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Ein Fussball-Klub ausser Rand und Band – weshalb der Grasshopper Club Zürich „taucht“

(causasportnews / red. / 23. Mai 2019) In der laufenden Fussball-Meisterschaft der obersten Spielklasse (Super League) in der Schweiz sind alle Entscheidungen gefallen. Dass die Young Boys aus Bern nach der letzten Saison heuer erneut Meister wurden, erstaunt nicht besonders, und dass das „Produkt Fussball“ in dieser Form immer mehr Lebhaberinnen und Liebhaber nicht nur auf dem mit Freizeit-Alternativen reich gesegneten Platz Zürich verliert, war vorgezeichnet. Sinnigerweise beherrschte ein Thema die Szene – aber auch das nur unaufgeregt und teils marginal: Der Abstieg des einst renommierten Zürcher Grasshoppers Fussball-Club (GC) in die zweitoberste Spielklasse war der Paukenschlag des Fussballjahres 2018/19 aus der Limmat-Stadt, mit dem zwar seit Beginn der Saison im letzten Sommer gerechnet werden musste, was aber letztlich doch niemand ernsthaft glauben mochte. Die Szene beherrschten dabei nicht die hilflosen Zürcher Fussballspieler, sondern üble „Fans“ aus dem Umfeld des „GC“. Querelen im Aktionariat der Kapitalgesellschaft des Klubs, Misstöne zuhauf im Management, ein Präsidentenwechsel mit Getöse während der laufenden Meisterschaft, das unsägliche wirtschaftliche und sportliche Diktat bejahrter Männer im und um den Klub sowie finanzielle Sorgen prägten das triste Bild – ein Klub ausser Rand und Band also. Der jahrzehntelang gefeierte Fussball-Rekordmeister, der nun mit einem Rekord-Punkterückstand die gloriose Klubgeschichte mit 27 Meistertiteln vergessen liess, erntet nur noch Mitleid. Nicht einmal mehr das Mitleid des Stadt-Rivalen FC Zürich ist dem in diesem Auslaufmodell vom ehemaligen Hardturm-Stadion gewiss. Sogar das Leitmedium des einstigen „Nobel-Klubs“, die „Neue Zürcher Zeitung“, hat resigniert und übt sich, wie immer bei solchen Konstellationen, in wissenschaftlicher Ursachenforschung. Und diese fällt auch im Weltblatt von der Zürcher Falkenstrasse desaströs aus. Ob der Fall des Klubs mit dem teils problematischen Fan-Block zusammenhängt oder ob sich die Führung der Fussballsektion vermehrt in Management-Kurse begeben sollte, ist eine Teil-Erklärung für den sportlichen Fall in die fussballerische Bedeutungslosigkeit der Challenge League. Wahrscheinlich hat sich das seit weit mehr als 50 Jahren bewährte GC-Modell mit den Grundpfeilern starke Wirtschaft, starke (sport-)politische Position, hervorragende mediale Vernetzung einfach überlebt. So, wie sich die Wirtschaft, die (Sport-)Politik und die Medien verändert haben. Realistischerweise müssten gleich mehrere Wunder geschehen, wenn sich der Klub in der kommenden Saison wieder in die oberste Spielklasse dribbeln könnte. GC muss vielmehr aufpassen, nun nicht nach unten durchgereicht zu werden. In Deutschland erinnert der Hamburger SV an das Schicksal der Fussballspieler des GC. Vor einem Jahr tauchten die Norddeutschen erstmals nach rund 55 Jahren in der 1. Bundesliga – und schafften heuer den sofortigen Wiederaufstieg nicht mehr.

