Archiv des Autors: causasportnews.com

Der Europäische Gerichtshof zerschlägt das Fussball-Monopol

causasportnews / Nr. 1092/12/2023, 21. Dezember 2023

Photo by Unknown User on Pexels.com

(causasportnews / red. / 21. Dezember 2023) Die Vorweihnachtszeit hat es für den organisierten Fussball in sich: Am 15. Dezember 1995 fällte der Europäische Gerichtshof (EuGH), das oberste Rechtsprechungsorgan der Europäischen Union (EU), den Entscheid «Jean-Marc Bosman» und zerschlug damit das damals geltende Transfersystem im internationalen Fussball. Das Urteil stärkte die sportlichen und wirtschaftlichen Positionen der Fussballspieler in Europa und zwang die Monopol-Verbände UEFA (Europäische Konföderation) und FIFA (Fussball-Weltverband), rechtskonforme Transferregeln zu schaffen. Jener Entscheid wurde als sportrechtliche Apokalypse für die Verbände bezeichnet. Nun hat der EuGH in Luxembourg, wiederum in der Vorweihnachtszeit (am 21. Dezember 2023), wenn auch 28 Jahre nach der «Causa Bosman», juristisch erneut zugeschlagen und die Verhinderungspraxis insbesondere der UEFA, einer selbständige Vereins-Sektion der FIFA, gegenüber der «European Superleague Company» (Kläger am EuGH) als Missbrauch einer marktbeherrschenden Stellung und als EU-wettbewerbsrechtswidrig qualifiziert. Die Monopolverbände UEFA und FIFA haben sich seit 2021 gegen das Projekt einer Europäischen Superliga ausserhalb der Verbandsorganisationen gestellt und Klubs und Spieler, welche an dieser Liga teilnehmen würden, mit drastischen Sanktionen, wie Ausschliessung aus dem internationalen Fussballgeschehen, gedroht. Aufgrund dieser sanktionsrechtlichen Drohungen kämpften von den ursprünglich 12 Top-Klubs der projektierten Superliga zuletzt noch zwei Vereine (Real Madrid und FC Barcelona) für die Abkoppelungsidee. Doch nach diesem Urteil aus Luxembourg wird das Projekt Aufwind erfahren, und die European Superleague könnte rascher Tatsache werden, als es der UEFA lieb sein dürfte. Die Superliga als Konkurrenzprodukt zur Champions League der UEFA hat durchaus Realisierungschancen, vor allem, sobald die Klubs nachvollziehen können, dass sich im Rahmen der Champions League vor allem die UEFA pekuniär gütlich tut, im Rahmen der Superliga ausserhalb von UEFA und FIFA jedoch die teilnehmenden Klubs mit weitaus grösseren finanziellen Erträgen rechnen können. Wetten, dass nun die Champions League-Konkurrenzveranstaltung nun auch etwa für arabische Investoren interessant werden könnte?

Obwohl nach dem Urteil aus Luxembourg nun das Madrider Handelsgericht abschliessend die «Causa Superliga» beurteilen muss (konkret ging es am Gerichtshof um Rechtsfragen, die dem EuGH vom Spanischen Gericht vorgelegt wurden; sog. Vorabentscheidungsverfahren) und dabei natürlich an den EuGH-Entscheid gebunden sein wird, ist das nun ergangene Urteil als sport-juristische «Bombe» zu werten. Auch wenn das Projekt letztlich nicht zustande kommen sollte, bedeutet diese Niederlage der UEFA (und der FIFA) am EuGH eine Prestige-Demütigung sondergleichen. Der Vorwurf des Missbrauchs einer marktbeherrschenden Stellung und ein Verstoss der UEFA und der FIFA gegen das EU-Wettbewerbsrecht ist nicht einfach eine Bagatelle, auch wenn dies die UEFA in ersten Stellungnahmen nach der Urteilseröffnung in Luxembourg so verstanden haben will. Geradezu zynisch und despektierlich an die Adresse des Gerichts äusserte sich der offensichtlich frustrierte UEFA-Präsident Aleksander Ceferin, ein behäbig gewordener Verbands-Funktionär alter Schule. So war es schon damals nach dem Bekanntwerden des Urteils in der Sache Jean-Marc Bosman vor 28 Jahren, als UEFA und FIFA sich in arroganten Statements überboten – bevor den beiden Monopolverbänden die Angelegenheit um die Ohren flog. Mit dem Urteil ist das klassische Fussball-Verbands-Monopol, das auch in anderen Zusammenhängen immer wieder Auswirkungen zeitigt, mit Präjudizwirkung zerschlagen worden. Speziell mutet der Entscheid des obersten EU-Rechtsprechungsorgans letztlich auch deshalb an, weil zwei Schweizer Verbände in der Vereins-Rechtsform (Art. 60 ff. ZGB) mit Sitzen in der Schweiz, also ausserhalb des Unionsgebiets (UEFA in Nyon, FIFA in Zürich), als Beklagte betroffen sind.

Wo Werbegelder (noch) fliessen – und wo nicht (mehr)

causasportnews / Nr. 1091/12/2023, 20. Dezember 2023

Photo by Abed Ismail on Pexels.com

(causasportnews / red. / 20. Dezember 2023) Generell betrachtet bietet der Sport der Werbewirtschaft eine einmalige Plattform. Das bedingt einerseits grundsätzlich eine gut gehende Wirtschaft und die Investitionsbereitschaft renommierte Marken, andererseits ist die Werbung vor allem dort präsent, wo sportliche Top-Leistungen erbracht werden. Oder wo die Aufmerksamkeit des Sport-Publikums gross ist. So etwa bei «Red Bull». Die Soft-Getränke-Unternehmung scheint über unermessliche, pekuniäre Ressourcen zu verfügen – und kann sich die sportlichen Werbepartner relativ locker aussuchen. Beispielsweise in der «Formel 1». Das «Red Bull Racing-Team» gewinnt in der spektakulären Motorsport-Kategorie seit geraumer Zeit praktisch alles, was es zu gewinnen gibt. Das dürfte auch weiterhin so geschehen, bis sich der Österreichische Formel 1-Rennstall mit dem praktisch unschlagbar gewordenen Max Verstappen zu Tode gesiegt haben wird. Dann wird, wenn sich das Publikum zufolge der eingekehrten Langweile von dieser Rennsport-Serie abgewendet haben dürfte, auch das Interesse des Getränke-Konzerns an dieser Werbe-Plattform auf vier Rädern abnehmen.

