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Katzenjammer nach der Frauen-Fussball-EM und ein beerdigter DFB-Marketing-Nonsens

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(causasportnews / red. / 4. August 2022) Während beinahe eines Monats, seit Beginn der Frauen-Fussball-Europameisterschaft in England, wurde diese Disziplin vor allem in Deutschland hochgepusht. Vor dem Finale im Wembley-Stadion in London erreichte die vor allem durch die Medien regelrecht verordnete Beliebtheit dieser Sportart einen einsamen Höhepunkt. Deshalb war sich die in dieser Sache geeinte Nation vor dem Finalspiel zwischen England und Deutschland bewusst, dass es nur eine Siegermannschaft geben könne: Deutschland. Die Medien sprachen, weshalb auch immer, vom «historischen Finale gegen England» und trieben die bemitleidenswerten Deutschen Frauen zum Sieg: «Auf sie (gemeint waren die Engländerinnen, Red.) mit Gebrüll» und verordneten schon einmal, vor dem Finale, wie das Fell des noch nicht erlegten Bären zu verteilen sei: «So belohnen sich die EM-Heldinnen für den Titel». Weil Deutschlands Kapitänin Alexandra Popp den EM-Titel geradezu versprach, zog vor allem die «Bild»-Zeitung auch noch die unterste, mediale Schublade: «Heute poppen wir England», heizte das Blatt die Stimmung in seiner eigenen Art an (alle obigen Zitate stammen aus der «Bild»-Zeitung vom 31. Juli 2022; «poppen» bedeutet dabei gemäss «Bild»-Doktrin übrigens «historisch siegen»…Ein Schelm, wer zweideutiges Gedankengut vermutet). Wie dann am Abend des 31. Juli 2022 alle Träume platzten, ist bekannt; der vor allem in der Heimat erzeugte Druck, der tonnenschwer auf den Deutschen Spielerinnen lastete, zeigte Negativ-Wirkung. Der nicht gerade als Glücksbringer bekannte Bundeskanzler Olaf Scholz, zwar an Niederlagen aller Art gewöhnt, zog belämmert aus dem Wembley-Stadion ab. Statt grosse Party der Deutschen im Mutterland des Fussballs setzte es für Deutschland einen veritablen Katzenjammer ab. Schuld an dieser sportlichen Ungerechtigkeit war ein nicht gegebener Elfmeter für die Deutschen Frauen. So gewannen die Engländerinnen, natürlich mit Schiedsrichterinnen-Hilfe. Eine Fussballweisheit besagt allerdings, dass nicht jeder geschossene Elfmeter auch Tor bedeutet. Weshalb auch noch die Urweisheit des Fussballs zu erwähnen sei: Wer ein Spiel gewinnen will, muss einfach ein Tor mehr als der Gegner, oder in diesem Fall die Gegnerinnen, schiessen; dann klappt’s. Trotz aller Widerwärtigkeiten in der entscheidenden Phase dieser Europameisterschaft lieferte das Deutsche Frauen-Fussball-Nationalteam, objektiv betrachtet, eine hervorragende Leistung ab, auch wenn es letztlich nicht ganz gereicht hat.

Apropos Nationalmannschaft sei an dieser Stelle der Fokus auch noch auf das männliche Pendant der Frauen gerichtet: Die Deutsche Fussball-Nationalmannschaft der Männer. Diese spielten zwar in letzter Zeit kaum, jedoch wurde nun seitens des Deutschen Fussball-Bundes (DFB) eine regelrechte Bieridee, die eben dem DFB-Manager Oliver Bierhoff als Urheber zugeschrieben wird, beerdigt (vgl. auch causasportnews vom 27. Juni 2022). Die Deutsche Nationalmannschaft der Männer heisst ab sofort wieder «Deutsche Nationalmannschaft», und nicht nur «Die Mannschaft». Oliver Bierhoff und seinen DFB-Kollegen war die Bezeichnung «Nationalmannschaft» wohl zu politisch, weshalb man sich vom angeblich negativ besetzten Terminus «national» verabschiedete. Die nun während ein paar Jahren geführt Bezeichnung «Die Mannschaft» blieb stets ein Marketing-Rohrkrepierer, weshalb sich der DFB dieses Benennungs-Unsinns nun entledigt hat.

