Archiv der Kategorie: Allgemein

Auch der Sportwettenmarkt kollabiert

© Westend. Public Relations GmbH

(causasportnews / red. / 26. April 2020) Niemand weiss es genau, doch die Schätzungen decken sich in etwa: Mit Sportwetten werden im offiziellen, legalen oder „weissen“ Markt pro Jahr weltweit gegen 500 Millionen US-Dollars umgesetzt – Tendenz steigend. So war es jedenfalls bis jetzt, genauer vor „Corona“. Nun ist dem Markt, der vor allem online boomt, innert weniger Wochen die Grundlage entzogen worden. So gibt es kaum mehr Fussballspiele, auf die gewettet werden könnte, ausser etwa in wenigen autonom gewordenen Ländern der ehemaligen Sowjetrepublik. Fussballspiele machen den Hauptteil des Sportwettenmarktes aus. Aber weil auch sonst der Sport zur Passivität verurteilt ist, bleiben Wettfreudigen nur noch wenige Segmente. Aber auf Sieg oder Niederlagen von Schachweltmeister Magnus Carlsen zu setzen, ist auch nicht die Sache einer jeden Wetterin oder eines jeden Wetters. Das Deutsche Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ hat soeben kalkuliert, dass der Sportwettenmarkt in Deutschland regelrecht kollabiert ist: Nur noch 10% betragen derzeit die Wetteinsätze in Deutschland. Die Wetteinsätze beliefen sich 2019 immerhin auf 9,3 Milliarden Euro („Der Spiegel“, 18/25.4.2020). Auch im Schweizer Sportwettenmarkt wird von verhältnismässig ähnlichen Umsatzzahlen ausgegangen. Der „Sporttip“ verzeichnete vor „Corona“ Wetteinsätze von ungefähr einer Million Franken pro Wochenende; jetzt sind es kaum mehr 100 000 Schweizer Franken. Dank den Sportwettenerträgen flossen in der Schweiz 2019 134 Millionen Franken in den Sport.

Der Kollaps des Sportwettengeschäfts bzw. der Entzug der Geschäftsgrundlage dieses Wertschöpfungssegments begünstigen erwartungsgemäss auch kriminelle Elemente. So treiben derzeit Betrüger ihr Unwesen, denen es gelingt, unmittelbar oder mittelbar etwa Fussballspiele anzubieten, die gar nicht ausgetragen werden. Diese „ghost matches“ werden demnach entweder gar nicht gespielt, oder sie werden so angelegt, dass ein bestimmter Verlauf oder ein bestimmtes Ergebnis vorgegeben ist und die Drahtzieher diese Konstellation im Rahmen von Wetten ausnützen. Bei diesen manipulierten Sportwetten sind die Betrüger die pekuniären Sieger. Das alles hat in der Regel mit der Integrität des Sportes nichts zu tun, sondern es geht meistens um organisiert Banden-Kriminalität. Nur wenn Protagonisten des Sports bei Sportmanipulationen durch Beeinflussung z.B. eines Spiels aktiv werden, ist der Sport in seiner Integrität betroffen. Alle andern Aktivitäten gehören in den Ermittlungsbereich der staatlichen Strafverfolgungsbehörden. Ein derartiges Verfahren läuft im Moment in Kiew. Geht es um den sportlichen Integritätsschutz, sind die Sportorganisationen und –verbände ebenfalls gefordert. Auch in Bezug auf den Sportwettenbereich. Nachdem Manipulationen des Sports durch Protagonisten aus dem Sport nicht mehr die gleiche Bedeutung und Brisanz aufweisen wie etwa der Fussball nach dem „Hoyzer-Skandal“ in Deutschland (2005), sind die Sportorganisatoren der Verbände in den letzten Jahren bezüglich des Sport-Integritätsschutzes nachlässiger geworden. Immer mehr bilden deren Aktivitäten zum Schutz des Sports lediglich „Feigenblätter“, so etwa dann, wenn im Auftrag von Sportverbänden Überwachungsgesellschaften auch als Datenlieferanten für die Wettindustrie tätig sind.

„Swiss Sport Forum“ und „NZZ“ im Medienknatsch

Foto: Mano Reichling
Paul Breitner am „Swiss Sport Forum“ vom 28. Februar 2019 im FIFA-Museum in Zürich; Foto: Mano Reichling

(causasportnews / red. / 23. April 2020) Im Nachgang zur Veranstaltung des „Swiss Sport Forums“ vom 28. Februar 2019 im FIFA-Museum in Zürich, an der u.a. aus Deutschland Paul Breitner, Reiner Calmund und Teresa Enke teilnahmen, wurde zwischen dem Veranstalter und der „Neuen Zürcher Zeitung“ (NZZ) vereinbart, dass die Zeitung mit Fussball-Weltmeister Paul Breitner ein Exklusiv-Interview führen könne, jedoch darauf hinweisen würde, dass das Interview am 28. Februar 2019 anlässlich der Tagung im FIFA-Museum geführt worden sei. Die „NZZ“ unterliess jedoch bei der Publikation in der Print-Ausgabe vom 13. März 2019 den Hinweis darauf, wo das Interview geführt wurde. Auf Intervention des „Swiss Sport Forums“ brachte dann die „NZZ“ in der online-Ausgabe diesen Hinweis; „Swiss Sport Forum“ verlangte vergeblich vereinbarungsgemässe Erfüllung der getroffenen Abmachung und den Hinweis im Print-Medium.- Der Presserat, das selbsternannte Selbstregulierungsorgan für medienethische Fragen in der Schweiz, befand, dieses Verhalten der „NZZ“ sei fair (gewesen).

Das am 28. Februar 2019 geführte und am 13. März 2019 in der „NZZ“ veröffentlichte Interview begann mit dieser Frage: „Herr Breitner, freuen Sie sich auf das Spiel Bayern – Liverpool heute Abend?“. Es wurde somit suggeriert, das Interview habe aktuell, kurz vor diesem Spiel am 13. März 2019, stattgefunden.- Der Presserat befand, es sei korrekt und fair, dass die Leserschaft in den Glauben versetzt worden sei, das Interview zwischen Paul Breitner und der „NZZ“ sei kurz vor dem wichtigen Spiel in München geführt worden und nicht zwei Wochen zuvor im FIFA-Museum.

Moral nach der Stellungnahme des Presserates: Ethik kennt keine Verfahrensordnung. Und: Ein Schelm, der denkt und glaubt, die „NZZ“ habe den Hinweis auf den Interview-Ort (FIFA-Museum in Zürich) bewusst deshalb „vergessen“, weil der Weltfussballverband FIFA vom selbsternannten Qualitäts-Weltblatt, das vor allem in letzter Zeit immer wieder betont, dass sie zur medialen Liga des „Qualitätsjournalismus“ gehöre, in Zürich permanent unter Beschuss genommen wird.

Lehre aus der Geschichte: Das Pharisäertum weist zumindest auch eine ethische Komponente auf…

Mehr dazu (auch die Stellungnahme des Presserates im Wortlaut) auf der Homepage von „Swiss Sport Forum“ (www.swisssportforum.ch) und später in Heft 2/2020 von „Causa Sport“ (erscheint am 30. Juni 2020).

