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Wieder einmal „Sonderfall Schweiz“ – liberal und unter Alkoholeinfluss

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(causasportnews / red. / 3. September 2020) Das Land unternimmt, trotz permanenten Anbiederungen in Europa durch die Politik, ziemlich viel, um den „Sonderfall Schweiz“ bei jeder sich bietenden Gelegenheit zu perpetuieren. So verhält es sich auch in der „Corona“-Krise. Permanent steigt in der Schweiz die Zahl der Neuinfektionen; sie ist im internationalen Vergleich sehr hoch. Und wenn ab 1. Oktober die Zuschauerrestriktionen in Sportstätten gelockert werden sollen (für mehr als 1000 Zuschauerinnen und Zuschauer ist eine kantonale Bewilligung notwendig), wie die Landesregierung erklärt hat, werden sich die Grippe-Kranken zu den COVID-19-Infizierten gesellen. Die liberale Öffnung im Rahmen der Bespassungsindustrie ist mit Blick auf das Ausland zumindest speziell: Deutschland und Österreich verhalten sich mit Bezug auf allfällige Lockerungen zurückhaltender; auch Italien hat aus dem anfänglichen „Corona“-Chaos gelernt. In der Schweiz ist eben doch alles anders. Die Landesregierung hat mit der angeordneten Öffnung auch für den Sport dem Druck der Wirtschaft und Interessenvertretungen nachgegeben; die Argumente der medizinischen Wissenschaften wurden durchwegs ignoriert. Der Bundesrat scheint sich bei seiner Lockerungspolitik an Loriot zu orientieren: Ein Sportanlass ohne Publikum vor Ort ist möglich aber sinnlos.

Sportstätten können nun also zu zwei Dritteln gefüllt werden. Es dürfen nur Sitzplätze angeboten werden, und das Publikum trifft eine Maskentragpflicht. Die Veranstalter müssen für die Events mit mehr als 1000 Personen Schutzkonzepte unterbreiten, welche von den Kantonen zu genehmigen sind, ebenso sind Risikoanalysen vorzunehmen. So hat die Landesregierung die Bewilligungspflicht, sprich: Die „heisse Kartoffel“, den Kantonen weitergereicht. Im Sinne der hehren Werte der menschlichen Bespassung hat die Landesregierung zudem davon abgesehen, Alkoholika an Sportanlässen zu verbieten, was auf der politischen Linie der Regierung liegt: Auch die entsprechende Getränkeindustrie ist schliesslich ein bedeutender Wirtschaftsfaktor, und dass sich in einer von Alkohol-, Drogen- und Medikamenten-Konsum (mit-)geprägten Gesellschaft dieser Industriezweig nicht talis qualis ausschalten lässt, scheint evident zu sein. Zu ergänzen ist allerdings, dass der Bundesrat in diesem Punkt doch noch ein wenig in realen Philanthropismus gemacht hat: Der Alkohol in Sportstätten darf Schutzkonzepte nicht gefährden. Eine wirklich glasklare Ausgangslage, und man darf gespannt sein, wie eine solche Vorgabe umgesetzt werden soll. Das ist etwa so, wie wenn für die Jagd eine Einschränkung angeordnet würde: Wild darf nur geschossen werden, wenn der Fortbestand der betroffenen Tiergattung durch Abschüsse nicht nachhaltig gefährdet wird.

Aber vielleicht werden die ganzen Anordnungen und Konzeptionen eh obsolet, sollten sich die Auswirkungen der Pandemie wieder verschärfen – was zwar niemand hofft, aber dennoch Tatsache werden kann.

Sport und Kultur prävalieren gegenüber „Corona“

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(causasportnews / red. / 14. August 2020) Es war natürlich ein Zufall, dass am Tag, als die Schweizerische Regierung die Lockerung der „Corona“-Restriktionen mit Bezug auf Veranstaltungen bekanntgab, die Infektionszahlen so hoch wie schon lange nicht mehr waren. Obwohl inzwischen kaum mehr jemand an die Korrektheit der kontinuierlich verbreiteten Zahlen glaubt, scheint eines dennoch klar zu sein: Die unheimliche Seuche ist noch lange nicht bekämpft. Weil die Viren nicht sichtbar und nur von den infizierten Menschen gespürt werden (sofern sie denn überleben), ist es schwierig, diesen Krieg gegen die Pandemie effizient zu führen und zu gewinnen. In allen Ländern sind die Regierungen gefordert; und überall wird klar, dass der Kampf gegen das Virus unter politischer Führung ein Desaster ist. In der Schweiz kommt hinzu, dass die Politik im Spannungsfeld zwischen Zentralismus und Föderalismus stattfindet. So kam es der Schweizer Regierung gelegen, sich dem Druck von Wirtschaft und Lobbyismus zu beugen und anzuordnen, dass insbesondere im Sport und in der Kultur ab 1. Oktober Veranstaltungen mit mehr als (bisher) 1000 Personen wieder möglich sein werden. Der Applaus nicht nur der „Corona“-Ignoranten ist dem Bundesrat mit dieser Anordnung – Sport und Kultur prävalieren gegenüber „Corona“ und medizinischen Erwägungen – sicher, und er ist entsprechend auch nach Bekanntgabe der Anordnungen erfolgt. Der „schwarze Peter“ ist aber von der Landesregierung gleichzeitig an die Kantone weitergereicht worden. Deren Gesundheitsdirektoren haben sich übrigens klar gegen die Lockerung der Veranstaltungs-Restriktionen ausgesprochen. Die Kantone haben ab 1. Oktober letztlich im Einzelfall zu entscheiden, ob Veranstaltungen mit mehr als 1000 Personen durchgeführt werden dürfen oder nicht. Wie unter diesen Umständen Sport- und Kulturanlässe geplant werden sollen, bleibt die grosse, unbeantwortete Frage. Steigen die Fallzahlen weiterhin und verschärft sich die allgemeine Lage etwa nach der Rückkehr von Urlauberinnen und Urlaubern aus den Auslandferien, wird es an den Kantonen liegen, aufgrund dieser Gegebenheiten über die Durchführung von Publikumsanlässen mit mehr als 1000 Personen zu entscheiden. Die Schweizer Regierung hat sich so elegant aus der Verantwortung verabschiedet und mit dieser Entscheidung sichergestellt, dass der für die Gesundheit der Bevölkerung zuständige Innenminister Alain Berset wohl zum „Schweizer des Jahres 2020“ gekürt werden wird. Konkurrenz um diese Auszeichnung dürfte ihm nur innerhalb der Landesregierung erwachsen: Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga gebärdet sich seit dem Ausbruch der Pandemie als salbungsvolle, umjubelte Landesmutter, und der eidgenössische, bürgerliche Finanzminister Ueli Maurer lässt das Geld in Milliardenhöhe über das Land niederprasseln, getreu dem „FIFA-Prinzip“: Gute Stimmung und Wählerstimmen lassen sich vor allem durch Grosszügigkeit garantieren.

