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Europameisterschafts-Endspurt und Schiedsrichter unter Druck

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(causasportnews / red. / 6. Juli 2021) Im Londoner «Wembley»-Stadion werden die letzten Kapitel der Fussball-Europameisterschaft 2020, die erst in diesem Jahr ausgetragen werden konnte, geschrieben. Bereits kurz vor dem Höhepunkt, dem Finalspiel am Sonntag, ist das Fazit zu ziehen, dass dieses Turnier, ausgetragen an elf Orten, glücklich durchgezittert worden ist – bis hin zum Höhepunkt in London. Um die im vergangenen Jahr verschobene Meisterschaft 2021 durchführen zu können, brauchte es eines: Das «Damoklesschwert Corona» zu ignorieren. Das war an etlichen Austragungsorten offensichtlich (z.B. in Budapest oder in St. Petersburg). Und just auf die letzten Spiele hin, die alle in England stattfinden werden, hat der britische Premierminister, Boris Johnson, selbst ein «Corona-Opfer», «COVID-19» als besiegt erklärt und die Stadion-Tore des legendären «Wembley» für die Halbfinalspiele und den Final aufgewuchtet – obwohl die Infektions-Zahlen breitgefächert in eine besorgniserregende Richtung deuten. Es ist fast so wie jeweils im Weltfussballverband FIFA, als der damalige FIFA-Präsident Joseph Blatter Krisen für beendet erklärt hatte, als ihn diese nur noch nervten. Natürlich ist die Politik im Zusammenhang mit «Corona» und der Europameisterschaft nicht nur seitens des organisierenden Kontinentalverbandes (UEFA) unter Druck geraten; Stadien ohne Publikum und ohne damit zusammenhängende Emotionen sind für das Geschäft verheerend. Die Politik beugt sich den Wünschen und Forderungen der Bürgerinnen und Bürger: Gegen Klaumauk und Spiele zu sein, bringt keine Wählerstimmen (was die japanische Politik vor der nächsten Grossveranstaltung dieses Jahres, den Olympischen Sommerspielen, derzeit schmerzlich erfährt). So wird nun die Gesundheit der Menschen dieser Welt, insbesondere in Europa, auf dem Altar des Mammons geopfert. Und niemand stoppt den Wahnsinn, der dann wohl im Herbst spürbar sein wird, zumal Impf-Gegner und -Querulanten Oberwasser erhalten haben. In dieser Jahreszeit muss auch die Ferien- und die Freizeit-Industrie laufen wie geschmiert; «Corona» ist als Störfaktor zu verdrängen und zu ignorieren – vox populi vox Dei.

Kurz vor Beendigung der Europameisterschaft stehen zwar die Mannschaften im Zentrum des Interesses. Ins Visier der Kritiker sind allerdings die Schiedsrichter geraten. Trotz mordernster Überwachungstechnologie stossen krasse Fehlentscheide zuhauf für Unverständnis und Verärgerung. VAR (Video Assistant Referee) und weitere technische Unterstützungs- und Überwachungsmittel haben die Autorität und den vormals unantastbaren Status der Schiedsrichter untergraben und teilweise zerstört. Die Referees sind von der Überwachungs-Technologie regelrecht demontiert worden und verhalten sich im Rahmen der Spielleitungen wie Kaninchen vor der Schlange.- In diesem Zusammenhang erregt eine Medienmeldung aus Deutschland für Aufsehen: Der langjährige Bundesliga-Schiedsrichter Manuel Gräfe hat angekündigt, juristisch gegen die Schiedsrichter-Altersbegrenzung von 47 Jahren anzukämpfen. Es gibt sie also doch noch, die Schiedsrichter-Masochisten, die sich das alles bis ins hohe Alter antun wollen, wäre man geneigt zu sagen; offenbar spielen jedoch auch finanzielle Aspekte eine Rolle. Der Spitzen-Schiedsrichter will sich jedenfalls diese «Altersdiskriminierung» nicht gefallen lassen, wie er gegenüber Medien erklärt hat. Juristisch dürfte dem streitbaren Schiedsrichter, der vor einem Jahr seine Pfeife abgeben musste, keine grosse Hoffnung gemacht werden. Womit der Bogen auch wieder zu Joseph Blatter gespannt wäre. Dieser empfand eine Altersbeschränkung für das Präsidentenamt stets als diskriminierend. Eine lebenslängliche Amtszeit war für ihn das Mass aller Dinge; an seine Unsterblichkeit glaubte er eh. Bekanntlich wurde er dann aus anderen Gründen aus dem Amt katapultiert.

Weltmarken im Spannungsfeld



Oft ist es nach dem Druck anders als vor dem Druck: Die Glorifizierung des «Markenpaars Hummels» – vor der Pleite vorbereitet, nach dem Desaster veröffentlicht. Aus Stars wurden «Sternschnuppen».

