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Der aktive Sport im „Ruhe-Modus“

(causasportnews / red. / 17. März 2020) Nach den rigorosen Anordnungen der Regierungen in ganz Europa gegen die weitere Ausbreitung des „Coronavirus“ befindet sich auch der Sport gezwungenermassen im „Ruhe-Modus“. Die (letzten) Absagen von Sportveranstaltungen jagen sich. Das „Gibraltar open“ der „Snooker“-Spieler ist soeben einigermassen regulär zu Ende gegangen; wenn auch mit wenig Enthusiasmus. Der Sport in der „Neuen Zürcher Zeitung“ („NZZ“) findet nur noch unter der Überschrift „Coronavirus“ statt. Der aktive Sport ist an sich sogar „tot“ und findet höchstens noch im Rahmen der Sportpolitik statt, die einmal mehr beweist, in welcher Parallelwelt Sportfunktionäre leben. Die UEFA eiert seit geraumer Zeit herum und ziert sich mit der Absage der an 12 Austragungsorten stattfindenden Fussball-Europameisterschaft 2020, die selbstverständlich vom 12. Juni bis zum 12. Juli 2020 nicht stattfinden wird. Schlimmer liegen die Verhältnisse nur noch beim Internationalen Olympischen Komitee (IOK), welches sich aus dilettantischen und wohl vor allem aus pekuniären Gründen nicht dazu durchringen kann, für klare Verhältnisse zu sorgen und die Olympischen Sommerspiele vom 24. Juli bis 9. August in Tokio bisher nicht abgesagt hat. Fleissig agiert hingegen der Weltfussballverband FIFA, dieses Jahr glücklicherweise ohne Turniere und Wettbewerbe (mit Ausnahme der kaum jemanden interessierenden Klub-WM im Dezember), und sagt Sitzungen und Versammlungen kontinuierlich ab. Das Meeting des FIFA-Rates Ende dieser Woche ist ebenso verschoben wie die Vereinsversammlung der FIFA, die am 5. Juni in Addis Abeba hätte stattfinden sollen. Der sog. „Kongress“ ist nun auf den 18. September verschoben worden. Diese Annullation von (noch weiteren) Sitzungen im Rahmen der FIFA hat auch eine gute Seite: Der ungeliebte FIFA-Präsident Gianni Infantino profitiert von abgesagten Sitzungen und Versammlungen. Keine Zusammenkünfte – keine für ihn ungelegenen oder gefährlichen Beschlüsse. Besser kann der Machterhalt für ihn im Moment gar nicht funktionieren.