Der sonderbare Schritt der Schweizer Landesregierung mag eidgenössischen Gepflogenheiten entsprechen, obwohl die Schweiz allgemein kaum mehr etwas unternimmt, ohne vorher die Verhältnisse im Ausland ausgiebig zu verinnerlichen. So wurde diesmal etwa ignoriert, dass das Fussball-Top-Land Deutschland bis zum 31. Oktober Spiele ohne Fans auf den Tribünen austragen lassen will. Im Land des Fussball-Weltmeisters, in Frankreich, diktiert der Staat die restriktiven Bedingungen für den Sport; Lockerungsbestrebungen der Sportministerin werden rigoros abgeschmettert. In der Premier League in England wird derzeit nicht einmal über eine Rückkehr der Zuschauer in die Stadien nachgedacht.

Ring frei für Vereinsversammlungen

Alfred Broger, Versammlung, 2002

(causasportnews / red. / 21. Juni 2020) Nicht nur im Fussball-Arbeitsvertragswesen bedeutet das Datum 30. Juni ein besonderer, terminlicher Schnitt: An diesem Tag laufen jeweils zahlreiche der befristeten Arbeitsverträge ab, dies in Einklang mit etlichen, nationalen Meisterschaften, die üblicherweise dann formell beendet sind. Im „Corona“-Jahr 2020 ist alles anders. Zufolge des Spiel-Unterbruchs werden die Meisterschaftsbetriebe teils weit über Ende Juni weitergeführt werden. Vertragsverhältnisse sind den Umständen angepasst worden, und auch die im Zuge der Sommerpause anstehenden Spieler-Transfers werden in ihren zeitlichen Abläufen den gegebenen Umständen angepasst.

Das Datum 30. Juni ist auch für viele Sportvereine und -verbände, die nach Art. 60 ff. des Schweizerischen Zivilgesetzbuches (ZGB) organisiert sind, von besonderer Wichtigkeit. In nicht wenigen Statuten dieser Körperschaften finden sich Bestimmungen, wonach die alljährlich abzuhaltende, ordentliche Vereinsversammlung (Art. 64 ff. ZGB) in der ersten Jahreshälfte, also bis zum 30. Juni, durchzuführen seien. Im Zuge der ausserordentlichen Lag hatte die Landesregierung in Anbetracht der ausserordentlichen Lage im März angeordnet, dass Versammlungen nicht mehr durchgeführt werden dürften; darunter fielen auch die in der ersten Jahreshälfte anstehenden ordentlichen Versammlungen der Vereine und Verbände (vgl. causasportnews vom 8. März 2020).- Grundsätzlich kann festgehalten werden, dass der Bundesrat im Krisenmanagement zwar nicht alles falsch, aber auch nicht allzu vieles gut gemacht hat. Es war und ist nicht zu beanstanden, dass die Abhaltung von Versammlungen verboten wurde. Jedoch liess sich dann die Landesregierung zur Anordnung von (zusätzlichen) „Massnahmen“ hinreissen, die letztlich als rechtwidrig zu qualifizieren sind. Der Bundesrat verbot (richtigerweise) die Versammlungen, gab dann aber (fälschlicherweise) gleichzeitig vor, wie das „Problem“ zu lösen sei, und fordert u.a. Vereine und Verbände auf, ihre Versammlungen auf schriftlichem Weg oder unter Zuhilfenahme elektronischer Mittel abzuhalten. Rechtlich konform hätten die Körperschaften trotz der gängigen, statutarischen Vorschriften bezüglich Durchführung der Versammlungen (diese sind als „Ordnungsvorschriften“ zu qualifizieren), die ordentlichen, bereits terminierten Zusammenkünfte verschieben oder Versammlungen auf später im Jahr 2020 ansetzen müssen. Die unkritischen Vereinsvorstände folgten der bundesrätlichen Anordnung und führten die Versammlungen auf schriftlichem oder digitalem Weg (bereits) durch – oder werden sie in nächster Zeit noch durchführen. Nachdem ab kommender Woche auch grössere Vereinsversammlungen wieder gesetzes- und statutenkonform durchgeführt werden dürfen, ergeben sich nun teils groteske Situationen. Es werden in nächster Zeit bereits angesetzt „Vereinsversammlungen“ schriftlich oder auf elektronischem Weg durchgeführt (in den meisten Fällen lässt sich die entsprechend angerollte Organisationslawine bequemerweise nicht mehr aufhalten), obwohl auch in dieser Hinsicht Normalität eingekehrt ist. Die Autoritätsgläubigkeit in Vereinen und Verbänden gegenüber staatlichen Direktiven (die, q.e.d., nicht immer gesetzeskonform sind) und in Anbetracht der aktuellen Situation, drängt sich folgendes Fazit auf: Auch im Vereinsrecht lohnt es sich ab und zu, die Nerven zu behalten…Sowohl für bereits auf dem von der Regierung angeordneten Weg abgehaltenen Versammlungen als auch für solche, die nun ebenfalls in gleicher Weise, trotz der ab kommender Woche geltenden Lockerung durchgeführt werden, gilt: Die auf diese Weise gefassten Vereinsbeschlüsse sind nichtig, in jedem Fall anfechtbar (Art. 75 ZGB).