Geld steht im Formel 1-Rennsport im Zentrum. Geld ist zwar nicht alles, aber ohne Geld ist in dieser hochtechnisierten und an sich publikums-attraktiven Sportart alles nichts. Das spürt im Moment der Schweizer Formel 1-Rennstall von (ehemals) Peter Sauber. Das Team dümpelte in der zu Ende gegangenen Saison 2023 mit Alfa Romeo erneut im hintersten Teilnehmerfeld herum, doch nun wird im Zürcher Oberland, im beschaulichen Hinwil, mit Blick auf das kommende Jahr Zuversicht versprüht. Ein gewonnener Sponsor soll es möglich machen. Das Team startet unter einem neuen Namen «Stake F1 Team Kick Sauber». Von «Stake» hat wohl kaum jemand schon etwas gehört, doch Sprachversierte wissen: «Stake» heisst «Einsatz». Dieser ist hier nicht etwa gleichzusetzen mit sportlicher Leistungsbereitschaft bis zum Ende, sondern «Stake» steht für einen Crypto-Casino und Sportwetten-Anbieter, der im online-Casino-Bereich sein Glück versucht – offenbar einigermassen erfolgreich. Je höher der Einsatz, desto wahrscheinlicher die Gewinnchance. Die Geld- und Glücksspielunternehmung wird bis Ende 2025 als Werbepartner des Schweizer Teams figurieren. Weil die Werbung für Geld- und Glücksspiele nicht überall erlaubt ist und entsprechende Werbeaktivitäten vielerorts unzulässig sind, wird das Team in einigen Ländern, in denen Formel 1-Rennen ausgetragen werden, das Firmen-Logo von «Stake» auf den Hinwiler Boliden abdecken müssen. Die Kooperation sieht ein wenig danach aus, als fresse der Teufel in der Not Fliegen. Top-Unternehmen aus der Wirtschaft sehen generell eher keinen Sinn darin, auf schwache Partner im Sport zu setzen.

Die «Stake»-Eigner werden das Sponsoring-Geld wohl aufgrund strategischer Überlegungen in die Schweiz schicken. Übrigens: Die Chance, mit «Red Bull» Weltmeister zu werden, ist vom Schweizer Rennsport-Unternehmen vor Jahren versiebt worden, als der «Red Bull»-Eigner Dietrich Mateschitz dieses Ziel mit anderen Teams anzustreben begann. Sein Einsatz wurde nachhaltig belohnt.

Zwei Jahre muss jedoch nun das ehemalige Formel 1-Team von Peter Sauber wirtschaftlich, eben mit Playern aus der Glücks- und Geldspiel-Brache, überbrücken, bis 2026 Audi die Mehrheit am Team aus dem Zürcher Oberland übernimmt. Dann dürfte das «Stake»-Engagement Geschichte sein.

Verstärkt bedrohte Sport-Integrität durch «Live»-Sportwetten

causasportnews / Nr. 1090/12/2023, 15. Dezember 2023

Photo by Alesia Kozik on Pexels.com

(causasportnews / red. / 15. Dezember 2023) Seit 20 Jahren wird der Sport, vor allem der Fussball, durch einen geradezu ausufernden Sportwetten-Markt in seiner Integrität bedroht. 2005 löste der «Fall Hoyzer» in Deutschland vor der WM-Endrunde 2006 ein gewaltiges Erdbeben aus. Der labile Schiedsrichter Robert Hoyzer geriet in die Fängen der Sportwetten-Mafia und «verpfiff» gegen Geld und einen TV-Apparat diverse Fussballspiele, auf welche Sportwetten abgeschlossen wurden. Der Fussball-Weltverband reagierte nach diesem Manipulationsfall vor der WM-Endrunde umgehend und organisierte zur Wahrung der sportlichen Integrität aller WM-Endrundenspiele 2006 eine Überwachung der 64 Spiele mit Blick auf sog. Sportwetten-Manipulationen. Dazu wurde eigens eine Überwachungsgesellschaft, Early Warning System GmbH, gegründet. Präzisierend muss festgehalten werden, dass bei Manipulationen im Zusammenhang mit Sportwetten nicht die Wetten manipuliert werden, sondern der Sport. Manipulationen von Spielen im Zusammenhang mit Sportwetten sind zwar schwierig, sie kommen aber vor. Die Konstellation, dass ein WM-Finalspiel, das von Milliarden von Menschen am Fernsehen verfolgt wird, manipuliert wird, ist eher theoretischer Natur. Es kann diese Regel aufgestellt werden: Je mehr (mittelbare und unmittelbare) Zuschauer, desto sicherer ist der betreffende, sportliche Wettkampf vor Manipulationen – auch mit Blick auf Sportwetten.

