(causasportnews / red. / 1. April 2020). Vorab: Diese Meldung ist kein 1. April-Scherz!
Thema sind einmal mehr Vorgänge im Zuge der Ermittlungen und Anklagen gegen verantwortliche Fussball-Funktionäre im Zusammenhang mit dem „Sommermärchen“ 2006 in Deutschland mit einem mysteriösen Geldfluss. Diesbezüglich läuft am Bundesstrafgericht In Bellinzona gegen Theo Zwanziger, Wolfgang Niersbach, Horst R. Schmidt und Urs Linsi (vgl. dazu auch causasportnews vom 25. März 2020) seit kurzer Zeit ein Strafprozess. Im Moment ist das Verfahren allerdings unterbrochen, am 27. April tritt bezüglich der eingeklagten Taten (Betrug) die Verjährung ein. Niemand rechnet mehr mit einem Verfahrens-Schluss bis zu diesem Datum. Das „Sommermärchen“ wird auch in dieser Hinsicht märchenhaft enden.
Im Zusammenhang mit diesem Verfahren und der aktuellen Aktenlage sind nun brisante Details ans Tageslicht gekommen. Diese betreffen insbesondere Geheimtreffen des Bundesanwaltes mit Bezugspunkten zum Kanton Wallis, Michael Lauber, mit dem FIFA-Präsidenten Gianni Infantino aus dem selben Kanton. Die Bundesanwaltschaft gilt seit Jahren als Dunkelkammer der Justiz, sorgt immer wieder für Skandale, Unruhen und hochgeschaukelte Vorgänge, die sich jeweils in nichts auflösen. Sie kostet den Steuerzahlern vor allem viel Geld, beschädigt zudem regelmässig das Ansehen der Schweizer Rechtspflege und wird dem Nimbus einer „Mischel- und Mauschel- Behörde“ immer wieder gerecht. Obwohl der Bundesanwalt im Fussball-Komplex um FIFA- und andere Funktionäre gemäss Aufsichtsbehörde nachweislich Gesetze verletzt und die Unwahrheit gesagt, also gelogen, und sich zudem illoyal gegenüber der Aufsichtsbehörde verhalten hat, ist er im September 2019 vom Schweizer Bundesparlament für eine weitere Amtszeit wiedergewählt worden. So etwas gibt es wohl nur in der Schweiz, weil in diesem kleinen Land die Kleinmassstäblichkeit dominiert und Verfilzungen in allen Lebensbereichen an der Tagesordnung sind. Im Moment versuchen findige Medienschaffende aufzuklären, was es im Zusammenhang mit den Fussball-Vorgängen mit einem Geheim-Treffen zwischen dem FIFA-Präsidenten und dem Bundesanwalt auf sich hatte (dieses und andere Meetings haben oder hatten Einfluss oder Zusammenhänge auf die nun laufenden Verfahren am Bundesstrafgericht, vor allem mit Blick auf die Ausstandsregelung). Speziell ist die derzeitige Vorabklärung insbesondere bezüglich eines Treffens am 16. Juni 2017 in einem Berner Hotel, das zufälligerweise den Katari gehört, bei denen in zwei Jahren ebenfalls zufälligerweise die Fussball-WM-Endrunde ausgetragen werden soll. Ein grosses Geheimnis gilt es derzeit zu lüften: Wer nahm neben dem FIFA-Präsidenten und dem Bundesanwalt an diesem Treffen teil? Sicher noch der zwischenzeitlich abgetauchte Kommunikationschef der Bundesanwaltschaft, der umtriebige Journalist und frühere Mitarbeiter des Schweizer Staatsfernsehens, André Marty; im Weiteren undiskutabel auch ein persönlicher Freund des Wallisers Gianni Infantino, der Staatsanwalt (!) aus dem selben Kanton, Rinaldo Arnold. Wahrscheinlich ist an diesem Treffen noch eine weitere Person dabei gewesen. Die brisante Frage lautet nun: Wer war dieser fünfte Mann? Die „Neue Zürcher Zeitung“ kombiniert in ihrer Ausgabe vom 30. März 2020 messer-scharf, dass bezüglich dieses Meetings durch das Hotel neben der Pauschale für die Raummiete (inklusive Mineralwasser, Softgetränke und Nespresso-Kaffee) auch 5 Snacks zu 6 Franken verrechnet worden seien. „Entweder gönnte sich also einer aus dem Quartett Lauber, Infantino, Marty und Arnold einen Snack mehr als die anderen – oder es war doch ein fünfter Teilnehmer anwesend.