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Die hehre Parallelwelt des Internationalen Olympischen Komitees (IOK)

(causasportnews / red. / 24. April 2022) Es war schon lange so und hat sich jetzt wegen des von Russland losgetretenen Zerstörungs- und Vernichtungskrieges, der nun seit genau zwei Monaten tobt, akzentuiert: Das Internationale Olympische Komitee (IOK), ein Verein nach schweizerischem Recht (Art. 60 ff. des Zivilgesetzbuches, ZGB) und mit weitgehend im Greisenalter befindlichen natürlichen Personen als Mitglieder, pocht auf seine Vollautonomie. So hat sich das IOK zu Beginn des russischen Gemetzels in der Ukraine noch dafür ausgesprochen, russische und weissrussische Sportlerinnen weltweit vom organisierten Sport auszuschliessen. Aber Konsequenz im eigenen Haus ist nicht die Stärke des derzeit etwas mehr als 100 Personen zählenden Gremiums, das aus Männern und Frauen besteht, über deren vor allem geistige Fitness immer wieder räsoniert wird. Es ist eine Funktionärskaste, die sich an den Honigtöpfen des organisierten Sportes gütlich tut und für den Sport und seine Ideale mehr Fluch als Segen ist. Die wackeren Frauen und Männer leben ein Funktionärsleben, wie es für den Sport schlechter nicht sein könnte; jedoch ist das IOK eine Gruppierung, die sich unantastbar und über allem erhaben in der Welt des Sportes bewegt und vor allem davon profitiert. Nirgends im Sport sind die Abhängigkeiten und Verfilzungen derart, wie im Verein IOK, der sich grundsätzlich in einer Parallelwelt bewegt. Vor allem die Politik soll sich aus den IOK-Belangen heraushalten, sobald der absolute Machtanspruch und die Autonomie im Allgemeinen negativ tangiert werden könnte.

Für die Schweiz ist es eine immer wieder erklärte Ehre, dem IOK einen feudalen (Vereins-)Sitz im beschaulichen Lausanne zu gewähren. 2015 erklärte der damalige Sportminister Ueli Maurer anlässlich der 100 Jahr-Feier seit der Sitznahme des IOK in der Schweiz: «Ich danke Thomas Bach für alles, was er für den Sport tut».- Weder dieses Statement des immer noch in der Landesregierung dahinvegetierenden, im IOK-Mitglieds-Alter stehenden Ministers an sich noch dessen Inhalt nahm irgendein vernünftiger Mensch ernst. Seit langem ist bekannt, dass der Deutsche Thomas Bach und seine Gefolgsleute vor allem ihr persönliches Wohl im Auge haben. Vom Filz in Gesellschaft, Politik und Wirtschaft profitieren, sich jedoch sonst in der selbsterbauten Parallelwelt nicht behelligen lassen – das ist die Philosophie des IOK in Lausanne. Dieses hält zusammen wie Pech und Schwefel, und ein derartiger «Korpsgeist» wie in der Lausanner Gruppierung findet sich nicht einmal bei amerikanischen Feuerwehrleuten. Nun hat sich die aktuelle Schweizer Sportministerin erlaubt, das Sport-Komitee aufzufordern, Funktionäre aus Russland und aus Weissrussland aus dem organisierten Sport fernzuhalten. Da das Begehren seitens der Schweizer Regierung von über 30 weiteren Sportministerinnen und -ministern unterstützt wurde, musste das IOK Farbe bekennen und tat dies so, wie erwartet. Natürlich, so IOK-Präsident und Putin-Versteher Thomas Bach, werde das IOK keine Funktionäre aus Russland und Weissrussland ausschliessen (vgl. auch causasportnews vom 19. April 2022). Die IOK-Funktionäre seien keine Vertreter eines Landes, sondern würden ihre Funktion im IOK unabhängig, eben als natürliche Personen, wahrnehmen. So brüskierte das IOK nicht nur die Schweiz und unmittelbar die unbedarfte Sportministerin Viola Amherd, die seit der Abfuhr aus Lausanne vor Schreck verstummt ist. Zwischenzeitlich machen sich Politikerinnen und Politiker Sorgen um den Reputationsschaden, welcher der Schweiz aktuell vom IOK in dieser «Causa» in einer Brutalität, die zur Kriegsführung Russlands passt, zugefügt worden ist. Die Reaktion von Thomas Bach und seinem Clan ist weit mehr als eine monierte Einmischung der Politik in die Belange des Sportes und des IOK. Am liebsten würde man in der Schweiz jetzt das IOK in ein anderes Land wünschen, zumindest ins Pfefferland. Doch, das ist nicht so einfach. Einen privaten Verein wird man auch in der Schweiz nicht so leicht los, und das IOK hat es sich in der Schweiz auch wohlig eingerichtet. Die Parallelwelt in Lausanne ist stringenter als jedes Dogma der katholischen Kirche und in allen Belangen von Staat, Gesellschaft, und Wirtschaft und überdies ideologisch breit abgestützt. Dazu gehört auch die Justiz. So konnte sich der Weltsport, dirigiert durch das IOK, in der Schweiz eine relativ autonome, weltweit geltende und respektierte Gerichtsbarkeit einrichten. Durch die Schaffung des vom IOK mittelbar finanzierten Internationalen Sport-Schiedsgerichts (Tribunal Arbitral du Sport, TAS), zufälligerweise auch in Lausanne domiziliert, verfügt der Weltsport über eine quasi-eigene Gerichtsbarkeit, weitgehend unbehelligt von staatlichen Gerichten (so auch vom Bundesgericht, das TAS-Urteile im Extremfall aufheben kann, aber in seinen Opportunitäts-Entscheiden im Zusammenhang mit dem TAS immer wieder die Unabhängigkeit des Schiedsgerichts unterstreicht). Zufälligerweise hat auch das Schweizerische Bundesgericht seinen Sitz in … Lausanne. Ein Schelm, der Böses denkt!

