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„Corona“- eine Krisen-Zwischen-Bilanz: „Dat ham wer uns so nich vorjestellt“

(causasportnews / red. / 3. April 2020) Im ersten Quartal 2020 im Allgemeinen und seit Mitte März im Besonderen hat „Corona“ das Leben der Menschen auf der ganzen Welt rigoros verändert; und wird nachhaltig Spuren hinterlassen. Teils Wahnsinns-Entwicklungen und Exzesse in allen Bereichen, in der Gesellschaft, im Staat, in der Politik und auch im Sport, hat die Natur gleich selber „reguliert“, d.h. gestoppt. Die Welt wird nach dieser Katastrophe nicht mehr dieselbe sein. Die flächendeckende Pandemie zeitigt auch verheerende Wirkungen auf den organisierten Sport, die globale Event- und Geldmaschinerie. Das Virus hat ihn gleich lahmgelegt wie weitgehend das Wirtschaftsleben. Ein Ende dieses Krieges gegen einen unbekannten Gegner ist nicht abzusehen. Nach Abschluss des ersten Quartals dieses Jahres, das wir als Freizeit- Spass- und Lifestyle-Gesellschaft noch vor etwas mehr als drei Monaten mit Hurra, Champagner und natürlich mit Party erwartungsvoll begrüsst haben, verlangt nach einer Bilanz per dato, die mit den Worten des ersten Deutschen Bundeskanzlers nach dem 2. Weltkrieg, Konrad Adenauer, so zusammengefasst werden könnte: „Dat ham wer uns so nich vorjestellt“. Drei Monate haben genügt, um wissenschaftliche Analysen, nicht nur im Bereich der Zukunftsforschung, zur Makulatur werden zu lassen. Das wissenschaftliche „Sezieren“ des (Zusammen-)Lebens und der Lebensbedingungen wird weitergehen, wenn auch auf aufgrund anderer Voraussetzungen. Insbesondere Soziologen sind im Moment gefragt wie schon lange nicht mehr. Die Formen des (künftigen) menschlichen Zusammenlebens auf diesem Planeten sollten, ja müssten, neu festgelegt werden. Negativ-Prognosen zu stellen ist derzeit jedoch so verpönt wie das Witze-Erzählen am Grab. Es liesse sich nun situations-adäquat Karl Marx bemühen, der sich auch in dieser Zeit seiner Worte an die Adresse von Ludwig Feuerbach erinnern würde: Es komme darauf an, die Welt zu verändern, und sie nicht nur verschieden zu interpretieren.- Die Veränderungen im Zuge von „Corona“ sind einschneidend und ohne menschliches Dazutun eingetreten. Was danach, nach Eintritt der Normalität, sein wird, steht in den Sternen und wird den Menschen fordern. Deshalb mit Blick in die Zukunft nachfolgend eine (unvollständige) Krisen-Zwischen-Bilanz in Stichworten, mit Bezug zum Sport und in alphabetischer Reihenfolge:

  • Applaus: Der Applaus ist das Lebenselixier insbesondere der Künstler und Sportler. Der Applaus ist auf Bühnen und in Sportstadien verebbt. Applaus ertönt nun anderweitig – grundsätzlich berechtigterweise: Es werden die Menschen in den Medizinalberufen beklatscht, Verkäufer, Chauffeure, Polizisten, usw. (es wird der Einfachheit halber hier die männliche Schreibweise verwendet; sie gilt auch für Frauen). Eigentlich beschämend: Diese Personengruppen machen Zeit ihres Lebens einen hervorragenden, soliden Job – meist zu schlechten, finanziellen Konditionen; nur in der Krise haben wir gemerkt, dass dies nicht selbstverständlich ist. Deshalb die momentane Dankbarkeit, die schon immer gerechtfertigt gewesen wäre. Noch vor wenigen Wochen waren Angriffe auf Rettungssanitäter, Feuerwehrleute und Polizeikräfte seitens des Party-Volkes in den Grossstädten an der Tagesordnung. Und diese Menschen beklatschen wir heute. Besonders peinlich berührt die derzeitige Medienkampagne eines Grossverteilers, der sich in TV-Spots lauthals individuell beim Personal für die geleisteten Einsätze bedankt. Heuchlerischer geht es fast nicht mehr: Dieses Personal muss sich permanent Minimal-Lohnbedingungen erkämpfen und wird auch sonst prestigemässig regelrecht vorgeführt. Und nun wird es vom eigenen Arbeitgeber abgefeiert für etwas, was diese Menschen tagtäglich leisten, für das sie jedoch geringgeschätzt werden und für das wir einfach undankbar sind;