Alles für das Team – das Team ist alles

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(causasportnewes / red. / 27. Juni 2022) In einem halben Jahr wird die Fussball-WM-Endrunde 2022 in Katar Geschichte sein; am 18. Dezember soll der (neue oder alte) Fussball-Weltmeister erkoren werden. Derzeit ruht der aktive Fussball mehrheitlich, Zeit also, um sich dennoch mit der beliebtesten Sportart Europas zu befassen. Noch ist es zu früh für Prognosen mit Blick auf das Turnier in Katar, doch das Thema wird allmählich hochgekocht. Zum Beispiel in Deutschland, im Land des vierfachen Weltmeisters, der 2018 in Russland allerdings kläglich gescheitert ist. Deutschland ist voller Hoffnung; nach einem Bundestrainer-Wechsel sind die Weichen in Richtung WM-Erfolg unmissverständlich gestellt worden, auch wenn anerkannt wird, dass auch in den anderen Ländern, wie etwa in Frankreich, in Spanien oder in England, das Ziel Katar mit Nachdruck fokussiert wird. In den Umfeldern der Nationalmannschaften wird das Spezialistentum geradezu zelebriert, der Sport noch ein bisschen mehr verwissenschaftlicht: Spezialisten aller Art und für alle Fussball-Positionen, so neuerdings sogar Spezialisten für Spiel-Standardsituationen, sollen den Erfolg garantieren. In den Nationalmannschaften steht der Teamgedanke an erster Stelle. Elf Freunde sollen es richten, nicht elf Millionäre als Geschäftspartner in kurzen Hosen. Dass im Rahmen der aktuellen Weltlage auch Marketingstrategisches von Bedeutung ist, liegt auf der Hand. Zum Beispiel in Deutschland. In der Bezeichnung «Nationalmannschaft» steckt seit jeher das Wort «national». Doch dieses wurde seit geraumer Zeit immer mehr entwertet oder aus allen Facetten des Lebens eliminiert. Was «national» ist oder danach riecht, ist verpönt, vor allem in Deutschland. So wurde die «Deutsche Nationalmannschaft» flugs zur «Die Mannschaft»; eine Abkehr von unguten Erinnerungen an historische Erinnerungen mit Blick auf den Nationalmannschaftsfussball. Vater dieser Idee, welche auch ab und zu als «Bier-Idee» bezeichnet wird, ist der Manager der Deutschen Nationalmannschaft, Oliver Bierhoff. Nun regt sich, vielleicht auch unter dem Eindruck des Krieges, den Russland (Nation) gegen die Ukraine (Nation) führt, Widerstand, und so fordert etwa der Dortmund-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke eine formelle Umbenennung der Nationalmannschaft (wiederum) in «Deutsche Nationalmannschaft». Das nationale Element im Fussball und im Sport dürfte eine Renaissance erfahren. Nicht nur wegen der russischen Barbarei, sondern weil der Krieg eine Deglobalisierung der Welt eingeläutet hat. Wie auch immer: Ob «Die Mannschaft» oder «Deutsche Nationalmannschaft»: Im Vordergrund steht das Team als Repräsentant eines Landes, einer Nation. In Anlehnung an den Pfadfinder-Slogan: «Alle für einen, einer für alle»: «Alles für das Team – das Team ist alles».

Apropos Team: Wie wichtig der Team-Gedanke nicht nur im Sport, sondern auch im Geschäfts- und Berufsleben sein soll, jedoch natürlich nicht ist, hat die Schweiz vor ein paar Tagen erfahren. Was als Teambildungsaktion eines Medien- und Webeunternehmens geplant war, endete im individuellen Desaster. Nach einem Feuerlauf (frei nach Peter Maffay: «Über heisse Kohlen musst Du gehn») mussten über zehn Personen mit Brandverletzungen ins Spital gebracht werden. Womit wieder einmal bewiesen war, dass der Geist nicht immer über die Materie zu siegen in der Lage ist, um etwa das Beispiel mit dem Fallschirmspringer zu nennen: Auch wenn sich der Fallschirm nicht öffnet, muss man nur daran glauben, dass es dennoch gut wird. Ob die Mannschaft Deutschlands in Katar reüssieren wird, dürfte also letztlich kaum mit der Benennung des Teams zusammenhängen. Welches nationale Team in Katar den WM-Pokal 2022 abholen darf, wird weder auf der Marketingebene oder in Teambildungsevents entschieden, sondern letztlich kurz vor dem christlichen Weihnachtsfest im Lusail Iconic-Stadium bei Doha.

Opportunistische DFB-Justiz: Schuld war nur der Schiedsrichter!