Justizpleite geht in der „Corona“-Krise auf

© Alexander Johmann

(causasportnews / red. / 22. April 2020) Am nächsten Montag wird die Schweizer Justiz eine der grössten Pleiten der Rechts-Geschichte erleben, wenn der am Bundesstrafgericht in Bellinzona liegende „Fall WM-Sommermärchen 2006“ in die Verjährung gleitet. Gott sei Dank erlebt die Welt derzeit die alles lähmende „Corona“-Krise. Das ist gut für vieles und viele, weil mit dieser Pandemie letztlich alles entschuldigt werden kann oder entschuldbar ist. So wird auch dieser Prozess im Tessin am 27. April 2020 in der „Corona“-Krise aufgehen – quasi als einmal etwas andere Rettung à la „Deus ex machina“. Dabei hätte die helvetische Justiz während Jahren Zeit gehabt, einen einfachen Sachverhalt im Umfeld der Fussball-WM-Endrunde 2006 in Deutschland zu klären und die juristischen Konsequenzen daraus zu ziehen. Im Wesentlichen geht es um einen Geldmittelfluss von 6,7 Millionen Euro; die dubiose Zahlung ist vom Deutschen Fussball-Bund (DFB) ausgelöst und über ein Konto des Weltfussballverbandes FIFA in Zürich weiter geleitet worden – letztlich an wen und weshalb auch immer (causasportnews berichtete verschiedentlich darüber). Wegen Mittäterschaft oder Gehilfenschaft zu Betrug sollten sich die ehemaligen DFB-Präsidenten Theo Zwanziger und Wolfgang Niersbach sowie der deutsche Spitzenfunktionär Horst R. Schmidt und der ehemalige FIFA-Generalsekretär Urs Linsi vor dem Bundesstrafgericht verantworten. Der ebenfalls beschuldigte deutsche Fussball-Kaiser Franz Beckenbauer hatte sich schon vor geraumer Zeit aus dem Verfahren verabschiedet. Das Bundesstrafgericht hat das Verfahren nun bis zum 27. April 2020 sistiert. Ein sehr nachvollziehbarer und empathischer Schachzug, denn genau an diesem Tag rutschen die den Angeklagten zur Last gelegten Taten in die Verjährung. Begründet wird dieser durchsichtige Schritt des Gerichts – natürlich mit der „Corona“-Pandemie…Seit dem vergangenen Jahr lag die Anklageschrift in Bellinzona; das Gericht hat es, weit vor „Corona“, nicht fertiggebracht, die Gerichtsverhandlungen ordentlich durchzuführen. Jedoch ist das grassierende Virus mit den vielfältigsten Auswirkungen wohl nur der eine Teil der Wahrheit. In den Medien werden derzeit auch die Verhältnisse um das Bundesstrafgericht in Bellinzona thematisiert: Ein regelrechtes, juristisches Sodom und Gomorra soll sich in diesen Amtsstuben abspielen. Faule und zoffende Richter, Sexismus, Mobbing, Spesenexzesse, Intrigen, Lügen, usw. sind nur einige Themenbereiche, die den teils frivolen Gerichtsalltag in der Schweizer Sonnenstuben transparent werden lassen. Im Moment steht die offenbar unfähige, amtierende Generalsekretärin vor dem Abschuss und soll entlassen werden. Nicht viel besser geht es bei der Anklagebehörde zu und her, wie schon hinlänglich berichtet worden ist. Die Bundesanwaltschaft ist seit Jahren mit sich selbst beschäftigt, führt schlampige Untersuchungen und mischelt und mauschelt vor sich her. Der Bundesanwalt als höchster Ermittler und Ankläger des Bundes ist gerade im FIFA-Komplex teils befangen und hat sich eine eigene, juristische Parallelwelt zurechtgezimmert. Vorwiegend ist er mit der Wahrung eigener Interessen beschäftigt, gegen pönale Lohn-Kürzungen zieht er derzeit vor Gericht. Obwohl das Malaise in der Bundesanwaltschaft längst bekannt ist, hat das Schweizerische Parlament den Bundesanwalt im letzten Herbst für eine weitere Amtsperiode wiedergewählt. Ein veritabler Polit-Skandal, der jedoch manifestiert, wie sehr die kleinmassstäblichen Verhältnisse in der Schweiz Kungeleien im Polit- und Justizbetrieb begünstigen. Aber nun hat „Corona“ dafür gesorgt, dass an der Misere kaum Schuldige ausgemacht werden müssen. Die Bundesanwaltschaft hat angeklagt, das Bundesstrafgericht konnte und kann wegen „Corona“ nicht verhandeln, und das Parlament als Wahlbehörde des Bundes-Justizbetriebs hat sich mit der Wiederwahl des Bundesanwaltes bewusst oder unbewusst in dessen Geiselhaft begeben. Von Glaubwürdigkeit der Justiz mag in Anbetracht dieser Skandale und Fehlleistungen schon gar niemand (mehr) reden. Und bei dem Geldsegen im Zuge von „Corona“, der sich, wohl ebenfalls Gott gewollt, momentan als Geldregen über Helvetien entlädt, interessiert es auch niemanden mehr, dass die Steuerzahler diesen juristischen Leerlauf auch noch teuer bezahlen müssen. Mit der Glaubwürdigkeit der Justiz sollen sich gefälligst Philosophen und Literaten befassen. Wenn das Friedrich Dürrenmatt („Justiz“, 1985) noch erlebt hätte! Stoff für einen Folgeroman wäre genügend vorhanden…Und auch Friedrich Dürrenmatts ebenfalls verstorbener Temporär-Kollege Max Frisch könnte hierzu natürlich einiges beisteuern und würde sich bestätigt sehen in seiner pathetisch gehaltenen Feststellung in „Andorra“: „Die Lüge ist ein Egel, sie hat die Wahrheit ausgesaugt“.

