte Amtszeit von vier Jahren kandidieren zu wollen, was wie eine Drohung wirkte. Die Zeit dieses Funktionärs-Schwurblers läuft langsam aber sicher ab. Was er denn bis jetzt und seit 2016 erreicht habe, fragt sich die Zürcher «Sonntags-Zeitung»: «Er wollte viel und ist mit allem gescheitert. Und jetzt bekommt er auch keine WM alle zwei Jahre», meint ein Sportredaktor. Und stöhnt: «Ach, immer dieses Grinsen. Diese geschauspielerte Leichtigkeit. Immer diese Selbstinszenierung. Gianni Infantinos Auftritte auf der grossen Bühne des Fussballs sind kein Vergnügen», heisst es resigniert in einem Kommentar.

Dass am diesjährigen Kongress das Thema Russland / Ukraine pfleglich und sport-diplomatisch abgehandelt oder eher ignoriert wurde (trotz der mutigen Worte von Lise Klaveness), versteht sich; die Verbandsvertreterinnen und -vertreter sind noch schwächer als der FIFA-Präsident. Fürwahr keine Plattform, auf der auch einmal grundsätzlich Klartext gesprochen oder mutige Entscheide gefällt würden. So war es auch in Doha. Eine Suspension Russland im Rahmen der FIFA-Mitgliedschaft war kein Thema, noch weniger eine Ausschliessung des Russischen Verbandes aus dem Schweizer Verein mit Sitz in Zürich. Entsprechende Anträge fehlten und schliesslich blieben die Vertreter des Ukrainischen Verbandes im Kriegsgebiet – im Gegensatz zum Russischen Verband, der mit zwei Vertretern am Kongress in Doha teilnahm. Weil die Versammlung auch digital durchgeführt wurde, galt der Verband der Ukraine dennoch als anwesend. So funktioniert die Harmonie in der FIFA-Familie auch in Kriegszeiten.

Eine WM-Endrunde ohne Italien ist möglich, aber (ziemlich) sinnlos…

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(causasportnews / red. / 26. März 2022) Die Niederlage der Nationalmannschaft Italiens gegen Nordmazedonien war für Bella Italia ein sportlicher Super-GAU. Schon vor vier Jahren fehlte der aktuell amtierende Europameisterschaft in Russland, als die Barbarei durch diese Nation ziemlich weit weg war – und nun das! Dass das eigene Unglück immer stärker gewichtet wird als es in den Augen der übrigen Welt erscheinen mag, ist evident. Doch fühlt man sich nach dem «WM-Aus» der Italiener an Vicco von Bülow, alias Loriot, erinnert, der den Spruch, zwar auf seine geliebten, vierbeinigen Möpse gemünzt, zum Kult werden liess, dass eben ein Leben ohne Möpse möglich, aber sinnlos sei. So ist es nun wohl ein bisschen mit dem Land des Europameisters: Eine WM-Endrunde ohne Italien, der besten Nationalmannschaft auf dem Planeten, in diesem Jahr ist natürlich möglich, aber zumindest sportlich ein klein wenig sinnlos(er). Zumal der Anlass in Katar stattfinden wird, im Land, das vor fünf Wochen noch mit Spott und Häme überschüttet wurde und nun wegen der praktizierten Bestialitäten der Russen zum Rettungsanker der (Energie-)Welt mutierte. Sollen wir im nächsten Winter, wenn die WM-Endrunde in Katar über den Retorten-Rasen gehen wird, nicht frieren, so geht es nun offenbar nur mit den Rohstoffen aus Katar! Die Regierenden dieser Welt, welche sich derzeit für Gas und Öl aus alternativen Quellen geradezu prostituieren, sehen sich gezwungen, sich von den Herrschern in Katar in den Wüstenstaub zu werfen und um Gas und Öl zu betteln. Besonders peinlich exerziert diese Praxis der Deutsche, «grüne» Vizekanzler Robert Habeck vor, der seinen ersten, soeben erfolgten Bittgang zum Emir von Katar und zu seinem Gefolge noch ohne Ergebnis hinter sich hat; weitere Gänge nach Doha werden folgen. Die derzeitige Situation für die «Grünen» ist eh ein Desaster: Sie wagen es nicht einmal, die durch den Krieg inszenierte Umweltkatastrophe nur schon zu thematisieren. Aber wer kennt sie noch die Geschichte von «Boule de suif» («Fettklösschen») von Guy de Maupassant? Die Vorgänge wiederholen sich bekanntlich immer wieder. Weshalb denn die Historie bemühen?

