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Auch der Sportwettenmarkt kollabiert

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(causasportnews / red. / 26. April 2020) Niemand weiss es genau, doch die Schätzungen decken sich in etwa: Mit Sportwetten werden im offiziellen, legalen oder „weissen“ Markt pro Jahr weltweit gegen 500 Millionen US-Dollars umgesetzt – Tendenz steigend. So war es jedenfalls bis jetzt, genauer vor „Corona“. Nun ist dem Markt, der vor allem online boomt, innert weniger Wochen die Grundlage entzogen worden. So gibt es kaum mehr Fussballspiele, auf die gewettet werden könnte, ausser etwa in wenigen autonom gewordenen Ländern der ehemaligen Sowjetrepublik. Fussballspiele machen den Hauptteil des Sportwettenmarktes aus. Aber weil auch sonst der Sport zur Passivität verurteilt ist, bleiben Wettfreudigen nur noch wenige Segmente. Aber auf Sieg oder Niederlagen von Schachweltmeister Magnus Carlsen zu setzen, ist auch nicht die Sache einer jeden Wetterin oder eines jeden Wetters. Das Deutsche Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ hat soeben kalkuliert, dass der Sportwettenmarkt in Deutschland regelrecht kollabiert ist: Nur noch 10% betragen derzeit die Wetteinsätze in Deutschland. Die Wetteinsätze beliefen sich 2019 immerhin auf 9,3 Milliarden Euro („Der Spiegel“, 18/25.4.2020). Auch im Schweizer Sportwettenmarkt wird von verhältnismässig ähnlichen Umsatzzahlen ausgegangen. Der „Sporttip“ verzeichnete vor „Corona“ Wetteinsätze von ungefähr einer Million Franken pro Wochenende; jetzt sind es kaum mehr 100 000 Schweizer Franken. Dank den Sportwettenerträgen flossen in der Schweiz 2019 134 Millionen Franken in den Sport.

Der Kollaps des Sportwettengeschäfts bzw. der Entzug der Geschäftsgrundlage dieses Wertschöpfungssegments begünstigen erwartungsgemäss auch kriminelle Elemente. So treiben derzeit Betrüger ihr Unwesen, denen es gelingt, unmittelbar oder mittelbar etwa Fussballspiele anzubieten, die gar nicht ausgetragen werden. Diese „ghost matches“ werden demnach entweder gar nicht gespielt, oder sie werden so angelegt, dass ein bestimmter Verlauf oder ein bestimmtes Ergebnis vorgegeben ist und die Drahtzieher diese Konstellation im Rahmen von Wetten ausnützen. Bei diesen manipulierten Sportwetten sind die Betrüger die pekuniären Sieger. Das alles hat in der Regel mit der Integrität des Sportes nichts zu tun, sondern es geht meistens um organisiert Banden-Kriminalität. Nur wenn Protagonisten des Sports bei Sportmanipulationen durch Beeinflussung z.B. eines Spiels aktiv werden, ist der Sport in seiner Integrität betroffen. Alle andern Aktivitäten gehören in den Ermittlungsbereich der staatlichen Strafverfolgungsbehörden. Ein derartiges Verfahren läuft im Moment in Kiew. Geht es um den sportlichen Integritätsschutz, sind die Sportorganisationen und –verbände ebenfalls gefordert. Auch in Bezug auf den Sportwettenbereich. Nachdem Manipulationen des Sports durch Protagonisten aus dem Sport nicht mehr die gleiche Bedeutung und Brisanz aufweisen wie etwa der Fussball nach dem „Hoyzer-Skandal“ in Deutschland (2005), sind die Sportorganisatoren der Verbände in den letzten Jahren bezüglich des Sport-Integritätsschutzes nachlässiger geworden. Immer mehr bilden deren Aktivitäten zum Schutz des Sports lediglich „Feigenblätter“, so etwa dann, wenn im Auftrag von Sportverbänden Überwachungsgesellschaften auch als Datenlieferanten für die Wettindustrie tätig sind.

Der Sportwettenmarkt boomt

(causasportnews / red. / 10. Februar 2020) Diese Zahlen lassen aufhorchen, überraschen oder verblüffen jedoch nicht: Auch im Jahr 2019 hat der (nachvollziehbare, legale) Sportwettenmarkt zugelegt – weltweit und nun nachweislich in Deutschland. Gemäss jüngst veröffentlichten Zahlen des deutschen Bundesfinanzministeriums ist der Sportwettenmarkt im Jahr 2019 im Vergleich zum Vorjahr erneut massiv gewachsen. In einem Jahr ohne grosse Fussballereignisse (Weltmeisterschaft, Europameisterschaft) haben Wettkunden in Deutschland rund 9,3 Milliarden Euro an Wetteinsätzen getätigt. Gegenüber 2018 bedeutet dies ein Umsatzwachstum von 21 Prozent. Der Präsident des 2014 gegründeten Deutschen Sportwettenverbandes (DSWV); Matthias Dahms, hat sich zu diesem Sportwetten-Boom geäussert und festgehalten: „Die Sportwette ist in Deutschland angekommen und zur beliebten Freizeitbeschäftigung avanciert.“. Er wies in diesem Zusammenhang auch darauf hin, dass Sportwettenanbieter 2019 in Deutschland immerhin eine halbe Milliarde Euro an Sportwettensteuern abgeführt hätten.