  • Armee: Die „Corona“-Krise ist ein eigentlicher Krieg, und zwar ein „Bürgerkrieg“. Das unsichtbare Virus führt dazu, dass, ausgedrückt im Gebot des „Distanzhaltens“ der Mit-Bürger und Mitmensch zum „Feind“ mutierte. Ein solcher Krieg gegen einen nicht-wahrnehmbarem Feind im Umfeld des Menschen kann nicht durch politische Behörden effizient und zielsicher geführt werden. Dazu benötigt es eben militärisches „Knwo-how“. Nicht ganz zufällig ist in der Schweiz für den Schutz der Bürgerinnen und Bürger das Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS) zuständig. Militär und Sport stehen also mit Blick auf den Bevölkerungsschutz in Einklang. Zwischenzeitlich hat die Schweiz zur Bekämpfung der aktuellen Pandemie Teile der Armee aufgeboten. Diese unterstützt die zivilen Kräfte im Bereich der medizinischen Versorgung und leistet diverse weitere Assistenzdienste. Allerdings ist bei dieser Konstellation der Negativ-Umstand auffällig, dass in der Schweiz vor allem von Links, von „Grünen“ und von Kommunisten die Armee mit allen Mitteln, durchwegs sekundiert vom Schweizer Staatsfernsehen, bekämpft worden ist (Lieblingsstar dieser TV-Veranstaltungen war bis zum Ausbruch der Pandemie in Europa der Zuger Politiker Josef Lang, ein Gründungsmitglied der „Gruppe für eine Schweiz ohne Armee“). So leistet eine massiv „zahnlos“ gewordene oder gemachte Armee, die beschränkt einsatztauglich ist, nun Dienst wie noch nie seit dem Ende des zweiten Weltkrieges. Und alle sind deswegen froh;
  • Brot und Spiele: In Krisenzeiten, wie jetzt, steht als erstes Element das Überleben im Vordergrund. Der Mensch will auch im Katastrophenfall verpflegt sein. Gute Verpflegung ist der Indikator für Lebensstandard. Einstweilen zu kurz kommt das zweite, wichtige Element, welches das menschliche Leben lebenswert macht und zur Sicherung der Lebensqualität unabdingbar ist: Spiele, oder heute: Vor allem der Sport. Dieser wird im Moment zur „Auszeit“ gezwungen;
  • Europa: Die „Corona“-Krise ist zwar ein globales, weltumspannendes Phänomen. Deren Bekämpfung erfolgt jedoch mit politischen, nationalen Mitteln. Es kann dieses Fazit gezogen werden: Die derzeitige Krise ist national – jedenfalls wird sie rein national bekämpft. Nicht in Erscheinung tritt die „Europäische Union“ mit ihrer vielbeschworenen Solidarität, bzw. manifestiert sie nun ihre Bedeutungslosigkeit in Krisenzeiten. Noch schlimmer: Derzeit zoffen sich zum Thema „Eurobonds“ das bankrotte Italien und die europäische Leadernation, Deutschland. Ob die „Schönwetter“-Vereinigung EU“ nach der Krise noch Sinn macht, wird sich weisen. Grenzüberschreitend funktioniert hingegen der Sport – oder was von ihm übriggeblieben ist, insbesondere die Sportpolitik. Sogar das nicht gerade für Empathie bekannte Internationale Olympische Komitee (IOK) hat sich vor ein paar Tagen dem Internationalen Druck beugen müssen und die in Tokio vorgesehenen Olympischen Sommerspiele 2020 um ein Jahr verschoben. Das Unausweichliche im Auge haltend hat die Europäischen Fussballkonföderation UEFA dazu bewogen, die ebenfalls in diesem Jahr vorgesehene Fussball-Europameisterschaft an zwölf Standorten in Europa ebenfalls zu verschieben. PS: Die Schweiz ist bekanntlich nicht Mitglied der EU. Deshalb ist der kürzlich entbrannte Streit um die Einfuhr von Schutzmasken aus Deutschland in die Schweiz auch kein europarechtlich relevanter Tatbestand, sondern lediglich eine kleine Disharmonie unter Nachbarn;