Wimbledon 2022 ohne Russinnen und Russen

(causaspoprtnews / red. / 23. April 2022) Die Sportwelt ist sich seit dem von Russland gegen die Ukraine losgetretenen Zerstörungs- und Vernichtungskrieg gegen die Ukraine und gegen das ukrainische Volk ziemlich einig, dass Russinnen und Russen, welche kraft ihrer Nationalität eine Mitverantwortung an diesem brutalsten Gemetzel in der Geschichte der Menschheit seit dem 2. Weltkrieg haben, im organisierten Sport nichts (mehr) zu suchen haben und ausgeschlossen gehören. Es dürfte sogar die Kriegstreiber im Kreml erstaunt haben, dass die Sportwelt ausserhalb Russlands relativ konsequent Personen, die sich von diesem menschenverachtenden Regime nicht abwenden, beispielsweise durch die Rückgabe ihrer Pässe, vom Sport fernhält. Es ist dies ein Boykott auf sportlicher Ebene, der in anderen Segmenten, vor allem in der Wirtschaft, ähnlich funktioniert. Seit Kriegsbeginn und seit sich die zivilisierte Welt gegen diese barbarische Aggression stemmt, gibt der Sport in punkto konsequentes Verhalten gegenüber Russland ein heterogenes Bild ab: Allgemein sind weitgehend solidarische Konsequenz und Einigkeit feststellbar, jedoch bildet etwa das professionelle Tennis, die Sportart der Individuen und vor allem auch der Egoistinnen und Egoisten, eine traurige Ausnahme. Das hängt wohl eher nicht mit dem Status der aktuellen Nummer 2 im Herren-Tennis, dem Russen Daniil Medwedew, zusammen. What ever.

Nun greifen die Wimbledon-Organisatoren zu drastischen Massnahmen: In Wimbledon 2022 (Wimbledon Championship vom 27. Juni bis zum 10. Juli) werden weder russische noch weissrussische Spielerinnen und Spieler den als «heiligen Rasen» bekannten Platz betreten dürfen. Damit setzt der All England Lawn Tennis and Croquet Club, ein Verein, der das Turnier verantwortet und durchführt, ein starkes Zeichen im Sinne der Menschlichkeit gegen die russische Aggression. Zweifelsfrei erfolgt diese extraordinäre, erstmalige Massnahme in Abstimmung mit der britischen Regierung, welche sich im Westen am konsequentesten gegen den von Russland ausgehenden Terror, der das Leben in der ganzen westlichen Welt berührt, stemmt. Selbstverständlich soll mit diesem Ausschluss der Sportlerinnen und Sportler verhindert werden, dass Russland allfällige Erfolge der russischen Akteure zu Propagandazwecken nutzt. In der bekannten Arroganz verlautete aus dem Kreml, dass dieser Ausschluss dem Turnier letztlich selber schaden würde. Es war in der Tat nicht auszumalen, was geschehen würde, falls Daniil Medwedew dieses Turnier gewinnen würde! Dass der ergebene Claqueuren-Staat Russlands, Weissrussland, von der Massnahme ebenfalls betroffen ist, muss wohl als folgerichtig qualifiziert werden.

Mit dieser rigorosen Massnahme des Ausschlusses der russischen und weissrussischen Sportlerinnen und Sportler steht Wimbledon in der Tenniswelt ziemlich einsam da. Dass andere Turnier-Organisatoren diesen Boykott eher säuerlich zur Kenntnis nehmen und ihn entsprechend kommentieren, verwundert nicht. So räsoniert etwa der Direktor des Stuttgarter Tennis-Turniers, Markus Günthardt (65), vor sich hin und bemüht die Leier von der Autonomie des Sportes. Der nicht mehr taufrische Tennis-Organisator findet es im Interview mit dem Zürcher «Tages-Anzeiger» (22. April 2022) etwa unzulässig, dass politische Instanzen entscheiden dürfen, wer spielen dürfe und wer nicht. Dass Politik und Krieg miteinander vermengt werden, ist denn vor allem in dieser Ego-Branche nichts ausserordentliches. Der Stuttgarter Turnierchef, übrigens der Bruder der Schweizer Ex-Tennis-Legende Heinz Günthardt, liegt damit auf der Linie des Internationalen Olympischen Komitees (IOK), das in solchen Fällen die Autonomie des Sportes hochhält und exogene Einflüsse jeglicher Couleur auf den Sport immer dann bestreitet, wenn Eigeninteressen (meistens wirtschaftlicher Art) betroffen sind. Wie dem auch sei, das wird den All England Lawn Tennis and Croquet Club nicht von der eingeschlagenen Linie abbringen. Sport ist in der modernen, globalen Welt eben eine interdisziplinäre Angelegenheit geworden.

