Das autonome Leben in der IOK-Parallelwelt

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(causasportnews / red. / 22. März) Die Zahl der Infizierten und Toten im Zuge der „Corona“-Pandemie schnellt regelrecht in die Höhe. Europa befindet sich im Katastrophen-Modus. In diesem regelrechten Bürgerkrieg der Moderne, in dem der Mitmensch der ärgste Feind seines Nächsten (geworden) ist, geht es um Überleben. Und es ist realistischerweise nicht davon auszugehen, dass der Spuk bald vorüber sein wird. Nicht überall ist es offenbar, trotz Horror-Todeszahlen, angekommen, dass es jetzt um Leben und Tod geht und alle Menschen krass gefährdet sind. Die Behörden sehen sich veranlasst, undisziplinierte junge Ignoranten und alte Querulanten zur Räson zu bringen. Teils mit mässigem Erfolg. Noch immer wird nicht überall gewahr, dass das unsichtbare Virus eben doch eine äusserst reale Gefahr bildet und sich die Menschheit in einer unkriegerischen Auseinandersetzung im Sinne des „homo homini lupus“-Grundsatzes befindet: Der Nächst ist zum unbekannten Feind, von dem man sich fernhalten muss, geworden.

Wie in jedem Krieg gibt es auch in dieser Katastrophe mit nicht wahrnehmbaren Gegnern Exzesse zu Hauf – eben auch im Sport oder im sportlichen Umfeld, nachdem der aktive Sport zwischenzeitlich vollends zum Erliegen gekommen ist. So kündigte ein Fussballpräsident im Schweizer Kanton Wallis die befristeten Arbeitsverträge der Professional-Fussballspieler ausserordentlicherweise aus „wichtigem Grund“ (falls ein solcher Grund effektiv vorliegt, was konkret selbstverständlich nicht der Fall ist, kann grundsätzlich jedes, auch befristete Vertragsverhältnis per sofort aufgelöst werden). Ein geradezu perverse Aktion des Sport-Funktionärs unter schamloser Ausnützung der Situation, die wohl in Deutschland als Verstoss gegen das Grundgesetz, Art. 1 („Die Würde des Menschen ist unantastbar“), qualifiziert würde. Der betreffende Mann ist allerdings seit Jahren immer wieder durch menschenverachtende Aktionen aufgefallen und gehört, quasi als „Wiederholungstäter, längst aus dem organisierten Fussball verbannt.

Geradezu zumindest abwegig, wenn auch in anderer Hinsicht, verhält sich das Internationale Olympische Komitee (IOK), ein Verein im Sinne der Art. 60 ff. des Zivilgesetzbuches (ZGB) mit natürlichen, durchwegs älteren Menschen als Mitglieder. Für die Fussballer Europas war es an sich klar, und dies wurde entsprechend auch vor einigen Tagen beschlossen, dass die im Sommer vorgesehene Fussball-Europameisterschaft an 12 Standorten wegen „Corona“ nicht durchgeführt würde. Anders das IOK: Der greise Herrenklub in Lausanne hält nach wie vor an der Austragung der Olympischen Sommerspiele vom 24. Juli bis 9. August in Tokio unabrückbar fest. Diese Haltung hat Tradition: Bisher fielen Olympische Spiel nur kriegerischen Ereignissen zum Opfer. Nun herrscht allerdings ein derartiger Zustand, an der Erkenntnis hierfür mangelt es offensichtlich (noch) in der Westschweizer Metropole. Dass sich die an Olympia teilnehmenden Athletinnen und Athleten teils unter Wettkampfbedingungen auf diesen Grossanlass vorbereiten müssten, ist den Gralshütern des Weltsportes offenbar so unbekannt wie die anderen Parameter, die mit Blick auf derartige Wettkämpfe berücksichtigt werden müssten, jedoch ignoriert werden. Das IOK lebt und wirkt fernab der Realitäten in einer eigenen Welt mit eigenen Gesetzmässigkeiten. Eine Parallelwelt, die demnächst dennoch von der Wirklichkeit in den Hintergrund gedrängt werden dürfte. Mit dem praktizierten Slogan „Ist der Ruf erst ruiniert, lebt es sich in der IOK-Parallelwelt ungeniert“, würde dann diese vom IOK ebenfalls hoch gehaltene Imagination zur Realität. Frustrierend an der Sache ist, dass die IOK-Oberen diese Welt als authentisch betrachten…

Der aktive Sport im „Ruhe-Modus“

(causasportnews / red. / 17. März 2020) Nach den rigorosen Anordnungen der Regierungen in ganz Europa gegen die weitere Ausbreitung des „Coronavirus“ befindet sich auch der Sport gezwungenermassen im „Ruhe-Modus“. Die (letzten) Absagen von Sportveranstaltungen jagen sich. Das „Gibraltar open“ der „Snooker“-Spieler ist soeben einigermassen regulär zu Ende gegangen; wenn auch mit wenig Enthusiasmus. Der Sport in der „Neuen Zürcher Zeitung“ („NZZ“) findet nur noch unter der Überschrift „Coronavirus“ statt. Der aktive Sport ist an sich sogar „tot“ und findet höchstens noch im Rahmen der Sportpolitik statt, die einmal mehr beweist, in welcher Parallelwelt Sportfunktionäre leben. Die UEFA eiert seit geraumer Zeit herum und ziert sich mit der Absage der an 12 Austragungsorten stattfindenden Fussball-Europameisterschaft 2020, die selbstverständlich vom 12. Juni bis zum 12. Juli 2020 nicht stattfinden wird. Schlimmer liegen die Verhältnisse nur noch beim Internationalen Olympischen Komitee (IOK), welches sich aus dilettantischen und wohl vor allem aus pekuniären Gründen nicht dazu durchringen kann, für klare Verhältnisse zu sorgen und die Olympischen Sommerspiele vom 24. Juli bis 9. August in Tokio bisher nicht abgesagt hat. Fleissig agiert hingegen der Weltfussballverband FIFA, dieses Jahr glücklicherweise ohne Turniere und Wettbewerbe (mit Ausnahme der kaum jemanden interessierenden Klub-WM im Dezember), und sagt Sitzungen und Versammlungen kontinuierlich ab. Das Meeting des FIFA-Rates Ende dieser Woche ist ebenso verschoben wie die Vereinsversammlung der FIFA, die am 5. Juni in Addis Abeba hätte stattfinden sollen. Der sog. „Kongress“ ist nun auf den 18. September verschoben worden. Diese Annullation von (noch weiteren) Sitzungen im Rahmen der FIFA hat auch eine gute Seite: Der ungeliebte FIFA-Präsident Gianni Infantino profitiert von abgesagten Sitzungen und Versammlungen. Keine Zusammenkünfte – keine für ihn ungelegenen oder gefährlichen Beschlüsse. Besser kann der Machterhalt für ihn im Moment gar nicht funktionieren.