  • Führung: Die Welt und die gegen das „Corona“-Virus ankämpfenden Länder (US-Präsident Donald Trump spricht richtigerweise ungeschminkt von einem „Krieg“ („war“; „the fight against the coronavirus“) können diesen Kampf effizient nur mit militärischen Mitteln gewinnen. Die politischen Leader sind ungeeignet, diesen Krieg zielgerichtet und adäquat zu führen, weil sie stets im Spannungsfeld zwischen (medizinischer) Notwendigkeit und wirtschaftlichem Opportunismus reagieren statt agieren (müssen). Ansatzweise kann Österreichs Bundeskanzler als positives Beispiel hervorgehoben werden. Das politische Naturtalent nutzt alle politischen Spielräume aus und beschwört als begnadeter Motivator den „Teamgedanken“ wie bei einer Sportveranstaltung („Team Österreich“). Welch‘ jämmerliches Bild geben da andere Regierungen ab! – Die Resultate sprechen für sich. Die Regierungen und Regierungschefs der Länder wollen für ihr Volk (und natürlich für sich) nur das Beste – und erreichen nicht selten das Gegenteil;
  • Krieg: Die Menschen auch in Europa befinden sich im Krieg gegen einen unsichtbaren Feind, der „Corona“-Virus heisst. Weil der Gegner nicht sichtbar ist, ist es schwer, wie sich der Mensch ihm gegenüber verhalten soll. In Anlehnung wohl an Bertold Brechts „Stell Dir vor, es sei Krieg, und keiner geht hin“, könnte die aktuelle Situation so auf den Punkt gebracht werden: „Stell Dir vor, es sei Krieg, und keiner sieht hin“ – vor allem deshalb, weil keiner den Feind sehen kann…;
  • Politik: Die Führung („Lead“) in der jetzigen Krise liegt bei der Politik, was äusserst problematisch ist. Die Entscheide der führenden Politikerinnen und Politiker bei der ideologisierten Krisenbekämpfung orientieren sich stets an politischen Zielen und wirtschaftlichen Wünschen. Statt effiziente, medizinisch gebotene Massnahmen gegen die Verbreitung der Pandemie anzuordnen und umzusetzen, hat sich die Schweizerische Regierung in einen Infight mit den Kantonen (vor allem Uri und Tessin) begeben. Föderalistisch Grundprinzipien aufrecht zu erhalten sind wichtiger als die Bekämpfung der Seuche. Apropos Tessin: Aus wirtschaftlichen Gründen hat es die Schweizer Regierung unterlassen, rechtzeitig die Grenze zwischen der Schweiz und Italien dichtzumachen – mit verheerenden Folgen. Im Übrigen vgl. „Wirtschaft“;
  • Solidarität: In Krisenzeiten, wie jetzt, wird SOLIDARITÄT grossgeschrieben. Das an sich hehre Prinzip funktioniert aber (oft vermeintlich) nur in Ausnahmesituationen. Der moderne Mensch ist individualistisch, egoistisch und eigennützig strukturiert und verhält sich auch so. In der Krise wird aus Not zusammengerückt und die Gemeinsamkeit, um die Katastrophe zu meistern, beschworen (das wird auch als „Ingerenzprinzip“ verstanden [letztlich ist bis anhin unbekannt, wie das Virus losgetreten worden ist; es gibt im Moment keine Schuldigen, was für eine Krise relativ selten ist]). Solidarität im Sport-Business besagt etwa folgendes: Vier Top-Klubs der Deutschen Bundesliga helfen in der Not den serbelnden Vereinen. Sie wollen aktuell 20 Millionen Euro in einen „Solidartopf“ einschiessen. Eine löbliche Geste, allerdings nicht ganz uneigennützig. Die Top-Klubs wissen, dass sie ohne die restlichen Klubs keine Meisterschaft mehr werden spielen können. Sie sind auf diese schlicht angewiesen;
  • Sport: Das „Corona“-Virus hat den Sport innerhalb weniger Wochen vollständig zum Erliegen gebracht. Der organisierte Sport „n’existe plus“. Umso mehr boomt der Freizeit-Sport: Es wird gewandert, teils allerdings ohne die „Abstands-Regeln“ einzuhalten, und gejoggt, wie seit Jahrzehnten nicht mehr. In der Not besinnt sich der Mensch auf Traditionelles;
  • SportBusiness: Durch das „Corona“-Virus ist der organisierte, kommerzielle Sport vollständig zum Erliegen gekommen. Er wird, wie die Wirtschaft, nach ausgestandener Krise am Boden liegen. Nicht nur der Sport an sich hat aufgehört zu funktionieren. Auch die damit zusammenhängende Industrie (TV-Vermarktung, Sponsoring, Werbung, Event-Organisation, usw.) ist zusammengebrochen. Nach der Krise wird es diesbezüglich vor allem viel „Juristenfutter“ abgeben;
