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Die Engländer zeigen (wieder einmal) Flagge

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(causasportnews / red. / 28. April 2022) Es ist nicht nur in der Sportwelt teils penibel, wie weltweit auf die russische Brutalität im Krieg gegen die Ukraine reagiert wird; das Faktum, dass es ein einzelner Mann, sekundiert von einem Heer von Claqueuren, gelingt, praktisch die ganze Welt zu terrorisieren, ist ein Novum in der modernen Geschichte. Grundsätzlich sind derzeit bezüglich des Verhaltens gegenüber den Aggressoren drei Reaktionsebenen festzustellen: Man ignoriert oder beschönigt (wie etwa Alt-Bundeskanzler Gerhard Schröder und die westeuropäische Sozialdemokratie), man hält den Ball flach (wie die meisten westlichen Länder, welche vor allem aus wirtschaftlichen Gründen und Eigennutz vor dem Brutalo-Regime in Moskau kuschen) oder es wird Entschlossenheit demonstriert, wie etwa durch die Engländer, welche der Ukraine auch militärisch effizient und ohne Dauerdiskussionen unter die Arme greifen. Die Haltung der Briten, die (wieder einmal) Flagge zeigen, ist nicht neu. Man muss in den Geschichtsbüchern nicht allzuweit zurückblättern, um Beispiele zu finden, die belegen, dass Mutlosigkeit und Feigheit nie das Ding der Menschen des Vereinigten Königreichs war.

Es verwundert deshalb nicht, dass nun gerade in Wimbledon der grosse Tennis-Streit ausgebrochen ist (vgl. auch causasportnews vom 23. April 2022). Nicht innerhalb Englands, sondern international. Dass weder russische noch weissrussische Spielerinnen und Spieler am prestigeträchtigen Turnier in London teilnehmen dürfen, hat die Sportwelt aufgewühlt und breitgefächerte, verbale Auseinandersetzungen heraufbeschworen. Selbstverständlich wird der organisierende, private Verein im Londoner Vorort Wimbledon von seiner Ausschluss-Entscheidung nicht abrücken und seine Sonderstellung, wie Kritiker bemängeln, in jedem Fall (aus)nützen. Das geht an, weil die drei anderen Grand-Slam-Turniere in Melbourne, Paris und New York von den Spielergewerkschaften organisiert wird, das Turnier in Wimbledon jedoch eben von einer Privatorganisation (vom Verein All England Lawn Tennis and Croquet Club). Es ist ein bisschen wie ein alternativer Klassenkampf, der zum derzeitigen Tennis-Streit um Wimbledon im Zuge des Ukraine-Krieges geführt hat. Die Organisatoren im Londoner Vorort werden sich aber, was die Ausschliessung der Spielerinnen und Spieler aus Russland und Weissrussland anbelangt, gegen die ausserhalb des Vereinigten Königreichs gewichtigen Spieler-Gewerkschaften im Tennis durchsetzen. Die gutverdienende Tennisgilde ist im Kerngehalt auch nicht typischerweise «links» anzusiedeln. Millionärinnen in Sport-Röckchen und Millionäre in kurzen Hosen auf den Tennis-Wettkampfstätten der Welt müssen schliesslich sozial anderweitig geschützt und gestützt werden etwa im Vergleich zu Wirtschaftskoryphäen jedwelcher Couleur.

Wimbledon 2022 ohne Russinnen und Russen

(causaspoprtnews / red. / 23. April 2022) Die Sportwelt ist sich seit dem von Russland gegen die Ukraine losgetretenen Zerstörungs- und Vernichtungskrieg gegen die Ukraine und gegen das ukrainische Volk ziemlich einig, dass Russinnen und Russen, welche kraft ihrer Nationalität eine Mitverantwortung an diesem brutalsten Gemetzel in der Geschichte der Menschheit seit dem 2. Weltkrieg haben, im organisierten Sport nichts (mehr) zu suchen haben und ausgeschlossen gehören. Es dürfte sogar die Kriegstreiber im Kreml erstaunt haben, dass die Sportwelt ausserhalb Russlands relativ konsequent Personen, die sich von diesem menschenverachtenden Regime nicht abwenden, beispielsweise durch die Rückgabe ihrer Pässe, vom Sport fernhält. Es ist dies ein Boykott auf sportlicher Ebene, der in anderen Segmenten, vor allem in der Wirtschaft, ähnlich funktioniert. Seit Kriegsbeginn und seit sich die zivilisierte Welt gegen diese barbarische Aggression stemmt, gibt der Sport in punkto konsequentes Verhalten gegenüber Russland ein heterogenes Bild ab: Allgemein sind weitgehend solidarische Konsequenz und Einigkeit feststellbar, jedoch bildet etwa das professionelle Tennis, die Sportart der Individuen und vor allem auch der Egoistinnen und Egoisten, eine traurige Ausnahme. Das hängt wohl eher nicht mit dem Status der aktuellen Nummer 2 im Herren-Tennis, dem Russen Daniil Medwedew, zusammen. What ever.

