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Verbands-Disharmonien – diesmal im DFB

© Marco Verch

(causasportnews / red. / 19. Oktober 2020) Mit den derzeit nicht gerade berauschenden Leistungen der Deutschen Nationalmannschaft (genannt «Die Mannschaft») hat es nichts zu tun, dass es im Deutschen Fussball-Bund (DFB) rumort; genauer neben dem Spielfeld und an der Funktionärs-Spitze des grössten Sportverbandes der Welt. Auslöser der an die Öffentlichkeit getragenen Unstimmigkeiten und Machtkämpfe im Verband sind Hausdurchsuchungen, die in den letzten Tagen am DFB-Sitz in Frankfurt a. M. und in den Privatwohnungen verschiedener ehemaliger und aktueller Funktionäre des Verbandes durchgeführt wurden. Rund 200 Beamte sollen in Frankfurt und an verschiedenen Orten (betroffen waren die Privatwohnungen von Funktionären) im Einsatz gewesen sein. Das Grossaufgebot rechtfertigt sich insofern, als es seitens der zuständigen Behörden um Vorwürfe der Steuerhinterziehung geht. Im Fokus der Untersuchungen stehen offenbar Verträge bezüglich Bandenwerbung bei Heimspielen der Deutschen Nationalmannschaft. Die Zahlungen seitens der Schweizer Rechteverwertungsgesellschaft Infront in Zug an den DFB sollen zumindest teilweise am Fiskus vorbeigeschleust worden sein. Ob sich die Vermutung und Vorwürfe erhärten, wird sich zeigen. Bezüglich des DFB und der betroffenen Funktionäre (einer von ihnen soll der ehemalige, eher glücklose DFB-Präsident Reinhard Grindel sein, bei einer weiteren Person soll es sich um den ehemaligen Vizepräsidenten und ad interim-Präsidenten des Verbandes, Reinhard Rauball, handeln), gilt die Unschuldsvermutung.

Im Zusammenhang mit dieser Aufsehen erregenden Steuerrazzia ist ein seit geraumer Zeit schwelender Machtkampf in der Führungsetage des DFB offen zu Tage getreten. DFB-Präsident Fritz Keller, vor ziemlich genau einem Jahr unbelastet und unbefleckt angetreten, das im Zuge zahlreicher Skandale und Wirrungen ins Schlingern geraten «DFB-Boot»  wieder auf Kurs zu bringen, scheint zumindest mit einigen aktuellen und ehemaligen DFB-Funktionären, unter ihnen der langjährige Spitzenfunktionär Rainer Koch und der aktuelle Generalsekretär Friedrich Curtius, nicht (mehr) kongruent zu ticken. Oder anders: Der ehemalige Präsident des SC Freiburg im Breisgau und Gastro-Unternehmer Fritz Keller will offenbar den in die Steuerhinterziehungsaffäre involvierten Funktionäre nicht bedingungslos den Rücken stärken. Er scheint vielmehr bestrebt zu sein, schonungslosen Aufschluss über alle «heiklen» Vorgänge im DFB zu erhalten. Das kommt beim Verbands-Establishment nicht gut an. Ein Mitarbeiter in der DFB-Zentral wird in der neusten Ausgabe des Nachrichtenmagazins «Der Spiegel» (43/20) wie folgt zitiert: «In einem Moment, in dem man erwartet, dass der Präsident sich vor seine Leute stellt, dreht er sich zu ihnen um und schiesst in die eigenen Reihen.». Der Machtkampf zwischen dem DFB-Präsidenten und einigen ehemaligen und aktuellen Spitzenfunktionären im Zuge der durch die Hausdurchsuchungen eskalierten Steuerhinterziehungs-Vorgänge manifestiert zumindest eine veritable Disharmonie im grössten Sportverband der Welt. Die Lage sieht für den DFB tatsächlich nicht optimal aus: Der Verband soll seit 2017 mit Steuernachzahlungen im Zusammenhang mit den Bandenwerbeverträge zwischen dem DFB und Infront von rund 15 Millionen Euro gerechnet haben. Der 63jährige Verbandspräsident Fritz Keller hat von diesem Betrag nun nicht nur Kenntnis genommen; er will nach der Steuerrazzia genau wissen, ob diese Fiskus-Nachforderungen berechtigt sind wer dafür innerhalb des DFB verantwortlich ist.