IOK windet sich mit Formalien aus der Kriegs-Verantwortung

(causasportnews / red. / 19. April 2022) Die(se) Reaktion war zu erwarten, doch dass sie so schnell kommen würde, verwunderte doch. Kurz vor dem Osterwochenende wurde bekannt, dass die Schweizer Sportministerin Viola Amherd auch im Namen von mehr als 30 Sportministerinnen und -minister vom Internationalen Olympischen Komitee (IOK) verlangte, die weltumspannende Sportorganisation möge sich nun doch von Funktionären des Sports aus Russland und Weissrussland trennen, bzw. diese aus dem globalen Funktionärssport ausschliessen (causasportnews vom 18. April 2022). Das IOK kam offensichtlich unter Druck und konnte das Problem völlig ungewohnt für einmal nicht aussitzen. Aus der IOK-Zentrale in Lausanne verlautete umgehend offiziell, dass russische und weissrussische Sport-Funktionäre weiterhin im Weltsport mittun dürfen. Ganz im Gegensatz zu den Sportlerinnen und Sportlern, die grundsätzlich vom internationalen Sport über die entsprechenden Verbände ausgeschlossen sind. Was die Mitglieder des Vereins IOK mit Sitz in Lausanne betrifft, kommt dem Präsidenten der Organisation, dem Deutschen Thomas Bach, die Vereinsstruktur des IOK entgegen. Mitglieder dieser Organisation sind 148 natürliche Personen, davon 103 stimmberechtigte Mitglieder. Deshalb, so der mit allen Wassern gewaschene IOK-Präsident und Jurist, bestehe kein Grund, sich von russischen und weissrussischen Funktionären zu trennen oder diese auszuschliessen, da sie als natürliche Personen nicht ihr Land vertreten würden. Recht hat natürlich der 68-jährige Deutsche, dem u.a. eine Nähe zum russischen Führer Wladimir Putin nachgesagt wird, in formaler Hinsicht. Thomas Bach kann etwa als Frank-Walter Steinmeier des Sports bezeichnet werden; beide Deutschen spielen mit Blick auf den Angriffskrieg Russlands eine etwa gleich opportunistische, dubiose Rolle. Die für die Sportministerinnen und -minister geradezu brüskierende Antwort aus der IOK-Zentrale in Lausanne passt zum ehemaligen Fechtsportler Thomas Bach, der sich den Funktionärs-, Polit- und Wirtschafts-Filz immer wieder zu Nutzen macht. Die Stellungnahme des IOK trägt die Handschrift des Juristen Thomas Bach, der sich aus dieser heiklen «Causa» mit Struktur-Formalien bezüglich des IOK herauswindet. Wie wenn die Sportlerinnen und Sportler aus den beiden genannten Ländern, die derzeit vom aktiven Sport ausgeschlossen sind, ihr Land vertreten würden…

Etwas anders sieht die (Rechts-)Lage bei den Funktionären der internationalen Sportverbände aus. Diese müssten von den jeweiligen Verbänden ausgeschlossen werden, was selbstverständlich möglich wäre. Gemäss Schweizerischem Vereinsrecht können Funktionäre als Verbandsorgane jederzeit abberufen werden. Wenn ein sog. «wichtiger Grund» gegeben ist, besteht das Abberufungsrecht von Gesetzes wegen und ist somit zwingend (Art. 65 Abs. 2 des Zivilgesetzbuches, ZGB). Dass die Sportverbände nicht gewillt sind, Organe abzuberufen oder Verbandsmitglieder auszuschliessen, hat der FIFA-Kongress Ende März in Katar gezeigt: Weder war die Abberufung eines russischen oder weissrussischen Vereinsorgans ein Thema, noch hatte sich die Vereinsversammlung des Weltfussballverbandes mit irgendwelchen Ausschliessungsanträgen gegen Russland oder Weissrussland zu befassen (Mitglieder der FIFA sind die Fussball-Landesverbände).

Mit dieser Verlautbarung des IOK wird manifest, dass im Weltsport die Athletinnen und Athleten weitgehend von ihren sportlichen Aktivitäten ausgeschlossen sind, die Sport-Funktionäre aus Russland und Weissrussland jedoch weiterhin ihr Unwesen treiben können – ähnlich wie die russischen (und auch ukrainischen) Oligarchen ausserhalb des kriegsführenden Russlands.

Den «sauberen» Sport weiterhin «clean» halten!

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(causasportnews / red. / 18. April 2022) Seit bald zwei Monaten tobt der russische Zerstörungs- und Vernichtungskrieg gegen die Ukraine. Ein Ende ist nicht abzusehen. Die Facetten dieses Krieges sind vielfältig und scheusslich. Das geschundene Land verhält sich so, wie es die Menschheit im Kampf von David gegen Goliath am liebsten sieht. Wenn die Ukraine, in welchen Belangen auch immer, punktet, nimmt dies die westliche Welt mit Genugtuung zur Kenntnis. So etwa aktuell in der Disziplin «Schiffchen versenken». Seit die Ukrainer das Flaggschiff der Russen, die «Moskau», auf den Meeresboden geschickt haben, hat dieser Coup zumindest die Moral des sich mit allen Mitteln wehrenden Volkes gestärkt. Der Krieg verläuft sonst «sauber», wie es die russische Propaganda die Welt glauben lassen will: Alles andere ist nur ukrainische und westliche Propaganda, verlautet es regelmässig aus dem Kreml.

Für den Sport ist das Wort «sauber» von geradezu magischer und existentieller Bedeutung. «Sauber» ist nicht nur der Lieblingsbegriff der Dopingbekämpfer. Der Sport hat immer und überall «sauber» zu sein! Fair, makellos rein, wie eine keusche Braut, an die zwar niemand mehr so richtig glaubt. So verhält es sich mit Russland. Es ist eine Nation, die hinter dem Krieg und seinem obersten Kriegstreiber steht. Was die «Sauberkeit» des Sportes in zweierlei Hinsicht bedroht. Da sind auf der einen Seite die Sporttreibenden, die man einigermassen umfassend aus der Sportwelt verbannt hat. Wer sonst, wie Schweinefleisch für Muslime, «unsauber» ist, hat im organisierten, aktiven Sport nichts verloren. Durch die Teilnahme von Russinnen und Russen am Sportbetrieb verliert der Sport seine Unschuld, er riskiert seine stets beschworene, zentrale ethische Maxime. Im Umgehungsfall treten diese Sporttreibenden aus dem Aggressionsland nicht mehr als Vertreterinnen und Vertreter Russlands auf, sondern sie verstecken sich allenfalls hinter der quasi-neutralen, olympischen Flagge des Internationalen Olympischen Komitees (IOK), oder sie formieren sich als Team des Russischen Olympischen Komitee (ROC); wie unlängst an den Olympischen Spielen in Peking im russischen Freundesland China (es war natürlich alles nur Zufall, dass der Krieg gegen die Ukraine nur vier Tage nach Beendigung der Spiele in Peking losgetreten wurde; wie damals, 2014, als die Annexion der Krim erfolgte, die drei Tage vor Abschluss der Olympischen Spiele im Russischen Sotschi ihren Anfang nahm). Der Monat Februar hat es offenbar in sich: Am 23. Februar 2014 begann die Annexion der Krim, am 24. Februar 2022 der Angriff auf die Ukraine…