  • SportMedien: In einer Krise kommt den Medien besondere Bedeutung zu; aber lediglich den unabhängigen, von denen es kaum mehr welche gibt. „Fake-News“ können nicht mehr nur mit einem Hirngespinst des US-Präsidenten abgetan werden. Wer den heutigen Zustand der Medien mitverfolgt, muss ernüchternd feststellen, dass die Medienlandschaft ebenfalls zum Trümmerfeld geworden ist, wobei die Dekadenzerscheinungen längst vor „Corona“ sichtbar wurden. Ausser über das „Corona“-Virus gibt es auch kaum mehr etwas zu berichten. „Corona“ dominiert auch die Medien. Immer stärker wird abgebildet, wie sich die Journalisten die Welt wünschen und nicht, wie sie tatsächlich ist. In den elektronischen Medien findet der Sport nicht mehr statt – es sei denn, ein wenig Sport-Politik wäre opportun (insbesondere die Begründung von Veranstaltungs-Absagen). Tristesse herrscht ebenfalls bei den Print-Medien. Kaum ein Unternehmen inseriert mehr, und sogar bei der „Neuen Zürcher Zeitung“ grassiert das „Corona“-Virus durch die ganze, zwischenzeitlich durcheinandergeratene Bund-Systematik, an der sonst im selbsternannten „Intelligenzblatt“ sklavisch-stur festgehalten wird. Sogar der von mehr als zehn Redaktoren(!) produzierte Sport-Teil, der seit Tagen meistens lediglich eine Druckseite umfasst, wurde während Tagen nicht mehr mit „Sport“, sondern mit „CORONAVIRUS“ überschrieben;
  • Sport-Veranstaltungen: Alle grossen Sport-Veranstaltungen 2020 sind abgesagt; soeben haben die Veranstalter des legendären Tennis-Turniers in Wimbledon für dieses Jahr „forfait“ erklärt. Nur die „Deutsche Fussball-Liga“ (DFL) ist wild entschlossen, in der Bundesliga die Spielsaison 2019/2020 bis am 30. Juni 2020 zu beenden. Wenn schon „COVID-19“ nicht planbar ist, soll wenigstens den Klubs „Planungssicherheit“ garantiert werden, so die DFL dazu;
  • Staat: Siehe „Super-Staat“;
  • Statistik: In der „Corona“-Krise ist statistisches Material von vordergründiger Bedeutung und bildet zudem die Grundlage für die Entscheidungen der politischen Führung, welche den Kampf gegen das Virus führen müssen. Nicht wie im Sport, bei dem Statistiken und Resultate untrüglich sind, muss man allerdings hinter den Wert und die Authentizität des nun permanent veröffentlichten Zahlenmaterials zu den „Corona“-Fällen ein zumindest kleines Fragezeichen setzen. Oder ist es wirklich eine reelle statistische Höchstleistung, dass uns China jeden Morgen kommunizieren kann, dass es im 1,4 Milliarden-Volk zu keiner, zu zwei oder zu mehr Ansteckungen gekommen ist?;
  • SuperStaat: Der Staat unternimmt alles für seine Bürger, um ihnen ein schönes Leben, Wohlergehen, Sicherheit und ein wirtschaftliches Auskommen zu garantieren. Noch nie war der Wohlfahrtsstaat derart „en vogue“ wie vor dem Ausbruch der Krise. Derzeit holen der Deutsche und der Schweizer Staat im Ausland festgesetzte Touristinnen und Touristen mit Sondermaschinen in ihre Länder zurück. Das gehört zum Grundrecht auf Feriengenuss, den letztlich der Sozial- und Lifestyle-Staat zu gewährleisten hat. Eigenverantwortung wird im „Super-Staat“ zum geschichtsträchtigen Fremdwort. Dass die Individualität bei diesem System des Neo-Kommunismus auf der Strecke bleiben wird und den Kollektivismus prävalieren lässt, ist folgerichtig, wird aber offenbar gewünscht;
  • Team: Dieser Begriff aus dem Sport wird komplementär im Zusammenhang mit dem derzeitigen Modewort „Solidarität“ verwendet. Mit sportlichen Maximen die Krise zu meistern ist etwa das sicher nicht unzutreffende Credo des Österreichischen Bundeskanzlers Sebastian Kurz. Ob es ihm letztlich gelingt, Österreich wie eine Sport-Mannschaft erfolgreich durch die Krise zu führen, wird sich zeigen;
