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Joachim Löw: Wenn der Vorhang fällt

Joachim Löw am Swiss Sport Forum (photo by http://www.swisssportforum.ch)

(causasportnews / red. / 30. Juni 2021) Das war also der letzte Arbeitstag des Deutschen Bundestrainers Joachim Löw. Im berühmten Wembleystadion in London unterlag das Team von «Jogi», wie sie ihn einmal liebevoll, einmal abschätzig-hämisch nennen, dem Team aus dem Mutterland des Fussballs, sang- und klanglos 0:2. Eine Mannschaft ohne «Feuer», Teamgeist und Spielwitz verabschiedete sich vorzeitig vom Europameisterschafts-Turnier, und lieferte in etwa dasselbe Desaster ab wie anlässlich der Fussball-WM-Endrunde 2018 in Russland.

Das Ausscheiden des an sich hochkarätigen Teams bot soviel Tristesse wie das Ende von Joachim Löw als Bundestrainer. Der Mann konnte einem leidtun. Es war nach Spielschluss im «Wembley» so, wie wenn ein Vorhang fällt und der Applaus des Publikums ausbleibt. So, wie das Recht eine Bühne braucht, bot der Abgang des Bundestrainers eine Parallelität zum Recht der Bühne, das im Sport oft dann, wenn es beispielsweise um die Facetten von Arbeitsvertragsverhältnissen in dieser Entertainment-Branche geht, herangezogen wird. Juristisch war alles einwandfrei. Längst wurde es angekündigt, dass Joachim Löw, seit Jahren dem Erfolg nach dem grandiosen WM-Titel 2014 in Brasilien nacheilend, nach der Europameisterschaft sein 15jähriges Engagement im Deutschen Fussball-Bund (DFB) beenden würde. Ob es geschickt war, mit einem angekündigten Abgänger in ein solches Turnier zu steigen, ist eine andere Frage (vgl. dazu auch causasportnews vom 10. März 2021). Diese Personaldisposition hätte allenfalls Sinn gemacht, wenn «Yogi» nach 2014 die Erfolgsspur nicht verlassen hätte; womit sich auch, wie immer (auch) in solchen Fällen, die Frage nach dem verpassten Abgang stellt. Letztlich ist es nachweislich so, dass sich nicht zuletzt das (Wettkampf-)Glück von Joachim Löw abwendete, als ihn sein Co-Trainer im Nationalteam, Hansi Flick, nach dem WM-Erfolg in Brasilien verliess. Dass der Nachfolger von Joachim Löw während Jahren der Assistent seines Vorgängers war, entbehrt nicht einer gewissen Ironie. Vielleicht bekommen jetzt alle diejenigen Expertinnen und Experten, von denen es auch in Deutschland mehr als 80 Millionen gibt, Recht, die es immer gesagt haben, dass Hansi Flick in der «Ära Joachim Löw» eigentlich stets der faktische Bundestrainer war. Hansi Flick, nach einem grandiosen Intermezzo beim FC Bayern München, wird nun das Nationalteam von Grund auf erneuern müssen; bis zur Fussball-WM-Endrunde dauert es (nur) noch knapp eineinhalb Jahre.

Fast letzte Arbeitstage für zwei Renommier-Trainer

Vladimir Petcovic und Joachim Löw am Swiss Sport Forum (photo by http://www.swisssportforum.ch)

(causasportnews / red. / 24. Juni 2021) Das (Fussball-)Schicksal wollte es anders: Zumindest entsprach es den Gesetzen der Wahrscheinlichkeit (oder der Wahrscheinlichkeit?), dass die beiden Fussballtrainer Joachim Löw (Deutschland) und Vladimir Petkovic (Schweiz) ihre letzten Arbeitstage nach Abschluss der Gruppenspiele an der Fussball-Europameisterschaft noch etwas würden hinausschieben können. Bei Joachim Löw ist es längst klar, dass er mit dem letzten Spiel der Deutschen Nationalmannschaft an der laufenden Kontinental-Meisterschaft sein Engagement nach 15jähriger Tätigkeit für den Deutschen Fussball-Bund (DFB; Höhepunkt: Gewinn des WM-Titels 2014 in Brasilien) beenden würde. Die Frage war und ist nur noch, wann die Deutschen das letzte Spiel austragen werden. Die Gruppenphase ist schon einmal glücklich überstanden worden. Das Team von Joachim Löw hat sich mit einem Unentschieden gegen Ungarn regelrecht in das Achtelfinal geduselt. Der zweite Gruppenplatz beschert nun den Deutschen eine Hammer-Partie gegen das Fussball-Mutterland England. Es könnte durchaus sein, dass der 29. Juni 2021 im berühmten Londoner Wembleystadion noch nicht der letzte Arbeitstag im erfolgreichen Trainer-Leben des Joachim Löw werden wird.