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(causasportnews / red. / 8. April 2022) Die Entscheidung war vorauszusehen, spätestens, als der Trainer des FC Bayern München, Julian Nagelsmann, dem SC Freiburg, der sich erlaubt hatte, nach dem sog. Einwechselfehler des Rekordmeisters aus München Protest gegen die Spielwertung in Freiburg (1:4 für den FC Bayern München) einzulegen und diesen Schritt quasi als Unfairness gegeisselt hatte. Wer hätte sich hier im DFB-Sportgericht in die Nesseln setzen und die Nobel-Truppe aus Bayern ins Unrecht versetzen wollen? So kam es, wie erwartet. Der sog. Einwechselfehler, der dazu führte, dass der FC Bayern während 17 Sekunden gegen den SC Freiburg mit 12 Akteuren auf dem Platz stand, hat für die Münchner keine Folgen. Schuld war nur der Schiedsrichter, der nun vom DFB-Sportgericht hart kritisiert wird, dass der FC Bayern diesen Einwechselfehler, der keiner war, begangen hatte. Dabei ging es gar nicht um die Auswechslung an sich, sondern darum, dass der FC Bayern München mit einem Mann zuviel auf dem Platz stand; es war die Folge einer missglückten Auswechslung also. Der Einwechselfehler, wie er nun (unkorrekterweise) genannt wird, zeitigte einzig diese Folge, dass für den FC Bayern ein Mann zuviel im Einsatz war; auch wenn es nur 17 Sekunden waren. Und auf die kommt es letztlich an. Dass nun das DFB-Sportgericht die Reinwaschung des FC Bayern München damit begründet, der schuldhafte Einsatz eines nicht einsatzberechtigten Spielers liege beim Schiedsrichtergespann um Christian Dingert und insbesondere beim 4. Offiziellen, Arno Blos, ist einigermassen skurril. Diese Fehlentscheidung ist in zweierlei Hinsicht tragisch: Der Trainer einer Mannschaft ist verantwortlich, wen er wann auf den Platz schickt und wen er wann herausbeordert (so werden oft geniale Einwechseleinfälle der Trainer bekanntlich lautstark bejubelt). Dass sich nur 11 Akteur der Mannschaft auf dem Platz befinden dürfen, ist ebenso evident (und entspricht dem Regelwerk) wie die Vorgabe, dass der Trainer etwa nur qualifizierte Spieler (Akteure mit Spielberechtigung) einsetzen darf. Wie nun das Sportgericht juristisch und verbal auf die Schiedsrichter einprügelt, ist mehr als nur peinlich und hängt wohl mit der bekannten, deutschen Opportunitäts-Sportgerichtsbarkeit zusammen. Es kommt hinzu, dass gerade auch die Sportjustiz den Schiedsrichter bei seiner nicht leichten Aufgabe schützen und ihn nicht desavouieren sollte. Aber wer mag sich schon (auch juristisch) mit Julian Nagelsmann und dem mächtigen FC Bayern München anlegen? So vermeldete der SC Freiburg umgehend nach dem Bekanntwerden der DFB-Entscheidung des Sportgerichts einigermassen verzwergt, man werde die Entscheidung akzeptieren. Wen wundert’s? Es gilt realistischerweise auch hier: Lob der Schuldigen, Tadel der Unschuldigen. Dem SC Freiburg kann bei dieser Konstellation in der Tat kein Verschulden nachgesagt werden. So bleibt, weil der FC Bayern München in solchen Situationen quasi «untouchable» ist, nur der Schiedsrichter, dem es nun geht wie den Akteuren in Johann Strauss’ «Fledermaus»: Schuld war für einmal nicht der Champagner, sondern einzig und alleine der Schiedsrichter, der vom DFB-Sportgericht, quasi als Fledermaus verkleidet, vorgeführt wurde. Ein Schelm ist natürlich wer denkt, das Verdikt gegen den SC Freiburg, den Klub des im Streit aus dem DFB-Präsidium ausgeschiedenen Fritz Keller, sei eine Retourkutsche aus Frankfurt…

Neues DFB-Präsidium nach Wahl-Paukenschlag

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(causasportnews / red. / 12. März 2022) Die Exekutive des Deutschen-Fussball-Bundes (DFB) hat sich nach einem Paukenschlag anlässlich des 44. DFB-Bundestages in durchwegs veränderter Form konstituiert. Neuer Präsident des grössten Sportverbandes der Welt ist Bernd Neuendorf, ein ehemaliger politischer Beamter, Journalist und Sportfunktionär. Er ist ein typischer Vertreter des Breitensports, auch aufgrund seiner politischen Vita (er ist eingeschriebenes SPD-Mitglied). Der 60jährige Präsident des Fussball-Verbandes Mittelrhein folgt auf den unglücklich und teils naiv agierenden Fritz Keller, der nach zweijähriger Amtszeit den Dienst an der DFB-Spitze 2021 quittieren musste. Die Wahl von Bernd Neuendorf ist als Überraschung zu werten; männiglich hatte mit Peter Peters, den ehemaligen Finanzchef von Schalke 04, gerechnet. Mit der Wahl von Bernd Neuendorf wollte der DFB-Bundestag auch ein Zeichen für den Amateursport setzen; sie bedeutet andersherum eine Absage an die steten Unruhen und Querelen im Professionalbereich des Verbandes. Sie war und ist vor allem auch als Bruch mit dem traditionellen Funktionärswesen an der Spitz des DFB zu sehen.

In den letzten Jahren gaben sich die DFB-Präsidenten die Klinken des Präsidialbüros in Frankfurt a.M. in die Hand. Und immer, wenn es zu einem Interregnum an der DFB-Spitz kam, war ein Mann zur Stelle, der übernahm: Rainer Koch, ehemaliger Gerichtspräsident aus München und als Strippenzieher im DFB bekannt und berüchtigt. Dieser 63jährige Top-Funktionär wurde nun deutlich nicht wiedergewählt, was als regelrecht Sensation zu bezeichnen ist. Offensichtlich wollte der DFB-Bundestag mit der nicht mehr erfolgten Wahl von Rainer Koch ein Zeichen für einen radikalen, personellen Neu-Anfang in der Regierung des Verbandes setzen. Es wäre wohl übertrieben zu behaupten, der DFB hätte in den letzten 20 Jahren mehr ruhigere als turbulente Zeiten erlebt. Während der letzten 15 Jahre diente der gewiefte Jurist Rainer Koch dem DFB als linientreuer Verbands-Funktionär, dessen politische Heimat trotz seiner Münchner Provenienz (ebenfalls) bei der SPD lag. Beerbt wurde Rainer Koch von der promovierten Sportwissenschaftlerin und Professorin an der Universität Koblenz-Landau, der 52jährigen Silke Sinning.