(causasportnews / red. / 19. Juni 2021) Marken prägen die moderne Lifestyle-Welt. Somit auch den Sport (vgl. causasportnews vom 17. Juni 2021). Was eine Marke zur Marke werden lässt, ist oft unklar; ausser, sie sei in einem «Marken-Register» eingetragen. Plötzlich wird eine Sache oder ein Mensch zur «Marke». Zum Beispiel Cristiano Ronaldo. Als Sportler ist er mit seinem Lebensstil und seiner Werbewirksamkeit längst zur Marke geworden. Wer eine «Marke» ist, kann sich einiges, oft sogar fast alles, erlauben. Wie der schon mehr als 36 Jahre alte Portugiese. So kam es, dass der Stürmer von Juventus Turin und der Nationalmannschaft Portugals von einer Sekunde auf die andere in ein Spannungsfeld mit einer anderen (Wort-)Marke, Coca-Cola, geriet, was nicht nur die Werbebranche aufschreckte. Der körperbewusste Star räumte anlässlich einer Medienorientierung vor dem EM-Spiel Portugals gegen Ungarn die auf dem Konferenztisch stehenden Flaschen des US-Konzerns kurzerhand weg und raunte: «Wasser» in den Saal. Die Medienschaffenden interpretierten das so, dass das Verhalten des Stars als Aufforderung zu verstehen sei, Wasser statt zuckerhaltige Getränke zu sich nehmen. Von einer Minute auf die andere ging die Anti-Coca-Cola-Aktion (oder das pro-Wasser-Bekenntnis) von Cristiano Ronaldo um die Welt. Vor der besagten Medienorientierung lag der Aktienkurs von Coca-Cola bei 56,10 Dollar, nach dem Auftritt des begnadeten, schwerreichen Fussball-Virtuosen bei 55,22 Dollar. Das bedeutete innerhalb weniger Minuten einen kumulierten Börsenverlust von Coca-Cola von rund vier Milliarden Dollar. Die Schlagzeilen, vor allem in der Wirtschaftspresse, folgten auf dem Fuss. «Cristiano Ronaldo lässt den Aktienkurs von Coca-Cola abstürzen», titelten mehrere Presseerzeugnisse. Der Kampf einer personifizierten Marke gegen eine Lifestyle-Wort-Marke endete also zu Gunsten des Protagonisten aus Portugal. Wie zu erwarten war, schoss Cristiano Ronaldo seine Equipe nach der Medienkonferenz zum Sieg gegen Ungarn (3:0; zwei Tore von Cristiano Ronaldo). Aufgrund seines sportlichen Wertes und seiner wirtschaftlichen Potenz konnte der Sportler den Kampf gegen die global bekannte Marke «Coca-Cola» problemlos aufnehmen; aus der Konfrontation ging er ebenso klar als Sieger hervor wie danach auf dem Spielfeld gegen Ungarn. Die Aktion von Cristiano Ronaldo könnte Schule machen, bzw. tat dies bereits. Nach dem Spiel Deutschland gegen Frankreich (0:1) entfernte der französische Spieler Paul Pogba anlässlich der Medienkonferenz kurzerhand eine Bierflasche des Europameisterschafts-Sponsors «Heineken».

Apropos Spiel Frankreich gegen Deutschland: Anlässlich dieser prestigeträchtigen Auseinandersetzung lag eine andere «Marke», diejenige von Cathy und Mats Hummels, in Trümmern (causasportnews vom 17. Juni 2021). Die sportliche Auseinandersetzung wurde auch etwa für die Regenbogen-Presse zum Desaster. Niemand hätte geglaubt, dass das Spiel vom 15. Juni 2021 zur Fussball-Katastrophe für Deutschland und vor allem für Mats Hummels werden könnte. So war dann auch das Titelbild für die Ausgabe der Illustrierten «BUNTE» längst vorfabriziert und gefertigt und erschien zwei Tage nach dem Fussball-Absturz von Mats Hummels in der «Allianz»-Arena in München. Die desaströs gewordene Glorifizierung des Marken-Ehepaar Hummels (nebst den anderen Versagern) war nicht mehr abzuwenden. Die Dynamik  des Momentes lässt sich nicht immer planen, vor allem nicht im Medien-Geschäft…

Apropos Planung: Die Schweizer Fussballer sorgten gegen Italien für ein anderes Fussball-Desaster (0:3-Niederlage). Nach diesem sportlichen Super-GAU gelang es dem VW-Konzern nicht mehr, die längst vorbereiteten TV-Spots mit dem Schweizer National-Torhüter Yann Sommer nach dem Spiel in Rom zu stoppen. Schöne Autos und gutaussehende Sportler können auch Freude bereiten, aller Skandale (Abgasskandal von VW) und sportlicher Pleiten (Spiel gegen Italien) zum Trotz. Schliesslich findet der Sport derzeit eh in einer «Blase» statt, in der eine spezielle Welt, zwar jeglicher Realität entrückt, praktiziert und abgefeiert wird. Bewusst und unbewusst selbstverständlich.