Ein (nicht) ganz gewöhnliches Fussballspiel

Deutschland – Schweiz, Stuttgart, 22. November 1950 © Deutscher Fussball Bund

(causasportnews / red. / 14. Oktober 2020) Es war an sich ein ganz gewöhnliches Fussballspiel – aber doch nicht ganz. In Köln standen sich am gestrigen 13. Oktober die Nationalteams Deutschlands und der Schweiz gegenüber. Allerdings «nur» in einem Freundschaftsspiel, das es in der konventionellen Form nicht mehr gibt. Heute werden auch Freundschaftsspiele «formatiert», d.h., es geht bei diesen Spielen um ein bisschen etwas – mehr also nur um die Ehre oder um Tests, wie das bis vor kurzer Zeit bei Freundschaftsspielen üblich war. Der Wettbewerb, bzw. das «Format», heisst heute «Nations League», und der Zufall will es, dass in der selben Spielgruppe Deutschland und die Schweiz gegeneinander anzutreten haben. Nicht, weil Deutschland selbstverständlich über das stärkere Nationalteam verfügt als die Eisgenossen, ist ein Match der Deutschen gegen die Schweizer immer etwas Besonderes. Der Hintergrund ist trotz der Apolitizität des (Fussball-)Sportes ein politischer. Die Schweiz und Deutschland sind Nachbarn, und immerhin leben und arbeiten geschätzte eine Million Deutsche, teils in den letzten Jahren eingebürgert, in der Schweiz. Von den Deutschen lassen sich die Schweizer je länger desto mehr die Welt erklären; die «Neue Zürcher Zeitung» hat sich zwischenzeitlich zum Publikationsorgan der Deutschen in der Schweiz gemausert. Selbstverständlich leben Schweizer und Deutsche in der Schweiz friedlich zusammen – und mögen sich recht gut, auch wenn der Schweizer seine Komplexe gegenüber dem Deutschen noch immer nicht vollständig abgelegt hat. In fussballerisch-politischer Hinsicht ist es als speziell zu werten, dass nach dem 2. Weltkrieg die Schweiz 1950 als erstes Land auf der Welt den deutschen Fussballern die Hand zur Versöhnung gereicht hat, was im ersten Freundschaftsspiel zwischen Deutschland und der Schweiz in Stuttgart sportlich besiegelt wurde. Auch wenn jenes Fussballspiel für die Schweiz verloren ging (1:0), bleibt diese Geste des Friedens seitens der Schweiz fünf Jahre nach Kriegsende offenbar für immer präsent. Der Deutsche Fussball-Bund (DFB) hat jenes Freundschaftsspiel bis heute nicht vergessen. Eine schöne Erinnerungen an die Schweiz bildet aber auch der Weltmeistertitel, den sich die Deutschen in der Schweizer Bundeshauptstadt 1954 überraschend und sensationell erspielt hatten – neun Jahre nach dem Ende des Krieges, der für Deutschland desaströs und mit einer Total-Niederlage geendet hatte. Somit war das gestrige Spiel in Köln, das 3:3 ausging, eben mehr als nur ein Freundschaftsspiel. Trotz zweimaligem Rückstand erkämpfte sich die Mannschaft von WM-Trainer Joachim Löw einen für Deutschland wichtigen Punkt in der Gruppe mit den weiteren Mannschaften Spaniens und der Ukraine. Weil Spanien in der Ukraine patzte, könnte Deutschland noch den Gruppensieg schaffen; für die Schweiz folgt auf dieses Ergebnis gegen Deutschland nun wohl der Abstieg. Evident war es allerdings, dass die deutsche National-Elf weiterhin nicht auf Touren kommt. Und das Unentschieden gegen die Schweiz bildet Munition für die Kritiker von Bundestrainer Joachim Löw. Diese werfen ein, der «wahre» Bundestrainer sei so oder so Hansi Flick gewesen, und ohne den jetzigen Bayern-Trainer als «Assistent» und eigentlicher «Schattentrainer» sei Joachim Löw auch das Glück abhanden gekommen. Wie dem auch sei: Mit dem gewaltigen Reservoir an Top-Spielern wird nun von der Deutschen Mannschaft eine gewaltige Steigerung erwartet. Oder die Tage von Joachim Löw als DFB-Bundestrainer könnten bald gezählt sein. Das gestrige Spiel der hochkotierten Deutschen gegen die klar schwächeren Schweizer lässt Raum für Interpretationen und Spekulationen. Auch in einem Freundschaftsspiel geht es heute eben um mehr als noch vor wenigen Jahren.