Eine weit grössere Gefahr als konventionelle Sportwetten, bei denen etwa vor dem Spiel auf den Sieger Geld gesetzt wird, bilden die sog. «Live»-Wetten, die etwa während eines laufenden Spiels online platziert werden können. Die fortgeschrittene Digitalisierung macht’s jedenfalls möglich. Die Sport-Manipulationsgefahren bei Wettkämpfen, die nicht im Blickwinkel von TV-Kameras und weitgehend ohne grosse Publikums-Kulisse, also gleichsam unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden, sind sehr gross. Nun scheint die entsprechende Gefährdung beispielsweise unbedeutender Fussballspiele noch grösser zu werden. Auf Regional-Spiele im Fussball in der Schweiz kann praktisch auf der ganzen Welt gewettet werden, wobei eben diese «Live»-Wetten ein besonders grosses Sport-Manipulationspotential in sich bergen. Dass neuerdings «Live»-Wetten im Amateurbereich angeboten werden, an denen Wett-Scouts am Spielfeldrand stehen und mit den Wettanbietern permanent in Kontakt stehen, lässt beim Schweizerischen Fussball-Verband die Alarmglocken läuten. In der Tat scheint so der Amateur-Sport in seiner Integrität massiv gefährdet. Die skrupellosen Sportwetten-Strippenzieher, die auch vor Sport-Manipulationen aller Art nicht zurückschrecken, sind natürlich im sog. schwarzen, illegalen, Sportwetten-Markt zu orten. Zugelassene Wettanbieter, die auch im online-Bereich aktiv werden dürfen, unterstehen meist strengen, staatlichen Kontrollen. Illegale Anbieter operieren hingegen in den Dunkelräumen des Internets.

Schätzungen von Experten zufolge werden jährlich weltweit 1700 Milliarden Dollar im illegalen, praktisch unkontrollierbaren Sportwetten-Markt umgesetzt. Unzählige Online-Plattformen mit oft nicht zu durchschauenden Eigentümer-Verhältnissen und an teils eher speziellen Orten (z.B. in Manila, auf Zypern, in Gibraltar, auf den Kanal-Inseln, auf Malta, in Asien) mischen in diesem lukrativen Geschäft mit. Die Sportverbände müssen hier nach Auffassung von Sachverständigen künftig wohl einiges mehr tun, um den Integritätsschutz vor allem auch im global gesehenen sportlich unbedeutenden, unspektakulären Amateur-Sport zu stärken. Allein mit Prävention kann dieser Gefahr kaum effizient begegnet werden. Die Mittel des repressiven Strafrechts, um diesen Auswüchsen zu begegnen, sind eher bescheiden – nicht nur beispielsweise in der Schweiz, in Österreich oder in Deutschland.

(Quelle: Sonntag – Zeitung, Zürich, 10. Dezember 2023)

IOK stützt Frankreich ins Olympia-Dilemma

causasportnews / Nr. 1089/12/2023, 10. Dezember 2023

Photo by Pixabay on Pexels.com

(causasportnews / red. / 10. Dezember 2023) Anne Hidalgo, seit 2014 Bürgermeisterin von Paris, ist nicht so leicht zu beeinflussen oder sogar zu verbiegen – dies im Gegensatz zu vielen ihrer männlichen Kollegen in der Politik. Anfangs Jahr hat die 64jährige Juristin mit Spezialgebiet «Sozialrecht» mit Blick auf den von Russland entfesselten Krieg gegen die Ukraine erklärt, dass sie an den Olympischen Spielen, die im kommenden Sommer in einer der schönsten Städte der Welt, eben in Paris an der Seine ausgetragen werden, keine Athletinnen und Athleten aus Russland und Weissrussland in «ihrer» Stadt dulden wolle, auch wenn diese als «neutrale Sportlerinnen und Sportler» dabei sein würden. Nun hat das Internationale Olympische Komitee (IOK) genau das ausgeblendet und soeben entschieden, dass russische und weissrussische Aktive als «neutrale Athleten» an den Olympischen Spielen in Paris grundsätzlich teilnehmen dürften, sofern sie die Qualifikationsvoraussetzungen erfüllen; die Teilnahme von Aktiven aus den beiden Ländern muss letztlich von den Sportverbänden beurteilt und entschieden werden. Damit hat das IOK, ein Verein nach Schweizerischem Recht mit Sitz in Lausanne, dem weitgehend bejahrte Funktionäre teils mit zweifelhaftem Ruf angehören, die heisse Olympia-Kartoffel den Verbänden weiter gereicht – und Paris sowie Frankreich in ein Dilemma gestürzt. Auch wenn die Gradlinigkeit und der Mut von Anne Hidalgo, der Bürgermeisterin von Paris, welche im kommenden Jahr dieses Amt zehn Jahre ausgeübt haben wird, bekannt ist, wird es für sie schwierig werden, den opportunistischen Wendehälsen im IOK, die nicht nur vor Russland kuschen, Paroli zu bieten. Ein Grund dafür, dass in Paris im Sommer sowohl russische als auch weissrussische Athletinnen und Athleten dabei sein werden, dürfte allgemein in Frankreich zu orten sein, vor allem beim Staatspräsidenten der Französischen Republik und dem Kofürst von Andorra in Personalunion persönlich. Emmanuel Macron gilt als Polit-Strippenzieher, der auch eifrig im internationalen Sport mitmischt und sich gerne mit den Grössen aus der Sport-Politik umgibt. So ist es ihm dank seiner besten Beziehungen zu seinen besten Freundinnen und Freunden im IOK gelungen, die Olympischen Winterspiele 2030 nicht in die Schweiz, sondern nach … Frankreich vergeben zu lassen (vgl. auch causasportnews vom 22. Juni 2023 und vom 1. Dezember 2023). Innerhalb von sechs Jahren wird Frankreich also Olympische Sommer (2024)- und Winterspiele (2030) austragen.