Apropos Katar: Im Retortenstaat wird am letzten Tag des laufenden Monats die Generalversammlung des Weltfussballverbandes (FIFA) stattfinden. Die Verbände Russlands und der Ukraine werden dann einträchtig im selben Tagungssaal in Doha zusammensitzen. Der Sport ist schliesslich apolitisch. So wird sich in diesem Rahmen auch der FIFA-Präsident Gianni Infantino nicht von seinem erklärten Freund und Schlächter im Kreml distanzieren müssen, und die Vorfreude auf die WM-Endrunde im kommenden Winter in Katar wird durch nichts mehr getrübt werden. Die aktuelle Weltlage macht es möglich; auch wenn Italien dann eben an der WM-Endrunde fehlen wird. Ob die Ukraine dabei sein kann, wird sich weisen. Sie hat sich sportlich noch zu bewähren. Sicher wird Russland fehlen. Die Russen erhalten so die Gelegenheit, in dieser Zeit vielleicht parallel zur WM-Endrunde ein Freundschaftsspiel für den Frieden und gegen den Frust – gegen Italien austragen…

Das die Momentaufnahme. Im Zuge des Russland-Feldzuges und der Luftschläge gegen die Ukraine haben u.a. die Sport-Funktionäre mit Gegenwind zu kämpfen. Der FIFA-Präsident muss sich zwar erst im kommenden Jahr zu Wiederwahl stellen. Ob aber demnächst ein Ethikverfahren gegen den Italo-Schweizer wegen seiner Putin-Nähe vorbereitet wird, ist ein gut gehütetes Geheimnis in der FIFA-Zentrale auf dem Zürcher «Sonnenberg». Müsste es eigentlich. Anders sieht es derzeit für einen anderen, allerdings ehemaligen Sport-Funktionär aus der Schweiz aus: René Fasel, der 25 Jahre den Internationalen Eishockey-Verband (IIHF) mit Sitz in Zürich geführt hat. Der unempathische Schwätzer aus dem Freiburgerland sprach nach dem Ausschluss von Russland und Weissrussland für die anstehende Eishockey-WM von einem «traurigen Moment in der IIHF-Geschichte». Diese Unsensibilität hängt wohl mit der (erklärten) Freundschaft des Alt-Funktionärs mit dem Weissrussischen Putin-Steigbügelhalter Alexander Lukaschenko zusammen. Fürwahr, auch hier wiederholt sich die Geschichte. Hinzu kommt das Bonmot: Wer solche Freunde hat, braucht keine Feinde mehr!

FC Chelsea im Oligarchen-Strudel

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(causasportnews / red. / 20. März 2022) Wenn die Engländer etwas unternehmen, dann tun sie es gründlich. Das Vereinigte Königreich macht beispielsweise ziemlich ernst mit dem schillernden russischen Oligarchen Roman Abramowitsch, der zu den erklärten Freunden des russischen Kriegstreibers Wladimir Putin zählt und von dem er sich bis jetzt auch nicht losgesagt hat. So gesehen befindet sich der Russe, der 2003 den Londoner Nobelclub FC Chelsea übernommen hat, in guter, bzw. schlechten Oligarchen-Gesellschaft ausserhalb Russlands. Seit die Sanktionen gegen Russland und gegen die Russen ausserhalb Russlands greifen, gilt Roman Abramowitsch im Westen nicht nur als geächtet, sondern regelrecht als kaltgestellt (auf der Insel hat man wohl zuerst erkannt, dass die Oligarchen im Westen tragende Säulen des aggressiven Russlands sind und deren Ächtung noch Schlimmeres verhindern kann). Mit «seinem» Club FC Chelsea kann der 55jährige Wirtschafts-Strippenzieher aus dem Osten derzeit praktisch nichts mehr, ihn nicht einmal mehr verkaufen. Gemäss Regierungsdekret darf der Club nur noch Minimalbeträge für Spesen ausgeben. Verlängert sich der Krieg Russlands gegen die Ukraine, was zu befürchten ist, könnte der FC Chelsea bald Geschichte sein und im Oligarchen-Strudel versinken.