«Causa Silas»: Des Volkes Zorn beschwichtigt

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(causasportnews / red. / 14. Juni 2021) Die Identitäts-Affäre um den Spieler des VfB Stuttgart, Silas Wamangituka, der tatsächlich Silas Katompa Mvumpa heisst und auch nicht 22, sondern bereits 23 Jahre alt ist, scheint erledigt zu sein – wenigstens auf sport-rechtlicher Ebene (vgl. auch causasportnews vom 10. Juni 2021). Der Deutsche Fussball-Verband sanktionierte den Akteur mit einer Spielsperre von drei Monaten (bis zum 11. September 2021) und mit einer Busse von 30 000 Euro. «Blitz-Witz-Sperre» titelte dazu die BILD-Zeitung. Das Boulevard-Blatt bringt es auf den Punkt. Der Kongolese befindet sich in der Sommerpause und ist zudem verletzt; er wird erst im November wieder spielen können. Die Busse ist bei einem Jahresgehalt von eineinhalb Millionen Euro wohl ebenfalls zu verschmerzen. Hauptsache ist, mit einer Sanktion ist der Fall, in dem niemand zu schaden gekommen oder betrogen worden ist, erledigt. Und des Volkes Zorn ist zudem beschwichtigt. So mutet es eigenartig an (oder eben, gemäss BILD, als «Witz»), dass der VfB Stuttgart-Star für dieses Identitätswirrwarr wegen «unsportlichen Verhaltens» sanktioniert worden ist. Unsportliches Tun, Dulden und gefordertes Unterlassen tönt sonst anders. Aber das ist das Schöne an generell gehaltenen Sanktionsbestimmungen: Sie lassen sich dehnen und biegen und auf jeglichen, beliebigen Sachverhalt anwenden. Die Grenze zwischen konformer Subsumption und Rechtsbeugung ist oft fliessend. Wie würde es wohl der abgeschossene DFB-Präsident Fritz Keller mit Blick auf den Entscheid der DFB-Juristen ungeschminkt auf den Punkt bringen: Sport-Rechtsbeugung frei nach Roland Freisler? Apropos: Noch immer wird es als grosses Geheimnis gehütet, weshalb der ehemalige DFB-Präsident aus Freiburg i.Br. seinen Vize-Präsidenten, Dr. Rainer Koch, in Verbindung mit dem berüchtigten NS-Richter, einem Meister der Rechtsbeugung, gebracht hat. War es auch nur ein unsportliches Verhalten? Oder doch schon ein bösartiges Foul?

Ende einer grossen Trainer-Rochade

(causasportnews / red. 27. Mai 2021) Es war zu erwarten, und nun ging auch formell alles ganz schnell: Der neue deutsche Bundestrainer heisst Hansi Flick. Er wird am 2. September 2021 die Mannschaft Deutschlands auswärts gegen Liechtenstein führen, selbstverständlich zum Sieg. So gesehen darf von einem geglückten Einstands-Timing für den 56jährigen Top-Trainer gesprochen werden. Mit der Unterschrift unter den Arbeitsvertrag beim Deutschen Fussball-Bund (DFB), der bis 2024 dauern soll, ist die wohl spektakulärste Trianer-Rochade im deutschen Fussball mit den erwarteten Ergebnissen beendet worden (wie causasportnews berichtete: 4. Mai 2021).

Der FC Bayern München hat den Jung-Trainer Julian Nagelsmann für offenbar 25 Millionen Euro aus dem Arbeitsvertrag mit RB Leipzig herausgekauft. In München soll der neue Hoffnungsträger der Münchner jährlich etwa 7,5 Millionen Euro verdienen. Nach dem erfolgten Vertragsauskauf von Julian Nagelsmann, dem 33jährigen Coach (bis anhin) ohne Titelerfolg, werden die Zahlen an sich mit etwas Verwunderung zur Kenntnis genommen. Dieser Umstand wird beim Kapital bezogenen FC Bayern München jedoch kaum bemerkenswerten Gesprächsstoff abgeben. Bei Hansi Flick mutet die Vertragsauskaufs-Konstellation etwas spezieller an, weil bei ihm ein Vertragsauskauf durch einen Sportverband zu regeln war, der an sich ideal, nicht-wirtschaftlich ausgerichtet ist. Ist es also zu verantworten, dass ein nicht-kommerzieller Sportverband einen Fussball-Trainer für eine im konkreten Fall wohl ansprechende Summe aus einem Arbeitsvertrag (Hansi Flick war Arbeitnehmer bei den Bayern) herauskauft? Oder war es das dann doch nicht? Jedenfalls liess der DFB über die Höhe der an sich zu bezahlenden Vertragsauskaufssumme an Bayern München nichts verlauten. Wen wundert’s? Dr. Rainer Koch, nach dem Abgang des Kurzzeit-Präsidenten Fritz Keller einmal mehr der grosse Macher im deutschen Fussball, lässt sich in der Medienmitteilung des DFB nach der Vertragsunterzeichnung mit Hansi Flick wie folgt zitieren: «Wir danken dem FC Bayern München und seiner Führungsspitze, die sehr kooperativ den DFB dabei unterstützt hat, den Weg für den Bundestrainer Hansi Flick freizumachen.». – Diplomatischer geht es kaum – sibyllinisch auch nicht. Vielleicht ist dann im Verlaufe des kommenden Jahres diese Zahl dem DFB-Finanzbericht 2021 zu entnehmen. Aber wen wird das dann noch interessieren im WM-Jahr, wenn die deutsche Nationalmannschaft gegen Ende 2022 in Katar einen erneuten WM-Titelgewinn anstrebt? Der DFB ist eben ein Sportverband und keine Kapitalgesellschaft (so wie die Bayern).