Zurück zu den ungeliebten Olympia-Teilnehmenden im kommenden Jahr in Paris aus Russland und aus Weissrussland: Es darf nur gemutmasst werden, was geschehen könnte, wenn dann die bisher 60 qualifizierten Sportlerinnen und Sportler aus der Ukraine auf acht Russinnen und Russen sowie drei Teilnehmende aus Weissrussland treffen werden – Zahlen Stand heute. Nicht nur aus diesem Grund hat Frankreich die Sicherheit als Hauptproblem des im kommenden Jahr stattfindenden Grossanlasses auf die To-do-Liste gesetzt. Jedenfalls ist es für die Betrachter des Sportgeschehens klar: Affaire à suivre…

Casino-Geschäft zwischen Geld und Geist

causasportnews / Nr. 1088/12/2023, 9. Dezember 2023

Photo by Pixabay on Pexels.com

(causasportnews / red. / 9. Dezember 2023) Seit Monaten herrschte Hochspannung, nun ist es seit Ende November offiziell: Die Schweizerische Landesregierung hat für die Periode 2025 bis 2044 die Konzessionen für den Glücksspielbetrieb in der Schweiz erteilt. Die aktuell gültigen Zulassungen laufen Ende des nächsten Jahres ab. An 22 Standorten kann ab übernächstem Jahr in Casinos gespielt werden; 12 Casinos dürfen ab dann Onlinespiele (darunter auch Sportwetten) im Internet anbieten, soviel wie noch nie zuvor (und seit dem Inkrafttreten des Geldspielgesetzes, BGS, im Jahr 2019), was zu mehr Wettbewerb führen wird. Insgesamt wurden 29 Lizenz-Gesuche eingereicht; gegen den Entscheid des Bundesrates stehen keine Rechtsbehelfe zur Verfügung. Die Casino-Landschaft in der Schweiz wird sich demnach alles in allem künftig nicht stark verändern, obwohl der Spielbanken-Markt eine sanfte Erweiterung erfährt. In Lausanne und in Winterthur werden ab 2025 zwei neue Spielbanken ihre Betriebe aufnehmen; das Casino in Schaffhausen wird dann hingegen schliessen. Keine Konzessionen haben fünf Gesuchsteller erhalten (Oftringen, Romanel-sur-Lausanne, St. Gallen, Sion, Martigny-Combe). Die Heterogenität dieses Marktes verlangt trotz langjähriger Konzessions-Vergaben nach kontinuierlichen Neubeurteilungen. Bis 2028 wird die Eidgenössische Spielbankenkommission (ESBK) der Landesregierung einen «Casinolandschaftsbericht» vorzulegen haben, um zukunftsgerichtet allfällige Neubeurteilungen vorzunehmen. Die eingeräumten Casino-Zulassungen können allerdings grundsätzlich nicht vorzeitig entzogen werden.

Die Heterogenität dieses nicht ganz unsensiblen Marktes zeigte sich nach Bekanntgabe der Neukonzessionierungen: Die Casino-Branche ist mit dem Ergebnis der bundesrätlichen Entscheidungen durchwegs zufrieden, gelingt es doch, den Geldspielmarkt künftig auszubauen. Seitens der Landesregierung wird hinter vorgehaltener Hand ein besonderer Aspekt der aktuellen Konzessionierung hervorgehoben: Die öffentliche Hand kann mit weit höheren Steuerabgaben rechnen, und auch die finanziell notleidende Alters- und Hinterlassenenversicherung (AHV) darf sich auf grössere Erträge aus dem Casino-Business freuen. Auf der anderen Seite warnen die Skeptiker insbesondere vor der Ausweitung der Spielsucht. Gerade dieses Geschäfts-Segment befindet sich wie kaum ein anderer Wirtschaftszweig im Spannungsfeld von Geld (pekuniäre Seite) und Geist (volksgesundheitliche und ethische Aspekte). Was an sich keine Errungenschaft der Moderne ist, denn schon 1843 entflammten entsprechende Diskussionen, als Jeremias Gotthelf (mit bürgerlichem Namen Albert Bitzius) seinen auch heute noch lesenswerten Roman «Geld und Geist» veröffentlichte. Es ist natürlich ein reiner Zufall, dass jenes Milieu, in dem der Roman spielt, auf die Neuzeit übertragen lässt, denn der Präsident des Schweizerischen Casinoverbandes ist kein Geringerer als der «Mitte» (ehemals CVP)-Präsident Gerhard Pfister, dem neuerdings sogar Bundesrats-Ambitionen nachgesagt werden. Mehr dazu und ob die Wahl-Kugel auf den biederen Zuger Lehrer und Politiker fällt, erfährt die Welt dann am 13. Dezember 2023, wenn die Landesregierung neu gewählt wird.

Zum vieldiskutierten Thema «Netzsperren» sei an dieser Stelle auf Causa Sport digital 3/2023 hingewiesen. Es wird das Urteil des Bundesgerichts vom 18. Mai 2022, BGE 148 II 392 ff., wiedergegeben und kommentiert: «Verfassungsmässigkeit von Netzsperren von ausländischen Online-Geldspielangeboten in der Schweiz».