Der aktive Sport ist also zu einem grossen Teil von russischen Athletinnen und Athleten gesäubert worden, was rechtlich absolut zulässig ist. Schwieriger verhält es sich mit den russischen Sportfunktionären, die weltweit (weiterhin) im organisierten Sport aktiv sind. Zwar hat das IOK nach Kriegsbeginn dazu aufgerufen, russische und auch weissrussische Funktionäre aus dem Sport zu verbannen. Geschehen ist allerdings bisher nichts. Die Verflechtungen und der üble «Filz» sowie die flächendeckende Korruption sind im organisierten Sport so schwierig auszumerzen wie in den Staaten vorwiegend in Europa. Der oberste Olympionike, der Deutsche Thomas Bach, wird sich – trotz gegenteiliger Beteuerungen – davor hüten, den Krebs des «Unsauberen» im Sport auf dieser Ebene zu zerschlagen. Das hat nun die Schweizerische Sport- und Verteidigungsministerin (!), Viola Amherd, dazu bewogen, einen Brief an den IOK-Präsidenten zu verfassen und ihn energisch (sic!) aufzufordern, die von mehr als 30 europäischen Sportministerinnen und -ministern mitgetragene Deklaration zum Ausschluss von russischen und weissrussischen Funktionären im Sport voranzutreiben. Thomas Bach, selber als nicht gerade interessenkonfliktsfrei bekannt, wird sich hüten, die im Sport tätigen Funktionäre aus Russland und Belarus nur schon zur Demission aufzufordern. Zu stark reichen deren Verbindungen zum Kreml. Dabei wäre alles doch so einfach: Da die meisten und wichtigsten internationalen Sportverbände und das IOK als Vereine nach schweizerischem Recht, ihre Sitze in der Schweiz haben, würde ein Blick in das Zivilgesetzbuch (ZGB) zur Wahrung des «sauberen» Sportes auch auf der Funktionärsebene genügen. So heisst es in Art. 65 ZGB, dass die Vereinsversammlung (das oberstes Organ im Verein) die Aufsicht über die Tätigkeit der Organe (wichtige Funktionäre, etc.) hat «und kann sie jederzeit abberufen». Beispiel Alexander Djukow: Der Gazprom-Russe sitzt frisch und fröhlich weiterhin in der UEFA-Exekutive. Gazprom ist zwar aus dem europäischen Fussball eliminiert worden, der Putin-Anhänger in der Regierung des Europäischen Verbandes dirigiert aber weiterhin den europäischen Fussball von Nyon aus mit. Der Verein IOK und die Verbände müssten also nur wollen und der Sport wäre von Funktionärinnen und Funktionären russischer Nationalität gesäubert. Das ist natürlich alles eine schöne (Rechts-)Theorie. Mit den Sportfunktionären verhält es sich nämlich wie mit den Oligarchen, welche die Vorzüge der westlichen Welt geniessen und so vor allem sich selber nur Gutes tun.

Die Kraft des Fussballs ist stärker als diejenige des Krieges

Doha/Katar; Photo by Abdullah Ghatasheh on Pexels.com

(causasportnews / red. / 4. April 2022) Der diesjährige FIFA-Kongress vom 31. März 2022 ist Geschichte. Die Generalversammlung des Weltfussballverbandes mit Sitz in Zürich wurde diesmal traditionell am Austragungsort der bevorstehenden WM-Endrunde durchgeführt: In Katar. Dem Funktionärs-Ereignis der Welt-Fussballer wurde einigermassen erwartungsneutral entgegengeblickt, trotz zweier Impakte, mit der sich die «Fussball-Familie», wie sie von FIFA-Präsident Gianni Infantino salbungsvoll genannt wird, konfrontiert sieht. Da ist immer noch «Corona», das alles andere als besiegte Virus, das den organisierten Sport seit mehr als zwei Jahren durcheinanderwirbelt. Viel schlimmer und undiskutabel von Menschenhand gemacht ist allerdings der vor bald eineinhalb Monaten von Russland angezettelte Krieg gegen die Ukraine, der nachhaltige Folgen auf den Sport zeitigen wird. Unter diesen Vorzeichen traf sich also die «Fussball-Familie» in Doha, in einem Land, das seit der Vergabe der WM-Endrunde an Katar die Fussballwelt entzweit. Die Katari nennt der FIFA-Präsident dennoch «seine Brüder» (nicht einfach «Brüder», so, wie er vor genau vier Jahren vor Beginn der WM-Endrunde in Russland den Kriegstreiber Wladimir Putin als «seinen Freund» bezeichnet hat). So verschloss der tapsige FIFA-Funktionär in seinen präsidialen lucida momenta seine Augen nicht vor dem Negativen und Bösen in der Welt, und meinte mit Blick auf den schrecklichen Krieg in der Ukraine, dass es solches auch in anderen Teilen der Welt geben würde. Na ja. Doch der Sport und vor allem der Fussball stehen gemäss Gianni Infantino für eine bessere Welt, dank der «Kraft des Fussballs».

Es wundert nicht, dass dann eine Frau, die Verbandspräsidentin Norwegens, Lise Klaveness, die Realitäten ins richtige Licht rückte und vor der versammelten Kongressgemeinde in Doha Klartext sprach zur unglücklichen Vergabe der WM-Endrunde 2022 und zum brutalen Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine. Sehr zum Missfallen der Katari selbstverständlich und des stets opportunistisch agierenden FIFA-Präsidenten. Mit ihren warnenden und demaskierenden Worten erntete sie jedenfalls in der katarischen Höhle des Löwen weit mehr Applaus als Gianni Infantino mit seiner Ankündigung, im kommenden Jahr für eine letzte Amtszeit von vier Jahren kandidieren zu wollen, was wie eine Drohung wirkte. Die Zeit dieses Funktionärs-Schwurblers läuft langsam aber sicher ab. Was er denn bis jetzt und seit 2016 erreicht habe, fragt sich die Zürcher «Sonntags-Zeitung»: «Er wollte viel und ist mit allem gescheitert. Und jetzt bekommt er auch keine WM alle zwei Jahre», meint ein Sportredaktor. Und stöhnt: «Ach, immer dieses Grinsen. Diese geschauspielerte Leichtigkeit. Immer diese Selbstinszenierung. Gianni Infantinos Auftritte auf der grossen Bühne des Fussballs sind kein Vergnügen», heisst es resigniert in einem Kommentar.