Das Ende der totalen, „zuschauerlosen“ Zeit naht

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(causasportnews / red. / 20. Juni 2020) Eigentlich wird niemand ernsthaft behaupten wollen, „Geisterspiele“ im Fussball seien exzessive Freudenspender. Mit den Spielen ohne Zuschauer sollte vielmehr die totale, durch das „Corona“-Virus verursachte Depression im Bespassungs-Segment „Sport“ situationsadäquat etwas eingedämmt werden. Jetzt naht jedoch das Ende der „zuschauerlosen“ Zeit – zum Beispiel in der Schweiz. Die Landesregierung hat sich dazu durchgerungen, ab kommender Woche Veranstaltungen, auch solche mit sportlichem Gehalt, bis zu 1000 Personen wieder zu gestatten; wenigstens auf Stehplätzen lässt die sich nun auch in der Schweiz geltende Abstandsregelung von 1,5 Metern problemlos praktizieren. In rund zwei Monaten kann sich dann das Veranstaltungs-Business praktisch wieder einschränkungsfrei entfalten; ab September sind auch grössere Veranstaltungen wieder durchführbar.

Wenn dann die „Corona“-Krise wieder der Vergangenheit angehören soll…

Im Moment lassen die Infektions- und insbesondere die Reproduktionszahlen eher pessimistische Zukunftsaussichten aufkommen. Und Vorkommnisse, wie um die Betriebe des Fleisch-Grossproduzenten und Präsidenten von Schalke 04, Clemens Tönnies, animieren nicht gerade zu überbordendem Optimismus. Bei Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in seinem Schlachtbetrieb breitet sich derzeit eine flächendeckende „Corona“-Infektion aus. Der Schalke-Präsident steht also wieder einmal in den Schlagzeilen – diesmal nicht aus Gründen im Zusammenhang mit dem Sport oder seinem Klub in Gelsenkirchen, sondern wegen seiner angeblichen Sorglosigkeit in der COVID-19-Krise. Doch auch deswegen haben Schalke-Fans ihre Stimmen gegen den Klub-Patriarchen erhoben.

Trotz aller derzeitiger Lockerungsmassnahmen und dem verkündeten Ende der ausserordentlichen Lage gemäss Epidemiengesetz mutet die derzeitig, virale Lage auch in der Schweiz nicht gerade erwartungsfroh an. Eines ist sicher: Den vom Bund im März verordneten, totalen „Lockdown“ wird es nicht mehr geben. Sollte sich die Situation um COVID-19 jedoch wieder verschlimmern, haben die Kantone prioritär über allfällige Massnahmen zu befinden – und dafür die finanziellen Konsequenzen zu tragen. Eine erneute, ausserordentlicher Lage bleibt vorbehalten.

Der Fussball zurück in der Normalität (?)

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(causasportnews / red. / 18. Mai 2020) Seit dem vergangenen Wochenende befindet sich der Professional-Fussball zurück in der Normalität. Wirklich? Die Vorzeige-Liga Europas, die Deutsche Bundesliga, hat es vorgemacht, wie es geht. Und es geht! Schon der ehemalige FIFA-Präsident Joseph Blatter hat es immer gesagt: Wenn es nicht mehr weitergeht, muss es der Fussball richten. Letzterer hat es gerichtet in Deutschland. In der Tat schafft das nur der Fussball: In die Normalität zurückkehren bei anormalen Verhältnissen, die jedoch real immer noch vorherrschen. Das Volk und eine Vielzahl seiner Sprachrohre haben es verlangt – und so die wichtigste Bespassungs-Industrie Deutschlands zu neuem Leben erweckt. Wer es beim Bundesliga-Auftakt nicht oder weniger gut fand, dass in dieser Kampfsportart die Grundsätze, an die sich jede Frau und jeder Mann im Alltag halten sollten, zur Theorie wurden, ist von der Volksseele und ihren Sprachrohren niedergeschrien oder in die Schranken gewiesen worden. Schliesslich war in den leeren Stadien alles paletti – die Fans vergnügten sich anderswo und anderswie. Polizei und Politiker/innen lobten die vorbildliche Haltung der Fans. Körperkontakt in den Restaurant, Bars und Erholungsräumen statt in den Stadien war angesagt. So spielt der Fussball im engeren Sinne weiterhin glaubwürdig seine Vorbildrolle. Und mit dem unsichtbaren, aber immer noch grassierenden Virus verhält es sich fast wie mit dem ungläubigen Thomas, der erst glaubte, als er seinen Finger in die Wunde von Jesus Christus legen konnte. Ignorieren wirkt oft Wunder.

