Archiv der Kategorie: Allgemein

Die Last, Olympische Spiele austragen zu müssen

(causasportnews / red. / 23. Juli 2020) Am kommenden Wochenende hätten die XXXII. Olympischen Sommerspiele in Tokio beginnen sollen. Wie seit Ende März bekannt, wird der grösste Sportanlass der Welt allerdings nicht stattfinden. „Corona“ verunmöglicht es. In Abstimmung mit dem Austragungsort und der Regierung Japans hat das Internationale Olympische Komitee (IOK) entschieden, die nun verschobenen Spiele genau in einem Jahr durchzuführen. Nachdem nun aber die Entwicklungen mit COVID-19 nicht absehbar sind und niemand weiss, wie lange diese Pandemie die globale Welt im Griff haben wird, wackelt auch der Austragungstermin im Sommer 2021. Vor allem die kürzlich getätigte Aussage des IOK-Präsidenten Thomas Bach, dass Olympia-„Geisterspiele“, also Wettkämpfe ohne Zuschauer/innen, nicht denkbar seien, macht hellhörig und lässt einiges vermuten. Hinzu kommt, dass sich in Japan die öffentliche Meinung unter dem Druck der sich verschärfenden Pandemie contra die Spiele gewendet hat. War es bei der Vergabe des Anlasses an Tokio vor allem für Japan eine Ehre, nach 1964 jetzt wiederum Olympische Sommerspiele austragen zu dürfen, würde man die Veranstaltung im kommenden Jahr bereits jetzt gerne ganz ungeschehen machen. Statt Freude mit Blick auf den Anlass tritt die spürbare Last, Olympia 2021 austragen zu müssen. An Stelle des Olympia-Fiebers also Pandemie-Angst. Aber vielleicht wird es so oder so nicht soweit kommen und die Spiele werden definitiv abgesagt. Oder sie würden in einer abgespeckten Form durchgeführt. Die täglich steigenden Infektionszahlen sind im Moment die Hauptsorge der Japaner. So ist Olympia 2021 in weite Ferne gerückt; und doch belastend nahe. Das IOK gibt sich bedeckt, bis wann bezüglich der Austragung der Spiele 2021 ein Entscheid gefällt werden müsste. Im Moment ist alles möglich. Am wahrscheinlichsten scheint die Variante, dass die Olympischen Sommerspiele in Tokio gemäss derzeitiger Lage nicht stattfinden werden, es sei denn, das heimtückische Virus würde demnächst, wie es weitsichtige Menschen, wie US-Präsident Donald Trump, glauben, bald einmal quasi über Nacht verschwinden.

Olympische Spiele gelten als grösster Sportanlass der Welt. Doch im Zusammenhang mit dem geplanten Austragungsort Tokio im kommenden Jahr rückt auch der zweitgrösste Sportanlass der Welt in den Fokus nicht nur der sport-interessierten Öffentlichkeit: Sogar in Fussballkreisen herrscht je länger desto mehr nur noch verhaltener Optimismus vor, was die Durchführung der Fussball-Weltmeisterschafts-Endrunde 2022 in Katar betrifft. Vielleicht kann auf diese Weise der gordische Knoten im Zusammenhang mit dem üblicherweise grössten Fussballfest auf diesem Planeten durchschlagen werden. In diesem Fussball-WM-Endrunde-Projekt steckt seit dem Vergabeentscheid des Weltfussballverbandes (FIFA) im Jahr 2010 in Zürich der „Wurm“ drin. Ginge „Katar 2022“ nicht über die Bühne, würde dies in den Augen der meisten Menschen kein Schaden bedeuten. Apropos Schaden: Verschiebungen oder Absagen von Grossanlässen können zu Schäden aller Art führen. Im Moment sind Veranstaltungs-Ausfallversicherer daran, Rückstellungen für allfällige, derart versicherte Schäden vorzunehmen.

SFL: Dem Meisterschaftsende entgegen zittern

(causasportnews / red. / 20. Juli 2020) Mit einem unglaublichen Effort auf allen Ebenen schaffte es die Deutsche Fussball Liga (DFL), die Meisterschaft 2019/20 unter dem Damoklesschwert von COVID-19 und mit „Geisterspielen“ zu Ende zu führen. Etwas gemächlicher ging die Problematik „Beendigung des Meisterschaftsbetriebs“ die Professional-Fussball-League in der Schweiz an: Wenn alles gut geht, soll die Meisterschaft 2019/20 spätestens am 2. August beendet werden. Eben, wenn alles gut geht…