Nach dieser (Ab-)Wahl wird sich nun wohl Ex-DFB-Vizepräsident Rainer Koch nicht mehr seitens des Verbandes mit dem Fall des ehemaligen Büroleiters von Fritz Keller, Samy Hamama, befassen können. Diesen Rechtsstreit (es geht um eine geforderte Abfindung von 300 000 Euro) wollte Rainer Koch noch vor dem DFB-Bundestag beilegen. Das gelang allerdings nicht mehr, und es scheint nun fraglich zu sein, ob es noch zu einer Einigung in letzter Minute zwischen dem DFB und Samy Hamama kommen wird. Oder vielleicht gerade dennoch unter der neuen Führung? Sonst wird das Frankfurter Arbeitsgericht die Klage des Ex-Büroleiters wohl Ende März entscheiden. Die Parteien sollen derzeit noch 235 000 Euro auseinander liegen. Der ehemalige DFB-Mitarbeiter will sich mit den vom Verband offerierten 65 000 Euro nicht begnügen. Die Rechtslage soll in der «Causa Samy Hamama» offenbar eher nicht für den DFB sprechen.

Europameisterschafts-Endspurt und Schiedsrichter unter Druck

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(causasportnews / red. / 6. Juli 2021) Im Londoner «Wembley»-Stadion werden die letzten Kapitel der Fussball-Europameisterschaft 2020, die erst in diesem Jahr ausgetragen werden konnte, geschrieben. Bereits kurz vor dem Höhepunkt, dem Finalspiel am Sonntag, ist das Fazit zu ziehen, dass dieses Turnier, ausgetragen an elf Orten, glücklich durchgezittert worden ist – bis hin zum Höhepunkt in London. Um die im vergangenen Jahr verschobene Meisterschaft 2021 durchführen zu können, brauchte es eines: Das «Damoklesschwert Corona» zu ignorieren. Das war an etlichen Austragungsorten offensichtlich (z.B. in Budapest oder in St. Petersburg). Und just auf die letzten Spiele hin, die alle in England stattfinden werden, hat der britische Premierminister, Boris Johnson, selbst ein «Corona-Opfer», «COVID-19» als besiegt erklärt und die Stadion-Tore des legendären «Wembley» für die Halbfinalspiele und den Final aufgewuchtet – obwohl die Infektions-Zahlen breitgefächert in eine besorgniserregende Richtung deuten. Es ist fast so wie jeweils im Weltfussballverband FIFA, als der damalige FIFA-Präsident Joseph Blatter Krisen für beendet erklärt hatte, als ihn diese nur noch nervten. Natürlich ist die Politik im Zusammenhang mit «Corona» und der Europameisterschaft nicht nur seitens des organisierenden Kontinentalverbandes (UEFA) unter Druck geraten; Stadien ohne Publikum und ohne damit zusammenhängende Emotionen sind für das Geschäft verheerend. Die Politik beugt sich den Wünschen und Forderungen der Bürgerinnen und Bürger: Gegen Klaumauk und Spiele zu sein, bringt keine Wählerstimmen (was die japanische Politik vor der nächsten Grossveranstaltung dieses Jahres, den Olympischen Sommerspielen, derzeit schmerzlich erfährt). So wird nun die Gesundheit der Menschen dieser Welt, insbesondere in Europa, auf dem Altar des Mammons geopfert. Und niemand stoppt den Wahnsinn, der dann wohl im Herbst spürbar sein wird, zumal Impf-Gegner und -Querulanten Oberwasser erhalten haben. In dieser Jahreszeit muss auch die Ferien- und die Freizeit-Industrie laufen wie geschmiert; «Corona» ist als Störfaktor zu verdrängen und zu ignorieren – vox populi vox Dei.