Nun greifen die Wimbledon-Organisatoren zu drastischen Massnahmen: In Wimbledon 2022 (Wimbledon Championship vom 27. Juni bis zum 10. Juli) werden weder russische noch weissrussische Spielerinnen und Spieler den als «heiligen Rasen» bekannten Platz betreten dürfen. Damit setzt der All England Lawn Tennis and Croquet Club, ein Verein, der das Turnier verantwortet und durchführt, ein starkes Zeichen im Sinne der Menschlichkeit gegen die russische Aggression. Zweifelsfrei erfolgt diese extraordinäre, erstmalige Massnahme in Abstimmung mit der britischen Regierung, welche sich im Westen am konsequentesten gegen den von Russland ausgehenden Terror, der das Leben in der ganzen westlichen Welt berührt, stemmt. Selbstverständlich soll mit diesem Ausschluss der Sportlerinnen und Sportler verhindert werden, dass Russland allfällige Erfolge der russischen Akteure zu Propagandazwecken nutzt. In der bekannten Arroganz verlautete aus dem Kreml, dass dieser Ausschluss dem Turnier letztlich selber schaden würde. Es war in der Tat nicht auszumalen, was geschehen würde, falls Daniil Medwedew dieses Turnier gewinnen würde! Dass der ergebene Claqueuren-Staat Russlands, Weissrussland, von der Massnahme ebenfalls betroffen ist, muss wohl als folgerichtig qualifiziert werden.

Mit dieser rigorosen Massnahme des Ausschlusses der russischen und weissrussischen Sportlerinnen und Sportler steht Wimbledon in der Tenniswelt ziemlich einsam da. Dass andere Turnier-Organisatoren diesen Boykott eher säuerlich zur Kenntnis nehmen und ihn entsprechend kommentieren, verwundert nicht. So räsoniert etwa der Direktor des Stuttgarter Tennis-Turniers, Markus Günthardt (65), vor sich hin und bemüht die Leier von der Autonomie des Sportes. Der nicht mehr taufrische Tennis-Organisator findet es im Interview mit dem Zürcher «Tages-Anzeiger» (22. April 2022) etwa unzulässig, dass politische Instanzen entscheiden dürfen, wer spielen dürfe und wer nicht. Dass Politik und Krieg miteinander vermengt werden, ist denn vor allem in dieser Ego-Branche nichts ausserordentliches. Der Stuttgarter Turnierchef, übrigens der Bruder der Schweizer Ex-Tennis-Legende Heinz Günthardt, liegt damit auf der Linie des Internationalen Olympischen Komitees (IOK), das in solchen Fällen die Autonomie des Sportes hochhält und exogene Einflüsse jeglicher Couleur auf den Sport immer dann bestreitet, wenn Eigeninteressen (meistens wirtschaftlicher Art) betroffen sind. Wie dem auch sei, das wird den All England Lawn Tennis and Croquet Club nicht von der eingeschlagenen Linie abbringen. Sport ist in der modernen, globalen Welt eben eine interdisziplinäre Angelegenheit geworden.

