(causasportnews / red. / 1. Juni 2020) Was für Deutschland (und etwa demnächst auch für Österreich) recht ist (und demokratisch entschieden und allgemein akzeptiert wird), soll nun auch für die Schweiz billig werden: Am 20. Juni wird die Professional-Fussball-Meisterschaft 2019/2020 fortgesetzt. Das hat am Wochenende eine ausserordentliche Generalversammlung der Swiss Football League (SFL) beschlossen. Das Votum war klar: 17 von 20 Vereinen der Super League und der Challenge League (insgesamt 20 Klubs, je 10 Vereine) stimmten für „Geisterspiele“; an derselben Versammlung wurde eine Aufstockung der obersten Spielklasse (von 10 auf 12 Klubs) ebenso klar abgelehnt (mit 14 Gegen-Stimmen). Letzterer Agendapunkt wurde auf Antrag des Spitzenreiters der Challenge League, FC Lausanne-Sport, behandelt. Die Westschweizer wollten auf diese Weise vor allem die künftige Zughörigkeit zur obersten Spielklasse sichern, was nun nach regulärem Abschluss der Saison so oder so der Fall sein wird (die Lausanner führen die Tabelle mit grossem Vorsprung an). Gegen die Aufnahme von „Geisterspielen“ votierten vor allem die Klubs von Sion und Lugano. Der FC Sion, ein Klub mit grosser Tradition, was insbesondere das juristische Terrain betrifft (erinnert sei an die zahlreichen Verfahren gegen die Relegation 2003, an die Prozesslawine gegen die FIFA und andere Verbände und die Liga ab 2011; vgl. dazu ausführlich Urs Scherrer / Remus Muresan / Kai Ludwig, Sportrecht, 3. Aufl., 2014, 292 f.), droht nach dem Entscheid der SFL wieder einmal mit juristischen Schritten gegen die Liga und gegen alles, was sich sonst noch bewegt. Der Hauptgrund hierfür ist offenbar, dass der Klub bezüglich der nun bis anfangs August 2020 dauernden Meisterschaft (die formell am 30. Juni beendet worden wäre; an diesem Datum laufen auch einige Spielerverträge aus) an Personalnot leiden könnte – ein Umstand, den der Verein, für seine ruppige Personalpolitik bekannt und berüchtigt, selbstverständlich eigenständig zu verantworten hat. „Schuld“ sollen nun auch diesmal wieder andere sein; der FC Sion fühlt sich stets zu kurz gekommen, ungerecht behandelt sowie von der ganzen Welt missverstanden und gemobbt. Drohen und einschüchtern gehört zu diesen Planspielen – und zumindest ein Teil der Medien spielt dieses üble Spiel immer willfährig mit. Jetzt sollen es also gemäss Ankündigungen aus dem Wallis die Gerichte richten. Doch es braucht keine hellseherischen Fähigkeiten dafür, dass auch diese angekündigten, juristischen Auseinandersetzungen mit Niederlagen des FC Sion enden werden. Aber immerhin hat man für Aufruhr, schlechte Stimmung und unsägliches Kesseltreiben gesorgt. Es fragt sich dabei, wie lang sich die andern Liga-Mitglieder von diesem Klub noch piesacken lassen wollen. Es waren in den letzten Tag vor der Generalversammlung auch Stimmen zu hören, die eine Ausschliessung des Vereins aus dem organisierten Fussball andachten…
(causasportnews / red. / 18. Mai 2020) Seit dem vergangenen Wochenende befindet sich der Professional-Fussball zurück in der Normalität. Wirklich? Die Vorzeige-Liga Europas, die Deutsche Bundesliga, hat es vorgemacht, wie es geht. Und es geht! Schon der ehemalige FIFA-Präsident Joseph Blatter hat es immer gesagt: Wenn es nicht mehr weitergeht, muss es der Fussball richten. Letzterer hat es gerichtet in Deutschland. In der Tat schafft das nur der Fussball: In die Normalität zurückkehren bei anormalen Verhältnissen, die jedoch real immer noch vorherrschen. Das Volk und eine Vielzahl seiner Sprachrohre haben es verlangt – und so die wichtigste Bespassungs-Industrie Deutschlands zu neuem Leben erweckt. Wer es beim Bundesliga-Auftakt nicht oder weniger gut fand, dass in dieser Kampfsportart die Grundsätze, an die sich jede Frau und jeder Mann im Alltag halten sollten, zur Theorie wurden, ist von der Volksseele und ihren Sprachrohren niedergeschrien oder in die Schranken gewiesen worden. Schliesslich war in den leeren Stadien alles paletti – die Fans vergnügten sich anderswo und anderswie. Polizei und Politiker/innen lobten die vorbildliche Haltung der Fans. Körperkontakt in den Restaurant, Bars und Erholungsräumen statt in den Stadien war angesagt. So spielt der Fussball im engeren Sinne weiterhin glaubwürdig seine Vorbildrolle. Und mit dem unsichtbaren, aber immer noch grassierenden Virus verhält es sich fast wie mit dem ungläubigen Thomas, der erst glaubte, als er seinen Finger in die Wunde von Jesus Christus legen konnte. Ignorieren wirkt oft Wunder.
Der derzeitige Gang zurück in die Normalität treibt auch neben den Fussballstadien spezielle Blüten. Nach Wochen, in denen Politiker/innen Geld ohne Ende auch über den organisierten Sport ausschütteten, ist nun das grosse (und teils böse) Erwachen gekommen. Kaum mehr jemand weiss etwa in der Schweiz, wieviel hundert Millionen Franken bis jetzt gesamthaft dem Sport versprochen worden sind; Bundesrat und Parlament überbieten sich diesbezüglich in Grosszügigkeit; die Gewaltenkontrolle ist zur Farce verkommen. Die dem Sport in der vergangenen Woche überdies zugesicherten 350 Millionen Franken entpuppen sich allerdings immer mehr als regelrechtes „Danaergeschenk“, nachdem es zuerst den Eindruck gemacht hatte, es ging nun im Sport zu und her wie nach einem Banküberfall: Nach diesen Taten verkrachen sich die Räuber/innen regelmässig, wenn es um die Verteilung der Beute geht. Jetzt ist allerdings mit Blick auf den Fussball in der Schweiz bei den Professional-Klubs so etwas wie Ernüchterung eingekehrt. An die am besten gefüllten Honigtöpfe gelangen diese kommerziellen Unternehmen nur, wenn sie die Löhne des kickenden Personals in den nächsten drei Jahren um mindestens 20 Prozent senken. Das wollen die Klubs aus verschiedenen Gründen selbstverständlich nicht. Man beabsichtigt weiterhin an einem Produkt festzuhalten, das sich konventionell nicht finanzieren lässt. Ausfälle und rote Zahlen werden mit Jammern, rührigen Mäzenen und oft halbseidenen Investoren wettgemacht; diese dürfen im Moment, wie das nun besiegte Virus, auch aus China kommen, wie es soeben der Zürcher Grasshopper Club vorexerziert hat (causasportnews vom 14. April 2020 ). Diese Entwicklungen belegen vor allem eines: Auch hier kehrt der Fussball in die Normalität zurück; in die Normalität, wie wir sie vor „Corona“ kannten. Die Bundesliga ist seit dem Wochenende jedenfalls wieder die traditionelle, erfolgreiche Geldmaschine, die auch ohne Fans wieder zum Funktionieren gebracht worden ist.