Diese Zahlen betreffen selbstverständlich nur den regulierten, „weissen“ oder „legalen“ Markt. Experten gehen davon aus, dass weltweit in den legalen und illegalen Sportwettenmärkten pro Tag mehr als eine Milliarde Euro umgesetzt werden – Tendenz steigend.

Nach jahrelangen, politischen Diskussionen läuft seit Anfang 2020 in Deutschland das bundesweite Erlaubnisverfahren für Sportwettenanbieter. Die Rede ist derzeit von rund 45 Anträgen, die gestellt worden sein sollen. Die ersten Erlaubnisse sollen bereits im Frühjahr erteilt werden.

Tip(p): Mit Sportwetten und weiteren Geldspielthemen wird sich am 5. November 2020 in Zürich eine Veranstaltung des „Swiss Sport Forums“ befassen (mit Fokussierung insbesondere auf die Märkte in Deutschland, in Österreich, in Liechtenstein und in der Schweiz (mehr dazu demnächst auf http://www.swisssportforum.ch).

Betrügereien im Zusammenhang mit Sportwetten – was jeweils übrigbleibt…

(causasportnews / red. / 11. Juni 2019) Während Jahren wurde die Öffentlichkeit durch Meldungen aufgeschreckt, die Betrügereien im Sport im Zusammenhang mit Sportwetten zum Gegenstand hatten. In schlechtester Erinnerung ist der „Fall Hoyzer“: Ein junger deutscher Schiedsrichter „verpfiff“, instrumentalisiert von organisierten Betrügern, im Jahr 2004 u.a. die Pokal-Partie zwischen dem damaligen Drittligisten SC Paderborn und dem stolzen Bundesliga-Vertreter Hamburger Sport-Verein (HSV). Das Spiel endete mit einem Sensationssieg der Unterklassigen, doch schon während der Partie wurde manifest, dass hier etwas nicht stimmte. Relativ schnell flog der Betrug auf; Schiedsrichter Robert Hoyzer manipulierte das Spiel und kassierte dafür ein paar tausend Euro und einen Flachbildschirm. In der Folge wurden vor allem die Sportverbände bezüglich Spiel-Manipulationen im Zusammenhang mit Sportwetten auf derartige Manipulations-Phänomene sensibilisiert und organisierten teils Frühwarnsysteme, über deren Wert und Effizienz die Meinungen auseinandergehen. Meistens wurden nach der „Affäre Hoyzer“ Spiel-Manipulationen im Zuge allgemeiner polizeilicher Ermittlungen publik, und es konnten teils Betrüger überführt und verurteilt werden. Apropos HSV und SC Paderborn: Heute wäre ein Sieg der Paderborner gegen die Hamburger keine Sensation mehr – im Gegenteil: Der HSV wird auch in der nächsten Saison in der 2. Bundesliga spielen, während der SC Paderborn in der obersten Bundesliga-Spielklasse tätig sein wird.

Die ganz grossen Zeiten von Sport-Manipulationen im Zusammenhang mit Sportwetten scheinen im Moment vorbei. Ein Vorgang aus der Schweiz im Herbst des letzten Jahres warf allerdings (vorübergehend) grosse Wellen: Das Cup-Spiel des FC Klingnau gegen den FC Bramois, das total überraschend 7 : 0 für die schwächer eingestuften Aargauer aus Klingnau ausging, soll manipuliert worden sein. Die Anzeichen einer Spielmanipulation bewog die Sportwetten-Anbieterin „Loterie Romande“ jedenfalls, die Wetten betreffend dieses Spiels auszusetzen (causasportnews vom 11. September 2018). Die gross angekündigten Untersuchungen insbesondere seitens des Westschweizer Sportwetten-Anbieters im Nachgang zu diesem Spiel förderten dann allerdings nichts Zählbares zu Tage. Die von „causasportnews“ kontaktierte „Loterie Romande“ mochte sich jedenfalls zu diesem Spiel nicht mehr äussern. Die Sportwettenaufsichtsbehörde „Comlot“ bestätigte hingegen auf Anfrage, dass sich der Sachverhalt durch nicht marktgerechte Quoten erklären liess, während keine konkreten Hinweise auf eine Manipulation des Wettkampfs vorlagen.

Anders kürzlich in Spanien: Im Rahmen einer Polizeiaktion wurden zahlreiche Protagonisten aus dem spanischen Fussball der Spielmanipulation im Zusammenhang mit Sportwetten verdächtigt und teils verhaftet. Betroffen sind gleich mehrere Kluborgane und Klubs (so etwa Real Valladolid und SD Huesca) sowie einige prominente Spieler (z.B. Raul Bravo, ehemaliger Spieler von Real Madrid). Die Rede ist von Auffälligkeiten in 18 Spielen, die mit Sportwetten in Zusammenhang stehen sollen. Schon im Februar kam es in Spanien zu einer Verhaftungswelle. Dabei sollen Wetten in China platziert und Spiele der dritten und vierten Spielklasse in Spanien manipuliert worden sein. So funktioniert der internationale Betrug im Sport noch immer.