Dass am diesjährigen Kongress das Thema Russland / Ukraine pfleglich und sport-diplomatisch abgehandelt oder eher ignoriert wurde (trotz der mutigen Worte von Lise Klaveness), versteht sich; die Verbandsvertreterinnen und -vertreter sind noch schwächer als der FIFA-Präsident. Fürwahr keine Plattform, auf der auch einmal grundsätzlich Klartext gesprochen oder mutige Entscheide gefällt würden. So war es auch in Doha. Eine Suspension Russland im Rahmen der FIFA-Mitgliedschaft war kein Thema, noch weniger eine Ausschliessung des Russischen Verbandes aus dem Schweizer Verein mit Sitz in Zürich. Entsprechende Anträge fehlten und schliesslich blieben die Vertreter des Ukrainischen Verbandes im Kriegsgebiet – im Gegensatz zum Russischen Verband, der mit zwei Vertretern am Kongress in Doha teilnahm. Weil die Versammlung auch digital durchgeführt wurde, galt der Verband der Ukraine dennoch als anwesend. So funktioniert die Harmonie in der FIFA-Familie auch in Kriegszeiten.

Neues aus der russischen Trickkiste der Sportjuristerei

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(causasportnews / red. / 31. März 2022) Dass die Isolation Russlands auch im organisierten Sport in Moskau und Umgebung nicht auf Begeisterung stösst, ist nachvollziehbar. Die Ausschliessung des Landes etwa aus dem Fussball aktiviert auch die kreativen Geister im Land, welche bestrebt sind, die Wirkungen dieser Isolation abzufedern. Neues ist diesbezüglich aus der Trickkiste der Sportjuristerei zu vermelden. So wird derzeit angedacht, dass der Fussballverband Russlands, der durch die UEFA (Europäischer Fussballverband) und die FIFA (Weltverband) in seinen Spiel-Aktivitäten lahmgelegt worden ist, diese Massnahmen umgehen will. Ein Konföderationswechsel des russischen Fussballverbandes soll es möglich machen. Offensichtlich wird in Erwägung gezogen, dass der Nationalverband Russlands den Europäischen Verband (UEFA) verlassen und sich der Asiatischen Konföderation (AFC, Asian Football Confederation) anschliessen soll. In der Konföderation Asiens geniesst Russland offensichtlich, nicht nur wegen China, weit mehr Goodwill als bei den Europäern. So einfach wird ein Konföderationswechsel des Russischen Verbandes allerdings nicht zu bewerkstelligen sein (die sechs Kontinental-Konföderationen sind sog. «selbständige Sektionen» des Vereins FIFA). Zuerst müssten die Russen aus der UEFA austreten (und somit wohl auch aus der FIFA) was erst zum Jahresende möglich wäre. Oder die FIFA könnte den russischen Verband aus einem sog. «wichtigem Grund» aus dem Weltverband ausschliessen. Die AFC müsste jedenfalls ein Aufnahmeprozedere in Gang setzen, was einige Zeit in Anspruch nehmen würde. Die FIFA-Statuten sind in dieser Hinsicht rigoros: «Eine Mitgliedschaft (in der FIFA) ist nur möglich, wenn der Verband derzeit Mitglied einer Konföderation ist», heisst es in Art. 11 des FIFA-Grundgesetzes). Oder anders: Ohne Konföderationsmitgliedschaft ist eine FIFA-Mitgliedschaft unmöglich!

Bevor diese Szenarien weiterverfolgt werden, ist nun der FIFA-Kongress (Generalversammlung des Weltverbandes, der als Verein, Art. 60 ff. ZGB, nach Schweizerischem Recht organisiert ist), am letzten Tag dieses Monats in Doha/Katar über die Runden zu bringen. Mit Spannung wird zu verfolgen sein, ob und allenfalls in welcher Form der Krieg Russlands gegen die Ukraine ein Kongressthema werden wird. Der FIFA-Präsident wird dabei mit Blick auf das heisse Thema den Ball zweifellos flach halten und die apolitische Seite des Fussballsports betonen. Und das traurige Ereignis im Rahmen der vielbeschworenen «Welt-Fussballfamilie», der sowohl die Verbände Russlands als auch der Ukraine als Mitglieder angehören, aussitzen.

Gift, Galle und Gespenstiges um den Russen-Krieg

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(causasportnews / red. / 29. März 2022). In diesem seit dem 24. Februar tobenden Aggressionskrieg, den Russland in brutalster Weise gegen die Ukraine losgetreten hat, kommen die menschlichen Abgründe in allen Facetten zum Tragen – auf und neben den Schlachtfeldern. Zuweilen geht es in diesem Feldzug unter Führung des dämonischen Kreml-Herrschers verwirrlich, skurril und teils auch gespenstisch zu und her. Einigermassen geeint hat die westliche Welt Russland in die Isolation getrieben. Das «System Putin» ist ausserhalb des Aggressions-Staates unter Druck geraten. Das totalitäre Regime in Moskau basiert schwergewichtig auf den oligarchischen Pfeilern, die sich in den letzten 20 Jahren in der westlichen Welt etabliert haben. Die Oligarchen sind zwischenzeitlich durchwegs verpönt und Repressionen aller Art. ausgesetzt. Sie fürchten sogar um ihr Leben; ihre Reichtümer, wie und weshalb sie auch immer aufgehäuft wurden, und ihr Leben können diese steinreichen Regime-Treuen nicht mehr beschwingt, abgehoben und in dekadenter Perfektion geniessen. Die Welt speit Gift und Galle gegen die noch nie geliebten Oligarchen. Zum Beispiel gegen Roman Abramowitsch, den Eigentümer des Londoner Top-Klubs FC Chelsea. Um ihn ranken sich Gerüchte, Vermutungen und Verdächtigungen. Seit der 55jährige Ur-Russe nach dem Beginn des Krieges vergeblich versucht, «seinen» Klub loszuwerden, ist seine Welt nicht mehr dieselbe, die sie einmal war. Auch er arbeitet, wie alle anderen Oligarchen nach dem Kriegsausbruch, an seiner Besitzstandwahrung. Ob seine soeben bekannt gewordene Aktion, wohl kaum aus Nächstenliebe inszeniert, damit zu tun hat, steht in den Sternen. Weil Russen seit Jahren weltweit mit Giften aller Art aktiv sind, verwundert es nicht, dass Roman Abramowitsch, der offenbar zwischen Russland und der Ukraine vermittelt (!), Ziel eines Giftanschlages geworden sein soll. Nach einer Verhandlungsrunde in Istanbul sind beim Oligarchen sowie bei zwei Ukrainern angeblich Vergiftungssymptome aufgetreten. Da im Zusammenhang mit diesem Vorfall lediglich Spekulationen, Vermutungen und Verschwörungstheorien gesichert sind, dürfte einzig das klar sein: Das unbeschwerte Leben der Haupt-Träger des totalitären, russischen Systems gehört ausserhalb Russlands wohl der Vergangenheit an.