(causasportnews / red. / 13. Mai 2020) Dem 13. Mai wird gemeinhin eine gewisse Symbolik, tendenziell in negativer Hinsicht, zugeordnet. Das Datum lässt immer wieder Raum für Spekulationen und Deutungen. Auch was den Sport betrifft. Für ihn ist der 13. Mai 2020 in der Schweiz in jedem Fall ein Glückstag. Mit Genugtuung und Stolz hat die helvetische Sportministerin Viola Amherd verkündet, dass nun nach dem Geldsegen, der in den letzten Wochen über die offenbar marode Wirtschaft niedergeprasselt ist, nun auch der Sport mit pekuniärer Glückseligkeit bedacht wird. 350 Millionen Schweizer Franken sollen die Schweizer Fussball- und Eishockeyligen vom Staat erhalten; zu einem grossen Teil handelt es sich dabei um A-fonds-perdu-Zahlungen, die über der Sportindustrie ausgeschüttet werden; teils handelt es sich um Darlehen. Begründet wird die generöse Handlung der Schweizer Regierung mit dem Faktum, dass der organisierte Sport viele Arbeitsplätze am Leben erhalten müsse, die im Zuge der „Corona“-Pandemie gefährdet sind.
Apropos Arbeitsrecht: Obwohl noch nicht klar ist, wann und ob die Professionalliga im Fussball ihren Betrieb (mit „Geisterspiele“) demnächst aufnehmen wird, haben lediglich zwei Klubs am vergangenen Montag wieder mit dem Trainingsbetrieb begonnen: Der aktuelle Leader in der Super League, der FC St. Gallen, sowie der Challenge Club mit Aufstiegsambitionen, der Grasshopper Club Zürich, der neuerdings von Chinesen über Wasser gehalten wird (causasportnews vom 14. April 2020). Die anderen Professional-Klubs verzichten derweil auf einen organisierten Trainingsbetrieb, um der Kursarbeitsentschädigung nicht verlustig zu gehen. Die Behörden haben unmissverständlich klargestellt, dass die Ansprüche für Kurzarbeitsentschädigungen umgehend entfallen würden, sobald der Klub-Trainingsbetrieb wieder aufgenommen wird. Das Verhalten der meisten Vereine, ausgenommen der aktuelle Leader FC St. Gallen und GC Zürich, zeigt nicht nur, wie der sportliche Gehalt einer wieder aufgenommenen Meisterschaft einzustufen ist: Spielbetrieb ohne Training – eine seriöse Vorbereitung für einen Wettkampfbetrieb sieht wohl anders aus. Man muss dann bei Aufnahme des Spielbetriebs wohl von einer klaren Verzerrung des Wettbewerbs sprechen, wenn Mannschaften aus rein pekuniären Gründen auf geordnete Trainings verzichten. Aber nach der frohen Botschaft aus der Bundeshauptstadt vom 13. Mai sind die Klubs eh aller finanzieller Sorgen enthoben, und auf die angedachten, künftigen „Geisterspiele“ bei Fortsetzung der Fussball-Meisterschaft kann somit auch getrost verzichtet werden. Die politisch motivierte Grosszügigkeit des Bundesrates stösst allerdings bereits auf massive Kritik. Dass mit Bundesbeiträgen gut bezahlt Fussball- und Eishockey-Professionals alimentiert werden, ist alles andere als unumstritten. Frau und Herr Schweizer haben zudem weitgehend Probleme damit, dass von Misswirtschaft, Hooliganismus und anderen Negativpunkten gebeutelte Sportarten grosszügig mit Steuergeldern bedacht werden. Aber was sich für die Wirtschaft im Allgemeinen ziemt, soll auch im Sport gelebt werden. Und an den Umstand, dass der Sport in der Schweiz weitgehend eine rein private Angelegenheit ist, mag sich in der aktuellen Krisenzeit schon gar niemand mehr erinnern.
(causasportnews / red. / 10. Mai 2020) Nein, eine Hungersnot brachte uns „Corona“ nicht, die Hamsterkäufe zu Beginn der Pandemie erwiesen sich als überflüssig, und nun herrscht, beim angesagten Abflauen der Krise und mit der Lockerung des „Shutdown“, Aufbruchstimmung. Wenn es um die Bespassung der Menschheit geht, die getreu dem zweiten Teil des Mottos „panem et circenses“ (Brot und Spiele) nun wieder im Vordergrund steht, erträgt es keine Kompromisse. Deshalb ist nun auch der Druck gegenüber dem Staat, der das Leben der Menschen aus purer Lust am Quälen unverschämterweise eingeschränkt hat, für diesen unerträglich geworden: Der Staat kapituliert vor dem Volkswillen und dem Volkszorn. Zum Beispiel, was des Deutschen liebstes Kind Nummer 1 anbelangt: Die Fussball-Bundesliga, die es ab dem nächsten Wochenende den kickenden Millionären in kurzen Hosen wieder ermöglicht, ranzugehen; wenn auch in absentia von Zuschauern. Wichtig ist, dass die Show im Kleinformat weitergehen kann. Die Deutsche Fussball-Liga (DFL) will das so – es geht schliesslich um hunderte von Millionen Euro. Nur das zählt. Und wer sich dem Willen der DFL-Macher widersetzt, der weiss um die Konsequenzen. Wie etwa der deutsche Innen- und Sportminister aus Bayern, Horst Seehofer, der vor wenigen Tagen eingeknickt ist und sich für die umgehende Weiterführung der Bundesliga ausgesprochen hat. Kaum wegen des FC Bayern München, der die Meisterschale 2019/20 so oder so holen wird. Vielmehr aus politisch-opportunistischen Gründen: Gegen den Fussball zu sein bringt keine Wählerstimmen. Da wird ein bisschen Körperkontakt auf dem grünen Rasen auch in Kauf genommen – ungeachtet der Patentrezepte, wie „Corona“ beizukommen ist: Hygiene und „Distancing“. Das letzte Gebot tönt natürlich wenig bayrisch; schliesslich heisst es in München und Umgebung ja auch nur „mia san eben mia“. Deshalb hat der Angehörige der bedeutendsten Risikogruppe, der 70jährige Horst Seehofer wohl auch nicht verinnerlicht, dass Fussball alles andere als distanziert abläuft, sondern eine Kampfsportart mit Voll-Kontakt ist. Kritiker der „Öffnung“ in der Bundesliga finden natürlich kaum Gehör oder werden mundtot gemacht, und der warnende Philosoph Gunter Gebauer, der so die Vorbildfunktion des Fussballs ins Zentrum seiner Antithese zur aktiven Bundesliga setzt, wird (diesmal) mit seinen 76 Jahren als nicht zu hörender Parteivertreter der entsprechenden Risikogruppe abqualifiziert. Vollkontakt im Sport also „Ja“, „Distancing“ im Fussball „Nein“. Und die Spieler? Diese halten sich mit Äusserungen zur Aufnahme des Spielbetriebs kluger- oder gezwungenermassen zurück. In der Schweiz wurden Spieler befragt, ob sie unter den vorgegebenen Bedingungen gerne wieder wettkampfmässig kicken würden. Die Mehrheit sei dagegen, verlautet aus Kreisen der Spielergewerkschaft. Dem sei nicht so, kontert unvermittelt die Vereinigung der Spieleragenten. In der Schweiz stehen die Sterne eher auf Nicht-Wiederaufnahme des Professional-Spielbetriebs. In keinem Fall wird die Fussball-Meisterschaft bis zum 30. Juni 2020 beendet werden können, was mit Blick auf eine zeitliche Meisterschaftsverlängerung zusätzlich zumindest arbeitsvertragliche und transferrechtliche Konsequenzen hätte. Verschiedene Länder – verschiedene Usanzen. „Corona“ hat nicht nur das Leben im Allgemeinen entschleunigt, sondern den Fussball entglobalisiert. Die „Champions League“ (CL) ist zum historischen Relikt geworden – im Fernsehen werden die besten CL-Spiele von früher als historische Konserven präsentiert.
