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Fussballstadion Zürich: „Klassenkampf“ (fast) entschieden

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(causasportnews / red. / 28. September 2020) Die Geschichte um ein neues, den modernen Bedürfnissen gerecht werdendes Fussballstadion auf dem „Hardturm-Areal“ in Zürich ist nach jahrelangem Hin und Her praktisch zu Ende geschrieben (vgl. dazu auch „Causa Sport“ 1/2020, 131 ff.). Die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger wurden am Wochenende erneut zur Urne gerufen, um über das privat finanzierte Projekt mit zwei Hochhäusern, einer Genossenschaftssiedlung und über 500 Wohnungen im Umfeld des Stadions abzustimmen. Bei diesem Urnengang ging es um den Gestaltungsplan, der von knapp 60 Prozent der Stimmberechtigten gutgeheissen wurde. Es war dies das letzte Plebiszit nach einer Reihe von in den letzten Jahren durchgeführten Abstimmungen. Die satte Zustimmung am Wochenende war offensichtlich das Resultat nach jahrelangem Gezerre, das von vielen Bürgerinnen und Bürgern als Zwängerei der Stadion-Gegnerschaft nach längst erfolgtem und entschiedenem „Klassenkampf“ wahrgenommen wurde. Dieser wird in der kommunistisch geprägten Zwinglistadt generell immer intensiver und auf allen Ebenen ausgetragen. So eben auch, wenn es um Sportstätten geht.

Das „Hardturm“-Stadion soll privat finanziert werden. Das ist einerseits eine positive Ausgangslage für eine Erfolgsgeschichte auch in einem rot-grünen Umfeld wie in Zürich. Andererseits mutiert ein solches Projekt bei dieser Ausgangslage zu einem Reizwort. Im Falle des „Hardturm“-Stadions wurde die Polarisierung im Abstimmungskampf offenkundig: Hier die Lobby der privilegierten Schrebergarten-Besitzer mit Sympathisanten, dort das Grosskapital, das den Sport als Wirtschaftsplattform nutzt und dabei die Umwelt und die Lebensgrundlagen der Menschen zerstört oder zumindest malträtiert. Aufgrund des klaren Abstimmungsresultates ist es nun aber evident, dass Zürich ein modernes Fussballstadion mit Rahmennutzung will. Die Gegner des Projektes haben diese Ausgangslage ignoriert, und man kann sie auch nicht mit den Bewohnerinnen und Bewohnern des Gallischen Dorfes von Asterix und Obelix vergleichen. Aber wie in jener Kommune wollen sie keineswegs aufgeben: Gegen die nun zu erteilenden Baubewilligungen sollen alle möglichen Rechtsbehelfe ergriffen werden, kündigten die Stadion-Gegner nach Bekanntwerden des Abstimmungsresultates umgehend an. So schnell wird auf dem berühmten „Hardturm“-Areal also nicht wieder Fussball gespielt werden können. Nach der Abstimmung vom Wochenende ist das Projekt nun aber „à la bonne route“ und dieser „Klassenkampf“ weitgehend entschieden. Er geht jedoch formell wohl in die Verlängerung.

Swiss Football League: Ins Ziel gezittert

(causasportnews / red. / 15. August 2020) Nun hat es auch die Schweiz geschafft und die Professional-Fussballmeisterschaft 2019/2020 zu Ende gebracht (zum Vergleich: In Deutschland hat die Bundesliga ihren Betrieb 2019/2020 schon Ende Juni abgeschlossen). Glücklich zu Ende gebracht, wäre eine übertriebene Qualifikation – es war eher ein glückhafter Abschluss einer Meisterschaft, deren vorzeitiger Abbruch immer wieder im Raum stand, als „Corona“-Fälle in den Umfeldern von Klubs die Weiterführung des Wettbewerbs bedrohten. Vor allem, nachdem COVID-19 im FC Zürich eingeschlagen hatte und sich Spieler und Staff infizierten, wurde die Lage kritisch; sogar der Präsident des FC Zürich zählte zu den „Corona“-Opfern. Weil der FC Zürich danach teils mit Rumpf-Mannschaften antrat, war schnell einmal von Wettbewerbsverzerrungen die Rede. Zu Unrecht allerdings: Die Bedrohungslage und die erschwerten Bedingungen waren für alle Klubs der Swiss Football League (SFL) gleich. Allerdings hätte die Liga einen zweiten „Fall FC Zürich“ nicht ertragen. So zitterte sich die SFL letztlich glücklich und glückhaft ins Ziel. Ein Meisterschaftsabbruch hätte wohl einen wirtschaftlichen Kollaps etlicher Klubs bewirkt. Wird nun Bilanz gezogen, bilden die wirtschaftlichen Folgen dieses Meisterschafts-Endes die Hauptsorgen der Klubs und der SFL. In Anbetracht der allgemein gestiegenen Infektionszahlen mag an den Neustart der Meisterschaft 2020/21 im Moment schon gar niemand denken…

