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Zum Olympia-Start: Leichtathletik im Elend

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(causasportnews / red. / 24. Juli) Kurz vor Beginn der Olympischen Sommerspiele in Tokio platzte im Schweizer Sport eine «Doping-Bombe»; als ob «Corona» nicht schon genug Probleme bereiten würde: Die Schweizer Medaillen-Hoffnung Kariem Hussein wurde (offenbar) wegen der Verwendung einer Gly-Coramin-Lutschtablette Doping-positiv getestet und gleich für neun Monate gesperrt. Der 32jährige Hürdenspezialist stand sofort zur Verfehlung und akzeptiert die ausgefällte Sanktion. Anlässlich eines Leichtathletik-Meetings in Langenthal Ende Juni lief der ausgebildete Arzt in die Doping-Falle und muss nun die Spiele in Tokio im Fernsehen verfolgen. Nebst dem Reputationsschaden hat der Hürdenläufer nach dem Doping-Befund massive, pekuniäre Einbussen zu gewärtigen. Der erfolgreiche Sportler, der in den letzten Jahren als «Marke» aufgebaut worden ist, dürfte wohl vor allem Sponsoringgelder verlustig gehen. Derzeit ist allerdings noch unklar, wie die teils attraktiven Sponsoring-Partner des Doping-Delinquenten, wie Nike, BMW oder Geberit, auf den Dopingfall reagieren werden. Der «Fall Kariem Hussein» manifestiert auch die Risiko-Problematik, wenn Sponsoren auf Individual-Athleten setzen.

Die Schweizer Leichtathletik stand im Vorfeld von Olympia unter keinem guten Stern: Die Medaillen-Hoffnung über 100 und 200 Meter, Alex Wilson, stellte in Atlanta (USA) über die beiden Distanzen gleich zwei Fabelrekorde auf: 9,84 Sekunden (über 100 Meter) und 19,89 Sekunden (über 200 Meter). Danach begannen die Diskussionen über die Rechtmässigkeit der erzielten Zeiten; von Manipulation und Betrug war und ist die Rede, und auch der Umgang des Athleten mit einem lebenslang gesperrten «Doping-Trainer» sorgte zumindest für gewaltige Negativ-Stimmung gegen das «Kraftpaket» mit Jamaika-Wurzeln. Tendenziell sieht es derzeit danach aus, als würden die vom 30jährigen Alex Wilson erzielten Zeiten nicht homologiert werden. Diese Ausgangslage ist wohl nicht gerade als ideal mit Blick auf Tokio zu werten.

Nichts zu tun mit Olympia 2020, ausgetragen 2021, hat eine andere, in der Westschweiz lebende Leichtathletik-Hoffnung ohne Schweizer Pass. Tolossa Chengere, ein begnadeter Langenstreckenläufer aus Äthiopien, versucht seit rund 20 Jahren, mit Tricks und Schlichs das Schweizer Bürgerrecht zu erlangen. Vor einer Woche liess der Zürcher «Tages-Anzeiger» diese «Bombe» platzen: Nachdem sein Asylantrag abgelehnt worden sei, habe sich der Sportler, Jahrgang 1979 oder 1984, während Jahren gegen die Ausschaffung zur Wehr gesetzt. Bis jetzt erfolgreich; der Läufer befindet sich nach wie vor in der Schweiz. Seine Leistungen verschlechterten sich im Verlaufe der Jahre zusehends. Mit der Geschichte im «Tages-Anzeiger» vom 17. Juli 2021 wurden die Machenschaften, Betrügereien und Lügengebäude des Äthiopiers schonungslos angeprangert. Das alles unter dem für die linke Zeitung ungewohnt scharfen Titel «Das Lügenkonstrukt des Laufstars». Auch diese Geschichte ist für die Leichtathletik nicht gerade image-fördernd…

Weltmarken im Spannungsfeld



Oft ist es nach dem Druck anders als vor dem Druck: Die Glorifizierung des «Markenpaars Hummels» – vor der Pleite vorbereitet, nach dem Desaster veröffentlicht. Aus Stars wurden «Sternschnuppen».

