„Corona“- eine Krisen-Zwischen-Bilanz: „Dat ham wer uns so nich vorjestellt“

(causasportnews / red. / 3. April 2020) Im ersten Quartal 2020 im Allgemeinen und seit Mitte März im Besonderen hat „Corona“ das Leben der Menschen auf der ganzen Welt rigoros verändert; und wird nachhaltig Spuren hinterlassen. Teils Wahnsinns-Entwicklungen und Exzesse in allen Bereichen, in der Gesellschaft, im Staat, in der Politik und auch im Sport, hat die Natur gleich selber „reguliert“, d.h. gestoppt. Die Welt wird nach dieser Katastrophe nicht mehr dieselbe sein. Die flächendeckende Pandemie zeitigt auch verheerende Wirkungen auf den organisierten Sport, die globale Event- und Geldmaschinerie. Das Virus hat ihn gleich lahmgelegt wie weitgehend das Wirtschaftsleben. Ein Ende dieses Krieges gegen einen unbekannten Gegner ist nicht abzusehen. Nach Abschluss des ersten Quartals dieses Jahres, das wir als Freizeit- Spass- und Lifestyle-Gesellschaft noch vor etwas mehr als drei Monaten mit Hurra, Champagner und natürlich mit Party erwartungsvoll begrüsst haben, verlangt nach einer Bilanz per dato, die mit den Worten des ersten Deutschen Bundeskanzlers nach dem 2. Weltkrieg, Konrad Adenauer, so zusammengefasst werden könnte: „Dat ham wer uns so nich vorjestellt“. Drei Monate haben genügt, um wissenschaftliche Analysen, nicht nur im Bereich der Zukunftsforschung, zur Makulatur werden zu lassen. Das wissenschaftliche „Sezieren“ des (Zusammen-)Lebens und der Lebensbedingungen wird weitergehen, wenn auch auf aufgrund anderer Voraussetzungen. Insbesondere Soziologen sind im Moment gefragt wie schon lange nicht mehr. Die Formen des (künftigen) menschlichen Zusammenlebens auf diesem Planeten sollten, ja müssten, neu festgelegt werden. Negativ-Prognosen zu stellen ist derzeit jedoch so verpönt wie das Witze-Erzählen am Grab. Es liesse sich nun situations-adäquat Karl Marx bemühen, der sich auch in dieser Zeit seiner Worte an die Adresse von Ludwig Feuerbach erinnern würde: Es komme darauf an, die Welt zu verändern, und sie nicht nur verschieden zu interpretieren.- Die Veränderungen im Zuge von „Corona“ sind einschneidend und ohne menschliches Dazutun eingetreten. Was danach, nach Eintritt der Normalität, sein wird, steht in den Sternen und wird den Menschen fordern. Deshalb mit Blick in die Zukunft nachfolgend eine (unvollständige) Krisen-Zwischen-Bilanz in Stichworten, mit Bezug zum Sport und in alphabetischer Reihenfolge:

  • Applaus: Der Applaus ist das Lebenselixier insbesondere der Künstler und Sportler. Der Applaus ist auf Bühnen und in Sportstadien verebbt. Applaus ertönt nun anderweitig – grundsätzlich berechtigterweise: Es werden die Menschen in den Medizinalberufen beklatscht, Verkäufer, Chauffeure, Polizisten, usw. (es wird der Einfachheit halber hier die männliche Schreibweise verwendet; sie gilt auch für Frauen). Eigentlich beschämend: Diese Personengruppen machen Zeit ihres Lebens einen hervorragenden, soliden Job – meist zu schlechten, finanziellen Konditionen; nur in der Krise haben wir gemerkt, dass dies nicht selbstverständlich ist. Deshalb die momentane Dankbarkeit, die schon immer gerechtfertigt gewesen wäre. Noch vor wenigen Wochen waren Angriffe auf Rettungssanitäter, Feuerwehrleute und Polizeikräfte seitens des Party-Volkes in den Grossstädten an der Tagesordnung. Und diese Menschen beklatschen wir heute. Besonders peinlich berührt die derzeitige Medienkampagne eines Grossverteilers, der sich in TV-Spots lauthals individuell beim Personal für die geleisteten Einsätze bedankt. Heuchlerischer geht es fast nicht mehr: Dieses Personal muss sich permanent Minimal-Lohnbedingungen erkämpfen und wird auch sonst prestigemässig regelrecht vorgeführt. Und nun wird es vom eigenen Arbeitgeber abgefeiert für etwas, was diese Menschen tagtäglich leisten, für das sie jedoch geringgeschätzt werden und für das wir einfach undankbar sind;