Neuer Skandal um Vermarktungsmillionen im Fussball

© Marco Verch

(causasportnews / red. / 23. Juni 2020) Für einmal ist in einen Vorgang im globalen Fussball-Vermarktungsgeschäft nicht etwa der Weltfussballverband (FIFA) involviert, sondern von Verbandsseite der grösste Sportverband der Welt, der Deutsche Fussball-Bund (DFB). Es geht um Vermarktungsverträge, die der DFB mit der schweizerischen Vermarktungsgesellschaft Infront Sports & Media AG (Infront) in Zug bezüglich Nationalmannschaften des DFB abgeschlossen hat. Wie das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ in der aktuellen Ausgabe exklusiv berichtet (Nr. 26/2020 vom 20. Juni 2020), sollen Deutsche Top-Funktionäre im DFB die von Philippe Blatter, Neffe des ehemaligen FIFA-Präsidenten Josef Blatter, geführte Vermarktungsgesellschaft in der Innerschweiz begünstigt und so auf Millionen von Franken bzw. Euros verzichtet haben. Zum gesamten Thema existiert offenbar ein „Geheimbericht“, der kürzlich dem DFB-Präsidium zugestellt worden sein soll und offenbar Unappetitliches enthält. Dieser offensichtliche, neue Skandal im organisierten Fussball reiht sich an andere, eigenartiger Vorkommnisse. Erst vor rund einem Jahr wurde beispielsweise bekannt (causasportnews vom 12. Juli 2019), dass die Zuger Unternehmung Bandenwerbung für 30 Sekunden verkaufte, aber jeweils eine Sekunde weniger sendete (und jede gewonnene Sekunde nochmals verkaufte) – ein veritabler Betrug an Unternehmungen, die Bandenwerbungen belegten. Wie auch aktuell wurde damals im Zusammenhang mit dem „Sekundenklau“ der Name eines ehemaligen Star-Fussballers und heutigen Sport-Lobbyisten mit Nähe zu Infront genannt: Günter Netzer. Für ihn gilt selbstverständlich die Unschuldsvermutung, wie auch für den ehemaligen DFB-Präsidenten Wolfgang Niersbach, der im „Geheimbericht“ offenbar nicht gerade vorteilhaft wegkommt. In der neusten Fussball-Affäre wird, wie bereits früher, eines klar: Die Beziehungen zwischen dem DFB und Infront waren und sind derart eng, dass andere Marketingfirmen, nicht nur wenn es um den Verkauf von Bandenwerbung geht, kaum reelle Chancen haben, ins Geschäft mit dem DFB zu kommen. Zufall ist beispielsweise etwa, dass der Sohn des damaligen DFB-Generalsekretär Helmut Sandrock, ein eloquenter, ehemaliger Red Bull-Mann, relativ zügig zu einer Anstellung bei Infront kam. Ein Schelm, der Unlauterkeit vermutet…

Dass dieser nun bekannt gewordene Komplex nun vollständig aufgedeckt werden soll, ist vor allem der Initiative des aktuellen DFB-Präsidenten Fritz Keller sowie dem Generalsekretär des Verbandes, Friedrich Curtius, zuzuschreiben. Fritz Keller hat schon bei seinem Amtsantritt erklärt, mit „Altlasten“ im Verband aufräumen zu wollen. Zu diesen zählen zweifelsfrei die eigenartigen Verbindungen zwischen DFB und Infront. Affaire à suivre.

Ein Detail neben „Corona“

Trending Topics 2019

(causasportnews / red. / 11. März 2020) Das Virus „Corona“ hat es geschafft, auch in Europa das Leben der Menschen zu beeinflussen und es teils sogar lahmzulegen. Niemand vermag derzeit zu sagen, was die Menschheit in diesem Zusammenhang noch erwartet. Auch der Sport ist von der Epidemie getroffen worden; sie wird ihn nachhaltig prägen. Wo der Sport nicht ganz zum Erliegen gekommen ist, gilt er nicht einmal mehr als „schönste Nebensache“ – von der immer wieder beschworenen „Hauptsache“ ganz zu schweigen. Er befindet sich in einer umfassenden, temporären Agonie. Sport ist üblicherweise mit (Lebens-)Freude, Engagement und Aufbruch verknüpft; im Moment prägen Ängste und schwindende Hoffnungen das tägliche Leben. Die Sportberichterstattung schrumpft immer mehr zusammen. In den Gazetten werden die Spalten mit „Konserven“ und ellenlangen Interviews, die niemanden interessieren, gefüllt; der aktuelle Sport wird mit Füllmaterial kompensiert. Nur in Deutschland scheint das „Bundesliga-Virus“ stärker zu sein als das „Corona-Virus“: Unbeirrt wird der Bundesliga-Spielbetrieb aufrechterhalten, praktisch jedes Stadion ist ausverkauft, als gäbe es die Seuche nicht. Deutschland beweist auch im Zusammenhang mit „Corona“, dass im Land der Dichter, Denker und Biathleten der Faktor „Wirtschaft“ absolute Priorität geniesst. Die Gefahr, die von „Corona“ ausgeht, wird heruntergespielt und, wenn es um die „Bundesliga“ geht, regelrecht ausgeblendet.

Die momentane Sach- und Stimmungslage hat auch gute Seiten. Etwa mit Blick auf den HSV-Stürmer Jatta Bakery, für dessen Historie sich derzeit niemand (mehr) interessiert. Die Geschichte des Fussballstars aus dem mehr als schwierigen Umfeld Gambias war das Öffentlichkeits- und Medienthema im letzten Herbst, als sich Hinweise verdichteten, der bald 22jährige Top-Spieler habe sich als Migrant unter diesem Namen unkorrekterweise in Deutschland registrieren lassen. In Tat und Wahrheit habe er Bakary Daffeh geheissen. Obwohl nach grosser Aufregung das Identitätsgerangel um den Spieler nur noch Nebenschauplätze beherrschte (nämlich das Verbandsrecht sowie die Migrationsbehörden), setze ein Hin und Her um die Identität des in Deutschland unter dem Namen Jatta Bakery geradezu berühmt gewordenen Spielers ein (vgl. dazu auch causasportnews vom 16. und vom 24. September 2019). Die Kardinalfrage blieb lange Zeit aktuell: Ist Jatta Bakery wirklich Jatta Bakery? Oder ist Jatta Bakery Bakary Daffeh? Nun ist die Diskussion um den Identitätskrimi vom letzten Jahr verstummt. Auch „Corona“ sei Dank. Untersuchungen zu diesem Thema sind sowohl seitens der Verbandsjustiz als auch von Behördenseite nicht mehr weiter geführt worden. Auch staatsanwaltschaftliche Ermittlungen wurden bald einmal abgeschlossen. So geht die Sport-Welt davon aus, dass Jatta Bakery eben Jatta Bakery ist. So ganz sicher ist bei dieser Annahme allerdings niemand. Bei Nachfragen bei Verbandsverantwortlichen und den Behörden gilt eindeutig das Prinzip „nichts hören, nichts sehen, nichts sagen“.

