Schlagwort-Archive: Sponsoring

Wenn Investoren und Sponsoren zum Reputations-Risiko werden

(causasportnews / red. / 27. Dezember 2019) Bis zum Jahresende wird in Davos das traditionelle Eishockey-Klub-Turnier mit sechs Top-Eishockey-Teams, der sog. „Spengler Cup“, ausgetragen. Der Event gehört zu den bekanntesten Sportveranstaltungen in der Schweiz und wird auch im Ausland stark beachtet. Waren es jeweils die teilnehmenden Klubs, die jedes Jahr im Vorfeld des Events für Diskussionsstoff sorgten, verlagert sich das Interesse heuer auf einen Neben-Schauplatz. Vor kurzem hat der organisierende HC Davos (HCD) eine achtjährige Partnerschaft mit einem Geschäftsmann, der für bizarre Inszenierungen und schrille Auftritte bekannt ist, bekanntgegeben. Im Zuge des Abschlusses dieser Kooperation zwischen dem HCD und der Stiftung des als Provokateur bekannten 83jährigen Mannes ist nun über den Klub im Nobel-Ort Davos, wo auch jeweils das World Economic Forum (WEF) tagt, ein Kritik-Tsunami hereingebrochen. Der HCD verteidigt das Engagement mit dem Argument, der Abschluss der Vereinbarung, welcher dem Verein in den nächsten acht Jahren eine erkleckliche Summe einbringen soll, nicht mit dem Geschäftsmann selbst, sondern mit dessen Stiftung mit dem vielsagenden Namen „Res Ubique Foundation“ abgeschlossen worden sei. Wie dem auch sei: In der Öffentlichkeit hat sich der HCD mit dieser Vereinbarung einen gewaltigen Image-Schaden eingehandelt, weil sich der Geldgeber, dem nun eine entsprechende Plattform geboten wird, auf alle mögliche Art und Weise öffentlichkeitswirksam inszeniert und ihm die Medien die entsprechenden Plattformen geradezu präsentieren. Der Klub wird wohl nur deshalb am Agreement festhalten, weil er auf die so versprochenen Mittel nicht verzichten will (selbstverständlich wurde das Umfeld des Investors vor Vertragsabschluss ausgeleuchtet; ihm werden übrigens keinerlei Verfehlungen vorgeworfen, und es gilt für ihn selbstverständlich die Unschuldsvermutung). Das Schlagwort „non olet“ scheint also in diesem Fall nicht zu greifen. Immer mehr geraten Klubs und Verbände, die sich mit umstrittenen Investoren und Sponsoren arrangieren, in die Kritik. Es wird wohl immer entscheidender, wer sich mit welchen Geldgebern einlässt, vor allem, wenn Einzelpersonen im Zentrum stehen, wie nun der „Fall HCD“ zeigt. So ist die Kooperation der „Swiss Football League“, der Professional-Abteilung der Schweiz, mit der „Raiffeisenbank“ für die Liga wegen der Kapriolen einzelner Bank-Manager von „Raiffeisen“ zwar nicht gerade eine Idealvoraussetzung für freudvolles, imageförderndes Kooperieren; auch ein Sponsor des HCD, die Grossbank „UBS“, ist in vielerlei Hinsicht umstritten. Diesbezüglich wird allerdings das Zusammenwirken von Eishockey-Klub und Bank (noch) akzeptiert – ein zweifelhaftes Image kann im Rahmen der Anonymität eines Grossunternehmens relativiert werden. Anders nun bei der „Res Ubique Foundation“ des eigensinnigen Einzel-Unternehmens mit Steuersitz in Paraguay. Hier wird die Negativ-Stossrichtung in extremis personifiziert.

„naming right“ – ein Vermarktungsmodell mit Tücken

Copyright by Jon Candy

(causasportnews / red. / 16. Juli 2019) Die Vergabe von Namensrechten, bspw. an einer Sportstätte, bildet eine Variante des Sportsponsorings und ist vor allem im Zusammenhang mit Eishockey- und Fussballstadien ein probates Mittel dieser meistens für Klubs einträglichen Rechtevermarktung. Auf dem Platz Zürich ist kürzlich ein „naming right-Projekt“ bekannt geworden, das vielleicht deshalb keine grossen Wellen geworfen hat, weil diese Sport-Vermarktungsform auch problematisch sein kann. Die Grossbank „Credit Suisse“ hat mitgeteilt, ab sofort und für zehn Jahre ab Fertigstellung des geplanten, neuen Fussballstadions in Zürich das Namensrecht an der Sportstätte auf dem Hardturm-Areal gesichert zu haben. „Credit Suisse Arena“ soll das Stadion originellerweise heissen, in dem die beiden derzeit renommiertesten Fussballklubs der Stadt Zürich, FC Zürich und Grasshopper Club, dereinst spielen werden. Wenn es dann auch (sportlich) soweit kommen sollte: Der FC Zürich ist derzeit relativ unstabil in der obersten Spielklasse der Swiss Football League (SFL) tätig, der Grasshopper Club dümpelt ab der neuen Saison sogar in der Zweitklassigkeit herum, in der sog. Challenge League der SFL (vgl. zum Abstieg des Grasshopper Clubs aus der Super League auch den Beitrag von Prof. Dr. Urs Scherrer in der aktuellen Ausgabe von „Causa Sport“ 2/2019, 221 ff., sowie causasportnews vom 23. Mai 2019). Der Vertrag zwischen der Bank ist mit der Stadion-Betriebsgesellschaft abgeschlossen worden, an der die beiden Fussball-Klubs zu je 49 Prozent beteiligt sind (die restlichen zwei Prozent hält eine Finanzgesellschaft). Nicht bekannt gegeben worden ist, wieviel der „Credit Suisse“ der Erwerb des Namensrechts wert ist. Aus Kreisen des Grasshopper Clubs verlautete, dass diese Finanzierungsspritze wichtig für die Klubaktivitäten sei. Damit wird wohl das perpetuiert, was in früheren Jahren an der Tagesordnung war: „Credit Suisse“ galt lange mehr als generöse Hausbank des Grasshopper Clubs; die Bank finanzierte immer wieder mit namhaften Beiträgen die Clubaktivitäten. Was dann und wann auch zu Verstimmungen beim Stadt-Rivalen FC Zürich geführt hat. So, wie sich FC Zürich und Grasshopper Club seit Jahrzehnten sportlich duellieren, ist im Banking die Rivalität zwischen „Credit Suisse“ und „UBS“ legendär. „Credit Suisse“ war immer dem Grasshopper Club zugeneigt, die 2008 kollabierte und mit Staatsmitteln gerettete „UBS“ dem FC Zürich. Insofern ist der jetzige Sponsoringdeal nicht ganz „ohne“, auch wenn die beiden Klubs gemeinsam im neuen Stadion spielen werden und das Namensrecht am gemeinsamen Stadion lediglich an die „Credit Suisse“ verkauft worden ist. Manch‘ ein Anhänger des FC Zürich und „UBS“-Kunde wird sich schwer tun, die Spiele „seines“ Klubs in der „Credit Suisse Arena“ zu verfolgen. Ob es deshalb ein kluger Schachzug war, das Namensrecht am Zürcher Stadion (nur) der „Credit Suisse“ zu überlassen, wird sich dereinst zeigen. Oder ist es nur ein verkapptes Sponsoring für die in Geldnöten steckenden Grasshoppers? Die Mitteilung seitens „Credit Suisse“, mit dem Engagement könne Präsenz gleich in zwei Fussball-Ligen markiert werden, mutet jedenfalls einigermassen speziell an: Wen interessieren schon die Spiele in der Challenge League?