Die Entglobalisierung gefährdet hingegen akut das zweite, wichtige Bespassungs-Segment der Deutschen: Der jährliche Urlaub in Italien, Spanien, in der Türkei oder noch weiter weg dürfte in diesem Jahr schlicht ausfallen. „Costa Corona“ also auf Rügen statt Küsten im Süden. Selbstverständlich „würden“ die Deutschen wollen, doch die Disposition des Urlaubs ausserhalb Deutschlands liegt nicht alleine in der Entscheidungssphäre der Deutschen. Das ist evidentermassen eine Folg der Entglobalisierung des Lebens zufolge der „Krise“. Im Moment wird national über die Öffnung der Grenzen entschieden. Wie sich diese Einschränkung der persönlichen Freiheiten und Bedürfnisse auswirken werden, dürfte schon bald zu spüren sein. Gebeutelt sind in dieser Hinsicht übrigens auch die Schweizer, welche von der Regierung angehalten werden, den Sommerurlaub – horribile est dictu et auditu – im eigenen Land zu verbringen. Der entsprechende Aufruf: „Machen Sie Ferien im eigenen Land“ wird aber dennoch als Anordnung zur kollektiven Reiseverweigerung und natürlich als rechtswidrig qualifiziert. Allerdings gibt es vielleicht doch Schlimmeres auf der Welt, als Urlaub im eigenen Land verbringen zu müssen…
(causasportnews / red. / 4. Mai 2020) „Sagen, was ist“ – das war der grosse Slogan des Gründers des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“. Wenn sich der Journalismus in der Zeit von „Corona“ an diese zur Grundweisheit des publizistischen Schaffens gewordene, jedoch kaum mehr beachtete Maxime halten würde, blieben TV-Schirme derzeit dunkel, und Print-Medien hätten kaum mehr Stoff.
Was ist: „Corona“ und alles drum herum; kaum jemand mag es mehr sehen, lesen oder hören.
Was man möchte: Dass der Spuk bald ein Ende haben würde. So befassen sich die Medien hauptsächlich mit der Welt nach „Corona“ – und wie sie denn sein müsste. Und sie beginnen die Folgen der Pandemie, deren Ende nicht abzusehen ist, zu sezieren. „Corona“ dient auch als Alibi, etwa für Maturanden, denen die Unmenschlichkeit von Abschlussprüfungen nun erspart werden soll. Allmählich denken einige Menschen zumindest an, wie es mit der Wirtschaft weitergehen soll, die sich bei Ausbruch der Krise als potemkinsches Dort entpuppt hat; bereits nach zehn Tagen „Lockdown“ wurde sie mit Milliardenbeträgen in schwindelerregender Höhe gestützt – eine gesunde, solide Wirtschaft mit den üblichen Reserven sieht in der Tat anders aus. Oder war der Geldsegen, der seit März auf die Menschen niederprasselt und als Basis für ein bedingungsloses Grundeinkommen dienen wird, nur politisches Kalkül, so etwa nach dem „FIFA-Prinzip“: „Freunde macht man sich durch (Geld-)Geschenke“. Politiker halten das Volk ebenso bei Laune und werden deshalb auch wieder gewählt, wenn sie ihm primär „Brot“ geben – „Brot und Spiele der Neuzeit“ heisst dieses Game. Jetzt befinden wir uns in der Phase der Bespassung (Spiele), nachdem die Komponente „Brot“ wenigstens in unseren Breitengraden unproblematisch ist. Da kann man beim Volk sehr viel Goodwill verlieren, wenn die Spass-Komponente des Lebens verhindert oder nicht (mehr) gewährt wird. In Deutschland muss Fussball um jeden Preis her – „Corona“ hin oder her; wer sich dafür einsetzt, ist sich der Gunst des Volkes sicher (wie jetzt etwa, nicht überraschend, Horst Seehofer). In der Schweiz muss seit ein paar Tagen an erster Stelle die Lifestyle-Branche wieder ran. Jetzt wissen wir wenigstens, dass Friseusen und Friseure das Rückgrat der Wirtschaft bilden – neben den Betreibern von Tattoo-Studios. Und die Tourismus- und Reisebranche wird selbstverständlich auch gestützt, vor allem die Airlines, die, real gesehen, so notwendig sind wie getunte Fahrzeuge. Der Staat soll auch hier helfen, denn schliesslich geht es darum, „staatlich verordnete Reisebeschränkungen“ auszugleichen, wie die „Neue Zürcher Zeitung“ wörtlich schreibt („NZZ“ vom 2. Mai 2020). Genau, nicht das Virus ist schuld an der Misere, in der wir im Moment stecken, sondern der Staat, der uns deswegen die Bespassung vermiest. Ja, „sagen, was ist“ – das ist es dann wohl.
„Corona“ muss sich aber dennoch einiges entgegen halten lassen. So ist das Virus schuld daran, dass der Prozess um Geldflüsse im Zusammenhang mit dem „Sommermärchen“ der Fussball-WM-Endrunde 2006 letzte Woche am Bundesstrafgericht in Bellinzona zufolge Verjährung geplatzt ist. Die Richter an diesem Gericht, vom Schweizerischen Parlament gewählt (!), waren in letzter Zeit allerdings vor allem mit sich selber beschäftigt (causasportnews vom 22. April 2020). Verfahren waren da nur ungebetene Störfaktoren. Aber klar, das alles passierte nur im Zuge von „Corona“. Wegen der Pandemie tritt das eidgenössisch Parlament in den nächsten Tagen ausserhalb des Bundeshauses in Bern zusammen. Was sind schon Infrastrukturkosten von drei Millionen Schweizer Franken für ein solches Auswärtsspiel im Rahmen des veranlassten Geldregens? Dabei geht es natürlich auch um „Corona“, ein Thema, das geeignet ist, von Politikern zerredet zu werden, aber auch um die Person des Bundesanwaltes Michael Lauber, der in den „Sommermärchen“-Ermittlungen fast alles getan hat, nur den Job nicht so, wie er ihn hätte machen müssen. Ihm als Ankläger in Bellinzona wird eine grosse Mit-Schuld dafür in die Schuhe geschoben, dass der Prozess im Umfeld des Weltfussballverbandes letztlich geplatzt ist. In der Tat ist der Mann seit geraumer Zeit völlig unhaltbar und soll nun vom Parlament, das ihn im September des vergangenen Jahres für eine weitere Amtsdauer gewählt hat, abgesetzt werden. Bereits damals waren die Verfehlungen des Bundesanwaltes allerdings bestens bekannt. Sinnigerweise setzten sich vor allem bürgerliche Parlamentarierinnen und Parlamentarier dafür ein, dass Michael Lauber, obwohl knapp, aber immerhin, wieder gewählt wurde (causasportnews vom 28. September 2019)! Als Wortführer, der im September 2019 mit einer Brandrede den umstrittenen Bundesanwalt zur Wiederwahl vorschlug, betätigte sich ein schillernder freisinniger Genfer Nationalrat (FDP) und Rechtsanwalt. Jetzt fordert sogar das Parteiblatt der FDP, die „NZZ“, dass Michael Lauber abgewählt gehöre. „Ein unwürdiges Schauspiel“, schreibt die „NZZ“ am 2. Mai 2020 in fetten Lettern auf der Frontseite und manifestiert damit wohl den selbsternannten Qualitätsjournalismus, der in einem ganzseitigen Selbstinserat in derselben „NZZ“-Ausgabe beschworen wird („Weil Qualität keine Ausgangssperre kennt“). In einem Super-Staat muss die Bespassung der Staatsbürgerinnen und Bürger zumindest nach Meinung des Blattes im Umbruch (vgl. dazu etwa Friedemann Bart, Umbruch, Die Neue Zürcher Zeitung, Ein kritisches Porträt, Zürich, 2020) würdig ablaufen – sekundiert selbstverständlich von selbsternannten Qualitätsmedien, die sich ebenso selbstverständlich durchaus auch widersprüchlich verhalten dürfen. Zu „sagen, wie es ist“, wäre zumindest ehrlicher: Aktuelles Pharisäertum kurz nach Ostern also. In jener Zeit vor rund 2000 Jahren hiess es: „Kreuzigt ihn“ – heute: Dem unwürdigen Schauspiel, das man selber sekundiert hat, ein Ende setzen und so der (dieser) Bespassung des Volkes Grenzen setzen!