Kurz vor Beendigung der Europameisterschaft stehen zwar die Mannschaften im Zentrum des Interesses. Ins Visier der Kritiker sind allerdings die Schiedsrichter geraten. Trotz mordernster Überwachungstechnologie stossen krasse Fehlentscheide zuhauf für Unverständnis und Verärgerung. VAR (Video Assistant Referee) und weitere technische Unterstützungs- und Überwachungsmittel haben die Autorität und den vormals unantastbaren Status der Schiedsrichter untergraben und teilweise zerstört. Die Referees sind von der Überwachungs-Technologie regelrecht demontiert worden und verhalten sich im Rahmen der Spielleitungen wie Kaninchen vor der Schlange.- In diesem Zusammenhang erregt eine Medienmeldung aus Deutschland für Aufsehen: Der langjährige Bundesliga-Schiedsrichter Manuel Gräfe hat angekündigt, juristisch gegen die Schiedsrichter-Altersbegrenzung von 47 Jahren anzukämpfen. Es gibt sie also doch noch, die Schiedsrichter-Masochisten, die sich das alles bis ins hohe Alter antun wollen, wäre man geneigt zu sagen; offenbar spielen jedoch auch finanzielle Aspekte eine Rolle. Der Spitzen-Schiedsrichter will sich jedenfalls diese «Altersdiskriminierung» nicht gefallen lassen, wie er gegenüber Medien erklärt hat. Juristisch dürfte dem streitbaren Schiedsrichter, der vor einem Jahr seine Pfeife abgeben musste, keine grosse Hoffnung gemacht werden. Womit der Bogen auch wieder zu Joseph Blatter gespannt wäre. Dieser empfand eine Altersbeschränkung für das Präsidentenamt stets als diskriminierend. Eine lebenslängliche Amtszeit war für ihn das Mass aller Dinge; an seine Unsterblichkeit glaubte er eh. Bekanntlich wurde er dann aus anderen Gründen aus dem Amt katapultiert.

Weltmarken im Spannungsfeld



Oft ist es nach dem Druck anders als vor dem Druck: Die Glorifizierung des «Markenpaars Hummels» – vor der Pleite vorbereitet, nach dem Desaster veröffentlicht. Aus Stars wurden «Sternschnuppen».

(causasportnews / red. / 19. Juni 2021) Marken prägen die moderne Lifestyle-Welt. Somit auch den Sport (vgl. causasportnews vom 17. Juni 2021). Was eine Marke zur Marke werden lässt, ist oft unklar; ausser, sie sei in einem «Marken-Register» eingetragen. Plötzlich wird eine Sache oder ein Mensch zur «Marke». Zum Beispiel Cristiano Ronaldo. Als Sportler ist er mit seinem Lebensstil und seiner Werbewirksamkeit längst zur Marke geworden. Wer eine «Marke» ist, kann sich einiges, oft sogar fast alles, erlauben. Wie der schon mehr als 36 Jahre alte Portugiese. So kam es, dass der Stürmer von Juventus Turin und der Nationalmannschaft Portugals von einer Sekunde auf die andere in ein Spannungsfeld mit einer anderen (Wort-)Marke, Coca-Cola, geriet, was nicht nur die Werbebranche aufschreckte. Der körperbewusste Star räumte anlässlich einer Medienorientierung vor dem EM-Spiel Portugals gegen Ungarn die auf dem Konferenztisch stehenden Flaschen des US-Konzerns kurzerhand weg und raunte: «Wasser» in den Saal. Die Medienschaffenden interpretierten das so, dass das Verhalten des Stars als Aufforderung zu verstehen sei, Wasser statt zuckerhaltige Getränke zu sich nehmen. Von einer Minute auf die andere ging die Anti-Coca-Cola-Aktion (oder das pro-Wasser-Bekenntnis) von Cristiano Ronaldo um die Welt. Vor der besagten Medienorientierung lag der Aktienkurs von Coca-Cola bei 56,10 Dollar, nach dem Auftritt des begnadeten, schwerreichen Fussball-Virtuosen bei 55,22 Dollar. Das bedeutete innerhalb weniger Minuten einen kumulierten Börsenverlust von Coca-Cola von rund vier Milliarden Dollar. Die Schlagzeilen, vor allem in der Wirtschaftspresse, folgten auf dem Fuss. «Cristiano Ronaldo lässt den Aktienkurs von Coca-Cola abstürzen», titelten mehrere Presseerzeugnisse. Der Kampf einer personifizierten Marke gegen eine Lifestyle-Wort-Marke endete also zu Gunsten des Protagonisten aus Portugal. Wie zu erwarten war, schoss Cristiano Ronaldo seine Equipe nach der Medienkonferenz zum Sieg gegen Ungarn (3:0; zwei Tore von Cristiano Ronaldo). Aufgrund seines sportlichen Wertes und seiner wirtschaftlichen Potenz konnte der Sportler den Kampf gegen die global bekannte Marke «Coca-Cola» problemlos aufnehmen; aus der Konfrontation ging er ebenso klar als Sieger hervor wie danach auf dem Spielfeld gegen Ungarn. Die Aktion von Cristiano Ronaldo könnte Schule machen, bzw. tat dies bereits. Nach dem Spiel Deutschland gegen Frankreich (0:1) entfernte der französische Spieler Paul Pogba anlässlich der Medienkonferenz kurzerhand eine Bierflasche des Europameisterschafts-Sponsors «Heineken».