(Mehr zum Thema in der nächsten Ausgabe von „Causa Sport“ 2/2019 – erscheint am 30. Juni 2019)

Rad-WM 2024 in Zürich – unter besten Vorzeichen

(causasportnews / red. / 17. März 2019) Was auf den ersten Blick sensationell anmutet, ist bei genauerer Betrachtung als logische Entwicklung zu sehen: In Zürich wird im Jahr 2024 die Rad-WM ausgetragen. Die Bundeshauptstadt Bern hat sich ebenfalls für die Übernahme dieses Grossanlasses in Stellung gebracht, doch nun erfolgte der Zuschlag an Zürich diskussionslos (vgl. hierzu auch causasportnews vom 21. Februar 2019). Dafür, dass Zürich den Event austragen darf, lassen sich nun die Zürcher Politiker/innen feiern. Das Bekenntnis zur WM 2024 erfolgte jedenfalls durchwegs und über alle Parteigrenzen hinaus einhellig. Was hat den Ausschlag dafür gegeben, dass mit seltener Einigkeit ein derartiger Grossanlass nach Zürich geholt werden konnte?

Zürich, das Herz der helvetischen Finanzdienstleistungsaktivitäten, ist zwar krass sozialistisch geprägt und geführt, hat sich aber in den letzten Jahren zur Event- und Party-Stadt gemausert; ähnlich wie beispielsweise Berlin. Da darf dann schon auch einmal ein Sport-Grossereignis nicht fehlen. Eine Rad-WM passt geradezu ideal zu Zürich. In der Stadt verfügen die Velofahrer/innen über Kultstatus; sie sind den Fussgänger/innen massiv überlegen. Wer sich dem Velofahren verschreibt, ist auf dem Weg zum zwinglianischen Himmel beinahe schon ganz oben angelangt. Radfahren ist umweltverträglich; deshalb liegt dieses lautlose Fortbewegungsmittel in der Gunst der Zürcher/innen weit vor jeder umweltbelastender Mobilität; Autofahrerinnen und –fahrer geben zwischenzeitlich die idealen Feindbilder ab. Der Kampf zwischen lautlosen, umweltschonenden Velocyclisten und umweltbelastenden Auto-Fans ist in Zürich längst entschieden. Und zwar so, dass künftig nicht einmal mehr ein Formel-E-Rennen an der Limmatstadt ausgetragen werden kann; dieses erstmals im vergangenen Jahr durchgeführte Spektakel erfährt die zweite Auflage in…Bern!

So freut sich derzeit die grün-rote Stadt Zürich geradezu überschwänglich darüber, dass 2024 ein grosser Sportanlass ohne Negativpunkte durchgeführt werden kann. Bis dann wird es zweifelsfrei möglich sein, eine Rad-WM ohne lärmigen, motorisierten Begleit- und Werbetross durchzuführen; die Teilnehmer/innen am Riesen-Spektakel werden eh mehrheitlich mit dem Fahrrad anreisen und umweltschädigende Pet-Flaschen und leere Red Bull-Büchsen sachgerecht entsorgen. Auch die Gefahr, dass gedopte Akteure vom Rad fallen werden, wird bis dann praktisch gebannt sein – wie auch die ganze Dopingproblematik dann nur noch, wie es seitens der Politik in Deutschland eingeschätzt würde, ein „Vogelschiss“ im sport-historischen Kontext abgeben wird. Eine Gefahr ist allerdings mit Blick auf 2024 nicht zu verkennen: Bis dann werden auch die Radfahrer/innen in der Gunst der Allgemeinheit an Goodwill eingebüsst haben. Der Trend wird in Richtung „Fussgänger/innen über alles“ gehen. Am Freitagmittag ist diese Tendenz in Zürich manifest geworden: Die Zukunft gehört einzig und alleine den Fussgängern! Die Jugend will (verständlicherweise) ein Zeichen setzen und ordnet dem Klimaschutz alles unter. Mehrere tausend Schülerinnen und Schüler verlangten an einer Klimaschutz-Demo u.a. in Zürich: „ Netto null Emissionen bis 2030“. Klar, wenn nun die Jugend darauf verzichtet, von den Eltern in Autos vor die Schulhäuser gekarrt zu werden, nur noch im Inland Ferien macht, auf Flugreisen jeglicher Art verzichtet und Schulabschlussreisen ab sofort zum Berner „Bärengraben“ und nicht mehr nach London, Stockholm oder Madrid führen werden, kann der Sport nicht abseits stehen. So steht die Durchführung der Rad-WM 2024 mit seinen ökologisch belastenden Begleiterscheinen in der rot-grünen Stadt Zürich mit der bekanntlich konsequenten Jugend wohl eher auf wackligen Beinen. Allerdings kann bis in fünf Jahren noch vieles geschehen – und sich ändern.