PS 1: Wetten, dass Bundesanwalt Michael Lauber seiner Absetzung durch Rücktritt zuvorkommen wird? Das Parlament wird dies hinter den Kulissen mit Geld (des Volkes) zu regeln versuchen. Wie soll es der ehemalige FIFA-Präsident Joseph Blatter einmal gesagt haben (und meinte und wollte damit selbstverständlich nichts Unlauteres): „Was man mit Geld regeln kann, muss man mit Geld regeln“.
PS 2: Niemand stört sich übrigens daran, dass Bundesanwalt Michael Lauber vom selben Rechtsanwalt vertreten wird wie Joseph Blatter. Das alles läuft dann wohl unter dem Label: Es darf auch in der Justiz gelacht werden…Ja, wenn es nur nicht derart traurig wäre.
(causasportnews / red. / 30. April 2020) Die Verlautbarungen der Schweizerischen Regierungen mit Blick auf die Lockerungen der restriktiven Massnahmen im Zusammenhang mit der momentanen Pandemie sind meistens klar – jedoch nicht immer. Letztere Feststellung betrifft etwa die Detaillierungen des Eidgenössischen Justiz- und Polizeidepartementes (EJPD) mit Blick auf Vereinsversammlungen. Vereine und Verbände gemäss Art. 60 ff. des Schweizerischen Zivilgesetzbuches (ZGB) geben den meisten Sportorganisationen mit Sitz in der Schweiz (dazu gehören auch zahlreiche, internationale Verbände) den rechtlichen, organisatorischen Rahmen. Vereine und Verbände regeln durchwegs in den Statuten ihr Vereins- und Verbandsleben. Hierzu gehören etwa auch die Bestimmungen mit Blick auf das höchste Organ dieser Körperschaften, die Vereinsversammlungen (Art. 64 ff. ZGB). Auch wenn in den Statuten vorgesehen ist, dass ordentliche Vereinsversammlungen jedes Jahr im ersten Halbjahr durchzuführen sind, dürfen oder müssen solche Versammlungen gemäss Anordnungen der Regierung aufgrund der aktuellen Krise abgesagt oder verschoben werden. Das ist, weil solche statutarischen Vorgaben ordnungsrechtlich motiviert sind, zulässig. Das EJPD stellt nun Vergleiche mit dem Recht der Aktiengesellschaften an (Art. 620 ff. des Obligationenrechts, OR). Hierzu gilt es klarzustellen: In Vereinen ist beispielsweise eine physische Vertretung in der Generalversammlung grundsätzlich nicht möglich (zulässig ist selbstverständlich eine Organisation nach dem Recht für Delegiertenversammlungen, allenfalls sind auch andere Varianten der Willensbildung im Verein gemäss Statuten zu berücksichtigen); der Verein ist personenbezogen strukturiert, deshalb geht es nicht an, nun einfach etwa eine Vereinsversammlung mit (sogar externen) Stimmrechtsvertretern (wie bei der AG) durchzuführen. Und: Sollen Vereinsversammlungen mit modernen Kommunikationsmitteln durchgeführt werden, bedarf es hierzu einer statutarischen Grundlage. Oft missverstanden (offenbar auch vom EJPD) wird Art. 66 ZGB. Diese Bestimmung besagt lediglich, dass die schriftliche Zustimmung aller Mitglieder zu einem Antrag einem Beschluss der Vereinsversammlung gleichgestellt wird (Bedingung ist also eine Zustimmung aller Mitglieder zu einem Antrag). Etwas anderes wird unter „Urabstimmung“ verstanden: Im Rahmen einer solchen Beschlussfassung können auch Mehrheitsentscheidungen gefasst werden.
Fazit: Mit Notrecht kann nicht durchwegs in die Rechtsbeziehungen zwischen Mitglied und der juristischen Person „Verein“ (oder Verband) eingegriffen werden.
(causasportnews / red. / 26. April 2020) Niemand weiss es genau, doch die Schätzungen decken sich in etwa: Mit Sportwetten werden im offiziellen, legalen oder „weissen“ Markt pro Jahr weltweit gegen 500 Millionen US-Dollars umgesetzt – Tendenz steigend. So war es jedenfalls bis jetzt, genauer vor „Corona“. Nun ist dem Markt, der vor allem online boomt, innert weniger Wochen die Grundlage entzogen worden. So gibt es kaum mehr Fussballspiele, auf die gewettet werden könnte, ausser etwa in wenigen autonom gewordenen Ländern der ehemaligen Sowjetrepublik. Fussballspiele machen den Hauptteil des Sportwettenmarktes aus. Aber weil auch sonst der Sport zur Passivität verurteilt ist, bleiben Wettfreudigen nur noch wenige Segmente. Aber auf Sieg oder Niederlagen von Schachweltmeister Magnus Carlsen zu setzen, ist auch nicht die Sache einer jeden Wetterin oder eines jeden Wetters. Das Deutsche Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ hat soeben kalkuliert, dass der Sportwettenmarkt in Deutschland regelrecht kollabiert ist: Nur noch 10% betragen derzeit die Wetteinsätze in Deutschland. Die Wetteinsätze beliefen sich 2019 immerhin auf 9,3 Milliarden Euro („Der Spiegel“, 18/25.4.2020). Auch im Schweizer Sportwettenmarkt wird von verhältnismässig ähnlichen Umsatzzahlen ausgegangen. Der „Sporttip“ verzeichnete vor „Corona“ Wetteinsätze von ungefähr einer Million Franken pro Wochenende; jetzt sind es kaum mehr 100 000 Schweizer Franken. Dank den Sportwettenerträgen flossen in der Schweiz 2019 134 Millionen Franken in den Sport.