Es käme wohl der Fussball-Sensation des Jahrhunderts gleich, wenn sich die Schweiz, nach viel Mühen in den Gruppenspielen und insbesondere nach einer Horror-Leistung gegen Italien (0:3), am 28. Juni 2021 gegen Frankreich (in Bukarest) durchsetzen könnte. Der Weltmeister 2018 ist, das kann als Fazit nach den Gruppenspielen gezogen werden, die bisher klar beste Mannschaft des Turniers. Wenn es so kommt, wie erwartet, wird der Schweizer Trainer Vladimir Petzkovic am nächsten Montagabend wohl seinen letzten Arbeitstag in dieser Funktion hinter sich gebracht haben. Obwohl sein Arbeitsvertrag als Nationalcoach, den er seit 2014 versieht, noch weiter andauert, ist durchgesickert, dass der 58jährige Fussball-Lehrer wieder ins Klub-Geschäft einsteigen möchte. Zenit St. Petersburg ist offenbar am Schweizer interessiert. Kein Zweifel, dass in diesem Fall der Schweizerische Fussball-Verband (SFV) den Trainer vorzeitig aus dem laufenden Arbeitsvertrag entlassen wird; eine Vertragsauskaufszahlung von Russland nach Bern würde eher nicht fliessen.

Nach einer kurzen Pause kommt nun die Fussball-Europameisterschaft in die entscheidende Phase. Ab sofort heisst es für die im Turnier verbliebenen Teams: Verlieren verboten – oder nach Hause fahren. Ab Achtelfinals wird in den Austragungs-Stadien auch mehrheitlich (wieder) Rahmen-Normalität herrschen. Wer die Bilder aus den Stadien betrachtet, wird den Eindruck nicht los, dass «Corona» nun von den Fussball-Funktionären verordnete Geschichte ist – so, wie auch in etlichen Ländern willfährige Politiker vor allem aus Opportunitätsgründen die Krise für beendet erklärt haben. Zwischenzeitlich sind auch die meisten Austragungsorte vor dem Europäischen Verband (UEFA) eingeknickt und erfüllen die Forderung des Verbandes nach mehr Publikum in den Stadien – «Corona» hin oder her. Denn ohne volle Sportstätten und die transferierten Fan-Emotionen lässt sich das «Produkt Fussball» nur halb so gut verkaufen – oder noch weniger. Als Wirtschaftsfaktoren sind die jubelnden und feiernden Zuschauerinnen und Zuschauer praktisch keine «Assets»; sie sind jedoch zuständig für Klamauk und Emotionen – das verkauft sich indirekt, medial und digital, am besten. Fussball, die verkaufte Emotion, könnte man hier ein Fazit ziehen. Wenn das mit Blick auf die Pandemie, die alles andere als besiegt ist, nur gut geht…

«Was erlauben Hansi?» – Folgt «Hansi» auf «Jogi»?