WM-Endrunde in Katar: FIFA-Kongress verfügt über Entscheidkompetenz

(causasportnews / red. / 20. April 2020) Die kürzlich bekanntgewordene Anklageschrift der US-Justiz im Zusammenhang mit den WM-Endrundenvergaben an Russland (2018) und an Katar (2022) wirft immer grössere Wellen (vgl. auch causasportnews vom 12. April 2020). Im Fokus stehen dabei drei Fussball-Funktionäre, denen im Zusammenhang mit den beiden Vergaben die Entgegennahm von Schmiergeldern vorgeworfen wird. Der Weltfussballverband (FIFA) mit Sitz in Zürich tritt im Verfahren als Geschädigter auf. Aktuell rückt die Frage in den Vordergrund, ob, je nach Verfahrensausgang, Katar das Austragungsrecht bezüglich der WM-Endrunde 2022 entzogen werden könnte; was Russland betrifft, ist dieser Entzug zufolge der Durchführung der Endrunde vor zwei Jahren kein Thema mehr, auch wenn der „Fall Russland“ offenbar gravierendere Dimensionen zeitigt als die Vergabe an Katar. Ein Entzug bezüglich Katar 2022 ist selbstverständlich juristisch möglich. Und nun melden sich in diesem Zusammenhang auch zwischenzeitlich aus dem Weltverband ausgeschiedene FIFA-Protagonisten zu Wort. Der ehemalig FIFA-Präsident Joseph Blatter, nicht gerade ein Freund von Katar als WM-Austragungsort, würde die WM-Endrunde am liebsten gleich den Amerikanern überlassen (diese werden jedoch 2026 die WM-Endrunde mit Mexiko und Kanada austragen). In einem Interview unterstreicht er, dass nur die FIFA Katar das Austragungsrecht entziehen könne. Recht hat er: Falls sich die Schmiergeldvorwürfe gegen Einzelpersonen des damaligen FIFA-Exekutivkomitees beweisen lassen sollten, wäre Katar 2022 wohl nicht mehr zu halten. Bezüglich einer Entscheidung zuständig ist (neu) der Kongress der FIFA, also die Vollversammlung aller Mitglieder des Weltverbandes. Dies sieht auch der ehemalige deutsche Richter Hans-Joachim Eckert so, der 2015 als Präsident der rechtsprechenden Kammer der FIFA-Ethikkommission sowohl Joseph Blatter als auch Michel Platini aus dem Fussball verbannte. Indessen würde der Deutsche Jurist in diesem Fall gemäss Medienberichten immense Schadenersatzforderungen seitens des Verbands von Katar sehen, falls den Arabern das Austragungsrecht entzogen würde. Das scheint allerdings ein eher theoretisches Szenario zu sein. Sollte sich beweisen lassen, dass bei Schmiergeldzahlungen oder allgemein bei Unregelmässigkeiten Katar mit von der Partie oder irgendwie involviert gewesen ist, wäre ein Entzug des Austragungsrechts wohl ohne Kostenfolgen möglich.

Solidarität im Schwimmsport: Die Krise als Chance

Valeriya Samovalova

(causasportnews / red. / vs. / 15. April 2020) Solidarität wird in schwierigen Zeiten, wie jetzt während der „Corona“-Pandemie, zu einem wichtigen Faktor im Rahmen der Krisenbewältigung, wie ein Beispiel aus dem Schwimmsport zeigt. Die von Konstantin Gregorishin, einem ukrainischen Milliardär, gegründete und finanzierte „International Swimming League“ (ISL; ein Wettkampfformat, das Mannschaften in einem Turnier gegeneinander antreten lässt), kündigte anfangs April die Einführung eines Solidaritätsprogramms an. Dieses sollte die Athleten als wichtigstes “Asset” und Partner der Liga während der ausserordentlichen Lage unterstützen und ihnen als Vorbereitung auf die Grossveranstaltungen der Saison 2020/2021 dienen.

Bestandteil des Solidaritätsprogramms ist einerseits ein finanzieller Beitrag, der sich auf 1‘500 Euro pro Monat pro Athletin oder Athlet beläuft und ab 1. September 2020 bis 30. Juni 2021 ausbezahlt werden soll. Andererseits hat die ISL zugesichert, zwischen Mitte Oktober bis Mitte November 2020 ein vier- bis fünfwöchiges Trainings- bzw. Wettkampfprogramm für die Athleten in einer Top-Sportinfrastruktur zu organisieren. Dabei soll ein noch nie dagewesenes Wettkampfformat erprobt werden, welches den Schwimmsport revolutionieren und seinen Bekanntheitsgrad erhöhen soll. Das Solidaritätsprogramm wird dem Leitbild der Liga gerecht: Das Ziel der ISL ist es, das kommerzielle Potenzial des Schwimmsports auszunutzen, die Athleten als gleichberechtigte Partner in den Mittelpunkt zu rücken und sie am wirtschaftlichen Erfolg des Formats teilhaben zu lassen. Auch soziale Sicherheiten, Gleichberechtigung und eine Nulltoleranzpolitik gegenüber Doping gehören zu den tragenden Säulen der Liga-Philosophie. In Bezug auf letzteres geriet der Weltschwimmverband (FINA, Fédération Internationale de Natation) unter anderem unter Beschuss, nachdem sie den chinesischen Schwimmer Sun Yang anlässlich der Welttitelkämpfe 2015 als besten Athleten auszeichnete, obwohl er ein Jahr zuvor des Dopings überführt worden war.

Nicht verwunderlich war es, dass die FINA mit grobem Geschütze auffuhr, als bei der Gründung der ISL im Jahr 2019 der Finger auf die wunden Punkte des Schwimmsports gelegt wurde: Die ungenügende Entschädigung der Athleten und der lasche Umgang mit Dopingdelinquenten. Die FINA versuchte, die besten Athletinnen und Athleten einzugrenzen, wie den britischer Weltrekordhalter über 100m Brust, Adam Peaty, der die ISL öffentlich unterstütze; gedroht wurde den Athletinnen und Athleten seitens des Weltverbandes mit Sperren, falls sie an den Wettkämpfen der Liga teilnehmen würden. Die ISL nutzt jetzt mit den angekündigten, geplanten Bestrebungen eine Chance in der Krise. Ob mit Blick auf die derzeit noch immer krass wütende Seuche der vorgesehene Veranstaltungszeitraum im Herbst eingehalten werden kann und ob diese Aktivitäten Schwimmwettkämpfe auch bahnbrechend zu verändern im Stande sind, bleibt im Moment offen. Die ISL ist aber offenbar gewillt, den Ankündigungen Taten folgen zu lassen und das verabschiedete Leitbild umzusetzen – zum Wohle des Schwimmsports, der aus dieser schweren Zeit gestärkt herausgehen dürfte, was an sich schon als revolutionär zu qualifizieren wäre.

(Bericht: Valeriya Samovalova)