Der Kollaps des Sportwettengeschäfts bzw. der Entzug der Geschäftsgrundlage dieses Wertschöpfungssegments begünstigen erwartungsgemäss auch kriminelle Elemente. So treiben derzeit Betrüger ihr Unwesen, denen es gelingt, unmittelbar oder mittelbar etwa Fussballspiele anzubieten, die gar nicht ausgetragen werden. Diese „ghost matches“ werden demnach entweder gar nicht gespielt, oder sie werden so angelegt, dass ein bestimmter Verlauf oder ein bestimmtes Ergebnis vorgegeben ist und die Drahtzieher diese Konstellation im Rahmen von Wetten ausnützen. Bei diesen manipulierten Sportwetten sind die Betrüger die pekuniären Sieger. Das alles hat in der Regel mit der Integrität des Sportes nichts zu tun, sondern es geht meistens um organisiert Banden-Kriminalität. Nur wenn Protagonisten des Sports bei Sportmanipulationen durch Beeinflussung z.B. eines Spiels aktiv werden, ist der Sport in seiner Integrität betroffen. Alle andern Aktivitäten gehören in den Ermittlungsbereich der staatlichen Strafverfolgungsbehörden. Ein derartiges Verfahren läuft im Moment in Kiew. Geht es um den sportlichen Integritätsschutz, sind die Sportorganisationen und –verbände ebenfalls gefordert. Auch in Bezug auf den Sportwettenbereich. Nachdem Manipulationen des Sports durch Protagonisten aus dem Sport nicht mehr die gleiche Bedeutung und Brisanz aufweisen wie etwa der Fussball nach dem „Hoyzer-Skandal“ in Deutschland (2005), sind die Sportorganisatoren der Verbände in den letzten Jahren bezüglich des Sport-Integritätsschutzes nachlässiger geworden. Immer mehr bilden deren Aktivitäten zum Schutz des Sports lediglich „Feigenblätter“, so etwa dann, wenn im Auftrag von Sportverbänden Überwachungsgesellschaften auch als Datenlieferanten für die Wettindustrie tätig sind.
(causasportnews / red. / vs. / 15. April 2020) Solidarität wird in schwierigen Zeiten, wie jetzt während der „Corona“-Pandemie, zu einem wichtigen Faktor im Rahmen der Krisenbewältigung, wie ein Beispiel aus dem Schwimmsport zeigt. Die von Konstantin Gregorishin, einem ukrainischen Milliardär, gegründete und finanzierte „International Swimming League“ (ISL; ein Wettkampfformat, das Mannschaften in einem Turnier gegeneinander antreten lässt), kündigte anfangs April die Einführung eines Solidaritätsprogramms an. Dieses sollte die Athleten als wichtigstes “Asset” und Partner der Liga während der ausserordentlichen Lage unterstützen und ihnen als Vorbereitung auf die Grossveranstaltungen der Saison 2020/2021 dienen.
Bestandteil des Solidaritätsprogramms ist einerseits ein finanzieller Beitrag, der sich auf 1‘500 Euro pro Monat pro Athletin oder Athlet beläuft und ab 1. September 2020 bis 30. Juni 2021 ausbezahlt werden soll. Andererseits hat die ISL zugesichert, zwischen Mitte Oktober bis Mitte November 2020 ein vier- bis fünfwöchiges Trainings- bzw. Wettkampfprogramm für die Athleten in einer Top-Sportinfrastruktur zu organisieren. Dabei soll ein noch nie dagewesenes Wettkampfformat erprobt werden, welches den Schwimmsport revolutionieren und seinen Bekanntheitsgrad erhöhen soll. Das Solidaritätsprogramm wird dem Leitbild der Liga gerecht: Das Ziel der ISL ist es, das kommerzielle Potenzial des Schwimmsports auszunutzen, die Athleten als gleichberechtigte Partner in den Mittelpunkt zu rücken und sie am wirtschaftlichen Erfolg des Formats teilhaben zu lassen. Auch soziale Sicherheiten, Gleichberechtigung und eine Nulltoleranzpolitik gegenüber Doping gehören zu den tragenden Säulen der Liga-Philosophie. In Bezug auf letzteres geriet der Weltschwimmverband (FINA, Fédération Internationale de Natation) unter anderem unter Beschuss, nachdem sie den chinesischen Schwimmer Sun Yang anlässlich der Welttitelkämpfe 2015 als besten Athleten auszeichnete, obwohl er ein Jahr zuvor des Dopings überführt worden war.
Nicht verwunderlich war es, dass die FINA mit grobem Geschütze auffuhr, als bei der Gründung der ISL im Jahr 2019 der Finger auf die wunden Punkte des Schwimmsports gelegt wurde: Die ungenügende Entschädigung der Athleten und der lasche Umgang mit Dopingdelinquenten. Die FINA versuchte, die besten Athletinnen und Athleten einzugrenzen, wie den britischer Weltrekordhalter über 100m Brust, Adam Peaty, der die ISL öffentlich unterstütze; gedroht wurde den Athletinnen und Athleten seitens des Weltverbandes mit Sperren, falls sie an den Wettkämpfen der Liga teilnehmen würden. Die ISL nutzt jetzt mit den angekündigten, geplanten Bestrebungen eine Chance in der Krise. Ob mit Blick auf die derzeit noch immer krass wütende Seuche der vorgesehene Veranstaltungszeitraum im Herbst eingehalten werden kann und ob diese Aktivitäten Schwimmwettkämpfe auch bahnbrechend zu verändern im Stande sind, bleibt im Moment offen. Die ISL ist aber offenbar gewillt, den Ankündigungen Taten folgen zu lassen und das verabschiedete Leitbild umzusetzen – zum Wohle des Schwimmsports, der aus dieser schweren Zeit gestärkt herausgehen dürfte, was an sich schon als revolutionär zu qualifizieren wäre.
(causasportnews / red. / 7. April 2020) Im Zeitalter der über die Welt hereingebrochenen Pandemie wird das wahre Gesicht des Menschen sichtbar. Es gibt viele, die sich selbstlos in den Dienst der nun beschworenen Gemeinschaft stellen; und es gibt andere, deren Anlagen im Elend schonungslos transparent werden. Zu letzterer Gattung gehört offensichtlich der allmächtige Herrscher des Sportartikelkonzerns „Adidas“. Der 58jährige Däne Kasper Rorsted ist seit 1. Oktober 2016 Vorstandsvorsitzender des Sportartikelkonzerns Adidas AG. Er hat seinen Job angetreten, um alles der Unternehmens-Gewinnmaximierung unterzuordnen; das ist ihm auch einigermassen gelungen. „Adidas“ boomt und wächst seit der Kommandoübernahme des Dänen an (fast) allen Fronten. Nicht ganz überraschend hat der Top-Manager, der sich vorher beim Henkel-Konzern im wahrsten Sinne des Wortes einen Persilschein für unternehmerisches Können im Sinne des „Shareholder value“ und anderer ökonomischer Glanzleistungen erworben hat, im Zuge der „Corona“-Krise angeordnet, dass „Adidas“ für den April keine Mietzinse mehr für Läden, deren Schliessung wegen der „Corona“-Krise verfügt wurde, bezahlen würde (causasportnews vom 30. März 2020). Nach dieser Ankündigung und der damit verbundenen „Bestrafung“ Unschuldiger ging über dem Superstar mit dem Sensorium ähnlich des dänischen Kochs in der Muppet Show ein Shitstorm nieder; eigentlich war es nur ein „Stürmchen“, denn „Adidas“ wird als guter Werbekunde in den Medien pfleglich behandelt. Bereits die Ankündigung von Kasper Rorsted, keine Mietzinse mehr zu bezahlen, fand in der konventionellen Presse nur ein bescheidenes Echo. Umso mehr gerieten die neuen Medien in Wallung. Nun krebste der Top-Shot aus Herzogenaurach unter diesem Druck zurück und liess (!) kleinlaut verkünden, „Adidas“ würde die April-Mietzinsen jetzt doch bezahlen. Das alles wurde vom „Adidas Team“ letzte Woche kommuniziert; der Manager versteckte sich plötzlich in der Anonymität der „Mannschaft“ – was an sich verwunderlich ist. Und es bleibt die unbeantwortete Frage im Raum stehen, weshalb „Adidas“ und der empathielose Vorstandsvorsitzende sich nicht eines im Sport gebräuchlich gewordenen Ausdrucks erinnerten: cojones!