(causasportnews / red. / 19. Juni 2021) Marken prägen die moderne Lifestyle-Welt. Somit auch den Sport (vgl. causasportnews vom 17. Juni 2021). Was eine Marke zur Marke werden lässt, ist oft unklar; ausser, sie sei in einem «Marken-Register» eingetragen. Plötzlich wird eine Sache oder ein Mensch zur «Marke». Zum Beispiel Cristiano Ronaldo. Als Sportler ist er mit seinem Lebensstil und seiner Werbewirksamkeit längst zur Marke geworden. Wer eine «Marke» ist, kann sich einiges, oft sogar fast alles, erlauben. Wie der schon mehr als 36 Jahre alte Portugiese. So kam es, dass der Stürmer von Juventus Turin und der Nationalmannschaft Portugals von einer Sekunde auf die andere in ein Spannungsfeld mit einer anderen (Wort-)Marke, Coca-Cola, geriet, was nicht nur die Werbebranche aufschreckte. Der körperbewusste Star räumte anlässlich einer Medienorientierung vor dem EM-Spiel Portugals gegen Ungarn die auf dem Konferenztisch stehenden Flaschen des US-Konzerns kurzerhand weg und raunte: «Wasser» in den Saal. Die Medienschaffenden interpretierten das so, dass das Verhalten des Stars als Aufforderung zu verstehen sei, Wasser statt zuckerhaltige Getränke zu sich nehmen. Von einer Minute auf die andere ging die Anti-Coca-Cola-Aktion (oder das pro-Wasser-Bekenntnis) von Cristiano Ronaldo um die Welt. Vor der besagten Medienorientierung lag der Aktienkurs von Coca-Cola bei 56,10 Dollar, nach dem Auftritt des begnadeten, schwerreichen Fussball-Virtuosen bei 55,22 Dollar. Das bedeutete innerhalb weniger Minuten einen kumulierten Börsenverlust von Coca-Cola von rund vier Milliarden Dollar. Die Schlagzeilen, vor allem in der Wirtschaftspresse, folgten auf dem Fuss. «Cristiano Ronaldo lässt den Aktienkurs von Coca-Cola abstürzen», titelten mehrere Presseerzeugnisse. Der Kampf einer personifizierten Marke gegen eine Lifestyle-Wort-Marke endete also zu Gunsten des Protagonisten aus Portugal. Wie zu erwarten war, schoss Cristiano Ronaldo seine Equipe nach der Medienkonferenz zum Sieg gegen Ungarn (3:0; zwei Tore von Cristiano Ronaldo). Aufgrund seines sportlichen Wertes und seiner wirtschaftlichen Potenz konnte der Sportler den Kampf gegen die global bekannte Marke «Coca-Cola» problemlos aufnehmen; aus der Konfrontation ging er ebenso klar als Sieger hervor wie danach auf dem Spielfeld gegen Ungarn. Die Aktion von Cristiano Ronaldo könnte Schule machen, bzw. tat dies bereits. Nach dem Spiel Deutschland gegen Frankreich (0:1) entfernte der französische Spieler Paul Pogba anlässlich der Medienkonferenz kurzerhand eine Bierflasche des Europameisterschafts-Sponsors «Heineken».

Apropos Spiel Frankreich gegen Deutschland: Anlässlich dieser prestigeträchtigen Auseinandersetzung lag eine andere «Marke», diejenige von Cathy und Mats Hummels, in Trümmern (causasportnews vom 17. Juni 2021). Die sportliche Auseinandersetzung wurde auch etwa für die Regenbogen-Presse zum Desaster. Niemand hätte geglaubt, dass das Spiel vom 15. Juni 2021 zur Fussball-Katastrophe für Deutschland und vor allem für Mats Hummels werden könnte. So war dann auch das Titelbild für die Ausgabe der Illustrierten «BUNTE» längst vorfabriziert und gefertigt und erschien zwei Tage nach dem Fussball-Absturz von Mats Hummels in der «Allianz»-Arena in München. Die desaströs gewordene Glorifizierung des Marken-Ehepaar Hummels (nebst den anderen Versagern) war nicht mehr abzuwenden. Die Dynamik  des Momentes lässt sich nicht immer planen, vor allem nicht im Medien-Geschäft…