Der derzeitige Gang zurück in die Normalität treibt auch neben den Fussballstadien spezielle Blüten. Nach Wochen, in denen Politiker/innen Geld ohne Ende auch über den organisierten Sport ausschütteten, ist nun das grosse (und teils böse) Erwachen gekommen. Kaum mehr jemand weiss etwa in der Schweiz, wieviel hundert Millionen Franken bis jetzt gesamthaft dem Sport versprochen worden sind; Bundesrat und Parlament überbieten sich diesbezüglich in Grosszügigkeit; die Gewaltenkontrolle ist zur Farce verkommen. Die dem Sport in der vergangenen Woche überdies zugesicherten 350 Millionen Franken entpuppen sich allerdings immer mehr als regelrechtes „Danaergeschenk“, nachdem es zuerst den Eindruck gemacht hatte, es ging nun im Sport zu und her wie nach einem Banküberfall: Nach diesen Taten verkrachen sich die Räuber/innen regelmässig, wenn es um die Verteilung der Beute geht. Jetzt ist allerdings mit Blick auf den Fussball in der Schweiz bei den Professional-Klubs so etwas wie Ernüchterung eingekehrt. An die am besten gefüllten Honigtöpfe gelangen diese kommerziellen Unternehmen nur, wenn sie die Löhne des kickenden Personals in den nächsten drei Jahren um mindestens 20 Prozent senken. Das wollen die Klubs aus verschiedenen Gründen selbstverständlich nicht. Man beabsichtigt weiterhin an einem Produkt festzuhalten, das sich konventionell nicht finanzieren lässt. Ausfälle und rote Zahlen werden mit Jammern, rührigen Mäzenen und oft halbseidenen Investoren wettgemacht; diese dürfen im Moment, wie das nun besiegte Virus, auch aus China kommen, wie es soeben der Zürcher Grasshopper Club vorexerziert hat (causasportnews vom 14. April 2020 ). Diese Entwicklungen belegen vor allem eines: Auch hier kehrt der Fussball in die Normalität zurück; in die Normalität, wie wir sie vor „Corona“ kannten. Die Bundesliga ist seit dem Wochenende jedenfalls wieder die traditionelle, erfolgreiche Geldmaschine, die auch ohne Fans wieder zum Funktionieren gebracht worden ist.

13. Mai 2020: Ein Glückstag für den Schweizer Sport

(causasportnews / red. / 13. Mai 2020) Dem 13. Mai wird gemeinhin eine gewisse Symbolik, tendenziell in negativer Hinsicht, zugeordnet. Das Datum lässt immer wieder Raum für Spekulationen und Deutungen. Auch was den Sport betrifft. Für ihn ist der 13. Mai 2020 in der Schweiz in jedem Fall ein Glückstag. Mit Genugtuung und Stolz hat die helvetische Sportministerin Viola Amherd verkündet, dass nun nach dem Geldsegen, der in den letzten Wochen über die offenbar marode Wirtschaft niedergeprasselt ist, nun auch der Sport mit pekuniärer Glückseligkeit bedacht wird. 350 Millionen Schweizer Franken sollen die Schweizer Fussball- und Eishockeyligen vom Staat erhalten; zu einem grossen Teil handelt es sich dabei um A-fonds-perdu-Zahlungen, die über der Sportindustrie ausgeschüttet werden; teils handelt es sich um Darlehen. Begründet wird die generöse Handlung der Schweizer Regierung mit dem Faktum, dass der organisierte Sport viele Arbeitsplätze am Leben erhalten müsse, die im Zuge der „Corona“-Pandemie gefährdet sind.

Apropos Arbeitsrecht: Obwohl noch nicht klar ist, wann und ob die Professionalliga im Fussball ihren Betrieb (mit „Geisterspiele“) demnächst aufnehmen wird, haben lediglich zwei Klubs am vergangenen Montag wieder mit dem Trainingsbetrieb begonnen: Der aktuelle Leader in der Super League, der FC St. Gallen, sowie der Challenge Club mit Aufstiegsambitionen, der Grasshopper Club Zürich, der neuerdings von Chinesen über Wasser gehalten wird (causasportnews vom 14. April 2020). Die anderen Professional-Klubs verzichten derweil auf einen organisierten Trainingsbetrieb, um der Kursarbeitsentschädigung nicht verlustig zu gehen. Die Behörden haben unmissverständlich klargestellt, dass die Ansprüche für Kurzarbeitsentschädigungen umgehend entfallen würden, sobald der Klub-Trainingsbetrieb wieder aufgenommen wird. Das Verhalten der meisten Vereine, ausgenommen der aktuelle Leader FC St. Gallen und GC Zürich, zeigt nicht nur, wie der sportliche Gehalt einer wieder aufgenommenen Meisterschaft einzustufen ist: Spielbetrieb ohne Training – eine seriöse Vorbereitung für einen Wettkampfbetrieb sieht wohl anders aus. Man muss dann bei Aufnahme des Spielbetriebs wohl von einer klaren Verzerrung des Wettbewerbs sprechen, wenn Mannschaften aus rein pekuniären Gründen auf geordnete Trainings verzichten. Aber nach der frohen Botschaft aus der Bundeshauptstadt vom 13. Mai sind die Klubs eh aller finanzieller Sorgen enthoben, und auf die angedachten, künftigen „Geisterspiele“ bei Fortsetzung der Fussball-Meisterschaft kann somit auch getrost verzichtet werden. Die politisch motivierte Grosszügigkeit des Bundesrates stösst allerdings bereits auf massive Kritik. Dass mit Bundesbeiträgen gut bezahlt Fussball- und Eishockey-Professionals alimentiert werden, ist alles andere als unumstritten. Frau und Herr Schweizer haben zudem weitgehend Probleme damit, dass von Misswirtschaft, Hooliganismus und anderen Negativpunkten gebeutelte Sportarten grosszügig mit Steuergeldern bedacht werden. Aber was sich für die Wirtschaft im Allgemeinen ziemt, soll auch im Sport gelebt werden. Und an den Umstand, dass der Sport in der Schweiz weitgehend eine rein private Angelegenheit ist, mag sich in der aktuellen Krisenzeit schon gar niemand mehr erinnern.