Ein Treppenwitz im bezahlten Fussball

(causasportnews / red. / 14. April 2020) Nachdem der organisierte Sport derzeit sein flächendeckend-globales „Grounding“ erlebt, befasst er sich nun vor allem mit den Folgen der „Corona“-Krise, und gleichzeitig mit der Vergangenheit sowie mit der Zukunft. Das gilt insbesondere auch für die Führung des international bekannten Zürcher Grasshopper Clubs (GCZ), dessen Fussball-Sektion sich zu Recht und berechtigterweise „Rekordmeister“ im Fussball nennt. Seit vielen Jahren ist vom Glanz früherer Jahrzehnte allerdings nicht mehr viel übrig geblieben. Der Verein dümpelt derzeit, nach dem Abstieg aus der Super League in der vergangenen Saison, in der zweiten Stärkeklasse in der Schweiz herum. Der Niedergang von GCZ ging einher mit den wirtschaftlichen Umschichtungen in der Schweiz, als es die Globalisierung nicht mehr zuliess, dass Schweizer Top-Unternehmen den sog. „Nobel-Klub“ stützen konnten. In den erfolgreichen, „grossen“ Zeiten traf sich das Zürcher Wirtschafts-Establishment anlässlich von Fussballspielen im „Hardturm“-Stadion, das im Moment ebenfalls verlottert wie der GCZ selbst. Längst trägt der Klub seine Heimspiele an derselben Stätte aus wie der langjährige Stadtrivale FC Zürich: Im „Letzigrund“, welcher der Stadt Zürich gehört (zur wechselvollen Zürcher Stadiongeschichte vgl. dazu aktuell den Aufsatz von Robert Schönbächler in „Causa Sport“ 1/2020). Ebenso seit Jahren kratzt GCZ Geld zusammen, um noch einigermassen im Spitzenfussball in der Schweiz mitwirken zu können. Die Geldsuche von GCZ mutierte zur endlosen Geschichte der Peinlichkeiten. Hochstapler waren ebenso am Werk wie aufgeblasene Wichtigtuer aus dem Umfeld der Zürcher Wirtschaft, die in den (Neben-)Klubaktivitäten die Möglichkeit erblickten, wenigstens ab und zu in den Medien zu erscheinen. Die Professionalabteilung des Klubs gehörte bis vor wenigen Tagen zwei bejahrten, rührigen, aber absolut integren Personen aus der Wirtschaft, die selber einiges an privaten Geldern in den Verein einschossen. Schon längst wollten sie das immer schwerer werdende GCZ-Kreuz abschütteln. Und kurz vor Ostern wurde nun das, was für die verbliebenen Mäzene bisher als Traum galt, wahr. Die Chinesen haben übernommen! Ja, die Chinesen, deren Reputation im Moment nicht gerade als ausserordentlich positiv zu qualifizieren ist. Aber in der Not frisst der Teufel bekanntlich auch die berühmten Fliegen – oder es werden eben Chinesen (auch im organisierten Fussball und insbesondere in Europa) aktiv. Im „Fall Zürich“ haben sie den Klub, dessen Emblem zufälligerweise eine riesengrosse Heuschrecke ziert, fast gänzlich vereinnahmt. Seit dem vergangenen Wochenende heisst der Klub-Präsident Sky Sun, und die Klubbesitzerin ist eine Jenny Wang, deren Ehemann Milliardär sein soll und u.a. den englischen Klub Wolverhampton Wanderers besitzt. Weder die neue Klubeigentümerin noch der von ihr eingesetzte Präsident wurden bis anhin je im Umfeld des GCZ gesichtet.- Das alles mutet in der jetzigen „Corona“-Krise wie ein Treppenwitz an (ungeachtet des Umstandes, ob nun die Chinesen „schuld“ an der Verbreitung des Virus sind oder nicht), bedeutet aber für den Grasshopper Club eine nicht ganz unerwartete Entwicklung; für den früheren Akademiker-Klub waren Begriffe wie „Sensorium“ oder „Empathie“ im wahrsten Sinne der Worte auch Fremdwörter. Die Moral der Geschichte: Jenny Wang darf niemand böse sein, dass sie zugegriffen hat. Den Mäzenen auch nicht, dass sie die finanziellen Belastungen so los geworden sind. Das Schlagwort „Lob der Schuldigen und Tadel der Unschuldigen“ wäre aufgrund der gegebenen Konstellation tatsächlich unangebracht. Die Groteske in Zürich hat allerdings eine ernsthafte Tragweite. Im Herbst soll in der Stadt Zürich einmal mehr über eine neue Fussball-Arena auf dem Gelände des früheren Hardturm-Stadions des GCZ (!) abgestimmt werden. Wetten, dass der Deal des GCZ mit den Chinesen der Vorlage eher nicht förderlich sein wird? Auch wenn die Stadt Zürich seit Jahren mit der chinesischen Stadt Kunming partnerschaftlich verbunden ist; aber diese Städte-Kooperation ist schliesslich auch ein Relikt aus früheren, besseren (Wirtschafts-)Zeiten…

Verliert Katar die Fussball-WM-Endrunde 2022?

Al Wakrah Stadium – Doha, Qatar; © Matt Kieffer

(causasportnews / red. / 12. April 2020) Es war die wohl schlimmste Niederlage der Amerikaner in der internationalen Sportpolitik, als das Komitee (Exekutive) des Weltfussballverbandes FIFA am 2. Dezember 2010 am selben Tag die WM-Endrunden 2018 an Russland (2018) und an Katar (2022) vergab. Katars Verband schwang zum Erstaunen der ganzen Welt mit 14 Stimmen obenaus (WM-Endrunde 2022); der Verband Amerikas blieb mit 8 Stimmen auf der Strecke. Nicht besser erging es England (0 Stimmen), das bezüglich der WM-Endrunde 2018 gegen Russland (13 Stimmen) regelrecht gedemütigt wurde. Nach diesen WM-Endrunden-Vergaben zum gleichen Zeitpunkt erhob sich ein Sturm der Entrüstung. Vor allem England geriet damals mehr in Wallung als beispielsweise nach dem beschlossenen „Brexit“. Auch Amerika hat die Schmach von Zürich nie verwunden, auch wenn der US-Verband, zusammen mit Mexiko (!) und Kanada, vor rund zwei Jahren den Zuschlag für 2026 erhielt. Sicher ein damals kluger Schachzug der FIFA, über der seit 2015, nach Verhaftungen von FIFA-Funktionären in Zürich, das Damoklesschwert der US-Justiz bedrohlich tief hängt. Mit dieser Vergabe an den US-Verband verschaffte sich die FIFA politisch etwas Luft bezüglich der „Bedrohung“ durch die amerikanische Justiz. Aber Amerikaner vergessen nicht: So wundert es nicht, dass nun in einer neusten Anklageschrift des US-Justizministeriums zu den Vorgängen und Verfahren rund um den „Komplex FIFA“ diese Vergaben 2018 und 2022 in den Fokus der amerikanischen Justiz rücken (nebst den ebenfalls umstrittenen Vergaben 2006, 2010 und 2014). Die Rede ist insbesondere von gekauften Stimmen. Und es werden in diesem Zusammenhang damalige FIFA-Exekutivkomitee-Mitglieder namentlich genannt. Einigermassen unlauter oder sogar deliktisch sollen Aktivitäten von Wahlmännern bezüglich der WM-Vergabe 2018 (Russland) gewesen sein. Auch mit Blick auf Katar (2022) sei es zu gravierenden Verfehlungen gekommen. Eine Schlüsselrolle soll dabei dem langjährigen UEFA-Präsident Michel Platini zugekommen sein, dem neuerdings Gelüste auf das FIFA-Präsidium nachgesagt werden (vgl. dazu auch causasportnews vom 31. Dezember 2019). Wie sich das US-Verfahren weiterentwickeln wird, ist derzeit nicht auszumalen. Sicher ist hingegen, dass, falls sich Unregelmässigkeiten und eine getürkte Beschlussfassung mit gekauften Stimmen erhärten sollte, „Katar 2022“ wankt. In einem solchen Fall müsste dem Verband von Katar das Austragungsrecht entzogen werden – allenfalls auch kurz vor der WM-Endrunde. Rechtlich ist das durchaus möglich und allenfalls sogar geboten: Auch Vergabebeschlüsse des Vereins FIFA (Art. 60 ff. des Schweizerischen Zivilgesetzbuches) erwachsen nicht in materielle Rechtskraft und liessen sich durchaus abändern bzw. neu fassen, falls z.B. Vergabe-Unregelmässigkeiten oder Bestechungsvorgänge nachgewiesen werden könnten (und dann etwa Sponsoren Druck machen würden). Diesbezüglich ist das noch mehr belastete Turnier in Russland aus dem „Schneider“, weil die Endrunde im Lande von Wladimir Putin bereits Geschichte ist. Zwischenzeitlich hat sich die FIFA auch neue Vergaberegeln gegeben: Seit kurzer Zeit wird die WM-Endrunde-Vergabe durch die Vollversammlung der FIFA (Kongress – Versammlung aller Mitgliederverbände der FIFA) vorgenommen und nicht mehr durch die (damals) bestechungsanfällige(re) Exekutive (FIFA-Exekutivkomitee). Der WM-Vergabebeschluss betreffend 2026 wurde von der FIFA-Vollversammlung gefasst…