Apropos Planung: Die Schweizer Fussballer sorgten gegen Italien für ein anderes Fussball-Desaster (0:3-Niederlage). Nach diesem sportlichen Super-GAU gelang es dem VW-Konzern nicht mehr, die längst vorbereiteten TV-Spots mit dem Schweizer National-Torhüter Yann Sommer nach dem Spiel in Rom zu stoppen. Schöne Autos und gutaussehende Sportler können auch Freude bereiten, aller Skandale (Abgasskandal von VW) und sportlicher Pleiten (Spiel gegen Italien) zum Trotz. Schliesslich findet der Sport derzeit eh in einer «Blase» statt, in der eine spezielle Welt, zwar jeglicher Realität entrückt, praktiziert und abgefeiert wird. Bewusst und unbewusst selbstverständlich.

Konkrete wirtschaftlichen Folgen der Pandemie auf den Sport

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(causasportnews / red. / 12. April 2021) Es wäre blauäugig anzunehmen, «Corona» würde keine wirtschaftlichen Folgen auf den Sport zeitigen. Jetzt wird es allmählich konkret, und die Hoffnung, dass die Pandemie bald vorbei sein könnte und sich damit auch die wirtschaftlichen Gegebenheiten im Sport zumindest nicht verschlechtern würden, ist nicht allzu gross. Dass «Geisterspiele» im Fussball nicht exorbitant werbewirksam sind, liegt auf der Hand. Fehlen in den Stadien die Zielgruppen für Sponsoren, bildet der Fussball weitgehend nur noch eine bescheidene Werbeplattform. Auch Veranstaltungen, die im Fernsehen mitverfolgt werden können, sind nicht gerade ein Marketing-«Rennen». Aufgrund der aktuellen Gesamtsituation wird der FC Zürich seinen Hauptsponsor «AntePAY» (Anbieter von Zahlungsmitteln für den bargeldlosen Zahlungsverkehr und Herausgeber einer Prepaid-Kreditkarte) verlieren, wie verschiedene Medien berichten; dies wurde von der Leitung des Zürcher Stadtklubs zwischenzeitlich bestätigt. «AntePAY» hat seinen Betrieb eingestellt; nicht zuletzt die Schliessung vieler Geschäfte haben dem Unternehmen das Genick gebrochen. Der Sponsoringvertrag zwischen «AntePAY» und dem FC Zürich wird per Ende dieser Saison nicht mehr weitergeführt werden, doch aufgrund der Einstellung aller Geschäftsaktivitäten des Sponsors kommt die jetzige Ankündigung der Beendigung der werblichen Partnerschaft im Wert von jährlich einer Million Schweizer Franken nicht überraschend. Der Klub wird deswegen im Moment zwar kein Geld verlieren, da dieses Sponsoring über eine Agentur abgewickelt worden ist, doch dürfte es, z.B. auch über eine gut vernetzte Vermarktungs-Agentur, schwierig werden, ab 1. Juli 2021 einen neuen Hauptsponsor für den Zürcher Renommier-Klub zu finden, falls «Corona» und allfällige Mutanten weiter wüten werden. Das Schicksal des FC Zürich wird sich im Rahmen der Schweizer Professional-Liga und auch in ausländischen Ligen und in diversen Klubs zweifelsfrei wiederholen.

Es werden nun wohl immer mehr pekuniäre Schäden im Zuge der Seuche zu Lasten des Sportes manifest werden. Geschädigt werden etwa auch Pay-TV-Sender und Rechteinhaber an Sportveranstaltungen. Vor allem das Internet lässt kostenfreie Übertragungsmodelle zu, und das illegale «Streaming» via dubiose «Piratensender» verzeichnet einen Boom. Gemäss einer Untersuchung in Grossbritannien könnten (legale) «Streaming»-Dienstleister und Pay-TV-Sender gegen 30 Milliarden Dollar mehr einnehmen, falls Nutzer illegaler Anbieter in den legalen Markt wechseln und für die genutzten Dienstleistungen auch zahlen würden. Das scheint ebenfalls eine Folge von «Corona» zu sein: Viele Konsumenten des Produktes «Sport» bedienen sich kostenlos – wenn es geht. Und es geht fast immer…

Zur Thematik illegaler Fernsehübertragungen sei in diesem Zusammenhang auf einen Aufsatz, der in der nächsten Ausgabe von «Causa Sport» erscheinen wird, hingewiesen (Sabrina und Malte Frank, Ein Piratensender auf Sport-Raubzug – und die WTO zappt weg).

