Die Engländer zeigen (wieder einmal) Flagge

Photo by David Jakab on Pexels.com

(causasportnews / red. / 28. April 2022) Es ist nicht nur in der Sportwelt teils penibel, wie weltweit auf die russische Brutalität im Krieg gegen die Ukraine reagiert wird; das Faktum, dass es ein einzelner Mann, sekundiert von einem Heer von Claqueuren, gelingt, praktisch die ganze Welt zu terrorisieren, ist ein Novum in der modernen Geschichte. Grundsätzlich sind derzeit bezüglich des Verhaltens gegenüber den Aggressoren drei Reaktionsebenen festzustellen: Man ignoriert oder beschönigt (wie etwa Alt-Bundeskanzler Gerhard Schröder und die westeuropäische Sozialdemokratie), man hält den Ball flach (wie die meisten westlichen Länder, welche vor allem aus wirtschaftlichen Gründen und Eigennutz vor dem Brutalo-Regime in Moskau kuschen) oder es wird Entschlossenheit demonstriert, wie etwa durch die Engländer, welche der Ukraine auch militärisch effizient und ohne Dauerdiskussionen unter die Arme greifen. Die Haltung der Briten, die (wieder einmal) Flagge zeigen, ist nicht neu. Man muss in den Geschichtsbüchern nicht allzuweit zurückblättern, um Beispiele zu finden, die belegen, dass Mutlosigkeit und Feigheit nie das Ding der Menschen des Vereinigten Königreichs war.

Es verwundert deshalb nicht, dass nun gerade in Wimbledon der grosse Tennis-Streit ausgebrochen ist (vgl. auch causasportnews vom 23. April 2022). Nicht innerhalb Englands, sondern international. Dass weder russische noch weissrussische Spielerinnen und Spieler am prestigeträchtigen Turnier in London teilnehmen dürfen, hat die Sportwelt aufgewühlt und breitgefächerte, verbale Auseinandersetzungen heraufbeschworen. Selbstverständlich wird der organisierende, private Verein im Londoner Vorort Wimbledon von seiner Ausschluss-Entscheidung nicht abrücken und seine Sonderstellung, wie Kritiker bemängeln, in jedem Fall (aus)nützen. Das geht an, weil die drei anderen Grand-Slam-Turniere in Melbourne, Paris und New York von den Spielergewerkschaften organisiert wird, das Turnier in Wimbledon jedoch eben von einer Privatorganisation (vom Verein All England Lawn Tennis and Croquet Club). Es ist ein bisschen wie ein alternativer Klassenkampf, der zum derzeitigen Tennis-Streit um Wimbledon im Zuge des Ukraine-Krieges geführt hat. Die Organisatoren im Londoner Vorort werden sich aber, was die Ausschliessung der Spielerinnen und Spieler aus Russland und Weissrussland anbelangt, gegen die ausserhalb des Vereinigten Königreichs gewichtigen Spieler-Gewerkschaften im Tennis durchsetzen. Die gutverdienende Tennisgilde ist im Kerngehalt auch nicht typischerweise «links» anzusiedeln. Millionärinnen in Sport-Röckchen und Millionäre in kurzen Hosen auf den Tennis-Wettkampfstätten der Welt müssen schliesslich sozial anderweitig geschützt und gestützt werden etwa im Vergleich zu Wirtschaftskoryphäen jedwelcher Couleur.

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