Es hat sich in den letzten Wochen gezeigt, wie wichtig der „Faktor Zuschauer“ ist – „Geisterspiele“ und Spiele mit begrenzten Zuschauerzahlen sind zwar möglich, aber auf den Fussball gemünzt nur eine Notlösung. Ohne oder mit wenig Publikum ist ein Fussballspiel eben nur noch ein Spiel. Dass der BSC Young Boys zum dritten Mal hintereinander Schweizer Fussball-Meister geworden ist, interessiert im Moment nur marginal. Wenigstens sind die Berner keine „Zufalls-Meister“. Auch so gesehen kann im „Corona“-Jahr 2020 nicht von einer Wettbewerbsverzerrung, bedingt durch COVID-19“, gesprochen werden. Am Wochenende des 11. bis zum 13. September 2020 soll der Startschuss zur Meisterschaft 2020/2021 erfolgen. Die Vorfreude hierauf hält sich in Grenzen. Das Championnat muss Ende Mai 2021 beendet werden. Danach steht international die um ein Jahr verschobene Europameisterschaft an mehreren Standorten auf dem Programm. Diese Veranstaltung wirkt derzeit in den Köpfen der Menschen wie ein Phantom, das man am liebsten ungeschehen machen oder verscheuchen möchte.

Ein Denkmal für Köbi Kuhn?

Jakob Kuhn; © R. Niemeyer

(causasportnews / red. / 28. Juli 2020) „Corona“ hat eine Umwertung gewisser Werte gebracht und tangiert in einer ethisch hoch-aufgeladenen Welt auch das Geschichtsbewusstsein. Man weiss es ja genau: Die Geschichte ist wohl eine der nutzlosesten Forschungs-Disziplinen. Denn es entspricht der Notorietät: Der Mensch lehrt nie aus der Geschichte, deshalb ist sie so wichtig wie ein Fahrrad, das im Zweirad-verrückten China umfällt. Mit „Corona“ verhält es sich bekanntlich so, dass für diese Pandemie niemand eine „Schuld“ trägt und auch niemand dafür verantwortlich gemacht werden kann – die Nation der Fahrradfahrer aus dem fernen Osten wird zwar wegen „Corona“ verdächtigt, aber erhärtet ist bis anhin nichts, geschweige denn, dass den Chinesen eine „Schuld“ an der derzeitigen, mundialen Katastrophe nachgewiesen werden könnte. Für den Menschen ist es wohl am schlimmsten, nicht zu wissen, wer für ein Unglück verantwortlich ist oder wer dafür verantwortlich gemacht werden kann.

Unglücke oder auch unglückliche Konstellationen gibt es auf unserem Planeten zuhauf. Irgendwie werden nun „Schuldige“ intensiv für alles gesucht. Kein Wunder, dass nun überall auf der Welt Menschen, die durch ihre frühere Anwesenheit auf der Welt oder irgendwelche Aktivitäten in einem gewissen Sinne nachhaltig geworden sind, der Kampf angesagt wird. Die Versinnbildlichungen des markant Vergangenen bilden Denkmäler, die vor allem wichtigen Männern eine post-vitale Präsenz in der nach-Welt garantieren. Ab und zu werden auch Frauen in den Stand der Säulenheiligen befördert. Doch dieser Status bröckelt allgemein. Überall werden Berühmtheiten aller Art von den Sockeln geholt. Irgendwie haben sich schliesslich auch diese Berühmtheiten Fehltritte erlaubt – sei es als Eroberer, Unterdrücker oder Menschenschinder. Vor ein paar Tagen hat es Christoph Kolumbus erwischt: Die Staute des italienischen Entdeckers wurde im US-Bundesstaat Minnesota demontiert. Auslöser waren Kundgebungen gegen Polizeigewalt und Rassismus. Sogar in der friedfertigen Schweiz geht es Denkmälern an den Kragen. Am Zürcher Bahnhofplatz steht ein solches von Alfred Escher, einem gewieften Unternehmer (u.a. Gründer der Credit Suisse und „Vater“ des Gotthard-Tunnels), dessen Erinnerungsstück nun bestenfalls ins Museum abtransportiert werden soll. Die Familie habe einen Teil ihres Reichtums schuftenden Sklaven in Kaffee-Plantagen zu verdanken; wer seinen Reichtum so aufgehäuft hat, gehört vor allem in der tief-roten Stadt Zürich aus der Erinnerung und von öffentlichem Grund verbannt.