Anwaltskanzleien als „Reinwäscher“ – das Beispiel „Freshfields“

(causasportnews / red. / 28. Februar 2020) Geht es um Unzulänglichkeiten und Skandale im Wirtschaftsleben und insbesondere in Unternehmen, hat sich eine neue Vorgehensweise eingebürgert: Nachdem der Skandal öffentlich geworden ist, wird vom betroffenen Unternehmen flugs eine unabhängige Anwaltskanzlei beauftragt, um einen Bericht, dessen Unabhängigkeit dann in der Unternehmens-Kommunikation hervorgehoben wird, zu erstellen; dieser entlastet selbstverständlich alle Protagonistinnen und Protagonisten des Unternehmens von Schuld und Strafe. Meistens ist dies die selbe Kanzlei, welche das betroffene Unternehmen oft während Jahren in allen juristischen und weniger juristischen Lebenslagen beraten und vertreten hat; es lässt sich dann bezüglich solcher Kanzleien von „relativer Unabhängigkeit“ sprechen. Vor allem bei den Banken, welche teils immer wieder mit unappetitlichen Vorgängen konfrontiert werden, ist der Abklärungsauftrag an die „Haus-Anwaltskanzlei“ eine probate Vorgehensweise zur Reinwaschung aller Missetäter/innen, ebenso für das Management und die strategischen Organe. Für das jeweilige Unternehmen rechnet sich diese Strategie bestens, denn das Ergebnis einer Untersuchung, welche dann der Öffentlichkeit als tiefschürfende, unabhängige Abklärung durch ebenso unabhängige Anwaltskanzleien „verkauft“ wird, dürfte regelmässig den Vorgaben und Erwartungen des Auftraggebers gerecht werden. Für die Kanzleien sind solche Aufträge selbstverständlich „Kassenfüller“.

Diese Praxis hat seit geraumer Zeit auch den organisierten Sport im Griff. Und wie…Zum Beispiel den deutschen Fussball. Zur Klärung der Geldmittelflüsse im Zusammenhang mit der „Sommermärchen“-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland hat der Deutsche Fussball-Bund (DFB) 2015 eine der renommiertesten Kanzleien, „Freshfields Bruckhaus Deringer“, zur Klärung der Sachverhalte beauftragt. Überlegung: Wenn die es nicht können, kann es wohl niemand sonst; und wenn die es nicht können, legt sich auch der Zorn des Volkes. So kam es auch: Die Abklärungen des an sich simplen Vorganges ergaben resultatmässig nichts (vgl. dazu schon causasportnews vom 4. Mai 2017), dem DFB verschafften sie jedoch „Luft“. Objektiv gesehen also ausser Spesen nichts gewesen. Für die Kanzlei ein lohnendes Geschäft. Für den Verband und seine Leader-Figuren ein Befreiungsschlag, der auch etwas kosten darf. Konkret spülte die Untersuchung der Kanzlei mit Weltruf Millionen in die Kasse – im organisierten Fussball wird der Begriff „Spesen“ seit geraumer Zeit bekanntlich tendenziell weit gefasst. Erst später wurde bekannt, dass die mit der unabhängigen Untersuchung beauftragte Kanzlei schon vorher i.S. WM-Endrunde 2006 tätig war. Seit der „Spiegel“ berichtete, dass „Freshfields Bruckhaus Deringer“ in fragwürdige Steuerdeals in der Finanzbranche verwickelt ist („Spiegel“ 4/2020), herrscht eine gewisse Unruhe im Business. Als dann noch Ulf Johannemann, der (ehemalige) Leiter der Steuerabteilung der Kanzlei mit Weltruf, im vergangenen November für ein paar Wochen in Untersuchungshaft gesetzt wurde, war auch dieser Ruf mehr als ramponiert. Die Kanzlei soll gemäss „Spiegel“ in noch nicht abschliessend zu qualifizierende Steuervorgänge im Rahmen der Finanzbranche verwickelt sein – mit gewaltigen, volkswirtschaftlichen Auswirkungen. Die Kanzlei als hintergründige Strippenzieherin der Weltwirtschaft soll mit Konstrukten dem deutschen Staat Milliarden entzogen haben; genau weiss noch niemand, um welche Beträge es letztlich geht. Die Lehren aus den Geschichten: Nach wie vor untersuchen Anwaltskanzleien im Auftrag von Unternehmen (oder Sportorganisationen) Vorgänge, an denen sie manchmal selber mitgewirkt haben. Manchmal untersuchen sie ihre (oft fragwürdige) Arbeit gleich selber. Diese Einnahmen bilden für die Heerscharen von Juristinnen und Juristen rund um den Erdball lukrative Aufträge. Das geschieht alles nach dem von Bertold Brecht in den Raum gestellten Motto: „Zuerst kommt das Fressen dann die Moral“. Auch Wilhelm Busch lässt in diesem Zusammenhang immer wieder grüssen: „Ist der Ruf erst ruiniert lebt es sich ganz ungeniert“. So geht das Agieren von Top-Kanzleien offenbar ungestört weiter…