EURO 2024: Losglück mit der Glücks-Gruppe

causasportnews / Nr. 1087/12/2023, 3. Dezember 2023

Photo by Riccardo on Pexels.com

(causasportnews / red. / 3. Dezember 2023) Es ist bekanntlich vieles eine Sache der Perspektive. Oft auch im Sport. So ist der erste konkrete Schritt zur Fussball-Europameisterschaft 2024 in Deutschland erfolgt: Die Auslosung des Spielplans für das Turnier, das vom 14. Juni bis zum 14. Juli 2024 stattfinden wird. In Hamburg interessierte aus Deutscher und aus helvetischer Sicht die Gruppe A, der Schottland, Ungarn und überdies eben Deutschland und die Schweiz angehören! «Losglück», vermeldeten die Schweizer Medien kurz nach der Auslosung, «Glücks-Gruppe» war die erste Reaktion aus Deutschland. «Endlich Deutschland!» (mit Ausrufezeichen) titelte die Zürcher «Sonntags-Zeitung» in ihrer Ausgabe, gleich nachdem der Spielplan der EURO 2024 feststand. «Gebt uns die Deutschen!» (mit Ausrufezeichen) richtete die Boulevardzeitung «Blick» einen Appell gegen den Fussball-Himmel, bevor es in der Elbphilharmonie in Hamburg zur Auslosungs-Sache ging – orchestriert durch ein nicht gerade sport-adäquates Stöhnen, initiiert durch einen Comedian, der das alles wohl als einziger lustig fand. Die Fussball-Götter und -Göttinnen erhörten das Flehen und die Wünsche aus allen Ecken sowie allen Enden und machten es möglich, dass Gastgeber Deutschland und die Schweiz am 23. Juni 2024 in Frankfurt, im letzten Gruppenspiel, aufeinander treffen werden. Die beiden Nationalmannschaften spielten letztmals an der WM-Endrunde 1966 in einem grossen Turnier gegeneinander; die Schweizer wurden damals nach einer 0:5-Packung regelrecht aus dem Hillsborough-Stadion von Sheffield gefegt. Alles andere als ein Sieg Deutschlands wäre eine Welt-Sensation gewesen.

Im kommenden Jahr sieht alles anders aus. Die Schweiz hat an Selbstbewusstsein gewonnen, auch wenn die Qualifikation zum Turnier nächstes Jahr nicht nur für Spieler und Trainer eine Tortur war. Mit «Losglück» meinen die Eidgenossen, dass man sich nun sehr wohl gegen Deutschland werde behaupten und allenfalls auch durchsetzen können, vielleicht dann anlässlich des Showdown am 23. Juni 2023, wenn die Teams aufeinander treffen. Die Bezeichnung «Glücks-Gruppe» ist für Deutschland nicht nur bitterer ernst, sondern belässt durchaus Raum für Ironie, oder wie es das mediale Sprachrohr Deutschlands, die «Bild»-Zeitung, sieht: «Da können sogar wir weiterkommen». So ist eben alles zumindest eine perspektivische Angelegenheit. Mit einem Schlag sind in der Schweiz und in Deutschland die Trainerkritiken verstummt: Nationaltrainer Murat Yakin freut sich jetzt auf die EURO 2024. Zumindest bis zum 23. Juni 2024 wird er seinen Vertrag erfüllen dürfen. Bundestrainer Julian Nagelsmann wird nach dieser Auslosung auch wieder besser schlafen, nachdem er nach den letzten Testspielen seiner Mannschaft arg unter Beschuss geriet, zuletzt nach der inferioren Leistung der Nationalmannschaft, welche jetzt auch wieder so heissen darf; nach einem 0:2-Debakel gegen … Österreich; die Deutschen schlichen regelrecht vom Platz. Apropos Österreich: Die Österreicher werden in der Gruppe D in jedem Fall auf Frankreich und auf die Niederlande treffen. Ob sich die zuletzt starken Auftritte des Teams von Ralf Rangnick, dem Deutschen Fussball-Professor, relativieren werden, dürfte sich dann bald zeigen. Fussball ist eben auch eine Frage der Relationen, nicht nur der Perspektiven. Sicher ist: Córdoba 1978 wird sich nicht wiederholen.

Frankreich – Schweiz bald 2:0

causasportnews / Nr. 1086/11/2023, 1. Dezember 2023

Photo by Pixabay on Pexels.com

(causasportnews / red. / 1. Dezember2023) Von himmelhoch jauchzend bis zu Tode betrübt. Am vergangen Wochenende sagte das Schweizer Sportparlament überwältigend Ja zu Olympischen Winterspielen 2030 in der Schweiz, drei Tage später die Ernüchterung: Das Internationale Olympische Komitee (IOK) vergibt die Spiele nach … Frankreich! Es tönte für die helvetische Sport-Funktionärs-Kaste an sich alles gut, und die Sport-Politiker, sekundiert von der Schweizerischen Sportministerin Viola Amherd, gaben sich siegessicher. Der Olympia-Zuschlag für 2030 wurde als gleichsam vollendete Tatsache dargestellt und medial entsprechend «verkauft». Denn offensichtlich wurde mit dem IOK alles vorbereinigt; dann kam der Hammer … aus Paris – nicht aus der IOK-Zentrale in Lausanne. Eine französische Alpen-Region wird 2030 die Olympischen Spiele durchführen. Die Meldung liess den Schweizer Traum vom dezentralen Sporterlebnis an verschiedenen Orten der Schweiz zum sport-politischen Albtraum (hier wäre wohl auch die Schreibweise Alptraum angebracht) werden. Innerhalb weniger Tage platzten Träume, Visionen und Hoffnungen. Feierte die Schweizer Sportelite den Entscheid des Schweizer Sportparlamentes vor nicht einmal einer Woche noch überschwänglich, und konnte sich die Sportministerin im Zustand grösster Erregung der grenzenlosen Freude hingeben («Diese Winterspiele in der Schweiz sind ein Riesen-Booster für unser Land»), herrscht nun bei Funktionären und der unbedarften Sportministerin dennoch Genugtuung und Hoffnung (Viola Amherd: «Es herrscht Freude»). Weshalb? Das IOK liess durchblicken, dass die Schweiz mit Blick auf die Olympischen Spiele 2038 in einen «privilegierten Dialog» mit den Gralshütern der Olympischen Idee in Lausanne, dem Sitz des IOK, treten dürfe. So viel Gnade versetzte die Sportministerin also trotz des erlebten sport-politischen Super-GAU in freudige Ekstase, während die rührigen Funktionäre, denen jegliches diplomatisches und Verhandlungs-Geschick abgeht, die Zuschlags-Schlappe wohl erst verdauen müssen. Sie gebärden sich diplomatisch vermeintlich klug und trösten sich über die vom IOK zugefügte Schmach des Nicht-Zuschlags bezüglich Olympia 2030 hinweg getreu dem Motto: «Wir sind immer oben, und wenn wir nicht oben sind, ist unten oben». Nüchtern betrachtet haben die Schweizer im weltpolitischen Sport-Pokerspiel wieder einmal versagt – so, wie das in der Globalpolitik längst zur Usanz geworden ist. Hier könnten sie von den Franzosen lernen, die sowohl in der Politik und in der globalen Sportpolitik geschickt(er) taktieren und letztlich immer wieder die Früchte ihrer cleveren Bemühungen ernten können, während die Schweizerinnen und Schweizer noch immer blauäugig an das Gute im Menschen glauben. Notfalls schicken die Gallier ihr bestes Pferd aus der Politik ins Rennen, wie derzeit Staatspräsident Emmanuel Macron, der sich als moderner Sonnenkönig gebärdet und die Olympia-Pläne Frankreichs zur Chefsache erklärte. Dem hatte die Schweiz mit ihrem unsäglichen Funktionärs-Filz und einer unbedarften Sportministerin im Gefolge nichts entgegenzusetzen. In der Welt hat sich die vom IOK übertölpelte Schweiz wieder einmal richtig blamiert. Mit dem IOK-Zuschlag von Olympia 2030 an Frankreich, der noch formalisiert werden muss, sind die Gallier gegen die Schweiz 1:0 in Führung gegangen.