Sich im Westen für den Feldherrn und Führer im Kreml stark zu machen, ist derzeit auch für Sportler innen und Sportler ein mehr als schwieriges Unterfangen. Der Sport entzieht sich weltweit der russischen Kontamination; er weist mit Blick auf Russland und auf russische Athletinnen und Athleten geradezu toxische Elemente auf.

Zum Beispiel der seit 2009 für Russland Schach spielende Grossmeister Sergei Karjakin, der zuvor für … die Ukraine am Brett sass, um sich damals für das nun vom Krieg arg gebeutelte Land in den Bann der 64 Felder zu begeben. Wegen seiner Kriegspropaganda für den Führer und Russland wurde das 32jährige Schachgenie, das zum propagandistischen Wirrkopf mutierte, nun vom Weltschachverband (FIDE) eingegrenzt und für sechs Monate gesperrt. Wer weiss, wie die Welt in sechs Monaten aussieht…

So, wie diversen Sportlerinnen und Sportlern, die aus dem internationalen Sport ausgeschlossen sind (etwa der russische Formel 1-Pilot Nikita Masepin), ergeht es aktuell etlichen Grössen der Entertainment-Szene, die sich nicht vom Kreml-Regime lossagen wollen, so etwa der Opern Diva Anna Netrebko, deren Auftritte auf West-Bühnen wohl nicht so schnell wieder möglich sein werden. Wenn überhaupt.

Eine WM-Endrunde ohne Italien ist möglich, aber (ziemlich) sinnlos…

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(causasportnews / red. / 26. März 2022) Die Niederlage der Nationalmannschaft Italiens gegen Nordmazedonien war für Bella Italia ein sportlicher Super-GAU. Schon vor vier Jahren fehlte der aktuell amtierende Europameisterschaft in Russland, als die Barbarei durch diese Nation ziemlich weit weg war – und nun das! Dass das eigene Unglück immer stärker gewichtet wird als es in den Augen der übrigen Welt erscheinen mag, ist evident. Doch fühlt man sich nach dem «WM-Aus» der Italiener an Vicco von Bülow, alias Loriot, erinnert, der den Spruch, zwar auf seine geliebten, vierbeinigen Möpse gemünzt, zum Kult werden liess, dass eben ein Leben ohne Möpse möglich, aber sinnlos sei. So ist es nun wohl ein bisschen mit dem Land des Europameisters: Eine WM-Endrunde ohne Italien, der besten Nationalmannschaft auf dem Planeten, in diesem Jahr ist natürlich möglich, aber zumindest sportlich ein klein wenig sinnlos(er). Zumal der Anlass in Katar stattfinden wird, im Land, das vor fünf Wochen noch mit Spott und Häme überschüttet wurde und nun wegen der praktizierten Bestialitäten der Russen zum Rettungsanker der (Energie-)Welt mutierte. Sollen wir im nächsten Winter, wenn die WM-Endrunde in Katar über den Retorten-Rasen gehen wird, nicht frieren, so geht es nun offenbar nur mit den Rohstoffen aus Katar! Die Regierenden dieser Welt, welche sich derzeit für Gas und Öl aus alternativen Quellen geradezu prostituieren, sehen sich gezwungen, sich von den Herrschern in Katar in den Wüstenstaub zu werfen und um Gas und Öl zu betteln. Besonders peinlich exerziert diese Praxis der Deutsche, «grüne» Vizekanzler Robert Habeck vor, der seinen ersten, soeben erfolgten Bittgang zum Emir von Katar und zu seinem Gefolge noch ohne Ergebnis hinter sich hat; weitere Gänge nach Doha werden folgen. Die derzeitige Situation für die «Grünen» ist eh ein Desaster: Sie wagen es nicht einmal, die durch den Krieg inszenierte Umweltkatastrophe nur schon zu thematisieren. Aber wer kennt sie noch die Geschichte von «Boule de suif» («Fettklösschen») von Guy de Maupassant? Die Vorgänge wiederholen sich bekanntlich immer wieder. Weshalb denn die Historie bemühen?