Und in Zürich wird derzeit über ein Denkmal, das einem der bekanntesten Fussballspieler der Zwinglistadt gewidmet sein soll, lebhaft diskutiert. Mehr wird daraus aber wohl nichts, denn Denkmäler sind in dieser Stadt, welche alles auf die Karte „Fahrrad“ setzt, nicht mehrheitsfähig. Das geht auch nicht, wenn sich der Betroffene von ganz unten hochgearbeitet hat, immer bescheiden und nahbar geblieben ist und Jakob („Köbi“) Kuhn hiess. Der im letzten Jahr verstorbene, langjährige Mittelfeldstratege des FC Zürich, der versierte Nationalspieler und zuletzt Trainer der Schweizer Fussball-Nationalmannschaft wäre für ein Denkmal prädestiniert; zumal er in Repräsentant des apolitischen Sports war. Das meint vor allem auch seine Witwe, die findet, Köbi Kuhn solle in Bronze weiterhin durch entsprechende Präsenz seinen positiven Geist und seine Philanthropie von einem Sockel in Zürich-Wiedikon aus über die Menschen verbreiten. Das sieht der Zürcher Stadtrat ziemlich anders und bekämpft dieses bourgeoise Projekt, auch wenn Köbi Kuhn als Prototyp des Emporkömmlings aus der Unterschicht gilt. Klar, ein Denkmal hat mit der sozialistisch-kommunistischen Denke von Gleichheit und Gleichmacherei nichts zu tun. Deshalb wird einer der genialsten, ehemaligen Fussballspieler, den die Schweiz je hatte, seinen letzten Platz wohl lediglich in der Sport-Historie finden. Velo-Ausflüge von Schulklassen zum angedachten Denkmal von Köbi Kuhn auf der „Fritschiwiese“ in Zürich werden Träume bleiben.

COVID-10-Attacke auf die Schweizer Fussball-Professional-Liga

© Poiseon Bild & Text

(causasport / 12. Juli 2020) Das war wohl die schlimmste Konstellation, welche die kürzlich wiederaufgenommene Meisterschaft der Schweizer-Fussball-Professional-Liga ereilen konnte: Einen flächendeckenden „Corona“-Impakt auf einen an der Meisterschaft teilnehmenden Klub. So nun geschehen bezüglich des FC Zürich, einer von 10 Teams, welche seit dem 19. Juni versuchen, die Meisterschaft 2019/20 zu Ende zu spielen. Das muss bis zum 2. August geschehen, weil danach die Europacup-Teilnahme-Meldungen an den Europäischen Fussballverband (UEFA) gemacht werden müssen. Und nun das. Zehn Personen aus dem Spielerkader der 1. Mannschaft und des Staff haben sich infiziert. Das kickende und in der Administration tätige Personal des FC Zürich befindet sich seither weitgehend in Quarantäne. An Meisterschaftsspiele ist nicht zu denken. Diese sind von der Professional-Liga für die nächste Zeit mit Beteiligung des FC Zürich abgesagt worden. Die Swiss Football Leagu (SFL) will anfangs Woche entscheiden, wie es weitergeht. Ein Meisterschaftsabbruch ist eine Option. Alles andere wäre wohl mit Wettbewerbsverfälschungen verbunden. Im Moment ist es mit Blick auf die Meisterschaft mit zehn Teams einzig klar: Da waren es nur noch 9…

Infektionsfälle gab es auch beim Ligakonkurrenten Neuchâtel Xamax sowie beim anderen Klub aus Zürich in der zweiten Liga (Challenge League), dem Grasshopper Club Zürich. Diese Vorkommnisse wirken sich derzeit nicht so dramatisch auf den Ligabetrieb aus wie die Infektionsfälle beim FC Zürich.

Nicht nur die Sportwelt fragt sich, wie es im FC Zürich zu diesem Infektions-Super-GAU kommen konnte. Über die Ursachen des Desasters wird derzeit nur spekuliert; es werden Fragen gestellt: War es klug, dass die Mannschaft vor wenigen Tagen geschlossen und gemeinsam per Bus zum Auswärtsspiel nach Neuenburg reiste? Bestätigt sich nun, dass es die Fussballer bezüglich der Verhaltensmassnahmen bezüglich COVID-19 etwa ausserhalb der beruflichen Aktivitäten ziemlich locker nehmen? Oder sind die infizierten Personen allenfalls teilweise „Opfer“ des Zürcher Nachtlebens geworden, das von der Politik aus Opportunitätsgründen geduldet wird, obwohl es aufgrund der markanten Verschärfung der Lage längst verboten gehört? Der FC Zürich, alleine Verantwortlich für diese Entwicklung innerhalb der Mannschaft und des Staff, gibt sich diesbezüglich, was Ursachen und Schuldige betrifft, vollends bedeckt, wohl auch deshalb, weil sogar der allein-herrschende Präsident, zwischenzeitlich ebenfalls positiv getestet, aus dem Fussball-Verkehr gezogen worden ist. Müsste die Meisterschaft nun vorzeitig beendet werden und liessen sich die Ursachen für die Infektionen im Zürcher Stadtklub eruieren, könnte auf den FC Zürich eine Schadenersatz-Lawine zurollen.