Apropos Spiel Frankreich gegen Deutschland: Anlässlich dieser prestigeträchtigen Auseinandersetzung lag eine andere «Marke», diejenige von Cathy und Mats Hummels, in Trümmern (causasportnews vom 17. Juni 2021). Die sportliche Auseinandersetzung wurde auch etwa für die Regenbogen-Presse zum Desaster. Niemand hätte geglaubt, dass das Spiel vom 15. Juni 2021 zur Fussball-Katastrophe für Deutschland und vor allem für Mats Hummels werden könnte. So war dann auch das Titelbild für die Ausgabe der Illustrierten «BUNTE» längst vorfabriziert und gefertigt und erschien zwei Tage nach dem Fussball-Absturz von Mats Hummels in der «Allianz»-Arena in München. Die desaströs gewordene Glorifizierung des Marken-Ehepaar Hummels (nebst den anderen Versagern) war nicht mehr abzuwenden. Die Dynamik  des Momentes lässt sich nicht immer planen, vor allem nicht im Medien-Geschäft…

Apropos Planung: Die Schweizer Fussballer sorgten gegen Italien für ein anderes Fussball-Desaster (0:3-Niederlage). Nach diesem sportlichen Super-GAU gelang es dem VW-Konzern nicht mehr, die längst vorbereiteten TV-Spots mit dem Schweizer National-Torhüter Yann Sommer nach dem Spiel in Rom zu stoppen. Schöne Autos und gutaussehende Sportler können auch Freude bereiten, aller Skandale (Abgasskandal von VW) und sportlicher Pleiten (Spiel gegen Italien) zum Trotz. Schliesslich findet der Sport derzeit eh in einer «Blase» statt, in der eine spezielle Welt, zwar jeglicher Realität entrückt, praktiziert und abgefeiert wird. Bewusst und unbewusst selbstverständlich.

«Causa Silas»: Des Volkes Zorn beschwichtigt

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(causasportnews / red. / 14. Juni 2021) Die Identitäts-Affäre um den Spieler des VfB Stuttgart, Silas Wamangituka, der tatsächlich Silas Katompa Mvumpa heisst und auch nicht 22, sondern bereits 23 Jahre alt ist, scheint erledigt zu sein – wenigstens auf sport-rechtlicher Ebene (vgl. auch causasportnews vom 10. Juni 2021). Der Deutsche Fussball-Verband sanktionierte den Akteur mit einer Spielsperre von drei Monaten (bis zum 11. September 2021) und mit einer Busse von 30 000 Euro. «Blitz-Witz-Sperre» titelte dazu die BILD-Zeitung. Das Boulevard-Blatt bringt es auf den Punkt. Der Kongolese befindet sich in der Sommerpause und ist zudem verletzt; er wird erst im November wieder spielen können. Die Busse ist bei einem Jahresgehalt von eineinhalb Millionen Euro wohl ebenfalls zu verschmerzen. Hauptsache ist, mit einer Sanktion ist der Fall, in dem niemand zu schaden gekommen oder betrogen worden ist, erledigt. Und des Volkes Zorn ist zudem beschwichtigt. So mutet es eigenartig an (oder eben, gemäss BILD, als «Witz»), dass der VfB Stuttgart-Star für dieses Identitätswirrwarr wegen «unsportlichen Verhaltens» sanktioniert worden ist. Unsportliches Tun, Dulden und gefordertes Unterlassen tönt sonst anders. Aber das ist das Schöne an generell gehaltenen Sanktionsbestimmungen: Sie lassen sich dehnen und biegen und auf jeglichen, beliebigen Sachverhalt anwenden. Die Grenze zwischen konformer Subsumption und Rechtsbeugung ist oft fliessend. Wie würde es wohl der abgeschossene DFB-Präsident Fritz Keller mit Blick auf den Entscheid der DFB-Juristen ungeschminkt auf den Punkt bringen: Sport-Rechtsbeugung frei nach Roland Freisler? Apropos: Noch immer wird es als grosses Geheimnis gehütet, weshalb der ehemalige DFB-Präsident aus Freiburg i.Br. seinen Vize-Präsidenten, Dr. Rainer Koch, in Verbindung mit dem berüchtigten NS-Richter, einem Meister der Rechtsbeugung, gebracht hat. War es auch nur ein unsportliches Verhalten? Oder doch schon ein bösartiges Foul?

Ende einer grossen Trainer-Rochade

(causasportnews / red. 27. Mai 2021) Es war zu erwarten, und nun ging auch formell alles ganz schnell: Der neue deutsche Bundestrainer heisst Hansi Flick. Er wird am 2. September 2021 die Mannschaft Deutschlands auswärts gegen Liechtenstein führen, selbstverständlich zum Sieg. So gesehen darf von einem geglückten Einstands-Timing für den 56jährigen Top-Trainer gesprochen werden. Mit der Unterschrift unter den Arbeitsvertrag beim Deutschen Fussball-Bund (DFB), der bis 2024 dauern soll, ist die wohl spektakulärste Trianer-Rochade im deutschen Fussball mit den erwarteten Ergebnissen beendet worden (wie causasportnews berichtete: 4. Mai 2021).

