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«Medaillenspiegel» lügen nicht…

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(causasportnews / red. / 23. Februar 2022) Nach Abschluss der Olympischen Winterspiele in Peking nehmen die Nachbearbeitung der Wettkämpfe breiten Raum ein. Im Vordergrund steht dabei der «Medaillenspiegel» (relevant ist die Anzahl der goldenen Auszeichnungen), der mit Blick auf die 109 Medaillensätze Interessantes vermittelt: Die mit Abstand erfolgreichste Nation ist Norwegen mit insgesamt 37 Medaillen (16 goldene Auszeichnungen); Deutschland belegte den zweiten Platz (27 Medaillen; 12 Goldmedaillen). Österreich rangiert auf Platz sieben (18 Medaillen; 7 Goldmedaillen), einen Rang vor der Schweiz (14 Medaillen; 7 Goldmedaillen); die Schweiz platzierte sich knapp vor dem Team Russlands (ROC, 32 Medaillen; 6 Goldmedaillen). «Medaillenspiegel» lügen nicht, oder höchstens ein wenig.

Erklärtes Ziel der Schweiz war es, in Peking 15 Medaillen zu gewinnen. Es hätte durchaus einen Prognosen-Volltreffer absetzen können, doch wurde der Gewinn der 15. Medaille auf unglückliche Art und Weise vergeigt. Fanny Smith, die ambitionierte Freestyle-Sportlerin, wurde regelrecht um die Früchte ihrer Arbeit im Schnee gebracht. Erst Tage nach dem Verdikt wurde seitens Swiss Ski Rekurs beim Internationalen Skiverband (FIS) eingelegt. Es ist nicht auszuschliessen, dass dereinst der Internationale Sport-Schiedsgerichtshof in Lausanne (TAS) darüber befinden wird, ob der Schweiz im «Medaillenspiegel» von Peking noch die 15. Medaille gutgeschrieben wird. Apropos Schweiz: Die 14 Medaillen (davon 7 goldene Auszeichnungen) wurden ausschliesslich im Skisport errungen. Was bedeutet: Die Schweiz ist ausserhalb des Skisports zur «tote» Wintersport-Nation geworden. Früher waren etwa die Bob-Fahrer, die Langläufer und Skispringer sichere Medaillenwerte. Davon ist nichts mehr übrig geblieben. Aus dem «Medaillenspiegel» kann herausgelesen werden, dass der Wintersport in der Schweiz nur noch auf den Skipisten stattfindet. Was zudem auffällt: In Peking gelangten 109 Medaillensätze zur Verteilung, sieben mehr als 2018 in Pyeongchang (in Sapporo 1972 waren es lediglich 35 Wettbewerbe). Im Vergleich zu Sapporo (1972) mit 10 gewonnenen Medaillen in 35 Wettkämpfen hat sich die Schweiz in Peking mit 14 Medaillen in 109 Wettkämpfen gesamthaft und verhältnismässig massiv verschlechtert. Durchwegs Konstanz weist Norwegen auf: Die Nordländer führen die Wertungen Anzahl Medaillen (37), Medaillen pro Athlet/in (84; 0,440), Medaillen pro Einwohner (5,511 Einwohner in Millionen; 6,71 pro eine Million Einwohner) an. Nur nach dem Bruttoinlandprodukt liegt Slowenien an der Spitze…, vor Norwegen. Nochmals zur Schweiz: Mit total 15 Medaillen waren die Wettkämpfe in Südkorea 2018 die erfolgreichsten Winterspiele für das Skisportland im Herzen Europas. 1972 gewannen die Eidgenossinnen und Eidgenossen 10 Medaillen. Die Peking-Wertung Medaillen pro Einwohner gewinnt Norwegen vor Slowenien, Österreich, Schweden und der Schweiz. Die Wertung Anzahl Medaillen geht an Norwegen (37 Medaillen). Danach folgt das Team Russland (32 Medaillen), auf Platz drei kommt Deutschland mit 27 Medaillen.