DFB: Ein zerschlissener Präsident mehr

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(causasportnews / red. / 16. Mai 2021) Es kam, wie es in diesen Spalten skizziert worden ist (causasportnews vom 11. Mai 2021): Fritz Keller, seit September 2019 als Präsident des grössten Sportverbandes der Welt im Amt, hat unter dem immer stärker werdenden verbands-internen und externen Druck (der Medien und der Öffentlichkeit) sein Amt zur Verfügung gestellt. Nach nur gerade eineinhalb Jahren wurde die kürzeste Amtszeit eines Präsidenten des Deutschen Fussball-Bundes (DFB) mit einem Paukenschlag beendet. Der Funktionärs-Quereinsteiger ist mit viel Elan und mit dem Versprechen, Filz und Ungemach im Verband zu bekämpfen und für einen sport-bezogenen Neu-Start ohne verbands-politische Ränkespiele einzustehen, angetreten. Dass der ehemalige Präsident des SC Freiburg seinen Vize-Präsidenten aus München (!), Dr. Rainer Koch, mit dem berüchtigten NS-Richter Roland Freisler verglichen hatte, wurde wohl nur zum unmittelbaren Anlass seitens des  Fussball-Establishments genommen, um Fritz Keller relativ zügig an der Verbandsspitze wieder los zu werden. Und wie es seit Jahren immer ist beim DFB, wird auch der vom jetzt abgetretenen Präsidenten gescholtene oder diffamierte Rainer Koch nun einmal mehr als Interims-Präsident wirken. Dieser hat wohl angekündigt, im kommenden Jahr seinen Funktionärs-Job im DFB zu quittieren, bzw. nicht mehr zu kandidieren; so richtig glauben mag das derzeit allerdings niemand. On verra.

Der rasanteste Abgang eines DFB-Präsidenten nach 1945 wirft allerdings Fragen auf. Nicht primär diese, was Fritz Keller dazu bewogen hatte, Rainer Koch mit einem schlimmen NS-Rechtsbeuger zu vergleichen. Darüber ist, nicht unerwartet, der Mantel des Schweigens ausgebreitet worden. Fakt ist hingegen: Seit der Präsidentschaft von Egidius Braun (1992 bis 2001) werden die Amtszeiten der DFB-Vorsitzenden immer kürzer. Innerhalb von 20 Jahren hat der DFB nicht weniger als fünf Präsidenten zerschlissen. Wolfgang Niersbach (2012 bis 2015) und Reinhard Grindel (2016 bis 2019) blieben nur noch jeweils drei Jahre im Amt; in der Ära von Fritz Keller wurde die Amtsdauer des DFB-Präsidenten gleich halbiert. Über die realen Gründe für den raschen Abgang des Freiburger Unternehmers an der Spitze des Verbandes kann nur spekuliert werden. Offensichtlich ist die Zeit noch nicht reif dafür, den Wechsel vom klassischen Verband zum Unternehmen vorzunehmen. Das Geschacher um Posten und Pfründe scheint wichtiger als die «Causa Fussball». Hinzu kommt, dass sich unter dem Dach des DFB zwei Pole lokalisieren lassen. Auf der einen Seite gilt es, den Professional-Fussball zu hegen und zu pflegen – und was gibt es Schöneres für Verbands-Funktionäre, als sich in den Erfolgen der deutschen Nationalmannschaft, die zwar auch nur noch als «Die Mannschaft» bezeichnet wird, zu sonnen; auf der anderen Seite ist der DFB zuständig für Millionen von Amateur-Kickern, deren Interessen irgendwie zu wahren sind. Eines scheint im DFB jedenfalls noch nicht angekommen zu sein – so, wie es der Dichter Ovid schon vor rund zweitausend Jahren angedacht hat: «Tempora mutantur, nos et mutamus in illis» (die Zeiten ändern sich, und wir ändern uns mit ihnen). Im DFB wechseln zwar die Präsidenten immer rascher, die Strukturen und Probleme bleiben jedoch dieselben.