IOK windet sich mit Formalien aus der Kriegs-Verantwortung

(causasportnews / red. / 19. April 2022) Die(se) Reaktion war zu erwarten, doch dass sie so schnell kommen würde, verwunderte doch. Kurz vor dem Osterwochenende wurde bekannt, dass die Schweizer Sportministerin Viola Amherd auch im Namen von mehr als 30 Sportministerinnen und -minister vom Internationalen Olympischen Komitee (IOK) verlangte, die weltumspannende Sportorganisation möge sich nun doch von Funktionären des Sports aus Russland und Weissrussland trennen, bzw. diese aus dem globalen Funktionärssport ausschliessen (causasportnews vom 18. April 2022). Das IOK kam offensichtlich unter Druck und konnte das Problem völlig ungewohnt für einmal nicht aussitzen. Aus der IOK-Zentrale in Lausanne verlautete umgehend offiziell, dass russische und weissrussische Sport-Funktionäre weiterhin im Weltsport mittun dürfen. Ganz im Gegensatz zu den Sportlerinnen und Sportlern, die grundsätzlich vom internationalen Sport über die entsprechenden Verbände ausgeschlossen sind. Was die Mitglieder des Vereins IOK mit Sitz in Lausanne betrifft, kommt dem Präsidenten der Organisation, dem Deutschen Thomas Bach, die Vereinsstruktur des IOK entgegen. Mitglieder dieser Organisation sind 148 natürliche Personen, davon 103 stimmberechtigte Mitglieder. Deshalb, so der mit allen Wassern gewaschene IOK-Präsident und Jurist, bestehe kein Grund, sich von russischen und weissrussischen Funktionären zu trennen oder diese auszuschliessen, da sie als natürliche Personen nicht ihr Land vertreten würden. Recht hat natürlich der 68-jährige Deutsche, dem u.a. eine Nähe zum russischen Führer Wladimir Putin nachgesagt wird, in formaler Hinsicht. Thomas Bach kann etwa als Frank-Walter Steinmeier des Sports bezeichnet werden; beide Deutschen spielen mit Blick auf den Angriffskrieg Russlands eine etwa gleich opportunistische, dubiose Rolle. Die für die Sportministerinnen und -minister geradezu brüskierende Antwort aus der IOK-Zentrale in Lausanne passt zum ehemaligen Fechtsportler Thomas Bach, der sich den Funktionärs-, Polit- und Wirtschafts-Filz immer wieder zu Nutzen macht. Die Stellungnahme des IOK trägt die Handschrift des Juristen Thomas Bach, der sich aus dieser heiklen «Causa» mit Struktur-Formalien bezüglich des IOK herauswindet. Wie wenn die Sportlerinnen und Sportler aus den beiden genannten Ländern, die derzeit vom aktiven Sport ausgeschlossen sind, ihr Land vertreten würden…

Etwas anders sieht die (Rechts-)Lage bei den Funktionären der internationalen Sportverbände aus. Diese müssten von den jeweiligen Verbänden ausgeschlossen werden, was selbstverständlich möglich wäre. Gemäss Schweizerischem Vereinsrecht können Funktionäre als Verbandsorgane jederzeit abberufen werden. Wenn ein sog. «wichtiger Grund» gegeben ist, besteht das Abberufungsrecht von Gesetzes wegen und ist somit zwingend (Art. 65 Abs. 2 des Zivilgesetzbuches, ZGB). Dass die Sportverbände nicht gewillt sind, Organe abzuberufen oder Verbandsmitglieder auszuschliessen, hat der FIFA-Kongress Ende März in Katar gezeigt: Weder war die Abberufung eines russischen oder weissrussischen Vereinsorgans ein Thema, noch hatte sich die Vereinsversammlung des Weltfussballverbandes mit irgendwelchen Ausschliessungsanträgen gegen Russland oder Weissrussland zu befassen (Mitglieder der FIFA sind die Fussball-Landesverbände).

Mit dieser Verlautbarung des IOK wird manifest, dass im Weltsport die Athletinnen und Athleten weitgehend von ihren sportlichen Aktivitäten ausgeschlossen sind, die Sport-Funktionäre aus Russland und Weissrussland jedoch weiterhin ihr Unwesen treiben können – ähnlich wie die russischen (und auch ukrainischen) Oligarchen ausserhalb des kriegsführenden Russlands.

