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„Swiss Sport Forum“ und „NZZ“ im Medienknatsch

Foto: Mano Reichling
Paul Breitner am „Swiss Sport Forum“ vom 28. Februar 2019 im FIFA-Museum in Zürich; Foto: Mano Reichling

(causasportnews / red. / 23. April 2020) Im Nachgang zur Veranstaltung des „Swiss Sport Forums“ vom 28. Februar 2019 im FIFA-Museum in Zürich, an der u.a. aus Deutschland Paul Breitner, Reiner Calmund und Teresa Enke teilnahmen, wurde zwischen dem Veranstalter und der „Neuen Zürcher Zeitung“ (NZZ) vereinbart, dass die Zeitung mit Fussball-Weltmeister Paul Breitner ein Exklusiv-Interview führen könne, jedoch darauf hinweisen würde, dass das Interview am 28. Februar 2019 anlässlich der Tagung im FIFA-Museum geführt worden sei. Die „NZZ“ unterliess jedoch bei der Publikation in der Print-Ausgabe vom 13. März 2019 den Hinweis darauf, wo das Interview geführt wurde. Auf Intervention des „Swiss Sport Forums“ brachte dann die „NZZ“ in der online-Ausgabe diesen Hinweis; „Swiss Sport Forum“ verlangte vergeblich vereinbarungsgemässe Erfüllung der getroffenen Abmachung und den Hinweis im Print-Medium.- Der Presserat, das selbsternannte Selbstregulierungsorgan für medienethische Fragen in der Schweiz, befand, dieses Verhalten der „NZZ“ sei fair (gewesen).

Das am 28. Februar 2019 geführte und am 13. März 2019 in der „NZZ“ veröffentlichte Interview begann mit dieser Frage: „Herr Breitner, freuen Sie sich auf das Spiel Bayern – Liverpool heute Abend?“. Es wurde somit suggeriert, das Interview habe aktuell, kurz vor diesem Spiel am 13. März 2019, stattgefunden.- Der Presserat befand, es sei korrekt und fair, dass die Leserschaft in den Glauben versetzt worden sei, das Interview zwischen Paul Breitner und der „NZZ“ sei kurz vor dem wichtigen Spiel in München geführt worden und nicht zwei Wochen zuvor im FIFA-Museum.

Moral nach der Stellungnahme des Presserates: Ethik kennt keine Verfahrensordnung. Und: Ein Schelm, der denkt und glaubt, die „NZZ“ habe den Hinweis auf den Interview-Ort (FIFA-Museum in Zürich) bewusst deshalb „vergessen“, weil der Weltfussballverband FIFA vom selbsternannten Qualitäts-Weltblatt, das vor allem in letzter Zeit immer wieder betont, dass sie zur medialen Liga des „Qualitätsjournalismus“ gehöre, in Zürich permanent unter Beschuss genommen wird.

Lehre aus der Geschichte: Das Pharisäertum weist zumindest auch eine ethische Komponente auf…

Mehr dazu (auch die Stellungnahme des Presserates im Wortlaut) auf der Homepage von „Swiss Sport Forum“ (www.swisssportforum.ch) und später in Heft 2/2020 von „Causa Sport“ (erscheint am 30. Juni 2020).

Der Sportwettenmarkt boomt

(causasportnews / red. / 10. Februar 2020) Diese Zahlen lassen aufhorchen, überraschen oder verblüffen jedoch nicht: Auch im Jahr 2019 hat der (nachvollziehbare, legale) Sportwettenmarkt zugelegt – weltweit und nun nachweislich in Deutschland. Gemäss jüngst veröffentlichten Zahlen des deutschen Bundesfinanzministeriums ist der Sportwettenmarkt im Jahr 2019 im Vergleich zum Vorjahr erneut massiv gewachsen. In einem Jahr ohne grosse Fussballereignisse (Weltmeisterschaft, Europameisterschaft) haben Wettkunden in Deutschland rund 9,3 Milliarden Euro an Wetteinsätzen getätigt. Gegenüber 2018 bedeutet dies ein Umsatzwachstum von 21 Prozent. Der Präsident des 2014 gegründeten Deutschen Sportwettenverbandes (DSWV); Matthias Dahms, hat sich zu diesem Sportwetten-Boom geäussert und festgehalten: „Die Sportwette ist in Deutschland angekommen und zur beliebten Freizeitbeschäftigung avanciert.“. Er wies in diesem Zusammenhang auch darauf hin, dass Sportwettenanbieter 2019 in Deutschland immerhin eine halbe Milliarde Euro an Sportwettensteuern abgeführt hätten.

Diese Zahlen betreffen selbstverständlich nur den regulierten, „weissen“ oder „legalen“ Markt. Experten gehen davon aus, dass weltweit in den legalen und illegalen Sportwettenmärkten pro Tag mehr als eine Milliarde Euro umgesetzt werden – Tendenz steigend.