Zoff im DFB – und kein Ende des Hauens und Stechens

(causasportnews / red. / 11. Mai 2021) Er ist im September 2019 angetreten, um in dem von Streit, Machtkämpfen und der unsäglicher Sport-Politik in den letzten Jahren arg durchgeschüttelten, grössten Fussballverein der Welt, dem Deutschen Fussball-Bund (DFB), eine neue Führungs- und Organisationskultur zu schaffen. Derzeit ist es allerding unsicher, ob sich der rührige Unternehmer aus Freiburg im Breisgau, Fritz Keller, überhaupt nur schon zwei Jahre an der DFB-Spitze wird halten können. Derzeit ist in der Präsidialetage jedenfalls ein veritables Hauen und Stechen im Gang. Sportpolitik kommt vor dem Sport, und jeglicher Fehler und jede Ungeschicklichkeit des 64jährigen Präsidenten wird von den Gegnern des Freiburgers nach allen Kunst des klassischen Verbands-Funktionärstums ausgenützt. Frist Keller gilt als hemdsärmlig, der zwar sein Herz oft auf der Zunge trägt, aber nie als «Apparatschik» bezeichnet werden konnte. Als solcher gilt hingegen der DFB-Vizepräsident Dr. iur. Rainer Koch, der seine Funktionärskarriere im DFB 1996 mit der Einsitznahme in das Sportgericht des DFB begann. DFB-Präsidenten gehen und kommen – Rainer Koch bleibt. So könnte man die Positionierung des ehemaligen Münchner Richters als Langzeit-Vize des DFB zusammenfassen. Niemand weiss eigentlich, weshalb es der 62jährige Vollblut-Politiker nie ganz an die Spitze des Verbandes geschafft hat. Oder wollte er es so? Frei nach dem Motto: «Es ist mir egal, wer unter mir DFB-Präsident ist.». Es waren doch schon einige DFB-Präsidenten, welche Rainer Koch bis jetzt überlebt hat. Das könnt sich nun allerding ändern; und eben mit dem aktuellen DFB-Präsidenten Fritz Keller zusammenhängen, ein gradliniger Mann, der nicht dafür bekannt ist, sich verzwergen zu lassen und nicht aus dem traditionellen Funktionärs-Milieu stammt. Das nun in Machtkampf zwischen Fritz Keller und Rainer Koch ausgebrochen ist, hat sich der DFB-Präsident allerdings selber zuzuschreiben. Seinen Vize verglich er mit dem berüchtigten Volksgerichtshof-Präsidenten Roland Freisler. Mit diesem Vergleich hat Fritz Keller wohl in ein Wespennest gestochen und sich quasi eigenhändig zum Abschuss freigegeben. Aber eben, der DFB-Präsident ist nicht bekannt dafür, den Kopf in den Sand zu stecken. Ein Vergleich Rainer Koch – Roland Freisler – das geht natürlich beim DFB nicht. Fritz Keller hat sich für seine verbale Entgleisung zwar lauwarm entschuldigt, aktuell kämpft er aber gegen den mit allen Wassern gewaschenen Sport-Politiker Rainer Koch um den Verbleib an der DFB-Spitze. Er tut dies mit anwaltlichem Beistand und verlangt von der Ethikkommission des DFB einen Persilschein. Wie der Machtkampf zwischen dem Unternehmer Fritz Keller und dem Sportpolitiker Rainer Koch ausgehen wird, ist ungewiss. Gegen Rainer Koch spricht, dass er im Moment im Rahmen des DFB in eine dubiose Berater-Vertragsgeschichte verwickelt ist. Unklar ist derzeit aber auch das in dieser «Causa» wohl Wesentlichste: Was hat Fritz Keller letztlich dazu getrieben, seinen Vize mit dem berüchtigten Nazi-Richter Roland Freisler zu vergleichen? Hier steckt wohl mehr dahinter als eine Beschimpfung oder eine verbale Entgleisung, die natürlich in keinem Fall zu rechtfertigen ist. Wenn schon die deutsche Nationalmannschaft derzeit auf dem Spielfeld keine Strick zerreisst, ist wenigsten an der DFB-Spitze für öffentlich-wirksamen Zoff und Macht-Klamauk gesorgt. Affaire à suivre also (auch hier).

Ohne Fans keine Europameisterschaftsspiele?

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(causasportnews / red. / 17. April 2021) Der europäische Fussballverband (UEFA) verlangt von den Austragungsorten Zusicherungen, dass die Spiele der Fussball-Europameisterschaft 2021 mit (etwas mehr oder weniger) Publikum, und nicht nur als «Geisterspiele», ausgetragen werden (causasportnews vom 15. April 2021). Acht der zwölf betroffenen Städte haben dem Verband diese Zusicherungen bereits vor ein paar Tagen abgegeben und haben in der Folge die Zulassungsbestätigungen erhalten. Nun hat die UEFA auch Rom als Gastgeberstadt zugelassen. In der italienischen Metropole soll am 11. Juni das Eröffnungsspiel zwischen Italien und der Türkei angepfiffen werden; mindestens ein Viertel der Plätze im Stadio Olimpico sollen den Fans zur Verfügung stehen; falls es die Lage («Corona») dann erlaubt, soll die Zuschauer-Auslastung auch mehr als 25% betragen. Demnächst wird die UEFA im Weiteren darüber befinden, ob Bilbao, Dublin und München als Austragungsorte bestätigt werden können. Delikat ist die Ausgangslage in München. Der Deutsche Fussball-Bund (DFB) befasst sich im Moment mit drei Austragungsszenarien. Entweder sollen die Europameisterschaftsspiele in der «Allianz-Arena» als «Geisterspiele» über den Rasen gehen, oder das Stadion wäre mit 20 oder 40 Prozent an Zuschauerinnen und Zuschauern zu belegen. Aufgrund der dramatischen Entwicklungen auch in Deutschland scheint die Variante mit einer Stadion-Zuschauerauslastung von 40 Prozent unrealistisch zu sein. Werden lediglich «Geisterspiele» ins Auge gefasst, könnte München jedoch den Austragungsstatus verlieren. Der DFB wird sich wohl entscheiden müssen, weiterhin strikte die Seuchenbekämpfung zu favorisieren und diese konsequente Linie nicht den Bedürfnissen von Sport und Business zu opfern. Derweil reibt man sich vor allem in München die Augen, dass die Schweiz trotz katastrophaler «Corona»-Entwicklungen Lockerungen der in den letzten Monaten verordneten Massnahmen an allen Fronten vorantreibt. Das zementiert wieder einmal das Vorurteil gegenüber der Schweiz, dass das Wirtschaftliche gegenüber dem Wohlbefinden der Bevölkerung prävaliere. Teils hämisch wird kommentiert, dass die UEFA mit Sitz in der Schweiz die Augen vor den Auswirkungen der Pandemie nicht überraschend verschliesse und die Warnungen von medizinischer Seite mehr oder weniger ignoriere. Letztlich des schnöden Mammons willen…