Allgemein gewahrt die Welt, dass der losgetretene Ukraine-Feldzug nicht nur das satanische Werk eines Einzelnen ist, sondern Russlands Aggression als systemimmanent bezeichnet werden muss. Vom teuflischen Werk eines Individuums also keine Spur. Der «Führer», wie er offiziell auch genannt wird, lässt sich öffentlich von adretten Stewardessen und in Sportstadien vom Volk feiern. Das hatten wir doch alles schon vor rund 80 Jahren. Damals verlief der Angriff auf rechtschaffene Völker und friedlich Nationen von Westen nach Osten, nun von Osten nach Westen. Die Ausgangslage heute ist identisch mit derjenigen in den Jahren 1939 ff., die Art der Kriegsführung ebenfalls. Der russische Krieg wird vor allem durch das Oligarchen-System in der westlichen Welt begünstigt. Einem der schlimmsten dieser Zeitgenossen, eben Roman Abramowitsch, geht es nun an den Kragen. Jedenfalls ist es ziemlich schwierig geworden mit den vermögenden Russen im Westen, von denen man nicht so genau weiss, wie sie zu Multi-Milliardären werden konnten. Diese wurden seit Jahren sekundiert von dubiosen Anwälten, Treuhändern, Unternehmensberatern und Claqueuren, vor allem auch in der Schweiz. Diese waren und sind ebenfalls Teil eines umfassenden Netzwerkes in der Politik, in der Wirtschaft und in der Gesellschaft. Beim FC Chelsea-Beherrscher ist dennoch der Versuch misslungen, sich in der Schweiz zu etablieren – trotz der Unterstützung willfähriger Anwälte, die teils zugleich im Umfeld des professionellen Fussballs und für den Weltfussballverband FIFA tätig sind; zumindest in einem Fall ist dies belegt. Wenn sogar die Schweiz einen Oligarchen wegweist bzw. ihn nicht aufnimmt, und in ihm ein Reputationsrisiko erkennt, muss alles noch viel schlimmer als angenommen sein.

Apropos FIFA: Der Weltfussballverband FIFA hat soeben, untermalt von Schalmeienklängen, kommuniziert, Sachspenden für Ukrainische Kriegsopfer zur Verfügung stellen zu wollen. Verbandsmaterial soll es sein; wahrscheinlich gehören auch ein paar Bälle dazu, mit denen sich in den zerbombten Städten trefflich spielen lässt. Gianni Infantino, der sich bis jetzt auch nicht von seinem Freund im Kreml losgesagt hat, musste ein opportunistisches Zeichen setzen. Immerhin findet Ende Monat der FIFA-Kongress in … Doha statt. Mit dabei natürlich das FIFA-Mitglied Russischer Verband, das gegen die Lieferung von Verbandsmaterial aus der FIFA-Zentrale kaum etwas einwenden wird. Mit Geld wäre der FIFA-Familienfrieden wohl nachhaltig gestört worden.

Apropos Doha: Dort ist im Moment der Deutsche Vize-Kanzler Robert Habeck (Grüne) tätig, mit dem Ziel, Gas für Deutschland für den nächsten Winter zu erbetteln. In der Not frisst der Teufel bekannterweise Fliegen. Wetten, dass nun in Deutschland sofort alle Stimmen gegen die Fussball-WM-Endrunde in Katar verstummen? Wie würde es Bertold Brecht einschätzen? Eben zuerst das Fressen, dann die Moral…

In der derzeitig weltweit chaotischen Situation, in der sich der Russland-Krieg immer mehr zur globalen Auseinandersetzung zwischen Ost (Russland, China) und West ausweitet, kommt eine Meldung aus Lausanne nicht überraschend: Der Internationale Sport-Schiedsgerichtshof (TAS) hat einen Einspruch des Verbandes Russlands abgelehnt und den Ausschluss der Russen von den Qualifikationsspielen für die WM-Endrunde in Katar bestätigt. Somit steht Polen in der zweiten Playoff-Phase und spielt dann gegen den Sieger aus der Partie Schweden gegen Tschechien.

Hat Gianni Infantino oder hat er nicht?