In der aktuell schwierigen Situation macht der Sport nicht durchwegs eine gute Figur, auch etwa der Breitensport nicht. Trotz Anordnung der Schweizer Regierung am vergangenen Freitag, dass alle Wintersportorte ihre Betriebe einstellen müssten, foutierten sich einige Wintersportstationen, vor allem in der Innerschweiz, um diese angeordnete Massnahme. Es war auch eine Art Ohnmacht der Regierung vor den faktischen Verhältnissen. Das renitente Verhalten der Innerschweizer mag auch damit zusammenhängen, dass der Schweizer Bundesrat bei der Bewältigung dieser Krise vor allem aufgrund von zu spät erfolgten Anordnungen und fehlender „Leadership“ ein tristes Bild abgibt und deshalb der Respekt der Bevölkerung ihm gegenüber an einem kleinen Ort zu orten ist. Es kommt hinzu, dass nun die Armee die grösste Mobilmachung seit dem 2. Weltkrieg erlebt und nun zur Unterstützung der zivilen Einsatzkräfte eingesetzt wird – angeordnet vom selben Bundesrat, dessen Mitglieder teils Parteien angehören, die sich seit Jahrzehnten als militante Bekämpfer eben dieser Armee hervorgetan haben! Solches Verhalten ist für eine Landesregierung, in der Tat eine träge Kollegialbehörde, wenig vertrauensbildend. Auch wenn die „NZZ“ alles unternimmt, um die Schweizer Regierung in die Nähe potentieller Heiliger zu rücken. „Der Bundesrat beweist in der Krise Führungsstärke“, schrieb das Blatt am Wochenende auf der Frontseite. Was leider kein Scherz war. Mit rührigen Worten rüffelt der Chefredaktor der „NZZ“ heute das ihm sonst so lieb gewordenen Europa und schaut mit verklärtem Blick in Richtung Bern: Die europäischen Regierungen hätten bei der Bekämpfung des „Coronavirus“ wertvolle Zeit verstreichen lassen, ist von der „alten Tante“ von der Zürcher Falkenstrasse zu vernehmen. Und säuselt: „Erst später greifen sie wie jetzt der Schweizer Bundesrat zu drakonischen Massnahmen“, schreibt der Journalist, der wohl merken musste, dass die von ihm gehätschelte EU vielleicht eher ein Schönwetter-Gebilde ist. Lob der Schuldigen – Tadel der Unschuldigen heisst das Motto jedenfalls bei der „NZZ“. Dass die Schweiz im internationalen Vergleich vom Virus am meisten befallen ist, wird selbstverständlich ausgeblendet. Die Zeitung mit rasant in den Keller sinkenden Auflage (wen wundert’s?) hat es sich wohl auf die Fahne geschrieben, die dem Blatt ergebenen und der so genannten freiheitlichen Partei angehörenden Mitglieder der Landesregierung wenigstens medial zu stärken. „Fake News“, wird das heute genannt; auch deshalb wütet derzeit ein spezieller Mensch im „Weissen Haus“. Und der Beweis ist durch die „NZZ“ erbracht, dass auch der Journalismus nicht nur bei der Beurteilung dieser Krise in einer Parallelwelt agiert. Eine intelligente, sportliche Note setzte hingegen der souverän und effizient wirkende österreichische Bundeskanzler Sebastian Kurz in dieser schwierigen Zeit, in der die Welt praktisch still steht: Er führt sein Land, die Realitäten ausgewogen im Auge behaltend, auch mit einer Portion Optimismus durch das Wellental und versteht es, die notwendige Solidarität im Land zu beschwören. So redet er sportlich mitreissend und überzeugend nicht von Österreicherinnen und Österreichern, sondern vom „Team Österreich“. Plattitüden, wie sie die jetzt regelrecht abgetauchte deutsche Bundeskanzlerin regelmässig von sich gibt, vermeidet er geflissentlich. Politisches Talent im Blut zu haben erleichtert das Regieren eben ungemein.

Besch…Lage

Sebastian Kurz: Die personifizierte „good governance“ (© Raul Mee)