Sport und Politik im Gleichschritt

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(causasportnews / red. / 6. April 2021) Der Sport ist seit jeher grundsätzlich darauf bedacht, sich aus der Politik herauszuhalten. Oder sich von der Politik nicht vereinnahmen zu lassen. Zu oft ist die Plattform «Sport» allerdings von Despoten, Diktatoren und anderen Misanthropen für ihre durchwegs unlauteren Zwecke und Ziele missbraucht worden. Ab und zu kann sich der Sport der politischen Einflussnahme entziehen. Aber nicht immer. Nicht selten leben Sport und Politik ambivalent. Wer erinnert sich nicht an grosse Zeiten der Deutschen Nationalmannschaft, etwa, als Bundeskanzlerin Angela Merkel, oft an Spielen auf der Tribüne mit dabei, zum glühendsten Fan des Nationalteams wurde? Sogar das Mannschafts-Duschen fand unter Mitwirkung der Regierungschefin statt. Die Kanzlerin in der Kabine; das war klar mehr als die Erotik des Fussballs. Die Kicker und Trainer Joachim Löw genossen den direkten Support aus dem Kanzleramt sichtlich. Welch ein Zufall, dass die Kanzlerin und der Bundestrainer derzeit etwa dasselbe «Fegefeuer» ertragen (müssen). Sport und Politik nun also im Gleichschritt.

Bundestrainer Joachim Löw ist nach bald 16 Jahren auf höchster Trainer-Ebene ebenso am Ende seiner Karriere angelangt wie Bundeskanzlerin Angela Merkel, seit 2005 im Amt. Nach der Europameisterschaft im Sommer soll Schluss sein; so verhiess es vor kurzer Zeit aus der DFB-Zentrale. Wahrscheinlich ist aber schon vorher Schluss. Die anhaltenden Klatschen auf dem Spielfeld, zuletzt ein schmachvolles 1:2 gegen Nordmazedonien, werden den vorzeitigen Abgang von «Jogi» Löw beschleunigen. Wenn dem Trainer in der DFB-Chefetage (verbal in der Öffentlichkeit) der Rücken gestärkt wird, bedeutet dies letztlich ein rascher Abgang. Dieser wird im Fall des Bundestrainers von den Medin nun durchwegs energisch gefordert; mit einem angeschlagenen Trainer eine Europameisterschaft durchzustehen – das ist zwar möglich, aber sinnlos. Der Druck der Öffentlichkeit wird unabwendbar werden. Gemäss dem deutschen Leitmedium «Bild» wollen 87 Prozent der von der Zeitung befragten 250 000 Menschen, dass Joachim Löw sofort abgelöst wird. Das Hauptproblem: Wer soll den Bundestrainer ersetzen? Die einen können nicht, die anderen wollen noch weniger. Die Kardinalfrage lautet: Wieviel steuert ein Bundestrainer zu sportlichen Erfolgen bei? Im Misserfolg ist er eh verantwortlich.

Ähnlich sehen die Nachfolgeperspektiven bei der amtierenden Bundeskanzlerin aus. In jeder Hinsicht wäre ein sofortiger Rücktritt angebracht. Sie agiert längst als «lame duck» und verwaltet vor allem die seit über einem Jahr anhaltende «Corona»-Krise, statt das Virus effizient zu bekämpfen. Bei ihr ist allerdings dasselbe Problem zu orten wie beim Bundestrainer: Wer soll nach ihr kommen? Schliesslich will sie mit ihrem Festhalten bis zum Schluss als treue Parteigenossin der Union das Kanzleramt sichern. Diese Sorge wird sie bis zum Ende ihrer Amtszeit in Berlin halten.