Der FC Bayern München hat den Jung-Trainer Julian Nagelsmann für offenbar 25 Millionen Euro aus dem Arbeitsvertrag mit RB Leipzig herausgekauft. In München soll der neue Hoffnungsträger der Münchner jährlich etwa 7,5 Millionen Euro verdienen. Nach dem erfolgten Vertragsauskauf von Julian Nagelsmann, dem 33jährigen Coach (bis anhin) ohne Titelerfolg, werden die Zahlen an sich mit etwas Verwunderung zur Kenntnis genommen. Dieser Umstand wird beim Kapital bezogenen FC Bayern München jedoch kaum bemerkenswerten Gesprächsstoff abgeben. Bei Hansi Flick mutet die Vertragsauskaufs-Konstellation etwas spezieller an, weil bei ihm ein Vertragsauskauf durch einen Sportverband zu regeln war, der an sich ideal, nicht-wirtschaftlich ausgerichtet ist. Ist es also zu verantworten, dass ein nicht-kommerzieller Sportverband einen Fussball-Trainer für eine im konkreten Fall wohl ansprechende Summe aus einem Arbeitsvertrag (Hansi Flick war Arbeitnehmer bei den Bayern) herauskauft? Oder war es das dann doch nicht? Jedenfalls liess der DFB über die Höhe der an sich zu bezahlenden Vertragsauskaufssumme an Bayern München nichts verlauten. Wen wundert’s? Dr. Rainer Koch, nach dem Abgang des Kurzzeit-Präsidenten Fritz Keller einmal mehr der grosse Macher im deutschen Fussball, lässt sich in der Medienmitteilung des DFB nach der Vertragsunterzeichnung mit Hansi Flick wie folgt zitieren: «Wir danken dem FC Bayern München und seiner Führungsspitze, die sehr kooperativ den DFB dabei unterstützt hat, den Weg für den Bundestrainer Hansi Flick freizumachen.». – Diplomatischer geht es kaum – sibyllinisch auch nicht. Vielleicht ist dann im Verlaufe des kommenden Jahres diese Zahl dem DFB-Finanzbericht 2021 zu entnehmen. Aber wen wird das dann noch interessieren im WM-Jahr, wenn die deutsche Nationalmannschaft gegen Ende 2022 in Katar einen erneuten WM-Titelgewinn anstrebt? Der DFB ist eben ein Sportverband und keine Kapitalgesellschaft (so wie die Bayern).

DFB: Ein zerschlissener Präsident mehr

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(causasportnews / red. / 16. Mai 2021) Es kam, wie es in diesen Spalten skizziert worden ist (causasportnews vom 11. Mai 2021): Fritz Keller, seit September 2019 als Präsident des grössten Sportverbandes der Welt im Amt, hat unter dem immer stärker werdenden verbands-internen und externen Druck (der Medien und der Öffentlichkeit) sein Amt zur Verfügung gestellt. Nach nur gerade eineinhalb Jahren wurde die kürzeste Amtszeit eines Präsidenten des Deutschen Fussball-Bundes (DFB) mit einem Paukenschlag beendet. Der Funktionärs-Quereinsteiger ist mit viel Elan und mit dem Versprechen, Filz und Ungemach im Verband zu bekämpfen und für einen sport-bezogenen Neu-Start ohne verbands-politische Ränkespiele einzustehen, angetreten. Dass der ehemalige Präsident des SC Freiburg seinen Vize-Präsidenten aus München (!), Dr. Rainer Koch, mit dem berüchtigten NS-Richter Roland Freisler verglichen hatte, wurde wohl nur zum unmittelbaren Anlass seitens des  Fussball-Establishments genommen, um Fritz Keller relativ zügig an der Verbandsspitze wieder los zu werden. Und wie es seit Jahren immer ist beim DFB, wird auch der vom jetzt abgetretenen Präsidenten gescholtene oder diffamierte Rainer Koch nun einmal mehr als Interims-Präsident wirken. Dieser hat wohl angekündigt, im kommenden Jahr seinen Funktionärs-Job im DFB zu quittieren, bzw. nicht mehr zu kandidieren; so richtig glauben mag das derzeit allerdings niemand. On verra.

Der rasanteste Abgang eines DFB-Präsidenten nach 1945 wirft allerdings Fragen auf. Nicht primär diese, was Fritz Keller dazu bewogen hatte, Rainer Koch mit einem schlimmen NS-Rechtsbeuger zu vergleichen. Darüber ist, nicht unerwartet, der Mantel des Schweigens ausgebreitet worden. Fakt ist hingegen: Seit der Präsidentschaft von Egidius Braun (1992 bis 2001) werden die Amtszeiten der DFB-Vorsitzenden immer kürzer. Innerhalb von 20 Jahren hat der DFB nicht weniger als fünf Präsidenten zerschlissen. Wolfgang Niersbach (2012 bis 2015) und Reinhard Grindel (2016 bis 2019) blieben nur noch jeweils drei Jahre im Amt; in der Ära von Fritz Keller wurde die Amtsdauer des DFB-Präsidenten gleich halbiert. Über die realen Gründe für den raschen Abgang des Freiburger Unternehmers an der Spitze des Verbandes kann nur spekuliert werden. Offensichtlich ist die Zeit noch nicht reif dafür, den Wechsel vom klassischen Verband zum Unternehmen vorzunehmen. Das Geschacher um Posten und Pfründe scheint wichtiger als die «Causa Fussball». Hinzu kommt, dass sich unter dem Dach des DFB zwei Pole lokalisieren lassen. Auf der einen Seite gilt es, den Professional-Fussball zu hegen und zu pflegen – und was gibt es Schöneres für Verbands-Funktionäre, als sich in den Erfolgen der deutschen Nationalmannschaft, die zwar auch nur noch als «Die Mannschaft» bezeichnet wird, zu sonnen; auf der anderen Seite ist der DFB zuständig für Millionen von Amateur-Kickern, deren Interessen irgendwie zu wahren sind. Eines scheint im DFB jedenfalls noch nicht angekommen zu sein – so, wie es der Dichter Ovid schon vor rund zweitausend Jahren angedacht hat: «Tempora mutantur, nos et mutamus in illis» (die Zeiten ändern sich, und wir ändern uns mit ihnen). Im DFB wechseln zwar die Präsidenten immer rascher, die Strukturen und Probleme bleiben jedoch dieselben.