Versammlungen im „Lockdown“: Was Vereine und Verbände dürfen

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(causasportnews / red. / 30. April 2020) Die Verlautbarungen der Schweizerischen Regierungen mit Blick auf die Lockerungen der restriktiven Massnahmen im Zusammenhang mit der momentanen Pandemie sind meistens klar – jedoch nicht immer. Letztere Feststellung betrifft etwa die Detaillierungen des Eidgenössischen Justiz- und Polizeidepartementes (EJPD) mit Blick auf Vereinsversammlungen. Vereine und Verbände gemäss Art. 60 ff. des Schweizerischen Zivilgesetzbuches (ZGB) geben den meisten Sportorganisationen mit Sitz in der Schweiz (dazu gehören auch zahlreiche, internationale Verbände) den rechtlichen, organisatorischen Rahmen. Vereine und Verbände regeln durchwegs in den Statuten ihr Vereins- und Verbandsleben. Hierzu gehören etwa auch die Bestimmungen mit Blick auf das höchste Organ dieser Körperschaften, die Vereinsversammlungen (Art. 64 ff. ZGB). Auch wenn in den Statuten vorgesehen ist, dass ordentliche Vereinsversammlungen jedes Jahr im ersten Halbjahr durchzuführen sind, dürfen oder müssen solche Versammlungen gemäss Anordnungen der Regierung aufgrund der aktuellen Krise abgesagt oder verschoben werden. Das ist, weil solche statutarischen Vorgaben ordnungsrechtlich motiviert sind, zulässig. Das EJPD stellt nun Vergleiche mit dem Recht der Aktiengesellschaften an (Art. 620 ff. des Obligationenrechts, OR). Hierzu gilt es klarzustellen: In Vereinen ist beispielsweise eine physische Vertretung in der Generalversammlung grundsätzlich nicht möglich (zulässig ist selbstverständlich eine Organisation nach dem Recht für Delegiertenversammlungen, allenfalls sind auch andere Varianten der Willensbildung im Verein gemäss Statuten zu berücksichtigen); der Verein ist personenbezogen strukturiert, deshalb geht es nicht an, nun einfach etwa eine Vereinsversammlung mit (sogar externen) Stimmrechtsvertretern (wie bei der AG) durchzuführen. Und: Sollen Vereinsversammlungen mit modernen Kommunikationsmitteln durchgeführt werden, bedarf es hierzu einer statutarischen Grundlage. Oft missverstanden (offenbar auch vom EJPD) wird Art. 66 ZGB. Diese Bestimmung besagt lediglich, dass die schriftliche Zustimmung aller Mitglieder zu einem Antrag einem Beschluss der Vereinsversammlung gleichgestellt wird (Bedingung ist also eine Zustimmung aller Mitglieder zu einem Antrag). Etwas anderes wird unter „Urabstimmung“ verstanden: Im Rahmen einer solchen Beschlussfassung können auch Mehrheitsentscheidungen gefasst werden.

Fazit: Mit Notrecht kann nicht durchwegs in die Rechtsbeziehungen zwischen Mitglied und der juristischen Person „Verein“ (oder Verband) eingegriffen werden.

„Corona“-Krise: Und nun das „Prinzip FIFA“

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(causasportnews / red. / 22. März 2020) Die Situation in der „Corona“-Krise spitzt sich weiter dramatisch zu. Über die Art von Massnahmen ist jedoch ein Meinungsdissens zwischen spezialisierten Medizinern und Politikern entbrannt. Noch immer lassen sich die Regierungen primär von wirtschaftlichen Interessen leiten – wie zu Beginn der Krise. Statt vor einem Monat die Grenze zu Italien abzuriegeln, wird bis heute in der Schweiz am Grenzverkehr mit Italien festgehalten. Es zeigt sich, dass mit Politikerinnen und Politikern, welche in Krisen- und Katastrophenfällen höchstens reagieren und selten agieren, keiner Katastrophe beizukommen ist – vor allem kann so der Kampf gegen das unsichtbare Virus nicht gewonnen werden. Insbesondere in der Schweiz mit erschreckenden Zahlen betreffend infizierten und verstorbenen Personen müsste die Führung in dieser Katastrophe längst der Armeespitze übertragen werden. Das wäre in der Schweiz möglich, etwa im Gegensatz zu Deutschland und Österreich (in Österreich ist Bundeskanzler Sebastian Kurz dem Land weiterhin ein souveräner Krisen-Manager, vgl. dazu auch causasportnews vom 15. März 2020).