Sport ist auch Politik – diesmal zu Gunsten der Rad-WM

(causasportnews / red. / 21. Februar 2019) Grosse Sportveranstaltungen haben es gemeinhin schwer, einigermassen passable Austragungsorte und -bedingungen zu finden. Es müssen nicht einmal Gross-Events, wie Olympische Spiele, Fussball-Weltmeisterschafts-Endrunden oder tatsächlich oder vermeintlich umweltbelastende Veranstaltungen sein. Oft erwächst auch bescheideneren Anlässen Opposition, wenn es etwa um Austragungsmodalitäten geht. Fand letztes Jahr ein an sich als umweltverträglich eingestuftes Elektro-Autorennen, ein sog. Formel-E-Rennen, in Zürich erfolgreich statt, so erwuchs dem (privat finanzierten) Anlass dennoch seitens des Zürcher Stadtrates derartige Opposition, dass dieser Grossanlass in diesem Jahr nun in Bern, eine ebenfalls dunkelrote Stadt, wirtschaftlich allerdings weit schwächer als Zürich, durchgeführt wird. Prinzipien sind Prinzipien – und Ideologien bleiben Ideologien. Geht es insbesondere um Autos oder vierrädrige Mobilität im Allgemeinen, verstehen die Politiker/innen in Zürich kaum Spass. Erstaunlich war, dass der Formel-E-Renn-Anlass überhaupt einmal in Zürich ausgetragen werden konnte; die privaten Initianten legten allerdings ein derartiges (organisatorisches) Tempo vor, dass die träge Politik nicht mehr dagegen steuern konnte. In dieser Stadt, in welcher der erste Reformator, Huldrych Zwingli, gross und berühmt wurde, bedeutet eben einmal soviel wie keinmal. Da verfügt die zweirädrige Mobilität in der von links dominierten Welt-Metropole an der Limmat einen anderen Stellenwert. Das Velo ist (fast) alles, die motorisierte Mobilität gilt als Teufels-Werk. Zürich ist längst das Miniatur-Peking Europas geworden – vor allem, was die nicht-motorisierte Zweirad-Politik anbelangt. Deshalb erstaunte es nur bedingt, dass kürzlich das Zürcher Stadtparlament einen Betrag von rund acht Millionen Franken bewilligte, um die Rad-Strassen-Weltmeisterschaft 2024 nach Zürich zu holen. In der zwinglianisch geprägten Stadt, in der mehr Radwege unvermindert ge- und Strassen permanent abgebaut werden, verfügen Grossanlässe im Zusammenhang mit dem Velo über jeglichen, nicht nur finanziellen, Kredit. Bemerkenswert ist allerdings, dass sich auch die (in krasser Minderheit befindlichen) bürgerlichen Parteien positiv zu dieser Kreditvorlage äusserten und entsprechend bei der Beschlussfassung votierten. Für einmal herrschte im dunkelroten Zürich Einigkeit über alle Parteigrenzen hinweg. Offensichtlich wollte sich das bürgerliche Lager bewusst nicht gegen die Umsetzung des Grundsatzes „Brot und Spiele“ im Rahmen dieses Velo-Projektes stemmen; gegen eine Rad-WM zu sein, bringt zweifelsfrei keine Wähler-Stimmen. So wird Zürich wohl gute Chancen haben, mit staatlicher Finanzspritze eine umweltverträgliche Gross-Veranstaltung an die Limmat zu bringen. Dass die Kreditvorlage derart klar angenommen wurde, dürfte allerdings auch einer gewissen Unwissenheit zuzuschreiben sein. Der Begleittross im Rahmen von einzelnen Radsport-Veranstaltungen kann in der Regel nicht gerade als ökologisch verträglich qualifiziert werden. Derartiges entzieht sich aber dem TV-Konsumenten.