Der Sport vor einem Rechteverwertungs-Kollaps?

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(causasportnews / red. / 27. Dezember 2020) Es gibt sicher Attraktiveres im Sport als Fussballspiele vor wenigen oder gar keinen Zuschauern. Seit «Corona» wie ein Impakt auch über die Sportwelt hereingebrochen ist, wird in den Ligen der Welt und im Nationalmannschafts-Fussball fleissig weitergespielt – «Geisterspiele» prägen das Geschehen. Nach bald einem Jahr «COVID-19» und droht dem Sport eine empfindliche Störung in der Wertschöpfungskette – was etwa sinkende Einnahmen durch die Sport-Rechteverwertung bedeutet. Es ist evident, dass bspw. ein Fussballspiel in einem leeren Stadion kein umfassend vermarktbares Event mehr ist, sondern eben nur noch ein simples Fussballspiel. Das Interesse an diesen Veranstaltungen scheint nun immer mehr nachzulassen; das wiederum schlägt sich negativ auf die Erträge aus der Rechteverwertung nieder, denn schwindendes Fan-Interesse am so produzierten «Produkt Fussball» bedeutet letztlich mangelnde Nachfrage seitens der Werbewirtschaft. Sinkendes Publikumsinteresse an den durch «Corona» geprägten Sport bedeutet aber nicht nur nachlassende Erträge aus der Rechteverwertung; wer hat im Moment schon Lust, sich mit dem Gedanken zu befassen, für die nächste Saison (wieder) eine Jahres-Zuschauerkarte zu erwerben? Manch eine Liga hätte den Sportbetrieb aufgrund der Krise längst eingestellt, wenn es nicht um laufende Rechteverwertungserlöse gehen würde. Bestehende Verträge mit Verwertern sind zu erfüllen – oder, wie es simplifiziert gesagt werden könnte: «Ohne Spiel kein Geld».

Diese Entwicklung hat nun bereits die beiden französischen obersten Ligen ins Schlingern gebracht; immerhin ist der Spitzenfussball des aktuellen Fussball-Weltmeisters betroffen. Die Unternehmung «Mediapro», die Rechteinhaberin der beiden oberen Ligen, ist zahlungsunfähig und hat die erworbenen Liga-Rechte zurückgeben müssen. Wie sich dieser Zusammenbruch der Rechteinhaberin auswirken wird (und wer die Rechte allenfalls übernehmen wird), lässt sich im Moment nicht sagen. Vertraglich hatte «Mediapro» ab 2020 bis 2024 jährlich 800 Millionen Euro zugesagt. Was in Frankreich nun Tatsache geworden ist, könnte sich auch im nationalen und globalen Top-Fussball ereignen – falls «Corona» weiterhin die Ausübung des organisierten Sportes in der Form vor «COVID-19» verunmöglichen sollte. Lediglich hinter vorgehaltener Hand wird in Funktionärskreisen das Szenario «Kollaps» der Rechteverwertung diskutiert – zumindest der «Kollaps light». Sollten sich die Verhältnisse nicht bald normalisieren, könnte dies auch massiven, wirtschaftlichen Einfluss auf die im kommenden Jahr (vom 11. Juni bis 11. Juli 2021) vorgesehene Fussball-Europameisterschaft an elf Standorten (!) haben. Bemerkenswerterweise ist zu diesem Thema seitens der Europäischen Fussball-Union (UEFA) derzeit nichts zu vernehmen. Der unter dem Einfluss von «Corona» nur noch rudimentär stattfindende Sport hat selbstverständlich nicht nur Auswirkungen auf das wirtschaftliche Niveau in der Rechteverwertung (so ist z.B. vielerorts das in vielen Klubs einträgliche Merchandising praktisch zum Erliegen gekommen). Unbesorgt, was die Vermarktung des Filet-Stücks im internationalen Fussball angeht, zeigt sich derzeit der Weltfussballverband (FIFA). Dass bei länger anhaltender Pandemie auch die WM-Endrunde 2022 in Katar bzw. deren wirtschaftliche Verwertung gefährdet sein könnte, ist dem Verband offenbar (noch) kein Gedanke wert. Das Interesse schon an WM-Ausscheidungsspielen ohne Zuschauer könnte bald einmal einen massiven Knick erleiden.