Die Aufrechterhaltung des Meisterschaftsbetriebs hing in den letzten zwei Wochen an einem seidenen, bzw. „goldenen“ Faden – kann das Championnat nicht beendet werden, drohen der Liga, und damit den Klubs, Millionen-Schäden. Durch „Corona“ wurde der Klubbetrieb des FC Zürich praktisch lahmgelegt (causasportnews vom 12. Juli 2020). Die 1. Mannschaft des Traditionsvereins befand sich in Quarantäne und wurde so virus-bedingt ausser Gefecht gesetzt. Die Zürcher traten gegen den FC Basel und den BSC Young Boys mit Reserveteams an und verloren beide Spiele hoch. Aber der FC Zürich rettete so wenigstens die Meisterschaft. Allerdings mehren sich die Stimmen, welche aufgrund dieser Gegebenheiten von „Wettbewerbsverzerrung“ und von „Unfairness“ sprechen. Beides ist wohl ungerechtfertigt, da „Corona“ und die Folgen von niemandem zu verantworten sind und jedermann von der Seuche getroffen werden kann. So wie Verletzungen bei Leistungsträgern oder garstige Wetterverhältnisse bei einzelnen Spielen. Objektive Faktoren können immer Einfluss auf einen sportlichen Wettbewerb haben, „verzerren“ diesen im Sinne der Chancengleichheit allerdings nicht. „Fairness“ im Sinn von ethisch motivierter Gerechtigkeit zu bemühen, ist also deplatziert (vgl. zur Thematik „Fairness“ im organisierten Sport etwa Urs Scherrer / Remus Muresan / Kai Ludwig, Sportrecht, 3. Aufl., 2014, 129 f.). Die Medien haben in den letzten Tagen zum Trommelfeuer in dem Sinne angesetzt, dass der SFL-Spielbetrieb einen weiteren Fall wie die pandemisch bedingte Eingrenzung des FC Zürich nicht (mehr) ertragen würde. Was natürlich unzutreffend ist. Auch andere, allenfalls von COVID-19 be- und getroffen Mannschaften könnten die Meisterschaft so, wie es der FC Zürich getan hat und immer noch praktiziert, zu Ende führen. Zufriedenstellend ist die Gesamtlag allerdings nicht. Aber auch die derzeit praktizierten „Geisterspiele“ bereiten schliesslich keine Voll-Freude. Um keinen weiteren „Fall FC Zürich“ aufkommen zu lassen, ist die SFL gefordert, das bis anhin löchrigen Schutzkonzept effizienter durchzusetzen. Sie ist soweit guten Willens, aber gefordert sind vor allem die Klubs und deren Personal. Schliesslich ist immer noch unklar, wie es kommen konnte, dass zehn Spieler und Staff-Angehörig des FC Zürich, darunter der Präsident, in die „Corona“-Falle tappten. Apropos Liga: Nicht zuletzt aufgrund der Probleme im Zusammenhang mit „Corona“ hat der auch aus andern Gründen angeschlagen Liga-Präsident, Heinrich Schifferle, soeben erklärt, im kommenden Jahr sein Amt zur Verfügung zu stellen. So wird nun weiter dem Meisterschaftsende entgegen gezittert und der 2. August herbeigesehnt.

Juristische „Wundertüte TAS“ belässt Manchester City im CL-Rennen

© TAS

(causasportnews / red. / 15. Juli 2020) Nur für Träumer war es ein Problem, als der englische Top-Klub Manchester City vom Europäischen Fussballverband (UEFA) wegen Verletzung des „Financial Fairplay“ eine zweijährige Europacup-Sperre kassierte und mit 30 Millionen Euro gebüsst wurde (vgl. auch causasportnews vom 17. Februar 2020). Vor allem der Ausschluss aus den europäischen Wettbewerben mutete für den von Pep Guardiola trainierten Klub vordergründig verheerend an. Nur vordergründig. Nach dem Schuldspruch durch die UEFA und der Ausfällung der Busse war es nicht nur Insidern klar, dass das von den Engländern angerufene Sport-Schiedsgericht in Lausanne (Tribunal Arbitral du Sport, TAS) zumindest die Fussball-Sperre aufheben würde. Das Gericht, als juristische „Wundertüte“ ohne grossen juristischen Wert bekannt, wurde seinem parteiischen Ruf gerecht und hob die Sperre gegen Manchester City auf. Auf den ersten Blick mutet es allerdings sonderbar an, dass der Sportgerichtshof, dem das Schweizerische Bundesgericht seit Jahren völlig ungerechtfertigt den Status eines ordentlichen Gerichtes einräumt, die UEFA ins Unrecht versetzte. Normalerweise liegt die Verfahrens-Erfolgsquote an diesem „Gericht“ für Sportverbände bei gegen 100%. In diesem Fall schien das TAS seine Linientreue verloren zu haben und belässt Manchester City zum Leidwesen der UEFA weiterhin im CL-Rennen. Allerdings wird der Klub weitgehend von Arabern alimentiert, und diese sind im Weltsport zwischenzeitlich mindestens so wichtig geworden wie die Fussball-Verbände. Sich auf diese Weise mit den Investoren aus den Emiraten anzulegen und diese zu verärgern, war ein klares „No-Go“ für das opportunistische TAS. Und weil Geld in den Emiraten keine Rolle spielt, erkannte das Sport-Schiedsgericht, dass Manchester City zwar ein bisschen gegen das „Financial Fairplay“ der UEFA verstossen habe, dieses Fehlverhalten aber mit einer Zahlung von 10 Millionen Euro abgegolten sei. Dieser Betrag wird der Klub mit einem Lächeln aus der Portokasse beglichen. Wichtig ist für die Engländer, dass sie in der Champions League weiterhin dabei sein werden. Zumindest in diesem Fall entscheid das TAS nachvollziehbar nicht als juristische „Wundertüte“; Erklärung siehe oben. Ein Nebenaspekt bleibt im Zuge der „Causa Manchester“ offensichtlich: Die seit jeher umstrittene „Financial Fairplay“-Regelung der UEFA ist mit dieser Entscheidung als das entlarvt worden, was sie ist: Als Scherz!

