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Mehr „Recht + Sport“ statt Sport

(causasportnewss / red. / 20. Juni 2019) Der Sport-Medienkonsument stellt derzeit fest, dass das Thema „Recht + Sport“ die Szenerie mehr beherrscht als der Sport selber, obwohl etwa die Fussball-WM der Frauen in Frankreich ein dominierendes Element der Sportberichterstattung abgeben sollte. Aber der Funken i.S. Frauenfussball will nicht so richtig springen. In Deutschland sollte das ATP-Turnier in Halle die Menschen fesseln, in der Schweiz sollte die Tour de Suisse Menschenmassen mobilisieren. Diese Sportanlässe stossen aber nur auf geringe und nur insoweit auf Resonanz, als die Medien sich diesbezüglich teilweise mit der Vermittlung von Resultaten begnügen. Dass Mats Hummels zu Borussia Dortmund zurückkehr, ist der „Neuen Zürcher Zeitung“ fast eine ganze Seite wert. Das sagt eigentlich alles aus über die aktuellen Gewichtungen in der Sport-Berichterstattung.

Anders eben, wenn es um Recht im Zusammenhang mit Sport geht. Seit Tagen werden die Vorgänge in der Schweizerischen Bundesanwaltschaft im Zusammenhang mit den internationalen Sportverbänden, insbesondere der FIFA in Zürich, debattiert und kommentiert (vgl. auch causasportnews vom 19. Juni 2019). Und nun reichert ein weiterer Protagonist des internationalen Fussballs die Palette rechtlicher Vorgänge im Sport an: Michel Platini, der ehemalige Star-Fussballspieler und langjährige Sport-Funktionär, ist von seiner Vergangenheit eingeholt worden. Er soll massgeblich verantwortlich dafür sein, dass die Fussball-WM-Endrunde der Männer (!) 2022 in Katar auf zumindest unlautere Art und Weise zustande gekommen sein soll. Von „aktiver“ und „passiver“ Bestechung ist die Rede, und zu diesem Thema ist Michel Platini soeben ausgiebig von der französischen Polizei als Zeuge befragt worden. Dieser Umstand hat die Medien bewogen, den gesamten Rahmen der WM-Vergaben an Katar und an Russland (2018) ausgiebig abzustecken. Nüchtern betrachtet war die nun erfolgte Befragung des damaligen Kandidaten für die Nachfolge des FIFA-Präsidenten Joseph Blatter nur eine Bagatelle. Im weitesten Sinne ging es um ein gemütliches Essen im Elysée-Palast kurz vor den besagten WM-Endrunden-Vergaben, in Anwesenheit des damaligen Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy und Vertretern aus Katar. Niemand glaubt allerdings noch ernsthaft daran, dass bald einmal Licht ins Dunkel der Zweifach-Vergabe der WM-Endrunden 2018 und 2019 am 2. Dezember 2010 in Zürich dringen könnte. Auch der Umstand, dass die Katari nur kurz nach der Vergabe, bei der Michel Platini mit seinen europäischen Funktionärs-Kollegen das Zünglein an der Waage spielte, mit Brimborium und wirtschaftlicher Potenz beim heutigen Top-Klub Paris Saint-Germain einstiegen, war selbstverständlich nur ein Zufall. Trotz dieser Umstände dürfte das Thema Recht im Sport die Medien und die Öffentlichkeit noch eine zeitlang beschäftigen. Es gibt in diesem Zusammenhang bekanntlich noch ein paar juristische Spielwiesen.

PS: Die von der FIFA verhängte Sperre gegen Michel Platini endet in diesem Herbst…