Schweizer Professional-Liga: Von Bank zu Bank

© Credit Suisse

(causasportnews / red. / 30. November 2020) Ungefähr so stark beachtet wie die Geschehnisse auf dem Fussballplatz, nämlich kaum, wurde eine an sich bemerkenswerte Entscheidung im Schweizer Fussball-Marketing, die kürzlich einigermassen diskret kommuniziert worden ist: Auf die kommende Saison hin (2021/22) wechselt der Liga-Haupt- und Titelsponsor. Die seit der Saison 2012/13 als Partner-Bank und Namens-Geberin der Swiss Football League (SFL) auftretende «Raiffeisenbank» wird von der internationalen Grossbank «Credit Suisse» abgelöst. Die Schweizer Fussball-Professional-Abteilung wird ab kommendem Sommer als «Credit Suisse Super League» auftreten.

Es mutet einigermassen überraschend an, dass auf höchster Fussball-Marketing-Ebene und mitten in der «Corona»-Krise dieser Wechsel vollzogen worden ist. An der Zahlungsfähigkeit von «Raiffeisen» mangelte es zweifelsfrei nicht. Jedoch dürfte vor allem auch die Liga nicht unglücklich darüber sein, dass sich das «Kapitel Raiffeisen» im Professional-Fussball auf diese Weise beenden lässt. Die Bank hat durch Verfehlungen des Managements in den letzten Jahren einen gewaltigen Reputationsschaden erlitten. Der oberste Chef des Genossenschafts-Verbundes sass monatelang in Untersuchungshaft und wird demnächst wegen verschiedener Delikte angeklagt (für ihn und alle Mit-Angeklagten in diesem Komplex gilt die Unschuldsvermutung). Die bekannt gewordene Anklageschrift zeichnet ein Bild vom Management dieser Bank, das an Sodom und Gomorra erinnert; der Chef aller Chefs der Genossenschaftsbank, der das Motto des Genossenschaftsrechts, «in gemeinsamer Selbsthilfe» aktiv zu werden (Art. 828 des Obligationenrechts, OR), wohl etwas gar einseitig wörtlich nahm, füllte sich offenbar nicht nur eifrig die eigenen Taschen, begünstigte Mitstreiter, betrieb Nepotismus und pflegte «Netzwerk-Aktivitäten» besonderer Art, sondern trieb sich auch eifrig im Milieu herum und vergnügte sich in Luxus-Hotels mit Damen verschiedenster Marschrichtung. Aufsichtsgremien des Banken-Genossenschaftsbundes, Revisionsstellen und Kontrollorgane, darunter Personen aus dem Wirtschafts-Establishment und aktive und ehemalige Politiker, schauten weg oder versagten wegen Unvermögens. Sich in einem solchen Umfeld positionierten zu lassen, ist dem anständigen Ruf einer Sport-Liga selbstverständlich mehr als abträglich. So dürfte es einem Befreiungsschlag gleichkommen, dass für die «SFL» die Kooperation mit der «Raiffeisenbank» bald Geschichte sein wird. Zumal das imagemässig stark angeschlagene Bankhaus mit Haupt-Genossenschaftssitz in St. Gallen durch ein einigermassen intaktes Finanzinstitut, eben die international aufgestellte «Credit Suisse», eine Aktiengesellschaft mit Sitz in Zürich, mehr als gut ersetzt werden konnte, obwohl auch die Zürcher Bank in letzter Zeit immer wieder mit speziellen bzw. eigenartigen, personellen Vorkommnissen und Rochaden an der Spitze aufgefallen ist. Aber wo in diesem speziellen Business gibt es so etwas nicht? Dass die «Credit Suisse» die «Raiffeisenbank» im Rahmen der Professional-Liga in der Schweiz als Werbepartner und Titelsponsor ersetzt, macht durchaus Sinn: Sie ist seit rund 25 Jahren Partnerin des nationalen Fussball-Verbandes (SFV) und kann künftig werblich den gesamten Schweizer Fussball als Plattform nutzen. Und dem Verband und der SFL werden weiterhin ungeschmälert und gesichert finanzielle Mittel aus einigermassen unverdächtigen Quellen zufliessen.