COVID-10-Attacke auf die Schweizer Fussball-Professional-Liga

© Poiseon Bild & Text

(causasport / 12. Juli 2020) Das war wohl die schlimmste Konstellation, welche die kürzlich wiederaufgenommene Meisterschaft der Schweizer-Fussball-Professional-Liga ereilen konnte: Einen flächendeckenden „Corona“-Impakt auf einen an der Meisterschaft teilnehmenden Klub. So nun geschehen bezüglich des FC Zürich, einer von 10 Teams, welche seit dem 19. Juni versuchen, die Meisterschaft 2019/20 zu Ende zu spielen. Das muss bis zum 2. August geschehen, weil danach die Europacup-Teilnahme-Meldungen an den Europäischen Fussballverband (UEFA) gemacht werden müssen. Und nun das. Zehn Personen aus dem Spielerkader der 1. Mannschaft und des Staff haben sich infiziert. Das kickende und in der Administration tätige Personal des FC Zürich befindet sich seither weitgehend in Quarantäne. An Meisterschaftsspiele ist nicht zu denken. Diese sind von der Professional-Liga für die nächste Zeit mit Beteiligung des FC Zürich abgesagt worden. Die Swiss Football Leagu (SFL) will anfangs Woche entscheiden, wie es weitergeht. Ein Meisterschaftsabbruch ist eine Option. Alles andere wäre wohl mit Wettbewerbsverfälschungen verbunden. Im Moment ist es mit Blick auf die Meisterschaft mit zehn Teams einzig klar: Da waren es nur noch 9…

Infektionsfälle gab es auch beim Ligakonkurrenten Neuchâtel Xamax sowie beim anderen Klub aus Zürich in der zweiten Liga (Challenge League), dem Grasshopper Club Zürich. Diese Vorkommnisse wirken sich derzeit nicht so dramatisch auf den Ligabetrieb aus wie die Infektionsfälle beim FC Zürich.

Nicht nur die Sportwelt fragt sich, wie es im FC Zürich zu diesem Infektions-Super-GAU kommen konnte. Über die Ursachen des Desasters wird derzeit nur spekuliert; es werden Fragen gestellt: War es klug, dass die Mannschaft vor wenigen Tagen geschlossen und gemeinsam per Bus zum Auswärtsspiel nach Neuenburg reiste? Bestätigt sich nun, dass es die Fussballer bezüglich der Verhaltensmassnahmen bezüglich COVID-19 etwa ausserhalb der beruflichen Aktivitäten ziemlich locker nehmen? Oder sind die infizierten Personen allenfalls teilweise „Opfer“ des Zürcher Nachtlebens geworden, das von der Politik aus Opportunitätsgründen geduldet wird, obwohl es aufgrund der markanten Verschärfung der Lage längst verboten gehört? Der FC Zürich, alleine Verantwortlich für diese Entwicklung innerhalb der Mannschaft und des Staff, gibt sich diesbezüglich, was Ursachen und Schuldige betrifft, vollends bedeckt, wohl auch deshalb, weil sogar der allein-herrschende Präsident, zwischenzeitlich ebenfalls positiv getestet, aus dem Fussball-Verkehr gezogen worden ist. Müsste die Meisterschaft nun vorzeitig beendet werden und liessen sich die Ursachen für die Infektionen im Zürcher Stadtklub eruieren, könnte auf den FC Zürich eine Schadenersatz-Lawine zurollen.