Eigentlich steht der Wettkampf Frankreichs gegen die Schweiz schon fast 2:0. Frankreich (mit Emmanuel Macron) unternimmt derzeit vieles, um den Welt-Fussballverband (FIFA) von Zürich nach Paris zu lotsen. «Wetten, dass?» ist zwar Geschichte, aber die Wette gilt dennoch: Frankreich wird gegen die Schweiz früher oder später auch diesbezüglich gewinnen (vgl. auch causasportnews vom 21. November 2023).

Die (Selbst)-Zerstörung des «Denkmals» Jan Ullrich

causasportnews / Nr. 1085/11/2023, 29. November 2023

Photo by Pixabay on Pexels.com

(causasportnews / red. / 29. November 2023) Deutschland erlebte in den letzten Jahrzehnten zumindest drei Ausnahme-Sportler (sorry, dass keine Frauen dabei sind…), in alphabetischer Reihenfolge: Boris Becker, Michael Schumacher und Jan Ullrich. In ihren Sportarten waren sie als Aktive das Mass aller Dinge. Der nun 56jährige, ehemalige Tennis-Star Boris Becker erlebt bis heute mehr als nur ein Wechselbad der Gefühle; Exzesse aller Art katapultier(t)en den Leimener vorwiegend und permanent auf den Medien-Boulevard. In der Öffentlichkeit zofft er sich meist wegen Banalitäten mit Schönen, (Pseudo-)Reichen und Nichtsnutzen der Entertainment-Branche herum, aktuell mit dem Comedian Oliver Pocher, den erstaunlicherweise viele Menschen lustig finden, nicht nur im Fernsehen der in diesem Leben zu kurz Gekommenen, Diskriminierten und Missverstandenen. Soeben hat «Bobele», wie Boris Becker von den Deutschen liebevoll genannt wird, ein Verfahren gegen Oliver Pocher am Oberlandesgericht Karlsruhe gewonnen. Immerhin, obwohl es um eine primitive Pocher-Pöbelei ging, mit der man die überlastete Justiz auch noch auf Trab halten kann. Doch Boris Becker lässt sich von diesem Mann – verständlicherweise – nicht alles gefallen. Recht hat er; Recht bekommen hat er nun auch.- Nur traurig und tragisch muss man das Schicksal von Michael Schumacher qualifizieren, der auf den Rennstrecken ein Überflieger war, dem jedoch die Aktivitäten auf der Skipiste in Méribel zum Verhängnis wurden. Vor jetzt dann genau zehn Jahren, am 29. Dezember 2013, hat der bald 55jährige Formel 1-Rekord-Weltmeister faktisch diese Welt verlassen. Vor ihm verneigen sich Deutschland und die ganze Welt weiterhin.-

Der Tour-de-France-Sieger von 1997, Jan Ullrich, hat neben weiteren grandiosen Erfolgen mit seinen Leistungen in Deutschland einen Radsport-Boom sondergleichen ausgelöst und sich so einen sicheren Platz in den Helden-Chroniken des Sports gesichert. Nach der Aktiv-Karriere fasste der Radsport-Crack im bürgerlichen Leben nicht mehr ansatzweise so Fuss wie in den Renn-Pedalen. Es waren nicht Pleiten, Pech und Pannen, die den Werdegang nach dem Sport des heute 49jährigen Ausnahme-Athleten prägten, sondern vielmehr Abstürze jeglicher Art. Immer wieder rankten sich Manipulations-Gerüchte um Jan Ullrich und das berühmte Telekom-Radsport-Team. Bis heute liess sich das Doping-Gespenst im Umfeld des ehemaligen Athleten nicht mehr verscheuchen. Doch nun herrschen Klarheit und Transparenz. Im Vorfeld der Dokumentation «Der Gejagte» auf Amazon-Prime konnte Jan Ullrich nicht mehr anders, als jetzt zu gestehen «Ich habe gedopt» (vgl. auch causasportnews vom 22. November 2023). Von welchen Teufeln der Ex-Radsportler geritten wird, damit er hic et nunc gesteht, bleibt ein grösseres Geheimnis als die seit Jahrzehnten in der Welt herumschwirrenden Doping-Geschichten und -Vermutungen, nicht nur um Jan Ullrich. Mit dem Geständnis hat Jan Ullrich eine Art «Neugeburt» erlebt, wie er sagt. In der Tat ist diese Beichte in der Öffentlichkeit ein Opfer auf dem Altar des kommerziellen Entertainments. Der oft als labil bezeichnete Jan Ullrich ist offensichtlich gedrängt worden, sein Geständnis nun publikumswirksam zu platzieren. Die Promotour für die Dokumentation ist zum Medien-Happening verkommen. Der Versuchung, noch einmal im Scheinwerferlicht der Medien zu stehen, hat den Ex-Radsportler offensichtlich (nebst etwas Kleingeld) dazu bewogen, sein Geständnis, ohne «mea culpa», öffentlich zu machen. Es wird das letzte Mal sein. Die «Neugeburt» hat die «Legende Jan Ullrich» entmystifiziert. Eigentlich hat er an seiner Selbstzerstörung als Sport-Denkmal mitgewirkt. Er hat nicht erkannt, dass die «Freunde» aus dem Medien-Geschäft vor allem sich am nächsten sind. Einzig ihnen nützt das Geständnis zur heutigen Zeit. Für Jan Ullrich könnte es noch knüppeldick kommen. Nur der Top-Ex-Fahrer wird sich nun wohl darauf einstellen müssen, dass ihm Titel und Siege von damals aberkannt werden. Aber vielleicht gehört das zur «Neugeburt».