  • Armee: Die „Corona“-Krise ist ein eigentlicher Krieg, und zwar ein „Bürgerkrieg“. Das unsichtbare Virus führt dazu, dass, ausgedrückt im Gebot des „Distanzhaltens“ der Mit-Bürger und Mitmensch zum „Feind“ mutierte. Ein solcher Krieg gegen einen nicht-wahrnehmbarem Feind im Umfeld des Menschen kann nicht durch politische Behörden effizient und zielsicher geführt werden. Dazu benötigt es eben militärisches „Knwo-how“. Nicht ganz zufällig ist in der Schweiz für den Schutz der Bürgerinnen und Bürger das Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS) zuständig. Militär und Sport stehen also mit Blick auf den Bevölkerungsschutz in Einklang. Zwischenzeitlich hat die Schweiz zur Bekämpfung der aktuellen Pandemie Teile der Armee aufgeboten. Diese unterstützt die zivilen Kräfte im Bereich der medizinischen Versorgung und leistet diverse weitere Assistenzdienste. Allerdings ist bei dieser Konstellation der Negativ-Umstand auffällig, dass in der Schweiz vor allem von Links, von „Grünen“ und von Kommunisten die Armee mit allen Mitteln, durchwegs sekundiert vom Schweizer Staatsfernsehen, bekämpft worden ist (Lieblingsstar dieser TV-Veranstaltungen war bis zum Ausbruch der Pandemie in Europa der Zuger Politiker Josef Lang, ein Gründungsmitglied der „Gruppe für eine Schweiz ohne Armee“). So leistet eine massiv „zahnlos“ gewordene oder gemachte Armee, die beschränkt einsatztauglich ist, nun Dienst wie noch nie seit dem Ende des zweiten Weltkrieges. Und alle sind deswegen froh;
  • Brot und Spiele: In Krisenzeiten, wie jetzt, steht als erstes Element das Überleben im Vordergrund. Der Mensch will auch im Katastrophenfall verpflegt sein. Gute Verpflegung ist der Indikator für Lebensstandard. Einstweilen zu kurz kommt das zweite, wichtige Element, welches das menschliche Leben lebenswert macht und zur Sicherung der Lebensqualität unabdingbar ist: Spiele, oder heute: Vor allem der Sport. Dieser wird im Moment zur „Auszeit“ gezwungen;
  • Europa: Die „Corona“-Krise ist zwar ein globales, weltumspannendes Phänomen. Deren Bekämpfung erfolgt jedoch mit politischen, nationalen Mitteln. Es kann dieses Fazit gezogen werden: Die derzeitige Krise ist national – jedenfalls wird sie rein national bekämpft. Nicht in Erscheinung tritt die „Europäische Union“ mit ihrer vielbeschworenen Solidarität, bzw. manifestiert sie nun ihre Bedeutungslosigkeit in Krisenzeiten. Noch schlimmer: Derzeit zoffen sich zum Thema „Eurobonds“ das bankrotte Italien und die europäische Leadernation, Deutschland. Ob die „Schönwetter“-Vereinigung EU“ nach der Krise noch Sinn macht, wird sich weisen. Grenzüberschreitend funktioniert hingegen der Sport – oder was von ihm übriggeblieben ist, insbesondere die Sportpolitik. Sogar das nicht gerade für Empathie bekannte Internationale Olympische Komitee (IOK) hat sich vor ein paar Tagen dem Internationalen Druck beugen müssen und die in Tokio vorgesehenen Olympischen Sommerspiele 2020 um ein Jahr verschoben. Das Unausweichliche im Auge haltend hat die Europäischen Fussballkonföderation UEFA dazu bewogen, die ebenfalls in diesem Jahr vorgesehene Fussball-Europameisterschaft an zwölf Standorten in Europa ebenfalls zu verschieben. PS: Die Schweiz ist bekanntlich nicht Mitglied der EU. Deshalb ist der kürzlich entbrannte Streit um die Einfuhr von Schutzmasken aus Deutschland in die Schweiz auch kein europarechtlich relevanter Tatbestand, sondern lediglich eine kleine Disharmonie unter Nachbarn;