  • Wirtschaft: Eine florierende Wirtschaft bildet das Rückgrat eines gesunden Staates. Seit knapp drei Wochen liegt sie in Trümmern, und zwar so, wie es nie hätte erwartet werden können. Offenbar trifft die bisher suggerierte Annahme nicht zu, dass wir, wie etwa in der Schweiz immer hochgehalten, in einem florierenden, wirtschaftlichen Umfeld leben. Das Gegenteil dürfte zutreffen: Wenn der Staat nach einem Stillstand der Wirtschaft nach wenigen Tagen gleich Dutzende von Milliarden zur Rettung von abgebrannten Unternehmen zur Verfügung stellen muss und das Füllhorn permanent über diesem Pleite-Segment ausschütten muss, war wohl alles eher ein Potemkinsches Dorf denn ein Wirtschaftsmärchen, bezüglich dem das Gefühl vorherrschte, es sei wahr. Letztlich basierte die Wirtschaft auf dem System „Leben auf Pump“ (die Bürger verhalten sich so, wie es der Staat vorlebt), das die Grundlage für noch mehr Umverteilung bildet. Diese Mentalität wird mit dem „Giesskannen-Prinzip“ fortgeführt. Letztlich ist auch Friedrich Schiller („Der kluge Mann baut vor“ – er meinte damit wohl auch die Frauen) längst Geschichte. Der „Super-Staat“ richtet es, dass noch der grösste wirtschaftliche Versager oder jeder arbeits-immune Mensch zu seinem Geld kommt. Das Geld über die Bürger regnen zu lassen und dieses so umzuverteilen bringt den Trend-Politikerinnen und Politikern selbstverständlich Goodwill und Wählerstimmen. Die „Giesskanne“, die im Moment permanent geleert und wieder und wieder und immer mehr nachgefüllt und letztlich über (fast) alle ausgeschüttet wird, dürfte von nachhaltigem Charakter sein; und eignet sich zur Umsetzung von entsprechenden Ideologien bestens. Wetten, dass nach ausgestandener Krise, wenn die Wirtschaft in Trümmern liegt, der „Super-Staat“ umgehend ein bedingungsloses Grundeinkommen für alle bereit hält? Dass sich dieses System (auch) für die Lenker und Leiter des Staates lohnt, hat der Weltfussballverband mit Sitz in Zürich vorexerziert, und daran orientiert sich z.B. die Schweizerische Regierung: Jeder Geldregen bringt Wählerstimmen. Politik findet eben auch in Krisenzeiten statt. Ein Positivum ist an der ganzen Geschichte zu vermerken: Die unsägliche „Compliance“, mit der vor allem Bürgerinnen und Bürger in den letzten Jahren insbesondere durch Banken und Versicherungen genervt und schikaniert wurden, ist nur noch ein Fremdwort (vgl. dazu für den Sport: „Compliance: Auch ein Thema für Sportverbände und andere Vereine? – Das Beispiel FIFA“, in: Causa Sport, 3/2017, 208 ff.);
  • Zukunft: Auch diese aktuelle Krise, der Krieg gegen einen unsichtbaren Feind, wir dereinst beendet sein. Was wird bleiben und was wird aus dem Trümmerhaufen, den das „Corona“-Virus verursachen wird, spriessen? Vielleicht eine (erneute) Umwertung der Werte. Sicher wird eine Folge der Krise ein neu aufgelegter Klassenkampf sein, welcher der Freizeit- und Lifestyle-Gesellschaft ein bedingungsloses Grundeinkommen bescheren dürfte. Die im Gange befindliche und durch „Corona“ befeuerte Umverteilung wird durch die Krise weitere Ausmasse annehmen. Aus den Tendenzen, die sich in der aktuellen Situation ausmachen lassen und die an sich einen ausserordentlichen Zustand in einer Krisenzeit darstellen, lässt sich das Fazit ziehen, dass dieses aktuelle Faktum zur Normalität wird. Das Modell des „Super-Staates“ wird realisiert werden im Sinne eines Neo-Kommunismus, der allen Bürgern weiterhin wirtschaftliche Sicherheit, aber auch Einschränkungen der individuellen Bewegungsfreiheit bringen wird. Noch nicht ganz klar ist, wie ein solches Modell finanziert werden soll. Aber das sollte für einen „Super-Staat“ auch kein Problem sein. Auch der organisierte Sport wird sich nach der Krise neu positionieren und dem Trümmerfeld nach „Corona“ wie Phönix aus der Asche entsteigen.