In der aktuell schwierigen Situation macht der Sport nicht durchwegs eine gute Figur, auch etwa der Breitensport nicht. Trotz Anordnung der Schweizer Regierung am vergangenen Freitag, dass alle Wintersportorte ihre Betriebe einstellen müssten, foutierten sich einige Wintersportstationen, vor allem in der Innerschweiz, um diese angeordnete Massnahme. Es war auch eine Art Ohnmacht der Regierung vor den faktischen Verhältnissen. Das renitente Verhalten der Innerschweizer mag auch damit zusammenhängen, dass der Schweizer Bundesrat bei der Bewältigung dieser Krise vor allem aufgrund von zu spät erfolgten Anordnungen und fehlender „Leadership“ ein tristes Bild abgibt und deshalb der Respekt der Bevölkerung ihm gegenüber an einem kleinen Ort zu orten ist. Es kommt hinzu, dass nun die Armee die grösste Mobilmachung seit dem 2. Weltkrieg erlebt und nun zur Unterstützung der zivilen Einsatzkräfte eingesetzt wird – angeordnet vom selben Bundesrat, dessen Mitglieder teils Parteien angehören, die sich seit Jahrzehnten als militante Bekämpfer eben dieser Armee hervorgetan haben! Solches Verhalten ist für eine Landesregierung, in der Tat eine träge Kollegialbehörde, wenig vertrauensbildend. Auch wenn die „NZZ“ alles unternimmt, um die Schweizer Regierung in die Nähe potentieller Heiliger zu rücken. „Der Bundesrat beweist in der Krise Führungsstärke“, schrieb das Blatt am Wochenende auf der Frontseite. Was leider kein Scherz war. Mit rührigen Worten rüffelt der Chefredaktor der „NZZ“ heute das ihm sonst so lieb gewordenen Europa und schaut mit verklärtem Blick in Richtung Bern: Die europäischen Regierungen hätten bei der Bekämpfung des „Coronavirus“ wertvolle Zeit verstreichen lassen, ist von der „alten Tante“ von der Zürcher Falkenstrasse zu vernehmen. Und säuselt: „Erst später greifen sie wie jetzt der Schweizer Bundesrat zu drakonischen Massnahmen“, schreibt der Journalist, der wohl merken musste, dass die von ihm gehätschelte EU vielleicht eher ein Schönwetter-Gebilde ist. Lob der Schuldigen – Tadel der Unschuldigen heisst das Motto jedenfalls bei der „NZZ“. Dass die Schweiz im internationalen Vergleich vom Virus am meisten befallen ist, wird selbstverständlich ausgeblendet. Die Zeitung mit rasant in den Keller sinkenden Auflage (wen wundert’s?) hat es sich wohl auf die Fahne geschrieben, die dem Blatt ergebenen und der so genannten freiheitlichen Partei angehörenden Mitglieder der Landesregierung wenigstens medial zu stärken. „Fake News“, wird das heute genannt; auch deshalb wütet derzeit ein spezieller Mensch im „Weissen Haus“. Und der Beweis ist durch die „NZZ“ erbracht, dass auch der Journalismus nicht nur bei der Beurteilung dieser Krise in einer Parallelwelt agiert. Eine intelligente, sportliche Note setzte hingegen der souverän und effizient wirkende österreichische Bundeskanzler Sebastian Kurz in dieser schwierigen Zeit, in der die Welt praktisch still steht: Er führt sein Land, die Realitäten ausgewogen im Auge behaltend, auch mit einer Portion Optimismus durch das Wellental und versteht es, die notwendige Solidarität im Land zu beschwören. So redet er sportlich mitreissend und überzeugend nicht von Österreicherinnen und Österreichern, sondern vom „Team Österreich“. Plattitüden, wie sie die jetzt regelrecht abgetauchte deutsche Bundeskanzlerin regelmässig von sich gibt, vermeidet er geflissentlich. Politisches Talent im Blut zu haben erleichtert das Regieren eben ungemein.

Besch…Lage

Sebastian Kurz: Die personifizierte „good governance“ (© Raul Mee)