  • Führung: Die Welt und die gegen das „Corona“-Virus ankämpfenden Länder (US-Präsident Donald Trump spricht richtigerweise ungeschminkt von einem „Krieg“ („war“; „the fight against the coronavirus“) können diesen Kampf effizient nur mit militärischen Mitteln gewinnen. Die politischen Leader sind ungeeignet, diesen Krieg zielgerichtet und adäquat zu führen, weil sie stets im Spannungsfeld zwischen (medizinischer) Notwendigkeit und wirtschaftlichem Opportunismus reagieren statt agieren (müssen). Ansatzweise kann Österreichs Bundeskanzler als positives Beispiel hervorgehoben werden. Das politische Naturtalent nutzt alle politischen Spielräume aus und beschwört als begnadeter Motivator den „Teamgedanken“ wie bei einer Sportveranstaltung („Team Österreich“). Welch‘ jämmerliches Bild geben da andere Regierungen ab! – Die Resultate sprechen für sich. Die Regierungen und Regierungschefs der Länder wollen für ihr Volk (und natürlich für sich) nur das Beste – und erreichen nicht selten das Gegenteil;
  • Krieg: Die Menschen auch in Europa befinden sich im Krieg gegen einen unsichtbaren Feind, der „Corona“-Virus heisst. Weil der Gegner nicht sichtbar ist, ist es schwer, wie sich der Mensch ihm gegenüber verhalten soll. In Anlehnung wohl an Bertold Brechts „Stell Dir vor, es sei Krieg, und keiner geht hin“, könnte die aktuelle Situation so auf den Punkt gebracht werden: „Stell Dir vor, es sei Krieg, und keiner sieht hin“ – vor allem deshalb, weil keiner den Feind sehen kann…;
  • Politik: Die Führung („Lead“) in der jetzigen Krise liegt bei der Politik, was äusserst problematisch ist. Die Entscheide der führenden Politikerinnen und Politiker bei der ideologisierten Krisenbekämpfung orientieren sich stets an politischen Zielen und wirtschaftlichen Wünschen. Statt effiziente, medizinisch gebotene Massnahmen gegen die Verbreitung der Pandemie anzuordnen und umzusetzen, hat sich die Schweizerische Regierung in einen Infight mit den Kantonen (vor allem Uri und Tessin) begeben. Föderalistisch Grundprinzipien aufrecht zu erhalten sind wichtiger als die Bekämpfung der Seuche. Apropos Tessin: Aus wirtschaftlichen Gründen hat es die Schweizer Regierung unterlassen, rechtzeitig die Grenze zwischen der Schweiz und Italien dichtzumachen – mit verheerenden Folgen. Im Übrigen vgl. „Wirtschaft“;
  • Solidarität: In Krisenzeiten, wie jetzt, wird SOLIDARITÄT grossgeschrieben. Das an sich hehre Prinzip funktioniert aber (oft vermeintlich) nur in Ausnahmesituationen. Der moderne Mensch ist individualistisch, egoistisch und eigennützig strukturiert und verhält sich auch so. In der Krise wird aus Not zusammengerückt und die Gemeinsamkeit, um die Katastrophe zu meistern, beschworen (das wird auch als „Ingerenzprinzip“ verstanden [letztlich ist bis anhin unbekannt, wie das Virus losgetreten worden ist; es gibt im Moment keine Schuldigen, was für eine Krise relativ selten ist]). Solidarität im Sport-Business besagt etwa folgendes: Vier Top-Klubs der Deutschen Bundesliga helfen in der Not den serbelnden Vereinen. Sie wollen aktuell 20 Millionen Euro in einen „Solidartopf“ einschiessen. Eine löbliche Geste, allerdings nicht ganz uneigennützig. Die Top-Klubs wissen, dass sie ohne die restlichen Klubs keine Meisterschaft mehr werden spielen können. Sie sind auf diese schlicht angewiesen;
  • Sport: Das „Corona“-Virus hat den Sport innerhalb weniger Wochen vollständig zum Erliegen gebracht. Der organisierte Sport „n’existe plus“. Umso mehr boomt der Freizeit-Sport: Es wird gewandert, teils allerdings ohne die „Abstands-Regeln“ einzuhalten, und gejoggt, wie seit Jahrzehnten nicht mehr. In der Not besinnt sich der Mensch auf Traditionelles;
  • SportBusiness: Durch das „Corona“-Virus ist der organisierte, kommerzielle Sport vollständig zum Erliegen gekommen. Er wird, wie die Wirtschaft, nach ausgestandener Krise am Boden liegen. Nicht nur der Sport an sich hat aufgehört zu funktionieren. Auch die damit zusammenhängende Industrie (TV-Vermarktung, Sponsoring, Werbung, Event-Organisation, usw.) ist zusammengebrochen. Nach der Krise wird es diesbezüglich vor allem viel „Juristenfutter“ abgeben;