(Autor: Prof. Dr. iur. Urs Scherrer)

Der aktive Sport im „Ruhe-Modus“

(causasportnews / red. / 17. März 2020) Nach den rigorosen Anordnungen der Regierungen in ganz Europa gegen die weitere Ausbreitung des „Coronavirus“ befindet sich auch der Sport gezwungenermassen im „Ruhe-Modus“. Die (letzten) Absagen von Sportveranstaltungen jagen sich. Das „Gibraltar open“ der „Snooker“-Spieler ist soeben einigermassen regulär zu Ende gegangen; wenn auch mit wenig Enthusiasmus. Der Sport in der „Neuen Zürcher Zeitung“ („NZZ“) findet nur noch unter der Überschrift „Coronavirus“ statt. Der aktive Sport ist an sich sogar „tot“ und findet höchstens noch im Rahmen der Sportpolitik statt, die einmal mehr beweist, in welcher Parallelwelt Sportfunktionäre leben. Die UEFA eiert seit geraumer Zeit herum und ziert sich mit der Absage der an 12 Austragungsorten stattfindenden Fussball-Europameisterschaft 2020, die selbstverständlich vom 12. Juni bis zum 12. Juli 2020 nicht stattfinden wird. Schlimmer liegen die Verhältnisse nur noch beim Internationalen Olympischen Komitee (IOK), welches sich aus dilettantischen und wohl vor allem aus pekuniären Gründen nicht dazu durchringen kann, für klare Verhältnisse zu sorgen und die Olympischen Sommerspiele vom 24. Juli bis 9. August in Tokio bisher nicht abgesagt hat. Fleissig agiert hingegen der Weltfussballverband FIFA, dieses Jahr glücklicherweise ohne Turniere und Wettbewerbe (mit Ausnahme der kaum jemanden interessierenden Klub-WM im Dezember), und sagt Sitzungen und Versammlungen kontinuierlich ab. Das Meeting des FIFA-Rates Ende dieser Woche ist ebenso verschoben wie die Vereinsversammlung der FIFA, die am 5. Juni in Addis Abeba hätte stattfinden sollen. Der sog. „Kongress“ ist nun auf den 18. September verschoben worden. Diese Annullation von (noch weiteren) Sitzungen im Rahmen der FIFA hat auch eine gute Seite: Der ungeliebte FIFA-Präsident Gianni Infantino profitiert von abgesagten Sitzungen und Versammlungen. Keine Zusammenkünfte – keine für ihn ungelegenen oder gefährlichen Beschlüsse. Besser kann der Machterhalt für ihn im Moment gar nicht funktionieren.