Es braucht nicht einmal Auguren um vorauszusehen, dass Joachim Löw die Europameisterschaft als Bundestrainer nicht mehr erleben wird – trotz offizieller Ankündigung; Angela Merkel dürfte hingegen tendenziell bis zur Bundestagswahl im September im Zentrum der politischen Macht ausharren. Das Ende ist für beide Persönlichkeiten nahe, welche es durch längst fällige Rücktritte verpasst haben, sich sportlich, bzw. politisch, unsterblich zu machen. Danach werden die Top-Politikerin und der langjährig Bundestrainer Zeit finden, sich bei Kaffee und Kuchen über für beide glorreiche(re) Zeiten zu unterhalten – in Sport und Politik.

Lothar Matthäus als Bundestrainer? Vom Feeling her ein gutes Gefühl!

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(causasportnews / red. / 23. März 2021) Seit dem Bekanntwerden, dass der Deutsche Bundestrainer Joachim Löw nach der Fussball-Europameisterschaft im Sommer seinen Posten im Deutschen Fussball-Bund (DFB) verlassen werde (causasportnews vom 10. März 2021), interessiert die (Fussball-)Welt nur noch eine Frage: Wer wird dessen Nachfolger? Lanciert wird derzeit vor allem von den Medien die Fussball-Legende Lothar Matthäus. Schliesslich soll der Nachfolger des oft spröden «Jogi» nach drei Jahren anhaltender Erfolglosigkeit etwas mehr «Glamour» versprühen als der zurückgetretene Freiburger. Das Fussball-Leben kann durchaus farbiger sein als dies Joachim Löws schwarzer Rollkragenpullover während über zehn Jahren symbolisierte. Etwas mehr «Pep» im deutschen Nationalmannschaftsfussball würde allen dienen; Joachim Löw galt nicht gerade als Garant von (Fussball-)Spiel und Spass. Mit Lothar Matthäus würde alles anders werden. Wer über einen gewissen Bekanntheitsgrad verfügt, die Medien hinter sich weiss und ihnen genug zum (über)leben lässt, ist in Deutschland schon fast Bundestrainer. Der soeben 60 Jahre alt gewordene Weltmeister von 1990 hechelt derzeit von Interview-Termin zu Talk-Show. Es könnte gut kommen mit Lothar Matthäus. Oder, wie es ein anderer, ehemaliger Star-Kicker, Andy Möller, sagen würde: Vom Feeling her darf Lothar Matthäus durchaus ein gutes Gefühl haben mit individuellem Blick in Richtung Bundestrainer-Job. Er würde zweifelsfrei den (medialen) Erwartungen gerecht. In einem Interview mit der Schweizer Boulevard-Zeitung «Sonntags-BLICK» (21. März 2021) erzählt Lothar Matthäus schon einmal alles über seine Karriere, seine vier Ex-Ehefrauen, sein Familienleben, Schicksalsschläge und den Fussball. Er sagt viel zu diesen Themen, er sagt es «fadengerade» hinaus, und das meiste, das er kommuniziert, hat er zweifellos richtig gedacht. «So begleitete ich meine Mutter in den Tod», titelte die Zeitung vielsagend. Nein, «Loddar», wie er auch liebevoll genannt wird, hat keine Ambitionen auf Sterbebegleitung. Im Interview spricht er vor allem über seine Mutter, die ihm sehr nahestand. «Sie ist bei ihrem Mittagsschlaf auf der Couch einfach eingeschlafen», erinnert sich die Fussball-Legende an den plötzlichen Tod der Mutter. Derzeit ist Lothar Matthäus in fünfter Ehe verheiratet, aber: «Ich habe zu allen meinen Ex-Frauen ein super Verhältnis», legt er seine persönliche Familien-Konstellation vielsagend offen. Selbstverständlich würde sich der ambitionierte, derzeitige TV-Fussball-Experte eine DFB-Anfrage bezüglich des Amtes als Bundestrainer überlegen – und selbstverständlich zugreifen, falls sich die Chance dazu bieten würde. Auch wenn es um die Deutsche Nationalmannschaft geht. Denn Lothar Matthäus lässt, im Zusammenhang mit seiner beeindruckenden Laufbahn im Fussball und seinem Privatleben, nicht viele gute Haare an seinen Landsleuten. «Ich bin nicht stolz, Deutscher zu sein», sagt er. Generell werde in Deutschland respektlos mit Menschen, die etwas erreicht haben, umgegangen. «Man ist hämisch und schadenfroh, wenn einer vom Sockel geholt wird. Wenn man den Führerschein verliert oder irgendwelche Frauengeschichten öffentlich werden, dann wirst du mit Häme überschüttet»; mit Blick etwa auf die gestürzten Helden Franz Beckenbauer und Boris Becker seien die Deutschen sehr hart in ihren Urteilen. Aber so sei die Neidgesellschaft, die er nicht verstehe, sagt «Loddar». Der Rekordnationalspieler seines Landes hat durchaus eine sanfte Seite: «Ich bin auch sensibel und weine, wenn mich etwas trifft», sagt er und meint damit zweifelsfrei nicht den Ball. Dennoch würde er einigermassen sicher als Bundestrainer des deutschen Nationalteams zur Verfügung stehen, als Trainer jedoch sicher nicht mehr im «Tagesgeschäft», das heisst wohl, nicht mehr im Klub-Fussball. Ob es mit Lothar Matthäus und der «Mannschaft» soweit kommen wird? Wohl eher nicht. Falls doch, würde sich der fite 60jährige, der auch ab und zu «den Schweinebraten nicht liegen» lässt, wohl sagen: «Humor ist, wenn die Deutschen trotzdem lachen».