© Marco Verch

(causasportnews / red. / 19. April 2021) Die deutsche Fussball-Welt ist konsterniert. Wohl erstmals in der Geschichte des organisierten Sportes verspürt ein Top-Trainer in diesem wichtigen Fussball-Land keine Lust mehr, seinen noch zwei Jahre dauernden Arbeitsvertrag zu erfüllen; dieser hat nunmehr lediglich eineinhalb Jahre gedauert. Die Titelflut, die der Trainer dem FC Bayern München in der kurzen Zeit seines Schaffens beschert hat, ist beispiellos. Doch jetzt reicht es ihm nach kurzer, erfolgreicher Tätigkeit. Hansi Flick hat am Wochenende angekündigt, nach Saisonabschluss die Bayern verlassen und aus dem laufenden und bis 2023 dauernden Vertrag aussteigen zu wollen. Noch ist es ein Wunsch. Der 56jährige Erfolgstrainer kennt die Rechtslage. Weshalb er vorzeitig seine Zelte in München abbrechen möchte, weiss derzeit niemand. Vermutungen existieren zuhauf. Oder hat der Mann einen «Flick» ab, dass er auf geschätzte sieben Millionen Euro pro Jahr verzichten will? Die Welt des FC Bayern steht Kopf, und es wird an der Münchner Säbener Strasse schon einmal die einseitige Kommunikation durch den hockkarätigen Fussball-Trainer, der als einer der Co-Baumeister des WM-Titels 2014 für Deutschland gilt, verurteilt. Mehr fällt den Klub-Verantwortlichen zum «Thema Hansi Flick» derzeit nicht ein. Im FC Bayern ticken die Uhren eh anders als anderswo. Vorpreschen geht gar nicht. Nicht ein Trainer hat bei den Bayern zu bestimmen, wann Schluss ist, sondern eben der Klub («Mia san mia»). Oder mit dem ehemaligen Bayern-Trainer Giovanni Trapattoni könnte die derzeitige Situation aus der Sicht der im Moment lethargischen Klubführung so zusammengefasst werden: «Was erlauben Hansi?».

Kein Zweifel herrscht darüber, dass der FC Bayern Hansi Flick ziehen lassen wird, auch wenn die Umstände in der «Causa Flick» anders sind als üblich. Jetzt hat der Baumeister des deutschen WM-Erfolgs vor sieben Jahren eigenständig seinen Rücktrittswunsch geäussert; und dieser wird zweifelsfrei erhört werden, sobald sich die Klubleitung von der Ankündigung erholt hat. Klar ist natürlich, dass sich sogar in München nur einer der weltbesten Trainer einen solchen Schritt erlauben kann. Trainer sein im FC Bayern ist grundsätzlich etwas für Liebhaber. Geht es um diesen Klub, erträgt es keinen Spass – nur das Spiel der Münchner. Und wenn sich für einen Erfolgs-Trainer auch mit einem laufenden Arbeitsvertrag anderweitige Optionen öffnen, ist er gut beraten, den Abgang in München selber zu bestimmen. Ob Hansi Flick mit seiner Ankündigung den ersten Schritt in Richtung Bundestrainer-Amt vollzogen hat? Wird «Hansi» auf «Jogi» folgen? «Schau’n mer mal», würde ein Bayern-Urgestein, Franz Beckenbauer, dazu sagen.

Sport und Politik im Gleichschritt

Photo by Ingo Joseph on Pexels.com

(causasportnews / red. / 6. April 2021) Der Sport ist seit jeher grundsätzlich darauf bedacht, sich aus der Politik herauszuhalten. Oder sich von der Politik nicht vereinnahmen zu lassen. Zu oft ist die Plattform «Sport» allerdings von Despoten, Diktatoren und anderen Misanthropen für ihre durchwegs unlauteren Zwecke und Ziele missbraucht worden. Ab und zu kann sich der Sport der politischen Einflussnahme entziehen. Aber nicht immer. Nicht selten leben Sport und Politik ambivalent. Wer erinnert sich nicht an grosse Zeiten der Deutschen Nationalmannschaft, etwa, als Bundeskanzlerin Angela Merkel, oft an Spielen auf der Tribüne mit dabei, zum glühendsten Fan des Nationalteams wurde? Sogar das Mannschafts-Duschen fand unter Mitwirkung der Regierungschefin statt. Die Kanzlerin in der Kabine; das war klar mehr als die Erotik des Fussballs. Die Kicker und Trainer Joachim Löw genossen den direkten Support aus dem Kanzleramt sichtlich. Welch ein Zufall, dass die Kanzlerin und der Bundestrainer derzeit etwa dasselbe «Fegefeuer» ertragen (müssen). Sport und Politik nun also im Gleichschritt.

