FC Chelsea im Oligarchen-Strudel

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(causasportnews / red. / 20. März 2022) Wenn die Engländer etwas unternehmen, dann tun sie es gründlich. Das Vereinigte Königreich macht beispielsweise ziemlich ernst mit dem schillernden russischen Oligarchen Roman Abramowitsch, der zu den erklärten Freunden des russischen Kriegstreibers Wladimir Putin zählt und von dem er sich bis jetzt auch nicht losgesagt hat. So gesehen befindet sich der Russe, der 2003 den Londoner Nobelclub FC Chelsea übernommen hat, in guter, bzw. schlechten Oligarchen-Gesellschaft ausserhalb Russlands. Seit die Sanktionen gegen Russland und gegen die Russen ausserhalb Russlands greifen, gilt Roman Abramowitsch im Westen nicht nur als geächtet, sondern regelrecht als kaltgestellt (auf der Insel hat man wohl zuerst erkannt, dass die Oligarchen im Westen tragende Säulen des aggressiven Russlands sind und deren Ächtung noch Schlimmeres verhindern kann). Mit «seinem» Club FC Chelsea kann der 55jährige Wirtschafts-Strippenzieher aus dem Osten derzeit praktisch nichts mehr, ihn nicht einmal mehr verkaufen. Gemäss Regierungsdekret darf der Club nur noch Minimalbeträge für Spesen ausgeben. Verlängert sich der Krieg Russlands gegen die Ukraine, was zu befürchten ist, könnte der FC Chelsea bald Geschichte sein und im Oligarchen-Strudel versinken.

Allgemein gewahrt die Welt, dass der losgetretene Ukraine-Feldzug nicht nur das satanische Werk eines Einzelnen ist, sondern Russlands Aggression als systemimmanent bezeichnet werden muss. Vom teuflischen Werk eines Individuums also keine Spur. Der «Führer», wie er offiziell auch genannt wird, lässt sich öffentlich von adretten Stewardessen und in Sportstadien vom Volk feiern. Das hatten wir doch alles schon vor rund 80 Jahren. Damals verlief der Angriff auf rechtschaffene Völker und friedlich Nationen von Westen nach Osten, nun von Osten nach Westen. Die Ausgangslage heute ist identisch mit derjenigen in den Jahren 1939 ff., die Art der Kriegsführung ebenfalls. Der russische Krieg wird vor allem durch das Oligarchen-System in der westlichen Welt begünstigt. Einem der schlimmsten dieser Zeitgenossen, eben Roman Abramowitsch, geht es nun an den Kragen. Jedenfalls ist es ziemlich schwierig geworden mit den vermögenden Russen im Westen, von denen man nicht so genau weiss, wie sie zu Multi-Milliardären werden konnten. Diese wurden seit Jahren sekundiert von dubiosen Anwälten, Treuhändern, Unternehmensberatern und Claqueuren, vor allem auch in der Schweiz. Diese waren und sind ebenfalls Teil eines umfassenden Netzwerkes in der Politik, in der Wirtschaft und in der Gesellschaft. Beim FC Chelsea-Beherrscher ist dennoch der Versuch misslungen, sich in der Schweiz zu etablieren – trotz der Unterstützung willfähriger Anwälte, die teils zugleich im Umfeld des professionellen Fussballs und für den Weltfussballverband FIFA tätig sind; zumindest in einem Fall ist dies belegt. Wenn sogar die Schweiz einen Oligarchen wegweist bzw. ihn nicht aufnimmt, und in ihm ein Reputationsrisiko erkennt, muss alles noch viel schlimmer als angenommen sein.

Apropos FIFA: Der Weltfussballverband FIFA hat soeben, untermalt von Schalmeienklängen, kommuniziert, Sachspenden für Ukrainische Kriegsopfer zur Verfügung stellen zu wollen. Verbandsmaterial soll es sein; wahrscheinlich gehören auch ein paar Bälle dazu, mit denen sich in den zerbombten Städten trefflich spielen lässt. Gianni Infantino, der sich bis jetzt auch nicht von seinem Freund im Kreml losgesagt hat, musste ein opportunistisches Zeichen setzen. Immerhin findet Ende Monat der FIFA-Kongress in … Doha statt. Mit dabei natürlich das FIFA-Mitglied Russischer Verband, das gegen die Lieferung von Verbandsmaterial aus der FIFA-Zentrale kaum etwas einwenden wird. Mit Geld wäre der FIFA-Familienfrieden wohl nachhaltig gestört worden.

Apropos Doha: Dort ist im Moment der Deutsche Vize-Kanzler Robert Habeck (Grüne) tätig, mit dem Ziel, Gas für Deutschland für den nächsten Winter zu erbetteln. In der Not frisst der Teufel bekannterweise Fliegen. Wetten, dass nun in Deutschland sofort alle Stimmen gegen die Fussball-WM-Endrunde in Katar verstummen? Wie würde es Bertold Brecht einschätzen? Eben zuerst das Fressen, dann die Moral…

In der derzeitig weltweit chaotischen Situation, in der sich der Russland-Krieg immer mehr zur globalen Auseinandersetzung zwischen Ost (Russland, China) und West ausweitet, kommt eine Meldung aus Lausanne nicht überraschend: Der Internationale Sport-Schiedsgerichtshof (TAS) hat einen Einspruch des Verbandes Russlands abgelehnt und den Ausschluss der Russen von den Qualifikationsspielen für die WM-Endrunde in Katar bestätigt. Somit steht Polen in der zweiten Playoff-Phase und spielt dann gegen den Sieger aus der Partie Schweden gegen Tschechien.

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