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Die Schweiz besiegt Weltmeister Frankreich: Plus qu’un miracle!

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(causasportnews / red. / 29. Juni 2021) Unglaublich, sensationell, eine Sternstunde, ein Wunder – die Attribute überschlagen sich nach dem gestrigen Sieg der Schweizer Fussball-Nationalmannschaft im Achtelfinal gegen Weltmeister Frankreich. Wahrscheinlich war es mehr als ein Wunder, plus qu’un miracle, und eine fabelhafte Geschichte, die nur der Fussball zu schreiben im Stande ist. Da steckte die schweizer Multi-Kulti-Truppe nach viel Prügel und Häme zu Beginn der Europameisterschaft, vor allem nach dem blamablen 0:3 gegen Italien und unmöglichen Eskapaden ausserhalb des Rasens, richtig ein, und nun alles Negative weg. Jetzt das: Das Wunder von Bern (1954 mit dem WM-Sieg Deutschlands und der Viertelfinal-Qualifikation der Schweiz) wiederholte sich in Bukarest zum einen auf wunderbare Weise (Deutschland hat es in den Füssen, neuer Europameister zu werden). Wer sich nach dem verschossenen Elfmeter von Ricardo Rodriguez und der Spielwende durch die Franzosen enttäuscht vom Spielgeschehen abwandte, wurde erst nach Mitternacht durch Hupen und Jubeln aus dem Schlaf, falls er denn gefunden wurde, gerissen (mit Ausnahme etwa in der kommunistischen Metropole Zürich, in der es an Werktagen nach zehn Uhr abends auch in Ausnahmefällen verboten ist, akustische Gefühlsregungen zu zeigen). Der Mannschaft der verschiedensten Charaktere, Herkünfte und Einstellungen gelang das, wovon in der Schweiz seit Jahrzehnten geträumt wurde: Die Nation hinter sich zu bringen. Auch so geht geerdeter Nationalismus. Die Nacht von Bukarest zeigte grundsätzlich auf, dass Fussball zwar ein Spiel ist, aber mehr sein kann als nur ein Spiel. Der Sport im Allgemeinen und der Fussball im Besonderen verkörpern in einem solchen Augenblick das, was das Leben lebenswert macht: Emotion pur! Es war gestern irrelevant, dass der Fussball auf diesem Niveau mehrheitlich verkaufte Emotion darstellt.

Vielleicht kommt es immer gut an, wenn David Goliath bezwingt. Was in der rumänischen Kapitale geschah, war sogar weit mehr, und aufgrund der Team-Konstellationen fühlte sich die Welt, nicht nur die Fussball-Welt, an Asterix und Obelix erinnert – die Geschichte der renitenten Kämpfer wiederholte sich gleichsam vor 25 000 Zuschauerinnen und Zuschauern. Les petits Suisses traten beherzt gegen die gallische Übermacht an. Der Abend in Bukarest endete für die Schweizer zwar nicht mit einem Wildscheinessen, höchstens mit ein paar Bier-Duschen. Die Schweizer glauben nämlich daran, dass sich das Wunder von Bukarest noch perpetuieren lässt. Vielleicht schon am Freitagabend gegen Spanien. Nach dem Spiel ist vor dem Spiel, und ein Sieg gegen Spanien liegt durchaus drin; erinnert sei an die Fussball-WM-Endrunde 2010 in Südafrika, als die Schweizer ihr erstes Gruppenspiel gewann: Gegen den nachmaligen Weltmeister Spanien! Es war die einzige Niederlage der Iberer in diesem WM-Turnier.

Obwohl Sport und Politik streng zu trennen sind, kann zumindest die Schweizer Politik von den Fussballern, die sich nach Anfangsschwierigkeiten phänomenal steigerten, lernen: Nach dem geplatzten Rahmenabkommen mit der Europäischen Union (EU) überbieten sich Politikerinnen und Politiker derzeit in Schreckensszenarien und Negativ-Prognosen, was die Zukunft der Schweiz, ohne starke Bindung an die EU, angeht. Aber: Die Schweiz hat nicht nur eine Top-Nationalmannschaft, sondern durchaus weitere «Assets». Dessen sollte sich die Politik, in aller Demut selbstverständlich, bewusst sein; und danach handeln, statt permanent zu kuschen und sich selber klein zu machen. Liebe Politikerinnen, liebe Politiker, wie wäre es mit ein wenig mehr Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen zwecks Wahrung berechtigter nationaler Interessen? Der Sport lehrt es, und die Schweizer Fussball-Nationalmannschaft hat es gestern eindrücklich demonstriert: Nur wer den Kampf aufgibt und sich verzwergen lässt, ist verloren.