Schillernder Finanzmann der „grünen Hölle“ juristisch entronnen

(causasportnews / red. / 8. April 2020) Wenn es um Sport und Geld geht, gehören Skandale meistens ebenso dazu. So geschehen in der beschaulichen Eifel in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen. Seit 1927 werden dort, auf dem sog. „Nürburgring“ und während langer Zeit auf der fast 30 Kilometer langen, berühmt-berüchtigten Nordschleife, Automobilsport-Veranstaltungen ausgetragen; letztmals gastierte der Formel 1-Tross 2013 auf dem kurzen Streckenabschnitt in der Eifel; Sebastian Vettel feierte dabei einen vielbeachteten Sieg. In Erinnerung bleibt aber, wenn heute vom „Nürburgring“ die Rede ist, die Skandal-Geschichte um die obskure Finanzierung eines Freizeitparks am „Ring“, mit dem das Bundesland Rheinland-Pfalz als Eigentümerin der Betreibergesellschaft Nürburgring GmbH vor etwas mehr als zehn Jahren vor allem den Tourismus der Freundinnen und Freunde des vierrädrigen Vergnügens ankurbeln und so Devisen in die Eifel leiten wollte. Die Finanzierung des Förderungsprojektes sollte rein privat erfolgen, und wie üblich in solchen Fällen, ziehen solche Unterfangen auch halbseidene Möchtegerne, Finanzjongleure und Hochstapler an. Jedenfalls scheiterte die Privatfinanzierung des Nürburgring-Projektes kläglich und verursachte, weil das Land Rheinland-Pfalz einspringen musste und weitgehend für das 330 Millionen-Desaster einzustehen hatte, ein Erdbeben auf höchster Politiker-Ebene. Unter Beschuss geriet damals letztlich der damalige Ministerpräsident Kurt Beck, der immer wieder betont hatte, die Finanzierung des Nürburgring-Projektes koste die Steuerzahler keinen Euro. Eine unrühmliche Rolle beim Nürburgring-Desaster spielte der damalige Finanzminister des Bundeslandes, Ingolf Deubel, der später sogar strafrechtlich zur Rechenschaft gezogen und wegen Untreue und uneidlicher Falschaussage verurteilt wurde. Dafür, dass die private Finanzierung des Projektes scheiterte, wurde ein Schweizer Finanzvermittler aus dem Kanton Graubünden (mit)verantwortlich gemacht. Es ging dabei um ungedeckte Checks eines angeblichen Investors in der Höhe von 100 Millionen Euro. Der vom schillernden Schweizer vermittelte Hochstapler verfügte allerdings nur über ein Konto, das einen Saldo von nicht einmal 100 Euro aufwies. Die „grüne Hölle“ forderte im Verlaufe der jahrzehntelangen, berühmten Renngeschichte nicht nur sportliche Opfer (der Österreicher Niki Lauda entkam bei seinem Feuerunfall 1976 nur mit Glück dem Tod), sondern eben auch solche im Zusammenhang mit dem geplatzten Finanzierungsprojekt auf politischer und wirtschaftlicher Ebene. In dieser Hinsicht ist nun der Schweizer Finanzvermittler der „grünen Hölle“ zumindest juristisch entronnen; die erste grosse Strafkammer des Landgerichts Mainz sprach ihn vor ein paar Tagen von der Anklage wegen Urkundenfälschung (bezüglich der vom vermeintlichen Investor präsentierten Checks) frei. 2015 wurde der Nürburgring übrigens vom Automobilzulieferer „Capricorn“ übernommen; als Investor mit dabei soll auch ein russischer Milliardär sein – mit jedenfalls mehr als 100 Euro auf dem Konto…

„Adidas“: Keine Empathie – keine „cojones“

© Anton Pinchuk

(causasportnews / red. / 7. April 2020) Im Zeitalter der über die Welt hereingebrochenen Pandemie wird das wahre Gesicht des Menschen sichtbar. Es gibt viele, die sich selbstlos in den Dienst der nun beschworenen Gemeinschaft stellen; und es gibt andere, deren Anlagen im Elend schonungslos transparent werden. Zu letzterer Gattung gehört offensichtlich der allmächtige Herrscher des Sportartikelkonzerns „Adidas“. Der 58jährige Däne Kasper Rorsted ist seit 1. Oktober 2016 Vorstandsvorsitzender des Sportartikelkonzerns Adidas AG. Er hat seinen Job angetreten, um alles der Unternehmens-Gewinnmaximierung unterzuordnen; das ist ihm auch einigermassen gelungen. „Adidas“ boomt und wächst seit der Kommandoübernahme des Dänen an (fast) allen Fronten. Nicht ganz überraschend hat der Top-Manager, der sich vorher beim Henkel-Konzern im wahrsten Sinne des Wortes einen Persilschein für unternehmerisches Können im Sinne des „Shareholder value“ und anderer ökonomischer Glanzleistungen erworben hat, im Zuge der „Corona“-Krise angeordnet, dass „Adidas“ für den April keine Mietzinse mehr für Läden, deren Schliessung wegen der „Corona“-Krise verfügt wurde, bezahlen würde (causasportnews vom 30. März 2020). Nach dieser Ankündigung und der damit verbundenen „Bestrafung“ Unschuldiger ging über dem Superstar mit dem Sensorium ähnlich des dänischen Kochs in der Muppet Show ein Shitstorm nieder; eigentlich war es nur ein „Stürmchen“, denn „Adidas“ wird als guter Werbekunde in den Medien pfleglich behandelt. Bereits die Ankündigung von Kasper Rorsted, keine Mietzinse mehr zu bezahlen, fand in der konventionellen Presse nur ein bescheidenes Echo. Umso mehr gerieten die neuen Medien in Wallung. Nun krebste der Top-Shot aus Herzogenaurach unter diesem Druck zurück und liess (!) kleinlaut verkünden, „Adidas“ würde die April-Mietzinsen jetzt doch bezahlen. Das alles wurde vom „Adidas Team“ letzte Woche kommuniziert; der Manager versteckte sich plötzlich in der Anonymität der „Mannschaft“ – was an sich verwunderlich ist. Und es bleibt die unbeantwortete Frage im Raum stehen, weshalb „Adidas“ und der empathielose Vorstandsvorsitzende sich nicht eines im Sport gebräuchlich gewordenen Ausdrucks erinnerten: cojones!