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(causasportnews / red. / 19. Januar 2022) Kaum hat sich die weltbewegende Affäre um die Welt-Nummer-Eins im Tennis, Novak Djokovic, gelegt, sieht sich der organisierte, mundiale Sport mit einem neuen Aufreger konfrontiert: FIFA-Präsident Gianni Infantino ist umgezogen – nach Katar, ins Land, in dem Ende dieses Jahres die Fussball-WM-Endrunde ausgetragen werden soll! Seit dieser kleine Schritt für einen Menschen, aber ein grosser Schritt für die Menschheit publik geworden ist, herrscht Endzeitstimmung nicht nur im Sport. Der Nachfolger des legendären Langzeit-FIFA-Präsidenten Joseph Blatter, der 2016 zum höchsten Fussballer der Welt auf den Zürcher «Sonnenberg» katapultiert worden ist, sei nach Doha gezogen jedoch bezahle er weiterhin Steuern in der Schweiz, vermelden die Medien weltweit. Hat er nun seinen Wohnsitz verlegt oder nicht? Das ist die Frage, welche die Massen gerne beantwortet hätten. Sibyllinisch erklärt die Medienstelle der FIFA, Giani Infantino bezahle weiterhin Steuern in der Schweiz; ergo sei er schon wegegezogen, aber…Die Journalisten kennen die Wohnsitzkriterien ebensowenig wie Ihnen der Umstand bekannt ist, dass ein Wohnsitz im formellen Sinn (Art. 23 ZGB) durchaus verlegt werden kann, jedoch eine Quellensteuer zu bezahlen ist, falls in der Schweiz ein Erwerbseinkommen generiert wird. Wegen irgendwelchen Geheimnissen verweigern (natürlich) die Behörden die Antwort auf die Frage, ob sich der FIFA-Präsident in der Schweiz abgemeldet und neu in Doha formell Wohnsitz genommen hat.

Am wahrscheinlichsten ist es, dass der 51jährige Walliser aus Brig, der kaum eine Gelegenheit auslässt, um seine Sympathiewerte immer mehr gegen null sinken zu lassen, an die Wärme gezogen ist, um mehr Zeit mit der Familie zu verbringen. Wichtig ist es selbstverständlich, dass der FIFA-Präsident im Vorfeld der WM-Endrunde dieses Jahres vor Ort Flagge zeigen will. Das ist an sich nichts neues, scharwenzelte der ungeliebte Funktionär doch schon vor der WM-Endrunde 2018 regelmässig um den russischen Regenten Wladimir Putin herum. Das Interesse an Russland und an Wladimir Putin hat nach Abschluss der WM-Endrunde dann allerdings schlagartig abgenommen. Das wird dann wohl auch Ende Dezember in Katar so sein, obwohl Gianni Infantino alles versucht, um im umstrittenen Kleinstaat auch nachhaltig Fuss zu fassen. Pecunia non olet. Eigentlich ist Gianni Infantions private Dislokation etwa so wichtig wie das Fahrrad, das in Peking umfällt. Besorgte Mitmenschen des Wallisers sehen im bekannt gewordenen Schritt des Spitzen-Funktionärs allerdings auch die Gefahr, dass nun der Sitz des Weltfussballverbandes FIFA, ein Verein gemäss Art. 60 ff. ZGB, von Zürich nach Doha verlegt werden könnte. Das befürchtet jedenfalls Joseph Blatter («offenbar fühlt sich Gianni Infantino in der Schweiz nicht wohl»), der allerdings auch Monaco und die USA als neue, mögliche  Sitzvarianten für den Weltverband ins Spiel bringt. Viele Menschen wären allerdings nicht stark betrübt, falls die FIFA, die für die Schweiz aus diversen Gründen immer problematischer wird, das Land verlassen würde. So meinte der Mitte-Politiker Gerhard Pfister zum Thema, der nach Doha ziehende FIFA-Präsident solle den Verband auch gleich mitnehmen.

Der aktuell gewordene Aufreger lässt Raum für Vermutungen dergestalt, was eigentlich der FIFA-Präsident den ganzen Tag so treibe. Zwar will sich der nicht gerade als Arbeitstier bekannte Top-Funktionär auch künftig ab und zu wieder in Zürich sehen lassen. Was er anlässlich dieser Gelegenheiten auf dem «Sonnenberg» macht, ist wohl sein Geheimnis. Der Verband FIFA als globaler Sport-Konzern ist zweifelsfrei ein Selbstläufer, der funktioniert, ungeachtet des Umstandes, ob ein Präsident auch noch irgendwie mitwirkt oder nicht. Das manifestiert auch der Umstand, dass Gianni Infantino seit seinem Amtsantritt vor genau sechs Jahren bisher rein gar nichts erreicht hat und einfach im Funktionärs-Haifischbecken vor allem als hervorragender Mit-Schwimmer eine gute Figur abgibt. Vor allem hat er insbesondere aus persönlichem Machterhaltungstrieb den Weltverband wieder in die schlechten, alten Zeiten zurückgeworfen. In der FIFA ist es etwa so wie bei den Grossbanken, bei denen die obersten Chefs auswechselbar sind wie Glühbirnen, was gerade aktuell dem geschassten Verwaltungsrats-Präsidenten der Credit Suisse, dem Iberische Julio Iglesisas-Verschnitt Antonio Horta-Osorio, widerfahren ist, eine absolute Fehlbesetzung in der zweitgrössten Schweizer Bank, an der – horribile est dictu – exakt Katar eine Beteiligung hält! PS: Julio Iglesias war auch einmal Fussballspieler.