Arminia Bielefeld wieder erstklassig – 50 Jahre nach dem Skandal

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(causasportnews / red. / 10. Juli 2020) Seit kurzem ist bekannt, dass Werder Bremen auch in der kommenden Bundesliga-Spielsaison in der obersten Spielklasse mittun wird. Neu dabei sein werden der VfB Stuttgart, der nach kurzer Zeit in der 2. Liga wieder erstklassig geworden ist, und, für viele nicht zwingend erwartet, der Tabellenerste der 2. Bundesliga, Arminia Bielefeld. Alte Fussball-Fans erinnern sich bei diesem Namen sofort an den vor rund 50 Jahren aufgeflogenen „Bundesliga-Skandal“, in dem Bielefeld eine wesentliche Roll gespielt hatte. Es ging unter anderem um den Abstiegskampf in der Bundesliga-Saison 1970/71 und um ein denkwürdiges Spiel, das Arminia Bielefeld gegen Schalke 04 auswärts 1:0 gewonnen hatte. In feuchtfröhlicher Stimmung liess der damalige, schillernde Präsident von Kickers Offenbach, Horst-Gregorio Canellas, die „Katze“ aus dem Sack und bot die Initialzündung für die nachfolgenden, umfassenden Fussball-Ermittlungen durch den legendären DFB-Chefankläger Hans Kindermann. Die Untersuchung ergab, dass u.a. für den Sieg in Gelsenkirchen 40 000 Mark aus Bielefeld geflossen waren. Im Zuge dieses ersten, grossen Skandals der Nachkriegszeit um manipulierte Fussballspiele in der Bundesliga setzt es bei den Beteiligten, massgeblich involviert war in die Vorkommnisse auch Rot-Weiss Oberhausen, Dutzende von Spieler- und Trainer-Sperren ab. Der „Bundesliga-Skandal“ ist längst Geschichte. Aktuell lässt sich wohl risikolos die Behauptung aufstellen, dass der jetzige Aufstieg von Arminia Bielefeld mit rein sportlichen Mitteln Tatsache wurde. Immerhin beendeten die Kicker aus der etwas mehr als 300 000 Einwohner zählenden Stadt in Nordrhein-Westfalen die Meisterschaft in der 2. Bundesliga souverän auf Platz 1 – mit immerhin zehn Punkten Vorsprung auf den VfB Stuttgart. Der renommierte Hamburger SV hatte 2019/20 nicht den Hauch einer Chance, den Bielefeldern oder den Stuttgartern im Kampf um den Aufstieg gefährlich zu werden.

Der Absturz des Schalke-Präsidenten: Die Moral als Fallbeil

(causasportnews / red. / 6. Juli 2020) Brot und Spiele braucht der Mensch. Er will ernährt sein und bespasst werden. Woher das Brot kommt und wer die Spiele ermöglicht, ist meistens sekundär. Wenigstens bis zu einem gewissen Grade. Doch irgendwann geht auch das nicht mehr. Wie der Absturz des langjährigen Aufsichtsratsvorsitzenden des Bundesligisten Schalke 04 zeigt. Clemens Tönnies brachte alle Voraussetzungen mit, um an die Spitze des organisierten Fussballs zu gelangen: Geld, Macht, Einfluss, Können. Alles hatte er sich durch harte Arbeit und cleveres Unternehmertum erarbeitet. Und dies in einer Branche, die nicht jedermanns und jedefraus Sache ist. Das Geschäft mit dem Billig- und Mengenfleisch wurde geduldet, zumindest irgnoriert – bis „Corona“ auch die Geschäftswelt des Clemens Tönnies an die Öffentlichkeit zerrte. Man darf sich bei Betrachtung der Bilder aus der Fleischproduktion in der Tat die Frage gar nicht stellen, wie dieses Business den 64jährigen Fleischfabrikanten zum Milliardär machen konnte. Schliesslich hatte er grundsätzlich alle Gesetze eingehalten; der deutsche Staat liess das Geschäft mit der Tier-Schlachterei und -Zerlegerei in dieser Form und mit diesen in dieser Branche tätigen Menschen zu. Bis „Corona“ kam und die öffentliche Moral anstelle des staatlichen Normengefüges trat. Die Pandemie legte nicht nur die Aktivitäten von Clemens Tönnies aus virologischer Sicht lahm, sondern liess ein spezielles Geschäft transparent werden. Das Geschäft, in dem wirtschaftlich klein gehaltene Arbeitende im Eilzugstempo die Kreatur Tier zur Billigware machten. Alles in Einklang mit Art. 1 des Deutschen Grundgesetzes selbstverständlich, in dem es um die Würde des Menschen geht – nicht etwa um diejenige des Tieres (vgl. auch causasportnews vom 25. Juni 2020). Weil der Mensch nicht nur von Wurst alleine leben kann, hatte sich Clemens Tönnies eine Lieblings-Nebenbeschäftigung zugelegt. Den Fussball, der ihn fast während seines ganzen Lebens begleitete. Der Fussball ganz oben macht Menschen aus historischer Sicht mitunter zu Personen der Zeitgeschichte – und oft noch mehr. In den Sportmedien zu erscheinen ist weit attraktiver als allenfalls in den Langeweile-Spalten der Wirtschaftspresse unterzugehen. Der Sport bietet die Plattform schlechthin. Die grosse Liebe des Clemens Tönnies im Fussball galt dem Traditionsverein Schalke 04, dem er während Jahren, zuletzt fast 20 Jahre als Aufsichtsratsvorsitzender, die Treue hielt. Bis jetzt im Detail klar wurde, wie der gelernte Fleischer zu Reichtum gekommen ist. Der nachhaltige „Corona“-Einbruch in seine Betriebe befeuerte Fragen der Moral. Ob zu Recht oder zu Unrecht, sei an dieser Stelle offen gelassen. Je länger Clemens Tönnies mit seinen kontaminierten Betrieben in den Schlagzeilen stand, kippte die öffentliche Meinung zusehends, die weitgehend von denen gemacht wird, welche dem Billigfleischkonsum huldigen oder ihn zumindest akzeptieren. So rasch, dass der Druck auf den Fleischfabrikanten zu gross wurde und er letztlich vor der von der Moral aufgeladenen öffentlichen Meinung kapitulierte. Eine Belastung für den Verein sei er, kommentierten die Medien signifikant. Nur ein guter und integrer Mensch ist dafür prädestiniert, Brot und Spiele zu ermöglichen. Wenn man etwas besser machen kann und es nicht tut, obwohl man es besser machen könnte, verdient keinen moralischen Schutz.