Schweizer Justiz in Fussballverfahren vor dem Total-Crash

(causasportnews / red. / 29. Januar 2020) Alles begann so schön spektakulär-öffentlich, und die Schweiz sah die Chance gekommen, sich durch vorbehaltlos devotes Verhalten Freunde in den USA zu schaffen und sich der Welt-Öffentlichkeit als Sauber-Nation zu präsentieren, als am 27. Mai 2015 die Schweizer Behörden auf Ersuchen der US-Justiz frühmorgens im Zürcher Nobel-Hotel „Baur au Lac“ mehrere FIFA-Funktionäre aus den Betten holten und abführten. Es erfolgten Auslieferungen der Verhafteten, Schlammschlachten zwischen Funktionären und Ermittlungen  seitens der Bundesanwaltschaft. 25 Verfahren werden seither von der Schweizer Bundesanwaltschaft geführt; und in einem einzigen Fall ist seither Anklage wegen der sog. „Sommermärchen-Affäre“ im Zuge der WM-Endrunde 2006 in Deutschland erhoben worden. Es geht um dubiose Zahlungen, durch die sich zumindest vier Personen strafrechtlich verantworten müssen: Theo Zwanziger, Wolfgang Niersbach und Horst R. Schmidt sowie der Schweizer Urs Linsi, ehemaliger FIFA-Generalsekretär. Das Verfahren gegen Franz Beckenbauer ist zwischenzeitlich abgetrennt worden. Seit einem halben Jahr liegt die Anklageschrift gegen die vier Beschuldigten beim Bundesstrafgericht in Bellinzona, und am 9. März 2020 soll nun der Prozess im Tessin abgehalten werden. Diese Zeitspanne von einem halben Jahr gibt zu Diskussionen Anlass, könnte aber damit zu tun haben, dass das Bundesstrafgericht seit geraumer Zeit ebenso vor allem mit sich selber beschäftigt ist wie die Bundesanwaltschaft. Animositäten, Querelen, ein Hauen und Stechen auf allen Ebenen und weiteres sollen Gründe dafür sein, dass die Behörden „Bundesanwaltschaft“ und „Bundesstrafgericht“ juristischen Tollhäusern ähneln. Das für sich alleine ist schon eine Bankrotterklärung des Schweizer Justizapparates; erschwerend kommt nun im zur Anklage gebrachten Vorgang hinzu, dass bezüglich der eingeklagten Taten die Verjährung droht; eingeklagte ist der Tatbestand des Betrugs (Art. 146 Strafgesetzbuch), der in der Praxis kaum je greift. Bis zum 27. April 2020 müssen gegen die Beschuldigten Verurteilungen vorliegen, ansonsten die Taten in jedem Fall verjährt sind.- Niemand glaubt mehr daran, dass dies gelingen wird. Hinter vorgehaltener Hand wird getuschelt, dass es allen Involvierten nicht ungelegen käme, wenn auf diese Weise die Verjährung eintreten würde. „In die Verjährung gleiten lassen“ wird in der Justiz diese Form der Verfahrenserledigung genannt. Die Bundesanwaltschaft würde sich jedenfalls nicht dem Ruf aussetzen, die Anklage nicht rechtzeitig erhoben zu haben (wobei aufgrund der Aktenlagen nach Meinung von Experten Freisprüche allerdings vorprogrammiert sind); falls das Bundesstrafgericht die Fälle in die Verjährung schlittern lässt, käme sie darum herum, die Funktionäre freisprechen zu müssen. Dass das Gericht also nicht unglücklich wäre, die Vorgänge nicht materiell-rechtlich beurteilen zu müssen, liegt auf der Hand.