Apropos Katar: Im Retortenstaat wird am letzten Tag des laufenden Monats die Generalversammlung des Weltfussballverbandes (FIFA) stattfinden. Die Verbände Russlands und der Ukraine werden dann einträchtig im selben Tagungssaal in Doha zusammensitzen. Der Sport ist schliesslich apolitisch. So wird sich in diesem Rahmen auch der FIFA-Präsident Gianni Infantino nicht von seinem erklärten Freund und Schlächter im Kreml distanzieren müssen, und die Vorfreude auf die WM-Endrunde im kommenden Winter in Katar wird durch nichts mehr getrübt werden. Die aktuelle Weltlage macht es möglich; auch wenn Italien dann eben an der WM-Endrunde fehlen wird. Ob die Ukraine dabei sein kann, wird sich weisen. Sie hat sich sportlich noch zu bewähren. Sicher wird Russland fehlen. Die Russen erhalten so die Gelegenheit, in dieser Zeit vielleicht parallel zur WM-Endrunde ein Freundschaftsspiel für den Frieden und gegen den Frust – gegen Italien austragen…

Das die Momentaufnahme. Im Zuge des Russland-Feldzuges und der Luftschläge gegen die Ukraine haben u.a. die Sport-Funktionäre mit Gegenwind zu kämpfen. Der FIFA-Präsident muss sich zwar erst im kommenden Jahr zu Wiederwahl stellen. Ob aber demnächst ein Ethikverfahren gegen den Italo-Schweizer wegen seiner Putin-Nähe vorbereitet wird, ist ein gut gehütetes Geheimnis in der FIFA-Zentrale auf dem Zürcher «Sonnenberg». Müsste es eigentlich. Anders sieht es derzeit für einen anderen, allerdings ehemaligen Sport-Funktionär aus der Schweiz aus: René Fasel, der 25 Jahre den Internationalen Eishockey-Verband (IIHF) mit Sitz in Zürich geführt hat. Der unempathische Schwätzer aus dem Freiburgerland sprach nach dem Ausschluss von Russland und Weissrussland für die anstehende Eishockey-WM von einem «traurigen Moment in der IIHF-Geschichte». Diese Unsensibilität hängt wohl mit der (erklärten) Freundschaft des Alt-Funktionärs mit dem Weissrussischen Putin-Steigbügelhalter Alexander Lukaschenko zusammen. Fürwahr, auch hier wiederholt sich die Geschichte. Hinzu kommt das Bonmot: Wer solche Freunde hat, braucht keine Feinde mehr!

Sport Sponsoring – «pecunia non olet»

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(causasportnews / red. / 23. März 2022) In Kriegszeiten erlebt das Bonmot «pecunia non olet», das auf den römischen Kaiser Vespasian (verstorben 97 n. Chr.) zurückgeht, eine Renaissance. Wie jetzt wieder während des russischen Angriffskrieges, der seit einem Monat tobt. Aus der Sicht des Sportes steht unter den aktuellen Bedingungen das Sport-Sponsoring mit seinen diversen Facetten und Auswirkungen im Fokus. Unter den als durchwegs egoistisch qualifizierten Athletinnen und Athleten, gibt es noch Beispiele, welche das Gegenteil beweisen. Zum Beispiel der Star-Fussballer Robert Lewandowski, der sich von seinem chinesischen Sponsoring-Partner Huawei getrennt hat, weil dieser den Krieg Russlands gegen die Ukraine begünstigt. Der Torjäger des FC Bayern München mag das reichliche Geld, das ihm seit Jahren aus China zufliesst, nicht mehr annehmen; die Moral prävaliert. Der Telekommunikationskonzern hat damit sein bekanntestes Werbegesicht in Europa verloren. Zeichen setzen in dieser Richtung auch Fussball-Ikone David Beckham und seine Frau, das ehemalige «Spice Girl» Victoria. Vor allem aus der persönlichen Schatulle des Paares fliesst derzeit viel Geld in Richtung Ukraine. Selbstverständlich gibt es Sportlerinnen und Sportler zuhauf, die nun in diesem schrecklichen Krieg Gutes tun und nicht darüber sprechen. So verhält es sich wohl mit dem seit langer Zeit pausierenden Tennis-Ass Roger Federer. Der Schweizer ist nicht dafür bekannt, publikumswirksam Gutes zu tun. Im Moment sorgt er sich eh um sein Engagement mit der Schweizer Grossbank Credit Suisse (CS), die dem Maestro des Tennis-Sports seit 13 Jahren ungefähr eine Million Schweizer Franken jährlich in die Kasse spült. Die Probleme bei der schlecht geführten Grossbank werden seit Monaten allerdings immer grösser, Skandal reiht sich an Skandal, während die CS-Aktien immer mehr an Wert verlieren. Das hat mit Roger Federer natürlich nichts zu tun, doch wird zwischenzeitlich auch die Frage aufgeworfen, ob sich der über 40jährige Tennis-Star im sportlichen Vorruhestand diese Liaison mit der angeschlagenen Bank noch leisten kann. Dass sich ein Sportler diese Frage stellen muss, ob er sich weiterhin zu einem schlingernden Unternehmen bekennen und so auch einen Reputationsschaden des Sponsoring-Partners gefallen lassen will und kann, ist eine eher seltene Konstellation. Meistens ist es umgekehrt, dass sich ein Sponsoring-Geber von einem Sportler trennt, weil dieser aus welchen Gründen auch immer (es muss nicht immer Doping sein), in Ungnade gefallen ist. Zudem in der «Causa Roger Federer» auf eine Million Franken pro Jahr zu verzichten ist überdies eine Entscheidung, die wohl überlegt sein will. Derzeit sind mit Blick auf den Krieg Russlands gegen die Ukraine wenigstens Oligarchen-Konten bei der CS kein Thema. Oder werden sie es doch noch? Positiv mutet zudem der Umstand an, dass Katar, an der CS beteiligt, derzeit von Bittstellern aus der ganzen Welt mit Blick auf Rohstoffe geradezu bedrängt wird. Nicht nur der grüne Deutsche Wirtschafts- und Klimaminister Robert Habeck ist im energiesparenden Sonderflugzeug in Katar eingetroffen und hat sich vor den Herrschern in Doha in den Wüstenstaub geworfen. Dank und wegen des tobenden Krieges ist Katar als Energie-Alternative plötzlich salonfähig geworden. Eben, «pecunia non olet». Es ist wie eine Fata Morgana wie diese seit vier Wochen anhaltende Katastrophe die Welt umzukrempeln im Stande ist und welche Weltbilder nun zusammenkrachen! Wer hätte das gedacht, dass allen Unkenrufen gegen Katar zum Trotz, das Ende Jahr die Fussball-WM-Endrunde austragen wird, verstummen. Der Auftakt auf das freudigste Fussballereignis im Jahr 2022 bildet die Generalversammlung des Weltfussballverbandes FIFA, die am letzten März-Tag dieses Jahres stattfinden wird; in Katar natürlich. So läuft auch alles optimal für den erklärten Putin-Freund und FIFA-Präsidenten Gianni Infantino. Ja, was kümmert einen Sport-Funktionär das Geschwätz von gestern? So sah es schon der legendäre deutsche Bundeskanzler Konrad Adenauer. Damals wurde in der Tat noch nachhaltige Politik betrieben.