Es ist halt nicht mehr wie früher, als es relativ irrelevant war, wer für panem et circenses verantwortlich zeichnete, wer für Brot sorgte und Zirkusspiele veranstaltete. Heute hängt die Latte höher. Wie hoch sie liegen muss, bestimmt die Moral – und diese kennt keine Normen-Massstäbe. Nur die flottante öffentliche Meinung. Diese wurde dem Billigfleischproduzenten, der Fleisch mit Billigst-Entlöhnten produzierte, zum Verhängnis. So kam es, dass Clemens Tönnies den moralischen Vorstellungen nicht mehr genügte, um den Leuten Brot zu geben und Spiele zu ermöglichen. Mit (Billig-)Fleisch alleine geht es jedenfalls nicht mehr. Auch wenn es keine Thema ist, für Fleisch mehr zu bezahlen, um die Arbeitenden in der Fleischverarbeitungsbranche menschenwürdig zu entlöhnen, um auch ihnen ein menschenwürdiges Leben zu ermöglichen – Art. 1 des Grundgesetzes ist oft weit weg.

FIFA-Sanktion mit Fragezeichen

(causasportnews / red. / 3. Juli 2020) Um die einstige Führungs-Troika im Weltfussballverband FIFA, mit Präsident Joseph Blatter, Generalsekretär Jérôme Valcke und Finanzchef Markus Kattner, ist ein weiteres, juristisches Kapitel abgeschlossen worden – wenigstens einstweilen. Wegen Missbrauchs seiner Stellung sowie Interessenkonflikten ist der anfangs 2016 von FIFA-Präsident Gianni Infantino entlassene 49jährige Deutsche Markus Kattner von der FIFA-Ethikkommission mit einer zehnjährigen Funktionärssperre im Fussball belegt und mit einer Million Schweizer Franken gebüsst worden. Der promovierte, ehemalige Finanzchef sowie Joseph Blatter und Jérôme Valcke sollen sich von 2010 bis 2014 gegenseitig Boni und weitere Zahlungen zugeschanzt haben. Markus Kattner, für den die Unschuldsvermutung gilt, ist nun der letzte des damaligen Führungstrios des Weltfussballverbandes, der vom Bannstrahl der Ethikkommission getroffen wird. Der sanktionierte Ex-Funktionär wird gegen die noch nicht rechtskräftige Kommissionsentscheidung zweifellos am Internationalen Sportschiedsgericht in Lausanne (TAS) Berufung erheben. Die Geldstrafe von einer Million Franken ist wohl eine der höchsten, von FIFA-Sanktionsgremien gegen einen Funktionär ausgefällten Bussen. Es wäre wohl sehr verwunderlich, wenn sie in dieser Höhe letztlich Bestand hätte.-