So könnte der bevorstehende Prozess gegen die vier Fussball-Funktionäre dazu führen, dass sich die Schweiz am 9. März 2020 noch einmal global in Szene setzen könnte. Allerdings kaum mehr so spektakulär-saubermännisch wie am 27. Mai 2015 anlässlich der Verhaftungen im „Baur au Lac“ in Zürich. Die Welt könnte dann allerdings den Total-Crash der Schweizer Justiz im wohl grössten Fussball-Skandal aller Zeiten mitverfolgen. Das ganze könnte „garniert“ werden mit einem Prominenten-Schaulaufen in Bellinzona. Befragt werden sollen am Prozess nämlich der ehemalige FIFA-Präsident Joseph Blatter und die Fussball-Ikone Günter Netzer. Logisch, dass sich der abgehalfterte, ehemalige FIFA-Spitzenfunktionär diese Gelegenheit, wieder einmal in der Öffentlichkeit stehen zu können, nicht nehmen lassen wird. Geladen zur Befragung ist übrigens auch Franz Beckenbauer, der eigentlich ebenfalls auf der Anklagebank sitzen müsste. Allerdings gilt er (als Beschuldigter) als nicht einvernahmefähig; hingegen ist das Bundesstrafgericht der Meinung, dass er im Verfahren gegen seine (ehemaligen)Kollegen dennoch befragt werden könnte. Wetten, dass der „Kaiser“ aber auch als Auskunftsperson nicht dabei sein wird!

Horst Hilpert (82) ist verstorben

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Dr. Horst Hilpert, Prof. Wolf-Dietrich Walker und Prof. Ulrich Haas (von links nach rechts)   anlässlich einer Sportrechts-Tagung

(causasportnews / red. / mn. / 17. Oktober 2019) „Ich bin sicher, jetzt hört die Fallsucht der Spieler auf“, sagte der langjährige Vorsitzende des Kontroll-Ausschusses des Deutschen Fussball-Bundes (DFB), Dr. Horst Hilpert, nachdem er 1995 als Chefankläger des grössten Sportverbandes der Welt eine Sperre gegen den Dortmund-Spieler Andreas (Andi) Möller nach einer „Schwalbe“ erwirkt hatte. Der spektakulärste Fall in seiner 15jährigen Amtszeit als ehrenamtlich tätiger Sportfunktionär und Vorsitzender des Kontroll-Ausschusses, im Berufsleben Präsident des Landesarbeitsgerichts des Saarlandes und Präsident des Saarländischen Verfassungsgerichtshofes, war zweifellos das Verfahren gegen Schiedsrichter Robert Hoyzer im sog. „Sportwettenskandal“ um verpfiffene Spiele. Vor zwei Tagen ist der Top-Sportfunktionär und versierte Jurist im Alter von 82 Jahren verstorben. Nach dem Ausscheiden aus dem Richterdienst verfasste Horst Hilpert mehrere Monographien zum Sportrecht. Seine Dissertation, vor acht Jahren (!) fertig gestellt und in der „Schriftenreihe Causa Sport“ publiziert („Die Geschichte des Sportrechts“, Bd. 4; 2011), wurde an der Juristischen Fakultät der Universität Kiel eingereicht und von Prof. Dr. Martin Nolte, dem heutigen Leiter des Instituts für Sportrecht der Deutschen Sporthochschule Köln und u.a. Mitglied des Redaktionsteams von „Causa Sport“, abgenommen. Diese über 500 Seiten starke Publikation gilt als „opus magnum“ des Sportrechts und reicht von der Darstellung spielbezogener Höhlenmalereien aus der Frühgeschichte der Menschheit bis zu den Olympischen Jugendspielen 2010 in Singapur. In der „Schriftenreihe Causa Sport“ erscheinen noch zwei weitere Publikationen des unermüdlichen Schaffers: „Die Olympischen Spiele der Neuzeit“ (Bd. 9; 2014) und „Nationale und internationale Fussballrechtsprechung“ (Bd.13; 2016). Seine letzte Publikation zu Sport- und Spielregeln von der Urzeit der Menschheit bis zur Gegenwart erschien vor wenigen Wochen; Horst Hilpert war es vergönnt, dieses Werk noch fertig stellen zu können.