Bundestrainer Joachim Löw ist nach bald 16 Jahren auf höchster Trainer-Ebene ebenso am Ende seiner Karriere angelangt wie Bundeskanzlerin Angela Merkel, seit 2005 im Amt. Nach der Europameisterschaft im Sommer soll Schluss sein; so verhiess es vor kurzer Zeit aus der DFB-Zentrale. Wahrscheinlich ist aber schon vorher Schluss. Die anhaltenden Klatschen auf dem Spielfeld, zuletzt ein schmachvolles 1:2 gegen Nordmazedonien, werden den vorzeitigen Abgang von «Jogi» Löw beschleunigen. Wenn dem Trainer in der DFB-Chefetage (verbal in der Öffentlichkeit) der Rücken gestärkt wird, bedeutet dies letztlich ein rascher Abgang. Dieser wird im Fall des Bundestrainers von den Medin nun durchwegs energisch gefordert; mit einem angeschlagenen Trainer eine Europameisterschaft durchzustehen – das ist zwar möglich, aber sinnlos. Der Druck der Öffentlichkeit wird unabwendbar werden. Gemäss dem deutschen Leitmedium «Bild» wollen 87 Prozent der von der Zeitung befragten 250 000 Menschen, dass Joachim Löw sofort abgelöst wird. Das Hauptproblem: Wer soll den Bundestrainer ersetzen? Die einen können nicht, die anderen wollen noch weniger. Die Kardinalfrage lautet: Wieviel steuert ein Bundestrainer zu sportlichen Erfolgen bei? Im Misserfolg ist er eh verantwortlich.

Ähnlich sehen die Nachfolgeperspektiven bei der amtierenden Bundeskanzlerin aus. In jeder Hinsicht wäre ein sofortiger Rücktritt angebracht. Sie agiert längst als «lame duck» und verwaltet vor allem die seit über einem Jahr anhaltende «Corona»-Krise, statt das Virus effizient zu bekämpfen. Bei ihr ist allerdings dasselbe Problem zu orten wie beim Bundestrainer: Wer soll nach ihr kommen? Schliesslich will sie mit ihrem Festhalten bis zum Schluss als treue Parteigenossin der Union das Kanzleramt sichern. Diese Sorge wird sie bis zum Ende ihrer Amtszeit in Berlin halten.

Es braucht nicht einmal Auguren um vorauszusehen, dass Joachim Löw die Europameisterschaft als Bundestrainer nicht mehr erleben wird – trotz offizieller Ankündigung; Angela Merkel dürfte hingegen tendenziell bis zur Bundestagswahl im September im Zentrum der politischen Macht ausharren. Das Ende ist für beide Persönlichkeiten nahe, welche es durch längst fällige Rücktritte verpasst haben, sich sportlich, bzw. politisch, unsterblich zu machen. Danach werden die Top-Politikerin und der langjährig Bundestrainer Zeit finden, sich bei Kaffee und Kuchen über für beide glorreiche(re) Zeiten zu unterhalten – in Sport und Politik.

Lothar Matthäus als Bundestrainer? Vom Feeling her ein gutes Gefühl!