Brisant an dieser Geschichte ist der Umstand, dass wegen der Entlassung von Markus Kattner durch die FIFA seit Jahren am Arbeitsgericht in Zürich ein erbittert geführter Prozess zwischen dem Verband und dem ehemaligen Kadermitarbeiter tobt. Dass jetzt ein derart harter Sanktionsentscheid des FIFA-Organs „Ethikkommission“ (Art. 55 des Schweizerischen Zivilgesetzbuches, ZGB) gegen den ehemaligen Spitzenfunktionär, Arbeitnehmer (Art. 319 ff. des Obligationenrechts, OR) und Organ (Art. 55 ZGB) ergeht, kann Zufall sein; oder auch nicht. Jedenfalls ist hinter das Verdikt der FIFA-Ethikkommission das eine oder andere Fragezeichen zu setzen.

Die Folgen von „Corona“ in „Causa Sport“ 2/2020

(causasportnews / red. / 30. Juni 2020) Das „Corona“-Virus hat das Leben auf diesem Planeten innert weniger Monate total verändert. Obwohl im Moment fieberhaft versucht wird, dem Virus Herr zu werden, die Welt sich also im Kampf gegen einen unsichtbaren Feind befindet, stellen sich auch für den organisierten Sport vor allem Fragen der Rechtsfolgen im Zusammenhang mit „Corona“. Der Sport ist zum Erliegen gekommen und erholt sich nur zaghaft; ein sonst blühender Wirtschaftszweig befindet sich mehr oder weniger weiterhin und weitgehend in Schockstarre. Was geschieht also mit Fussballclubs, die sich nun insolvent erklären oder erklären müssen (Prof. Dr. Philipp S. Fischinger und Sven Knauer)? Wie sind Vertragsverhältnisse im „Lockdown“ zu behandeln und wie verhält es sich mit Mitgliedschaftsverhältnissen im Vereins- und Verbandswesen (Dr. Heinrich Andreas Müller)? Haftet der Staat bei der Anordnung von „Geisterspielen“ (Prof. Dr. Martin Nolte)? Wie funktioniert die Dopingbekämpfung, wenn der Sport praktisch zum Erliegen kommt (Dr. Tanja Haug)? Wie verhält sich der Sport und seine Vermarktung im Absage- bzw. Verschiebungsmodus (Rechtsanwalt Jean Brogle)?- Diese und weitere Themenbereiche werden im neuen Heft „Causa Sport“ (2/2020, mit heutigem Datum erschienen) beleuchtet (vgl. auch www.causasport.org). Wie bedeutsam für das Leben im Allgemeinen und somit ebenfalls für den Sport im Besonderen eine gut funktionierende Justiz in Krisenzeiten ist, wird am Beispiel des Obergerichts des Kantons Zürich aufgezeigt (Dr. Dorothe Scherrer). Das Thema „Corona“ und die Konsequenzen dominiert in dieser Ausgabe von „Causa Sport“; sie erscheint deshalb als „causa sport spezial“. Neben weiteren Beiträgen rund um den Sport und „Corona“ finden sich im aktuellsten Heft auch einige Beiträge und Gerichtsurteile zu andern Themen (so der Beschluss des Obersten Gerichtshofs zu einer tödlichen Kuh-Attacke beim Wandern und ein Urteil des Arbeitsgerichts Brandenburg zur Pferde-Tierhalterhaftung).

Virtuelles Gefahrenpotential

Home of FIFA, Zürich, © Ed Coyle

(causasportnews / red. / 27. Juni 2020) Im Zeitalter von „Corona“ sind Exzesse aller Art nicht zu verhindern. Insbesondere haben in dieser speziellen Situation ebenfalls die Stunden der Ignoranten und Dilettanten geschlagen (vgl. dazu auch etwa causasportnews vom 25. Juni 2020). Auch der Unverbesserlichen und Uneinsichtigen. So erlebt es derzeit beispielsweise der amtierende FIFA-Präsident Gianni Infantino, von dem seit Monaten kaum mehr etwas zu vernehmen ist; es sei denn im Zusammenhang mit dem Gerangel um den Schweizerischen Bundesanwalt, Michael Lauber, mit dem sich Gianni Infantino wohl im Zusammenhang mit Fussballvorgängen, die von den höchsten Schweizer Ermittlern untersucht werden, zwei- oder dreimal getroffen haben soll. Weder der Bundesanwalt noch der FIFA-Präsident wissen das genau; insbesondere auch nicht, was an diesen Treffen besprochen worden sein soll. Diesbezüglich hat Gianni Infantino kürzlich per FIFA-Mediendienst seine Integrität unterstreichen lassen. Aber sonst herrscht in dieser „Corona“-Zeit Ruhe in der FIFA-Zentrale auf dem „Sonnenberg“ in Zürich. Den Weltfussball dirigiert der Präsident aus dem Wallis zurückgezogen vom Präsidialbüro im „Home of FIFA“ aus. Mit dem Rückzug aus dem öffentlichen Leben können Gefahren aller Art abgewehrt und Probleme ausgesessen werden. Verkehrt wird miteinander, soweit notwendig, digital oder virtuell. Und das wiederum kann gefährlich werden. Video-und Telefon-Konferenzen, auf elektronischem Weg abgehaltene Versammlungen und weitere Möglichkeiten der indirekten Kommunikation beeinflussen das Verhalten der Mitmenschen. Sich etwa im Rahmen einer Versammlung offen zu äussern, verlangt nicht selten Mut. Bei realer Präsenz von Mitwirkenden ändert sich das Debattier- und Beschlussfassungsverhalten. So erklärt sich der Umstand, weshalb in Versammlungen die nicht offene Beschlussfassung zum unkalkulierbaren Faktor wird.