Was die Aufgaben des FIFA-Präsidenten sind, kann und muss in Art. 35 der FIFA-Statuten nachgelesen werden: Der Präsident vertritt die FIFA im Allgemeinen und ist bestrebt, ein positives Image des Verbandes zu verbreiten. Er hat die Werte der FIFA zu schützen und innerhalb des Sports und mit politischen Instanzen und internationalen Organisationen gute Beziehungen zu pflegen.- Fürwahr, für die Erfüllung dieser Aufgaben bildet Katar das ideale Terrain für den FIFA-Präsidenten.

Führung durch Integration im FC Bayern München

Auszug aus der E-Mail des FC Bayern München eV vom 1. Dezember 2021 an seine Mitglieder

(causasportnews / red. / 3. Dezember 2021) Noch hat sich der Pulverdampf nach der denkwürdigen Jahreshauptversammlung des FC Bayern München vor einer Woche nicht verzogen, und noch immer versuchen die Verantwortlichen des Münchner Nobel-Klubs, die Folgen des Versammlungs- und Kommunikationsdesasters vom 25. November 2021 zu glätten (causasportnews vom 26. November 2021). Hat das Management beim Thema «zukünftiges Qatar Airways-Sponsoring» an der Zusammenkunft der Vereinsmitglieder noch gebockt und das Thema des Sponsoring-Vertrags des FC Bayern München mit der Airline Katars abgewimmelt, was einen Mitglieder- und Fan-Aufstand provozierte, sind nun aus dem Umfeld des Klubs, bzw. seitens der Klub-Führung, plötzlich versöhnliche Töne zu vernehmen. Die beigezogenen Kommunikations-Spezialisten haben offenbar auf die Gefahren der Gesprächs- und Behandlungs-Verweigerung anlässlich der Versammlung hingewiesen und insbesondere die Unglücksraben des Abends, Herbert Hainer (Präsident) und Oliver Kahn (Vorstandsvorsitzender) diesbezüglich sensibilisiert, dass Sportfunktionärs-Ämter nicht gleichzusetzen sind mit Führungsaufgaben in konventionellen Wirtschaftsunternehmen (Herbert Hainer bei «adidas») und Torhüter-Aktivitäten (eine angestammte Verhinderungs-Arbeit; Oliver Kahn). Haben die beiden Akteure im Bayern-Management den Antrag des Vereins-Mitglieds und Juristen Michael Ott in der Vereinsversammlung aus Kompetenzgründen noch schnöde abgebügelt, ist nun Harmonie in der «Bayern-Familie» angesagt. Beobachter reiben sich nicht wahnsinnig überrascht die Augen, dass nun durch die Klub-Exponenten öffentlich Abbitte geleistet wird (BILD-Zeitung: «Bayern Bosse geben Fehler zu» – nota bene ohne Ausrufezeichen). Den militantesten Mitgliedern, denen man die Diskussions-Bühne versagt hat, sollen nun in den «Vorgang Qatar Airways – Sponsoring» eingebunden werden. Dies gilt auch für den Antragsteller Michael Ott, der zuvor zweimal vor Gericht mit Eilanträgen in München gescheitert war. Damit wird in München ein alter Kommunikations-Lehrsatz aus der Mottenkiste des Krisenmanagements hervorgeklaubt: Mache Deine Feinde zu Weggefährten, in dem Du sie einbindest! Dass dies das Bayern-Top-Management vor und während der Hauptversammlung nicht realisiert hat, dürfte insbesondere mit (fehlender) Empathie und mangelnden Sensorien zusammenhängen. Ein cleverer Versammlungsleiter hätte den «Qatar-Deal» auch in irgendeiner Form behandelt, allenfalls konsultativ, und nicht in Versammlungs-Formalismus gemacht, auch wenn die von Michael Ott erwirkten Anträge von den angerufenen Gerichten abgelehnt wurden. Nach der Tat hält man oft auch an der Säbener Strasse in München Rat. Offiziell lässt der Klub jetzt verlauten, man wolle «miteinander einen Weg finden» und «wir haben Kontakt mit denen aufgenommen, deren Wortmeldungen nicht mehr berücksichtigt wurden». Die Lehre aus der Geschichte: Ist das Kind im Brunnen, gilt es vor allem, den Brunnen trocken zu legen…

