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„Adidas“: Keine Empathie – keine „cojones“

© Anton Pinchuk

(causasportnews / red. / 7. April 2020) Im Zeitalter der über die Welt hereingebrochenen Pandemie wird das wahre Gesicht des Menschen sichtbar. Es gibt viele, die sich selbstlos in den Dienst der nun beschworenen Gemeinschaft stellen; und es gibt andere, deren Anlagen im Elend schonungslos transparent werden. Zu letzterer Gattung gehört offensichtlich der allmächtige Herrscher des Sportartikelkonzerns „Adidas“. Der 58jährige Däne Kasper Rorsted ist seit 1. Oktober 2016 Vorstandsvorsitzender des Sportartikelkonzerns Adidas AG. Er hat seinen Job angetreten, um alles der Unternehmens-Gewinnmaximierung unterzuordnen; das ist ihm auch einigermassen gelungen. „Adidas“ boomt und wächst seit der Kommandoübernahme des Dänen an (fast) allen Fronten. Nicht ganz überraschend hat der Top-Manager, der sich vorher beim Henkel-Konzern im wahrsten Sinne des Wortes einen Persilschein für unternehmerisches Können im Sinne des „Shareholder value“ und anderer ökonomischer Glanzleistungen erworben hat, im Zuge der „Corona“-Krise angeordnet, dass „Adidas“ für den April keine Mietzinse mehr für Läden, deren Schliessung wegen der „Corona“-Krise verfügt wurde, bezahlen würde (causasportnews vom 30. März 2020). Nach dieser Ankündigung und der damit verbundenen „Bestrafung“ Unschuldiger ging über dem Superstar mit dem Sensorium ähnlich des dänischen Kochs in der Muppet Show ein Shitstorm nieder; eigentlich war es nur ein „Stürmchen“, denn „Adidas“ wird als guter Werbekunde in den Medien pfleglich behandelt. Bereits die Ankündigung von Kasper Rorsted, keine Mietzinse mehr zu bezahlen, fand in der konventionellen Presse nur ein bescheidenes Echo. Umso mehr gerieten die neuen Medien in Wallung. Nun krebste der Top-Shot aus Herzogenaurach unter diesem Druck zurück und liess (!) kleinlaut verkünden, „Adidas“ würde die April-Mietzinsen jetzt doch bezahlen. Das alles wurde vom „Adidas Team“ letzte Woche kommuniziert; der Manager versteckte sich plötzlich in der Anonymität der „Mannschaft“ – was an sich verwunderlich ist. Und es bleibt die unbeantwortete Frage im Raum stehen, weshalb „Adidas“ und der empathielose Vorstandsvorsitzende sich nicht eines im Sport gebräuchlich gewordenen Ausdrucks erinnerten: cojones!