Joachim Löw: Die Schuld des Trainers in der fussballerischen Baisse

Joachim Löws Höhepunkt: Der World Cup 2014, © Swiss Sport Forum

(causasportnews / red. / 19. November 2020) Wird einem Fussballtrainer in Bedrängnis das Vertrauen ausgesprochen, wie dies der DFB-Nationalmannschafts-Direktor Oliver Bierhoff gegenüber Joachim Löw nach der 0:6-Klatsche, welche die Deutsche Nationalmannschaft gegen Spanien anfangs Woche eingefangen hatte, tat, ist der Abgang des Bundestrainers wohl nur noch eine Frage der Zeit. Im «Fall Joachim Löw» wiederholt sich die schicksalshafte Trainer-Geschichte, die sich immer und auf allen Ebenen zu wiederholen pflegt. Diesmal jedoch auf höchstem Niveau. Immerhin ist Joachim Löw mit «Der Mannschaft», wie die Deutsche Nationalmannschaft seit geraumer Zeit heisst (und womit der Terminus «national» aus dem Fussball eliminiert worden ist), 2014 in Brasilien Weltmeister geworden. Doch seither hat ihn (auch) das Glück verlassen. Genau genommen, seit der aktuelle Bayern München-Trainer Hansi Flick als Assistent von «Jogi», wie Joachim Löw von den Massen genannt wird, das «Mannschafts»-Schiff nach dem in Brasilien errungenen Fussball-WM-Titel verlassen hat. Und nun glauben es auch die letzten Häretiker, dass der WM-Macher von 2014 eben eigentlich nicht Joachim Löw war, sondern…Hansi Flick! Wie dem auch sei. Bereits werden in den Deutschen Medien die ersten Namen für die Nachfolge von Joachim Löw herumgeboten, laufender Vertrag hin oder her – unter ihnen, wen wundert’s, Hansi Flick, der sich natürlich hüten wird, seinen Renommier-Posten beim FC Bayern München zu Gunsten der «Mannschaft» aufzugeben, auch wenn er sich als Klub-Trainer im Dauer-Einsatz befindet und als Bundestrainer für ebenfalls schönes Geld im Jahr nur ein paar Mal ran müsste; und sonst weidlich Golf spielen und sich im Fitness-Studio verlustieren darf.

Es lässt sich wohl nüchtern und sachlich feststellen, dass Joachim Löw den richtigen Zeitpunkt seines Abgangs nach dem WM-Titel verpasst hat. Statt als Säulenheiliger verehrt zu werden, dürfte er nun zum Buhmann der Nation, und nicht nur der «Mannschaft» verkommen. So abzutreten hinterlässt meistens Flurschaden und verbrannte Erde zugleich. Allerdings wäre es ungerecht, das Malaise der «Mannschaft» nach Brasilien alleine Joachim Löw in die Schuhe zu schieben, auch wenn das in der sportlichen Praxis so ist. Die «Mannschaft» ist gut, nur der Trainer schlecht – so lässt sich die Einsamkeit des Trainers in der fussballerischen Baisse, die konkret in ein kaum je da gewesenes Desaster in Spanien ausmündete, auf den Punkt bringen. Wobei es letztlich um die Schuldfrage geht, die im Fussball immer zuungunsten des Trainers beantwortet wird. Obwohl diese Schuld auch im «Fall Löw» evident bist, muss dieser und jener Negativ-Punkt dennoch relativiert werden. So ist das Marketingvehikel «Nationalmannschaft» mit der Umbenennung in «Die Mannschaft» in eine vom (nationalen) Publikum wenig goutierte Richtung gelenkt worden. Diese «Bieridee» von Oliver Bierhoff hat zweifelsfrei zur generellen Entfremdung der Deutschen Nationalmannschaft nicht nur vom Fussball-Volk geführt.

Mit der fortschreitenden, allgemeinen Globalisierung und weg vom nationalen Denken und Handeln wird der Nationalmannschafts-Fussball immer stärker entwertet. Ein WM-Titel wird bald weniger «wert» sein als ein Champions League-Triumph. Die Spieler aller Nationen sind lieber für ihre Klubs statt für die Nationalmannschaften tätig.