(causasportnews / red. / 15. März 2020) Innerhalb weniger Tage ist das Horror-Szenario globale Realität geworden: Das „Coronavirus“ hat der Welt eine Pandemie beschert, wie sie unser Planet noch kaum jemals in ähnlicher Art und Weise in punkto Intensität und Auswirkungen erlebt hat. In vielen Teilen der Welt, so auch in Europa, legt der unheimliche, unbekannte und nicht wahrnehmbare Gegner das Leben weitgehend lahm. Auch der Sport musste innerhalb weniger Tage definitiv vor den Gegebenheiten kapitulieren und findet aktuell kaum mehr statt. Wenn sich die Deutsche „Bundesliga“, wie jetzt, dem Virus geschlagen gibt, ist die Lage an Dramatik in der Tat nicht mehr zu überbieten. Der Sport hat im Moment für die Menschen jegliche Bedeutung verloren; er ist uninteressant geworden. Die Angst dominiert – verständlicherweise. In den elektronischen Medien ist der Sport kaum mehr ein Thema; in den Gazetten und Magazinen existiert die (aktuelle) Sport-Berichterstattung logischerweise auch nicht mehr. In der „Neuen Zürcher Zeitung“ („NZZ“) wird die Sport-Politik sinnigerweise unter der Kopfzeile „CORONAVIRUS“ abgehandelt. Da die Spalten trotz allem gefüllt werden (müssen), bleibt dennoch Raum für viel Unnützes, Überflüssiges und Peinliches. So kommen etwa neuerdings „Zeitzeugen“ des Sportes zu Wort; diese haben die Medien allerdings nicht gesucht; es ist umgekehrt. Sie verhelfen den Zeitungen über das sportlich-mediale Interregnum hinweg. So etwa die Ski-Trainer-Legende Karl Frehsner, diskussionslos eine grosse Persönlichkeit der Sport-Zeitgeschichte. Offenbar leicht gereizt hat er dazu Hand geboten, dass die „NZZ“ immerhin zwei Interview-Seiten produzieren konnte. Es war ein Interview, das einerseits gezeigt hat, weshalb Karl Frehsner über einen beeindruckenden Erfolgsausweis, dank seiner konsequenten, kompromisslosen Art verfügt; anderseits wird im Interview die Absurdität der Sport-Berichterstattung im Zeitalter von „Corona“ manifest. Als der über 80jährige Österreicher mit Wohnsitz in der Schweiz gefragt wurde, wann er, derzeit immer noch tätig für „Swiss Ski“, in seinem Alter endlich aufhören wolle, sagte er in seiner gradlinigen, schnörkellosen Art das, was auch als Abbild der momentanen Stimmungslage im Zeitalter von „Corona“ gelten kann, knapp und knackig: „Das geht Sie einen Scheissdreck an.“ („NZZ“ vom 11. März 2020).- Dem ist an sich mit Blick auf die derzeitige Lage in der Welt und im Sport nichts mehr hinzuzufügen. Ausser vielleicht das: Auch diese Krise wird vorübergehen – wann, weiss niemand. Und diesbezüglich kommt dem Krisenmanagement in den Ländern (nota bene: Die EU hält sich vornehm zurück) besondere Bedeutung zu: Beeindruckend souverän, sachlich, engagiert, unermüdlich und empathisch händelt die Krise der Landsmann von Karl Frehsner, der Österreichische Bundeskanzler Sebastian Kurz. Er ist omnipräsent auch in der Öffentlichkeit, erklärt permanent angeordnete Massnahmen, übt Demut und äussert sich zudem dankbar gegenüber denjenigen, auf denen alle unsere Hoffnungen mit Blick auf die Krisenbewältigung ruhen. Fürwahr ein Mann, dem nicht nur die eigenen Anhänger/innen vertrauen (können)! Und der auch, im Gegensatz zu anderen Politikern in verschiedensten Ländern, am Wochenende Flagge zeigt. Der erstaunliche, intelligente Jung-Star auf der politischen Bühne ist ein Vorbild etwa für die Deutsche Bundeskanzlerin, die auch in dieser Situation abgetaucht ist. Ganz zu schweigen auch von der Schweizerischen Landesregierung, die auf der ganzen Linie versagt und sich, wie gewohnt, opportunistisch scheut, die richtigen und griffigen Massnahmen anzuordnen, etwa die seit Wochen fällige Grenzschliessung zu Italien im Tessin, eine Massnahme, von der mit Blick auf das Wohl von Grenzgängern abgesehen wird. Derweil sich die Lage in der Schweiz im Vergleich zu den meisten europäischen Ländern täglich zuspitzt, was nicht wundert, weil auch die zu milden Massnahmen der Schweizer Regierung zum Teil nicht einmal durchgesetzt werden. Sie will Gutes tun und erreicht das Gegenteil. Die „NZZ“ beschreibt die Wirklichkeit auch hier so, wie sie sie sehen möchte (und nicht so, wie sie ist), z.B. auf der Frontseite in der aktuellen Wochenendausgabe: „Der Bundesrat beweist in der Krise Führungsstärke“ („NZZ“ vom 14. März 2020) – es darf trotz Krise zwischendurch gelacht werden. „Felix Austria!“ also – und „Quo vadis Deutschland und Schweiz?“, könnte die politische Lage auf den Punkt gebracht werden. „good governance“ ist in Krisensituationen nicht nur Glücksache. Fehlt sie, wird offenkundig, wie eng sie an den Begriff „Fähigkeit“ gekoppelt ist. Ohne Zweifel, die Lage ist besch…, um einigermassen an die Terminologie von Karl Frehsner, dem „Eisernen Karl“ aus dem Skisport, anzuknüpfen. Aber die Menschheit muss hier durch.

Ein Detail neben „Corona“

Trending Topics 2019

(causasportnews / red. / 11. März 2020) Das Virus „Corona“ hat es geschafft, auch in Europa das Leben der Menschen zu beeinflussen und es teils sogar lahmzulegen. Niemand vermag derzeit zu sagen, was die Menschheit in diesem Zusammenhang noch erwartet. Auch der Sport ist von der Epidemie getroffen worden; sie wird ihn nachhaltig prägen. Wo der Sport nicht ganz zum Erliegen gekommen ist, gilt er nicht einmal mehr als „schönste Nebensache“ – von der immer wieder beschworenen „Hauptsache“ ganz zu schweigen. Er befindet sich in einer umfassenden, temporären Agonie. Sport ist üblicherweise mit (Lebens-)Freude, Engagement und Aufbruch verknüpft; im Moment prägen Ängste und schwindende Hoffnungen das tägliche Leben. Die Sportberichterstattung schrumpft immer mehr zusammen. In den Gazetten werden die Spalten mit „Konserven“ und ellenlangen Interviews, die niemanden interessieren, gefüllt; der aktuelle Sport wird mit Füllmaterial kompensiert. Nur in Deutschland scheint das „Bundesliga-Virus“ stärker zu sein als das „Corona-Virus“: Unbeirrt wird der Bundesliga-Spielbetrieb aufrechterhalten, praktisch jedes Stadion ist ausverkauft, als gäbe es die Seuche nicht. Deutschland beweist auch im Zusammenhang mit „Corona“, dass im Land der Dichter, Denker und Biathleten der Faktor „Wirtschaft“ absolute Priorität geniesst. Die Gefahr, die von „Corona“ ausgeht, wird heruntergespielt und, wenn es um die „Bundesliga“ geht, regelrecht ausgeblendet.