Gift, Galle und Gespenstiges um den Russen-Krieg

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(causasportnews / red. / 29. März 2022). In diesem seit dem 24. Februar tobenden Aggressionskrieg, den Russland in brutalster Weise gegen die Ukraine losgetreten hat, kommen die menschlichen Abgründe in allen Facetten zum Tragen – auf und neben den Schlachtfeldern. Zuweilen geht es in diesem Feldzug unter Führung des dämonischen Kreml-Herrschers verwirrlich, skurril und teils auch gespenstisch zu und her. Einigermassen geeint hat die westliche Welt Russland in die Isolation getrieben. Das «System Putin» ist ausserhalb des Aggressions-Staates unter Druck geraten. Das totalitäre Regime in Moskau basiert schwergewichtig auf den oligarchischen Pfeilern, die sich in den letzten 20 Jahren in der westlichen Welt etabliert haben. Die Oligarchen sind zwischenzeitlich durchwegs verpönt und Repressionen aller Art. ausgesetzt. Sie fürchten sogar um ihr Leben; ihre Reichtümer, wie und weshalb sie auch immer aufgehäuft wurden, und ihr Leben können diese steinreichen Regime-Treuen nicht mehr beschwingt, abgehoben und in dekadenter Perfektion geniessen. Die Welt speit Gift und Galle gegen die noch nie geliebten Oligarchen. Zum Beispiel gegen Roman Abramowitsch, den Eigentümer des Londoner Top-Klubs FC Chelsea. Um ihn ranken sich Gerüchte, Vermutungen und Verdächtigungen. Seit der 55jährige Ur-Russe nach dem Beginn des Krieges vergeblich versucht, «seinen» Klub loszuwerden, ist seine Welt nicht mehr dieselbe, die sie einmal war. Auch er arbeitet, wie alle anderen Oligarchen nach dem Kriegsausbruch, an seiner Besitzstandwahrung. Ob seine soeben bekannt gewordene Aktion, wohl kaum aus Nächstenliebe inszeniert, damit zu tun hat, steht in den Sternen. Weil Russen seit Jahren weltweit mit Giften aller Art aktiv sind, verwundert es nicht, dass Roman Abramowitsch, der offenbar zwischen Russland und der Ukraine vermittelt (!), Ziel eines Giftanschlages geworden sein soll. Nach einer Verhandlungsrunde in Istanbul sind beim Oligarchen sowie bei zwei Ukrainern angeblich Vergiftungssymptome aufgetreten. Da im Zusammenhang mit diesem Vorfall lediglich Spekulationen, Vermutungen und Verschwörungstheorien gesichert sind, dürfte einzig das klar sein: Das unbeschwerte Leben der Haupt-Träger des totalitären, russischen Systems gehört ausserhalb Russlands wohl der Vergangenheit an.

Sich im Westen für den Feldherrn und Führer im Kreml stark zu machen, ist derzeit auch für Sportler innen und Sportler ein mehr als schwieriges Unterfangen. Der Sport entzieht sich weltweit der russischen Kontamination; er weist mit Blick auf Russland und auf russische Athletinnen und Athleten geradezu toxische Elemente auf.

Zum Beispiel der seit 2009 für Russland Schach spielende Grossmeister Sergei Karjakin, der zuvor für … die Ukraine am Brett sass, um sich damals für das nun vom Krieg arg gebeutelte Land in den Bann der 64 Felder zu begeben. Wegen seiner Kriegspropaganda für den Führer und Russland wurde das 32jährige Schachgenie, das zum propagandistischen Wirrkopf mutierte, nun vom Weltschachverband (FIDE) eingegrenzt und für sechs Monate gesperrt. Wer weiss, wie die Welt in sechs Monaten aussieht…

So, wie diversen Sportlerinnen und Sportlern, die aus dem internationalen Sport ausgeschlossen sind (etwa der russische Formel 1-Pilot Nikita Masepin), ergeht es aktuell etlichen Grössen der Entertainment-Szene, die sich nicht vom Kreml-Regime lossagen wollen, so etwa der Opern Diva Anna Netrebko, deren Auftritte auf West-Bühnen wohl nicht so schnell wieder möglich sein werden. Wenn überhaupt.

FC Chelsea im Oligarchen-Strudel

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(causasportnews / red. / 20. März 2022) Wenn die Engländer etwas unternehmen, dann tun sie es gründlich. Das Vereinigte Königreich macht beispielsweise ziemlich ernst mit dem schillernden russischen Oligarchen Roman Abramowitsch, der zu den erklärten Freunden des russischen Kriegstreibers Wladimir Putin zählt und von dem er sich bis jetzt auch nicht losgesagt hat. So gesehen befindet sich der Russe, der 2003 den Londoner Nobelclub FC Chelsea übernommen hat, in guter, bzw. schlechten Oligarchen-Gesellschaft ausserhalb Russlands. Seit die Sanktionen gegen Russland und gegen die Russen ausserhalb Russlands greifen, gilt Roman Abramowitsch im Westen nicht nur als geächtet, sondern regelrecht als kaltgestellt (auf der Insel hat man wohl zuerst erkannt, dass die Oligarchen im Westen tragende Säulen des aggressiven Russlands sind und deren Ächtung noch Schlimmeres verhindern kann). Mit «seinem» Club FC Chelsea kann der 55jährige Wirtschafts-Strippenzieher aus dem Osten derzeit praktisch nichts mehr, ihn nicht einmal mehr verkaufen. Gemäss Regierungsdekret darf der Club nur noch Minimalbeträge für Spesen ausgeben. Verlängert sich der Krieg Russlands gegen die Ukraine, was zu befürchten ist, könnte der FC Chelsea bald Geschichte sein und im Oligarchen-Strudel versinken.