„Fall Tönnies“: Nach den Moralisten die Juristen

(causasportnews / red. / 2. September 2019) Es war sicher kein kluger Einfall, als sich der Präsident des derzeit zehntplatzierten Bundesliga-Vereins FC Schalke 04, Clemens Tönnies, zu Afrika und den Afrikanern äusserte (vgl. auch causasportnews vom 13. August 2019). Zumindest war die Äusserung ungeschickt und geht natürlich gar nicht. Doch gesagt war gesagt. Und so fegte umgehend ein Shitstorm über den Präsidenten des Klubs aus Gelsenkirchen. Die Medien schossen während Tagen auf den 63jährigen Unternehmer in der Lebensmittelbranche. Prominente und weniger Prominente feuerten mit der gesamten Digitalisierungs-Maschinerie auf den nebenamtlichen Sportfunktionär. So verlangte Ex-Fussballprofessional-Spieler Hans Sarpei Abbitte, und Schauspieler („Der Alte“) und Ex-Politiker Charles Muhamed Huber trat unter Protest aus der CDU aus, weil diese die Worte von Clemens Tönnies zu stark relativiert habe. Der Schalke-Präsident kündigte nach einer Sitzung des Ehrenrates des Klubs an, sein Amt für drei Monate ruhen zu lassen. Mehr passierte nicht, weil immerhin ein ehemaliger Richter am Bundesgerichtshof in einer Analyse zum Schluss kam, die Äusserungen von Clemens Tönnies seien nicht rassistisch. Mit diesem Schritt überstand der Unternehmer und Sportfunktionär zumindest den ethisch motivierten Shitstorm einigermassen unbeschadet. Die „heisse, juristische Kartoffel“ wurde danach der Ethikkommission des Deutschen Fussball-Bundes (DFB) weitergereicht. Dieses Sanktionsorgan des grössten Sportverbandes der Welt hatte zu entscheiden, ob Clemens Tönnies‘ Äusserungen als rassistisch zu qualifizieren seien. Das waren sie offensichtlich nicht, und die DFB-Sanktionsbehörde konnte und wollte wohl kaum einer Richter-Expertise entgegentreten. So kam es im privatrechtlich motivierten Verfahren so, wie es zu erwarten war: Das DFB-Sanktionsorgan verzichtet auf ein Verfahren gegen den Schalke-Präsidenten. In einer Anhörung habe dieser überzeugend dargetan, dass er kein Rassist sei…Das alles war dann für die Medien kaum mehr als eine dürre Meldung wert. Die Lehre aus der Geschichte: Ethik und Recht bilden zwei verschiedene Ebenen. Und: Die juristische Welt sieht oft anders aus als die moralische. Übrigens: Clemens Tönnies will seine „Auszeit“ als Vereins-Funktionär aufgrund der rechtlichen Sachlage nicht abkürzen.

Deutsche Fussball Liga (DFL) kann an Polizeikosten bei Hochrisikospielen beteiligt werden

(causasportnews / red. / th. / 16. August 2019) Wenn bei Fussballspielen Rivalen aufeinandertreffen, strömen oft nicht nur zahlreiche „problematische“ Fans in die Stadien, sondern bedingen die Spiele oft auch Grosseinsätze seitens der Polizei. Um die Sicherheit in den Sportstätten und drum herum zu gewährleisten, fallen regelmässig teils enorme Kosten an; in der Saison 2016/2017 beispielsweise beliefen sich die polizeilichen Arbeitsstunden auf 1,4 Millionen, was Kosten von ungefähr 80 Millionen Euro verursachte.

In Deutschland gehen diese Kosten komplett zu Lasten der Steuerzahler, die Deutsche Fussball Liga (DFL) wurde nicht in die Pflicht genommen. Bisher jedenfalls. Denn gerade das kleinste deutsche Bundesland, der Stadtstaat Bremen, möchte diese finanzielle Belastung nicht mehr alleine schultern und hat Ende 2014 eine spezifische Norm in seinem Gebühren- und Beitragsgesetz verankert. Hiernach wird eine Gebühr von Veranstaltern erhoben, wenn sie einen gewinnorientierten Anlass durchführen, an der voraussichtlich mehr als 5 000 Personen zeitgleich teilnehmen werden, wenn wegen erfahrungsgemäss zu erwartender Gewalthandlungen vor, während oder nach der Veranstaltung am Austragungsort, an den Zugangs- oder Abgangswegen oder sonst im räumlichen Sportstätten-Umfeld der Einsatz von zusätzlichen Polizeikräften vorhersehbar erforderlich wird. Die Gebühr soll nach dem Mehraufwand berechnet werden, der aufgrund der zusätzlichen Bereitstellung von Polizeikräften anfällt.

Auf dieser rechtlichen Basis hatte Bremen nach einem Hochrisikospiel des SV Werder gegen den Hamburger SV vor gut vier Jahren der DFL einen Gebührenbescheid über mehr als 400 000 Euro zugestellt. Der darauffolgende Prozessmarathon fand nun kürzlich in der höchstrichterlichen Bestätigung, dass die Erhebung einer Gebühr für Polizeikosten bei Hochrisikospielen vom Veranstalter prinzipiell rechtmässig ist, ein juristisches Ende. Zwar hatte die DFL erstinstanzlich noch einen Erfolg verbuchen können; bereits das Oberverwaltungsgericht hatte jedoch nachfolgend keine verfassungsrechtlichen Bedenken gegenüber der Gebührenregelung und wies die Klage ab. Diese Rechtsauffassung wurde durch das Bundesverwaltungsgericht (BVerwG) in seinem Urteil vom 29. März 2019 (Az. 9 C 4.18) letztinstanzlich bestätigt. In dieser nunmehr in vollständigem Umfang veröffentlichten Entscheidung betont das BVerwG, dass auch die Steuerschuld keinen Anspruch auf eine unentgeltliche Inanspruchnahme besonders zurechenbarer Leistungen gewähre. Wenn zum Zwecke der Gewinnerzielung die staatliche Sicherheitsvorsorge als öffentliches Gut in besonderem Masse in Anspruch genommen werde, dürfe hierfür auch grundsätzlich eine Gebühr erhoben werden. Gerade bei einer risikobehafteten Grossveranstaltung, wie den Hochrisikospielen der Deutschen Bundesliga, sei der Veranstalter auf die verstärkte Sicherheitsvorsorge angewiesen, und zwar nicht nur im Stadion selbst und während der eigentlichen Dauer des Spiels, sondern auch im räumlichen und zeitlichen Zusammenhang mit der Veranstaltung. Denn ohne die zusätzliche Polizeipräsenz bestünde das Risiko, dass die Besucher einer Veranstaltung nicht sicher zum Stadion und zurück gelangten. Auch soweit Schäden an der Gesundheit und am Eigentum Dritter entstünden, fielen sie letztlich auf den Veranstalter zurück und würden sein Ansehen in der Öffentlichkeit herabsetzen. In letzter Konsequenz wäre gar zu befürchten, dass Gewalthandlungen so eskalierten, dass eine Bundesliga-Partie nicht so wie geplant oder gar nicht durchgeführt werden könnte.