  • SportMedien: In einer Krise kommt den Medien besondere Bedeutung zu; aber lediglich den unabhängigen, von denen es kaum mehr welche gibt. „Fake-News“ können nicht mehr nur mit einem Hirngespinst des US-Präsidenten abgetan werden. Wer den heutigen Zustand der Medien mitverfolgt, muss ernüchternd feststellen, dass die Medienlandschaft ebenfalls zum Trümmerfeld geworden ist, wobei die Dekadenzerscheinungen längst vor „Corona“ sichtbar wurden. Ausser über das „Corona“-Virus gibt es auch kaum mehr etwas zu berichten. „Corona“ dominiert auch die Medien. Immer stärker wird abgebildet, wie sich die Journalisten die Welt wünschen und nicht, wie sie tatsächlich ist. In den elektronischen Medien findet der Sport nicht mehr statt – es sei denn, ein wenig Sport-Politik wäre opportun (insbesondere die Begründung von Veranstaltungs-Absagen). Tristesse herrscht ebenfalls bei den Print-Medien. Kaum ein Unternehmen inseriert mehr, und sogar bei der „Neuen Zürcher Zeitung“ grassiert das „Corona“-Virus durch die ganze, zwischenzeitlich durcheinandergeratene Bund-Systematik, an der sonst im selbsternannten „Intelligenzblatt“ sklavisch-stur festgehalten wird. Sogar der von mehr als zehn Redaktoren(!) produzierte Sport-Teil, der seit Tagen meistens lediglich eine Druckseite umfasst, wurde während Tagen nicht mehr mit „Sport“, sondern mit „CORONAVIRUS“ überschrieben;
  • Sport-Veranstaltungen: Alle grossen Sport-Veranstaltungen 2020 sind abgesagt; soeben haben die Veranstalter des legendären Tennis-Turniers in Wimbledon für dieses Jahr „forfait“ erklärt. Nur die „Deutsche Fussball-Liga“ (DFL) ist wild entschlossen, in der Bundesliga die Spielsaison 2019/2020 bis am 30. Juni 2020 zu beenden. Wenn schon „COVID-19“ nicht planbar ist, soll wenigstens den Klubs „Planungssicherheit“ garantiert werden, so die DFL dazu;
  • Staat: Siehe „Super-Staat“;
  • Statistik: In der „Corona“-Krise ist statistisches Material von vordergründiger Bedeutung und bildet zudem die Grundlage für die Entscheidungen der politischen Führung, welche den Kampf gegen das Virus führen müssen. Nicht wie im Sport, bei dem Statistiken und Resultate untrüglich sind, muss man allerdings hinter den Wert und die Authentizität des nun permanent veröffentlichten Zahlenmaterials zu den „Corona“-Fällen ein zumindest kleines Fragezeichen setzen. Oder ist es wirklich eine reelle statistische Höchstleistung, dass uns China jeden Morgen kommunizieren kann, dass es im 1,4 Milliarden-Volk zu keiner, zu zwei oder zu mehr Ansteckungen gekommen ist?;
  • SuperStaat: Der Staat unternimmt alles für seine Bürger, um ihnen ein schönes Leben, Wohlergehen, Sicherheit und ein wirtschaftliches Auskommen zu garantieren. Noch nie war der Wohlfahrtsstaat derart „en vogue“ wie vor dem Ausbruch der Krise. Derzeit holen der Deutsche und der Schweizer Staat im Ausland festgesetzte Touristinnen und Touristen mit Sondermaschinen in ihre Länder zurück. Das gehört zum Grundrecht auf Feriengenuss, den letztlich der Sozial- und Lifestyle-Staat zu gewährleisten hat. Eigenverantwortung wird im „Super-Staat“ zum geschichtsträchtigen Fremdwort. Dass die Individualität bei diesem System des Neo-Kommunismus auf der Strecke bleiben wird und den Kollektivismus prävalieren lässt, ist folgerichtig, wird aber offenbar gewünscht;
  • Team: Dieser Begriff aus dem Sport wird komplementär im Zusammenhang mit dem derzeitigen Modewort „Solidarität“ verwendet. Mit sportlichen Maximen die Krise zu meistern ist etwa das sicher nicht unzutreffende Credo des Österreichischen Bundeskanzlers Sebastian Kurz. Ob es ihm letztlich gelingt, Österreich wie eine Sport-Mannschaft erfolgreich durch die Krise zu führen, wird sich zeigen;