Photo by Günter Hentschel

(causasportnews / red. / 23. März 2021) Seit dem Bekanntwerden, dass der Deutsche Bundestrainer Joachim Löw nach der Fussball-Europameisterschaft im Sommer seinen Posten im Deutschen Fussball-Bund (DFB) verlassen werde (causasportnews vom 10. März 2021), interessiert die (Fussball-)Welt nur noch eine Frage: Wer wird dessen Nachfolger? Lanciert wird derzeit vor allem von den Medien die Fussball-Legende Lothar Matthäus. Schliesslich soll der Nachfolger des oft spröden «Jogi» nach drei Jahren anhaltender Erfolglosigkeit etwas mehr «Glamour» versprühen als der zurückgetretene Freiburger. Das Fussball-Leben kann durchaus farbiger sein als dies Joachim Löws schwarzer Rollkragenpullover während über zehn Jahren symbolisierte. Etwas mehr «Pep» im deutschen Nationalmannschaftsfussball würde allen dienen; Joachim Löw galt nicht gerade als Garant von (Fussball-)Spiel und Spass. Mit Lothar Matthäus würde alles anders werden. Wer über einen gewissen Bekanntheitsgrad verfügt, die Medien hinter sich weiss und ihnen genug zum (über)leben lässt, ist in Deutschland schon fast Bundestrainer. Der soeben 60 Jahre alt gewordene Weltmeister von 1990 hechelt derzeit von Interview-Termin zu Talk-Show. Es könnte gut kommen mit Lothar Matthäus. Oder, wie es ein anderer, ehemaliger Star-Kicker, Andy Möller, sagen würde: Vom Feeling her darf Lothar Matthäus durchaus ein gutes Gefühl haben mit individuellem Blick in Richtung Bundestrainer-Job. Er würde zweifelsfrei den (medialen) Erwartungen gerecht. In einem Interview mit der Schweizer Boulevard-Zeitung «Sonntags-BLICK» (21. März 2021) erzählt Lothar Matthäus schon einmal alles über seine Karriere, seine vier Ex-Ehefrauen, sein Familienleben, Schicksalsschläge und den Fussball. Er sagt viel zu diesen Themen, er sagt es «fadengerade» hinaus, und das meiste, das er kommuniziert, hat er zweifellos richtig gedacht. «So begleitete ich meine Mutter in den Tod», titelte die Zeitung vielsagend. Nein, «Loddar», wie er auch liebevoll genannt wird, hat keine Ambitionen auf Sterbebegleitung. Im Interview spricht er vor allem über seine Mutter, die ihm sehr nahestand. «Sie ist bei ihrem Mittagsschlaf auf der Couch einfach eingeschlafen», erinnert sich die Fussball-Legende an den plötzlichen Tod der Mutter. Derzeit ist Lothar Matthäus in fünfter Ehe verheiratet, aber: «Ich habe zu allen meinen Ex-Frauen ein super Verhältnis», legt er seine persönliche Familien-Konstellation vielsagend offen. Selbstverständlich würde sich der ambitionierte, derzeitige TV-Fussball-Experte eine DFB-Anfrage bezüglich des Amtes als Bundestrainer überlegen – und selbstverständlich zugreifen, falls sich die Chance dazu bieten würde. Auch wenn es um die Deutsche Nationalmannschaft geht. Denn Lothar Matthäus lässt, im Zusammenhang mit seiner beeindruckenden Laufbahn im Fussball und seinem Privatleben, nicht viele gute Haare an seinen Landsleuten. «Ich bin nicht stolz, Deutscher zu sein», sagt er. Generell werde in Deutschland respektlos mit Menschen, die etwas erreicht haben, umgegangen. «Man ist hämisch und schadenfroh, wenn einer vom Sockel geholt wird. Wenn man den Führerschein verliert oder irgendwelche Frauengeschichten öffentlich werden, dann wirst du mit Häme überschüttet»; mit Blick etwa auf die gestürzten Helden Franz Beckenbauer und Boris Becker seien die Deutschen sehr hart in ihren Urteilen. Aber so sei die Neidgesellschaft, die er nicht verstehe, sagt «Loddar». Der Rekordnationalspieler seines Landes hat durchaus eine sanfte Seite: «Ich bin auch sensibel und weine, wenn mich etwas trifft», sagt er und meint damit zweifelsfrei nicht den Ball. Dennoch würde er einigermassen sicher als Bundestrainer des deutschen Nationalteams zur Verfügung stehen, als Trainer jedoch sicher nicht mehr im «Tagesgeschäft», das heisst wohl, nicht mehr im Klub-Fussball. Ob es mit Lothar Matthäus und der «Mannschaft» soweit kommen wird? Wohl eher nicht. Falls doch, würde sich der fite 60jährige, der auch ab und zu «den Schweinebraten nicht liegen» lässt, wohl sagen: «Humor ist, wenn die Deutschen trotzdem lachen».

Joachim Löw und die Gesetzmässigkeiten des Fussballs

Jogi Löw, deutscher Bundestrainer, an einer Veranstaltung des Swiss Sport Forum im FIFA World Football Museum