„Corona“- eine Krisen-Zwischen-Bilanz: „Dat ham wer uns so nich vorjestellt“

(causasportnews / red. / 3. April 2020) Im ersten Quartal 2020 im Allgemeinen und seit Mitte März im Besonderen hat „Corona“ das Leben der Menschen auf der ganzen Welt rigoros verändert; und wird nachhaltig Spuren hinterlassen. Teils Wahnsinns-Entwicklungen und Exzesse in allen Bereichen, in der Gesellschaft, im Staat, in der Politik und auch im Sport, hat die Natur gleich selber „reguliert“, d.h. gestoppt. Die Welt wird nach dieser Katastrophe nicht mehr dieselbe sein. Die flächendeckende Pandemie zeitigt auch verheerende Wirkungen auf den organisierten Sport, die globale Event- und Geldmaschinerie. Das Virus hat ihn gleich lahmgelegt wie weitgehend das Wirtschaftsleben. Ein Ende dieses Krieges gegen einen unbekannten Gegner ist nicht abzusehen. Nach Abschluss des ersten Quartals dieses Jahres, das wir als Freizeit- Spass- und Lifestyle-Gesellschaft noch vor etwas mehr als drei Monaten mit Hurra, Champagner und natürlich mit Party erwartungsvoll begrüsst haben, verlangt nach einer Bilanz per dato, die mit den Worten des ersten Deutschen Bundeskanzlers nach dem 2. Weltkrieg, Konrad Adenauer, so zusammengefasst werden könnte: „Dat ham wer uns so nich vorjestellt“. Drei Monate haben genügt, um wissenschaftliche Analysen, nicht nur im Bereich der Zukunftsforschung, zur Makulatur werden zu lassen. Das wissenschaftliche „Sezieren“ des (Zusammen-)Lebens und der Lebensbedingungen wird weitergehen, wenn auch auf aufgrund anderer Voraussetzungen. Insbesondere Soziologen sind im Moment gefragt wie schon lange nicht mehr. Die Formen des (künftigen) menschlichen Zusammenlebens auf diesem Planeten sollten, ja müssten, neu festgelegt werden. Negativ-Prognosen zu stellen ist derzeit jedoch so verpönt wie das Witze-Erzählen am Grab. Es liesse sich nun situations-adäquat Karl Marx bemühen, der sich auch in dieser Zeit seiner Worte an die Adresse von Ludwig Feuerbach erinnern würde: Es komme darauf an, die Welt zu verändern, und sie nicht nur verschieden zu interpretieren.- Die Veränderungen im Zuge von „Corona“ sind einschneidend und ohne menschliches Dazutun eingetreten. Was danach, nach Eintritt der Normalität, sein wird, steht in den Sternen und wird den Menschen fordern. Deshalb mit Blick in die Zukunft nachfolgend eine (unvollständige) Krisen-Zwischen-Bilanz in Stichworten, mit Bezug zum Sport und in alphabetischer Reihenfolge:

  • Applaus: Der Applaus ist das Lebenselixier insbesondere der Künstler und Sportler. Der Applaus ist auf Bühnen und in Sportstadien verebbt. Applaus ertönt nun anderweitig – grundsätzlich berechtigterweise: Es werden die Menschen in den Medizinalberufen beklatscht, Verkäufer, Chauffeure, Polizisten, usw. (es wird der Einfachheit halber hier die männliche Schreibweise verwendet; sie gilt auch für Frauen). Eigentlich beschämend: Diese Personengruppen machen Zeit ihres Lebens einen hervorragenden, soliden Job – meist zu schlechten, finanziellen Konditionen; nur in der Krise haben wir gemerkt, dass dies nicht selbstverständlich ist. Deshalb die momentane Dankbarkeit, die schon immer gerechtfertigt gewesen wäre. Noch vor wenigen Wochen waren Angriffe auf Rettungssanitäter, Feuerwehrleute und Polizeikräfte seitens des Party-Volkes in den Grossstädten an der Tagesordnung. Und diese Menschen beklatschen wir heute. Besonders peinlich berührt die derzeitige Medienkampagne eines Grossverteilers, der sich in TV-Spots lauthals individuell beim Personal für die geleisteten Einsätze bedankt. Heuchlerischer geht es fast nicht mehr: Dieses Personal muss sich permanent Minimal-Lohnbedingungen erkämpfen und wird auch sonst prestigemässig regelrecht vorgeführt. Und nun wird es vom eigenen Arbeitgeber abgefeiert für etwas, was diese Menschen tagtäglich leisten, für das sie jedoch geringgeschätzt werden und für das wir einfach undankbar sind;
  • Armee: Die „Corona“-Krise ist ein eigentlicher Krieg, und zwar ein „Bürgerkrieg“. Das unsichtbare Virus führt dazu, dass, ausgedrückt im Gebot des „Distanzhaltens“ der Mit-Bürger und Mitmensch zum „Feind“ mutierte. Ein solcher Krieg gegen einen nicht-wahrnehmbarem Feind im Umfeld des Menschen kann nicht durch politische Behörden effizient und zielsicher geführt werden. Dazu benötigt es eben militärisches „Knwo-how“. Nicht ganz zufällig ist in der Schweiz für den Schutz der Bürgerinnen und Bürger das Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS) zuständig. Militär und Sport stehen also mit Blick auf den Bevölkerungsschutz in Einklang. Zwischenzeitlich hat die Schweiz zur Bekämpfung der aktuellen Pandemie Teile der Armee aufgeboten. Diese unterstützt die zivilen Kräfte im Bereich der medizinischen Versorgung und leistet diverse weitere Assistenzdienste. Allerdings ist bei dieser Konstellation der Negativ-Umstand auffällig, dass in der Schweiz vor allem von Links, von „Grünen“ und von Kommunisten die Armee mit allen Mitteln, durchwegs sekundiert vom Schweizer Staatsfernsehen, bekämpft worden ist (Lieblingsstar dieser TV-Veranstaltungen war bis zum Ausbruch der Pandemie in Europa der Zuger Politiker Josef Lang, ein Gründungsmitglied der „Gruppe für eine Schweiz ohne Armee“). So leistet eine massiv „zahnlos“ gewordene oder gemachte Armee, die beschränkt einsatztauglich ist, nun Dienst wie noch nie seit dem Ende des zweiten Weltkrieges. Und alle sind deswegen froh;
  • Brot und Spiele: In Krisenzeiten, wie jetzt, steht als erstes Element das Überleben im Vordergrund. Der Mensch will auch im Katastrophenfall verpflegt sein. Gute Verpflegung ist der Indikator für Lebensstandard. Einstweilen zu kurz kommt das zweite, wichtige Element, welches das menschliche Leben lebenswert macht und zur Sicherung der Lebensqualität unabdingbar ist: Spiele, oder heute: Vor allem der Sport. Dieser wird im Moment zur „Auszeit“ gezwungen;
  • Europa: Die „Corona“-Krise ist zwar ein globales, weltumspannendes Phänomen. Deren Bekämpfung erfolgt jedoch mit politischen, nationalen Mitteln. Es kann dieses Fazit gezogen werden: Die derzeitige Krise ist national – jedenfalls wird sie rein national bekämpft. Nicht in Erscheinung tritt die „Europäische Union“ mit ihrer vielbeschworenen Solidarität, bzw. manifestiert sie nun ihre Bedeutungslosigkeit in Krisenzeiten. Noch schlimmer: Derzeit zoffen sich zum Thema „Eurobonds“ das bankrotte Italien und die europäische Leadernation, Deutschland. Ob die „Schönwetter“-Vereinigung EU“ nach der Krise noch Sinn macht, wird sich weisen. Grenzüberschreitend funktioniert hingegen der Sport – oder was von ihm übriggeblieben ist, insbesondere die Sportpolitik. Sogar das nicht gerade für Empathie bekannte Internationale Olympische Komitee (IOK) hat sich vor ein paar Tagen dem Internationalen Druck beugen müssen und die in Tokio vorgesehenen Olympischen Sommerspiele 2020 um ein Jahr verschoben. Das Unausweichliche im Auge haltend hat die Europäischen Fussballkonföderation UEFA dazu bewogen, die ebenfalls in diesem Jahr vorgesehene Fussball-Europameisterschaft an zwölf Standorten in Europa ebenfalls zu verschieben. PS: Die Schweiz ist bekanntlich nicht Mitglied der EU. Deshalb ist der kürzlich entbrannte Streit um die Einfuhr von Schutzmasken aus Deutschland in die Schweiz auch kein europarechtlich relevanter Tatbestand, sondern lediglich eine kleine Disharmonie unter Nachbarn;
  • Führung: Die Welt und die gegen das „Corona“-Virus ankämpfenden Länder (US-Präsident Donald Trump spricht richtigerweise ungeschminkt von einem „Krieg“ („war“; „the fight against the coronavirus“) können diesen Kampf effizient nur mit militärischen Mitteln gewinnen. Die politischen Leader sind ungeeignet, diesen Krieg zielgerichtet und adäquat zu führen, weil sie stets im Spannungsfeld zwischen (medizinischer) Notwendigkeit und wirtschaftlichem Opportunismus reagieren statt agieren (müssen). Ansatzweise kann Österreichs Bundeskanzler als positives Beispiel hervorgehoben werden. Das politische Naturtalent nutzt alle politischen Spielräume aus und beschwört als begnadeter Motivator den „Teamgedanken“ wie bei einer Sportveranstaltung („Team Österreich“). Welch‘ jämmerliches Bild geben da andere Regierungen ab! – Die Resultate sprechen für sich. Die Regierungen und Regierungschefs der Länder wollen für ihr Volk (und natürlich für sich) nur das Beste – und erreichen nicht selten das Gegenteil;
  • Krieg: Die Menschen auch in Europa befinden sich im Krieg gegen einen unsichtbaren Feind, der „Corona“-Virus heisst. Weil der Gegner nicht sichtbar ist, ist es schwer, wie sich der Mensch ihm gegenüber verhalten soll. In Anlehnung wohl an Bertold Brechts „Stell Dir vor, es sei Krieg, und keiner geht hin“, könnte die aktuelle Situation so auf den Punkt gebracht werden: „Stell Dir vor, es sei Krieg, und keiner sieht hin“ – vor allem deshalb, weil keiner den Feind sehen kann…;
  • Politik: Die Führung („Lead“) in der jetzigen Krise liegt bei der Politik, was äusserst problematisch ist. Die Entscheide der führenden Politikerinnen und Politiker bei der ideologisierten Krisenbekämpfung orientieren sich stets an politischen Zielen und wirtschaftlichen Wünschen. Statt effiziente, medizinisch gebotene Massnahmen gegen die Verbreitung der Pandemie anzuordnen und umzusetzen, hat sich die Schweizerische Regierung in einen Infight mit den Kantonen (vor allem Uri und Tessin) begeben. Föderalistisch Grundprinzipien aufrecht zu erhalten sind wichtiger als die Bekämpfung der Seuche. Apropos Tessin: Aus wirtschaftlichen Gründen hat es die Schweizer Regierung unterlassen, rechtzeitig die Grenze zwischen der Schweiz und Italien dichtzumachen – mit verheerenden Folgen. Im Übrigen vgl. „Wirtschaft“;
  • Solidarität: In Krisenzeiten, wie jetzt, wird SOLIDARITÄT grossgeschrieben. Das an sich hehre Prinzip funktioniert aber (oft vermeintlich) nur in Ausnahmesituationen. Der moderne Mensch ist individualistisch, egoistisch und eigennützig strukturiert und verhält sich auch so. In der Krise wird aus Not zusammengerückt und die Gemeinsamkeit, um die Katastrophe zu meistern, beschworen (das wird auch als „Ingerenzprinzip“ verstanden [letztlich ist bis anhin unbekannt, wie das Virus losgetreten worden ist; es gibt im Moment keine Schuldigen, was für eine Krise relativ selten ist]). Solidarität im Sport-Business besagt etwa folgendes: Vier Top-Klubs der Deutschen Bundesliga helfen in der Not den serbelnden Vereinen. Sie wollen aktuell 20 Millionen Euro in einen „Solidartopf“ einschiessen. Eine löbliche Geste, allerdings nicht ganz uneigennützig. Die Top-Klubs wissen, dass sie ohne die restlichen Klubs keine Meisterschaft mehr werden spielen können. Sie sind auf diese schlicht angewiesen;