Aus dem verstärkten Polizeieinsatz, der Sicherheitsvorsorge zur Abwehr drohender Gefahren und der damit verbundenen Risikominimierung ziehe der Veranstalter daher nicht nur einen ideellen, sondern auch und gerade einen wirtschaftlichen Nutzen. Der Veranstalter, der ausschliesslich als Nutzniesser und nicht als Störer in Anspruch genommen werde, stehe den Kosten somit näher als die Allgemeinheit und könne bei gewinnorientierten Veranstaltungen nach dem Vorteilsprinzip in Anspruch genommen werden. Ferner bedürfe es auch unter Berücksichtigung des Allgemeininteresses an der Gefahrenabwehr keines steuerfinanzierten Abschlags, wenn der zusätzliche Sicherheitsaufwand ausschliesslich aufgrund einer gewinnorientierten, privaten Veranstaltung erforderlich wird.

Daher stehe eine landesgesetzliche Regelung, die dem Veranstalter einer gewinnorientierten Grossveranstaltung, die wegen zu erwartender Gewalthandlungen den Einsatz zusätzlicher Polizeikräfte erforderlich macht, eine Gebühr zur Deckung des Mehraufwandes auferlegt, mit dem Steuerstaatsprinzip (Art. 104a ff. des Grundgesetzes, GG) grundsätzlich in Einklang.

Das BVerwG bestätigte somit die generell Verfassungskonformität der Gebühr. Da im Falle Bremens aber noch spezifische Fragen hinsichtlich der Höhe der konkreten Gebührenfestsetzung zu klären sind, wurde das Verfahren an das Oberverwaltungsgericht Bremen zurückgewiesen. Offen ist weiterhin, ob andere Bundesländer dem aktuellen Beispiel folgen werden. Bereits vor dem Urteil des BVerwG hatten Innenminister mehrerer Bundesländer betont, dass sie an der bisherigen Regelung festhalten und keine Gebühren erheben wollen.

(„Causa Sport“ wird in Heft 3/19, erscheint am 30. September 2019, auf diese, von Dr. Tanja Haug, München, thematisierte Entscheidung zurückkommen – mit einem Kommentar von Prof. Dr. Martin Nolte, Deutsche Sporthochschule Köln).

Theo Zwanziger im juristischen Gegenangriff

(causasportnews / red. / 14. August 2019) Der ehemalige Präsident des Deutschen Fussball-Bundes (DFB), Dr. Theo Zwanziger, gilt als streitbarer Zeitgenosse. Noch in seiner Zeit als DFB-Präsident (2006 bis 2012) scheute er selten zurück, z.B. gegen in seinen Augen missbeliebige Medienschaffende juristische vorzugehen, falls er dies als angezeigt hielt. Meist tat und tut er dies auch heute noch erfolgreich. Der 74jährige Jurist gilt als brillanter Kopf und gewiefter, juristischer Taktiker. Deshalb verwundert die neuste Meldung betreffend Theo Zwanziger nicht, dass er gegen die Schweizerische Bundesanwaltschaft eine Strafanzeige einreichen will. Grund dafür ist die Anklagerhebung der Behörde u.a. gegen ihn im Zuge des „Sommermärchens“, bzw. wegen einer bisher ungeklärten Zahlung von 7,6 Millionen Euro (causasportnews vom 8. August 2019). Neben dem ehemaligen DFB-Präidenten müssen sich auch der frühere DFB-Präsident Wolfgang Niersbach, der ehemalige deutsche Spitzenfunktionär Horst R. Schmidt sowie der frühere FIFA-Generalsekretär Dr. Urs Linsi vor dem Bundesstrafgericht in Bellinzona wegen Betrugs verantworten. Theo Zwanziger wirft der Anklagebehörde eine bewusst falsche Interpretation von Beweismitteln vor. Der juristische Gegenangriff von Theo Zwanziger, der um seine Reputation kämpft, könnte auch damit zusammenhängen, Druck auf das Gericht, das in einem nächsten Schritt über die Anklagezulassung in der „Causa Sommermärchen“ befinden muss, auszuüben. Die Anklage der Bundesanwaltschaft gegen die ehemaligen Fussball-Funktionär ist in der Tat als einigermassen speziell zu qualifizieren…Sicher ist in dieser Sache nur das: Affaire à suivre.