(causasportnews / red. / 10. März 2021) Es war an sich nur noch eine Frage der Zeit, bis der vorzeitige Abgang von Joachim Löw als deutscher Bundestrainer auch formell besiegelt sein würde. Seit der verunglückten WM-Expedition 2018 der Deutschen nach Russland galt der Weltmeister-Trainer der Nationalmannschaft (2014, WM-Titel in Brasilien) als «angeschossen», und ginge es nicht wieder einmal um das liebe Geld, wäre der Schnitt zwischen dem Deutschen Fussball-Bund (DFB) und dem Erfolgstrainer längst Realität geworden. Nun sorgte der 61jährige Fussball-Lehrer selbst für klare Verhältnisse und kündigte seinen Rücktritt nach der im Sommer wohl stattfindenden Fussball-Europameisterschaft an. Es ist davon auszugehen, dass sich der Verband und Joachim Löw auf eine vorzeitige Vertragsauflösung bzw. Vertragsaufhebung des an sich noch bis nach der WM-Endrunde 2022 in Katar laufenden Kontraktes geeinigt haben. Der Freiburger hat mit seinem vorzeitigen Rücktritt, oder wie auch immer die soeben bekannt gewordene Vertragsbeendigung qualifiziert werden soll, den Gesetzmässigkeiten des Fussballs Rechnung getragen. Diese wären vor allem, dass der Trainer immer ein Thema ist, nicht nur dann, wenn der Erfolg ausbleibt; dann aber umso mehr. Eine weitere Usanz bildet der Umstand, dass derartige Trennungen jeweils opportunistisch vorgenommen werden. Es ist im Fussball wie in einer kriselnden Ehe: Die entscheidenden Schritte müssen sinnvollerweise umgehend vorgenommen werden. Dass der Bundestrainer noch bis zum Abschluss der Europameisterschaft im Amt bleiben soll, ist eine geradezu fahrlässig herbeigeführte Situation mit Kollateralschaden-Potential. Joachim Löw wird mit der Mannschaft das bedeutende Turnier für Nationalmannschaften als «lame duck» («lahme Ente») bestreiten. Die Gegner der Deutschen an der EM wird es freuen. Der Zeitpunkt der Beendigung der Tätigkeit von Joachim Löw im DFB ist aus unternehmerischer Sicht in Berücksichtigung der Sitten, Gebräuche und Gesetzmässigkeiten im Top-Fussball als krasse Fehlleistung zu qualifizieren. Entscheide zur «Gesichtswahrung» aller Beteiligten sind für ein Unternehmen immer schlecht. So, wie sich die Dinge im DFB seit der verunglückten Russland-Mission der Deutschen vor knapp drei Jahren entwickelt haben, müsste ein Neustart umgehend erfolgen. Nicht zu vermeiden ist nun, dass die Nachfolgediskussion die Szene beherrschen und nicht mehr Joachim Löws Arbeit mit der Deutschen Mannschaft im Fokus stehen wird. Die Europameisterschaft überstehen – e poi morire, wäre der Betrachter der Szene geneigt zu sagen.

Der Nationalmannschafts-Fussball hat sich vom angestammten Produkt-Inhalt und aufgrund seiner Bedeutung in den letzten, wenigen Jahren markant verändert. Für die Fans steht im Zuge der Globalisierung eher der Klub-Fussball im Zentrum des Interesses, was sich auch in der bereits im Gang befindlichen Nachfolgediskussion um Joachim Löw manifestiert. Hansi Flick, der Trainer des erfolgreichen FC Bayern München und jahrelang engster Mitarbeiter des Bundestrainers, wird sich hüten, einen der besten Jobs im international bedeutenden Klub-Fussball aufzugeben und in den immer mehr an Bedeutung verlierenden Nationalmannschafts-Fussball zurückzukehren. Apropos Hansi Flick: Seit er aus dem Stab von Joachim Löw zurückgetreten ist, hat letzteren auch das (vor allem sportliche) Glück verlassen. Das führt zur folgerichtigen Frage, ob Hansi Flick der «heimliche» Bundestrainer war, welcher der Deutschen Nationalmannschaft aus der zweiten Linie den Stempel des Erfolgs aufgedrückt hatte. Zeit, um ein paarmal im Jahr die Deutsche Nationalmannschaft zu coachen, hätte Ralf Rangnick, derzeit ohne Job und Hoffnung auf ein sinnvolles Klub-Engagement. Dass diese Personalie nun vordergründig thematisiert wird, zeigt, in welchem Dilemma der Nationalmannschafts-Fussball im Allgemeinen steckt.