Doch was macht die Schweizer Landesregierung, statt primär den Kampf gegen das verheerende Virus kompromisslos, effizient und ohne Rücksicht auf Partikularinteressen zu führen? Sie sorgt sich um die wirtschaftlichen Folgen der jetzigen Situation und schüttet schon einmal das Füllhorn über der Nation aus. Es könnte einem ob dieses angekündigten Milliarden-Geldsegens beinahe schwindlig werden. So stellt sich nun bereits die konkrete Frage, wer aus welchem Grund wann wieviel bekommen soll…Eigenartig ist nur, dass eine bis anhin derart hochgejubelte Wirtschaft nicht in der Lage sein soll, schon nach kurzer Zeit der Krise ohne Dritthilfe auszukommen. Die vielgepriesenen Unternehmens-Reserven scheinen plötzlich zur Makulatur geworden zu sein. Die deutsche Luftfahrt-Gesellschaft „Swiss“ wird diese Situation auszunützen wissen. Sie ist bereits an die Regierung in Bern gelangt.

Selbstverständlich soll bei der angekündigten Verteilung pekuniärer Mittel auch der organisierte Sport nicht zu kurz kommen: 100 Millionen Schweizer Franken sind ihm jetzt schon einmal versprochen worden. Der Bund übernimmt also zumindest teilweise schon einmal eine Ausfallgarantie für die TV-Rechteverwertungsgelder, die nun zweifelsfrei nicht mehr so exzessiv sprudeln werden wie in der Vergangenheit. Dass auch der Sport beglückt werden soll, ist nachvollziehbar: Der Sport verkörpert eine (auch politisch) potente Community, die es von Seite der Politik zu hegen und zu pflegen gilt. Es ist an sich das „Prinzip FIFA“: Wer den Mitgliedsverbänden des Weltfussballverbandes genügend Mittel verspricht, kann mit deren Unterstützung rechnen. So haben es die FIFA-Präsidenten in den letzten Jahren gehalten. Das Vorgehen im berühmtesten (und für viele berüchtigtesten) Sportverband der Welt erlebt in der helvetischen Politik eine Perpetuierung: Wer den Wählerinnen und Wählern am meisten verspricht, hält sich am erfolgreichsten an der Macht. „Brot und Spiele“ prävalieren also nach wie vor. „Panem et circenses“ (Brot und Spiele) – Brot haben wir aktuell (noch), Spiele wird es wieder geben (zur Situation bezüglich der geplanten und noch nicht abgesagten Olympischen Spiele in Tokio in diesem Sommer vgl. causasportnews vom 22. März 2020). Banale Mechanismen also im organisierten Sport und in der Politik. Wie sonst im Leben.

Nur dass sich in der aktuellen Krise verheerend auswirkt, dass die politische Führung der Schweiz nicht die kompromisslose Bekämpfung der Krise im Vordergrund sieht, sondern bei allen Massnahmen wirtschaftliche Aspekte stark mitgewichtet. Wieder einmal sei es mit Bertold Brecht gesagt: „Erst das Fressen – dann die Moral“. Wirtschaftliche Interessen sind offensichtlich immer noch wichtiger als die Bekämpfung des todbringenden Virus. Sonderbar mutet es auf jeden Fall an, dass in der Schweizer Landesregierung, einer vielgepriesenen Kollegialbehörde, der einzige Arzt im Gremium völlig inexistent zu sein scheint; klar, er ist ja auch „nur“ Aussenminister. In Krisenmanagement übt sich hingegen an vorderster Front eine ehemalige Klavierlehrerin: Das alles wird permanent von den Medien beklatscht. So (einmal mehr) nach dem Motto: „Lob der Schuldigen, Tadel der Unschuldigen“.

Der aktive Sport im „Ruhe-Modus“

(causasportnews / red. / 17. März 2020) Nach den rigorosen Anordnungen der Regierungen in ganz Europa gegen die weitere Ausbreitung des „Coronavirus“ befindet sich auch der Sport gezwungenermassen im „Ruhe-Modus“. Die (letzten) Absagen von Sportveranstaltungen jagen sich. Das „Gibraltar open“ der „Snooker“-Spieler ist soeben einigermassen regulär zu Ende gegangen; wenn auch mit wenig Enthusiasmus. Der Sport in der „Neuen Zürcher Zeitung“ („NZZ“) findet nur noch unter der Überschrift „Coronavirus“ statt. Der aktive Sport ist an sich sogar „tot“ und findet höchstens noch im Rahmen der Sportpolitik statt, die einmal mehr beweist, in welcher Parallelwelt Sportfunktionäre leben. Die UEFA eiert seit geraumer Zeit herum und ziert sich mit der Absage der an 12 Austragungsorten stattfindenden Fussball-Europameisterschaft 2020, die selbstverständlich vom 12. Juni bis zum 12. Juli 2020 nicht stattfinden wird. Schlimmer liegen die Verhältnisse nur noch beim Internationalen Olympischen Komitee (IOK), welches sich aus dilettantischen und wohl vor allem aus pekuniären Gründen nicht dazu durchringen kann, für klare Verhältnisse zu sorgen und die Olympischen Sommerspiele vom 24. Juli bis 9. August in Tokio bisher nicht abgesagt hat. Fleissig agiert hingegen der Weltfussballverband FIFA, dieses Jahr glücklicherweise ohne Turniere und Wettbewerbe (mit Ausnahme der kaum jemanden interessierenden Klub-WM im Dezember), und sagt Sitzungen und Versammlungen kontinuierlich ab. Das Meeting des FIFA-Rates Ende dieser Woche ist ebenso verschoben wie die Vereinsversammlung der FIFA, die am 5. Juni in Addis Abeba hätte stattfinden sollen. Der sog. „Kongress“ ist nun auf den 18. September verschoben worden. Diese Annullation von (noch weiteren) Sitzungen im Rahmen der FIFA hat auch eine gute Seite: Der ungeliebte FIFA-Präsident Gianni Infantino profitiert von abgesagten Sitzungen und Versammlungen. Keine Zusammenkünfte – keine für ihn ungelegenen oder gefährlichen Beschlüsse. Besser kann der Machterhalt für ihn im Moment gar nicht funktionieren.