(causasportnews / red. / 3. April 2020) Im ersten Quartal 2020 im Allgemeinen und seit Mitte März im Besonderen hat „Corona“ das Leben der Menschen auf der ganzen Welt rigoros verändert; und wird nachhaltig Spuren hinterlassen. Teils Wahnsinns-Entwicklungen und Exzesse in allen Bereichen, in der Gesellschaft, im Staat, in der Politik und auch im Sport, hat die Natur gleich selber „reguliert“, d.h. gestoppt. Die Welt wird nach dieser Katastrophe nicht mehr dieselbe sein. Die flächendeckende Pandemie zeitigt auch verheerende Wirkungen auf den organisierten Sport, die globale Event- und Geldmaschinerie. Das Virus hat ihn gleich lahmgelegt wie weitgehend das Wirtschaftsleben. Ein Ende dieses Krieges gegen einen unbekannten Gegner ist nicht abzusehen. Nach Abschluss des ersten Quartals dieses Jahres, das wir als Freizeit- Spass- und Lifestyle-Gesellschaft noch vor etwas mehr als drei Monaten mit Hurra, Champagner und natürlich mit Party erwartungsvoll begrüsst haben, verlangt nach einer Bilanz per dato, die mit den Worten des ersten Deutschen Bundeskanzlers nach dem 2. Weltkrieg, Konrad Adenauer, so zusammengefasst werden könnte: „Dat ham wer uns so nich vorjestellt“. Drei Monate haben genügt, um wissenschaftliche Analysen, nicht nur im Bereich der Zukunftsforschung, zur Makulatur werden zu lassen. Das wissenschaftliche „Sezieren“ des (Zusammen-)Lebens und der Lebensbedingungen wird weitergehen, wenn auch auf aufgrund anderer Voraussetzungen. Insbesondere Soziologen sind im Moment gefragt wie schon lange nicht mehr. Die Formen des (künftigen) menschlichen Zusammenlebens auf diesem Planeten sollten, ja müssten, neu festgelegt werden. Negativ-Prognosen zu stellen ist derzeit jedoch so verpönt wie das Witze-Erzählen am Grab. Es liesse sich nun situations-adäquat Karl Marx bemühen, der sich auch in dieser Zeit seiner Worte an die Adresse von Ludwig Feuerbach erinnern würde: Es komme darauf an, die Welt zu verändern, und sie nicht nur verschieden zu interpretieren.- Die Veränderungen im Zuge von „Corona“ sind einschneidend und ohne menschliches Dazutun eingetreten. Was danach, nach Eintritt der Normalität, sein wird, steht in den Sternen und wird den Menschen fordern. Deshalb mit Blick in die Zukunft nachfolgend eine (unvollständige) Krisen-Zwischen-Bilanz in Stichworten, mit Bezug zum Sport und in alphabetischer Reihenfolge:
Applaus: Der Applaus ist das Lebenselixier insbesondere der Künstler und Sportler. Der Applaus ist auf Bühnen und in Sportstadien verebbt. Applaus ertönt nun anderweitig – grundsätzlich berechtigterweise: Es werden die Menschen in den Medizinalberufen beklatscht, Verkäufer, Chauffeure, Polizisten, usw. (es wird der Einfachheit halber hier die männliche Schreibweise verwendet; sie gilt auch für Frauen). Eigentlich beschämend: Diese Personengruppen machen Zeit ihres Lebens einen hervorragenden, soliden Job – meist zu schlechten, finanziellen Konditionen; nur in der Krise haben wir gemerkt, dass dies nicht selbstverständlich ist. Deshalb die momentane Dankbarkeit, die schon immer gerechtfertigt gewesen wäre. Noch vor wenigen Wochen waren Angriffe auf Rettungssanitäter, Feuerwehrleute und Polizeikräfte seitens des Party-Volkes in den Grossstädten an der Tagesordnung. Und diese Menschen beklatschen wir heute. Besonders peinlich berührt die derzeitige Medienkampagne eines Grossverteilers, der sich in TV-Spots lauthals individuell beim Personal für die geleisteten Einsätze bedankt. Heuchlerischer geht es fast nicht mehr: Dieses Personal muss sich permanent Minimal-Lohnbedingungen erkämpfen und wird auch sonst prestigemässig regelrecht vorgeführt. Und nun wird es vom eigenen Arbeitgeber abgefeiert für etwas, was diese Menschen tagtäglich leisten, für das sie jedoch geringgeschätzt werden und für das wir einfach undankbar sind;
Armee: Die „Corona“-Krise ist ein eigentlicher Krieg, und zwar ein „Bürgerkrieg“. Das unsichtbare Virus führt dazu, dass, ausgedrückt im Gebot des „Distanzhaltens“ der Mit-Bürger und Mitmensch zum „Feind“ mutierte. Ein solcher Krieg gegen einen nicht-wahrnehmbarem Feind im Umfeld des Menschen kann nicht durch politische Behörden effizient und zielsicher geführt werden. Dazu benötigt es eben militärisches „Knwo-how“. Nicht ganz zufällig ist in der Schweiz für den Schutz der Bürgerinnen und Bürger das Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS) zuständig. Militär und Sport stehen also mit Blick auf den Bevölkerungsschutz in Einklang. Zwischenzeitlich hat die Schweiz zur Bekämpfung der aktuellen Pandemie Teile der Armee aufgeboten. Diese unterstützt die zivilen Kräfte im Bereich der medizinischen Versorgung und leistet diverse weitere Assistenzdienste. Allerdings ist bei dieser Konstellation der Negativ-Umstand auffällig, dass in der Schweiz vor allem von Links, von „Grünen“ und von Kommunisten die Armee mit allen Mitteln, durchwegs sekundiert vom Schweizer Staatsfernsehen, bekämpft worden ist (Lieblingsstar dieser TV-Veranstaltungen war bis zum Ausbruch der Pandemie in Europa der Zuger Politiker Josef Lang, ein Gründungsmitglied der „Gruppe für eine Schweiz ohne Armee“). So leistet eine massiv „zahnlos“ gewordene oder gemachte Armee, die beschränkt einsatztauglich ist, nun Dienst wie noch nie seit dem Ende des zweiten Weltkrieges. Und alle sind deswegen froh;
Brot und Spiele: In Krisenzeiten, wie jetzt, steht als erstes Element das Überleben im Vordergrund. Der Mensch will auch im Katastrophenfall verpflegt sein. Gute Verpflegung ist der Indikator für Lebensstandard. Einstweilen zu kurz kommt das zweite, wichtige Element, welches das menschliche Leben lebenswert macht und zur Sicherung der Lebensqualität unabdingbar ist: Spiele, oder heute: Vor allem der Sport. Dieser wird im Moment zur „Auszeit“ gezwungen;