In der aktuell schwierigen Situation macht der Sport nicht durchwegs eine gute Figur, auch etwa der Breitensport nicht. Trotz Anordnung der Schweizer Regierung am vergangenen Freitag, dass alle Wintersportorte ihre Betriebe einstellen müssten, foutierten sich einige Wintersportstationen, vor allem in der Innerschweiz, um diese angeordnete Massnahme. Es war auch eine Art Ohnmacht der Regierung vor den faktischen Verhältnissen. Das renitente Verhalten der Innerschweizer mag auch damit zusammenhängen, dass der Schweizer Bundesrat bei der Bewältigung dieser Krise vor allem aufgrund von zu spät erfolgten Anordnungen und fehlender „Leadership“ ein tristes Bild abgibt und deshalb der Respekt der Bevölkerung ihm gegenüber an einem kleinen Ort zu orten ist. Es kommt hinzu, dass nun die Armee die grösste Mobilmachung seit dem 2. Weltkrieg erlebt und nun zur Unterstützung der zivilen Einsatzkräfte eingesetzt wird – angeordnet vom selben Bundesrat, dessen Mitglieder teils Parteien angehören, die sich seit Jahrzehnten als militante Bekämpfer eben dieser Armee hervorgetan haben! Solches Verhalten ist für eine Landesregierung, in der Tat eine träge Kollegialbehörde, wenig vertrauensbildend. Auch wenn die „NZZ“ alles unternimmt, um die Schweizer Regierung in die Nähe potentieller Heiliger zu rücken. „Der Bundesrat beweist in der Krise Führungsstärke“, schrieb das Blatt am Wochenende auf der Frontseite. Was leider kein Scherz war. Mit rührigen Worten rüffelt der Chefredaktor der „NZZ“ heute das ihm sonst so lieb gewordenen Europa und schaut mit verklärtem Blick in Richtung Bern: Die europäischen Regierungen hätten bei der Bekämpfung des „Coronavirus“ wertvolle Zeit verstreichen lassen, ist von der „alten Tante“ von der Zürcher Falkenstrasse zu vernehmen. Und säuselt: „Erst später greifen sie wie jetzt der Schweizer Bundesrat zu drakonischen Massnahmen“, schreibt der Journalist, der wohl merken musste, dass die von ihm gehätschelte EU vielleicht eher ein Schönwetter-Gebilde ist. Lob der Schuldigen – Tadel der Unschuldigen heisst das Motto jedenfalls bei der „NZZ“. Dass die Schweiz im internationalen Vergleich vom Virus am meisten befallen ist, wird selbstverständlich ausgeblendet. Die Zeitung mit rasant in den Keller sinkenden Auflage (wen wundert’s?) hat es sich wohl auf die Fahne geschrieben, die dem Blatt ergebenen und der so genannten freiheitlichen Partei angehörenden Mitglieder der Landesregierung wenigstens medial zu stärken. „Fake News“, wird das heute genannt; auch deshalb wütet derzeit ein spezieller Mensch im „Weissen Haus“. Und der Beweis ist durch die „NZZ“ erbracht, dass auch der Journalismus nicht nur bei der Beurteilung dieser Krise in einer Parallelwelt agiert. Eine intelligente, sportliche Note setzte hingegen der souverän und effizient wirkende österreichische Bundeskanzler Sebastian Kurz in dieser schwierigen Zeit, in der die Welt praktisch still steht: Er führt sein Land, die Realitäten ausgewogen im Auge behaltend, auch mit einer Portion Optimismus durch das Wellental und versteht es, die notwendige Solidarität im Land zu beschwören. So redet er sportlich mitreissend und überzeugend nicht von Österreicherinnen und Österreichern, sondern vom „Team Österreich“. Plattitüden, wie sie die jetzt regelrecht abgetauchte deutsche Bundeskanzlerin regelmässig von sich gibt, vermeidet er geflissentlich. Politisches Talent im Blut zu haben erleichtert das Regieren eben ungemein.

Besch…Lage

Sebastian Kurz: Die personifizierte „good governance“ (© Raul Mee)

(causasportnews / red. / 15. März 2020) Innerhalb weniger Tage ist das Horror-Szenario globale Realität geworden: Das „Coronavirus“ hat der Welt eine Pandemie beschert, wie sie unser Planet noch kaum jemals in ähnlicher Art und Weise in punkto Intensität und Auswirkungen erlebt hat. In vielen Teilen der Welt, so auch in Europa, legt der unheimliche, unbekannte und nicht wahrnehmbare Gegner das Leben weitgehend lahm. Auch der Sport musste innerhalb weniger Tage definitiv vor den Gegebenheiten kapitulieren und findet aktuell kaum mehr statt. Wenn sich die Deutsche „Bundesliga“, wie jetzt, dem Virus geschlagen gibt, ist die Lage