In der aktuell schwierigen Situation macht der Sport nicht durchwegs eine gute Figur, auch etwa der Breitensport nicht. Trotz Anordnung der Schweizer Regierung am vergangenen Freitag, dass alle Wintersportorte ihre Betriebe einstellen müssten, foutierten sich einige Wintersportstationen, vor allem in der Innerschweiz, um diese angeordnete Massnahme. Es war auch eine Art Ohnmacht der Regierung vor den faktischen Verhältnissen. Das renitente Verhalten der Innerschweizer mag auch damit zusammenhängen, dass der Schweizer Bundesrat bei der Bewältigung dieser Krise vor allem aufgrund von zu spät erfolgten Anordnungen und fehlender „Leadership“ ein tristes Bild abgibt und deshalb der Respekt der Bevölkerung ihm gegenüber an einem kleinen Ort zu orten ist. Es kommt hinzu, dass nun die Armee die grösste Mobilmachung seit dem 2. Weltkrieg erlebt und nun zur Unterstützung der zivilen Einsatzkräfte eingesetzt wird – angeordnet vom selben Bundesrat, dessen Mitglieder teils Parteien angehören, die sich seit Jahrzehnten als militante Bekämpfer eben dieser Armee hervorgetan haben! Solches Verhalten ist für eine Landesregierung, in der Tat eine träge Kollegialbehörde, wenig vertrauensbildend. Auch wenn die „NZZ“ alles unternimmt, um die Schweizer Regierung in die Nähe potentieller Heiliger zu rücken. „Der Bundesrat beweist in der Krise Führungsstärke“, schrieb das Blatt am Wochenende auf der Frontseite. Was leider kein Scherz war. Mit rührigen Worten rüffelt der Chefredaktor der „NZZ“ heute das ihm sonst so lieb gewordenen Europa und schaut mit verklärtem Blick in Richtung Bern: Die europäischen Regierungen hätten bei der Bekämpfung des „Coronavirus“ wertvolle Zeit verstreichen lassen, ist von der „alten Tante“ von der Zürcher Falkenstrasse zu vernehmen. Und säuselt: „Erst später greifen sie wie jetzt der Schweizer Bundesrat zu drakonischen Massnahmen“, schreibt der Journalist, der wohl merken musste, dass die von ihm gehätschelte EU vielleicht eher ein Schönwetter-Gebilde ist. Lob der Schuldigen – Tadel der Unschuldigen heisst das Motto jedenfalls bei der „NZZ“. Dass die Schweiz im internationalen Vergleich vom Virus am meisten befallen ist, wird selbstverständlich ausgeblendet. Die Zeitung mit rasant in den Keller sinkenden Auflage (wen wundert’s?) hat es sich wohl auf die Fahne geschrieben, die dem Blatt ergebenen und der so genannten freiheitlichen Partei angehörenden Mitglieder der Landesregierung wenigstens medial zu stärken. „Fake News“, wird das heute genannt; auch deshalb wütet derzeit ein spezieller Mensch im „Weissen Haus“. Und der Beweis ist durch die „NZZ“ erbracht, dass auch der Journalismus nicht nur bei der Beurteilung dieser Krise in einer Parallelwelt agiert. Eine intelligente, sportliche Note setzte hingegen der souverän und effizient wirkende österreichische Bundeskanzler Sebastian Kurz in dieser schwierigen Zeit, in der die Welt praktisch still steht: Er führt sein Land, die Realitäten ausgewogen im Auge behaltend, auch mit einer Portion Optimismus durch das Wellental und versteht es, die notwendige Solidarität im Land zu beschwören. So redet er sportlich mitreissend und überzeugend nicht von Österreicherinnen und Österreichern, sondern vom „Team Österreich“. Plattitüden, wie sie die jetzt regelrecht abgetauchte deutsche Bundeskanzlerin regelmässig von sich gibt, vermeidet er geflissentlich. Politisches Talent im Blut zu haben erleichtert das Regieren eben ungemein.