  • Sport: Das „Corona“-Virus hat den Sport innerhalb weniger Wochen vollständig zum Erliegen gebracht. Der organisierte Sport „n’existe plus“. Umso mehr boomt der Freizeit-Sport: Es wird gewandert, teils allerdings ohne die „Abstands-Regeln“ einzuhalten, und gejoggt, wie seit Jahrzehnten nicht mehr. In der Not besinnt sich der Mensch auf Traditionelles;
  • SportBusiness: Durch das „Corona“-Virus ist der organisierte, kommerzielle Sport vollständig zum Erliegen gekommen. Er wird, wie die Wirtschaft, nach ausgestandener Krise am Boden liegen. Nicht nur der Sport an sich hat aufgehört zu funktionieren. Auch die damit zusammenhängende Industrie (TV-Vermarktung, Sponsoring, Werbung, Event-Organisation, usw.) ist zusammengebrochen. Nach der Krise wird es diesbezüglich vor allem viel „Juristenfutter“ abgeben;
  • SportMedien: In einer Krise kommt den Medien besondere Bedeutung zu; aber lediglich den unabhängigen, von denen es kaum mehr welche gibt. „Fake-News“ können nicht mehr nur mit einem Hirngespinst des US-Präsidenten abgetan werden. Wer den heutigen Zustand der Medien mitverfolgt, muss ernüchternd feststellen, dass die Medienlandschaft ebenfalls zum Trümmerfeld geworden ist, wobei die Dekadenzerscheinungen längst vor „Corona“ sichtbar wurden. Ausser über das „Corona“-Virus gibt es auch kaum mehr etwas zu berichten. „Corona“ dominiert auch die Medien. Immer stärker wird abgebildet, wie sich die Journalisten die Welt wünschen und nicht, wie sie tatsächlich ist. In den elektronischen Medien findet der Sport nicht mehr statt – es sei denn, ein wenig Sport-Politik wäre opportun (insbesondere die Begründung von Veranstaltungs-Absagen). Tristesse herrscht ebenfalls bei den Print-Medien. Kaum ein Unternehmen inseriert mehr, und sogar bei der „Neuen Zürcher Zeitung“ grassiert das „Corona“-Virus durch die ganze, zwischenzeitlich durcheinandergeratene Bund-Systematik, an der sonst im selbsternannten „Intelligenzblatt“ sklavisch-stur festgehalten wird. Sogar der von mehr als zehn Redaktoren(!) produzierte Sport-Teil, der seit Tagen meistens lediglich eine Druckseite umfasst, wurde während Tagen nicht mehr mit „Sport“, sondern mit „CORONAVIRUS“ überschrieben;
  • Sport-Veranstaltungen: Alle grossen Sport-Veranstaltungen 2020 sind abgesagt; soeben haben die Veranstalter des legendären Tennis-Turniers in Wimbledon für dieses Jahr „forfait“ erklärt. Nur die „Deutsche Fussball-Liga“ (DFL) ist wild entschlossen, in der Bundesliga die Spielsaison 2019/2020 bis am 30. Juni 2020 zu beenden. Wenn schon „COVID-19“ nicht planbar ist, soll wenigstens den Klubs „Planungssicherheit“ garantiert werden, so die DFL dazu;
  • Staat: Siehe „Super-Staat“;
  • Statistik: In der „Corona“-Krise ist statistisches Material von vordergründiger Bedeutung und bildet zudem die Grundlage für die Entscheidungen der politischen Führung, welche den Kampf gegen das Virus führen müssen. Nicht wie im Sport, bei dem Statistiken und Resultate untrüglich sind, muss man allerdings hinter den Wert und die Authentizität des nun permanent veröffentlichten Zahlenmaterials zu den „Corona“-Fällen ein zumindest kleines Fragezeichen setzen. Oder ist es wirklich eine reelle statistische Höchstleistung, dass uns China jeden Morgen kommunizieren kann, dass es im 1,4 Milliarden-Volk zu keiner, zu zwei oder zu mehr Ansteckungen gekommen ist?;
  • SuperStaat: Der Staat unternimmt alles für seine Bürger, um ihnen ein schönes Leben, Wohlergehen, Sicherheit und ein wirtschaftliches Auskommen zu garantieren. Noch nie war der Wohlfahrtsstaat derart „en vogue“ wie vor dem Ausbruch der Krise. Derzeit holen der Deutsche und der Schweizer Staat im Ausland festgesetzte Touristinnen und Touristen mit Sondermaschinen in ihre Länder zurück. Das gehört zum Grundrecht auf Feriengenuss, den letztlich der Sozial- und Lifestyle-Staat zu gewährleisten hat. Eigenverantwortung wird im „Super-Staat“ zum geschichtsträchtigen Fremdwort. Dass die Individualität bei diesem System des Neo-Kommunismus auf der Strecke bleiben wird und den Kollektivismus prävalieren lässt, ist folgerichtig, wird aber offenbar gewünscht;
  • Team: Dieser Begriff aus dem Sport wird komplementär im Zusammenhang mit dem derzeitigen Modewort „Solidarität“ verwendet. Mit sportlichen Maximen die Krise zu meistern ist etwa das sicher nicht unzutreffende Credo des Österreichischen Bundeskanzlers Sebastian Kurz. Ob es ihm letztlich gelingt, Österreich wie eine Sport-Mannschaft erfolgreich durch die Krise zu führen, wird sich zeigen;
  • Wirtschaft: Eine florierende Wirtschaft bildet das Rückgrat eines gesunden Staates. Seit knapp drei Wochen liegt sie in Trümmern, und zwar so, wie es nie hätte erwartet werden können. Offenbar trifft die bisher suggerierte Annahme nicht zu, dass wir, wie etwa in der Schweiz immer hochgehalten, in einem florierenden, wirtschaftlichen Umfeld leben. Das Gegenteil dürfte zutreffen: Wenn der Staat nach einem Stillstand der Wirtschaft nach wenigen Tagen gleich Dutzende von Milliarden zur Rettung von abgebrannten Unternehmen zur Verfügung stellen muss und das Füllhorn permanent über diesem Pleite-Segment ausschütten muss, war wohl alles eher ein Potemkinsches Dorf denn ein Wirtschaftsmärchen, bezüglich dem das Gefühl vorherrschte, es sei wahr. Letztlich basierte die Wirtschaft auf dem System „Leben auf Pump“ (die Bürger verhalten sich so, wie es der Staat vorlebt), das die Grundlage für noch mehr Umverteilung bildet. Diese Mentalität wird mit dem „Giesskannen-Prinzip“ fortgeführt. Letztlich ist auch Friedrich Schiller („Der kluge Mann baut vor“ – er meinte damit wohl auch die Frauen) längst Geschichte. Der „Super-Staat“ richtet es, dass noch der grösste wirtschaftliche Versager oder jeder arbeits-immune Mensch zu seinem Geld kommt. Das Geld über die Bürger regnen zu lassen und dieses so umzuverteilen bringt den Trend-Politikerinnen und Politikern selbstverständlich Goodwill und Wählerstimmen. Die „Giesskanne“, die im Moment permanent geleert und wieder und wieder und immer mehr nachgefüllt und letztlich über (fast) alle ausgeschüttet wird, dürfte von nachhaltigem Charakter sein; und eignet sich zur Umsetzung von entsprechenden Ideologien bestens. Wetten, dass nach ausgestandener Krise, wenn die Wirtschaft in Trümmern liegt, der „Super-Staat“ umgehend ein bedingungsloses Grundeinkommen für alle bereit hält? Dass sich dieses System (auch) für die Lenker und Leiter des Staates lohnt, hat der Weltfussballverband mit Sitz in Zürich vorexerziert, und daran orientiert sich z.B. die Schweizerische Regierung: Jeder Geldregen bringt Wählerstimmen. Politik findet eben auch in Krisenzeiten statt. Ein Positivum ist an der ganzen Geschichte zu vermerken: Die unsägliche „Compliance“, mit der vor allem Bürgerinnen und Bürger in den letzten Jahren insbesondere durch Banken und Versicherungen genervt und schikaniert wurden, ist nur noch ein Fremdwort (vgl. dazu für den Sport: „Compliance: Auch ein Thema für Sportverbände und andere Vereine? – Das Beispiel FIFA“, in: Causa Sport, 3/2017, 208 ff.);
  • Zukunft: Auch diese aktuelle Krise, der Krieg gegen einen unsichtbaren Feind, wir dereinst beendet sein. Was wird bleiben und was wird aus dem Trümmerhaufen, den das „Corona“-Virus verursachen wird, spriessen? Vielleicht eine (erneute) Umwertung der Werte. Sicher wird eine Folge der Krise ein neu aufgelegter Klassenkampf sein, welcher der Freizeit- und Lifestyle-Gesellschaft ein bedingungsloses Grundeinkommen bescheren dürfte. Die im Gange befindliche und durch „Corona“ befeuerte Umverteilung wird durch die Krise weitere Ausmasse annehmen. Aus den Tendenzen, die sich in der aktuellen Situation ausmachen lassen und die an sich einen ausserordentlichen Zustand in einer Krisenzeit darstellen, lässt sich das Fazit ziehen, dass dieses aktuelle Faktum zur Normalität wird. Das Modell des „Super-Staates“ wird realisiert werden im Sinne eines Neo-Kommunismus, der allen Bürgern weiterhin wirtschaftliche Sicherheit, aber auch Einschränkungen der individuellen Bewegungsfreiheit bringen wird. Noch nicht ganz klar ist, wie ein solches Modell finanziert werden soll. Aber das sollte für einen „Super-Staat“ auch kein Problem sein. Auch der organisierte Sport wird sich nach der Krise neu positionieren und dem Trümmerfeld nach „Corona“ wie Phönix aus der Asche entsteigen.

(Autor: Prof. Dr. iur. Urs Scherrer)