Wenn Investoren und Sponsoren zum Reputations-Risiko werden

(causasportnews / red. / 27. Dezember 2019) Bis zum Jahresende wird in Davos das traditionelle Eishockey-Klub-Turnier mit sechs Top-Eishockey-Teams, der sog. „Spengler Cup“, ausgetragen. Der Event gehört zu den bekanntesten Sportveranstaltungen in der Schweiz und wird auch im Ausland stark beachtet. Waren es jeweils die teilnehmenden Klubs, die jedes Jahr im Vorfeld des Events für Diskussionsstoff sorgten, verlagert sich das Interesse heuer auf einen Neben-Schauplatz. Vor kurzem hat der organisierende HC Davos (HCD) eine achtjährige Partnerschaft mit einem Geschäftsmann, der für bizarre Inszenierungen und schrille Auftritte bekannt ist, bekanntgegeben. Im Zuge des Abschlusses dieser Kooperation zwischen dem HCD und der Stiftung des als Provokateur bekannten 83jährigen Mannes ist nun über den Klub im Nobel-Ort Davos, wo auch jeweils das World Economic Forum (WEF) tagt, ein Kritik-Tsunami hereingebrochen. Der HCD verteidigt das Engagement mit dem Argument, der Abschluss der Vereinbarung, welcher dem Verein in den nächsten acht Jahren eine erkleckliche Summe einbringen soll, nicht mit dem Geschäftsmann selbst, sondern mit dessen Stiftung mit dem vielsagenden Namen „Res Ubique Foundation“ abgeschlossen worden sei. Wie dem auch sei: In der Öffentlichkeit hat sich der HCD mit dieser Vereinbarung einen gewaltigen Image-Schaden eingehandelt, weil sich der Geldgeber, dem nun eine entsprechende Plattform geboten wird, auf alle mögliche Art und Weise öffentlichkeitswirksam inszeniert und ihm die Medien die entsprechenden Plattformen geradezu präsentieren. Der Klub wird wohl nur deshalb am Agreement festhalten, weil er auf die so versprochenen Mittel nicht verzichten will (selbstverständlich wurde das Umfeld des Investors vor Vertragsabschluss ausgeleuchtet; ihm werden übrigens keinerlei Verfehlungen vorgeworfen, und es gilt für ihn selbstverständlich die Unschuldsvermutung). Das Schlagwort „non olet“ scheint also in diesem Fall nicht zu greifen. Immer mehr geraten Klubs und Verbände, die sich mit umstrittenen Investoren und Sponsoren arrangieren, in die Kritik. Es wird wohl immer entscheidender, wer sich mit welchen Geldgebern einlässt, vor allem, wenn Einzelpersonen im Zentrum stehen, wie nun der „Fall HCD“ zeigt. So ist die Kooperation der „Swiss Football League“, der Professional-Abteilung der Schweiz, mit der „Raiffeisenbank“ für die Liga wegen der Kapriolen einzelner Bank-Manager von „Raiffeisen“ zwar nicht gerade eine Idealvoraussetzung für freudvolles, imageförderndes Kooperieren; auch ein Sponsor des HCD, die Grossbank „UBS“, ist in vielerlei Hinsicht umstritten. Diesbezüglich wird allerdings das Zusammenwirken von Eishockey-Klub und Bank (noch) akzeptiert – ein zweifelhaftes Image kann im Rahmen der Anonymität eines Grossunternehmens relativiert werden. Anders nun bei der „Res Ubique Foundation“ des eigensinnigen Einzel-Unternehmens mit Steuersitz in Paraguay. Hier wird die Negativ-Stossrichtung in extremis personifiziert.