Joachim Löw: Die Schuld des Trainers in der fussballerischen Baisse

Joachim Löws Höhepunkt: Der World Cup 2014, © Swiss Sport Forum

(causasportnews / red. / 19. November 2020) Wird einem Fussballtrainer in Bedrängnis das Vertrauen ausgesprochen, wie dies der DFB-Nationalmannschafts-Direktor Oliver Bierhoff gegenüber Joachim Löw nach der 0:6-Klatsche, welche die Deutsche Nationalmannschaft gegen Spanien anfangs Woche eingefangen hatte, tat, ist der Abgang des Bundestrainers wohl nur noch eine Frage der Zeit. Im «Fall Joachim Löw» wiederholt sich die schicksalshafte Trainer-Geschichte, die sich immer und auf allen Ebenen zu wiederholen pflegt. Diesmal jedoch auf höchstem Niveau. Immerhin ist Joachim Löw mit «Der Mannschaft», wie die Deutsche Nationalmannschaft seit geraumer Zeit heisst (und womit der Terminus «national» aus dem Fussball eliminiert worden ist), 2014 in Brasilien Weltmeister geworden. Doch seither hat ihn (auch) das Glück verlassen. Genau genommen, seit der aktuelle Bayern München-Trainer Hansi Flick als Assistent von «Jogi», wie Joachim Löw von den Massen genannt wird, das «Mannschafts»-Schiff nach dem in Brasilien errungenen Fussball-WM-Titel verlassen hat. Und nun glauben es auch die letzten Häretiker, dass der WM-Macher von 2014 eben eigentlich nicht Joachim Löw war, sondern…Hansi Flick! Wie dem auch sei. Bereits werden in den Deutschen Medien die ersten Namen für die Nachfolge von Joachim Löw herumgeboten, laufender Vertrag hin oder her – unter ihnen, wen wundert’s, Hansi Flick, der sich natürlich hüten wird, seinen Renommier-Posten beim FC Bayern München zu Gunsten der «Mannschaft» aufzugeben, auch wenn er sich als Klub-Trainer im Dauer-Einsatz befindet und als Bundestrainer für ebenfalls schönes Geld im Jahr nur ein paar Mal ran müsste; und sonst weidlich Golf spielen und sich im Fitness-Studio verlustieren darf.

Es lässt sich wohl nüchtern und sachlich feststellen, dass Joachim Löw den richtigen Zeitpunkt seines Abgangs nach dem WM-Titel verpasst hat. Statt als Säulenheiliger verehrt zu werden, dürfte er nun zum Buhmann der Nation, und nicht nur der «Mannschaft» verkommen. So abzutreten hinterlässt meistens Flurschaden und verbrannte Erde zugleich. Allerdings wäre es ungerecht, das Malaise der «Mannschaft» nach Brasilien alleine Joachim Löw in die Schuhe zu schieben, auch wenn das in der sportlichen Praxis so ist. Die «Mannschaft» ist gut, nur der Trainer schlecht – so lässt sich die Einsamkeit des Trainers in der fussballerischen Baisse, die konkret in ein kaum je da gewesenes Desaster in Spanien ausmündete, auf den Punkt bringen. Wobei es letztlich um die Schuldfrage geht, die im Fussball immer zuungunsten des Trainers beantwortet wird. Obwohl diese Schuld auch im «Fall Löw» evident bist, muss dieser und jener Negativ-Punkt dennoch relativiert werden. So ist das Marketingvehikel «Nationalmannschaft» mit der Umbenennung in «Die Mannschaft» in eine vom (nationalen) Publikum wenig goutierte Richtung gelenkt worden. Diese «Bieridee» von Oliver Bierhoff hat zweifelsfrei zur generellen Entfremdung der Deutschen Nationalmannschaft nicht nur vom Fussball-Volk geführt.

Mit der fortschreitenden, allgemeinen Globalisierung und weg vom nationalen Denken und Handeln wird der Nationalmannschafts-Fussball immer stärker entwertet. Ein WM-Titel wird bald weniger «wert» sein als ein Champions League-Triumph. Die Spieler aller Nationen sind lieber für ihre Klubs statt für die Nationalmannschaften tätig.