Die momentane Sach- und Stimmungslage hat auch gute Seiten. Etwa mit Blick auf den HSV-Stürmer Jatta Bakery, für dessen Historie sich derzeit niemand (mehr) interessiert. Die Geschichte des Fussballstars aus dem mehr als schwierigen Umfeld Gambias war das Öffentlichkeits- und Medienthema im letzten Herbst, als sich Hinweise verdichteten, der bald 22jährige Top-Spieler habe sich als Migrant unter diesem Namen unkorrekterweise in Deutschland registrieren lassen. In Tat und Wahrheit habe er Bakary Daffeh geheissen. Obwohl nach grosser Aufregung das Identitätsgerangel um den Spieler nur noch Nebenschauplätze beherrschte (nämlich das Verbandsrecht sowie die Migrationsbehörden), setze ein Hin und Her um die Identität des in Deutschland unter dem Namen Jatta Bakery geradezu berühmt gewordenen Spielers ein (vgl. dazu auch causasportnews vom 16. und vom 24. September 2019). Die Kardinalfrage blieb lange Zeit aktuell: Ist Jatta Bakery wirklich Jatta Bakery? Oder ist Jatta Bakery Bakary Daffeh? Nun ist die Diskussion um den Identitätskrimi vom letzten Jahr verstummt. Auch „Corona“ sei Dank. Untersuchungen zu diesem Thema sind sowohl seitens der Verbandsjustiz als auch von Behördenseite nicht mehr weiter geführt worden. Auch staatsanwaltschaftliche Ermittlungen wurden bald einmal abgeschlossen. So geht die Sport-Welt davon aus, dass Jatta Bakery eben Jatta Bakery ist. So ganz sicher ist bei dieser Annahme allerdings niemand. Bei Nachfragen bei Verbandsverantwortlichen und den Behörden gilt eindeutig das Prinzip „nichts hören, nichts sehen, nichts sagen“.

Generalversammlungen: Nun regiert die „Lex Corona“

© adfc.sachsen

(causasportnews / red. / 8. März 2020) Das Frühjahr ist in der Schweiz die Zeit der Generalversammlungen. Vor allem im organisierten Sport sind in dieser Periode in den Vereinen und Verbänden die Vereinsversammlungen abzuhalten. In kurzer Zeit hat das grassierende „Coronavirus“ auch in unseren Breitengraden das Leben in allen Bereichen erfasst. Auch das Wirtschaftsleben, das teil gelähmt ist. Noch nie seit Jahrzehnten war es so unnötig, noch eine Zeitung zu lesen, wie derzeit. Die Sportteile der Zeitungen werden mit ellenlangen Geschichten aller Art, die niemanden interessiert, angereichert; das sagt alles über den Zustand des aktuellen Sportes. Wenn nichts geschieht, kann auch über nichts berichtet werden.

Und nun die Generalversammlungen der Verein und Verbände, die sog. „Vereinsversammlungen“ (so in der Schweiz die Vereine und Verbände gemäss Art. 60 ff. des Zivilgesetzbuches, ZGB), die in der Regel im Frühjahr durchgeführt werden sollten. Das Gesetz schreibt zwar nichts vor mit Blick auf den Abhaltungszeitpunkt mit Bezug auf diese Versammlungen, doch sehen die Vereins- oder Verbandsstatuten in der Regel Zeiträume vor, in denen die Versammlung des obersten Organes dieser juristischen Person (Art. 64 Abs. 1 ZGB) abzuhalten sind. Die Statuten, auch Satzungen genannt, geben hierauf meistens eine Antwort (die Einberufung der ordentlichen Vereinsversammlung erfolgt nach statutarischen Bestimmungen; ausserordentliche Vereinsversammlungen sind einzuberufen, wenn ein Fünftel der Vereinsmitglieder dieses Begehren stellt, so sieht es das Gesetz vor, Art. 64 Abs. 3 ZGB). Wie präsentiert sich nun die Rechtslage, wenn jetzt eine Vereinsversammlung abgehalten werden sollte, die Anordnungen der Behörden dies aber verunmöglichen oder erschweren? Es besteht selbstverständlich weder eine Veranlassung noch eine rechtliche Pflicht, Vereinsversammlungen um jeden Preis und mit Risiko durchzuführen. Im Moment prävaliert im Verhältnis zum Satzungsrecht ganz klar die „Lex Corona“. Vereins- und Verbandsversammlungen (allenfalls Delegiertenversammlungen) können in jedem Fall verschoben und (erst) dann durchgeführt werden, sobald es die Umstände (etwa die Lage mit Bezug auf das „Coronavirus“) zulassen. Auch wenn die Statuten des Vereins oder Verbandes etwas anderes vorsehen: Solche terminlichen Vorgaben sind insbesondere aufgrund der epidemischen, ausserordentlichen Lage als Ordnungs- und nicht etwa als Gültigkeitsvorschriften zu qualifizieren. Einer Anfechtungsklage zufolge Verletzung statutarischer Vorschriften (Art. 75 ZGB) wäre kein Erfolg beschieden (vgl. hierzu allgemein: Urs Scherrer / Rafael Brägger, in: Basler Kommentar, Zivilgesetzbuch I, 2018, Rz. 19 ff.). Keine Chance hätte eine Klage, z.B. eines Vereinsmitgliedes, auf Einberufung einer Versammlung, falls der Vorstand (oder ein anderes, zuständige Einberufungsgremium) wegen der gefährlichen Lage auf die Einberufung der Versammlung verzichtet.