Und so hat es eben nun der FIFA-Präsident erlebt. Das strategische Organ der FIFA, der fast 40 Köpfe umfassende FIFA-Rat, hat sich in einer virtuellen Rats-Sitzung in wesentlichen Punkten gegen Gianni Infantino gewandt. Dabei wurde klar, was schon lange vermutet wird: Der Rückhalt des Schweizer Präsidenten schwindet. An der auf elektronischem Weg durchgeführten Abstimmung wandten sich die Vertreter aus den Kernmärkten des Fussballs, Europa und Südamerika, klar gegen vom Präsidenten unterbreitete Vorschläge. So musste er, der Uneinsichtige, etwa zur Kenntnis nehmen, dass der Terminierung der von ihm aufgeblähten und von den Top-Klubs ungeliebten FIFA-Klub-Weltmeisterschaft massive Opposition erwächst. Statt Ende dieses Jahres soll der Klub-Anlass frühestens im kommenden Jahr stattfinden. „Es könnte 2021 sein, 2022 oder 2023. Alles ist offen“, sagte der FIFA-Präsident nichtssagend. Ohne WM keine Vermarktungs- und Sponsorengelder. Das ist letztlich das Faktum. Schlecht angekommen im FIFA-Rat ist auch das Verhalten von Gianni Infantino bezüglich der Treffen mit Bundesanwalt Michael Lauber. Obwohl er nicht mehr weiss, wieviele Gespräche es waren und was dabei besprochen wurde, sagt er, dass solche Treffen wichtig, legitim und legal seien.-

Naja, „schau’n mer mal“, hätte sich hierzu Franz Beckenbauer früher schlicht und ergreifend geäussert. Auch im Fall von Ignoranten, Dilettanten und Uneinsichtigen. Eng könnte es nun dennoch sowohl für Michael Lauber als auch für Gianni Infantino werden. Falls demnächst Strafverfahren eröffnet werden sollten, wären beide Protagonisten mit Bezug zum Wallis wohl weg vom Fenster bzw. würden ihre Posten verlieren. Eine positive Meldung für Gianni Infantino war zum persönlichen Trost in der Causa Michel Platini zu vernehmen: Im Zusammenhang mit der Strafuntersuchung gegen den ehemaligen FIFA-Präsident Joseph Blatter ist das Verfahren auf den 65jährign Franzosen ausgeweitet worden. Damit dürfte für Gianni Infantino ein ernsthafter Gegenkandidat um das FIFA-Präsidium ausser Traktanden gefallen sein, falls er nicht vorher gestürzt wird. Allerdings werden derzeit auch andere, valable Namen von Kandidaten genannt, welche die Nachfolge von Gianni Infantino antreten könnten.

Ignorantentum um COVID-19

© Bündnis 90/Die Grünen NRW

(causasportnews / red. / 25. Juni 2020) „Weshalb ist das ‚Corona‘-Virus ungefährlich?“- „Weil man es nicht sieht.“. – Ungefähr so verhalten sich viele Menschen auf dem Erdball und sorgen mit dieser Ignoranz dafür, dass die Verbreitung der Seuche immer schlimmere Formen annimmt. Diese Haltung ist betrüblicherweise auch im Sport „en vogue“. Gemeinhin wird der Sport als Vorbildmaterie für das gemeine Volk qualifiziert. Das mag grundsätzlich so sein; aber es gibt zweifelsfrei die Ausnahmen, welche die Regel bestätigen. Ausnahmen?