FC Chelsea im Oligarchen-Strudel

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(causasportnews / red. / 20. März 2022) Wenn die Engländer etwas unternehmen, dann tun sie es gründlich. Das Vereinigte Königreich macht beispielsweise ziemlich ernst mit dem schillernden russischen Oligarchen Roman Abramowitsch, der zu den erklärten Freunden des russischen Kriegstreibers Wladimir Putin zählt und von dem er sich bis jetzt auch nicht losgesagt hat. So gesehen befindet sich der Russe, der 2003 den Londoner Nobelclub FC Chelsea übernommen hat, in guter, bzw. schlechten Oligarchen-Gesellschaft ausserhalb Russlands. Seit die Sanktionen gegen Russland und gegen die Russen ausserhalb Russlands greifen, gilt Roman Abramowitsch im Westen nicht nur als geächtet, sondern regelrecht als kaltgestellt (auf der Insel hat man wohl zuerst erkannt, dass die Oligarchen im Westen tragende Säulen des aggressiven Russlands sind und deren Ächtung noch Schlimmeres verhindern kann). Mit «seinem» Club FC Chelsea kann der 55jährige Wirtschafts-Strippenzieher aus dem Osten derzeit praktisch nichts mehr, ihn nicht einmal mehr verkaufen. Gemäss Regierungsdekret darf der Club nur noch Minimalbeträge für Spesen ausgeben. Verlängert sich der Krieg Russlands gegen die Ukraine, was zu befürchten ist, könnte der FC Chelsea bald Geschichte sein und im Oligarchen-Strudel versinken.

Allgemein gewahrt die Welt, dass der losgetretene Ukraine-Feldzug nicht nur das satanische Werk eines Einzelnen ist, sondern Russlands Aggression als systemimmanent bezeichnet werden muss. Vom teuflischen Werk eines Individuums also keine Spur. Der «Führer», wie er offiziell auch genannt wird, lässt sich öffentlich von adretten Stewardessen und in Sportstadien vom Volk feiern. Das hatten wir doch alles schon vor rund 80 Jahren. Damals verlief der Angriff auf rechtschaffene Völker und friedlich Nationen von Westen nach Osten, nun von Osten nach Westen. Die Ausgangslage heute ist identisch mit derjenigen in den Jahren 1939 ff., die Art der Kriegsführung ebenfalls. Der russische Krieg wird vor allem durch das Oligarchen-System in der westlichen Welt begünstigt. Einem der schlimmsten dieser Zeitgenossen, eben Roman Abramowitsch, geht es nun an den Kragen. Jedenfalls ist es ziemlich schwierig geworden mit den vermögenden Russen im Westen, von denen man nicht so genau weiss, wie sie zu Multi-Milliardären werden konnten. Diese wurden seit Jahren sekundiert von dubiosen Anwälten, Treuhändern, Unternehmensberatern und Claqueuren, vor allem auch in der Schweiz. Diese waren und sind ebenfalls Teil eines umfassenden Netzwerkes in der Politik, in der Wirtschaft und in der Gesellschaft. Beim FC Chelsea-Beherrscher ist dennoch der Versuch misslungen, sich in der Schweiz zu etablieren – trotz der Unterstützung willfähriger Anwälte, die teils zugleich im Umfeld des professionellen Fussballs und für den Weltfussballverband FIFA tätig sind; zumindest in einem Fall ist dies belegt. Wenn sogar die Schweiz einen Oligarchen wegweist bzw. ihn nicht aufnimmt, und in ihm ein Reputationsrisiko erkennt, muss alles noch viel schlimmer als angenommen sein.

Apropos FIFA: Der Weltfussballverband FIFA hat soeben, untermalt von Schalmeienklängen, kommuniziert, Sachspenden für Ukrainische Kriegsopfer zur Verfügung stellen zu wollen. Verbandsmaterial soll es sein; wahrscheinlich gehören auch ein paar Bälle dazu, mit denen sich in den zerbombten Städten trefflich spielen lässt. Gianni Infantino, der sich bis jetzt auch nicht von seinem Freund im Kreml losgesagt hat, musste ein opportunistisches Zeichen setzen. Immerhin findet Ende Monat der FIFA-Kongress in … Doha statt. Mit dabei natürlich das FIFA-Mitglied Russischer Verband, das gegen die Lieferung von Verbandsmaterial aus der FIFA-Zentrale kaum etwas einwenden wird. Mit Geld wäre der FIFA-Familienfrieden wohl nachhaltig gestört worden.

Apropos Doha: Dort ist im Moment der Deutsche Vize-Kanzler Robert Habeck (Grüne) tätig, mit dem Ziel, Gas für Deutschland für den nächsten Winter zu erbetteln. In der Not frisst der Teufel bekannterweise Fliegen. Wetten, dass nun in Deutschland sofort alle Stimmen gegen die Fussball-WM-Endrunde in Katar verstummen? Wie würde es Bertold Brecht einschätzen? Eben zuerst das Fressen, dann die Moral…

In der derzeitig weltweit chaotischen Situation, in der sich der Russland-Krieg immer mehr zur globalen Auseinandersetzung zwischen Ost (Russland, China) und West ausweitet, kommt eine Meldung aus Lausanne nicht überraschend: Der Internationale Sport-Schiedsgerichtshof (TAS) hat einen Einspruch des Verbandes Russlands abgelehnt und den Ausschluss der Russen von den Qualifikationsspielen für die WM-Endrunde in Katar bestätigt. Somit steht Polen in der zweiten Playoff-Phase und spielt dann gegen den Sieger aus der Partie Schweden gegen Tschechien.