Die Verschiebungsmöglichkeit für Generalversammlungen gilt übrigens auch für Kapitalgesellschaften, etwa die Aktiengesellschaft gemäss Art. 620 ff. des Schweizerischen Obligationenrechtes, OR; solche Gesellschaften existieren im organisierten, professionellen Sport zuhauf (z.B. die Fussball-Aktiengesellschaften). Die Einberufungsfrist im Aktienrecht ist ebenfalls eine Ordnungsvorschrift (Art. 699 OR).

Bei nüchterner Betrachtung spielt es durchwegs auch kein grosse Rolle, wann genau Generalversammlungen abgehalten werden. So sind anlässlich von Generalversammlungen, vor allem grosser Publikumsgesellschaften, kaum je entscheidend Weichen für das betreffende Unternehmen gestellt worden. Sie sind längst zum gesellschaftlichen Event verkommen, und deshalb gesellschaftsrechtlich in ihrer Bedeutung auch entsprechend relativiert zu betrachten. Weshalb im Moment von einigen Seiten Bestrebungen im Gange sind, Generalversammlungen trotz „Coronavirus“ dennoch durchzudrücken, liegt auf der Hand: Von diesen Zusammenkünften, vor allem im Rahmen grosser Gesellschaften, leben ganze Wirtschaftszweige (Treuhänder, Unternehmensberater, Anwälte, Event-Organisatoren). Die Aktionäre einer Gesellschaft haben vor allem deswegen ein Interesse an der Durchführung der Generalversammlung, weil dann über die Höhe von Dividenden befunden wird – oder werden muss; sonst wird nicht ausbezahlt.

(Mehr zu diesem Thema in der nächsten Ausgabe von „Causa Sport“, http://www.causasport.org)

„Geisterspiele“ – faktisch und formell…

© Ben Taylor

(causasportnews / red. / 5. März 2020) Die Folgen der globalen Verbreitung des Coronavirus ist ernst zu nehmen, ebenso die Ängste der Menschen über die unheimliche Entwicklung in dieser „Causa Virus“. Das Thema lähmt und verändert das tägliche Leben und führt auch zu aufgezwungenem Verzicht in etlichen Lebensbereichen. Wie bereits mehrfach dargelegt, ist auch der Sport massiv von dieser Epidemie, die zwischenzeitlich die Ausmasse einer Pandemie angenommen hat, betroffen. Vor allem in der Schweiz ist der Versuch unternommen worden, etwa Eishockeyspiele unter Ausschluss von Publikum durchzuführen – ein unbefriedigendes Unterfangen, wie es sich gezeigt hat. Anfangs hat die Professional-Liga der Fussballakteure in der Schweiz, die „Swiss Football League“, deren Spielbetrieb bis auf weiteres unterbrochen ist, das weitere Vorgehen bezüglich der an sich laufenden, nationalen Meisterschaft 2019/20 beraten. Und dabei soll, trotz der tristen Lage, auch das humorvolle Element nicht zu kurz gekommen sein. Im Fokus einer erheiternden Geschichte steht der Traditions-Fussball-Klub Grasshopper Zürich (GCZ; vgl. auch causasportnews vom 23. Februar 2020). Wegen des seit jeher bescheidenen Zuschauerzuspruchs bei Heimspielen der derzeit in den Niederungen der zweithöchsten Spielklasse herumdümpelnden „Hoppers“ im berühmten „Letzigrund“-Stadion kursierte lange folgende Frage mit entsprechender Antwort: Frage: Was ist der Unterschied zwischen GCZ und dem Stadtrivalen FC Zürich (FCZ), der in der Zürcher Bevölkerung immer noch fest verankert ist? Antwort: Beim FCZ kennt jeder Zuschauer jeden Spieler, bei GCZ jeder Spieler jeden Zuschauer.- So verwunderte es nicht, dass der zwar ernst gemeinte Vorschlag von GCZ anlässlich der Ligaversammlung vor ein paar Tagen trotz der alarmierenden Lage für Erheiterung sorgte. Relativ einsam stand der aktuelle GCZ-Präsident, ein relativ unbedarfter Rechtsanwalt, da, als er, in der Tat ernst gemeint, der Liga den Vorschlag unterbreitete, die Meisterschaft weiter durchzuführen, allerdings unter Ausschluss von Zuschauern. Diesen „Geisterspielen“ und dem Vorschlag des GCZ erteilte die Liga eine einhellige Abfuhr. Das veranlasste GCZ-Konkurrenten zur Aussage, dass mit „Geisterspielen“ die bei GCZ übliche Situation beim Rekordmeister lediglich zur Norm geworden wäre. Das erinnerte an das Votum eines früheren Hoppers-Präsidenten, ebenfalls ein Rechtsanwalt ohne Berührungsängste zum Sport, man solle wegen der hohen Kosten zur Bekämpfung von Fan-Exzessen Spiele aus Gründen der Kostenersparnis doch bitte unter Ausschluss von Fans durchführen. Humor ist eben auch im Sport, wenn man trotzdem lacht! Und zur Klarstellung: Juristen denken trotz allem oft richtig…