Kein sportlicher Ausweg aus dem «Katar-Dilemma»

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(causasportnews / red. / 17. November 2021) Das war zu erwarten: Nach der überzeugenden, direkten Qualifikation der Schweizer Nationalmannschaft für die Fussball-WM-Endrunde in rund einem Jahr in Katar gehen die Emotionen hoch. Nicht primär, was das Sportliche betrifft, aber natürlich auch deswegen. Der souveräne Sieg der Schweizer gegen Bulgarien hat vor allem den sportlichen Ausweg aus dem «Katar-Dilemma» verbaut. Hätte Europameister Italien die Direkt-Qualifikation geschafft, wäre der Schweiz die nun moralisch aufgeladene Diskussion bezüglich eines Boykotts der WM-Endrunde im Winter in der Wüste erspart geblieben (vgl. auch causasportnews vom 15. November 2021).  Katar bietet vor allem den Linken die Gelegenheit, mit dem Klassenkampf-Vokabular die Moralkeule zu schwingen. Nach der erfolgreichen Qualifikation branden nun die Forderungen nach einem Boykott der WM-Endrunde durch die Schweiz durch das Land. Weshalb erst jetzt? Hätten die nun fordernden Stimmen nicht schon ertönen sollen, als sich die Schweiz der Qualifikation für das Turnier vor Weihnachten im kommenden Jahr stellte? Weshalb eine Qualifikation durchspielen und erst nach dem sportlichen Erfolg einen Boykott fordern? Nun, die Thematik ist eben nicht nur ethisch, sondern politisch aufgeladen. Besonders aktiv mit ihren Forderungen sind die helvetischen Jung-Sozialisten (Jusos), die sich stets auf der ethisch richtigen Seite wähnen und nun dem ausbeuterischen WM-Treiben im Wüsten-Staat mit Klassenkampf-Parolen ein Ende bereiten wollen, eben mit einem Boykott. Das Thema hätte, wenn schon, vor Beginn der Qualifikationsphase auf’s Tapet gehört. Bei der WM-Endrunde in Russland blieben die Proteste der Jusos sinnigerweise stumm; im Reiche Wladimir Putins sind schliesslich die Gesinnungsgenossen der Jusos am Ruder. Nicht nur im Sport ist der «Boykott» (der Begriff geht auf den Irländer Charles Boycott zurück, ein Gutsherr, der im 19. Jahrhundert sein Personal schändlich behandelte und auf diese Weise eine adäquate Gegenreaktion der Geknechteten provozierte, indem niemand mehr für ihn arbeiten wollte) eine unsinnige Waffe, mit der vor allem die Unschuldigen getroffen werden. Apropos (Nord-)Irland: Hätten die Nord-Irländer im letzten Qualifikations-Spiel nicht tapfer dagegen gehalten, wäre Europameister Italien in der Direkt-Ausmarchung für Katar wohl durchmarschiert. So bleibt der Schweiz nun mit Blick auf die WM-Endrunde in Katar das moralische Dilemma der mutigen Nicht-Teilnahme am wichtigsten Sportanlass der Welt erhalten, das sportliche wurde auf den Fussballplätzen von Luzern (Schweiz gegen Bulgarien, 4:0) und Belfast (Nord-Irland gegen Italien, 0:0) ausgeschaltet.

Trotz der heftig gewordenen Proteste gegen Katar und den erhobenen Boykott-Forderungen ist es evident, dass die Schweizer Nationalmannschaft in einem Jahr in Katar spielen wird. Auch der politische Ausweg aus dem «Katar-Dilemma» ist faktisch verbaut. Die Jusos werden dann wohl kaum vor Ort dabei sein, in der Schweiz jedoch vor den TV-Schirmen sitzen. Sie sind bekanntlich konsequent in den Forderungen, aber eher lau im Verhalten. Sie schauen schliesslich auch die Spiele der Champions League an, wenn der Katar-Klub FC Paris Saint-Germain immer wieder versucht, diesen prestigeträchtigen Wettbewerb im europäischen Fussball endlich zu gewinnen. Boykott-Forderungen greifen eben nie, wenn sie im falschen Moment von den falschen Personen erhoben werden.