PS Selbstverständlich werden an dieser Stelle die Doping-Betrügereien jeglicher Art und in jeglichen Sparten weder gutgeheissen noch schöngeschrieben.

Wem gehören zum Beispiel Fussballklubs?

causasportnews / Nr. 1084/11/2023, 27. November 2023

Photo by Tembela Bohle on Pexels.com

(causasportnews / red. / 27. November 2023) Die Internationalisierung und die Globalisierung machen es möglich: Auch das Fussballgeschäft weist je länger desto mehr internationale Dimensionen auf. Wenn heute Araber in Frankreich oder in England in Klubs investieren, auf der ganzen Welt aktive Milliardäre sich im kommerziellen Sport-Business tummeln und begüterte Egomanen sich dank der Plattform «Sport» eine Bedeutung erkaufen, erregt dies kein grosses Aufsehen mehr. Auch dann nicht, wenn sich Oligarchen, wie der mit etlichen Staatsbürgerschaften ausgestattete Roman Abramowitsch von seinem Lieblingsspielzug, dem FC Chelsea, trennt oder trennen muss und nun mit seinen Yachten die Weltmeere befährt sowie Kunst in rauen Mengen zusammenkauft. Das wird zwar in der (Sport-)Welt registriert, aber man macht deswegen kaum ein Aufsehen. Oft sind die wirtschaftlichen Verhältnisse um Sport-Klubs derart verschachtelt und verworren, dass die an sich zentrale Frage, wem beispielsweise im kommerziellen Fussball die Klubs gehören, nicht mehr zu beantworten ist. So ist das «Financial Fairplay» des Europäischen Kontinentalverbandes UEFA ein ziemlich stumpfes Instrumentarium zur Gewährleistung der wirtschaftlichen Chancengleichheit im Wettbewerb. Die Mittelflüsse im globalen Fussball sind kaum nachzuvollziehen. Schillernde Investoren, dubiose Schaumschläger und abgebrühte Poker-Typen können zwar nicht gerade als Bereicherung in der Sport-Szene betrachtet werden, sie sind jedoch unentwegt aktiv; und treiben es in diesem Segment immer wieder ziemlich bunt; so sorgen sie sorgen sie immer wieder für pekuniäre Farbtupfer. Sie meinen es natürlich gut, auch mit sich selber, und sind auf Seriosität bedacht, und lösen Irritationen aus. Zwei Beispiele aus der nationalen und internationalen Sportwelt zu zwei Klubs, die im Welt-Fussball eine eher marginale Rolle spielen.

So der FC Schaffhausen, der in der Challenge League in der Schweiz am Tabellenende herumkrebst und, falls keine sportliche Rettung gelingt, bald den Gang in die 1. Amateur-Liga antreten muss. Wirtschaftlich wird der Klub vollumfänglich beherrscht von einem Alt-Bekannten im Fussball, Roland Klein, der in Abkehr von seinem Namen immer ein Grosser werden wollte und seit Jahrzehnten versucht, im In- und Ausland am ganz grossen Fussball-Rad zu drehen – und immer wieder irgendwo in der fussballerischen Einöde landet. Wie jetzt in Schaffhausen. Den Klub möchte er seit geraumer Zeit möglichst mit Gewinn abstossen. Wie er zur 100%-Beteiligung am FC Schaffhausen kam, lässt sich nicht so genau eruieren. Die Mutmassung, Roland Klein habe sich nach dem Tod des Klub-Präsidenten Aniello Fontana, den Klub irgendwie unter den Nagel gerissen, ist natürlich ein Gerücht. In letzter Zeit ist in der Munot-Stadt immer wieder von geheimnisvollen Investoren die Rede, welche die 100%-Beteiligung von Roland Klein am FC Schaffhausen übernehmen wollen. Der wichtigste, wirtschaftliche Partner des Klubs ist übrigens «Berformance», ein Vertriebsdienstleiter für digitale Zukunftstechnologie mit Berührungspunkten zu Österreich. Was dieses Unternehmen genau macht, bezeichnen die Medien als mysteriös, die Auftritte vom verkaufswilligen Klub-Eigner Roland Klein als skurril.