Parallelwelten (auch) im nationalen Sport

(causasportnews / red. / 3. März 2020) In welcher Welt der Parallel-Welten wir leben, belegten die Informationssendungen der öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten in der Schweiz und in Deutschland am vergangenen Sonntagabend. Zuerst die „Tagesschau“ des Schweizer Fernsehens: Das „Coronavirus“ war das dominierende Thema dieser Ausgabe. Nicht, wie sonst üblich, fehlte in der stark beachteten Informationssendung der „Sportblock“ zum Sonntagabend. Kein Wunder, zum Wochenende hatte die Schweizer Regierung die Durchführung grösserer Sportveranstaltungen, insbesondere in den Disziplinen Fussball und Eishockey, zur Vermeidung von Ansteckungen verboten (vgl. auch causasportnews vom 28. Februar 2020)  – die Eishockeyaner trugen „Geisterspiele“ aus, also Matches ohne Zuschauer (faktisch entspricht das vor allem in der serbelnden Challenge League der Swiss Football League der dort herrschenden Usanz, weil die Spiele durchwegs so oder so unter Zuschauerschwund leiden). Dann kurz darauf die „ARD“: Für die „Tagesschau“ im „Ersten“ war das Virus schlicht kein Thema. Umsomehr aber der Sport, vor allem die „Bundesliga“, die ausgetragen wurde, wie wenn es das „Coronavirus“ nicht geben würde. Der Fernsehkonsument rieb sich verwundert die Augen: Ist das global wütende Virus in der Schweiz wirklich weit gefährlicher als in Deutschland? Und sind Zehntausende in den Stadien in Deutschland weniger der Ansteckungsgefahr ausgesetzt als die wenigen tausend Zuschauer auf helvetischen Fussballplätzen? Offenbar spielte der sonst vor allem von der Schweizer Regierung in allen Fragen des täglichen Lebens geförderte internationale Austausch in dieser Situation überhaupt nicht. Vielleicht entspricht er auch nicht der Notwendigkeit. Es sind wohl einfach Parallelwelten in einer Welt der Parallelwelten im Allgemeinen.

Aus einem anderen Grund hätte man sich allerdings gewünscht, die „Bundesliga“ hätte am vergangenen Wochenende ebenfalls Pause gemacht. In mehreren Stadien wurde das Feindbild des kommerziellen Fussballs in Deutschland ins Visier genommen: Dietmar Hopp, der Mäzen des TSG Hoffenheim. Konsterniert musste zur Kenntnis genommen werden, dass der seit geraumer Zeit in der Öffentlichkeit angefeindete Milliardär gleichsam zum Abschuss freigegeben worden ist. Todesdrohungen und Aufforderungen zur Gewalt gegen den bald 80jährigen Unternehmer kamen vor allem in einer bisher nicht erlebten Form von „Fan“-Seiten. Dabei hat der Mann nichts gemacht, ausser seit Jahren den Sport grosszügig finanziert; und er versteckt sich nicht. „Kreuzigt ihn“, hätte es vor rund zweitausend Jahren wohl geheissen. Dietmar Hopp gilt als Inbegriff des kapitalistischen Sportes, weshalb ihm auch Neid und Missgunst entgegen schlagen. Doch was in den Stadien seitens der „Fans“ aufgeführt wurde, geht überhaupt nicht. Da nützen auch Solidaritätsbezeugungen seitens verschiedener Fussballspieler (etwa von Bayern-München) und des Fussball-Managements in Deutschland wenig. Man lässt die kriminellen Elemente in den Fussballstadien in dieser Art wüten und gewähren. Das Virus „Bundesliga“ ist offenbar stärker als das „Coronavirus“ und andere negativen Phänomene. Es hat sich nach dem entladenen Hass gegen Dietmar Hopp offenbar auch kein Politiker (weshalb eigentlich nicht?) hierzu in diesem Sinne geäussert, dass diese menschenverachtende und kriminelle Eskalation die Auswirkungen von was auch immer sei. Ein adäquater Kausalzusammenhang mit den Aktivitäten der Alternative für Deutschland (AfD) war jedenfalls nicht auszumachen. Das Land hat offensichtlich gegen diese Form von Gewalt und misanthropischem Verhalten kapituliert. Deutschland einmal mehr in der „Nacht“ – so würde das wohl Heinrich Heine bei Betrachtung dieses Stellvertreter-Bürgerkrieges und dieser widerlichen Form des Klassenkampfes in den Stadien sehen. Es gibt nur ein Mittel, um solche Exzesse im (Fussball-)Sport, die offenbar zur mehr oder weniger geduldeten Gewohnheit werden, zu bekämpfen: Spielabbruch, sobald „Fans“ in dieser Weise agitieren (wie etwa bei Rassismus), oder Spiele unter Ausschluss von Publikum, oder überhaupt Spielverbote zwecks „Entgleisungs“-Prophylaxe.

Das „Coronavirus“ hat den Sport erreicht

(causasportnews / red. / 28. Februar 2020) Das grassierende Coronavirus hat den Erdball voll im Griff. Auf allen Kontinenten sind Akut-Infektionen mit dem Virus „Sars-CoV-2“ aufgetreten. Und permanent werden es mehr. Das Phänomen wird zwischenzeitlich als „Epidemie“ (früher auch „Seuche“ genannt) bezeichnet. Aufgrund der Lage sind Sportveranstaltungen rund um den Globus abgesagt worden und werden laufend abgesagt. Das (Zusammen-)Leben der Menschen hat sich in den letzten, wenigen Wochen grundlegend verändert. Zyniker und (Zweck-)Optimisten streichen in Anbetracht der Situation erwartungsgemäss das Positive heraus: Dank ausbleibender Touristen, nicht nur aus China und Korea, ist beispielsweise Venedig wieder wohnlich(er) geworden, und auch in der Schweiz sind die Touristenströme, die noch vor Wochen verteufelt worden sind, versiegt. Die eingeschränkte Mobilität der Massen ist für das Öko-Klima kein Schaden. Da erübrigen sich auch die Fridays For Future-Kundgebungen am heutigen Freitag mit tausenden von Schülerinnen und Schülern; diese „Demos“ fallen natürlich auch unter das Verbot.

