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WM-Endrunde in Katar: FIFA-Kongress verfügt über Entscheidkompetenz

(causasportnews / red. / 20. April 2020) Die kürzlich bekanntgewordene Anklageschrift der US-Justiz im Zusammenhang mit den WM-Endrundenvergaben an Russland (2018) und an Katar (2022) wirft immer grössere Wellen (vgl. auch causasportnews vom 12. April 2020). Im Fokus stehen dabei drei Fussball-Funktionäre, denen im Zusammenhang mit den beiden Vergaben die Entgegennahm von Schmiergeldern vorgeworfen wird. Der Weltfussballverband (FIFA) mit Sitz in Zürich tritt im Verfahren als Geschädigter auf. Aktuell rückt die Frage in den Vordergrund, ob, je nach Verfahrensausgang, Katar das Austragungsrecht bezüglich der WM-Endrunde 2022 entzogen werden könnte; was Russland betrifft, ist dieser Entzug zufolge der Durchführung der Endrunde vor zwei Jahren kein Thema mehr, auch wenn der „Fall Russland“ offenbar gravierendere Dimensionen zeitigt als die Vergabe an Katar. Ein Entzug bezüglich Katar 2022 ist selbstverständlich juristisch möglich. Und nun melden sich in diesem Zusammenhang auch zwischenzeitlich aus dem Weltverband ausgeschiedene FIFA-Protagonisten zu Wort. Der ehemalig FIFA-Präsident Joseph Blatter, nicht gerade ein Freund von Katar als WM-Austragungsort, würde die WM-Endrunde am liebsten gleich den Amerikanern überlassen (diese werden jedoch 2026 die WM-Endrunde mit Mexiko und Kanada austragen). In einem Interview unterstreicht er, dass nur die FIFA Katar das Austragungsrecht entziehen könne. Recht hat er: Falls sich die Schmiergeldvorwürfe gegen Einzelpersonen des damaligen FIFA-Exekutivkomitees beweisen lassen sollten, wäre Katar 2022 wohl nicht mehr zu halten. Bezüglich einer Entscheidung zuständig ist (neu) der Kongress der FIFA, also die Vollversammlung aller Mitglieder des Weltverbandes. Dies sieht auch der ehemalige deutsche Richter Hans-Joachim Eckert so, der 2015 als Präsident der rechtsprechenden Kammer der FIFA-Ethikkommission sowohl Joseph Blatter als auch Michel Platini aus dem Fussball verbannte. Indessen würde der Deutsche Jurist in diesem Fall gemäss Medienberichten immense Schadenersatzforderungen seitens des Verbands von Katar sehen, falls den Arabern das Austragungsrecht entzogen würde. Das scheint allerdings ein eher theoretisches Szenario zu sein. Sollte sich beweisen lassen, dass bei Schmiergeldzahlungen oder allgemein bei Unregelmässigkeiten Katar mit von der Partie oder irgendwie involviert gewesen ist, wäre ein Entzug des Austragungsrechts wohl ohne Kostenfolgen möglich.