Oder Olbia Calcio 1905, ein Italienischer Serie-C-Club, an dem eine Investgesellschaft aus dem Kanton Schwyz 70 Prozent übernimmt, wie der Regional-Zeitung «Einsiedler Anzeiger» vom 21. November 2023 zu entnehmen ist. Die Gesellschaft «Swiss Pro Promotion GmbH» ist kürzlich gegründet worden und stellt gemäss der Zeitung «ein Team, das sowohl im Fussballgeschäft als auch in anderen Industriebereichen, im Finanwesen und in Rechtsbelangen über eine langjährige Erfahrung verfügt.». Zwei Protagonisten der Unternehmung sind im weltweit bekannten Klosterdorf Einsiedeln ansässig. Insbesondere auch mit Hilfe des Heiligen Geistes und dank der Internationalisierung im Sport-Business sollte in diesem speziellen Fussballprojekt in Italien nichts mehr schiefgehen. In einer Medienorientierung in der Schweiz gab sich der Olbia-Präsident Alessandro Marino jedenfalls zuversichtlich, was das Sportliche und das Wirtschaftliche des Klubs, der nun zu 70% der Invest-Unternehmung Swiss Pro Promotion GmbH gehört, anbelangt.

Lehre aus den Geschichten: Niemand ist zu klein, um im Fussball der Grösste zu sein – oder zu werden.

Defekte Wasserschacht-Abdeckung, Fussball-Pleiten und eine Sportler-Tragödie

(causasportnews / Nr. 1083/11/2023, 22. November 2023

Photo by Dimitrije Djekanovic on Pexels.com

(causasportnews / red. / 22. November 2023) Formel 1-Rennen sind bekanntlich nicht ungefährlich, auch wenn sich tödliche Unfälle oder Unfälle mit schweren Verletzungen dank der Sicherheits-Bauweise der Autos nur noch höchst selten ereignen. Das Auftakttraining zum Formel 1-GP in Las Vegas hat jedoch vor Augen geführt, dass im Rennsport die Gefahren – auch für das Publikum – durchaus anderweitig lauern können, etwa auf dem Asphalt. So musste das erste Training zum Grand Prix in der Spieler- und Zocker-Metropole bereits nach 19 Minuten abgebrochen werden. Die defekte Abdeckung eines Wasserschachts auf dem Circuit war die Ursache. Die Weiterführung des Trainings hätte wegen dieses Streckenmangels in eine Katastrophe ausmünden können. Das zweite Training konnte erst viel später, nach erfolgter Reparatur an der schadhaften Abdeckung, absolviert werden, allerdings vor leeren Tribünen. Was nach dem von Weltmeister Max Verstappen gewonnenen Rennen vermutet und wohl teils auch erwartet wurde, traf umgehend ein: Eine US-Anwaltskanzlei reichte ein paar Stunden nach Rennschluss am Bundesgericht in Nevada eine Sammelklage gegen den Organisator des Rennens im Namen von 35 000 Zuschauerinnen und Zuschauern ein. Diese seien durch die lange Trainingspause um den Rennsportgenuss gebracht worden, was einen Schadenersatz von 30 000 Dollar pro Person begründe, so die findigen Juristen. Es geht nun also um knapp eine Milliarde Schweizer Franken, welche verlangt wird. Eine Forderung, die nicht bagatellisiert werden darf, sondern ernst genommen werden muss, denn in der amerikanischen Micky Maus-Justiz ist alles möglich. Ausgang offen, könnte in dieser «Causa» prognostiziert werden.

Gewissheit herrscht nun auf jeden Fall bezüglich wichtiger Teilnahme-Entscheide mit Blick auf die im kommenden Jahr in Deutschland stattfindende Fussball-Europameisterschaft. Gastgeber Deutschland ist gesetzt; hätte die Qualifikation gespielt werden müssen, wäre die Mannschaft von Bundestrainer Julian Nagelsmann unter Umständen schon in dieser Phase gescheitert. Statt Qualifikationsspiele zur Heim-EM trugen die Deutschen eben Freundschaftsspiele aus, die, wie es sich gezeigt hat, allerdings im Fiasko endeten. Nach der Pleite vor wenigen Tagen gegen die Türkei verlor Deutschland gegen Österreich nun blamabel gleich 0:2. Deutschland befindet sich wieder einmal im Fussball-Jammertal. Der Stern des aktuellen Heilsbringers Julian Nagelsmann verglühte am Fussball-Himmel schon im Vorfeld des in Deutschland ausgetragenen Kontinental-Turniers.- Eine Pleite erlebten auch die Schweizer Fussballer, die den Rumänen unterlagen, sich aber dennoch mit Ächzen und Stöhnen für das Turnier im nördlichen Nachbarland qualifizierten. Das war es dann wohl für den Nationaltrainer Murat Yakin. Die Schweiz darf an die EM nach Deutschland reisen, jedoch ziemlich sicher angeführt von einem neuen Übungsleiter.

In die Kategorie Unappetitliches gehört zweifelsfrei die Meldung zu Jan Ullrich, dem ehemaligen Ausnahmekönner auf dem Rennrad. Erstmals hat der heute 49jährige aus dem ehemaligen Osten zum Thema Doping im früheren Telekom-Team gesprochen. Den Griff zu verbotenen Substanzen begründet er heute mit der damals fehlenden Chancengleichheit in dieser Disziplin. Ein persönliches, schnörkelloses Doping-Geständnis ist vom Radsport-Champion, der nach seinen grandiosen Erfolgen tief gefallen war (es war ein Totalabsturz im Alkohol- und Drogensumpf, eine Tragödie für den grossen Ex- Sportler und sein Umfeld) und nun «hungrig aufs Leben» ist, allerdings (im Moment?) nicht zu vernehmen. Vielleicht wird er dazu mehr offenlegen, wenn Ende Monat die Dokumentation «Jan Ullrich – der Gejagte» erscheint. So wäre dann mit Blick auf Künftiges in dieser Angelegenheit wieder einmal Ex-Kaiser Franz Beckenbauer zu bemühen: «Schaun mer mal»…