Joachim Löw und die Gesetzmässigkeiten des Fussballs

Jogi Löw, deutscher Bundestrainer, an einer Veranstaltung des Swiss Sport Forum im FIFA World Football Museum

(causasportnews / red. / 10. März 2021) Es war an sich nur noch eine Frage der Zeit, bis der vorzeitige Abgang von Joachim Löw als deutscher Bundestrainer auch formell besiegelt sein würde. Seit der verunglückten WM-Expedition 2018 der Deutschen nach Russland galt der Weltmeister-Trainer der Nationalmannschaft (2014, WM-Titel in Brasilien) als «angeschossen», und ginge es nicht wieder einmal um das liebe Geld, wäre der Schnitt zwischen dem Deutschen Fussball-Bund (DFB) und dem Erfolgstrainer längst Realität geworden. Nun sorgte der 61jährige Fussball-Lehrer selbst für klare Verhältnisse und kündigte seinen Rücktritt nach der im Sommer wohl stattfindenden Fussball-Europameisterschaft an. Es ist davon auszugehen, dass sich der Verband und Joachim Löw auf eine vorzeitige Vertragsauflösung bzw. Vertragsaufhebung des an sich noch bis nach der WM-Endrunde 2022 in Katar laufenden Kontraktes geeinigt haben. Der Freiburger hat mit seinem vorzeitigen Rücktritt, oder wie auch immer die soeben bekannt gewordene Vertragsbeendigung qualifiziert werden soll, den Gesetzmässigkeiten des Fussballs Rechnung getragen. Diese wären vor allem, dass der Trainer immer ein Thema ist, nicht nur dann, wenn der Erfolg ausbleibt; dann aber umso mehr. Eine weitere Usanz bildet der Umstand, dass derartige Trennungen jeweils opportunistisch vorgenommen werden. Es ist im Fussball wie in einer kriselnden Ehe: Die entscheidenden Schritte müssen sinnvollerweise umgehend vorgenommen werden. Dass der Bundestrainer noch bis zum Abschluss der Europameisterschaft im Amt bleiben soll, ist eine geradezu fahrlässig herbeigeführte Situation mit Kollateralschaden-Potential. Joachim Löw wird mit der Mannschaft das bedeutende Turnier für Nationalmannschaften als «lame duck» («lahme Ente») bestreiten. Die Gegner der Deutschen an der EM wird es freuen. Der Zeitpunkt der Beendigung der Tätigkeit von Joachim Löw im DFB ist aus unternehmerischer Sicht in Berücksichtigung der Sitten, Gebräuche und Gesetzmässigkeiten im Top-Fussball als krasse Fehlleistung zu qualifizieren. Entscheide zur «Gesichtswahrung» aller Beteiligten sind für ein Unternehmen immer schlecht. So, wie sich die Dinge im DFB seit der verunglückten Russland-Mission der Deutschen vor knapp drei Jahren entwickelt haben, müsste ein Neustart umgehend erfolgen. Nicht zu vermeiden ist nun, dass die Nachfolgediskussion die Szene beherrschen und nicht mehr Joachim Löws Arbeit mit der Deutschen Mannschaft im Fokus stehen wird. Die Europameisterschaft überstehen – e poi morire, wäre der Betrachter der Szene geneigt zu sagen.

Der Nationalmannschafts-Fussball hat sich vom angestammten Produkt-Inhalt und aufgrund seiner Bedeutung in den letzten, wenigen Jahren markant verändert. Für die Fans steht im Zuge der Globalisierung eher der Klub-Fussball im Zentrum des Interesses, was sich auch in der bereits im Gang befindlichen Nachfolgediskussion um Joachim Löw manifestiert. Hansi Flick, der Trainer des erfolgreichen FC Bayern München und jahrelang engster Mitarbeiter des Bundestrainers, wird sich hüten, einen der besten Jobs im international bedeutenden Klub-Fussball aufzugeben und in den immer mehr an Bedeutung verlierenden Nationalmannschafts-Fussball zurückzukehren. Apropos Hansi Flick: Seit er aus dem Stab von Joachim Löw zurückgetreten ist, hat letzteren auch das (vor allem sportliche) Glück verlassen. Das führt zur folgerichtigen Frage, ob Hansi Flick der «heimliche» Bundestrainer war, welcher der Deutschen Nationalmannschaft aus der zweiten Linie den Stempel des Erfolgs aufgedrückt hatte. Zeit, um ein paarmal im Jahr die Deutsche Nationalmannschaft zu coachen, hätte Ralf Rangnick, derzeit ohne Job und Hoffnung auf ein sinnvolles Klub-Engagement. Dass diese Personalie nun vordergründig thematisiert wird, zeigt, in welchem Dilemma der Nationalmannschafts-Fussball im Allgemeinen steckt.