Allgemein gewahrt die Welt, dass der losgetretene Ukraine-Feldzug nicht nur das satanische Werk eines Einzelnen ist, sondern Russlands Aggression als systemimmanent bezeichnet werden muss. Vom teuflischen Werk eines Individuums also keine Spur. Der «Führer», wie er offiziell auch genannt wird, lässt sich öffentlich von adretten Stewardessen und in Sportstadien vom Volk feiern. Das hatten wir doch alles schon vor rund 80 Jahren. Damals verlief der Angriff auf rechtschaffene Völker und friedlich Nationen von Westen nach Osten, nun von Osten nach Westen. Die Ausgangslage heute ist identisch mit derjenigen in den Jahren 1939 ff., die Art der Kriegsführung ebenfalls. Der russische Krieg wird vor allem durch das Oligarchen-System in der westlichen Welt begünstigt. Einem der schlimmsten dieser Zeitgenossen, eben Roman Abramowitsch, geht es nun an den Kragen. Jedenfalls ist es ziemlich schwierig geworden mit den vermögenden Russen im Westen, von denen man nicht so genau weiss, wie sie zu Multi-Milliardären werden konnten. Diese wurden seit Jahren sekundiert von dubiosen Anwälten, Treuhändern, Unternehmensberatern und Claqueuren, vor allem auch in der Schweiz. Diese waren und sind ebenfalls Teil eines umfassenden Netzwerkes in der Politik, in der Wirtschaft und in der Gesellschaft. Beim FC Chelsea-Beherrscher ist dennoch der Versuch misslungen, sich in der Schweiz zu etablieren – trotz der Unterstützung willfähriger Anwälte, die teils zugleich im Umfeld des professionellen Fussballs und für den Weltfussballverband FIFA tätig sind; zumindest in einem Fall ist dies belegt. Wenn sogar die Schweiz einen Oligarchen wegweist bzw. ihn nicht aufnimmt, und in ihm ein Reputationsrisiko erkennt, muss alles noch viel schlimmer als angenommen sein.

Apropos FIFA: Der Weltfussballverband FIFA hat soeben, untermalt von Schalmeienklängen, kommuniziert, Sachspenden für Ukrainische Kriegsopfer zur Verfügung stellen zu wollen. Verbandsmaterial soll es sein; wahrscheinlich gehören auch ein paar Bälle dazu, mit denen sich in den zerbombten Städten trefflich spielen lässt. Gianni Infantino, der sich bis jetzt auch nicht von seinem Freund im Kreml losgesagt hat, musste ein opportunistisches Zeichen setzen. Immerhin findet Ende Monat der FIFA-Kongress in … Doha statt. Mit dabei natürlich das FIFA-Mitglied Russischer Verband, das gegen die Lieferung von Verbandsmaterial aus der FIFA-Zentrale kaum etwas einwenden wird. Mit Geld wäre der FIFA-Familienfrieden wohl nachhaltig gestört worden.

Apropos Doha: Dort ist im Moment der Deutsche Vize-Kanzler Robert Habeck (Grüne) tätig, mit dem Ziel, Gas für Deutschland für den nächsten Winter zu erbetteln. In der Not frisst der Teufel bekannterweise Fliegen. Wetten, dass nun in Deutschland sofort alle Stimmen gegen die Fussball-WM-Endrunde in Katar verstummen? Wie würde es Bertold Brecht einschätzen? Eben zuerst das Fressen, dann die Moral…

In der derzeitig weltweit chaotischen Situation, in der sich der Russland-Krieg immer mehr zur globalen Auseinandersetzung zwischen Ost (Russland, China) und West ausweitet, kommt eine Meldung aus Lausanne nicht überraschend: Der Internationale Sport-Schiedsgerichtshof (TAS) hat einen Einspruch des Verbandes Russlands abgelehnt und den Ausschluss der Russen von den Qualifikationsspielen für die WM-Endrunde in Katar bestätigt. Somit steht Polen in der zweiten Playoff-Phase und spielt dann gegen den Sieger aus der Partie Schweden gegen Tschechien.