an Dramatik in der Tat nicht mehr zu überbieten. Der Sport hat im Moment für die Menschen jegliche Bedeutung verloren; er ist uninteressant geworden. Die Angst dominiert – verständlicherweise. In den elektronischen Medien ist der Sport kaum mehr ein Thema; in den Gazetten und Magazinen existiert die (aktuelle) Sport-Berichterstattung logischerweise auch nicht mehr. In der „Neuen Zürcher Zeitung“ („NZZ“) wird die Sport-Politik sinnigerweise unter der Kopfzeile „CORONAVIRUS“ abgehandelt. Da die Spalten trotz allem gefüllt werden (müssen), bleibt dennoch Raum für viel Unnützes, Überflüssiges und Peinliches. So kommen etwa neuerdings „Zeitzeugen“ des Sportes zu Wort; diese haben die Medien allerdings nicht gesucht; es ist umgekehrt. Sie verhelfen den Zeitungen über das sportlich-mediale Interregnum hinweg. So etwa die Ski-Trainer-Legende Karl Frehsner, diskussionslos eine grosse Persönlichkeit der Sport-Zeitgeschichte. Offenbar leicht gereizt hat er dazu Hand geboten, dass die „NZZ“ immerhin zwei Interview-Seiten produzieren konnte. Es war ein Interview, das einerseits gezeigt hat, weshalb Karl Frehsner über einen beeindruckenden Erfolgsausweis, dank seiner konsequenten, kompromisslosen Art verfügt; anderseits wird im Interview die Absurdität der Sport-Berichterstattung im Zeitalter von „Corona“ manifest. Als der über 80jährige Österreicher mit Wohnsitz in der Schweiz gefragt wurde, wann er, derzeit immer noch tätig für „Swiss Ski“, in seinem Alter endlich aufhören wolle, sagte er in seiner gradlinigen, schnörkellosen Art das, was auch als Abbild der momentanen Stimmungslage im Zeitalter von „Corona“ gelten kann, knapp und knackig: „Das geht Sie einen Scheissdreck an.“ („NZZ“ vom 11. März 2020).- Dem ist an sich mit Blick auf die derzeitige Lage in der Welt und im Sport nichts mehr hinzuzufügen. Ausser vielleicht das: Auch diese Krise wird vorübergehen – wann, weiss niemand. Und diesbezüglich kommt dem Krisenmanagement in den Ländern (nota bene: Die EU hält sich vornehm zurück) besondere Bedeutung zu: Beeindruckend souverän, sachlich, engagiert, unermüdlich und empathisch händelt die Krise der Landsmann von Karl Frehsner, der Österreichische Bundeskanzler Sebastian Kurz. Er ist omnipräsent auch in der Öffentlichkeit, erklärt permanent angeordnete Massnahmen, übt Demut und äussert sich zudem dankbar gegenüber denjenigen, auf denen alle unsere Hoffnungen mit Blick auf die Krisenbewältigung ruhen. Fürwahr ein Mann, dem nicht nur die eigenen Anhänger/innen vertrauen (können)! Und der auch, im Gegensatz zu anderen Politikern in verschiedensten Ländern, am Wochenende Flagge zeigt. Der erstaunliche, intelligente Jung-Star auf der politischen Bühne ist ein Vorbild etwa für die Deutsche Bundeskanzlerin, die auch in dieser Situation abgetaucht ist. Ganz zu schweigen auch von der Schweizerischen Landesregierung, die auf der ganzen Linie versagt und sich, wie gewohnt, opportunistisch scheut, die richtigen und griffigen Massnahmen anzuordnen, etwa die seit Wochen fällige Grenzschliessung zu Italien im Tessin, eine Massnahme, von der mit Blick auf das Wohl von Grenzgängern abgesehen wird. Derweil sich die Lage in der Schweiz im Vergleich zu den meisten europäischen Ländern täglich zuspitzt, was nicht wundert, weil auch die zu milden Massnahmen der Schweizer Regierung zum Teil nicht einmal durchgesetzt werden. Sie will Gutes tun und erreicht das Gegenteil. Die „NZZ“ beschreibt die Wirklichkeit auch hier so, wie sie sie sehen möchte (und nicht so, wie sie ist), z.B. auf der Frontseite in der aktuellen Wochenendausgabe: „Der Bundesrat beweist in der Krise Führungsstärke“ („NZZ“ vom 14. März 2020) – es darf trotz Krise zwischendurch gelacht werden. „Felix Austria!“ also – und „Quo vadis Deutschland und Schweiz?“, könnte die politische Lage auf den Punkt gebracht werden. „good governance“ ist in Krisensituationen nicht nur Glücksache. Fehlt sie, wird offenkundig, wie eng sie an den Begriff „Fähigkeit“ gekoppelt ist. Ohne Zweifel, die Lage ist besch…, um einigermassen an die Terminologie von Karl Frehsner, dem „Eisernen Karl“ aus dem Skisport, anzuknüpfen. Aber die Menschheit muss hier durch.