Olympische Winterspiele in windiger Kälte, in Isolation und in der Polit-Falle

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(causasportnews / red. / 8. Februar 2022) Nach ein paar Wettkampftagen lässt sich eine erste Bilanz der Olympischen Winterspiele 2022 in Peking ziehen. Fazit: Freude, Begeisterung und Feststimmung würden sich wohl anders äussern. Die Wettkämpfe in der nicht gerade als pittoresk anmutenden Landschaft Chinas werden programmgemäss abgespult, und die Akteure, Funktionäre und die wenigen Zuschauenden, die sich in der «Corona-Blase» von Peking und Umgebung bewegen, sehnen offensichtlich vor allem das Ende dieser Gross-Veranstaltung am 20. Februar herbei. Noch selten spielte der Zufall eine derartige Rolle, wie bei diesen Spielen. Aufgrund der «Corona»-Pandemie führt der Zufall, ein Ereignis ohne kausale Erklärung, weitgehend Regie, wer an den Wettkämpfen teilnehmen kann oder nicht. Bezüglich Ausgang der Wettkämpfe spielen die Windverhältnisse eine massgebende Rolle. Die Teilnehmenden mimen zwar nicht gerade eine Hungersnot und den Ausnahmezustand, sie bewegen sich im Rahmen der Spiele jedoch am unteren Ende der Zumutbarkeits-Skala. Natürlich, im Winter herrscht Kälte, und auch der Wind kann ein Dauerbegleiter sein. Die Sportlerinnen und Sportler müssen zufolge der Pandemie, die ihren Ursprung wohl rund 1000 Kilometer von Peking entfernt haben soll, ihr Wettkampfleben in Isolation und Entbehrung ertragen. Kurz: Die Olympischen Winterspiele in China sind, wie die ersten Wettkampf-Tage gezeigt haben, das Ergebnis einer Fehl-Vergabe. Allerdings ist es evident, dass auch künftig derartige Veranstaltungen weitgehend an «spezielle» Destinationen vergeben werden.  Die Vergabe von grossen Sportanlässen, so auch die am Ende dieses Jahres stattfindende Fussball-Weltmeisterschafts-Endrunde in Katar, sind von politischen Mechanismen und von Interdependenzen zwischen Sport, Wirtschaft und Politik geprägt. Apropos Politik: Olympische Spiele bieten der Politik immer auch eine spezielle Plattform. Leider. Der aktuelle Anlass verhindert wohl einstweilen einen Krieg (zwischen Russland und der Ukraine); dem «Olympischen Frieden» sei’s gedankt. Sport ist bekanntlich oft ein Krieg ohne Waffen. Schon anlässlich der Eröffnungsfeier wurde zumindest eine neue Form des «Kalten Krieges» zelebriert. Russlands Präsident Wladimir Putin fand sich pünktlich zum Beginn von Olympia beim Chinesischen Machthaber Xi Jinping ein. Ein starkes Zeichen der kommunistischen Verbrüderung gegenüber dem Westen anlässlich der Eröffnung der Veranstaltung. Die Westmächte glänzten durch Abwesenheit. Was wohl als politisches Eigentor in dieser Situation zu werten ist. Oder der Westen ist in die Polit-Falle geraten. Oder wie es der ebenfalls abwesende Präsident Frankreichs, Emmanuel Macron, sagen würde, wenn er es dürfte: «Les absents ont toujours tort» (Die Abwesenden haben immer Unrecht). Wenigstens ein bisschen Reisediplomatie im Zuge der Ukraine-Krise hat der Deutsche Bundeskanzler Olaf Scholz an den Tag gelegt. Er flog zwar in die falsche Richtung, nach Washington statt nach Peking, landete aber immerhin beim angeblich wichtigsten Mann der Welt, dem US-Präsidenten Joe Biden.