«Apocalypse now» – ein Desaster nach drei Wochen Krieg

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(causasportnews / red. / 17. März 2022) Seit drei Wochen tobt der Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine. Die Weltordnung ist innert kurzer Zeit mehr als durchgeschüttelt worden. Die Welt befindet sich in einem Desaster in jeder Hinsicht. Geht die Welt dem Ende entgegen? «Apocalypse now» in erneuter Auflage also? Man wäre nach der Pandemie, die von der Politik zu Unrecht für beendet erklärt worden ist, zu dieser Annahme geneigt. Wer mag bei dieser Entwicklung noch über den Sport sprechen? Jedoch ist der weltumspannende Sport eines der drei Segmente, neben der Politik und der Wirtschaft, das derzeit von Bedeutung ist, auch wenn klar sein dürfte, dass militärische Gewalt, wie sie derzeit von Russland in noch kaum je gesehener Brutalität und Skrupellosigkeit praktiziert wird, nur durch Gewalt beendet werden kann. Es ist auch nicht nur ein Wahnsinniger am Werk, sondern ein totalitäres Regime, leider mehrheitlich getragen von einem Volk, und begünstigt von Claqueuren, Profiteuren aller Art; nicht nur von Oligarchen, die sich auf der ganzen Welt tummeln und ihre dem russischen Volk abgestohlenen Reichtümer zur Schau stellen und widerlich prassen. Was kann also, wenn nicht mit militärischen Mitteln, getan werden auf den drei genannten Ebenen, um dem Wahnsinn Einhalt zu gebieten, wenn überhaupt? Klar ist, dass innerhalb von drei Wochen Weltbilder und Ideologien zusammengekracht sind und etwa bei den Kommunisten und Sozialdemokraten in der westlichen Welt der Glaube an den übernommenen, historischen Kommunismus auf einen Schlag zertrümmert worden ist. Deshalb herrscht von dieser Seite auch vornehme Zurückhaltung, wenn es darum geht, die russische Barbarei zumindest zu verurteilen. In Zürich ist die Spiegelgasse 14, an der ein gewisser Wladimir, nein, nicht Putin, sondern Lenin, gewohnt hat, immer noch ein Wallfahrtsort, an welchem dem Kommunismus gehuldigt wird; getragen und gefördert von der Stadtregierung, die diese Ideologie seit Jahrzehnten lobt, preist und umzusetzen versucht. Deshalb wird in Zürich für den Frieden demonstriert und nicht gegen die russische Aggression. Auch die von den Linken vorgetragene Geschichtsklitterung, der aktuelle Krieg sei nur das Werk eines Einzelnen, verfängt so wenig wie die heuchlerischen Aktivitäten des SPD-Mitglieds Gerhard Schröder und seiner Frau in Moskau. Letztere liess sich in einem Luxushotel nah des Kreml in geradezu blasphemischer Art beim Gebet (für was und wen auch immer) ablichten. Solche Parteimitglieder, wie Ex-Kanzler Gerhard Schröder, werden in der Deutschen Regierungspartei (!) SPD geduldet. Verstummt sind seit drei Wochen die Genossinnen und Genossen sowie die ihnen zugewandten, strammen Kommunisten, Grüne und andere Gesinnungsgenossen. Der Zusammenbruch ihrer bisherigen Ideal-Welt, wie bald die in Trümmern gebombten Metropolen der Ukraine, will zuerst verkraftet sein…

Die Politik kann und will Russland nicht stoppen. Das hat enttäuscht auch bald einmal die Regierung der Ukraine zur Kenntnis nehmen müssen. Die Angst vor einer Ausweitung des Krieges ist berechtigt, dass der Ukraine mit Solidaritätsbeteuerungen und Applaus (hatten wir doch schon am Anfang der Pandemie) nicht geholfen ist, scheint ebenso auf der Hand zu liegen. Allein mit einem Bekenntnis zur moralischen Unterstützung kann der Krieg nicht gestoppt werden, ebenso hat das Land wenig davon, wenn ihm die westliche Welt Flüchtlinge abnimmt und so etwas zur (eigenen!) Gewissensberuhigung beiträgt. Was geschieht mit den Menschen in der Ukraine, die nicht flüchten können oder wollen? Dass die Flüchtlinge im Westen aufgenommen werden, löst das Problem aber nicht einmal ansatzweise. Die Politik beschwört zu einem grossen Teil den Zusammenhalt in der Welt. Mehr als politische Isolation Russlands und Aufrufe zur Feuereinstellung erfolgen jedoch nicht. Das (Kriegs-)Völkerrecht entpuppt sich als das, was es immer war: Als ein Scherz. So wird der Chef-Kriegstreiber im Kreml wohl eher bald vor dem jüngsten, also vor einem weltlichen Gericht stehen.

Etwa gleich untauglich ist die Wirtschafts-Sanktionspraxis des Westens und der Welt Russland gegenüber; soweit sie für die Sanktionierenden schmerzlos sind, werden die Sanktionen Russland nicht zur Einstellung der Gewalttätigkeiten bewegen können. Es kommt hinzu, dass im Westen und in der ganzen Welt mit Repräsentanten Russlands aller Art (gemeint sind nicht nur die sog. «Oligarchen») pfleglich umgegangen wird; schliesslich soll weiterhin von ihnen profitiert werden. Dass diese Waffe der wirtschaftlichen Sanktionen stumpf bleibt, ist auch einer ureigenen Anlage des Menschen zuzuschreiben: Auch wenn es an sich opportun wäre, ist die Inkaufnahme von Einschränkungen und Verzicht nicht das oberste Kredo des Menschen als «Krone der Schöpfung».