Besch…Lage

Sebastian Kurz: Die personifizierte „good governance“ (© Raul Mee)

(causasportnews / red. / 15. März 2020) Innerhalb weniger Tage ist das Horror-Szenario globale Realität geworden: Das „Coronavirus“ hat der Welt eine Pandemie beschert, wie sie unser Planet noch kaum jemals in ähnlicher Art und Weise in punkto Intensität und Auswirkungen erlebt hat. In vielen Teilen der Welt, so auch in Europa, legt der unheimliche, unbekannte und nicht wahrnehmbare Gegner das Leben weitgehend lahm. Auch der Sport musste innerhalb weniger Tage definitiv vor den Gegebenheiten kapitulieren und findet aktuell kaum mehr statt. Wenn sich die Deutsche „Bundesliga“, wie jetzt, dem Virus geschlagen gibt, ist die Lage an Dramatik in der Tat nicht mehr zu überbieten. Der Sport hat im Moment für die Menschen jegliche Bedeutung verloren; er ist uninteressant geworden. Die Angst dominiert – verständlicherweise. In den elektronischen Medien ist der Sport kaum mehr ein Thema; in den Gazetten und Magazinen existiert die (aktuelle) Sport-Berichterstattung logischerweise auch nicht mehr. In der „Neuen Zürcher Zeitung“ („NZZ“) wird die Sport-Politik sinnigerweise unter der Kopfzeile „CORONAVIRUS“ abgehandelt. Da die Spalten trotz allem gefüllt werden (müssen), bleibt dennoch Raum für viel Unnützes, Überflüssiges und Peinliches. So kommen etwa neuerdings „Zeitzeugen“ des Sportes zu Wort; diese haben die Medien allerdings nicht gesucht; es ist umgekehrt. Sie verhelfen den Zeitungen über das sportlich-mediale Interregnum hinweg. So etwa die Ski-Trainer-Legende Karl Frehsner, diskussionslos eine grosse Persönlichkeit der Sport-Zeitgeschichte. Offenbar leicht gereizt hat er dazu Hand geboten, dass die „NZZ“ immerhin zwei Interview-Seiten produzieren konnte. Es war ein Interview, das einerseits gezeigt hat, weshalb Karl Frehsner über einen beeindruckenden Erfolgsausweis, dank seiner konsequenten, kompromisslosen Art verfügt; anderseits wird im Interview die Absurdität der Sport-Berichterstattung im Zeitalter von „Corona“ manifest. Als der über 80jährige Österreicher mit Wohnsitz in der Schweiz gefragt wurde, wann er, derzeit immer noch tätig für „Swiss Ski“, in seinem Alter endlich aufhören wolle, sagte er in seiner gradlinigen, schnörkellosen Art das, was auch als Abbild der momentanen Stimmungslage im Zeitalter von „Corona“ gelten kann, knapp und knackig: „Das geht Sie einen Scheissdreck an.“ („NZZ“ vom 11. März 2020).- Dem ist an sich mit Blick auf die derzeitige Lage in der Welt und im Sport nichts mehr hinzuzufügen. Ausser vielleicht das: Auch diese Krise wird vorübergehen – wann, weiss niemand. Und diesbezüglich kommt dem Krisenmanagement in den Ländern (nota bene: Die EU hält sich vornehm zurück) besondere Bedeutung zu: Beeindruckend souverän, sachlich, engagiert, unermüdlich und empathisch händelt die Krise der Landsmann von Karl Frehsner, der Österreichische Bundeskanzler Sebastian Kurz. Er ist omnipräsent auch in der Öffentlichkeit, erklärt permanent angeordnete Massnahmen, übt Demut und äussert sich zudem dankbar gegenüber denjenigen, auf denen alle unsere Hoffnungen mit Blick auf die Krisenbewältigung ruhen. Fürwahr ein Mann, dem nicht nur die eigenen Anhänger/innen vertrauen (können)! Und der auch, im Gegensatz zu anderen Politikern in verschiedensten Ländern, am Wochenende Flagge zeigt. Der erstaunliche, intelligente Jung-Star auf der politischen Bühne ist ein Vorbild etwa für die Deutsche Bundeskanzlerin, die auch in dieser Situation abgetaucht ist. Ganz zu schweigen auch von der Schweizerischen Landesregierung, die auf der ganzen Linie versagt und sich, wie gewohnt, opportunistisch scheut, die richtigen und griffigen Massnahmen anzuordnen, etwa die seit Wochen fällige Grenzschliessung zu Italien im Tessin, eine Massnahme, von der mit Blick auf das Wohl von Grenzgängern abgesehen wird. Derweil sich die Lage in der Schweiz im Vergleich zu den meisten europäischen Ländern täglich zuspitzt, was nicht wundert, weil auch die zu milden Massnahmen der Schweizer Regierung zum Teil nicht einmal durchgesetzt werden. Sie will Gutes tun und erreicht das Gegenteil. Die „NZZ“ beschreibt die Wirklichkeit auch hier so, wie sie sie sehen möchte (und nicht so, wie sie ist), z.B. auf der Frontseite in der aktuellen Wochenendausgabe: „Der Bundesrat beweist in der Krise Führungsstärke“ („NZZ“ vom 14. März 2020) – es darf trotz Krise zwischendurch gelacht werden. „Felix Austria!“ also – und „Quo vadis Deutschland und Schweiz?“, könnte die politische Lage auf den Punkt gebracht werden. „good governance“ ist in Krisensituationen nicht nur Glücksache. Fehlt sie, wird offenkundig, wie eng sie an den Begriff „Fähigkeit“ gekoppelt ist. Ohne Zweifel, die Lage ist besch…, um einigermassen an die Terminologie von Karl Frehsner, dem „Eisernen Karl“ aus dem Skisport, anzuknüpfen. Aber die Menschheit muss hier durch.