Ein (nicht) ganz gewöhnliches Fussballspiel

Deutschland – Schweiz, Stuttgart, 22. November 1950 © Deutscher Fussball Bund

(causasportnews / red. / 14. Oktober 2020) Es war an sich ein ganz gewöhnliches Fussballspiel – aber doch nicht ganz. In Köln standen sich am gestrigen 13. Oktober die Nationalteams Deutschlands und der Schweiz gegenüber. Allerdings «nur» in einem Freundschaftsspiel, das es in der konventionellen Form nicht mehr gibt. Heute werden auch Freundschaftsspiele «formatiert», d.h., es geht bei diesen Spielen um ein bisschen etwas – mehr also nur um die Ehre oder um Tests, wie das bis vor kurzer Zeit bei Freundschaftsspielen üblich war. Der Wettbewerb, bzw. das «Format», heisst heute «Nations League», und der Zufall will es, dass in der selben Spielgruppe Deutschland und die Schweiz gegeneinander anzutreten haben. Nicht, weil Deutschland selbstverständlich über das stärkere Nationalteam verfügt als die Eisgenossen, ist ein Match der Deutschen gegen die Schweizer immer etwas Besonderes. Der Hintergrund ist trotz der Apolitizität des (Fussball-)Sportes ein politischer. Die Schweiz und Deutschland sind Nachbarn, und immerhin leben und arbeiten geschätzte eine Million Deutsche, teils in den letzten Jahren eingebürgert, in der Schweiz. Von den Deutschen lassen sich die Schweizer je länger desto mehr die Welt erklären; die «Neue Zürcher Zeitung» hat sich zwischenzeitlich zum Publikationsorgan der Deutschen in der Schweiz gemausert. Selbstverständlich leben Schweizer und Deutsche in der Schweiz friedlich zusammen – und mögen sich recht gut, auch wenn der Schweizer seine Komplexe gegenüber dem Deutschen noch immer nicht vollständig abgelegt hat. In fussballerisch-politischer Hinsicht ist es als speziell zu werten, dass nach dem 2. Weltkrieg die Schweiz 1950 als erstes Land auf der Welt den deutschen Fussballern die Hand zur Versöhnung gereicht hat, was im ersten Freundschaftsspiel zwischen Deutschland und der Schweiz in Stuttgart sportlich besiegelt wurde. Auch wenn jenes Fussballspiel für die Schweiz verloren ging (1:0), bleibt diese Geste des Friedens seitens der Schweiz fünf Jahre nach Kriegsende offenbar für immer präsent. Der Deutsche Fussball-Bund (DFB) hat jenes Freundschaftsspiel bis heute nicht vergessen. Eine schöne Erinnerungen an die Schweiz bildet aber auch der Weltmeistertitel, den sich die Deutschen in der Schweizer Bundeshauptstadt 1954 überraschend und sensationell erspielt hatten – neun Jahre nach dem Ende des Krieges, der für Deutschland desaströs und mit einer Total-Niederlage geendet hatte. Somit war das gestrige Spiel in Köln, das 3:3 ausging, eben mehr als nur ein Freundschaftsspiel. Trotz zweimaligem Rückstand erkämpfte sich die Mannschaft von WM-Trainer Joachim Löw einen für Deutschland wichtigen Punkt in der Gruppe mit den weiteren Mannschaften Spaniens und der Ukraine. Weil Spanien in der Ukraine patzte, könnte Deutschland noch den Gruppensieg schaffen; für die Schweiz folgt auf dieses Ergebnis gegen Deutschland nun wohl der Abstieg. Evident war es allerdings, dass die deutsche National-Elf weiterhin nicht auf Touren kommt. Und das Unentschieden gegen die Schweiz bildet Munition für die Kritiker von Bundestrainer Joachim Löw. Diese werfen ein, der «wahre» Bundestrainer sei so oder so Hansi Flick gewesen, und ohne den jetzigen Bayern-Trainer als «Assistent» und eigentlicher «Schattentrainer» sei Joachim Löw auch das Glück abhanden gekommen. Wie dem auch sei: Mit dem gewaltigen Reservoir an Top-Spielern wird nun von der Deutschen Mannschaft eine gewaltige Steigerung erwartet. Oder die Tage von Joachim Löw als DFB-Bundestrainer könnten bald gezählt sein. Das gestrige Spiel der hochkotierten Deutschen gegen die klar schwächeren Schweizer lässt Raum für Interpretationen und Spekulationen. Auch in einem Freundschaftsspiel geht es heute eben um mehr als noch vor wenigen Jahren.