Nach jahrelangen, politischen Diskussionen läuft seit Anfang 2020 in Deutschland das bundesweite Erlaubnisverfahren für Sportwettenanbieter. Die Rede ist derzeit von rund 45 Anträgen, die gestellt worden sein sollen. Die ersten Erlaubnisse sollen bereits im Frühjahr erteilt werden.

Tip(p): Mit Sportwetten und weiteren Geldspielthemen wird sich am 5. November 2020 in Zürich eine Veranstaltung des „Swiss Sport Forums“ befassen (mit Fokussierung insbesondere auf die Märkte in Deutschland, in Österreich, in Liechtenstein und in der Schweiz (mehr dazu demnächst auf http://www.swisssportforum.ch).

„Swiss Sport Forum“: Zwischen „Schmarrn“ und Tragik

Foto: Mano Reichling
Foto: Mano Reichling

(causasportnews/red /4. März 2019) Standortbestimmung im Sport, insbesondere im organisierten Fussball – Diese Thematik stand beim diesjährigen „Swiss Sport Forum“ im Fifa-Museum in Zürich (Generaltitel «Sport on the move») im Zentrum (vgl. auch http://www.swisssportforum.ch). Fussball- und Gastro-Experte Reiner Calmund belegte in seinem Referat im ausverkauften Veranstaltungsraum, dass der Spiel-Kalender im Fussball derzeit massiv überladen sei. Der Saarländer sprach sich gegen die Einführung neuer, internationaler Wettbewerbe aus: „Jetzt ist genug!“, donnerte er in den Saal. Eine Aussage, die bei seinem Landsmann Paul Breitner eine heftige Reaktion provozierte. Der Weltmeister von 1974 konterte in seiner gewohnt unverblümten Art: „So ein Schmarrn!“. Paul Breitner verwies auf seine Aktivkarriere und betonte, dass er und seine Kollegen Franz Beckenbauer, Berti Vogts & Co. einst für den FC Bayern über 90 Spiele pro Saison bestritten hätten – und keiner habe sich darüber beklagt. Seiner Meinung nach sei der Leistungs-Zenit noch längst nicht erreicht; und so machte er sich gleich auch für die Einführung neuer, weiterer Wettbewerbe stark: „Jeder Fussballer spielt lieber als zu trainieren. Es gibt doch nichts Schöneres als das Spiel.“. Weniger lautstark, aber ebenso emotional, wurde das Thema «Erfolg, Misserfolg und die Folgen» abgehandelt. Teresa Enke sprach offen den Suizid ihres Gatten Robert an. Der frühere Torhüter hatte sich vor bald zehn Jahren nach langer Depression vor einen Zug geworfen. Man müsse endlich erkennen, dass diese Krankheit schon längst im Spitzensport angekommen sei, betonte Teresa Enke, die im Rahmen ihrer Trauerbewältigung 2010 die «Robert-Enke-Stiftung» gegründet hatte. Bei Depressionen könnten tragische Ausgänge durchaus verhindert werden, meinte sie. Den Ausführungen der Witwe von Robert Enke schloss sich eine tiefschürfende Diskussion unter der Gesprächsleitung des Psychiaters Prof. Daniel Hell an: Dr. Urban Federer, Abt des Klosters Einsiedeln, und der aktuelle Schwingerkönig, Matthias Glarner, nahmen zur Thematik aus ihrer Sicht Stellung.

Der noch amtierende Präsident des Schweizerischen Fussballverbandes (SFV), Peter Gilliéron, zog bei seiner «Standortbestimmung Nationalmannschaft» eine grundsätzlich positive Bilanz. Der Berner, der im Sommer nach 26 Jahren Verbandstätigkeit zurücktreten wird, resümierte: „Vieles haben wir gut, weniges schlecht gemacht.“. Am Ende zählten letztlich nur die Resultate auf dem Spielfeld. Sorgen mit Blick auf die Medien und bezüglich der Sport-Berichterstattung machte sich Dr. Helmut Brandstätter bei seiner Analyse über den Ist-Zustand der Medien in einer buntgefächerten (Medien-)Landschaft. Der Herausgeber des Wiener „Kurier“ will diesbezüglich sogar eine „Verrohung der Sitten“ geortet haben. Es werde heutzutage im Medien-Geschäft kaum mehr richtig recherchiert, der Copy- und Paste-Journalismus sei zum beliebten Hilfsmittel auf den Redaktionen geworden. Mit dafür verantwortlich seien die sogenannten „neuen Medien“. Qualität stehe dort immer weniger im Vordergrund. Oft müsse man sich fragen, was überhaupt noch Journalismus sei. Sein „Kurier“ lasse sich von dieser Entwicklung nicht beeinflussen, versprach der Wiener Profi im Mediengeschäft mit internationaler Erfahrung: „Wir bleiben unser Philosophie treu: Wir schauen auch in Zukunft dahinter.“. Ein Fazit, das durchaus nach der Ausgabe 2019 des „Swiss Sport Forums“ zu ziehen ist. (Bericht: Andy Huber, Redaktor BR).