“, zieht die stets scharf- und freisinnige Zeitung Bilanz. Was zur Konklusion führt: Ist aus diesem Quartett ein „Fresssack“ auszumachen oder war noch ein grosser Unbekannter am Berner Meeting, an das sich die Beteiligten natürlich nicht mehr erinnern können, dabei? Es geht also nun einmal darum festzustellen, wer am besagten Gespräch überhaupt anwesend war. Erst nach Klärung dieser Vorfrage wird sich die Beantwortung der Frage, was an diesem Meeting so alles gesprochen und verhandelt worden ist, aufdrängen.- Eigentlich möchte man, dass dieses Sittengemälde helvetischer Kungelei gar nicht zu Ende skizziert werden kann und der fünfte Mann nicht enttarnt wird. Ein 1. April-Scherz ist das Ganze leider nicht…





(causasportnews / red. / 15. Dezember 2019) Um den Weltfussballverband FIFA ist es seit geraumer Zeit ruhig geworden. Sicher auch deshalb, weil der amtierende FIFA-Präsident Gianni Infantino das Personal im Home of FIFA, in der Zentrale des Verbandes in Zürich, neu aufgestellt und sich von allen früheren Spitzenleuten getrennt hat (die Generalsekretärin, die „Nummer 2“ des Verbandes, ist zwar noch formell im Amt, jedoch seit geraumer Zeit wie vom Erdboden verschluckt). Vielleicht aber auch deshalb, weil am Zürichberg kommunikativ getreu dem Motto verfahren wird: „Nur wer nichts sagt wird nicht widerlegt oder nicht kritisiert“. Jetzt hat allerdings eine Meldung die Runde gemacht, die in der vorweihnachtlichen Stille aufhorchen lässt: Die FIFA will offenbar vom ehemaligen FIFA-Präsidenten Joseph Blatter und dem Ex-Top-Funktionär Michel Platini zwei Millionen Franken auf dem Klageweg zurückfordern, also wieder einmal ein Hauen und Stechen im Weltverband . Dieser Betrag, der offensichtlich von der FIFA als ungerechtfertigt erfolgte Zahlung qualifiziert wird, wurde seinerzeit unter der Ägide des Vorgängers von Gianni Infantino an Michel Platini, seit kurzer Zeit nach Ablauf seiner Sperre sanktionsrechtlich wieder ein freier Mann (vgl. auch causasportnews vom 14. Oktober 2019), ausbezahlt. Mit der von der FIFA bestätigten Klage dürfte auch bezweckt werden, Michel Platini als allfälligen, künftigen FIFA-Präsidenten zu verunmöglichen. Ein Präsident, der sich mit dem Verband in einem Rechtsstreit befindet, ist natürlich für das höchste Amt ebendieses Verbandes untragbar. Innerhalb der FIFA ist immer noch bestens bekannt, dass der ehemalige französische Star-Spieler an sich die Nachfolge von Joseph Blatter hätte antreten sollen. Wegen einer gegen Michel Platini ausgefällten Sperre wurde schliesslich der bis anhin praktisch unbekannte Gianni Infantino 2016 zum Präsidenten und Nachfolger von Joseph Blatter gewählt. Der Vorgang, der nun zu einer Zivilklage führt, hat auch strafrechtliche Dimensionen erfahren. Von den Strafverfolgungsbehörden wird seit längerer Zeit und immer noch ermittelt wegen ungetreuer Geschäftsbesorgung und Veruntreuung gegen Joseph Blatter und Michel Platini.