Aber nun ist der Sport vom Virus mit voller Wucht getroffen worden: Soeben hat die Schweizerische Landesregierung angeordnet, dass ab sofort und während mindestens zwei Wochen keine Veranstaltungen mit mehr als 1000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern mehr durchgeführt werden dürfen. Der berühmte Engadiner Skimarathon ist bereits gestern abgesagt worden. Das war wohl der Fingerzeig für die Landesregierung. Also fertig lustig mit Fussball- und Eishockeyveranstaltungen; die Chance demnach für Randsportarten, bei denen die Zuschauerzahlen jeweils mehr als übersichtlich sind. Die Anordnung des Bundesrates ist wohl ein Akt der Verzweiflung und auch eine Kompensation für das bisherige, passive Verhalten der Gesundheitsbehörden, die dem Problem mit endlosen Sitzungen und mit griffigen Aufrufen („Bitte Hände waschen!“) zu Leibe rückten (zur Beruhigung: Warn-Plakate befinden sich auch noch im Druck und werden demnächst ausgehängt; das zuständige Bundesamt appelliert derzeit an die „Eigenverantwortung“…). Es fehlt(e) jegliche Einsicht und jedes entsprechende Handeln diesbezüglich, dass der moderne, gesellige und mobile Mensch gegenüber der Infektionskrankheit relativ hilflos ist. Das manifestiert sich auch aufgrund der heutigen Anordnung der Regierung. Konkret: Weshalb soll die Ansteckungs- bzw. Virus-Übertragungsgefahr unter 1000 Menschen ungefährlich sein? So ist es allerdings auch nicht ganz: Gewohnt mutig hat der Bundesrat die „heisse Kartoffel“ an die Kantone weitergereicht; diese haben im Einzelfall abzuwägen, ob Veranstaltungen im kleineren Rahmen untersagt werden sollen. Trotz der Placebo-Massnahme der Schweizer Landesregierung ist in diesem Zusammenhang eine für den Sport in vielerlei Hinsicht wichtige Frage beantwortet worden: Nehmen mehr als 1000 Personen an einer Veranstaltung teil, ist diese als „Gross-Veranstaltung“ zu qualifizieren. Mit Spannung darf dem Verhalten der Basler Bevölkerung entgegengeblickt werden. Kurz vor Beginn der berühmten „Basler Fasnacht“ an diesem Wochenende trifft das bundesrätliche Verdikt die Stadt am Rhein brutal. Wetten, dass am kommenden Montag an Stelle des „Morgenstreich“ 999 Baslerinnen und Basler in einem Protestzug gegen das Verbot des Bundesrates, die schönsten Tage im Jahr zu feiern, protestieren werden? Gelassen hinnehmen werden sie die Anordnung mit Blick auf den FC Basel, der in letzter Zeit sportlich eh bescheiden aufgetreten ist…

Anwaltskanzleien als „Reinwäscher“ – das Beispiel „Freshfields“

(causasportnews / red. / 28. Februar 2020) Geht es um Unzulänglichkeiten und Skandale im Wirtschaftsleben und insbesondere in Unternehmen, hat sich eine neue Vorgehensweise eingebürgert: Nachdem der Skandal öffentlich geworden ist, wird vom betroffenen Unternehmen flugs eine unabhängige Anwaltskanzlei beauftragt, um einen Bericht, dessen Unabhängigkeit dann in der Unternehmens-Kommunikation hervorgehoben wird, zu erstellen; dieser entlastet selbstverständlich alle Protagonistinnen und Protagonisten des Unternehmens von Schuld und Strafe. Meistens ist dies die selbe Kanzlei, welche das betroffene Unternehmen oft während Jahren in allen juristischen und weniger juristischen Lebenslagen beraten und vertreten hat; es lässt sich dann bezüglich solcher Kanzleien von „relativer Unabhängigkeit“ sprechen. Vor allem bei den Banken, welche teils immer wieder mit unappetitlichen Vorgängen konfrontiert werden, ist der Abklärungsauftrag an die „Haus-Anwaltskanzlei“ eine probate Vorgehensweise zur Reinwaschung aller Missetäter/innen, ebenso für das Management und die strategischen Organe. Für das jeweilige Unternehmen rechnet sich diese Strategie bestens, denn das Ergebnis einer Untersuchung, welche dann der Öffentlichkeit als tiefschürfende, unabhängige Abklärung durch ebenso unabhängige Anwaltskanzleien „verkauft“ wird, dürfte regelmässig den Vorgaben und Erwartungen des Auftraggebers gerecht werden. Für die Kanzleien sind solche Aufträge selbstverständlich „Kassenfüller“.

Diese Praxis hat seit geraumer Zeit auch den organisierten Sport im Griff. Und wie…Zum Beispiel den deutschen Fussball. Zur Klärung der Geldmittelflüsse im Zusammenhang mit der „Sommermärchen“-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland hat der Deutsche Fussball-Bund (DFB) 2015 eine der renommiertesten Kanzleien, „Freshfields Bruckhaus Deringer“, zur Klärung der Sachverhalte beauftragt. Überlegung: Wenn die es nicht können, kann es wohl niemand sonst; und wenn die es nicht können, legt sich auch der Zorn des Volkes. So kam es auch: Die Abklärungen des an sich simplen Vorganges ergaben resultatmässig nichts (vgl. dazu schon causasportnews vom 4. Mai 2017), dem DFB verschafften sie jedoch „Luft“. Objektiv gesehen also ausser Spesen nichts gewesen. Für die Kanzlei ein lohnendes Geschäft. Für den Verband und seine Leader-Figuren ein Befreiungsschlag, der auch etwas kosten darf. Konkret spülte die Untersuchung der Kanzlei mit Weltruf Millionen in die Kasse – im organisierten Fussball wird der Begriff „Spesen“ seit geraumer Zeit bekanntlich tendenziell weit gefasst. Erst später wurde bekannt, dass die mit der unabhängigen Untersuchung beauftragte Kanzlei schon vorher i.S. WM-Endrunde 2006 tätig war. Seit der „Spiegel“ berichtete, dass „Freshfields Bruckhaus Deringer“ in fragwürdige Steuerdeals in der Finanzbranche verwickelt ist („Spiegel“ 4/2020), herrscht eine gewisse Unruhe im Business. Als dann noch Ulf Johannemann, der (ehemalige) Leiter der Steuerabteilung der Kanzlei mit Weltruf, im vergangenen November für ein paar Wochen in Untersuchungshaft gesetzt wurde, war auch dieser Ruf mehr als ramponiert. Die Kanzlei soll gemäss „Spiegel“ in noch nicht abschliessend zu qualifizierende Steuervorgänge im Rahmen der Finanzbranche verwickelt sein – mit gewaltigen, volkswirtschaftlichen Auswirkungen. Die Kanzlei als hintergründige Strippenzieherin der Weltwirtschaft soll mit Konstrukten dem deutschen Staat Milliarden entzogen haben; genau weiss noch niemand, um welche Beträge es letztlich geht. Die Lehren aus den Geschichten: Nach wie vor untersuchen Anwaltskanzleien im Auftrag von Unternehmen (oder Sportorganisationen) Vorgänge, an denen sie manchmal selber mitgewirkt haben. Manchmal untersuchen sie ihre (oft fragwürdige) Arbeit gleich selber. Diese Einnahmen bilden für die Heerscharen von Juristinnen und Juristen rund um den Erdball lukrative Aufträge. Das geschieht alles nach dem von Bertold Brecht in den Raum gestellten Motto: „Zuerst kommt das Fressen dann die Moral“. Auch Wilhelm Busch lässt in diesem Zusammenhang immer wieder grüssen: „Ist der Ruf erst ruiniert lebt es sich ganz ungeniert“. So geht das Agieren von Top-Kanzleien offenbar ungestört weiter…