(causasportnews / red. / 15. März 2020) Innerhalb weniger Tage ist das Horror-Szenario globale Realität geworden: Das „Coronavirus“ hat der Welt eine Pandemie beschert, wie sie unser Planet noch kaum jemals in ähnlicher Art und Weise in punkto Intensität und Auswirkungen erlebt hat. In vielen Teilen der Welt, so auch in Europa, legt der unheimliche, unbekannte und nicht wahrnehmbare Gegner das Leben weitgehend lahm. Auch der Sport musste innerhalb weniger Tage definitiv vor den Gegebenheiten kapitulieren und findet aktuell kaum mehr statt. Wenn sich die Deutsche „Bundesliga“, wie jetzt, dem Virus geschlagen gibt, ist die Lage an Dramatik in der Tat nicht mehr zu überbieten. Der Sport hat im Moment für die Menschen jegliche Bedeutung verloren; er ist uninteressant geworden. Die Angst dominiert – verständlicherweise. In den elektronischen Medien ist der Sport kaum mehr ein Thema; in den Gazetten und Magazinen existiert die (aktuelle) Sport-Berichterstattung logischerweise auch nicht mehr. In der „Neuen Zürcher Zeitung“ („NZZ“) wird die Sport-Politik sinnigerweise unter der Kopfzeile „CORONAVIRUS“ abgehandelt. Da die Spalten trotz allem gefüllt werden (müssen), bleibt dennoch Raum für viel Unnützes, Überflüssiges und Peinliches. So kommen etwa neuerdings „Zeitzeugen“ des Sportes zu Wort; diese haben die Medien allerdings nicht gesucht; es ist umgekehrt. Sie verhelfen den Zeitungen über das sportlich-mediale Interregnum hinweg. So etwa die Ski-Trainer-Legende Karl Frehsner, diskussionslos eine grosse Persönlichkeit der Sport-Zeitgeschichte. Offenbar leicht gereizt hat er dazu Hand geboten, dass die „NZZ“ immerhin zwei Interview-Seiten produzieren konnte. Es war ein Interview, das einerseits gezeigt hat, weshalb Karl Frehsner über einen beeindruckenden Erfolgsausweis, dank seiner konsequenten, kompromisslosen Art verfügt; anderseits wird im Interview die Absurdität der Sport-Berichterstattung im Zeitalter von „Corona“ manifest. Als der über 80jährige Österreicher mit Wohnsitz in der Schweiz gefragt wurde, wann er, derzeit immer noch tätig für „Swiss Ski“, in seinem Alter endlich aufhören wolle, sagte er in seiner gradlinigen, schnörkellosen Art das, was auch als Abbild der momentanen Stimmungslage im Zeitalter von „Corona“ gelten kann, knapp und knackig: „Das geht Sie einen Scheissdreck an.“ („NZZ“ vom 11. März 2020).- Dem ist an sich mit Blick auf die derzeitige Lage in der Welt und im Sport nichts mehr hinzuzufügen. Ausser vielleicht das: Auch diese Krise wird vorübergehen – wann, weiss niemand. Und diesbezüglich kommt dem Krisenmanagement in den Ländern (nota bene: Die EU hält sich vornehm zurück) besondere Bedeutung zu: Beeindruckend souverän, sachlich, engagiert, unermüdlich und empathisch händelt die Krise der Landsmann von Karl Frehsner, der Österreichische Bundeskanzler Sebastian Kurz. Er ist omnipräsent auch in der Öffentlichkeit, erklärt permanent angeordnete Massnahmen, übt Demut und äussert sich zudem dankbar gegenüber denjenigen, auf denen alle unsere Hoffnungen mit Blick auf die Krisenbewältigung ruhen. Fürwahr ein Mann, dem nicht nur die eigenen Anhänger/innen vertrauen (können)! Und der auch, im Gegensatz zu anderen Politikern in verschiedensten Ländern, am Wochenende Flagge zeigt. Der erstaunliche, intelligente Jung-Star auf der politischen Bühne ist ein Vorbild etwa für die Deutsche Bundeskanzlerin, die auch in dieser Situation abgetaucht ist. Ganz zu schweigen auch von der Schweizerischen Landesregierung, die auf der ganzen Linie versagt und sich, wie gewohnt, opportunistisch scheut, die richtigen und griffigen Massnahmen anzuordnen, etwa die seit Wochen fällige Grenzschliessung zu Italien im Tessin, eine Massnahme, von der mit Blick auf das Wohl von Grenzgängern abgesehen wird. Derweil sich die Lage in der Schweiz im Vergleich zu den meisten europäischen Ländern täglich zuspitzt, was nicht wundert, weil auch die zu milden Massnahmen der Schweizer Regierung zum Teil nicht einmal durchgesetzt werden. Sie will Gutes tun und erreicht das Gegenteil. Die „NZZ“ beschreibt die Wirklichkeit auch hier so, wie sie sie sehen möchte (und nicht so, wie sie ist), z.B. auf der Frontseite in der aktuellen Wochenendausgabe: „Der Bundesrat beweist in der Krise Führungsstärke“ („NZZ“ vom 14. März 2020) – es darf trotz Krise zwischendurch gelacht werden. „Felix Austria!“ also – und „Quo vadis Deutschland und Schweiz?“, könnte die politische Lage auf den Punkt gebracht werden. „good governance“ ist in Krisensituationen nicht nur Glücksache. Fehlt sie, wird offenkundig, wie eng sie an den Begriff „Fähigkeit“ gekoppelt ist. Ohne Zweifel, die Lage ist besch…, um einigermassen an die Terminologie von Karl Frehsner, dem „Eisernen Karl“ aus dem Skisport, anzuknüpfen. Aber die Menschheit muss hier durch.