(causasportnews / red. / 12. September 2019) Die Enthüllungsplattform „Football Leaks“ ist für den Sport eher ein Fluch (weil durchwegs negativ besetzt), für die Medien tendenziell ein Segen. Letztere können die Geschichten, welche das umfangreiche Recherche-Material hergibt, jedenfalls trefflich in der „Sauregurkenzeit“ ausbreiten. Wie nun etwa die Enthüllung zu Geldflüssen im organisierten Weltfussball, welche das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ in der aktuellen Nummer (37/ 7. September 2019) der Öffentlichkeit zur Kenntnis bringt. Erstaunlich ist die Story alleweil. Sie beginnt am Sitz des Europäischen Fussballverbandes (UEFA) in Nyon und könnte durchaus dereinst vor Gericht enden. So soll die UEFA dem Ukrainischen Fussballverband (FFU) seit ungefähr 15 Jahren Geld, das dem Verband diskussionslos zusteht, an eine Unternehmung auf den Britischen Jungferninseln bezahlt haben. Hinter dieser „Newport Management Ltd.“ im bekannten Steuerparadies soll ein bekannter Oligarch aus der Ukraine, der gleichzeitig als Präsident des Fussballklubs Dynamo Kiew amtet, stehen. Sein Bruder ist offenbar ein einflussreicher Funktionär der UEFA und war auch während vieler Jahre Präsident von Dynamo Kiew. Wie auch immer die personellen Verflechtungen sind: Sonderbar ist, dass Gelder, welche einem Mitgliedsverband der UEFA zustehen, nicht dem berechtigten Verband direkt, sondern einem Dritten in einer Steueroase bezahlt werden; Verbandsverantwortliche, hier der FFU, sind verpflichtet, dass Gelder ausschliesslich dem berechtigten Verband für dessen Aktivitäten im Dienste des Fussballs zufliessen. Das macht ein weiteres, grosses Problem manifest: An sich ist es einem Verein nach Schweizerischem Recht – und als solcher ist die UEFA organisiert – nicht gestattet, ein Vereinsmitglied (hier die FFU) derart grosszügig zu begünstigen; es müssen ideale Zwecke verfolgt werden. Im konkreten Fall ist immerhin von rund 400 Millionen Franken, die auf diese Weise während mehrerer Jahre an die FFU bezahlt worden sind, die Rede. Schleierhaft scheint, dass mit diesem Betrag aus der Sicht der UEFA Dritte ideell gefördert worden sein sollen. Aber vielleicht war es doch so. Es sei niemandem irgendetwas unterstellt und es gilt für alle die Unschuldvermutung, doch grundsätzlich ist vor Augen zu halten, dass eine vereinsrechtlich unzulässige Zweckverfolgung immer dann vorliegt, wenn einem Vereinsmitglied ein konkreter ökonomischer, geldwerter Vorteil verschafft wird. Sollte die zentrale Bestimmung von Art. 60 des Schweizerischen Zivilgesetzbuches (ZGB) hier „geritzt“ worden sein, könnte dies zumindest vereinsrechtliche Folgen nach sich ziehen. Die Organe eines Verbandes, konkret die UEFA, hat erstens die Pflicht dafür zu sorgen, dass, wenn schon, einem Mitglied, hier der FFU; direkt Gelder zufliessen; zweitens hat sie, zusammen mit der UEFA, zu beachten, dass bei einer solchen Konstellation keine unerlaubte, wirtschaftliche Zweckverfolgung angestrebt werden darf. Dies alles sind lediglich theoretische Überlegungen, die sich aufdrängen, sollten die vom Nachrichtenmagazin verbreiteten Fakten zutreffen. Nicht ganz wohl scheinen sich nun die Verantwortlichen der UEFA zu fühlen, allen voran der langjährige UEFA-Chefjurist Alasdair Bell und weitere Exponenten, durchwegs Weg-Gefährten des amtierenden FIFA-Präsidenten Gianni Infantino. Niemand scheint in diesem Vorgang die Übersicht zu haben. Jedenfalls sind sie alle nicht mehr in Nyon anzutreffen; die Funktionärs-„Karawane“ ist weitergezogen: Alasdair Bell & Co. sind seit rund einem Jahr beim Weltfussballverband FIFA in Zürich tätig und ihrem ehemaligen Chef gefolgt…Für den „Spiegel“ passt das alles zusammen. Der Vorgang dokumentiere „ein Ausmass an Misswirtschaft, das die Uefa auf eine Stufe mit dem Fussballweltverband stellt. Und tiefer als die Fifa kann eine Institution kaum sinken“, schreibt das Hamburger Magazin zur Enthüllung.