Frauenfussball-WM: Die Sache mit den Zahlen

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(causasportnews / red. / 8. Juli 2019) Nun ist sie also zu Ende, die Frauenfussball-WM 2019 in Frankreich, welche die Welt während eines ganzen Monats in Atem gehalten haben soll. Dicitur. Es sei das beste Turnier aller Zeiten gewesen, zog der Weltfussballverband FIFA ein rasches Fazit. So tönt es immer nach einem Gross-Anlass. Die Medien feiern das Turnier als „Durchbruch“ auf und neben dem Platz. Vor allem neben dem Platz – das ist im Fussball oft wichtiger als das, was auf dem grünen Rasen geschieht. Dank hoher TV-Einschaltquoten seien die Preise für Werbung zumindest in Frankreich gleich um 50% gestiegen. Immerhin, so verlautet ein Tag nach dem Finalspiel offiziell, hätten mehr als eine Milliarde Menschen das Geschehen in den Stadien und an den Fernsehschirmen verfolgt. Euphorie also total rund um den Globus, vor allem nach dem Sieg des Teams aus dem Land, das ja wohl nicht gerade als Fussball-Hochburg zu qualifizieren ist, auch wenn es 2026 die WM der Männer (mit)ausrichten wird. Allerdings ist das so eine Sache mit der Begeisterung und den Zahlen. Erstere kann gefühlt oder verordnet werden, Zahlen sind jedoch unbestechlich. Das ist klar, seit der aktuelle Präsident aus dem Land der Siegerinnen von gestern die Meinung kundtat, dass bei seiner Inauguration 2017 soviele Menschen zugegen waren wie noch nie zuvor bei der Installierung eines US-Präsidenten. Fotos belegten allerdings, dass es bei Donald Trump wohl nicht einmal 800 000 Menschen waren, die 2017 zu seiner Amtseinführung zum Capitol strömten; bei Amtsvorgänger Barack Obama sollen es immerhin 1,8 Millionen Amerikanerinnen und Amerikaner gewesen sein. Seither bilden „Fake News“ zumindest eine wissenschaftliche Disziplin. Das alles gilt natürlich nicht für die Stadt Zürich, die soeben ihr alle drei Jahr stattfindendes „Züri Fäscht“ (Zürich-Fest), die grösste Unterhaltungs-Show der Schweiz, hinter sich gebracht hat. Alle Besucher(innen)-Rekorde seien gebrochen worden, hiess es gleich nach Abschluss der Festlichkeiten, die etwa unter dem Titel „panem et circenses“ gestanden haben dürften. Wie die Veranstalter allerdings 2,5 Millionen Besucher/innen zählen konnten, bleibt wohl deren Geheimnis. Es ist halt so eine Sache mit den Zahlen; und das gilt selbstverständlich auch für die nun abgeschlossene Frauenfussball-WM. Der Zeitgeist lässt im Kontext des Geschehens keine alternative Meinungsvielfalt zu. Es musste so sein, dass diese WM alle Rekorde brechen und die Emanzipation im Fussball Realität würde – auf und neben dem Platz natürlich. Alles andere wäre wider den Zeitgeist oder den Mainstream. Der Frauenfussball hat so gut zu sein (oder noch besser) wie derjenige der Männer. Das gebieten die heutigen Meinungsmacher. Nur nicht hinterfragen. Oder nur ein bisschen: Weshalb war denn etwa im sozialistischen Zürich, in der Sitz-Stadt der FIFA, während der WM in Frankreich keine einzige Public Viewing-Veranstaltung auszumachen? Und welche Sportsfreundinnen und –freunde haben sich vom 7. Juni bis zum 7. Juli nur einmal zu Grillfesten und gemeinsamen (Frauen-)Fussball-Genüssen zusammen gefunden? Die Wahrheit über den Frauenfussball wird nun allerdings in den nationalen Meisterschaften manifest und nicht vom ideologisch geprägten Wunschdenken der internationalen Meinungsführerschaft geprägt werden. Wenn die Frauen nun nur noch in ausverkauften Stadien spielen werden, hat es diese Sportart in der Tat geschafft, sich zu emanzipieren. Zuschauer/innen begeben sich (meistens) freiwillig ins Stadion. Solche Zahlen werden objektiv verifizierbar sein. Das gilt auch für die Saläre und bezüglich Transferzahlungen der Fussballerinnen im Vergleich zu ihren kickenden, männlichen Kollegen. Die FIFA wird hier sicher bald mit einem Umverteilungs-Modell im Frauen-Klub-Fussball aufwarten. Gleichheit lässt sich im Sozialismus bekanntlich besonders gut realisieren. Und wetten, dass aufgrund der angeblich explodierten TV-Zahlen die nächste Frauen-WM mit noch mehr teilnehmenden Teams bestritten wird?