Zoff im DFB – und kein Ende des Hauens und Stechens

(causasportnews / red. / 11. Mai 2021) Er ist im September 2019 angetreten, um in dem von Streit, Machtkämpfen und der unsäglicher Sport-Politik in den letzten Jahren arg durchgeschüttelten, grössten Fussballverein der Welt, dem Deutschen Fussball-Bund (DFB), eine neue Führungs- und Organisationskultur zu schaffen. Derzeit ist es allerding unsicher, ob sich der rührige Unternehmer aus Freiburg im Breisgau, Fritz Keller, überhaupt nur schon zwei Jahre an der DFB-Spitze wird halten können. Derzeit ist in der Präsidialetage jedenfalls ein veritables Hauen und Stechen im Gang. Sportpolitik kommt vor dem Sport, und jeglicher Fehler und jede Ungeschicklichkeit des 64jährigen Präsidenten wird von den Gegnern des Freiburgers nach allen Kunst des klassischen Verbands-Funktionärstums ausgenützt. Frist Keller gilt als hemdsärmlig, der zwar sein Herz oft auf der Zunge trägt, aber nie als «Apparatschik» bezeichnet werden konnte. Als solcher gilt hingegen der DFB-Vizepräsident Dr. iur. Rainer Koch, der seine Funktionärskarriere im DFB 1996 mit der Einsitznahme in das Sportgericht des DFB begann. DFB-Präsidenten gehen und kommen – Rainer Koch bleibt. So könnte man die Positionierung des ehemaligen Münchner Richters als Langzeit-Vize des DFB zusammenfassen. Niemand weiss eigentlich, weshalb es der 62jährige Vollblut-Politiker nie ganz an die Spitze des Verbandes geschafft hat. Oder wollte er es so? Frei nach dem Motto: «Es ist mir egal, wer unter mir DFB-Präsident ist.». Es waren doch schon einige DFB-Präsidenten, welche Rainer Koch bis jetzt überlebt hat. Das könnt sich nun allerding ändern; und eben mit dem aktuellen DFB-Präsidenten Fritz Keller zusammenhängen, ein gradliniger Mann, der nicht dafür bekannt ist, sich verzwergen zu lassen und nicht aus dem traditionellen Funktionärs-Milieu stammt. Das nun in Machtkampf zwischen Fritz Keller und Rainer Koch ausgebrochen ist, hat sich der DFB-Präsident allerdings selber zuzuschreiben. Seinen Vize verglich er mit dem berüchtigten Volksgerichtshof-Präsidenten Roland Freisler. Mit diesem Vergleich hat Fritz Keller wohl in ein Wespennest gestochen und sich quasi eigenhändig zum Abschuss freigegeben. Aber eben, der DFB-Präsident ist nicht bekannt dafür, den Kopf in den Sand zu stecken. Ein Vergleich Rainer Koch – Roland Freisler – das geht natürlich beim DFB nicht. Fritz Keller hat sich für seine verbale Entgleisung zwar lauwarm entschuldigt, aktuell kämpft er aber gegen den mit allen Wassern gewaschenen Sport-Politiker Rainer Koch um den Verbleib an der DFB-Spitze. Er tut dies mit anwaltlichem Beistand und verlangt von der Ethikkommission des DFB einen Persilschein. Wie der Machtkampf zwischen dem Unternehmer Fritz Keller und dem Sportpolitiker Rainer Koch ausgehen wird, ist ungewiss. Gegen Rainer Koch spricht, dass er im Moment im Rahmen des DFB in eine dubiose Berater-Vertragsgeschichte verwickelt ist. Unklar ist derzeit aber auch das in dieser «Causa» wohl Wesentlichste: Was hat Fritz Keller letztlich dazu getrieben, seinen Vize mit dem berüchtigten Nazi-Richter Roland Freisler zu vergleichen? Hier steckt wohl mehr dahinter als eine Beschimpfung oder eine verbale Entgleisung, die natürlich in keinem Fall zu rechtfertigen ist. Wenn schon die deutsche Nationalmannschaft derzeit auf dem Spielfeld keine Strick zerreisst, ist wenigsten an der DFB-Spitze für öffentlich-wirksamen Zoff und Macht-Klamauk gesorgt. Affaire à suivre also (auch hier).