„naming right“ – ein Vermarktungsmodell mit Tücken

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(causasportnews / red. / 16. Juli 2019) Die Vergabe von Namensrechten, bspw. an einer Sportstätte, bildet eine Variante des Sportsponsorings und ist vor allem im Zusammenhang mit Eishockey- und Fussballstadien ein probates Mittel dieser meistens für Klubs einträglichen Rechtevermarktung. Auf dem Platz Zürich ist kürzlich ein „naming right-Projekt“ bekannt geworden, das vielleicht deshalb keine grossen Wellen geworfen hat, weil diese Sport-Vermarktungsform auch problematisch sein kann. Die Grossbank „Credit Suisse“ hat mitgeteilt, ab sofort und für zehn Jahre ab Fertigstellung des geplanten, neuen Fussballstadions in Zürich das Namensrecht an der Sportstätte auf dem Hardturm-Areal gesichert zu haben. „Credit Suisse Arena“ soll das Stadion originellerweise heissen, in dem die beiden derzeit renommiertesten Fussballklubs der Stadt Zürich, FC Zürich und Grasshopper Club, dereinst spielen werden. Wenn es dann auch (sportlich) soweit kommen sollte: Der FC Zürich ist derzeit relativ unstabil in der obersten Spielklasse der Swiss Football League (SFL) tätig, der Grasshopper Club dümpelt ab der neuen Saison sogar in der Zweitklassigkeit herum, in der sog. Challenge League der SFL (vgl. zum Abstieg des Grasshopper Clubs aus der Super League auch den Beitrag von Prof. Dr. Urs Scherrer in der aktuellen Ausgabe von „Causa Sport“ 2/2019, 221 ff., sowie causasportnews vom 23. Mai 2019). Der Vertrag zwischen der Bank ist mit der Stadion-Betriebsgesellschaft abgeschlossen worden, an der die beiden Fussball-Klubs zu je 49 Prozent beteiligt sind (die restlichen zwei Prozent hält eine Finanzgesellschaft). Nicht bekannt gegeben worden ist, wieviel der „Credit Suisse“ der Erwerb des Namensrechts wert ist. Aus Kreisen des Grasshopper Clubs verlautete, dass diese Finanzierungsspritze wichtig für die Klubaktivitäten sei. Damit wird wohl das perpetuiert, was in früheren Jahren an der Tagesordnung war: „Credit Suisse“ galt lange mehr als generöse Hausbank des Grasshopper Clubs; die Bank finanzierte immer wieder mit namhaften Beiträgen die Clubaktivitäten. Was dann und wann auch zu Verstimmungen beim Stadt-Rivalen FC Zürich geführt hat. So, wie sich FC Zürich und Grasshopper Club seit Jahrzehnten sportlich duellieren, ist im Banking die Rivalität zwischen „Credit Suisse“ und „UBS“ legendär. „Credit Suisse“ war immer dem Grasshopper Club zugeneigt, die 2008 kollabierte und mit Staatsmitteln gerettete „UBS“ dem FC Zürich. Insofern ist der jetzige Sponsoringdeal nicht ganz „ohne“, auch wenn die beiden Klubs gemeinsam im neuen Stadion spielen werden und das Namensrecht am gemeinsamen Stadion lediglich an die „Credit Suisse“ verkauft worden ist. Manch‘ ein Anhänger des FC Zürich und „UBS“-Kunde wird sich schwer tun, die Spiele „seines“ Klubs in der „Credit Suisse Arena“ zu verfolgen. Ob es deshalb ein kluger Schachzug war, das Namensrecht am Zürcher Stadion (nur) der „Credit Suisse“ zu überlassen, wird sich dereinst zeigen. Oder ist es nur ein verkapptes Sponsoring für die in Geldnöten steckenden Grasshoppers? Die Mitteilung seitens „Credit Suisse“, mit dem Engagement könne Präsenz gleich in zwei Fussball-Ligen markiert werden, mutet jedenfalls einigermassen speziell an: Wen interessieren schon die Spiele in der Challenge League?