Wie effizient ist die «Waffe Sport» gegen das russische Kriegstreiben? In noch nie dagewesener Einigkeit ist der organisierte Sport weltweit daran gegangen, den russischen Sport zu isolieren. Das ist allerdings noch nicht genug: Russisch Sportlerinnen und Sportler werden nicht konsequent aus den Sport- und Wettkampfstätten verbannt. Löchrig ist die Anti-Russland-Front etwa im Tennis. In dieser Sportart werden russisch Spielerinnen und Spieler immer noch zugelassen. Ein Sündenfall, der allerdings schon Jahre zurückliegt, sind die Sanktionen nach dem in Russland praktizierten Staatsdoping, das nach den Olympischen Spielen in Sotschi (2014) aufgeflogen ist: Das Internationale Olympischen Komitee (IOK) räumte russischen Sporttreibenden, auch solchen, die erklärte Putin-Anhänger sind, die Möglichkeit ein, ohne Bezug zu Russland, quasi neutral, am Sportgeschehen teilzunehmen, wie kürzlich an den Olympischen Spielen in Peking (Teilnahme der Russen als «ROC», Russisches Olympisches Komitee). Der Sport ist ein potenter Faktor, um die Isolierung Russlands in der Welt gesamthaft zu stützen und zu fördern. Solange aber Funktionäre, die sich gegenüber dem Russischen Machthaber nicht klar distanziert haben, im Sport mittun, wirkt dieser nicht kriegs-hemmend. Dass bspw. der FIFA-Präsident und erklärte Putin-Freund Gianni Infantino seit Wochen einfach abgetaucht ist und sich von diesem Kriegstreiber nicht distanziert, macht seine Abberufung als Präsident des Verbandes am nächsten FIFA-Kongress notwendig – was aber natürlich nicht geschehen wird. Der Sport ist im Kampf gegen Russland eine schnittige Waffe der zivilisierten Welt, auch deshalb, weil der Sport keine Insel mehr von Spiel und Spass ist, sondern beinharter Kommerz. Wer sich im Krieg befindet, hat im Sport nichts verloren; das ist die Perpetuierung des Gedankens des «Olympischen Friedens».

Diese Auslegordnung stimmt nicht gerade positiv mit Blick auf die Beendigung des Wahnsinns. «Apocalypse now» also in Neuauflage.

(mehr zu diesem Thema in der nächsten Ausgabe von «Causa Sport» 1/2022, erscheint am 30. April 2022).