Europa: Die „Corona“-Krise ist zwar ein globales, weltumspannendes Phänomen. Deren Bekämpfung erfolgt jedoch mit politischen, nationalen Mitteln. Es kann dieses Fazit gezogen werden: Die derzeitige Krise ist national – jedenfalls wird sie rein national bekämpft. Nicht in Erscheinung tritt die „Europäische Union“ mit ihrer vielbeschworenen Solidarität, bzw. manifestiert sie nun ihre Bedeutungslosigkeit in Krisenzeiten. Noch schlimmer: Derzeit zoffen sich zum Thema „Eurobonds“ das bankrotte Italien und die europäische Leadernation, Deutschland. Ob die „Schönwetter“-Vereinigung EU“ nach der Krise noch Sinn macht, wird sich weisen. Grenzüberschreitend funktioniert hingegen der Sport – oder was von ihm übriggeblieben ist, insbesondere die Sportpolitik. Sogar das nicht gerade für Empathie bekannte Internationale Olympische Komitee (IOK) hat sich vor ein paar Tagen dem Internationalen Druck beugen müssen und die in Tokio vorgesehenen Olympischen Sommerspiele 2020 um ein Jahr verschoben. Das Unausweichliche im Auge haltend hat die Europäischen Fussballkonföderation UEFA dazu bewogen, die ebenfalls in diesem Jahr vorgesehene Fussball-Europameisterschaft an zwölf Standorten in Europa ebenfalls zu verschieben. PS: Die Schweiz ist bekanntlich nicht Mitglied der EU. Deshalb ist der kürzlich entbrannte Streit um die Einfuhr von Schutzmasken aus Deutschland in die Schweiz auch kein europarechtlich relevanter Tatbestand, sondern lediglich eine kleine Disharmonie unter Nachbarn;
Führung: Die Welt und die gegen das „Corona“-Virus ankämpfenden Länder (US-Präsident Donald Trump spricht richtigerweise ungeschminkt von einem „Krieg“ („war“; „the fight against the coronavirus“) können diesen Kampf effizient nur mit militärischen Mitteln gewinnen. Die politischen Leader sind ungeeignet, diesen Krieg zielgerichtet und adäquat zu führen, weil sie stets im Spannungsfeld zwischen (medizinischer) Notwendigkeit und wirtschaftlichem Opportunismus reagieren statt agieren (müssen). Ansatzweise kann Österreichs Bundeskanzler als positives Beispiel hervorgehoben werden. Das politische Naturtalent nutzt alle politischen Spielräume aus und beschwört als begnadeter Motivator den „Teamgedanken“ wie bei einer Sportveranstaltung („Team Österreich“). Welch‘ jämmerliches Bild geben da andere Regierungen ab! – Die Resultate sprechen für sich. Die Regierungen und Regierungschefs der Länder wollen für ihr Volk (und natürlich für sich) nur das Beste – und erreichen nicht selten das Gegenteil;
Krieg: Die Menschen auch in Europa befinden sich im Krieg gegen einen unsichtbaren Feind, der „Corona“-Virus heisst. Weil der Gegner nicht sichtbar ist, ist es schwer, wie sich der Mensch ihm gegenüber verhalten soll. In Anlehnung wohl an Bertold Brechts „Stell Dir vor, es sei Krieg, und keiner geht hin“, könnte die aktuelle Situation so auf den Punkt gebracht werden: „Stell Dir vor, es sei Krieg, und keiner sieht hin“ – vor allem deshalb, weil keiner den Feind sehen kann…;
Politik: Die Führung („Lead“) in der jetzigen Krise liegt bei der Politik, was äusserst problematisch ist. Die Entscheide der führenden Politikerinnen und Politiker bei der ideologisierten Krisenbekämpfung orientieren sich stets an politischen Zielen und wirtschaftlichen Wünschen. Statt effiziente, medizinisch gebotene Massnahmen gegen die Verbreitung der Pandemie anzuordnen und umzusetzen, hat sich die Schweizerische Regierung in einen Infight mit den Kantonen (vor allem Uri und Tessin) begeben. Föderalistisch Grundprinzipien aufrecht zu erhalten sind wichtiger als die Bekämpfung der Seuche. Apropos Tessin: Aus wirtschaftlichen Gründen hat es die Schweizer Regierung unterlassen, rechtzeitig die Grenze zwischen der Schweiz und Italien dichtzumachen – mit verheerenden Folgen. Im Übrigen vgl. „Wirtschaft“;
Solidarität: In Krisenzeiten, wie jetzt, wird SOLIDARITÄT grossgeschrieben. Das an sich hehre Prinzip funktioniert aber (oft vermeintlich) nur in Ausnahmesituationen. Der moderne Mensch ist individualistisch, egoistisch und eigennützig strukturiert und verhält sich auch so. In der Krise wird aus Not zusammengerückt und die Gemeinsamkeit, um die Katastrophe zu meistern, beschworen (das wird auch als „Ingerenzprinzip“ verstanden [letztlich ist bis anhin unbekannt, wie das Virus losgetreten worden ist; es gibt im Moment keine Schuldigen, was für eine Krise relativ selten ist]). Solidarität im Sport-Business besagt etwa folgendes: Vier Top-Klubs der Deutschen Bundesliga helfen in der Not den serbelnden Vereinen. Sie wollen aktuell 20 Millionen Euro in einen „Solidartopf“ einschiessen. Eine löbliche Geste, allerdings nicht ganz uneigennützig. Die Top-Klubs wissen, dass sie ohne die restlichen Klubs keine Meisterschaft mehr werden spielen können. Sie sind auf diese schlicht angewiesen;
Sport: Das „Corona“-Virus hat den Sport innerhalb weniger Wochen vollständig zum Erliegen gebracht. Der organisierte Sport „n’existe plus“. Umso mehr boomt der Freizeit-Sport: Es wird gewandert, teils allerdings ohne die „Abstands-Regeln“ einzuhalten, und gejoggt, wie seit Jahrzehnten nicht mehr. In der Not besinnt sich der Mensch auf Traditionelles;
Sport–Business: Durch das „Corona“-Virus ist der organisierte, kommerzielle Sport vollständig zum Erliegen gekommen. Er wird, wie die Wirtschaft, nach ausgestandener Krise am Boden liegen. Nicht nur der Sport an sich hat aufgehört zu funktionieren. Auch die damit zusammenhängende Industrie (TV-Vermarktung, Sponsoring, Werbung, Event-Organisation, usw.) ist zusammengebrochen. Nach der Krise wird es diesbezüglich vor allem viel „Juristenfutter“ abgeben;
Sport–Medien: In einer Krise kommt den Medien besondere Bedeutung zu; aber lediglich den unabhängigen, von denen es kaum mehr welche gibt. „Fake-News“ können nicht mehr nur mit einem Hirngespinst des US-Präsidenten abgetan werden. Wer den heutigen Zustand der Medien mitverfolgt, muss ernüchternd feststellen, dass die Medienlandschaft ebenfalls zum Trümmerfeld geworden ist, wobei die Dekadenzerscheinungen längst vor „Corona“ sichtbar wurden. Ausser über das „Corona“-Virus gibt es auch kaum mehr etwas zu berichten. „Corona“ dominiert auch die Medien. Immer stärker wird abgebildet, wie sich die Journalisten die Welt wünschen und nicht, wie sie tatsächlich ist. In den elektronischen Medien findet der Sport nicht mehr statt – es sei denn, ein wenig Sport-Politik wäre opportun (insbesondere die Begründung von Veranstaltungs-Absagen). Tristesse herrscht ebenfalls bei den Print-Medien. Kaum ein Unternehmen inseriert mehr, und sogar bei der „Neuen Zürcher Zeitung“ grassiert das „Corona“-Virus durch die ganze, zwischenzeitlich durcheinandergeratene Bund-Systematik, an der sonst im selbsternannten „Intelligenzblatt“ sklavisch-stur festgehalten wird. Sogar der von mehr als zehn Redaktoren(!) produzierte Sport-Teil, der seit Tagen meistens lediglich eine Druckseite umfasst, wurde während Tagen nicht mehr mit „Sport“, sondern mit „CORONAVIRUS“ überschrieben;