Der Grasshopper Club Zürich und das 100 Millionen-Ding

(causasportnews / red. / 23. Februar 2020) Unter dem Namen „Grasshopper Club“ werden in Zürich im Rahmen verschiedener Vereinssektionen diverse Sportarten betrieben. Die bekannteste Sektion des Vereins bildet die Abteilung „Fussball“, die seit der Gründung im Jahr 1886 grosse Zeiten erlebt hat. Die Kicker des Grasshopper Club (GC) haben bisher 27 Schweizer Meistertitel und 19 Cup-Siege erspielt, teils mit bekannten Akteuren der neueren Zeit, wie Ciriaco Sforza, Stéphane Chapuisat oder vor Jahren mit Günter Netzer; auch berühmte Trainer waren beim Rivalen des FC Zürich tätig, etwa Hennes Weisweiler und Ottmar Hitzfeld. Der Glanz der guten, alten Zeiten ist längst verblasst. Heute krebst der Klub in der Challenge League der Swiss Football League herum und versucht derzeit mit ziemlich bescheidenen, sportlichen Mitteln und wenig Geld, den im letzten Jahr erfolgten Abstieg in die zweite Stärkeklasse im Schweizer Fussball ungeschehen, bzw. rückgängig zu machen, will heissen: wieder aufzusteigen. Bis anfangs März muss die Finanzierung des Professional-Fussballs für die nächste Saison sichergestellt sein. In der Hilflosigkeit klammert sich der Klub an jeden Strohhalm. Derzeit ruhen die Hoffnungen (auch) auf einem 100 Millionen-Deal (Währung unbekannt), welcher ein ehemaliger Kurzzeit-Präsident zur Finanzierung des Spielbetriebs in den nächsten fünf Jahren realisieren will. Ein Russe soll das Geschäft perfekt machen. Der aktuelle Präsident, ein argloser Wirtschaftsanwalt mit Freude am Amt (Selbstdeklaration) und angeblich hervorragenden Kontakten, jedoch derzeit wenig Zählbarem auf dem Tisch oder in der klammen Kasse, sieht sich in Zeitnot und hofft offenbar (vor allem) auf Millionen aus China. Trotz Coronavirus. Das „Prinzip Hoffnung“ stirbt auch im Zürcher „Nobel-Klub“ (Selbstdeklaration) zuletzt. Die Sache mit den Millionen im Hunderterbereich ist bei GC übrigens kein Novum: Vor rund 11 Jahren duselte ein Hochstapler die GC-Führung schwindlig und gaukelte dem Blau-Weiss-Vorstand (blau und weiss sind die Klubfarben) eine sorgenlose Klub-Zukunft vor und versprach ihnen noch mehr Blaues vom Himmel als im Klub-Emblem schon vorhanden ist. Die peinliche Geschichte flog (selbstverständlich) rasch einmal auf, der Hochstapler mit dem sinnigen Namen Volker Eckel , ein Deutscher, landete für ein paar Jahre hinter Gittern. Und GC musste die für den Spitzenfussball notwendigen Millionen anderweitig beschaffen.

Das mit den Millionen und den Russen ist so eine Geschichte, die sich nicht nur im Umfeld des Sportes ereignet. Im Moment ist ein Investor aus dem Reiche von Wladimir Putin in Schaffhausen dabei, eine private Hochschule mit technischer Ausrichtung zum Fliegen zu bringen. 100 Millionen (wohl Schweizer Franken) will (auch) er in das Projekt investieren, woran in der Munotstadt offenbar niemand so richtig glauben will, obwohl der Russe bezüglich seines Projektes und des versprochenen Engagements eine gewaltige PR-Maschinerie in Gang gesetzt hat. Schliesslich muss im schulischen Bereich beginnen, was später z.B. im Sport leuchten soll. On verra, könnte man abwartend festhalten.

Apropos Grasshopper Club Zürich: Den Klub plagt derzeit auch die Sache mit dem Stadion, das immer noch nicht definitiv gebaut werden kann. Dazu wird im nächsten Heft von „Causa Sport“ eine Chronik des ehemaligen Zürcher Politikers Robert Schönbächler erscheinen (Causa Sport, 1/2020, Wechselvolle Zürcher Stadionhistorie – Ende einer Leidensgeschichte?“; die Ausgabe erscheint am 31. Dezember 2020; http://www.causaport.org).