Die Ohnmacht gegenüber dem Krieg

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(causaportnews / red. / 7. März 2022) Seit mehr als zehn Tagen bekriegt Russland die Ukraine. Die aktuelle Situation ist desaströs. Die Aggression Russlands bewegt die ganz Welt; «Corona» ist trotz erneut steigender Zahlen wie weggeblasen. Der Wettkampf-Sport interessiert allgemein nur noch marginal; er wird allenfalls national oder regional beachtet. Die aktuellen Paralympics werden als das entlarvt, was sie seit jeher waren: Eine mundiale Pseudo-Sport-Veranstaltung, welche Menschen mit Beeinträchtigungen ins Abseits stellt. Deshalb gilt der «Olympische Friede» für die Paralympics, die derzeit in Peking durchgeführt werden, nicht. Doch der Sport war für totalitäre Herrschaften seit jeher von Bedeutung; und ist es immer noch. So war es 1936, als der «Führer» die Nation in Garmisch-Partenkirchen und in Berlin auf die Perpetuierung sportlicher Auseinandersetzung auf den Schlachtfeldern der Welt trimmte, gemäss Devise: Totaler Krieg. So ist es auch jetzt wieder: Kaum waren die Olympischen Winterspiele im russischen Sotchi 2014 vorbei, begann Russland mit der Annexion der Krim. Die Winter-Wettkämpfe am Schwarzen Meer gingen mit Bezug auf Russland auch unrühmlich als «Doping-Spiele» nicht nur in die Sportgeschichte ein. 2018 versammelte sich dann die Fussball-Welt zur Weltmeisterschafts-Endrunde – in Russland! Das Land mit seinem totalitären Regime sah sich durch die Sportwelt in seinen Bestrebungen bestätigt. Jetzt, nach Abschluss der Olympischen Winterspiele am 20. Februar 2022, setzte Russland vier Tage später zum Überfall auf die Ukraine an. Es tobt seither ein sinnloser, zerstörerischer und menschenverachtender Kampf, angezettelt von einem dem Totalitarismus zugeneigten Herrscher, der allerdings von einem Terror-Regime und Sympathisanten innerhalb und ausserhalb Russlands getragen wird. Dazu gehören auch die West-Sozialdemokraten und kommunistisch ausgerichteten Russland-Orientierten und Supporter. Diese demonstrieren derzeit vor allem in Westeuropa für den Frieden, aber nicht etwa gegen den russischen Feldzug; eben ideologie-neutral ad pacem. Die gleichen Kreise sind dafür verantwortlich, dass die Armeen in Westeuropa nun nicht mehr abwehrtauglich, geschweige denn angriffsfähig sind. Nun wird die beschönigende Mär vom «Kaputtsparen» bezüglich der Streitkräfte herumgeboten. Es wurde jedoch durch Friedensromantiker und Lifestylesozilisten einzig und alleine die Wehrbereitschaft des Westens zerstört. Der Ukraine wird nach wie vor Hilfsbereitschaft seitens des Westens vorgegaukelt; es ist das Schlimmste für ein Land, das bekriegt wird, wenn von ausserhalb das «Prinzip Hoffnung» suggeriert wird und keine Taten folgen. Ausser schönen Worten ist vom Westen in Sachen Unterstützung der im Stich gelassenen Ukraine gar nichts zu sehen und zu erwarten. Den Flüchtlingen wird geholfen – und denen, welche die Ukraine nicht verlassen können oder wollen? Der Westen ist sack-schwach, ebenso die USA, die sich vornehm zurückhalten. So hat Russland bezüglich westlicher Aktivitäten auf der Seit der Ukraine gar nichts zu befürchten; wahrscheinlich wird aber auch die Wehrkraft der Russen massiv überschätzt: Sie verfügen allerdings über brutale Waffen und scheuen sich auch nicht, einen Atom-Schlag zu riskieren. Zwar wird in der westlichen Welt wacker Solidarität mit der Ukraine beschworen; aber ausser Sanktionen gegen Russland, die auch wichtig sind, kommt gar nichts. Die russischen Oligarchen im Westen feiern weiter ihre Feste und bringen alles, was ihnen lieb und teuer war und ist, in Sicherheit. Wladimir Putin und seine Mit-Streiter brauchen sich um die in den letzten Jahren aus Russland geschafften Vermögenswerte nicht zu sorgen. Auffällig ruhig verhalten sich die «Grünen», welche der Öko-Katastrophe, die von Russland mit dem Angriff heraufbeschworen wird, wort- und tatenlos zuschauen.

Zufolge der Interdependenzen zwischen Sport und Politik ist die weltweite Isolation des Sportes von eminenter Wichtigkeit. Diese funktioniert einigermassen, obwohl Russland-treue Länder und feige Sport-Funktionäre (immer) noch zum Herrscher im Kreml halten. Der SPD-Mann Gerhard Schröder verkörpert mit seiner Haltung etwa auch den Prototypen des opportunistischen Sportfunktionärs. Schuld an allem beim renitenten Putin-Freund soll jedoch u.a. der Weinkonsum sein, wie einigen Medin zu entnehmen ist. Deshalb wehrt sich wohl auch die eine oder andere Ex-Frau des Ex-Kanzlers für den in Deutschland zur persona non grata mutierten Russen-Freund; Züge des «Führers» seien bei Putin nicht zu erkennen, noch weniger sei das immer noch eingeschriebene SPD-Mitglied als dessen Sympathisant zu qualifizieren. Derweil wird in dieser Phase der Ohnmacht gegenüber dem von Russland geführten Krieg der Hass gegen die Aggressoren im Westen immer markanter. Melanie Molitor etwa, die Mutter der Tennis-Legende Martin Hingis, die am Zürichsee eine Tennisschul betreibt, forderte Eltern dazu auf, ihr Kinder nicht mehr zum Tennisunterricht zu ihr zu schicken, falls sie russischer Nationalität seien. Die 65jährige, gebürtig Tschechin erlebte 1968 den Einmarsch der Warschauer Pakt-Truppen in ihre Heimat. Seither macht die Mutter von Martina Hingis keinen Hehl aus ihrer Verachtung gegenüber allem Russischen. Allerdings ist sie auch keine glühende Ukraine-Verehrerin, denn immerhin marschierten damals auch ukrainische Truppen in die ehemalige Tschechoslowakei ein…