Sport-Veranstaltungen: Alle grossen Sport-Veranstaltungen 2020 sind abgesagt; soeben haben die Veranstalter des legendären Tennis-Turniers in Wimbledon für dieses Jahr „forfait“ erklärt. Nur die „Deutsche Fussball-Liga“ (DFL) ist wild entschlossen, in der Bundesliga die Spielsaison 2019/2020 bis am 30. Juni 2020 zu beenden. Wenn schon „COVID-19“ nicht planbar ist, soll wenigstens den Klubs „Planungssicherheit“ garantiert werden, so die DFL dazu;
Staat: Siehe „Super-Staat“;
Statistik: In der „Corona“-Krise ist statistisches Material von vordergründiger Bedeutung und bildet zudem die Grundlage für die Entscheidungen der politischen Führung, welche den Kampf gegen das Virus führen müssen. Nicht wie im Sport, bei dem Statistiken und Resultate untrüglich sind, muss man allerdings hinter den Wert und die Authentizität des nun permanent veröffentlichten Zahlenmaterials zu den „Corona“-Fällen ein zumindest kleines Fragezeichen setzen. Oder ist es wirklich eine reelle statistische Höchstleistung, dass uns China jeden Morgen kommunizieren kann, dass es im 1,4 Milliarden-Volk zu keiner, zu zwei oder zu mehr Ansteckungen gekommen ist?;
Super–Staat: Der Staat unternimmt alles für seine Bürger, um ihnen ein schönes Leben, Wohlergehen, Sicherheit und ein wirtschaftliches Auskommen zu garantieren. Noch nie war der Wohlfahrtsstaat derart „en vogue“ wie vor dem Ausbruch der Krise. Derzeit holen der Deutsche und der Schweizer Staat im Ausland festgesetzte Touristinnen und Touristen mit Sondermaschinen in ihre Länder zurück. Das gehört zum Grundrecht auf Feriengenuss, den letztlich der Sozial- und Lifestyle-Staat zu gewährleisten hat. Eigenverantwortung wird im „Super-Staat“ zum geschichtsträchtigen Fremdwort. Dass die Individualität bei diesem System des Neo-Kommunismus auf der Strecke bleiben wird und den Kollektivismus prävalieren lässt, ist folgerichtig, wird aber offenbar gewünscht;
Team: Dieser Begriff aus dem Sport wird komplementär im Zusammenhang mit dem derzeitigen Modewort „Solidarität“ verwendet. Mit sportlichen Maximen die Krise zu meistern ist etwa das sicher nicht unzutreffende Credo des Österreichischen Bundeskanzlers Sebastian Kurz. Ob es ihm letztlich gelingt, Österreich wie eine Sport-Mannschaft erfolgreich durch die Krise zu führen, wird sich zeigen;
Wirtschaft: Eine florierende Wirtschaft bildet das Rückgrat eines gesunden Staates. Seit knapp drei Wochen liegt sie in Trümmern, und zwar so, wie es nie hätte erwartet werden können. Offenbar trifft die bisher suggerierte Annahme nicht zu, dass wir, wie etwa in der Schweiz immer hochgehalten, in einem florierenden, wirtschaftlichen Umfeld leben. Das Gegenteil dürfte zutreffen: Wenn der Staat nach einem Stillstand der Wirtschaft nach wenigen Tagen gleich Dutzende von Milliarden zur Rettung von abgebrannten Unternehmen zur Verfügung stellen muss und das Füllhorn permanent über diesem Pleite-Segment ausschütten muss, war wohl alles eher ein Potemkinsches Dorf denn ein Wirtschaftsmärchen, bezüglich dem das Gefühl vorherrschte, es sei wahr. Letztlich basierte die Wirtschaft auf dem System „Leben auf Pump“ (die Bürger verhalten sich so, wie es der Staat vorlebt), das die Grundlage für noch mehr Umverteilung bildet. Diese Mentalität wird mit dem „Giesskannen-Prinzip“ fortgeführt. Letztlich ist auch Friedrich Schiller („Der kluge Mann baut vor“ – er meinte damit wohl auch die Frauen) längst Geschichte. Der „Super-Staat“ richtet es, dass noch der grösste wirtschaftliche Versager oder jeder arbeits-immune Mensch zu seinem Geld kommt. Das Geld über die Bürger regnen zu lassen und dieses so umzuverteilen bringt den Trend-Politikerinnen und Politikern selbstverständlich Goodwill und Wählerstimmen. Die „Giesskanne“, die im Moment permanent geleert und wieder und wieder und immer mehr nachgefüllt und letztlich über (fast) alle ausgeschüttet wird, dürfte von nachhaltigem Charakter sein; und eignet sich zur Umsetzung von entsprechenden Ideologien bestens. Wetten, dass nach ausgestandener Krise, wenn die Wirtschaft in Trümmern liegt, der „Super-Staat“ umgehend ein bedingungsloses Grundeinkommen für alle bereit hält? Dass sich dieses System (auch) für die Lenker und Leiter des Staates lohnt, hat der Weltfussballverband mit Sitz in Zürich vorexerziert, und daran orientiert sich z.B. die Schweizerische Regierung: Jeder Geldregen bringt Wählerstimmen. Politik findet eben auch in Krisenzeiten statt. Ein Positivum ist an der ganzen Geschichte zu vermerken: Die unsägliche „Compliance“, mit der vor allem Bürgerinnen und Bürger in den letzten Jahren insbesondere durch Banken und Versicherungen genervt und schikaniert wurden, ist nur noch ein Fremdwort (vgl. dazu für den Sport: „Compliance: Auch ein Thema für Sportverbände und andere Vereine? – Das Beispiel FIFA“, in: Causa Sport, 3/2017, 208 ff.);
Zukunft: Auch diese aktuelle Krise, der Krieg gegen einen unsichtbaren Feind, wir dereinst beendet sein. Was wird bleiben und was wird aus dem Trümmerhaufen, den das „Corona“-Virus verursachen wird, spriessen? Vielleicht eine (erneute) Umwertung der Werte. Sicher wird eine Folge der Krise ein neu aufgelegter Klassenkampf sein, welcher der Freizeit- und Lifestyle-Gesellschaft ein bedingungsloses Grundeinkommen bescheren dürfte. Die im Gange befindliche und durch „Corona“ befeuerte Umverteilung wird durch die Krise weitere Ausmasse annehmen. Aus den Tendenzen, die sich in der aktuellen Situation ausmachen lassen und die an sich einen ausserordentlichen Zustand in einer Krisenzeit darstellen, lässt sich das Fazit ziehen, dass dieses aktuelle Faktum zur Normalität wird. Das Modell des „Super-Staates“ wird realisiert werden im Sinne eines Neo-Kommunismus, der allen Bürgern weiterhin wirtschaftliche Sicherheit, aber auch Einschränkungen der individuellen Bewegungsfreiheit bringen wird. Noch nicht ganz klar ist, wie ein solches Modell finanziert werden soll. Aber das sollte für einen „Super-Staat“ auch kein Problem sein. Auch der organisierte Sport wird sich nach der Krise neu positionieren und dem Trümmerfeld nach „Corona“ wie Phönix aus der Asche entsteigen.