  • Wirtschaft: Eine florierende Wirtschaft bildet das Rückgrat eines gesunden Staates. Seit knapp drei Wochen liegt sie in Trümmern, und zwar so, wie es nie hätte erwartet werden können. Offenbar trifft die bisher suggerierte Annahme nicht zu, dass wir, wie etwa in der Schweiz immer hochgehalten, in einem florierenden, wirtschaftlichen Umfeld leben. Das Gegenteil dürfte zutreffen: Wenn der Staat nach einem Stillstand der Wirtschaft nach wenigen Tagen gleich Dutzende von Milliarden zur Rettung von abgebrannten Unternehmen zur Verfügung stellen muss und das Füllhorn permanent über diesem Pleite-Segment ausschütten muss, war wohl alles eher ein Potemkinsches Dorf denn ein Wirtschaftsmärchen, bezüglich dem das Gefühl vorherrschte, es sei wahr. Letztlich basierte die Wirtschaft auf dem System „Leben auf Pump“ (die Bürger verhalten sich so, wie es der Staat vorlebt), das die Grundlage für noch mehr Umverteilung bildet. Diese Mentalität wird mit dem „Giesskannen-Prinzip“ fortgeführt. Letztlich ist auch Friedrich Schiller („Der kluge Mann baut vor“ – er meinte damit wohl auch die Frauen) längst Geschichte. Der „Super-Staat“ richtet es, dass noch der grösste wirtschaftliche Versager oder jeder arbeits-immune Mensch zu seinem Geld kommt. Das Geld über die Bürger regnen zu lassen und dieses so umzuverteilen bringt den Trend-Politikerinnen und Politikern selbstverständlich Goodwill und Wählerstimmen. Die „Giesskanne“, die im Moment permanent geleert und wieder und wieder und immer mehr nachgefüllt und letztlich über (fast) alle ausgeschüttet wird, dürfte von nachhaltigem Charakter sein; und eignet sich zur Umsetzung von entsprechenden Ideologien bestens. Wetten, dass nach ausgestandener Krise, wenn die Wirtschaft in Trümmern liegt, der „Super-Staat“ umgehend ein bedingungsloses Grundeinkommen für alle bereit hält? Dass sich dieses System (auch) für die Lenker und Leiter des Staates lohnt, hat der Weltfussballverband mit Sitz in Zürich vorexerziert, und daran orientiert sich z.B. die Schweizerische Regierung: Jeder Geldregen bringt Wählerstimmen. Politik findet eben auch in Krisenzeiten statt. Ein Positivum ist an der ganzen Geschichte zu vermerken: Die unsägliche „Compliance“, mit der vor allem Bürgerinnen und Bürger in den letzten Jahren insbesondere durch Banken und Versicherungen genervt und schikaniert wurden, ist nur noch ein Fremdwort (vgl. dazu für den Sport: „Compliance: Auch ein Thema für Sportverbände und andere Vereine? – Das Beispiel FIFA“, in: Causa Sport, 3/2017, 208 ff.);
  • Zukunft: Auch diese aktuelle Krise, der Krieg gegen einen unsichtbaren Feind, wir dereinst beendet sein. Was wird bleiben und was wird aus dem Trümmerhaufen, den das „Corona“-Virus verursachen wird, spriessen? Vielleicht eine (erneute) Umwertung der Werte. Sicher wird eine Folge der Krise ein neu aufgelegter Klassenkampf sein, welcher der Freizeit- und Lifestyle-Gesellschaft ein bedingungsloses Grundeinkommen bescheren dürfte. Die im Gange befindliche und durch „Corona“ befeuerte Umverteilung wird durch die Krise weitere Ausmasse annehmen. Aus den Tendenzen, die sich in der aktuellen Situation ausmachen lassen und die an sich einen ausserordentlichen Zustand in einer Krisenzeit darstellen, lässt sich das Fazit ziehen, dass dieses aktuelle Faktum zur Normalität wird. Das Modell des „Super-Staates“ wird realisiert werden im Sinne eines Neo-Kommunismus, der allen Bürgern weiterhin wirtschaftliche Sicherheit, aber auch Einschränkungen der individuellen Bewegungsfreiheit bringen wird. Noch nicht ganz klar ist, wie ein solches Modell finanziert werden soll. Aber das sollte für einen „Super-Staat“ auch kein Problem sein. Auch der organisierte Sport wird sich nach der Krise neu positionieren und dem Trümmerfeld nach „Corona“ wie Phönix aus der Asche entsteigen.

(Autor: Prof. Dr. iur. Urs Scherrer)

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