Da wäre etwa die Nummer 1 im Welttennis, der Serbe Novak Djokovic. Dieser exzellente Sportler fällt seit geraumer Zeit mit Weltverschwörungstheorien und kruden Dogmen zu „Corona“ auf. Dass alles, was sich um COVID-19 dreht, nur ein Scherz sei, wurde nun drastisch wiederlegt. Der 33-Jährige versammelte aus seiner Sparte Gleichgesinnte und tourte mit diesem exklusiven Tenniszirkus im Adria-Raum herum. Dabei wurde das Gegenteil von dem demonstriert und gelebt, was Virologen für gefährlich halten: Missachtung der Abstandsregeln, Vermeidung von Menschenansammlungen, Verzicht auf Hygienevorgaben – und dazu natürlich nächtelange Partys, Körper an Körper. Ignoranz und Dummheit wird sonst im Sport allgemein und pauschal den Vertreter/innen von Sportarten mit grossen Bällen entgegengehalten; nun hat es jedoch Zunft der kleinen Bälle erwischt, gleichsam nach dem simplen Erfahrungswert: Kleine Bälle, kleines Hirn. Novak Djokovic und seinen Jüngerinnen und Jüngern fliegt nun das verantwortungslose Tun auf der „Adria-Tennistour“ richtig um die Ohren. Allen voran hat sich die Tennis-Nummer 1 mit dem Virus infiziert. Auf dass er es selber merken sollte, dass COVID-19 nicht nur ein Hirngespinst ist. Über den Schaden auf vielen Ebenen, den die Tennis-Ignoranten nun angerichtet haben, könnten Abhandlungen zuhauf verfasst werden. Sicher ist auch, dass die verantwortungslosen Tennis-Cracks und ihre Umfelder etwa der Werbeplattform Tennis masslos schaden. Das wird sich letztlich in Geld auswirken, die einzige Sprache, welche von diesen Sportlern offenbar verstanden wird. Jeder dem Ethos verpflichtete Sponsor wird sich künftig fragen, ob er in der Tat seine Produkte oder Werbebotschaften in einem solchen Umfeld platzieren soll. Das Verhalten von Novak Djokovic & Co. ist schlicht die schlechteste Werbung für den Tennissport. Und sie wird nachhaltig sein, solange die Verbreitung des Virus nicht eingedämmt werden kann; und darüber hinaus. Fast mutet es zufällig an, dass heute die Corona-Infektionszahlen z.B. in der Schweiz wieder gestiegen sind – das Virus wurde gemäss Behördenangaben vor allem von Menschen aus Serbien (!) eingeschleppt…

Entsprechend wird Novak Djokovic für seine Fehlleistungen geprügelt. Nicht so hingegen etwa der „Fleischbaron“ Clemens Tönnies, u.a. auch Aufsichtsratsvorsitzender des legendären Clubs aus Gelsenkirchen, Schalke 04. In seinem industriellen Fleischverarbeitungsbetrieb haben sich hunderte von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern mit „Corona“ angesteckt (vgl. auch causasportnews vom 20. Juni 2020). Es wurde offensichtlich, dass in der Unternehmung tausende von Menschen unter übelsten Bedingungen zu Tiefstlöhnen schuften und auch sonst wie moderne Sklaven gehalten werden. Derart menschenunwürdige Zustände würden zu entsprechenden Reaktionen und zu einem Aufschrei in der Bevölkerung führen. Nichts dergleichen geschieht jedoch. Die Erklärung hierfür liegt auf der Hand: Die deutsche Regulierungsmaschinerie lässt solche, menschenverachtende Ausbeutung auf dem Territorium Deutschlands schlicht zu. Deshalb reagiert die deutsche Politik auffallend zurückhaltend, wenn es um den „Corona“-Schlamassel im Familienbetrieb Tönnies geht. Die geduldete Sklaverei der Moderne, in der vor allem Arbeitende aus Osteuropa ausgebeutet werden, liegt weitgehend auf der gängigen Linie, die vom Billig-Konsum der Mehrheit der Deutschen geprägt und auf diese Weise mitgetragen wird. Wäre die Bevölkerung bereit, auch für Fleischprodukte angemessene Preise zu bezahlen, wären menschenunwürdige Produktionsbedingungen wie in der Industrie-Fleischverarbeitung der Familie Tönnies ausgeschlossen. Der Staat lässt solches Gebaren zu und ignoriert, was an sich nicht zu ignorieren ist. Kein Wunder also, dass etwa der Deutsche Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier im Zusammenhang mit dem „Corona“-Skandal in Rheda-Wiedenbrück noch kein einziges Mal die Deutsche Bundesverfassung, die er sonst immer wieder hervorholt, zitiert hat. Dort könnte er gleich mit Art. 1 des Grundgesetzes beginnen, der da lautet: „Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.“.- Dem ist an sich nichts mehr beizufügen.